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[de] (orig)
Entwurf und experimentelle Untersuchungen einer
Treibstofftransferschnittstelle für Raumfahrzeuge und ihre
Anwendungsmöglichkeiten für das On-Orbit-Servicing
vorgelegt von
Dipl.-Ing.
Lars Dornburg
an der Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
Dr.-Ing.
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr. ir Maarten Uijt de Haag, Technische Universität Berlin
1. Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Klaus Brieß, Technische Universität Berlin
2. Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Stefanos Fasoulas, Universität Stuttgart
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 06. Mai 2021
Berlin 2022
Für
Evelyn,
Peter, Anne und Nils
In tiefer Dankbarkeit für eure endlose Geduld und die fortwährende Rücksicht,
die ihr während der Erstellung dieser Arbeit aufgebracht habt!
ii
Kurzfassung
Die unbemannte Raumfahrt durchdringt, neben der wissenschaftlichen Anwendung, immer mehr das
öffentliche Leben. Sei es zur Wettervorhersage, für die Navigation, die Telekommunikation oder
zukünftig auch für die Internetkommunikation. Unabhängig vom technischen Zustand gibt es für jeden
Satelliten einen die Lebensdauer einschränkenden Faktor: die Menge des vorhandenen Treibstoffes.
In einer niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) ist es die Fähigkeit einer Bahnabsenkung entgegenzuwirken,
verursacht durch von der Restatmosphäre induzierte Reibungsverluste, die die Lebensdauer eines
Satelliten beschränkt. Im mittleren und geostationären Orbit ist es die Fähigkeit zur Bahn- und
Lageregelung. In beiden Fällen kommen treibstoffgestützte Antriebsysteme zum Einsatz. Ein
erschöpfter Treibstoffvorrat führt unmittelbar zum Verlust der oben genannten Fähigkeiten und damit
zur Beendigung der Satellitenmission. Durch das Auffüllen der Treibstoffvorräte im Weltall kann die
Lebensdauer eines Satelliten, in Abhängigkeit von seinem allgemeinen technischen Zustand, beliebig
verlängert werden.
Inhalt der vorliegenden Arbeit ist eine neuartige Treibstofftransferschnittstelle für die Betankung von
Raumfahrzeugen im Weltall. Grundlage für die Entwicklung der neuartigen
Treibstofftransferschnittstelle war eine ausführliche Recherche und Analyse zum Stand der Technik
beim On-Orbit-Servicing im Allgemeinen und der Betankung von Raumfahrzeugen im Weltall im
Besonderen. Durch experimentelle Untersuchungen an verschiedenen Labormodellen der
Treibstofftransferschnittstelle und einer ausführlichen Analyse der hierbei gewonnen Ergebnisse
konnte das Konzept eines androgynen Fluid Transfer Interface (FTI) erfolgreich verifiziert werden. Die
hierbei durchgeführten Versuche umfassten, neben ausführlichen mechanischen Funktionstests, auch
Druck- und Dichtigkeitstests mit flüssigen und gasförmigen Medien bis zu einem Maximaldruck von
100 bar.
Die Entwicklung des Fluid Transfer Interface erfolgte im Rahmen des Projektes iBOSS (intelligentes
Baukastenkonzept für das On-Orbit-Satellite-Servicing) am Fachgebiet Raumfahrttechnik der
Technischen Universität Berlin. Inhalt von iBOSS war die Entwicklung eines neuartigen, im Weltall
wartbaren, Satellitenkonzeptes. Kernidee war dabei die Zerlegung klassischer monolithischer
Satelliten in Funktionsmodule. Diese würfelförmigen Funktionsmodule (z. B. Batteriemodul,
Reaktionsradmodul, Tankmodul oder Antriebsmodul) sollten über lösbare Schnittstellen zur Daten-,
Strom- und Treibstoffübertragung sowie zur Übertragung mechanischer und thermaler Lasten
miteinander zu einem im Weltall zerlegbaren Satelliten verbunden werden. Bei einer Reparatur oder
Modernisierung müssen dann lediglich die betroffenen Module im Satelliten (Client) von einem
Wartungssatelliten (Servicer) gegen neue Module ausgetauscht werden. Hierzu wird das betroffene
Modul durch Lösen der Schnittstellen mittels des Servicers von den anderen Modulen im Client
getrennt und ein neues Modul an seiner statt eingefügt. Designtreiber für die neuartige
Treibstofftransferschnittstelle sind die in dem Projekt iBOSS aufgestellten Randbedingungen.
Da die androgyne Verschlusskupplung des Fluid Transfer Interface eine neue Problemlösung für die
wiederholbare Verbindung von fluidführenden Leitungen darstellt, wurde diese von der Technischen
Universität Berlin erfolgreich zum Patent angemeldet.
Der zweite Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit ist die Entwicklung von Konzepten für im Weltall
wartbare Antriebssysteme als Teil eines modularen iBOSS-Satelliten. Hierzu wurden verschiedene
Möglichkeiten zur Modularisierung von Satellitenantriebssystemen betrachtet. Auf Basis dessen
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wurden Anpassungen am Aufbau und Betrieb der Treibstoffverteilungssysteme für verschiedene
Satellitenantriebssysteme ausgearbeitet und diskutiert. Unabhängig davon wurden auch Konzepte
zum Einsatz des Fluid Transfer Interface beim Wiederbetanken klassischer Satelliten betrachtet. Hier
lag der Schwerpunkt auf der Anwendung des Fluid Transfer Interface in bereits erprobten Systemen
zum On-Orbit-Servicing und die damit verbundenen Anpassungen an Servicer und Client.
Das Projekt iBOSS (intelligentes Baukastenkonzept für das On-Orbit-Satelliten-Servicing) wurde
gefördert durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) (FKZ iBOSS-1: 50RA1005;
FKZ iBOSS-2: 50RA1200, FKZ iBOSS-3: 50RA1501).
iv
Abstract
In addition to scientific applications, unmanned space flight is increasingly affect public life. Whether
for weather forecasting, navigation, telecommunications or, in the future, also for Internet
communication. Irrespective of the technical state of the satellite, there is one factor that limits its
service life: the amount of fuel available. In a low earth orbit (LEO), it is the ability to counteract a
lowering of the orbit caused by frictional losses induced by the residual atmosphere that limits the
lifetime of a satellite. In medium and geostationary orbit, it is the ability to control orbit and attitude.
In both cases, propellant-based propulsion systems are used. An exhausted fuel supply leads directly
to the loss of the above mentioned capabilities and thus to the termination of the satellite mission. By
replenishing fuel stocks in space, the life of a satellite can be extended at will, depending on its general
technical condition.
The content of the present work is a novel fuel transfer interface for the refuelling of spacecraft in
space. The basis for the development of the novel fuel transfer interface was a detailed research and
analysis of the state of the art in on-orbit servicing in general and the refuelling of spacecraft in space
in particular. The concept of an androgynous Fluid Transfer Interface (FTI) was successfully verified by
experimental investigations on various laboratory models of the Fluid Transfer Interface and a detailed
analysis of the results obtained. In addition to extensive mechanical function tests, the tests carried
out here included pressure and leakage tests with liquid and gaseous media up to a maximum pressure
of 100 bar.
The Fluid Transfer Interface was developed within the framework of the iBOSS project (intelligentes
Baukastenkonzept für das On-Orbit-Satellite Servicing) at the Chair of Space Technology at Technische
Universität Berlin. The content of iBOSS was the development of a novel satellite concept that can be
maintained in space. The core idea was to break down classical monolithic satellites into functional
modules. These cube-shaped functional modules (e.g. battery module, reaction wheel module, tank
module or thruster module) were to be connected to each other via detachable interfaces for data,
power and fuel transmission as well as for the transmission of mechanical and thermal loads to form
a satellite that could be disassembled in space. In case of repair or modernisation, only the affected
modules in the satellite (client) have to be exchanged by a maintenance satellite (servicer) for new
modules. For this purpose, the affected module is separated from the other modules in the client by
detaching the interfaces by means of the servicer and a new module is inserted in its place. Design
drivers for the new Fluid Transfer Interface are the boundary conditions established in the iBOSS
project.
Since the androgynous coupling of the Fluid Transfer Interface represents a new problem solution for
the repeatable connection of fluid-carrying lines, a patent application was successfully filed by
Technische Universität Berlin.
The second focus of the present work is the development of concepts for space maintainable
propulsion systems as part of a modular iBOSS satellite. For this purpose, different possibilities for the
modularisation of satellite propulsion systems were considered. On the basis of this adjustments to
the design and operation of fuel distribution systems for different satellite propulsion systems were
worked out and discussed. Independently of this, concepts for the use of the Fluid Transfer Interface
for refuelling classic satellites were also considered. Here, the focus was on the application of the Fluid
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