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[de] (orig)
Mikrostruktur, Textur und
Eigenspannungen von stranggepressten
und reibrührgeschweißten aushärtbaren
Aluminiumlegierungen
vorgelegt von
Diplom-Ingenieur
Jörg Wegener
aus Berlin
Von der Fakultät III - Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
-Dr.-Ing.-
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender Prof. Dr.-Ing. M. H. Wagner
Berichter: Prof. Dr. rer. nat. H. Schubert
Berichter: Prof. Dr. rer. nat. W. Reimers
Tag der wissenschaftlichen Aussprach: 18.09.2001
Berlin 2001
D83
II
Abstract
Jörg Wegener
Mikrostruktur, Textur und Eigenspannungen von stranggepressten und reib-
rührgeschweißten aushärtbaren Aluminiumlegierungen
Im Rahmen dieser Arbeit werden am Beispiel des Aluminiumwerkstoffes
PM-AlSi25Cu4Mg1 nach dem Strangpressen sowie der Aluminiumlegierung 6013
nach dem Reibrührschweißen der Einfluss von Verfahrensparameter bei der Warm-
umformung auf Mikrostruktur, Textur und Eigenspannungen untersucht.
Zur zerstörungsfreien Texturanalyse und Eigenspannungsanalyse wurden Beu-
gungsverfahren mit Röntgen-, Neutronen- und hochenergetischer Synchrotronstrah-
lung eingesetzt. Die mit den verschiedenen Verfahren verbundenen unterschiedli-
chen Eindringtiefen werden genutzt, um umfassende Untersuchungen der gesamten
Proben zu ermöglichen. Die Beurteilung des Ausscheidungszustandes und des Ge-
füges erfolgt mit mikroskopischen Untersuchungen. Weiterhin wurden die Festig-
keitskennwerte der Strangpressprodukte mittels Zugversuchen bei Raumtemperatur
und erhöhter Temperatur ermittelt. Als mechanischer Kennwert der reibrührge-
schweißten Bleche wurde die Mikrohärte aufgenommen.
Der pulvermetallurgische Aluminiumwerkstoff AlSi25Cu4Mg1 verhält sich beim
Strangpressen wie ein teilchenverstärkter Metallmatrixverbundwerkstoff. Der Aus-
scheidungszustand ist entscheidend für das mechanische Verhalten der strangge-
pressten Produkte. Die Größe der intermetallischen Verbindungen hängt im wesent-
lichen von den beim Strangpressen erreichten Temperaturen ab. Nach dem
Strangpressen weist die Aluminiummatrix eine <100>/<111> Doppelfasertextur auf.
Der Eigenspannungszustand der Strangpressprodukte wird durch die thermischen
Mikrospannungen bestimmt, die durch den Unterschied der thermischen Ausdeh-
nungskoeffizienten der Aluminiummatrix und der Siliziumpartikel verursacht werden.
Aufgrund der langsamen Abkühlung der Produkte treten nur geringe Makroeigen-
spannungen auf.
Der Materialfluss beim Reibrührschweißen wird durch die Verfahrensparameter be-
stimmt. Die thermischen Vorgänge während und nach dem Schweißen sind die Ur-
sache für die Eigenspannungen beim Reibrührschweißen. Die Lage der Eigenspan-
nungsmaxima ist stark vom Werkzeugdurchmesser abhängig. Durch die starke
Erwärmung wachsen die Ausscheidungen. Neben dem Ausscheidungszustand wird
die Mikrohärte durch Kaltverformung und die Korngröße bestimmt.
III
Vorwort des Betreuers
Die steigenden Anforderungen an den Eigenschaften von Werkstoffen erfordern eine
stetige Optimierung bzw. Neuentwicklung dieser, sowie ihrer Herstellungs- bzw. Be-
arbeitungsverfahren. Für die Anwendung ist es erforderlich, dass die Werkstoffe bzw.
ihr Verhalten hinreichend charakterisiert werden.
Im Rahmen der vorliegender Arbeit wird zum einen der neu entwickelte pulvermetal-
lurgische (PM) Aluminiumwerkstoff AlSi25Cu4Mg1 nach dem Strangpressen und
zum anderen die einphasige Aluminiumlegierung 6013 nach dem Reibrührschweißen
untersucht. Beide Verfahren sind durch eine hohe plastische Verformungen bei er-
höhter Temperatur gekennzeichnet. Durch hohe plastische Verformungen entstehen
Texturen, die ihrerseits zu Mikroeigenspannungen führen können. Weiterhin können
inhomogene plastische Verformungen sowie Temperaturgradienten bei der Warm-
umformung Eigenspannungen hervorrufen.
Zur zerstörungsfreien Texturanalyse und Eigenspannungsanalyse werden Beu-
gungsverfahren eingesetzt. Im oberflächennahen Bereich wird hierfür konventionelle
Röntgenstrahlung verwendet. Im Volumen werden für die Untersuchungen Neutro-
nen- und hochenergetische Synchrotronstrahlung, die eine hohe lokale Auflösung
ermöglichen, verwendet. Die mit den verschiedenen Verfahren verbundenen unter-
schiedlichen Eindringtiefen ermöglichen eine umfassende Untersuchung der gesam-
ten Probengeometrie.
Die Beurteilung des Gefüges und des Ausscheidungszustandes erfolgt durch beglei-
tende Untersuchungen am Lichtmikroskop sowie an REM und TEM. Die Festigkeits-
kennwerte der stranggepressten Profile werden mit Zugversuchen bei
Raumtemperatur und bei erhöhter Temperatur ermittelt. Als mechanischer Kennwert
der reibrührgeschweißten Bleche wird die Mikrohärte berücksichtigt.
Änderungen der Werkstoffeigenschaften und der Zusammenhänge zwischen Pro-
zessparametern, Gefüge, Eigenspannungen und Textur vorgenommen werden be-
trachtet.
Berlin, im September 2001 Walter Reimers
IV
Vorwort des Verfassers
Die vorliegende Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mit-
arbeiter in der Abteilung „Strukturforschung - Werkstoffe“ am Hahn-Meitner-Institut
Berlin in den Jahren 1998-2001.
Mein besonderer Dank gilt dabei Herrn Prof. Dr. W. Reimers, dem Leiter der Abtei-
lung, für die Anregung und Betreuung der Arbeit. Weiterhin danke ich für die Über-
nahme des Gutachtens.
Herrn Prof. Dr. H. Schubert danke ich herzlich für das Interesse, das er dieser Arbeit
entgegengebracht hat und für die Erstellung des Gutachtens.
Bei Herrn Prof. Dr. M. H. Wagner bedanke ich mich besonders für die Übernahme
des Vorsitzes im Promotionsausschuss.
Für die fachlichen anregenden Diskussionen und Ratschläge bin ich Frau Dr. A.
Pyzalla, die auch die kritische Durchsicht des Manuskriptes übernommen hat, sehr
dankbar.
Weiterhin möchte ich mich bei Dr. Ch. Genzel für die fachlichen Diskussionen und
Hinweise bedanken. Ferner gilt mein Dank der gesamten Arbeitsgruppe „Zentrum für
Eigenspannungsanalyse“ für ihre Unterstützung und die gute Zusammenarbeit, ins-
besondere Herrn cand.-Ing. E. Lima und Herrn cand.-Ing. E. Wild.
Berlin, im September 2001 Jörg Wegener
Inhaltsverzeichnis
V
Inhaltsverzeichnis
0 Formelzeichen und Abkürzungen.....................................................................VII
1 Einleitung...............................................................................................................1
2 Stand der Erkenntnisse........................................................................................4
2.1 Formgebungsprozesse....................................................................................4
2.1.1 Strangpressen..........................................................................................5
2.1.2 Reibrührschweißen ................................................................................12
2.2 Mikrostrukturelle Veränderungen bei der Warmverformung........................15
2.2.1 Metallkundliche Prozesse ......................................................................15
2.2.2 Texturen .................................................................................................19
2.2.3 Eigenspannungen ..................................................................................31
3 Ziel der Arbeit......................................................................................................44
3.1 Strangpressen von PM-AlSi25Cu4Mg1 ........................................................44
3.2 Reibrührschweißen der Aluminiumlegierung 6013.......................................45
4 Experimentelle Untersuchung...........................................................................46
4.1 Stranggepresstes PM-AlSi25Cu4Mg1 ..........................................................46
4.2 Reibrührschweißverbundenes Al 6013.........................................................49
4.3 Mikrostruktur..................................................................................................50
4.4 Untersuchungen mit Beugungsmethoden ....................................................52
4.4.1 Konventionelle Röntgenstrahlung..........................................................52
4.4.2 Neutronenstrahlung................................................................................55
4.4.3 Hochenergetische Synchrotronstrahlung ..............................................56
4.5 Mechanische Werkstoffprüfung.....................................................................59
Inhaltsverzeichnis
VI
5 Ergebnisse...........................................................................................................60
5.1 Strangpressprodukte aus PM-AlSi25Cu4Mg1..............................................60
5.1.1 Strangpressen........................................................................................60
5.1.2 Mikrostruktur...........................................................................................66
5.1.3 Textur......................................................................................................73
5.1.4 Eigenspannungen ..................................................................................91
5.1.5 Mechanische Eigenschaften..................................................................98
5.2 Reibrührgeschweißte Al-6013 Bleche.........................................................103
5.2.1 Mikrostruktur.........................................................................................103
5.2.2 Textur....................................................................................................108
5.2.3 Eigenspannungen ................................................................................112
6 Diskussion .........................................................................................................122
6.1 Strangpressprodukte aus PM AlSi25Cu4Mg1............................................122
6.1.1 Strangpressen......................................................................................122
6.1.2 Mikrostruktur.........................................................................................125
6.1.3 Textur....................................................................................................127
6.1.4 Eigenspannungen ................................................................................132
6.1.5 Mechanische Eigenschaften................................................................133
6.2 Reibrührgeschweißte Al-6013 Bleche.........................................................135
6.2.1 Mikrostruktur.........................................................................................136
6.2.2 Textur....................................................................................................138
6.2.3 Eigenspannungen ................................................................................138
7 Folgerung...........................................................................................................145
8 Zusammenfassung ...........................................................................................147
8.1 Strangpressen von PM-AlSi25Cu4Mg1 ......................................................147
8.2 Reibrührschweißen der Aluminiumlegierung 6013.....................................149
9 Literaturverzeichnis..........................................................................................152
0 Formelzeichen und Abkürzungen
VII
0 Formelzeichen und Abkürzungen
Formelzeichen:
A Querschnittsfläche der Probe
A0Querschnittsfläche der Probe im Ausgangszustand
AgGleichmaßdehnung
c Lichtgeschwindigkeit im Vakuum
D Durchmesser
dhkl Gitterebenenabstand der Gitterebenenschar {hkl}
d0Gitterebenenabstand im dehnungsfreien Zustand
hkl
0
dGitterebenenabstand der Gitterebenenschar {hkl} im dehnungsfreien
Zustand
hkl
dϕψ Gitterebenenabstand der Gitterebenenschar {hkl} im Messpunkt (ϕ,ψ)
dV Volumenanteil
E Energie
f Volumenanteil
Fhkl Flächenhäufigkeit einer Netzebenenschar
FKraft
h Planck’sche Konstante
i, j Zählvariablen (Werte von 1-n)
J(g) Texturindex (Orientierung)
KiKristallsystem
kfFließgrenze
l Länge
l0Ausgangslänge
LiKomponente des Richtungsvektors im Laborsystem
PiKomponente des Richtungsvektors im Probensystem
r Radius
RmZugfestigkeit
0 Formelzeichen und Abkürzungen
VIII
Rp0,2 0,2 % Dehngrenze
Rp1 1 % Dehngrenze
RT Raumtemperatur
hkl
1
s,½hkl
2
sDiffraktionselastische Konstanten der Gitterebenenschar {hkl}
V Volumen
v Geschwindigkeit
Vpr Gesamtpressverhältnis
α,β,γ,... Phasen eines mehrphasigen Werkstoffes
εEinachsige Dehnung
hkl
εϕψ Gitterebenendehnung der Gitterebenenschar {hkl} im Messpunkt (ϕ,ψ)
εDehngeschwindigkeit
ϕAzimutwinkel
ϕUmformgrad
ϕUmformgeschwindigkeit
ϕ1,Φ,ϕ2Eulerwinkel
λWellenlänge
θReflexionswinkel (halber Beugungswinkel)
ψInklinationswinkel
σI,σII,σIII Eigenspannung I., II. und III. Art
Abkürzungen:
BSE Rückstreuelektronen (engl. back scanning electron)
DEK Diffraktionselastische Konstanten
DIC Phaseninterferenzkontrast
EDX Energiedispersive Röntgenanalyse
ESRF European Synchrotron Radiation Facility, Grenoble, Frankreich
FSW Reibrührschweißen (eng.: friction stir welding)
GP Guinier-Preston-Zonen
0 Formelzeichen und Abkürzungen
IX
GPB Guinier-Preston-Bagaryatsky-Zonen
hkl Miller-Indizes einer Gitterebene
HMI Hahn-Meitner-Institut Berlin, Deutschland
ID Insertion Device am ESRF
ID15 Beamline am ESRF, Grenoble, Frankreich
JCPDS Datenbank
KαCharakteristische α-Strahlung
kfz Kubisch-flächenzentriert
krz Kubisch-raumzentriert
NR Normalenrichtung
ODF Orientierungsverteilungsfunktion (engl.: Orientation Distribution Functi-
on)
OED Ortsempfindlicher Detektor
QR Querrichtung
REM Rasterelektronenmikroskop
SE Sekundärelektronen
TEM Transmissionselektronenmikroskop
TMEZ thermomechanisch beeinflusste Zone
uvw Miller-Indizes einer Gitterrichtung
PM Pulvermetallurgisch
WEZ Wärmeeinflusszone
WR Walzrichtung
1 Einleitung
1
1 Einleitung
Aluminiumlegierungen werden seit geraumer Zeit für die Luft- und Raumfahrt, für den
Maschinenbau, für die Chemische- und Nuklearindustrie, für die Fahrzeugindustrie
sowie für Sportartikel entwickelt. Antrieb für diese Entwicklung ist stets die Forderung
nach einer Erhöhung der Wirtschaftlichkeit, d.h. im Falle des Automobilbaus: Steige-
rung des Wirkungsgrades, Reduzierung des Kraftstoffverbrauches und Verbesserung
der Abgaswerte. Der Ersatz von Bauteilen aus Stahl und Grauguss durch Bauteile
aus Aluminiumwerkstoffen ist aufgrund des Dichteverhältnisses von Aluminium zu
Eisenwerkstoffen von 1:3 sehr interessant. Daher können durch den Einsatz von Alu-
miniumwerkstoffen Gewichtsreduzierungen erreicht werden, die besonders bei be-
wegten bzw. beschleunigten Massen sehr effektiv hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit
sind. Dieses ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Optimierung der Bauteilgeo-
metrie durch Ausnutzung verbesserter Werkstoffeigenschaften nicht möglich ist, da
das Bauteilvolumen durch andere konstruktive Bedingungen konstant gehalten wer-
den muss.
Beim Einsatz in Verbrennungsmotoren z.B. als Hochleistungskolben, Laufbuchse,
Einlassventil etc. ergeben sich weitere Anforderungen an den Werkstoff [HUM95]:
Hohe statische und dynamische Festigkeit bei Einsatztemperaturen bis zu
450°C.
Erhöhter E-Modul auf Werte bis zu 100 GPa bei Raumtemperatur, mit nur ei-
ner mäßigen Verringerung bei höheren Temperaturen.
Hohe Temperaturwechselfestigkeit.
Hohe Verschleißbeständigkeit bei abrasiver bzw. gleitender Beanspruchung
unter wechselnden Bedingungen.
Geringer thermischer Ausdehnungskoeffizient.
Gute thermische Leitfähigkeit.
Extreme Gefügestabilität bis zu Temperaturen weit über der Einsatztempera-
tur.
Hohes Formänderungsvermögen bzw. gute Bearbeitbarkeit.
Ein solches Anforderungsprofil, besonders der Aspekt der hohen Anwendungstem-
peratur, kann von Aluminiumlegierungen mit der üblichen Ausscheidungshärtung
nicht erfüllt werden. Daher kommen für den Einsatz in Verbrennungsmotoren nur A-
luminiumwerkstoffe mit Dispersionsverfestigung in Frage, um Versetzungsbewegung
bei allen Betriebstemperaturen zu blockieren. Als Dispersoide kommen keramische
1 Einleitung
2
oder intermetallische Verbindungen mit geringen Diffusionsgeschwindigkeiten in der
Aluminiummatrix zum Einsatz.
Um den thermischen Ausdehnungskoeffizienten zu reduzieren, wird eine hinreichend
große Menge Silizium im Aluminiumwerkstoff benötigt. Der überwiegende Anteil des
Siliziums sollte zweckmäßigerweise als primäre Ausscheidung in der Aluminiummat-
rix vorliegen, um den E-Modul des Werkstoffes zu erhöhen. Die Größe, die Vertei-
lung und der Anteil der primären Siliziumausscheidungen beeinflussen auch sehr
stark die Dauer- und die Verschleißfestigkeit. Für hohe Dauerfestigkeitwerte sind
kleine Ausscheidungen des Siliziums mit einer Größe von 2-3 µm geeignet. Gute
tribologische Eigenschaften werden durch Ausscheidungsgrößen von 20-30 µm er-
reicht [HUM99]. Für jeden Einsatz ist daher je nach Anforderungsprofil an den Werk-
stoff ein Kompromiss zu finden. Eine neue Entwicklung auf dem Gebiet der Alumini-
umwerkstoffe mit hohem Siliziumgehalt ist der pulvermetallurgische Werkstoff
AlSi25Cu4Mg1.
Das Strangpressen ist nach DIN 8580 in die Untergruppe Druckumformung der Um-
formverfahren eingeordnet. Der allseitige Druckspannungszustand in der Umformzo-
ne ist besonders günstig für das Formänderungsvermögen. Neben großen Formän-
derungen in einem Umformschritt, der Herstellung von Profilen mit komplizierten
Querschnitten, können auch schwerer verformbare Werkstoffe umgeformt werden
[MÜL95]. Bedingt durch unterschiedliche Halbzeuggeometrien, zu verpressende Ma-
terialien und Anforderungen an das Produkt, sind unterschiedliche Ausführungen des
Strangpressens entwickelt worden. Für Aluminium und seine Legierungen ist das
Strangpressen das bevorzugte Verfahren zur Herstellung von Halbzeugen mit kon-
stantem Querschnitt über große Längen. Auch zur Umformung von AlSi25Cu4Mg1
sind Strangpressverfahren geeignet.
Ein neues Verfahren, das Warmformgebung und Fügen verbindet, ist das Reibrühr-
schweißen (FSW, eng.: friction stir welding). Das Reibrührschweißen wurde 1991
erfunden [THO91] und wird mittlerweile in ersten industriellen Anwendungen einge-
setzt. Das Verfahren eignet sich besonders gut zum Verschweißen von Leichtmetal-
len wie zum Beispiel Aluminium [THO91]. Bei diesem Verfahren wird ein zylinderför-
miges Werkzeug eingesetzt, das aus einem profilierten Stift besteht, der unter einer
Schulter angeordnet ist. Dieser Stift wird rotierend zwischen die Werkstücke einge-
bracht, wobei sich das Material durch die auftretende Reibung erwärmt und plastifi-
ziert. Wenn der Grad der Plastifizierung ein ausreichendes Maß erreicht hat, wird der
Stift entlang der Naht geführt. Dabei wird das plastifizierte Material vom Stift durch
die Rotation verrührt und zur Rückseite verdrängt, so dass sich die Bleche am hinte-
ren Ende des Werkzeuges in einem Warmumformprozess verbinden. Beim Abkühlen
1 Einleitung
3
bildet sich eine feste Verbindung. Der Schmelzpunkt wird nicht erreicht. Da der FSW-
Prozess, im Gegensatz zu konventionellen Schmelzschweißverfahren, bei Tempera-
turen unterhalb des Schmelzpunktes erfolgt, werden nachteilige Gefügeveränderun-
gen beim Erstarren der Schmelze vermieden. Neben der hohen statischen Festigkeit
der Nahtverbindung ist auch die hohe Ermüdungsfestigkeit [DAL98, GOU98] der un-
behandelten Schweißnaht hervorzuheben, die insbesondere auf die poren- und kerb-
freie Nahtausbildung zurückzuführen ist.
Das Reibrührschweißen zeichnet sich als Verfahren ab, das durch das hohe Automa-
tisierungspotential und den Wegfall von Nieten und Überlappungen eine gleichzeitige
Reduktion von Herstellungskosten und Gewicht von Luft- und Raumfahrtstrukturen
ermöglicht [ARB98, JON98, WAL98]. Bislang wird das Verfahren auf Maschinen ein-
gesetzt, die in ihrem Aufbau Fräsmaschinen ähnlich sind. In Zukunft werden Indust-
rieroboter in der Lage sein, ausreichende Kräfte aufzubringen. Dabei wird eine höhe-
re Flexibilität hinsichtlich Fügegeometrie und Nahtlage erreicht. Auf diese Weise
lassen sich künftig auch Aluminiumlegierungen bzw. Aluminiumwerkstoffe
(Al-MMC´s), die bisher nicht geschweißt werden konnten, miteinander verschweißen
[PAL99]. Metallurgisch ist die FSW-Schweißbarkeit mit der Strangpressbarkeit der zu
fügenden Werkstoffe zu vergleichen [PAL99]. Das Verfahren wird es den Herstellern
in naher Zukunft erlauben, große Leichtmetallbleche zusammenzufügen, wie sie bei
der Herstellung von Großraumflugzeugen, z.B. dem Airbus A3XX gebraucht werden.
Die weitere Entwicklung bzw. der Einsatz des FSW-Prozesses in der Praxis ist ab-
hängig davon, dass ein ausreichendes Verständnis über die im Prozess entstande-
nen Mikrostrukturen und die Eigenspannungen, über die z. Zt. wenig bekannt ist,
gewonnen wird.
2 Stand der Erkenntnisse
4
2 Stand der Erkenntnisse
2.1 Formgebungsprozesse
Umformen heißt nach DIN 8580 die gegebene Form eines festen Körpers in eine be-
stimmte andere Form unter Beibehaltung von Masse und Stoffmenge zu überführen,
d.h. Beherrschung der Geometrie. Im Gegensatz dazu ist das Verformen eine Ände-
rung der Form ohne Beherrschung der Geometrie. Die Umformverfahren werden
nach der wirksamen Spannung in der Umformzone in die Gruppen Druck-,
Zug-Druck-, Zug-, Biege- und Schubumformen eingeteilt. Kriterien für Untergruppie-
rungen sind Relativbewegung Werkzeug-Werkstück, Werkzeuggeometrie und Werk-
stückgeometrie. Häufig werden zwei oder mehr Grundverfahren kombiniert, d.h.
gleichzeitig oder nacheinander in einem Arbeitsgang durchgeführt. Der Werkstoff-
fluss bei der Umformung von Werkstoffe wird nicht nur durch seine Zusammenset-
zung und Gefügeausbildung, sondern auch durch die Temperatur und die Geschwin-
digkeit des Umformprozesses sowie durch die Gestaltung der Umformwerkzeuge
bestimmt. Die Umformbarkeit eines Werkstoffes wird durch sein Formänderungsver-
mögen und seinen Formänderungswiderstand bestimmt.
Bei metallischen Werkstoffen wird zwischen Kaltumformen und Warmumformen un-
terschieden. Das Kaltumformen erfolgt bei Temperaturen unterhalb der Rekristallisa-
tionstemperatur des betreffenden Metalls, überwiegend aber bei Raumtemperatur,
das Warmumformen oberhalb der Rekristallisationstemperatur. Bei der Kaltumfor-
mung führt Kaltverfestigung zu einer Festigkeitssteigerung, die durch Rekristallisati-
onsglühen rückgängig gemacht werden kann. Durch den Fortfall des Wärmeeinflus-
ses auf Werkstofffestigkeit und Schwindung ergibt die Kaltumformung maßgenauere
Werkstücke als die Warmumformung. Von besonderer Bedeutung, für die Gleichmä-
ßigkeit der Umformung über den Querschnitt des Umformproduktes, sind die Gestalt
des Produktes und die Reibung zwischen Werkstück und Werkzeug.
Zur Charakterisierung von Umformvorgängen werden die in der Umformzone herr-
schenden mechanischen Spannungen den Richtungen eines dreiachsigen räumli-
chen Koordinatensystems zugeordnet. In jeder Richtung treten in der Schnittebene
eine Normalspannung und zwei senkrecht dazu stehende Schubspannungen auf.
Üblicher Weise werden die Koordinaten parallel zu den Richtungen der größten
Normalspannungen gelegt. Der Spannungszustand lässt sich so allein durch die drei
Normalspannungen σ1,σ2und σ3(Hauptspannungen) beschreiben, da definitions-
gemäß keine Schubspannungen vorhanden sind. Nach der Fließhypothese von
2 Stand der Erkenntnisse
5
Tresca tritt plastisches Fließen ein, wenn zwischen der größten und der kleinsten
Hauptspannung eine bestimmte Differenz vorhanden ist. Diese Differenz wird als kri-
tischen Spannung (Fließspannung) bezeichnet und in der Umformtechnik mit der
Werkstoffgröße Fließgrenze kfgekennzeichnet. Hierbei ist es gleichgültig, ob das
plastische Fließen durch Druck- oder Zugspannungen zustande kommt.
Der Bereich vor Erreichen dieser Fließgrenze wird als elastischer Bereich bezeich-
net, in dem eine reversible Formänderung erfolgt. Im Fließbereich selbst treten so-
wohl plastische als auch elastische Verformungen auf. Bei einer einachsigen Bean-
spruchung, z. B beim Zug- oder Stauchversuch, kann die Fließgrenze aus der auf die
momentane Querschnittsfläche Abezogenen Kraft Fberechnet werden.
Im Falle der einachsigen Verformung wird zur Beschreibung der plastischen Verfor-
mung die Dehnung
ε
der Probe aus dem Verhältnis von Ausgangslänge l0und End-
länge lbestimmt.
0
0
l
ll
=ε (2.1)
Als einfaches M für die Größe plastischer Formänderungen lässt sich, bei Annah-
me homogener Umformung aus der Änderung äußerer Werkstückabmessungen, der
Umformgrad ϕangeben. Er wird als natürlicher Logarithmus des Quotienten der
Querschnittsfläche A0vor der Umformung und Querschnittsfläche A nach der Um-
formung gebildet.
A
A
ln 0
=ϕ (2.2)
Es ergibt sich der Zusammenhang zwischen Dehnung und Umformgrad wie folgt:
)1ln( ε+=
ϕ
(2.3)
Bei der Umformung eines Werkstücks in mehreren Schritten wird der Gesamtum-
formgrad aus der Summe der Einzelumformgrade berechnet. Bei einfacher mehrdi-
mensionaler Umformung wird der Umformgrad i. d. R. für die Richtung der maxima-
len Umformung angegeben, bei komplizierterer mehrdimensionaler Umformung
werden tensorielle Größen verwendet.
2.1.1 Strangpressen
Das Strangpressen ist nach DIN 8580 in die Untergruppe Druckumformung der Um-
formverfahren eingeordnet. Von besonderer Bedeutung für das Strangpressen ist,
dass alle drei Hauptspannungen Druckspannungen sind. Die Spannung in axialer
2 Stand der Erkenntnisse
6
Richtung σ3ist dem Betrag nach am größten. Bei einem zylindrischen Bolzen sind
die Spannungen in radialer Richtung σ1und die Spannungen in tangentialer Richtung
σ2etwa gleich groß, im Betrag aber kleiner als σ3.
Nach der Fließhypothese von Tresca ist die Fließgrenze vom Spannungszustand
unabhängig, das Formänderungsvermögen eines Werkstoffes hingegen vergrößert
sich mit zunehmendem mittleren Druck. Durch die Plastifizierung unter mehrachsi-
gem Druck wird beim Strangpressen ein hohes Formänderungsvermögen der umzu-
formenden Werkstoffe erreicht [LAU76, FRO95].
Für Aluminium und seine Legierungen ist das Strangpressen das bevorzugte Verfah-
ren zur Herstellung von Halbzeugen mit konstantem Querschnitt über große Längen
[LAU76]. Beim Strangpressen von Metallmatrixverbundwerkstoffen (MMC´s) werden
höhere Kräfte zur Umformung benötigt als beim Strangpressen der entsprechenden
Metallmatrix. Das Strangpressen von pulvermetallurgisch hergestellter Aluminiumle-
gierungen mit hohen Siliziumgehalt wird in [MÜL94, MÜL96] beschrieben.
Bedingt durch unterschiedliche Halbzeuggeometrien, zu verpressende Materialien
und Anforderungen an das Produkt sind unterschiedliche Ausführungen des Strang-
pressens entwickelt worden (Abb. 2.1). So unterscheidet man nach der Verarbei-
tungstemperatur Kalt- und Warmstrangpressen. Nach der Strangbewegung relativ
zur Stempelbewegung wird zwischen direktem und indirektem Strangpressen unter-
schieden. Je nach Art der Krafteinleitung unterscheidet man zwischen konventionel-
lem und hydrostatischem Strangpressen, von der Lage der Pressachse abhängig
nach liegender oder stehender Bauweise. Weiterhin wird unterschieden, ob mit oder
ohne Schale und im letztgenannten Fall mit oder ohne Schmierung gepresst wird.
[ALT79, KAR95, LAU76, SIE95]
Aus dem Produktschnitt Aund dem Ausgangsquerschnitt A0errechnet sich das Ge-
samtpressverhältnis VPr zu:
A
A
V0
Pr =(2.4)
Aus dem logarithmischen Gesamtpressverhältnis ergibt sich nach (2.2) der Umform-
grad
ϕ
. Die Produktgeschwindigkeit und die Stempelvorschubgeschwindigkeit kön-
nen über den Zusammenhang (2.5) ineinander umgerechnet werden.
StempelProduktPr vVv = (2.5)
Da der Materialfluss beim Strangpressen in der Umformzone eine starke Beschleuni-
gung erfährt, bereitet die Bestimmung der Formänderungsgeschwindigkeit Schwie-
2 Stand der Erkenntnisse
7
rigkeiten [LAU76]. Aus der Literatur ist eine Abschätzung für eine mittlere Formände-
rungsgeschwindigkeit bekannt, die zur Vereinfachung von einer kegeligen Umform-
zone voraussetzt [LAU76]. In der Formel (2.6) gibt Dden Aufnehmerdurchmesser an.
D
v6 Stempel
mittel
ϕ
=ϕ
(2.6)
Abb. 2.1: Prinzipielle Darstellung der Strangpressverfahren und des Materialflus-
ses [KAR95]
Der prinzipielle Arbeitsablauf besteht aus mehren Schritten und wird im weiteren kurz
zusammengefasst. Zunächst wird auf das Sprühkompaktieren eingegangen, das die
Möglichkeit zur Herstellung von Pressbolzen mit hohem Hartstoffanteil bietet.
Pressbolzenherstellung durch Sprühkompaktieren
Das Sprühkompaktieren ist eine neue Technologie zur Herstellung endkonturnaher
Bauteile oder Halbzeuge wie Rohre, Scheiben, Stangen oder Bleche. Diese Verfah-
renstechnik lässt sich an der Grenze zwischen pulvermetallurgischen Fertigungs-
techniken und endabmessungsnahem Gießen einordnen. Durch Sprühkompaktieren
hergestellte Werkstoffe besitzen sehr feine, mit PM-Werkstoffen vergleichbare Gefü-
ge mit homogenen Element- und Phasenverteilungen, minimalen Seigerungen, ho-
her Reinheit und daraus resultierenden hervorragenden mechanischen und physika-
lischen isotropen Eigenschaftsprofilen sowie verbesserter Beständigkeit unter
korrosiven Bedingungen [STO97]. Das Sprühkompaktieren ist im Besonderen auch
2 Stand der Erkenntnisse
8
für schwer gießbare Legierungen sinnvoll einsetzbar. Es bietet die Möglichkeit, stark
übereutektische Al-Si-Legierungen mit sehr feinen, homogen verteilten Si-Partikeln
als Pressbolzen zum Strangpressen herzustellen.
Das Sprühkompaktieren (Abb. 2.2) kann als Sonderfall des Pulververdüsens ange-
sehen werden.
Abb. 2.2: Schematische Darstellung Sprühkompaktierung, Vertikal-Anlage
[HUM99, STO97]
Wie beim Pulververdüsen wird bei der Sprühkompaktierung der Schmelzstrahl einer
hoch übersättigten und stark überhitzten Metallschmelze mittels Kühlgas zerstäubt
und sehr schnell abgekühlt. Bedingt durch die schnelle Abkühlung bleibt der Übersät-
tigungszustand in den Pulverteilchen erhalten. Gleichzeitig bilden sich die Dispersoi-
de, d.h. intermetallische Partikel, welche die Warmfestigkeit des Werkstoffes sichern.
Zur Herstellung eines Verbundwerkstoffes (MMC) durch Sprühkompaktieren werden
über eine Zusatzdüse (Partikel Injektor) Feststoffpartikel in den Verdüsungsstrahl
injiziert. Pulverteilchen und Feststoffpartikel treffen zusammen auf einen rotierenden
absenkbaren Drehteller, dabei sind ca. 80% der Pulverteilchen erstarrt. Der noch
flüssige bzw. teilflüssige Anteil des Teilchenstrahls wird zur Herstellung des Teil-
chenverbundes auf dem Drehteller bzw. auf der neu entstandenen Blockoberfläche
benötigt. Die erreichbare Dichte der sprühkompaktierten Bolzen liegt oberhalb von
97% der theoretischen Dichte des Materials. Vollständige Konsolidierung erfolgt nach
einer homogenisierenden Glühung durch Strangpressen, aufgrund der hohen Dichte
ist lediglich ein geringer Umformgrad nötig [HUM95, HUM99, SIE94, STO97]. Das
2 Stand der Erkenntnisse
9
Sprühkompaktieren ist derzeit das einzige Verfahren zur Herstellung von Pressbol-
zen zum Strangpressen aus Aluminiumlegierungen mit hohen Siliziumgehalten, bei
dem das Silizium in Form kleiner und homogen verteilter Partikel vorliegt.
Direktes Strangpressen
Beim direkten Strangpressen (Abb. 2.1. oben) wird, nach dem Einbringen von Press-
bolzen und Pressscheibe in den Aufnehmer, die Presskraft über den Pressstempel
auf die Pressscheibe übertragen, diese überträgt sie weiter auf den Bolzen. Zuerst
wird der Bolzen auf den Innendurchmesser des Aufnehmers aufgestaucht, anschlie-
ßend wird das Material durch die Matrize gedrückt. Dabei gleitet die äußere Schicht
des Blockes mehr oder weniger leicht an der Aufnehmerwand entlang, d.h. es ent-
steht Reibung. Ein Teil der Presskraft muss aufgebracht werden, um diese Reibung
zu überwinden [LAU76]. Wenn das Material an der Aufnehmerwand haftet, kommt es
zu einem ungleichmäßigen Fließen des Werkstoffes. Das Innere des Bolzens fließt
vor dem Randbereich. Je nach Ausmaß der Adhäsion zwischen Umformwerkstoff
und Aufnehmerwand kann die Schubspannung ihren oberen Grenzwert, der durch
die Schubfließspannung des Werkstoffes gegeben ist, erreichen. Bei Aluminium kann
völliges Abscheren im Aufnehmer angenommen werden [LAN81]. Je nachdem, ob
aufgrund eines genügend großen Spaltes zwischen Pressscheibe und Aufnehmer
die Blockaußenzone beim Pressen vom Block abgeschert wird und als Schale an der
Innenwand des Aufnehmers haften bleibt oder ob sich nur eine dünne Pressgut-
schicht an der Innenwand des Aufnehmers entwickelt, unterscheidet man zwischen
direktem Strangpressen ohne Schale und ohne Schmierung und direktem Strang-
pressen mit Schale und ohne Schmierung [KAR95, LAU76, SIE95]
Beim direkten Warmstrangpressen mit Flachmatrizen ohne Schmierung treten über-
wiegend die Fließtypen B und C nach W. Dürrschnabel [SIE95] auf, wobei der Über-
gang zwischen beiden Typen fließend ist. Der Fließtyp B tritt auf bei homogenem
Bolzenwerkstoff und deutlicher Reibung zwischen Bolzen und Aufnehmer sowie zwi-
schen Bolzen und Matrizenstirnfläche. Der Fließtyp C tritt bei den gleichen Rei-
bungsverhältnissen wie Typ B, aber bei inhomogenen Bolzenwerkstoffen, auf. Bei
einem inhomogenen Bolzenwerkstoff ist die Fließspannung in der Bolzenaußenzone
deutlich verschieden von der Fließspannung im Bolzenkern. Dies ist z.B. der Fall,
wenn ein Temperaturgradient vorliegt. Die Fließtypen B und C sind durch mehrere
Zonen gekennzeichnet (Abb. 2.3). Vor der Matrize bilden sich eine „tote Zone“ und
eine schmale „Scherzone“ aus. Die Scherzone bildet beim axialsymmetrischen
Strangpressen eine Art Trichter für die primäre Umformzone. In der reibungsbeein-
flussten Randzone der Bolzenaußenzonen tritt eine Scherverformung auf. Auf Grund
des Rückflusses der Bolzenaußenzone bildet sich eine sekundäre Umformzone am
2 Stand der Erkenntnisse
10
Ende des Bolzens. Der Bolzenkern ist weitgehend von den anderen Zonen unbeein-
flusst.
Abb. 2.3: Prinzipielle Darstellung des Materialflusses beim direktem Strangpres-
sen [KAR95]
Bei den Fließtypen B und C wird auf Grund der Reibung zwischen Bolzen und Auf-
nehmer die Bolzenaußenzone zurückgehalten, demzufolge fließt der Bolzenkern vor.
Durch das Abscheren in der Bolzenaußenzone wird in der Umformzone eine neue
Außenzone für das Produkt erzeugt, d.h. die Bolzenoberfläche ist nicht identisch mit
der Produktoberfläche.
Indirektes Strangpressen
Beim indirekten Strangpressen wird, wie auch beim direkten Strangpressen, zu-
nächst der Bolzen aufgestaucht. Hierbei verschließt ein kurzer Verschlussstempel mit
Pressscheibe den Aufnehmer von der einen Seite. Von der anderen Seite wird die
Matrize in den Aufnehmer eingeführt, die sich gegen einen feststehenden Hohlstem-
pel abstützt. Beim Pressen bewegen sich Bolzen und Aufnehmer gemeinsam, d.h. es
kommt zu keiner Relativbewegung und dementsprechend auch zu keiner Reibung
zwischen Block und Aufnehmerwand. Hierin ist der grundlegende Unterschied zum
direktem Strangpressen zu sehen. Dieses Pressverfahren wird angewandt, wenn die
beim direktem Strangpressen auftretende Reibungskraft die erforderliche Gesamt-
presskraft so stark ansteigen lässt, dass das Verfahren eingeschränkt wird und/oder
die Reibungsarbeit soviel Wärmemenge in das System einbringt, dass die Pressge-
schwindigkeit und/oder die Produktgüte gemindert wird/werden [KAR95, SIE95].
Der verfahrenstypische Hohlstempel ist Nachteil des Verfahrens. Er begrenzt durch
den Durchmesser seiner Bohrung den profilumschreibenden Kreis des Pressproduk-
2 Stand der Erkenntnisse
11
tes. Der Außendurchmesser des Hohlstempels muss kleiner als der Innendurchmes-
ser des Aufnehmers sein. Da der Hohlstempel beim Pressen durch die Presskraft als
Reaktionskraft belastet wird, kann die Bohrung des Hohlstempels nicht beliebig groß
gewählt werden, sondern richtet sich nach der zulässigen Beanspruchung des Hohl-
stempelwerkstoffes. Wie beim direktem Strangpressen unterscheidet man das Ver-
fahren weiter nach Pressen mit bzw. ohne Schale bzw. Schmierung.
Beim indirekten Strangpressen staut sich das Umformgut vor der Matrize auf und
bewegt sich nicht entlang der Matrizenstirnfläche. Es ergibt sich eine wenige Millime-
ter starke Pressgutschicht, die nicht in das Pressprodukt einfliest und als „tote Zone“
bezeichnet wird. Über der toten Zone bildet sich die Umformzone aus (Abb. 2.4). Da
zwischen Pressbolzen und Aufnehmer keine Reibung vorliegt, bilden sich keine wei-
teren Zonen aus. Beim indirekten Strangpressen ohne Schale fließt die Bolzenau-
ßenzone über die Umformzone in die Produktaußenzone [SIE95].
Abb. 2.4: Prinzipielle Darstellung des Materialflusses beim indirektem Strang-
pressen [KAR95]
2 Stand der Erkenntnisse
12
2.1.2 Reibrührschweißen
Reibung ist eine bekannte und effiziente Energiequelle, die seit geraumer Zeit indus-
triell für das Schweißen bei verschiedenen Verfahren genutzt wird [NIC97]. Im Jahr
1991 wurde in England von Wayne Thomas ein neues Verfahren entwickelt, das
Reibrührschweißen (eng: friction stir welding), das ebenfalls Reibung als Energie-
quelle nutzt [THO91].
Die Energiequelle des Reibrührschweißens, die Reibung, setzt eine Relativbewe-
gung, Druck und eine definierte Einwirkungszeit voraus. Diese drei Parameter bilden
das sogenannte Reibungsdreieck (eng.: friction triangle) [NIC98]. Anstatt die Relativ-
bewegung zwischen den zu fügenden Teilen selbst zu erzeugen, wird ein rotierendes
Werkzeug unter Druck zwischen die Teile eingebracht (Abb. 2.5).
Dieses spezifisch gestaltete zylindrische Werkzeug mit einem profilierten Pin, beste-
hen aus einem, im Vergleich zu dem zu verschweißenden Material, harten und ver-
schleißfesten Werkstoff. Es wird rotierend in die Kanten der zu schweißenden Teilen
hineingeführt.
Abb. 2.5: Schematische Darstellung des Reibrührschweißens nach [NIC98]
Nach dem Eindringen des profilierten Pins fast bis zur gesamten Stärke des Werk-
stücks wird das Werkzeug entlang der Verbindungslinie (Schweißnaht) versetzt. Die-
se Bewegung ermöglicht es, dass die Werkzeugschulter leicht in das Werkstück ein-
dringt. Durch die Rotation wird Reibungswärme in das zu schweißende Material
2 Stand der Erkenntnisse
13
eingebracht. Aufgrund der Temperaturerhöhung und der hohen erzeugten Kräfte
setzt plastisches Fließen von der Vorderseite zur Rückseite des Werkzeugs im Mate-
rial ein. Wenn das Material die Rückseite des Werkzeugs erreicht, kühlt es ab und
erstarrt. Dabei entsteht, ohne makroskopische Verschmelzung, eine vollständige,
porenfreie Schweißnaht.
Gegenüber konventionellen Schmelzschweißprozessen bietet das Reibrührschwei-
ßen eine Reihe von Vorteilen [DAL98, GOU98, GRA99, NIC98]. Sogar in langen
Schweißnähten treten nur geringe Verzerrungen auf. Ermüdungs-, Zug- und Bieg-
versuche [DAL98, GOU98] haben gezeigt, dass die Verbindung hervorragende me-
chanische Eigenschaften aufwiest. Das Verfahren kann in allen Positionen durchge-
führt werden, es ist energieeffizient, das Werkzeug wird nicht verbraucht, es sind
kein Fülldraht und kein Schutzgas erforderlich, um Aluminium zu schweißen. Beim
Reibrührschweißen gibt es keine Gasentwicklung, keine makroskopische Porosität,
keine Spritzer und nur eine geringe Schrumpfung. Weiterhin ist kein Schweißerzerti-
fikat erforderlich, gewisse Toleranzen in Hinblick auf unvollkommene Schweißvorbe-
reitungen, kleine Oxidschichten, können angenommen werden. Es ist kein Schleifen
und Bürsten in der Massenfertigung erforderlich.
Das Reibrührschweißen besitzt Ähnlichkeiten zu anderen Schweißmethoden, wie
z.B. dem Laserstrahl- und dem Elektronenstrahlschweißen. Bei allen drei Verfahren
bildet sich ein Schweißloch, das während des Schweißprozesses geschlossen wer-
den muss. Da beim Reibrührschweißen kein Aufschmelzen stattfindet und daher kein
flüssiges Material zur Verfügung steht, muss das Material durch plastisches Fließen
das Loch füllen. Die Auslegung des Schweißwerkzeuges und die richtige Auswahl
des Werkzeugwerkstoffes sind für die Qualität der Schweißnaht von großer Bedeu-
tung [NIC98, GOU98].
Das Rühren des Materials während des Schweißens und die Erhöhung der
Temperatur um die Schweißnaht herum bewirken Veränderungen in den
Werkstoffeigenschaften, wie z.B. Streckgrenze und Zugfestigkeit als Folge der
Diffusion und der plastischen Verformung in der Fügeverbindung. Durch den Prozess
entstehen nicht nur eine hrzone und eine thermomechanisch beeinflusste Zone,
sondern auch unmittelbar anschließend eine Wärmeeinflusszone, mit Unterschieden
in den Werkstoffeigenschaften, wie z.B. Streckgrenze und Zugfestigkeit [GOU98,
LI98, NIC98, RHO97, SAT99, YAN98] Die unterschiedlichen Zonen sind in Abb. 2.6
schematisch dargestellt.
2 Stand der Erkenntnisse
14
Abb. 2.6: Schematische Darstellung der nach dem Reibrührschweißen typischen
entstandenen Gefügebereiche [DAL98]
Um die Änderungen der Werkstoffeigenschaften zu minimieren, versucht man, die
eingebrachte Wärme möglichst schnell aus dem Werkstück herauszuleiten. Dies wird
durch eine Kühlung des Werkstücks z.B. durch Wasser erreicht. Tatsächlich gelang
es bereits, den ganzen Prozess im Extremfall zu betreiben, nämlich unter Wasser
[NIC98]. Andere Möglichkeiten, wie z.B. eine innere Kühlung des Pins, die nicht nur
dazu beiträgt, die Werkstücktemperatur zu erniedrigen, sondern auch, die Lebens-
dauer des Werkzeuges zu erhöhen, werden auch erprobt bzw. angewendet. Diese
Bestrebungen ermöglichten deutliche Verbesserungen der mechanischen Eigen-
schaften, wie der Zugfestigkeit im Vergleich zu den anderen, nicht gekühlten Blechen
bei gleichen Schweißparametern [NIC98]. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die
in die Verbindung eingebrachte thermische Energie genauer zu steuern.
Obwohl das Reibrührschweißen selbst als relativ einfacher Prozess zu betreiben ist,
sind die dabei wirkenden metallkundlichen Mechanismen komplex. Bemühungen,
den Prozess zu modellieren [BJO98, FRI98, GOU98, MCC98, MUR99, LI99] sowie
die mikrostrukturelle Entwicklung während des Schweißens zu charakterisieren
[DAL98, GOU98, LI98, NIC98, RHO97, SAT99, YAN98] sind reichlich in der Literatur
vorhanden. Sie können aber bisher die Komplexität des Prozesses nicht ausreichend
berücksichtigen, so dass die Ergebnisse eher auf Einzelfälle bei bestimmten Ver-
suchsparametern und Legierungen [LI99, MUR99] begrenzt sind.
2 Stand der Erkenntnisse
15
Für die Prozessauslegung ist es wichtig, die kritischen Temperaturbereiche zu kon-
trollieren. Die Temperaturen auf der Blechoberfläche (besonders an den beiden Kan-
ten) dürfen nicht die Schmelztemperatur des zu schweißenden Werkstoffs über-
schreiten. Dies würde zu einer Beeinträchtigung der Verbindungsqualität führen.
Andererseits darf die Temperatur in dem zu rührenden (schweißenden) Bereich nicht
zu niedrig sein, damit der Pin das Fügen realisieren kann. Die Wärmeerzeugung
muss so eingestellt werden, dass ausreichend hohe Temperaturen in den zu
schweißenden Bereichen, und zwar bis zur Wurzel des Bleches, erreicht werden,
ohne dass es auf der Blechoberfläche zu Aufschmelzungen kommt. Die Wärmezu-
fuhr kann durch die Schweißparameter Pin-Umdrehungsgeschwindigkeit, Vorschub
und Werkzeugdurchmesser variiert und optimiert werden.
2.2 Mikrostrukturelle Veränderungen bei der Warmverfor-
mung
2.2.1 Metallkundliche Prozesse
Plastische Verformungen setzen Verfestigungsmechanismen in Gang. Die Verfesti-
gung äußert sich darin, dass auch die kritische Spannung anwächst, d.h. die Verfes-
tigung bewirkt eine Veränderung des elastischen Bereiches durch die vorausgegan-
gene plastische Verformung des Werkstoffes. Bei der Kaltumformung steigt die
Fließspannung infolge innerkristalliner Verfestigungsvorgänge mit zunehmendem
Umformgrad an. Bei der Warmumformung verringert sich der Einfluss des Umform-
grads mit steigender Umformtemperatur, da Verfestigungs- und Erholungsvorgänge
parallel stattfinden. Die Entfestigungsvorgänge Kristallerholung und Rekristallisation
sind zeitabhängig. Daher steigt die Fließspannung mit zunehmender Umformge-
schwindigkeit an. Das Formänderungsvermögen der meisten metallischen Werkstof-
fe wird durch Erhöhung der Umformtemperatur ebenfalls erhöht und durch Zunahme
der Umformgeschwindigkeit verringert. Daher erfordert die Warmumformung geringe-
re Kräfte und ermöglicht größere Formänderung als die Kaltumformung. Bei der
Kaltumformung muss bei großen Formänderungen, d.h. bei Erschöpfung des Form-
änderungsvermögens, zwischengeglüht werden.
2 Stand der Erkenntnisse
16
Plastisches Verhalten wird durch interkristalline Vorgänge erklärt:
1. Abgleiten von Kristallteilen in Gleitsystemen, bei Überschreitung kritischer
Schubspannung.
2. Zwillingsbildung, nur bei Metallen und z. T. deren Legierungen mit niedriger
Stapelfehlerenergie (Zink, Cadmium).
3. Korngrenzengleiten, d.h. Verformung auf der Ebene der Korngrenzen.
Bei der Gleitung werden Teile eines Kristalls sprunghaft in einem Zuge um viele A-
tomabstände gegeneinander verschoben, sobald die in der Verschiebungsebene
wirkende Schubspannung einen kritischen Wert τcerreicht, d.h. sobald die Schub-
spannung groß genug ist, um die elastische Rückstellkraft zu überwinden. Der kriti-
sche Wert der Schubspannung τcist vom Werkstoff und der Umformtemperatur ab-
hängig. Zwei vollkommen fehlerfreie Netzebenen (Idealkristall) können nur starr
aufeinander abgleiten, d.h. alle Atome müssen den Gleitsprung zugleich vollziehen.
In einem Realkristall wird das Gleichgewicht der Gitterbaufehler durch das von äuße-
ren Kräften hervorgerufene Spannungsfeld gestört. Bei Erreichen der kritischen
Schubspannung τckommt es zur Bewegung der Versetzungen. Da bei anliegender
Spannung die Störung des Gleichgewichtes der Bindungskräfte erhalten bleibt, wan-
dert die Versetzung weiter bis zum Kristallrand oder bis sie auf ein Hindernis stößt,
z.B. eine Korngrenze oder eine Ausscheidung. Am Ende der Versetzungsbewegung
hat nur eine Verschiebung um einen Atomabstand stattgefunden. Diese stufenweise
Verschiebung ist energetisch viel günstiger als die Verschiebung des Kristallpakets
auf einmal. Mit steigender Temperatur steigt die Zahl der im thermodynamisch be-
findlichen Leerstellen. Durch Anlagern von Leerstellen können Versetzungen eine
Gleitebene verlassen. Dieses Klettern erfolgt wegen der höheren Leerstellendichte in
erster Linie bei höheren Temperaturen (Kriechvorgang).
Die Verformbarkeit von Metallen ist eine anisotrope Eigenschaft, die Richtung der
Abgleitung wird vom Kristallgitter und von der Kristallorientierung bestimmt. Die Be-
wegung von Versetzungen kann nicht auf allen Gitterebenen gleich leicht erfolgen.
Es gleiten im Allgemeinen nur Gitterebenen dichtester Atompackung in Richtung der
kürzesten Atomfolgen. Solche zum Gleiten geeigneten Gleiteben sind im hexagona-
len Gitter (hex) nur die Basisebenen und im kubisch flächenzentrierten Gitter (kfz) die
Oktaederebenen. Die angesprochenen Gleitebenen bilden mit den Gleitrichtungen
ein so genanntes Gleitsystem. Im kfz Gitter z.B. bilden die {111}-Ebenen und die
<101>-Richtungen zusammen ein Gleitsystem, es ergeben sich also 12 Gleitsyste-
me. Im kubisch raumzentrierten Gitter (krz) ist die Raumdiagonale als am dichtesten
besetzte Richtung in sehr vielen Gitterebenen enthalten. In polykristallinen Werkstof-
fen erfolgt das Gleiten immer in mehreren Gleitsystemen gleichzeitig. Der Gleitvor-
2 Stand der Erkenntnisse
17
gang beginnt in dem Gleitsystem, in dem zuerst die kritische Schubspannung er-
reicht wird. Die Anzahl der Gleitsysteme ist der Grund dafür, dass sich kubisch kris-
tallisierte Metalle besser verformen lassen als solche mit hexagonalem Gitteraufbau.
Weder die Gleitebene noch die Gleitrichtung sind durch den Lastangriff, z.B. durch
das Aufbringen der kritischen Schubspannung, beeinflussbar, sondern lediglich
durch die Struktur des Kristallgitters festgelegt.
Die physikalische Ursache der Verfestigung bei der Umformung bzw. der Entfesti-
gung bei anschließender Wärmebehandlung sind die Versetzungen. Es gibt zwei
verschiedene Ursachen des Festigkeitsverlustes, Erholung und Rekristallisation. Als
Rekristallisation wird die vollständige Gefügeneubildung durch die Entstehung und
Bewegung von Großwinkelkorngrenzen unter Beseitigung der Verformungsstruktur
bezeichnet. Mit Kristallerholung wird die Umordnung und Ausheilung (Auslöschung)
der Versetzungen bezeichnet [GOT98]. Prozesse, die während einer Warmverfor-
mung (T > 0,5 TS) stattfinden, werden als dynamische Rekristallisation bzw. dynami-
sche Erholung bezeichnet, Prozesse, die bei einer Wärmebehandlung im Anschluss
an eine Kaltverformung stattfinden, werden als statische Rekristallisation bzw. stati-
sche Erholung bezeichnet. Die Fließspannung zur Auslösung der dynamischen Re-
kristallisation nimmt mit steigender Verformungstemperatur ab. Viele konzentrierte
Legierungen sowie dispersionsgehärtete Werkstoffe rekristallisieren nicht dynamisch
[GOT98].
Partikelverstärkte Aluminiumlegierungen weisen gegenüber den Matrixwerkstoffen
erheblich höhere Steifigkeits- und Festigkeitswerte auf. Die Festigkeit der Teilchen-
verbunde beruht auf der Behinderung der Versetzungsbewegung durch die Teilchen.
Die mechanischen und korrosiven Eigenschaften von aushärtbaren Aluminiumlegie-
rungen werden durch ihre chemische Zusammensetzung und durch die bei der Kalt-
und Warmauslagerung ablaufende Ausscheidungskinetik bis zur Bildung der stabilen
intermetallischen Phasen bestimmt. Vorraussetzung für die Auslagerung (Teilchen-
härtung) ist ein Zwei- oder Mehrstoffsystem mit intermetallischer Phasenbildung, bei
dem die Löslichkeit der Phase im festen Zustand abnimmt. Die Teilchenhärtung be-
ruht auf zwei aufeinanderfolgenden Phasenumwandlungsvorgängen. Im ersten Pha-
senumwandlungsvorgang wird die Aluminiumlegierung im Einphasengebiet lösungs-
geglüht d.h. die meist grob verteilte, intermetallische Phase wird aufgelöst. Durch
Abschreckung aus dem Einphasengebiet wird die diffusionsgesteuerte Bildung der
stabilen Phase unterdrückt, es liegt ein übersättigter Mischkristall vor. Den zweiten
Phasenumwandlungsvorgang stellt die Auslagerung da. Die Kaltauslagerung wird bei
Raumtemperatur, die Warmauslagerung je nach Legierungssystem verschieden bei
erhöhten Temperaturen im Zweiphasengebiet vorgenommen. Beginnend mit der
Keimbildung wachsen Teilchen aus dem übersättigtem Mischkristall. Das Gefüge der
2 Stand der Erkenntnisse
18
Legierung verändert sich in Richtung des thermodynamisches Gleichgewicht. Im ers-
ten Stadium der Ausscheidung werden kohärente clusterförmige Ansammlungen der
Legierungselemente gebildet. Bei der weiteren Auslagerung entstehen plattenförmi-
ge Teilchen, deren Fläche und Kante kohärent mit dem Matrixgitter sind, die
GP-Zonen (Guinier-Preston-Zonen). Je nach geometrischer Ausdehnung werden
GP1- und GP2-Zonen unterschieden. Die GP1-Zonen umfassen eine Atomlage, die
GP2-Zonen umfassen mehrere Atomlagen. Bei der weiteren Auslagerung lösen sich
einige GP-Zonen auf, andere wachsen. Es bilden sich metastabile teilkohärente Aus-
scheidungen, deren Fläche noch kohärent mit der Matrix, aber deren Kanten inkohä-
rent zur Matrix sind. Bei weiterem Wachstum bildet sich als thermodynamisches
Gleichgewicht bevorzugt an den Korngrenzen die stabile Phase der intermetallischen
Verbindung. Der angestrebte teilchengehärtete Zustand der Legierung ist ein meta-
stabiler Zustand, d.h. kein thermodynamisches Gleichgewicht [ZSC96].
Durch Zulegieren von zwei Legierungsmetallen in geeigneter Kombination wird die
Löslichkeitslinie verändert. So bildet sich beim Zulegieren von Magnesium und Silizi-
um bevorzugt die intermetallische Phase Mg2Si. Anders als in den binären Systemen
Al-Mg und Al-Si kommt es bei geeigneter Wärmebehandlung zu einer ausgeprägten
Teilchenhärtung.
In den in dieser Arbeit untersuchten Aluminiumlegierungen vom Typ Al-Mg-Si-Cu
existieren eine Reihe stabiler intermetallischer Phasen, mit kohärenten und teilkohä-
renten Zwischenstadien (Tabelle 2.1) [ZSC96].
Tabelle 2.1: Ausscheidungskinetik in aushärtbaren Aluminiumlegierungen [ZSC96]
System kohärente geordnete
Bereiche
Metastabile Ausschei-
dung stabile Ausscheidung
Al-Cu GP1, GP2 θ´(Al
2Cu) θ(Al2Cu)
Al-Cu-Mg GP1, GP2,
GPB
θ´(Al
2Cu)
(Al2CuMg)
θ(Al2Cu)
S (Al2CuMg)
Al-Mg-Si GP β´(Mg
2Si) β´(Mg
2Si)
Neben den in Tabelle 2.1 aufgeführten sekundären Ausscheidungen können im
Werkstoff 6013 auch Primärausscheidungen vom Typ Al15(Fe,Mn)3Si2mit einer Aus-
dehnung von bis zu 10 µm und Al9(Fe,Mn)2Si2mit einer Ausdehnung von 0,1 µm bis
0,2 µm vorliegen [ZSC96].
2 Stand der Erkenntnisse
19
2.2.2 Texturen
Definition, Entstehung und Darstellung von Textur
Durch starke plastische Verformungen entsteht eine Richtungsabhängigkeit der Ei-
genschaften des verformten Werkstückes. Ursache hierfür ist die räumlich periodi-
sche Anordnung der Atome in einem Kristall, die eine Richtungsabhängigkeit (Ani-
sotropie) der Kristalleigenschaften bedingt. Die makroskopischen Eigenschaften
eines polykristallinen Werkstoffes ergeben sich aus der Summe der Eigenschaften
der einzelnen Kristallite entsprechend der Häufigkeitsverteilung der Orientierungen.
Die Textur ist eine statistische Größe, welche die Häufigkeitsverteilung (kristal-
lographische Orientierungsverteilung) der Kristallite in polykristallinen Werkstoffen
beschreibt [BUN69]. Kristallitform und Kristallitgröße werden hierbei nicht berücksich-
tigt. Besitzen alle Kristallite die gleiche Orientierung, so entspricht die Anisotropie des
Vielkristalls exakt der des Einkristalls. Im Falle einer regellosen Textur, bei der alle
Orientierungen gleich häufig vorhanden sind, können sich die individuellen Anisotro-
pien ausmitteln, so dass die makroskopische Anisotropie verschwindet. Der polykri-
stalline Werkstoff verhält sich quasiisotrop, obwohl jeder Kristallit für sich ein ani-
sotropes Verhalten zeigt [BUN79, HEL95].
Metalle weisen eine Vielzahl anisotroper, d.h. von der Kristallrichtung abhängiger
physikalischer und chemischer Eigenschaften auf. Anisotrope Eigenschaften sind
beispielsweise Elastizitätsmodul, Härte, Festigkeit und Spaltbarkeit, thermische Aus-
dehnung und Leitfähigkeit, Magnetisierung und Korrosionsbeständigkeit [HEL95].
Sehr viele natürliche und technische Prozesse verändern die kristallographische Tex-
tur [WAS62, BUN85]. Ausgeprägte kristallographische Texturen können zu uner-
wünschten richtungsabhängigen Eigenschaften führen, z.B. Zipfelbildung beim Tief-
ziehen [WAS62, BUN85]. Technologisch bedeutsam ist die sogenannte
Texturverfestigung, die eigentlich keine Verfestigung ist, sondern eine Umverteilung
der Festigkeitseigenschaften, so dass in der Anwendungsrichtung eine besonders
hohe Festigkeit auftritt, wobei die unbeanspruchte Richtung geschwächt wird
[BUN69]. Beispielsweise zeigten Untersuchungen an der intermetallischen Verbin-
dung Fe-40Al mit einer starken <111>-Fasertextur, die durch Strangpressen erzeugt
wurde, eine Erhöhung des E-Moduls um ca. 25% in der Richtung parallel zur Press-
richtung [SEF95]. Ähnlich hohe Zunahmen wurden in [BOW90] für eine Al-Li Legie-
rung beschrieben.
Die Texturen können entsprechend ihrer Herkunft in Verformungs-, Phasenumwand-
lungs-, Kristallisations- und Rekristallisationstexturen unterteilt werden [WAS62]. Die
2 Stand der Erkenntnisse
20
Art der Umformtexturen, als Spezialfall der Verformungstextur, hängt wesentlich vom
Umformprozess (z.B. Walzen, Strangpressen) und dessen Prozessparametern (z.B.
Umformgrad, Umformgeschwindigkeit) sowie dem Werkstoff (z.B. Kristallstruktur,
Ausscheidungszustand) ab. Je nach Werkstofffluss im Umformprozess entstehen
einachsige (rotationssymmetrische) Texturen (z.B. beim Ziehen, Stauchen, einsträn-
gigen Strangpressen runder Vollprofile), zweiachsige (ebene) Texturen (z.B. beim
Walzen relativ breiter oder dünner Bleche) oder dreiachsige Texturen (z.B. bei der
Scherung, der Torsion dickwandiger Querschnitte und dem Walzen hoher Profile).
Zur Beschreibung der Orientierung eines Kristallits im polykristallinen Werkstoff wer-
den kartesische Rechtskoordinatensysteme, an der Probe ein Probenkoordinaten-
system (P) und ein der Kristallsymmetrie entsprechendes Kristallitkoordinatensystem
(K) festgelegt. Das Probenkoordinatensystem (P) wird, wenn bekannt, an die Pro-
zessgeometrie angepasst. Im Falle kubischer Kristallsymmetrie werden üblicherwei-
se die <100> Würfelkantenrichtungen als Einheitsvektoren des Kristallitkoordinaten-
systems (K) gewählt. Im Abb. 2.7 sind geeignete Koordinatensysteme zur
Beschreibung der Textur am Beispiel der Walzverformung kubischer Metalle darge-
stellt [ARI00].
Abb. 2.7: Koordinatensysteme zur Beschreibung einer Walztextur [ARI00]
Die traditionelle Darstellung von Einzelorientierungen einer bestimmten Netzebenen-
art {hkl}, ist die zweidimensionale Polfigur. In der Polfigur werden die Flächennorma-
len der Gitterebenen bezüglich eines festen Probenkoordinatensystems in eine ste-
reographische Projektion der Lagenkugel eingetragen [WAS62]. Eine weitere,
ebenfalls zweidimensionale Darstellung der Textur liefert die inverse Polfigur. Im Ge-
gensatz zur Polfigur sind in der inversen Polfigur die Lagen aller Kristallite in Bezug
auf ausgezeichnete Probenrichtungen (z.B. Walz-, Quer- und Normalrichtung einer
Walzprobe oder Zugrichtung einer Zugprobe) dargestellt. Im Falle kubischer Kristall-
symmetrie und ein- bzw. zweiachsiger Belastung können alle Kristallitrichtungen
durch ihre kristallographisch äquivalente Richtung im sogenannten Standarddreieck
ersetzt werden.
2 Stand der Erkenntnisse
21
Im Falle von Texturen, bei denen eine oder mehrere Orientierungen besonders stark
vertreten sind, werden diese als ideale Lagen (Vorzugsorientierung) bezeichnet und
häufig durch die Angabe der Miller-Indizes (uvw)[hkl] gekennzeichnet, wobei (uvw)
für die Ebene und [hkl] für die Richtung steht.
Einige wichtige bzw. häufige Vorzugsorientierungen sind historisch bedingt mit Na-
men versehen [BOW90]:
{110}<001> Würfellage oder C-Lage (engl. cube), oder G-Lage (Gosslage)
{110}<112> Messinglage oder Bs-Lage (engl. brass)
{112}<111> Kupferlage oder auch Cu-Lage
{123}<634> S-Lage
{4411}<81111> T-Lage (Taylorlage)
Die so genannten Fasertexturen <uvw> geben die Richtung einer bevorzugten
Kristallitorientierung an, um die eine freie Drehung der Kristallite möglich ist (Abb.
2.8).
Abb. 2.8: Fasertextur [WAS62]
In der Polfigur sind Fasertexturen durch konzentrische Kreise (Polfigur in Richtung
der Faserachse) oder Kreisbögen (senkrechte Projektion dazu) erkennbar. In der
inversen Polfigur der Kristallrichtung, die in Faserachse dominant ist, ist die Kristall-
orientierung in Richtung der Faserachse durch (innerhalb einer gewissen Winkeltole-
ranz) identische Punkte gekennzeichnet.
2 Stand der Erkenntnisse
22
Das Problem der zweidimensionalen Darstellung zur Beschreibung der Textur liegt
darin, dass Kristallorientierungen, die durch Rotation um eine entsprechende Netz-
ebenennormale auseinander hervorgehen, nicht unterscheidbar wiedergegeben wer-
den können. Die wahre Häufigkeit des Auftretens der zugehörigen Orientierung kann
nicht dargestellt werden. Auch die Ermittlung bzw. Darstellung mehrerer Polfiguren
zu verschiedenen Netzebenennormalen parallel zu Probennormalen bringen nicht
mehr Information, da der unbekannte Drehwinkel nicht unmittelbar abgelesen werden
kann [HEL95].
Die Orientierung eines einzelnen Kristalliten im polykristallinen Werkstoff wird in defi-
nierter Weise durch Drehungen beschreiben, die das probenfeste Koordinatensys-
tem (P) in das jeweilige kristallfeste System (K) überführen [BUN69, HEL95]. Eine
Drehung wird dabei in drei auszuführende Teildrehungen um körperfeste Achsen
zerlegt.
Nach [BUN69] werden üblicherweise die drei so genannten Eulerwinkel ϕ1,Φund ϕ2
zur Angabe der Orientierung verwendet. Dabei wird das Koordinatensystem (Abb.
2.9) zunächst um die Achse P1um den Winkel ϕ1gedreht, dann um die neue Achse
P1um Φund schließlich noch einmal um die Achse P3um den Winkel ϕ2. Die beiden
Drehwinkel ϕ1und ϕ2um die alte und neu Achse P3können dabei Werte von 0 bis 2π
annehmen, während der Winkel Φ, den die beiden P3-Achsen miteinander bilden,
zwischen 0 und πliegt.
Abb. 2.9: Zur Definition der Euler Winkel ϕ1,Φund ϕ2nach [BUN69]
Der Übergang von den Eigenschaften eines Einkristalls zu den globalen Eigenschaf-
ten des Vielkristalls erfolgt durch einen Mittelungsprozess entsprechend der Wahr-
scheinlichkeit des Auftretens von Orientierungen der einzelnen Kristallite mit ihrem
2 Stand der Erkenntnisse
23
Volumenanteil im Vielkristall. Dieser Mittelungsprozess erfolgt mit Hilfe der Orientie-
rungsverteilungsfunktion (engl.: Orientation Distribution Function) ODF, deren Vari-
ablen beispielsweise ϕ1,Φund ϕ2sein können, als Gewichtsfunktion.
Die einzige vollständige Möglichkeit der quantitativen Texturbeschreibung ist durch
die dreidimensionale ODF gegeben. Diese Funktion f(g) ist definiert durch:
dg
V/dV
)g(f =(2.7)
und gibt die Orientierungsfunktion des Volumens an.
Dabei bezeichnet dV die Gesamtheit aller Volumenanteile der Probe, die eine Orien-
tierung g(
ϕ
1,
Φ
und
ϕ
2)innerhalb des Orientierungselement dg besitzen, Vdas ge-
samte Volumen der Probe.
Durch die im Allgemeinen verwendete Definition des Orientierungselements dg (2.8)
wird die Intensität der regellosen Textur auf f(g)=1 normiert.
21
2dddsin
8
1
dg ϕΦϕΦ
π
=(2.8)
Die dreidimensionale ODF wird im Eulerraum H(0°≤ϕ
1,ϕ2360°; 0≤Φ180°)
anhand von Iso-Intensitätslinien (Höhenlinien) in äquidistanten Schritten senkrecht zu
einer der drei orthogonalen Koordinatenachsen ϕ1,Φ,ϕ2des Eulerraumes darge-
stellt. Im Falle kubischer Kristallsymmetrie und orthorhombischer Probensymmetrie
erfolgt die Darstellung im so genannten reduzierten Eulerraum
H0(0°≤ϕ
1,Φ,ϕ290°).
Zur Auswertung der Texturen kubischer Kristallite sind die Darstellungen in Form von
ϕ1- und ϕ2-Schnitten (dϕ1bzw. dϕ2= const.) besonders geeignet [HÖL94]. In Abb.
2.10 sind in den Schnitten des Eulerraums bei ϕ2= und ϕ2= 45° als Beispiel eine
Fasertextur und die Ideallagen dargestellt.
2 Stand der Erkenntnisse
24
Abb. 2.10: Fasertextur und die Ideallagen dargestellt in den Schnitten des Euler-
raums bei ϕ2=0°undϕ2=45° [BOW90]
Die Auftragung der ODF in rechtwinkligen Koordinaten bringt allerdings eine erhebli-
che Verzerrung des sphärischen Raumes mit sich. Eine übersichtlichere Möglichkeit
zur speziellen Darstellung von Fasertexturen bieten die in diesem Fall zweidimensio-
nalen Skelett-Diagramme, in denen die Intensität entlang bestimmter Fasern als
Funktion eines der drei Eulerwinkel aufgetragen wird [HIR84, HÖL94].
Die ODF ist nicht direkt messbar, lässt sich jedoch auf mehrere Arten bestimmen. Als
in der Vergangenheit genutzte, sehr zeitaufwändige Verfahren seien hier das Ätz-
grübchenverfahren, die Gleitlinienbestimmung, röntgenographische Laue-Fotografien
und optische Messungen genannt [z.B. DUN59, LÜC64, WEN72].
Seit einiger Zeit werden zur experimentellen Texturanalyse hauptsächlich Beugungs-
verfahren, wie z.B. die Elektronen-, die Röntgen- und die Neutronenbeugung, ver-
wendet [z.B. CUL67, SWA87].
Die Elektronenbeugung in der Texturanalyse mittels elektronenmikroskopischer Ein-
zelorientierungsmessung ermöglicht die Ermittlung von ODF bzw. Polfiguren in klei-
nen Bereichen. Zur Darstellung der Orientierungsverteilung einzelner Kristallite wer-
den Punktdiagramme in der Feinbereichsbeugung oder Kikuchi-Diagramme mit dem
TEM erstellt. Die Kornorientierung an der Oberfläche massiver Proben wird mit dem
REM aus Reflektions-Kikuchi-Diagrammen oder aus Channelling-Diagrammen
durchgeführt [SWA91].
2 Stand der Erkenntnisse
25
Transmissionselektronische Texturanalysen werden im Wesentlichen zur Untersu-
chung stark lokalisierter Phänomene verwendet (Nanometerbereich). Es werden
durchstrahlbar dünne Proben benötigt. Durch Messungen im Rasterelektronenmikro-
skop sind demgegenüber deutlich größere Werkstoffbereiche m-Bereich) zugäng-
lich, in denen die Kornorientierungen dargestellt werden können [SWA90, SWA91].
Diese Methoden haben insbesondere im Bereich der Untersuchung von Rekristallisa-
tionsprozessen vielfältige Anwendung gefunden. Es können Texturverteilungen an
irregulär geformten Proben ohne spezielle Präparation untersucht werden [WEH94].
Bei der Texturmessung mit Elektronenmikroskopen kann zusätzlich das Mikrogefüge
des untersuchten Probenbereichs abgebildet werden [WEH94].
Die röntgenographischen Verfahren erlauben es, die Orientierungsverteilung an der
Oberfläche einer Probe zu ermitteln. Deutlich größere Probenbereiche werden bei
der Verwendung der Neutronenbeugung erfasst, die aufgrund der hohen Eindringtie-
fe der Neutronenstrahlen die Bestimmung der Textur des Werkstoffs in einem vorge-
gebenen Messvolumen ermöglicht. Daher eignet sich die Neutronenbeugung für die
Untersuchung großvolumiger Proben, um grobkörniges Material zu untersuchen und
um Mehrphasensysteme zu beschreiben [BRO94, BRO96, BRO98].
Als quantitative Beschreibung der Größe bzw. Stärke einer Textur wird der soge-
nannte Texturindex J(g),
ò
=dg))g(f()g(J 2(2.9)
der als Integral über das Quadrat der Orientierungsverteilungsfunktion definiert ist,
verwendet [BUN69].
Texturanalysen
Werden kristalline Materialien mit Röntgenstrahlung beleuchtet, wirken die regelmä-
ßig angeordneten Atome als Strahlzentren, welche Elementarwellen aussenden. Es
treten Interferenzerscheinungen auf, die sich als Beugungsmaxima, sogenannte „Re-
flexen“, darstellen. Die Bedingung für konstruktive Interferenz wird durch die Bragg-
schen Gleichung beschrieben [BRA13].
hklhkl sind2n θ=λ (2.10)
Demnach tritt ein Reflex unter dem Winkel
θ
hkl auf, wenn ein ganzzahliges Vielfaches
neiner monochromatischen Strahlung der Wellenlänge
λ
auf eine Netzebenenschar
mit den Millerschen Indizes hkl und dem Netzebenenabstand dhkl fällt. Die Intensität
ist proportional zur Anzahl der reflektierenden Ebenen.
2 Stand der Erkenntnisse
26
Bei der experimentellen Texturanalyse mit monochromatischer Strahlung werden die
Reflexintensitäten für diskrete Punkte im Laborsystem in äquidistanten Schritten auf
der Lagenkugel bestimmt. Durch geeignete Probendrehung um den Azimutwinkel ϕ
und den Inklinationswinkel ψ(Abb. 2.11) kann der gesamte Raumwinkelbereich (Pol-
kugel) erfasst werden.
Abb. 2.11: Proben- und Laborkoordinatensystem
Für die Bestimmung der Textur sollte die Intensität über einen möglichst großen Be-
reich der Lagenkugel erfasst werden. Wegen des Friedel’schen Gesetzes, wonach
die Intensität des gebeugten Strahls für positive und negative Messrichtung gleich ist,
muss nur der halbe Winkelraum abgetastet werden [HEL95]. Experimentelle Ein-
schränkungen führen in der Regel aber zu kleineren Messbereichen, man spricht
dann von unvollständigen Polfiguren. Die Abtastung der gesamte Lagenkugel ist nur
bei Kombination von Messung im Reflektions- und Transmissionsmodus, z.B. durch
Verwendung von Neutronen- oder Synchrotronstrahlung, möglich [CUL67, SWA87].
Die Darstellung der Intensitäten erfolgt in Polfiguren einzeln gemessener Reflexe.
Eine Polfigur ist proportional zum Volumenanteil aller Kristallite, deren Kristallrichtung
parallel dem Probenvektor ist.
Die ODF ist nicht direkt messbar, sondern wird aus den experimentell bestimmten
Polfiguren, den Integralen über diese Funktion, berechnet. Eine Berechnungsmetho-
de ist die Reihenentwicklung der ODF nach verallgemeinerten und je nach Proben-
und Kristallsymmetrie unterschiedlich symmetrisierten Kugelflächenfunktionen
[BUN69, BUN74, BUN79]. Für Winkelbereiche, in denen keine Messwerte vorliegen,
werden Werte aus dem Messbereich verwendet, die aufgrund der Symmetrieeigen-
schaften des Kristallgitters gleich sein müssen. Bei Vorliegen mehrer Polfigurdaten
ergibt sich ein lineares Gleichungssystem, aus dem die Reihenentwicklungskoeffi-
zienten bestimmt werden, welche die ODF an den Wertebereich annähren. Für die
Berechnung der ODF ssen im Falle kubischer Kristallsymmetrie mindestens drei
2 Stand der Erkenntnisse
27
gemessene Polfiguren unabhängiger Reflexe herangezogen werden. Damit ist die
ODF bestimmt und es lassen sich vollständige Polfiguren berechnen.
Im Gegensatz zur Texturanalyse mit winkeldispersiver Anordnung, bei der Verwen-
dung monochromatischer Strahlung, wird bei der Texturanalyse mit energiedispersi-
ver Anordnung, zur Erzeugung der Beugungsdiagramme der Proben Röntgenstrah-
lung mit einer kontinuierlichen Energieverteilung (weiße Strahlung) verwendet. Das
Beugungsdiagramm der Probe wird unter einem beliebigen, aber feststehenden
Beugungswinkel 2
θ
mit einem energiedispersiven Detektor registriert. Aufgrund des
großen Energieintervalls, das bei der Verwendung weißer, hochenergetischer Syn-
chrotronstrahlung zur Verfügung steht, können die Intensitäten Isimultan an mehre-
ren Reflexen analysiert werden. Die Werte der Intensitäten werden mit Werten von
Intensitäten Ir, die an Pulver desselben Materials bestimmt werden, verglichen. Zur
weiteren Bestimmung muss eine Absorptionskorrektur durchgeführt werden. Bei Fa-
sertexturen in axialer Richtung kann die Stärke der Textur phkl auf diese Art bestimmt
werden.
Die Werte für die Orientierungsverteilungsfunktion können nach [GER76] wie folgt
bestimmt werden. Die Integralintensität unter Verwendung der energiedispersiven
Methode ist gegeben durch:
() ()
hkl,,,,E
2
2
E0hkl ]pAFjEi[KI βαψϕθ
= (2.11)
mit K= zusammengefasste Natur- und Geometriekonstanten, F= Strukturfaktor,
j= Multiplikationsfaktor, A= Absorptionsfaktor, E= Energie,
Θ
0= Strahldivergenz
Das Verhältnis der vergleichenden Intensität, korrigiert mit den Absorptionskoeffizien-
ten, wird mit xhkl bezeichnet, wobei A den Absorptionsfaktor der Probe und Arden
Absorptionsfaktor des Referenzpulvers bezeichnet.
hkl
r
r
hkl A
A
I
I
x÷
÷
ø
ö
ç
ç
è
æ= (2.12)
Der Absorptionsfaktor ist von dem Messvolumen V, dem linearen Absorptionskoeffi-
zienten µsowie den Strahlwegen des einfallenden xm- und des ausfallenden ym-
Strahls abhängig und wird nach (2.3) berechnet. Die Ermittlung der Strahlwege für
zylindrische Proben ist in [GEN96] detailliert beschrieben.
()
ò+µ
=dV1
V
1
Amm yx (2.13)
Die Orientierungsverteilungsfunktion für eine bestimmte Gruppe von Gitterebenen
{hkl} ist gegeben durch:
2 Stand der Erkenntnisse
28
.const,l,k,h1dp
2
1
),(hkl ==
πòò βα (2.14)
Unter Beachtung der Normalisierungsbedingung,
.const,1p
n
1
hkl
),(hkl =βα
å
βα (2.15)
in der nder Anzahl ausgewerteter phkl-Werte entspricht, können die phkl-Werte, die
parallel zum Streuvektor liegen, bestimmt werden.
å
=
lkh
lkh
hklhkl x
n
xp (2.16)
Die phkl-Werte können in eine inverse Polfigur eingetragen werden.
Texturentwicklungen
Sind Abgleitrichtung und Belastungsrichtung unterschiedlich, so erfahren die Kristalli-
te aufgrund des dadurch entstehenden zusätzlichen Drehmomentes eine Drehung,
d.h. Veränderung der Kristallitorientierungen, der Textur im Werkstoff. Die Textur ei-
nes Werkstoffes wird neben Struktur und Stapelfehlerenergie z.B. auch von der Art
der Umformung und der Umformtemperatur bestimmt. Die Stapelfehlerenergie und
damit die Fähigkeit zum Quergleiten ist für unterschiedliche kfz-Metalle unterschied-
lich hoch. Bei Metallen mit einer hohen Stapelfehlerenergie wie dem Aluminium ü-
berwiegt die <111>-Faser [AHL65a, AHL65b, AHL66, BAR66].
In der Literatur wird für Aluminium und seine Legierungen nach dem Strangpressen
oft eine Kombination von <111>- und <100>-Faser, mit unterschiedlich starken Kom-
ponenten der jeweiligen Orientierungen, beschrieben [WAS62, BER81, GER94a].
Häufig wird die Presstemperatur als maßgebliche Größe für die Anteile der Faser-
komponenten angegeben. Die <111>-Faser überwiegt, wenn die Presstemperatur
und die Pressgeschwindigkeit niedrig liegen [BAU79, DIE66, GER94b, UNC40,
VIV96]. In [WIT73] wird beschreiben, dass die Schärfe der <111>-Textur mit dem
Umformgrad steigt und in [ADA84] wird am Beispiel von PM-Aluminiumwerkstoffen
beschrieben, dass der Anteil der <111>-Faser mit steigendem Umformverhältnis zu-
nimmt. Die Zunahme der <100>-Komponete mit steigender Temperatur oder Ge-
schwindigkeit gab Anlass zu der Vermutung, dass dieses im Wesentlichen auf Re-
kristallisation zurückzuführen ist [BAU79, HÜH98]. Eine <100>-Textur ist typisch für
rekristallisierte Aluminiumwerkstoffe [SAM98]. In Reinaluminium steigt der Anteil der
<100>-Komponente mit dem Reinheitsgrad an [WAS62]. Die Legierungselemente
und der Ausscheidungszustand beeinflussen die Textur insofern, dass sie das Gefü-
ge verändern. Durch die Zugabe von Mangan wird die Rekristallisation gehemmt und
2 Stand der Erkenntnisse
29
die <111>-Faser überwiegt gegenüber der <100>-Komponente [BAU79]. Geringe
Zusätze von Titan und Bor, die in vielen Legierungen zur Kornfeinung zugegeben
werden, nehmen keinen Einfluss auf die Textur der Pressprodukte [LÖF95].
Untersuchungen an stranggepressten, partikelverstärkten Aluminiumlegierungen
(MMCs) haben gezeigt, dass heterogene Bestandteile, insbesondere harte, schlecht-
verformbare Partikel (kfMatrix <kfAdditiv [BER78]) einen Einfluss auf die Ausbildung und
die Stärke von Verformungstextur und Rekristallisationstextur haben [BER78,
GRO98, GRO99, WAS78, HUM90, POU95, POU96]. Als Konsequenz werden so-
wohl die Mikrostruktur als auch die Textur beeinflusst [WAS78]. In [GRO98] wurde an
der Aluminiummatrix ein starke <111>-Fasertextur mit schwächeren <100>-Anteilen
nachgewiesen. An den intermetallischen Phasen wurde keine Textur festgestellt. In
[BAU79] wird dies für Aluminium mit hohen Mg2Si Anteil beschrieben. Bei sehr hohen
prozentualen Anteilen der heterogenen Bestandteile ergeben sich regellose Texturen
[MER65], da die harten Teilchen den plastischen Fluss der Aluminiummatrix stören
[GRO99]. Untersuchungen [WAS78] an Aluminium, verstärkt mit 5 µm großen Al2O3
Partikeln, zeigen, dass der steigende Gehalt der Partikel die Ursache für die Redu-
zierung der <111>-Faser und der <100>-Faser sind. In [BER81] wird der Einfluss des
Teilchenabstandes untersucht. Je geringer der Teilchenabstand, um so schwächer
ist die Ausbildung der Verformungstextur, bei ausreichend hoher Teilchendichte (in
diesem Fall α-Al2O3) unterbleibt die Texturausbildung vollständig. Des Weiteren be-
günstigt ein kleiner Teilchenabstand die Rekristallisationstextur. In [SHA91] wird ge-
zeigt, dass bei Aluminium, welches mit Al2O3verstärkt ist, die Textur bei kugeligen
Partikeln stärker ist als bei Partikeln mit regelloser Form. Weiterhin wird beschrieben
[SHA91], dass die Stärke der Textur zunimmt, wenn der Teilchendurchmesser ab-
nimmt. Kleinere Mg2Si Partikel üben mehr Einfluss auf die Textur, insbesondere auf
die <100>-Faser, aus als gröbere Al2Cu Partikel [POU95].
Mit Siliziumcarbid (SiC) verstärkte Aluminiummatrix-Verbundwerkstoffe (MMCs) wur-
den unter anderem hinsichtlich der Texturentwicklung nach Kalt- sowie nach Warm-
umformung untersucht [HUM90, JEN91, POU95, POU96]. Ebenso wurde die Textur-
entwicklung nach einer anschließenden Rekristallisationsglühung untersucht.
[HUM77, HUM90, POU95]. In [POU95] wird gezeigt, dass sich, beim Strangpressen
von siliziumcarbidverstärktem Aluminiummatrix-Verbundwerkstoff, die Anteile der
<111>- und <100>-Komponenten der Matrix mit den Prozentsätzen des SiC-Anteils
ändern. Bei geringen Prozentsätzen (SiC 5% ) ist die Textur schärfer als in der un-
verstärkten Aluminiumlegierung, mit steigendem SiC-Gehalt (5%) nimmt die Intensi-
tät der Textur ab. Bei SiC-Gehalten oberhalb von 10% verhält sich die Aluminium-
matrix nahezu isotrop [POU95, POU96]. Eine Textur in der SiC-Phase des
stranggepressten Verbundwerkstoffes wurde nicht festgestellt [POU95]. In [JEN91]
2 Stand der Erkenntnisse
30
wird gezeigt, dass sich der Anteil der <111>-Komponente mit zunehmendem
SiC-Anteil stark verringert. Bei großen Teilchen mit einem Durchmesser von 3 µm ist
der Effekt größer als bei Teilchen mit einem Durchmesser von 0,5 µm. Eine Variation
der Strangpresstemperatur zeigt dabei nahezu keinen Unterschied. Weitergehend
[POU96] wird ausgeführt, dass sowohl beim unverstärkten Aluminiumwerkstoff wie
auch beim siliziumcarbidverstärkten Aluminiumwerkstoff durch eine Wärmebehand-
lung zur Rekristallisation der Anteil der <111>-Komponente stark zunimmt. Der Pro-
zentsatz des SiC hat dabei keinen Einfluss.
Bei Al-Cu Verbundwerkstoffen wurden im Aluminium und im Kupfer nach dem Kalt-
strangpressen stärkere <111>/<100>-Doppelfasertextur nachgewiesen als nach dem
Warmstrangpressen [GER94a, GER94b].
In [UAN97a, UAN97b, UAN00] wurde eine stranggepresste, eutektische Al-Al3Ni Le-
gierung mit <111>-Fasertextur superplastisch verformt. Die <111>-Fasertextur blieb
dabei erhalten. Als Besonderheit wird hervorgehoben, dass es nach der Rekristallisa-
tion nicht zu einem <100>-Anteil und damit zu einer <111>/<100>-Doppelfasertextur
kam, sondern eine reine <111>-Fasertextur erhalten bleibt.
Texturanalysen über die Länge des Pressproduktes zeigen, dass am Ende des Pro-
duktes die <100>-Komponente überwiegt, da die Temperaturen während des Pres-
sens, ebenso wie bei einer Geschwindigkeitserhöhung, steigen [UNC40, BAU79].
Andere Untersuchungen [VAT97] zeigen einen ziemlich gleichmäßigen Verlauf der
Textur über die Länge der Profile.
Es werden Unterschiede in der Texturausbildung zwischen Kern und oberflächenna-
hem Bereich beschrieben [BAU79, BAU81a, BAU81b, DIE66, LEE83, WAS62]. Im
Gegensatz zu der im Kern vorhandenen <111>/<100>-Doppelfasertextur werden im
oberflächennahen Bereich unterschiedliche Lagen beschrieben, zum Teil Fasertextu-
ren, deren Achsen nicht in Pressrichtung liegen [GRE63, GRE66, DIE66 , BAU79].
Weitergehend wird in [BAU79, BAU81a, BAU81b] der Einfluss der Profilgeometrie
auf die Texturen im Kern- und im Randbereich untersucht. Es wird gezeigt, dass ne-
ben dem Verformungsgrad die Fließgeometrie einen Einfluss auf die Art der Textur,
vor allem im oberflächennahen Bereich, hat. Es werden für die verschiedenen Profil-
formen unterschiedliche Lagen aufgeführt. In [LEE83, VAT97] wird beschrieben,
dass die im Kern vorhandene <111>/<100>-Doppelfasertextur im oberflächennahen
Bereich signifikant gedreht wird und sich eine {110}RD<335>AD, d.h. eine Komponente
mit <110>-Achse in radialer Richtung und eine Komponente mit <335>-Achse in a-
xialer Richtung, bildet. Diese Textur ähnelt der typischen Aluminiumtextur
2 Stand der Erkenntnisse
31
<011>{211}, die durch Walzen erzeugt wird. Auf halbem Weg vom Kern zur Oberflä-
che wurden in [VAT97] Bereiche mit schwacher <100>-Faser lokalisiert.
In [AUK94, DRI00] werden die Unterschiede der Texturen im Kern und der Oberflä-
che an {111}-Polfiguren, die experimentell bestimmt und mit Taylormodellen simulier-
ten wurden, beschrieben. In der Nähe der Oberfläche dreht die Faser, die im Kern
vorherrscht, in eine der Cu-Lagen ähnliche {113}<332> Lage. Der Grad der Drehung
steigt dabei von der Mitte der Strecke „Kern-Oberfläche“ an. Der Anteil dieser Lage
beträgt im oberflächennahen Bereich 30-40 % [DRI00]. Die Oberflächentextur wird
durch die Reibung zwischen Bolzen und Aufnehmer [MÖL75] bzw. durch die totale
Abscherung im oberflächennahen Bereich [VAT97] erzeugt. Im Gegensatz dazu wird
in [BAU79] eine gute Übereinstimmung in der Textur indirekt und direkt gepresster
Profile beschrieben. Das weist darauf hin, dass die Reibung zwischen Bolzen und
Aufnehmer beim direktem Strangpressen keinen Einfluss auf die Texturausbildung
im Kern nimmt. Dies wird damit erklärt, dass die Oberfläche des Bolzens beim direk-
ten Strangpressen im Pressrest und den toten Zonen verbleibt. Hinsichtlich der Tex-
turausbildung in der Mitte der Pressprodukte, wurde in [EUL75, ABI88] ebenfalls kein
erkennbarer Unterschied zwischen indirekt und direkt stranggepressten Aluminium-
werkstoffen festgestellt. In [EUL75] wird in der Randzone der direkt gepressten Profi-
le eine {320}<231> Lage (nahe der Bs-Lage) beschrieben. Für die Randzone der
indirekt gepressten Profile wird eine um die Querrichtung gedrehte S-Lage
{512}<155> Lage beschrieben.
2.2.3 Eigenspannungen
Definition und Entstehung von Eigenspannungen
Als Eigenspannungen werden mechanische Spannungen in einem Bauteil bezeich-
net, auf das keine äußeren Kräfte oder Momente einwirken und das einem räumlich
homogenen und zeitlich konstanten Temperaturfeld unterliegt. Die mit den Eigen-
spannungen verbundenen inneren Kräfte und Momente stehen demzufolge im
Gleichgewicht [MAC73, KLO79]. In der Praxis werden Eigenspannungen häufig nach
der Art ihres Ursprungs als thermische Eigenspannung, Verformungs-, Umwand-
lungs-, Ausscheidungs- oder Orientierungseigenspannungen unterschieden [TIE80].
Eine technologische Einteilung differenziert nach Urform-, Umform-, Wärmebehand-
lungs-, Bearbeitungs-, Füge-, Beschichtungs-, und Beanspruchungseigenspannun-
gen [SOL91]. Eine objektbezogene örtliche Verteilung unterscheidet Eigenspannun-
2 Stand der Erkenntnisse
32
gen nach den vorliegenden strukturellen Gegebenheiten zweckmäßig in Eigenspan-
nungen I., II. und III. Art [MAC73].
Eigenspannungen I. Art σI:sind über einen größeren Werkstoffbereich (mehre-
re Kristallite) nahezu homogen.
Eigenspannungen II. Art σII:sind über kleine Werkstoffbereiche (ein Kristallit
oder wenige Kristallite) nahezu homogen.
Eigenspannungen III. Art σIII:sind über kleinste Werkstoffbereiche (mehrere A-
tomabstände) inhomogen.
Eigenspannungen I. Art werden auch als Makroeigenspannungen bezeichnet. Die
Eigenspannungen II. und III. Art werden zusammenfassend Mikroeigenspannungen
genannt. Makroeigenspannungen können während der Herstellung z.B. durch die
Abkühlung, durch den Temperaturgradienten im Werkstoff, entstehen. Eigenspan-
nungen II. Art werden typischerweise in mehrphasigen Werkstoffen durch die unter-
schiedlichen physikalischen Eigenschaften, z.B. den thermischen Ausdehnungskoef-
fizienten der Phasen hervorgerufen. Die Eigenspannungen III. Art entstehen z.B.
durch die Bildung von Subkornstrukturen und Versetzungswechselwirkungen.
Abb. 2.12: Definition der Eigenspannungen [DAN00]
2 Stand der Erkenntnisse
33
Der Eigenspannungszustand in einem bestimmten Punkt des Werkstoffes setzt sich
demzufolge aus den an diesem Punkt vorliegenden Makro- und Mikroeigenspannun-
gen zusammen.
IIIIIIσ+σ+σ=σ (2.17)
Dabei können die Anteile der Eigenspannungen I. und II. Art Null sein, Eigenspan-
nungen III. Art existieren jedoch in allen Werkstoffzuständen. Als Ergebnis der Ei-
genspannungsanalyse in mehrphasigen Werkstoffen mittels Beugungsmethoden er-
hält man die mittlere phasenspezifische Eigenspannung σα. Diese Spannung setzt
sich aus der Eigenspannung I. Art und den über mehre Kristallite gemittelten Eigen-
spannungen II. und III. Art zusammen.
αα
ασ+σ+σ=σ IIIIII(2.18)
Anhand der entsprechenden Volumenanteile V
α
der Phase gewichtet, ergeben sich
die Eigenspannungen I. Art [HAU85a].
α
=α
ασ=σ å
n
1
IV(2.19)
Mit den Eigenspannungen I. Art und der mittleren phasenspezifischen Eigenspan-
nung
α
σ
werden die Eigenspannungen II. Art bestimmt [WOL76].
III σσ=σ α(2.20)
Die in einem mehrphasigen Werkstoff auftretenden Eigenspannungen II. Art sind ein
Maß für die gegenseitige mittlere Verspannung der Phasen, die sich in einem hinrei-
chend großen Volumen kompensieren [BEH91, BEH92].
0V II
n
1
=σ α
=α
α
å(2.21)
In Abb. 2.12 ist als Beispiel eines mehrphasigen Werkstoffes schematisch ein zwei-
phasiges Gefüge dargestellt. Die Mikrospannungen unterscheiden sich in ihrem Vor-
zeichen, die Phasen stehen relativ zueinander unter Druck- bzw. Zugspannung.
Thermisch bedingte Eigenspannungen II. Art entstehen infolge unterschiedlicher
thermischer Ausdehnungskoeffizienten der statistisch verteilten Phasen. Phasen mit
kubischer Symmetrie lassen isotrope thermische Ausdehnungskoeffizienten erwar-
ten. Sie können nach [KLO79] berechnet werden:
()
T
ba
II ααφ=σ α(2.22)
2 Stand der Erkenntnisse
34
Hierin bedeutent
α
aund
α
bdie linearen thermische Ausdehnungskoeffizienten der
Phasen,
Tdas Temperaturintervall, in der sich die thermisch bedingte Spannung
ausbildet, und
φ
bildet eine Funktion der elastischen Konstanten, der Mengenanteile
und der Anordnung der Phasen.
Experimentelle Bestimmung der Eigenspannungen
Die experimentellen Verfahren zur Bestimmung von Eigenspannungen lassen sich in
zerstörungsfreie und zerstörende einteilen. Bei sehr geringen Eingriffen an der
Messstelle in die Bauteilgeometrie werden sie den quasi-zerstörungsfreien Verfahren
zugeordnet [SOL91]. Weiterhin wird zwischen quantitativen, halbquantitativen und
qualitativen Verfahren unterschieden. Mit allen Verfahren wird eine entsprechende
Wirkung bestimmt, die durch Eigenspannungszustände hervorgerufen wird. Durch
die erfasste Wirkung kann entweder direkt oder über einen Vergleich mit Eichkurven
auf die Eigenspannungen zurückgeschlossen werden. In der Literatur sind diverse
Verfahren detailliert beschrieben [ALT82, BUH54, ELF82, ROH89, SIN97, SOL91,
SWA93].
Die Beugungsverfahren werden dem Bereich der zerstörungsfreien Untersuchung
von Werkstück- bzw. Werkstoffeigenschaften zugeordnet. Aufgrund des hohen In-
formationsgehaltes und der Vielfältigkeit sind sie bei der Untersuchung kristalliner
Werkstoffe als unverzichtbar anzusehen.
Analysen mit monochromatischer Röntgenstrahlung
Grundlage der experimentellen Eigenspannungsanalyse ist ebenso wie bei der Tex-
turanalyse mit Beugungsverfahren das Bragg´sche Reflexionsgesetz (2.10) [BRA13].
Beim Durchgang durch Materie werden Röntgenstrahlen durch die Elementarprozes-
se Absorption und Streuung geschwächt. Eine monochromatische Röntgenstrahlung
der Intensität I0besitzt nach Durchgang durch eine entsprechend dicke Material-
schicht Snur noch die Intensität I.
µS
0eII
= (2.23)
µist der linearen Schwächungskoeffizient des Materials, der sich aus Absorptionsko-
effizient
τ
und Streuungskoeffizient
σ
zusammensetzt.
σ
+τ=µ(2.24)
Die röntgenographische Eigenspannungsermittlung an kristallinen Werkstoffen be-
ruht auf der Erfassung von elastischen Gitterdehnungen, denen mit Hilfe elastizitäts-
theoretischer Beziehungen Spannungen zugeordnet werden [EIG95a, EIG95b]. Da-
2 Stand der Erkenntnisse
35
bei werden bestimmte Netzebenenabstände d
ϕψ
hkl unter verschiedenen Azimut- und
Neigungswinkeln
ϕ
und
ψ
bezüglich eines definierten, probenfesten Koordinatensys-
tems P (Abb. 2.11) bestimmt. Die Probenkoordinate P3 fällt definitionsgemäß mit der
Oberflächennormalen N0zusammen und die Messrichtung entspricht der Achse L3
des raumfesten Laborsystems L. Zur Reflexion tragen alle Kristallite bei, deren Netz-
ebenen hkl senkrecht auf der Achse L3stehen.
Aus den Netzebenenabständen der Probe d
ϕψ
hkl und des unverspannten Git-
ters hkl
d0kann die Gitterdehnung berechnet werden.
hkl
0
hkl
0
hkl
hkl
d
dd
=ε ϕψ
ϕψ (2.25)
Der Zusammenhang zwischen der Dehnung und den Komponenten des Span-
nungstensors im Probensystem
σ
ij ist nach [HAU97] gegeben durch:
()
[]
()
332211
hkl
1
231333
hkl
2
hkl
s
2sinsincos²sins
2
1
σ+σ+σ+
ϕϕσ+ϕσ+ψσσ=ε ϕϕψ (2.26)
mit ϕσ+ϕσ+ϕσ=σϕ2sinsincos 12
2
22
2
11 (2.27)
und mit hkl
hkl
hkl
1E
sν
=,hkl
hkl
hkl
2
2
1
E
1
s+ν
=(2.28)
s1hkl und ½s2hkl sind die phasen- und netzebenenspezifischen, richtungsunabhängi-
gen diffraktionselastischen Konstanten (DEK), die experimentell zu ermitteln sind
bzw. durch Mittelwertbildung über alle reflexionsfähigen Kristallite unter den Grenz-
annahmen von Voigt [VOI28] (homogene Deformation), Reuss [REU29] (homogene
Spannung) oder nach dem Modell von Kröner [KRÖ58] (elastische Polarisierbarkeit)
aus den Einkristallkonstanten berechnet werden können.
Es ist zu berücksichtigen, dass bei Messungen mit verschiedenem Neigungswinkel
ψ
über unterschiedlichen Eindringtiefen gemittelt wird. Legt man als Eindringtiefe dieje-
nige Oberflächenentfernung fest, aus den 1/e (63%) der im abgebeugten Röntgen-
strahl enthaltenen Messinformationen stammen, so ergibt sich, ausgehen vom
Schwächungsgesetzt (2.23), für ein ψ–Diffraktometer die Eindringtiefe [SOL91]:
ψθ
µ
=cossin
2
1
Z(2.29)
Die Eindringtiefe ist demnach vom Braggwinkel, vom Neigungswinkel und vom Mate-
rial abhängig. In vielen llen [SOL91] wird als mittlere Eindringtiefe der bei ψ=33°
d.h. sin²ψ=0,3 vorliegende Wert angegeben.
2 Stand der Erkenntnisse
36
sin²ψ
ψψ
ψ-Verfahren
Bei der Eigenspannungsanalyse mittels winkeldispersiver Röntgenstrahlung, mit den
üblicherweise verwendeten Strahlungen, wird lediglich eine geringe Eindringtiefe von
wenigen µm erreicht, so dass die Eigenspannung in Richtung der Oberflächennorma-
len häufig vernachlässigbar klein ist. Daher kann hierfür ein ebener, zweiachsiger
und homogener Spannungszustand mit σi3=0 (i=1,2,3) angenommen werden. Im Fal-
le polykristalliner, quasi-isotroper Werkstoffe mit vernachlässigbarern Eigenspan-
nungsgradienten in Tiefenrichtung des oberflächennahen Bereichs kann zur Auswer-
tung das klassische siψ- Verfahren [MAC61] angewendet werden. In diesem Fall
vereinfacht sich die Grundgleichung der Spannungsermittlung zu:
()
2211
hkl
1
2hkl
2
2
1
hkl ssinsσ+σ+ψσ=ε ϕϕψ (2.30)
Fällt das Probensystem mit dem Hauptachsensystem der Spannungen zusammen,
so erhält man die gesuchten Werte für σ11 und σ22 aus den Anstiegen der εϕψ vs.
sin²ψ- Geraden für Messungen in den Azimuthstellungen ϕ= bzw. 90° (Abb.
2.13).
Abb. 2.13: Spannungsermittlung mittels sin²ψ-Verfahren, bei Dehnungsverteilung
eines ebenen, homogenen Spannungszustands
Ein nichtlinearer sin²ψ-Verlauf wird je nach Erscheinungsform auf unterschiedliche
Ursachen zurückgeführt. So weist eine Krümmung außerhalb der Fehlergrenzen auf
einen Spannungsgradienten (σij =σij(z)) hin. Bei einer systematischen, ellipsenför-
migen Aufspaltung stimmen die Hauptachsen des Probenkoordinatensystems mit
den Hauptachsen des Laborkoordinatensystems nicht überein, es sind Schubspan-
nungen σ13,σ23 vorhanden. Ist eine σ33-Komponente vorhanden, bleibt die Span-
2 Stand der Erkenntnisse
37
nungskomponente σϕum den Betrag von σ33 unbestimmt bzw. kann bei Kenntnis von
hkl
d0nach [HAU91] korrigiert werden.
÷
ø
ö
ç
è
æ+
=σ
21
hkl
0
hkl
0
hkl´
33
s
2
1
s3d
dd
(2.31)
Wobei hkl den gemessenen Gitterabstand bei ψ= bzw. 90°und d0hkl den Gitter-
abstand im spannungsfreien Zustand darstellt.
Ein oszillierender sin²ψ-Verlauf kennzeichnet eine Textur, die sowohl in der elasti-
schen als auch in der plastischen Anisotropie des Werkstoffes begründet ist [BEH91,
DÖL76b, DÖL77b, DÖL78, DÖL79a, DÖL79b, FAN76, HAU75, HAU76a, HAU76b,
HAU90].
In der Literatur werden eine Reihe von Empfehlungen, die speziell die elastische A-
nisotropie berücksichtigen, zur experimentellen Spannungsanalyse texturierter Werk-
stoffe erläutert [BEH91, DÖL77a, DÖL79a, DÖL79b, HAU82, HAU97, SOL91]. So
werden die Verwendung orientierungsabhängiger Elastizitätskonstanten und tex-
turunabhängiger Kenngrößen beschrieben. Des Weiteren werden Auswertungsver-
fahren, z.B. das sogenannte Kristallitgruppenverfahren, beschrieben [BAR87,
BAR88, HAU85b, SOL91, WIL85, WIL82].
Bei geringer Textur wird die Eigenspannungsanalyse an den so genannten elastisch
isotropen {h00} und {hhh} Netzebenen empfohlen, die ein weitgehend, von der elas-
tischen Anisotropie des Werkstoffes unabhängiges, linearen Dehnungsverhalten zei-
gen [BEH91, DÖL77b, DÖL78, EVE75].
Aufgrund der großen Flächenhäufigkeit hochindizierter Mehrfachinterferenzen, z.B.
{651/732} bei krz-Werkstoffen, sind an diesen Netzebenen auch bei starken Texturen
meistens näherungsweise lineare Gitterdehnungsverteilungen über sin2ψzu beo-
bachten. Dieses quasiisotrope Verhalten kann durch die sich aufhebende elastische
Anisotropie der beiden Netzebenentypen erklärt werden [BEH91, HAU97].
Die Mittelung der Messergebnisse verschiedener Netzebenenscharen unter Berück-
sichtigung ihrer Flächenhäufigkeiten und relativen Intensitäten stellt eine weitere
Möglichkeit zur Linearisierung gemessener Dehnungsverteilungen dar [HAU90].
Die Messung an hochindizierten Mehrfachinterferenzen bis zu möglichst hohen ψ-
Winkeln und die Dehnungsmittelung verschiedener Netzebenenscharen können
auch im Falle plastischer Anisotropie lineare sin2ψ-Verteilungen liefern [BEH91].
2 Stand der Erkenntnisse
38
Eigenspannungsanalysen mit Neutronenstrahlen
Im Gegensatz zur Röntgenstrahlung tritt bei der Neutronenstrahlung eine Wechsel-
wirkung der Strahlung mit dem Atomkern und nicht mit der Elektronenhülle des un-
tersuchten Materials auf. Daraus resultiert die sehr viel größere Eindringtiefe der
Neutronenstrahlung. Um genügend gebeugte Intensität zu erhalten, muss das Streu-
volumen einige mm³ groß sein.
Für die winkeldispersive Gitterdeformationsanalyse mit Neutronen gelten grundsätz-
lich die gleichen Überlegungen wie bei der röntgenographischen Eigenspannungs-
ermittlung. Im Gegensatz zur konventionellen Röntgenbeugung lassen sich aufgrund
der geringen Absorption Eindringtiefen von mehreren Millimetern bis zu Zentimetern
zu erzielen.
Die ermittelten Gitterdehnungen stammen aus dem Probenvolumen und sind daher
meist dreiachsigen Spannungszuständen zuzuordnen. Kennt man die Lage des
Hauptspannungssystems nicht, so müssen im allgemeinen Fall Gitterdehnungen in
mindestens sechs voneinander unabhängigen Richtungen bestimmt werden
[DÖL76a]. In vielen Fällen ist die Lage des Hauptspannungssystems hinreichend
genau bekannt und die entsprechenden Richtungen sind der Messung zugänglich,
so dass die Achsen des Hauptspannungssystems mit denen des Probenkoordina-
tensystems übereinstimmen. Die Hauptspannungen lassen sich dann aus den ermit-
telten Hauptdehnungen berechnen.
31imit
ii
3
1î
hkl
hkl
ii
hkl
hkl
hkl
ii 211
E
K=
=
ú
û
ù
ê
ë
éε
ν
ν
+ε
ν+
=σ å(2.32)
Für eine dreiachsige Spannungsermittlung nach den Gleichungen (2.32) muss der
Gitterebenenabstand d0
hkl des spannungsfreien Zustandes sehr genau bekannt sein,
da im Gegensatz zur zweiachsigen Auswertung nach Gleichung (2.30) bereits gerin-
ge Unsicherheiten von d0hkl zu großen Fehlern in den Spannungsangaben führen
[HAU91]. Ist eine Ermittlung von d0hkl nicht möglich, kann durch Messungen im Sinne
des sin²ψ-Verfahrens aus den Anstiegen der d
ϕψ
vs. sin²ψ- Geraden zumindest die
Hauptspannungsdifferenz sehr genau bestimmt werden.
Bei der Spannungsanalyse mit Neutronen wird das Messvolumenelement durch zwei
Blenden definiert (Abb. 2.14)
2 Stand der Erkenntnisse
39
Abb. 2.14: Definition des Streuvolumens für die Spannungsanalyse mit Neutronen
Idealerweise ist die primäre Blendenöffnungen quadratisch, die sekundäre Blende
weist in der Beugungsebene die selbe Öffnung auf. Die Untersuchungen werden bei
2θ≈90° durchgeführt. In diesem Fall stammen die Messinformation auch nach den
notwendigen Probendrehungen annähernd aus dem selben Volumenelement.
Eigenspannungsanalyse mit hochenergetischer weißer Synchrotronstrahlung
Die Eigenspannungsanalyse mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung beruht auf
demselben Prinzip der Bestimmung der elastischen Deformation des Kristallgitters
wie die konventionelle Röntgenbeugung und die Neutronenbeugung. Im Gegensatz
zu der winkeldispersiven Eigenspannungsanalyse mit monochromatischer Strahlung
(konventioneller Röntgen- und Neutronenbeugung) wird bei der energiedispersiven
Eigenspannungsanalyse mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung zur Erzeugung
der Beugungsdiagramme der Proben Röntgenstrahlung mit einer kontinuierlichen
Energieverteilung (weiße Strahlung) verwendet. Das Beugungsdiagramm der Probe
wird unter einem beliebigen, aber feststehenden Beugungswinkel 2
θ
mit einem ener-
giedispersiven Detektor registriert. Mit der Abhängigkeit der Energie Eder Photonen
von h, dem Planckschen Wirkungsquantum, und cals Ausbreitungsgeschwindigkeit
elektromagnetischer Wellen
λ
=c
hE (2.33)
stellt sich die Bragg'sche Gleichung (2.10) wie folgt dar:
θ
=sind2
hc
Ehkl
hkl (2.34)
2 Stand der Erkenntnisse
40
Ausgehend von diesem Zusammenhang schreiben sich die Gleichungen für die ge-
messenen Änderungen der Netzebenenabstände dhkl und der daraus resultierenden
Dehnungen
ϕψ
ε
für die Probenorientierung
ϕ
,
ψ
zu:
1
E
E
1
d
d
hkl
hkl
0
hkl
0
hkl
==ε
ϕψ
ϕψ
ϕψ (2.35)
wobei E
ϕψ
hkl der bei einer bestimmten Probenposition gemessene und E0hkl der zu
dem Netzebenenabstand des dehnungsfreien Zustandes d0hkl gehörende Energie-
wert ist.
Aufgrund des großen Energieintervalls, das bei der Verwendung weißer, hochener-
getischer Synchrotronstrahlung zur Verfügung steht, nnen die Gitterdehnungen
simultan an mehreren Reflexen analysiert werden.
Bedingt durch die hohe Eindringtiefe der Synchrotronstrahlung ermöglicht die Eigen-
spannungsanalyse mit Hochenergie-Synchrotronstrahlung [REI98, REI99], wie die
Eigenspannungsanalyse mit Neutronenstrahlung, die Bestimmung des dreidimensio-
nalen Eigenspannungszustandes im Probenvolumen. Die Ermittlung der Eigenspan-
nungen aus den an den einzelnen Reflexen gemessenen Gitterdehnungen erfolgt
daher prinzipiell genauso wie bei der Eigenspannungsanalyse mit Neutronenbeu-
gung. Parallelen ergeben sich auch hinsichtlich der Definition des Messvolumens,
welches auch bei der Synchrotronstrahlung durch Blenden im primär- und sekundär-
seitigen Strahl begrenzt wird. Bei den Eigenspannungsanalysen mit hochenergeti-
scher Synchrotronstrahlung ergibt sich durch kleine 2θ−Winkel (Transmissionsan-
ordnung) ein langgestrecktes, rautenförmiges Messvolumenelement. Aufgrund der
hohen Intensitäten und der geringen Divergenz der Strahlung kann das zu untersu-
chende Volumen gegenüber der Beugung mit Neutronenstrahlung erheblich verrin-
gert und dadurch eine höhere Ortsauflösung ermöglicht werden. Es können daher
die Spannungszustände in schmalen Bauteilen, z.B. Blechen, fein abgestuft unter-
sucht werden.
Eigenspannungsentwicklung
Durch inhomogene plastische Verformungen über dem Bauteilquerschnitt werden
Eigendehnungen und –spannungen hervorgerufen. Dabei werden Eigenspannungen
I. Art (Makroeigenspannungen) durch makroskopische Formänderungsgradienten
hervorgerufen. Eigenspannungen II. und III. Art (Mikroeigenspannungen) werden als
Folge der elastischen und plastischen Anisotropie unterschiedlich orientierter Kristal-
lite bei der Umformung mehrphasiger Werkstoffe zusätzlich hervorgerufen [GEN96].
2 Stand der Erkenntnisse
41
Makro- und Mikroeigenspannungen beeinflussen ihrerseits stark das Werkstoffver-
halten während des Umformprozesses und im Anschluss an diesen. Im Gegensatz
zu Fertigungs- und Bearbeitungsverfahren, bei denen die plastische Verformung
vorwiegend auf den Randzonenbereich beschränkt ist, z.B. Zerspanen, Schleifen
und Kugelstrahlen treten bei der Umformung Eigenspannungen im gesamten Volu-
men des Werkstückes auf. Die Makro- und Mikroeigenspannungen sowie die Textur
üben erheblichen Einfluss auf die Festigkeit und das Verhalten des umgeformten
Werkstücks bei schwingender und korrosiver Beanspruchung aus. Der Eigenspan-
nungszustand stellt eine komplexe Überlagerung von Makro- und phasenspezifi-
schen Mikroeigenspannungen dar.
Da sich im betrieblichen Einsatz die Eigenspannungen zusätzlich mit Lastspannun-
gen überlagern werden, kann der Einfluss von Makro- und Mikroeigenspannungen
prinzipiell ein positiver oder negativer sein. Makro- und Mikroeigenspannungen, die
in die gleiche Richtung wie die Lastspannungen des Bauteils vorliegen, wirken sich
i. d. R. ungünstig aus. Beispielsweise tritt, wenn sich in der Randzone eines Bauteils
Zugeigenspannungen mit Zuglastspannungen überlagern, i. a. bei vergleichsweise
geringen Lastspielzahlen Rissbildung, Risswachstum und schließlich Versagen auf.
Unter Einfluss eines korrosiven Mediums können randnahe Zugeigenspannungen
ohne zusätzliche Lastspannungen zu Spannungsrisskorrosion führen. Ein äußeres
Spannungsfeld gleicher Richtung erhöht die Korrosionsanfälligkeit zur Spannungs-
risskorrosion. Im Falle randzonennaher Zugeigenspannungen wurde dieser Zusam-
menhang insbesondere an Messing und tiefgezogenen austenitischen Stählen
dargelegt [BRÜ89, WIL85]. Druckeigenspannungen im Randschichtbereich erhöhen
die Dauerschwingfestigkeit von Bauteilen und vermindern die Rissausbreitungsge-
schwindigkeit [SOL91]. Des Weiteren sind Makroeigenspannungen dann als kritisch
für das Bauteil anzusehen, wenn das umgeformte Werkstück spanend weiterverar-
beitet wird und das Auslösen der Eigenspannungen in der Randzone zu Verzug
führt.
Durch gezielte Parametervariation bei der Umformung lassen sich die Makroeigen-
spannungsverteilungen in weiten Grenzen hinsichtlich des Betrags und des Vorzei-
chens beeinflussen. Prinzipiell ist eine Optimierung der Makroeigenspannungsvertei-
lung während der Umformung, einer nachträglichen Wärmebehandlung, durch die
ungünstige Zugeigenspannungen an der Oberfläche beseitigt werden können, vorzu-
ziehen. Eine Wärmebehandlung würde die nach einer Kaltumformung in vielen Fäl-
len erwünschte Kaltverfestigung teilweise wieder aufheben und sich außerdem nega-
tiv auf die Maßstabilität der Bauteile auswirken.
2 Stand der Erkenntnisse
42
In der Literatur liegen eine Reihe von Arbeiten hinsichtlich der Verteilung der Eigen-
spannungen nach der Umformung von Werkstoffen vor. In [DÖL76b] werden Kupfer
und Nickel-Kupferlegierungen nach einachsiger Zugverformung hinsichtlich des Ei-
genspannungszustandes untersucht. Der Makroeigenspannungszustand wird mit
Druckspannungen im Randbereich und einem Spannungsabfall zum Inneren der
Proben beschrieben. In [HOP94] wird am Beispiel von kaltgezogenen Drähten und
Stäben aus C45 der Einfluss unterschiedlicher Ziehhohlneigungswinkel, Längen der
zylindrischen Führung und Übergangsradien auf den Stofffluss und die Eigenspan-
nungen, mit Hilfe der Finite-Element-Methode, untersucht und beschrieben. Berech-
nungen von Umformeigenspannungen bei der Kaltmassivumformung zeigen, dass
die Prozessparameter einen Einfluss auf die Verteilung des Eigenspannungszustan-
des haben [GER86, GER87, MOD92, TEK86, WAG93]. In [RUD94, ZUC97] werden
berechnete und experimentell ermittelte Umformeigenspannungen nach der Kaltum-
formung gegenübergestellt. Am Beispiel des Vollvorwärtsfließpressens wird in
[ZUC97] eine gute Übereinstimmung, besonders bei geringem Umformgrad (ϕ=0,5),
von Simulationsanalyse und experimentell bestimmten Eigenspannungswerten be-
schrieben. Demnach erfährt der Kern während des Umformprozesses in axialer Rich-
tung eine plastische Zugverformung. Daraus resultieren nach dem Entlasten Druck-
eigenspannungen, denen im Randbereich hohe Zugeigenspannungen
gegenüberstehen. In [MOD84] wird der Einfluss der Prozessparameter Umformgrad,
Werkzeuggeometrie und Schmiermittel beim Kaltziehen und Kaltstrangpressen von
Aluminiumstangen beschrieben. In [HAU76b] werden nach einachsiger plastischer
Dehnung an mehrphasigen Aluminiumlegierungen Mikrospannungszustände auf-
grund unterschiedlicher Streckgrenzen- und Verfestigungsverhalten beschrieben.
Dabei gerät das Aluminium unter Druck-, die restlichen Phasen unter Zugeigenspan-
nungen.
Bei mehrphasigen Werkstoffen entstehen neben den Makrospannungen thermisch
induzierte Mikroeigenspannungen bereits bei der Abkühlung nach der Werkstoffher-
stellung und auch bei der Abkühlung nach der Warmumformung aufgrund der unter-
schiedlichen thermischen Ausdehnungskoeffizienten der Phasen. Ein Beispiel für die
Entstehung von Eigenspannungen bei der Herstellung wird in [BRO99] an Kohlen-
stofffaserverstärkten SiC-Keramiken beschrieben. Die thermischen Ausdehnungsko-
effizienten der Phasen weichen deutlich voneinander ab, und die Kohlenstofffaser
zeigt ein anisotropes Verhalten bezüglich des thermischen Ausdehnungskoeffizien-
ten. Daraus resultiert ein komplexer Eigenspannungszustand. Die Entstehung und
die Auswirkungen thermisch induzierter Eigenspannungen an MMCs von Aluminium-
legierungen mit SiC wird u.a. in [BRA93, CHA98, HON96] untersucht. Die Metallmat-
rix zieht sich aufgrund des höheren thermischen Ausdehnungskoeffizienten stärker
2 Stand der Erkenntnisse
43
als die Partikel zusammen. In den Partikeln entstehen Druckeigenspannungen, de-
nen aus Gleichgewichtsgründen Zugeigenspannungen der Matrix entgegenwirken.
Weiterhin führen Unterschiede in den physikalischen und mechanischen Eigenschaf-
ten der Phasen dazu, dass phasenspezifische Mikroeigenspannungen durch Verfor-
mungsinhomogenitäten an den Phasengrenzen entstehen. Die Entstehung sowie Art,
Höhe und Verteilung der Mikrospannungen hängt von den physikalischen und me-
chanischen Eigenschaften der Phasen sowie auch erheblich von mikrostrukturellen
Parametern, wie z.B. dem Volumenanteil, der Form und der Größe sowie der
Kontinuität der Phasen, ab [BER92, PYZ96, PYZ96b, WEI93].
Wenn durch Spannungskonzentrationen an den Werkstoffinhomogenitäten das
Formänderungsvermögen des Werkstoffs überschritten wird, entstehen lokale Schä-
digungen der Matrix, der darin eingebetteten Phase oder auch im Bereich der Grenz-
fläche zwischen den Phasen, schließlich tritt Versagen ein [LEE92].
3 Ziel der Arbeit
44
3 Ziel der Arbeit
Ziel der vorliegender Arbeit ist die Untersuchung und Bewertung des Einflusses der
Warmumformung auf Mikrostruktur und Eigenschaften, insbesondere Eigenspan-
nungen und Textur, von Aluminiumwerkstoffen am Beispiel des zweiphasigen pul-
vermetallurgisch hergestellten Aluminiumwerkstoffes AlSi25Cu4Mg1 nach dem
Strangpressen sowie der einphasigen Aluminiumlegierung 6013 nach dem Reibrühr-
schweißen.
3.1 Strangpressen von PM-AlSi25Cu4Mg1
Der neu entwickelte pulvermetallurgische (PM) Aluminiumwerkstoff AlSi25Cu4Mg1
enthält mit 25 Gewichtsprozent Silizium einen hohen Si-Partikelgehalt. Die homoge-
ne Verteilung und geringe Größe der schlecht verformbaren Si-Partikel ermöglicht
die Verarbeitung dieses Werkstoffes durch Strangpressen. Bisher wurden keine sys-
tematischen Untersuchungen der Mikrostruktur und der Eigenschaften hinsichtlich
der Entwicklung von Eigenspannung und Ausbildung von Textur eines strangge-
pressten Werkstoffes mit einem derart hohen Si-Gehalt durchgeführt.
Ziel der Arbeit ist die Charakterisierung des hoch siliziumhaltigen PM-AlSi25Cu4Mg1
Werkstoffes nach dem Strangpressen durch systematische Variationen der Prozess-
parameter Umformtemperatur und Umformgeschwindigkeit. Im Rahmen der Arbeit
wurden das konventionelle direkte Strangpressen ohne Schale und ohne Schmie-
rung sowie das indirekte konventionelle Strangpressen ohne Schale und ohne
Schmierung verglichen.
Untersucht wurden Pressprodukte des Werkstoffes mit rundem Querschnitt hinsicht-
lich des Einflusses der Prozessparameter auf Gefügestabilität, Ausscheidungszu-
stand, Festigkeit, Textur und Eigenspannungen.
Die Charakterisierung von Eigenspannungen und Texturen im oberflächennahen Be-
reich erfolgt mit konventioneller Röntgenstrahlung. Zur Analyse im Probeninneren
wird hochenergetischer Synchrotronstrahlung verwendet. Es wird direktes und indi-
rektes Strangpressen hinsichtlich der Texturentwicklung verglichen. Die Beurteilung
des Ausscheidungszustandes und der Gefügestabilität erfolgt mit begleitenden Un-
tersuchungen am Lichtmikroskop sowie an REM und TEM. Die Festigkeitskennwerte
werden mit Zugversuchen bei Raumtemperatur und bei erhöhter Temperatur ermit-
telt.
3 Ziel der Arbeit
45
3.2 Reibrührschweißen der Aluminiumlegierung 6013
Beim Reibrührschweißen tritt ähnlich wie beim Strangpressen ein starker Werkstoff-
fluss auf, d.h. hohe plastische Verformungen bei erhöhter Temperatur. Da es sich
beim Reibrührschweißen um ein neues Verfahren auf der Grenze zwischen Umform-
technik und Fügetechnik handelt, liegen bisher nur wenige Untersuchungen der
Mikrostruktur und der Eigenschaften, insbesondere der Textur und
Eigenspannungen, reibrührgeschweißter Al-Legierungen vor.
Zur zerstörungsfreien Eigenspannungsanalyse und Texturanalyse wurden Beu-
gungsverfahren mit Röntgen-, Neutronen- und hochenergetischer Synchrotronstrah-
lung eingesetzt. Die mit den verschiedenen Verfahren verbundenen unterschiedli-
chen Eindringtiefen werden genutzt, um umfassende Untersuchungen der gesamten
Proben zu ermöglichen. In begleitenden Untersuchungen werden das Gefüge und
als mechanischer Kennwert die Härte berücksichtigt.
Es wird eine umfangreiche Betrachtung zur Änderungen der Werkstoffeigenschaften
und den Zusammenhänge zwischen Prozessparametern, Gefüge, Eigenspannungen
und Textur vorgenommen.
4 Experimentelle Untersuchung
46
4 Experimentelle Untersuchung
4.1 Stranggepresstes PM-AlSi25Cu4Mg1
Der pulvermetallurgische Werkstoff AlSi25Cu4Mg1 wurde von der Firma. Peak
Werkstoff GmbH, Velbert/Neviges als Pressbolzen geliefert. Der Werkstoff ist sprüh-
kompaktiert, wärmebehandelt und konsolidiert.
Die Strangpressversuche wurden an der horizontalen 8 MN Strangpressanlage des
Forschungszentrums Strangpressen der TU Berlin durchgeführt. Die Presse ist mit
einer Steuerungs- und Messtechnik ausgestattet. Die Messtechnik ermöglicht es,
wesentliche Messgrößen beim Strangpressen direkt zu erfassen (Abb. 4.1 und Abb.
4.2). Die vom Stempel auf den Bolzen aufgebrachte axiale Kraft (Gesamtkraft) wird
mit Hilfe einer Kraftmessdose ermittelt, gegen die sich der Stempel abstützt. Beim
direkten Strangpressen stützt sich der Aufnehmer über drei Stelzen gegen drei
Messdosen im Gegenhalter ab. Mit diesen Messdosen wird die Reibungskraft, die im
Aufnehmer wirkt, ermittelt. Zur Ermittlung der Matrizenkraft dient die Kraftmessdose,
gegen die sich der Matrizenhalter abstützt.
Abb. 4.1: Erfassung der axialen Kräfte beim direkten Strangpressen [MÜL00]
Beim indirekten Strangpressen wird der Aufnehmer zusammen mit dem Pressbolzen
über einen Hohlstempel bewegt. Es wirkt keine Reibungskraft zwischen Pressbolzen
4 Experimentelle Untersuchung
47
und Aufnehmerinnenwand, die Messdosen im Gegenhalter kommen nicht zum Ein-
satz.
Abb. 4.2: Erfassung der axialen Kräfte beim indirekten Strangpressen [MÜL00]
Die Matrizenkraft setzt sich aus der Kraft, die für die Umformung des Materials benö-
tigt wird, und der Reibungskraft an den Werkzeugen (Matrize und Pressscheibe) zu-
sammen. Es ist nicht möglich, mit diesem Messaufbau den Anteil der Reibungskraft
an den Werkzeugen direkt zu messen.
Hoch siliziumhaltige Werkstoffe weisen auch bei Warmverformung einen hohen Um-
formwiderstand auf. Daher wurde zunächst indirekt stranggepresst, da beim indirek-
ten Strangpressen aufgrund der fehlenden Reibung zwischen Bolzen und Aufnehmer
eine geringere Gesamtkraft erforderlich ist und zudem der Werkstofffluss homogener
als beim direkten Strangpressen ist. Die Bolzeneinsatztemperaturen wurden dabei
zwischen 250°C und 450°C variiert, die Stempelgeschwindigkeiten zwischen 0,75
und 20 mm/s bzw. bei dem Pressverhältnis von 10:1 bei einer Produktgeschwindig-
keit von 7,5 bis 200 mm/s. Die Bolzen wurden in einer induktiven Einbolzenerwär-
mungsanlage auf die Einsatztemperatur gebracht. Vor dem Einbringen des erwärm-
ten Bolzens in den Aufnehmer wurde die Temperatur an der Bolzenoberfläche
kontrolliert. Die Prozessparameter der indirekten Strangpressversuche sind in
Tabelle 4.1 angegeben. Unmittelbar nach dem Pressvorgang wurde die Temperatur
der Pressreste ermittelt.
4 Experimentelle Untersuchung
48
Tabelle 4.1: Prozessparameter bei indirekten Strangpressversuchen
Blockdurchmesser [mm] 105 105 105
Aufnehmerdurchmesser [mm] 110 110 110
Matrizendurchmesser [mm] 35 35 35
Pressverhältnis 10:1 10:1 10:1
TBlock =T
Aufnehmer =T
Matrize [°C] 300 400 450
Produktgeschwindigkeit [mm/s] 7,5; 15; 30; 100; 150 15 15
Basierend auf den Erkenntnissen der indirekten Strangpressversuche wurden in ei-
ner weiteren Versuchsserie direkte Strangpressversuche durchgeführt. Die Bolzen-
einsatztemperaturen wurden dabei zwischen 300°C und 400°C variiert, als
Stempelgeschwindigkeiten bei 400°C wurden 1,5 und 7,5 mm/s gewählt. Die
weiteren Strangpressparameter wurden konstant und entsprechend zu den
indirekten Strangpressversuchen gehalten. Die Prozessparameter der direkten
Strangpressversuche sind in Tabelle 4.2 angegeben.
Tabelle 4.2: Prozessparameter bei direkten Strangpressversuchen
Blockdurchmesser [mm] 105 105 105
Aufnehmerdurchmesser [mm] 110 110 110
Matrizendurchmesser [mm] 35 35 35
Pressverhältnis 10:1 10:1 10:1
TBlock =T
Aufnehmer =T
Matrize [°C] 300 350 400
Produktgeschwindigkeit [mm/s] 15 15 15; 7,5
Außer den oben beschriebenen axialen Kräften beim Strangpressen wurde bei den
Strangpressversuchen die Stempelgeschwindigkeit, die Versuchsdauer, die Block-
temperatur und die Produkttemperatur gemessen bzw. erfasst.
4 Experimentelle Untersuchung
49
4.2 Reibrührschweißverbundenes Al 6013
Die Reibrührschweißverbindungen wurden beim Deutschen Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) hergestellt. Als Werkstoff wurde die Aluminium-Knetlegierung mit
der Bezeichnung 6013 im T4-Zustand, d.h. gewalzt, lösungsgeglüht und kaltausgela-
gert, gewählt. Legierungen dieser Klasse (6XXX) besitzen als Hauptlegierungsele-
mente Si und Mg. Sie zeichnen sich durch gute Schweißbarkeit und Korrosionsbe-
ständigkeit verbunden mit einer hohen Aushärtbarkeit bei Raumtemperatur aus.
Die chemische Zusammensetzung der Aluminiumlegierungen ist in Tabelle 4.3 nach
[BEV86] angegeben.
Tabelle 4.3: Chemische Zusammensetzung der Aluminium-Knetlegierungen mit der
Bezeichnung 6013 in Gewichtsprozent [BEV86].
Mg Cu Mn Fe Si Al
1,0 0,8 0,35 0,30 a0,8 Rest b
aMaximum
bDie meisten Al- Knetlegierungen für Barren enthalten etwa 0,05-0,1% Ti, um die Korngröße der
Barren zu verfeinern.
In Tabelle 4.4 sind die unterschiedlichen Schweißparameter und Werkzeuge für die
vier gelieferten Bleche zusammengefasst. Alle vier Bleche hatten dieselbe Blechdi-
cke von 4 mm.
Tabelle 4.4: Schweißparameter und Werkzeugangaben der untersuchten Proben
Umdrehungs-
geschwindigkeit
[min -1]
Vorschub
[mm·min-1]
Werkzeug-
durchmesser a
[mm]
Pin-durchmesser b
[mm]
1000 300 22 3,6
1500 300 22 3,6
1670 500 15 3,7
2500 1000 15 3,7
aDurchmesser der Werkzeugschulter. bEine detaillierte Werkzeugbeschreibung ist in Abb. 2.5 darge-
stellt
4 Experimentelle Untersuchung
50
4.3 Mikrostruktur
Aus den Bolzen zum Strangpressen wurden im sprühkompaktiertem, im geglühtem
und im verdichtetem Zustand Proben für metallographischen Untersuchungen ent-
nommen. Ebenso wurden aus den stranggepressten Profilen Proben in Längs- und
Querrichtung entnommen. Aus den Proben wurden metallographische Schliffe her-
gestellt.
Die Proben wurden aus den reibrührgeschweißten Blechen senkrecht zur Schweiß-
richtung entnommen (siehe Abb. 4.3) und kalt eingebettet. Die Schliffe wurden so-
wohl für lichtmikroskopische Gefügeuntersuchung bzw. -aufnahme als auch zur Här-
temessung präpariert.
Abb. 4.3: Probe der reibrührgeschweißten Bleche für Gefügeaufnahme und Här-
tebestimmung
Die Präparation erfolgte unter Verwendung von SiC-Papier bis zur Körnung 4000
zum Schliffen und Diamantsuspension 6 µm, 3 µm, 1 µm sowie anschließend Oxid-
suspension 0,5 µm und 0,25 µm zum Polieren.
Mikrohärte
Die Mikrohärteverläufe (Abb. 4.3) wurden nach Vickers HV 0,1 bei einer Last von 1 N
mit einem semi-automatischen Mikrohärteprüfer ermittelt. Für jeden Messpunkt wur-
den 7 Werte gemittelt und statistisch behandelt.
4 Experimentelle Untersuchung
51
Lichtmikroskopie
Die Gefügebeurteilungen erfolgten an einem Auflichtmikroskop im Hellfeldmodus. Mit
einer am Mikroskop angeschlossenen CCD-Kamera wurden die Gefügebilder doku-
mentiert.
Die Beurteilung der Korngröße der Aluminiummatrix beim PM-AlSi25Cu4Mg1 erfolg-
ten mittels Phaseninterferenzkontrast (DIC) an, mit 1%-iger NaOH bei 50°C und ca.
20-40 Sekunden, geätzten Schliffoberflächen. Weiterhin wurden Nachweisätzungen
(Farbätzungen) an den polierten Schliffoberflächen durchgeführt.
Die Schliffe der reibrührgeschweißten Bleche wurden ebenfalls mit 1%-iger NaOH
geätzt. Dabei ist zu bemerken, dass die optimale Ätzdauer von dem zu untersuchen-
den Bereich abhängt, da das Gefüge entlang des Schliffes variiert. Weiterhin wurden
Übersichtsbilder an Makroschliffen mit einer digitalen Kamera erstellt, um die gesam-
ten Schweißnaht dokumentieren zu können.
Rasterelektronenmikroskopie
Für die Untersuchungen im Rasterelektronenmikroskop (REM) wurden die Schliffe
mit 1%-iger NaOH bei 50°C ca. 2 Minuten tiefgeätzt, um ein Relief der Probenober-
fläche zu erzeugen. Hierbei wird die Al-Matrix stärker abgetragen als das Silizium
und die intermetallischen Phasen. Das Gefüge wurde im Sekundärelektronen Modus
(SE) und Rückstreuelektronen Modus (engl. back scanning elektron) (BSE) des
REM´s untersucht. Zur weiteren Beurteilung und Bestimmung der Phasengehalte
wurden mit energiedispersiven Analysen (EDX) im „Mapping“-Modus und im „Spot“-
Modus qualitative und quantitative Analysen durchgeführt.
Transmissionselektronenmikroskopie
Zur weiteren Beurteilung des Feingefüges wurden Untersuchungen an einem
Transmissionselektronenmikroskop (TEM) durchgeführt. Dazu wurden Proben durch
Schleifen und Polieren bis zu einer durchstrahlbaren Dicke gedünnt. Zur Unterschei-
dung der Phasen bzw. Ausscheidungen wurden Hellfeld- und Dunkelfeldaufnahmen
erstellt. Für die Identifizierung der Phasen wurden Beugungsbilder angefertigt, die
mit Hilfe der JCPDS-Datenbank indiziert wurden.
4 Experimentelle Untersuchung
52
4.4 Untersuchungen mit Beugungsmethoden
In den folgenden Abschnitten sind die Versuchsanordnungen und die Parameter der
Spannungs- und Texturanalysen dargestellt. Die Untersuchungen wurden unter Ver-
wendung von konventioneller Röntgen-, Neutronen- und hochenergetischer Syn-
chrotronstrahlung durchgeführt.
4.4.1 Konventionelle Röntgenstrahlung
Mit konventioneller Röntgenstrahlung wurden Eigenspannungs- und Texturanalysen
durchgeführt. Die Untersuchungen wurden an Diffraktometern der Firma Huber
Diffraktionstechnik im - und ψ-Konfiguration durchgeführt. In Abb. 4.4 sind die Ach-
sen- und Winkelbezeichnungen der Diffraktiometer für den - und ψ-Modus darge-
stellt.
Abb. 4.4: Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus für Phasen-, Span-
nungs- und Texturanalysen mit konventioneller Röntgenstrahlung
[DAN00]
Es wurde Co-Strahlung (Wellenlänge λ=0,179021 nm) und Cu-Strahlung (Wellenlän-
ge λ=0,154056 nm) verwendet. Der einfallende primäre Röntgenstrahl wurde mit
Rundkollimatorern oder mit Schlitzkollimatoren begrenzt. Die von der Probe gebeug-
te Strahlung wurde von einem ortsempfindlichen Detektor (OED) oder einem Szintil-
latonszähler registriert.
Um systematische Fehler des Diffraktometers und bei der Probenjustage zu begren-
zen, wurden Kalibriermessungen an Goldpulver durchgeführt. Es konnte eine Ein-
grenzung im Beugungswinkel 2θvon 2θ0,01° erreicht werden. Die Eindringtiefe
4 Experimentelle Untersuchung
53
der CoKα-Strahlung betrug in Abhängigkeit von den beugungsgeometrischen Bedin-
gungen 4-25 µm, die der CuKα-Strahlung 6 bis 31 µm.
Texturanalysen
Die Texturanalysen erfolgten an einem Ψ-Diffraktometer mit ortsempfindlichem De-
tektor (OED). Die Texturanalysen wurden an Proben aus einem sprühkompaktierten
Bolzen, aus einem homogenisierten Bolzen, aus einem vorverformten Bolzen sowie
an den Querschnittsfläche der Strangpressprofile durchgeführt. Des Weiteren wur-
den Texturanalysen an Längsschnitten der Strangpressprofile aus unterschiedlicher
Tiefe durchgeführt. Die Probenflächen wurden geschliffen und poliert.
Systematische Texturanalysen wurden an der Al-Phase des PM-AlSi25Cu4Mg1
durchgeführt. Unter der Berücksichtigung der linearen Unabhängigkeit der Norma-
lenvektoren der Kristallebenen und genügend hohen Intensitäten der Reflexe wurden
die drei Reflexe 200, 220 und 311 ausgewählt. Die jeweilige Lagenkugel der einzel-
nen Gitterebenen wurde im Bereich °
ϕ
3500 in Schritten von dϕ=1 und im Be-
reich °
ψ
750 in Schritten von d
ψ
=5° abgetastet. Vorversuche mit einer feineren
Abtastung von d
ϕ
=5° ergaben keinen signifikanten Unterschied in den Messergeb-
nissen.
Als Strahlung wurde Co-Strahlung (Wellenlänge λ=0,178892 nm) verwendet. Es
wurde ein Rundkollimator mit 3,0 mm Durchmesser eingesetzt. Die Messzeit pro
Messpunkt betrug 10 Sekunden.
Die Auswertung erfolgte, mit dem Programmpaket „ODF-Analysis“ [BUN96] der Ar-
beitsgemeinschaft Texturen der TU Clausthal, durch eine Reihenentwicklung nach
verallgemeinerten Kugelfunktionen. Aus den aufgenommenen Intensitätsverteilungen
können so die gemessenen Polfiguren sowie die daraus berechneten vollständigen
Polfiguren und die inversen Polfiguren dargestellt werden. Die graphische Darstel-
lung der dreidimensionalen ODF erfolgt durch Isolinien auf
ϕ
1- und
ϕ
2-Schnitten des
reduzierten Eulerraums.
Eigenspannungsanalysen
Die Bestimmung der Eigenspannungen, an den Pressprodukten des Werkstoffes
PM-AlSi25Cu4Mg1 und den reibrührgeschweißten Blechen, erfolgte nach
sin²ψ-Verfahren. An jedem Messpunkt wurde unter neun ψ-Winkeln gemessen. Es
wurde ein Rundkollimator mit einem Durchmesser von 1,0 mm verwendet. Die Ei-
genspannungsanalysen erfolgten in vertikaler und horizontaler Probenanordnung zur
Bestimmung der Eigenspannungen in axialer und in tangentialer Richtung der zylind-
4 Experimentelle Untersuchung
54
rischen Proben aus PM-AlSi25Cu4Mg1 bzw. parallel (Längsrichtung) und senkrecht
zur Schweißrichtung (Querrichtung) der reibrührgeschweißten Bleche.
An den Pressprodukten des Werkstoffes PM-AlSi25Cu4Mg1 wurde in der Mitte der
zylindrischen Mantelfläche gemessen. Die Eigenspannungsmessungen erfolgten am
Aluminium und am Silizium. Um Einfluss der gekrümmten Probenform soweit wie
möglich zu verringern, wurden die Daten durch Spektren, die an Goldpulver aufge-
nommen wurden, korrigiert. Um den Spannungsverlauf in der Tiefe zu ermitteln, wur-
de die Oberfläche schrittweise elektrolytisch abgetragen. Ein derartiger Materialab-
trag zeichnet sich dadurch aus, dass der Eigenspannungszustand nicht beeinflusst
wird, da nur wenig Material ausschließlich an der Oberfläche abgetragen wird. An der
neu entstandenen Fläche wurden Messungen analog zu denen an der Oberfläche
durchgeführt. Es wurde Co-Strahlung (Wellenlänge λ=0,179021 nm) verwendet.
Da die zu untersuchenden Legierungen der reibrührgeschweißten Blechen praktisch
nur aus einer Phase (Anteil des Aluminiummischkristall etwa 96%) bestehen, fand
die Eigenspannungsanalyse ausschließlich im Aluminium statt. Im Hinblick auf eine
ausreichende Reflexintensität und den Empfehlung zur Bestimmung der Eigenspan-
nungen in texturierte Werkstoffe [EVE75, DÖL77b, DÖL78, HAU97], wurde der 311
Reflex gewählt. Es wurde Cu-Strahlung (Wellenlänge λ=0,154056 nm) und
Co-Strahlung (Wellenlänge λ=0,179021 nm) verwendet.
In den oberflächenahen Bereichen der reibrührgeschweißten Aluminiumbleche kön-
nen sich die durch das Reibrührschweißen entstandenen Eigenspannungen, mit den
durch eine nachträgliche mechanische Behandlung der Oberfläche der Schweißnäh-
te z. B. rsten hervorgerufenen Eigenspannungen, überlagern [SOL91]. Um nur die
durch das Reibrührschweißen hervorgerufenen Eigenspannungen zu erfassen, wur-
de an der Oberfläche der zu analysierenden Bereiche ca. 40 µm Material elektroly-
tisch abgetragen. Die mittlere Eindringtiefe (bei sin2ψ=0,3) der Co-Strahlung beträgt
gemäß den beugungsgeometrischen Bedingungen des 311 Reflexes im Aluminium
14 µm, die der Cu-Strahlung 18 µm. Es ergibt sich daher für die Co-Strahlung eine
Tiefe von 54 µm und für die Cu-Strahlung eine Tiefe von 58 µm, in den der Eigen-
spannungszustand ermittelt wurde.
4 Experimentelle Untersuchung
55
4.4.2 Neutronenstrahlung
Die Untersuchungen mit Neutronenstrahlung wurden am Diffraktometer E3 des For-
schungsreaktors BERII am Hahn-Meitner-Institut Berlin durchgeführt. In Abb. 4.5 ist
der Aufbau dieses Neutronendiffraktometers schematisch dargestellt.
Die im Reaktor erzeugten Neutronen werden durch ein System von Filtern und Kolli-
matoren auf einen Monochromator gelenkt. Die Neutronen der ausgewählten Wellen-
länge gelangen durch einen Sekundärkollimator und eine Blende auf die Probe. Die
an der Probe gebeugten Neutronen werden mit einem BF3-Vielkanaldetektor in ei-
nem Winkelbereich von 2θ=35°-115° registriert. Bei den Untersuchungen, die im
Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurden, wurde ein Cu 220-Monochromator be-
nutzt, der mit θM=32,5° das Wellenlängenspektrum der Strahlung auf
λ=0,13713±0,00006 nm begrenzt. Die absolute Detektorposition in 2θund die Lage
des Maximums der Wellenlängenverteilung des Primärstrahls wurden durch Kalib-
riermessungen an einem Referenz-Eisenpulver bestimmt.
Abb. 4.5: Schematischer Aufbau des Diffraktometers E3 am Forschungsreaktor
BerII am Hahn-Meitner-Institut Berlin
Mit Neutronenstrahlung wurden systematisch reibrührgeschweißte Bleche aus der
Aluminiumlegierung 6013 untersucht. Eingeschränkt durch mechanische Gegeben-
heiten, wie z.B. die Erreichbarkeit der Messwinkel bei gegebener Wellenlänge, und
4 Experimentelle Untersuchung
56
durch die messbare Intensität, d.h. das erreichbare Reflex zu Untergrund Verhältnis,
wurde für die Untersuchungen der Reflex 311 gewählt. Um die Eigenspannungszu-
stände im Probeninneren zu erfassen, wurde das Volumenelement in die Mitte des
Bleches platziert. Aus der Geometrie des Aufbaus lässt sich die Größe und Form des
Messvolumenelements berechnen [BRU98]. Das Messvolumenelement kann als ei-
ne Raute mit einer großen Diagonale von 3,58 mm und einer kleinen Diagonale von
2,41 mm angesehen werden. Die schematische Darstellung des Messvolumenele-
ments ist in Abb. 4.6 zu sehen.
Abb. 4.6: Schematische Darstellung des Messvolumenelements bei der Messung
mit Neutronenstrahlung, wie es sich annährend mit den verwendeten
Parametern nach [BRU98] ergibt.
4.4.3 Hochenergetische Synchrotronstrahlung
Die Untersuchungen mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung wurden an der
Beamline ID15a der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) durchgeführt.
In Abb. 4.7 ist schematisch der Aufbau des Experimentes mit einer Probe aus einem
Strangpressprofil (= 35 mm) in vertikaler Probenanordnung dargestellt. Gemessen
wurde in Transmissionsanordnung.
Aus dem Speicherring wurde ein Primärstrahl der weißen, hochenergetischen Rönt-
genstrahlung mit einem Energiebereich von ca. 30 bis 300keV ausgekoppelt. Das
Messvolumenelement wurde durch ein Blendensystem im Primärstrahl und Sekun-
därstrahl, bestehend aus 10 mm Wolframkarbid, definiert. Die Blendenöffnung betrug
primärseitig 1,0 mm x 0,1 mm und sekundärseitig 0,10 mm x 0,08 mm. Unter einem
festen Winkel von 2θ=10° wurde die gebeugte Intensität mit einem Germanium De-
4 Experimentelle Untersuchung
57
tektor energiedispersiv registriert. Aus der Geometrie des Aufbaus lässt sich die
Größe des Messvolumenelement berechnen [BRU98].
Abb. 4.7: Aufbau des Experimentes an der Beamline ID15a der European Syn-
chrotron Radiation Facility (ESRF), schematische Darstellung
Die Messungen an den Proben der stranggepressten Produkten wurden in den drei
Hauptdehnungsrichtungen der Proben durchgeführt. Realisiert wurde dies durch ent-
sprechende Drehung der Probe um ψ=90° bzw. ϕ=90° jeweils in zwei Richtungen.
Das Messvolumen befand sich dabei vollständig in der Probe. Die zur vollständigen
dreiachsigen Spannungsanalyse notwendigen Gitterebenabstände der dehnungs-
freien Richtungen für das Silizium wurden durch Messung an pulverisiertem Pro-
benmaterial durchgeführt. Dazu wurde Si-Pulver aus dem Werkstoff durch chemi-
sches Auflösen des Aluminiums in 30%-iger NaOH hergestellt. Der
Gitterebenenabstand der dehnungsfreien Richtungen des Aluminiums wurde aus der
Gleichgewichtsbedingung berechnet. Da die Legierungselemente des Werkstoffes
4 Experimentelle Untersuchung
58
die Gitterebenenabstände beeinflussen, können die tabellierten Werte für Aluminium
und Silizium nicht verwendet werden.
Abb. 4.8: Darstellung des Messvolumenelements, wie es sich annährend mit den
verwendeten Parametern nach [BRU98] ergibt.
Die Texturbestimmungen aus den energiedispersiv registrierten Diffraktogrammen
erfolgte nach den in [GER76] beschriebenen Zusammenhängen.
Die Eigenspannungsanalysen mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung wurden
für die mit einem Werkzeugdurchmesser von 22 mm reibrührgeschweißten Bleche
von der Schweißnahtmitte (0 mm) bis in die WEZ bei 16 mm und für die mit einem
Werkzeugdurchmesser von 15 mm reibrührgeschweißten Bleche von der Schweiß-
naht (0 mm) bis in die WEZ bei 10 mm durchgeführt. Durch die hohe Auflösung der
hochenergetischen Synchrotronstrahlung konnte der Eigenspannungszustand von
Rührzone und TMEZ in der Blechtiefe im Detail erfasst werden. Eigenspannungsana-
lysen wurde von der Blechunterseite (Schweißwurzel) bis in ca. 2 mm, das entspricht
der halben Blechstärke, durchgeführt. Das Volumenelement wurde in seiner Breite
auf 80 µm (Abb. 4.8) begrenzt, um die hohe Ortsauflösung zu gewährleisten.
4 Experimentelle Untersuchung
59
4.5 Mechanische Werkstoffprüfung
Zur Bestimmung der mechanischen Werkstoffkennwerte von PM-AlSi25Cu4Mg1
wurden Zugversuche bei Umgebungstemperatur (RT) sowie 200°C und 300°C
durchgeführt. Die Untersuchungen wurden an der Ruhr Universität Bochum und der
Technischen Universität Berlin durchgeführt. Die Probenform nach DIN für die Zug-
versuche bei Umgebungstemperatur ist in Abb. 4.9 dargestellt, die Probenform nach
DIN für die Zugversuche bei erhöhter Temperatur in Abb. 4.10.
Abb. 4.9: Zugprobe R2
Abb. 4.10: Warmzugprobe R6
Die Erwärmung der Proben für die Warmzugversuche erfolgte in einem Dreizonen-
ofen. Die Aufheizzeit bis zum Beginn des Versuches betrug 90 Minuten. Die Verfor-
mungsgeschwindigkeit wurde bei allen Versuchen mit v=0,1 mm / min konstant
gehalten. Das entspricht bei einer Messlänge von 30 mm einer Dehnrate von
11s1056,5
=ε
. Gemessen wurde die Kraft Fund, mittels induktivem Wegaufneh-
mer, der Weg. Die Messgrößen wurden mit einem Datenerfassungssystem aufge-
zeichnet. Es wurden Spannungs-Dehnungsdiagramme erstellt und daraus die Kenn-
werte Streckgrenze Rp0,2 Rp1, die Zugfestigkeit Rm, die Gleichmaßdehnung Agund
die Gesamtdehnung A ermittelt.
5 Ergebnisse
60
5 Ergebnisse
5.1 Strangpressprodukte aus PM-AlSi25Cu4Mg1
5.1.1 Strangpressen
Indirektes Strangpressen
In Abb. 5.1 ist das beim indirekten Strangpressen aufgenommenes Kraft-Weg-Dia-
gramm mit den Pressparametern Bolzeneinsatztemperatur 450°C und
Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s dargestellt. Es sind die zwei Kraftkurven, die Ge-
samtkraft und Matrizenkraft, sowie der Istwert der Stempelgeschwindigkeit über den
Stempelweg aufgetragen.
Abb. 5.1: Axiale Kräfte und Stempelgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Stem-
pelweg (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 450°C,
Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
Zu Beginn des Pressvorgangs wird der Bolzen auf den Aufnehmerinnendurchmesser
aufgestaucht. Der lineare Anstieg der Gesamt- und der Matrizenkraft zu Beginn des
Strangpressvorgangs (Stempelweg ~11 mm) ist auf das Aufstauchen zurückzufüh-
ren. Bei Erreichen einer Presskraft von etwa 2,8 MN wird die Stempelgeschwindigkeit
5 Ergebnisse
61
auf einen Werte von 1,5 mm/s eingeregelt. Nach Überschreiten des Presskraftmaxi-
mums ist ein geringer sogenannter „Durchhang“ zuerkennen.
Die nach dem Pressen an den Pressresten ermittelten Temperaturen waren etwas
höher als die Bolzeneinsatztemperaturen. Im Fall der Bolzeneinsatztemperatur von
300°C betrug der Temperaturanstieg des Bolzens beim Pressen ca. 20°C, bei der
Bolzeneinsatztemperatur von 400°C betrug der Temperaturanstieg ca. 10°C und bei
der Bolzeneinsatztemperatur von 450°C erhöhte sich die Temperatur um ca. 17°C.
Die Matrizenkräfte im quasistationären Bereich des Strangpressvorgangs (Stempel-
weg ~90 mm) aller indirekt durchgeführten Pressungen (mit verschiedener Bolzen-
einsatztemperatur, aber gleichbleibender Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s)
sind in Abb. 5.2 in Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur zusammengefasst
dargestellt.
Abb. 5.2: Matrizenkräfte in Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur (indi-
rektes Strangpressen, 1,5 mm/s Stempelgeschwindigkeit)
Es ist ein linearer Abfall der erforderlichen Matrizenkraft mit steigender Bolzen-
einsatztemperatur zuerkennen. Die für das indirekte Strangpressen eines Bolzens
aus PM AlSi25Cu4Mg1 erforderliche Matrizenkraft beträgt 4,5 MN, wenn die Bolzen-
einsatztemperatur 300°C ist. Beim indirekten Strangpressen eines vergleichbaren
Bolzens mit einer Bolzeneinsatztemperatur von 450°C ist die erforderliche Matrizen-
kraft mit 2,5 MN um 50% geringer.
5 Ergebnisse
62
Die Matrizenkräfte im quasistationären Bereich des Strangpressvorgangs (Stempel-
weg ~90 mm) aller nach dem Verfahren des indirekten Strangpressens durchgeführ-
ten Pressungen bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 300°C sind in Abb. 5.3 in Ab-
hängigkeit von der Stempelgeschwindigkeit zusammenfassend dargestellt.
Abb. 5.3: Matrizenkräfte in Abhängigkeit von der Stempelgeschwindigkeit
(indirektes Strangpressen, 300°C Bolzeneinsatztemperatur)
Bei Stempelgeschwindigkeiten von 0,75 mm/s, 1,5 mm/s, und 3 mm/s konnte kein
signifikanter Unterschied in der Höhe der Presskräfte verzeichnet werden. Die Werte
der Matrizenkraft variieren innerhalb der Varianz der Werte, die bei mehreren Press-
vorgängen bei 300°C Bolzeneinsatztemperatur und Stempelgeschwindigkeit von
1,5 mm/s bestimmt wurden. Bei deutlicher Erhöhung der Stempelgeschwindigkeit ist
ein Trend zu höheren Matrizenkräften zu erkennen. Eine Erhöhung der Stempelge-
schwindigkeit auf 10 mm/s hat eine Erhöhung der Matrizenkraft um etwa 20 % auf
5,1 MN zur Folge. Bei nochmals erhöhten Stempelgeschwindigkeiten wiesen die
Pressprodukte Warmrisse auf. So traten bei einer Stempelgeschwindigkeit von
15 mm/s Warmrisse im hinteren Drittel der Produktlänge und bei einer Stempelge-
schwindigkeit von 20 mm/s Warmrisse ab etwa der Hälfte der Produktlänge auf.
Die Abb. 5.4 zeigt die Warmrisse am Pressrest eines bei einer Bolzeneinsatztempe-
ratur von 300°C mit einer Stempelgeschwindigkeit von 15 mm/s indirekt strangge-
pressten Produktes.
5 Ergebnisse
63
Abb. 5.4: Warmrisse am Pressrest, (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztem-
peratur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 15 mm/s
Direktes Strangpressen
In Abb. 5.5 ist ein beim direkten Strangpressen aufgenommenes Kraft-Weg-Dia-
gramm mit den Pressparametern Bolzeneinsatztemperatur 350°C und 1,5 mm/s
Stempelgeschwindigkeit dargestellt. In dem Diagramm sind drei Kraftkurven, welche
die Gesamtkraft, die Matrizenkraft und die Reibungskraft kennzeichnen, sowie der
Istwert der Stempelgeschwindigkeit eingezeichnet.
5 Ergebnisse
64
Abb. 5.5: Axiale Kräfte und Stempelgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Stem-
pelweg (direktes Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 350°C,
Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
Der lineare Kraftanstieg zu Beginn des Strangpressvorgangs, bis zu einem Stempel-
weg von ca. 11 mm, ist auf das Aufstauchen des Bolzens auf Aufnehmerinnen-
durchmesser zurückzuführen. Die Reibungskraft sinkt nach dem Kraftmaximum zu
Beginn der Pressung. Die Matrizenkraft fällt stetig nach Durchschreiten eines Maxi-
mums zu Beginn der Pressung ab. Die Gesamtkraft, die sich aus Reibungs- und Mat-
rizenkraft zusammensetzt, sinkt dementsprechend mit zunehmendem Stempelweg.
Der nach dem Presskraftmaximum auftretende Kraftabfall hat in Verbindung mit der
im System gespeicherten elastischen Energie einen Geschwindigkeitssprung zur
Folge, der nur bedingt ausgeregelt werden konnte. Die erhöhte Stempelgeschwin-
digkeit führte zu feinen Warmrissen im vorderen Teil des Stranges [MÜL99]. Dieser
Effekt zeigte sich bei den Versuchen mit Bolzeneinsatztemperatur 350°C und 400°C,
dagegen nicht bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 300°C. Eine Erhöhung der
Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s auf 7,5 mm/s bei einer Bolzeneinsatztempera-
tur von 400°C führte zur Entstehung von Warmrissen im Bereich der gesamten Pro-
duktlänge.
Bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 300°C wurde unmittelbar nach dem Pressen,
mit einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s, an der Produktoberfläche eine
5 Ergebnisse
65
Temperatur von ca. 400°C ermittelt; das entspricht einer Temperaturerhöhung von
etwa 100°C. Bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 350°C wurde eine Temperatur-
erhöhung von etwa 70°C und bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 400°C eine
Temperaturerhöhung von etwa 40°C ermittelt.
Die Matrizenkräfte im quasistationären Bereich des Strangpressvorgangs (Stempel-
weg ~90 mm) aller nach dem Verfahren des direkten Strangpressens durchgeführten
Pressungen mit verschiedener Bolzeneinsatztemperatur aber gleichbleibender
Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s sind in Abb. 5.6 in Abhängigkeit von der Bol-
zeneinsatztemperatur zusammenfassend dargestellt.
Abb. 5.6: Matrizenkräfte in Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur (direk-
tes Strangpressen, 1,5 mm/s Stempelgeschwindigkeit)
Es ist ein linearer Abfall der Matrizenkraft bei steigender Bolzeneinsatztemperatur zu
erkennen. Die für das direkte Strangpressen eines Bolzens aus PM AlSi25Cu4Mg1
erforderliche Matrizenkraft beträgt 3,4 MN, wenn die Bolzeneinsatztemperatur 300°C
ist. Beim indirekten Strangpressen eines vergleichbaren Bolzens mit einer Bolzen-
einsatztemperatur von 400°C ist die erforderliche Matrizenkraft mit 2,2 MN um 35%
geringer.
Die Reibungskräfte im quasistationären Bereich des Strangpressvorgangs (Stem-
pelweg ~90 mm) aller nach dem Verfahren des direkten Strangpressens durchge-
führten Pressungen mit verschiedener Bolzeneinsatztemperatur, aber gleichbleiben-
5 Ergebnisse
66
der Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s, sind in Abb. 5.7 in Abhängigkeit von der
Bolzeneinsatztemperatur zusammenfassend dargestellt.
Abb. 5.7: Reibungskräfte in Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur (direk-
tes Strangpressen, 1,5 mm/s Stempelgeschwindigkeit)
Abb. 5.7 zeigt, dass die Reibungskraft bei einer Stempelgeschwindigkeit von
1,5 mm/s einen linearen Abfall mit steigender Bolzeneinsatztemperatur aufweist. Zu-
rückzuführen ist dies auf die Temperaturerhöhung der Pressbolzen während des
Strangpressvorgangs.
5.1.2 Mikrostruktur
Siliziumpartikel und Ausscheidungen
Die lichtmikroskopische Betrachtung der Querschliffe der Pressprodukte zeigt eine
Aluminiummatrix, die 26 ±3 Volumenprozent Siliziumpartikel enthält. Die Siliziumpar-
tikel sind gleichmäßig und fein verteilt (Abb. 5.8). Der Durchmesser der Siliziumparti-
kel variiert zwischen 5 µm und 15 µm. Hinsichtlich ihres Gefüges unterscheiden sich
die Strangpressprodukte, die durch indirektes und direktes Strangpressen mit ver-
gleichbaren Bolzeneinsatztemperaturen und Stempelgeschwindigkeiten hergestellt
wurden, nicht. Indirekt wie auch direkt stranggepresste Proben zeigen, bei der Be-
trachtung im Licht- und Rasterelektronenmikroskop, keine signifikante Abhängigkeit
des Gefüges von der Bolzeneinsatztemperatur und der Stempelgeschwindigkeit. Die
Verteilung der Siliziumpartikel ist in allen untersuchten Proben, in Längs- und Quer-
5 Ergebnisse
67
richtung der Strangpressprofile, homogen. Eine Ausrichtung der Siliziumpartikel in
Strangpressrichtung ist nicht zu erkennen (Abb. 5.9).
Neben den Siliziumpartikeln sind bei hoher Vergrößerung im Schliffbild (Abb. 5.10)
bzw. bei Untersuchungen im Rasterelektronenmikroskop (Abb. 5.11) auch feinere
Partikel in der Matrix zu erkennen.
Abb. 5.8: Lichtmikroskopische Aufnahme, Querschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH
(indirekt stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztemperatur
300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.9: Lichtmikroskopische Aufnahme, Längsschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH
(indirekt stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztemperatur
300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
68
Abb. 5.10: Lichtmikroskopische Aufnahme, Querschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH
(indirekt stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztemperatur
300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.11: REM Aufnahme, Querschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH (indirekt strang-
gepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztemperatur 450°C, Stem-
pelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
69
Mittels EDX wurden die im REM we erscheinenden Partikel als kupferreiche Phase
identifiziert. Die hellgrauen, zum Teil direkt am etwas dunkler erscheinenden Silizium
anschließenden Partikel sind eine magnesiumreiche Phase.
Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen, dass nahezu alle Silizi-
umpartikel Stapelfehler enthalten (Abb. 5.12). Diese Stapelfehler liegen sowohl in
den Siliziumpartikeln der stranggepressten Profile als auch im sprühkompaktierten
Ausgangszustand vor dem Strangpressen vor. Dies lässt darauf schließen, dass die
Stapelfehler während des Sprühkompaktierprozesses entstanden oder bereits im
Vormaterial enthalten sind und nicht durch das Strangpressen verursacht wurden.
Abb. 5.12: Siliziumpartikel mit Stapelfehlern in der Aluminiummatrix
5 Ergebnisse
70
Abb. 5.13: TEM Hellfeld-, Dunkelfeldaufnahmen und Beugungsbild, Identifizierung
kleiner Ausscheidungen als (kleine) Siliziumpartikel (Pressbolzen,
sprühkompaktiert und homogenisiert)
Neben den Siliziumpartikeln und den intermetallischen Ausscheidungen sind im
Transmissionselektronenmikroskop weitere, erheblich kleinere inkohärente Teilchen
zu erkennen. Mit Hilfe von TEM-Aufnahmen im Hell- und Dunkelfeld-Modus sowie
Beugungsbildern wurden die inkohärenten Teilchen als kleine Siliziumpartikel (Abb.
5.13) sowie als Al2Cu-Partikel (Abb. 5.14) und als Mg2Si-Partikel identifiziert.
Abb. 5.14: TEM-Aufnahmen und Beugungsbild, Identifizierung kleiner Ausschei-
dungen als Al2Cu-Partikel (Pressbolzen, sprühkompaktiert und homo-
genisiert)
5 Ergebnisse
71
Die inkohärenten Teilchen, die nur im TEM zu erkennen sind, sind in den bei 450°C
verpressten Proben (Abb. 5.15) kleiner und feiner verteilt, als in den bei 300°C
stranggepressten Proben (Abb. 5.16).
Abb. 5.15: TEM-Aufnahmen der Aluminiummatrix mit Ausscheidung, (indirekt
stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztemperatur 450°C,
Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.16: TEM-Aufnahmen der Aluminiummatrix mit Ausscheidung (indirekt
stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztemperatur 300°C,
Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
72
Aluminiummatrix
Die Korngröße der Aluminiummatrix im Vormaterial beträgt ca. 4µm, die Korngröße
der Aluminiummatrix des stranggepressten Werkstoffs unterscheidet sich hiervon
nicht signifikant. Ein Vergleich der Korngröße in Quer- und Längsrichtung (Abb. 5.17
und Abb. 5.18) der stranggepressten Profile lässt erkennen, dass die Kornstreckung
in Pressrichtung sehr gering ist. Die Abb. 5.17, Abb. 5.18 und Abb. 5.19 zeigen die
mit 1%-iger NaOH geätzten metallographischen Schliffe im Differentialinterferenzkon-
trast (DIC). Es besteht keine signifikante Abhängigkeit der Korngröße der Alumini-
ummatrix von der Bolzeneinsatztemperatur, der Stempelgeschwindigkeit und vom
Strangpressverfahren (indirektes oder direktes Strangpressen).
Abb. 5.17: Lichtmikroskopische Aufnahme, Querschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH,
DIC (indirekt stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztem-
peratur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
73
Abb. 5.18: Lichtmikroskopische Aufnahme, Längsschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH,
DIC (indirekt stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztem-
peratur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.19: Lichtmikroskopische Aufnahme, Querschliff, geätzt mit 1%-iger NaOH,
DIC (direkt stranggepresstes PM AlSi25Cu4Mg1, Bolzeneinsatztempe-
ratur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5.1.3 Textur
Textur in Längsrichtung
Die Textur der Aluminiummatrix ist im sprühkompaktierten Zustand und nach einer
anschließenden homogenisierenden Glühung nahezu isotrop. Dieses ist an den in-
versen Polfiguren in axialer Richtung (Abb. 5.20) und an den ϕ1-Schnitten bei und
45° (Abb. 5.21) zu erkennen.
5 Ergebnisse
74
Abb. 5.20: Inverse Polfiguren der Aluminiummatrix einer sprühkompaktierten Pro-
be und einer bei 520°C homogenisierten Probe
Abb. 5.21: ϕ1-Schnitte der ODF der Aluminiummatrix einer sprühkompaktierten
Probe und einer bei 520°C homogenisierten Probe
Indirektes Strangpressen
Die Aluminiummatrix weist, nach dem indirekten Strangpressen, eine <100>/<111>
Doppelfasertextur auf. Dies ist an den inversen Polfiguren in axialer Richtung (Abb.
5.22) und an den ϕ1-Schnitten der ODF (Abb. 5.23) zu erkennen. Die Siliziumpartikel
5 Ergebnisse
75
zeigen weder im sprühkompaktierten Zustand noch nach dem Strangpressen eine
Vorzugsrichtung.
Abb. 5.22: Inverse Polfiguren der Aluminiummatrix in axialer Richtung indirekt
stranggepresster Profile
Abb. 5.23: ϕ1-Schnitte der ODF der Aluminiummatrix indirekt stranggepresster Pro-
file
5 Ergebnisse
76
Mit steigender Bolzeneinsatztemperatur steigt die Stärke der
<100>-Faserkomponente erheblich an, während die Stärke der
<111>-Faserkomponente der Strangpressprodukte nahezu unabhängig von der Bol-
zeneinsatztemperatur ist.
Ebenso ist die <111>-Faserkomponente nahezu unabhängig von der Pressge-
schwindigkeit. Die Stärke der <100>-Faserkomponente nimmt hingegen mit steigen-
der Pressgeschwindigkeit zu. Dies ist an den inversen Polfiguren in axialer Richtung
zu erkennen (Abb. 5.24).
Abb. 5.24: Inverse Polfiguren der Aluminiummatrix in axialer Richtung indirekt
stranggepresster Profile
Der Einfluss einer Wärmebehandlung nach dem Strangpressen auf die Textur wurde
an den indirekt stranggepressten Produkten (Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stem-
pelgeschwindigkeit 1,5 mm/s), untersucht. Die Proben wurden an Luft bei 500°C
bzw. 550°C geglüht und anschließend in Wasser abgeschreckt. An den inversen Pol-
figuren (Abb. 5.25) und den ϕ1-Schnitten der ODF (Abb. 5.26) der wärmebehandelten
Profile ist der Einfluss der Temperatur bei der Wärmebehandlung auf die Stärke der
Textur deutlich zuerkennen.
5 Ergebnisse
77
Abb. 5.25: Inverse Polfiguren in axialer Richtung wärmebehandelter Profile
Abb. 5.26: ϕ1-Schnitte der ODF der Aluminiummatrix von wärmebehandelten Profi-
len
Nach einer fünfstündigen Glühung bei 500°C und anschließender Abkühlung in Was-
ser hat sich die Stärke der <100>-Faserkomponente deutlich erhöht, die Stärke der
<111>-Faserkomponente ist weitgehend erhalten geblieben. Durch eine fünfstündi-
gen Glühung bei 550°C und anschließender Abkühlung in Wasser wurden die Stärke
5 Ergebnisse
78
und die Schärfe der <100>-Faserkomponente deutlich gesteigert, die Stärke der
<111>-Faserkomponente wurde verringert.
Die Textur in Längsrichtung der einzelnen Profile ist weitgehend homogen. Bereits
am Stranganfang bildet sich die <100>/<111>-Doppelfasertextur aus. In Abb. 5.27
sind die ϕ1-Schnitte der ODF der Aluminiummatrix in Abhängigkeit von der ausge-
pressten Länge am Beispiel des bei 450°C mit einer Stempelgeschwindigkeit von
1,5 mm/s indirekt stranggepressten Profils dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die
<111>-Faserkomponente bei 30 mm Abstand vom Stranganfang relativ stark ist.
5 Ergebnisse
79
Abb. 5.27: ϕ1-Schnitte der ODF der Aluminiummatrix in Abhängigkeit von der aus-
gepressten Länge (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur
450°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
80
Direktes Strangpressen
Ebenso wie nach dem indirekten Strangpressen weist die Aluminiummatrix auch
nach dem direkten Strangpressen eine <100>/<111> Doppelfasertextur auf. Darge-
stellt ist dies an den inversen Polfiguren der axialen Richtung des Stranges (Abb.
5.28) und an den ϕ1-Schnitten der ODF (Abb. 5.29).
Abb. 5.28: Inverse Polfiguren der Aluminiummatrix in axialer Richtung direkt
stranggepresster Profile
5 Ergebnisse
81
Abb. 5.29: ϕ1-Schnitte der ODF der Aluminiummatrix direkt stranggepresster Profi-
le
Die durch das direkte Strangpressen mit Bolzeneinsatztemperaturen zwischen 300°C
und 450°C hergestellten Produkte zeigen eine geringe Abhängigkeit der
5 Ergebnisse
82
<100>-Faserkomponente und der <111>-Faserkomponente von der Bolzeneinsatz-
temperatur. Bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 400°C steigt die Stärke der
<100>-Faserkomponente durch eine Erhöhung der Stempelgeschwindigkeit von
1,5 mm/s auf 7,5 mm/s an. Die Stärke der <111>-Faserkomponente geht durch die
Erhöhung der Stempelgeschwindigkeit geringfügig zurück (Abb. 5.29).
Texturverlauf über den Profilquerschnitt
Probeninneres
Die Textur über dem Profilquerschnitt der indirekt stranggepressten Produkte wurde
mit Hilfe der energiedispersiv registrierten Diffraktogramme nach den in [GER76] be-
schriebenen Zusammenhängen ermittelt. In Abb. 5.30 sind die mit hochenergischer
Synchrontonstrahlung aufgenommen Spektren am Beispiel einer bei 300°C indirekt
stranggepressten Probe dargestellt, die in axialer Richtung an den einzeln Positionen
ermittelt wurden. Der Energiebereich von 55 keV bis 73 keV ist als Ausschnitt in Abb.
5.31 dargestellt. Die Intensität der gebeugten Strahlung ist in Abhängigkeit von der
Energie aufgetragen, die Messzeit betrug 10 Minuten pro Messstelle. Die Reflexe
sind mit den Indizes versehen; die Indizes der zur Auswertung herangezogenen Re-
flexe sind hervorgehoben.
Abb. 5.30: Spektren mit Indizierung, aufgenommen in axialer Richtung an ver-
schiedenen Positionen des Profilquerschnitts (indirektes Strangpressen,
Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
83
Abb. 5.31: Ausschnitt des Energiebereichs 90 keV bis 107 keV aus der Abb. 5.30
Die Orientierungsverteilungen phkl der einzeln untersuchten Produkte sind über den
Radius rder Proben dargestellt, wobei r=0 der Probenmitte entspricht (Abb. 5.32 bis
Abb. 5.35). Auf diese Art konnten Texturanalysen über den Probenquerschnitt bis ca.
2 mm unterhalb der Probenoberfläche (Mantelfläche) durchgeführt werden.
Abb. 5.32: Orientierungsverteilung phkl über dem Profilquerschnitt (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
84
Abb. 5.33: Orientierungsverteilung phkl über dem Profilquerschnitt (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 450°C, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
Abb. 5.34: Orientierungsverteilung phkl über dem Profilquerschnitt (indirektes
Strangpressen Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindig-
keit 0,75 mm/s)
5 Ergebnisse
85
Abb. 5.35: Orientierungsverteilung phkl über dem Profilquerschnitt (indirektes
Strangpressen Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindig-
keit 10 mm/s)
In allen untersuchten Proben sind die phkl-Werte der 400 Reflexe deutlich höher als
die der anderen Reflexe, sie weisen auch die stärksten Unregelmäßigkeiten auf. Die
nominell höchsten phkl-Werte der 400 Reflexe weist das Produkt, welches bei 450°C
mit einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s indirekt verpresst wurde, auf. Von
der gleichmäßigen Verteilung im Probeninneren nimmt der Wert phkl von r=10 mm bis
r=12,5 mm zu. Ab r=12,5 mm bis nahe zum Probenrand bei r=16,25 mm, das ent-
spricht ca. 1,5 mm unterhalb der Probenoberfläche (Mantelfläche), nimmt der Wert
kontinuierlich ab. Die höchsten Inhomogenitäten der Textur weist das Produkt, wel-
ches bei 300°C mit einer Stempelgeschwindigkeit von 10 mm/s indirekt verpresst
wurde, auf. Die phkl-Werte der Reflexe 311, 222 und 331 zeichnen sich an allen un-
tersuchten Proben durch ihre geringe Höhe und einen gleichmäßigen Verlauf über
den Probenquerschnitt bis zu ca. 7 mm unterhalb der Probenoberfläche aus.
Oberflächennaher Bereich
Die Texturanalysen im oberflächennahen Bereich erfolgten an Längsschliffen der
indirekt und der direkt stranggepressten Produkte. Um eine Aussage hinsichtlich der
Texturentwicklung über den Querschnitt treffen zu können, wurden Untersuchungen
an Längsschliffen aus unterschiedlichen Tiefen der Produkte vorgenommen. Die er-
mittelten C-Koeffizienten wurden von Querrichtung in Axialrichtung transformiert, d.h.
um 90° gedreht. Die Ergebnisse dieser Texturanalysen sind in Form von Polfiguren
der 100-, 110- und 111-Reflexe dargestellt (Abb. 5.36 bis Abb. 5.40).
5 Ergebnisse
86
Abb. 5.36: Polfiguren des 100-, 110- und 111-Reflexes an Längsschliffen in unter-
schiedlichen Abständen zur Mantelfläche (indirektes Strangpressen,
Blockeinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
87
Abb. 5.37: Polfiguren des 100-, 110- und 111-Reflexes an Längsschliffen in unter-
schiedlichen Abständen zur Mantelfläche (indirektes Strangpressen,
Blockeinsatztemperatur 450°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
88
Abb. 5.38: Polfiguren des 100-, 110- und 111-Reflexes an Längsschliffen in unter-
schiedlichen Abständen zur Mantelfläche (indirektes Strangpressen,
Blockeinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 10 mm/s)
5 Ergebnisse
89
Abb. 5.39: Polfiguren des 100-, 110-und 111-Reflexes an Längsschliffen in
unterschiedlichen Abständen zur Mantelfläche (direktes Strangpressen,
Blockeinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
90
Abb. 5.40: Polfiguren des 100-, 110-und 111-Reflexes an Längsschliffen in
unterschiedlichen Abständen zur Mantelfläche (direktes Strangpressen,
Blockeinsatztemperatur 400°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
In allen untersuchten Produkten nehmen die Stärke und die Schärfe der
<100>-Faserkomponente in Oberflächennähe der Produkte (Mantelfläche) ab.
Weiterhin ist zu erkennen, dass die <100>-Faserkomponente an der Oberfläche
(0,8 mm) abknickt. Deutlich ist das Abknicken der<100>-Faserkomponente bei den
mit Bolzeneinsatztemperatur 300°C und einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s
indirekt (Abb. 5.36) und direkt (Abb. 5.39) stranggepressten Produkten zu erkennen.
Am Rand des indirekt gepressten Produkte kippt die <100>-Faserkomponente um
~30° und am Rand des direkt gepressten Produktes um ~25° von der Längsachse
des Produktes ab.
5 Ergebnisse
91
An der mit Bolzeneinsatztemperatur 300°C und erhöhter Stempelgeschwindigkeit
von 10 mm/s (Abb. 5.38) indirekt stranggepressten Probe, ist das Abkippen geringer,
die <100>-Faserkomponente kippt um ~5° von der Längsachse des Produktes ab.
Bei höheren Bolzeneinsatztemperaturen ist das Abkippen der
<100>-Faserkomponente noch etwas geringer. Das zeigen die Ergebnisse der indi-
rekt stranggepressten Proben mit Bolzeneinsatztemperatur 450°C (Abb. 5.37) und
der bei Bolzeneinsatztemperatur 400°C direkt stranggepressten Probe (Abb. 5.40).
Bei Beiden kippt die <100>-Faserkomponente um ~3° von der Längsachse des Pro-
duktes ab.
Die direkt stranggepressten Produkte weisen eine schärfere Textur als indirekt
stranggepresste Produkte auf.
Die Stärke und Schärfe der <111>-Faserkomponente sowie die Stärke der <110>
Textur nehmen zur Oberfläche hin in allen untersuchten Proben kaum ab. Die Stärke
der <110> Textur ist bei höherer Bolzeneinsatztemperatur bei sonst gleichen Press-
parametern sowohl beim indirekten wie auch beim direkten Strangpressen größer.
5.1.4 Eigenspannungen
Probeninneres
Die Eigenspannungen im Volumen des stranggepressten Werkstoffes PM-
AlSi25Cu4Mg1 wurden mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung an der ESRF in
Grenoble, Frankreich ermittelt. Das Volumenelement wurde in seiner Breite auf
80 µm begrenzt, um eine hohe Ortsauflösung zu gewährleisten. Aus der rotations-
symmetrischen Geometrie der Probe und dem Strangpressprozess sind die Haupt-
spannungsrichtungen bekannt und die Messungen und Auswertung konnten in allen
drei Hauptspannungsrichtungen, d.h. in Umfangs-, radialer und axialer Richtung
durchgeführt werden.
In Abb. 5.41 sind drei mit hochenergischer Synchrontonstrahlung aufgenommen
Spektren der drei Hauptspannungsrichtungen am Beispiel einer bei 450°C indirekt
stranggepressten Probe dargestellt, die in der in der Probenmitte ermittelt wurden.
Der Energiebereich von 90 keV bis 107 keV ist als Ausschnitt in Abb. 5.42 darge-
stellt. Die Intensität der gebeugten Strahlung ist in Abhängigkeit von der Energie auf-
getragen, die Messzeit betrug 10 Minuten pro Messstelle. Die Reflexe sind mit den
Indizes versehen; die Indizes der zur Auswertung herangezogenen Reflexe sind her-
vorgehoben. Die Auswahl der Reflexe zur Bestimmung der Eigenspannungen wurde
unter Berücksichtigung der in [EVE75, DÖL77b, L78, HAU97] gegebenen Emp-
5 Ergebnisse
92
fehlung für texturierte Werkstoffe sowie im Hinblick auf eine ausreichende Reflexin-
tensität getroffen. Weiterhin wurden Reflexe verwendet, die sich nicht mit benachbar-
ten Reflexen überlagern.
Abb. 5.41: Spektren mit Indizierung, aufgenommen in der Mitte der Probe (indirek-
tes Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 450°C, Stempelgeschwin-
digkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.42: Ausschnitt des Energiebereichs 90 keV bis 107 keV aus der Abb. 5.41
5 Ergebnisse
93
Die für die Auswertung nach Gleichung (2.35) benötigten Werte für die Netzebenen-
abstände des dehnungsfreien Zustandes d0(hkl) wurden im Falle des Siliziums aus
Messungen an Pulver bestimmt. Das Siliziumpulver wurde durch chemische Auflö-
sung der Aluminiummatrix des AlSi25Cu4Mg1 in 10%-iger Salzsäure hergestellt.
Die für die Auswertung nach Gleichung (2.35) benötigten Werte des dehnungsfreien
Zustandes d0(hkl) der Matrix der Aluminiumlegierung wurden aus der Gleichgewichts-
bedingung für die Eigenspannungskomponente in axialer Richtung ermittelt. Aus der
rotationssymmetrischen Geometrie des Strangpressproduktes und der Belastung
während des Strangpressvorgangs ergibt sich, dass die drei Hauptspannungsrich-
tungen mit der Radial-, Umfangs- und Längsrichtung des Strangpressproduktes ü-
bereinstimmen.
Nach Gleichung (2.32) wurden die phasenspezifischen Eigenspannungen áσñαin al-
len drei Hauptspannungsrichtungen an jedem Messpunkt berechnet. Die Auswertung
an unterschiedlichen Reflexen ergab eine Messgenauigkeit von ca. ±80 MPa der
phasenspezifischen Eigenspannungen. In Abb. 5.43 sind die phasenspezifischen
Eigenspannungen der Probe dargestellt, die mit einer Bolzeneinsatztemperatur von
450°C indirekt stranggepresst wurde. Die phasenspezifischen Eigenspannungen sind
an allen untersuchten Stellen im Inneren der Proben nahezu gleich groß.
Abb. 5.43: Abhängigkeit der phasenspezifischen Eigenspannungen von Aluminium
und Silizium in den drei Hauptspannungsrichtungen vom Abstand zur
Probenmitte (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur
450°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
94
Entsprechend den Volumenanteilen Vαder Phasen gewichtet, ergeben sich die Ei-
genspannungen I. Art σInach Gleichung (2.19) und die Eigenspannungen II. Art áσIIñα
nach Gleichung (2.20).
Abb. 5.44: Eigenspannungen für Aluminium und Silizium in axialer Richtung in Ab-
hängigkeit vom Querschnitt (Bolzeneinsatztemperatur 450°C, Stempel-
geschwindigkeit 1,5 mm/s, indirekt stranggepresst)
In Abb. 5.44 sind die phasenspezifischen Eigenspannungen áσñαfür Aluminium und
Silizium, die Eigenspannungen II. Art áσIIñαr Aluminium und Silizium und die Eigen-
spannungen I. Art σIjeweils in axialer Richtung in Abhängigkeit vom Abstand zur
Probenmitte für eine bei 450°C indirekt stranggepresste Probe dargestellt. Die Mak-
roeigenspannungen fluktuieren um Null zeigen keinen Trend in ihrem Verlauf zwi-
schen Probenmitte und Rand. Die Aluminiummatrix weist Zugmikroeigenspannungen
áσIIñAl von etwa 75 MPa auf, während die Siliziumpartikeln Druckmikroeigenspannun-
genáσIIñSi von etwa -250 MPa aufweisen.
5 Ergebnisse
95
Abb. 5.45: Eigenspannungen für Aluminium und Silizium in axialer Richtung, in
Abhängigkeit vom Querschnitt (Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stem-
pelgeschwindigkeit 1,5 mm/s, indirekt stranggepresst)
In Abb. 5.45 sind die phasenspezifischen Eigenspannungen áσñαfür Aluminium und
Silizium, die Eigenspannungen II. Art áσIIñαr Aluminium und Silizium und die Eigen-
spannungen I. Art σI, jeweils in axialer Richtung in Abhängigkeit vom Abstand zur
Probenmitte für eine bei 300°C indirekt stranggepresste Probe, dargestellt. Die Er-
gebnisse der Eigenspannungsanalysen zeigen, dass der Eigenspannungszustand
der Probe durch Makroeigenspannungen geringer Höhe gekennzeichnet ist. Die
Makroeigenspannungen zeigen keinen Trend in ihrem Verlauf zwischen Probenmitte
und Rand. Die Aluminiummatrix weist Zugmikroeigenspannungen auf, die ca. 80
MPa betragen, während die Siliziumpartikeln Druckmikroeigenspannungen in Höhe
von ca. -225 MPa enthalten.
Oberflächennaher Bereich
Die phasenspezifischen Eigenspannungsanalysen im oberflächennahen Bereich der
Produkte wurden an der Aluminiummatrix und an den Siliziumpartikeln durchgeführt.
Bereits innerhalb der mittleren Eindringtiefe der konventionellen Röntgenstrahlung
von ca. 17 µm herrscht ein dreidimensionaler Eigenspannungszustand, der bei der
Auswertung berücksichtigt werden muss. Die Ermittlung der d0hkl-Werte für die Be-
stimmung des dreidimensionalen Spannungszustandes der Siliziumpartikel entspre-
chend Gleichung (2.31) erfolgte durch Messungen an extrahierten Siliziumpulver. In
den Abb. 5.46 bis Abb. 5.59 sind die phasenspezifischen Eigenspannungen der Sili-
ziumpartikel in Abhängigkeit vom Abstand zur Mantelfläche der Proben dargestellt.
5 Ergebnisse
96
Abb. 5.46: Phasenspezifische Eigenspannungen in den Si-Partikeln (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 300 °C, Stempelgeschwin-
digkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.47: Phasenspezifische Eigenspannungen in den Si-Partikeln (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 350 °C, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
97
Abb. 5.48: Phasenspezifische Eigenspannungen in den Si-Partikeln (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 400 °C, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
Abb. 5.49: Phasenspezifische Eigenspannungen in den Si-Partikeln (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 450 °C, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
5 Ergebnisse
98
In den Siliziumpartikeln herrschen, unabhängig von der Bolzeneinsatztemperatur,
phasenspezifische Eigenspannungen im Druckbereich. An der Oberfläche variieren
die phasenspezifischen Eigenspannungen, die in den Siliziumpartikeln in axialer, ra-
dialer und Umfangsrichtung vorhanden sind, zum Teil erheblich (Abb. 5.46 und Abb.
5.49). Unabhängig von der Bolzeneinsatztemperatur ist in allen untersuchten Proben
der phasenspezifische Eigenspannungszustand in den Siliziumpartikeln, in einem
Abstand von mehr als 67 µm von der Oberfläche, homogen. Tendenziell nimmt die
Höhe der phasenspezifischen Eigenspannungen im Druckbereich der Siliziumparti-
keln mit steigendem Abstand zur Mantelfläche der Proben zu. In ~170 µm Abstand
zur Probenoberfläche ist der hydrostatische Eigenspannungszustand erreicht, der im
Inneren der Proben herrscht. Die röntgenographisch ermittelten Werte der phasen-
spezifischen Eigenspannungen in den Siliziumpartikeln stimmen in einem Abstand
von ~170 µm zur Probenmantelfläche mit den durch hochenergetische Syn-
chrotronstrahlung im Inneren der Proben bestimmten Werten der phasenspezifischen
Eigenspannungen der Siliziumpartikeln überein.
5.1.5 Mechanische Eigenschaften
Die Zugfestigkeit (Rm), die Streckgrenzen (Rp0,2 und Rp1) und die Gleichmaßdehnung
(Ag) der Strangpressprofile, die mit einer Bolzeneinsatztemperatur von 300°C, 350°C,
400°C und 450°C und einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s indirekt strangge-
presst wurden, wurden bei den Prüftemperaturen 20°C, 200°C und 300°C ermittelt.
Die ermittelten mechanischen Kennwerte sind in Tabelle 5.5, Tabelle 5.6 und Tabelle
5.7 bis angegeben.
Tabelle 5.5: Prüftemperatur 20°C (indirektes Strangpressen, Stempelgeschwindigkeit
1,5 mm/s)
Bolzeneinsatztemp. [°C] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa] Ag[%]
300 119 206 254 3,4
350 163 213 213 1
400 208 - 254 1,9
450 175 262 280 1,7
5 Ergebnisse
99
Tabelle 5.6: Prüftemperatur 200°C (indirektes Strangpressen, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
Bolzeneinsatztemp. [°C] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa] Ag[%]
300 127 151 154 1,6
350 108 124 140 4,9
400 138 164 176 2,9
450 186 200 204 0,7
Tabelle 5.7: Prüftemperatur 300°C (indirektes Strangpressen, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
Bolzeneinsatztemp. [°C] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa] Ag[%]
300 44 45 46 1,1
350 36 42 43 1,7
400 48 54 55 2,6
450 65 68 70 0,8
In der Abb. 5.50 sind die Zugfestigkeiten in Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztem-
peratur bei verschiedenen Prüftemperaturen dargestellt. Es ist auffällig, dass die
Zugfestigkeit und die Streckgrenzen bei allen Prüftemperaturen im Falle der bei hö-
heren Bolzeneinsatztemperaturen verpressten Proben höher sind als im Falle der bei
300°C stranggepressten Proben.
In Abb. 5.51 sind die Zugfestigkeiten der Proben, die aus Strangpressprofilen herge-
stellt wurden, die bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 300°C mit unterschiedlichen
Stempelgeschwindigkeiten indirekt stranggepresst wurden, dargestellt. Die mechani-
schen Kennwerte sind für die Prüftemperatur 20°C in Tabelle 5.8 und für die Prüf-
temperatur 200°C in Tabelle 5.9 zusammengefasst.
5 Ergebnisse
100
Abb. 5.50: Zugfestigkeiten Rmin Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur
und den Prüftemperaturen (indirektes Strangpressen, Stempelge-
schwindigkeit 1,5 mm/s)
Abb. 5.51: Zugfestigkeiten Rmin Abhängigkeit von der Stempelgeschwindigkeit
und den Prüftemperaturen (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatz-
temperatur 300°C)
5 Ergebnisse
101
Tabelle 5.8: Prüftemperatur 20°C (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztempera-
tur 300°C)
Stempelgeschw. [mm/s] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa] Ag[%]
0,75 137 181 225 3,8
1,5 150 199 240 2,9
3 163 215 251 3,1
10 155 205 250 3,6
15 161 210 255 3,1
Tabelle 5.9: Prüftemperatur 200°C (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztempera-
tur 300°C)
Stempelgeschw.[mm/s] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa] Ag[%]
0,75 108 116 121 2,7
1,5 134 155 167 3,6
3 145 165 176 2,8
10 127 150 166 3,7
15 128 170 172 3,9
Für die bei der geringen Stempelgeschwindigkeit von 0,75 mm/s verpresste Probe
weisen die Zugfestigkeit und die Streckgrenzen bei den beiden Prüftemperaturen
20°C und 200°C geringe Werte auf. Proben, die aus Strangpressprofilen hergestellt
wurden, die bei unterschiedlichen Pressgeschwindigkeiten, die größer als 0,75 mm/s
sind, erzeugt wurden, zeigen keine signifikanten Unterschiede in ihren mechanischen
Kennwerten bei 20°C und 200°C Prüftemperatur.
Die mechanischen Kennwerte der Strangpressprofile, die mit Bolzeneinsatztempera-
turen von 300°C und 400°C mit einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s direkt
stranggepresst wurden, wurden bei den Prüftemperaturen 20°C, 200°C und 300°C
ermittelt. Sie sind für die Prüftemperatur 20°C in Tabelle 5.10, für die Prüftemperatur
200°C in Tabelle 5.11 und r die Prüftemperatur 300°C in Tabelle 5.12 zusammen-
gefasst.
5 Ergebnisse
102
Tabelle 5.10: Prüftemperatur 20°C (direktes Strangpressen, Stempelgeschwindigkeit
1,5 mm/s)
Bolzeneinsatztemp. [°C] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa]
300 172 224 239
400 191 - 255
Tabelle 5.11: Prüftemperatur 200°C (direktes Strangpressen, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
Bolzeneinsatztemp. [°C] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa]
300 119 147 161
400 150 206 221
Tabelle 5.12: Prüftemperatur 300°C (direktes Strangpressen, Stempelgeschwindig-
keit 1,5 mm/s)
Bolzeneinsatztemp. [°C] Rp0,2 [MPa] Rp1 [MPa] Rm[MPa]
300 63 52 66
400 68 58 69
Bei allen Prüftemperaturen sind die Zugfestigkeit und die Streckgrenzen im Falle der
bei höheren Bolzeneinsatztemperaturen verpressten Proben höher.
5 Ergebnisse
103
5.2 Reibrührgeschweißte Al-6013 Bleche
5.2.1 Mikrostruktur
Bei der Betrachtung der reibrührgeschweißten Bleche im Licht- und Rasterelektro-
nenmikroskop sind im ungeätzten Zustand bei hoher Vergrößerung im Schliffbild
bzw. bei Untersuchungen im Rasterelektronenmikroskop (Abb. 5.52) Ausscheidun-
gen in der Matrix zu erkennen. Mittels EDX wurden die im REM weiß erscheinenden
Partikel als Al-Fe-Mn-Si-reiche Phase identifiziert.
Abb. 5.52: REM Aufnahme, Querschliff, ungeätzt (Umdrehungsgeschwindigkeit
1000 min-1, Vorschub 300 mm/min, Werkzeugdurchmesser 22 mm,
Pindurchmesser 3,6 mm)
Der Materialfluss, der beim Rühren der Schweißnaht entsteht, kann anhand von ge-
ätzten Querschliffen durch die Schweißnaht nachvollzogen werden. Er ist in Form
von Makroaufnahmen der einzeln untersuchten Proben in den Abb. 5.53 bis Abb.
5.56 dargestellt.
5 Ergebnisse
104
Umdrehungsgeschw. Vorschub Werkzeugdurchmesser Pindurchmesser
1000 min-1 300 mm min-1 22 mm 3,6 mm
Abb. 5.53: Querschliff, Punkte im Bild: a, b: Rührzone; c: TMEZ; d: Übergang
TMEZ / WEZ; e, f: WEZ; g: Ausgangszustand.
Umdrehungsgeschw. Vorschub Werkzeugdurchmesser Pindurchmesser
1500 min-1 300 mm min-1 22 mm 3,6 mm
Abb. 5.54: Querschliff, Punkte im Bild: a, b: Rührzone; c: TMEZ; d: Übergang
TMEZ / WEZ; e, f: WEZ; g: Ausgangszustand.
Umdrehungsgeschw. Vorschub Werkzeugdurchmesser Pindurchmesser
1670 min-1 500 mm min-1 15 mm 3,7 mm
Abb. 5.55: Querschliff, Punkte im Bild: a: Rührzone; b: TMEZ; c, d, e: WEZ; e, f:
Ausgangszustand.
5 Ergebnisse
105
Umdrehungsgeschw. Vorschub Werkzeugdurchmesser Pindurchmesser
2500 min-1 1000 mm min-1 15 mm 3,7 mm
Abb. 5.56: Querschliff, Punkte im Bild: a: Rührzone; b: TMEZ; c, d: WEZ; e:
Grundwerkstoff
Maßgebend für den Materialfluss sind die Größe und die Geometrie des Werkzeuges
sowie der Vorschub und die Umdrehungsgeschwindigkeit des Werkzeuges.
In der Schweißnaht rekristallisiert der Aluminiumwerkstoff dynamisch. Der dynamisch
rekristallisierte Bereich bildet sich trapezförmig aus, wobei die große Seite des Tra-
pezes an der Blechoberseite in etwa dem Werkzeugdurchmesser entspricht. Der
rekristallisierte Bereich umfasst zwei Zonen, die Rühr- und die thermomechanisch
beeinflusste Zone (TMEZ). Die Rührzone wird durch den direkten Kontakt mit dem
Pin erzeugt. Sie erfährt die größte Verformung während des Prozesses (Punkt a in
den Abb. 5.53 bis Abb. 5.56). Durch die rührende Bewegung kommt eine komplexe,
wirbelartige Struktur („Nuggetstruktur“) aus einem System von konzentrisch geform-
ten Grenzflächen zustande (Abb. 5.57).
Abb. 5.57: Wirbelartige Struktur („Nuggetstruktur“) der Schweißnaht eines Al-6013
T4 reibrührgeschweißten Bleches
In Abb. 5.58 sind die verschiedenen Gefüge, wie sie beim Reibrührschweißen quer
zur Schweißnaht entstehen, am Beispiel eines Al 6013 T4 Bleches mit den Schweiß-
5 Ergebnisse
106
parametern Umdrehungsgeschwindigkeit 1000 min-1, Vorschub 300 mm/min, Werk-
zeugdurchmesser 22 mm, und Pindurchmesser 3,6 mm dargestellt. Die Bezeichnun-
gen der Teilbilder entsprechen den Punkten in Abb. 5.53.
In der Rührzone ist ein sehr feines, vollständig rekristallisiertes Gefüge (Abb. 5.58a)
zu erkennen. Nach der Rührzone schließt sich die thermomechanisch beeinflusste
Zone (TMEZ) an, die weniger stark verformt ist als die Rührzone. Die TMEZ ent-
spricht dem gesamten rekristallisierten Bereich außerhalb der Wirbelstrukturen. Sie
unterscheidet sich von der Rührzone durch ein etwas gröberes Gefüge (Abb. 5.58c).
Der Übergang zwischen Rührzone und TMEZ ist fließend. Neben der TMEZ liegt die
Wärmeeinflusszone (WEZ). Da in der WEZ der Werkstoff nicht rekristallisiert, ist der
Übergang zwischen beiden Zonen deutlich an den Makroaufnahmen zu erkennen
(Punkt c in Abb. 5.53 bis Abb. 5.56). Das Gefüge der WEZ lässt sich durch die licht-
mikroskopische Untersuchung nur insoweit quantitativ vom Gefüge des Ausgangszu-
standes unterscheiden, dass es sich schwerer anätzen lässt. (Punkte f und g in Abb.
5.53).
5 Ergebnisse
107
Abb. 5.58: Gefügeaufnahmen in Abhängigkeit zum Abstand der Schweißnahtmitte
eines reibrührgeschweißten Al 6013 T4 Bleches, geätzt mit 2% NaOH
(Umdrehungsgeschwindigkeit 1000 min-1, Vorschub 300 mm/min, Werk-
zeugdurchmesser 22 mm, Pindurchmesser 3,6 mm)
5 Ergebnisse
108
Zur weiteren Beurteilung des Gefüges wurde die Mikrohärte quer zur Schweißnaht
ermittelt. Die Mikrohärtewerte der einzeln untersuchten Bleche sind in Abb. 5.59 in
Abhängigkeit vom Abstand zur Schweißnahtmitte zusammenfassend dargestellt.
Umdrehungsgeschw. [min -1] Vorschub[mm min -1] Werkzeugdurchmesser [mm]
1000 300 22
1500 300 22
1670 500 15
2500 1000 15
Abb. 5.59: Mikrohärteverläufe der untersuchten reibrührgeschweißten Al6013 T4
Bleche
Der Verlauf der Mikrohärte weist einen, um die Schweißnahtmitte nahezu symmetri-
schen, Abfall der Härte beim Übergang vom Ausgangszustand (Maximum der Härte)
zur WEZ (Minimum der Härte) auf. Dieser Effekt ist in allen Schweißnahtbereichen
der untersuchten Bleche zu erkennen.
5.2.2 Textur
Die Texturanalysen an den reibrührgeschweißten Al 6013 Blechen wurden mit kon-
ventioneller Röntgenstrahlung durchgeführt. Analysiert wurden die Rührzone, die
5 Ergebnisse
109
TMEZ, die WEZ sowie ein Bereich 30 mm von der Schweißnahtmitte entfernt, dort
liegt der Ausgangszustand T4 vor. In Abb. 5.60 sind die inversen Polfiguren in Nor-
malenrichtung (NR) und in Walzrichtung (WR) eines Bleches mit den Schweißpara-
metern: Umdrehungsgeschwindigkeit 1500 min-1, Vorschub300 mm/min und Werk-
zeugdurchmesser 22 mm dargestellt. In Abb. 5.61sind die ϕ1-Schnitte der ODF bei
und 45° des zuvor beschriebenen Bleches dargestellt.
Der Bereich des Ausgangszustandes, 30 mm von der Schweißnahtmitte entfernt, ist
durch eine Walztextur gekennzeichnet. An der inversen Polfigur in Walzrichtung
(WR) ist ein starker und scharfer <100>-Anteil und ein weniger starker und scharfer
<111>-Anteil in der Orientierung zu erkennen. Die inverse Polfigur in Normalenrich-
tung weist einen <100>-Anteil und einen weniger starken und scharfen <111>-Anteil
in der Orientierung auf. Die <100>-Komponente der Textur in Normalenrichtung ist
geringer und weniger scharf als die <100>-Komponente in Walzrichtung. Die Wär-
meeinflusszone unterscheidet sich hinsichtlich der Textur nur wenig vom Ausgangs-
zustand. Der <100>-Anteil in Walzrichtung nimmt an Stärke etwas zu, zu erkennen
ist dies an den inversen Polfiguren der WEZ und an den ϕ1-Schnitten der ODF der
WEZ. Die ϕ1-Schnitte der ODF der thermomechanischen Einflusszone sowie die in-
verse Polfigur in Walzrichtung zeigen keine unterschiedliche Textur hinsichtlich Stär-
ke und Schärfe zur Textur des Ausgangszustandes. Die inverse Polfgieur in Norma-
lenrichtung der TMEZ weist eine weniger starke und scharfe Textur der <100>- und
<110>-Anteile auf. Weiterhin ist ein schwacher <311>-Anteil zu erkennen. Die Rühr-
zone zeigt eine vollkommen andere Orientierung der Kristallite als die zuvor be-
schriebenen Zonen. So weist die inverse Polfigur in Walzrichtung einen schwachen
<110>-Anteil, der in Stärke und Schärfe in etwa dem <110>-Anteil des Ausgangszu-
standes in Normalenrichtung entspricht auf. Der <100>-Anteil ist quasi aufgelöst. Die
inverse Polfigur in Normalenrichtung zeigt einen weniger starken und weniger schar-
fen <100>-Anteil an der Orientierung als es in der TEMZ der Fall ist. Dahin gegen
weist die inverse Polfigur in Normalenrichtung einen <111>-Anteil in der Orientierung
auf. Die Ausbildung einer starken <111>-Komponente ist auch am ϕ1-Schnitt bei
der ODF der Rührzone zu erkennen. Die Schweißparameter Vorschub und Umdre-
hungsgeschwindigkeit üben keinen Einfluss auf Stärke und Schärfe der Textur inner-
halb der einzelnen Zonen aus. Der Werkzeugdurchmesser beeinflusst die Textur in
soweit, dass sich die Zonen relativ zur Schweißnahtmitte in einem anderen Abstand
befinden.
5 Ergebnisse
110
Umdrehungsgeschw. Vorschub Werkzeugdurchmesser Pindurchmesser
1500 min-1 300 mm min-1 22 mm 3,6 mm
Abb. 5.60: Inverse Polfiguren in Normalenrichtung und in Walzrichtung in Abhän-
gigkeit vom Abstand zur Schweißnahtmitte eines reibrührgeschweißten
Al 6013 Bleches
5 Ergebnisse
111
Umdrehungsgeschw. Vorschub Werkzeugdurchmesser Pindurchmesser
1500 min-1 300 mm min-1 22 mm 3,6 mm
Abb. 5.61: ϕ1-Schnitte der ODF in Abhängigkeit vom Abstand zur Schweißnahtmit-
te eines reibrührgeschweißten Al 6013 Bleches
5 Ergebnisse
112
5.2.3 Eigenspannungen
Oberflächennaher Bereich
Die Eigenspannungsanalysen im oberflächennahen Bereich der reibrührgeschweiß-
ten Al 6013 Bleche wurden mit konventioneller Röntgenstrahlung mit unterschiedli-
chen Wellenlängen durchgeführt, um entsprechend unterschiedliche Eindringtiefen
zu realisieren. In Abb. 5.62 sind die sich längs zur Schweißnaht ausbildenden Eigen-
spannungen eines reibrührgeschweißten Al 6013 Bleches, gemessen an der Blech-
oberseite (Werkzeug) und der Blechunterseite (Schweißnahtwurzel), in Abhängigkeit
von der Entfernung zur Schweißnahtmitte dargestellt. Der Eigenspannungszustand
wurde in einer Tiefe von ca. 58 µm ermittelt, da von den Oberflächen ~40 µm elektro-
lytische Abgetragen wurden, und die mittlere Eindringtiefe der Cu-Kα-Strahlung
18 µm beträgt. In der Schweißnaht und in einer Entfernung größer ±20 mm zur
Schweißnahtmitte weist das Blech an der Oberseite und an der Unterseite Eigen-
spannungen im Druckbereich auf. Eigenspannungen im Zugbereich weist das Blech
an der Oberseite und an der Unterseite im Bereich der Werkzeugrandes auf.
Abb. 5.62: Eigenspannungen in Längsrichtungen an der Ober- und Unterseite ei-
nes Al 6013 reibrührgeschweißten Bleches, Tiefe ~58µm
(Cu-Kα-Strahlung)
Im folgenden wurden die Blechunterseite (Schweißnahtwurzel) untersucht. Die Er-
gebnisse der einzelnen Eigenspannungsanalysen, die an der Seite der Schweißwur-
zel durchgeführt wurden, sind in den Abb. 5.63 bis Abb. 5.67 dargestellt. In Längs-
5 Ergebnisse
113
richtung weisen die Eigenspannungsverläufe der Bleche zwei Maxima im Zugbereich
auf, die symmetrisch bezüglich der Schweißnahtmitte liegen.
Abb. 5.63: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtungen an der Blechunterseite
(Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reibrührgeschweißten Bleches, Tie-
fe ~54 µm (Co-Kα-Strahlung)
5 Ergebnisse
114
Abb. 5.64: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtungen an der Blechunterseite
(Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reibrührgeschweißten Bleches, Tie-
fe ~58 µm (Cu-Kα-Strahlung)
Abb. 5.65: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtungen an der Blechunterseite
(Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reibrührgeschweißten Bleches, Tie-
fe ~58 µm (Cu-Kα-Strahlung)
5 Ergebnisse
115
Abb. 5.66: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtungen an der Blechunterseite
(Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reibrührgeschweißten Bleches, Tie-
fe ~54 µm (Co-Kα-Strahlung)
Abb. 5.67: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtungen an der Blechunterseite
(Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reibrührgeschweißten Bleches, Tie-
fe ~58 µm (Cu-Kα-Strahlung)
5 Ergebnisse
116
Die Maxima der Eigenspannungen liegen bei allen untersuchten Proben in der WEZ.
Da die Ausbildung der WEZ vom Werkzeugdurchmesser abhängig ist, bilden sich die
Maxima im entsprechenden Abstand von der Schweißnahtmitte aus. Umdrehungs-
geschwindigkeit und Vorschub üben nur einen geringen Einfluss auf die Entstehung
der Eigenspannungen aus. Je größer das Verhältnis von Umdrehungsgeschwindig-
keit zu Vorschub ist, desto weiter entfernt werden die Maxima von der Schweißnaht-
mitte ausgebildet. Die Eigenspannungen in Querrichtung sind geringer und zeigen
keinen Trend in ihrem Verlauf quer zur Schweißnaht.
Probeninneres
Neutronenstrahlung
Die Eigenspannungen im Inneren der reibrührgeschweißten Al 6013 Bleche wurden
mit Neutronenstrahlung am HMI ermittelt. Aus der Geometrie der Probe und dem
Fertigungsprozess sind die Hauptspannungsrichtungen bekannt, so dass die Mes-
sungen und Auswertung in den drei Hauptspannungsrichtungen durchgeführt werden
konnten. Im Falle der Eigenspannungsanalyse mit Neutronenstrahlung geschah dies
unter der Annahme eines zweiachsigen Eigenspannungszustandes, d.h. die Eigen-
spannung in Dickerichtung (σ33) ist gleich null. Diese Annahme kann getroffen wer-
den, da das rautenförmige Messvolumenelement mehr als zwei Drittel der Blechdicke
umfasst und daher die Eigenspannungswerte dieses Bereich integriert werden. Die
mit Neutronenstrahlung ermittelten Eigenspannungen entsprechen dem Mittelwert
des gesamten, durch das Messvolumenelement erfassten Bereiches.
Die unter dieser Voraussetzung ermittelten Eigenspannungsverläufe sind in Abb.
5.68 und Abb. 5.69 dargestellt.
5 Ergebnisse
117
Abb. 5.68: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtung eines
reibrührgeschweißten Al 6013 Bleches im Probeninneren, ermittelt mit
Neuronenstrahlung
Abb. 5.69: Eigenspannungen in Längs- und Querrichtung eines
reibrührgeschweißten Al 6013 Bleches im Probeninneren, ermittelt mit
Neuronenstrahlung
5 Ergebnisse
118
Analog zu den Ergebnissen der Eigenspannungsanalyse mit konventioneller
Röntgenstrahlung sind die Eigenspannungen quer zur Schweißnaht deutlich geringer
und gleichmäßiger in ihrem Niveau als die Eigenspannungen längs zur Schweißnaht.
Die Eigenspannungen in Längsrichtung zeigen den gleichen symmetrischen Verlauf
zur Schweißnaht, wie er bereits bei den Untersuchungen mit Röntgenstrahlung
festgestellt wurde.
Hochenergetische Synchrotronstrahlung
Die Eigenspannungen im Inneren der reibrührgeschweißten Al 6013 Bleche wurden
mit hochenergetischer Synchrontonstrahlung an der ESRF ermittelt. Der experimen-
tell untersuchte Bereich ist in Abb. 5.70 strafviert, in der Makroaufnahme eines Quer-
schliff, dargestellt.
Abb. 5.70: Makroaufnahme eines Querschliffs mit Kennzeichnung des mit hoch-
energetischer Synchrontonstrahlung untersuchten Bereichs
Die für die Auswertung nach Gleichung (2.35) benötigten Werte des dehnungsfreien
Zustandes d0(hkl) wurden aus den Gleichgewichtsbedingungen bestimmt. Dieser
Schritt der Auswertung war nötig, da die Mikrostruktur über den Querschnitt der Ble-
che stark variiert und sich somit auch die Netzebenenabstände des dehnungsfreien
Zustandes d0(hkl) als Funktion des Ortes ändern. Unter der Annahme, dass d0hkl eine
Funktion des Abstandes zur Schweißnahtmitte ist, die über die Blechtiefe nicht vari-
iert, wurde das Integral über die Eigenspannungen in der Dickenrichtung gleich null
gesetzt. Weiterhin wurde angenommen, dass die Eigenspannungsverteilung in der
Blechtiefe symmetrisch zur Mitte des Bleches ist, so dass das Integral bis zur Hälfte
der Tiefe ebenfalls gleich null ist. Die unter dieser Voraussetzung ermittelten Eigen-
spannungsverläufe sind in Abb. 5.71 bis Abb. 5.75 dargestellt.
5 Ergebnisse
119
Abb. 5.71: Eigenspannungen in Längsrichtung in Abhängigkeit von der Schweiß-
nahtmitte und der Tiefe, ermittelt mit hochenergetischer
Synchrotronstrahlung
Abb. 5.72: Eigenspannungen in Längsrichtung in Abhängigkeit zur Schweißnaht-
mitte und zur Tiefe, ermittelt mit hochenergetischer Synchrotronstrah-
lung
5 Ergebnisse
120
Abb. 5.73: Eigenspannungen in Längsrichtung in Abhängigkeit zur Schweißnaht-
mitte und zur Tiefe, ermittelt mit hochenergetischer Synchrotronstrah-
lung
Abb. 5.74: Eigenspannungen in Querrichtung in Abhängigkeit zur Schweißnahtmit-
te und zur Tiefe, ermittelt mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung
5 Ergebnisse
121
Abb. 5.75: Eigenspannungen in Dickenrichtung in Abhängigkeit zur Schweißnaht-
mitte und zur Tiefe, ermittelt mit hochenergetischer Synchrotronstrah-
lung
Ebenso wie bei den Eigenspannungsanalysen mit konventioneller Röntgenstrahlung
und Neutronenstrahlung wurde längs zur Schweißnaht ein Maximum der Eigenspan-
nungen im Zugbereich registriert. Die Eigenspannungen quer zur Schweißnaht sind
ebenfalls geringer und gleichmäßiger. Die Art und Höhe der Eigenspannungen in
Längsrichtung, unmittelbar unter der Oberfläche der Blechunterseiten, entsprechen
den Ergebnissen der konventionellen Röntgenstrahlung. Es sind in der WEZ Eigen-
spannungen im Zugbereich und im mittleren Bereich der Schweißnaht (Rührzone
und TMEZ) Eigenspannungen im Druckbereich vorhanden. Im Bereich der WEZ
nehmen die Eigenspannungen in Richtung der Blechtiefe zu. Für die Eigenspannun-
gen der TMEZ im Druckbereich ist ein Minimum bei einer Tiefe von 1 mm zu erken-
nen.
6 Diskussion
122
6 Diskussion
6.1 Strangpressprodukte aus PM AlSi25Cu4Mg1
Untersucht wurden durch indirektes und direktes Strangpressen erzeugte Produkte
aus dem pulvermetallurgischen Werkstoff AlSi25Cu4Mg1 mit rundem Querschnitt. Im
Folgenden wird der Einfluss der Prozessparameter Verfahren (indirektes und direktes
Strangpressen), Bolzeneinsatztemperatur und Stempelgeschwindigkeit hinsichtlich
der axialen Kräfte beim Strangpressen, der Mikrostruktur, der Textur, der Eigenspan-
nungen und der Festigkeit diskutiert.
6.1.1 Strangpressen
Bei den Pressungen wurden die axialen Kräfte in Abhängigkeit vom Stempelweg er-
fasst. Als Vergleichsgröße dient die experimentell ermittelte Matrizenkraft. Die Matri-
zenkraft setzt sich aus der Kraft, die für die Umformung des Materials benötigt wird,
und der Reibungskraft an den Werkzeugen (Matrize und Pressscheibe) zusammen.
Es ist nicht möglich, mit diesem Messaufbau den Anteil der Reibungskraft an den
Werkzeugen, d h. die Umformkraft direkt, zu messen.
Verfahren
Bei den indirekt stranggepressten Produkte entspricht, in den einzeln aufgenomme-
nen Kraft-Weg-Diagrammen, erwartungsgemäß die Gesamtkraft in etwa der Matri-
zenkraft. Nach Überschreiten des Presskraftmaximums ist ein geringer sogenannter
„Durchhang“ zu erkennen. Der Durchhang ist darauf zurückzuführen, dass in der Mit-
te des Aufnehmers die Aufnehmertemperatur ein Maximum aufweist. Durch die hohe
Wärmeleitfähigkeit des Aluminiums kommt es beim Aufstauchen zu einer Tempera-
turangleichung von Bolzen und Aufnehmer, so dass der Bolzen in der Mitte ebenfalls
eine höhere Temperatur aufweist. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass die
Pressscheibe eine Wärmeableitung an den nicht auf Prozesstemperatur erwärmten
Stempel erfährt und dass somit im weiteren auch Wärme aus dem Blockende in die
Pressscheibe fließt [SIE95]. Daraus resultiert eine niedrigere Fließspannung in der
Bolzenmitte und dementsprechend ein geringerer Kraftbedarf zum Umformen dieses
Bereiches des Bolzens.
Bei den direkt stranggepressten Produkten sinkt die Reibungskraft nach dem Kraft-
maximum zu Beginn der Pressung, da die Bolzenlänge und damit auch die Reibflä-
che zwischen Aufnehmer und Bolzen im Verlauf der Pressung abnimmt. Die Matri-
6 Diskussion
123
zenkraft fällt stetig nach Durchschreiten eines Maximums zu Beginn der Pressung
ab. Grund hierfür ist die durch das Verschieben des Bolzens an der Aufnehmerwand
entstehende Reibungswärme. Mit zunehmendem Reibweg nimmt auch die Tempera-
turerhöhung des betrachteten Bolzenquerschnitts zu. Die einzelnen Bolzenquer-
schnitte treten dementsprechend mit stetig steigender Temperatur in die Umformzo-
ne ein. Da die Fließspannung mit zunehmender Temperatur sinkt, werden geringere
Kräfte zur Umformung benötigt [SIE95]. Die Gesamtkraft, die sich aus Reibungs- und
Matrizenkraft zusammensetzt, sinkt dementsprechend mit zunehmendem Stempel-
weg.
In Abb. 6.1 ist ein Vergleich der Matrizenkräfte, aufgenommen beim indirekten und
beim direkten Strangpressen, bei sonst identischen Pressbedingungen (Bolzen-
einsatztemperatur 300°C und Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s) dargestellt. Der
direkte Vergleich zeigt zu Beginn der Pressung einen identischen Verlauf der Kurven.
Im weiteren Verlauf ist zu erkennen, dass beim indirektem Strangpressen eine höhe-
re Matrizenkraft zur Umformung benötigt wird.
Abb. 6.1: Matrizenkräfte in Abhängigkeit von Stempelweg und Pressverfahren
(Bolzeneinsatztemperatur 300°C, Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s)
In Abb. 6.1 ist am Verlauf der Kurve für die Matrizenkraft des direkten Strangpres-
sens auch der Einfluss, der durch die Reibung zwischen Bolzen und Aufnehmer und
der damit verbundenen zusätzlichen Erwärmung zu erkennen. Temperaturmessun-
gen an den Pressresten unmittelbar nach den Pressungen ergaben für die Pressres-
te nach direktem Strangpressen höhere Erwärmungen als für das indirekte Strang-
pressen bei sonst gleichen Pressparametern. Bei einer Bolzeneinsatztemperatur von
6 Diskussion
124
300°C und einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s wurde nach dem indirekten
Strangpressen eine Temperatur von 320°C, das entspricht einer Erwärmung von
20°C gegenüber der Bolzeneinsatztemperatur, ermittelt. Nach dem direkten Strang-
pressen mit Bolzeneinsatztemperatur 300°C und Stempelgeschwindigkeit 1,5 mm/s
wurde eine Temperatur von 400°C, d.h. eine Erwärmung von 100°C, ermittelt. Die
beim direkten Warmstrangpressen von Aluminiumwerkstoffen zusätzliche Tempera-
turerhöhung auf Grund der Scherreibung wird in der Literatur beschrieben [LAN71a,
LAN71b, LAN71c]. In [RUP95] werden Möglichkeiten zur Vermeidung bzw. zum ge-
zielten Einsatz der zusätzlichen Temperaturerhöhung diskutiert.
Bolzeneinsatztemperatur
Das Presskraftmaximum der indirekt stranggepressten Produkte ist bei geringeren
Bolzeneinsatztemperaturen ausgeprägter, d.h. es werden höhere Werte für die Mat-
rizenkraft registriert und der Abfall auf den quasistationären Bereich ist stärker. Bei
höheren Bolzeneinsatztemperaturen bildet sich der quasistationäre Bereich bei ge-
ringen Matrizenkräften aus, d.h. es ist weniger Kraft zur Umformung notwendig (Abb.
5.2). Ursache hierfür ist, dass der Umformwiderstand aufgrund des Absinkens der
Fließgrenze des Werkstoffes mit steigender Umformtemperatur abnimmt. Ein Ver-
such des indirekten Strangpressens mit einer Bolzeneinsatztemperatur von 250°C
konnte auf Grund zu hoher benötigter Presskraft nicht durchgeführt werden. Eine
signifikante Abhängigkeit des Durchhanges von der Bolzeneinsatztemperatur wurde
nicht registriert.
Im Vergleich zu den Matrizenkräften beim indirekten Strangpressen sind die Werte
der Matrizenkräfte bei gleicher Bolzeneinsatztemperatur und gleicher Stempelge-
schwindigkeit beim direkten Pressen deutlich geringer. Dies wird auf die Erhöhung
der Bolzeneinsatztemperatur durch die Reibung im Aufnehmer und die damit ver-
bundene Verringerung der Fließgrenze zurückgeführt. Die Verringerung der Matri-
zenkräfte (Abb. 5.6) bei Erhöhung der Bolzeneinsatztemperatur ist beim direkten
Pressen nicht so hoch wie beim indirekten Pressen. Zurückzuführen ist dies auf die
unterschiedlich hohen Reibungskräfte (Abb. 5.7) im Aufnehmer und die daraus resul-
tierende unterschiedliche zusätzliche Temperaturerhöhung des Pressbolzen.
Stempelgeschwindigkeit
Die Stempelgeschwindigkeit hat einen geringeren Einfluss auf den Umformwider-
stand als die Bolzentemperatur. Beim indirekten Strangpressen mit geringen Stem-
pelgeschwindigkeiten (0,75 mm/s, 1,5 mm/s, und 3 mm/s) wurde keine signifikante
Abhängigkeit der Matrizenkräfte registriert. Bei einer deutlichen Erhöhung der Stem-
pelgeschwindigkeit (10 mm/s) ist ein Trend zu höheren Matrizenkräften zu erkennen.
6 Diskussion
125
Ein noch schnelleres indirektes Strangpressen (15 mm/s und 20 mm/s) führt über
große Bereiche der Produkte zu Warmrissen.
Warmrisse verlaufen quer zur Pressrichtung und senkrecht zur Oberfläche. Sie ent-
stehen während des Pressvorgangs durch zu schnelles Pressen bei zu hoher Tem-
peratur. Ursache für die Warmrisse ist, dass am Matrizenaustritt die Festigkeit der
Produktoberfläche, infolge der der Verformung entgegen wirkenden äußeren und
inneren Reibungskräfte bei der momentanen Bolzentemperatur überschritten wird.
Die Produktoberfläche wird abgebremst und der Kern eilt voraus. Die so entstehen-
den Zuspannungen an der Oberfläche können zum Aufreißen führen. Mit der Entste-
hung eines Risses werden die Zugspannungen zunächst abgebaut. Durch das weite-
re Austreten des Produktes entstehen erneut Zugspannungen und demzufolge
immer neue Warmrisse [DIE95].
6.1.2 Mikrostruktur
Der eutektische Punkt im System Al-Si liegt bei 11,7 % Si und 577°C. Bei schmelz-
metallurgischer Verfahrensweise würde sich, in einem stark übereutektischen Werk-
stoff wie dem AlSi25Cu4Mg1, das Silizium primär als große, eckige, plattenförmige
oder auch nadelige Kristalle ausscheiden. Im System Al-Si neigt das Eutektikum zum
Entarten, dieses kann allerdings durch eine Natriumveredlung verhindert werden.
Das Erscheinungsbild der untersuchten Pressprodukte, mit den gleichmäßig und fein
verteilten Siliziumpartikeln, erinnert eher an einen Teilchenverbundwerkstoff, z.B.
MMC`s.
Hinsichtlich ihres Gefüges unterscheiden sich die Strangpressprodukte, die durch
indirektes und direktes Strangpressen wurden, nicht. Indirekt wie auch direkt strang-
gepresste Proben zeigen keine signifikante Abhängigkeit des Gefüges von der Bol-
zeneinsatztemperatur und der Stempelgeschwindigkeit. Die Verteilung der Silizium-
partikel ist in allen untersuchten Proben in Längs- und Querrichtung der
Strangpressprofile, homogen. Eine Ausrichtung der Siliziumpartikel in Strangpress-
richtung ist nicht zu erkennen. Die runde Form der Siliziumpartikel und die hohe
Dichte des Vormaterials sowie die geringe Kraft, die von der weichen Aluminiummat-
rix auf die Siliziumpartikel ausgeübt wird, führen nicht zu einer Ausrichtung der Silizi-
umpartikel in der Verformungsrichtung [GER93].
In allen im TEM untersuchten Proben der stranggepressten Profile weisen die Silizi-
umpartikeln Stapelfehler auf. Da die Stapelfehler in den Siliziumpartikeln auch im
sprühkompaktierten Ausgangszustand vorliegen, kann davon ausgegangen werden,
dass die Stapelfehler während des Sprühkompaktierprozesses entstanden oder be-
6 Diskussion
126
reits im Vormaterial enthalten sind und nicht durch das Strangpressen verursacht
wurden. Aufgrund ihrer hohen Festigkeit werden die Siliziumpartikel während des
Strangpressens nicht verformt.
Neben den Siliziumpartikeln enthalten die Proben weitere kleinere kupfer- und mag-
nesiumreiche Bestandteile. Mittels Beugungsbildern, die mit dem TEM angefertigt
wurden, konnten die Phasen als Al2Cu und Mg2Si identifiziert werden. Da es inkohä-
rente Ausscheidungen sind, entsprechen sie der stabilen Phase der intermetallischen
Verbindung. Die inkohärenten Teilchen, die nur im TEM zu erkennen sind, sind in der
mit 450°C indirekt stranggepressten Probe (Abb. 5.15) kleiner und feiner verteilt als
im Pressbolzen (Vormaterial) und der bei 300°C indirekt stranggepressten Probe
(Abb. 5.16). Es wird vermutet, dass bei der Bolzeneinsatztemperatur von 450°C zu-
mindest ein Teil der intermetallischen Phasen wieder in Lösung gebracht wird. Die
durch die Reibung an den Werkzeugen (Matrize und Pressscheibe) entstehende zu-
sätzliche Wärme begünstigt die Auflösung der intermetallischen Phasen. In [BEL98]
wird als Löslichkeitstemperatur für die intermetallische Phase in einem auf Al-Si ba-
sierenden Fünf-Komponenten-Systems eine Temperatur von ca. 500°C angegeben.
In [HOR00, RIC00] wird ~500°C als Lösungstemperatur für Mg2Si angegeben. Wei-
terhin wird in [RIC00] beschrieben, dass die Zeit, bis das Material die Matrize pas-
siert, zur vollständigen Auflösung der Mg2Si Partikel reicht, wenn die Bolzeneinsatz-
temperatur der Lösungstemperatur entspricht. Aus dem binären Phasendiagramm
des Systems Al-Cu geht hervor, dass die Löslichkeitstemperatur für Al2Cu ebenfalls
bei 500°C liegt [ZSC96]. Die zusätzlichen Legierungselemente verschieben die Lös-
lichkeitslinie zu noch niedrigeren Temperaturen [ZSC96].
Aufgrund der hohen Wärmeleitfähigkeit des Aluminiums und des geringen Quer-
schnittes des Pressproduktes ist die Zeit bis zur Diffusion der Legierungselemente
geringer als z. B. bei der Homogenisierung des Pressbolzens. Obwohl das Press-
produkt nicht abgeschreckt wurde, sondern an Luft abkühlte, reichte die Zeit offen-
sichtlich nicht aus, um die Größe der entsprechenden intermetallischen Phasen vor
dem Strangpressen zu erreichen.
Bei allen untersuchten Strangpressprodukten ist keine signifikante Kornstreckung
und kein signifikantes Kornwachstum zu erkennen. Es ist keine Abhängigkeit zwi-
schen Bolzeneinsatztemperatur und dem Makrogefüge der Strangpressprodukte zu
erkennen. Die geringe Korngröße und Kornstreckung der Aluminiummatrix nach dem
Strangpressen kann auf den hohen Volumenanteil gleichmäßig, fein verteilter Silizi-
umpartikel und der ebenfalls schwer verformbaren intermetallischen Phasen zurück-
geführt werden, die Hindernisse für die Verformung der Aluminiummatrix darstellen
[WAS78]. Die Versuche von [VAT97] zeigen, dass in indirekt stranggepressten Al-Si-
6 Diskussion
127
Mg-Mn-Legierungen, wie bei AlSi25Cu4Mg1, keine Rekristallisation im Gefüge sicht-
bar wird. Dieses stimmt auch mit Untersuchungen an stranggepressten Al-Cu-
Legierungen überein [GER94a, GER94b] bei denen Anzeichen für Rekristallisations-
vorgänge nur in Bereichen mit turbulentem Fließen in der Umgebung der Kupferpar-
tikel vorlagen. Ähnliche Bereiche turbulenten Flusses der Aluminiummatrix wurden in
den stranggepressten PM-AlSi25Cu4Mg1 Proben nicht detektiert. Hieraus kann, in
Übereinstimmung mit [VAT97] und [GER94a, GER94b] geschlossen werden, dass
die Versetzungen, die während des Strangpressens erzeugt werden, aufgrund von
Erholungsprozessen abgebaut werden.
6.1.3 Textur
Es wird berichtet [BAU79], dass die Textur des Ausgangszustandes einen Einfluss
auf die Art und die Srke der Textur des Produktes hat. Die Untersuchungen an ei-
ner Probe des sprühkompaktierten Ausgangszustandes und einer Probe nach an-
schließender Homogenisierung bei 520°C zeigen, dass der Werkstoff vor dem
Strangpressen quasiisotrop vorliegt. Dementsprechend sind die analysierten Textu-
ren allein durch den jeweiligen Strangpressvorgang hervor gerufen worden.
Die Siliziumpartikel zeigen weder im sprühkompaktierten Zustand noch nach dem
Strangpressen eine Vorzugsrichtung.
Nach dem indirekten Strangpressen weist die Aluminiummatrix eine <100>/<111>
Doppelfasertextur auf, bei der die <100>-Faserkomponente stärker und schärfer als
die <111>-Faserkomponente ist. Zu erkennen ist dies an den inversen Polfiguren in
axialer Richtung (Abb. 5.22) und an den ϕ1-Schnitten der ODF der Aluminiummatrix
(Abb. 5.23). In Abb. 6.2 ist der Einfluss der Bolzeneinsatztemperatur auf den Textur-
index der <100>- und der <111>-Faserkomponente dargestellt. Mit steigender Bol-
zeneinsatztemperatur steigt die Stärke der <100>-Faserkomponente erheblich an,
während die Stärke der <111>-Faserkomponente der Strangpressprodukte nahezu
unabhängig von der Bolzeneinsatztemperatur ist.
6 Diskussion
128
Abb. 6.2: Abhängigkeit des Texturindexes der Aluminiummatrix von der Bolzen-
einsatztemperatur (indirektes Strangpressen, Stempelgeschwindigkeit
1,5 mm/s)
Im Hinblick auf den Einfluss der Pressgeschwindigkeit auf die Textur zeigen die in-
versen Polfiguren (Abb. 5.24) der indirekt stranggepressten Proben, dass die Stärke
der <100>-Faserkomponente zunimmt. Im Gegensatz dazu ist die Stärke der
<111>-Faserkomponente nahezu unabhängig von der Pressgeschwindigkeit. Daher
nimmt das Verhältnis zwischen dem Texturindex der <100>- Faserkomponente und
dem Texturindex der <111>-Faserkomponente mit steigender Pressgeschwindigkeit
zu. In Abb. 6.3 ist der Einfluss der Stempelgeschwindigkeit auf den Texturindex der
<100>- und der <111>-Faserkomponente zusammenfassend dargestellt.
6 Diskussion
129
Abb. 6.3: Texturindex in Abhängigkeit von der Stempelgeschwindigkeit (indirektes
Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 300°C)
In den direkt stranggepressten Produkten ist der Anteil der <111>-Faserkomponente
aufgrund des inhomogeneren Werkstoffflusses und der höheren Verformungsarbeit
höher als in den indirekt stranggepressten Produkten. Anders als bei den indirekt
stranggepressten Produkten entspricht die Stärke der <111>-Faserkomponente nach
dem direktem Strangpressen in etwa der Stärke der <100>-Faserkomponente (Abb.
6.4).
Abb. 6.4: Abhängigkeit des Texturindexes von der Bolzeneinsatztemperatur (di-
rektes Strangpressen, Stempelgeschwindigkeiten 1,5 mm/s)
6 Diskussion
130
Die durch das direkte Strangpressen mit Bolzeneinsatztemperaturen zwischen 300°C
und 400°C hergestellten Produkte zeigen eine geringere Abhängigkeit der
<100>-Faserkomponente von der Bolzeneinsatztemperatur als die indirekt herge-
stellten Produkte.
Die Doppelfasertextur ist typisch für axialsymmetrisch stranggepresstes Aluminium
[BAU79, LEE83, INA94, WAS62]. Üblicherweise ist in stranggepressten
Aluminiumwerkstoffen die <111>-Faserkomponente dominant [LEE83, VAT97]. Das
<100>/<111>-Verhältnis der Faserkomponenten liegt üblicherweise nur in reinem
Aluminium in dieser Höhe vor, während Aluminiumlegierungen, bedingt durch ihre
höhere Stapelfehlerenergie, i. a. vorwiegend eine <111>-Faserkomponente aufwei-
sen [BAR66].
In allen untersuchten stranggepressten PM-AlSi25Cu4Mg1 Proben ist die Stärke
beider Faserkomponenten deutlich geringer als die üblicherweise in Aluminiumlegie-
rungen durch das Strangpressen erzeugte Textur. Diese schwache Textur, die nicht
auf Rekristallisation zurückzuführen ist, ist durch die geringe Fließspannung des Alu-
miniums bei hohen Temperaturen und die große Zahl von harten Partikeln bedingt,
die Verformung [GER94a, GER94b, GRO98, GRO99] und damit auch die Texturbil-
dung behindern. Ähnliche Effekte in partikelverstärkten Aluminiumlegierungen sind
auch für Al 8090, verstärkt mit SiC, und Al 6061, verstärkt mit SiC und mit intermetal-
lischen Phasen wie Al2Cu oder Mg2Si [POU95], bekannt.
Beim indirekten und direkten Strangpressen nimmt die Stärke der
<100>-Faserkomponente bei Erhöhung der Bolzeneinsatztemperatur zu. Die Schärfe
der <100>-Faserkomponente zeigt keine Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztempe-
ratur. Einen ähnlichen Zusammenhang zwischen der Textur und der Bolzeneinsatz-
temperatur wird in [VAT97] bei stranggepressten Al-Si-Mg-Mn-Legierungen be-
schrieben. Die Zunahme der <100>-Faserkomponente mit steigender
Strangpresstemperatur kann durch eine Zunahme der Erholungsprozesse bei höhe-
ren Prozesstemperaturen erklärt werden [VAT97]. Der Einfluss der Temperatur auf
die <100>-Faserkomponente wurde auch durch eine Wärmebehandlung belegt, bei
der das, bei einer Bolzeneinsatztemperatur von 300°C mit 1,5 mm/s Stempelge-
schwindigkeit indirekt stranggepresste, Produkt fünf Stunden bei 500°C bzw. 550°C
geglüht wurde. Durch die Wärmebehandlung bei 500°C wurde die Stärke der
<100>-Faserkomponente erhöht, die der <111>-Faserkomponente blieb weitgehend
erhalten. Durch eine fünfstündige Glühung bei 550°C wurde die Stärke und die
Schärfe der <100>-Faserkoponente deutlich gesteigert, die Stärke der
<111>-Faserkomponente wurde verringert.
6 Diskussion
131
Die auf die Verformung zurückzuführende <111>-Faserkomponente ist bei direkt
stranggepressten Produkten deutlich höher als bei den indirekt verpressten Produk-
ten bei ansonsten gleichen Pressparametern (Bolzeneinsatztemperatur, Stempelge-
schwindigkeit). Dies wird auf den unterschiedlichen Materialfluss beim direkten (Abb.
2.3) und indirekten Strangpressen (Abb. 2.4) zurückgeführt. Bedingt durch die Rei-
bung zwischen Aufnehmer und Bolzen, ist das direkt Strangpressen durch ein Ab-
scheren, der an der Aufnehmerwand haftenden Blockaußenzone, gekennzeichnet.
Weiterhin bildet sich eine sekundäre Umformzone aus. Beim indirektem Strangpres-
sen existiert keine Relativbewegung zwischen Aufnehmer und Bolzen und daher
auch keine Reibung. Es kommt nicht zu einem Abscheren der Bolzenaußenzonen.
Durch Erhöhung der Stempelgeschwindigkeit nimmt die Stärke der
<100>-Faserkomponente beim indirekten und direkten Strangpressen zu. Dieses
kann auf die mit steigender Stempelgeschwindigkeit zunehmende Reibungskraft zwi-
schen Bolzen und Matrize zurückgeführt werden. Aufgrund der höheren Reibungs-
wärme ergibt sich bei den schneller verformten Strangpressprofilen eine höhere
Temperatur in der Umformzone; dies begünstigt durch Erholungsprozesse die Bil-
dung der <100>-Fasertexturkomponente. Die Schärfe der <100>-Faserkomponente
zeigt keine Abhängigkeit von der Stempelgeschwindigkeit.
Die Textur in Längsrichtung ist, wie auch von [VAT97] beobachtet, weitgehend ho-
mogen. Bereits am Stranganfang bildet sich die <100>/<111>-Doppelfasertextur aus.
In Abb. 5.27 sind die ϕ1-Schnitte, in Abhängigkeit von der ausgepressten Länge, am
Beispiel des bei 450°C mit einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s indirekt
stranggepressten Profils dargestellt. An dieser Probe wird der stationäre Bereich
der<100>/<111>-Doppelfasertextur nach 50 mm erreicht.
Die Texturanalysen über den Querschnitt der Produkte zeigen die gleichen Abhän-
gigkeiten der <100>-Faserkomponente und <111>-Faserkomponente von den Ver-
fahrenparametern Bolzeneinsatztemperatur und Stempelgeschwindigkeit.
Die mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung ermittelten phkl-Werte zeigen, dass
in allen untersuchten Proben die phkl-Werte der 400 Reflexe deutlich höher sind als
die der anderen Reflexe. Die nominell höchsten phkl-Werte der 400 Reflexe weist das
Produkt auf, welches bei 450°C mit einer Stempelgeschwindigkeit von 1,5 mm/s indi-
rekt verpresst wurde. Dies entspricht den Ergebnissen der Texturanalyse, die mit
konventioneller Röntgenstrahlung im Probeninneren vorgenommen wurde, bei der
die <100>-Faserkomponente die höchsten Werte des Texturindexes aufweist. Die
Stärke der Textur variiert über den Profilquerschnitt. Hieraus kann auf Inhomogenitä-
ten des Materialflusses in Querrichtung geschlossen werden. Das Maximum des
6 Diskussion
132
Verhältnisses von <111> / <100>-Faserkomponente, bei einem Abstand von
r ~ 12 mm zur Mitte des Produktes, deutet auf eine hohe Verformung in diesem Be-
reich der Probe (indirektes Strangpressen, Bolzeneinsatztemperatur 450°C, Stem-
pelgeschwindigkeit 1,5 mm/s) hin.
Den Ergebnissen mit konventioneller Röntgenstrahlung ist zu entnehmen, dass in
allen untersuchten Produkten die Stärke und die Schärfe der
<100>-Faserkomponente an der Oberfläche der Produkte (Mantelfläche) abnimmt.
Weiterhin ist zu erkennen, dass die <100>-Faserkomponente an der Oberfläche
(0,8 mm) abknickt. Dieses Abkippen oder Drehen der Fasertextur im oberflächenna-
hen Bereich wird in der Literatur häufig beschrieben [AUK94, BAU79, BAU81a,
BAU81b, DIE66, DRI00, GRE63, GRE66, MÖL75, VAT97]. Dabei ist die Art bzw. der
Grad der Drehung abhängig von den Pressparametern; dementsprechend werden
eine Vielzahl von Möglichkeiten aufgezählt.
Bei den durchgeführten Experimenten ist eine Abhängigkeit von der Bolzeneinsatz-
temperatur und Stempelgeschwindigkeit auf den Grad der Kippung zu erkennen.
Liegt in der Probenmitte eine starke <100>-Faserkomponente vor, wie bei den Pro-
dukten gepresst mit hoher Bolzeneinsatztemperatur oder auch hoher Stempelge-
schwindigkeit, ist der Grad der Kippung geringer. In der Art der Kippung ist zwischen
den indirekt und direkt stranggepressten Proben kein signifikanter Unterschied zu
erkennen. Offensichtlich übt die Reibung des Bolzens an der Aufnehmerwand, auf
die Kippung der Faser nur insoweit Einfluss aus, dass die Temperatur in der Um-
formzone erhöht wird. Die Stärke und Schärfe der <111>-Faserkomponente sowie
die Stärke der <110>-Komponente nehmen zur Oberfläche hin in allen untersuchten
Proben kaum ab.
6.1.4 Eigenspannungen
Es zeigte sich, dass bereits in den geringen Eindringtiefen der konventionellen Rönt-
genstrahlung ein dreidimensionaler Spannungszustand vorliegt. Der Eigenspan-
nungszustand der Proben wird durch makroskopische Inhomogenitäten des Werk-
stoffflusses aufgrund der Reibung zwischen Werkstoff und Matrize sowie durch
mikroskopische Inhomogenitäten gekennzeichnet, die auf die unterschiedlichen Ei-
genschaften der Aluminiummatrix und der Siliziumpartikel zurückzuführen sind
[PYZ97]. Zu den Eigenspannungen, die im Verformungsprozess entstehen, kommen
bei Strangpressprodukten Abkühleigenspannungen hinzu. Makroskopische Abkühl-
eigenspannungen sind die Folge von Temperaturgradienten über den Probenquer-
schnitt, während Abkühlmikroeigenspannungen (Eigenspannung II. Art) durch die
Differenz der thermischen Ausdehnungskoeffizienten der Aluminiummatrix
6 Diskussion
133
(~23,9*10-6K-1) und der Siliziumpartikel (~4,2*10-6K-1) erzeugt werden. Beide Phasen
haben eine kubische Symmetrie, d.h. es liegen isotrope Ausdehnungskoeffizienten
vor [KLO79, MAC73]. Da Silizium den kleineren thermischen Ausdehnungskoeffizien-
ten besitzt, zieht es sich bei der Abkühlung des Pressproduktes nicht so stark zu-
sammen wie das Aluminium. Die Aluminiummatrix erzeugt so in den Siliziumpartikeln
Druckeigenspannungen. Aus Gleichgewichtsgründen müssen sich somit bei der Alu-
miniummatrix Zugeigenspannungen ausbilden.
Aufgrund der dynamischen Erholungsprozesse während des Strangpressens kann
nach Gleichung (2.22) davon ausgegangen werden, dass die erzeugten Versetzun-
gen ausheilen und damit auch die verformungsinduzierten Mikroeigenspannungen
abgebaut werden. Auf Grund der Zusammensetzung des Werkstoffes wird ange-
nommen, dass oberhalb einer Temperatur von ~300°C die Erholungsprozesse voll-
ständig stattfinden. In [SHI97] wird für einen Teilchenverbundwerkstoff aus einer A-
luminiumlegierung als Matrix mit 15 Volumenprozent SiC als Temperatur, bei der die
Eigenspannungen vollständig abgebaut wurden, 200°C angegeben. Der Eigenspan-
nungszustand der Strangpressprodukte wird daher durch die thermischen Mikro-
spannungen, die bei der Abkühlung durch die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffi-
zienten der Phasen entstehen, bestimmt. Dieses wird durch die experimentell
ermittelten Eigenspannungswerte unterstützt, die einen typischen Abkühleigenspan-
nungszustand bei langsamer Abkühlung erkennen lassen. Ein weiterer Hinweis auf
die Dominanz der thermischen Mikrospannungen gegenüber den verformungsindu-
zierten Mikroeigenspannungen ist der geringe Einfluss der Prozessparameter Bol-
zeneinsatztemperatur und Pressgeschwindigkeit auf die Höhe und die Verteilung der
Eigenspannungen in den stranggepressten Profilen.
Am Rand der Produkte werden weisen die Si-Partikel im geringen Abstand zur Ober-
fläche (~200 µm) die gleichen Eigenspannungswerte wie im Probeninneren auf. Da
die Eindringtiefe der konventionellen Röntgenstrahlung im Bereich der Größe der Si-
Partikel liegen, herrscht ein dreidimensionalen Spannungszustande [PYZ95]. Zur
Bestimmung von σ33 des dreidimensionalen Spannungszustandes ist eine Ermittlung
der Netzebenenabstände des dehnungsfreien Zustands d0(hkl) an aus dem Werkstoff
extrahiertem Si-Pulver nötig.
6.1.5 Mechanische Eigenschaften
Der Einfluss der Textur auf die mechanischen Eigenschaften von Aluminiumlegie-
rungen wurde u. a. von [JEN91, PAR00, SRE62, VAT97] untersucht. Auf der Grund-
lage der dort angegebenen Ergebnisse kann geschlossen werden, dass bei einer
Zugverformung eine Doppelfasertextur mit dominanter <111>-Faserkomponente zu
6 Diskussion
134
einer höheren Zugfestigkeit führt als eine Doppelfasertextur mit dominanter
<100>-Faserkomponente. Ursache hierfür ist, dass im Falle der Zugverformung die
{111}-Gleitebenen weniger günstig zur maximalen Schubspannung orientiert sind
[SRE62], d.h. der Taylorfaktor ist für die <111>-Faserorientierung bei Zugverformung
höher als für die <100>-Faserorientierung [VAT97]. Das würde im Hinblick auf die
Textur der Strangpressproben bedeuten, dass mit zunehmender Bolzeneinsatztem-
peratur die Festigkeit der Proben abnehmen und die Duktilität zunehmen sollte.
Die Festigkeit und Verformbarkeit der bei unterschiedlichen Temperaturen strangge-
pressten Proben wird jedoch gegenteilig durch den Ausscheidungszustand der Pro-
ben beeinflusst. Dieses kann auf eine Homogenisierung der Aluminiummatrix bei ho-
hen Prozesstemperaturen zurückgeführt werden, bei denen sich Anteile der groben
Al2Cu und Mg2Si Partikel auflösen und später während der Abkühlung teilweise wie-
der ausscheiden, so dass ein Gefüge mit sehr feinen Ausscheidungen entsteht. Die-
se kleinen Ausscheidungen behindern die Versetzungsbewegung und erhöhen die
Festigkeit. Bei höheren Versuchstemperaturen des Zugversuchs ist die Partikelhär-
tung nicht mehr so dominant wie bei Raumtemperatur, was sich in den Versuchser-
gebnissen deutlich zeigt. Der Einfluss der Pressparameter auf die mechanischen Ei-
genschaften einer mit Mg2Si verstärkten Aluminiumlegierung wird in [PAR00]
beschrieben. Die Festigkeit nimmt mit steigender Bolzeneinsatztemperatur zu, zu-
rückgeführt wird das auf die Zunahme der Mg2Si Ausscheidungen.
Abb. 6.5: Streckgrenze RP0,2 in Abhängigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur
und den Prüftemperaturen (indirekt und direkt stranggepressten Pro-
dukte)
6 Diskussion
135
Die Festigkeit der direkt stranggepressten Proben ist bei gleicher Prüftemperatur hö-
her als die Festigkeit der indirekt stranggepressten Proben (Abb. 6.5). Dies ist zum
Teil auf die stärkeren Anteile der <111>-Faserkomponenten in den direkt strangge-
pressten Profielen zurückzuführen. Eine weitere Ursache ist die Temperaturerhö-
hung, die beim direkt Strangpressen durch die Reibung zwischen Bolzen und Auf-
nehmer erzeugt wird. Daher ist der Ausscheidungszustand der direkt
stranggepressten Proben mit dem Ausscheidungszustand von indirekt strangge-
pressten Proben vergleichbar, die mit einer höheren Bolzeneinsatztemperatur strang-
gepresst wurden.
Die Proben der langsamen, insbesondere mit einer Stempelgeschwindigkeit von
0,75 mm/s, indirekt verpresstem Profils weisen geringere Festigkeitswerte auf als die
Proben der schneller verpressten Profile. Die bei unterschiedlichen Pressgeschwin-
digkeiten größer als 3 mm/s durch indirektes Strangpressen erzeugten Proben zei-
gen, bei den Prüftemperaturen 20°C und 200°C, keine signifikanten Unterschiede in
ihren mechanischen Kennwerten. Die durch Reibung des Pressgutes an den Werk-
zeugen, insbesondere im Presskanal, erzeugt Temperaturerhöhung hat einen gerin-
gen Einfluss auf den Ausscheidungszustand, als die Temperaturerhöhung, verur-
sachte durch Reibung zwischen Bolzen und Aufnehmer, beim direkten
Strangpressen.
Während die hohe Festigkeit der bei 400°C Bolzeneinsatztemperatur indirekt und
direkt sowie der bei 450°C Bolzeneinsatztemperatur indirekt stranggepressten Profile
Vorteile im Hinblick auf die Lastaufnahme bringt, wirkt sich die geringere Verformbar-
keit dieser Profile nachteilig auf ihre Verarbeitung in nachfolgenden Fertigungsschrit-
ten, beispielsweise bei einem Biegeprozess, aus. Ein Optimum der Verformungsfä-
higkeit der Profile im Hinblick auf nachfolgende Umformprozesse ist in einem
Prozesstemperaturbereich zu suchen, in dem noch keine Auflösung und nachfolgen-
de feine Ausscheidung stattgefunden hat, aber sich eine starke <100>-Fasertextur
ausgebildet hat. Eine entsprechend hohe Duktilität ist bei den mit einer Bolzen-
einsatztemperatur von 350°C indirekt stranggepressten Profilen zu finden, die dem-
entsprechend für eine nachfolgende Formänderung optimal ist.
6.2 Reibrührgeschweißte Al-6013 Bleche
Die untersuchten Proben bestehen aus einer aushärtbaren Al-Mg-Si-Cu- Legierung
mit der Bezeichnung 6013 (Tabelle 4.3). Gewalzte Bleche im Zustand T4, d.h. ge-
walzt, lösungsgeglüht und kaltausgelagert, wurden mit dem neu entwickelten Verfah-
ren Reibrührschweißen, unter der Verwendung verschiedener Schweißparameter
(Tabelle 4.4) verschweißt.
6 Diskussion
136
Das Reibrührschweißen verändert die mikrostrukturellen Eigenschaften des Werk-
stoffes durch die prozessbedingte Erwärmung und Verformung. Die Veränderungen
können durch die Untersuchung des Gefüges und der rte nachgewiesen werden.
Je nach Einfluss, d.h. Entfernung vom Werkzeug bilden sich unterschiedliche Berei-
che aus, die als Rührzone, thermomechanisch beeinflusste Zone und Wärmeein-
flusszone bezeichnet werden [DAL98, SAT99, STR99].
Die Wärme fließt hauptsächlich vom Werkzeug (Blechoberseite) in Richtung
Schweißnahtwurzel (Blechunterseite). Es wird davon ausgegangen [GOU98], dass
das Reiben der Werkzeugschulter gegen das Substrat der Hauptmechanismus der
Wärmeerzeugung ist, wobei der größte Teil der Wärme in der Peripherie, dem Be-
reich mit den höchsten Umfanggeschwindigkeiten, der Werkzeugschulter erzeugt
wird. Die Erwärmung des Werkstücks erfolgt durch die Wärmeleitung von der Werk-
zeugschulter zum Substrat. In [GOU98] wird von der Berechnung der Wärmeleitung
während des Schweißens berichtet. Eine mit optimierten Schweißparametern be-
rechnete Temperaturverteilung zeigt [GOU98], dass sich zwei Temperaturmaxima
entlang der führenden und der verfolgenden Kante auf der Blechoberfläche ausbil-
den, wobei das Maximum an der verfolgenden Kante höhere Werte annimmt, da die
entlang des Kopfs erzeugte Wärme zusätzlich eingebracht wird. Reibrührschweiß-
verbindungen unterscheiden sich von Schmelzschweißverbindungen daher nicht nur
durch geringere Maximaltemperaturen, sondern auch dadurch, dass die Maximal-
temperatur nicht in der Mitte der Verbindung erreicht wird. Prozessbedingt liegt beim
Reibrührschweißen eine inhomogene Temperaturverteilung zwischen Ober- und Un-
terseite der Schweißnaht vor.
Die Breite der drei Zonen beim Reibrührschweißen hängt von den Schweißparame-
tern ab. Je größer der Werkzeugdurchmesser ist, desto breiter werden die einzelnen
Zonen (Abb. 5.53 bis Abb. 5.56). Eine weniger starke Abhängigkeit ist vom Vorschub
und von der Umdrehungsgeschwindigkeit zu erkennen. Mit hohen Werkzeugumdre-
hungsgeschwindigkeiten oder mit kleinerem Vorschub werden die thermomecha-
nisch beeinflusste Zone und die Wärmeeinflusszone breiter, da im ersten Fall mehr
Wärme an jedem Punkt erzeugt wird. Im Folgenden werden die Ergebnisse zu den
Untersuchungen an den reibrührgeschweißten Al 6013 Blechen entsprechend den
Untersuchungsgebieten diskutiert.
6.2.1 Mikrostruktur
In [ZSC96] werden neben den festigkeitssteigernden Sekundärausscheidungen auch
relativ grobe (10 µm) Primärausscheidungen vom Typ Al15(Fe,Mn)3Si2in der Alu-
miniumlegierung Al 6013 beschrieben.
6 Diskussion
137
Charakteristisch für die Rührzone ist ein sehr feines, vollständig rekristallisiertes Ge-
füge (Abb. 5.58a) [DAL98, STR99]. Der Übergang zwischen Rührzone und thermo-
mechanisch beeinflusster Zone (TMEZ) ist fließend (Abb. 5.58b). Die TMEZ ist weni-
ger verformt und erfährt eine geringere Erwärmung während des Schweißens. Sie
entspricht dem gesamten rekristallisierten Bereich außerhalb der Wirbelstrukturen
(Abb. 5.57). Die TMEZ unterscheidet sich von der Rührzone durch ein etwas gröbe-
res Gefüge (Abb. 5.58c). Da in der Wärmeeinflusszone (WEZ) der Werkstoff nicht
rekristallisiert (Abb. 5.58e), ist der Übergang zwischen TMEZ und WEZ Zonen (Abb.
5.58d) an den Makroaufnahmen zu erkennen (Punkt c in Abb. 5.53 bis Abb. 5.56).
Durch die trapezförmige Ausbildung der Schweißnaht, ist der Beginn der WEZ von
der Blechtiefe abhängig. An der Blechoberfläche entspricht der Beginn der WEZ in
etwa dem Werkzeugradius. Der Abstand der WEZ zur Schweißnahtmitte nimmt mit
der Blechtiefe ab. Der kleinste Abstand zwischen WEZ und Nahtmitte wird in der
Blechwurzel erreicht. In der WEZ findet kein Materialfluss während des Schweißens
statt. Die Veränderungen des Gefüges hinsichtlich des Gefüges des Ausgangszu-
standes, wie es sich an die WEZ anschließt, werden ausschließlich durch Erwär-
mung hervorgerufen.
Die Al 6013 Bleche liegen vor dem Reibrührschweißen im Zustand T4, d.h. gewalzt,
lösungsgeglüht und kaltausgelagert (Naturhärtung), vor. In diesem Zustand sind die
Ausscheidungen in der Matrix fein dispergiert. Wenn der Werkstoff erwärmt wird,
wachsen die Ausscheidungen (Überalterung), die Behinderung der Versetzungswan-
derung nimmt ab, folglich nehmen auch die Festigkeit und die Härte ab. Dies wird
durch die ermittelten Mikrohärtewerte der einzelnen Proben (Abb. 5.59) deutlich. Die
Breite des Bereichs mit geringer Mikrohärte befindet sich in der Wärmeeinflusszone,
die im wesentlichen durch den Werkzeugradius bestimmt. Ein etwas schwächerer
Einfluss ergibt sich durch eine Kombination von Vorschub und Umdrehungsge-
schwindigkeit. Je höher das Verhältnis von Umdrehungsgeschwindigkeit zu Vor-
schub, desto größer wird die Breite des Bereichs geringer Mikrohärte.
Neben dem Ausscheidungszustand wird die Mikrohärte durch Kaltverformung (Ver-
festigung) und die Korngröße bestimmt. Die Korngröße der rekristallisierten Zonen
(Rührzone und TMEZ) beträgt etwa 17 µm, die der WEZ und des Grundwerkstoffes
etwa 27 µm (Abb. 5.58). Der Einfluss der Korngröße auf die Härte wird in den ge-
messenen Mikrohärteverläufen durch einen geringen Anstieg der Mikrohärte in den
rekristallisierten Bereichen sichtbar.
6 Diskussion
138
6.2.2 Textur
Um den Einfluss des Reibrührschweißens auf die Texturentwicklung zu ermitteln,
wurde die Textur der Bleche im Ausgangszustand, d.h. 30 mm von der Schweiß-
nahtmitte entfernt, sowie in der Rührzone, in der TMEZ und in der WEZ gemessen.
Die Schweißparameter Werkzeugdurchmesser, Vorschub und Umdrehungsge-
schwindigkeit beeinflussen die Textur innerhalb der einzelnen Zonen hinsichtlich
Stärke und Schärfe nicht. Sie beeinflusst die Texturausbildung insoweit, dass die Zo-
nenbreite von ihnen, insbesondere vom Werkzeugdurchmesser, abhängt.
Der Bereich des Ausgangszustandes (gemessen 30 mm von der Schweißnahtmitte
entfernt) ist durch eine á100ñ-Vorzugsorientierung und eine etwas schwächere
á111ñ-Vorzugsorientierung in der Walzrichtung gekennzeichnet. Das entspricht der
Warmwalztextur von Aluminiumblechen bzw. einer Walztextur von Aluminiumblechen
mit anschließender Wärmebehandlung [WAS62]. Die Textur des Ausgangszustands
entspricht den Erwartungen, da die Bleche nach dem Walzen lösungsgeglüht und
anschließend kaltausgelagert (T4-Zustand) werden. Durch die Erwärmung in der
Wärmeeinflusszone wird die Stärke der <100>-Vorzugsrichtung in Walzrichtung et-
was erhöht. Innerhalb der thermomechanische Zone ändert sich die Textur in Walz-
richtung kaum. In Normalenrichtung verringert sich die Stärke und Schärfe sowohl
der <100>-Komponente als auch der <111>-Komponente, weiterhin kommt eine
schwache <311>-Komponente hinzu. Offensichtlich reichte die Verformung in der
TMEZ nicht aus, um die Orientierung der Kristallite vollständig zu ändern. Die Rühr-
zone zeigt eine zu den anderen Zonen vollkommen verschiedene Texturausbildung.
So ist in Walzrichtung die <100>-Komponente quasi aufgelöst und lediglich eine
schwache <110>-Komponente erkennbar. Die durch den Pin erzeugte Verformung
ruft eine stärkere <111>-Komponente hervor. Durch die dynamische Rekristallisation
in der Rührzone kommt es wiederum zu einer <100>-Komponente der typischen Re-
kristallisationstextur von Aluminium [WAS62].
6.2.3 Eigenspannungen
Die untersuchten Proben weisen einen symmetrischen Verlauf der Eigenspannungen
längs zur Schweißnaht über dem Querschnitt der Schweißnaht auf. Diese Symmet-
rie, wie sie für konventionelle Schweißverfahren typisch ist, erstaunt, da die Verfor-
mung des Werkstoffes beim Reibrührschweißen nicht symmetrisch ist, das Werkzeug
transportiert fortwährend Material von der führenden Kante zu der folgenden Kante.
6 Diskussion
139
Die Maxima der Eigenspannungen längs zur Schweißnaht liegen bei allen untersuch-
ten Proben in der WEZ. Da die Ausbildung der WEZ vom Werkzeugdurchmesser
abhängig ist, bilden sich die Maxima in dem entsprechenden Abstand von der
Schweißnahtmitte aus.
Bei geringeren Schweißgeschwindigkeiten wird durch die längere Wärmeeinwirkung
die Wärmeeinflusszone vergrößert. Aufgrund der Homogenisierung des Temperatur-
feldes verringern sich die Eigenspannungswerte, und die Maxima entfernt sich von
der Schweißnahtmitte. Je größer das Verhältnis vom Umdrehungsgeschwindigkeit zu
Vorschub, desto weiter entfernt werden die Maxima von der Schweißnahtmitte aus-
gebildet. Durch steigendem Vorschub und steigender Werkzeugumdrehungsge-
schwindigkeit nehmen die Eigenspannungen in der Wärmeeinflusszone höhere Wer-
te im Zugbereich an. Eine Abhängigkeit der Eigenspannungsmaxima, bezüglich der
Höhe, vom Vorschub, bestimmt mit Neutronenstrahlung, wird auch in [WAN00] be-
richtet.
Die Eigenspannungen in Querrichtung sind geringer und weisen keinen so ausge-
prägten Verlauf wie die Eigenspannungen in Längsrichtung auf. Dies zeigen die Er-
gebnisse der Eigenspannungsanalyse mit konventioneller Röntgenbeugung sowie
die Eigenspannungsanalysen mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung im ober-
flächennahen Bereich der Blechunterseite wie auch die Ergebnisse der Eigenspan-
nungsanalyse mit Neutronenstrahlung und hochenergetischer Synchrotronstrahlung
im Probeninneren.
In [WAN00] wird ein ähnlicher Eigenspannungsverlauf mit Maxima in Längsrichtung
von 130 und 200 MPa, für mit Neutronenstrahlung untersuchte Al 6063 im Zustand
T6 reibrührgeschweißte Bleche mit Schweißgeschwindigkeiten von 279 bzw. 787
mm min-1 beschrieben.
In Abb. 6.6 und Abb. 6.7 sind die mit konventioneller Röntgenstrahlung an der Blech-
unterseite (Schweißnahtwurzel) sowie mit Neutronenstrahlung ermittelten Eigen-
spannungen zusammengefasst dargestellt. Zu erkennen ist, dass die Lage der Ei-
genspannungsmaxima in ngsrichtung im Zugbereich für die oberflächennahen
Bereiche (konventionelle ntgenstrahlung) und für das Probeninnere (Neutronen-
strahlung) hinsichtlich der Lage in Bezug zur Schweißnahtmitte miteinander überein
stimmen. Offensichtlich ist die Lage der Eigenspannungsmaxima innerhalb der WEZ
nicht von der Blechtiefe abhängig. Die an der Unterseite der Bleche (Schweißwurzel)
ermittelten Eigenspannungen im oberflächennahen Bereich (konventionelle Rönt-
genstrahlung) sind deutlich höher als die über 2/3 der Blechdicke gemittelten Eigen-
spannungen des Probeninneren (Neutronenstrahlung). Die mit Co-Kα-Strahlung er-
6 Diskussion
140
mittelten Eigenspannungen sind über den gesamten untersuchten Querschnitt des
Bleches in Richtung Druckbereich verschoben (Abb. 6.7), da sich die durch die Ferti-
gung (Walzen) hervorgerufenen Eigenspannungen im Druckbereich mit den Eigen-
spannungen, die durch das Reibrührschweißen hervorgerufen werden, überlagern.
Abb. 6.6: Eigenspannungen in Längsrichtung eines reibrührgeschweißten Al 6013
Bleches, Vergleich Neutronenstrahlung und Cu-Kα-Röntgenstrahlung
6 Diskussion
141
Abb. 6.7: Eigenspannungen in Längsrichtung eines reibrührgeschweißten Al6013
Bleches, Vergleich Neutronenstrahlung, Cu-Kα-sowie
Co-Kα-Röntgenstrahlung
In Abb. 6.8 bis Abb. 6.10 sind die mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung und
mit konventioneller Röntgenstrahlung ermittelten Eigenspannungen in Längsrichtung,
an der Blechunterseite (Schweißnahtwurzel), in Abhängigkeit des Probenquerschnit-
tes aufgetragen. Zur Vergleichbarkeit der Kurven wurde der mit hochenergetischer
Synchrotronstrahlung untersuchte Bereich symmetrisch zur Schweißnahtmitte in den
nicht untersuchten Bereich gespiegelt.
6 Diskussion
142
Abb. 6.8: Vergleich der Ergebnisse von Eigenspannungsanalysen mit hochener-
getischer Synchrotronstrahlung und mit konventioneller Röntgenstrah-
lung an der Blechunterseite (Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reib-
rührgeschweißten Bleches
Abb. 6.9: Vergleich der Ergebnisse von Eigenspannungsanalysen mit hochener-
getischer Synchrotronstrahlung und mit konventioneller Röntgenstrah-
lung an der Blechunterseite (Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reib-
rührgeschweißten Bleches
6 Diskussion
143
Abb. 6.10: Vergleich der Ergebnisse von Eigenspannungsanalysen mit hochener-
getischer Synchrotronstrahlung und mit konventioneller Röntgenstrah-
lung an der Blechunterseite (Schweißnahtwurzel) eines Al 6013 reib-
rührgeschweißten Bleches
Die mit konventioneller Röntgenstrahlung an der Blechunterseite (Schweißnahtwur-
zel) ermittelten Werte stellen den Eigenspannungszustand in einer Tiefe von etwa
54 µm bzw. 58 µm dar, da 40 µm elektrolytisch abgetragen wurden und die mittlere
Eindringtiefe für die Röntgen-Cu-Kα-Strahlung 18 µm sowie für Röntgen-Co-Kα-
Strahlung 14 µm beträgt. Im Vergleich dazu zeigen die mit hochenergetischer Syn-
chrotronstrahlung ermittelten Werte Informationen, aus einer Tiefe bis etwa 100 µm
von der Blechunterseite.
Die Ergebnisse der Eigenspannungsanalyse des oberflächennahen Bereiches, mit
hochenergetischer Synchrotronstrahlung und mit konventioneller Röntgenstrahlung,
stimmen in der Verteilung und im Betrag miteinander überein. In der WEZ haben sich
Eigenspannungen im Zugbereich aufgebaut. Der mittlere Bereich der Schweißnaht
(Rührzone und TMEZ) weist Eigenspannungen im Druckbereich auf.
Durch die Eigenspannungsanalyse mit hochenergetischer Synchrotronstrahlung
konnten Informationen über den Eigenspannungszustand im Probeninneren in Ab-
hängigkeit von der Tiefe gewonnen werden. Der Verlauf der Eigenspannungen in
6 Diskussion
144
Richtung der Blechdicke (Abb. 5.75) ist ähnlich dem Verlauf der Eigenspannungen in
Querrichtung (Abb. 5.74). Die Eigenspannungen sind gering. Die Eigenspannungen
in Längsrichtung variieren mit der Blechtiefe (Abb. 5.71bis Abb. 5.73). Innerhalb der
WEZ tendieren die Eigenspannungen zu höheren Werten im Zugbereich mit Zunah-
me der Tiefe, in Richtung Mitte der Blechstärke.
In allen untersuchten Al 6013 Blechen wurden mit den verwendeten Beugungsme-
thoden die Eigenspannungsmaxima längs zur Schweißnaht ausnahmslos in der WEZ
registriert. Offensichtlich sind die thermischen Vorgänge während und nach dem
Schweißen die Ursache der Eigenspannungen beim Reibrührschweißen, wie auch
bei anderen Reibschweißverfahren.
Die WEZ befindet sich unterhalb der Peripherie der Werkzeugschulter, dem Bereich
der höchsten Umdrehungsgeschwindigkeiten und demzufolge der höchsten Erwär-
mung. Der Verlauf der Eigenspannung, wie er durch das Reibrührschweißen über
den Querschnitt in Längsrichtung hervorgerufen wird, resultiert aus der Überlagerung
von zwei gleichen, durch Schrumpfung bedingten, Eigenspannungsverläufen.
Unmittelbar nachdem das Werkzeug an einer Position den Werkstoff zusammenge-
fügt hat beginnt dieser abzukühlen, während das Werkzeug weiter geführt wird. Es
resultiert ein Temperaturgradient längs zur Schweißnaht. Die Schrumpfung der wär-
meren Bereiche, die zuletzt zusammengefügt wurden, wird durch die kälteren, nicht
mehr schrumpfenden Bereiche behindert. Am extremsten ist die Behinderung in Hö-
he der Werkzeugperipherie, dem Bereich der höchsten Temperaturen während des
Prozesses, dort entstehen die Maxima der Eigenspannungen im Zugbereich, längs
zur Schweißnaht. Die Schrumpfung quer zur Schweißnaht wird nicht durch einen
weniger schrumpfenden Bereich behindert. Daher werden keine wesentliche Eigen-
spannungen in dieser Richtung erwartet.
In der Literatur [DAL98, GOU98, STR99] wird berichtet, dass sich die Bruchlagen in
Querzugproben reibrührgeschweißter Aluminiumbleche meist in den Bereichen ge-
ringer Härte befinden. In der WEZ, dem Bereich der geringsten Härte, wurden die
höchsten Eigenspannungen im Zugbereich längs zur Schweißnaht registriert. Die
Eigenspannungen überlagern sich mit den im Zugversuch aufgebrachten Lastspan-
nungen, so dass es zum Bruch in der WEZ kommt.
7 Folgerung
145
7 Folgerung
Bei den Warmformgebungsprozessen Strangpressen und Reibrührschweißen wer-
den die Eigenschaften des Produktes im wesentlichen durch die Änderungen der
Mikrostruktur und Textur bestimmt. Neben der Einsatztemperatur hat die Wärmeent-
wicklung, die während des Prozesses durch Reibung entsteht, einen erheblichen
Einfluss.
Beim Strangpressen von PM-AlSi25Cu4Mg1 werden höhere Presskräfte benötigt als
beim Strangpressen von Aluminiumlegierungen in allgemeinen nötig sind. Um Warm-
risse zu vermieden ergeben sich, bei dem gewählten Pressverhältnis von 10:1, Be-
schränkungen hinsichtlich der Bolzeneinsatztemperatur und der Stempelgeschwin-
digkeit. Das indirekte Strangpressen hat gegenüber dem direktem Strangpressen
den Vorteil, dass eine erheblich geringere Gesamtkraft erforderlich ist. Weiterhin ist
beim indirekten Strangpressen, durch den geringeren Temperaturanstieg des Pro-
duktes während des Pressens, eine höhere Produktgeschwindigkeit möglich. Die
Textur indirekt stranggepresster Profile ist homogener als die der direkt strangge-
pressten Profile.
Die Untersuchungen an den Strangpressprodukte aus PM-AlSi25Cu4Mg1 zeigen,
dass durch die Strangpressparameter die Textur und der Ausscheidungszustand,
d. h. die Mikrostruktur, wesentlich beeinflusst werden. Die Siliziumpartikel sind nach
dem Strangpressen genauso homogen verteilt wie im sprühkompaktierten Bolzen.
Eine zeilenförmige Anordnung der Partikel tritt nicht auf. Die Größe der Ausschei-
dungen in der Matrix (Mg2Si- und Al2Cu) hängt im wesentlichen von den beim
Strangpressen erreichten Temperaturen ab. Der Ausscheidungszustand ist entschei-
dend für das mechanische Verhalten der stranggepressten Produkte.
Der Eigenspannungszustand wird wesentlichen durch den Unterschied der thermi-
schen Ausdehnungskoeffizienten der Aluminiummatrix und der groben Siliziumparti-
kel bestimmt. Die durch die Verformung beim Strangpressen verursachten Eigen-
spannungen werden durch Erholungsvorgänge relaxiert.
Der Werkstoff PM-AlSi25Cu4Mg1 besitzt nach dem Strangpressen eine hohe Warm-
festigkeit. Die mechanischen Eigenschaften z. B. die Festigkeit der Strangpresspro-
dukte können durch geeignete Wahl der Strangpressparameter, insbesondere der
Bolzeneinsatztemperatur, für eine weitere Verarbeitung optimiert werden.
Beim Reibrührschweißen kommt es durch Verformung und Wärmeentwicklung durch
Reibung zu einer ähnlichen Beanspruchung des Werkstoffs wie beim Strangpressen.
7 Folgerung
146
Infolge der stärkeren Temperatur- und Verformungsgradienten sind in Reibrühr-
schweißprodukten die Mikrostruktur, der Textur- und der Eigenspannungszustand
inhomogener über den Probenquerschnitt. Der Eigenspannungszustand der Reib-
rührschweißverbindungen wird neben den Schrumpfungseigenspannungen, ebenso
wie der Eigenspannungszustand der Strangpressprodukte im wesentlichen durch die
Abkühleigenspannungen bestimmt. Durch die Umformung bei hohen Temperaturen
und damit verbundene Rekristallisation der Rührzone werden die durch Verformung
verursachten Eigenspannungen abgebaut.
Die Höhe der Zugeigenspannungen in der Wärmeeinflusszone und die geringe Fes-
tigkeit des Werkstoffs in der rekristallisierten Rührzone erscheint problematisch im
Hinblick auf die Festigkeit der Reibrührschweißnähte und das Verhalten bei schwin-
gender Beanspruchung. Eine Reduzierung der Zugeigenspannungen in der Wärme-
einflusszone würde diese weniger empfindlich für aufgebrachte Lastspannungen
bzw. schwingende Beanspruchungen machen. Folglich würde das mechanische
Verhalten der gesamten Verbindung verbessert werden. Ein geringer Wärmeeintrag
und eine Homogenisierung des Temperaturfeldes verringern die Eigenspannungs-
werte. Erreicht werden kann dies durch geringere Schweißgeschwindigkeiten und
durch längere Wärmeeinwirkung, d. h. weniger Vorschub und geringe Werkzeugum-
drehungsgeschwindigkeit.
8 Zusammenfassung
147
8 Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss von Verfahrensparameter bei der
Warmumformung auf Mikrostruktur, Textur und Eigenspannungen untersucht. Dies
geschah am Beispiel des pulvermetallurgisch hergestellten zweiphasigen Alumini-
umwerkstoffes PM-AlSi25Cu4Mg1 nach dem Strangpressen sowie der einphasigen
Aluminiumlegierung 6013 nach dem Reibrührschweißen. Beim Reibrührschweißen
tritt ähnlich wie beim Strangpressen ein starker Werkstofffluss auf.
Zur zerstörungsfreien Texturanalyse und Eigenspannungsanalyse wurden Beu-
gungsverfahren mit Röntgen-, Neutronen- und hochenergetischer Synchrotronstrah-
lung eingesetzt. Die mit den verschiedenen Verfahren verbundenen unterschiedli-
chen Eindringtiefen werden genutzt, um umfassende Untersuchungen der gesamten
Proben zu ermöglichen. Die Beurteilung des Ausscheidungszustandes und des Ge-
füges erfolgt mit begleitenden Untersuchungen am Lichtmikroskop sowie am Raster-
elektronenmikroskop und Transmissionselektronenmikroskop. Weiterhin wurden die
Festigkeitskennwerte der Strangpressprodukte mittels Zugversuchen bei Raumtem-
peratur und bei erhöhter Temperatur ermittelt. Als mechanischer Kennwert wurde die
Mikrohärte der reibrührgeschweißten Bleche quer zur Schweißnaht aufgenommen.
8.1 Strangpressen von PM-AlSi25Cu4Mg1
Der pulvermetallurgische Aluminiumwerkstoff AlSi25Cu4Mg1 enthält mit 25 Ge-
wichtsprozent Silizium einen hohen Si-Partikelgehalt. Die homogene Verteilung und
geringe Größe der schlecht verformbaren Si-Partikel ermöglicht die Verarbeitung die-
ses Werkstoffes durch Strangpressen. Der Werkstoff verhält sich dabei wie ein teil-
chenverstärkter Metallmatrixverbundwerkstoff. Es sind höhere Presskräfte nötig als
beim Strangpressen von Aluminiumlegierungen in allgemeinen nötig sind. Um Warm-
risse zu vermeiden ergeben sich, bei dem gewählten Pressverhältnis von 10:1, Be-
schränkungen hinsichtlich der Bolzeneinsatztemperatur und der Stempelgeschwin-
digkeit. Das indirekte Strangpressen hat gegenüber dem direktem Strangpressen
den Vorteil, dass eine erheblich geringere Gesamtkraft erforderlich ist. Weiterhin ist
beim indirekten Strangpressen, durch den geringeren Temperaturanstieg des Pro-
duktes während des Pressens, eine höhere Produktgeschwindigkeit möglich.
Die Siliziumpartikel sind nach dem Strangpressen genauso homogen verteilt wie im
sprühkompaktierten Zustand. Eine zeilenförmige Anordnung der Partikel tritt nicht
auf. Die Größe der intermetallischen Verbindungen in der Matrix (Mg2Si und Al2Cu),
hängt im wesentlichen von den beim Strangpressen erreichten Temperaturen ab.
8 Zusammenfassung
148
Der Ausscheidungszustand ist entscheidend für das mechanische Verhalten der
stranggepressten Produkte.
Die Textur indirekt stranggepresster Profile ist homogener als die der direkt strang-
gepressten Profile. Nach dem Strangpressen weist die Aluminiummatrix eine
<100>/<111> Doppelfasertextur auf. Aufgrund der Erholungsprozesse, die bei höhe-
ren Temperaturen beschleunigt ablaufen, steigt die Stärke und Schärfe der
<100>-Faserkomponente mit steigender Bolzeneinsatztemperatur. Die auf die Ver-
formung zurückzuführende <111>-Faserkomponente ist in direkt stranggepressten
Produkten deutlich höher als bei den indirekt verpressten Produkten. Dies wird auf
den unterschiedlichen Materialfluss beim indirekten und direkten Strangpressen zu-
rückgeführt. Zum Rand der Probe kippt die <100>/<111> Doppelfasertextur ab, hier-
aus kann auf Inhomogenitäten des Materialflusses in Querrichtung geschlossen wer-
den. Die Siliziumpartikel zeigen nach dem Strangpressen keine Ausrichtung in eine
Vorzugsrichtung.
Aufgrund der dynamischen Erholungsprozesse während des Strangpressens kann
davon ausgegangen werden, dass die erzeugten Versetzungen ausheilen und damit
auch die verformungsinduzierten Mikroeigenspannungen abgebaut werden. Der Ei-
genspannungszustand der Strangpressprodukte wird daher durch die thermischen
Mikrospannungen bestimmt, die durch den Unterschied der thermischen Ausdeh-
nungskoeffizienten der Aluminiummatrix und der groben Siliziumpartikel verursacht
werden. Aufgrund der langsamen Abkühlung der Produkte, und dem damit verbun-
denen Temperaturausgleich zwischen Kern und Rand der Produkte, treten nur gerin-
ge Makroeigenspannungen auf. Die Makroeigenspannungen zeigen keine Abhän-
gigkeit von der Bolzeneinsatztemperatur oder Stempelgeschwindigkeit.
Die Festigkeit der bei unterschiedlichen Bolzeneinsatztemperaturen stranggepress-
ten Proben wird entscheidend durch den Ausscheidungszustand der Proben beein-
flusst. Bei hohen Bolzeneinsatztemperaturen werden Teile der groben Al2Cu und
Mg2Si Partikel auflöst. Diese scheiden sich später während der Abkühlung teilweise
wieder aus, so dass ein Gefüge mit sehr feinen Ausscheidungen entsteht. Diese
kleine Ausscheidungen behindern die Versetzungsbewegung und erhöhen die Fes-
tigkeit. Bei höheren Versuchstemperaturen des Zugversuchs ist die Partikelhärtung
nicht mehr so dominant wie bei Raumtemperatur, was sich in den Versuchsergebnis-
sen deutlich zeigt. Die Festigkeit der direkt stranggepressten Proben ist höher als die
Festigkeit der indirekt stranggepressten Proben. Dies ist zum Teil auf die stärkeren
Anteile der <111>-Faserkomponenten in den direkt stranggepressten Profielen zu-
rückzuführen. Eine weitere Ursache ist die Temperaturerhöhung, die beim direkt
Strangpressen durch Reibung erzeugt wird. Daher ist der Ausscheidungszustand
8 Zusammenfassung
149
direkt stranggepresster Proben nicht mit dem Ausscheidungszustand, bei gleicher
Bolzeneinsatztemperatur, indirekt stranggepresster Proben vergleichbar.
Während die hohe Festigkeit, der bei 400°C Bolzeneinsatztemperatur indirekt und
direkt stranggepressten sowie der bei 450°C Bolzeneinsatztemperatur indirekt
stranggepressten Profile, Vorteile im Hinblick auf die Lastaufnahme bringt, wirkt sich
die geringere Verformbarkeit dieser Profile nachteilig auf eine nachfolgende
Verarbeitung aus. Ein Optimum der Verformungsfähigkeit der Profile im Hinblick auf
nachfolgende Umformprozesse ist in einem Prozesstemperaturbereich zu suchen, in
dem noch eine so starke Auflösung und nachfolgende feine Ausscheidung
stattgefunden, aber sich eine starke <100>-Fasertextur ausgebildet hat. Eine
entsprechend hohe Duktilität ist bei den bei 350°C in direkt stranggepressten Profilen
zu finden.
8.2 Reibrührschweißen der Aluminiumlegierung 6013
Der Materialfluss beim Reibrührschweißen wird durch die Verfahrensparameter Um-
drehungsgeschwindigkeit, Vorschub sowie durch die Geometrie des Werkzeuges
bestimmt und kann anhand von Querschliffen durch die Schweißnaht nachvollzogen
werden. Die Schweißnaht wird in die Rührzone, die thermomechanisch beeinflusste
Zone und die Wärmeeinflusszone unterteilt.
Der dynamisch rekristallisierte Bereich der Schweißnaht bildet sich trapezförmig in
Blechtiefe aus, wobei die große Seite des Trapezes an der Blechoberseite in etwa
dem Werkzeugdurchmesser entspricht. Der rekristallisierte Bereich umfasst zwei Zo-
nen, die Rührzone und die thermomechanisch beeinflusste Zone. Die Rührzone wird
durch den direkten Kontakt mit dem Pin erzeugt. In der Rührzone ist ein sehr feines,
vollständig rekristallisiertes Gefüge zu erkennen. Die thermomechanisch beeinflusste
Zone ist weniger verformt als die Rührzone, sie unterscheidet sich von der Rührzone
durch ein etwas gröberes Gefüge. Der Übergang zwischen Rührzone und thermo-
mechanisch beeinflusster Zone ist fließend. Die Wärmeeinflusszone befindet sich
unterhalb der Peripherie der Werkzeugschulter, im Bereich der chsten Umdre-
hungsgeschwindigkeiten und demzufolge der höchsten Erwärmung. In der Wärme-
einflusszone ist der Werkstoff nicht rekristallisiert.
Das Minimum der Mikrohärte wurde in der Wärmeeinflusszone festgestellt. Durch die
starke Erwärmung der Wärmeeinflusszone wachsen die Ausscheidungen (Überalte-
rung), die Behinderung der Versetzungswanderung nimmt ab, folglich nimmt auch
die Härte ab. Ein etwas schwächerer Einfluss ergibt sich durch eine Kombination von
Vorschub und Umdrehungsgeschwindigkeit. Je höher das Verhältnis von Umdre-
8 Zusammenfassung
150
hungsgeschwindigkeit zu Vorschub, desto größer wird die Breite des Bereichs gerin-
ger Mikrohärte. Neben dem Ausscheidungszustand wird die Mikrohärte durch Kalt-
verformung (Verfestigung) und die Korngröße bestimmt. Der Einfluss der Korngröße
auf die Härte zeigt sich durch einen geringen Anstieg der Mikrohärte in den rekristal-
lisierten Bereichen.
Offensichtlich sind die thermischen Vorgänge während und nach dem Schweißen die
Ursache der Eigenspannungen beim Reibrührschweißen, wie auch bei anderen
Reibschweißverfahren. Die Eigenspannungsanalysen an den Reibrührschweißver-
bindungen zeigen in Längsrichtung der Schweißnaht höhere Extremwerte als in
Querrichtung. Die Verläufe der Längseigenspannungen quer zur Schweißnaht zeigen
zwei Eigenspannungsmaxima im Zugbereich, die symmetrisch bezüglich der
Schweißnahtmitte liegen. Die Maxima der Zugeigenspannungen befindet sich im Be-
reich der Wärmeeinflusszone. In der thermomechanisch beanspruchten Zone wech-
selt der Eigenspannungszustand vom Zug- in den Druckbereich. In der Rührzone
sind Druckeigenspannungen geringer Höhe zu erkennen. Der im Ausgangszustand
befindliche Werkstoff, der nicht am Reibrührschweißprozess beteiligt ist, neben der
Wärmeeinflusszone, steht unter den gleichgewichtshaltenden Druckeigenspannun-
gen. Durch steigenden Vorschub und steigende Werkzeugumdrehungsgeschwindig-
keit nehmen die Eigenspannungen in der Wärmeeinflusszone höhere Werte im Zug-
bereich an. Die Lage der Eigenspannungsmaxima in der Wärmeeinflusszone ist stark
vom Werkzeugdurchmesser abhängig, da er hauptsächlich für die Ausbildung der
Zonen verantwortlich ist. Bei geringeren Schweißgeschwindigkeiten wird durch die
längere Wärmeeinwirkung die Wärmeeinflusszone vergrößert. Aufgrund der Homo-
genisierung des Temperaturfeldes verringern sich die Eigenspannungswerte, und die
Maxima entfernen sich von der Schweißnahtmitte. Je größer das Verhältnis von Um-
drehungsgeschwindigkeit zu Vorschub ist, desto weiter entfernt werden die Maxima
von der Schweißnahtmitte ausgebildet.
Die mit Röntgen-, hochenergetischen Synchrotron- und Neutronenstrahlen bestimm-
ten Eigenspannungsverläufe zeigen, bei Berücksichtigung der jeweils erfassten
Messvolumina, eine gute quantitative Übereinstimmung. Mit Röntgen- und hoch-
energetischer Synchrotronstrahlung werden die Maximalwerte erfasst, während mit
Neutronenstrahlen Mittelwerte über den Querschnitt bestimmt werden.
Die Textur des Ausgangszustandes weist eine für Aluminiumbleche typische Warm-
walztextur bzw. einer Walztextur mit anschließender Wärmebehandlung auf, die in
Walzrichtung durch ein á100ñ-Vorzugsorientierung und eine etwas schwächere
á111ñ-Vorzugsorientierung gekennzeichnet ist. Durch die Erwärmung in der Wärme-
8 Zusammenfassung
151
einflusszone wird die Stärke der <100>-Vorzugsrichtung in Walzrichtung etwas er-
höht. Innerhalb der thermomechanischen Zone ändert sich die Textur in Walzrich-
tung kaum. In Normalenrichtung verringert sich die Stärke und Schärfe der Textur.
Die durch den Pin erzeugte Verformung ändert die Orientierung der Kristallite in der
Rührzone vollständig. Die Verformung ruft in Normalenrichtung eine stärkere
<111>-Komponente hervor. Durch die dynamische Rekristallisation in der Rührzone
kommt es wiederum zu einer <100>-Komponente, der für Aluminium typischen Re-
kristallisationstextur.
Im Hinblick auf die Festigkeit der Reibrührschweißverbindung erscheinen die Höhe
der Zugeigenspannungen in der Wärmeeinflusszone und die geringe Festigkeit des
Werkstoffs in der rekristallisierten Rührzone, insbesondere auf das Verhalten bei
schwingender Beanspruchung, als problematisch. Eine Verbesserung des mechani-
schen Reibrührschweißverbindung kann durch einen geringeren Wärmeeintrag und
eine Homogenisierung des Temperaturfeldes erreicht werden. Realisieren lässt sich
dies durch weniger Vorschub und eine geringer Umdrehungsgeschwindigkeit des
Werkzeuges.
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152
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