scieee Science in your language
[de] (orig)
Zum Verhalten ausgewählter
Triazolfungizide in der Umwelt und unter
technischen Bedingungen
vorgelegt von
M. Sc.
Ulrike Mülow-Stollin
geb. in Ludwigsfelde
von der Fakultät III - Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften
—Dr. rer. nat
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitz: Prof. Dr.-Ing. S.-U. Geißen
Technische Universität Berlin
Gutachter: Prof. Dr. rer. nat. U. Szewzyk
Technische Universität Berlin
Dr. rer. nat. C. Piechotta
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 16.02.2018
Berlin 2018
Die vorliegende Arbeit wurde im Zeitraum vom 01.03.2014 bis 31.05.2017 im Fachgebiet Umwelt-
mikrobiologie der Fakultät III in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich 1.8 - Umweltanalytik der
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung unter Anleitung von Prof. Szewzyk angefer-
tigt.
Aus dieser Arbeit sind folgende Publikationen hervorgegangen:
Mülow-Stollin, Ulrike; Lehnik-Habrink, Petra; Kluge, Stephanie; Bremser, Wolfram; Piechotta,
Christian; Efficiency Evaluation of Extraction Methods for Analysis of OCPs and PCBs in Soils of
Varying TOC Journal of Environmental Protection
2017
,8, 683-713. doi: 10.4236/jep.2017.86045
Mülow-Stollin, Ulrike; Goedecke, Caroline; Hering, Selina; Richter, Janine; Piechotta, Christi-
an; Paul, Andrea; Braun, Ulrike; A First Pilot Study on the Sorption of Environmental Pollu-
tants on Various Microplastic Materials Journal of Environmental Analytical Chemistry
2017
,4.
doi: 10.4172/2380-2391.1000191
i
Danksagung
Diese Arbeit wäre ohne die Unterstützung und Motivation vieler anderer nicht zustande gekommen.
Ein großer Dank geht zunächst an Prof. Szewzyk, der sich zur Übernahme der akademischen
Betreuung, zur Zusammenarbeit und zur Begutachtung dieser Arbeit bereit erklärt hat. Weiterhin
möchte ich Prof. Geißen für die Übernahme des Vorsitzes der Kommission danken. Außerdem geht
mein Dank an Dr. C. Piechotta, der mir die Arbeit an diesem Thema ermöglicht und mich fachlich
betreut hat sowie sich ebenfalls zur Übernahme eines Gutachtens bereit erklärt hat.
Während meiner Zeit an der BAM hatte ich die Gelegenheit mit vielen Personen zusammen zu
arbeiten. Ihnen allen möchte ich hiermit danken. Ein besonderer Dank geht dabei an meine Ko-
operationspartner des Fachgebiets Umweltmikrobiologie der TU Berlin, Marcella Nega und Till
Fretschner, die freundlicherweise alle Inkubationsversuche mit Bakterien übernommen haben.
Weiterhin möchte ich Prof. Jekel (Fachgebiet Wasserreinhaltung) für die Ermöglichung von Versu-
chen an der Ozonungsanlage sowie Michael Stapf (Kompetenzzentrum Wasser) für die Hilfe dabei
danken. Dr. Mattusch (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) danke ich sehr herzlich für die
Aufnahme hochaufgelöster Massenspektren. Diese Arbeit hat durch Verwendung der erhaltenen
Daten enorm an Qualität gewonnen. Für die Überlassung von Schwebstoffmaterial und Wasser-
proben danke ich Mathias Ricking (Institut für Geochemie, Hydrogeologie und Mineralogie, Freie
Universität Berlin bzw. Umweltbundesamt).
Dr. Bremser und Dr. Paul (FB 1.4) danke ich für die Unterstützung bei Fragen zu Statistik und
Versuchsplanung sowie für wertvolle Hinweise bei Publikationen. Dr. Braun und Dr. Dümichen
(FB 5.3) gilt Dank für die Bereitstellung von Mikroplastikmaterial, für die physiko-chemische
Messungen an diesem und Unterstützung bei der Erstellung der Publikation zum Thema. Dr.
Falkenhagen (FB 1.3) danke ich für die Aufnahme von Gelpermeationschromatogrammen. Ein
herzlicher Dank geht auch an Dr. Kalbe für die Bereitstellung von Böden und an Axel Müller (FB
4.3) für das Überlassen gemahlenen Polypropylens. Vielen Dank auch an Hr. Schlau (FB 9.2) für
die technischen Zeichnungen des UV-Reaktors und des Ozonisatoraufbaus. Zusätzlich danke ich
sehr herzlich dem Fachbereich 1.7 für die Ermöglichung der Nutzung einiger Geräte. Ohne ihre
Hilfe wäre diese Arbeit eine ganz andere geworden.
Ich hatte die Möglichkeit einige Studenten fachlich anzuleiten. Für die geleistete Arbeit geht mein
Dank an Anna Lippa (Forschungspraktikum), Christian Becker (Forschungspraktikum), Selina
Hering (Masterarbeit) und Olivia Frenzel (Masterarbeit).
Natürlich möchte ich mich auch bei meinem Fachbereich 1.8 bedanken. Ganz besonders danke
ich Dr. Lehmann für die Carbamazepin- und Diclofenacmessungen. Weiterhin geht ein großer
Dank an Dr. Lehnik-Habrink, die den OCP-Teil meines Projektes mitbetreute und Stefanie Kluge,
die daran mitarbeitete. Auch Katja Kaminski, Urszula Klyk-Seitz und Dr. Philipp sowie den
ehemaligen Kollegen Dr. Fettig, Sebastian Hein, Janine Richter und Robert Rothe danke ich für
ihre Unterstützung und die vielen fruchtvollen fachlichen Diskussionen.
Ein großer Dank geht an meine Büro- und DoktorandenkollegInnen Dominic Ammann, Julia
Keller, Dominique Lörchner und Kristin Schallschmidt für die fachlichen Hinweise und die gute
Zeit, die wir zusammen hatten. Meine Kollegin Caroline Goedecke verdient einen besonderen
Dank dafür, dass sie mich immer zum Weitermachen motiviert hat.
Schließlich bedanke ich mich bei meiner Familie und meinen Freunden, die mich emotional bei
der Durchführung des Promotionsprojektes unterstützt haben.
iii
Abkürzungen
α-ES α-Endosulfan
ANOVA analysis of variances, Varianzanalyse
ASE accelerated solvent extraction, beschleunigte Lösemittelextraktion
ATR attenuated total reflection, abgeschwächte Totalreflexion
ATR-FTIR
attenuated total reflection-Fourier transform infrared spectroscopy, abgeschwächte Totalreflexion-
Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie
BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
BBodSchV Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung
BDD bor-dotierter Diamant
BLK Blankenese
DDD Dichlordiphenyldichlorethan
DDE Dichlordiphenyldichlorethen
DDT Diclordiphenyltrichlorethan
DDX Bezeichnung für die Gruppe der DDT-assoziierten Verbindungen
DOC dilute organic carbon, gelöster organischer Kohlenstoff
DSC differential scanning calorimetry, dynamische Differenzkalorimetrie
EC Elektrochemie
EC/MS Elektrochemie-Massenspektrometrie
EI electron impact ionisation, Elektronenstoßionisation
EIC extracted ion chromatograms, extrahierte Ionenchromatogramme
EPA environmental protection agency, Umweltschutzbehörde der USA
ESI/MS
electrospray ionisation/mass spectrometry, Elektrospray-Ionisierung/Massenspektrometrie
EU Europäische Union
FAO Food and Agriculture Organization of the United Nations
FeOB eisen- und manganoxidierende Bakterien
FFE Fest-Flüssig-Extraktion
FS Fulvinsäure
FTIR Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie
GC Gaschromatografie
GC/MS Gaschromatografie-Massenspektrometrie
GC/MS/MS Gaschromatografie-Tandenmassenspektrometrie
GPC Gelpermeationschromatografie
HCB Hexachlorbenzol
HCH Hexachlorcyclohexan
iv
HFIP Hexafluorisopropanol
HRMS high resolution mass spectrometry, hochaufgelöste Massenspektrometrie
HS Huminsäure
IHSS International Humic Substances Society
ISO International Organization for Standardization
JMPR Joint Meeting on Pesticide Residues
KAS Kaltaufgabesystem
LC Flüssigchromatografie
LC/HRMS Flüssigchromatografie-Hochaufgelöste Massenspektrometrie
LC/MS Flüssigchromatografie-Massenspektrometrie
LC/MS/MS Flüssigchromatografie-Tandemmassenspektrometrie
MP Mikroplastik
MRM multiple reaction monitoring
MS Massenspektrometrie
m/zMasse-zu-Ladungsverhältnis
NER non-extractable residue, nicht-extrahierbarer Rückstand
NOM natural organic matter, natürliche organische Substanz
OCP Organochlorpestizide
PA6 Polyamid 6
PAK Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
PCB polychlorierte Biphenyle
PE Polyethylen
PET Polyethylenterephthalat
PP Polypropylen
ppm parts per million, millionster Teil
PS Polystyrol
PSM Pflanzenschutzmittel
PTFE Polytetrafluorethylen
PVC Polyvinylchlorid
Rel. Einh. Relative Einheiten
RT Retentionszeit
SIM selected ion monitoring
Sox Soxhletextraktion
SPM suspended particulate matter, Schwebstoffe
TOC total organic carbon, Gesamtkohlenstoff
v
TP Transformationsprodukt
UNO United Nations Organisation, Vereinte Nationen
VE-Wasser vollentsalztes Wasser
WHO World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation
WRRL Europäische Wasserrahmenrichtlinie
z. A. zur Analyse
vi
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Motivation .......................................... 3
1.2 Zielstellung ......................................... 4
2 Theoretische Grundlagen 6
2.1 Reaktionen und Transformationsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.2 Matrixbestandteile ..................................... 11
2.3 Triazolfungizide....................................... 13
2.4 Analysenmethoden ..................................... 15
3 Experimentalteil 17
3.1 Chemikalien und Standards . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
3.2 GeräteundMaterialien................................... 18
3.3 Software ........................................... 20
3.4 Stamm- und Probelösungen, Puffersysteme ....................... 21
3.5 Modellböden......................................... 21
3.6 Statistik............................................ 23
3.7 Extraktionsmethoden und Clean-Up . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.8 Isolierung von Huminstoffen................................ 25
3.9 Methoden der oxidativen Transformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
3.10 Durchführung technischer Transformationsreaktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.11 Untersuchungen zu Mikroplastik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.12 Chromatografische Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4 Ergebnisse und Diskussion 40
4.1 Methodenenetwicklung................................... 40
4.2 Isolation und Charakterisierung von Huminstoffen................... 47
4.3 Reaktionen und Transformationsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
4.4 Wechselwirkungen mit Mikroplastik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
5 Zusammenfassung und Ausblick 95
vii
Abbildungsverzeichnis
1 Verbreitungspfade von Pflanzenschutzmitteln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2 Einige Untersuchungsgegenstände dieser Arbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
3 Entstehung von Transformationsprodukten und Metaboliten. . . . . . . . . . . . . . 6
4 Anteil der Spezies Cl2, HOCl und OCl in Abhängigkeit vom pH-Wert. . . . . . . . 8
5 Reaktion von Ozon mit ungesättigten organischen Verbindungen. . . . . . . . . . . 9
6 Bekannte TP von Propiconazol. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
7 Bekannte TP von Difenoconazol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
8 KopplungEC/MS ...................................... 28
9 Aufbau zur Starkwasserherstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
10
Anordnung der UVA-Leuchtstoffröhren in einer Plexiglaseinhausung zu einem UV-
Kabinett. ........................................... 30
11 Spektren der verwendeten UVA-Leuchtstoffröhren.................... 30
12 Aufbau des verwendeten UV-Reaktors. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
13 Spektrum der verwendeten Mitteldruck-Quecksilberdampflampe . . . . . . . . . . 31
14 Wiederfindung der OCP in Abhängigkeit vom TOC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
15 ZustanddesLiners ..................................... 43
16 Wiederfindung in Abhängigkeit von der Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
17 Clusteranalyse........................................ 45
18 Wiederfindung aller Analyten pro Boden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
19 Wiederfindung aller Analyten aus allen Böden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
20 UV/Vis-Spektren isolierter Huminstoffe ......................... 49
21 ATR-FTIR-Spektren isolierter Huminstoffe........................ 51
22 LC/UV-DAD isolierter Huminstoffe. ........................... 51
23 Optimierung der Fentonreagenzien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
24 Einfluss der Wasserstoffperoxidkonzentration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
25 Gaschromatogramm zur Behandlung von Propiconazol mit Fentonreagenzien . . . 54
26 EI-MS des TP Pro1 und Standardsubstanz Propiconazolketon. . . . . . . . . . . . . 55
27 EI-MSderTPPro4undPro5. ............................... 55
28 Mögliche Strukturen der Summenformel C15H17Cl2N3O3............... 56
29 Mögliche Strukturen des Fragmentes mit m/z=273, 275, 277 u . . . . . . . . . . . . . 57
30 EI-MSvonTPPro6undPro8. ............................... 57
31 EI-MSdesTPPro7. ..................................... 58
32 LC/HRMS von Propiconazol-TP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
33 EI-MSderTPDif1undDif2................................. 60
34 EI-MS des TP Dif3 und von Difenoconazolketon. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
35 FentonreaktioninBoden .................................. 62
36
Intensität von Difenoconazol und einem Transformationsprodukt (
TP
) bei Variie-
rung der angelegten Spannung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
37 Ausgewählte EIC bei der EC von Difenoconazol, U=2 V . . . . . . . . . . . . . . . . 64
38 Strukturvorschläge für Difenoconazol-TP bei der EC mit U=2 V . . . . . . . . . . . . 65
39 Intensitätsverlauf ausgewählter TP von Difenoconazol im DC-Modus. . . . . . . . . 66
40 Ausgewählte EIC bei der EC von Propiconazol, U=2 V . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
41 GC der EC von Propiconazol über 24 h mit U=2 V . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
42 Bildung von OH-Radikalen bei Einsatz von Fentonreagenzien und EC . . . . . . . . 69
43
Zerfall von Ozon bei pH = 5, 7 und in Oberflächenwasser (Teltowkanal). Dargestellt
ist je ein ausgewähltes Replikat. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
44 Triazolfungizide unter Einfluss von Ozon in Oberflächenwasser . . . . . . . . . . . . 72
45 Konzentration der Triazolfungizide unter UV-Bestrahlung . . . . . . . . . . . . . . . 73
46
Konzentration der Triazolfungizide unter UV-Bestrahlung und Zusatz von tBuOH
und NaN3........................................... 75
viii
47 Gaschromatogramm des Extraktes der Photolyse von Propiconazol . . . . . . . . . . 75
48 Chromatogramm einer Reaktionslösung der Photolyse von Propiconazol . . . . . . 76
49 Mögliche TP der Photolyse von Propiconazol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
50 MS2-Spektrum von Peak Pro29HRMS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
51 Gaschromatogramm des Extraktes der Photolyse von Difenoconazol . . . . . . . . . 78
52 Massenspektren der Peaks Dif4 und Dif5. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
53 Chromatogramm einer Reaktionslösung der Photolyse von Propiconazol . . . . . . 79
54 Mögliche TP der Photolyse von Difenoconazol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
55 MS2-Spektrum von Peak Dif12HRMS. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
56 MS2-Spektrum von Peak Dif6HRMS. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
57 Bestrahlung wässriger Triazolfungizidlösungen mit UVA-Licht . . . . . . . . . . . . 83
58 Emision/Absorbanz der UVA-Lampe und der Modellanalyten. . . . . . . . . . . . . 83
59 Konzentrationsänderung der Modellanalyten bei Bestrahlung dotierter Böden . . . 85
60 Inkubation von Propiconazol mit B207 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
61 Inkubation von Diclofenac mit A288 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
62 Sorption von Difenoconazol an unbehandelte Mikroplastiken . . . . . . . . . . . . . 89
63 Sorption von Difenoconazol an gemahlenes PP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
64 Sorption von Difenoconazol an behandeltes PA6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
65 GPC von behandeltem und unbehandeltem PA6. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
66 DSCvonbehandeltemPA6. ................................ 93
67 Langzeitsorption von Difenoconazol an Mikroplastiken . . . . . . . . . . . . . . . . 94
68 LC/UV-DAD isolierter Huminstoffe. ...........................109
69 EI-MSdesPeaksPro2....................................109
70 EI-MSdesPeaksPro3....................................110
71 EI-MSdesPeaksPro9....................................110
72 EI-MSdesPeaksPro10 ...................................110
73 EI-MSdesPeaksPro11 ...................................111
74 EI-MSdesPeaksPro12 ...................................111
75 GC der Umsetzung von Difenoconazol mit Fentonreagenzien . . . . . . . . . . . . . 111
76 Massenspektrum der EC von Difenoconazol (online) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
77 EI-MSdesPeaksPro20 ...................................112
78 EI-MSdesPeaksPro21 ...................................112
79 EI-MSdesPeaksPro22 ...................................113
80 EI-MSdesPeaksPro23 ...................................113
81 EI-MS der Peaks Pro24 und Pro25 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
82 Quantifizierung der OH-Radikale bei UV-Bestrahlung . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
83 Intensitätsverlauf des Peaks Pro27HRMS in verschiedenen Matrices. . . . . . . . . . 115
84 Intensitätsverlauf des Peaks Pro29HRMS in verschiedenen Matrices. . . . . . . . . . 115
85 Intensitätsverlauf des Peaks Dif6HRMS in verschiedenen Matrices. . . . . . . . . . . 115
86 Intensitätsverlauf des Peaks Dif7HRMS in verschiedenen Matrices. . . . . . . . . . . 116
87 Intensitätsverlauf des Peaks Dif12HRMS in verschiedenen Matrices. . . . . . . . . . 116
88 Intensitätsverlauf des Peaks Dif13HRMS in verschiedenen Matrices. . . . . . . . . . 116
89 MS2-Spektrum von Peak Dif8HRMS. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
90 Analytgehalt in Elbewasser bei Bestrahlung mit UVA-Licht . . . . . . . . . . . . . . 117
91 FTIR-Spektrum von behandeltem PA6 und Vergleichsspektrum von PA6 . . . . . . 118
ix
Tabellenverzeichnis
1 Oxidationsmittel und zugehörige Redoxpotentiale E0bei 25 C............. 8
2 Größenordnung einiger Bindungsenergien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3 Unterteilung und Charakteristika von Huminstoffen.................. 11
4 Strukturen und Glasübergangstemperaturen einiger Polymere . . . . . . . . . . . . 13
5 Physikalische und chemische Daten von Propiconazol und Difenoconazol. . . . . . 14
6 Verwendete Pufferlösungen ................................ 21
7 AnalytgehalteimBoden .................................. 22
8 Gravimetrische Zusammensetzung der Modellböden . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
9 Bodenextraktion....................................... 24
10 Wiederfindung der Triazolfungizide aus Boden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
11 Wiederfindung der Triazolfungizide aus Wasser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
12 Clean-UpderFulvinsäuren................................. 26
13 Fenton-Optimierung .................................... 27
14 Versuchsübersicht Mikroplastik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
15 GC/MS-Methode OCP und PCB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
16 GC/MS-Methode Triazolfungizide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
17 Analytische Kenndaten GC/MS-Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
18 LC-Methode Huminstoffe.................................. 35
19 LC-Methode Hydroxylradikale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
20 LC-Methode Triazolfungizide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
21 LC/MS/MS-Methode Triazolfungizide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
22 Analytische Kenndaten LC/MS/MS-Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
23 LC/MS-Scan-Methode Propiconazol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
24
Parameter der HRMS-Methode, die zur Identifizierung von TP der Triazolfungizide
eingesetztwurde. ...................................... 37
25 LC-MethodeCarbamazepin ................................ 37
26 LC/MS/MS-Methode Carbamazepin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
27 LC-MethodeDiclofenac................................... 38
28 LC/MS/MS-Methode Diclofenac . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
29 EC/ESI-MS-Methode .................................... 39
30 Vor- und Nachteile von ASE, Soxhlet und FFE. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
31 pH-Werte der Böden und des SPM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
32 CHN-Gehalte von Böden, SPM und Huminstoffen.................... 48
33 UV/Vis-Daten isolierter Huminstoffe........................... 50
34 Propiconazol Fenton LC/HRMS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
35 KinetikdesOzonzerfalls .................................. 71
36 LC/HRMS-Messungen der Umsetzung der Modellanalyten mit UV-Strahlung . . . . 76
37 Bezeichnung der verwendeten Bakterienstämme, nächste Verwandte und Herkunft. 85
38 ANOVAzurSorptionanMP................................ 90
39 Kinetik der Photolyse der Triazolfungizide . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
x
Abstract
In order to ensure acceptable crop yield the use of plant protection products is inevitable. Triazole
fungicides are a class of pesticides often used against a variety of fungal diseases in plants.
During application an involuntary introduction into soil and surface water is possible, as well as a
subsequent leaching into groundwater. In these environmental compartments the fungicides are
subject to transformation reactions, metabolisation by (micro-)organisms and can also undergo
widespread transport through adsorption onto particles. Since ground and surface waters are also
used for drinking water production the pesticides may enter drinking water facilities where they can
undergo technical transformations. These processes may result in the formation of transformation
products (TP) which are often more polar than the parent compound and may exhibit differing
toxicological properties. This highlights the necessity for the identification of relevant TP.
During this study potential oxidative TP of the triazole fungicides propiconazole and difenoconazo-
le in soil and water were identified using model reactions with Fentons reagent and electrochemical
conversion. For analysis of the TP gaschromatography coupled to mass spectrometry (GC/MS)
as well as liquid chromatography coupled to either tandem mass spectrometry (LC/MS/MS) or
high resolution mass spectrometry (LC/HRMS) were applied. TP were identified by comparison of
mass spectra and retention times with those of authentic standards, if available. Both propicona-
zole and difenoconazole were transformed into their corresponding ketone. Additionally, mono-
and dihydroxylated species as well as cleavage products were postulated. Follow-up experiments
investigated the behaviour of the triazole fungicides under technical conditions found in water
treatment plants. Neither chlorination nor ozonation resulted in a significant reduction of analyte
concentration. However, irradiation with energy-rich UV-light lead to fast transformation of the
substances. Some TP which also occured in the aforementioned model reactions could be detected
during this process. These results were compared to the behaviour of the analytes when irradiated
with simulated global irradiation with or without the addition of humic substances. The latter were
characterised physico-chemically and either used as purchased or isolated from soil and suspended
particulate matter. A strong relation between the humic substance content and the conversion rate
could be demonstrated. This holds for irradiated soils as well. Furthermore, the triazole fungicides
were incubated with iron-/manganese-oxidising bacteria. Yet, no change in analyte concentration
after a sampling period of four weeks was evident. Finally, the affinity of difenoconazole towards
microplastics was investigated which resulted in a ready sorption of the analyte to all employed
materials. Hence, a long-range transport of difenoconazole on the base of this mechanism might be
possible.
Kurzfassung
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) ist notwendig, um mit einfachen Mitteln ertragreiche
Ernten sicherzustellen. Zum Schutz der Feldfrüchte vor Pilzerkrankungen werden sehr häufig
Triazolfungizide eingesetzt. Während deren Anwendung ist es möglich, dass diese unbeabsich-
tigt in Oberflächengewässer und Böden sowie durch Auswaschungsprozesse ins Grundwasser
gelangen. In der Umwelt unterliegen die Substanzen Veränderungen ihrer molekularen Struktur
durch Transformations- und Metabolisierungsreaktionen und können auch z. B. durch Adsorption
an Partikel über große Strecken transportiert werden. Sowohl Grundwasserressourcen als auch
Oberflächenwasser werden zur Produktion von Trinkwasser verwendet, sodass die Pestizide dann
ebenso in Wasseraufbereitungsanlagen eingebracht werden. Dort können sie u.U. bei technischen
Prozessen chemisch umgesetzt werden. Dabei entstehende Transformationsprodukte (
TP
) sind
oft polarer als die Ausgangssubstanz und können auch eine veränderte Toxizität aufweisen. Dies
macht die Identifizierung relevanter TP notwendig.
Im Rahmen dieser Arbeit wurden zunächst potentielle Reaktionsprodukte der Triazolfungizi-
de Propiconazol und Difenoconazol unter oxidativen Bedingungen erzeugt. Hierzu wurden die
Modellanalyten mit Fentonreagenzien umgesetzt und elektrochemisch behandelt. Die dabei ent-
stehenden Reaktionsprodukte wurden mit Gaschromatografie-Massenspektrometrie (
GC/MS
),
Flüssigchromatografie-Tandemmassenspektrometrie (
LC/MS/MS
) und Flüssigkeitschromatografie
gekoppelt mit hochauflösender Massenspektrometrie (LC/HRMS) analysiert und nach Möglichkeit
im Abgleich mit authentischen Standards charakterisiert. Sowohl für Propiconazol als auch für
Difenoconazol konnte dabei das jeweils korrespondierende Keton identifiziert werden. Weiterhin
wurden ein- und zweifach am aromatischen und aliphatischen System hydroxilierte Produkte sowie
Spaltprodukte postuliert. In nachfolgenden Experimenten unter modellhaften Bedingungen der
Wasseraufbereitung wurde die Transformation der Analyten unter Einfluss von Chlorreagenzien,
Ozon und energiereicher UV-Strahlung untersucht. Einzig bei der Behandlung der Analyten mit
UV-Strahlung wurde ein Umsatz der Triazolfungizide festgestellt und einige
TP
aus den Vorversu-
chen konnten dabei ebenfalls detektiert werden. Das Verhalten der
PSM
wurde zusätzlich mit dem
unter Einfluss von Globalstrahlung und zugesetzten, käuflich erworbenen und selbst isolierten
Huminstoffen in Beziehung gesetzt. Die Huminstoffe wurden physiko-chemisch charakterisiert. Es
zeigte sich eine starke Abhängigkeit der Umsatzrate von der Art der zugegebenen Huminstoffe.
Gleiches gilt für die Bestrahlung von mit den Analyten dotierten Böden. In weiteren Versuchen
wurden die Triazolfungizide mit eisen- und manganoxidierender Bakterien (FeOB) inkubiert, wobei
jedoch keine Abnahme der Konzentration in einem Zeitraum von vier Wochen beobachtet werden
konnte. Schließlich wurde die Fähigkeit von Difenoconazol zur Sorption an Mikroplastik (
MP
)
untersucht. Dieser Analyt sorbierte sehr schnell an alle eingesetzten
MP
. Daraus lässt sich ggf. ein
Potential für den Transport dieser Substanz über weite Strecken ableiten.
1 Einleitung
1.1 Motivation
Im Jahr 2030 werden laut Prognose der Vereinten Nationen (UNO) etwa 8,5 Milliarden Menschen
auf der Erde leben.
1
Die
UNO
hat bis zu ebendiesem Zeitpunkt die Beseitigung des Welthungers
als eines der Milleniumsziele bzw. Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert.
2
Um die Ernäh-
rung der wachsenden Erdbevölkerung sicherzustellen, ist der verantwortungsvolle Einsatz von
Pestiziden unabdingbar. Zur Vermeidung einer unnötigen Belastung von Umwelt und Lebewesen
mit anthropogenen Spurenstoffen bedeutet dies einerseits die Reduzierung der Anwendung von
Pflanzenschutzmitteln (PSM) auf ein notwendiges Minimum. Andererseits müssen
PSM
vor ihrer
Zulassung sehr genau und unabhängig hinsichtlich ihrer Wirkung auf Nicht-Zielorganismen sowie
in Bezug auf ihre Akkumulation in Umweltkompartimenten geprüft werden. Gleiches gilt für
bereits zugelassene Pestizide. Während ihrer Applikation können
PSM
direkt oder indirekt durch
Abbildung 1: Verbreitungspfade von Pflanzenschutzmitteln in Umweltkompartimenten.
Abdrift (spray drift) sowie Dränage und oberirdischen Abfluss (run-off) in Oberflächengewässer
gelangen (Abbildung 1). Auch eine Aufbringung auf Böden ist bei der Anwendung wahrscheinlich.
Aus diesen können sie über längere Zeit ins Grundwasser ausgewaschen werden.
3
Während dieser
Prozesse unterliegen die
PSM
chemischen Veränderungen, die durch Umwelteinflüsse initiiert
werden. Sofern belastete Wässer zu Trinkwasser aufbereitet werden sollen, können die Chemikalien
aufgrund der bei Aufbereitungsprozessen herrschenden stark oxidativen Bedingungen zusätzlich
umgewandelt werden. Es ist möglich, dass bei solchen Vorgängen auftretende Transformations-
produkte (TP) eine höhere Toxizität als die Ausgangssubstanz aufweisen oder sich in der Umwelt
anreichern.
4
Gereinigte Abwässer werden in Oberflächengewässer eingeleitet und Klärschlämme
werden teilweise als Düngemittel eingesetzt, sodass
PSM
und deren Abbauprodukte erneut in die
Umwelt eingebracht werden.
Während der Wasserbehandlung und bei der Bewertung von Standorten wird meist nur eine gerin-
ge Anzahl von Parametern analytisch-chemisch überwacht. Das Vorhandensein möglicherweise
bedenklicher, neu gebildeter Verbindungen kann so nicht erkannt werden. Um diese Substanzen
formell zu regulieren, umfassen die in der Trinkwasserichtlinie 98/83/EC der Europäische Uni-
on (
EU
) festgelegten Grenzwerte für Pestizide (
0,1 µgL1
für einzelne Wirkstoffe bzw.
0,5 µgL1
in Summe) ebenfalls alle relevanten assoziierten
TP
und Metabolite.
5
Zwar sind im Rahmen
des Pestizidzulassungsverfahrens die Antragsteller verpflichtet Studien zur Transformation und
Metabolisierung der Wirkstoffe vorzulegen, jedoch können deren Ergebnisse nur unzureichend
3
überprüft werden. Somit bleibt es notwendig
TP
zugelassener oder zur Zulassung bestimmter
Pestizide zu identifizieren, auf ihre Relevanz zu prüfen und schließlich eine adäquate Analytik für
sie zu etablieren.
1.2 Zielstellung
Ein umfassendes Studium der Eintragspfade und Umsetzungen von
PSM
beeinhaltet zum einen
ihre Nachverfolgung in alle beteiligten Kompartimente. Zum anderen ist ihr Verhalten auf der
Grundlage ihrer chemisch-physikalischen Eigenschaften zu betrachten. Um die mit einem Wirk-
stoffassoziierten Gefahren abschätzen zu können, muss bekannt sein, ob dieser persistiert oder
durch Umwelteinflüsse oder in technischen Anlagen in andere, ggf. relevante Abbauprodukte
umgewandelt wird. Zusätzliche Informationen zum Transport der Ausgangssubstanz und der
aus ihr hervorgegangenen Reaktionsprodukte sowie daraus resultierende Risiken für Organismen
sind ebenfalls von Bedeutung. Im Rahmen dieser Arbeit soll die gestellte Problematik anhand der
Triazolfungizide Propiconazol und Difenoconazol exemplarisch für die Kompartimente Boden und
Wasser untersucht werden. Einige Untersuchungsgegenstände sind in Abbildung 2 dargestellt.
Abbildung 2:
Zusammenhang zwischen dem Eintreten von Pestiziden in verschiedene Komparti-
mente und einigen Untersuchungsgegenständen der vorliegenden Arbeit.
Zur Erfüllung der vorgenannten Aufgaben ist es zunächst notwendig ein adäquates Analyse-
verfahren zu etablieren. Dies umfasst die Entwicklung geeigneter Methoden zur Extraktion der
Matrices Boden und Wasser ebenso wie die instrumentell-analytische Detektion der Analyten. Um
eine möglichst große Bandbreite natürlich vorkommender Bodenzusammensetzungen abzude-
cken, werden aus einem Kompost und einem Referenzboden hergestellte Modellböden eingesetzt,
die unterschiedliche Anteile organischen Materials aufweisen. Bei den Untersuchungen werden
4
verschiedene Extraktionstechniken und die Extraktionsdauer verglichen. Als Repräsentanten
vorwiegend unpolarer organischer Xenobiotika werden dabei ausgewählte Organochlorpestizi-
de (
OCP
) und polychlorierte Biphenyle (
PCB
) den Böden zugesetzt und die Methodeneffizienz
anhand ihrer Wiederfindung, auch in Hinblick auf den Gesamtkohlenstoffgehalt in der Matrix,
evaluiert. Durch die Extraktion von Huminstoffen aus Boden und Schwebstoffmaterial und deren
analytische Charakterisierung wird die organische Materie weitergehend beschrieben. Eine resul-
tierende Bodenextraktionsmethode soll schließlich auf die Matrix Wasser und die Modellanalyten
Propiconazol und Difenoconazol übertragen werden.
Zum Studium der Reaktion der Modellanalyten unter oxidativen Bedingungen werden Propicona-
zol und Difenoconazol in Boden und Wasser mit Fentonreagenzien behandelt und in wässrigen
Lösungen elektrochemisch umgesetzt. Die Reaktionsparameter werden jeweils so gewählt, dass eine
optimale Umsetzung der Modellanalyten erreicht wird. Bei allen Experimenten werden die Kon-
zentrationsverläufe der Triazolfungizide mit Flüssigchromatografie-Massenspektrometrie (
LC/MS
)
oder Gaschromatografie-Massenspektrometrie (
GC/MS
) überwacht (Target-Analytik). Mit Hilfe
einer ungerichteten Analytik der erhaltenen Extrakte oder Reaktionslösungen werden gebilde-
te
TP
detektiert und nach Möglichkeit identifiziert (Non-Target-Analytik). Dazu wird auch die
Flüssigchromatografie gekoppelt mit hochaufgelöster Massenspektrometrie (LC/HRMS) genutzt.
Aus diesen zu erwartenden oxidativen Produkten der Modellanalyten wird eine Bibliothek aufge-
baut, auf deren Grundlage weitere Reaktionslösungen auf
TP
überprüft werden (Suspected Target
Analytik).
In weiterführenden Experimenten wird das Reaktionsverhalten der Conazole unter gängigen
Methoden der Wasseraufbereitung wie Chlorung, Ozonung und Bestrahlung mit energiereicher
UV-Strahlung untersucht. Dabei soll auch der Einfluss von Huminstoffen und Huminstoffisolaten
auf die Umsetzung der Modellanalyten studiert werden. Zusätzlich werden die Modellanalyte
auf ihr Verhalten in der Umwelt untersucht. Dazu werden Lösungen der Analyte in Wässern mit
verschiedenen Additiven, in Oberflächenwasser oder in Modellböden mit UVA-Licht bestrahlt.
Außerdem sollen die Conazole mit Modellmikroorganismen, die ein großes Potential zur Metaboli-
sierung von Xenobiotika besitzen, inkubiert werden. Für die genannten Umsetzungen werden den
entstehenden Produkten auf Grundlage der vorab erstellten Bibliothek Summen- und Strukturfor-
meln zugeordnet. Sofern möglich werden die Eigenschaften der Umsetzungsprodukte mit denen
uflich erworbener authentischer Standards verglichen, um die
TP
eindeutig zu identifizieren.
Um überprüfen zu können inwiefern auch der partikelgebundene Transport für eine Risikobeurtei-
lung der Modellanalyten relevant ist, wird die Sorption von Difenoconazol an Mikroplastik (
MP
)
in wässriger Lösung untersucht. In dieser Versuchsreihe werden insbesondere die Parameter Bewe-
gung, Salinität und pH-Wert sowie das verwendete Polymermaterial betrachtet. Diese werden im
Rahmen realistischer Szenarien variiert.
5
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Reaktionen und Transformationsprozesse
Als Transformationen werden all jene Umsetzungen von Substanzen bezeichnet, bei denen die Reak-
tion hinsichtlich des Mechanismus und aller beteiligten Edukte und Produkte nicht näher definiert
ist.
6
Solcherlei Umstände treten vorrangig in komplexen Systemen mit vielen Einflussfaktoren, wie
z. B. in der Umwelt, aber auch in technischen Prozessen auf. Der BegriffTransformation umfasst in
seiner allgemeinen Definition auch Produkte des Metabolismus.
4
Für eine eindeutigere Zuordnung
ist es aber ratsam beide Begriffe getrennt voneinander zu verwenden. In Abbildung 3 sind einige
Beispiele von Transformationsprozessen bzw. Stoffwechselvorgängen dargestellt. Mögliche Um-
setzungen werden durch das jeweilige Kompartiment bedingt. So sind in Oberflächengewässern
Substanzen molekularen Veränderungen z. B. durch Einfluss der Globalstrahlung ausgesetzt. In
Wasseraufbereitungsanlagen können Chemikalien durch Einfluss von Desinfektions- und Oxidati-
onsmitteln umgesetzt werden. Diese Vorgänge werden als technische Transformation bezeichnet.
7
ufig werden Stoffe durch Transformationsprozesse oxidiert oder in kleinere Moleküle gespalten.
Die resultierenden
TP
besitzen oft eine gegenüber der Ausgangssubstanz stark gesteigerte Was-
serlöslichkeit. Dadurch bedingt können sie leichter in die aquatische Umwelt und auch in den
Trinkwasserkreislauf gelangen. Über Transporter wie z. B. Mikroplastik oder Aerosole kann es
zu einer ubiquitären Verteilung und einer großflächige Kontamination kommen. Da
TP
oftmals
unbekannter Struktur sind können sie nicht mit einer zielgerichteten Analytik (Target-Analytik)
erfasst werden. Vielmehr ist es notwendig anhand postulierter oder bereits bekannter Moleküle auf
das Vorhandensein von Reaktionsprodukten zu überprüfen (Suspected Target Analytik) oder vor-
behaltslos alle relevanten Signale einer Probe eingehend zu untersuchen (Non-Target-Analytik).
Abbildung 3:
Entstehung und Bezeichnung von Transformationsprodukten und Metaboliten in
verschiedenen Kompartimenten und bei technischen Prozessen. Grafik erstellt in
Anlehnung an Längin et al.4
2.1.1 Methoden der oxidativen Transformation
Fentonreaktion
Als Fenton-Reaktion wird die von Eisen(II)-Ionen katalysierte Reaktion von
Wasserstoffperoxid bezeichnet. Henry J.H. Fenton entdeckte Ende des 19. Jahrhunderts, dass We-
insäure in Gegenwart von Eisen(II)-Salzen und Oxidationsmitteln wie z.B. Wasserstoffperoxid
eine Reaktion eingeht.
8
An diesem Phänomen wurde anschließend intensiv geforscht und das
6
assoziierte Reagenz schließlich nach Fenton benannt. Der Mechanismus der Fenton-Reaktion ist
noch immer Gegenstand vieler Diskussionen.
9,10
Ein Vorschlag für die beteiligten Spezies im
sauren Milieu, unter Ausschluss von Licht und ohne Beteiligung eines organischen Substrats ist
in den Gleichungen 1-8 wiedergegeben.
11–13
Demnach treten bei dieser Umsetzung Hydroxyl-
und Hydroperoxylradikale auf, die sehr reaktiv sind und ungerichtet mit organischen Substanzen
reagieren können. Intermediär können dabei organische Radikale (Gleichungen 9-10) entstehen.
Darauffolgend können sowohl kleinere organische Moleküle entstehen, als auch eine vollständige
Mineralisierung zu anorganischen Substanzen eintreten. Vor allem in der Aufbereitung von Wäs-
sern ist letzteres besonders wünschenswert. Die Fentonreaktion wurde auch bereits zur Simulation
oxidativer Produkte des Phase-I-Metabolismus eingesetzt.14,15
Fe2+ + H2O2 Fe3+ +OH + ·OH (1)
Fe3+ + H2O2 Fe2+ + HO·
2+ H+(2)
·OH + H2O2 HO·
2+ H2O (3)
·OH + Fe2+ Fe3+ +OH (4)
Fe3+ + HO·
2 Fe2+ ++O2H (5)
Fe2+ + HO·
2+ H+ Fe3+ + H2O2(6)
2HO·
2 H2O2+ O2(7)
HO·
2+ H2O2 ·OH + H2O2+ O2(8)
·OH + RH H2O + R·(9)
·OH + C
C HOCC·(10)
Elektrochemie-Massenspektrometrie
Vor allem in der pharmazeutischen Industrie ist es maß-
geblich bereits zu Beginn der Wirkstoffentwicklung eine Einschätzung zum oxidativen Metabo-
lismus der aktiven Substanz geben zu können, um so die Toxizität der neuartigen Verbindung
einzuschätzen. Zur effizienten und kostengünstigen Durchführung solcher Vorab-Experimente
hat sich die Elektrochemie-Massenspektrometrie (
EC/MS
) als geeignet erwiesen.
16
Diese Kopp-
lung, bei der in Lösung in einer elektrochemischen Durchflusszelle oxidative Produkte generiert
und anschließend in ein Massenspektrometer geleitet werden, wo sie direkt analysiert werden
können, wurde in den 1980er Jahren entwickelt.
17
Die Forschungsgruppe um Bruins widmete
sich dem systematischen Vergleich der Reaktionen des oxidativen Metabolismus (Phase I, siehe
auch Abschnitt 2.1.3) und der elektrochemischen Oxidation.
18,19
Sie konnten demonstrieren, dass
all diejenigen Umsetzungen, die mit dem Transfer einzelner Elektronen einhergehen, durch den
Einsatz elektrochemischer Methoden simuliert werden können. Dies umfasst beispielsweise aro-
matische Hydroxylierungen sowie Oxidationen und Dealkylierungen an einigen Heteroatomen.
Hingegen finden Reaktionen, bei denen zunächst ein Proton abstrahiert wird, wie z. B. bei der
Hydroxylierung von Alkylketten, nicht statt.20
Die online-Kopplung
EC/MS
wurde bereits erfolgreich auf die Simulation des Metabolismus von
Diclofenac
21
und des Fungizids Boscalid
22
angewendet. Außerdem ist es durch gleichzeitige
Dotierung weiterer Reagenzien wie Glutathion möglich auch z.T. Konjugationsreaktionen des
Phase II-Metabolismus zu simulieren.23
2.1.2 Technisch induzierte Transformationen
Als technisch induzierte Transformationen werden im Rahmen dieser Arbeit alle nicht näher
definierten Umsätze der Modellanalyten bezeichnet, die während technischer Prozesse, die zur
Wasseraufbereitung eingesetzt werden, auftreten. Das Ziel der Trinkwasseraufbereitung ist es,
7
geeignetes Rohwasser so zu behandeln, dass das Produkt festgelegten Ansprüchen an die Reinheit
genügt. So sollen nachteilige Einflüsse des Wassers auf die menschliche Gesundheit ausgeschlos-
sen werden.
24
Zum Zweck der Aufbereitung stehen physikalische, chemische und biologische
Verfahren sowie deren Kombinationen zur Verfügung. Alle zugelassenen Aufbereitungs- und
Desinfektionsstoffe sowie deren erlaubte Zugabemengen sind in einer vom Umweltbundesamt
geführten Liste definiert.
25
Chlor, Chlordioxid bzw. Hypochlorite sowie Geräte zur UV-Bestrahlung
sind demnach als Desinfektionsmittel zugelassen, während Ozon sowohl als Oxidations-, als auch
als Desinfektionsmittel eingesetzt werden darf. Die Oxidationspotentiale einiger gebräuchlicher
Aufbereitungsstoffe sind in Tabelle 1 dargestellt. Die höchste Oxidationswirkung besitzen demnach
Hydroxylradikale, die bei einigen Aufbereitungsverfahren in situ entstehen.
Tabelle 1: Oxidationsmittel und zugehörige Redoxpotentiale E0bei 25 C.
Oxidationsmittel E0/V
Hydroxylradikale 2,3326
Ozon 2,0726
Wasserstoffperoxid 1,7626
Hypochlorige Säure 1,6327
Chlorung
Zur Chlorung von Wässern werden Chlor- und Chlordioxidgas sowie Hypochlorite
eingesetzt. Die hypochlorige Säure HOCl ist in diesem Fall das Agens, das aufgrund seines ho-
hen Oxidationspotentials (Tabelle 1) die desinfizierende Wirkung hervorruft.
28
Die Dissoziation
dieser schwachen ure ist stark vom pH-Wert abhängig.
27
Der Zusammenhang zwischen Chlor,
hypochloriger Säure und Hypochloritanion ist in Abbildung 4 dargestellt. Am wirkungsvollsten
ist die Oxidation mit HOCl demnach im Bereich pH=3-7. Das Hypochloritanion besitzt keine
oxidative Wirkung, sodass höhere pH-Werte für einen effektiven Einsatz von Chloragenzien zu
vermeiden bzw. anzupassen sind. Während der Behandlung mit chlorhaltigen Reagenzien tritt fast
keine Mineralisierung organischer Spurenstoffe ein, wie sich aus einer lediglich geringen Änderung
des Gehaltes an gelöstem organischen Kohlenstoffableiten lässt. Vielmehr können organische
Substanzen und speziell aromatische Systeme elektrophil chloriert werden. Bei sehr hohen Chlor-
Dosen ist auch eine oxidative Spaltung aromatischer Systeme zu Aldehyden möglich.
26
Die Zugabe
chlorhaltiger Agenzien wird über den damit korrelierten Gehalt freien Chlors reguliert und ist
üblicherweise auf
1,2 mgL1
begrenzt. Sofern die Desinfektion anderweitig nicht gewährleistet
werden kann, dürfen bis zu 6,0 mgL1freies Chlor zugesetzt werden.25
Abbildung 4: Anteil der Spezies Cl2, HOCl und OCl in Abhängigkeit vom pH-Wert.28
Ozonung
Das sehr starke Oxidationsmittel Ozon darf zur Wasseraufbereitung in Konzentrationen
bis
10 mgL1
eingesetzt werden.
25
In Wasser kann es auf verschiedenen Wegen zur Transformation
8
organischer Substanzen beitragen. Eine direkte Reaktion des Ozons ist mit anorganischen Wasser-
inhaltsstoffen und mit elektronenreichen organischen Verbindungen möglich. Mit ungesättigten
organischen Molekülen wird über eine 1,3-dipolare Cycloaddition zunächst ein instabiles Primäro-
zonid gebildet. Aus dessen Zerfallsprodukten entsteht wiederum durch eine Cycloaddition ein
stabileres Sekundärozonid, welches reduktiv zu Aldehyden bzw. Ketonen gespalten werden kann
(Abbildung 5). Diese werden ggf. weiter zu den entsprechenden Carbonsäuren oxidiert. Der von
Criegee beschriebene Mechanismus kann ebenso an elektronenreichen aromatischen Systemen ab-
laufen.
29
Bei der Reaktion von Ozon mit anderen Wasserbestandteilen werden z. B. Hydroxyl- und
Hydroperoxylradikale gebildet, welche ihrerseits wieder mit Spurenstoffen reagieren können.
30
Gebildete Radikale können ebenso Metalle oder Ionen oxidieren, die dann wiederum katalytische
Wirkungen zeigen können.
26
Diese Prozesse werden als indirekte Ozonolyse bezeichnet. Welcher
der Reaktionswege bevorzugt abläuft, wird in hohem Maße von den vorhandenen Wasserbestand-
teilen beeinflusst. Aufgrund der Komplexität der Prozesse ist eine detaillierte Voraussage des
Reaktionsvorgangs daher schwierig.
Abbildung 5:
Criegee-Mechanismus der Reaktion von Ozon mit ungesättigten organischen Verbin-
dungen.31
UV-Bestrahlung
Zur Desinfektion von Trinkwässern kann auch energiereiche UV-Strahlung ein-
gesetzt werden. Von besonderer Wichtigkeit ist bei dieser Anwendung, dass die zu desinfizierenden
Wässer in ausreichend dünner Schicht an der Strahlungsquelle vorbeigeleitet werden, sodass eine
Raumbestrahlung von
400 Jm2
(bezogen auf
λ
=
254 nm
) erreicht wird.
25
UV-Strahlung kann auf
mehreren Wegen die Transformation organischer Spurenstoffe initiieren. Sofern organische Mole-
küle in der Lage sind die Energie der Strahlung direkt aufzunehmen, können dadurch Bindungen
aufgespalten oder neu geknüpft werden. Einige Bindungsenergien und die zur Spaltung notwendi-
ge Photonenenergie (angegeben als Wellenlänge) sind in Tabelle 2 dargestellt. Typische Reaktionen
sind dabei Dehalogenierungen, ggf. gefolgt von Additionsreaktionen, Photocyclisierungen oder
auch Umlagerungen.
32
Im Fall von Ketoverbindungen treten Norrish-Reaktionen auf,
33
die z.B.
decarboxylierte Produkte zur Folge haben können. Im Gegensatz dazu sind aber auch indirekte
Photoreaktionen möglich, die durch sogenannte Photosensibilisatoren vermittelt werden. Diese
Substanzen absorbieren Strahlung und gehen dadurch in einen angeregten Zustand über, von
dem aus die aufgenommene Energie auf andere Moleküle übertragen werden kann.
34
Zusätzlich
können durch Photosensibilisierung reaktive Spezies wie Singulettsauerstoffoder Hydroxylradi-
kale erzeugt werden.
35
Aufgrund ihres verbreiteten Vorkommens und ihrer Absorption in einem
9
ausgedehnten Strahlungsbereich kommt Huminstoffen eine besondere Rolle als Photosensibilisator
zu. Gerade in Oberflächengewässern werden durch Globalstrahlung ausgelöste Photoreaktionen
von anthropogenen Spurenstoffen erst durch Beteiligung von Huminstoffen möglich.
Tabelle 2:
Größenordnung ausgewählter Bindungsenergien und die Wellenlänge eines Photons mit
dieser Energie.36
Bindung Energie /kJmol1Wellenlänge /nm
CH 400 300
CC 350 340
C
C 600 200
C
C 800 150
CO 360 330
C
O 750 160
CN 300 400
CCl 360 330
2.1.3 Natürlich induzierte Transformationen
Metabolismus und eisen-/mangan-oxidierende Bakterien
Wie bereits in Abschnitt 2.1 bespro-
chen, können Xenobiotika nicht nur durch den Einfluss technischer Prozesse transformiert, sondern
auch von Organismen aufgenommen und von diesen metabolisiert werden. Reaktionen, die Teil
von Stoffwechselprozessen sind, werden üblicherweise drei Phasen zugeordnet.
37
Während des
Phase-I-Metabolismus erfolgen Funktionalisierungsreaktionen an Substraten. Dabei handelt es sich
vorrangig um die Einführung von sauerstoffhaltigen Substituenten oder um sonstige Oxidations-
und Spaltungsreaktionen. In der Regel ist die Polarität des resultierenden Metaboliten dann
gegenüber der Ausgangssubstanz erhöht. Den Phase-II-Reaktionen werden alle Konjugationsreak-
tionen zugeordnet. Dabei werden die Produkte des Phase-I-Metabolismus z.B. zu Glucoroniden
oder Glutathionderivaten umgesetzt. Die Endprodukte sind meist sehr gut wasserlöslich und
können in Phase III weiter umgesetzt oder ausgeschieden werden.
38
Alle diese Stoffwechselschrit-
te werden durch Enzyme katalysiert. Im Phase-I-Metabolismus kommt dabei der Familie der
Cytochrom-P450-Oxygenasen eine besondere Bedeutung zu. Diese Hämoproteine sind in der Lage
über einen Radikalmechanismus Sauerstoffin Substratmoleküle einzuführen. Der größte Teil der
beschriebenen Cytochrom-P450-Oxygenasen agiert als Monooxygenasen, übeträgt also pro Einheit
nur ein Sauerstoffatom auf ein Substrat während das zweite Sauerstoffatom zu Wasser reduziert
wird.
39
Sie agieren wenig spezifisch und tragen dadurch dazu bei eine Vielzahl von Xenobiotika zu
oxidieren.
40
Diese Enzymklasse konnte in sehr vielen Organismen sowohl aus dem Tier- und Pflan-
zenreich, als auch in Bakterien und Archae gefunden werden.
41
Möglicherweise sind sie ebenfalls
entscheidend am Stoffwechsel vieler eisen- und manganoxidierende Bakterien (
FeOB
) beteiligt.
42
Zu diesen Bakterien können eine Vielzahl von Stämmen aus diversen phylogenetischen Gruppen
zugeordnet werden. Ihnen allen ist die Fähigkeit gemein
Fe2+
und/oder
Mn2+
zu oxidieren und die
dabei freiwerdende Energie für ihren Stoffwechsel zu nutzen.
43 FeOB
kommen sowohl in marinen
Gewässern
44
und Süßwasserumgebungen,
45,46
als auch in Boden
47–49
vor. In Gewässern fällt das
schwerer lösliche
Fe3+
aus, was zur Bildung rot-bräunlicher Ablagerungen führt (Verockerung).
50
Einige Arten bilden außerdem Scheiden aus, die sich in Form langer Filamente zusammenlagern.
51
Es konnte bereits gezeigt werden, dass
FeOB
in der Lage sein können Xenobiotika zu metabolisie-
ren. So stellten Sabirova et al. fest, dass Leptothrix und Pseudomonas Spezies 14-
α
-Ethinylestradiol
oxidieren.
52
Weiterhin konnte die Umsetzung von Pharmazeutika wie Diclofenac und Sulfame-
thoxazol in mit
FeOB
besiedelten Biofiltern bestätigt werden.
53
Der Einsatz solcher Biofilter könnte
eine sinnvolle dritte Reinigungsstufe in Abwasseraufbereitungsanlagen darstellen.
10
2.2 Matrixbestandteile
Huminstoffe
Huminstoffe sind amorphe Makromoleküle, die während der Humifizierung, also der Zersetzung
und dem Aufbau biologischer Materie, entstehen. Sie treten sowohl in Boden und Sediment als auch
in Gewässern und Schwebstoffen (SPM) auf. Aufgrund ihrer Genese können sie als Strukturein-
heiten z. B. Proteine, Zucker, Lignine, Lipide und auch Nukleinsäuren aufweisen.
54
Anhand ihrer
Löslichkeit werden sie in Huminsäuren (HS), Fulvinsäuren (FS) und Humine unterteilt (Tabelle 3).
Humine sind im wässrigen Medium unlöslich, HS lösen sich im Basischen und FS sind bei allen
pH-Werten löslich. Die Löslichkeit korreliert direkt mit der urestärke. Zusätzlich unterscheiden
sich die Huminstoffe auch in ihrem Molekulargewicht. HS sind dabei üblicherweise schwerer als
FS während das Molekulargewicht von Huminen variabel ist.55
Tabelle 3:
Unterteilung und Charakteristika von Huminstoffen anhand ihrer Löslichkeit, ihrer
molaren Masse und ihrer urestärke.
Löslichkeit im wässrigen
Medium
Molekulare Masse /Da Säurestärke
Huminsäuren löslich im Basischen 1000 bis 10000 mittel
Fulvinsäuren löslich 500 bis 1000 hoch
Humine unlöslich variabel sehr niedrig
Da Huminstoffe sehr viele verschiedene funktionelle Gruppen aufweisen können, sind sie in
der Lage mit einer Vielzahl von Xenobiotika unter Beteiligung diverser Wechselwirkungsme-
chanismen zu interagieren.
56,57
Bei der Analyse von Böden wird der Anteil eines organischen
Schadstoffes, der unter Anwendung einer expliziten Technik nicht extrahiert werden kann, als
nicht-extrahierbarer Rückstand (
NER
) bezeichnet.
58
Derart gebundene Kontaminanten sind nicht
bioverfügbar und mobil.
59
Allerdings konnte gezeigt werden, dass die betreffenden Substanzen
aus NER remobilisiert werden können.60–62 Um die Belastung eines Umweltkompartimentes mit
Schadstoffen einschätzen zu können, ist es damit sinnvoll die mögliche zukünftige Freisetzung
dieser aus gebundenen Rückständen zu berücksichtigen. Folglich ist für die Überwachung von
Kontaminantengehalten eine möglichst vollständige Extraktion zu bevorzugen. Für die Analyse
von Böden wurde der Gesamtkohlenstoff(
TOC
) mit dem Ausmaß der Bildung von
NER
in Ver-
bindung gebracht.
63
Es ist anzunehmen, dass analog in wässrigen Systemen das Vorhandensein
organischer Matrix, auch in
SPM
, zur Bildung von
NER
führt, die der Analytik nicht zugänglich
sind. Daher ist es empfehlenswert Analytgehalte in Abhängigkeit vom Gehalt organischer Materie
und der verwendeten Extraktionstechnik zu betrachten. Für die Extraktion fester Matrices wer-
den ufig die Soxhlet-Extraktion und die beschleunigte Lösemittelextraktion (
ASE
) eingesetzt.
Aufgrund ihrer einfachen Handhabung und der geringen assoziierten Kosten findet jedoch auch
die Fest-Flüssig-Extraktion (
FFE
) Anwendung. Die Abhängigkeit des extrahierten Analytgehalts
vom Anteil organischer Materie ist aber nicht hinreichend untersucht. Um Ergebnisse, die mit
unterschiedlichen Methoden erhalten wurden, vergleichen zu können, ist ein Verständnis des
Einflusses der organischen Materie notwendig.
Mikroplastik
Aufgrund der vorteilhaften Eigenschaften wie seiner vielseitigen Einsatzbarkeit und seines gerin-
gen Gewichtes bei hoher Haltbarkeit ist Plastik zu einem der weltweit am häufigsten eingesetzten
Materialien geworden.
64
Im Jahr 2013 wurden bereits 311 Millionen Tonnen Polymermaterialien
produziert,
65
wobei sich der Hauptanteil auf Polyethylen (
PE
), Polypropylen (
PP
), Polystyrol (
PS
),
Polyethylenterephthalat (
PET
) und Polyvinylchlorid (
PVC
) verteilt.
66
In der Folge ist der Eintrag
11
von Polymermaterialien in die Umwelt (üblicherweise als Makroplastik, >
5 mm
) stark angestie-
gen.
67
Dort können sie langsam durch (Photo-)Oxidationsprozesse und mechanische Beanspru-
chung zu kleineren Partikeln zersetzt werden.
68
Fragmente, die auf diese Weise entstanden und
kleiner als fünf Millimeter sind, werden als sekundäre Mikroplastik (
MP
) bezeichnet. Dadurch,
dass sie den Umwelteinflüssen längere Zeit ausgesetzt waren, kommt es zu Alterungsprozessen.
Resultierende Fragmente besitzen meist veränderte Oberflächeneigenschaften. Im Gegensatz dazu
werden Polymerpartikel, die, um Produktanforderungen zu genügen, nicht größer als fünf Milli-
meter sein dürfen (z. B. in Reinigungsmitteln, Farben oder Kosmetika) und in dieser Form direkt
in Umweltkompartimente gelangen, als primäre MP bezeichnet.
MP
wird in Wasseraufbereitungsanlagen zu einem großen Teil aus der flüssigen Phase entfernt.
69–71
Das
MP
sammelt sich im Klärschlamm, welcher wiederum ufig als Dünger auf landwirtschaftlich
genutzte Böden ausgebracht wird.
72
So kommt es schließlich zu einer weitreichenden Verteilung
der
MP
.
73
Viele organische Schadstoffe sind, ähnlich wie im Fall der Huminstoffe, in der Lage
an
MP
zu sorbieren. Adsorbierte Chemikalien können dann über weite Strecken transportiert
werden (Vektor-Effekt).
74
Diese Partikel sind in der Lage Organismen auf physikalischem und
möglicherweise auch chemischem Wege zu schädigen.
75–77
Die Sorption an die
MP
wird von
verschiedenen Eigenschaften sowohl des Sorbens als auch des Sorbats beeinflusst. Es spielen
u.a. die spezifische Oberfläche, die Oberflächenstruktur, funktionelle Gruppen und Säure-Base-
Eigenschaften eine Rolle.
78
Wu et al. konnten einen Einfluss der Salinität der Lösung auf die
Adsorption des Pharmakons Carbamazepin an
PE
feststellten.
79
Weiterhin wurde bereits die
Abhängigkeit der Sorption von der Struktur und Zusammensetzung der MP demonstriert.80
Für Untersuchungen im Rahmen dieser Arbeit wurden Polyamid 6 (
PA6
),
PP
und
PS
ausgewählt.
Diese werden u. a. als Verpackungsmaterialien verwendet und besitzen aufgrund dessen eine hohe
Relevanz in der Umwelt. Weiterhin weisen sie unterschiedliche Materialeigenschaften auf (Tabel-
le 4).
PS
und
PP
sind hydrophobe Polymere, wohingegen das eingesetzte
PA6
(besser bekannt als
Nylon) einen hydrophileren Charakter aufweist. Die Glasübergangstemperatur T
g
von Polymeren
beschreibt den Übergang von einer eher festen zu einer vorwiegend zähflüssigen Matrix.
81
Aus
der Lage dieses Temperaturbereichs können Rückschlüsse auf die Kristallinität und Kettenlänge
eines Polymers gezogen werden. Die T
g
der verwendeten Materialien unterscheiden sich stark. Die
Struktur von PS ist amorph während PA6 und PP teilweise kristallin sind.82
12
Tabelle 4: Strukturen und Glasübergangstemperaturen einiger Polymere.82
Polymer Struktur
Glasübergangs-
temperatur
/°C
Dichte /
gcm3
PA6
teilweise kris-
tallin
ca. 78 1,02-1,16
PP
teilweise kris-
tallin
0-20 0,83-0,92
PS amorph 90-110 1,04-1,10
2.3 Triazolfungizide
Mit einem Marktanteil von 20 % (bezogen auf alle abgegebenen Fungizide) im Jahr 2015 sind
die Triazol- und Imidazolfungizide eine sehr absatzstarke Klasse von Pflanzenschutzmitteln in
der Bundesrepublik Deutschland.
83
Im Getreide- und Obstanbau werden häufig die Vertreter
Propiconazol und Difenoconazol eingesetzt. Difenoconazol besitzt außerdem in China eine große
Bedeutung im Pflanzenschutz. Dort ist es das am häufigsten eingesetzte Pestizid zur Behandlung
von Reis.
84
In Deutschland ist Propiconazol zusätzlich als Holzbehandlungsmittel zugelassen.
Beide Pestizide wirken systemisch und werden den Demethylierungsinhibitor-Fungiziden zuge-
ordnet. Ihre Wirkung entfalten diese durch Hemmung der Sterol-C14-Demethylase während der
Ergosterol-Biosynthese von Pilzen. Dadurch wird der Aufbau der Zellmembranen gestört und die
Pilze sterben schließlich ab.85
Einige physiko-chemische Daten der Modellanalyten Propiconazol und Difenoconazol sind in Tabel-
le 5 wiedergegeben. Beide Fungizide werden als racemische Gemische von je zwei Diastereomeren-
und Enantiomerenpaare eingesetzt, die alle als wirksam gelten.
86
Generell gilt, dass sowohl Propi-
conazol als auch Difenoconazol eher unpolar, schlecht wasserlöslich und in Böden in geringem
Umfang mobil sind. Vorrangig neigen sie zur Adsorption an Sediment- und Bodenbestandteilen.
Aus den unter aeroben Bedingungen ermittelten Halbwertszeiten der Fungizide in Boden (DT50)
wird für Propiconazol eine moderate und für Difenoconazol eine hohe Persistenz abgeleitet. Auf
Ratten und Wasserorganismen wirken beide Substanzen moderat toxisch. Propiconazol betref-
fend existieren jedoch Hinweise, dass es bei einigen ugetieren eine hepatotoxische Wirkung
besitzt,87,88 während Difenoconazol vermutlich als endokriner Disruptor agieren kann.84,89
Aufgrund ihrer Anwendungsgebiete können die Fungizide direkt beim Einsatz auf Feldern in
Boden und Gewässer gelangen. Eine resultierende Kontamination von Umweltkompartimenten
ist demnach in hohem Maße vom untersuchten Standort abhängig. So detektierten Castillo et al.
Propiconazol in Sedimenten des Suerte River (Costa Rica) mit einer Häufigkeit von 26 % und einer
mittleren Konzentration von
33 µgkg1
(Frischgewicht).
91
In Schwebstoffproben der Elbe bei Blan-
13
Tabelle 5: Physikalische und chemische Daten der Modellanalyten Propiconazol und Difenocona-
zol.90Die Asteriske in den Strukturformeln markieren die Chiralitätszentren.
Propiconazol Difenoconazol
Summenformel C15H17Cl2N3O2C19H17Cl2N3O3
Strukturformel
IUPAC-Name
1-[2-(2,4-Dichlorphenyl)-
4-propyl-1,3-dioxolan-2-
ylmethyl]-1H-1,2,4-triazol
3-Chlor-4-[4-methyl-2-(1H-
1,2,4-triazol-ylmethyl)-1,3-
dioxolan-2-yl]phenyl-4-
chlorphenylether
Molekulargewicht /gmol1342,22 406,26
Wasserlöslichkeit /mgL1150 15
Verteilungskoeffizient
logKOW
3,72 4,36
Dissoziationskonstante pKS1,09 1,07
DT50 Boden (typisch) 71,8 130
LD50 akut, oral (Ratte)
/mgkg1550 1453
kenese konnte hingegen nur etwa ein Zehntel dieses Wertes detektiert werden (Trockenmasse).92
Im Zulauf von Abwasserbehandlungsanlagen in der Schweiz wurde Propiconazol in Konzen-
trationen zwischen
4 ngL1
bis
27 ngL1
festgestellt, während Difenoconazol nur gelegentlich
detektiert wurde.
93
In einer Studie zum Zustand von Oberflächengewässern in Brasilien wurden
Difenoconazolkonzentrationen um
11 ngL1
berichtet.
94
Am ersten Tag nach der Anwendung von
Difenoconazol auf einem chinesischen Reisfeld wurden dort Konzentrationen dieses Analyten bis
1,98 mgL1gemessen.95
In den Kompartimenten Boden und Wasser werden durch Umwelteinflüsse Transformations-
reaktionen der Fungizide initiiert. Außerdem können sie in Organismen metabolisiert werden.
Einige bekannte
TP
von Propiconazol und Difenoconazol sind in Abbildung 6 und Abbildung 7
dargestellt.
96,97
Offenbar treten bevorzugt Abspaltungen der Dioxolangruppen (CGA 91304,
CGA 91305, CGA 205374, CGA 205375) sowie Hydroxylierungen an der Alkylkette des Propicona-
zols (CGA 118244, CGA 118245, CGA 136735) bzw. an den aromatischen Systemen (CGA 169374)
auf.
14
Abbildung 6: Bekannte TP von Propiconazol.96
Abbildung 7: Bekannte TP von Difenoconazol.97
2.4 Analysenmethoden
Für die Bestimmung unpolarer organischer Analyten wie z. B. Organochlorpestizide (
OCP
) und
polychlorierte Biphenyle (
PCB
) in festen Matrices existieren diverse Normen. Aufgrund der ähnli-
chen Polarität sind diese z.T. auf die gewählten Modellanalyten Propiconazol und Difenoconazol
übertragbar. Der Standard DIN ISO 10382
98
sieht eine 15-minütige Fest-Flüssig-Extraktion (
FFE
)
mit Aceton und zwei weitere Extraktionsschritte mit Petrolether vor. Gleichzeitig trat 2012 die
Norm DIN EN 16167
99
in Kraft, die die Analytik von
PCB
in Schlamm, behandeltem Bioabfall
und Boden regelt. Von der International Organization for Standardization (
ISO
) wurde sie als
ISO 13876
100
übernommen. Diese Norm sieht eine
FFE
mit Aceton (30 Minuten) gefolgt von
einer 12-stündigen Schüttelextraktion mit Petrolether vor. Alternativ kann die Soxhletextraktion
15
angewendet werden. Auch die Vorschrift der Umweltschutzbehörde der USA (
EPA
) sieht für die
Bestimmung von
OCP
in Wasser und Boden eine Soxhletextraktion oder auch mikrowellen- und
ultraschallunterstützte Extraktionen mit Hexan bzw. Dichlormethan und Aceton vor.
101
Für alle
genannten Normen gilt, dass andere Extraktionsmethoden zugelassen sind, sofern eine Eignung
nachgewiesen wird. Da nicht zwei Normen für denselben Parameter nebeneinander existieren
dürfen, ist es durch die Annahme von ISO 13876
100
notwendig DIN ISO 10382 zur Analytik der
OCP zu revidieren. Die beschriebenen Standards geben keine Auskunft darüber, wie anhand von
Parametern der zu untersuchenden Probe eine geeignete Extraktionsmethode ausgewählt oder
angepasst werden soll. Aufgrund der Möglichkeit zur Bildung von
NER
(Abschnitt 2.2) wäre ein
solches Vorgehen jedoch sinnvoll.
16
3 Experimentalteil
3.1 Chemikalien und Standards
Name Reinheit Hersteller
1-(2,4-Dichlorophenyl)-2-(1H-
1,2,4-triazol-1-yl)ethanon
k. A. Vitas-M Lab
2,4’-DDT 99,8 % LGC Standards GmbH
2-Hydroxyterephthalsäure 98 % TCI Deutschland GmbH
4,4’-DDD 99,0 % LGC Standards GmbH
13C-4,4’-DDD 99 % Cambridge Isotope Laboratories, Inc.
4,4’-DDE Pestanal Fluka
13C-4,4’-DDE 99 % Cambridge Isotope Laboratories, Inc.
4,4’-DDT 99,0 % Honeywell Riedel-de Haen AG
13C-4,4’-DDT 99 % Cambridge Isotope Laboratories, Inc.
Aceton picograde LGC Standards GmbH
Acetonitril HPLC-grade
OMNILAB Laborzentrum GmbH & Co.
KG
α-Endosulfan 99,0 % Honeywell Riedel-de Haen AG
α-Hexachlorcyclohexan 98,0 % Honeywell Riedel-de Haen AG
13C-α-Hexachlorcyclohexan 99 % Cambridge Isotope Laboratories, Inc.
Aldrin 97,0 % LGC Standards GmbH
Aluminiumoxid (N, Super I) k. A. ICN Biomedicals GmbH
Ameisensäure 95 % Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Ammoniak k. A. k. A.
Ammoniumacetat per analysis Applichem GmbH
β-Hexachlorcyclohexan 98,4 % Honeywell Riedel-de Haen AG
Cyclohexan picograde LGC Standards GmbH
Diclofenac k. A. Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Dieldrin 98,4 % LGC Standards GmbH
13C-Dieldrin 99 % Cambridge Isotope Laboratories, Inc.
Difenoconazol Pestanal Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Difenoconazol D6
100 ng/
µ
L in
Acetonitril
Dr. Ehrenstorfer GmbH
Difenoconazol Metabolit CGA-
205374
99,2 % HPC Standards GmbH & Co. KG
Difenoconazol-alkohol 99,9 % HPC Standards GmbH
Eisen(II)sulfat Heptahydrat 99,5 % Acros Organics
Essigsäure
Eluent Additiv
für LC/MS
Sigma-Aldrich Chemie GmbH
γ-Hexachlorcyclohexan 99,9 % LGC Standards GmbH
Hexachlorbenzol 99,0 % Honeywell Riedel-de Haen AG
13C-Hexachlorbenzol 99 % Cambridge Isotope Laboratories, Inc.
Kaliumchlorid 85 % Merck Chemicals GmbH
Mangandioxid gefällt Fisher Chemical
Methanol HPLC-grade OMNILAB Laborzentrum GmbH Co. KG
Methoxychlor Pestanal Fluka
Methylenblau k. A. Honeywell Riedel-de Haen AG
Natriumchlorid k. A. Fisher Scientific
Natriumhydrogencarbonat 99,5 % Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Natriumhydroxid z. A. Merck Chemicals GmbH
17
Natriumhypochlorit
10-16 % Akivi-
tät
Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Natriumsulfat >99 % Merck Chemicals GmbH
Natriumsulfit 98 % Sigma-Aldrich Chemie GmbH
PCB 101 99,0 % LGC Standards GmbH
PCB 118 99,5 % LGC Standards GmbH
PCB 138 98,5 % LGC Standards GmbH
PCB 153 99,0 % LGC Standards GmbH
PCB 180 99,0 % LGC Standards GmbH
PCB 198 99,1 % LGC Standards GmbH
PCB 209 99,4 % LGC Standards GmbH
PCB 28 99,0 % LGC Standards GmbH
PCB 30 k. A. LGC Standards GmbH
PCB 52 99,5 % LGC Standards GmbH
PCB-Mix 3
100
µ
g/mL in
Isooktan
LGC Standards GmbH
Pesticide-Mix 17
10
µ
g/mL in
Cyclohexan
LGC Standards GmbH
Propiconazol Pestanal Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Propiconazol D5
100 ng/
µ
L in
Aceton
Dr. Ehrenstorfer GmbH
Salzsäure 32 %, z. A. Merck Chemicals GmbH
Schwefelsäure 95 % Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Suwanee River Fulvic Acid
Standard II
k. A. IHSS
Suwanee River Humic Acid
Standard II
k. A. IHSS
Terephthalsäure 98 % Sigma-Aldrich Chemie GmbH
Wasserstoffperoxid 30 % Sigma-Aldrich Chemie GmbH
3.2 Geräte und Materialien
Gerät/Material Kenndaten Hersteller
Adsorberharz Supelite DAX-8
Sigma-Aldrich Chemie GmbH,
Darmstadt, Deutschland
Analysenwaage Cubis MSA224S-100-D
Sartorius AG, Göttingen,
Deutschland
Analysenwaage R180D-*D1
Sartorius AG, Göttingen,
Deutschland
Analysenwaage RCP210P-0D1
Sartorius AG, Göttingen,
Deutschland
ASE Dionex ASE 200
Thermo Scientific, Sunnyvale,
USA
DSC DSC 7020
Seiko, THASS GmbH, Friedberg,
Deutschland
18
EC/MS Spritzenpumpe SP2 - Roxy
Roxy Potentiostat
µPrepCell
Magic Diamond
TM
Arbeitselek-
trode
Glassy Carbon
SynthesisCell
Antec, Zoeterwoude, Niederlan-
de
6130 Quadrupole LC/MS
Agilent Technologies, Santa Cla-
ra, USA
Elektronische Spritze eVol
SGE Analytical Science, Ring-
wood, Australia
Elementaranalyse
TruSpec Macro CHN-Analysator
LECO Instrumente GmbH, Mön-
chengladbach, Deutschland
Extraktionshülsen MN 645, 33 x 80 mm
Macherey-Nagel GmbH & Co.
KG, Düren, Deutschland
GC/MS 7890A GC
5975c inert XL MSD
Agilent Technologies, Santa Cla-
ra, USA
Multi-purpose sampler MPS2XL
Kaltaufgabesystem KAS4
Gerstel GmbH & Co. KG, Mühl-
heim an der Ruhr, Deutschland
Gefriertrocknung GAMMA 1-16 LSC
Martin Christ Gefriertrock-
nungsanlagen GmbH, Osterode
am Harz, Deutschland
Globalstrahler 3 x UVA-340, 40 W
Atlas Material Testing Tech-
nology GmbH, Linsengericht-
Altenhaßlau, Deutschland
GPC HPLC Pumpe L 7100
Brechungsindexmesseinheit
ERC-7510
ulenthermostat L-5025
Merck-Hitachi
Horizontalschüttler HS501 digital
IKA-Labortechnik, Staufen,
Deutschland
HPLC/DAD HP-1100 Serie
Agilent Technologies, Santa Cla-
ra, USA
HPLC/HRMS 1290 Infinity Serie
6530 Accurate-Mass Q-TOF
LC/MS
Agilent Technologies, Santa Cla-
ra, USA
HPLC/MS/MS HP-1100 Serie
Agilent Technologies, Santa Cla-
ra, USA
System 1 MS API4000 SCIEX, Framingham, USA
HPLC/MS/MS 1260 Infinity Serie
Agilent Technologies, Santa Cla-
ra, USA
System 2 MS API6500 SCIEX, Framingham, USA
Ionenaustauscherharz Amberlite IR 120 H
Sigma-Aldrich Chemie GmbH,
Darmstadt, Deutschland
IR-Spektrometer Nicolet Nexus
ThermoFisher Scientific, Wal-
tham, USA
Konzentrationseinheit TurboVap II Biotage, Uppsala, Schweden
Membranfilter Supor, PES, 142 mm, 0,2 µm
Pall GmbH, Dreieich, Deutsch-
land
Niederdruck-LC Vario
LCTech GmbH, Dorfen, Deutsch-
land
19
Ozongenerator Wedeco Modular 8 HC
Xylem Water Solutions Deutsch-
land GmbH, Großostheim,
Deutschland
Papierfaltenfilter MN 960 1/4, d=150 mm
Macherey-Nagel GmbH & Co.
KG, Düren, Deutschland
MN 615, 0,16 mm, 70 gm2
pH-Meter WTW inoLab Terminal 740
Xylem Water Solutions Deutsch-
land GmbH, Großostheim,
Deutschland
pH-Papier MColorpHast
Merck KGaA, Darmstadt,
Deutschland
Pipette Research Plus 3111
Eppendorf AG, Hamburg,
Deutschland
Probenteiler PT100
Retsch Technology GmbH, Haan,
Deutschland
Reinstwasseranlage Purelab Flex 1 und 2
ELGA LabWater, Celle, Deutsch-
land
Rhönradmischer ELTE 650/RGM
J. Engelsmann AG, Ludwigsha-
fen, Deutschland
Spritzenvorsatzfilter Celluloseacetat, 0,2 µm
Carl Roth GmbH & Co. KG,
Karlsruhe, Deutschland
PTFE, 0,2 µm
Trockenschrank k. A.
Memmert GmbH & Co. KG,
Schwabach, Deutschland
Ultraschallbad PALSSONIC
Allpax GmbH & Co. KG, Papen-
burg, Deutschland
UV-Reaktor UV-Reaktorsystem 1
UV-Consulting Peschl, Mainz,
Deutschland
UV/Vis-Spektrometer BUV 121 WO Lambda PerkinElmer, Waltham, USA
Lambda 12
Zentrifuge Rotofix 32 A
Hettich Lab Technology, Tuttlin-
gen, Deutschland
Zentrifugalmühle ZM200
Retsch Technology GmbH, Haan,
Deutschland
3.3 Software
Software Version Entwickler
Analyst 1.6.2 SCIEX, Framingham, USA
ChemDraw 16.0.0.82 PerkinElmer, Waltham, USA
Design-Expert 9 Stat-Ease, Minneapolis, USA
Enhanced ChemStation
MSD ChemStation
E.02.00.493
Agilent Technologies, Santa Clara, USA
MassHunter Workstation
Software
B.04.00 Agilent Technologies, Santa Clara, USA
OpenLAB CDS Rev.C.01.05[35] Agilent Technologies, Santa Clara, USA
Origin 9.1.0G Sr2 Originlab Corporation, Northampton, USA
Roxy Dialogue 2.02.199 Antec, Zoeterwoude, Niederlande
20
Statist (Makro zu Micro-
soft Excel)
2.0, Rev. 4c AVRECON GmbH, Walldorf, Deutschland
UV WinLab 2.70.01 PerkinElmer, Waltham, USA
WinGPC Unity PSS GmbH, Mainz, Deutschland
3.4 Stamm- und Probelösungen, Puffersysteme
Für alle Arbeiten mit Organochlorpestiziden (OCP) und polychlorierten Biphenylen (PCB) wurden
die käuflich erhältlichen Stammlösungen verwendet. Diese wurden, sofern notwendig, gravime-
trisch mit Cyclohexan verdünnt um Kalibrierlösungen herzustellen. Als interner Standard diente
für diese Untersuchungen eine aus den Reinsubstanzen gravimetrisch hergestellte Mischung aus
PCB 30 und PCB 209 in Cyclohexan (je c=
25 µgg1
). Als Injektionsstandard wurde eine Lösung
von PCB 198 in Cyclohexan (c=
2 µgg1
) eingesetzt. Um den Einfluss des Zustands des GC-Liners
zu evaluieren wurde im Rahmen des OCP-Projektes eine Lösung von
13C
-4,4’-DDT,
13C
-4,4’-DDD,
13C
-4,4’-DDE,
13C
-
α
-Hexachlorcyclohexan,
13C
-Hexachlorbenzol und
13C
-Dieldrin (je
2 µgmL1
in Cyclohexan) als interner Standard genutzt.
Durch Lösen authentischer Standards von Propiconazol und Difenoconazol in Methanol wurden
Stammlösungen (c=
1 mgmL1
) hergestellt. Diese wurden entweder direkt verwendet oder es
wurden daraus durch weiteres Verdünnen mit Methanol Dotierlösungen (c=
10 µgmL1
) erzeugt.
Der interne Standard (c=
2,5 µgmL1
) wurde aus uflich erworbenen Lösungen deuterierten
Propiconazols und Difenoconazols durch Verdünnen mit Methanol hergestellt.
Sofern nicht anders angegeben, wurden Arbeitslösungen wie folgt hergestellt: In einem Maßkolben
wird methanolische Analytlösung vorgelegt und das Lösungmittel im Stickstoffstrom entfernt.
Reinstwasser in entsprechender Menge wird zugegeben und die Lösung in einem Ultraschallbad be-
handelt (
15 min
). Nach Abkühlen auf Raumtemperatur kann die Lösung direkt umgesetzt werden.
Sofern notwendig, werden zu diesem Zeitpunkt Huminstoffe oder Schwebstoffe (
SPM
) zugefügt
und die Lösung
24 h
bei Raumtemperatur equilibriert. Für Umsetzungen mit Huminstoffisolaten
wurden, sofern nicht anders angegeben, solche verwendet, die aus gefriergetrocknetem Material
gewonnen wurden.
Für einige Experimente wurden Pufferlösungen verwendet. Ihre Zusammensetzung ist Tabelle 6 zu
entnehmen. Sofern nicht anders angegeben wurden die Puffer stets mit einer Molarität von 50 mM
eingesetzt. Die pH-Werte wurden mit verdünnter Salzsäure und Natronlauge (je 0,1 M) eingestellt.
Die Zusammensetzung der verwendeten Puffersysteme wurde der Literatur entnommen102
Tabelle 6: Verwendete Puffersubstanzen und zugehörige pH-Werte.
pH Puffersystem Puffersubstanzen
5 Acetatpuffer Ammoniumacetat, Essigsäure
7 Carbonatpuffer Natriumhydrogencarbonat
9 Ammoniakpuffer Ammoniumacetat, Ammoniak
3.5 Modellböden
3.5.1 Herstellung
Die vier Modellböden unterschiedlichen
TOC
-Gehaltes wurden aus Biogutfertigkompost (Fest-
stoffvergärung, nachgerottet, gesiebt
<2 mm
, TOC=16,1 %) und RefeSol 01-A
103
(schluffiger Sand,
21
TOC=0,9 %) hergestellt. Alle Ausgangsmaterialien waren blindwertfrei in Bezug auf die Zielanaly-
ten, eine Belastung der Böden wurde durch Aufstockung erreicht. Dazu wurden die entsprechenden
Feststoffe (Tabelle 7) in Aceton (
100 mL
) gelöst und zu einer Suspension von Kompost (
200 g
) in
Aceton dotiert. Diese Mischung wurde mit perforierter Aluminiumfolie bedeckt und zwei Wochen
lang an der Luft getrocknet. Anschließend wurde der so dotierte Kompost in vier Anteile gleichen
Gewichts geteilt und mit verschiedenen Mengen unbelastetem Kompost und RefeSol 01-A ver-
schnitten (Tabelle 8). Die dotierten Gehalte wurden zur Bestimmung von Wiederfindungsraten
auf 100 % gesetzt. Die
TOC
-Gehalte der Modellböden wurden im Service durch Dr. P. Hoelzmann
(Freie Universität Berlin) nach Vogel et al.104 bestimmt und sind in Tabelle 8 aufgelistet.
Tabelle 7: Gehalte der dotierten Analyten im Boden und zugeordnete Analytgruppe.
Name Gehalt /mgkg1zugeordnete Analytgruppe
2,4’-DDT 7,07 DDX
4,4’-DDD 8,38
4,4’-DDE 5,38
4,4’-DDT 10,28
Methoxychlor 4,91
a-Endosulfan 6,40
Aldrin 3,17
Dieldrin 2,54
Hexachlorbenzol 5,89
a-Hexachlorcyclohexan 2,60 HCH
b-Hexachlorcyclohexan 1,74
g-Hexachlorcyclohexan 3,98
PCB 101 0,42 PCB
PCB 118 0,38
PCB 138 0,24
PCB 153 0,17
PCB 180 0,27
PCB 28 0,28
PCB 52 0,23
3.5.2 Homogenität, Charakterisierung und Qualitätssicherung
Die Modellböden wurden
24 h
lang in einem Rhönradmischer gemischt. Danach erfolgte die
statistische Homogenisierung unter Zuhilfenahme eines Probenteilers mit dem Cross-Riffling-
Verfahren. Auf diese Weise wurden 56 Flaschen zu je etwa
42 g
Boden generiert. Vier davon
wurden für die notwendigen Homogenitätsuntersuchungen ausgewählt. Dabei wurden aus jeder
Flasche drei Proben nach DIN ISO 1038298 mit anschließender gaschromatografischer Detektion
untersucht. Die Homogenität der Materialien wurde mit Hilfe der Varianzanalyse (
ANOVA
)
bewertet. Vor Beginn der Extraktionskampagne wurde zudem ein zertifiziertes Referenzmaterial
(ERM-007a) nach DIN ISO 10382 aufgearbeitet. Somit konnte nachgewiesen werden, dass sowohl
die Extraktion, als auch das Clean-Up und die anschließende Messung zur Durchführung der
Arbeiten geeignet waren. Für die Dauer des Projektes wurde jede Woche eine Kontrollprobe
analysiert. Als ein Maß der Reproduzierbarkeit wurde die mittlere Standardabweichung der
ermittelten Analytgehalte herangezogen. Diese betrug 13,5 %. Da derselbe Wert bezogen auf
die Homogenitätsstudien bei 8,1 % lag, konnte so auf die Wiederholbarkeit geschlossen werden.
Außerdem konnte dadurch sichergestellt werden, dass die Proben für den Untersuchungszeitraum
als stabil anzusehen sind. Für die Extraktionsuntersuchungen wurden alle Experimente vierfach
22
unter Wiederholbedingungen durchgeführt. Die Kalibrierung, die die Quantifizierung ermöglichte,
bestand aus 12 Punkten, von denen pro Messtag jeweils zwei rekalibriert wurden. Der Zustand
des chromatografischen Systems wurde anhand der Fläche des Signals des Injektionsstandards
PCB 198 bewertet. Sofern ein kritischer Wert erreicht oder 100 Injektionen überschritten wurden,
wurde der GC-Liner ausgetauscht.
Tabelle 8:
Gravimetrische Zusammensetzung der Modellböden aus TOC-armem RefeSol 01-A,
TOC-reichem Kompost und dotiertem Kompost sowie experimentell ermittelter TOC-
Gehalt.
m (RefeSol 01-A) /gm (Kompost) /gm (belasteter Kompost) /gTOC /%
2274 76 50 1,6±0,2
1654 696 50 5,0±0,5
910 1440 50 9,2±0,5
166 2184 50 13,3±0,4
3.6 Statistik
Für die Untersuchungen zur Extrahierbarkeit von
OCP
und
PCB
wurden die Daten auf Normalität,
Schiefe und Kurtosis geprüft. Zur Bestimmung von Ausreißern wurde der Grubbs-Test verwendet.
Sofern Ausreißer identifiziert wurden, wurden sie dennoch als Charakteristikum eines Bodens oder
einer Methode in die statistischen Betrachtungen einbezogen. Es wurden der Mittelwert, Median,
Standardabweichung vom Mittelwert und die mittlere absolute Abweichung vom Median als ein
Maß der Streuung des Medians berechnet. Weiterhin wurde eine hierarchische Clusteranalyse über
die Extraktionsmethoden durchgeführt. Dabei wurden der Euklidische Abstand und das Ward-
Verfahren genutzt. Datensätze, die deutliche Überbefunde und eine offensichtlich nicht normale
Verteilung aufwiesen, wurden von der Clusteranalyse ausgeschlossen. Für die in Abbildung 17
(Abschnitt 4.1) dargestellte Clusteranalyse betrifft dies PCB 28, PCB 52, PCB 138, Dieldrin und
Methoxychlor.
3.7 Extraktionsmethoden und Clean-Up
3.7.1 Boden
Für die Entwicklung einer effektiven Methode zur Extraktion vorwiegend unpolarer Analyten
(
OCP
und
PCB
) aus Boden wurde die Leistungsfähigkeit der beschleunigten Lösungsmittelextrak-
tion (nachfolgend als ASE bezeichnet), Soxhletextraktion (
Sox
) und Varianten der Fest-Flüssig-
Extraktion (
FFE
) verglichen. Jede Analyse wurde mit 10 g Boden durchgeführt, der zuvor mit
internem Standard (V=
500 µL
, Zugabe mit elektronischer Spritze) versetzt wurde. Eine Zusam-
menfassung der Extraktionsparameter ist in Tabelle 9 zu finden.
3.7.1.1 Beschleunigte Lösemittelextraktion
Eine Bodenprobe wurde in eine
22 mL ASE
-Zelle
eingewogen, wobei interner Standard zugegeben wurde. Anschließend wurde, wie in Tabelle 9 ange-
geben, extrahiert. Das erhaltene Extrakt wurde mit vollentsalztem Wasser (VE-Wasser) gewaschen
(2 x
400 mL
), die organische Phase über Natriumsulfat getrocknet, filtriert und im Stickstoffstrom
auf
5 mL
eingeengt. Ein Aliquot (
100 µL
) wurde weiter aufgereinigt, wie unter 3.7.1.5 beschrie-
ben.
23
Tabelle 9:
Übersicht über die verwendeten Methoden zur Extraktion von Boden, verwendete Lö-
sungsmittel und Parameter.
Methode Lösungsmittel Parameter
ASE Aceton/Cyclohexan 2/1 v/v
zwei Zyklen,
100 C
,
140 bar
,
10 min stationäre Phase
Sox
Aceton/Cyclohexan 1/1 v/v
(100 mL)
6 h
DIN 10382 (FFE) 1 x Aceton (50mL, 15 min),
2 x Cyclohexan (50 mL, 15 min)
Schütteln mit 300 min−1
FFE-Varianten 1 x Aceton (50mL, 30 min),
1 x Cyclohexan (50 mL),
1 x Nachspülen mit Cyclohexan
(50 mL) mit Cyclohexan (5mL)
Dauer des zweiten Extrakti-
onsschrittes betrug 1, 3, 6
oder 16 h
Schütteln mit 300 min−1
3.7.1.2 Soxhlet-Extraktion
In eine Soxhlet-Extraktionshülse wurde eine Bodenprobe eingewo-
gen und mit internem Standard versetzt. Nach Einsatz in einen Soxhlet-Aufbau wurde das Lösungs-
mittelgemisch zugefügt und zum Rückfluss erhitzt. Die Extraktionsparameter sind in Tabelle 9
dargestellt. Nach dem Beenden der Extraktion wurde das Extrakt wie unter 3.7.1.1 beschrieben,
weiter behandelt.
3.7.1.3 FFE nach DIN ISO 10382
Eine Bodenprobe, interner Standard und Aceton wurden in
einen
250 mL
Erlenmeyerkolben gegeben und
15 min
bei
300 min−1
geschüttelt. Anschließend
wurde Cyclohexan zugefügt und erneut geschüttelt. Die überstehende Lösung wurde in einen
Scheidetrichter überführt und der Bodensatz erneut mit Cyclohexan extrahiert. Die organischen
Extrakte wurden vereinigt und wie in Abschnitt 3.7.1.1 erläutert, weiter behandelt.
Dieses Verfahren wurde ebenfalls zur Extraktion der Triazolfungizide Difenoconazol und Propico-
nazol aus Boden verwendet. Die ermittelten Wiederfindungen und Standardabweichungen für den
Einsatz von
1 µg
Analyt pro
10 g
Boden (Kompost, siehe 3.5.1) sind in Tabelle 10 wiedergegeben.
Sofern Transformationsprodukte bestimmt werden sollten, wurde kein interner Standard dotiert
und die Proben schließlich mit der unter 3.12.1.2 erläuterten Methode analysiert.
Tabelle 10:
Wiederfindung der Triazolfungizide aus Boden (
1 µg
pro
10 g
Boden) bei Detektion mit
GC/MS. Die Werte wurden relativ in Bezug auf den internen Standard ermittelt. Die
römischen Ziffern bezeichnen die zwei Diastereomerenpaare der Analyten (siehe auch
3.12.1.2).
Analyt Wiederfindung /%
Propiconazol I 105,7±1,9
Propiconazol II 99,8±5,1
Difenoconazol I 115,0±17,1
Difenoconazol II 118,2±8,2
3.7.1.4 FFE-Varianten
In einen
250 mL
Erlenmeyerkolben wurde eine Bodenprobe gegeben, mit
internem Standard dotiert und mit Aceton versetzt. Die Mischung wurde
30 min
lang bei
300 min−1
geschüttelt. Nachfolgend wurde Cyclohexan zugegeben und wiederum extrahiert. Die Länge des
zweiten Extraktionsschrittes variierte (Tabelle 9). Schließlich wurde die überstehende Lösung in
einen Scheidetrichter dekantiert und wie für 3.7.1.1 beschrieben, weiter verfahren.
24
3.7.1.5 Clean-Up
Aluminiumoxid wurde ausgeheizt (
5 h
,
150 C
). Nach dem Abkühlen in einem
Exsikkator wurde es mit 10 wt-% Wasser versetzt und einen Tag unter Luftausschluss gelagert.
Für die Festphasenextraktion wurden
2 g
des desaktiverten Aluminiumoxid in eine
6 mL
Glas-
kartusche, die über eine Polyethylenfritte verfügte, eingewogen. Ein Aliquot des Extraktes wurde
auf das trockene Sorbens aufgegeben und mit Cyclohexan (V=
20 mL
) eluiert. Das so gereinigte
Extrakt wurde im Stickstoffstrom auf
1 mL
eingeengt und in ein GC-Vial überführt. Gegebenenfalls
wurde Injektionsstandard (V=
100 µL
) dotiert und die Probe mit Hilfe der GC/MS vermessen
(Tabelle 15).
3.7.2 Wässrige Lösungen
3.7.2.1 Extraktion
Proben aus mikrobiologischer Umsetzung wurden in 15 mL-Vials über-
führt. Nach diesen vorbereitenden Arbeiten wurde zu einer wässrigen Probe interner Standard
(V=
100 µL
) dotiert. Danach wurde zuerst mit Ethylacetat und anschließend mit Cyclohexan extra-
hiert (je
10 mL
bei
50 mL
Probevolumen bzw.
750 µL
(Mikrobiologie) bei
1,5 mL
Probevolumen,
bzw.
100 µL
(Ozonung, Chlorung, UV-Bestrahlung), Extraktionsdauer jeweils
15 min
). Die orga-
nische Phase wurde von der wässrigen abgetrennt und über Natriumsulfat getrocknet. Sofern
notwendig wurden die Extrakte im Stickstoffstrom eingeengt (V=
1 mL
). Alle so vorbereiteten
Proben wurden mit GC/MS analysiert (Tabelle 16). Für die Extraktion von
50 mL
wässriger Lösung
wurde die Wiederfindung der Methode (
1 µg
Analyt in
50 mL
Wasser) bestimmt. Die Ergebnisse
sind Tabelle 11 zu entnehmen.
Die Extraktion zum Zweck der qualitativen Analyse von Transformationsprodukten wurde analog
durchgeführt. In diesem Fall wurde jedoch das gesamte restliche Volumen der Probelösung extra-
hiert und kein interner Standard dotiert. Solche Proben wurden mit der in 3.12.1.2 beschriebenen
Methode analysiert.
Tabelle 11:
Wiederfindung der Triazolfungizide aus wässrigen Lösungen (
1 µg
pro
50 mL
) gemessen
mit GC/MS. Die Werte wurden relativ in Bezug auf den internen Standard ermittelt.
Die römischen Ziffern bezeichnen die zwei Diastereomerenpaare der Analyten (siehe
auch 3.12.1.2).
Analyt Wiederfindung /%
Propiconazol I 102,6±3,0
Propiconazol II 97,9±1,6
Difenoconazol I 91,2±4,7
Difenoconazol II 89,0±5,3
3.8 Isolierung von Huminstoffen
Huminstoffe wurden nach einer modifizierten Methode der International Humic Substances
Society (
IHSS
) isoliert.
105
Es wurde derselbe Kompost wie unter 3.5.1 verwendet. Das verwendete
SPM
stammte aus der Elbe bei Blankenese und wurde von Mathias Ricking (Freie Universität
Berlin, Umweltbundesamt) zur Verfügung gestellt. Dieses Material wurde entweder an der Luft,
im Trockenschrank bei 105C oder gefriergetrocknet eingesetzt.
Eine Feststoffprobe (40g) wurde in einem Erlenmeyerkolben vorgelegt und mit Salzsäure
(c=
1 molL1
) auf pH=1 eingestellt. Dann wurde soviel verdünnte Salzsäure (c=
0,1 molL1
) zugege-
ben, dass ein Gesamtvolumen von V=
400 mL
erreicht wurde. Diese Suspension wurde geschüttelt
(
1 h
,
300 min1
), der Überstand durch Zentrifugation abgetrennt und zur weiteren Bearbeitung
25
aufgehoben („FA Extrakt 1”). Der Bodensatz wurde durch Zugabe von Natronlauge (c=
1 molL1
)
neutralisiert und das Gesamtvolumen anschließend mit verdünnter Natronlauge (c=
0,1 molL1
)
auf V=
400 mL
aufgefüllt. Es wurde erneut extrahiert (
4 h
,
300 min1
) und die Suspension anschlie-
ßend über Nacht stehen gelassen. Der Bodensatz wurde durch Zentrifugation abgetrennt und im
Trockenschrank (
105 C
) getrocknet. Die verbleibende Lösung wurde zweifach über einen Mem-
branfilter abfiltriert und anschließend unter Rühren auf pH=1 eingestellt. Auch diese Suspension
ließ man über Nacht absitzen. Das Präzipitat wurde durch Zentrifugation von der überstehen-
den Lösung abgetrennt und gefriergetrocknet. Die Lösung („FA Extrakt 2”) wurde zur weiteren
Bearbeitung aufbewahrt (Raumtemperatur, dunkel).
Der Überstand „FA Extrakt 1” wurde auf eine mit DAX-8-Harz befüllte Niederdruck-LC-Säule
aufgegeben (
8 mL
Bettvolumen, Aufgabe mit
4 mLmin1
). Die beladene ule wurde anschließend
mit Reinstwasser (
6 mL
) gespült. Nun wurden die Säulenanschlüsse vertauscht und das Sorbens
zunächst mit Natronlauge (c=
0,1 molL1
,
8 mL
) und daran anschließend mit Reinstwasser (
25 mL
)
rückeluiert. Das Eluat wurde sofort mit konzentrierter Salzsäure auf pH=1 eingestellt. Dieser
Vorgang zur Aufreinigung wurde ebenso für „FA Extrakt 2” wiederholt. In diesem Fall wurden die
Flussraten und Volumina, wie in Tabelle 12 dargestellt, angepasst. Die aufgereinigten Lösungen von
„FA Extrakt 1” und „FA Extrakt 2” wurden vereinigt und die Prozedur damit, wie für „FA Extrakt 2”
beschrieben, wiederholt. Das Eluat wurde anschließend über eine Ionenaustauschersäule gegeben
und die erhaltene Lösung gefriergetrocknet.
Mit DAX-8-Harz befüllte Säulen wurden vor erneutem Gebrauch mit Salzsäure (c=
0,1 molL1
)
gespült.
Tabelle 12:
Verwendete Parameter bei der GPC-Aufreinigung der fulvinsäurehaltigen Extrakte „FA
Extrakt 1” und „FA Extrakt 2”.
Parameter FA Extrakt 1 FA Extrakt 2
Bettvolumen 8 mL 53 mL
Flussrate 4 mLmin112 mLmin1
Waschvolumen 6 mL 35 mL
Elutionsvolumen NaOH 8 mL 55 mL
Elutionsvolumen H2O 25 mL 100 mL
3.8.1 Charakterisierung von Böden und Huminstoffen
Die CHN-Gehalte der Böden und isolierten Bodenbestandteile wurden durch den FB 1.7 der
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (
BAM
) im Service bestimmt. Die Bestimmung
des Boden-pH-Wertes erfolgte nach DIN ISO 10390.
106
Für spektroskopische Untersuchungen
mit abgeschwächte Totalreflexion-Fourier-Transform-Infrarotspektroskopies (
ATR-FTIR
s) wurden
die Isolate direkt eingesetzt. Die Extinktion im UV/Vis-Bereich wurde von wässrigen Lösungen
(c=0,2 mgmL1) bestimmt.
3.9 Methoden der oxidativen Transformation
3.9.1 Umsetzungen mit Fentonreagenzien in Wasser
Zur Optimierung der Reagenzienkonzentration und Bestimmung von Reaktionsgeschwindig-
keitskonstanten wurde zunächst eine Lösung von Triazolfungiziden (V=
300 mL
, c=
4 mgL1
) mit
26
Hilfe von konzentrierter Schwefelsäure auf pH=3 eingestellt. Nach Zugabe einer frisch herge-
stellten Eisen(II)sulfat-Lösung (c=
0,1 molL1
, Zugabe über Eppendorfpipette) wurde ein Aliquot
entnommen und mit Natriumhydroxidlösung (c=
0,1 molL1
) neutralisiert. Nun wurde Wasserstoff-
peroxidlösung zugefügt (Eppendorfpipette) und nach 5, 10, 15, 30 und 60 min jeweils ein weiteres
Aliquot entnommen. Diese wurden wiederum neutralisiert und überschüssiges Oxidationsmittel
durch Zugabe von Mangandioxid entfernt. Eine Übersicht der eingesetzten Reagenzienkonzentra-
tionen ist Tabelle 13 zu entnehmen. Zur Bestimmung der Transformationsprodukte wurden die
Versuche analog unter Einsatz von
6 µL
Eisen(II)sulfat (c=
1 molL1
) und
6,1 µL
Wasserstoffper-
oxidlösung (30 %) bei einem Gesamtvolumen von V =
250 mL
durchgeführt. Die Reaktion wurde
nach 60 min abgebrochen und die Lösung wie unter 3.7.2.1 beschrieben aufgearbeitet.
Zur Bestimmung der Bildungsrate von Hydroxylradikalen wurde eine Lösung von Terephthalsäure
in Reinstwasser (c=
5,33 µgmL1
, V=
300 mL
) eingesetzt. Die Durchführung erfolgte analog. Dabei
wurden V=
65 µL
Eisen(II)sulfat-Lösung (c=
0,1 molL1
) und V=
6,58 µL
Wasserstoffperoxid (30 %)
verwendet. Entnommene Aliquote wurden direkt wie unter 3.12.2.2 dargestellt, analysiert.
Tabelle 13:
Übersicht über die durchgeführten Versuche zur Optimierung der eingesetzten Fenton-
reagenzien.
n(Fe2+) /µmol n(H2O2) /µmol Verhältnis Analyt:Fe2+:H2O2
0,65 µmol 3,25 µmol 1:0.2:1
16,25 µmol 1:0.2:5
32,50 µmol 1:0.2:10
65,00 µmol 1:0.2:20
162,50 µmol 1:0.2:50
3,25 µmol 3,25 µmol 1:1:1
16,25 µmol 1:1:5
32,50 µmol 1:1:10
65,00 µmol 1:1:20
162,50 µmol 1:1:50
6,50 µmol 3,25 µmol 1:2:1
16,25 µmol 1:2:5
32,50 µmol 1:2:10
65,00 µmol 1:2:20
162,50 µmol 1:2:50
13,00 µmol 3,25 µmol 1:4:1
16,25 µmol 1:4:5
32,50 µmol 1:4:10
65,00 µmol 1:4:20
162,50 µmol 1:4:50
32,50 µmol 3,25 µmol 1:10:1
16,25 µmol 1:10:5
32,50 µmol 1:10:10
65,00 µmol 1:10:20
162,50 µmol 1:10:50
3.9.2 Umsetzung mit Fentonreagenzien in Boden
RefeSol 01-A und Kompost wurden wie unter 3.5.1 beschrieben mit Triazolfungiziden dotiert (je
1 µg
auf
10 g
Boden). Eine Bodenprobe (
10 g
) wurde in
VE-Wasser
(
50 mL
) aufgerührt, mit kon-
27
zentrierter Schwefelsäure auf pH=3 eingestellt und Eisen(II)sulfat-Heptahydratlösung (V=
100 µL
,
c=
1 molL1
) zugegeben. Eine Probe wurde bereits zu diesem Zeitraum gequencht. Durch Hinzu-
fügen von Wasserstoffperoxid (V=
100 µL
, 30 %ig) zu den aufgeschlämmten Bodenproben wurde
die Umsetzung initiiert. Nach 5, 10, 30 und 60 bzw. 30, 60, 120 und 180 min wurde die Reaktion
durch Zugabe von konzentrierter Schwefelsäure abgebrochen. Die wässrige Phase wurde abde-
kantiert und die feste Phase an der Luft getrocknet. Beide Phasen wurden getrennt, wie unter
3.7.1.3 und 3.7.2.1 beschrieben, aufgearbeitet. Für alle Versuche wurden drei Replikate unter
Wiederholbedingungen angefertigt.
3.9.3 Elektrochemie
Die Experimente zur elektrochemischen Umsetzung wurden mittels eines Potentiostaten auf
zwei Arten durchgeführt. Versuche, bei denen erzeugte Transformationsprodukte direkt analy-
siert wurden (online-System), wurden mit Hilfe der in Abbildung 8 dargestellten Durchfluss-
zelle durchgeführt. Diese besteht aus einer Referenz-, einer Gegen- und einer variablen Arbeits-
elektrode (Magic Diamond, Glassy Carbon). Die Triazolfungizidlösung (c=
25 µgmL1
in Me-
thanol/Ammoniumacetat (25 mM) 1/1 v/v) wurde mit einer Spritzenpumpe in die Zelle und
anschließend in einen Massenanalysator geleitet (Methode in Abschnitt 3.12.3). Der Fluss wurde
in Abhängigkeit der Signalintensität reguliert. Die Spannung des Potentiostaten wurde mit einer
Rate von
20 mVs1
im Rahmen eines voreingestellten Potentials zyklisch variiert (Scan-Modus,
Offset 0 %, Datenrate 1 Hz).
Für Versuche bei denen die Analyten über einen längeren Zeitraum elektrochemisch behandelt wer-
den sollten, wurde eine Synthesezelle verwendet (Batch-Versuche). Dazu wurde die Analytlösung
(c=
100 µgmL1
, V=
80 mL
in Methanol) in der Zelle vorgelegt, gerührt und eine Spannung angelegt,
die während des Versuchszeitraumes konstant gehalten wurde (DC-Modus). Nach Beendigung
der Reaktion wurde die Reaktionslösung im Stickstoffstrom auf
1 mL
eingeengt und mit Hilfe der
GC/MS analysiert.
Zur Bestimmung der Bildungsrate von Hydroxylradikalen wurde eine Lösung von Terephthal-
ure in Reinstwasser (c=
5,33 µgmL1
, V=
80 mL
) eingesetzt. Die Durchführung erfolgte analog.
Entnommene Aliquote wurden wie unter 3.12.2.2 dargestellt, analysiert.
Abbildung 8:
Schematische Anordnung der Komponenten, die bei elektrochemischen Untersu-
chungen verwendet wurden (online-Modus). Die Abbildung der Zelle wurde aus
107
entnommen und bearbeitet.
28
3.10 Durchführung technischer Transformationsreaktionen
3.10.1 Chlorung
Vor Beginn der Untersuchungen wurde der Gehalt an freiem Chlor in der zu verwendenden
Natriumhypochloritlösung mittels iodometrischer Titration nach DIN EN ISO 7393
108
zu 5 %
bestimmt.
Aus einer Lösung der Triazolfungizide in Reinstwasser (je c=
0,02 mgL1
, V=
300 mL
) wurde ein
Aliquot (V=
50 mL
) entnommen. Nun wurde Natriumhypochloritlösung dotiert (V=
2 µL
-
10 mL
,
c=
0,4 µgmL1
-
241 µgmL1
) und nach 5, 10, 30 und 60 min jeweils erneut ein Aliquot entnommen,
zu dem ein Überschuss Natriumsulfit gegeben wurde. Die Proben wurden wie unter 3.7.2.1
beschrieben aufgearbeitet.
3.10.2 Ozonung
Die Untersuchungen zum Abbau der Triazolfungizide unter Einfluss von Ozon wurden an der
Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Wassreinhaltung, durchgeführt. Der Aufbau der zur
Produktion des Ozonstarkwassers verwendeten Vorrichtung ist in Abbildung 9 dargestellt. Der
Ozongenerator wurde mit Sauerstoffbetrieben. Der Gasfluss des in die Apparatur einströmenden
Ozons wurde auf
140 Lh1
reguliert. Das entstehende Ozon wurde in einen auf
4C
gekühlten
Wasserbehälter (V=
4 L
), welcher mit einem Probenahmekreislauf ausgestattet war, unter Rühren
eingeleitet. Überschüssiges Ozon wurde über ein angeschlossenes Katalysatorsystem vernichtet. Der
Ozongehalt im Starkwasser wurde mit Hilfe der Indigomethode
109
direkt vor Zugabe bestimmt.
Von einer Lösung von Triazolfungiziden (je c=
4 µgmL1
in Puffer, Reinstwasser oder Oberflä-
chenwasser aus dem Teltowkanal (aus methanolischer Analytlösung dotiert) wurde ein Aliquot
(V=
1 mL
) abgenommen. Anschließend wurde Ozonstarkwasser (V=
30 mL
) zugegeben und nach 2,
5, 10 und 15 min weitere Proben entnommen. Alle Proben wurden sofort mit Natriumsulfit ver-
setzt und dann, wie unter 3.7.2.1 beschrieben, aufgearbeitet oder direkt mit LC/MS/MS analysiert
(Tabelle 20). Alle Versuche zur Umsetzung mit Ozon wurden dreifach durchgeführt.
Abbildung 9:
Schematischer Aufbau der Vorrichtung, die zur Herstellung von ozonangereichertem
Starkwasser verwendet wurde.
29
3.10.3 Bestrahlung wässriger Lösungen
Für die Versuche unter dem Einfluss simulierter Globalstrahlung (simulierte Umweltbedingun-
gen) wurde ein Aufbau aus drei UVA-Leuchtstoffröhren verwendet, die in einem Plexiglasschrank
angeordnet wurden (Abbildung 10). Ein Spektrum der Strahlungsquellen kann in Abbildung 11
gefunden werden. Mittels Aktinometrie
110
wurde der Photonenfluss zu
2,65 ×107Es1
bestimmt.
Für Versuche mit wässrigen Lösungen (je V=
50 mL
, c=
0,02 mgL1
) wurden sechs einzelne Re-
aktionsgefäße (d=
11,5 cm
, Abstand zur Strahlungsquelle konstant, etwa
30 cm
) verwendet. Die
Probenahme erfolgte nach 0, 1, 2, 3, 4 und 5 h. Die umgesetzten Lösungen wurden in Erlenmeyer-
kolben überführt und wie unter 3.7.2.1 beschrieben aufgearbeitet. Zeitgleich wurde eine zweite
Lösung gleicher Zusammensetzung, die nicht bestrahlt wurde, ebenso beprobt, um so auf etwaig
auftretende Adsorptionseffekte zu schließen.
Abbildung 10:
Anordnung der UVA-Leuchtstoffröhren in einer Plexiglaseinhausung zu einem
UV-Kabinett.
Abbildung 11: Spektren der verwendeten UVA-Leuchtstoffröhren.
Die Versuche unter technischen Bedingungen wurden in einem UV-Reaktorsystem, das auf
10 C
gekühlt wurde und mit einer Mitteldruck-Quecksilberdampflampe ausgestattet war, durchgeführt.
Der schematische Versuchsaufbau ist in Abbildung 12 dargestellt. Ein Emissionsspektrum der
verwendeten Lampe kann in Abbildung 13 gefunden werden. Durch Aktinometrie
110
konnte der
Photonenfluss zu
5,03 ×106Es1
bestimmt werden. Eine wässrige Lösung eines Triazolfungizids
(V=
300 mL
, c=
4 mgL1
, aus methanolischer Analytlösung dotiert) wurde in das Reaktorsystem
eingebracht und unter Rühren gekühlt. Nach Entnahme eines Aliquotes (
1 mL
) wurde die Strah-
lungsquelle eingeschaltet. Weitere Aliquote wurden nach 1, 5, 10, 20, 30, 40, 50, 60 bzw. 1, 5, 10, 15,
20 und 30 min entnommen und mittels LC/MS/MS System 1 analysiert (Methode Tabelle 20). Die
30
restliche Lösung wurde, wie unter 3.7.2.1 wiedergegeben, weiter aufgearbeitet und mit GC/MS ana-
lysiert (Methode Tabelle 16). Die Versuche wurden jeweils zwei Mal unter Wiederholbedingungen
durchgeführt.
Zur Bestimmung der Bildungsrate von Hydroxylradikalen wurde eine Lösung von Terephthal-
ure in Reinstwasser (c=
5,33 µgmL1
, V=
80 mL
) eingesetzt. Die Durchführung erfolgte analog.
Entnommene Aliquote wurden direkt wie unter 3.12.2.2 dargestellt, analysiert.
Abbildung 12: Aufbau des verwendeten UV-Reaktors.
Abbildung 13:
Spektrum der Mitteldruck-Quecksilberdampflampe im Abstand von
8 cm
und
18 cm.
3.10.4 Bestrahlung von dotiertem Boden
Zu bestrahlende Bodenproben wurden direkt in den Reaktionsgefäßen, wie unter 3.5.1 erläutert,
dotiert. Jeweils drei Proben wurden ohne Bestrahlung bzw. nach
5 h
Bestrahlung nach 3.7.1.3
extrahiert und mit GC/MS analysiert (Methode Tabelle 16).
31
3.10.5 Mikrobiologische Umsetzungen
Untersuchungen zu einem Bakterienstamm umfassten stets je dreifache Wiederholungen von
Ansätzen mit aktiver Biomasse und Analyt, mit inaktiver Biomasse (Inaktivierung durch Zusatz
von 25 mM NaN3) und Analyt sowie eine Nullkontrolle, die nur Analyt und keine Biomasse enthielt.
Alle Bearbeitungsschritte wurden unter sterilen Bedingungen durchgeführt. Zu LSM2-Medium
111
(
50 mL
, 75 mM HEPES, pH = 7.2, modifiziert nach Schmidt et al.
112
) wurden Spurenelementlösung
SL 9,
113
Vitaminlösung nach Schlegel
114
sowie fünf Tage gewachsene Bakterienvorkultur (
500 µL
,
entfällt im Fall der Nullkontrolle) pipettiert. Nun wurde Analytlösung (c(Ansatz)=
1 µgmL1
,
aus methanolischer Lösung dotiert) zugegeben, eine Startprobe entnommen (
1,5 mL
) und die
Kulturen inkubiert (Raumtemperatur,
100 min1
). Nach 1, 2, 3 und 4 Wochen wurden weitere
Aliquote entnommen. Solche Proben, die Triazolfungizide enthielten, wurden wie unter 3.7.2.1
beschrieben aufgearbeitet. Diclofenac- oder Carbamazepin-haltige Proben wurden über einen
Spritzenvorsatzfilter steril abfiltriert, um den Faktor 100 bzw. 1000 mit Reinstwasser verdünnt
und mittels LC/MS/MS System 2 analysiert (Methode Tabelle 25 und Tabelle 27).
3.11 Untersuchungen zu Mikroplastik
3.11.1 Eingesetzte Materialien
Die verwendeten Mikroplastiken (MP) aus
PA6
,
PP
und
PS
stammten aus abgeschlossenen Projek-
ten des FB 5.3 der
BAM
(Dr. Braun) oder wurden von PlasticsEurope (Frankfurt, Deutschland) zur
Verfügung gestellt. Alle Materialien lagen als Granulate (
3 mm
bis
5 mm
Durchmesser) und frei
von jeglichen Additiven, wie z.B. Antioxidatien und Flammschutzmittel, vor.
Für weitergehende Versuche wurde
PA6
künstlich gealtert. Dazu wurden die Pellets in Salzsäu-
re (12 %) und Aceton (20 % Volumenanteil) eingelegt.
115
Nach einer Einwirkdauer von
24 h
wurde abfiltriert, mit Natronlauge neutralisiert und so lange mit Reinstwasser gewaschen, bis
die Waschlösung neutral reagierte. Anschließend wurde das Material getrocknet (
80 C
,
24 h
).
Das so behandelte Material wurde mit Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (
FTIR
), dyna-
mischer Differenzkalorimetrie (DSC) und Gelpermeationschromatografie (
GPC
) analysiert (Ab-
schnitt 3.12.4).
Ein Teil der
PP
-Granulate wurde durch den FB 4.3 der
BAM
gemahlen und für dieses Teilprojekt
zur Verfügung gestellt. Das Zermahlen der Pellets erfolgte unter Kühlung (
196 C
) mit Hilfe einer
Zentrifugalmühle (
16000 min1
), die mit einem Ringsieb (
2 mm
) ausgestattet war. Die anschlie-
ßende Siebanalyse ergab, dass etwa 55 % der Partikel eine Größe zwischen
2,0 mm
bis
0,6 mm
aufwiesen. Etwa 40 % waren zwischen
0,6 mm
bis
0,2 mm
groß und ca. 5 % waren kleiner als
0,2 mm.
3.11.2 Statistischer Versuchsplan
Versuche mit jeder
MP
wurden jeweils unter Variation der Parameter pH-Wert (6, 8), Salinität (0.1 %,
3.5 %) und Wasserbewegung (
0 min1
,
240 min1
) durchgeführt (Tabelle 14). Diese drei Parameter
wurden zusammen mit den fünf Mikroplastiken in Design Expert als vollständiges faktorielles
Design implementiert. Dieses wurde über
ANOVA
ausgewertet, wobei die experimentell ermittelte
Sorption den Zielwert darstellte.
32
Tabelle 14:
Übersicht zu den mit Mikroplastiken durchgeführten Versuchen und der Variation der
Parameter.
Versuch pH Salinität /% Bewegung /min1
A 6 0,1 0
B 6 0,1 240
C 8 0,1 0
D 8 0,1 240
E 6 3,5 0
F 6 3,5 240
G 8 3,5 0
H 8 3,5 240
3.11.3 Sorptionsversuche
Alle Versuche zur Sorption von Difenoconazol wurden zweifach durchgeführt. Die Sorption
an die Polymermaterialien wurden als Differenz aus Gesamtsorption (Gefäßwände,
MP
) und
Sorptionsblindwert (Sorption an Gefäßwanden, ohne MP) bestimmt.
In ein
ASE
-Gefäß wurde eine Lösung von Difenoconazol in Reinstwasser (V=
50 mL
, c=
20 µgL1
)
vorgelegt. Durch Zugabe von Natriumchlorid wurde die Salinität reguliert. Der pH-Wert wurde
mit Hilfe von Natronlauge (c=
0,1 molL1
) bzw. Salzsäure (c=
0,1 molL1
) eingestellt. Nun wurde
MP
(
1 g
) zugefügt. Anschließend wurde die Lösung
24 h
lang entweder ruhend gelagert oder auf
einem Horizontalschüttler bewegt (
240 min1
). Für Versuche zur Einstellung eines Sorptionsgleich-
gewichtes wurden die Probelösungen auf pH=6 und Salinität 3.5 % eingestellt und für 1, 7, 18 und
28 Tage geschüttelt.
Nach der Behandlungszeit wurde interner Standard dotiert und die
MP
über einen Faltenfilter
abfiltriert. Das weitere Vorgehen entspricht dem unter 3.7.2.1 dargestellten.
3.12 Chromatografische Methoden
3.12.1 Gaschromatografie (GC)
3.12.1.1 Quantifizierung von OCP und PCB
Die Quantifizierung der
OCP
und
PCB
erfolgte
mittels GC/MS (Tabelle 15). Das Gerät war mit einem Kaltaufgabesystem (KAS) ausgestattet. Für
die Messungen wurden je zwei Fragmente pro Analyt mit Hilfe des selected ion monitoring (
SIM
)
detektiert.
33
Tabelle 15:
Übersicht der Parameter der SIM-Methode, die zur Detektion der OCP und PCB ver-
wendet wurde.
Gerät Agilent GC 6890, MSD 5973N
Trägergas Helium 5.0, 1 mLmin1
MS-Parameter
EI 70 eV, Selected Ion Mode (SIM), Transferline
320 C
, Io-
nenquelle 230 C, Quadrupol 150 C
Injektion KAS, 1 µL splitlos, Splitfluss 20 mLmin1@1 min
KAS-Programm
von
40 C
auf
275 C
mit
12 Kmin1
,
5 min
bei
275 C
hal-
ten
Liner
Glasliner mit Verwirbelungseinstichen, deaktiviert (Gerstel
GmbH & Co. KG, Mühlheim an der Ruhr, Deutschland)
ule
HT 8,
50 m
,
0,22 mm
Innendurchmesser,
0,25 µm
Filmdicke
(SGE Analytical Science, Ringwood, Australien)
Ofenprogramm 1 min
bei
50 C
, mit
50 Kmin1
auf
168 C
, mit
4 Kmin1
auf 310 C, 15 min bei 310 C halten, Gesamtdauer 54 min
3.12.1.2 Triazolfungizide
Die Parameter zur quantitativen Bestimmung der Triazolfungizide
sind in Tabelle 16 angegeben. Fehlende Werte sind identisch mit den in Tabelle 15 dargestellten.
Die Diastereomeren der Analyten lassen sich mit der
GC/MS
auftrennen, sodass jeweils zwei Peaks
pro Analyt resultieren. Diese werden entsprechend ihrer Retentionszeit durch eine nachfolgende
römische Ziffer unterschieden. Anhand der verwendeten Kalibrierung (Zehn Kalibrierpunkte im
Bereich
10 ngmL1
bis
1000 ngmL1
) wurden die analytischen Kenndaten nach DIN 32645
116
mit
Hilfe von Statist berechnet. Diese sind in Tabelle 17 angegeben. Zur qualitativen Analyse wurden
Messungen im Scan-Modus durchgeführt. Der eingestellte Massenbereich lag hierbei zwischen
m/z=50-550 ue1. Die übrigen MS-Parameter waren identisch mit denen der SIM-Methode.
Tabelle 16:
Übersicht der Parameter der SIM-Methode, die zur quantitativen Analyse der Triazol-
fungizide verwendet wurde.
Gerät Agilent GC 7890A, MSD 5975C inert XL
ule
DB5-MS,
30 m
,
0,25 mm
Innendurchmesser,
0,25 µm
Film-
dicke (Agilent Technologies, Santa Clara, USA)
Ofenprogramm
von
60 C
mit
20 Kmin1
auf
210 C
,
5 min
bei
210 C
, mit
10 Kmin1
auf
255 C
,
5 min
bei
255 C
, mit
4 Kmin1
auf
310 C, 10 min bei 310 C halten, Gesamtdauer 45,75 min
Tabelle 17:
Analytische Kenndaten der GC/MS-Methode zur Quantifizierung der Triazolfungizide.
Analyt Nachweisgrenze Erfassungsgrenze Bestimmungsgrenze
/ngmL1/ngmL1/ngmL1
Propiconazol I 141,5 283,0 490,7
Propiconazol II 165,6 331,2 576,2
Difenoconazol I 121,6 243,2 419,6
Difenoconazol II 142,7 285,3 493,8
34
3.12.2 Flüssigchromatografie (LC)
3.12.2.1 Huminstoffe
Die Chromatogramme der Huminstoffe wurden mit der in Tabelle 18
aufgeführten Konfiguration aufgenommen.
Tabelle 18:
Übersicht der Parameter der LC-DAD-Methode, die zur Analyse von Huminstoffen
verwendet wurde.
LC-Parameter
Gerät Agilent HP-1100 Serie
ule Thermo Scientific accucore RP-MS, 100 x 2,1 mm, 2,6 µm
bzw. Phenomenex Synergi Hydro RP 80A, 250 x 2 mm, 4 µm
Lösungsmittel A: Wasser (1 % Essigsäure), B: Methanol/Acetonitril 1/1 v/v
Flussrate 0,20 mLmin1bzw. 0,35 mLmin1
Gradient
von 95 % A in
7 min
auf 5 % A,
13 min
bei 5 % A, in
5 min
auf
95 % A, 5 min bei 95 % A
ulenofen 35 C
Injektion 5 µL
Detektion 220 nm, 230 nm, 254 nm, 280 nm
3.12.2.2 Quantifizierung von Hydroxylradikalen
Zur Quantifizierung von Hydroxylradikalen
wurden Kalibrierungen der Standards Terephthalsäure und 2-Hydroxy-Terephthalsäure eingesetzt.
Die Parameter der Messmethode sind Tabelle 19 zu entnehmen.
Tabelle 19:
Übersicht der Parameter der LC-DAD-FLD-Methode, die zur Analyse von Terepthal-
ure und 2-Hydroxyterephthalsäure verwendet wurde.
LC-Parameter
Gerät Agilent HP-1100 Serie
ule Thermo Scientific accucore RP-MS, 100 x 2,1 mm, 2,6 µm
Lösungsmittel
A: Wasser (1 % Essigsäure), B: Methanol/Acetonitril 1/1 v/v
Flussrate 0,2 mLmin1
Gradient
von 95 % A in
7 min
auf 80 % A,
8 min
bei 80 % A, in
5 min
auf 95 % A, 5 min bei 95 % A
ulenofen 35 C
Injektion 50 µL
Detektion DAD 240 nm
Detektion FLD Anregung 320 nm, Emission 420 nm
3.12.2.3 Triazolfungizide
Die LC/MS/MS-Methode, mit der Propiconazol und Difenoconazol
quantitativ aus wässrigen Lösungen bestimmt wurden, kann Tabelle 20 bzw. Tabelle 21 entnommen
werden. Die zugehörigen analytischen Kenndaten sind in Tabelle 22 notiert. In Tabelle 23 ist eine
entsprechende Methode im Scan-Modus zur Detektion von Transformationsprodukten dargestellt.
Fehlende Angaben sind mit solchen der LC/MS/MS-Methode identisch. Der Tabelle 24 können
die entsprechenden Einstellungen für die hochaufgelöste Massenspektrometrie entnommen wer-
den. Die zugehörigen Messungen wurden am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ
durchgeführt.
35
Tabelle 20:
Übersicht der Parameter der LC-Methode (System 1), die zur Analyse von Propiconazol
und Difenoconazol verwendet wurde.
LC-Parameter
Gerät Agilent HP-1100 Serie und SCIEX MS API4000
ule LiChrospher RP Select B 60 A, 125x4 mm, 5 µm Partikel
Lösungsmittel A: Wasser (10 mM Ammoniumacetat)
B: Methanol/Acetonitril 1/1 v/v
Flussrate 0,8 mLmin1
Gradient
von 95 % A in
8 min
auf 5 % A,
12 min
bei 5 % A, in
5 min
auf 95 % A, 5 min bei 95 % A
ulenofen 35 C
Injektion 5 µL
Tabelle 21:
Übersicht der MS-Parameter (System 1), die zur quantitativen Analyse von Propiconazol
und Difenoconazol verwendet wurde.
MS-Parameter Propiconazol Difenoconazol
Polarität positiv positiv
Übergang 1 342.0 158.8 406.1 250.9
Dwell time 150 ms 150 ms
Collision Energy 35 V 40 V
Cell Exit Potential 12 V 20 V
Übergang 2 342.0 69.0 406.1 336.9
Dwell time 150 ms 150 ms
Collision Energy 37 V 20 V
Cell Exit Potential 4 V 30 V
Collision-activated dissociation 12 12
Curtain Gas 40 psi 10 psi
Nebulizer Gas (Gas 1) 40 psi 35 psi
Heater Gas (Gas 2) 50 psi 40 psi
Ion Source Potential 1500 V 2000 V
Temperatur 450 C 450 C
Interface Heater on on
Declustering Potential 46 V 46 V
Entrance Potential 10 V 10 V
Tabelle 22:
Analytische Kenndaten der LC/MS/MS-Methoden zur Quantifizierung der Triazolfun-
gizide.
Analyt Nachweisgrenze Erfassungsgrenze Bestimmungsgrenze
/ngmL1/ngmL1/ngmL1
Propiconazol 65,9 131,8 227,1
Difenoconazol 66,9 133,9 231,3
36
Tabelle 23:
Übersicht der Parameter der Scan-Methode (System 1), die zur qualitativen Bestimmung
von Transformationspodukten von Propiconazol und Difenoconazol aus wässrigen
Lösungen verwendet wurde.
MS-Parameter Propiconazol Difenoconazol
Start m/z50 Da 50 Da
Stop m/z500 Da 550 Da
Schrittweite 0,1 Da 0,1 Da
Declustering Potential Start 10 V 10 V
Declustering Potential Stop 70 V 70 V
Entrance Potential Start 5 V 5 V
Entrance Potential Stop 12 V 12 V
Tabelle 24:
Parameter der HRMS-Methode, die zur Identifizierung von TP der Triazolfungizide
eingesetzt wurde.
Parameter Einstellung
Scanbereich 50-700
Scanrate 1.02
Gastemperatur 350 C
Gasfluss 11 Lmin1
Nebulizer Gas 30 psig
Sheath Gas Temperatur 300 C
Sheath Gas Fluss 7 Lmin1
VCap 3500
Nozzle Spannung 2000 V
Fragmentor 175
Skimmer1 65
OcotopoleRFPeak 750
3.12.2.4 Quantifizierung von Carbamazepin
Zur Analyse von Carbamazepin wurden die in
Tabelle 25 dargestellte LC-Methode und die in Tabelle 26 beschriebene MS-Methode verwendet.
Tabelle 25:
Übersicht der Parameter der LC-Methode (System 2), die zur Analyse von Carbamaze-
pin verwendet wurde.
LC-Parameter
Gerät Agilent HP-1260 Infinity Serie und SCIEX MS API6500
ule Kinetex XB-C18, 150x3 mm, 2,6 µm Core-Shell-Partikel
Lösungsmittel A: Wasser (10 mM Ammoniumacetat, 0.1 % Essigsäure),
B: Methanol (10 mM Ammoniumacetat, 0.1 % Essigsäure)
Flussrate 0,35 mLmin1
Gradient 5 min
bei 97 % A, in
10 min
auf 5 % A,
5 min
bei 5 % A, in
0,5 min auf 97 % A, 6,5min bei 97 % A
ulenofen 55 C
Injektion 10 µL
37
Tabelle 26:
Übersicht der MS-Parameter (System 2), die zur quantitativen Analyse von Carbmaze-
pin verwendet wurde.
MS-Parameter Einstellung
Polarität positiv
Übergang 1 237.0 194.0
Dwell time 75 ms
Collision Energy 30 V
Cell Exit Potential 14 V
Übergang 2 237.0 179.0
Dwell time 75 ms
Collision Energy 50 V
Cell Exit Potential 12 V
Collision-activated dissociation 8 psi
Curtain Gas 35 psi
Nebulizer Gas (Gas 1) 62 psi
Heater Gas (Gas 2) 62 psi
Ion Source Potential 4500 V
Temperatur 400 C
Interface Heater on
Declustering Potential 60 V
Entrance Potential 10 V
Channel Electron Multiplier 1600 V
3.12.2.5 Quantifizierung von Diclofenac
Zur Analyse von Diclofenac wurden die in Tabelle 27
dargestellte LC-Methode und die in Tabelle 28 beschriebene MS-Methode verwendet.
Tabelle 27:
Übersicht der Parameter der LC-Methode (System 2), die zur Analyse von Diclofenac
verwendet wurde.
LC-Parameter
Gerät Agilent HP-1260 Infinity Serie und SCIEX MS API6500
ule Kinetex XB-C18, 150x3 mm, 2,6 µm Core-Shell-Partikel
Lösungsmittel A: Wasser (10 mM Ammoniumacetat, 0.1 % Essigsäure),
B: Methanol (10 mM Ammoniumacetat, 0.1 % Essigsäure)
Flussrate 0,35 mLmin1
Gradient 3 min
bei 70 % A, in
9 min
auf 5 % A,
6 min
bei 5 % A, in
0,5 min auf 70 % A, 5,5min bei 70 % A
ulenofen 55 C
Injektion 10 µL
Tabelle 28:
Übersicht der MS-Parameter (System 2), die zur quantitativen Analyse von Diclofenac
verwendet wurde.
MS-Parameter Einstellung
Polarität positiv
Übergang 1 296.0 250.0
38
Dwell time 100 ms
Collision Energy 22 V
Cell Exit Potential 15 V
Übergang 2 296.0 214.0
Dwell time 100 ms
Collision Energy 30 V
Cell Exit Potential 15 V
Collision-activated dissociation 8 psi
Curtain Gas 35 psi
Nebulizer Gas (Gas 1) 62 psi
Heater Gas (Gas 2) 62 psi
Ion Source Potential 4500 V
Temperatur 400 C
Interface Heater on
Declustering Potential 90 V
Entrance Potential 10 V
Channel Electron Multiplier 1600 V
3.12.3 EC/MS-Detektion
Tabelle 29:
MS-Methode, die in Kopplung mit der Elektrochemie zur online-Detektion von Trans-
formationsprodukten angewendet wurde.
MS-Parameter Einstellung
Drying Gas Flow 12 Lmin1
Nebulizer Gas 35 psi
Drying Gas Temperature 35C
Capillary Voltage 3000 V
Mass range m/z=100-500
3.12.4 Gelpermeationschromatografie
Aus Polymerproben wurden Lösungen in Hexafluorisopropanol (
HFIP
) (c=
5 mgmL1
) hergestellt
und über
2 µm
PTFE-Spritzenfilter filtriert. Von den so vorbereiteten Lösungen wurden
100 µL
in ein System aus drei aufeinanderfolgenden Chromatografiesäulen injiziert (1 x HFIP Gel 30 x
0,8 cm
, 2 x PL-HFIP Gel 25 x
0,46 cm
, Flussrate
0,5 mLmin1
,
35 C
). Die Verteilung der molaren
Massen (Mn, Mw) wurde mit Hilfe von WinGPC bestimmt. Als Kalibriersubstanzen wurden
Poly(methylmethacrylate) unterschiedlicher molarer Massen verwendet.
39
4 Ergebnisse und Diskussion
4.1 Methodenentwicklung: Extraktion von Pestiziden aus Boden
Um die Triazolfungizide effektiv analysieren zu können, ist es zunächst notwendig eine Methode
zu entwickeln, die in der Lage ist die Analyten mit einer zufriedenstellenden Wiederfindung aus
Boden zu extrahieren. Für die Realisierung dieses Vorhabens wurden als vorwiegend unpolare
Modellanalyten ausgewählte Organochlorpestizide (
OCP
) (12 Substanzen) und polychlorierte
Biphenyle (
PCB
) (7 Substanzen) eingesetzt, die noch produziert oder verwendet werden,
117,118
in europäischen Böden gefunden wurden
119
und mit Gaschromatografie (
GC
) analysiert werden
können.
120
Es wurde dabei die Auswirkung der Extraktionsmethode und -dauer auf die Wie-
derfindung untersucht. Weiterhin sollte der
TOC
-Gehalt der verwendeten Böden und dessen
Einfluss auf die Analytwiederfindung evaluiert werden. Dazu wurden Modellböden generiert,
deren Gesamtkohlenstoff(
TOC
)-Gehalte so gewählt wurden, dass sie die in Deutschland am
ufigsten vorkommenden Böden repräsentieren.
121
Die dotierten Schadstoffgehalte wurden ent-
sprechend der Maßnahme- und Vorsorgewerte der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung
angepasst.122
Der Einsatz von Modellböden bietet gegenüber dem natürlich belasteter Böden einige Vorteile. So
können zwei eingehend charakterisierte Ausgangsmaterialien zur Herstellung der Modellböden
unterschiedlichen
TOC
-Gehalts verwendet werden. Dadurch wird die Anzahl der möglichen Frei-
heitsgrade bei den geplanten Experimenten erheblich reduziert und der verbleibende Parameter
größten Einflusses ist der
TOC
der Böden. Zusätzlich bleibt bei diesem Vorgehen die Beschaffenheit
der organischen Substanz dieselbe, da stets die gleichen Ausgangsmaterialien verwendet werden.
Werden unkontaminierte Modellböden mit Analyt dotiert, so ist der Analytgehalt bekannt und
kann die Grundlage zur Berechnung der Wiederfindung bilden. So wird der tatsächlich extra-
hierte Analytanteil evaluiert und Über- bzw. Unterbefunde werden deutlich. Bei Vergleich der
Extraktionsleistung mit einer Referenzmethode können diese Unterschiede nicht eingeschätzt
werden.
Da im Rahmen des Teilprojektes zur Methodenentwicklung eine sehr große Datenmenge erzeugt
wurde, wird zur Diskussion der Ergebnisse ein Simplifizierungsansatz gewählt. Zunächst wird
dabei die Wiederfindung der verschiedenen Analytgruppen für jeden Modellboden einzeln be-
trachtet. Anschließend soll für weitere Erkenntnisse die Klassifizierung der Böden außer Acht
gelassen werden, sodass schließlich die Ergebnisse für alle Analyten und Matrices gemeinsam
betrachtet werden können.
4.1.1 Analytgruppenspezifische Auswertung
Die
PCB
werden als einzelne Gruppe betrachtet, da sich die ausgewählten Vertreter in ihren
Eigenschaften und ihrem Verhalten sehr ähneln. Die
OCP
hingegen umfassen deutlich mehr
Substanzen, die sich sehr in ihrer Polarität, Stabilität und auch ihrer Flüchtigkeit unterscheiden.
123
Demzufolge wurde erwartet, dass sich das Extraktionsverhalten innerhalb dieser Gruppe ebenfalls
deutlich unterscheidet. Folglich wurden die Analyten in Untergruppen ähnlichen Charakters
zusammengefasst. Diese Einteilung kann in Abschnitt 3.5.1 nachvollzogen werden.
Extrahierbarkeit in Abhängigkeit vom Boden-TOC
Es ist bereits bekannt, dass der
TOC
-Gehalt
eines Bodens einen entscheidenden Einfluss auf die Extrahierbarkeit von Kontaminanten haben
kann.
124,125
Darum war anzunehmen, dass sich die dotierten Analyten stets bedeutend einfacher
aus dem Boden mit
TOC
=1,6 %, denn aus dem Boden mit
TOC
=13,3 % extrahieren lassen würden.
In Abbildung 14a ist die Wiederfindung von Hexachlorbenzol (
HCB
) in Abhängigkeit vom
TOC
-
Gehalt des Bodens und der verwendeten Extraktionsmethoden dargestellt. Von allen betrachteten
40
Abbildung 14:
Wiederfindung der Analyten a) HCB, b) Aldrin, c)
β
-HCH, d) 4,4’-DDE und e)
PCB 138 in % der dotierten Substanzmenge. Die Fehlerbalken stellen die Standard-
abweichung dar (n=4).
Analyten ist die Standardabweichung im Fall von
HCB
stets die geringste, da diese Substanz
sehr gut mit der
GC/MS
erfasst werden kann. Die ermittelten Wiederfindungen liegen zwischen
(62
±
12) % (1,6 %
TOC
,
6 h FFE
) und (107
±
7) % (5,0 %
TOC
,
ASE
). In der Pestizidanalytik
gelten beide Werte im Allgemeinen noch als akzeptabel.
101,126
Die höchste mittlere Wiederfindung
wurde für die Böden mit
TOC
=5.0 % festgestellt. Die geringsten Standardabweichungen und die
ähnlichsten ermittelten Wiederfindungen für die verschiedenen Methoden wird jedoch bei dem
Boden mit dem höchsten
TOC
gefunden. Im Falle des Bodens niedrigen
TOC
-Gehalts schwanken
die Wiederfindungen am stärksten. Hier begünstigen offenbar eine verlängerte Extraktionszeit
oder drastischere Extraktionsbedingungen ( beschleunigte Lösemittelextraktion (
ASE
), Soxhlet) die
Extraktion von
HCB
. Allerdings weichen keine dieser Unterschiede in statistisch relevanter Weise
41
vom Mittelwert ab, sodass hieraus kein genereller Zusammenhang abgeleitet werden kann.
Für den Analyten Aldrin (Abbildung 14b) sind die Ergebnisse der Wiederfindungsuntersuchungen
ähnlich. So konnten Wiederfindungen zwischen (65
±
7) % (1,6 %
TOC
, 3 x
15 min FFE
) und
(103
±
11) % (9,2 %
TOC
,
6 h FFE
) ermittelt werden. Die Unterschiede zwischen den einzelnen
Extraktionsmethoden und zwischen den Matrices sind nicht so ausgeprägt wie im Fall von HCB.
Für die Bewertung der Ergebnisse von Aldrin muss angemerkt werden, dass bekannt ist, dass
es sich schnell zu seinem Epoxy-Derivat Dieldrin abbaut.
127,128
Eine Gegenüberstellung der
für Aldrin und Dieldrin ermittelten Wiederfindungen zeigte, dass dieser Abbau durchaus auch
während des Versuchszeitraums stattgefunden haben könnte. So liegt der Median aller ermittelten
Wiederfindungen von Aldrin bei 87 %, während derselbe Wert für Dieldrin 107 % beträgt. Der
beschriebene Effekt sollte aufgrund seines eher geringen Beitrags jedoch die Datenanalyse nicht
signifikant beeinflussen.
Die Ergebnisse für die Gruppe der Hexachlorcyclohexane (HCH) unterscheiden sich nicht we-
sentlich von den bereits besprochenen (Abbildung 14c). Es fällt lediglich auf, dass die Standard-
abweichungen im Mittel höher sind (bis 19 %). Die Wiederfindungen sind ebenso wie bei
HCB
am niedrigsten bei Extraktion des Bodens mit
TOC
=1,6 %. Auch hier wird eine höhere Wieder-
findung erreicht, wenn länger oder mit anderen Methoden extrahiert wird. Als ein Beispiel zum
Verhalten von Diclordiphenyltrichlorethan (
DDT
) und assoziierter Metaboliten und Verbindungen
(fortan mit
DDX
bezeichnet) sind in Abbildung 14d die Werte, die für die Wiederfindung von 4,4’-
Dichlordiphenyldichlorethen (
DDE
) ermittelt wurden, dargestellt. Die minimale Wiederfindung
beträgt (69
±
10) % (5,0 %
TOC
,
16 h FFE
), die maximale (106
±
2) % (5,0 %
TOC
,3x
15 min FFE
).
Aufgrund der sehr ähnlichen Ergebnisse für alle Böden, kann keine Abhängigkeit der Wiederfin-
dung vom Boden-
TOC
abgeleitet werden. Es sei hierbei bemerkt, dass 4,4’-
DDE
der thermisch
stabilste der
DDT
-Metaboliten ist. Für andere
DDX
wurden in einigen Fällen starke Überbefunde
(bis > 140 %, Daten nicht berücksichtigt) ermittelt, welche auf den Analytenabbau
129
und Ma-
trixverstärkungseffekte
130
im
GC
-Liner zurückgeführt wurden. Dass der
GC
-Liner einen großen
Einfluss auf die Analytik haben kann, ist unstrittig. So können Analyten an aktiven Stellen des
Liners adsorbieren und werden dann nicht detektiert.
130
Wenn Proben mit einem hohen Matrixan-
teil gemessen werden ist es weiterhin möglich, dass sich hochsiedende Matrixbestandteile im Liner
ansammeln,
131
welche dort zur Zersetzung von Analyten führen können. Dieses Phänomen ist
z. B. für Endrin und
DDT
beschrieben
132–134
und es wird genutzt, um die Leistungsfähigkeit eines
GC
-Systems einzuschätzen.
135–137
Üblicherweise werden in solchen Fällen jedoch Unterbefunde
und nicht, wie in den hier wiedergegebenen Untersuchungen, Überbefunde des Analyten regis-
triert. Um diesen Effekt näher zu überprüfen, wurde ein Extrakt zusätzlich mit
13
C-markiertem
internen Standard dotiert und 100 Mal unter Verwendung eines fabrikneuen Liners in das
GC/MS
-
System injiziert. Abbildung 15 zeigt die Analytsignalflächen des thermolabilen 4,4’-
DDT
bzw.
des thermostabilen 4,4’-
DDE
in Bezug auf den internen Standard. Es ist zu erkennen, dass das
Verhältnis des Analyten zum
13
C-markierten Standard auch über 100 Analysen hinweg in etwa
konstant bleibt. Wird allerdings auf
PCB
209 als internen Standard bezogen, ist festzustellen, dass
sich das Verhältnis 4,4’-
DDT
/
PCB
209 um einen Faktor von etwa 1,5 erhöht. Dieser Effekt tritt
für 4,4’-
DDE
nicht auf. In diesem Fall liefern beide interne Standards vergleichbare Ergebnisse.
Überbefunde, wie sie im Rahmen der hier gezeigten Experimente auftraten, können sich also durch
Einsatz markierter interner Standards vermeiden lassen.
Im Gegensatz zu den
OCP
ist das Extraktionsverhalten der
PCB
in allen Böden uniform und für
die gewählte Fragestellung als unproblematisch anzusehen. Beispielhaft sind in Abbildung 14e die
Daten für
PCB
138 dargestellt. Für die
PCB
kann kein Zusammenhang zwischen längerer Extrakti-
onszeit und höherer Wiederfindung gefunden werden. Es ist lediglich zu bemerken, dass sich die
mittleren Wiederfindungen der einzelnen Extraktionsverfahren im Fall des Bodens mit niedrigem
TOC am stärksten, jedoch in nicht signifikanter Art und Weise, voneinander unterscheiden.
Werden alle Ergebnisse in Betracht gezogen, so kann festgestellt werden, dass die Wiederfindung
42
der Analyte nicht in signifikanter Weise vom
TOC
-Gehalt der verwendeten Modellböden abhängig
ist. Dies steht im Widerspruch zur Arbeitshypothese. Schwankungen in der Wiederfindung können
jedoch auch von anderen Bodenbestandteilen herrühren.
138
So wird diskutiert, ob nicht der nomi-
nelle
TOC
-Gehalt an sich, sondern der explizite Aufbau der organischen Bestandteile des Bodens
entscheidender für die Bildung von NER und somit auch die Extrahierbarkeit von Schadstoffen
ist .
139
Im Fall der
OCP
,
PCB
sowie bei den Triazolfungiziden Difenoconazol und Propicona-
zol ist zu erwarten, dass der Aromatizität des
TOC
eine besondere Rolle zukommt.
140
Einige
Charakteristika der organischen Substanz werden in Abschnitt 4.2 vorgestellt und diskutiert.
Abbildung 15:
Einfluss des Zustands des GC-Liners auf das Verhältnis Analyt/interner Standard.
Abhängigkeit von der Extraktionsmethode
Da der
TOC
-Gehalt im Rahmen der durchgeführten
Untersuchungen keinen signifikanten Einfluss auf die Extrahierbarkeit der Analyten hatte, wurden
die Daten unabhängig von den Modellböden reevaluiert. Auf diese Weise sollte die Auswirkung
der Extraktionsdauer und -methode auf die Wiederfindung bestimmt werden. In Abbildung 16a
ist die mittlere Wiederfindung der
DDX
über alle Böden für die verschiedenen Extraktionstech-
niken gezeigt. Ein Trend lässt sich anhand der Darstellung nicht erkennen. Für die
FFE
werden
Wiederfindungsraten zwischen (52
±
5) % (4,4’-Dichlordiphenyldichlorethan (
DDD
),
6 h FFE
) und
(92
±
6) % (4,4’-
DDE
,
3 h FFE
) erreicht. Im Allgemeinen sind die Wiederfindungen für 4,4’-
DDE
und 4,4’-DDD, die Abbauprodukte von 4,4’-DDT, akzeptabel. Hingegen scheint die Verwendung
der Soxhlet-Extraktion für die Analyten 2,4’-
DDT
, 4,4’-
DDT
und Methoxychlor ungeeignet zu sein,
da in diesen Fällen nur Wiederfindungen bis 27 % des dotierten Analytgehalts erreicht werden. Dies
kann mit der Thermolabilität dieser Substanzen begründet werden, die den Abbau während der
Soxhlet-Extraktionszyklen zur Folge hat.
141
Dass daraus niedrige Wiederfindungsraten resultieren
können ist bereits literaturbekannt.
142
Nichtsdestotrotz wird die Soxhlet-Extraktion ufig zur
Analyse gerade dieser Substanzen angewendet. Die Standardabweichungen für die Bezeichnung
für die Gruppe der DDT-assoziierten Verbindungen (
DDX
) sind vergleichsweise groß, was auf den
Zustand des GC-Liners zurückgeführt werden kann (siehe vorhergehender Abschnitt).
Alle betrachteten Extraktionsmethoden bieten die Möglichkeit die
HCH
(Abbildung 16b), Aldrin,
Dieldrin und α-Endosulfan (α-ES) (Abbildung 16c) in zufriedenstellender Art und Weise aus der
Matrix herauszulösen. Die Wiederfindungen liegen zwischen (83
±
12) % (Aldrin, 3 x
15 min FFE
)
und (118
±
5) % (Dieldrin, Soxhlet). Die Standardabweichungen sind dabei ebenfalls akzeptabel.
Jedoch ist auch hier erneut anzumerken, dass die mittlere Wiederfindung von Dieldrin über der
von Aldrin liegt. Wie bereits erläutert, kann dies mit dem Abbau von Aldrin zu Dieldrin verknüpft
sein (siehe vorhergehender Abschnitt). Auch die Extraktion der
PCB
(Abbildung 16d) gelingt
mit allen Methoden in vergleichbarer Weise. Die Darstellung lässt jedoch vermuten, dass die
mittlere Wiederfindung der
PCB
mit niedrigerem Chlorierungsgrad durch eine Verlängerung
der Extraktionszeit verbessert wird. Da
PCB
als sehr thermostabil gelten, sind
ASE
und Soxhlet
ebenfalls sinnvoll anwendbar. Auch frühere Studien haben bereits gezeigt, dass für
PCB
die Soxhlet-
Extraktion,
ASE
und die mikrowellenassistierte Extraktion als vergleichbar anzusehen sind.
143–145
43
In der Norm EN 16167
146
wird eine Extraktionsdauer bei der
FFE
von
PCB
-haltigen Abfällen von
12 h
gefordert. Die hier besprochenen Ergebnisse zeigen, dass dies nicht für jede Matrix notwendig
sein muss. Die
OCP
betreffend liegen bereits einige Studien vor, die sich vorrangig mit dem
Vergleich von Soxhlet,
ASE
, ultraschall- und mikrowellenunterstützter Extraktion befassen. Auch
bei dieser Analytgruppe unterscheiden sich diese Methoden nur geringfügig in ihrer Effizienz.
147
Mit den im Rahmen dieses Promotionsprojektes durchgeführten Untersuchungen kann gezeigt
werden, dass auch die
FFE
zur Extraktion vorwiegend unpolarer organischer Schadstoffe aus Böden
geeignet ist.
Generell hat die bisherige Auswertung zum Ergebnis, dass keine der verwendeten Extraktionsme-
thoden signifikant leistungsfähiger als die anderen ist. Insbesondere führt eine längere Extraktions-
zeit nicht notwendigerweise zu höheren Wiederfindungsraten. Diese Ergebnisse werden von einer
ebenfalls durchgeführten Clusteranalyse gestützt (Abbildung 17). Diese beschreibt die Existenz
zweier unterschiedlicher Gruppen. Die zweite dieser umfasst alle Extraktionen des Bodens mit
dem höchsten TOC-Gehalt. Extraktionen aller anderen Böden sind sowohl in einer, als auch in der
anderen Gruppe vorhanden. Gleiches gilt für die gewählten Extraktionsmethoden. Daraus kann
geschlossen werden, dass keine Methode einer anderen überlegen ist.
Abbildung 16:
Wiederfindung der Analytgruppen a) DDX, b) HCH, c) Aldrin, Dieldrin und
α
-
ES sowie d) PCB in % der dotierten Substanzmenge. Die Fehlerbalken stellen die
Standardabweichung dar (n=4).
44
Abbildung 17:
Hierarchische Clusteranalyse zur Identifizierung der am besten geeigneten Extrak-
tionsmethode.
4.1.2 Auswertung für das gesamte Analytspektrum
Sofern möglich sollten
OCP
und
PCB
gemeinsam mit einer Methode, die gute Wiederfindungsraten
liefert, extrahiert werden. Bisher konnte gezeigt werden, dass im Rahmen der durchgeführten
Experimente weder der
TOC
-Gehalt des Bodens noch die Extraktionstechnik einen signifikanten
Einfluss auf die Wiederfindung besaßen. Folglich wurde der Datensatz ein weiteres Mal aus-
gewertet, wobei nun alle Analyten gemeinsam, unabhängig von der Art des Bodens und der
Extraktionsmethode, betrachtet wurden. Um die vorher getroffenen Aussagen verifizieren zu
können, zeigt Abbildung 18 zunächst die Wiederfindung der Analyten in Abhängigkeit vom
TOC
. Es zeigt sich, dass im Allgemeinen keine Abhängigkeit der Extrahierbarkeit vom Anteil
organischer Materie im Boden vorherrscht. Den Boden niedrigen
TOC
s betreffend werden jedoch
etwa 20 % höhere Wiederfindungen erreicht, wenn die Extraktionsdauer verlängert oder eine
alternative Extraktionsmethode eingesetzt wird. Wie zuvor bereits beschrieben, trifft dies auch
auf die Wiederfindung ausgewählter Analyten zu. Werden die Standardabweichungen, die im
Bereich 10-20 % liegen, in Betracht gezogen, so ergibt der t-Test bei einem Vertrauensniveau von
95 % jedoch, dass diese Abweichungen nicht-signifikanter Natur sind. Folglich ist es möglich
eine Klassifizierung der Daten insgesamt zu unterlassen und den Datensatz als Grundgesamtheit
zu behandeln. Dieser Ansatz ist in Abbildung 19 grafisch dargestellt. Die Unterschiede in der
Extraktionsleistung der verschiedenen Techniken sind deutlich vermindert, sofern alle Analyten
und alle Böden gleichermaßen betrachtet werden. Die Wiederfindungsraten liegen nun im Bereich
zwischen 86 % (3 x
15 min FFE
) und 93 % (
ASE
, Soxhlet). Die Standardabweichungen sind deutlich
größer als die Unterschiede der Mittelwerte zueinander. Das bedeutet, dass die Extraktionsleistung
aller Methoden als äquivalent angesehen werden kann. In diesem Fall führen die drastischeren
Extraktionsbedingungen, die bei der
ASE
und Soxhlet herrschen, nicht zu einer signifikant besseren
45
Analytwiederfindung als bei der
FFE
. Allerdings bieten diese Methoden einige sonstige Vorteile
gegenüber der
FFE
, die in Tabelle 30 dargestellt sind. Für Analysen mit
ASE
und Soxhlet wird z. T.
deutlich weniger Lösungsmittel benötigt. Zusätzlich ist das Waschen des organischen Extraktes
einfach zu bewerkstelligen, da erst gar keine störenden Partikel wie bei der
FFE
vorhanden sind.
Weiterhin kann die
ASE
automatisiert ablaufen und ist häufig schneller in der Durchführung. Der
manuelle Arbeitsaufwand ist zudem geringer. Allerdings sollte in Betracht gezogen werden, dass
für die Durchführung der
ASE
geschultes Personal benötigt wird, während die
FFE
relativ einfach
durchzuführen ist. Außerdem ist die
ASE
gegenüber der
FFE
kostenintensiv in der Anschaffung
und dem Betrieb.
Abbildung 18:
Wiederfindung aller Analyten (in % der dotierten Menge) aus Böden unterschiedli-
chen TOC-Gehalts. Die Fehlerbalken repräsentieren die Standardabweichung über
alle Analyten (n=19) und alle Extraktionen (m=4).
Abbildung 19:
Wiederfindung aller Analyten (in % der dotierten Menge) unter Anwendung ver-
schiedener Extraktionsmethoden. Die Fehlerbalken repräsentieren die Standardab-
weichung über alle Analyten (n=19) und alle Extraktionen (m=4).
Da die Auswertung anhand der Beispielanalyten zeigte, dass auch die Extraktion nach DIN ISO
10382 sinnvoll zur Extraktion unpolarer organischer Schadstoffe aus Boden anzuwenden ist, wurde
diese Methode ebenfalls mit Böden getestet, die mit den Triazolfungiziden Difenoconazol und
Propiconazol belastet waren. Die erreichten Wiederfindungen waren zufriedenstellend (Tabelle 10,
Experimentalteil), sodass diese Methode fortan für die Extraktion genutzt wurde. Ausgehend davon
wurde eine ähnliche Methode zur Extraktion wässriger Lösungen getestet. Auch in diesem Fall
waren die Wiederfindungsraten ausreichend (Tabelle 11, Experimentalteil) und die Vorgehensweise
wurde für alle wässrigen, triazolfungizidhaltigen Proben adaptiert.
46
Tabelle 30: Vor- und Nachteile von ASE, Soxhlet und FFE.
ASE Soxhlet FFE
Anwendbarkeit
geeignet für unpolare
Analyten
für thermolabile Analy-
ten nur in Kombinati-
on mit markierten Stan-
dards
geeignet für unpolare
Analyten
Komplexität
der Methode
geschultes Personal nö-
tig, Waschschritt unpro-
blematisch
geschultes Personal nö-
tig, Waschschritt unpro-
blematisch
einfach durchzuführen,
Waschschritt potentiell
problematisch
Lösungsmittel-
volumen pro
Probe
22 mL 100 mL 150 mL
Zeitaufwand
(ohne Clean-
Up)
0,5 h 6 h 1,5 h
4.2 Isolation und Charakterisierung von Huminstoffen
Wie im vorhergehenden Abschnitt bereits besprochen wurde, besitzt die Beschaffenheit von Hu-
minstoffen einen großen Einfluss auf die Ausbildung nicht-extrahierbarer Rückstände (NER) und
damit auf die Extrahierbarkeit von Schadstoffen aus verschiedenen Matrices. Um ein besseres Ver-
ständnis der Vorgänge zu erreichen, wurden deswegen einige feste Matrices und aus ihnen isolierte
Huminstoffe mit verschiedenen Methoden charakterisiert. Vor weitergehenden Untersuchungen
wurden zur grundlegenden Charakterisierung der pH-Wert der Böden und der Schwebstoffe (
SPM
)
bestimmt. In Böden ist die Aktivität von H
+
vorrangig durch die enthaltene organische Substanz
mit den zugehörigen funktionellen Gruppen und durch die enthaltenen Mineralien, die ebenfalls
als uren und Basen wirken können, beeinflusst.
54
Zusätzlich zur Messung in Wasser kann der
pH-Wert in einer Kaliumchloridlösung bestimmt werden. Der so ermittelte Wert gibt einen Hinweis
darauf, ob komplexierte Metallionen im System vorhanden sind. Diese werden durch Kaliumio-
nen ausgetauscht und wirken nun ihrerseits als uren. Alle bestimmten Werte sind Tabelle 31
zu entnehmen. Im Fall des Komposts und des Blankenese (
BLK
)-
SPM
liegen die pH-Werte in
Wasser im neutralen Bereich und unterscheiden sich auch nur in geringem Maße vom Wert in
Kaliumchloridlösung. Folglich gibt es in den Proben nur einen geringen Anteil Kationensäuren.
Der Referenzboden RefeSol 01-A, der zur Herstellung der Modellböden verwendet wurde, besitzt
einen schwach sauren Charakter. Da in diesem Fall der pH-Wert in Kaliumchloridlösung deutlich
unter dem in Wasser liegt, ist davon auszugehen, dass in der Matrix viele komplexierte Metallionen
vorhanden sind. Solche Komplexzentren können ebenfalls eine Rolle bei der Bildung von
NER
spielen und z. B. geladene oder polarisierte Analyten zurückhalten.59
Tabelle 31: pH-Werte der Böden und des SPM
pH in Wasser pH in 1 M KCl
BLK SPM 7,69 7,37
Kompost 7,85 7,47
RefeSol 01-A 6,11 4,91
Für weitere Untersuchungen wurden der Kompost sowie
SPM
aus der Elbe bei Blankenese in
Anlehnung an eine Vorschrift der International Humic Substances Society (
IHSS
) in Humine,
Humin- und Fulvinsäuren fraktioniert. Anhand der jeweils erhaltenen Substanzmengen lässt
sich der Anteil der Huminsäure (
HS
) zu etwa 4,0 % im Kompost und 0,4 % im verwendeten
SPM
bestimmen. Die Fulvinsäure (
FS
) machen etwa 0,4 % (Kompost) bzw. 0,1 % (
SPM
) von der
Trockenmasse des eingesetzten Feststoffmaterials aus. Der restliche Anteil entfällt auf Humine
47
und mineralische Bestandteile. Vorab ermittelte TOC-Gehalte des Komposts (16,1 %) und des
SPM
(1,8 %) zeigen, dass die erhaltenen Werte der zwei Feststoffmaterialien zueinander in einem sinn-
vollen Verhältnis liegen. Das
SPM
wurde sowohl luft-, als auch gefrier- und bei
105 C
getrocknet
der Fraktionierung unterworfen. Die Ausbeute der Fraktionen ist im Rahmen der relativ großen
Verfahrensunsicherheit als gleichwertig anzusehen.
Für die isolierten
HS
und
FS
wurde ebenfalls der Gehalt an Kohlenstoff, Wasserstoffund Stickstoff
bestimmt. Die Ergebnisse sind Tabelle 32 zu entnehmen. Weiterhin ist das Verhältnis des Was-
serstoffanteils zum Kohlenstoffanteil berechnet. Auffällig ist hierbei, dass sich zwar die Gehalte
an Kohlenstoff, Stickstoffund Wasserstoffzwischen Kompost-
HS
und
SPM
-
HS
unterscheiden,
die H/C-Verhältnisse jedoch recht ähnlich sind. Dieser Quotient ist ein Indikator dafür, ob eher
gesättigte oder ungesättigte Strukturen vorherrschen.
148,149
Dabei spricht ein niedriges Verhältnis
wie im Fall der Kompost-, der Suwanee River- und der aus SPM isolierten
HS
für einen hohen
Anteil ungesättigter und auch aromatischer Strukturen. Aromatische Strukturen sollten besonders
gut in der Lage sein in Wechselwirkung mit unpolaren Substanzen wie
OCP
und
PCB
zu treten,
was die Bildung von
NER
begünstigt und die Analyse derartiger Proben erschwert (Abschnitt
4.1).
Als zusätzliche Beschreibung einer (Boden-)Probe kann auch das Verhältnis von Stickstoffzu
Kohlenstoffausgewertet werden. Mit diesem lässt sich der Grad der Humifizierung einschätzen:
Ist das Verhältnis klein (10-12), so ist die Humifizierung stark fortgeschrittenen.
54
Dies kann
für den Kompost festgestellt werden. Analog weisen die daraus extrahierten
HS
ein enges C/N-
Verhältnis auf. Die
SPM
-
HS
-Isolate zeigen einen der Kompost-
HS
vergleichbaren Wert. Der hier zu
ebenfalls aufgeführte Wert der Suwanee River
HS
ist deutlich höher. Dies spricht für eine nicht
sehr weit fortgeschrittene Humifizierung. Laut
IHSS
ist der gelöste organische Kohlenstoff(DOC)
des Suwanee River, aus dem die
HS
und
FS
isoliert wurden, vorrangig durch die Zersetzung von
Vegetation bestimmt,
150
was sich in den hier präsentierten Werten widerspiegelt. Mit Hilfe der
grundlegenden Informationen, die die Elementaranalytik bietet, lässt sich insgesamt nur eine grobe
Einschätzung zur Zusammensetzung der Isolate geben.
Tabelle 32:
CHN-Gehalte und H/C bzw. N/C-Verhältnisse von Böden, SPM, isolierten Huminstoffen
und der uflich erworbenen Suwanee River Huminsäure.
C /% H /% N /% H/C C/N
BLK SPM 1,19 0,14 0,04 0,116 29,750
Kompost 17,20 3,02 1,17 0,176 14,701
RefeSol 01-A 0,04 0,41 0,12 10,250 0,333
BLK HS - gefriergetrocknet 10,40 2,14 1,63 0,206 6,380
BLK HS - luftgetrocknet 29,88 3,46 2,97 0,116 10,061
BLK HS - getrocknet bei 105C 8,84 1,90 1,15 0,215 7,687
Kompost HS 38,26 3,79 4,36 0,099 8,775
Suwanee River HS 48,71 4,23 1,11 0,087 43,883
Zur weiterführenden Charakterisierung wurden die Proben in wässriger Lösung mit UV/Vis-
Spektroskopie untersucht. Diese Methode bietet die Möglichkeit einige grundlegende Informa-
tionen zur Struktur von Huminstoffen zu erhalten. Die Spektren der isolierten
HS
sind in Ab-
bildung 20a dargestellt, die der
FS
sind in Abbildung 20b zu finden. Die
HS
betreffend ähneln
sich alle Spektren sehr. Sie zeigen eine deutliche Schulter bei
λ
=
270 nm
und eine etwas weniger
stark ausgeprägte um
λ
=
210 nm
. Die höhere Extinktion der gefriergetrockneten Probe ist mit einer
höheren Konzentration in der Lösung zu begründen. Grundsätzlich ist das Spektrum den anderen
jedoch sehr ähnlich und auch mit publizierten Spektren vergleichbar.
151,152
Eine noch geringere
Abweichung tritt für die
FS
auf. Alle Spektren weisen eine Bande bei
λ
=
225 nm
und eine weitere
bei
λ
=
195 nm
auf. Diese letztere ist im Fall der Kompost
FS
weniger stark ausgeprägt. Die insge-
samt geringen Abweichungen spiegeln sich ebenfalls in den ermittelten Extinktionsverhältnissen
48
wider (Tabelle 33). Der Zusammenhang zwischen der Extinktion bei
λ
=
250 nm
und
λ
=
365 nm
(
E2/E3
) wird invers mit der Molekülgröße und der Aromatizität in Verbindung gebracht.
153
Für
die hier gezeigten Daten bedeutet dies, dass sich die
FS
diesbezüglich untereinander sehr ähneln,
jedoch ein geringeres Molekülgewicht als die
HS
aufweisen. Dieses Ergebnis scheint sinnvoll, da in
der Literatur das Molekulargewicht von
HS
als zwischen
1 kDa
bis
10 kDa
, jenes für
FS
zwischen
0,5 kDa
bis
1 kDa
liegend angegeben wird.
154
Der Quotient aus der Extinktion bei
λ
=
270 nm
und
λ
=
400 nm
(
E270/E400
) trägt dazu bei eine Aussage zum Abbau phenolischer Strukturen zu
treffen.
155
Ist er eher groß, so kann davon ausgegangen werden, dass größere chinoide Struktu-
ren bereits zu phenolischen Komponenten geringen Molekulargewichts abgebaut sind.
156
Die
experimentell ermittelten Werte für die Huminstoffisolate scheinen die bereits vorher getätigten
Aussagen zu stützen: Für die
FS
werden durchgängig eher große
E270/E400
bestimmt (um 12),
während die für die
HS
bestimmten deutlich kleiner sind (um 2). Dies bestätigt wiederum, dass die
FS
ein geringeres Molekulargewicht besitzen. Außerdem ist anzunehmen, dass phenolische Kom-
ponenten eher in diesen Isolaten vorherrschen, denn in den
HS
. Dem Verhältnis der Extinktion bei
λ
=
465 nm
und
665 nm
(
E4/E6
) wird eine Aussagekraft bezüglich des Grads der Kondensation der
Ringsysteme in den Huminstoffen zugeschrieben.
157
So weisen hohe (
E4/E6
)-Verhältnisse auf einen
großen Anteil aliphatischer Struktureinheiten hin.
158,159
Für den hier betrachteten Fall würde dies
bedeuten, dass die FS einen aliphatischeren Charakter als die Huminsäureisolate besitzen (Werte
um 4 bzw. Werte um 2). Gleichermaßen ist hervorzuheben, dass die Kompost-
HS
über weniger
kondensierte aromatische Systeme als die
SPM
-
HS
verfügen sollten. Diese Erkenntnis lässt sich
nicht allein aus der Elementaranalyse ableiten, sodass die UV/Vis-Spektroskopie hier zusätzliche
Einblicke liefert.
Abbildung 20:
UV/Vis-Spektren isolierter a) Humin- und b) Fulvinsäuren. Es wurden wässrige
Lösung mit c=0,2 mgmL1gemessen.
Als ein weiteres Mittel der strukturellen Charakterisierung wurde die abgeschwächte Totalreflexion-
Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (
ATR-FTIR
) eingesetzt. Ausgewählte Spektren sind in
Abbildung 21 dargestellt. Bei Betrachtung fällt zunächst auf, dass die
FS
intensivere Schwin-
gungsbanden erzeugen. Die Spektren von aus Kompost und aus
SPM
isolierter
FS
unterscheiden
sich jedoch wenig voneinander. Im Fall der
HS
unterscheiden sich die Spektren der beiden un-
terschiedlichen Isolate vorrangig im Bereich der niedrigen Wellenzahlen. Davon abgesehen sind
auch diese Spektren sehr ähnlich. Die Banden bei
ν
=
838 cm1
und
ν
=
850 cm1
werden mit
der aromatischen C-H-Schwingung assoziiert.
160
Der Bande der
SPM HS
bei
ν
=
929 cm1
wird
das Vorhandensein von Doppelbindungen zugeordnet.
161
Um
ν
=
1020 cm1
-
1075 cm1
treten
sowohl C-O-Schwingungen von Polysaccharidgruppen, als auch von Alkoholen und aliphatischen
49
Tabelle 33:
Extinktionsverhältnisse isolierter Huminstoffe in wässriger Lösung bei
λ
=
250 nm
und
365 nm
(
E2/E3
),
λ
=
270 nm
und
400 nm
(
E270/E400
),
λ
=
465 nm
und
665 nm
(
E4/E6
). Bei ENV08 handelt es sich um eine technische Huminsäure, FUKU bezeichnet
natürliche organische Substanz aus der Großen Fuchskuhle.
E2/E3E270/E400 E4/E6
ENV08 3,020 3,857 5,194
FUKU 4,437 6,315 5,289
Suwanee River HS 3,409 5,102 7,792
Suwanee River FS 4,624 7,630 18,286
BLK HS - gefriergetrocknet 1,692 1,851 1,939
BLK HS - luftgetrocknet 2,215 2,556 2,311
BLK HS - getrocknet bei 105C 1,476 1,609 1,739
Kompost HS 3,207 4,618 3,006
BLK FS - gefriergetrocknet 6,452 13,037 3,528
BLK FS - luftgetrocknet 6,771 14,100 4,696
BLK FS - getrocknet bei 105C 6,646 12,661 3,318
Kompost FS 6,280 11,326 4,412
Ethern auf.
161
Die den Alkoholen zugehörigen C-OH-Schwingungsbanden könnten im Fall der
FS
um die Schulter bei
ν
=
1139 cm1
zu finden sein.
160
Im selben Bereich können jedoch auch
Schwingungen von Sulfonen auftreten.
161
Schwingungen der
FS
um
ν
=
1201 cm1
können als
C-O und C-OH-Schwingungen von Carbonsäuregruppen gedeutet werden.
160
Die Banden der
HS
bei
ν
=
1332 cm1
und der
FS
bei
ν
=
1382 cm1
könnten durch Sulfongruppen oder durch CO-
CH3
-Schwingungen verursacht werden.
161
Für die
FS
ist ebenfalls eine Bande bei
ν
=
1471 cm1
markiert, die vermutlich durch aliphatische C-H-Schwingungen verursacht wird.
160
Die übrigen
markierten Schwingungsbanden sollten durch verschiedene Carbonylschwingungen hervorgerufen
werden.
162
Durch Einsatz der
FTIR
können so einige qualitative Hinweise auf Strukturelemente
der Huminstoffisolate gewonnen werden. Aufgrund der starken Fluoreszenz der
HS
und
FS
war
ein Einsatz der der FTIR komplementären Raman-Spektroskopie nicht möglich.
Schließlich wurden die Huminstoffisolate auch mit LC/DAD untersucht. Die Chromatogramme
sind in Abbildung 22 und Abbildung 68 (Chromatografiesäule anderer Polarität, Anhang) darge-
stellt. Es ist zu erkennen, dass sich die Chromatogramme der
FS
und die der
HS
unabhängig vom
Ausgangsmaterial nur geringfügig voneinander unterscheiden. Im Bereich zwischen zwei und vier
Minuten weisen die
FS
jedoch andere Peaks als die Huminsäureisolate auf. Gegebenenfalls ist es
möglich diese mit Hilfe eines präparativen Systems zu isolieren und tiefergehend zu charakterisie-
ren. Der Vergleich mit technischer Huminsäure ENV08 und natürliche organische Substanz (
NOM
)
aus der Großen Fuchskuhle zeigt, dass breite Peaks zwischen sieben und zwölf Minuten erwartet
würden. Je nach deren Form und Retentionszeit kann die Polarität der entsprechenden Substanz
approximiert werden. Dass Fehlen dieses breiten Signals kann mehrere Ursachen haben. Zum
einen können die Konzentrationen der gelösten organischen Materie zu gering sein. Es ist zum
anderen auch möglich, dass die Isolate einen hohen Anteil sehr polarer Bestandteile umfassen.
Diese würden dann in der Totzeit des LC-Laufes eluieren und könnten nicht erfasst werden. Um
an diesem Punkt zu weiteren Aussagen zu kommen, müsste eine LC-Methode speziell für die hier
vorgestellten Isolate entwickelt werden.
50
Abbildung 21:
ATR-FTIR-Spektren von aus Kompost und SPM (getrocknet bei
105 C
) isolierten
Huminstoffen.
Abbildung 22:
LC/UV-DAD bei
λ
=
254 nm
der isolierten Huminstoffe und Vergleichssubstanzen
auf einer C18-Säule. ENV08 - technische Huminsäure, FUKU - natürliche organische
Substanz aus der Großen Fuchskuhle.
51
4.3 Reaktionen und Transformationsprozesse
4.3.1 Generierung oxidativer Transformationsprodukte
4.3.1.1 Fentonreaktion
Während der Fentonreaktion werden viele Hydroxylradikale generiert.
Diese können unselektiv mit in Lösung vorhandenen Substanzen zu einer Vielzahl von Oxidati-
onsprodukten reagieren. Auf Grund dessen sollte sich diese Reaktion sehr gut zum Aufbau einer
Bibliothek von Transformationsprodukte (TP) eignen. Diese kann dann die Grundlage für eine
sich daran anschließende, gerichtete Prüfung (Target-Analytik) der Proben aus technischen und
natürlichen Umsetzungen auf diese TP bilden.
Um eine möglichst breite Palette von oxidativen Transformationsprodukten innerhalb kurzer
Zeit in gut detektierbarer Konzentration zu generieren, wurde zunächst die Vorgehensweise zur
Umsetzung der Modellanalyten Propiconazol und Difenoconazol mit Fentonreagenzien optimiert.
Die Reaktionszeit wurde auf eine Stunde begrenzt. Der pH-Wert wurde auf pH=2-3 festgelegt,
da bereits bekannt ist, dass die Fentonreaktion in diesem Bereich mit konstanter Reaktionsge-
schwindigkeit abläuft.
163
Bei höheren pH-Werten liegen die Eisen-Ionen vorrangig dreifach positiv
geladen und ggf. als schwerlösliche Hydroxide vor. Diese tragen dann unter den gewählten Re-
aktionsbedingungen nicht weiter zur Bildung von Hydroxylradikalen bei.
164
Das Verhältnis der
Eisen(II)-Ionen zu den Analyten wurde zwischen 0,1 und 10 variiert. Die Konzentration des
Wasserstoffperoxids lag im Bereich des 1 bis 50-fachen der Modellsubstanzen. Durch Kontrollex-
perimente konnte sowohl ein hydrolytischer Abbau der Analyten im sauren Milieu, als auch eine
nennenswerte Oxidation durch Wasserstoffperoxid bei den genannten Bedingungen ausgeschlossen
werden.
Abbildung 23:
Optimierung der Fentonreagenzien zum Abbau von Difenoconazol. Dargestellt
ist der Gehalt des zweiten Diastereomers des Difenoconazols nach einstündiger
Behandlung mit Fentonreagenzien in % der Ausgangskonzentration in Abhängigkeit
von den zugesetzten Verhältnissen von Eisen(II)-Ionen und Wasserstoffperoxid.
Die Ergebnisse der Optimierung der Reagenzienkonzentration sind am Beispiel von Difenoco-
nazol II in Abbildung 23 dargestellt. Bei Beschränkung auf Wasserstoffperoxidkonzentrationen
größer als das zehnfache der Analytkonzentration lässt sich erkennen, dass der Einfluss der
Fe2+
-
Konzentration auf den Umsatz der Analyten eher gering ist. Sofern der Gehalt an
Fe2+
das
0,1
-fache
der Analytkonzentration übersteigt, hat der Einsatz unterschiedlicher
Fe2+
-Konzentrationen stets
52
den etwa gleichen Umsatz der Triazolfungizide innerhalb einer Stunde zur Folge. Diese Beob-
achtung lässt sich auf die katalytische Beteiligung der
Fe2+
an der Reaktion zurückführen.
12
Werden, bedingt durch eine geringe Zugabe von Wasserstoffperoxid, wenig Hydroxylradikale
gebildet, ist die
Fe2+
-Konzentration vergleichsweise groß. Dann wirken letztere zusätzlich als
Radikalfänger und reagieren mit den wenigen gebildeten Hydroxylradikalen weiter zu
Fe3+
und
Hydroxidionen,
165
was sich in einem geringeren Abbau der Triazolfungizide äußert. Dieser Effekt
kann für Wasserstoffperoxidzugaben im Bereich der molaren Konzentration der Modellsubstanzen
beobachtet werden. In einem optimierten Reagenzienverhältnis wirken
Fe2+
-Ionen ausschließlich
katalytisch. Im Gegensatz dazu wird das zugesetzte Wasserstoffperoxid in jedem Fall während
der Reaktion aufgezehrt, sodass in diesem Fall eine höhere Konzentration auch einen effektiveren
Analytabbau bewirkt. Abbildung 24 zeigt den Abbau von Propiconazol I bei konstanter Zugabe von
Fe2+
(zweifache Analytkonzentration) und unter Variation der Wasserstoffperoxidkonzentration.
Wird ein großer Überschuss an Oxidationsmittel (50-fache Propiconazolkonzentration) zugegeben,
so wird der Analyt innerhalb einer Stunde vollständig transformiert. Bei Zugabe von Wasserstoff-
peroxid in der gleichen Konzentration wie das Triazolfungizid sinkt dessen Konzentration im
Laufe einer Stunde lediglich auf 58 % der Ausgangskonzentration. Aus Abbildung 24 lässt sich
ebenso ableiten, dass das Wasserstoffperoxid sehr schnell verbraucht wird. In allen gezeigten Fällen
stellt sich nach spätestens 30-minütiger Reaktionszeit eine etwa konstante Konzentration von
Propiconazol I ein. Der größte Teil des Umsatzes erfolgt allerdings in den ersten fünf Minuten der
Behandlung. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Fentonreaktion im untersuchten System
sehr schnell abläuft. In der Literatur finden sich Hinweise, dass, falls Wasserstoffperoxid in zu
hohen Konzentrationen vorliegt, dieses ebenfalls als Radikalfänger wirkt, wobei weniger reaktive
Perhydroxylradikale entstehen (vgl. Gleichung (3), Abschnitt 2.1.1).
166,167
Aus den präsentier-
ten Daten kann dies nicht mit Sicherheit abgeleitet werden. Um jedoch ein Maximum an TP in
ausreichender Konzentration zu erhalten, wurde, ausgehend von diesen Untersuchungen und
Überlegungen, das Verhältnis Analyt:
Fe2+
:H
2
O
2
auf 1:2:20 festgelegt. Dieses entspricht ebenfalls
dem von Tang et al. ermittelten theoretisch optimalen Verhältnis.168
Abbildung 24:
Konzentrationsverlauf von Propiconazol-Diastereomerenpaar I unter Zugabe einer
konstanten Menge von
Fe2+
-Ionen (Verhältnis Analyt:
Fe2+
1:2) und einer variablen
Menge Wasserstoffperoxid (1-, 5-, 50-fache der Propiconazolkonzentration) im
Verlauf einer Stunde.
Aufgrund der starken oxidativen Wirkung und der hohen Reaktivität des Hydroxylradikals ist
anzunehmen, dass es zur Bildung einer Vielzahl von Produkten aus den Modellanalyten kommt. In
Abbildung 25 ist das Gaschromatogramm eines organischen Extraktes einer wässrigen Propicona-
zollösung vor und nach Behandlung mit Fentonreagenzien gezeigt. Es lässt sich erkennen, dass sehr
viele Peaks stark unterschiedlicher Intensität nach der Behandlung auftreten. Die hauptsächlichen
Peaks waren stets dieselben und auch die Intensitätsverhältnisse waren reproduzierbar. Die 12
intensivsten sind nummeriert und werden im Folgenden genauer besprochen. Da das Filament um
53
die Retentionszeit des Propiconazols herum nicht eingeschaltet wurde, um eine Überladung des
Detektors zu vermeiden, kann keine Aussage zum Umsatz des Propiconazols getroffen werden.
Abbildung 25:
Gaschromatogramm eines Extraktes einer wässrigen Propiconazollösung vor und
nach Behandlung mit Fentonreagenzien. Zur Vermeidung einer Überladung des
Detektors wurde das Filament des Massenspektrometers zwischen 14,0 und 14,5
min nicht eingeschaltet.
Abbildung 26 zeigt das Elektronenstoßionisation (
EI
)-Massenspektrum des in Abbildung 25
mit Pro1 bezeichneten Peaks. Den Basispeak bildet das Signal bei Masse-zu-Ladungsverhältnis
(
m/z
)=
173 ue1
,
175 ue1
und
177 ue1
. Die Intensitätsverhältnisse dieser
m/z
entsprechen etwa
9:6:1. Daraus lässt sich folgern, dass zwei Chloratome in diesem Fragment vorhanden sind. Anhand
des Ausgangsmoleküls kann damit auf das 2,4-Dichlorbenzoylkation geschlossen werden. Durch
Neutralverlust von Kohlenmonoxid entsteht daraus das 2,4-Dichlorphenylkation mit
m/z
=
145 ue1
,
147 ue1
und
149 ue1
. Des Weiteren treten im Spektrum die Massen
220 ue1
und
222 ue1
auf.
Da hier
m/z
=
224 ue1
fehlt, ist davon auszugehen, dass ein Chloratom homolytisch abgespalten
wurde. Werden die fehlenden 35 Masseneinheiten zu 220 hinzuaddiert, wird 255 erhalten. Auch
dieses
m/z
wird detektiert. Eine ähnliche Intensität wie
m/z
=
220 ue1
und
222 ue1
besitzen die
Signale bei
m/z
=
227 ue1
,
229 ue1
und
231 ue1
. Unter der Prämisse, dass diese Signale durch
einen Verlust von Kohlenmonoxid zustande kommen, berechnet man auch dabei wieder die Mas-
se 255 (257, 259). Diese tritt in sehr geringer Intensität auf. Ansonsten werden keine Signale
relevanter Intensität gefunden. Da zusätzlich die Retentionszeit merklich kürzer als die der Aus-
gangssubstanz ist (
11,2 min
statt
14,2 min
), kann geschlossen werden, dass es sich um ein kleineres
Molekül handelt. Der betreffende Peak im Gaschromatogramm kann damit dem Ketoanalogon
des Propiconazols (CGA 91304) zugeordnet werden. Für dieses TP ist ein authentischer Standard
kommerziell erhältlich, dessen Spektrum und Retentionszeit mit denen des fraglichen Produktes
überein stimmen. Pro1 kann somit eindeutig als Propiconazolketon identifiziert werden. Wie alle
anderen beschriebenen Produkte wurde auch dieses nicht detektiert, wenn die Ausgangssubstanz
ausschließlich mit Säure behandelt wurde. Es ist zwar bekannt, dass die Spaltung der Dioxo-
langruppe zum Keton säurekatalysiert abläuft, aber offenbar ist die Reaktionsgeschwindigkeit
54
zu gering oder die Reaktionsbedingungen der durchgeführten Experimente nicht ausreichend
intensiv. Es handelt sich also um ein
TP
, das unter Einfluss der Fentonreagenzien gebildet wird.
Abbildung 26:
EI-MS des Transformationsprodukts Pro1 und Standardsubstanz Propiconazolke-
ton.
In den Spektren zu Pro2 und Pro3 liegt der Basispeak ebenfalls bei
173 ue1
,
175 ue1
und
177 ue1
(Abbildung 69, Abbildung 70, Anhang). Zusätzlich tritt erneut das Fragment mit
m/z
=
145 ue1
,
147 ue1
und
149 ue1
auf, sodass auch in diesem Fall davon ausgegangen wird, dass die 2,4
-
Dichlor-
phenyleinheit erhalten bleibt. Weiterhin treten bei Pro2 vermutlich wiederum der Verlust eines
Chloratoms und von 28 u (vermutlich Neutralverlust von Kohlenmonoxid) auf. Aufgrund der ge-
genüber der Ausgangssubstanz verkürzten Retentionszeit kann postuliert werden, dass es sich bei
beiden Molekülen um Derivate handelt, die ein geringes Molekülgewicht als die Ausgangssubstanz
aufweisen. Eine detailliertere Zuordnung ist jedoch nicht möglich.
Abbildung 27: EI-MS der Transformationsprodukte Pro4 und Pro5.
Die in Abbildung 27 gezeigten Massenspektren der Peaks Pro4 und Pro5 sind sich sehr ähnlich.
Es könnte sich um Konstitutionsisomere handeln. Das Vorhandensein der Fragmente
173 ue1
,
175 ue1
und
177 ue1
und
m/z
=
145 ue1
,
147 ue1
und
149 ue1
bestätigt den Erhalt des aro-
matischen Systems in seiner ursprünglichen Form. In sehr geringer Intensität tritt auch ein
Signal bei
m/z
=
357 ue1
,
359 ue1
und
361 ue1
auf, das dem Molekülion der Summenformel
C
15
H
17Cl2
N
3
O
3
(Propiconazol+O) zugewiesen werden kann. Diese Summenformel stimmt mit
der der einfach hydroxylierten Ausgangssubstanz überein. Es sind viele Varianten einer Hydro-
xylierung vorstellbar. Die wichtigsten sind in Abbildung 28 dargestellt. Propiconazol kann z. B.
am aromatischen System hydroxyliert werden (Substanz GB-XLIII-42-1), wobei die Position der
55
Hydroxylierung durch die bereits vorhandenen Chlorsubstituenten mitbestimmt wird. Diese be-
sitzen einerseits einen negativen induktiven und andererseits einen positiven mesomeren Effekt.
Dadurch wirken sie desaktivierend und dirigieren vorrangig in ortho- und para-Stellung.
169
Ei-
ne Hydroxylierung ist aufgrund der bereits besetzten para-Position somit in 3- oder 5-Position
des aromatischen Systems möglich. Ferner kann Propiconazol in der Propylkette (CGA 118245,
CGA 118244, CGA 136735) oder am C5 des Dioxolanrings hydroxyliert werden. Zur gleichen
Summenformel führt auch die Spaltung der Ketalgruppe zum Halbketal, wobei zwei Produkte
möglich sind.
Abbildung 28:
Mögliche Strukturen der Summenformel C
15
H
17Cl2
N
3
O
3
ausgehend von Propico-
nazol
Hilfreich bei der Klärung um welche hydroxylierten Derivate es sich bei Pro4 und Pro5 handelt,
sind die übrigen Fragmente in den Massenspektren. Für
m/z
=
298 ue1
,
300 ue1
und
302 ue1
wird
postuliert, dass es sich um ein Fragment, das nicht die Propylkette besitzt, handelt. Da der Aromat
offenbar in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt (Massen 145 (147, 149) und 173 (175, 179)),
ist davon auszugehen, dass eine Oxidation in der Alkylkette statt am aromatischen System erfolgt.
Den Basispeak der Massenspektren von Pro4 und Pro5 bildet jeweils
m/z
=
273 ue1
,
275 ue1
und
277 ue1
. Zwei mögliche Strukturen dieses Fragments sind in Abbildung 29 dargestellt. Um
die Struktur des Fragments 273 aufklären zu können und es so zu ermöglichen die Strukturen
der
TP
zu bestimmen, kann die Gaschromatografie-Tandenmassenspektrometrie (
GC/MS/MS
)
genutzt werden. Für die hier gezeigten Verbindungen wurde diese Technik eingesetzt. Allerdings
war die Empfindlichkeit des Messgeräts nicht ausreichend. Somit können lediglich qualitative
Überlegungen zur Natur des Fragmentes angestellt werden. Eine mögliche Struktur wäre einem
in der Alkylkette monohydroxylierten Derivat des Propiconazols zuzuordnen (Abbildung 29a).
Die Struktur b ist ein Fragment eines Moleküls, das durch Spaltung der Dioxolangruppe zum
Halbketal entstehen könnte. In letzterem Fall kann jedoch keine Erklärung für das Auftreten von
m/z
=
298 ue1
,
300 ue1
und
302 ue1
gefunden werden, sodass gefolgert werden kann, dass es sich
bei Pro4 und Pro5 vermutlich um in der Alkylkette monohydroxylierte Derivate des Propiconazols
handelt.
56
Abbildung 29: Mögliche Strukturen des Fragmentes mit m/z=273 ue1, 275 ue1und 277 ue1.
Auch für die Produkte Pro6 und Pro8 ist davon auszugehen, dass sie als einfach hydroxylierte
Derivate des Propiconazols mit einem Molekülion mit
m/z
=
357 ue1
,
359 ue1
und
361 ue1
zu
identifizieren sind (EI-MS siehe Abbildung 30). Allerdings erfolgt die Hydroxylierung bei diesen
TP
am aromatischen System. Dies wird durch das Vorhandensein der
m/z
=
161 ue1
,
163 ue1
und
165 ue1und m/z=189 ue1, 191 ue1und 193 ue1(Basispeak), die dem monohydroxylierten
2,4-Dichlorphenyl- bzw. -benzoylkation zugeordnet werden können, bestätigt. Im Vergleich zu den
bereits besprochenen Spektren von Pro4 und Pro5 (Abbildung 27) fällt außerdem das Fehlen der
Masse 273 auf. Dafür wird in den Spektren von Pro6-Pro8
m/z
=
275 ue1
,
277 ue1
und
279 ue1
detektiert. Wahrscheinlich ist diese Masse dem Fragment zuzuordnen, das bei Abspaltung einer
Methyltriazolgruppe entsteht. Das Signal bei
314 ue1
,
316 ue1
und
318 ue1
entspräche einem
Fragment ohne die Propylkette, in Analogie zu
m/z
=
298 ue1
,
300 ue1
und
302 ue1
bei Pro4 und
Pro5. Anhand der vorliegenden Daten kann jedoch nicht bestimmt werden, an welcher Position
des Aromaten die Hydroxylierung erfolgt.
Abbildung 30: EI-MS der Transformationsprodukte Pro6 und Pro8.
Die weiteren
TP
Pro9-Pro12 (Abbildung 71, Abbildung 72, Abbildung 73, Abbildung 74, Anhang)
besitzen ebenfalls
m/z
=
357 ue1
,
359 ue1
und
361 ue1
. Da in ihren EI-Massenspektren die bereits
für Pro4, Pro5, Pro6 und Pro8 beschriebenen Fragmente vorhanden sind, kann davon ausgegangen
werden, dass es sich dabei um das Molekülion und somit ebenfalls um monohydroxylierte Propi-
conazolderivate handelt. Zum Teil kommt es bei diesen
TP
zu Koelutionen, sodass eine explizite
Zuordnung von Strukturen zu diesen Peaks nicht möglich ist. Möglicherweise korrespondieren
diese Peaks also auch mit den restlichen in Abbildung 28 dargestellten Molekülen. Im Fall des Pro-
piconazols ist auch zu beachten, dass einige Positionen, die hydroxyliert werden können, prochiral
sind. Da als Ausgangssubstanz ein Gemisch aus cis- und trans-Propiconazol eingesetzt wurde,
resultieren solche Transformationen theoretisch in vier möglichen Diastereomerenpaaren, die ih-
rerseits jeweils zwei Enantiomere umfassen. Da mit Hilfe der
GC/MS
z. T. eine Basislinientrennung
von Diastereomeren erreicht werden kann, ist bei geringen Unterschieden in der Retentionszeit bei
57
fast identischen Massenspektren vom Vorliegen eines solchen Falles auszugehen.
Das Massenspektrum des
TP
Pro7 unterscheidet sich deutlich von allen bisher gezeigten (Abbil-
dung 31). Zwar können in diesem auch die bereits erläuterten Fragmente 145 und 173 gefunden
werden. Den dominierenden Basispeak bildet hier jedoch
m/z
=
83,1 ue1
. Diese Masse korrespon-
diert mit der des Methyltriazolfragments. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich um Methyl-
triazol handelt, da viele polare organische Moleküle nicht mit Hilfe der
GC/MS
erfassbar sind.
Sie lassen sich erst bei hohen Temperaturen verdampfen oder zersetzen sich auf der stationären
Phase.
170
Weiterhin ist ihre Retentionszeit oft sehr kurz. Möglicherweise wird Peak Pro7 von einer
Substanz verursacht, die mehrere Methyltriazolgruppen trägt und zusätzlich eine dichlorierte
Benzoyleinheit aufweist. Auch in diesem Fall ist eine weitergehende Untersuchung mit
GC/MS/MS
sinnvoll, war aber aus den genannten Gründen nicht möglich.
Abbildung 31: EI-MS des Transformationsprodukts Pro7.
Um weitere Informationen zu erhalten, wurden die Proben ebenfalls mit
LC/MS/MS
im positi-
ven Modus vermessen. Dabei konnten im extrahierten Ionenchromatogramm (EIC) drei Peaks
detektiert werden, deren Molekülion die Masse [
M
+
H
]
+
=
358 ue1
besitzt. Ein aussagekräftiges
Spektrum konnte jedoch nicht erhalten und MS
2
-Experimente nicht durchgeführt werden, da die
Konzentrationen dieser
TP
nicht ausreichend groß war. Darüber hinaus wurden die entsprechenden
Proben mit Flüssigchromatografie-Hochaufgelöste Massenspektrometrie (
LC/HRMS
) analysiert.
Das [
M
+
H
]
+
=358 (360, 362) tritt dabei ebenfalls bei drei verschiedenen Retentionszeiten auf
(Abbildung 32). Allerdings bildet es bei der zuerst eluierenden Substanz nicht den Basispeak,
sodass von einer Koelution oder einer anderen Substanz ausgegangen und dieser Peak nicht wei-
ter berücksichtigt wurde. Der Abgleich der exakten Massen von Pro15HRMS und Pro16HRMS
(Tabelle 34) zeigt nur eine geringe Abweichung von der berechneten exakten Masse der Summen-
formel C
15
H
17Cl
2N3O3 (
=
5,23
bzw.
1,32
ppm). Daraus kann geschlussfolgert werden, dass
es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um monohydroxylierte
TP
oder Halbketale des Propiconazols
handelt. Darüber hinaus ist durch die höhere Empfindlichkeit des verwendeten Systems auch die
Detektion von fünf Peaks mit [
M
+
H
]
+
=356 (358, 360) möglich. Rein rechnerisch ergibt sich diese
Masse aus 358 durch Verlust von zwei Wasserstoffatomen. In eine chemische Struktur übersetzt
würde das bedeuten, dass statt eines Alkohols ein Keton vorliegt. Die darauf basierend berechnete
exakte Masse stimmt mit zwei der in den Messungen detektierten bis auf wenige ppm Abweichung
überein (
=-1.19 ppm). Eine Ketogruppe könnte in der Alkylkette des Propiconazols entstehen.
Möglicherweise sind Ketone Folgeprodukte, die aus der weitergehenden Oxidation zuvor gebildeter
Alkohols entstehen.
Außerdem eluieren Substanzen mit dem Basispeak [
M
+
H
]
+
=374 (376, 378), denen die Summen-
formel C
15
H
17Cl
2N3O4 (
=
0,50
;
2,11
bzw.
0,77
ppm) entspricht. Zu dieser lässt sich das
dihydroxylierte Derivat des Propiconazols zuordnen, das mit den anderen eingesetzten Metho-
den nicht detektiert werden konnte. Schließlich kann durch den Einsatz der
LC/HRMS
auch das
58
Auftreten des Propiconazolketons Pro1 erneut bestätigt werden. Es wird ein Peak mit geringer
Abweichung von der assoziierten exakten Masse detektiert (=-1.54 ppm), dessen Retentionszeit
mit der der Standardsubstanz übereinstimmt. Damit sind die intensivsten auftretenden Peaks hin-
sichtlich ihrer Summenformel grundsätzlich aufgeklärt. Weiterhin liegen für alle Signale plausible
Strukturvorschläge vor. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige der vorgestellten
Substanzen erst während der Lagerung oder des Transports
1
entstanden sind. Nichtsdestotrotz
handelt es sich auch in einem solchen Fall um oxidative
TP
, die zum Aufbau einer
TP
-Datenbank
sinnvoll genutzt werden können. Lediglich die Vergleichbarkeit der Ergebnisse der
GC/MS
und
LC/HRMS
kann, auch auf Grund fehlender MS/MS-Experimente, nicht gezeigt werden. Dies
betont jedoch die Sinnhaftigkeit der Anwendung komplementärer Methoden.
Abbildung 32:
EIC der LC/HRMS einiger relevanter TP von Propiconazol bei Umsetzung mit
Fentonreagenzien.
Tabelle 34:
Ergebnisse der LC/HRMS für mit Fentonreagenzien umgesetzte Lösungen von Propico-
nazol. RT - Retentionszeit, [
M
+
H
]
+
ex. - experimentelle exakte Masse, [
M
+
H
]
+
th. -
berechnete exakte Masse, /ppm - Massendifferenz.
Bezeichnung RT /min [M+H]+ex. [M+H]+th. /ppm Summenformel
Pro1 7,115 256,0035 256,0039 1,54 C10H7Cl2N3O1
Pro13HRMS 7,606 356,0559 356,0563 1,19 C15H15Cl2N3O3
Pro14HRMS 7,720 356,0559 356,0563 1,19 C15H15Cl2N3O3
Pro15HRMS 7,867 358,0701 358,0720 5,23 C15H17Cl2N3O3
Pro16HRMS 8,112 358,0715 358,0720 1,32 C15H17Cl2N3O3
Pro17HRMS 7,655 374,0667 374,0669 0,50 C15H17Cl2N3O4
Pro18HRMS 8,031 374,0661 374,0669 2,11 C15H17Cl2N3O4
Pro19HRMS 8,374 374,0666 374,0669 0,77 C15H17Cl2N3O4
Bei allen Umsetzungen von Difenoconazol mit Fentonreagenzien wurde derselbe Ablauf der
Analyse wie für Propiconazol eingehalten. Im Gegensatz zum Propiconazol können im Gaschroma-
togramm der Umsetzung von Difenoconazol mit Fentonreagenzien nur drei neue Peaks beobachtet
werden (Abbildung 75, Anhang). Diese treten auch nur in geringer Intensität auf. Extrakte aus
zusätzlichen Experimenten, bei denen die Reaktion bereits nach kürzerer Zeit unterbrochen und
die Lösung extrahiert wurde, wiesen auch keine weiteren Peaks auf. Entweder werden also sehr
schnell kleine, polare Moleküle gebildet, die mit der GC/MS nicht erfassbar sind oder der Abbau
resultiert nur in einer sehr kleinen Zahl von
TP
. In Abbildung 33 sind die EI-Massenspektren
von Dif1 und Dif2 zu sehen. Den Basispeak beider Spektren bildet
m/z
=
155 ue1
und
157 ue1
.
1Die LC/HRMS-Messungen wurden am UFZ Leipzig durchgeführt.
59
Anhand der Isotopenverteilung kann gefolgert werden, dass es sich dabei um ein Molekül, das nur
ein Chloratom trägt, handeln muss. Ausgehend von Difenoconazol, unter Berücksichtigung der
vorherrschenden Fragmente im Massenspektrum der Ausgangssubstanz kann gefolgert werden,
dass es sich dabei um das 2-Chlor-4-Hydroxyl-benzoylkation handelt. Das zweite dominierende
Signal tritt bei
m/z
=
213 ue1
und
215 ue1
auf und entspricht ebenfalls einem monochlorierten
Fragment, das keine Methyltriazolgruppe trägt. Da sich die Retentionszeiten von Dif1 und Dif2
nur sehr wenig voneinander unterscheiden und die Fragmente der Massenspektren identisch sind,
ist es möglich, dass es sich hierbei um Diastereomere handelt. Sie können einem Difenoconazol-
TP
entsprechen, das bei Spaltung der Ethergruppe entsteht. Ein authentischer Standard für diese
Substanz ist nicht verfügbar, sodass eine eindeutige Identifizierung ausbleiben muss.
Abbildung 33: EI-MS der Transformationsprodukte Dif1 und Dif2.
Das Massenspektrum des Peaks Dif3 ist in Abbildung 34 dargestellt. Die Fragmente der größten
Intensität sind
m/z
=
265 ue1
,
267 ue1
und
269 ue1
(Basispeak) sowie
m/z
=
312 ue1
und
314 ue1
.
Die Isotopenverteilung des ersteren, das so auch im Spektrum der Ausgangssubstanz auftritt, lässt
auf zwei Chloratome schließen. Das Fragment wird entsprechend dem Benzoylkation zugeordnet.
Unter der Annahme, dass das Fragment
m/z
=
312 ue1
und
314 ue1
direkt aus dem Molekülion
durch Chlorverlust entsteht, erhält man eine Molekülmasse von 347 u. Ein solches Molekül kann
das Difenoconazolketon sein, das durch Spaltung der Dioxolangruppe aus der Muttersubstanz
entsteht. Das
TP
Dif3 konnte durch Vergleich mit einem authentischen Standard eindeutig als
Difenoconazolketon identifiziert werden.
Abbildung 34: EI-MS des Transformationsprodukts Dif3 und von Difenoconazolketon.
Die Reaktionslösungen der Umsetzungen von Difenoconazol mit Fentonreagenzien wurden zu-
sätzlich mit LC in Kopplung mit MS/MS und HRMS analysiert. Dabei wurden keine weiteren
60
Produkte gefunden. Außerdem konnten Dif1-Dif3 nicht mit diesen Techniken detektiert werden.
Da auch das Ausgangsprodukt in der LC/HRMS nur in sehr geringen Mengen detektiert wird, kann
geschlossen werden, dass sich Difenoconazol und seine organischen Transformationsprodukte mit
Fentonreagenzien leichter abbauen lassen als Propiconazol.
Einige Publikationen widmen sich der Entfernung von Triazolfungiziden aus Wasser mit Hilfe
von Fenton- und verwandten Prozessen. Pliego et al. zeigten, dass der Gehalt an Propiconazol
in Abwasser um bis zu 70 % reduziert wird, wenn ein fentonartiger Prozess als vorhergehende
Reinigungsstufe verwendet wird.
171
Dabei entstehen als
TP
vorrangig organische Säuren wie
Ameisen- und Essigsäure. In einer zweiten Studie derselben Gruppe wird berichtet, dass nach
zweistündiger Behandlung mit Fentonreagenzien bei
120 C
ein Mineralisierungsgrad der im
Abwasser befindlichen Schadstoffe von 50 % erreicht wurde.
172
Diese Ergebnisse bestätigen die
Erkenntnisse dieser Arbeit, dass sich Propiconazol und Difenoconazol effektiv durch Einsatz von
Fentonprozessen abbauen lassen. Untersuchungen zum Verhalten des Triazolfungizids Triadime-
fon mit (Elektro-)Fentonprozessen legen nahe, dass die Triazoleinheit dabei zunächst erhalten
bleibt.
173
Eine Transformation zu kleineren organischen Säuren oder eine Mineralisierung tritt
vermutlich ein, wenn eine höhere Konzentration von Fentonreagenzien eingesetzt wird. Bei den
hier präsentierten Experimenten gelang es in keinem Fall mit einer der Analysemethoden die
Triazoleinheit oder deren Derivate, die ebenfalls sehr polar sind, zweifelsfrei zu detektieren. Für
weiterführende Experimente sollte die Methodenentwicklung gezielt auf diese
TP
hin ausgerichtet
werden.
4.3.1.1.1 Fentonreaktion in Boden
Forschungsberichte im Bereich Bodensanierung legen nahe,
dass die Fentonreaktion auch in diesem Umweltkompartiment als effektive Methode zur Ent-
fernung organischer Schadstoffe geeignet ist.
174
Um die Anwendbarkeit auf die Entfernung der
Triazolfungizide aus dotierten Böden zu prüfen, wurden dazu Übersichtsexperimente durchge-
führt. Die zuzusetzenden Mengen an
Fe2+
und H
2
O
2
wurden dabei aus bereits veröffentlichten
Studien abgeleitet.
175,176
Aufgrund der unselektiven Oxidationswirkung der in situ entstehenden
Hydroxylradikale ist davon auszugehen, dass der zusätzliche Gehalt organischer Materie dazu
führt, dass mehr Oxidationsmittel benötigt wird, um einen ähnlichen Umsatz wie in Lösungen der
Modellanalyten in Reinstwasser zu erhalten.
Repräsentativ für die verwendeten Modellanalyten sind in Abbildung 35 die Ergebnisse eines Expe-
riments zur Transformation von Propiconazol I in einer Aufschlämmung von dotiertem Kompost in
Reinstwasser dargestellt. Die Gehalte der flüssigen und der festen Phase sind dabei getrennt aufge-
tragen. Der Gesamtgehalt des Fungizids nimmt nach einer Einwirkdauer der Fentonreagenzien von
drei Stunden auf 29 % der dotierten Ausgangskonzentration ab. Während des Versuchszeitraums
verändert sich die Propiconazolkonzentration in der flüssigen Phase nur geringfügig, während
der Gehalt in der festen Phase von etwa
1300 ng
auf
270 ng
abnimmt. Daraus kann abgeleitet
werden, dass die Transformation des Fungizids wohl in der flüssigen Phase abläuft. Die Gehal-
te zwischen flüssiger und fester Phase stehen in einem chemischen Gleichgewicht zueinander.
Sinkt die Konzentration in der flüssigen Phase durch Einwirkung der Oxidationsmittel, so geht
weiteres Propiconazol I von der festen in die flüssige Phase über, wo es oxidiert werden kann. In
der Veröffentlichung von Flotron et al., die sich mit dem Abbau von polycyclischen aromatischen
Kohlenwasserstoffen (PAK) in Boden befasst, wird dieser Effekt hingegen nicht beschrieben. Sie
berichten bei Umsetzung natürlich belasteter Böden von einem in etwa konstanten Anteil Analyt,
der an die organische Materie adsorbiert vorlag.
176
Dies lässt den Schluss zu, dass in den hier
verwendeten dotierten Modellböden keine großen Anteile
NER
mit den Analyten vorliegen. Villa
et al. stellten hingegen während der Reaktion von
PAK
mit Fentonreagenzien in einer Aufschläm-
mung von belastetem Boden in Wasser fest, dass organische Materie von der festen in die flüssige
Phase mobilisiert wird.
177
Zusätzlich konnten sie nachweisen, dass sich die Konzentration eines
Schadstoffes während der Umsetzung in der flüssigen Phase vervierfachte. Dies sind eindeuti-
ge Hinweise darauf, dass auch die organische Materie des Bodens durch die Fentonreagenzien
61
angegriffen, z. T. abgebaut und in lösliche Bestandsteile transformiert wird. Damit werden
NER
wieder zugänglich gemacht. Außerdem kann dadurch auch bestätigt werden, dass, wie in den
vorgestellten Untersuchungen, die Reaktion vornehmlich in der flüssigen Phase abläuft. Wie bereits
in Abschnitt 4.1 erläutert, sind dafür die Strukturen der Analyten und der expliziten organischen
Materie sowie deren Wechselwirkungen miteinander entscheidend. Es ist daher vermutlich von
besonderer Wichtigkeit Versuche an natürlich belasteten statt an dotierten Böden durchzuführen,
um den Einfluss von
NER
auf die Transformation der Xenobiotika während solcher Umsetzungen
besser abschätzen zu können. Für einen konkreten Altlastenfall würde dies bedeuten, dass Vorun-
tersuchungen nötig sind, um zu klären ob ein sinnvoller Abbau der Kontaminanten unter Einsatz
der Fentonreaktion möglich ist.
178
Um die Anwendbarkeit der Fentonreaktion zur Sanierung
von Böden zu erleichtern, ist es sinnvoll Abstand von einer Anpassung des Boden pH-Wertes zu
nehmen. Gute Umsätze können dann beispielsweise durch zusätzlichen Einsatz von Chelatoren
erreicht werden.
179
Da auch natürlich in Böden vorhandene Eisenmineralien in der Lage sind an
fentonartigen Reaktionen teilzunehmen,
180
ist es weiterhin sehr vielversprechend dahingehend an
adäquaten Oxidationsmethoden zu arbeiten.
Abbildung 35:
Konzentrationsverlauf von Propiconazol bei Behandlung von dotiertem Boden mit
Fentonreagenzien über 180 min. Es sind die Analytgehalte eines ausgewählten
Replikats in der flüssigen und der festen Phase dargestellt.
Zur Bestimmung der Reaktionsprodukte wurden die flüssige und feste Phase getrennt aufgearbeitet.
In der wässrigen Phase der Umsetzung von Propiconazol konnten dabei Pro1, Pro3, Pro6, Pro8
und Pro9 detektiert werden. Diese
TP
konnten hingegen in der festen Phase nicht zweifelsfrei
nachgewiesen werden. Die hohe Matrixbelastung dieser Proben und der damit einhergehende
hohe Untergrund bei Scan-Messungen mit dem
GC/MS
-System erschwerten die Auswertung
der Chromatogramme. Um dies zu umgehen wurde an einer SPE-Methode gearbeitet, die die
Abtrennung gebildeter
TP
von Matrixbestandteilen und ihre Auftrennung in verschiedene Gruppen
(sauer, basisch,unpolar, polar) ermöglicht. Testläufe bestätigten die grundsätzliche Tauglichkeit
der entwickelten Methode. Die Anwendung auf tatsächliche Extrakte offenbarte jedoch, dass die
Vorgehensweise nicht für
TP
geeignet ist, die nur in sehr geringen Konzentrationen vorliegen, da
diese teilweise zu stark an den stationären Phasen zurückgehalten werden.
Das Difenoconazol betreffend konnte in der flüssigen Phase Dif3, Difenoconazolketon, nachge-
wiesen werden. Zusammengenommen entstehen also bei der Reaktion mit Fentonreagenzien in
einer Aufschlämmung aus Boden in Wasser vermutlich dieselben
TP
wie bei einer solchen, die
ausschließlich in Wasser durchgeführt wird. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich der Mecha-
nismus beim Übergang von Lösung zu Suspension nicht grundsätzlich ändert. Offenbar spielen die
zusätzlich vorhandenen Huminstoffe nur insofern eine Rolle für die Reaktion, als dass sie auch
durch die Reagenzien oxidiert werden.
62
4.3.1.2 Elektrochemie-Massenspektrometrie
Wie auch die Fentonreaktion kann die Elektro-
chemie genutzt werden, um Oxidationsprodukte von Analyten zu generieren. Darüber hinaus
bietet die elektrochemische Umsetzung Ansätze zur Bewertung des Phase-I-Metabolismus von
Chemikalien.
16
Für einen Überblick des Verhaltens der Modellanalyten bei verschiedenen Be-
dingungen wurden zunächst Experimente mit der Kopplung Potentiostat-ESI/MS durchgeführt
(online-System, Abschnitt 3.9.3). Dieses Vorgehen ermöglicht es entstehende
TP
direkt zu detektie-
ren. Dadurch, dass an die Arbeitselektrode ein zyklisches Potential angelegt wird, kann ebenfalls
festgestellt werden, ab welchem Potential bestimmte Produkte auftreten. Deren Intensitätsverlauf
kann direkt überwacht werden. Abbildung 36 verdeutlicht dieses Prinzip am Beispiel von Difenoco-
nazol (
m/z
=
406 ue1
) und einem ausgewählten
TP
(
m/z
=
422 ue1
, Difenoconazol+O): Steigt die an
die Arbeitselektrode angelegte Spannung, so nimmt die Intensität des Signals von Difenoconazol
ab, da es transformiert wird. Gleichzeitig nimmt die Intensität des TP zu.
Abbildung 36:
Intensität von Difenoconazol und einem
TP
bei Variierung der angelegten Span-
nung.
Bei Verwendung einer Arbeitselektrode aus bor-dotiertem Diamant (BDD) und einem angelegten
Potential von maximal U=
2 V
können für die Behandlung von Difenoconazol fünf
m/z
detektiert
werden, deren Intensitäten sich deutlich von der des Untergrunds abheben. Anhand der zyklischen
Zu- und Abnahme der Intensitäten dieser Ionen, dargestellt in Abbildung 37, lässt sich belegen,
dass es sich um Produkte handelt, die unter Einfluss der elektrischen Spannung entstehen. Die
Intensitäten liegen bei etwa 5 % der Intensität der Ausgangssubstanz. Das Massenspektrum aller
[
M
+
H
]
+
(Abbildung 76, Anhang), welche unter Einwirkung der elektrischen Spannung auf Dife-
noconazol auftreten, lässt erkennen, dass
m/z
=312 und 326 jeweils ein Isotopenmuster aufweisen,
das der ufigkeitsverteilung von Ionen, die ein Chloratom tragen, entspricht. Für die weiteren in
Abbildung 37 gezeigten Massenspuren liegt ein solches Isotopenmuster nicht vor, sodass davon
ausgegangen wird, dass diese Substanzen nicht chloriert sind. Ausgehend von Difenoconazol wer-
den Tochtersubstanzen, die nur ein Chloratom besitzen, leicht durch Etherspaltung gebildet (vgl.
Dif1 und Dif2, Abschnitt 4.3.1.1). Für [
M
+
H
]
+
=312, 314 wird somit ein
TP
vermutet, das durch
Etherspaltung entsteht und zweifach am aromatischen System hydroxyliert ist (Abbildung 38).
Für die Postulierung weiterer
TP
muss außerdem berücksichtigt werden, dass die elektrochemi-
63
Abbildung 37: EIC
von Difenoconazol (
m/z
=406) und den intensivsten Massen, die bei der elek-
trochemischen Behandlung einer Difenoconazollösung (c=
25 µgmL1
in Metha-
nol/Ammoniumacetat (25 mM) 1/1 v/v) mit Potentialen bis U=
2 V
bei einer Fluss-
rate von 50 µLmin1auftreten.
sche Behandlung in einem 1:1-Gemisch aus wässriger Ammoniumacetatlösung und Methanol
durchgeführt wurde. Erstere diente dabei dazu die Ionisierung in der ESI-Quelle zu verbessern,
während das organische Lösungsmittel die Löslichkeit der Triazolfungizide gewährleistete. Das
Methanol kann jedoch ebenfalls an Reaktionen teilnehmen. Aus diesen Überlegungen kann gefol-
gert werden, dass es sich bei [
M
+
H
]
+
=326, 328 um ein Analogon zu [
M
+
H
]
+
=312, 314 handelt,
das allerdings einfach am Aromaten hydroxyliert ist und zusätzlich eine Methoxygruppe aufweist
(Abbildung 38). Dem [
M
+
H
]
+
=340 kann ein Derivat des Difenoconazolketons entsprechen, bei
dem beide Chloratome durch Methoxygruppen substituiert sind (Abbildung 38). Die
m/z
der bereits
in Abschnitt 4.3.1.1 vorgestellten
TP
Dif1-Dif3 können ebenfalls detektiert werden, allerdings nur
mit etwa 0.5 % der Intensität des Difenoconazols. Das Dif3 Difenoconazolketon kann auch ein
Zwischenprodukt der Transformation zu [
M
+
H
]
+
=340 sein, während Dif1 bzw. Dif2 Vorstufen
64
der [
M
+
H
]
+
=312, 314 bzw. [
M
+
H
]
+
=326, 328 darstellen. Außerdem werden auch für die
m/z
des
Difenoconazolalkohols (
m/z
=
350 ue1
) und der Masse, die einem monohydroxylierten Difenoco-
nazol entspricht (
m/z
=
422 ue1
), zyklisch zu- und abnehmende Intensitäten verzeichnet. Hierbei
handelt es sich aber gleichwohl um Nebenprodukte. Da im online-Modus lediglich ein MS und
keine Tandemmassenspektrometrie zur Verfügung stand, sind die analytischen Informationen und
damit auch die Möglichkeiten zur Identifizierung der gebildeten Substanzen begrenzt. Aus diesem
Grund ist es auch nicht möglich Strukturen für [
M
+
H
]
+
=200 und [
M
+
H
]
+
=169 anzugeben.
Bei letzterem könnte es sich eventuell um Dinitrobenzol handeln. In Experimenten zur photoka-
talysierten Transformation von Propiconazol wurde diese Substanz als Produkt identifiziert.
181
Gegebenenfalls ist ein ähnlicher Reaktionsweg auch für Difenoconazol möglich.
Abbildung 38:
Strukturvorschläge für TP, die bei der elektrochemischen Behandlung einer Difeno-
conazollösung (c=
25 µgmL1
in Methanol/Ammoniumacetat (25 mM) 1/1 v/v) mit
Potentialen bis U=2 V bei einer Flussrate von 50µLmin1auftreten.
Abgesehen von der zyklischen Variation der Spannung wurden im online-Betrieb auch konstante
Potentiale an die Arbeitselektrode angelegt (DC-Modus). Die Intensitätsverläufe einiger dabei
auftretender [
M
+
H
]
+
sind in Abbildung 39 dargestellt. Es lässt sich erkennen, dass die Produkte
erst ab einem Potential U=
1,75 V
gebildet werden und am intensivsten bei U=
2 V
sind. Bei höheren
Potentialen werden die [
M
+
H
]
+
nicht mehr detektiert. Vermutlich werden sie selbst zu kleineren
Molekülen umgesetzt. Mit Hilfe dieses Modus kann ebenfalls sehr gut demonstriert werden, dass
die Leistung der
BDD
-Arbeitselektrode die der Glaskohlenstoffelektrode deutlich überwiegt. Bei
Einsatz der letzteren entstehen die Haupt-
TP
nur, wenn ein optimales Potential angelegt wird. Diese
Elektrode ist folglich für den Umsatz von Difenoconazol nur in einem engen Spannungsbereich
geeignet. Es wurden auch Elektroden aus Platin und Gold getestet, deren Fähigkeit zum Abbau des
Fungizids jedoch geringer ausfällt als das der Glaskohlenstoffelektrode. Höchstwahrscheinlich liegt
dies am Elektrodenmaterial: Die Gold-, Platin- und Glaskohlenstoffelektrode werden der Gruppe
der aktiven Anoden zugeordnet.
182
Diese tragen eher zur Bildung von Sauerstoffan den Elektroden
bei. Es treten sowohl die direkte Oxidation organischer Substanzen an der Elektrode, als auch die
indirekte Oxidation durch in situ generierte Spezies auf.
BDD
-Elektroden hingegen werden der
Gruppe der nicht-aktiven Anoden zugeordnet und sind nur schlechte Elektrokatalysatoren für die
Sauerstoffbildungsreaktion.
183,184
In diesem Fall überwiegt die indirekte Elektrooxidation durch
freie und an der Anode adsorbierte Hydroxylradikale.
185
Es kann also geschlussfolgert werden,
65
dass die elektrochemische Reaktion der beiden Triazolfungizide bevorzugt auf indirektem Weg
mit Hydroxylradikalen abläuft.
Abbildung 39:
Intensitätsverlauf ausgewählter
m/z
bei der elektrochemischen Behandlung einer
Difenoconazollösung (c=
25 µgmL1
in Methanol/Ammoniumacetat (25 mM) 1/1
v/v) mit konstanten Spannungen bei einer Flussrate von
50 µLmin1
unter Einsatz
einer BDD-Arbeitselektrode (links) und einer Glaskohlenstoffelektrode (rechts).
Zum Modellanalyten Propiconazol wurden ebenfalls Untersuchungen im online-Modus durchge-
führt. Hierbei erwies sich die Elektrode aus
BDD
auch als beste Wahl zum Umsatz des Fungizids.
Trotzdem waren die Intensitäten der erzeugten
TP
immer sehr viel geringer als im Fall des Di-
fenoconazols. Es konnten die [
M
+
H
]
+
des Propiconazolketons Pro1 ([
M
+
H
]
+
=256, 258, 260),
des Propiconazolalkohols ([
M
+
H
]
+
=258, 260, 262), eines monohydroxylierten Propiconazols
([
M
+
H
]
+
=358, 360, 362), eines dihydroxylierten Propiconazols ([
M
+
H
]
+
=374, 376, 378) und
eines Derivates, bei dem vermutlich ein Chlorsubstituent durch eine Hydroxylgruppe ausgetauscht
ist ([M+H]+=324, 326), mit zyklischer Intensitätsänderung detektiert werden (Abbildung 40).
Aus der Literatur ist bekannt, dass durch die elektrochemische Behandlung Substanzen hydro-
xyliert werden können.
19
Für beide Analyten können entsprechende
TP
detektiert werden. Da
Aliphaten üblicherweise nicht durch elektrochemischen Einfluss hydroxyliert werden, kann für
beide Modellanalyten von einer Hydroxylierung am aromatischen System ausgegangen werden.
Auch im Fall des Pharmazeutikums Diclofenac, das ebenso wie Propiconazol ein dichloriertes
aromatisches System besitzt, wird an diesem hydroxyliert.
21
Offenbar stellt eine derartige Desak-
tivierung des Aromaten kein Hindernis bei der elektrochemischen Hydroxylierung dar. Folglich
ist eine solche Reaktion auch bei Propiconazol durchaus möglich. Da die Reaktionen in einem
Lösungsmittelgemisch aus Methanol und Ammoniumacetat durchgeführt wurden, können analog
die Aromaten im hier vorgestellten System auch methoxyliert werden. Ebenfalls ist das Auftreten
elektrochemisch induzierter oxidativer Dehalogenierungen bereits belegt,
182
sodass postulierte
Produkte dieser Art ebenfalls plausibel sind.
Die gebildeten
TP
im online-Modus betreffend sind die elektrochemische Oxidation und die
Umsetzung mit Fentonreagenzien für die Triazolfungizide grundsätzlich vergleichbar. Auch die
Studien von Keller et al. implizieren, dass diese beiden Oxidationsmethoden zu ähnlichen Pro-
dukten führen.
186
Allerdings unterscheiden sich die Intensitäten der Produkte in den in dieser
Arbeit vorgestellten Experimenten stark zwischen den beiden Oxidationsmethoden. Dies wird noch
deutlicher, wenn die Modellanalyten über einen längeren Zeitraum elektrochemisch behandelt
werden. Bei diesen Batch-Versuchen wurden stärker konzentrierte Analytlösungen in Methanol bis
zu 24 Stunden unter Einsatz einer
BDD
-Arbeitselektrode elektrochemisch umgesetzt (Abschnitt
3.9.3). Nach dieser Zeit wurden die Proben mit
GC/MS
,
LC/MS
und
LC/HRMS
analysiert. Sowohl
66
Abbildung 40: EIC
von Propiconazol (
m/z
=342) und den intensivsten Massen, die bei der elek-
trochemischen Behandlung einer Propiconazollösung (c=
25 µgmL1
in Metha-
nol/Ammoniumacetat (25 mM) 1/1 v/v) mit Potentialen bis U=
2 V
bei einer Fluss-
rate von 50 µLmin1auftreten.
für Difenoconazol, als auch für Propiconazol ist der Umsatz dabei sehr gering und ein großer
Teil der Ausgangsstoffe ist noch vorhanden. Mit sehr geringer Intensität wird mit der
GC/MS
Dif3 Difenoconazolketon detektiert. Weitere
TP
von Difenoconazol können mit den gewählten
Methoden und einer gezielten Suche nach möglichen Produkten nicht detektiert werden. Das
Gaschromatogramm der Lösung, die nach 24-stündigem Umsatz einer Propiconazollösung in Me-
thanol erhalten wird, ist in Abbildung 41 dargestellt. Es werden die vier
TP
Pro20-Pro23 detektiert,
wobei Pro22 und Pro23 die höchsten Intensitäten aufweisen. Diese vier Produkte entsprechen
nicht den bereits gefundenen
TP
. Die Massenspektren von Pro20, Pro22 und Pro23 unterscheiden
sich kaum (Abbildung 77, Abbildung 79, Abbildung 80, Anhang). Alle drei weisen als Basispeak
m/z
=
173 ue1
,
175 ue1
und
177 ue1
auf. Wie bereits besprochen, kann dieses Fragment dem
67
dichlorierten Benzoylkation zugeordnet werden. Zusätzlich tritt in diesen Spektren
m/z
=259, 261,
263 auf. Dieses Fragment wird ebenfalls im Massenspektrum der Ausgangssubstanz detektiert
und kann einem Fragment des Propiconazols ohne die Methyltriazolgruppe zugeordnet werden.
Aus diesen Beobachtungen kann geschlussfolgert werden, dass die Grundstruktur des Propico-
nazols bei diesen
TP
erhalten bleibt. Im Spektrum von Pro22 (Abbildung 79, Anhang) können
auch Massen detektiert werden, die Fragmenten des Propiconazolketons entsprechen. Da auch
die Retentionszeiten ähnlich sind, handelt es sich hierbei wahrscheinlich um ein Mischspektrum.
Vermutlich ist also in sehr geringen Mengen Pro1 entstanden.
Wie auch bei den Umsetzungen mit Fentonreagenzien wurden die erzeugten Lösungen mit
LC/HRMS
gemessen. Die mit der
GC/MS
detektierten Produkte wurden dabei nicht gefunden.
Ebenso wurden keine der weiteren bereits besprochenen
TP
detektiert. Ein Grund dafür könnte
die sehr geringe Konzentration der
TP
sein. Eventuell sind die entstandenen Produkte auch nicht
sonderlich stabil, sodass sie bis zur Messung mit
HRMS
bereits zerfallen sind. Zusätzlich muss in
Betracht gezogen werden, dass für Batch-Versuche ein anderer Aufbau als für die online-Detektion
der
TP
verwendet wurde. Es ist möglich, dass sich diese Systeme in ihrer Leistungsfähigkeit
unterscheiden.
Abbildung 41:
Gaschromatogramm der elektrochemischen Umsetzung von Propiconazol über
24 Stunden bei U=2 V mit einer BDD-Arbeitselektrode.
Als Ausgangspunkt eines Vergleiches der Umsetzung mit Fentonreagenzien und auf elektrochemi-
schem Wege wurde auf die Hydroxylradikale Bezug genommen. Zur Quantifizierung dieser wurde
Terephthalsäure als chemisches Dosimeter eingesetzt. In Anwesenheit von Hydroxylradikalen
reagiert diese Substanz sehr schnell und selektiv im ersten Schritt zu 2-Hydroxyterephthalsäure.
Dabei sind die Umsatzraten im Vergleich zu anderen verwendeten Systemen sehr hoch und direkt
proportional zur Konzentration der Hydroxylradikale.
187,188
In Abbildung 42 sind die Intensitäten
von Terephthalsäure und 2-OH-Terephthalsäure bei Umsatz mit Fentonreagenzien (Verfahren
analog des Umsatzes der Triazolfungizide) und elektrochemischer Behandlung (24 Stunden, U=
2 V
,
Batch-Reaktor) gezeigt. Im Fall der Fenton-Umsetzung ist bereits nach einer Minute die maxi-
male Konzentration an 2-OH-Terephthalsäure erreicht. Dieses Produkt wird anschließend weiter
umgesetzt. Die Modellanalyten Propiconazol und Difenoconazol werden bei Behandlung mit
Fentonreagenzien ebenfalls sehr schnell umgesetzt (Abschnitt 4.3.1.1). Bei der elektrochemischen
Behandlung kann hingegen auch nach 24 Stunden das erwartete
TP
nicht detektiert werden.
Auch andere Umsatzprodukte werden nicht detektiert. Weiterhin fällt auf, dass die Intensität
des Ausgangsstoffes kaum abnimmt. Es kann daraus geschlussfolgert werden, dass die Produk-
tion von Hydroxylradikalen bei der Fentonreaktion die bei der elektrochemischen Behandlung
68
im Batch-Reaktor deutlich übersteigt. Dies kann ein Grund dafür sein, dass auch bei längerer
elektrochemischer Behandlung von Fungizidlösungen kaum
TP
entstehen. Offenbar generiert das
elektrochemische System der Durchflusszelle effektiver Hydroxylradikale als das synthetische
System. Durch die lange Behandlungszeit kann es bei Einsatz des Batch-Reaktors auch zu Passivie-
rungseffekten kommen, die eine weitere Oxidation der Triazolfungizide behindern.
189
Zusätzlich
ist in Betracht zu ziehen, dass der Fenton- und der elektrochemischen Reaktion unterschiedliche
Mechanismen zugrunde liegen. So sollten die hauptsächlichen reaktiven Spezies zwar Hydro-
xylradikale sein. Es existieren jedoch Hinweise, dass bei der elektrochemischen Oxidation auch
aktivierter molekularer Sauerstoffbeteiligt sein kann.190
Abbildung 42:
Intensitäten von Terephthalsäure und 2-OH-Terephthalsäure bei Umsetzung mit
Fentonreagenzien (links, n=3) und elektrochemischer Behandlung mit einer BDD-
Arbeitselektrode bei U=2 V (n=1).
Zur elektrochemischen Behandlung triazolfungizidhaltiger Lösung existieren bereits einige Studi-
en, die z. T. ebenfalls unter Verwendung von BDD-Elektroden durchgeführt wurden. Grundsätzlich
wird dabei festgestellt, dass sich sowohl Propiconazol, als auch Difenoconazol sehr gut auf elek-
trochemischem Wege abbauen lassen. Die Kinetik des Abbaus verläuft nach einem Mechanismus
pseudo-erster Ordnung und das Anlegen höherer Spannungen führt zu einem schnelleren Abbau
der Substanzen.
191
In den hier vorgestellten Ergebnissen im DC-Modus lässt sich ebenfalls erken-
nen, dass sich die Intensitäten der
TP
und gleichermaßen die Umsatzraten der Ausgangsstoffe mit
Ansteigen des angelegten Potentials erhöhen. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass niedrigere
pH-Werte die Transformation von Difenoconazol begünstigen.
191
Die Transformationsprodukte
betreffend wird von aromatischen Intermediaten wie Chinonen und Chlorphenolen berichtet,
die anschließend weiter zu kleineren organischen Säuren oxidiert und schließlich mineralisiert
werden.
192
Han et al., die die elektrochemische Oxidation von Propiconazol an dotierten Titandi-
oxidelektroden untersuchten, konnten außerdem das Propiconazolketon, einen daraus abgeleiteten
Methyl- und einen Ethylester, sowie die 2,4-Dichlorbenzoesäure und das 2,4-Dichlorbenzaldehyd
detektieren.
193
Zusätzlich führten sie DFT-Berechnungen durch, die als wahrscheinlichsten An-
griffspunkt für Hydroxylradikale das C6, das die Dioxolangruppe trägt, ergaben. Ausgehend davon
postulierten sie, dass das Propiconazolketon stets neu gebildet wird und das Zwischenprodukt ist,
aus dem alle weiteren
TP
entstehen. Die hier vorgestellten Ergebnisse bestätigen die Umsetzung
von Propiconazol zu Propiconazolketon. Die in der Literatur beschriebenen Abbauprodukte gerin-
gen Molekulargewichts konnten allerdings nicht detektiert werden. Sofern möglich wurden die
entsprechenden Standardsubstanzen wie z. B. 2,4-Dichlorphenol beschafft und Lösungen davon
mit
GC/MS
und
LC/MS/MS
gemessen. Doch eine Korrelation bestimmter Retentionszeiten und
ein Vergleich von Massenspektren zeigte, dass diese Produkte nicht in detektierbarer Konzen-
tration vorhanden sind. Viel mehr zeigen die vorgestellten Untersuchungen, dass zumindest im
online-Modus auch eine Oxidation unter Erhalt der Grundstruktur der Triazolfungizide bzw. ein
Austausch der Chlorsubstituenten zu erwarten ist. Die im online-Modus erzeugten
TP
sind somit
denen, die bei der Umsetzung mit Fentonreagenzien erhalten werden z.T. vergleichbar.
69
4.3.2 Technisch induzierte Transformationen
4.3.2.1 Chlorung
Da die Chlorung ein verbreitetes Verfahren der Abwasserbehandlung ist und
auch zum Zweck der Trinkwasseraufbereitung zugelassen, sollte ihr Einfluss auf die Triazolfun-
gizide Difenoconazol und Propiconazol überprüft werden. Als Oxidationsmittel wurde dazu
Natriumhypochloritlösung verwendet, da diese einfach in der Handhabung ist. Vorab wurde der
Gehalt aktiven Chlors in der Lösung bestimmt. Es erfolgten Chlorzugaben zwischen
0,4 mgL1
bis
2400 mgL1
zu Analytlösungen in Reinstwasser (
0,07
-400-faches der laut Trinkwasserverordnung
gestatteten Dosis).
Grundsätzlich ist eine elektrophile Chlorierung der aromatischen Systeme von Propiconazol und
Difenoconazol zu erwarten. Die bereits vorhandenen Chlorsubstituenten sollten dabei aufgrund
ihres -I/+M-Effektes vorrangig in ortho- und para-Stellung dirigierend wirken.
169
Unabhängig
davon wirkt Natriumhypochloritlösung ebenfalls als starkes Oxidationsmittel, sodass auch eine
Spaltung der Moleküle und die Bildung von Alkholen, Ketonen und uren in Frage kommen.
194
Selbst bei sehr hohen Dosen bis zum etwa
300000
-fachen molaren Überschuss an Chlor und einer
Behandlungsdauer von
60 min
konnte kein Abbau der Analyten beobachtet werden. Ein Grund
für diese Inertheit der beiden Triazolfungizide gegenüber Natriumhypochloritlösung könnte in
den bereits vorhandenen Chlorsubstituenten begründet liegen. Diese entziehen dem aromatischen
System aufgrund ihrer hohen Elektronegativität Elektronendichte, was in einer verminderten
Reaktivität gegenüber Elektrophilen resultiert.
169
Weiterhin ist es möglich, dass die sterische
Hinderung, bedingt durch die räumliche Nähe der aromatischen Systeme zum Triazolring und des
durch die Alkylkette sperrigen Ketals, Angriffe reaktiver Spezies verhindert.
Stamatis et al. untersuchten das Verhalten von Propiconazol während der Wasseraufbereitung und
stellten dabei eine maximale Reduzierung der Konzentration um 30 % während des kombinierten
Schrittes Chlorung/Sandfiltration fest.
195
Aufgrund des eher unpolaren Charakters von Propico-
nazol ist dabei vorrangig von einer Adsorption an die feste Phase, denn von einer tatsächlichen
Transformation auszugehen. Weiterhin wurden in einer Studie zur Anwendung von Propiconazol
berichtet, dass dessen Wirksamkeit in der Konservierung von Zitrusfrüchten durch Zugabe von
100 µgmL1
Natriumhypochloritlösung (molares Verhältnis etwa 1:1) nicht eingeschränkt wird.
196
Dies bestätigt die Ergebnisse der hier vorgestellten Untersuchungen. Somit kann geschlussfolgert
werden, dass eine Reduzierung der Konzentration von Propiconazol und Difenoconazol durch
Einsatz von Natriumhypochloritlösung, auch bei Einsatz eines sehr großen Überschusses, nicht zu
erwarten ist.
4.3.2.2 Ozonung
Ozon ist ein sehr starkes Oxidationsmittel, das in wässrigen Lösungen unter
Einfluss von Hydroxidionen zu Sauerstoffzerfällt.
30
Da ein steigender pH-Wert mit höheren
Konzentrationen von Hydroxidionen einhergeht, sollte dieses Reaktion dann deutlich schneller
ablaufen. Zusätzlich besitzt die Zusammensetzung der Wassermatrix einen großen Einfluss auf
den Ozonzerfall.
197
Um einen Eindruck von der Kinetik des Zerfallsprozesses im verwendeten
System zu bekommen, wurde der Ozongehalt in gepufferten Lösungen mit pH=5, 7 und 9 und in
Oberflächenwasser ausgehend von einer Startkonzentration von
12 mgL1
verfolgt. Die Ergebnisse
sind in Abbildung 43 und die abgeleiteten Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten k in Tabelle 35
dargestellt. Für die Einschätzung der k wurde hier eine Reaktion erster Ordnung angenommen.
In der wässrigen Lösung mit pH=9 ist bereits nach zwei Minuten das gesamte zugesetzte Ozon
zerfallen. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist in diesem Fall so groß, dass die Kinetik mit der
gewählten Vorgehensweise nicht verfolgt werden kann. Die nächst schnellere Reaktion läuft bei
pH=7 ab (Tabelle 35). Der Konzentrationsverlauf ist dabei annähernd identisch mit dem des
Ozonzerfalls in Oberflächenwasser (Teltowkanal, pH=6-7). Der Einfluss von Huminstoffen auf
den Abbau des Ozons ist in diesem Fall also eher gering. Den Erwartungen entsprechend zerfällt
das Ozon bei pH=5 am langsamsten. Die ermittelten k verdeutlichen, dass das Ozon in der
70
neutralen gegenüber dem in der leicht sauren Lösung etwa doppelt so schnell zerfällt. Aus diesen
Werten wurde für weitere Versuche eine maximale Kontaktzeit von Ozon und Substrat von
15 min
abgeleitet.
Abbildung 43:
Zerfall von Ozon bei pH = 5, 7 und in Oberflächenwasser (Teltowkanal). Dargestellt
ist je ein ausgewähltes Replikat.
Tabelle 35:
Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten k des Zerfalls von Ozon in Reinstwasser ver-
schiedener pH-Werte und in Oberflächenwasser (Teltow-Kanal). Es wurde eine Kinetik
erster Ordnung angenommen
k /min1
pH 5 0,08857±0,02428
pH 7 0,24872±0,02584
Teltowkanal 0,20777±0,03770
Bei den im Anschluss durchgeführten Experimenten zur Behandlung der Triazolfungizide be-
trug die initiale Ozonkonzentration in den Probelösungen etwa
35 mgL1
. Eine Reduktion der
Modellanalytkonzentration konnte dabei in den gepufferten Lösungen nach 15 Minuten nicht
festgestellt werden. Durch Überprüfung mit der Indigomethode wurde jedoch sichergestellt, dass
das gesamte zugesetzte Ozon im Versuchszeitraum abgebaut wurde. Es ist bekannt, dass einige Sub-
stanzen, die auch als Puffer verwendet werden, den Mechanismus des Abbaus von Spurenstoffen
durch Ozon ändern können. So wirken Carbonationen als Radikalfänger und sorgen somit dafür,
dass die Transformation der organischen Spurenstoffe über Reaktionen mit Hydroxylradikalen
unterbunden wird.
198
Das System
NH3/NH4+
kann die Reaktion auf diese Weise ebenfalls beein-
flussen, allerdings ist die assoziierte Reaktionsgeschwindigkeitskonstante deutlich kleiner als die
für
HCO
3/CO 2
3
.
199
Es ist insgesamt aber vorstellbar, dass die Umsetzung der Triazolfungizide
mit ungerichtet wirkenden Hydroxylradikalen durch die Puffersubstanzen eingeschränkt oder
gänzlich verhindert wird.
Ozon kann selbst auch direkt mit aromatischen Systemen reagieren.
29
Allerdings sind diese im
Fall von Propiconazol und Difenoconazol durch die Chlorsubstituenten bzw. die Etherbindung
desaktiviert,
169
was die 1,3-dipolare Cycloaddition, wie sie von Criegee
31
als Mechanismus der
Ozonolyse vorgeschlagen wurde, durch Elektronenmangel im Aromaten erschwert. Eine direkte
Reaktion mit Ozon ist damit vermutlich zu langsam um während des Versuchszeitraumes eine
messbare Reduktion der Analytkonzentration zur Folge zu haben. Gleiches wurde für die
PCB
und chlorierte Benzole berichtet, wobei die Reaktionsgeschwindigkeit mit Zunahme des Chlo-
rierungsgrades abnimmt.
200,201
Um den Einfluss der Matrix zu untersuchen, wurden zusätzlich
Umsetzungen der Fungizide in Reinstwasser und Oberflächenwasser (Teltowkanal) durchgeführt.
71
Auch in Reinstwasser wurde kein Analytabbau festgestellt. In dieser Matrix sollte der Anteil der
Radikalfänger minimal sein, sodass auch Hydroxylradikale mit den Analyten reagieren können
sollten. Da das Hydroxylradikal einen eher elektrophilen Charakter besitzt,
202
ist die Reaktions-
geschwindigkeit der Substitution an die Triazolfungizide aus den bereits genannten Gründen zu
gering, als dass eine Transformation analytisch erfassbar wird.
Die Ergebnisse der Experimente in Oberflächenwasser können Abbildung 44 entnommen wer-
den.
Abbildung 44:
Konzentrationsverlauf von Difenoconazol (links) und Propiconazol (rechts) bei
Zugabe von Ozonstarkwasser zu Oberflächenwasser (Teltowkanal). Die Werte sind
als % des Startwertes aufgetragen.
Für eines der Replikate wird keine Konzentrationsänderung festgestellt. Die Konzentrationsverläu-
fe der beiden anderen Replikate ähneln sich untereinander und zwischen den beiden Modellana-
lyten stark. Während des Versuchszeitraumes sinkt die Analytkonzentration auf etwa 40 % des
Ausgangswertes ab. Auffällig ist hierbei, dass die Konzentration nicht etwa kontinuierlich abnimmt,
sondern stark schwankt. Diese Schwankungen lassen sich nicht allein mit der Messunsicherheit,
die maximal 10 % ausmachen sollte, begründen. Huminstoffe, wie sie im Oberflächenwasser vor-
kommen, können je nach Konzentration und ihrer inhärenten Struktur unterschiedlichen Einfluss
auf den Ozonabbau und den Oxidationsmechanismus von Spurenstoffen nehmen.
203,204
Es gibt
Hinweise, dass natürliche organische Substanz sowohl als Initiator als auch als Promoter der Radi-
kalreaktion bei der Ozonung wirken kann.
205–207
Dieser Umstand könnte dafür sorgen, dass in
Oberflächenwasser die Analytkonzentration verringert wird.
TP
konnten in diesen Proben jedoch
nicht detektiert werden. Dies kann zwei Gründe haben: (i) Die eingesetzten Analyten wurden
vollständig mineralisiert. Dies wäre aber nicht mit den offensichtlichen Konzentrationsschwankun-
gen in Einklang zu bringen. Oder es werden (ii) diverse
TP
oder Vorläufermoleküle gebildet, die
nicht bei den Modellumsetzungen mit Fentonreagenzien und der elektrochemischen Behandlung
auftraten und folglich nicht zum Erwartungsspektrum gehörten. Sofern solche Produkte nur in
geringer Konzentration vorhanden sind, sind sie nicht mit der vorhandenen Messtechnik erfass-
bar. Gegebenenfalls ist die Bildung dieser Produkte zusätzlich reversibel wie bereits für einige
aromatische und olefinische Systeme bekannt ist.
208,209
Dadurch ließen sich auch die starken
Konzentrationsschwankungen erklären. Eine Adsorption der Triazolfungizide an Huminstoffe
konnte durch vergleichende Untersuchungen ausgeschlossen werden.
Propiconazol betreffend existieren bereits einige Untersuchungen zum Verhalten unter Einfluss
von Ozon. So beobachteten Margot et al. durch Einsatz von gekoppelten Batchreaktoren eine
Reduktion der Konzentration dieses Fungizids um etwa 30 %.
210
Andere Untersuchungen unter
Klärwerksbedingungen konnten keine Umsetzung von Propiconazol mit Ozon nachweisen.
93,211
72
Aufgrund der hier vorgestellten und der bereits veröffentlichten widersprüchlichen Ergebnisse
sowie der vielfältigen Einflussfaktoren lässt sich keine pauschale Aussage zum Reaktionsverhalten
der beiden betrachteten Triazolfungizide unter Bedingungen der Wasseraufbereitung mit Ozon
treffen. Für eine Klärung der Phänomene kann eine systematische Betrachtung des Einflusses
von Huminstoffen hilfreich sein. Um Reaktionen mit Ozon tatsächlich ausschließen zu können,
könnten ergänzend Batch-Experimente durchgeführt werden, bei denen das Ozongas direkt in eine
Lösung der Modellanalyten eingeleitet wird. So können noch höhere Ozondosen erreicht werden.
Eine kontinuierliche Überwachung des Zu- und Abstroms des Ozons liefert dabei Hinweise auf die
Masse gelösten Ozons und die reagierende Dosis.
4.3.2.3 UV-Bestrahlung
Bei der Bestrahlung wässriger Lösungen können Substanzen direkt
photolysiert werden oder indirekt unter Beteiligung von Photosensibilisatoren reagieren. Folglich
spielt der Gehalt organischer Substanz eine große Rolle bei der Transformation von Analyten.
Abbildung 45 zeigt die logarithmierte Konzentrationsänderung der Triazolfungizide bei Bestrah-
lung mit einer Quecksilberdampflampe. Dabei ist zu erkennen, dass der Gehalt der Substanzen
in Reinstwasser nach einer Bestrahlungsdauer von 30 Minuten auf etwa 6 % (Propiconazol) bzw.
19 % (Difenoconazol) des Ausgangsgehaltes absinkt. Für alle aufgetragenen Daten gilt, dass die
Transformation von Propiconazol schneller erfolgt als die von Difenoconazol. Zusätzlich ist zu
bemerken, dass die Konzentration der Analyten nach einer Minute Bestrahlung höher ist, als die
Konzentration zum Zeitpunkt t=0 min. Dies kann mit Adsorptionseffekten erklärt werden: Vor
Bestrahlung adsorbieren die Analyten an Matrixbestandteile und Gefäßwände. Die vorhande-
nen Wechselwirkungen werden durch Einfluss der energiereichen Strahlung wieder aufgehoben,
sodass die Analyten einer Detektion erneut zur Verfügung stehen. Für Berechnungen von Re-
aktionsgeschwindigkeitskonstanten wurde demnach der Analytgehalt bei t=0 min außer Acht
gelassen.
Abbildung 45:
Konzentrationsverlauf von a) Propiconazol und b) Difenoconazol bei Bestrahlung
mit energiereicher UV-Strahlung in Reinstwasser und unter Zusatz von technischer
Huminsäure (HS), natürlicher organischer Substanz (NOM), Schwebstoffmaterial
aus der Elbe bei Blankenese (BLK SPM) sowie aus letzterem extrahierte Huminsäu-
ren und Fulvinsäuren (FS). Die Konzentration der Zusätze betrug stets
10 mgL1
.
Es sind jeweils die Daten eines ausgewählten Replikats aufgetragen.
Werden Additive zum Reinstwasser zugefügt, so steigt die Umsatzrate der Triazolfungizide. Dabei
hat für beide Conazole die Zugabe von technischer
HS
in etwa denselben Effekt wie die Zugabe
von
NOM
aus der großen Fuchskuhle. Der Gehalt an Propiconazol sinkt auf etwa 2 % der Aus-
gangskonzentration während noch etwa 7 % der ursprünglich zugesetzten Menge Difenoconazol
nach 30 Minuten vorhanden sind. Werden
BLK SPM
oder daraus isolierte
HS
und
FS
zugegeben,
kann eine größere Steigerung des Umsatzes beobachtet werden. Der Analyt Propiconazol ist dann
nach 30 Minuten nahezu vollständig transformiert, während noch etwa 3 % des Difenoconazols
73
vorhanden sind. Generell kann festgehalten werden, dass in allen untersuchten Matrices die Mo-
dellanalyten innerhalb von 30 Minuten fast vollständig umgesetzt werden können. Anhand der
ermittelten Daten wurden unter Annahme einer Kinetik pseudo-erster Ordnung die entsprechen-
den Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten bestimmt (Tabelle 39, Anhang). Diese verdeutlichen,
dass der Zusatz der gewählten Additive die Transformation der Triazolfungizide um das drei- bis
fünffache beschleunigt. Die Reaktionsgeschwindigkeit steigt bei Zugabe von Huminstoffisolaten
aus Kompost und
SPM
etwa um denselben Faktor. Die Unterschiede in den Umsatzraten, die
bei Verwendung von technischer Huminsäure und
NOM
im Gegensatz zu denen bei Einsatz von
SPM
, bzw. daraus extrahierten Materialien, resultieren, lassen sich mit den verschiedenartigen
Strukturen der organischen Substanz erklären. Wie in Abschnitt 4.2 bereits besprochen wurde,
weisen sowohl die technische Huminsäure, als auch die verwendete natürliche organische Substanz
einen eher aliphatischen Charakter auf, während die aus
BLK
-
SPM
bzw. Kompost isolierten
HS
und
FS
vermutlich eher einen ausgeprägteren aromatischen Charakter aufweisen. Ein ausgedehntes
chromophores System befähigt sie zu einer effektiven Absorption von Photonenenergie, die dann
auf die Modellanalyten übertragen werden kann. Wird statt
SPM
aus der Elbe bei Blankenese die
gleiche Menge
SPM
aus der Donau bei Ulm eingesetzt, so halbiert sich die Reaktionsgeschwindig-
keitskonstante etwa (Tabelle 39, Anhang). Dies unterstreicht die Wichtigkeit einer eingehenden
strukturellen Charakterisierung von Schwebstoffmaterial bzw.
NOM
, sofern dies möglich ist. Nur
mit diesen zusätzlichen Informationen kann ein sinnvoller Zusammenhang zwischen der Wirkung
des Materials und seiner molekularen Struktur erkannt werden.
Für Vergleichsuntersuchungen wurde den Analytlösungen während der Bestrahlung Wasserstoff-
peroxid (30 %ig,
5 µL
) zugesetzt. Es zeigt sich, dass diese erweiterte Oxidationsmethode bezüglich
ihrer Reaktionsgeschwindigkeit vergleichbar mit der Oxidation unter Zugabe von Humistoffiso-
laten aus
BLK
-
SPM
ist. Aus dem deutlichen Unterschied in der Reaktionsgeschwindigkeit der
Experimente in Reinstwasser und unter Verwendung von Additiven kann geschlussfolgert werden,
dass in letzterem Fall zusätzlich zur direkten Photolyse die Übertragung von Energie durch die
organische Substanz in ihrer Funktion als Photosensibilisator eine große Rolle spielt. Es ist auch
möglich, dass die organische Materie an der Übertragung von Wasserstoffauf die Modellanalyten
beteiligt ist.212
Um erste Hinweise auf den Mechanismus der Transformation der Triazolfungizide unter Ein-
fluss energiereichen Lichtes zu erhalten, wurden zum einen Experimente unter Zugabe von
tert-Butylalkohol durchgeführt. Dies erlaubt eine Aussage zur Beteiligung von Radikalen an
der Reaktion, da diese zum größten Teil durch dieses Agens abgefangen werden. Zum anderen
wurde den Reaktionslösungen Natriumazid zugefügt, welches in der Lage ist als physikalischer
Quencher für Singulettsauerstoffzu fungieren.
213
Sofern die Transformation der Triazolfungizide
über Reaktionswege dieser Art verläuft, sollte sich die Reaktionsgeschwindigkeit verringern. Die
Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in Abbildung 46 zu finden. Es ist auffällig, dass die Umset-
zung der Fungizide unter Zugabe der Agenzien etwas schneller abläuft, als ohne. Dies kann ein
Hinweis darauf sein, dass die Zusätze direkt mit den Triazolfungiziden reagieren. Anhand dieser
Datenlage kann also keine Aussage zur Beteiligung von Radikalen und Singulettsauerstoffan der
Reaktion abgeleitet werden.
Erneut wurden in diesem Zusammenhang Umsetzungen mit Terephthalsäure durchgeführt, um so
Rückschlüsse auf die Produktion von Hydroxylradikalen schließen zu können. Die entsprechenden
Experimente wurden in Reinstwasser und unter Zugabe von
BLK SPM FS
durchgeführt (Abbil-
dung 82, Anhang). In beiden Fällen ist der Umsatz der Terephthalsäure zu 2-OH-Terephthalsäure
in etwa gleich schnell. Etwaige Unterschiede in der Bildungsrate, bedingt durch die organische
Materie, sind also zu vernachlässigen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die organische
Substanz nicht zur vermehrten Beteiligung von Hydroxylradikalen an der Transformation der
Modellanalyten führt. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass die organische Substanz
als Photosensibilisator wirkt und Energie auf die Triazolfungizide überträgt.
74
Abbildung 46:
Konzentrationsverlauf von a) Propiconazol und b) Difenoconazol bei Bestrah-
lung mit energiereicher UV-Strahlung in Reinstwasser und unter Zusatz von tert-
Butylalkohol (25 mM) und Natriumazid (10 mM). Es sind jeweils die Daten eines
ausgewählten Replikats aufgetragen.
In Abbildung 47 ist beispielhaft ein Gaschromatogramm eines Extraktes dargestellt, das bei
Bestrahlung einer wässrigen Propiconazollösung erhalten wird. Die vier markierten Peaks treten
unabhängig von der Matrixzusammensetzung auf. Pro22 und Pro23 werden in identischer Form
auch bei den elektrochemischen Umsetzungen detektiert und wurden in Abschnitt 4.3.1.2 bereits
besprochen. Die Massenspektren der Substanzen Pro24 und Pro25 (Abbildung 81, Anhang) zeigen
als Basispeak
m/z
=
220 ue1
und
222 ue1
bzw.
m/z
=
234 ue1
und
236 ue1
. Die Isotopenverteilung
deutet auf ein einfach chloriertes Molekül hin. Ebenfalls auftretende Fragmente im Abstand von
14 u
können ggf. auf eine Alkylkette hinweisen. Da keine weiteren aussagekräftigen Fragmente
auftreten und MS/MS-Messungen aufgrund der geringen Konzentration der
TP
nicht möglich
waren, können keine expliziten Strukturen zugeordnet werden. Alle Proben wurden zusätzlich
mit
LC/MS/MS
gemessen. Dabei wurden in allen Proben Substanzen mit [
M
+
H
]
+
=
306 ue1
(drei Peaks) und [
M
+
H
]
+
=
324 ue1
(zwei Peaks) detektiert. Von diesen Peaks aufgenommene
MS2-Spektren waren aufgrund der geringen Konzentration der TP nicht aussagekräftig.
Abbildung 47:
Gaschromatogramm eines Extraktes der Umsetzung von Propiconazol unter Einfluss
energiereicher UV-Strahlung.
Zu weitergehenden Charakterisierung der
TP
wurden
LC/HRMS
-Messungen durchgeführt. Detek-
75
tierte Massen und zugeordnete Summenformeln sind in Tabelle 36 aufgeführt. Die entsprechenden
EIC sind in Abbildung 48 dargestellt.
Abbildung 48:
Ausgewählte
EIC
einer LC/HRMS-Messung eines Extraktes der Umsetzung von
Propiconazol unter Einfluss energiereicher UV-Strahlung.
Tabelle 36:
Ergebnisse der LC/HRMS für mit energiereicher UV-Strahlung umgesetzten Lösungen
von Triazolfungiziden. RT - Retentionszeit, [
M
+
H
]
+
ex. - experimentelle exakte Masse,
[M+H]+th. - berechnete exakte Masse, /ppm - Massendifferenz.
Bezeichnung RT /min [M+H]+ex. [M+H]+th. /ppm Summenformel
Pro26HRMS 5,482 306,1460 306,1448 3,82 C15H19N3O4
Pro27HRMS 5,972 306,1462 306,1448 4,48 C15H19N3O4
Pro28HRMS 8,015 306,1009 306,1004 1,70 C15H16Cl1N3O2
Pro29HRMS 6,675 324,1123 324,1109 4,32 C15H18Cl1N3O3
Pro30HRMS 7,541 324,1117 324,1109 2,47 C15H18Cl1N3O3
Dif6HRMS 6,657 350,1157
Dif7HRMS 7,262 350,1160
Dif8HRMS 9,534 350,3277
Dif9HRMS 6,968 352,1307 352,1292 4,32 C19H19N3O4
Dif10HRMS 6,853 388,1073 388,1059 3,71 C19H18Cl1N3O4
Dif11HRMS 7,376 388,1065 388,1059 1,65 C19H18Cl1N3O4
Dif12HRMS 7,656 370,0972 370,0953 5,13 C19H16Cl1N3O3
Dif13HRMS 8,194 370,0970 370,0953 4,59 C19H16Cl1N3O3
Dif14HRMS 7,360 370,0974 370,0953 5,67 C19H16Cl1N3O3
Dif15HRMS 5,976 370,1419 370,1397 5,94 C19H19N3O5
Anhand der unterschiedlichen exakten Massen können für [
M
+
H
]
+
=
306 ue1
zwei verschiedene
Summenformeln abgeleitet werden. So kann den Peaks bei
5,482
und
5,972
Minuten (Pro26HRMS
und Pro27HRMS) jeweils die Summenformel C
15
H
19
N
3
O
4
zugeordnet werden. Ausgehend von Pro-
piconazol kann dies der Substitution beider Chloratome durch Hydroxylgruppen (Abbildung 49)
entsprechen. Diese Art der photoinduzierten Substitution ist bereits für andere chlorierte Pestizide
wie 2,4-D
214
und Bromoxynil
215
bekannt und somit plausibel. Da zwei Peaks mit der entsprechen-
den exakten Masse detektiert werden, ist davon auszugehen, dass eine der beiden Substanzen nicht
durch eine direkte Substitution beider Chloratome durch Hydroxylgruppen entstanden sein kann.
In diesem Fall kann beispielsweise eine Chlorposition durch eine Hydroxylgruppe substituiert sein,
während an dem anderen Kohlenstoffatom, das einen Chlorsubstituenten trägt, eine reduktive
76
Eliminierung von Chlor statt findet. Eine zweite Hydroxylgruppe muss sich dann an anderer
Stelle des Moleküls finden. Das Massenspektrum der dritten Substanz mit [
M
+
H
]
+
=
306 ue1
(Pro28HRMS) weist die Isotopenverteilung eines Moleküls auf, das über ein Chloratom verfügt.
Die exakte Masse kann einer Substanz mit der Summenformel C
15
H
16Cl1
N
3
O
2
zugeordnet werden
(
=+1.70 ppm). Vialaton et al. konnten ein
TP
dieser Summenformel bei ihren Untersuchungen
zur Transformation von Propiconazol unter Einfluss von Sonnenlicht ebenfalls detektieren.
216
Sie
postulierten ein Molekül, welches durch Photocyclisierung unter Abspaltung von HCl entsteht
(Abbildung 49).
Abbildung 49:
Mögliche Strukturen der bei der Bestrahlung propiconazolhaltiger Lösungen detek-
tierter Substanzen.
Den Peaks mit [M+H]+=324 ue1kann mit geringer Abweichung die Summenformel
C
15
H
18Cl1
N
3
O
3
zugeordnet werden (
=+4.32 ppm und +2.47 ppm). Eine mögliche Struktur
zu dieser Summenformel wäre eine Derivat des Propiconazols, bei dem ein Chlorsubstituent
durch eine Hydroxylgruppe ausgetauscht wurde (Abbildung 49). Dazu stehen zwei Positionen am
aromatischen System zur Verfügung, sodass bei einer solchen Reaktion zwei mögliche Konstituti-
onsisomere gebildet werden können. In Abbildung 48 ist für Peak Pro29HRMS auch eine Schulter
zu erkennen, deren definierte exakte Masse ebenfalls mit der genannten Summenformel korre-
spondiert. Folglich ist anzunehmen, dass es sich hierbei um die beiden Isomere handelt, von denen
eines bevorzugt gebildet wird und somit in höherer Intensität detektiert wird. Die Verfolgung
der Bildungsraten der verschiedenen Photolyseprodukte mit
LC/MS/MS
zeigte, dass diese ebenso
wie die Intensität der
TP
größtenteils unabhängig von der Zugabe organischer Substanz sind
(Abbildung 83, Abbildung 84, Anhang). Allerdings tritt Pro29HRMS nur in sehr geringer Intensität
auf, wenn Natriumazid zur Lösung zugesetzt wird. Dies kann ein Indikator dafür sein, dass das
entsprechende
TP
durch Einwirkung von Singulettsauerstoffgebildet wird. Für Pro29HRMS wurde
zusätzlich ein MS
2
-Spektrum aufgenommen, das in Abbildung 50 dargestellt ist. Das Fragment
der Masse
238 u
wird durch Abspaltung der Dioxolangruppe erhalten. Wird zusätzlich Wasser
eliminiert, wird die Masse 220 u erhalten.
Der Peak Pro30HRMS kann mit derselben Summenformel wie Pro29HRMS assoziiert werden.
Ausgehend von der bereits zitierten Studie ist anzunehmen, dass die entsprechende Struktur durch
Hydrolyse des zyklischen Produktes Pro28HRMS mit [
M
+
H
]
+
=
306 ue1
und
308 ue1
entsteht
(Abbildung 49).
216
Weitere Photolyseprodukte konnten unter Anwendung der genannten Techni-
ken nicht identifiziert werden. Dureja et al. konnten in ihren Untersuchungen zur photolytischen
77
Transformation von Propiconazol das 1,2,4-Triazol als Hauptprodukt identifizieren.
217
Außerdem
postulieren sie ein Derivat der Ausgangssubstanz, bei dem die Schutzgruppe zum Halbketal auf-
gespalten wird. In den hier vorgestellten Experimenten konnten diese Substanzen jedoch nicht
detektiert werden. Gegebenenfalls ist es daher notwendig die eingesetzten Analysemethoden so zu
überarbeiten, dass z.B. auch polarere Produkte sicher detektiert werden können.
Abbildung 50:
MS
2
-Spektrum von Peak Pro29HRMS mit postulierter Summenformel
C15H18Cl1N3O3.
Auch die
TP
, die bei der Bestrahlung von wässrigen Difenoconazollösungen detektiert werden,
sind unabhängig von zugegebener organischer Materie stets dieselben. In Abbildung 51 ist das
entsprechende Gaschromatogramm eines Extraktes einer derart behandelten Reaktionslösung zu
sehen. Wie auch bei der Fentonreaktion entsteht dabei Produkt Dif3, das Difenoconazolketon.
Abbildung 51:
Gaschromatogramm eines Extraktes der Umsetzung von Difenoconazol unter Ein-
fluss energiereicher UV-Strahlung.
Zusätzlich werden zwei weitere Peaks Dif4 und Dif5 festgestellt. Die beinahe identischen Massen-
spektren sind in Abbildung 52 dargestellt. Anhand der Isotopenmuster lässt sich schlussfolgern,
dass es sich um monochlorierte Moleküle handelt. Die
m/z
höchster Intensität sind
m/z
=
231,1 ue1
und m/z=289,1 ue1. Beide weisen die Isotopenverteilung von Fragmenten auf, die ein Chloratom
besitzen. Im Spektrum von Difenoconazol treten ebenfalls zwei Hauptfragmente auf (
m/z
=
265 ue1
,
267 ue1
und
269 ue1
;
m/z
=
323 ue1
,
325 ue1
und
327 ue1
), die jedoch jeweils
34 u
schwerer
sind. Diese Massendifferenz kann dem Verlust eines Chloratoms bei gleichzeitiger Addition ei-
78
nes Wasserstoffatoms entsprechen. Daraus lässt sich ableiten, dass Dif4 und Dif5 jeweils einfach
reduktiv dehalogenierten Derivaten des Difenoconazols zugeordnet werden können.
Abbildung 52: Massenspektren der Peaks Dif4 und Dif5.
Die Analyse der Proben mit hochaufgelöste Massenspektrometrie (
HRMS
) ist aufgrund der höheren
Empfindlichkeit in der Lage die Bildung weiterer
TP
offenzulegen. Einige
EIC
sind in Abbildung 53
dargestellt. Die exakten Massen und zugehörigen Summenformeln können Tabelle 36 entnommen
werden.
Abbildung 53:
Ausgewählte
EIC
einer LC/HRMS-Messung eines Extraktes der Umsetzung von
Difenoconazol unter Einfluss energiereicher UV-Strahlung.
Die Massenspur für
m/z
=
370 ue1
weist vier Peaks auf (Dif12-Dif15HRMS). Für Dif12-Dif14HRMS
kann den exakten Massen die Summenformel C
19
H
16Cl1
N
3
O
3
zugeordnet werden (
etwa 5 ppm,
Tabelle 36). Die Isotopenverteilung der Massenspektren deutet ebenfalls auf das Vorhandensein ei-
nes Chloratoms. Da sowohl für Propiconazol,
216
als auch für das Triazolfungizid Penconazol
218
ein
Photocyclisierungsprodukt auftritt, ist dies ebenso für Difenoconazol zu erwarten (Abbildung 54).
Dieses wäre vermutlich dem intensivsten der Peaks, Dif12HRMS, zuzuordnen. Wenn einer Lösung
zusätzlich Natriumazid zugesetzt wird, ist die Intensität dieses Peaks nur sehr gering (Abbil-
dung 87, Anhang). Dies kann wiederum ein Hinweis auf eine Beteiligung von Singulettsauerstoff
an der Bildung dieser Substanz sein.
79
Abbildung 54:
Mögliche Strukturen der bei der Bestrahlung difenoconazolhaltiger Lösungen de-
tektierter Substanzen.
Das MS2-Spektrum von Dif12HRMS ist in Abbildung 55 gezeigt.
Abbildung 55: MS2-Spektrum von Peak Dif12HRMS.
Die Hauptfragmente mit
m/z
=
312 u
und
284 u
entstehen vermutlich bei der Abspaltung der Dioxo-
langruppe und Kohlenstoffmonoxid. Die exakte Masse von Dif15HRMS unterscheidet sich von
der der anderen
TP
mit [
M
+
H
]
+
=
370 ue1
. Zusätzlich tritt bei diesem Peak keine Isotopenvertei-
lung auf, wie sie für das Vorhandensein eines Chloratoms üblich wäre. Analog dem Propiconazol
besitzt auch das Difenoconazolderivat, das zweifach dehalogeniert und mit Hydroxylgruppen
substituiert ist, die nominelle Masse [
M
+
H
]
+
=
370 u
. Es wäre also möglich, dass auch im Fall
dieses Triazolfungizids diese Struktur bei Bestrahlung mit energiereicher UV-Strahlung entsteht.
80
Ein solches Produkt konnte auch durch Untersuchungen zur Transformation bei elektrochemischer
Behandlung postuliert werden.
Weiterhin werden zwei Peaks mit [
M
+
H
]
+
=
388 ue1
und
390 ue1
detektiert (Dif10HRMS und
Dif11HRMS), deren Isotopenverteilung jeweils auf das Vorhandensein eines Chloratoms hin-
deutet. Anhand der exakten Masse kann die Summenformel C
19
H
18Cl1
N
3
O
4
abgeleitet werden
(=+3.71 ppm und +1.65 ppm). Wie auch im Fall von Propiconazol kann dies bedeuten, dass ein
Chloratom der Muttersubstanz durch eine Hydroxylgruppe ersetzt wird. Da zwei Positionen für
eine Substitution des Chlors infrage kommen, würden dafür zwei Peaks erwartet. Außerdem kann
eine Hydrolyse des zyklischen Produktes mit [
M
+
H
]
+
=
370 ue1
stattfinden. Insgesamt sollten
drei Peaks mit [
M
+
H
]
+
=
388 ue1
und
390 ue1
resultieren. Dass nur zwei detektiert werden, kann
daran liegen, dass eines der genannten Produkte nicht oder in sehr geringem Ausmaß gebildet
wird. Aufgrund fehlender MS
2
-Daten ist eine weitergehende Charakterisierung der den Peaks
zugehörigen Substanzen nicht möglich.
Dem Peak Dif9HRMS mit [
M
+
H
]
+
=
352 ue1
kann ein Derivat des Difenoconazols entsprechen,
bei dem beide Chloratome durch eine Hydroxylgruppe und ein Wasserstoffatom ersetzt wurden.
Die theoretische exakte Masse der zugeordneten Summenformel weicht nur geringfügig von der
experimentell ermittelten ab (
=
4,32
ppm), sodass davon ausgegangen werden kann, dass ein
Molekül der entsprechenden Summenformel gebildet wird. Außerdem wurden drei Peaks mit
[
M
+
H
]
+
=
350 ue1
mit der
HRMS
detektiert. Die Isotopenverteilungen zeigen, dass es sich nicht
um chlorierte Moleküle handelt. Aus der Literatur ist bekannt, dass ein ufig auftretendes
TP
von
Difenoconazol der Alkohol ist, der entsteht, wenn die Dioxolangruppe abgespalten wird. Dieser
besitzt ebenfalls das [
M
+
H
]
+
=
350 ue1
. Allerdings zeigt ein Vergleich mit dem authentischen
Standard und den exakten Massen, dass keiner der drei Peaks diesem Alkoholderivat zugeord-
net werden kann. Da die beiden Produkte Dif6HRMS und Dif7HRMS mit sehr kurzem Abstand
eluieren und sich ihre exakten Massen nur geringfügig unterscheiden, kann davon ausgegangen
werden, dass es sich hierbei um isomere Verbindungen handelt. Das MS
2
-Spektrum von Peak
Dif6HRMS kann Abbildung 56 entnommen werden. Das Fragment mit
m/z
=
292 u
kann durch
Abspaltung der Dioxolangruppe gebildet werden. Wird auch noch Kohlenstoffmonoxid abgespal-
ten, wird
m/z
=
264 u
erhalten. Aus dem Auftreten dieser Fragmente kann geschlussfolgert werden,
dass die Dioxolangruppe in zyklischer Form oder als offenkettige Variante erhalten bleibt. Sowohl
Dif6HRMS als auch Dif7HRMS treten nur in sehr geringer Intensität auf, wenn die Reaktionslösung
Natriumazid enthält (Abbildung 85 und Abbildung 86, Anhang). Folglich ist es möglich, dass diese
Produkte unter Beteiligung von Singulettsauerstoffentstehen oder aber mit Natriumazid selbst
reagieren.
Aus der für das Produkt Dif8HRMS detektierten exakten Masse lässt sich schlussfolgern, dass
die zugehörige Summenformel sich von denen von Dif6HRMS und Dif7HRMS unterscheiden
muss. Ein MS
2
-Spektrum von Dif8HRMS ist in (Abbildung 89, Anhang) zu sehen. Es werden
nur Fragmente sehr geringer Massen detektiert. Die Substanz eluiert außerdem deutlich später
als Dif6HRMS und Dif7HRMS. Dies kann ein Hinweis auf einen eher unpolaren Charakter des
Stoffes sein. Eine rechnerisch mögliche Summenformel wäre C
20
H
39
N
5
. Für die Bildung eines
solchen Produktes wäre es notwendig, dass verschiedene Derivate des Difenoconazols miteinander
reagierten.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Zugabe organischer Substanz zur Reakti-
onslösung die Umsetzung beider Modellanalyten beschleunigt. Unahängig davon werden jedoch
für alle Versuche die gleichen Hauptprodukte gefunden. Dies spricht dafür, dass die Produkte
aus direkter und durch Photosensibilisatoren initiierter Photolyse zum großen Teil identisch sind.
Die vorrangigen Transformationswege sind die oxidative und reduktive Photodehalogenierung
sowie die Photocyclisierung. Die oxidative Dehalogenierung als Transformationsweg konnte bereits
durch die elektrochemischen Experimente vorhergesagt werden und sind bisher nicht als
TP
publi-
ziert. Propiconazol betreffend entsprechen die detektierten
TP
überwiegend bereits publizierten
81
Abbauprodukten. Das in dieser Arbeit postulierte zyklische Photoprodukt von Difenconazol ist
noch nicht bekannt.
Abbildung 56: MS2-Spektrum von Peak Dif6HRMS.
4.3.3 Natürlich induzierte Transformationen
4.3.3.1 Globalstrahlung
Im vorherigen Abschnitt wurde beschrieben, dass sich die Modellana-
lyten in wässrigen Lösungen schnell bei Bestrahlung mit energiereicher UV-Strahlung umsetzen
lassen. An diese Erkenntnis anknüpfend wurden analoge Versuche zum Abbau bei Bestrahlung
mit dem simulierten UVA-Anteil der Globalstrahlung durchgeführt. Dabei wurde wie bei den vor-
hergehenden Experimenten das Verhalten der Analyten in Reinstwasser ebenso betrachtet, wie bei
Zugabe verschiedener Huminstoffisolate,
SPM
-Materialien und in Oberflächenwasser. Ausgewählte
Ergebnisse sind in Abbildung 57 dargestellt.
Sofern die Umsetzungen nur in Reinstwasser durchgeführt werden, kann keine Konzentrations-
änderung der Modellanalyten über einen Zeitraum von fünf Stunden beobachtet werden. Dieser
Umstand liegt wohl darin begründet, dass die Überlappung zwischen dem Emissionsspektrum der
verwendeten Strahlungsquelle und den Absorptionsspektren der Modellanalyten nicht ausreichend
groß ist (Abbildung 58), was die Möglichkeit zur direkten Photolyse stark einschränkt. Folglich
kann es bei Verwendung von UVA-Strahlung nur in sehr geringem Umfang zu einer Aktivierung
der Triazolfungizide durch aufgenommene Strahlung kommen.
Unter Zugabe von technischer Huminsäure (Abbildung 57a) und aus
BLK
-
SPM
isolierter
FS
(Abbildung 57b) ist eine geringe Konzentrationsänderung zu ermitteln. Da bei der für diese
Versuche verwendeten
GC/MS
-Messmethode die Verfahrensunsicherheit etwa 5-10 % beträgt, kann
bei diesen Experimenten nicht mit Sicherheit von einer Transformation der Substanzen gesprochen
werden. Dies ist insofern unerwartet, als die
BLK
-
SPM
-
FS
bei Einsatz energiereicher UV-Strahlung
den Abbau der Analyten deutlich gegenüber dem in Reinstwasser beschleunigte. Möglich ist
hierbei, dass der Wellenlängenbereich der UVA-Strahlungsquellen nicht in ausreichendem Maße
für die Anregung der FS-Isolate infrage kommt (Abbildung 58).
Abbildung 57c stellt den Konzentrationsverlauf der Analyten in Oberflächenwasser aus der Donau
dar. In dieser Matrix nimmt die Konzentration der Analyten über einen Zeitraum von fünf Stunden
um 20-30 % ab. Dieser Versuch wurde ebenfalls mit Oberflächenwasser aus der Elbe durchgeführt,
82
wobei die Abbauraten deutlich niedriger waren (Abbildung 90). Da es möglich ist, dass die Modell-
analyten lediglich an Wasserbestandteile adsorbieren und der Analyse somit nicht mehr zugänglich
sind, wurden vergleichend Adsorptionsversuche unter Ausschluss von Licht durchgeführt. Hierbei
konnte jedoch keine nennenswerte Reduktion des Analytgehalts festgestellt werden. Folglich kann
eine Adsorption der Triazolfungizide an Matrixbestandteile, die zur Reduzierung der detektierten
Konzentration führt, ausgeschlossen werden. Es muss also eine Transformation statt finden. Bei
Einsatz anderer Huminstoffisolate trat keine messbare Konzentrationsänderung der Analyten bei
Bestrahlung ein.
Abbildung 57:
Konzentrationsverlauf von Difenoconazol und Propiconazol bei Bestrahlung mit
UVA-Licht unter Zugabe von a) ENV08 (technische Huminsäure), b) FS-Isolat aus
BLK SPM und c) in Oberflächenwasser aus der Donau bei Ulm. Die Werte sind als
% des Startwertes aufgetragen.
Abbildung 58:
Normalisierte Emission der verwendeten UVA-Lampe und normalisierte Absorbanz
der Triazolfungizide sowie FS aus Schwebstoffmaterial aus der Elbe (BLK SPM FS).
Aus den gemachten Beobachtungen kann gefolgert werden, dass nicht allein
FS
und
HS
in der
Lage sind zum Abbau der Triazolfungizide beizutragen. So mag zwar die gelöste organische
Materie als Photosensibilisator wirken und auch zusätzlich reaktive Spezies generieren.
219
Die
Beschaffenheit der organischen Substanzen ist dabei wieder von entscheidender Bedeutung. Diese
besteht aber nicht exklusiv aus
FS
und
HS
. Es ist bekannt, dass auch Nitrat- und Nitritgehalte
wässriger Lösungen die Reduktion organischer Spurenstoffe erheblich beeinflussen.
220
Dadurch
kann es zu einer Reaktion der Conazole im Donauwasser kommen. Eine zusätzliche Kontrolle der
Salzkonzentration bzw. eine explizite Studie zu deren Einfluss auf das Abbauverhalten erscheint
somit vielversprechend.
83
Die Detektion von TP gestaltete sich aufgrund der geringen Umsatzrate schwierig. Es konnten
lediglich Produkte für Experimente, die in Oberflächenwasser durchgeführt wurden, gefunden
werden. Für beide Analyten konnten dabei jeweils die entschützten Analoga Pro1 und Dif3
identifiziert werden. Weitere
TP
wurden nicht detektiert. Auch bei dieser Versuchsreihe würde es
sich anbieten alle Aliquote direkt mit der HRMS zu analysieren.
Zum Verhalten des Analyten Propiconazol unter Einfluss von Sonnenlicht existieren bereits Studien
von Vialaton et al.
216,221
Die Arbeitsgruppe stellt ebenfalls fest, dass der Abbau von Propiconazol
in Oberflächenwasser schneller abläuft als in Reinstwasser und unter Zusatz technischer Hu-
minsäure. Bei Bestrahlung mit Sonnenlicht berichten sie ebenfalls nur von geringen Mengen an
Transformationsprodukten. Wie auch bei den hier gezeigten Daten unterscheiden sich die Inten-
sitäten der Transformationsprodukte zwischen energiereichem UV-Licht und Globalstrahlung
deutlich. Dies spricht dafür, dass der Einfluss der Matrix im Fall der UVA-Strahlungsquelle deutli-
cher ist. Bei Bestrahlung mit energiereichem Licht besitzt die direkte Photolyse vermutlich einen
größeren Einfluss, als wenn weniger energiereiche Globalstrahlung eingesetzt wird. Im Bericht des
Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations FAO) und der Welt-
gesundheitsorganisation (WHO) zu Propiconazol wird erläutert, dass dieses Fungizid in wässrigen
Lösungen sehr schnell unter Einfluss von Sonnenlicht transformiert wird.
96
Dabei entsteht eine
Vielzahl von
TP
meist sehr geringer Konzentration. Als Hauptprodukte werden 1,2,4-Triazol und
Triazolylessigsäure benannt. In den hier vorgestellten Experimenten konnten diese Substanzen
jedoch nicht detektiert werden, da die analytischen Methoden nicht für diese Stoffe optimiert
waren. Im entsprechenden Bericht zu Difenoconazol findet sich der Hinweis, dass dieses Fungizid
durch Bestrahlung mit Sonnenlicht über zwei Wochen in gepufferten Lösungen nur zu etwa 10 %
umgesetzt wird.
97
Dass der Umsatz von Difenoconazol bei Bestrahlung mit UVA-Licht deutlich
geringer als der von Propiconazol ist, wird durch die hier präsentierten Experimente bestätigt. Im
Gegensatz zu Propiconazol kann Difenoconazol also eher zu einer langfristigen Belastung von
Oberflächengewässern führen.
In weiteren Experimenten wurde die Phototransformation der beiden Modellanalyten in Boden
untersucht. Dazu wurden dotierte Böden fünf Stunden lang mit UVA-Licht bestrahlt. Die Ergebnis-
se sind in Abbildung 59 dargestellt. Wird Boden eines hohen
TOC
-Gehaltes (16,1 %) bestrahlt, so
wird im Versuchszeitraum eine Reduktion der Ausgangskonzentration um etwa 30-40 % erreicht.
In Boden mit einem geringen Anteil organischen Materials (TOC=0,9 %) werden dagegen nur bis
zu 13 % des Analytgehaltes umgesetzt. Ebenso wie bei den Experimenten in wässrigen Lösungen
kann dieses Phänomen in einer Beteiligung der Huminstoffe als Photosensibilisatoren begründet
liegen. Auch hierbei ist allerdings wieder anzunehmen, dass neben Bodenfeuchte und -pH, die
Struktur der organischen Matrix eine wichtige Rolle spielt
222,223
In diesem Zusammenhang fällt
auf, wie wichtig eine zweckgemäße Planung der Experimente ist, um umweltrelevante Umsetzun-
gen der Modellanalyten überhaupt einschätzen zu können. So wird im Report des JMPR berichtet,
dass Difenoconazol auf Oberböden durch Bestrahlung mit Sonnenlicht nicht abbaubar sei.
97
Die
Grundlage dafür bildete eine nicht veröffentlichte Photolysestudie, die in sandigem Lehmboden,
der einen geringen TOC-Gehalt aufweisen sollte, durchgeführt wurde. Die hier vorgestellten Expe-
rimente legen aber nahe, dass diese Diskrepanz in der erheblichen Abhängigkeit der Photolosyrate
vom Gehalt an organischer Materie im Boden begründet liegt. Eventuell ist es also vonnöten
die Vorgaben an Studien, die zur Zulassung von Pestiziden bzw. Bioziden notwendig sind, zu
überarbeiten.
Alle Bodenproben, sowohl vor als auch nach der Bestrahlung, wurden extrahiert und mit
GC/MS
analysiert. Dabei konnte erneut das
TP
Pro1, das als Propiconazolketon identifiziert wurde, de-
tektiert werden. Außerdem treten einige Produkte mit ähnlichen Massenspektren wie z. B. Pro20
auf (siehe Abschnitt 3.12.3). Diesen kann allerdings keine Struktur zugeordnet werden. Weiterhin
ist ihre Konzentration sehr gering und die Bestimmung aussagekräftiger Massenspektren wird
84
durch den großen Anteil ebenfalls extrahierter Matrix erschwert. Der Einsatz einer eigens ent-
wickelten SPE-Methode zur Überwindung dieses Problems war nicht erfolgreich, wie bereits in
Abschnitt 4.3.1.1.1 erläutert wurde. Das Difenoconazol wird erneut zum entsprechenden Keton
Dif3 umgesetzt. Weitere TP wurden nicht detektiert.
Abbildung 59:
Gehalt der Modellanalyten in dotierten Böden unterschiedlichen TOC-Gehaltes (a)
16.1 %, b) 0.9 %) vor und nach fünfstündiger Bestrahlung mit UVA-Licht (n=3).
4.3.3.2 Bakterienmetabolismus
Wie bisher gezeigt wurde, lassen sich die Triazolfungizide Pro-
piconazol und Difenoconazol in natürlichen und technischen Systemen eher langsam abbauen,
wobei die Transformation durch Bestrahlung die wichtigste Abbauroute zu sein scheint (siehe
4.3.2.3 sowie 4.3.3.1). Es ist anzunehmen, dass ein großer Teil der Substanzen auch in Wechselwir-
kung mit ebenfalls vorrangig unpolaren Kompartimentbestandteilen wie z. B. Huminstoffen oder
auch Mikroplastik tritt (mehr dazu in Abschnitt 4.4). Um das Bild vom Verhalten der Analyten
zu vervollständigen, ist es notwendig biologische Abbauwege zu untersuchen. Entstehende
TP
können sodann mit den durch Einsatz der
EC/MS
vorhergesagten verglichen werden, um die
Anwendbarkeit dieses Screening-Tools zu verifizieren.
Für die Versuche zum Umsatz der Triazolfungizide wurden insgesamt 11 Stämme eisen- und
manganoxidierender Bakterien ausgewählt. Ihre Bezeichnung sowie die nächsten Verwandten sind
in Tabelle 37 gezeigt.
Tabelle 37: Bezeichnung der verwendeten Bakterienstämme, nächste Verwandte und Herkunft.
Stamm Nächster Verwandter Herkunft
A 210 Leptothrix ginsengisoli Nationalpark Unteres Odertal - Anglerteich
A 252 Ideonella/Rubrivivax Nationalpark Unteres Odertal - Anglerteich
A 288 Sphingomonas spec. Nationalpark Unteres Odertal - Anglerteich
B 207 Sphaerotilus spec. Nationalpark Unteres Odertal - Bogengraben
B 406 Leptothrix sp. SAYI-C Nationalpark Unteres Odertal - Bogengraben
B 418 Sphaerotilus sp. 565 Nationalpark Unteres Odertal - Bogengraben
FL 1 Tetrasphaera spec. Tierra del Fuego, Argentinien45
M 204 Pedomicrobium spec. Nationalpark Unteres Odertal - Mummert112
M 245 nicht bekannt Nationalpark Unteres Odertal - Mummert112
Pedo Pedomicrobium ferrugineum DSMZ GmbHa(DSMZ 1540)
OF001 Pseudomonas spec. Reaktorablauf einer Testanlage53
aDeutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Die verwendeten Gattungen kommen sowohl in Boden als auch in Sediment und Wasser vor.
45,49,224
Einige können ebenfalls in Klärschlamm gefunden werden.
225,226
Die meisten der in dieser Studie
85
verwendeten Mikroorganismen wurden aus Biofilmen in Gewässern des Nationalparks Unteres
Odertal isoliert. Für diese Stämme ist bekannt, dass sie ein großes Potential zum Abbau anthro-
pogener Spurenstoffe besitzen.
53
Ausgehend von bekannten Stoffwechselwegen werden für die
Triazolfungizide Propiconazol und Difenoconazol bei Umsatz mit den Mikroorganismen vorrangig
hydroxylierte Produkte erwartet. Weiterhin ist davon auszugehen, dass die Ketalschutzgruppe
aufgespalten wird.227
Der Konzentrationsverlauf von Propiconazol bei Inkubation mit Stamm B207 sowie die zugehörigen
Kontrollexperimente sind in Abbildung 60 dargestellt. Nach einer Inkubationsdauer von vier
Wochen zeigte sich im Rahmen der Messunsicherheit keinerlei Abbau. Dies ist ebenso für alle
weiteren überprüften Stämme und für Difenoconazol der Fall. Es kam zwar bei fast allen Versuchen,
wie auch aus Abbildung 60 ersichtlich, zu einer Reduzierung der Ausgangskonzentration um
etwa 20-30 %. Allerdings tritt diese ebenfalls auf, wenn die aktive Biomasse durch Zugabe von
Natriumazid abgetötet wird. Kontrollansätze, die keine Biomasse enthielten, zeigen ein ähnliches
Verhalten. Daraus lässt sich schließen, dass die Verringerung der Analytkonzentration vermutlich
lediglich durch Adsorptionseffekte oder durch abiotischen Abbau bedingt ist.
Abbildung 60:
Konzentrationsverlauf von Propiconazol bei Inkubation mit Stamm B207, B207
unter Zugabe von Natriumazid und abiotische Kontrolle. Die Werte sind als % des
Startwertes aufgetragen.
Parallel wurden dieselben Ansätze mit den Pharmaka Carbamazepin und Diclofenac durchgeführt.
Dabei konnte bei Carbamazepin ebenfalls kein Abbau beobachtet werden. Die Ergebnisse für die
Umsetzung von Diclofenac mit A288 sind in Abbildung 61 zu finden. Es konnte dabei innerhalb
von vier Wochen eine Reduzierung der Ausgangskonzentration um bis zu 85 % erreicht werden.
Weitere Stämme waren ebenfalls in der Lage Diclofenac umzusetzen. In einigen Fällen wurde dabei
sogar ein vollständiger Abbau dieses Pharmakons erreicht. Diese zusätzlichen Daten erlauben
die Schlussfolgerung, dass die experimentelle Vorgehensweise grundsätzlich geeignet ist, um den
bakteriellen Abbau von Substanzen einzuschätzen.
In Experimenten zum Umsatz von Phenolen mit verschiedenen Bakterienstämmen konnte bereits
gezeigt werden, dass diese schneller abgebaut werden, wenn im System zusätzlich Glucose vorhan-
den ist.
228,229
Im Fall der hier dargestellten Versuche wurde diese Versorgung der Mikroorganismen
mit Nährstoffen u. a. durch den Zusatz von Hefeextrakt realisiert, sodass ein Nährstoffmangel
als Grund für den fehlenden Umsatz der Triazolfungizide auszuschließen ist. Allerdings kann es
möglich sein, dass der zugegebene Puffer nachteilig auf die Proliferation der Bakterien wirkt.
86
Abbildung 61:
Konzentrationsverlauf von Diclofenac bei Inkubation mit Stamm A288, A288 un-
ter Zugabe von Natriumazid und abiotische Kontrolle. Die Werte sind als % des
Startwertes aufgetragen.
Eine Reihe von Studien befasst sich mit der Halbwertszeit und somit der Persistenz von Propicona-
zol und Difenoconazol in Boden.
230–233
Aus den vorgestellten Daten, die sich stark voneinander
unterscheiden, wird jedoch nicht ersichtlich ob die Konzentrationsänderung durch mikrobiellen
Abbau, abiotische Transformation oder durch Bildung von
NER
bedingt ist. Das Fungizid Propi-
conazol betreffend existieren bereits einige explizite Untersuchungen zur Metabolisierung durch
Bakterien. So konnten Sarkar et al. und Satapute et al. zeigen, dass einige Pseudomonas- sowie
Burkholderiastämme in der Lage sind dieses Fungizid abzubauen.
234–236
In der genannten Studie
wurden vergleichbare Konzentrationen an Propiconazol eingesetzt, wie in den hier präsentierten
Experimenten. Die Toxizität der beiden Triazolfungizide auf Mikroorganismen wird als moderat
eingeschätzt. Für Propiconazol wird der EC
50
für Pseudomonas putida mit
125 mgL1
beziffert,
237
was deutlich höher als die eingesetzte Konzentration in den hier beschriebenen Versuchen ist.
Nichtsdestotrotz ist bekannt, dass beide Fungizide einen Einfluss auf Bodenmikroorganismen
ausüben,
238,239
sodass eine toxische Wirkung auf die hier verwendeten Bakterienstämme nicht
eindeutig ausgeschlossen werden kann.
Es ist anzunehmen, dass die Fähigkeit von Bakterien zur Metabolisierung von Xenobiotika stark
damit zusammenhängt, ob sie diesen bereits zu einem früheren Zeitpunkt ausgesetzt waren.
240,241
Die Gruppe um Racke konnte zeigen, dass einige Carbamatinsektizide nach mehrmaliger Anwen-
dung auf derselben landwirtschaftlich genutzten Fläche keinen Effekt mehr zeigen.
242
Als Grund
sehen sie die erworbene Fähigkeit der vorhandenen Bakterienstämme zum Abbau der Pestizide an.
Für Difenoconazol konnte dies insofern demonstriert werden, als dass von Zheng et al. eine Ensifer
Spezies, die in der Lage ist Difenoconazol zu metabolisieren, aus Klärschlamm einer Pestizidfabrik,
die auch Difenoconazol herstellt, isoliert wurde.
243
Demzufolge kann es möglich sein, dass Stämme,
die Triazolfungizide abbauen, vorrangig auf Flächen zu suchen sind, die bereits mit diesen Stoffen
in Kontakt gekommen sind. Für die eingesetzten Bakterienstämme ist dies eher nicht zu erwarten.
Diese Fähigkeit der Mikroorganismen kann allerdings genutzt werden: In Vorkulturen können die
Stämme mit den Triazolfungiziden in Kontakt gebracht werden, um so die Adaption zu stimulieren
und Bakterien zu erhalten, die in der Lage sind die Schadstoffe zu metabolisieren.
Für zukünftige Versuche sollte ebenfalls das experimentelle Vorgehen überdacht werden, sodass
messtechnisch bedingte Konzentrationsschwankungen, die im Fall der Triazolfungizide auftreten,
87
minimiert werden können. Durch eine Optimierung der
LC/MS/MS
-Methode für die entsprechen-
de Matrix und damit einhergehender Verringerung der Messunsicherheit ist es dann einfacher
definitive Aussagen zur Metabolisierungsfähigkeit der Bakterien zu treffen. Gerade wenn sehr
viel Matrix mit in die
LC/MS/MS
injiziert wird, kann es zu Ionensuppressionseffekten kommen.
Ein Grund ist unter anderem, dass Analyten und Matrixbestandteile in der Ionenquelle nicht
gleichmäßig ionisiert werden, was eine Unterdrückung manchmal jedoch auch Verstärkung, des
Analytsignals zur Folge haben kann.
244
Bisher wurde für diese besprochenen Versuche eine externe
Kalibrierung verwendet. Um Matrixeffekte auszugleichen und die Vergleichbarkeit zwischen Mes-
sungen zu erhöhen, bietet es sich an einen isotopenmarkierten internen Standard zu verwenden,
dessen Verhalten dem der nativen Substanz in großen Teilen entspricht.
245,246
In Kombination
mit der Verwendung einer Messmethode, die niedrigere Nachweisgrenzen erreicht, kann auch das
„dilute and shoot”-Prinzip angewendet werden. Hierbei wird die Probe und damit auch die störende
Matrix vor Injektion deutlich verdünnt, was zu besseren Analyseergebnissen führen kann.247
Ebenfalls kann darüber nachgedacht werden vor der Messung einen Extraktionschritt durchzufüh-
ren, um so die Konzentration der Analyten in der Messlösung zu erhöhen. Diese Vorgehensweise
ist eher in Kombination mit
GC/MS
sinnvoll. Bevor die
LC/MS/MS
-Methode für die Detektion der
Triazolfungizide implementiert wurde, wurden die entsprechend mikrobiologisch behandelten Pro-
ben mit internem Standard versetzt, mit organischen Lösungsmitteln extrahiert und anschließend
mit
GC/MS
vermessen. Dabei sind wiederum aufgrund des vergleichsweise stark fehlerbehafteten
Extraktionsschritts die Schwankungen in einem ähnlichen Bereich bzw. noch größer. Als alterna-
tive Probenvorbereitung für die
LC/MS/MS
kommt die Festphasenextraktion in Betracht, wobei
jedoch ebenfalls einen langwierige Methodenentwicklung und -validierung erfolgen muss, um
Abweichungen zu minimieren. Generell geht diese Art von Probenvorbereitung mit einem hohen
finanziellen und zeitlichen Aufwand einher. Abgesehen von der Optimierung der Geräte und der
Probenvorbereitung ist es notwendig die Vergleichbarkeit der Ergebnisse der einzelnen Replikate
zu erhöhen. Ein besserer Eindruck vom mittleren Abbau der Analyten ließe sich bereits durch eine
Erhöhung der Anzahl der Replikate erlangen. Ebenfalls sinnvoll ist es, die Zugabe der Bakterien
zur umzusetzenden Lösung zu optimieren. Im Moment wird dazu die Vorkultur homogenisiert
und anschließend ein definiertes Volumen pipettiert. Da die Bakterien zur Aggregation neigen,
wird die Bestimmung ihrer Anzahl mit Hilfe von Durchflusszytometrie erschwert. Gegebenenfalls
ließe sich eine verringerte Aggregation durch Wahl einer löslichen Manganquelle erreichen. Die
Zugabe von Mangan selbst ist jedoch als obligatorisch anzusehen, da sowohl biogene als auch
anorganische Manganoxide erheblich zur Transformation von Xenobiotika beitragen können.
248
4.4 Wechselwirkungen mit Mikroplastik
Ein Thema, das aktuell große Beachtung im Bereich der Umweltforschung erfährt, ist die Wechsel-
wirkung von Mikroplastikpartikeln (MP) und organischen Schadstoffen. Sofern die Xenobiotika an
MP sorbieren, können sie an diesen über große Strecken transportiert werden und somit zu einer
großflächigen Verbreitung der Pestizide beitragen. Außerdem lässt sich das Sorptionsverhalten
an
MP
zu einem gewissen Grad zu dem an organische Substanz, z.B. aus Boden, in Beziehung
setzen.138
Sofern das verwendete Polymermaterial außer Acht gelassen wird, sind die größten Einflussfak-
toren, die die Sorption von Analyten an Mikroplastik bestimmen der pH-Wert und die Salinität
sowie die Bewegung des Wassers. Üblicherweise liegt der pH-Wert von Oberflächengewässern im
Bereich pH=6-8,
249
sodass diese beiden Grenzwerte für die Statistische Versuchsplanung gewählt
wurden. Um die Salinität einzustellen wurde der niedrige Wert dem von Süßwasser (0.1 %) und
der höhere dem von Salzwasser (Mittelmeer: 3.5 %) angepasst.
249–251
Die Salinität wurde mit
Natriumchlorid reguliert, da dies eine adäquate Einstellung des Salzgehaltes bei Minimierung der
Freiheitsgrade des Versuchsaufbaus erlaubte. Dies ist legitim, da Natriumchlorid mit deutlichem
Abstand den Großteil der Salinität von Salzwasser ausmacht und auch bereits in anderen Studien
88
ohne weitere Zusätze verwendet wurde.
252
Da der Diffusion bei der Sorption eine große Rolle
zukommt, sollten sowohl stehende (Bewegung
0 min1
), als auch turbulente Gewässer (
240 min1
)
simuliert werden.253
4.4.1 Sorption an unbehandelte Mikroplastiken
Da es sich bei Difenoconazol um einen vorrangig hydrophoben Analyten handelt (logK
OW
=4,36
90
),
war eine Sorption an die gewählten Mikroplastiken wahrscheinlich. Aufgrund der Möglichkeit von
Wechselwirkungen zwischen den
π
-Elektronensystemen
254,255
und seiner amorphen Struktur
82
wurde angenommen, dass die Sorption an
PS
am stärksten ausfallen würde. Bei der Interaktion des
Triazolrings des Difenoconazols mit
PA6
ist auch die Ausbildung von Wasserstoffbrückenbinungen
wahrscheinlich, was ebenfalls für eine hohe Affinität des Fungizids an dieses Polymer spricht. Im
Zusammenhang mit PP werden vorrangig van-der-Waals-Wechselwirkungen erwartet.
In Abbildung 62 sind die Ergebnisse der Sorptionsuntersuchungen über 24 Stunden von wässrigen
Difenoconazollösungen und unbehandelten
MP
in Abhängigkeit vom pH-Wert, der Salinität und
der Bewegung der Lösung dargestellt. Bei Betrachtung dieser Daten ist zunächst auffällig, dass
im Fall von
PA6
und
PP
die gefüllten Balken, die solche Versuche repräsentieren, bei denen die
Proben bewegt wurden, stets höhere Sorptionswerte als die ungefüllten Balken (keine Bewegung
der Proben) zeigen. Die Werte, die für
PS
ermittelt wurden lassen einen solchen Trend auf den
ersten Blick nicht erkennen.
Abbildung 62:
Sorption von Difenoconazol an a) PA6, b) PP und c) PS nach 24 Stunden in Ab-
hängigkeit von pH, Salinität und Bewegung (n=2). Die ungefüllten Balken zeigen
die Ergebnisse für Proben, die sich in Ruhe befanden, die gefüllten Balken solche,
die bewegt wurden. Die absoluten Werte für pH und Salinität sind auf den jeweils
rechten Achsen aufgetragen.
Um aus den experimentell ermittelten Werten sinnvolle Hypothesen die Sorption von Difenoco-
nazol an die verschiedenen
MP
betreffend ableiten zu können, wurden die Daten mit Hilfe der
ANOVA
analysiert. Dabei konnten stets signifikante Modelle aufgestellt werden. Die Ergebnisse
sind in Tabelle 38 zusammengestellt. Die Bewegung der Lösung zeigt den größten Einfluss auf
die Änderung der Sorption. Für den pH-Wert konnten nur deutlich geringere Effekte festgestellt
werden, wovon lediglich die Werte, die für
PS
ermittelt wurden, signifikant sind. Der Einfluss
der Salinität ist ebenfalls nur gering. Einige signifikante Wechselwirkungen zweiter Ordnung, die
eine geringe Intensität zeigen, konnten identifiziert werden. Wechselwirkungen dritter Ordnung
treten nicht auf. Folglich sind die Ergebnisse der
ANOVA
in Einklang mit den aus den Graphen
abgeleiteten.
Der Einfluss der Bewegung wird vor allem bei Betrachtung der Ergebnisse für
PA6
und
PP
deutlich.
Hier werden bis zu 25 % höhere Sorptionswerte erzielt, wenn die Lösungen geschüttelt werden.
89
Tabelle 38:
Parameter der mit Hilfe der ANOVA abgeleiteten Gleichungen zum Einfluss der ver-
schiedenen, die Sorption bestimenden, Faktoren. Signifikante Variablen (p < 0.05) sind
mit einem Stern gekennzeichnet.
PP PA PS PPgemahlen PASäure
A: Bewegung +4,11* +6,28* +2,94* +33,04* +24,76*
B: pH-Wert +1,71 -0,37 -1,20* -3,30*
C: Salinität +1,90* +2,74* -2,10* +2,35* +1,12
AB +2,29*
AC +2,97* -2,33* +1,19 +2,24*
BC 1,85* +0,47 +1,31* -2,05*
ABC
Ebenso beeinflusst eine höhere Salinität die Sorption an
PA6
und
PP
dahingehend, dass für höhere
Salinitäten auch höhere Sorptionswerte gefunden werden. Aus der Analyse des Graphen allein
kann der Eindruck entstehen, dass eine Erhöhung des pH-Werts bei Proben, die bewegt wurden, zu
einer Verringerung der Sorption führt. Laut ANOVA ist dieses Phänomen für
PA6
und
PP
jedoch
nicht signifikant. Im Fall von
PS
gilt generell, dass das Niveau der Sorption jenes von
PA6
und
PP
deutlich, auch ohne Bewegung der Proben, überwiegt. So kann zwar eine geringe Zunahme der
Sorption bei bewegten Proben gegenüber solchen, die sich in Ruhe befanden, festgestellt werden,
allerdings ist die relative Zunahme deutlich geringer als im Fall der anderen Polymermaterialien.
Interessant zu bemerken ist, dass der Einfluss der Salinität für
PS
entgegengesetzt dem für
PA6
und PP ist (negatives Vorzeichen für „Salinität in Tabelle 38).
Da es sich bei
PS
im Gegensatz zu
PA6
und
PP
um ein amorphes Polymer handelt, kann davon
ausgegangen werden, dass Adsorption von Difenoconazol nicht nur an der Oberfläche stattfindet,
sondern auch Permeation und Diffusion eine Rolle spielen. Dies kann die im Fall von PS höheren
Sorptionswerte gegenüber den anderen Polymeren erklären. Die Salinität betreffend könnten Ein-
oder Aussalzeffekte von Difenoconazol von Bedeutung sein. Es ist davon auszugehen, dass der
Salzgehalt der Lösung in Zusammenhang mit dem betreffenden Polymer jeweils unterschiedli-
che Effekte zur Folge hat. Der geringe Einfluss des pH-Wertes lässt sich mit der Struktur von
Difenoconazol erklären. So handelt es sich bei diesem Analyten zwar um eine schwache Base
(pka=1.07
90
), allerdings sollte das Molekül unter den experimentellen Bedingungen vorrangig in
seiner neutralen Form vorliegen. Die Acetalschutzgruppe ist unter diesen Bedingungen ebenfalls
stabil, sodass keine chemischen Veränderungen die Sorption an die MP beeinflussen sollten.
Zum Sorptionsverhalten einiger unpolarer Analyten wurden bereits Studien durchgeführt. So
berichten Krüger et al.,
256
dass die Wiederfindung von polycyclischen aromatischen Kohlenwasser-
stoffen (PAK) aus
PP
-Behältern um bis zu 80 % vermindert sein kann. Im selben Zusammenhang
wurde nachgewiesen, dass eine höhere Salinität die Adsorption von Phenanthren (logK
OW
=
4.46
257
) an
PP
begünstigt.
258
Außerdem konnte gezeigt werden, dass relativ gesehen mehr nie-
dermolekulare
PAK
(logK
OW
< 5) an
PS
- denn an
PP
-
MP
haften.
259
Diese Ergebnisse zur Sorption
unpolarer Analyten entsprechen den hier vorgestellten Resultaten zur Sorption von Difenocona-
zol. Wie Fotopoulou et al. demonstrierten weist
PP
keine Säure- oder Baseeigenschaften auf.
78
Demzufolge ist eine Änderung des Sorptionsverhaltens im Bereich pH=6-8 nicht zu erwarten. Im
Gegenteil dazu ist eine Änderung der Oberflächenladung von
PA6
bedingt durch Änderungen im
pH-Wert durchaus möglich, die sogar in einem solchem Maße stattfinden können, dass Metall-
PA6
-Komplexe gebildet werden.
260
Im Rahmen der Versuchsparameter ist dieses Verhalten jedoch
eher unwahrscheinlich und der Einfluss des pH-Wertes somit gering. Bezüglich der Bedeutung der
Salinität bei Sorptionsvorgängen wurde von Wang et al. angemerkt, dass sie in hohem Maße die
elektrostatischen Kräfte, z.B. an MP-Oberflächen, beeinflusst.80
Vergleichend wurden auch Untersuchungen zum Verhalten des polaren Analyten Metformin,
einem Antidiabetikum, in analoger Art und Weise durchgeführt. Hierbei konnte keinerlei Sorption
90
nachgewiesen werden. Dies ist lässt sich mit der sehr guten Wasserlöslichkeit begründen. Eine
Sorption an Oberflächen hat vermutlich keinen energetisch günstigeren Zustand zur Folge, sodass
Metformin im Gegensatz zu Difenoconazol in der Lösung verbleibt.
4.4.2 Einfluss der Partikelgröße
Zusätzlich zu den Untersuchungen an unbehandelter
MP
wurden auch Experimente mit gemahle-
nem
PP
, dessen Größenverteilung in etwa dem umweltrelevanten Bereich entsprach, durchgeführt.
Die Sorption von Difenoconazol unter Variation der Parameter pH, Salinität und Bewegung ist in
Abbildung 63 aufgetragen. Deutlich tritt hier der Einfluss der Bewegung auf die Sorption hervor.
Proben, die geschüttelt wurden, weisen eine etwa vier Mal höhere Sorption auf, als solche, die
ruhend gelagert wurden. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass eine Vergrößerung der Oberfläche
die Adsorption in hohem Maße beeinflusst. Wie die Auswertung der Daten mit
ANOVA
(Tabel-
le 38) verdeutlicht, ist der Einfluss des pH-Wertes und der Salinität, sowie die Kombination beider
Parameter (BC) ebenfalls signifikant. Im Vergleich mit den Werten, die für das unbehandelte
PP
ermittelt wurden, wurde durch die Vergrößerung der Oberfläche die Sorption um das vierfache
auf etwa 80 % gesteigert. Karapanagioti et al. erläuterten, dass die Sorption an
PP
durch einen
Oberflächenmechanismus bestimmt wird.
258
Für gealterte
PP
-
MP
beschrieben sie weiterhin, dass
Diffusionswege ins Innere der Partikel eröffnet werden.
261
Das Mahlen der Partikel kann ebenfalls
dazu beitragen.
Abbildung 63:
Sorption von Difenoconazol an gemahlenes PP nach 24 Stunden in Abhängigkeit von
pH, Salinität und Bewegung (n=2). Die ungefüllten Balken zeigen die Ergebnisse für
Proben, die sich in Ruhe befanden, die gefüllten Balken solche, die bewegt wurden.
Die absoluten Werte für pH und Salinität sind auf der rechten Achse aufgetragen.
4.4.3 Sorption an behandelte Mikroplastiken
Um die Alterung von
MP
zu simulieren, wurde
PA6
mit ure behandelt. Die Ergebnisse der mit
diesem Material durchgeführten Sorptionsexperimente sind in Abbildung 64 dargestellt. Es ist
zu erkennen, dass die Versuche, bei denen die Proben bewegt wurden, zu einer etwa sieben Mal
höheren Sorption des Difenoconazols an die
MP
führen. Dies bestätigt wiederum den großen
Einfluss, den die Bewegung auf die Sorption hat und ist auch ein Teilergebnis der
ANOVA
(Tabel-
le 38). Zuästzlich besitzt im hier besprochenen Fall auch die Wechselwirkung der Bewegung mit
der Salinität einen signifikanten Einfluss auf die Sorption. Im Vergleich mit den unbehandelten
PA6
-Pellets ist die Sorption an die behandelten etwa drei Mal so groß. Um einschätzen zu können,
91
ob die urebehandlung zu strukturellen Veränderungen des Materials geführt hat, wurden ab-
geschwächte Totalreflexion (
ATR
)-
FTIR
-Spektren aufgenommen (Abbildung 91, Anhang). Diese
zeigten jedoch keine Änderung gegenüber dem Ausgangsmaterial, sodass davon auszugehen ist,
dass keine chemischen Reaktionen, wie z. B. Oxidationen, stattgefunden haben. Allerdings lässt
sich mit Hilfe der Gelpermeationschromatografie (
GPC
) herausfinden, dass die Molmassenver-
teilung des behandelten
PA6
zu kleineren Molmassen hin verschoben ist (Mn=
42700 gmol1
,
Mw=
84600 gmol1PA6
unbehandelt und Mn=
30700 gmol1
, Mw=
66400 gmol1PA6
behandelt)
(Abbildung 65). Es lässt sich schlussfolgern, dass Spaltungen der Polymerketten stattgefunden
haben.
Abbildung 64:
Sorption von Difenoconazol an urebehandeltes PA6 nach 24 Stunden in Abhän-
gigkeit von pH, Salinität und Bewegung (n=2). Die ungefüllten Balken zeigen die
Ergebnisse für Proben, die sich in Ruhe befanden, die gefüllten Balken solche, die
bewegt wurden. Die absoluten Werte für pH und Salinität sind auf der rechten
Achse aufgetragen.
Abbildung 65: GPC von behandeltem und unbehandeltem PA6.
In der Analytik mit DSC werden solche Ergebnisse durch Verschiebungen des Kristallisationspeaks
zu höheren Temperaturen während des Abkühlvorgangs sowie durch eine Verschiebung des
Schmelzsignals und der Glasübergangstemperatur während des zweiten Erwärmungsprozesses
zu niedrigeren Temperaturen hin verdeutlicht.
262
Im ersten Erwärmungsvorgang tritt im Fall
des unbehandelten
PA6
ein kleines endothermes Signal auf, welches für das behandelte Material
92
deutlich intensiver und unterhalb von
100 C
detektiert wird (Abbildung 66). Diese Peaks werden
durch die Verdampfung von Wasser aus dem Material hervorgerufen. Aus der Masse der einge-
setzten Probe (
2,489 mg
) und der Verdampfungsenthalpie von Wasser (
2,257 Jg1
) lässt sich der
Wassergehalt auf etwa 1.5 % abschätzen. Bei
220 C
ist das endotherme Signal zu erkennen, das mit
dem Schmelzvorgang assoziiert wird. Da der Schmelzvorgang eng mit der Struktur des Materials,
insbesondere mit der Kristallinität, verknüpft ist, lässt sich daraus ableiten, dass das behandelte
gegenüber dem unbehandelten
PA6
eine um etwa 39 % verringerte Kristallinität besitzt. Zusam-
mengenommen besitzt das mit ure behandelte
PA6
also eine verringerte Polymerkettenlänge,
vermehrte Wassereinlagerungen und eine verringerte Kristallinität. In Zusammenhang mit der
deutlich erhöhten Sorption des Difenoconazols an das Material kann davon ausgegangen werden,
dass das innere Volumen der Pellets durch die Behandelung vergrößert wurde.
Abbildung 66: DSC von behandeltem PA6.
4.4.4 Einstellung eines Sorptions-Desorptions-Gleichgewichts
Um einen Eindruck davon zu bekommen wie lange es dauert, bis sich ein Sorptions-Desorptions-
Gleichgewicht von Difenoconazol und den entsprechenden
MP
eingesetllt hat, wurde die Sorption
über einen Zeitraum von 28 Tagen untersucht. Im Fall der unbehandelten Materialien (Abbil-
dung 67a) sind die Kurvenverläufe für
PA6
und
PS
sehr ähnlich. Offenbar besitzen die physiko-
chemischen Eigenschaften der
MP
(amorphe Morphologie von
PS
, chemische Struktur von
PA6
)
nur einen geringen Einfluss auf die Sorption oder aber die unterschiedlichen Eigenschaften glei-
chen sich gegenseitig zu einem ähnlichen Verhalten aus. Die Adsorption von Difenoconazol an
PP
verläuft etwas langsamer als an die anderen Polymere. Allerdings wird bei Betrachtung der
Ergebnisse von
PP
der große Einfluss der Partikelgröße deutlich. Wird gemahlenes
PP
eingesetzt,
so sind nach 24 Stunden bereits 91 % des Difenoconazols an die
MP
sorbiert (Abbildung 67b).
Etwas länger, etwa sieben Tage, dauert die Einstellung des Gleichgewichts für das säurebehandelte
PA6
. Im Gegensatz dazu wird für das unbehandelte
PA6
eine Vorlaufzeit von 18 Tagen benötigt.
Diese deutlichen Unterschiede zwischen den behandelten und unbehandelten
MP
illustrieren, dass
komplexe Sorptions- und Desorptionsvorgänge ablaufen.
ffer et al. untersuchten die Einstellung des Sorptions-Desorptions-Gleichgewichts mit Naph-
thalen (logK
OW
= 3.29).
263
Ihre Studien zeigten, dass die Einstellung des Gleichgewichts an PA
schneller gelang als an PS (5 Tage bzw. 17 Tage). Dies entspricht den hier dargestellten Ergebnissen.
Die Dauer bis zur Einstellung des Gleichgewichts der Adsorption von Phenanthren (logK
OW
=
4.53) an
PP
-Pellets wird mit 20-40 Tagen angegeben.
258
Es ist anzunehmen, dass der entsprechende
Wert für Difenoconazol in einer ähnlichen Größenordnung läge.
93
Abbildung 67:
Langzeituntersuchung zur Sorption von Difenoconazol an verschiedene Mikroplas-
tiken (pH = 6, Salinität = 3.5 %, Bewegung
240 min1
). a) unbehandelte MP, b)
behandelte MP.
Generell kann festgestellt werden, dass Difenoconazol schnell an alle eingesetzten
MP
sorbiert. Of-
fenbar sind entscheidende Faktoren dabei die spezifische Oberfläche und der Grad der Kristallinität
der verwendeten Materialien sowie die Bewegung der wässrigen Lösung. Für eine eingehende Be-
schreibung der Sorbat-Sorbens-Wechselwirkungen sollten diese mit physiko-chemischen Methoden
weiter untersucht werden.
94
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zunächst war es notwendig eine Methode zur Extraktion der Triazolfungizide aus Boden zu
erarbeiten. Um einen möglichst breiten Anwendungsbereich zu garantieren, sollte diese auf Böden
mit unterschiedlichen Gehalten organischen Kohlenstoffs (TOC) anwendbar sein. Zu diesem Zweck
wurden vier Modellböden mit einem definierten Gehalt an organischer Substanz hergestellt. Zur
Sicherstellung eines umfangreichen Analytspektrums der Methode wurden als Modellsubstanzen
12 Organochlorpestizide (
OCP
) und 7 polychlorierte Biphenyle (
PCB
) gewählt, mit denen die Böden
definiert dotiert wurden. Als Extraktionsmethoden kamen die Soxhlet- und die beschleunigte
Lösungsmittel- sowie die Fest-Flüsig-Extraktion zum Einsatz. Letztere wurde in ihrer Dauer variiert.
Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass die Extraktionseffizienz weder von der Art der
Methode noch vom TOC-Gehalt des Bodens abhängt. Auch die Dauer der Fest-Flüssig-Extraktion
beeinflusste die Wiederfindung der Analyten nur unwesentlich. Es konnte jedoch festgestellt
werden, dass die Soxhletextraktion nur in Kombination mit isotopenmarkierten internen Standards
zur Extraktion thermolabiler Substanzen geeignet ist. Für diese ist auch der Zustand des GC-Liners
von erheblicher Wichtigkeit. Die entwickelte Methode konnte erfolgreich auf die Extraktion von
Triazolfungiziden aus Boden und Wasser übertragen werden.
Der entscheidende Faktor für die Extrahierbarkeit von Analyten scheint nicht der TOC-Gehalt
selbst, sondern die inhärente Natur der organischen Substanz zu sein. Weitere Untersuchungen zur
Struktur der organischen Bodenmaterie und deren Zusammenhang mit der Analytwiederfindung
sind somit vielversprechend. Als ein erster Ansatzpunkt wurden auf der Grundlage einer Methode
der
IHSS
Huminstoffe aus einem Kompost und einem Schwebstoffmaterial isoliert. Diese wurden
analytisch mit UV/Vis- und FTIR-Spektroskopie sowie mit Elementaranalytik und Flüssigkeitschro-
matografie charakterisiert und für Transformationsversuche verwendet. Dabei konnte festgestellt
werden, dass die isolierten Fulvinsäuren vermutlich ein geringeres Molekulargewicht als die Hu-
minsäuren besitzen und einen eher aliphatischen Charakter aufweisen. Für eine differenziertere
Beschreibung der Struktur der Isolate bieten sich NMR-Studien an.
Zum Aufbau einer Bibliothek bekannter Reaktionsprodukte, wurden die Analyten Propiconazol
und Difenoconazol unter stark oxidativen Bedingungen umgesetzt. Dabei konnte gezeigt wer-
den, dass die Fentonreaktion die effektive Oxidation der Analyten erlaubt. Die Optimierung der
Reaktandenverhältnisse bei pH=3 ergab als bestes Verhältnis Analyt:
Fe2+
:H
2
O
2
1:2:20. Die an-
schließende Analyse der Reaktionsprodukte erfolgte sowohl mit
GC/MS
, als auch mit
LC/MS/MS
und
LC/HRMS
. Bei der Umsetzung von Propiconazol konnte eine Vielzahl einfach und mehrfach
hydroxylierter Produkte detektiert werden. Auf Grundlage der Auswertung exakter Massen konn-
ten den Signalen Summenformeln zugeordnet werden. Das Auftreten des Transformationsprodukts
(TP) Pro1, Propiconazolketon, wurde durch Vergleich mit einem authentischen Standard verifiziert.
Das Triazolfungizid Difenoconazol wird unter Einwirkung von Fentonreagenzien sehr schnell
abgebaut. So werden nur wenige TP detektiert. Analog zu Propiconazol wird Difenoconazoketon,
Dif3, gebildet, was ebenso durch Einsatz eines Standards bestätigt werden konnte. Die genannten
TP
wurden ebenso detektiert wenn die Fentonreaktion in Boden durchgeführt wurde. Eine Eignung
der Fentonreaktion zur Dekontamination von Böden ist grundsätzlich möglich, sollte aber im
Einzelfall auf die Tauglichkeit geprüft werden.
Als zweite Methode der modellhaften Oxidation wurde die elektrochemische Umsetzung der Fungi-
zide gewählt. In einem online-System konnten die gebildeten Oxidationsprodukte direkt überwacht
werden. Die elektrochemische Oxidation von Difenoconazol führte zur schnellen Bildung von
fünf hauptsächlichen
TP
in zufriedenstellender Intensität. Propiconazol ließ sich elektrochemisch
erheblich schlechter oxidieren als Difenoconazol. Die
TP
, die im elektrochemischen online-Modus
detektiert und während der Fentonumsetzung beider Modellanalyten erzeugt wurden, waren zum
großen Teil vergleichbar. Wurde ein synthetisches elektrochemisches System verwendet und die
Analytlösungen 24 Stunden lang behandelt, so wurde nur ein sehr geringer Umsatz der Analyten
festgestellt und es konnten keine
TP
detektiert werden. Durch Einsatz von Terephthalsäure als
95
chemisches Dosimeter konnte festgestellt werden, dass das elektrochemische Synthesesystem nur
sehr wenig Hydroxylradikale generiert, was das Ausbleiben von TP bei dieser Umsetzung erklärt.
Um mehr Informationen zur Struktur in situ gebildeter
TP
zu erhalten, stellt die Kopplung der
elektrochemischen Durchflusszelle an ein Tandemmassenspektrometer oder die anschließende
Analyse einer elektrochemisch behandelten Lösung mit
LC/MS/MS
eine sinnvolle Ergänzung
dar.
Im Anschluss wurden Versuche durchgeführt, die den Einfluss von Wasseraufbereitungsverfahren
auf die Triazolfungizide untersuchten. Die Behandlung der beiden Analyten mit Natriumhypochlo-
ritlösung führte nicht zu einer Umsetzung. Vermutlich sind die aromatischen Systeme deaktiviert
und sterisch gehindert, sodass eine Reaktion verhindert wird. Werden gepufferte Lösungen der
Conazole mit ozonangereichertem Starkwasser versetzt, so tritt ebenfalls keine Transformation
dieser auf, vermutlich aus den vorgenannten Gründen. Die Ergebnisse der Ozonungsexperimente
in Oberflächenwasser sind unklar und bedürfen weiterer Untersuchungen. Sinnvoll kann in diesem
Zusammenhang auch die Ozonung in einem Batchreaktor sein, um eine maximale Ozondosis zu
erreichen. Eine weitere Desinfektionsmethode der Wasseraufbereitung ist die Behandlung mit
energiereicher UV-Strahlung. Unter Einfluss dieser wurden beide Modellanalyten sehr schnell
umgesetzt. Der Zusatz organischer Substanz zur Reaktionslösung beschleunigte die Transformation
erheblich, beeinflusste jedoch nicht die Natur der Hauptprodukte. Zusätzliche Experimente zur
Beteiligung reaktiver Spezies wie Singulettsauerstoffund Hydroxylradikale deuten darauf hin,
dass die organische Substanz vorrangig als Photosensibilisator wirkt und Energie auf die Modell-
analyten überträgt. Der Zusammenhang zwischen den Charakteristika der Huminstoffisolate und
der Reaktionsgeschwindigkeit sollte hierbei tiefergehend untersucht werden. Die hauptsächlichen
Transformationswege sind die oxidative und reduktive Dehalogenierung sowie die photoinduzierte
Cyclisierung mit anschließender Hydrolyse. Zusätzlich werden das Propiconazol- und Difenocona-
zolketon detektiert, die ebenfalls bei den modellhaften Umsetzungen mit Fentonreagenzien und
unter Einfluss eines elektrochemischen Potentials entstanden. Für alle weiteren
TP
gilt, dass sie
für eine belastbare Identifikation isoliert und mit NMR analysiert werden müssten. Nur so kann
ausgehend von einer exakten Masse und damit assoziierter Summenformel auf eine definitive
Struktur geschlossen werden.
Wurden analythaltige Lösungen in Reinstwasser mit simulierter Globalstrahlung behandelt, so fand
innerhalb von fünf Stunden kein Umsatz statt. In Oberflächenwasser der Donau hingegen wurden
etwa 20-30 % transformiert. Dieser geringe Umsatz war für die Detektion von
TP
nicht ausreichend.
Auch bei der Bestrahlung dotierter Böden mit UVA-Licht zeigte sich, dass die organische Substanz
einer Matrix großen Einfluss auf die Umsatzrate von Xenobiotika besitzt. Analog den Versuchen in
Wasser werden die Triazolfungizide in einem Boden hohen TOC-Gehaltes schneller transformiert
als in einem Boden, der arm an organischer Substanz ist. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der
Betrachtung naturnaher Szenarien, wenn das Verhalten von Schadstoffen in der Umwelt, z.B. bei
der Zulassung von neuen Pestiziden, eingeschätzt werden soll.
Um einen Eindruck von der Metabolisierung beider Triazolfungizide zu erhalten, wurden Versuche
mit Eisen-/Managan-oxidierenden Bakterien in wässriger Lösung durchgeführt. Dabei konnte für
die gewählten Modellanalyten kein Umsatz festgestellt werden. Vergleichende Untersuchungen
mit weiteren Xenobiotika bestätigten jedoch, dass die Vorgehensweise adäquat gewählt wurde.
Gegebenenfalls ist es möglich die gewählten Bakterienstämme in einer Vorkultur bereits den
Schadstoffen auszusetzen. So könnte die Adaption stimuliert werden, sodass Bakterien erhalten
werden, die in der Lage sind die Triazolfungizide zu metabolisieren. Weiterhin sollte überprüft
werden, ob das eingesetzte Medium ideal für die gewählten Bakterien ist. Auf diese Weise kann
ausgeschlossen werden, dass ein fehlender Abbau durch Absterben der Biomasse verursacht wird.
Um eine bessere Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Ansätzen zu gewährleisten, sollte daran
gearbeitet werden die Aggregation der Bakterien zu minimieren. Dabei kann es hilfreich sein eine
lösliche Manganquelle zu verwenden.
96
Schließlich wurde die Fähigkeit des Modellanalyten Difenoconazol untersucht an Mikroplastik
(MP) zu sorbieren. In Modellversuchen wurde die Sorption des Spurenstoffs an
PA6
,
PP
und
PS
unter Variation der Parameter pH-Wert, Salinität und Bewegung betrachtet. Die Ergebnisse der
Experimente und die anschließende statistische Auswertung legen nahe, dass die Bewegung der
Lösung und das eingesetzte Polymermaterial den größten Einfluss auf die Sorption besitzt. Die
Salinität beeinflusst die Sorption ebenfalls signifikant. Jedoch ist das Ausmaß deutlich geringer als
im Fall der Bewegung. Außerdem konnte festgestellt werden, dass sich die Sorption an
PS
, einem
amorphen Polymer, stark von der an kristalline Polymere unterscheidet. Offenbar hat eine Senkung
der Kristallinität eine höhere Sorption zur Folge, weil z.T. auch Diffusionswege ins Innere von
Partikeln zugänglich sind. Durch Experimente mit künstlich gealtertem
PA6
, das eine geringere
Kristallinität als das Ausgangsmaterial aufweist, konnte dies bestätigt werden. Weitere Versuche
mit gemahlenem
PP
zeigten, dass eine Vergrößerung der Oberfläche mit einer Erhöhung der
Sorption einhergeht. Schlussfolgernd kann der Transport von Difenoconazol an MP in der Umwelt
relevant sein. Inwiefern dies auch mit Gefahren für die aquatische Umwelt einhergeht oder aber zu
einer Erhöhung der Schadstoffkonzentrationen insgesamt führt, bleibt zu klären.
Die Ergebnisse dieser Arbeit lassen den Schluss zu, dass Propiconazol und Difenoconazol in der
Umwelt relativ stabil sind. Gelangen sie jedoch z. B. über Transport an Partikeln in Wasseraufberei-
tungsanlagen, werden beide Modellanalyten unter den dort herrschenden Bedingungen schnell
zu oxidierten Produkten umgesetzt. Für eine Risikoabschätzung sind diese auf ihre Toxizität
für Mensch und Umwelt zu prüfen. Sofern dabei relevante Transformationsprodukte identifi-
ziert werden, wird die Ausweisung eines expliziten Grenzwertes für diese nötig. Daraus ergibt
sich schließlich die Notwendigkeit der Entwicklung und Validierung von Analyseverfahren und
Normen, sowie die Herstellung von Standards und zertifizierten Referenzmaterialien.
97
Literatur
[1]
United Nations, The World Population Prospects: 2015 Revision: Key Findings and Advance
Tables. 2015; http://esa.un.org/unpd/wpp.
[2]
United Nations, Sustainable Development Goals. 2015;
http://www.un.org/
sustainabledevelopment/sustainable-development-goals/.
[3]
Damalas, C. A.; Eleftherohorinos, I. G. International Journal of Environmental Research and
Public Health 2011,8, 1402–1419.
[4] Längin, A.; Schuster, A.; Kümmerer, K. CLEAN Soil, Air, Water 2008,36, 349–350.
[5]
European Commission, COUNCIL DIRECTIVE 98/83/ECof 3 November 1998 on the quality
of water intended for human consumption: Directive 98/83/EC. 3.11.1998.
[6] Muller, P. Pure and Applied Chemistry 1994,66, 1077–1184.
[7] Kümmerer, K. Hydrologie und Wasserbewirtschaftung 2010,54, 349–359.
[8] Fenton, H. J. H. Journal of the Chemical Society, Transactions 1894,65, 899–910.
[9]
Goldstein, S.; Meyerstein, D.; Czapski, G. Free Radical Biology and Medicine
1993
,15, 435–445.
[10] Kremer, M. L. Physical Chemistry Chemical Physics 1999,1, 3595–3605.
[11] Barb, W. G.; Baxendale, J. H.; GEORGE, P.; Hargrave, K. R. Nature 1949,163, 692–694.
[12]
Barb, W. G.; Baxendale, J. H.; George, P.; Hargrave, K. R. Transactions of the Faraday Society
1951,47, 462–500.
[13]
Barb, W. G.; Baxendale, J. H.; George, P.; Hargrave, K. R. Transactions of the Faraday Society
1951,47, 591–616.
[14]
van der Steen, J.; Timmer, E. C.; Westra, J. G.; Benckhuysen, C. Journal of the American
Chemical Society 1973,95, 7535–7536.
[15] Zbaida, S.; Kariv, R.; Fischer, P.; Gilhar, D. Xenobiotica 1987,17, 617–621.
[16] Lohmann, W.; Karst, U. Analytical and Bioanalytical Chemistry 2008,391, 79–96.
[17] Hambitzer, G.; Heitbaum, J. Analytical Chemistry 1986,58, 1067–1070.
[18]
Jurva, U.; Wikström, H. V.; Bruins, A. P. Rapid Communications in Mass Spectrometry
2000
,
14, 529–533.
[19]
Jurva, U.; Wikström, H. V.; Weidolf, L.; Bruins, A. P. Rapid Communications in Mass Spectro-
metry 2003,17, 800–810.
[20]
Bussy, U.; Boisseau, R.; Thobie-Gautier, C.; Boujtita, M. TrAC Trends in Analytical Chemistry
2015,70, 67–73.
[21]
Faber, H.; Melles, D.; Brauckmann, C.; Wehe, C. A.; Wentker, K.; Karst, U. Analytical and
Bioanalytical Chemistry 2012,403, 345–354.
[22]
Lohmann, W.; Dötzer, R.; Gütter, G.; van Leeuwen, S. M.; Karst, U. Journal of the American
Society for Mass Spectrometry 2009,20, 138–145.
[23]
Getek, T. A.; korfmacher, W. A.; McRae, T. A.; Hinson, J. A. Fifth (Montreux) Symposium on
Liquid Chromatography-Mass Spectrometry, Supercritical Fluid Chromatography-Mass Spectro-
metry and Tandem Mass Spectrometry 1989,474, 245–256.
98
[24]
Bundesministerium für Gesundheit,; Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernäh-
rung und Landwirtschaft, Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen
Gebrauch: TrinkwV. 21.05.2001.
[25]
Umweltbundesamt, Bekanntmachung der Liste der Aufbereitungsstoffe und Des-
infektionsverfahren gemäß § 11 der Trinkwasserverordnung: 18. Änderung.
2015;
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&
cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjPioCJy_bSAhXCFywKHTj6C7gQFggcMAA&url=https%
3A%2F%2Fwww.umweltbundesamt.de%2Fsites%2Fdefault%2Ffiles%2Fmedien%2F374%
2Fdokumente%2F18._bekanntmachung_der_liste_der_aufbereitungsstoffe_und_
desinfektionsverfahren_gemaess_ss_11_trinkwv_2001.pdf&usg=AFQjCNEy6jj_
jm9UDE3vEHMvckAZ8FCYPQ&sig2=SEVw2SeJGnjpgqyxckB0QQ.
[26]
Gimbel, R. Wasseraufbereitung - Grundlagen und Verfahren; Lehr- und Handbuch Wasserver-
sorgung; Oldenbourg Industrieverl.: München [u.a.], 2004; Vol. 6.
[27]
Holleman, A. F.; Wiberg, N. Lehrbuch der anorganischen Chemie, 102nd ed.; De Gruyter
Reference Global; De Gruyter: Berlin [u.a.], 2007.
[28]
Wilhelm, S. Wasseraufbereitung: Chemie und chemische Verfahrenstechnik, [online-ausg. der] 7.,
aktualisierte und erg. [gedr.] aufl. ed.; VDI-Buch; Springer: Berlin and Heidelberg, 2008.
[29] Benner, J.; Salhi, E.; Ternes, T.; von Gunten, U. Water Research 2008,42, 3003–3012.
[30] von Gunten, U. Water Research 2003,37, 1443–1467.
[31] Criegee, R. Angewandte Chemie International Edition in English 1975,14, 745–752.
[32]
Calza, P.; Vione, D. Surface Water Photochemistry; Comprehensive Series in Photochemical
and Photobiological Sciences; The Royal Society of Chemistry, 2016.
[33] Norrish, R. G. W.; Kirkbride, F. W. Journal of the Chemical Society 1932, 1518–1530.
[34]
Zepp, R. G.; Schlotzhauer, P. F.; Sink, R. M. Environmental Science and Technology
1985
,19,
74–81.
[35] Zeng, T.; Arnold, W. A. Environmental Science and Technology 2013,47, 6735–6745.
[36] Vollhardt, K. P. C.; Schore, N. E. Organische Chemie, 2nd ed.; VCH: Weinheim, 1995.
[37]
Duffus, J. H.; Templeton, D. M.; Nordberg, M. Concepts in toxicology; RSC Pub: Cambridge,
UK, 2009.
[38]
Gibson, G. G.; Skett, P. Introduction to drug metabolism, 3rd ed.; Nelson Thornes Publishers:
London, 2001.
[39] Stryer, L. Biochemie, 3rd ed.; Vieweg: Braunschweig, 1985.
[40]
Ioannides, C. Cytochromes P450: Metabolic and toxicological aspects; CRC Press: Boca Raton,
1996.
[41] Nelson, D. R. Archives of Biochemistry and Biophysics 1999,369, 1–10.
[42]
Hernandez, M. E.; Newman, D. K. Cellular and Molecular Life Sciences CMLS
2001
,58, 1562–
1571.
[43] Emerson, D.; Fleming, E. J.; McBeth, J. M. Annual review of microbiology 2010,64, 561–583.
[44] Emerson, D.; Moyer, C. L. Applied and Environmental Microbiology 2002,68, 3085–3093.
[45]
Schmidt, B.; Sánchez, L. A.; Fretschner, T.; Kreps, G.; Ferrero, M. A.; Siñeriz, F.; Szewzyk, U.
FEMS Microbiology Ecology 2014,90, 454–466.
99
[46] Braun, B.; Schröder, J.; Knecht, H.; Szewzyk, U. Water Research 2016,107, 113–126.
[47]
Emerson, D.; Weiss, J. V.; Megonigal, J. P. Applied and Environmental Microbiology
1999
,65,
2758–2761.
[48]
Straub, K. L.; Buchholz-Cleven, B. E. International Journal of Systematic and Evolutionary
Microbiology 2001,51, 1805–1808.
[49] Braun, B.; Richert, I.; Szewzyk, U. Journal of Microbiological Methods 2009,79, 37–43.
[50] Bieske, E.; Rubbert, W.; Treskatis, C. Bohrbrunnen, 8th ed.; Oldenbourg: München, 1998.
[51]
Dworkin, M.; Falkow, S.; Rosenberg, E.; Schleifer, K.-H.; Stackebrandt, E. The Prokaryotes:
Volume 5: Proteobacteria: Alpha and Beta Subclasses; Springer-Verlag: New York, NY, 2007.
[52] Sabirova, J. S.; Cloetens, L. F. F.; Vanhaecke, L.; Forrez, I.; Verstraete, W.; Boon, N. Microbial
Biotechnology 2008,1, 507–512.
[53] Zhang, Y.; Zhu, H.; Szewzyk, U.; Geissen, S. U. Water Research 2015,72, 218–226.
[54]
Scheffer, F.; Schachtschabel, P.; Blume, H.-P. Lehrbuch der Bodenkunde, 16th ed.; Spektrum
Lehrbuch; Spektrum, Akad. Verl.: Heidelberg and Berlin, 2010.
[55]
Steinberg, C. E. W. Ecology of humic substances in freshwaters: Determinants from geochemistry
to ecological niches : with 19 tables; Springer: Berlin [u.a.], 2003.
[56] Bollag, J. M.; Loll, M. J. Experientia 1983,39, 1221–1231.
[57]
Haider, K.; Spiteller, M.; Reichert, K.; Fild, M. International Journal of Environmental Analytical
Chemistry 1992,46, 201–211.
[58] Roberts, T. R. Pure and Applied Chemistry 1984,56, 945–956.
[59] Gevao, B.; Semple, K. T.; Jones, K. C. Environmental Pollution 2000,108, 3–14.
[60] Scheunert, I.; Schroder, P. Environmental Science and Pollution Research 1998,5, 238–244.
[61] Gevao, B.; Jones, K. C.; Semple, K. T. Environmental Pollution 2005,133, 17–24.
[62]
Barriuso, E.; Benoit, P.; Dubus, I. G. Environmental Science and Technology
2008
,42, 1845–
1854.
[63] Barriuso, E.; Houot, S.; SerraWittling, C. Pesticide Science 1997,49, 65–75.
[64] PlasticsEurope, Plastics—the facts 2014/15; PlasticsEurope: Brussels, 2015.
[65] Duis, K.; Coors, A. Environmental Sciences Europe 2016,28.
[66] Andrady, A. L. Marine Pollution Bulletin 2011,62, 1596–1605.
[67]
Thompson, R. C.; Moore, C. J.; Vom Saal, F. S.; Swan, S. H. Philosophical Transactions of the
Royal Society of London, Series B, Biological Sciences 2009,364, 2153–2166.
[68]
Ryan, P. G.; Moore, C. J.; van Franeker, J. A.; Moloney, C. L. Philosophical Transactions of the
Royal Society of London, Series B, Biological Sciences 2009,364, 1999–2012.
[69]
Lassen, C.; Hansen, S. F.; Magnusson, K.; Norén, F.; Bloch Hartmann, N. I.; Rehne Jensen, P.;
Gissel Nielsen, T.; Brinch, A. Microplastics- Occurrence, effects and sources of releases to the
environment in Denmark.
[70]
van Cauwenberghe, L.; Vanreusel, A.; Mees, J.; Janssen, C. R. Environmental Pollution
2013
,
182, 495–499.
[71]
Browne, M. A.; Galloway, T.; Thompson, R. Integrated Environmental Assessment and Manage-
ment 2007,3, 559–566.
100
[72] Carr, S. A.; Liu, J.; Tesoro, A. G. Water Research 2016,91, 174–182.
[73]
Nizzetto, L.; Futter, M.; Langaas, S. Environmental Science and Technology
2016
,50, 10777–
10779.
[74]
Koelmans, A. A.; Bakir, A.; Burton, G. A.; Janssen, C. R. Environmental Science and Technology
2016,50, 3315–3326.
[75]
Mato, Y.; Isobe, T.; Takada, H.; Kanehiro, H.; Ohtake, C.; Kaminuma, T. Environmental Science
and Technology 2001,35, 318–324.
[76]
Teuten, E. L. et al. Philosophical Transactions of the Royal Society of London, Series B, Biological
Sciences 2009,364, 2027–2045.
[77]
Browne, M. A.; Dissanayake, A.; Galloway, T. S.; Lowe, D. M.; Thompson, R. C. Environmental
Science and Technology 2008,42, 5026–5031.
[78] Fotopoulou, K. N.; Karapanagioti, H. K. Marine Environmental Research 2012,81, 70–77.
[79]
Wu, C.; Zhang, K.; Huang, X.; Liu, J. Environmental Science and Pollution Research International
2016,23, 8819–8826.
[80] Wang, F.; Shih, K. M.; Li, X. Y. Chemosphere 2015,119, 841–847.
[81]
Koltzenburg, S.; Maskos, M.; Nuyken, O. Polymere: Synthese, Eigenschaften und Anwendungen;
Springer-Lehrbuch; Springer Spektrum: Berlin [u.a.], 2014.
[82] Frick, A.; Stern, C. DSC-Prüfung in der Anwendung; Carl Hanser Verlag: München, 2013.
[83]
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Absatz an Pflanzenschutzmit-
teln in der Bundesrepublik Deutschland: Ergebnisse der Meldungen gemäß § 64 Pflanzenschutzge-
setz für das Jahr 2015; 2016.
[84]
Mu, X.; Chai, T.; Wang, K.; Zhu, L.; Huang, Y.; Shen, G.; Li, Y.; Li, X.; Wang, C. Environmental
Pollution 2016,212, 18–26.
[85]
Stenersen, J. Chemical Pesticides: Mode of Action and Toxicology; Taylor & Francis: London,
2002.
[86] USEPA, HED Records Center Series 1993,361.
[87]
Chen, P.-J.; Moore, T.; Nesnow, S. Toxicology in vitro : an international journal published in
association with BIBRA 2008,22, 1476–1483.
[88]
Nesnow, S.; Grindstaff, R. D.; Lambert, G.; Padgett, W. T.; Bruno, M.; Ge, Y.; Chen, P.-J.;
Wood, C. E.; Murphy, L. Chemico-Biological Interactions 2011,194, 79–89.
[89]
Mu, X.; Wang, K.; Chai, T.; Zhu, L.; Yang, Y.; Zhang, J.; Pang, S.; Wang, C.; Li, X. Environmental
Pollution 2015,197, 278–286.
[90]
Lewis, K. A.; Tzilivakis, J.; Warner, D.; Green, A. Human and Ecological Risk Assessment: An
International Journal 2016,
[91]
Castillo, L. E.; Ruepert, C.; Solis, E. Environmental Toxicology and Chemistry
2000
,19, 1942–
1950.
[92] Umweltprobenbank des Bundes, 2017; www.umweltprobenbank.de.
[93]
Kahle, M.; Buerge, I. J.; Hauser, A.; Müller, M. D.; Poiger, T. Environmental Science and
Technology 2008,42, 7193–7200.
[94]
Montagner, C. C.; Vidal, C.; Acayaba, R. D.; Jardim, W. F.; Jardim, Isabel C. S. F.,; Umbuzei-
ro, G. A. Analytical Methods 2014,6, 6668–6677.
101
[95]
Mu, X.; Pang, S.; Sun, X.; Gao, J.; Chen, J.; Chen, X.; Li, X.; Wang, C. Environmental Pollution
2013,175, 147–157.
[96] Joint FAO/WHO Meeting on Pesticides, Residue Evaluation: Propiconazol (160). 2007.
[97]
Joint FAO/WHO Meeting on Pesticides, Residue Evaluation: Difenoconazole
(224). 2007;
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&
cd=3&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwijpNK9k-fSAhWKXCwKHWB-BqgQFggqMAI&url=
http%3A%2F%2Fwww.fao.org%2Ffileadmin%2Ftemplates%2Fagphome%2Fdocuments%
2FPests_Pesticides%2FJMPR%2FEvaluation07%2FDifenoconazole.pdf&usg=AFQjCNHz_
vNb2c54Be9V8xGYMdQSNVhhLw&sig2=3c3I_mmp9ao2z82u9TeSYQ.
[98] DIN ISO 10382, DIN ISO 10382 2002,
[99]
DIN EN 16167:2012, Bestimmung von polychlorierten Biphenylen (PCB) mittels Gaschro-
matographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (GC-MS) und Gaschromatographie mit
Elektroneneinfangdetektion (GC-ECD).
[100]
ISO 13876:2013, Soil quality Determination of polychlorinated biphenyls (PCB) by gas
chromatography with mass selective detection (GC-MS) and gas chromatography with
electron-capture detection (GC-ECD).
[101] USEPA, 2007,
[102]
Kromidas, S. HPLC richtig optimiert: Ein Handbuch für Praktiker, [2. nachdr.] ed.; WILEY-VCH:
Weinheim, 2011.
[103] RefeSol. http://www.refesol.de.
[104]
Vogel, S.; Märker, M.; Rellini, I.; Hoelzmann, P.; Wulf, S.; Robinson, M.; Steinhübel, L.; Di
Maio, G.; Imperatore, C.; Kastenmeier, P.; Liebmann, L.; Esposito, D.; Seiler, F. Quaternary
International 2016,394, 155–179.
[105]
Ulery, A. L.; Drees, L. R. Methods of soil analysis; Soil Science Society of America book series;
Soil Science Society of America: Madison (Wis.), op. 2008; Vol. no. 5.
[106] DIN ISO 10390:2005-12, Bodenbeschaffenheit: Bestimmung des pH-Wertes.
[107] Antec Katalog, µ-PrepCell.
[108]
DIN EN ISO 7393-3:2000-04, Wasserbeschaffenheit - Bestimmung von freiem Chlor und
Gesamtchlor - Teil 3: Iodometrisches Verfahren zur Bestimmung von Gesamtchlor.
[109] Bader, H.; Hoigné, J. Water Research 1981,15, 449–456.
[110]
Defoin, A.; Defoin-Straatmann, R.; Hildenbrand, K.; Bittersmann, E.; Kreft, D.; Kuhn, H. J.
Journal of Photochemistry 1986,33, 237–255.
[111]
Atlas, R. M. Handbook of microbiological media, 4th ed.; Boca Raton, Fla. and CRC Press:
Washington, D.C., 2010.
[112]
Schmidt, B. Physiologie und Phylogenie eisenoxidierender Bakterien auf schadstoffhaltigen Medien:
Diplomarbeit an der Fakultät II Prozesswissenschaften, Institut für Technischen Umweltschutz,
Fachgebiet Umweltmikrobiologie; 2008.
[113] Tschech, A.; Pfennig, N. Archives of Microbiology 1984,137, 163–167.
[114]
Fuchs, G.; Schlegel, H. G.; Eitinger, T. Allgemeine Mikrobiologie: 53 Tabellen, 8th ed.; Thieme:
Stuttgart [u.a.], 2007.
102
[115]
Thöner, M.; Schering AG, 1000 Berlin und 4709 Bergkamen, DE. Anmeldung: 22. September
1981., Verfahren zur Vorbehandlung von Polyamid-Formteilen für das Aufbringen haftfester,
stromlos abgeschiedener Metalle.
[116]
DIN 32645:2008-11, Chemische Analytik - Nachweis-, Erfassungs- und Bestimmungsgrenze
unter Wiederholbedingungen - Begriffe, Verfahren, Auswertung. 2008.
[117]
Bakore, N.; John, P. J.; Bhatnagar, P. Environmental Monitoring and Assessment
2004
,98,
381–389.
[118] Li, Y. F.; Macdonald, R. W. Science of The Total Environment 2005,342, 87–106.
[119]
Aichner, B.; Bussian, B.; Lehnik-Habrink, P.; Hein, S. Environmental Science and Technology
2013,47, 12703–12714.
[120]
Lehnik-Habrink, P.; Hein, S.; Win, T.; Bremser, W.; Nehls, I. Journal of Soils and Sediments
2010,10, 1487–1498.
[121]
Düwel, O.; Siebner, C. S.; Utermann, J.; Krone, F. Bundesanstalt für Geowissenschaften und
Rohstoffe2007,
[122] 1999,
[123] Shen, L.; Wania, F. Journal of Chemical and Engineering Data 2005,50, 742–768.
[124] Hofman, J.; Rhodes, A.; Semple, K. T. Environmental Pollution 2008,152, 468–475.
[125] Wang, W.; Meng, B.; Lu, X.; Liu, Y.; Tao, S. Analytica Chimica Acta 2007,602, 211–222.
[126] Nestler, A. Department of Earth Sciences 2007,phD thesis.
[127] Ferguson, J. A.; Korte, F. Applied and Environmental Microbiology 1977,34, 7–13.
[128] Jorgenson, J. L. Environmental Health Perspectives 2001,109.
[129] Foreman, W. T.; Gates, P. M. Environmental Science and Technology 1997,31, 905–910.
[130]
Erney, D. R.; Gillespie, A. M.; Gilvydis, D. M.; Poole, C. F. Journal of Chromatography A
1993
,
638, 57–63.
[131]
Wylie, P. L.; Klein, K. J.; Thompson, M. Q.; Hermann, B. W. Journal of High Resolution
Chromatography 1992,15, 763–768.
[132]
Phillips, D. D.; Pollard, G. E.; Soloway, S. B. Journal of Agricultural and Food Chemistry
1962
,
10, 217–221.
[133]
USEPA, Organochlorine Pesticides and Polychlorinated Biphenyls by Gas Chromatography.
[134] Westland, J.; Organtini, K.; Dorman, F. L. Journal of Chromatography A 2012,1239, 72–77.
[135]
de Nijs, René C. M.,; Franken, J. J.; Dooper, R. P. M.; Rijks, J. A.; de Ruwe, Hein J. J. M.,;
Schulting, F. L. Journal of Chromatography A 1978,167, 231–241.
[136]
Franken, J. J.; De Nijs, R. C. M.,; Schulting, F. L. Journal of Chromatography A
1977
,144,
253–256.
[137] Stan, H. J.; Goebel, H. Journal of Chromatography A 1984,314, 413–420.
[138] Pignatello, J. J. Advances in Colloid and Interface Science 1998,76–77, 445–467.
[139]
Björklund, E.; Bøwadt, S.; Mathiasson, L.; Hawthorne, S. B. Environmental Science and Tech-
nology 1999,33, 2193–2203.
[140] Xing, B. Chemosphere 1997,35, 633–642.
103
[141]
Evans, J.; Kaake, R. H.; Orr, M.; Watwood, M. Journal of Soil Contamination
1998
,7, 589–597.
[142]
Hubert, A.; Wenzel, K.-D.; Manz, M.; Weissflog, L.; Engewald, W.; Schüürmann, G. Analytical
Chemistry 2000,72, 1294–1300.
[143]
Sporring, S.; Bøwadt, S.; Svensmark, B.; Björklund, E. Journal of Chromatography A
2005
,
1090, 1–9.
[144]
Wang, P.; Zhang, Q.; Wang, Y.; Wang, T.; Li, X.; Ding, L.; Jiang, G. Analytica Chimica Acta
2010,663, 43–48.
[145]
Zuloaga, O.; Etxebarria, N.; Fernández, L. A.; Madariaga, J. M. TrAC Trends in Analytical
Chemistry 1998,17, 642–647.
[146]
EN 16167, Schlamm, behandelter Bioabfall und Boden - Bestimmung von polychlorierten
Biphenylen (PCB) mittels Gaschromatographie mit massenspektrometrischer Detektion
(GC-MS) und Gaschromatographie mit Elektroneneinfangdetektion (GC-ECD).
[147]
Salvadó, V.; Alcaide, A.; Carandell, N.; Hidalgo, M. International Journal of Environmental
Analytical Chemistry 2001,81, 243–256.
[148] Abbt-Braun, G.; Lankes, U.; Frimmel, F. H. Aquatic Sciences 2004,66, 151–170.
[149]
Kim, J. I.; Buckau, G.; Li, G. H.; Duschner, H.; Psarros, N. Fresenius’ Journal of Analytical
Chemistry 1990,338, 245–252.
[150]
Averett, R. C.; Leenheer, J. A.; McKnight, D. M.; Thorn, K. A. USGS Water-Supply
1994
,2373.
[151]
Senesi, N.; Miano, T. M.; Provenzano, M. R.; Brunetti, G. Science of The Total Environment
1989,81-82, 143–156.
[152] Timofeevna Shirshova, L.; Ghabbour, E. A.; Davies, G. Geoderma 2006,133, 204–216.
[153] Peuravuori, J.; Pihlaja, K. Analytica Chimica Acta 1997,337, 133–149.
[154]
Hollerbach, A. Grundlagen der organischen Geochemie; Hochschultext; Springer: Berlin [u.a.],
1985.
[155]
Uyguner, C. S.; Bekbolet, M. Environmental Applications of Photocatalysis, 3rd European
Meeting on Solar Chemistry and Photocatalysis: Environmental ApplicationsEnvironmental
Applications of Photocatalysis 2005,101, 267–274.
[156] Lipski, M.; Sławiński, J.; Zych, D. Journal of Fluorescence 1999,9, 133–138.
[157] Stevenson, I. L.; Schnitzer, M. Soil Science 1982,133, 179–185.
[158]
Uyguner, C. S.; Hellriegel, C.; Otto, W.; Larive, C. K. Analytical and Bioanalytical Chemistry
2004,378, 1579–1586.
[159]
Chin, Y.-P.; Aiken, G. R.; Danielsen, K. M. Environmental Science and Technology
1997
,31,
1630–1635.
[160] Senesi, N.; D’Orazio, V.; Ricca, G. Geoderma 2003,116, 325–344.
[161]
Hesse, M.; Meier, H.; Zeeh, B. Spektroskopische Methoden in der organischen Chemie, 7th ed.;
Thieme: Stuttgart and New York, 2005.
[162]
Tatzber, M.; Stemmer, M.; Spiegel, H.; Katzlberger, C.; Haberhauer, G.; Mentler, A.; Gerz-
abek, M. H. Journal of Plant Nutrition and Soil Science 2007,170, 522–529.
[163] WELLS, C. F.; SALAM, M. A. Nature 1964,203, 751–752.
104
[164]
Malato, S.; Fernández-Ibáñez, P.; Maldonado, M. I.; Blanco, J.; Gernjak, W. MONOGRAPH:
Decontamination and disinfection of water by solar photocatalysis: Recent overview and trendsby
S. Malato, P. Fernández-Ibáñez, M.I. Maldonado, J. Blanco and W. Gernjak 2009,147, 1–59.
[165]
Wang, N.; Zheng, T.; Zhang, G.; Wang, P. Journal of Environmental Chemical Engineering
2016
,
4, 762–787.
[166]
Lin, S. H.; Peng, C. F. Journal of Environmental Science and Health . Part A: Environmental
Science and Engineering and Toxicology 1995,30, 89–98.
[167]
Dutta, K.; Bhattacharjee, S.; Chaudhuri, B.; Mukhopadhyay, S. Journal of Environmental
Monitoring 2002,4, 754–760.
[168] Tang, W. Z.; Huang, C. P. Environmental Technology 1996,17, 1371–1378.
[169]
Buddrus, J.; Schmidt, B. Grundlagen der Organischen Chemie, 5th ed.; De Gruyter Studium;
De Gruyter: Berlin, 2015.
[170]
Schrenk, D. Chemical contaminants and residues in foods: Ed. by D. Schrenk; Woodhead Pub
Ltd: [S.l.], 2012.
[171]
Pliego, G.; Zazo, J. A.; Blasco, S.; Casas, J. A.; Rodriguez, J. J. Industrial and Engineering
Chemistry Research 2012,51, 2888–2896.
[172]
Munoz, M.; Pliego, G.; de Pedro, Z. M.; Casas, J. A.; Rodriguez, J. J. Chemosphere
2014
,109,
34–41.
[173] Salazar, R.; Ureta-Zañartu, M. S. Water, Air, and Soil Pollution 2012,223, 4199–4207.
[174]
Romero, A.; Santos, A.; Cordero, T.; Rodríguez-Mirasol, J.; Rosas, J. M.; Vicente, F. Chemical
Engineering Journal 2011,170, 36–43.
[175] van Bavel, B. Journal of Soils and Sediments 2006,6, 208–214.
[176] Flotron, V.; Delteil, C.; Padellec, Y.; Camel, V. Chemosphere 2005,59, 1427–1437.
[177] Villa, R. D.; Trovó, A. G.; Nogueira, R. F. P. Chemosphere 2008,71, 43–50.
[178]
Ferrarese, E.; Andreottola, G.; Oprea, I. A. Journal of Hazardous Materials
2008
,152, 128–139.
[179] Nam, K.; Rodriguez, W.; Kukor, J. J. Chemosphere 2001,45, 11–20.
[180] Watts, R. J.; Stanton, P. C.; Howsawkeng, J.; Teel, A. L. Water Research 2002,36, 4283–4292.
[181]
Kaur, T.; Toor, A. P.; Wanchoo, R. K. International Journal of Environmental Analytical Chemistry
2015,95, 494–507.
[182]
Comninellis, C.; Chen, G. Electrochemistry for the environment; Springer: New York, op. 2010.
[183] Zhu, X.; Tong, M.; Shi, S.; Zhao, H.; Ni, J. Environ. Sci. Technol. 2008,42, 4914–4920.
[184] Liu, Y.; Liu, H.; Ma, J.; Wang, X. Applied Catalysis B: Environmental 2009,91, 284–299.
[185]
WANG, J. L.; Le XU, J. I. Critical Reviews in Environmental Science and Technology
2012
,42,
251–325.
[186] Keller, J.; Haase, H.; Koch, M. Analytical and Bioanalytical Chemistry 2017,
[187]
Charbouillot, T.; Brigante, M.; Mailhot, G.; Maddigapu, P. R.; Minero, C.; Vione, D. Journal of
Photochemistry and Photobiology A: Chemistry 2011,222, 70–76.
[188]
Barreto, J. C.; Smith, G. S.; Strobel, N. H.; McQuillin, P. A.; Miller, T. A. Life Sciences
1994
,56,
PL89–PL96.
105
[189]
Narmadha, M.; Noel, M.; Suryanarayanan, V. Journal of Electroanalytical Chemistry
2011
,655,
103–110.
[190]
Kapalka, A. Reactivity of Electrogenerated Free Hydroxyl Radicals and Activation of Dioxygen on
Boron-Doped Diamond Electrodes; 2008.
[191]
Mouden, O. E. I.; Errami, E.; Salghi, R.; Zarrouk, A.; Assouag, M.; Zarrok, H.; Al-Deyab, S. S.;
Hammouti, B. Journal of Chemical and Pharmaceutical Research 2012,4, 3437–3445.
[192]
Urzúa, J.; González-Vargas, C.; Sepúlveda, F.; Ureta-Zañartu, M. S.; Salazar, R. Chemosphere
2013,93, 2774–2781.
[193]
Han, W.; Zhong, C.; Liang, L.; Sun, Y.; Guan, Y.; Wang, L.; Sun, X.; Li, J. Electrochimica Acta
2014,130, 179–186.
[194] FUKUZAKI, S. Biocontrol Science 2006,11, 147–157.
[195] Stamatis, N.; Hela, D.; Konstantinou, I. Journal of Hazardous Materials 2010,175, 829–835.
[196] McKay, A. H.; Förster, H.; Adaskaveg, J. E. Plant Disease 2011,96, 235–242.
[197]
Sotelo, J. L.; Beltran, F. J.; Benitez, F. J.; Beltran-Heredia, J. Industrial and Engineering Che-
mistry Research 1987,26, 39–43.
[198] Acero, J. L.; von Gunten, U. Ozone: Science and Engineering 2000,22, 305–328.
[199] Hoigné, J.; Bader, H.; Haag, W.; Staehelin, J. Water Research 1985,19, 993–1004.
[200] Hoigné, J.; Bader, H. Water Research 1983,17, 173–183.
[201] David Yao, C.; Haag, W. R. Water Research 1991,25, 761–773.
[202]
Nonhebel, D. C.; Walton, J. C. Free-radical chemistry: Structure and mechanism; Cambridge
University Press: Cambridge, England, 1984.
[203]
Amy, G. L. Formation and control of brominated ozone by-products; AWWA Research Foundation
and American Water Works Association: Denver, CO, 1997.
[204]
Westerhoff, P.; Debroux, J.; Aiken, G.; Amy, G. Ozone: Science and Engineering
1999
,21,
551–570.
[205]
Thurman, E. M. Humic substances in groundwater; Humic substances in soil, sediment and
water; Wiley: New York, 1985.
[206]
Langlais, B. Ozone in water treatment: Application and engineering : cooperative research report;
Lewis Publishers: Chelsea, Mich., 1991.
[207] Xiong, F.; Graham, N. J. Ozone: Science and Engineering 1992,14, 283–301.
[208]
Bailey, P. S.; Ward, J. W.; Hornish, R. E. Journal of the American Chemical Society
1971
,93,
3552–3554.
[209]
Bailey, P. S.; Ward, J. W.; Carter, T. P.; Nieh, E.; Fischer, C. M.; Khashab, A. I. Y. Journal of the
American Chemical Society 1974,96, 6136–6140.
[210]
Margot, J.; Kienle, C.; Magnet, A.; Weil, M.; Rossi, L.; de Alencastro, L. F.; Abegglen, C.;
Thonney, D.; Chèvre, N.; Schärer, M.; Barry, D. A. Science of The Total Environment
2013
,
461–462, 480–498.
[211]
Bundschuh, M.; Gessner, M. O.; Fink, G.; Ternes, T. A.; Sögding, C.; Schulz, R. Chemosphere
2011,82, 355–361.
[212]
Richard, C.; Vialaton, D.; Aguer, J.-P.; Andreux, F. Journal of Photochemistry and Photobiology
A: Chemistry 1997,111, 265–271.
106
[213]
Li, M. Y.; Cline, C. S.; Koker, E. B.; Carmichael, H. H.; Chignell, C. F.; Bilski, P. Photochemistry
and Photobiology 2001,74, 760–764.
[214]
Zepp, R. G.; Wolfe, N. L.; Gordon, J. A.; Baughman, G. L. Environmental Science and Technology
1975,9, 1144–1150.
[215] Machado, F.; Collin, L.; Boule, P. Pesticide Science 1995,45, 107–110.
[216]
Vialaton, D.; Pilichowski, J.-F.; Baglio, D.; Paya-Perez, A.; Larsen, B.; Richard, C. Journal of
Agricultural and Food Chemistry 2001,49, 5377–5382.
[217]
Dureja, P.; Walia, S.; Mukerjee, S. K. Toxicological and Environmental Chemistry
1987
,16,
61–67.
[218]
Schwack, W.; Hartmann, M. Zeitschrift für Lebensmittel-Untersuchung und Forschung
1994
,
198, 11–14.
[219]
Latch, D. E.; Stender, B. L.; Packer, J. L.; Arnold, W. A.; McNeill, K. Environmental Science
and Technology 2003,37, 3342–3350.
[220]
Calza, P.; Vione, D.; Novelli, A.; Pelizzetti, E.; Minero, C. The Science of the total environment
2012,439, 67–75.
[221] Vialaton, D.; Richard, C. Aquatic Sciences 2002,64, 207–215.
[222] Gong, A.; Ye, C.; Wang, X.; Lei, Z.; Liu, J. Pest Management Science 2001,57, 380–385.
[223] Xiaozhen, F.; Bo, L.; Aijun, G. Journal of Hazardous Materials 2005,117, 75–79.
[224] van Veen, W. L.; Mulder, E. G.; Deinema, M. H. Microbiological Reviews 1978,42, 329–356.
[225] Ma, J.; Xu, L.; Jia, L. Bioresource Technology 2013,140, 15–21.
[226]
Tchelet, R.; Meckenstock, R.; Steinle, P.; van der Meer, J. R. Biodegradation
1999
,10, 113–125.
[227]
Wicker, J.; Lorsbach, T.; Gutlein, M.; Schmid, E.; Latino, D.; Kramer, S.; Fenner, K. Nucleic
acids research 2016,44, D502–8.
[228]
Swaminathan, K.; Subrahmanyam, P. V. Indian journal of environmental health
2002
,44, 8–11.
[229]
Movahedin, H.; Shokoohi, R.; Parvaresh, A.; Hajia, M.; J.Jafari, A. Journal of Research in Health
Sciences; Vol 6, No 1 (2006): Winter & Spring
[230] Bromilow, R. H.; Evans, A. A.; Nicholls, P. H. Pesticide Science 1999,55, 1129–1134.
[231] Thom, E.; Ottow, J. C. G.; Benckiser, G. Environmental Pollution 1997,96, 409–414.
[232] Edwards, P. G.; Murphy, T. M.; Lydy, M. J. Chemosphere 2016,146, 450–457.
[233]
Sun, C.; Zhang, H.; Tang, T.; Qian, M.; Yuan, Y.; Zhang, Z. Bulletin of Environmental Contami-
nation and Toxicology 2012,89, 868–872.
[234] Sarkar, S.; Seenivasan, S.; Premkumar, R. Plant Soil and Environment 2009,55, 196–201.
[235] Satapute, P.; Kaliwal, B. 3 Biotech 2016,6, 1–10.
[236] Satapute, P.; Kaliwal, B. Annals of Microbiology 2016,66, 1355–1365.
[237]
Ahtiainen, J. H.; Vanhala, P.; Myllymäki, A. Ecotoxicology and Environmental Safety
2003
,54,
56–64.
[238]
Yen, J.-H.; Chang, J.-S.; Huang, P.-J.; Wang, Y.-S. Journal of Environmental Science and Health,
Part B 2009,44, 681–689.
107
[239]
Muñoz-Leoz, B.; Garbisu, C.; Charcosset, J.-Y.; Sánchez-Pérez, J. M.; Antigüedad, I.; Ruiz-
Romera, E. Science of The Total Environment 2013,449, 345–354.
[240] Spain, J. C.; van Veld, P. A. Applied and Environmental Microbiology 1983,45, 428–435.
[241]
Aelion, C. M.; Swindoll, C. M.; Pfaender, F. K. Applied and Environmental Microbiology
1987
,
53, 2212–2217.
[242]
Racke, K. D., Coats, J. R., Eds. Enhanced Biodegradation of Pesticides in the Environment; ACS
Symposium Series; American Chemical Society: Washington, DC, 1990.
[243] Zheng, J.-W.; He, J.; Wang, Z.; Ni, Y.-y.; Li, S.-P. China Environmental Science 2009,
[244] Furey, A.; Moriarty, M.; Bane, V.; Kinsella, B.; Lehane, M. Talanta 2013,115, 104–122.
[245] Avery, M. J. Rapid Communications in Mass Spectrometry 2003,17, 197–201.
[246]
Stokvis, E.; Rosing, H.; Beijnen, J. H. Rapid Communications in Mass Spectrometry
2005
,19,
401–407.
[247]
Alagandula, R.; Zhou, X.; Guo, B. Rapid Communications in Mass Spectrometry
2017
,31,
39–46.
[248]
Hennebel, T.; de Gusseme, B.; Boon, N.; Verstraete, W. Trends in Biotechnology
2009
,27,
90–98.
[249]
Grohmann, A. N.; Jekel, M.; Grohmann, A.; Szewzyk, U.; R., S. Wasser. Chemie, Mikrobiologie
und nachhaltige Nutzung; De Gruyter Studium; De Gruyter: Berlin, 2011.
[250] Eilers, J. M.; Sullivan, T. J.; Hurley, K. C. Hydrobiologia 1990,199, 1–6.
[251] Dietrich, G. Deutsche Hydrografische Zeitschrift 1950,3, 33–39.
[252] Yang, G.; Ying, L.; Haichao, L. Corrosion Science 2001,43, 397–411.
[253] Bakir, A.; Rowland, S. J.; Thompson, R. C. Marine Pollution Bulletin 2012,64, 2782–2789.
[254] Sun, S.; Bernstein, E. R. The Journal of Physical Chemistry 1996,100, 13348–13366.
[255] Nakano, T. Polym J 2010,42, 103–123.
[256] Krüger, O.; Kalbe, U.; Meißner, K.; Sobottka, S. Talanta 2014,122, 151–156.
[257]
Willighagen, E. L.; Denissen, H. M. G. W.,; Wehrens, R.; Buydens, L. M. C. Journal of Chemical
Information and Modeling 2006,46, 487–494.
[258] Karapanagioti, H. K.; Klontza, I. Marine Environmental Research 2008,65, 283–290.
[259]
Rochman, C. M.; Manzano, C.; Hentschel, B. T.; Simonich, S. L.; Hoh, E. Environmental Science
and Technology 2013,47, 13976–13984.
[260] Roberts, M. F.; Jenekhe, S. A. Macromolecules 1991,24, 3142–3146.
[261] Karapanagioti, H. K.; Ogata, Y.; Takada, H. Global NEST Journal 2010,12, 327–334.
[262] Fornes, T. D.; Paul, D. R. Polymer 2003,44, 3945–3961.
[263] ffer, T.; Hofmann, T. Environmental Pollution 2016,214, 194–201.
108
Anhang
Abbildung 68:
LC/UV-DAD bei
λ
=
254 nm
der isolierten Huminstoffe und Vergleichssubstanzen
auf einer Synergi 4
µ
Hydro RP Säule. ENV08 - technische Huminsäure, FUKU -
natürliche organische Substanz aus der Großen Fuchskuhle.
Abbildung 69:
EI-MS des Peaks Pro2, der bei Umsetzung von Propiconazol mit Fentonreagenzien
auftritt.
109
Abbildung 70:
EI-MS des Peaks Pro3, der bei Umsetzung von Propiconazol mit Fentonreagenzien
auftritt.
Abbildung 71:
EI-MS des Peaks Pro9, der bei Umsetzung von Propiconazol mit Fentonreagenzien
auftritt.
Abbildung 72:
EI-MS des Peaks Pro10, der bei Umsetzung von Propiconazol mit Fentonreagenzien
auftritt.
110
Abbildung 73:
EI-MS des Peaks Pro11, der bei Umsetzung von Propiconazol mit Fentonreagenzien
auftritt.
Abbildung 74:
EI-MS des Peaks Pro12, der bei Umsetzung von Propiconazol mit Fentonreagenzien
auftritt.
Abbildung 75:
Gaschromatogramm eines Extraktes einer Lösung, die bei Umsetzung von Dofeno-
conazol mit Fentonreagenzien erhalten wird.
111
Abbildung 76:
Massenspektrum der elektrochemischen Umsetzung von Difenoconazol im online-
Modus.
Abbildung 77:
EI-MS des Peaks Pro20, der nach 24-stündiger elektrochemischer Behandlung
(U=2 V) einer methanolischen Propiconazollösung auftritt.
Abbildung 78:
EI-MS des Peaks Pro21, der nach 24-stündiger elektrochemischer Behandlung
(U=2 V) einer methanolischen Propiconazollösung auftritt.
112
Abbildung 79:
EI-MS des Peaks Pro22, der nach 24-stündiger elektrochemischer Behandlung
(U=2 V) einer methanolischen Propiconazollösung auftritt.
Abbildung 80:
EI-MS des Peaks Pro23, der nach 24-stündiger elektrochemischer Behandlung
(U=2 V) einer methanolischen Propiconazollösung auftritt.
Abbildung 81:
Massenspektren der Peaks Pro24 und Pro25, die bei der Umsetzung von Propicona-
zol mit energiereicher UV-Strahlung auftreten.
113
Tabelle 39:
Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten k der Transformation der Triazolfungizide bei
Bestrahlung mit energiereicher UV-Strahlung in Reinstwasser mit verschiedenen Zu-
sätzen. Bei ENV08 handelt es sich um eine technische Huminsäure, FUKU bezeichnet
natürliche organische Substanz aus der Großen Fuchskuhle. Es wurde eine Kinetik
pseudo-erster Ordnung vorausgesetzt.
k(Propiconazol) /min1k(Difenoconazol) /min1
Reinstwasser 0,08631±0,00575 0,03926±0,00830
ENV08 0,14879±0,01090 0,07238±0,00546
FUKU 0,11729±0,01233 0,06720±0,00785
SR HS 0,17186±0,01893 0,07320±0,00596
SR FS 0,14731±0,01509 0,09893±0,01858
Kompost HS 0,25956±0,00190 0,16604±0,01252
Kompost FS 0,31308±0,01426 0,19539±0,01849
Ulm SPM 0,13163±0,01135 0,10052±0,01563
BLK SPM 0,25245±0,00923 0,14405±0,01651
BLK SPM HS 0,30169±0,01125 0,18868±0,02033
BLK SPM FS 0,29059±0,01185 0,17428±0,01056
25 mM tBuOH 0,14506±0,01496 0,08924±0,01671
10 mM NaN30,13984±0,00600 0,08815±0,00815
5 µL H2O20,29080±0,01723 0,20741±0,00516
Abbildung 82:
Umsetzung von Terephthalsäure (TPA) zu 2-Hydroxy-Terephthalsäure (2-OH-TPA)
bei Bestrahlung mit energiereicher UV-Strahlung in Reinstwasser und in Reinstwas-
ser mit
10 mgL1
Fulvinsäureisolat aus Schwebstoffmaterial der Elbe bei Blankenese
(BLK SPM FS).
114
Abbildung 83: Intensitätsverlauf des Peaks Pro27HRMS in verschiedenen Matrices.
Abbildung 84: Intensitätsverlauf des Peaks Pro29HRMS in verschiedenen Matrices.
Abbildung 85: Intensitätsverlauf des Peaks Dif6HRMS in verschiedenen Matrices.
115
Abbildung 86: Intensitätsverlauf des Peaks Dif7HRMS in verschiedenen Matrices.
Abbildung 87: Intensitätsverlauf des Peaks Dif12HRMS in verschiedenen Matrices.
Abbildung 88: Intensitätsverlauf des Peaks Dif13HRMS in verschiedenen Matrices.
116
Abbildung 89: MS2-Spektrum von Peak Dif8HRMS.
Abbildung 90:
Konzentrationsverlauf der Analyten, aufgetragen als % des Startgehaltes, in Ober-
flächenwasser aus der Elbe bei Blankenese bei Bestrahlung mit UVA-Strahlung.
117
Abbildung 91:
FTIR-Spektrum von behandeltem PA6 (a) und Vergleichsspektrum aus der Hummel-
Datenbank von PA6 (b).
118