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[en] (orig)
Markus Lehner
Verfahren zur Entwicklung
geschäftsmodell-orientierter
Diversifikationsstrategien
Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National-
bibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de
abrufbar.
Heinz Nixdorf Institut, Universität Paderborn – Paderborn – 2014
ISSN 2195-5239
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Zustimmung der Herausgeber und des Verfassers unzulässig und strafbar. Das
gilt insbesondere für Vervielfältigung, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, sowie
die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Satz und Gestaltung: Markus Lehner
Hersteller: Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat OHG
Druck . Buch . Verlag
Münster
Printed in Germany
Geleitwort
Das Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn ist ein interdisziplinäres For-
schungszentrum für Informatik und Technik. Unser generelles Ziel ist die Steigerung
der Innovationskraft von Industrieunternehmen im Informationszeitalter. Ein Schwer-
punkt des von mir vertretenen Fachgebiets „Produktentstehung“ liegt auf der strategi-
schen Planung im Maschinen- und Anlagenbau und verwandter Branchen.
Viele dieser Unternehmen sehen sich in angestammten Geschäftsfeldern mit einem
Verdrängungswettbewerb bzw. mit sehr stark schwankenden Auftragseingängen kon-
frontiert. Eine Möglichkeit dieser Herausforderung zu begegnen ist die Diversifikation
des bestehenden Kerngeschäfts. Diversifikation meint das Bedienen neuer Märkte mit
modifizierten und/oder neuen Marktleistungen.
Vor diesem Hintergrund hat Herr Lehner ein Verfahren zur Entwicklung geschäftsmo-
dell-orientierter Diversifikationsstrategien entwickelt. Auf Basis einer systematischen
Marktsegmentierung wird der Zielmarkt für ein Diversifikationsvorhaben bestimmt und
die dort vorherrschende Geschäftslogik analysiert. Weiterhin wird das Stakeholderver-
halten mit einem neu entwickelten Einfluss-Ziele-Grid aufgedeckt. Marktsegment-, Sta-
keholder- und Umfeldszenarien helfen dabei, zukünftige Erfolg versprechende Ge-
schäftsmodelle zu entwickeln. Die Ergebnisse der Vorausschau und der Geschäftsmo-
dellentwicklung bilden die Grundlage der Diversifikationsstrategieentwicklung: Diese
umfasst die unternehmerische Vision mit den Elementen Leitbild, strategische Kompe-
tenzen und die strategische Position (Marktleistungs-Marktsegment-Kombination). Das
Verfahren wurde an einem Diversifikationsprojekt im Bereich Medizintechnik validiert.
Mit seiner Arbeit hat Herr Lehner einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der
Methoden der strategischen Produktplanung geleistet. Das Verfahren zeichnet sich u. a.
durch seine Praxisrelevanz aus und fügt sich in das Instrumentarium zur strategischen
Produktplanung des Heinz Nixdorf Instituts ein.
Paderborn, im Januar 2014 Prof. Dr.-Ing. J. Gausemeier
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter
Diversifikationsstrategien
zur Erlangung des akademischen Grades eines
DOKTORS DER INGENIEURWISSENSCHAFTEN (Dr.-Ing.)
der Fakultät Maschinenbau
der Universität Paderborn
genehmigte
DISSERTATION
von
Dipl.-Wirt.-Ing. Markus Wilhelm Lehner
aus Paderborn
Tag des Kolloquiums: 20. Januar 2014
Referent: Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier
Korreferent: Prof. Dr.-Ing. Udo Lindemann
Vorwort
Die vorliegende Dissertation entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Lehrstuhl für Produktentstehung am Heinz Nixdorf Institut (HNI) der
Universität Paderborn. Sie ist das Ergebnis meiner wissenschaftlichen Arbeit im Rah-
men von Forschungs- und Industrieprojekten.
Mein Dank gilt in erster Linie Herrn Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier, der mich stets
forderte und förderte. Die intensive Zusammenarbeit in anspruchsvollen Projekten und
die damit verbundenen fachlichen Diskussionen, Anregungen und insbesondere kon-
struktive Kritik haben wesentlich zu meiner fachlichen und persönlichen Entwicklung
beigetragen. Die übertragene Verantwortung und die Möglichkeit, verschiedene Projek-
te selbstständig ausgestalten und bearbeiten zu können waren außergewöhnlich.
Für die Übernahme des Korreferats danke ich Herrn Prof. Dr.-Ing. Udo Lindemann,
dem Leiter des Lehrstuhls für Produktentwicklung der Technischen Universität Mün-
chen (TUM), dessen Arbeiten mir wesentliche Impulse gegeben haben.
Allen Kolleginnen und Kollegen des Lehrstuhls für Produktentstehung sowie der UNI-
TY AG, insbesondere den Kolleginnen und Kollegen im Team Strategische Planung
und Innovationsmanagement, danke ich für die hervorragende Zusammenarbeit und den
einzigartigen Teamgeist, der mich jederzeit motiviert hat. Besonders möchte ich mich
für die intensive Zusammenarbeit mit Dr.-Ing. Oliver Köster, Dr.-Ing. Martin Kokosch-
ka, Niklas Echterhoff, Christoph Peitz, Dr.-Ing. Volker Brink, Dr.-Ing. Stephan Ihmels,
Dr.-Ing. Karsten Stoll, René Rübbelke und Dr. Dominik Freund bedanken. Den vielen
Studenten, die ich namentlich nicht alle nennen kann, danke ich für ihre Unterstützung
als studentische Hilfskraft oder durch ihre studentischen Abschlussarbeiten. Hervorhe-
ben möchte ich Markus Kokoschka, der mir über Jahre mit seinem unermüdlichen Ein-
satz den Rücken bei der Organisation des Symposiums für Vorausschau und Technolo-
gieplanung freigehalten hat.
Meinen Eltern Ulrike und Leopold danke ich dafür, mir mein Studium erst ermöglicht
und mich auch sonst immer unterstützt zu haben. Mein größter Dank gilt meiner Frau
Anne, die auch in unserer gemeinsamen „Freizeit“ des Öfteren fachliche Diskussionen
mit mir führen musste und so einen unschätzbaren Anteil für den erfolgreichen Ab-
schluss der Dissertation hatte. Vielen Dank!
Paderborn, im Januar 2014 Markus Lehner
Liste der veröffentlichten Teilergebnisse
[GBL11] GAUSEMEIER, J.; BUSCHJOST, O.; LEHNER, M.: The future of cable testing ensuring a secure
global power grid. In: Proceedings of IAMOT 2011, 20th International Conference on
Management of Technology, 10-14 April 2011, Miami Beach, USA, 2011
[GGL10] GAUSEMEIER, J.; GROTE, A.-C.; LEHNER, M.: Eine Analyse des Innovationsgeschehens in
Deutschland – wie innovativ ist Deutschland wirklich? In: GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vo-
rausschau und Technologieplanung. 6. Symposium für Vorausschau und Technologiepla-
nung, 28.-29. Oktober 2010, Berlin, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 276, Paderborn,
2010, S. 7-24
[GGL+10] GAUSEMEIER, J.; GROTE, A.-C.; LEHNER, M.; REYMANN, F.: Innovationsgeschehen in
Deutschland – Bestandsaufnahme und Analyse. Heinz Nixdorf Institut, Universität Pader-
born, Paderborn, 2010
[GGL+11] GAUSEMEIER, J.; GROTE, A.-C.; LEHNER, M.; REYMANN, F.: Innovationsgeschehen in
Deutschland – Bestandsaufnahme und Analyse. In: ZWF – Zeitschrift für wirtschaftlichen
Fabrikbetrieb, Jahrg. 106, Ausgabe 5/2011, Carl Hanser Verlag, München, 2011, S. 285-
286
[GGL12] GAUSEMEIER, J.; GROTE, A.-C.; LEHNER, M.: Zukunftsmarkt Telemedizin – Anforderungen
an die Produkte und Dienstleistungen von morgen. In: GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Voraus-
schau und Technologieplanung. 8. Symposium für Vorausschau und Technologieplanung,
6.-7. Dezember 2012, Berlin, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 306, Paderborn, 2012,
S. 7-26
[GKK+09] GAUSEMEIER, J.; KOKOSCHKA, M.; KÖSTER, O.; LEHNER, M.: IT-based Strategic Foresight.
In: Proceedings of IAMOT 2009, 18th International Conference on Management of Tech-
nology, 5-9 April 2009, Orlando, USA, 2009
[GKL10] GAUSEMEIER, J.; KOKOSCHKA, M.; LEHNER, M.: Bibliometrics in Technology Planning.
Proceedings of IAMOT 2010, 19th International Conference on Management of Technolo-
gy, 7-11 March 2010, Cairo, Egypt, 2010
[GL12] GAUSEMEIER, J.; LEHNER, M.: Markt- und Umfeldszenarien der Medizinelektronik: Anfor-
derungen an die Produkte und Dienstleistungen von morgen. In: WOLF, B. (Hrsg.): Bio-
elektronische Diagnose- und Therapiesysteme, Heinz-Nixdorf-Symposium, m3: micro-
electronic meets medicine®, 12.-13. Oktober 2010, München, Shaker Verlag, 2012, S. 247-
260
[GLP12] GAUSEMEIER, J.; LEHNER, M.; PEITZ, C.: Stakeholder analysis in developing technology
strategies. In: Proceedings of IAMOT 2012, 21st International Conference on Management
of Technology, 18-22 March, 2012, Hsinchu, Taiwan, 2012
[GLP+12] GAUSEMEIER, J.; LEHNER, M.; PEITZ, C.; GROTE, A.-C.: Stakeholder based innovation man-
agement. In: Proceedings of the XXIII ISPIM Conference, International Society for Profes-
sional Innovation Management, 17-20 June 2012, Barcelona, Spain, 2012
[GLR09] GAUSEMEIER, J.; LEHNER, M.; REYMANN, F.: Zukunftsszenarien in der Retrospektive – was
bringt die Szenario-Technik tatsächlich? In: GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 5. Symposium für Vorausschau und Technologieplanung, 19.-20.
November 2009, Berlin, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 265, Paderborn, 2009, S. 3-28
[GLR11] GROTE, A.-C.; LEHNER, M.; REYMANN, F.: Wild cards in strategic foresight – Dealing with
the unthinkable in the scenario technique. In: Proceedings of the 61st IIE (Institute of In-
dustrial Engineers) Annual Conference, Industrial Engineering Research Conference
(IERC), 21-25 May 2011, Reno, USA, 2011
[GLS09] GAUSEMEIER, J.; LEHNER, M.; STOLL, K.: Systematische Entwicklung von Geschäftsstrate-
giealternativen. In: Industrie Management, 4/2009, Gito Verlag, Berlin, 2009
[KGL12] KOKOSCHKA, M.; GAUSEMEIER, J.; LEHNER, M.: Development of Product Piracy Robust
Products and Production Systems. In: Proceedings of 18th International ICE-Conference on
Engineering, Technology and Innovation. 17-20 June 2012, Munich, Germany, 2012
[LGG13] LEHNER, M.; GAUSEMEIER, J.; GROTE, A.-C.: Diversifikationsstrategien am Beispiel Medi-
zintechnik. In: GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und Technologieplanung. 9. Sympo-
sium für Vorausschau und Technologieplanung, 5.-6. Dezember 2013, Berlin, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 318, Paderborn, 2013, S. 343-365
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikations-
strategien
Deutsche Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus und verwandter Branchen
wie der Automobil- und Elektroindustrie nehmen im globalen Wettbewerb eine Spit-
zenposition ein. Im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise fiel der Branchenumsatz im
Jahr 2008 um 22,6 Prozent. In den beiden Folgejahren mussten 611 Unternehmen der
Branche Insolvenz anmelden. Dies betraf vor allem solche Unternehmen, die sehr ein-
seitig aufgestellt waren. Ein Ausloten strategischer Diversifikationsmöglichkeiten fand
im Vorfeld offenbar nicht statt. Es mangelte vor allem an einer systematischen Struktu-
rierung und Auswahl attraktiver Märkte und Strategien, die ausgewählten Märkte zu
erschließen.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist daher ein Verfahren zur Entwicklung von Diversifikati-
onsstrategien, die auf in sich schlüssigen Geschäftsmodellen beruhen. Geschäftsmodelle
beschreiben alle Aktivitäten, durch die Marktleistungen entstehen und vertrieben wer-
den. Zunächst werden die Kompetenzen eines Unternehmens identifiziert und analy-
siert. Im nächsten Schritt wird der zu erschließende Markt in homogene Segmente ge-
gliedert und deren Attraktivität bewertet. Für ein ausgewähltes Marktsegment wird die
bestehende Geschäftslogik ermittelt und der Einfluss von Stakeholdern analysiert und
visualisiert. Auf der Basis von Marktsegment-, Umfeld- und Stakeholderszenarien wer-
den konsistente Geschäftsmodelle entwickelt und deren Attraktivität bestimmt. Ein
Make, M&A or Buy-Portfolio dient der Auswahl unternehmensextern zu beschaffender
Kompetenzen für ein ausgewähltes Geschäftsmodell. Alle Teilergebnisse münden in
einer Diversifikationsstrategie. Wesentliche Elemente der Strategie sind ein Geschäfts-
leitbild, strategische Kompetenzen, strategische Position und konkrete Ziele und Maß-
nahmen für die Umsetzung der Strategie.
Method to develop business model orientated diversification strategies
German companies in mechanical and plant engineering and related industries like au-
tomotive and electrical engineering have achieved a leading position in global markets.
In 2008 sales collapsed by 22.6 percent due to the financial crisis. Within the following
two years 661 companies had to file for bankruptcy. This affected especially companies
focusing only on a single business segment. A prior analysis of strategic diversification
options did not take place. The companies often lacked the ability to systematically
structure and select attractive markets and strategies to enter them.
Thus, the aim of this thesis is a method to develop diversification strategies based on
consistent business models. Business models describe all activities necessary to gener-
ate market performances and to distribute them. First, competencies of the company are
identified and analyzed in detail. In the next step the market is segmented and the attrac-
tiveness is evaluated. For a chosen market segment the business logic as well as the be-
haviors of different stakeholders are analyzed and visualized. On the basis of market
segment, market environment and stakeholder scenarios consistent business models are
developed. A Make, M&A or Buy portfolio helps to select a promising business model
and to decide which competencies have to be acquired externally. All partial results lead
to a diversification strategy. The strategy includes an entrepreneurial approach, strategic
competencies, strategic position and specific objectives and measures.
Inhaltsverzeichnis Seite 1
Inhaltsverzeichnis Seite
1 Einleitung ........................................................................................................ 5
1.1 Problematik ............................................................................................. 5
1.2 Zielsetzung .............................................................................................. 7
1.3 Vorgehensweise ...................................................................................... 8
2 Problemanalyse .............................................................................................. 9
2.1 Begriffsabgrenzung ................................................................................. 9
2.1.1 Strategie ....................................................................................... 9
2.1.2 Diversifikationsstrategie ............................................................. 10
2.1.3 Kompetenz und Kernkompetenz ................................................ 12
2.1.4 Markt- und Kundensegmentierung ............................................. 14
2.1.5 Stakeholder ................................................................................ 16
2.1.6 Trend, Szenario und Wild Card .................................................. 18
2.1.7 Geschäftsmodell ........................................................................ 20
2.1.8 Mergers & Acquisitions .............................................................. 21
2.2 Produktentstehungsprozess nach GAUSEMEIER..................................... 23
2.3 Strategieprozesse im Unternehmen ...................................................... 26
2.3.1 Prozess der strategischen Führung nach GAUSEMEIER ET AL. .... 27
2.3.2 Strategieelemente und Strategieebenen .................................... 29
2.4 Herausforderungen bei der Diversifikationsstrategieentwicklung
in der Praxis .......................................................................................... 30
2.5 Anforderungen an das Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-
orientierter Diversifikationsstrategien .................................................... 33
2.5.1 Anforderungen an die Phase Analyse ........................................ 33
2.5.2 Anforderungen an die Phase Vorausschau ................................ 34
2.5.3 Anforderungen an die Phase Strategieentwicklung .................... 34
2.5.4 Übergeordnete Anforderungen................................................... 35
Seite 2 Inhaltsverzeichnis
3 Stand der Technik ......................................................................................... 37
3.1 Ansätze der Phase Analyse .................................................................. 37
3.1.1 Ansätze zur Unternehmensanalyse ........................................... 37
3.1.1.1 Analyse von Wettbewerbsvorteilen nach
LOMBRISER und ABPLANALP ............................................ 37
3.1.1.2 Prozess des Managements von Kernkompetenzen
nach DEUTSCH ET AL. ..................................................... 40
3.1.2 Ansätze zur Markt- und Kundensegmentierung ......................... 42
3.1.2.1 Marktsegmentierung nach KOTLER und BLIEMEL ........... 42
3.1.2.2 Kundensegmentierung nach BRINK ............................... 44
3.1.3 Ansätze zur Stakeholder-Analyse .............................................. 47
3.1.3.1 Stakeholder-Analyse nach FINK und SIEBE .................... 47
3.1.3.2 Stakeholder-Analyse nach MÜLLER-STEWENS und
LECHNER ........................................................................ 50
3.1.3.3 Identifikation und Analyse von Stakeholdern nach
MITCHELL ET AL. ............................................................. 53
3.2 Ansätze der Phase Vorausschau .......................................................... 56
3.2.1 Szenario-Technik nach GAUSEMEIER ET AL. ................................ 56
3.2.2 Delphi-Methode .......................................................................... 59
3.2.3 Trendanalyse ............................................................................. 61
3.3 Ansätze der Phase Strategieentwicklung .............................................. 63
3.3.1 Ansätze zur Planung und Entwicklung von
Diversifikationsstrategien ........................................................... 63
3.3.1.1 Entwicklung von Diversifikationsstrategien
nach GANZ ..................................................................... 63
3.3.1.2 Planung von Diversifikationen nach BÜHNER ................. 66
3.3.2 Ansätze zur geschäftsmodell-orientierten
Strategieentwicklung .................................................................. 68
3.3.2.1 Geschäftsmodellentwicklung nach OSTERWALDER
und PIGNEUR .................................................................. 68
3.3.2.2 Geschäftsmodellentwicklung nach KÖSTER ................... 71
3.3.3 Allgemeine Ansätze zur Strategieentwicklung............................ 75
3.3.3.1 VITOSTRA® Verfahren zur Entwicklung von
konsistenten Strategieoptionen ..................................... 75
3.3.3.2 Strategieentwicklung nach WIRTZ .................................. 79
3.3.3.3 Strategieentwicklung nach SCHOEMAKER ....................... 81
3.3.3.4 Strategieentwicklung nach VAN DER HEIJDEN ................. 84
3.3.3.5 Prozess der szenariobasierten strategischen
Planung nach WULF ...................................................... 87
3.4 Handlungsbedarf ................................................................................... 89
Inhaltsverzeichnis Seite 3
4 Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter
Diversifikationsstrategien .............................................................................. 93
4.1 Vorgehensmodell .................................................................................. 93
4.2 Geschäftsanalyse .................................................................................. 96
4.2.1 Analyse des Diversifikationsauftrags .......................................... 96
4.2.2 Geschäftsstrukturanalyse ........................................................... 98
4.2.3 Ermittlung von Kompetenzen ..................................................... 99
4.3 Marktanalyse ....................................................................................... 100
4.3.1 Marktsegmentierung ................................................................ 100
4.3.2 Trendanalyse ........................................................................... 108
4.3.3 Auswahl eines Erfolg versprechenden Marktsegments ............ 111
4.3.4 Ermittlung von Geschäftsmodellen der Unternehmen im
ausgewählten Marktsegment ................................................... 113
4.4 Stakeholder-Analyse ........................................................................... 119
4.4.1 Identifikation von Stakeholdern ................................................ 119
4.4.2 Direkte und indirekte Einflussanalyse ...................................... 121
4.4.3 Bewertung der Relevanz und der Ziele .................................... 127
4.5 Geschäftsmodellentwicklung ............................................................... 130
4.5.1 Marktsegment-, Stakeholder- und Umfeldszenarien ................ 131
4.5.2 Ableitung von Anforderungen, Chancen und Gefahren ............ 133
4.5.3 Ermittlung konsistenter Geschäftsmodelle für das
ausgewählte Marktsegment ..................................................... 136
4.6 Geschäftsmodellanalyse ..................................................................... 139
4.6.1 Bewertung der Geschäftsmodelle und Auswahl eines Erfolg
versprechenden Geschäftsmodells .......................................... 140
4.6.2 Definition der angestrebten Marktleistung und Ermittlung
notwendiger bzw. fehlender Kompetenzen .............................. 145
4.7 Diversifikationsstrategieentwicklung .................................................... 148
4.7.1 Entwicklung eines Geschäftsleitbildes ..................................... 148
4.7.2 Ableitung strategischer Kompetenzen ...................................... 150
4.7.3 Definition der strategischen Position ........................................ 151
4.7.4 Diversifikationsstrategie ........................................................... 153
4.8 Bewertung des Verfahrens anhand der Anforderungen ...................... 156
5 Zusammenfassung und Ausblick ................................................................ 159
6 Abkürzungsverzeichnis ............................................................................... 163
7 Literaturverzeichnis ..................................................................................... 165
Seite 4 Inhaltsverzeichnis
Anhang
A1 Marktanalyse ............................................................................................ A-1
A1.1 Clusteranalyse ................................................................................. A-1
A1.2 Scree-Diagramm .............................................................................. A-3
A1.3 Übersicht betrachteter Produkte/Produktgruppen ............................ A-4
A1.4 Multidimensionale Skalierung der Produkte/Produktgruppen .......... A-5
A1.5 Trendradar Medizintechnik .............................................................. A-6
A1.6 Ausprägungslisten der Geschäftsmodelle von Unternehmen im
Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-Testing ........................... A-8
A1.7 Alternative zur Ermittlung von Geschäftsmodellen mit Hilfe des
Verfahrens VITOSTRA®................................................................. A-11
A1.8 Erfolgsfaktoren-Analyse für das Marktsegment
Telemedizin/Point-of-Care-Testing ................................................ A-14
A2 Stakeholder-Analyse .............................................................................. A-17
A2.1 Strukturanalyse der Einflussmatrix in LOOMEO ............................ A-17
A2.2 Ermittlung und Berechnung indirekter Einflüsse ............................ A-18
A2.3 Ermittlung der indirekten Beeinflussungen für das
Validierungsbeispiel ....................................................................... A-21
A3 Ermittlung optimaler Kombinationen von Übernahmekandidaten ........... A-23
Einleitung Seite 5
1 Einleitung
„Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen.“ RUDOLF A. OETKER
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Entwicklung von Diversifikationsstrategien in
Unternehmen des Maschinenbaus und verwandter Branchen wie der Automobil- und
Elektroindustrie auseinander. Diversifikation ist das Erschließen neuer Märkte mit mo-
difizierten und/oder gänzlich neuen Marktleistungen eines Unternehmens. Die Arbeit
zeigt Handlungsoptionen auf, wie ein Unternehmen systematisch auf der Basis schlüssi-
ger Geschäftsmodelle einen neuen Markt erschließen kann.
In den Kapiteln1 1.1 und 1.2 werden die Problematik und die Zielsetzung der vorliegen-
den Arbeit dargestellt. Kapitel 1.3 gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
1.1 Problematik
Deutsche Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus und verwandter Branchen
wie der Automobil- und Elektroindustrie nehmen im globalen Wettbewerb eine Spit-
zenposition ein. Dabei sind Innovationen die Basis für Wertschöpfung und Beschäfti-
gung, was insbesondere für ein Hochlohnland wie Deutschland gilt [GGL10, S. 7],
[GGL+10, S. 3], [GGL+11, S. 285], [GW11a, S. 9]. 20 Prozent der Wertschöpfung in
Deutschland entsteht im verarbeitenden Gewerbe mit etwa 7 Millionen Beschäftigten.
Der Maschinen- und Anlagenbau ist der größte industrielle Arbeitgeber Deutschlands
[VDM13, S. 3]. Der Umsatz stieg im Jahr 2012 auf rund 207 Milliarden Euro. Das ent-
spricht einem Umsatzwachstum von 3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011
[VDM13, S. 9].
Der Umsatzeinbruch um nahezu 23 Prozent in den Jahren 2008 und 2009 hat der Bran-
che stark zugesetzt. Begünstigt durch die Finanz- und Schuldenkrise brach die Nachfra-
ge vor allem in den USA und Südeuropa ein [VDM10, S. 4]. Das wiederum führte zu
einer noch nie dagewesenen Auslastung der Produktionskapazitäten von lediglich 70
Prozent. Die übliche Auslastung liegt im deutschen Maschinen- und Anlagenbau gemäß
Bild 1-1 im Durchschnitt bei etwa 86 Prozent [VDM13, S. 13].
Die geringe Auslastung und die langfristig rückläufigen Auftragseingänge verringerten
das Eigenkapital der Unternehmen erheblich. In letzter Instanz führte die Entwicklung
zu einer „Pleitewelle“ in der Branche. In den Jahren 2009 und 2010 meldeten insgesamt
611 Unternehmen Insolvenz an. Dies betraf vor allem Unternehmen mit nur einem
Standbein (eine Marktleistungs-Marktsegment-Kombination). Im Vergleich dazu ging
1 Nach DIN 1421 werden Textteile jeder Gliederungsstufe als „Abschnitt“ bezeichnet [DIN1421]. Die
Literatur diskutiert eine noch tiefere Unterteilung [HH09, S. 11]. In der vorliegenden Arbeit werden
die Begriffe Abschnitt und Kapitel synonym verwendet. Eine weitere Untergliederung wird nicht vor-
genommen.
Seite 6 Kapitel 1
die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2011 auf 191 und damit auf das Vorkrisenniveau mit
194 Insolvenzen im Jahr 2007 zurück [SH13, S. 24].
Bild 1-1: Kapazitätsauslastung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau nach Jah-
ren [VDM13, S. 13], [SH13, S. 24]
Diversifizierte Unternehmen streuen dagegen ihr Risiko und erarbeiten sich neue
Wachstumschancen, indem sie neben dem Kerngeschäft weitere Standbeine besitzen.
Die Insolvenzen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau sind ein Hinweis dafür,
dass eine Diversifikation der Marktleistung den wirtschaftlichen Fortbestand sichern
kann. Diversifikation ist vor allem für Unternehmen attraktiv, deren Kerngeschäft unter
niedrigen Margen leidet [Rol11, S. 21]. Eine Studie von ROLAND BERGER mit 40 deut-
schen Konzernen und Mittelständlern kommt zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der Un-
ternehmen in ihrem Kerngeschäftsfeld nur noch über die Verdrängung von Wettbewer-
bern wachsen. Lediglich 30 Prozent der Unternehmen gewinnen neue Umsätze ohne
Preiskämpfe und Übernahmen. 80 Prozent der befragten Unternehmen haben in den
vergangenen fünf Jahren mindestens ein komplett neues Geschäftsfeld aufgebaut. Die
Studie arbeitet zwei wesentliche Bedingungen für eine erfolgreiche Diversifikation her-
aus: Zum einen ist nach einem strukturierten und methodisch gestützten Auswahlpro-
zess mit klar definierten Kriterien vorzugehen. Zum anderen ist das Diversifikations-
vorhaben konsequent in die strategische Planung des Unternehmens zu verankern
[Rol11, S. 21].
Diese strategische Planung fußt auf einer phantasievollen Vorausschau denkbarer Ent-
wicklungen von Märkten, Geschäftsumfeldern und dem Verhalten von Stakehol-
95
70
75
80
85
90
65 2002 20042003 2005 2006 20082007 2009 2010 2011 2012
Kapazitätsauslastung [%]
mittlerer Wert 86,2%50%-Streuband*
* 50% aller beobachteten Werte seit 1995 liegen in einem Streuband zwischen 84,2% und 89,3%
Aufgrund der geringen Nachfrage brach die
Kapazitätsauslastung im Jahr 2009 regelrecht
ein. Im gleichen Atemzug sank in der gesamten
Branche der Umsatz im Vergleich zum Jahr
2008 um 22,6 Prozent. Aus diesen Gründen
mussten 611 Unternehmen Insolvenz anmelden.
Einleitung Seite 7
dern. Somit können Chancen, aber auch Gefahren ermittelt werden [GW11b, S. 103f.].
Die gewonnenen Erkenntnisse sind bei der zukunftsorientierten Diversifikationsstrate-
gieentwicklung zu nutzen. Vorausschauende Planung und Strategiekompetenz sind
für Unternehmen von hoher Relevanz [Gau07, S. 50].
Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten für ein Unternehmen, sich erfolgreich
in einem neuen Markt zu positionieren. Ein fundiertes Verständnis der Geschäftslogik
des neuen Marktes ist dabei von großer Bedeutung. Nur mit diesem Verständnis ist es
möglich, die dominante Geschäftslogik zu überwinden und neue Ideen neben diesen
Denkschemata zu entwickeln [GFC13, S. 12]. Die Geschäftslogik kann durch die Be-
schreibung alternativer Geschäftsmodelle erfolgen. Geschäftsmodelle stellen das Nut-
zenversprechen an den Kunden in das Zentrum der Betrachtung. Ausgehend von den
Nutzenversprechen werden Bausteine wie u. a. Kundensegmente, Kanäle, Schlüssel-
partner und Schlüsselaktivitäten betrachtet und neue Gestaltungsoptionen entwickelt
[OP10, S. 16ff.]. Die verschiedenen Geschäftsmodelle bilden die Basis für alternative
Diversifikationsstrategien. Bei der Entwicklung und Auswahl der Strategie ist auf den
Strategic Fit zu achten. Die Diversifikationsstrategie hat im Einklang mit der Unter-
nehmensstrategie zu stehen [Sch87, S. 78f.], [Rum03, S. 82f.].
Fazit
In einer globalen und von verschiedenen Stakeholdern geprägten Wertschöpfung reicht
die reine Betrachtung und Analyse von Marktzahlen bei der Entwicklung von Wachs-
tumsstrategien wie einer Diversifikationsstrategie nicht mehr aus. Vielmehr sind das
Verständnis der Geschäftslogik eines Marktes und der Einfluss verschiedener Stakehol-
der zu berücksichtigen. Weiterhin ist der zu erschließende Markt auf Basis einer syste-
matischen Vorausschau zu bewerten. Es bedarf eines Verfahrens, das diese Aspekte in
die Entwicklung von Diversifikationsstrategien integriert.
1.2 Zielsetzung
Ziel der Arbeit ist ein Verfahren zur Entwicklung von Diversifikationsstrategien, die auf
in sich schlüssigen Geschäftsmodellen beruhen. Geschäftsmodelle beschreiben alle Ak-
tivitäten, durch die Marktleistungen entstehen und vertrieben werden. Es gilt, Unter-
nehmen ein Verfahren zur systematischen Strukturierung und Potentialabschätzung
neuer Märkte an die Hand zu geben. Das Verfahren wird dabei durch etablierte Metho-
den als auch neu zu entwickelnde Methoden unterstützt. Es gliedert sich in die Phasen
Analyse, Vorausschau und Strategieentwicklung und orientiert sich damit am Prozess
der strategischen Führung nach GAUSEMEIER ET AL.
Ausgangspunkt ist ein Diversifikationsauftrag. Dieser beschreibt den Zielmarkt für das
Diversifikationsvorhaben. Im ersten Schritt ist das betrachtete Unternehmen in Ge-
schäftsfelder zu gliedern. Für die Geschäftsfelder sind Schlüsselfähigkeiten und Schlüs-
selressourcen zu identifizieren. Sich ergänzende Schlüsselfähigkeiten und Schlüsselres-
Seite 8 Kapitel 1
sourcen bilden die Kompetenzen eines Unternehmens. Anschließend ist der im Diversi-
fikationsauftrag beschriebene Zielmarkt zu segmentieren und die Attraktivität der ermit-
telten Marktsegmente zu bewerten. Dies ermöglicht die Auswahl eines Erfolg verspre-
chenden Marktsegments. Für das ausgewählte Marktsegment sind die Geschäftslogik
sowie relevante Stakeholder zu ermitteln. Diese Informationen dienen als Eingangsgrö-
ße für den Vorausschauprozess. Die Vorausschau dient der Ableitung von Anforderun-
gen an zukünftige Geschäftsmodelle sowie Chancen und Gefahren. Auf Basis der An-
forderungen, Chancen und Gefahren sind in sich schlüssige Geschäftsmodelle zu entwi-
ckeln. Alle Teilergebnisse münden in einer Diversifikationsstrategie. Die Diversifikati-
onsstrategie besteht aus einem Geschäftsleitbild, strategischen Kompetenzen, der strate-
gischen Position und konkreten Zielen und Maßnahmen für deren Umsetzung.
1.3 Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert. Im Anschluss an die Einleitung
wird die eingangs dargestellte Problematik in Kapitel 2 präzisiert. Zunächst werden
wesentliche Begriffe für die Arbeit definiert und voneinander abgegrenzt. Anschließend
wird das zu entwickelnde Verfahren in den Produktentstehungsprozess nach GAUSE-
MEIER eingeordnet. Ferner wird der Zusammenhang zwischen den einzelnen Strategie-
prozessen im Unternehmen herausgearbeitet. Schließlich werden Herausforderungen bei
der Entwicklung von Diversifikationsstrategien in der Praxis beschrieben. Die Ausfüh-
rungen des Kapitels münden in konkreten Anforderungen an das zu entwickelnde Ver-
fahren.
Kapitel 3 widmet sich dem Stand der Technik. Dazu werden zunächst losgelöste Ansät-
ze zur Phase Analyse des Prozesses der strategischen Führung vorgestellt. Weiterhin
werden Ansätze der Phase Vorausschau beschrieben. Anschließend werden Ansätze für
die Strategieentwicklung diskutiert. Die vorgestellten Ansätze und Methoden werden in
Bezug auf die in Kapitel 2 gestellten Anforderungen bewertet.
In Kapitel 4 wird das im Rahmen dieser Arbeit erstellte Verfahren zur Entwicklung von
Diversifikationsstrategien vorgestellt. Die einzelnen Phasen des Verfahrens werden de-
tailliert erläutert. Das Verfahren wird am Beispiel der Medizintechnik validiert. Am
Ende des Kapitels erfolgt eine kritische Diskussion der Erfüllung der in Kapitel 2 ge-
stellten Anforderungen an das Verfahren.
Kapitel 5 gibt eine Zusammenfassung und einen Ausblick auf zukünftige Forschungs-
fragen.
Problemanalyse Seite 9
2 Problemanalyse
Ziel der Problemanalyse sind Anforderungen an ein Verfahren zur Entwicklung ge-
schäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien. Dazu werden in Kapitel 2.1 we-
sentliche Begriffe der Arbeit abgegrenzt und definiert. In Kapitel 2.2 wird das Verfah-
ren in den Produktentstehungsprozess nach GAUSEMEIER eingeordnet. Die adressierten
Aufgabenbereiche des Produktentstehungsprozesses sind die Potentialfindung, Produkt-
findung und Geschäftsplanung. Die Grundlage der vorliegenden Arbeit bildet der Pro-
zess der strategischen Führung, der in Kapitel 2.3 vorgestellt wird. Darauf aufbauend
werden in Kapitel 2.4 Herausforderungen bei der Entwicklung von Diversifikationsstra-
tegien in der Praxis diskutiert. Die Kapitel 2.1 bis 2.4 erlauben schließlich, Anforderun-
gen an das Verfahren in Kapitel 2.5 abzuleiten.
2.1 Begriffsabgrenzung
Die in den Kapiteln 2.1.1 bis 2.1.8 beschriebenen Begriffsabgrenzungen sind notwen-
dig, um ein für diese Arbeit einheitliches Verständnis der in der einschlägigen Literatur
z. T. kontrovers diskutierten Begrifflichkeiten zu schaffen. Dabei erhebt dieser Ab-
schnitt keinen Anspruch auf eine vollständige Diskussion der Literatur.
2.1.1 Strategie
Der Begriff Strategie leitet sich aus dem Griechischen stratos (= Heer) und agein
(= führen) ab. Aufgrund des ursprünglich militärischen Gebrauchs des Begriffs kann
dieser auch mit „Feldherrenkunst“ übersetzt werden [GPW09, S. 155]. Der Begriff Stra-
tegos bezeichnete zudem die Funktion eines Generals im griechischen Heer. Die wis-
senschaftliche Diskussion des strategischen Managements findet erstmals Mitte des
20. Jahrhunderts in der Spieltheorie statt. Eine Strategie entspricht im Rahmen der
Spieltheorie einem vollständigen Plan2, der für alle möglichen Situationen eine echte
Wahlmöglichkeit vorsieht [WA12, S. 15].
Die Literatur liefert keine eindeutige Definition des Begriffs Strategie [Bri10, S. 10],
[Gäl05, S. 55f.], [Hin04, S. 17], [WA12, S. 15]. CHANDLER definiert eine Strategie als
„the determination of the basic long-term goals and objectives of an
enterprise, and the adaption of courses of action and the allocation of
resources necessary for carrying out these goals.“ [Cha62, S. 23]
2 Zur Spieltheorie vgl. beispielsweise NEUMANN und MORGENSTERN [NM73]. Weiterhin prägten vor
allem Beiträge von ANSOFF [Ans65] und ANDREWS [And71] die Auseinandersetzung mit dem Strate-
giebegriff.
Seite 10 Kapitel 2
Die Arbeit folgt dem klassischen Strategiebegriff als geplantes Maßnahmenbündel
des Unternehmens zur Erreichung von Langfristzielen [WA12, S. 16],
[Bri10, S. 10]3.
Nach HENDERSON sind für die Strategieentwicklung eines Unternehmens folgende
Punkte relevant [Hen00, S. 28]:
Das Vorhandensein einer kritischen Wissensmenge verbunden mit der higkeit,
Wissen in einem Interaktionssystem zu verdichten und nutzbar zu machen. Eine
Strategie besteht aus einer Vielzahl an einzelnen Maßnahmen oder Entscheidungen,
die zueinander stimmig sein sollten [WA12, S. 17]. So stellen die Verbesserung der
Produktqualität oder der Ausbau von Distributionskanälen für sich wiederum Maß-
nahmenbündel dar [MW10, S. 255ff.].
Die Fähigkeit zur Systemanalyse, um zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten anti-
zipieren zu können.
Der Einsatz von Phantasie und Logik, um strategische Alternativen aufzeigen zu
können.
Der Wille, auf kurzfristige Ziele zu Gunsten zukünftiger Potentiale zu verzich-
ten [Bri10, S. 10].
2.1.2 Diversifikationsstrategie
Der Begriff Diversifikation lässt sich aus den lateinischen Begriffen diversus (= ver-
schiedenartig) und facere (= tun, machen) herleiten. Die wörtliche Übersetzung lautet
folglich „Verschiedenartiges Tun“. Zu Beginn der 1950er Jahre führte ANDREWS den
Begriff Diversifikation in die angloamerikanische Betriebswirtschaftslehre ein. Eine
Diversifikation liegt laut ANDREWS vor, wenn ein Unternehmen mehr als ein Produkt
anbietet [And51, S. 61]. In den 1960er Jahren erweiterte ANSOFF diese Definition mit
der bekannten Produkt-Markt-Matrix (vgl. Bild 2-1). Er betrachtet neben dem Produkt
auch den Markt. Diversifikation ist nach ANSOFF das Erschließen eines neuen Marktes
mit einem neuen Produkt [Ans65, S. 98f.]. In der aktuellen Literatur wird der Begriff
Diversifikation kontrovers diskutiert. LOMBRISER und ABPLANALP beschreiben Diversi-
fikation als den Eintritt in ein Geschäft, das sich vom bisherigen Kerngeschäft eines
Unternehmens unterscheidet. Eine Diversifikation liegt nach LOMBRISER und AB-
PLANALP erst vor, wenn sich das neue Geschäft in mindestens zwei der Dimensionen
Produkt, Markt, Technologie, Vertriebskanäle oder Wertschöpfungsstufe vom beste-
henden Geschäft unterscheidet [LA10, S. 327]. GAUSEMEIER ET AL. definieren Diversi-
3 Die Kritik an der Rationalitätsprämisse und damit eine Gegenposition des klassischen Strategiebe-
griffs wird insbesondere von MINTZBERG vertreten. Vgl. dazu [Min94], [Min91], [Min90a], [Min90b]
und [QMJ02].
Problemanalyse Seite 11
fikation kurz als Bearbeitung neuer Märkte mit neuen Marktleistungen4
[GPW09, S. 177]. Im Folgenden wird die Produkt-Markt-Matrix nach ANSOFF kurz
vorgestellt. Ziel ist die Abgrenzung einer Diversifikationsstrategie von den übrigen
Wachstumsstrategien. Wie zuvor beschrieben, werden in der Matrix die vorhande-
nen/neuen Produkte den bedienten/neuen Märkten gegenübergestellt (vgl. Bild 2-1).
Bild 2-1: Produkt-Markt-Matrix nach ANSOFF [Ans65, S. 98f.] erweitert um Erläute-
rungen von [LA10, S. 327], [GPW09, S. 176f.]
Somit ergeben sich vier charakteristische Bereiche:
Marktdurchdringungsstrategie: Mit dieser Strategie versucht ein Unternehmen, in
einem bestehenden Markt mit der vorhandenen Marktleistung zu wachsen. Dies
kann durch eine Steigerung des Absatzes bei bestehenden Kunden, den Verkauf der
Produkte an neue Kunden, Gewinnung von Kunden der Konkurrenz (Erhöhung des
Marktanteils) oder einer Kombination aus den genannten Möglichkeiten erreicht
werden [GPW09, S. 176f.].
Marktentwicklungsstrategie: Bei dieser Strategie wird ein bisher nicht bedienter
Markt mit der vorhandenen Marktleistung erschlossen. Dies kann durch die Er-
schließung neuer Marktsegmente oder neuer geographischer Regionen (regional, na-
tional, international) erreicht werden [GPW09, S. 177].
Produktentwicklungsstrategie: Diese Strategie dient der Schließung von Lücken
im bekannten Markt. Möglichkeiten für die Umsetzung dieser Strategie sind neue
4 Eine Marktleistung umfasst nach STOLL die gesamte Spannbreite von reinen Sachleistungen (Produk-
te) bis reinen Dienstleistungen [Sto09, S. 12].
neues Produktvorhandenes Produkt
neuer Markt bedienter Markt
Marktdurchdringungsstrategie
• Steigerung des Absatzes bei
bestehenden Kunden
• Verkauf der Produkte an neue Kunden
• Kundengewinnung bei der Konkurrenz
• Kombination der oben genannten
Möglichkeiten
Produktentwicklungsstrategie
• Entwicklung neuer Eigenschaften für
bekannte Produkte
• Einführung neuer Produktvarianten
• Entwicklung neuer Produkte (Innovation)
Marktentwicklungsstrategie
• Erschließung neuer Marktsegmente
• Erschließung neuer geographischer
Regionen (regional, national,
international)
Diversifikationsstrategie
• Bedienung neuer Märkte mit neuen
Produkten:
Horizontale Diversifikation (auf ähn-
licher Stufe der Wertschöpfungskette)
Vertikale Diversifikation (Vorwärts-
und/oder Rückwärtsintegration,
Make or Buy-Entscheidung)
Produkt
Markt
Seite 12 Kapitel 2
Produkteigenschaften, die Einführung neuer Produktvarianten oder die Entwicklung
gänzlich neuer Produkte (Innovation) [GPW09, S. 177].
Diversifikationsstrategie: Hier wird versucht, neue Märkte mit neuen bzw. modifi-
zierten Marktleistungen zu erschließen [GPW09, S. 177]. Bei der Diversifikations-
strategie wird zudem eine horizontale und vertikale Strategie unterschieden. Bei der
horizontalen Strategie erfolgt die Diversifikation auf einer ähnlichen Stufe der Wert-
schöpfung. Das neue Geschäft kann dabei zu bestehenden Berei-
chen/Geschäftsfeldern verwandt sein (konzentrisch), aber auch keinen Bezug zu be-
stehenden Aktivitäten haben (konglomerat) [LA10, S. 327]. Bei einer vertikalen Di-
versifikation findet eine Vorwärts- und/oder Rückwärtsintegration statt. Hier steht
vor allem das Abwägen von Eigenfertigung vs. Zukauf (Make or Buy-
Entscheidung) im Vordergrund.
GAUSEMEIER ET AL. erweitern die Ansoff-Matrix um zukünftige Märkte und zukünftige
Marktleistungen. So können noch weitere strategische Optionen identifiziert werden
(Marktfindung, Produktfindung, zukünftige Diversifikation) [GPW09, S. 177f.].
In der vorliegenden Arbeit wird eine Diversifikationsstrategie definiert als ein geplan-
tes Maßnahmenbündel eines Unternehmens, um mit modifizierten und/oder neuen
Marktleistungen neue Märkte langfristig zu erschließen.
2.1.3 Kompetenz und Kernkompetenz
Kompetenzen sind nach LOMBRISER und ABPLANALP Kombination von sich ergän-
zenden Fähigkeiten5 und Ressourcen6. Führen Kombinationen von Ressourcen und
Fähigkeiten zu Kompetenzen, die einzigartig und nachhaltig im Wettbewerb sind, wer-
den diese Kompetenzen als Kernkompetenz bezeichnet [LA10, S. 159]. In der Literatur
finden sich neben dieser Definition zahlreiche weitere Definition des Begriffs Kern-
kompetenz („Core Competence“).
Im Wesentlichen wurde der Begriff von HAMEL und PRAHALAD geprägt, die unterneh-
mensinterne Ressourcen und Ressourcenbündel als Auslöser für Wettbewerbsvorteile7
5 Fähigkeiten sind alle Funktionen eines Unternehmens (z. B. Forschung und Entwicklung, Marketing)
oder die Beherrschung von Prozessen (z. B. Innovationsprozess). Weiterhin zählen auch weiche Fak-
toren wie die Unternehmenskultur, die Lernfähigkeit oder Flexibilität zu den Fähigkeiten eines Unter-
nehmens [LA10, S. 157].
6 In der Literatur werden materielle und immaterielle Ressourcen unterschieden. Materielle Ressour-
cen wie Maschinen können immer nur an einem Ort eingesetzt werden. Immaterielle Ressourcen kön-
nen dagegen an mehreren Orten gleichzeitig verwendet werden (z. B. Patente). I. d. R. besitzen sie
damit einen höheren Wert für das Unternehmen (Hebelwirkung) [LA10, S. 156].
7 Zahlreiche Autoren treffen die Aussage, dass Kernkompetenzen die Basis für Vorteile eines Unter-
nehmens im Wettbewerb bilden. Vgl. u. a. [KH97], [Lim99], [Sch02].
Problemanalyse Seite 13
eines Unternehmens sehen [HP95, S. 302]8. In Bild 2-2 sind mögliche Bausteine einer
(Kern-) Kompetenz dargestellt.
Bild 2-2: Bausteine (Ressourcen und Fähigkeiten) einer Kernkompetenz
[LA10, S. 159]
Patente, Markennamen, Produkte und Technologien etc. sind für sich genommen noch
keine Kernkompetenzen. Beispiele für Kernkompetenzen sind die Integration von Soft-
ware und Hardware bei Apple, die Antriebstechnik bei Honda oder das funktionsorien-
tierte Design bei Samsung [PH91, S. 66ff.], [LA10, S. 188].
Der Ursprung des Begriffs Kernkompetenz liegt laut RASCHE in dem „Resource-Based
View“, der Ende der 1980er Jahre propagiert wurde [Ras93, S. 424]. Diesem auf die
Ressourcen und Fähigkeiten eines Unternehmens fokussierte Ansatz („inside out“) ging
in der Literatur eine Betrachtung des Gesamtmarktes voraus, der sogenannten „Market
based View“. PORTER entwickelte in diesem Kontext Ansätze für eine Branchenstruk-
tur- und Wertkettenanalyse [Nas04, S. 10f.]. Ziel dieser Ansätze ist die Positionierung
des Unternehmens im Gesamtmarkt durch einen Vergleich mit den Wettbewerbern, um
daraus entsprechende Strategien abzuleiten oder zu verbessern („outside in“)
[Mar03, S 7f.]. Die beiden Sichten „Market based view“ und „Resource based view“
haben KRÜGER und HOMP in einem Gegenstrommodell zusammengeführt (vgl.
Bild 2-3).
8 Vgl. dazu auch [BW96, S. 160], [Pra90, S. 80ff.], [Lim99, S. 101], [Rog00, S. 53], [Rom06, S. 205].
Kernkompetenz
Standorte Wissen/Erfahrung
Lizenzen/Patente
Beziehungen
Organisationale funktionale
Fähigkeiten
Technologien,
Anlagen
Mitarbeiter
Kultur
Marke/ImageGeschäftsprozesse
... Reputation/Akzeptanz
Seite 14 Kapitel 2
Bild 2-3: Gegenstrommodell des kompetenzorientierten Unternehmensführungspro-
zesses nach KRÜGER und HOMP [KH97, S. 88], [GPW09, S. 161]
Für das zu entwickelnde Verfahren wird der Definition von LOMBRISER und ABPLANALP
gefolgt. Eine Kompetenz ist demnach ein Bündel von sich ergänzenden Fähigkeiten
und Ressourcen. Führen Kompetenzen zu Wettbewerbsvorteilen, werden diese Kom-
petenzen als Kernkompetenzen eines Unternehmens bezeichnet.
2.1.4 Markt- und Kundensegmentierung
Wie in Kapitel 2.1.2 dargestellt, zielen Wachstumsstrategien darauf ab, einen bestimm-
ten Markt mit einer Marktleistung zu bedienen. Gerade bei Diversifikationsstrategien ist
der neue Markt i. d. R. dem Unternehmen nicht bekannt und bedarf einer Segmentie-
rung. In der Literatur haben sich dazu die Begriffe Markt- und Kundensegmentierung
herausgebildet. Diese Begriffe werden im Folgenden voneinander abgegrenzt.
Eine Marktsegmentierung erfolgt nach KOTLER und BLIEMEL anhand der Merkmale
Ressource, Wohnort, Kaufeinstellung und Kaufgepflogenheit [KB01, S. 416]. Dabei
werden die Merkmale einzeln oder in Kombination verwendet. Es wird beispielsweise
das verfügbare Einkommen dem Wohnort gegenübergestellt. Ein Beispiel für ein
Marktsegment wäre ein „Paderborner mit einem Einkommen zwischen 30.000 und
40.000 Euro“. Diese Form der Marktsegmentierung zielt auf das Marketing und die
Auswahl von Zielmärkten eines Unternehmens (aus dem Konsumgüterbereich) ab.
PORTER segmentiert Absatzmärkte nach den Merkmalen Abnehmertyp, Vertriebskanal
und dem geographischen Standort des Abnehmers [Por99, S. 70ff.]. Abnehmertypen
sind beispielsweise Industrieunternehmen und private Konsumenten. Bei Vertriebskanä-
len können Direktvertrieb, Vertrieb über Vertretungen oder das Internet unterschieden
werden. Die geographischen Standorte der Kunden können Städte, Regionen oder Län-
der sein.
Unternehmensspitze
Unternehmensbasis
Kunden
Liefe-
ranten
Fit-orientierter
Rücklauf
Stretch-orientierter
Vorlauf
Bedürfnisorientierter Rücklauf
(„outside in”)
Kompetenzorientierter Vorlauf
(„inside out”)
Ressourcen/
Fähigkeiten
Kern-
kompetenzen
Kerneigen-
schaften
Kern-
bedürfnisse
Problemanalyse Seite 15
Nach GAUSEMEIER ET AL. praktizieren vor allem große Unternehmen neben der Markt-
auch eine Kundensegmentierung. Dabei werden die Begriffe Kunden- bzw. Anforde-
rungssegmentierung synonym verwendet. Jedes Anforderungssegment verfügt über
ein spezifisches Anforderungsprofil (charakteristische Bedürfnisse) sowie spezifische
Eigenschaften aus der Marktsegmentierung (Kaufkraft, Alter etc.) [GPW09, S. 143ff.].
FRETER geht noch einen Schritt weiter und beschreibt den Gegenstand einer Kunden-
segmentierung als die Identifikation, Selektion und Förderung erfolgversprechender
Kunden. Somit lassen sich die Kundensegmente mit spezifischen Produkten bedienen
[Fre08, S. 54f.], [Fre08, S. 358]. Weit verbreitet, vor allem im Bereich der Konsumgü-
terindustrie, ist die Verwendung von Sinus-Milieus®. Das Sinus-Institut unterteilt mit
den Kriterien Grundorientierung und Soziale Lage die Bevölkerung eines Landes in
verschiedene soziale Milieus (vgl. Bild 2-4).
Bild 2-4: Sinus-Milieus® für Deutschland im Jahr 2012 nach Sinus Sociovision
[Sin12-ol]
Beispiele für Sinus-Milieus® sind die „Bürgerliche Mitte“ oder das „Liberal-
intellektuelle Milieu“. Sinus-Milieus® werden für unterschiedliche nder separat ent-
wickelt und validiert [Sin12-ol]. Kunden aus einem Milieu fragen ähnliche produktpro-
gramm- und marktsegmentübergreifende Leistungen nach [Bri10, S. 14].
In dieser Arbeit werden die Begriffe Markt- und Kundensegmentierung in Anlehnung
an PORTER und GAUSEMEIER wie folgt definiert: Eine Marktsegmentierung ist die Auf-
teilung eines Marktes in homogene Teilsegmente, die als Marktsegmente bezeichnet
werden. Eine Kundensegmentierung charakterisiert Marktsegmente mit spezifischen
Kundenanforderungen.
Soziale Lage
Grundorientierung
Oberschicht
Mittelschicht
Unterschicht
Tradition Modernisierung Neuorientierung
Traditionelles Milieu
15%
Bürgerliche Mitte
14%
Prekäres Milieu
9%
Hedonistisches Milieu
15%
Konservativ-
etabliertes Milieu
10%
Milieu der
Performer
7% Expeditives
Milieu
6%
Adaptiv-
pragmatisches
Milieu
9%
Sozialökologisches
Milieu
7%
Liberal-intellektuelles
Milieu
7%
Seite 16 Kapitel 2
2.1.5 Stakeholder
Der Begriff Stakeholder wurde durch ein Memorandum des Stanford Research Institu-
te (SRI) 1963 in die Managementliteratur eingeführt [FS06, S. 178], [GPW09, S. 170].
Personen, Gruppen, Nachbarn, Organisationen, Institutionen und die Gesellschaft selbst
sind potentielle Stakeholder [MAW97, S. 855]. Eine Übersicht zeigt Bild 2-5.
Bild 2-5: Stakeholder (Anspruchsgruppen) eines Unternehmens [GPW09, S. 21]
JONES hat sich als einer der ersten mit dem Begriff Stakeholder auseinander gesetzt und
diesen vom Begriff Stockholder abgegrenzt:
„The notion that corporations have an obligation to constituent
groups in society other than stockholders and beyond that prescribed
by law or union contract, indicating that a stake may go beyond mere
ownership” [Jon80, S. 59f.].
Dabei wirft JONES folgende Fragen auf, die eine Stakeholder-Analyse zu beantworten
hat:
What are these groups? How many of these groups must be served?
Which of their interests are most important? How can their interests
be balanced? How much corporate money should be allotted to serve
these interests?“ [Jon80, S. 60]
Diese Fragen werden in der Literatur auf unterschiedliche Weise diskutiert. So definiert
beispielsweise ALKHAFAJI Stakeholder als Gruppen, für die ein Unternehmen verant-
wortlich ist [Alk89, S. 36]. THOMPSON ET AL. erweitern diese Definition, in der sie Sta-
Unternehmen
Verbände
Regierung
Kommunen Kunden/
Handel
Lieferanten
Verbraucher
Kapital-
eigner
Medien
Mitarbeiter
Manage-
ment
Umwelt-
gruppen
Mit-
bewerber
Aktive Gestaltung
der Beziehungen
Problemanalyse Seite 17
keholder als Gruppen mit einer Beziehung zu einer Organisation beschreiben
[TWS91, S. 209].
Die klassische Definition des Begriffs Stakeholder stammt von FREEMAN. Er definiert
Stakeholder schlicht als Gruppen oder Individuen, die ein Unternehmen bei der Errei-
chung der gesteckten Ziele beeinflussen oder von einem Unternehmen dabei beeinflusst
werden [Fre84, S. 46]. Diese Definition ist in der Literatur am weitesten verbreitet
[MAW97, S. 856]. FREEMANN erweitert zudem den Begriff Stakeholder um den Aspekt
der Bidirektionalität (beeinflussen und beeinflusst werden) [Fre84, S. 46].
Im Gegensatz dazu bietet CLARKSON eine Definition an, in der er die Aspekte Freiwil-
ligkeit und Unfreiwilligkeit einbringt: Freiwillige Stakeholder tragen ein Risiko, weil
sie Ressourcen (humane und/oder finanzielle) in das Unternehmen einbringen. Unfrei-
willige Stakeholder sind einem Risiko als Ergebnis der Tätigkeit des Unternehmens
ausgesetzt. Folglich gibt es ohne Risiko auch keinen Anspruch einer Person oder Grup-
pe (engl. „stake“) [Cla94, S. 5].
In der Literatur können drei wesentliche Strömungen in der Beschreibung und dem
Umgang mit Stakeholdern unterschieden werden:
Die klassisch-kapitalistischen Ansätze basieren auf der Tatsache, dass wirtschaft-
liche Ressourcen begrenzt sind. Dies gilt auch für die Zeit, sich mit externen und in-
ternen Unwägbarkeiten auseinander zu setzen. Generell wird der Einfluss von Sta-
keholdern auf die wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens analysiert. Vertre-
ter dieser Richtung sind BOWIE [Bow88, S. 97ff.], FREEMAN und REED
[FR83, S. 93f.], NÄSI [Näs95, S. 19ff.] und wie zuvor beschrieben auch CLARKSON
[Cla94, S. 5ff.].
Die wirtschaftlich-moralischen Ansätze basieren auf verschiedenen Überlegungen
zu „creating and sustaining moral relationships“ [Fre94, S. 409ff.],
[WGF94, S. 475ff.]. Hier steht nicht die Beeinflussung durch verschiedene Stake-
holder im Vordergrund sondern vielmehr die Zusammenarbeit des Unternehmens
mit den verschiedenen Anspruchsgruppen, wie bei DONALDSON und PRESTON oder
LANGTRY beschrieben ist [DP95, S. 65ff.], [Lan94, S. 431ff.].
Die opportunistischen Ansätze versuchen, Handlungsoptionen für bestehende
Probleme mit Stakeholdern anzubieten. Diese Ansätze basieren nach MITCHELL ET
AL. auf der Überlegung, Chancen aus einer aktiven Gestaltung der Beziehung zu den
einzelnen Stakeholdern zu ziehen [MAW97, S. 857], [FS06, S. 178f.].
Die vorliegende Arbeit folgt dem opportunistischen Ansatz. Das zu entwickelnde Ver-
fahren hat Handlungsempfehlungen nach der Analyse externer Stakeholder anzubieten.
Seite 18 Kapitel 2
2.1.6 Trend, Szenario und Wild Card
In der Literatur existiert keine einheitliche Definition des Begriffs Trend. Ein Trend
beschreibt nach KORTZFLEISCH und BERGENER die „Grundrichtung einer statistisch
erfassten Entwicklung“ [KB75, S. 44]. GAUSEMEIER ET AL. definieren einen Trend als
„eine mögliche Entwicklung in der Zukunft, die aufgrund einer hohen Wahrscheinlich-
keit als künftige relevant angesehen werden kann“ [GPW09, S. 112]. MIĆIĆ beschreibt
einen Trend als gerichtete Veränderung einer oder mehrerer Variablen eines Umfeldbe-
reiches [Mic06, S. 73]. Weiterhin können Trends nach PILLKAHN in Mikrotrends und
Makrotrends unterteilt werden. Makrotrends können beispielsweise in Technologie-,
Gesellschafts- und Wirtschaftstrends unterteilt werden. Bei Mikrotrends ist u. a. eine
Unterscheidung in Markttrends und Produkttrends möglich [Pil07, S. 127ff.].
Der Begriff Szenario stammt vom lateinischen Wort Szenarium ab. Ein Szenarium be-
zeichnet im Theater eine Szenenfolge eines Dramas. Der moderne Szenario-Begriff
wurde zuerst in einem militärischen Kontext verwendet. Erst in den 1960ern stellten
General Electric und Royal Dutch Shell Szenarien in den Kontext der strategischen Pla-
nung [Ste03, S. 3ff.]. Ab diesem Zeitpunkt haben sich unterschiedliche Begriffsdefiniti-
onen herausgebildet. Dazu stellt PILLKAHN fest, dass sich in der Literatur ohne Proble-
me fünfzig verschiedene Definitionen finden lassen, die sich alle in Hinblick auf den
Bezugsrahmen und/oder die eingesetzte Methodik unterscheiden [Pil07, S. 168].
PORTER definiert Szenarien beispielsweise als einen in sich geschlossenen Ausblick auf
den zukünftigen „Zustand der Welt“ [Por99, S. 301]. In der vorliegenden Arbeit wird
dem Begriffsverständnis von GAUSEMEIER ET AL. gefolgt. Nach GAUSEMEIER ist ein
Szenario
„eine allgemeinverständliche Beschreibung einer möglichen Situation
in der Zukunft, die auf einem komplexen Netz von Einflussfaktoren be-
ruht sowie die Darstellung einer Entwicklung, die aus der Gegenwart
zu dieser Situation führen könnte.“ [GPW09, S. 59]
Die Definition greift die beiden Grundprinzipien der Szenario-Technik auf – multiple
Zukunft und vernetztes Denken. Die multiple Zukunft drückt aus, dass je Einflussfak-
tor alternative Entwicklungsmöglichkeiten ins Kalkül gezogen werden sollten. Das un-
terscheidet die Szenario-Technik von einer reinen Trendbetrachtung. In der Literatur
wird daher auch der Begriff „Zukünfte“ geprägt, da die Zukunft aus heutiger Sicht nicht
eindeutig determiniert ist [Fle87, S. 200]. Vernetztes Denken besagt, dass zwischen den
Einflussfaktoren eine wechselseitige Vernetzung vorherrscht. Szenarien werden nach
GAUSEMEIER für das weitere Umfeld und den Markt bzw. der Branche eines Unterneh-
mens vorausgedacht [GPW09, S. 64].
Der Begriff Wild Card hat seinen Ursprung im Sport oder Kartenspiel [GLR11, S. 2].
Im Sport ermöglichen Wild Cards Sportlern oder Mannschaften die Teilnahme, obwohl
sie den Qualifikationsregeln nicht genügen. Im Kontext der strategischen Planung wer-
Problemanalyse Seite 19
den Wild Cards erst seit den 1990er diskutiert [SS04, S. 19]. Unter Verwendung der
Kriterien Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung werden Wild Cards in der Litera-
tur auch als Diskontinuität [SS04, S. 20ff.] oder Trendbruchereignis bezeichnet
[GSZ08, S. 184], [Pil07, S. 121]. Alle Definitionen des Begriffs Wild Card in der Lite-
ratur verbindet das plötzliche Eintreten eines Ereignisses mit einer hohen Auswirkung
auf den Untersuchungsgegenstand. Dieser Definition wird in der vorliegenden Arbeit
gefolgt. Ein Beispiel für eine Wild Card ist der Anschlag auf das World Trade Center in
New York. Dieser zog vor allem (wirtschaftliche) Konsequenzen für Luftfahrtgesell-
schaften nach sich.
PILLKAHN verwendet die Kriterien Spektrum der Veränderung und Wissensspektrum,
um alle Zukunftselemente in einem Portfolio einzuordnen und gleichzeitig voneinander
abzugrenzen (vgl. Bild 2-6). Neben den zuvor definierten Zukunftselementen Trend,
Szenario und Wild Card sind in dem Portfolio die für die vorliegende Arbeit unbedeu-
tenden Begriffe Konstanten/Paradigmen (Beispiel: Moore's Law) und Widersprüche
(Beispiel: Qualität vs. Quantität) positioniert.
Bild 2-6: Einordnung der Begriffe Trend, Szenario und Wild Card nach PILLKAHN
[Pil07, S. 121]
Spektrum der Veränderungen
Wissensspektrum
Konstanz Gerichtete
Veränderung
Ungerichtete
Veränderung
Chaos
SpekulationVermutung
Fundierte
Meinung
Wissen
Szenarien/
Unsicherheiten
Wild Cards/
Chaos
Widersprüche
Trends
Konstanten/
Paradigmen
Seite 20 Kapitel 2
2.1.7 Geschäftsmodell
In der Literatur findet sich keine allgemeingültige Definition des Begriffs Geschäftsmo-
dell [Sch13, S. 21]. So definieren AMIT und ZOTT ein Geschäftsmodell als die Gestal-
tung des Inhalts einer Transaktion sowie die Struktur und Steuerung, um durch das Nut-
zen von Geschäftschancen Wert zu schaffen [AZ01, S. 493]. MITCHEL und COLES be-
schreiben ein Geschäftsmodell als die Kombination aus „Wer“, „Was“, „Wann“, „Wo“,
„Wie“ und „Wie viel“ ein Unternehmen benötigt, um Produkte/Dienstleistungen zu er-
bringen und in den Ressourcenaufbau investiert, um das Geschäft zukünftig weiter zu
führen [MC03, S. 17]. GASSMANN ET AL. definieren ein Geschäftsmodell über die Fra-
gen wer die Kunden sind, was verkauft wird, wie es hergestellt und welcher Ertrag rea-
lisiert wird (Wer, Was, Wie, Wert) [GFC13, S. 7]. CHRISTENSEN ET AL. sehen in den
Handlungsbereichen „Nutzenversprechen für die Kunden“, „Gewinnformel“, „Schlüs-
selressourcen“ und „Schlüsselprozesse“ die Gestaltungsmöglichkeiten für ein Ge-
schäftsmodell. Diese sind zu identifizieren und zu schlüssigen und Erfolg versprechen-
den Kombinationen zu verknüpfen [CJK09, S. 36ff]. Für OSTERWALDER und PIGNEUR
ist ein Geschäftsmodell die Beschreibung, wie ein Unternehmen Wert schafft, bereit-
stellt und den Fortbestand der Geschäftstätigkeit sichert [OP10, S. 14]. SCHUH ET AL.
definieren ein Geschäftsmodell als ein Abbild der Geschäftslogik eines Unternehmens
auf einem hohen Abstraktionsniveau. Es beschreibt Inhalt, Struktur und Zielrichtung der
unternehmerischen Aktivität [SBK+11, S. 97]. Nach KÖSTER umfasst ein Geschäftsmo-
dell nur interne Lenkungsgrößen9. KÖSTER definiert den Begriff Geschäftsmodell in
Anlehnung an ZOLLENKOP [Zol06, S. 48] und WIRTZ [Wir10, S. 70] wie folgt:
„Geschäftsmodelle sind Werkzeuge zur ganzheitlichen und unterneh-
mensübergreifenden Beschreibung, Analyse und Gestaltung unter-
nehmerischer Geschäftstätigkeit. In stark vereinfachter Form fokus-
sieren sie alle relevanten Aktivitäten, durch die vermarktungsfähige
Marktleistungen entstehen und vertrieben werden, mit dem Ziel Wett-
bewerbsvorteile zu erreichen bzw. zu sichern.“ [Kös14, S. 20]
Die vorliegende Arbeit folgt der oben dargestellten Definition von KÖSTER. Wichtig in
diesem Zusammenhang ist der Bezug zur Analyse im Rahmen der Geschäftsmodellent-
wicklung. Andere Autoren wie OSTERWALDER und PIGNEUR stellen vor allem den As-
pekt der Entwicklung in den Vordergrund [OP10, S. 5].
Weiterhin wird die Abgrenzung zwischen Strategie und Geschäftsmodell in der Litera-
tur kontrovers diskutiert [Kös14, S. 20f.]. Die Begriffe werden z. T. synonym verwen-
det [SL03, S. 237]. Bild 2-7 zeigt eine Abgrenzung nach AL-DEBEI und AVISON, die auf
der obersten Ebene die Geschäftsstrategie positionieren.
9 Interne Lenkungsgrößen werden vom Unternehmen selbst beeinflusst. Sie unterliegen keinem Einfluss
externer Bereiche wie Ökonomie, Politik oder Gesellschaft [GPW09, S. 62].
Problemanalyse Seite 21
Bild 2-7: Beziehung zwischen Strategie, Geschäftsmodell und Geschäftsprozessen
nach AL-DEBEI und AVISON [AA10, S. 371]
Das Geschäftsmodell bildet die Vermittlungsebene zwischen dieser Geschäftsstrategie
und den Geschäftsprozessen [AA10, S. 372]. Dieser Abgrenzung folgt auch die vorlie-
gende Arbeit. Für die Abgrenzung der Strategieebenen sei auf das Kapitel 2.3.2 verwie-
sen. In der Literatur werden zudem Geschäftsmodellmuster diskutiert. GASSMANN ET
AL. stellen beispielsweise 55 Konzepte (Geschäftsmodellmuster) vor, die sich in der
Praxis bewährt haben und als „Kochrezept“ für Geschäftsmodellinnovationen dienen
können [GFC13, S. 76ff.].
2.1.8 Mergers & Acquisitions
Das Begriffspaar Mergers & Acquisitions (M&A) wird seit Ende des 19. Jahrhunderts
nach der ersten Übernahmewelle in den USA verwendet [Wir12, S. 10]. Im Deutschen
existieren für den Begriff M&A eine Vielzahl unterschiedlicher Terminologien, wie
z. B. Unternehmenstransaktion, Unternehmenszusammenschluss oder Unternehmens-
übernahme [LM02, S. 23], [Gab12-ol]. Ein Merger liegt vor, wenn zwei rechtlich
selbstständige Unternehmen zu einer rechtlichen Einheit verschmolzen werden. Im Zu-
ge der Verschmelzung verliert mindestens eines der beteiligten Unternehmen seine
rechtliche Selbstständigkeit [Brä08, S. 227]. Eine Akquisition ist der Kauf von Unter-
nehmenseinheiten oder eines ganzen Unternehmens und deren anschließende Eingliede-
rung in den Unternehmensverbund des Erwerbers [Ger91, S. 7], [Pic12, S. 2]. Bei einer
Akquisition bleibt im Unterschied zur Fusion die rechtliche Selbstständigkeit (zumin-
dest vorerst) erhalten. Es kommt lediglich zu einer wirtschaftlichen Vereinigung
[Jan08, S. 247]. Akquisitionen können nach ihrer Bindungsrichtung unterschieden wer-
den. Bei einer horizontalen Akquisition wird ein Unternehmen der gleichen Branche
oder der gleichen Wertschöpfungsstufe gekauft. Dabei stehen die Realisierung von Sy-
nergien und die Bereinigung des Marktes (Ausschalten eines Konkurrenten und Erhö-
hung des relativen Marktanteils) im Vordergrund. Bei einer vertikalen Akquisition
wird ein Unternehmen der gleichen Branche, jedoch einer direkt vor- oder nachgelager-
ten Wertschöpfungsstufe gekauft. Ziel ist die Sicherung von Versorgung und Absatz. Im
Zuge einer konglomeraten Akquisition (der Begriff lateral wird synonym verwendet)
wird ein Unternehmen einer anderen Branche gekauft. Neben operativen und strategi-
Geschäftsstrategie
Geschäftsmodell
Geschäftsprozesse
strategische Ebene
(hoch aggregiert)
taktische Ebene
operative Ebene
(sehr detailliert)
Unternehmensebenen
Ein Geschäftsmodell bildet die
Vermittlungsebene zwischen
der Geschäftsstrategie und
den Geschäftsprozessen.
Seite 22 Kapitel 2
schen Vorteilen steht die Möglichkeit eines schnelleren und/oder billigeren
Markteintritts im Vordergrund [Pic12, S. 658].
MARKS und MIRVIS definieren fünf wesentliche Typen strategischer Kombinationsmög-
lichkeiten10 von Unternehmen, die alle unter der Bezeichnung M&A auftreten können
(vgl. Bild 2-8).
Bild 2-8: Typen strategischer Kombinationen nach MARKS und MIRVIS [MM10, S. 10]
Der Prozess des M&A-Managements umfasst nach WIRTZ
„den strategisch motivierten Kauf bzw. Zusammenschluss von Unter-
nehmen oder Unternehmensteilen und deren anschließender Integra-
tion oder Weiterveräußerung. Damit verbunden ist eine Übertragung
der Leitung, Kontroll- und Verfügungsprozesse.“ [Wir12, S. 12]
In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff M&A in Anlehnung an PICOT als Zukauf
von Geschäftsbereichen oder eines ganzen Unternehmens und deren anschließende Ein-
gliederung in das erwerbende Unternehmen definiert [Pic12, S. 2].
Die sechs Wellen im M&A Markt
Der Markt für Unternehmensübernahmen ist wie alle anderen Märkte von Konjunk-
turzyklen geprägt [Jan08, S. 60]. Seit Ende des 19. Jahrhunderts können sechs wesentli-
che Wellen identifiziert werden (vgl. Bild 2-9). Die Wellen sind dabei strategisch unter-
schiedlich motiviert gewesen [Pic12, S. 656]: In der ersten Welle (1897-1904) stand die
horizontale Integration zu Monopolen im Vordergrund. Neue Antitrustgesetze11 führ-
ten von 1916-1929 in der zweiten Welle zu einer vertikalen Integration der Unter-
nehmen. Die dritte Welle (1965-1969) war durch die Diversifikationstheorie geprägt
und führte zu einer konglomeraten, lateralen Integration. In der vierten Welle (1984-
1989) kam es durch die Liberalisierung und Deregulierung von Finanztransaktionen zur
Desintegration der Unternehmen. Die zunehmende Globalisierung führte in der fünften
Welle (1993-2000), getrieben vor allem vom Shareholder Value und der New Economy
zu einer globalen (konvergenten) Integration. Die bislang letzte und sechste Welle
10 Vgl. zu den Typen strategischer Kombinationen auch PICOT [Pic12, S. 90ff.].
11 Der „Clayton Antitrust Act“ trat 1914 in Kraft. Durch das Gesetz wurden Monopolbildungen wie
Preisdiskriminierung, Ausschließlichkeitsbindungen und Koppelungsgeschäfte verboten. Das Gesetz
erklärte weiterhin Fusionen von Unternehmen für illegal, die eine substantielle Einschränkung des
Wettbewerbs (engl. „the effect may be substantially to lessen competition, or to tend to create a mo-
nopoly”) zur Folge hätten [Wys61, S. 346f.].
Lizensierung AkquisitionMergerJoint Venture
Allianz/
Partnerschaft
hochgering
Investment Kontrolle Einfluss Integration
Problemanalyse Seite 23
(2002-2008) wurde von institutionellen Investoren wie Hedgefonds und Private Equity
geprägt. Dies führte zu einer gleichzeitig globalen horizontalen Integration und Des-
integration [Pic12, S. 656].
Bild 2-9: Fusionswellen, aktualisierte Darstellung nach JANSEN [Jan08, S. 62]
Die Ziele von M&A können wie oben dargestellt im Zeitverlauf sehr unterschiedlich
sein. Sie werden von äußeren Einflüssen stark geprägt. Es kann festgehalten werden,
dass die Ziele in Bezug auf unterschiedliche Stakeholder äußerst heterogen sind
[Vog02, S. 32], [Lin06, S. 75].
2.2 Produktentstehungsprozess nach GAUSEMEIER
Eine Diversifikationsstrategie zielt darauf ab, neue Märkte mit neuen Produkten zu be-
dienen (vgl. Kapitel 2.1.2). Damit nimmt der Produktentstehungsprozess neben der
Auswahl des zu erschließenden neuen Marktes eine bedeutende Rolle ein. Der Pro-
duktentstehungsprozess nach GAUSEMEIER ist gemäß Bild 2-10 keine stringente Folge
von Phasen und Meilensteinen, sondern vielmehr ein Wechselspiel von Aufgaben, die
sich in drei Zyklen gliedern lassen. Die drei Zyklen werden im Folgenden kurz vorge-
stellt [GPW09, S. 38ff.].
12.000
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
01895 19151905 1925 1935 19551945 1965 1975 1985 1995 2005 2015
Anzahl Fälle
unter Beteiligung von US-Unternehmen
1. Welle
1897-1904 2. Welle
1916-1929
3. Welle
1965-1969
4. Welle
1984-1989
5. Welle
1993-2000
6. Welle
2002-2008
1904 Börsencrash
1929 „Black Friday“
Weltwirtschaftskrise
1970 Börsencrash
1. Ölkrise 1973
2000-2001 Börsencrash/
Asien-/Russlandkrise
2008 Subprime-Krise/
Weltfinanzmarktkrise
1987 „Schwarzer Montag“
Seite 24 Kapitel 2
Bild 2-10: Einordnung der Arbeit in das 3-Zyklen-Modell der Produktentstehung nach
GAUSEMEIER [GP14, S. 26]
GRS(s)
GM(s)
Produktentwicklung
Produktions-
system-
entwicklung
Strategische
Produktplanung
Von der Geschäftsidee...
...zum Serienanlauf.
Geschäftsplanung
Geschäftsstrategie
Geschäftsmodell
Produktstrategie
Potentialfindung
Erfolgspotentiale,
Handlungsoptionen
der Zukunft
Produktfindung
Produkt- und
Dienstleistungsideen
Anforderungen
Entwurf und Ausarbeitung
Komponente A
Komponente B
Regelungs-
technik
Elektronik Software-
technik
Mechanik
Produktintegration
Verifiziertes
Gesamtsystem
Produktkonzipierung
Strategiekonforme,
ganzheitliche
Produktkonzeption
Mecha-
tronik
Mechanik
Software-
technik
Elektronik
Regelungs-
technik
Produktionssystemintegration
Arbeitsplanung
Material-
fluss-
planung
Arbeits-
mittel-
planung
Arbeits-
ablauf-
planung
Arbeits-
stätten-
planung
Produktionssystemkonzipierung
Ablauf
Fabrik
Logistik
Mittel
Strategiekonforme,
ganzheitliche Produk-
tionskonzeption
Verifiziertes
Produktionssystem
Marktsegmentierung,
Trends, Szenarien
Marktleistungen
Geschäftsmodelle
Diversifikationsstrategie
Geschäftsplan
Problemanalyse Seite 25
Erster Zyklus: Strategische Produktplanung
Der erste Zyklus umfasst die Phasen Potentialfindung, Produktfindung, Geschäftspla-
nung und Produktkonzipierung. Ausgangspunkt sind die Erfolgspotentiale der Zukunft,
die mit einer Erfolg versprechenden Produktkonzeption (prinzipielle Lösung) zu errei-
chen sind. Ziel der Potentialfindung sind identifizierte Erfolgspotentiale der Zukunft.
Auf dieser Basis sind denkbare Handlungsoptionen in Bezug auf das Produktportfolio
abzuleiten. Im Rahmen der Potentialfindung werden Methoden wie die Szenario-
Technik, Delphi-Befragungen und Trendanalysen eingesetzt. Auf Basis der ermittelten
Erfolgspotentiale werden in der Produktfindung neue Produkt- und Dienstleistungs-
ideen zu deren Erschließung gesucht und ausgewählt. Hierzu werden Kreativitätstechni-
ken wie das laterale Denken oder TRIZ eingesetzt. Die Geschäftsstrategie bildet den
Ausgangspunkt für die Geschäftsplanung. Sie legt fest, welche Marktsegmente wann
und in welcher Form bearbeitet werden sollen und ist Voraussetzung für die Beschrei-
bung des Geschäftsmodells und der Formulierung der Produktstrategie. Die Produkt-
strategie fließt in den Geschäftsplan ein, der einen angemessenen Return on Investment
(RoI) nachzuweisen hat [GPW09, S. 39].
Zweiter Zyklus: Produktentwicklung, Virtuelles Produkt
Der zweite Zyklus umfasst die Produktkonzipierung, den domänenspezifischen Entwurf
sowie die Ausarbeitung und Integration der Ergebnisse der Domänen Mechanik, Rege-
lungstechnik, Elektronik und Softwaretechnik zu einer Gesamtlösung. Da in der Pro-
duktentwicklung die Bildung und Analyse von rechnerinternen Modellen eine wichtige
Rolle spielt, hat sich der Begriff Virtuelles Produkt bzw. Virtual Prototyping verbreitet
[GPW09, S. 40].
Dritter Zyklus: Produktionssystementwicklung, Digitale Fabrik
Den Ausgangspunkt der Produktionssystementwicklung bildet die Produktionssystem-
konzipierung. Diese bildet die Basis für die Arbeitsplanung. Die Arbeitsplanung um-
fasst die vier Fachgebiete Arbeitsablaufplanung, Arbeitsstättenplanung, Arbeitsmittel-
planung und Produktionslogistik und insbesondere Materialflussplanung. Die Begriffe
Virtuelle Produktion bzw. Digitale Fabrik drücken aus, dass in diesem Zyklus ebenfalls
rechnerinterne Modelle gebildet und analysiert werden [GPW09, S. 40].
Einordnung der Arbeit: Das zu entwickelnde Verfahren orientiert sich an der Betrach-
tung des Produktentstehungsprozess nach GAUSEMEIER. Dabei beschränkt es sich auf
den ersten Zyklus „strategische Produktplanung“. Im Aufgabenbereich der Potential-
findung werden Marktsegmente ermittelt und deren Zukunftsrelevanz unter Verwen-
dung von Trends ermittelt. Für ein Erfolg versprechendes Marktsegment werden alter-
native Szenarien vorausgedacht und das Verhalten von Stakeholdern bestimmt. In der
Produktfindung werden Erfolg versprechende Marktleistungen bestimmt. Im Aufgaben-
bereich der Geschäftsplanung werden in sich schlüssige Geschäftsmodelle entwickelt,
um die Diversifikationsstrategien darauf auszurichten.
Seite 26 Kapitel 2
2.3 Strategieprozesse im Unternehmen
Strategieprozesse im Unternehmen werden in der Literatur durch unterschiedliche Mo-
delle beschrieben. Die Modelle unterscheiden sich sowohl durch die inhaltliche Aus-
richtung, die adressierten Schwerpunkte und die verwendeten Begriffe [KGB11, S. 55],
[Rey13, S. 14]. Es finden sich die Begriffe strategisches Management
[WA12, S. 189ff.], [BH09, S. 56ff.], [KGB11, S. 55ff.], strategische Führung
[GPW09, S. 136] und strategische Planung [GK11, S. 8], [Hin04, S. 143ff.]. Im Kontext
der Betriebswirtschaftslehre wird das strategische Management zumeist als Weiterent-
wicklung der strategischen Planung angesehen [BH09, S. 11ff.], [GK11, S. 19],
[KGB11, S. 38ff.], [Rey13, S. 14]. Die strategische Planung gliedert sich nach STEIN-
MANN und SCHREYÖGG in die Phasen Umweltanalyse, Unternehmensanalyse, strategi-
sche Optionen, strategische Wahl und strategische Programme. Erst wenn diese Phasen
um die Realisation und strategische Kontrolle erweitert werden, sprechen STEINMANN
und SCHREYÖGG von strategischem Management [SS05, S. 172]. GRÜNIG und KÜHN
bezeichnen dies als strategischen Führung [GK11, S. 20]. Eine Gegenüberstellung aus-
gewählter Strategieprozessmodelle bietet Bild 2-11.
Bild 2-11: Gegenüberstellung ausgewählter Strategieprozessmodelle, Darstellung in
Anlehnung an [Bät04, S. 28]
Analyse
Vorausschau
Strategie-
entwicklung
Strategie-
umsetzung
Gestaltung
des Prozesses
Erarbeitung von
Strategien
Implementierung,
Beurteilung und
Inkraftsetzung von
Strategien
Zielbildung
Umweltanalyse
Unternehmens-
analyse
Strategiewahl
Strategie-
implementierung
Strategie-
kontrolle
Umweltanalyse
Strategie-
formulierung,
-bewertung und
-auswahl
Strategie-
implementierung
Vision und
strategische
Zielplanung
strategische
Analyse
Segmentierung
Strategie-
entwicklung
und -bewertung
Strategie-
implementierung
strategische
Kontrolle
strategische
Zielplanung
Analyse der
Umwelt
Prognose und
strategische
Frühaufklärung
Strategie-
formulierung
Bewertung und
Auswahl der
Strategie
Strategie-
implementierung
Strategie-
kontrolle
Analyse der
Unternehmung
Planung des
Strategieprojekts
GAUSEMEIER ET AL.
[GPW09, S. 136f.]
WELGE/AL-LAHAM
[WA12, S. 189ff.]
GRÜNIG/KÜHN
[GK11, S. 81ff.]
BEA/HAAS
[BH09, S. 56ff.]
KREIKEBAUM ET AL.
[KGB11, S. 55ff.]
Unternehmens-
analyse
WIRTZ
[Wir12, S. 141]
Unternehmens-
ziele
Umweltanalyse
Unternehmens-
analyse
Problemanalyse Seite 27
Die Prozessmodelle haben wie zuvor diskutiert unterschiedliche Schwerpunkte. Trotz-
dem finden sich in den Ansätzen die Phasen Analyse, Strategieentwicklung, Strategie-
umsetzung und Strategiekontrolle wieder [KGB11, S. 55]. Es wird daher nicht weiter
zwischen den Begriffen strategische Planung, strategisches Management und strategi-
sche Führung unterschieden [Rey13, S. 15].
Die Ansätze in der Literatur unterscheiden sich vor allem in der Berücksichtigung der
Vorausschau. Nach GAUSEMEIER ET AL. reicht es nicht aus, auf die aktuellen Entwick-
lungen vorbereitet zu sein. Vielmehr gilt es, zukünftige Chancen und Gefahren zu anti-
zipieren und im strategischen Management zu berücksichtigen (vgl. Bild 2-11, 1. Spal-
te). Dieser Aspekt wird bei GAUSEMEIER ET AL. in der Phase Vorausschau betont. Da-
her wird im Folgenden der Prozess der strategischen Führung nach GAUSEMEIER ET AL.
dargestellt. Dieser Prozess dient als Grundlage der vorliegenden Arbeit.
2.3.1 Prozess der strategischen Führung nach GAUSEMEIER ET AL.
Der Prozess der strategischen Führung gliedert sich nach GAUSEMEIER ET AL. in die vier
Phasen Analyse, Vorausschau, Strategieentwicklung und Strategieumsetzung (vgl. Bild
2-12). Zudem werden die beiden Aspekte Unternehmen (Innensicht) und Umfeld (Au-
ßensicht) unterschieden [GLR09, S. 7], [GPW09, S. 136f.]. Jede der vier Phasen ist mit
einer grundsätzlichen Frage verknüpft, die es zu beantworten gilt.
Analyse: Wo stehen wir und welche Möglichkeiten haben wir heute? In dieser Phase ist
zu analysieren, wo das Unternehmen, der Geschäfts- oder Funktionsbereich im Moment
stehen. Die Analyse lässt sich in eine nach innen gerichtete Unternehmensanalyse und
eine nach extern gerichtete Markt- und Wettbewerbsanalyse unterteilen. Das Ergebnis
charakterisiert die Ausgangssituation mit den Stärken und Schwächen des Unterneh-
mens im Vergleich zum Wettbewerb sowie erste Ansatzpunkte, wie die Position im
Wettbewerb aus heutiger Sicht verbessert werden könnte [GPW09, S. 136f.].
Vorausschau: Welche Möglichkeiten haben wir in der Zukunft? Hier geht es um den
systematischen Blick in die Zukunft. Der Blick in die Zukunft umfasst sowohl die Zu-
kunft des Unternehmens (Lenkungsszenarien) als auch des Umfeldes (Markt- und Um-
feldszenarien, Technologietrends). Die Szenarien dienen der Ermittlung von Chancen
und Gefahren [GPW09, S. 137].
Strategieentwicklung: Welchen Plan verfolgen wir warum? In dieser Phase erfolgen
die Entwicklung der unternehmerischen Vision und die Beschreibung der entsprechen-
den Strategie (der Weg zu dieser unternehmerischen Vision) [GPW09, S. 213]. Die un-
ternehmerische Vision besteht aus einer grundsätzlichen Zieldefinition in Form eines
Leitbildes, die Bestimmung wichtiger Fähigkeiten in Form von strategischen Kompe-
tenzen bzw. Erfolgspositionen nach PÜMPIN [Püm83, S. 166ff.] sowie die strategische
Positionierung in der Wettbewerbsarena mit den darin auszuführenden Wettbewerbs-
strategien [GPW09, S. 137], [GPW09, S. 214]. Die drei Elemente der unternehmeri-
Seite 28 Kapitel 2
schen Vision zeigen Handlungsoptionen auf, wie ein Unternehmen dieses grundsätzli-
che Ziel erreichen könnte. Die Auswahl und Zusammenstellung geeigneter Hand-
lungsoptionen zu strategischen Programmen sowie daraus abgeleitete Konsequenzen
und Maßnahmen komplettieren die Strategie [GPW09, S. 137].
Bild 2-12: Prozess der strategischen Führung nach GAUSEMEIER ET AL. [GLR09, S. 7],
[GF99, S. 160]
Strategieumsetzung: Liegen wir auf Kurs und gelten die Annahmen noch? In dieser
Phase geht es um die konsequente Umsetzung der in der Strategie formulierten Maß-
nahmen (Umsetzungs-Controlling) und die Kontrolle des Erfolgs der entwickelten Stra-
tegien (strategisches Controlling) sowie um ein regelmäßiges Umfeld-Monitoring (Prä-
missen-Controlling) [GPW09, S. 137]. Dabei können Veränderungen in den Märkten
und Umfeldern durch zuvor definierte Indikatoren wahrgenommen werden. Diese
messbaren Größen zeigen auf, ob die den Szenarien zugrundeliegenden Annahmen noch
gelten [GPW09, S. 97].
In Bild 2-11 ist am Ende von Spalte 1 zusätzlich die Gestaltung des Prozesses der stra-
tegischen Führung dargestellt. Hier ist die Frage zu beantworten, wie der Prozess in
Gang gehalten wird. Die strategische Führung ist nach GAUSEMEIER ET AL. als kontinu-
* SEP: Strategische Erfolgsposition
Analyse
Vorausschau
Strategie-
entwicklung
Strategie-
umsetzung
Unternehmen Umfeld
Lenkungs-
szenarien
Kompetenzen,
SEP*,
Marktleistung
Umsetzungs-
Controlling
Stärken/Schwächen,
Unternehmenskultur
etc.
Märkte,
Technologien,
Wettbewerb etc.
Markt- und
Umfeldszenarien,
Technologietrends
Markt-
segmentierung
Prämissen-
Controlling
Welche
Möglichkeiten
haben wir heute?
Welche
Möglichkeiten
haben wir
in der Zukunft?
Vision
Konsequenzen
und Maßnahmen
Ist die Strategie
zu korrigieren?
Problemanalyse Seite 29
ierlicher Prozess zur Vorsteuerung der operativen Führung aufzufassen
[GPW09, S. 137].
2.3.2 Strategieelemente und Strategieebenen
Die Elemente einer Strategie hängen stark von deren Art ab. Eine übergeordnete Unter-
nehmens- bzw. Geschäftsstrategie setzt sich aus einem Leitbild, strategischen Kompe-
tenzen, strategische Position, Strategieumsetzung durch strategische Programme bzw.
Konsequenzen und Maßnahmen sowie einer strategiekonformen Unternehmenskultur
zusammen [GPW09, S. 213]. In Abhängigkeit von der Struktur und der Größe eines
Unternehmens sind Strategien auf unterschiedlichen Ebenen im Unternehmen anzusie-
deln. GAUSEMEIER ET AL. unterscheiden daher die Unternehmensstrategie, Geschäfts-
strategien und Substrategien [GPW09, S. 135]. Das Konzept der Strategieebenen ist
kein Top-Down-Ansatz. Es handelt sich um einen Kreislauf, der in Bild 2-13 dargestellt
ist.
Bild 2-13: Strategieebenen und Wechselspiel der Strategien [GPW09, S. 135]
Die Unternehmensstrategie bestimmt, mit welchen Marktleistungen welche Märkte be-
dient werden. Sie beinhaltet ein Leitbild, Kernkompetenzen, konkrete Marktleistungs-
SEP: Strategische Erfolgspositionen
SGF: Strategisches Geschäftsfeld
Im Rahmen der Unternehmensstrategie
wird eine zukunftsorientierte Geschäfts-
struktur des Unternehmens erarbeitet.
Im Rahmen der Substrategien ergeben
sich Lösungselemente mit hoher Synergie,
die strategische Programme initiieren und
zu Kernkompetenzen führen können.
Strategie SGF 3
D Konsequenzen
Strategie SGF 2
D Konsequenzen
A Leitbild
C Marktleistung
B SEP
D Konsequenzen
Strategie SGF 1
Marketing Produkte
Lösungselement mit hoher Synergie,
z. B. eingebettete Software, Sensorik etc.
Geschäftsstrategien
(Business Strategies)
Substrategien
(Functional Strategies)
Unternehmensstrategie
(Corporate Strategy)
Im Rahmen der
Geschäftsstrategie werden
Konsequenzen und Maßnahmen
zur Umsetzung in den
Funktionsbereichen definiert.
Fertigung Personal
1 Unternehmensleitbild
2 Kernkompetenzen
Synergien
3 Strategische Geschäftsfelder
4 Strategische Programme
Synergien
Seite 30 Kapitel 2
und Geschäftsziele sowie Konsequenzen und Maßnahmen für die einzelnen Handlungs-
bereiche [GPW09, S. 135]. In den Geschäftsstrategien werden die grundsätzlichen Vor-
gaben aus der Unternehmensstrategie konkretisiert. Geschäftsstrategien dienen dem
Aufbau von Wettbewerbsvorteilen innerhalb eines Geschäftsfeldes. Ein Beispiel für ein
Geschäftsfeld sind Elektrokardiographen für die Telemedizin. Das Geschäftsfeld setzt
sich aus einer Marktleistung (Elektrokardiograph) und einem bedienten Marktsegment
(Telemedizin) zusammen. Die in den Geschäftsstrategien definierten Konsequenzen und
Maßnahmen sind die Vorgaben für die Substrategien. Die Substrategien legen fest, wie
in den einzelnen Funktionsbereichen des Unternehmens vorzugehen ist
[WRM09, S. 12]. Beispiele für Substrategien sind die Produkt- und die Fertigungsstra-
tegie [GPW09, S. 136].
2.4 Herausforderungen bei der Diversifikationsstrategie-
entwicklung in der Praxis
Eine erfolgreiche Strategie beruht auf Differenzierung [ZA12, S. 65], [Por97, S. 45ff.].
ZOOK und ALLEN bringen es mit einem kurzen Satz auf den Punkt:
„Je deutlicher die Differenzierung, desto größer der Vorteil.“
[ZA12, S. 65]
Gemeint ist die Differenzierung bzw. Abhebung von der Konkurrenz, die als solche
vom Kunden wahrgenommen wird. Trotzdem fällt es in der Praxis oft schwer, die Stra-
tegieentwicklung darauf auszurichten. Im Rahmen der Strategieentwicklung sind mehr
unternehmensexterne und weniger unternehmensinterne Faktoren zu berücksichtigen.
Externe Faktoren sind beispielweise andere bzw. neue Vorgaben und Regularien durch
die Politik oder die allgemeine Einwirkung von Stakeholdern auf das Unternehmen. Das
erschwert Unternehmen die Entwicklung von Strategien und deren Auswahl
[All97, S. 195], [Mar01, S. 32], [Rey13, S. 30].
Aber gerade Diversifikationsstrategien werden nach BRAUCHLIN und WEHRLI aus einer
unternehmensinternen Sicht entwickelt und ausgewählt, um [BW94, S. 126]:
neue Wachstumspfade zu erschließen, da das angestammte Geschäft (Kerngeschäft)
keine weiteren Nutzenpotentiale aufweist;
die bestehenden Kapazitäten des Unternehmens besser auszulasten;
die Abhängigkeit von einem wirtschaftlichen Standbein zu mindern;
Arbeitsplätze zu sichern bzw. zu erhalten;
Kompetenzen gezielter einzusetzen;
Gewinnschwankungen des bestehenden Geschäfts auszugleichen und
eine Reinvestition von thesaurierten Gewinnen zu bieten.
Problemanalyse Seite 31
In vielen Fällen werden Diversifikationsstrategien auch aus Eigeninteresse von Füh-
rungskräften entwickelt und umgesetzt. Die Führungskräfte versprechen sich davon
mehr Macht, Prestige, Autonomie oder Einkommen [LA10, S. 327], [NZZ09, S. 20].
Ein Negativbeispiel ist u. a. der Zusammenschluss von Time Warner mit AOL12 im Jahr
2001.
PORTER hat zudem 33 Diversifikationsprojekte führender amerikanischer Unternehmen
in einer Langzeitstudie analysiert. Dabei wurde mehr als die Hälfte der insgesamt 2021
von branchenfremden Gesellschaften übernommenen Unternehmen nach wenigen Jah-
ren wieder abgestoßen oder liquidiert [Por87, S. 34]. Rund 70 Prozent der neuen Ge-
schäftsfelder waren Akquisitionen, 22 Prozent Neugründungen und acht Prozent Joint
Ventures [Por87, S. 31]. Dabei missachten Unternehmen eine Reihe von Voraussetzun-
gen, die nach PORTER für eine erfolgreiche Diversifikation notwendig sind.
Analyse: Nicht das Gesamtunternehmen steht im Wettbewerb, sondern die einzelnen
Geschäftsfelder des Unternehmens. Wenn eine Unternehmensstrategie nicht eindeutig
darauf ausgerichtet ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Geschäftsfelder zu stärken, wird
sie nach PORTER scheitern. Weiterhin ist der Zielmarkt zu strukturieren und die Attrak-
tivität zu analysieren [Rol11, S. 21]. Entweder ist die Branche strukturell attraktiv oder
kann vom Unternehmen attraktiv gemacht werden [Por87, S. 32]. In eine ähnliche Rich-
tung gehen die Untersuchungen von HIRSH und RANGAN13. Sie stellen fest, dass die
Gewinnverteilung in einer Branche um einiges größer ist als die Gewinnverteilung zwi-
schen den Branchen [HR13, S. 11]. Gefährlich ist zudem der Einstieg in eine Branche,
die sich gerade auf dem Höhepunkt befindet. Es ist zu prüfen, welche nachhaltigen
Entwicklungen sich positiv oder auch negativ auf eine Branche oder ein Marktsegment
auswirken [HR13, S. 13]. Geschäftsführer haben oft die falsche Grundeinschätzung,
auch in anderen Branchen schnell erfolgreich zu sein. Die entscheidenden (eigenen)
Kompetenzen entwickeln sich laut HIRSH und RANGAN aber erst über Jahre
[HR13, S. 12]. Zudem müssen die Kosten des Markteintritts niedriger sein als der Bar-
wert aller künftigen Gewinne [Por87, S. 32].
Vorausschau: Hohe Bedeutung hat eine zukunftsgerichtete Strategieentwicklung. Da
der Markteintritt nicht sofort erfolgt, ist eine langfristige strategische Planung unab-
dingbar. Für diese strategische Planung ist von einer prognostizierten Zukunft Abstand
zu nehmen. Es sollten vielmehr alternative Entwicklungsmöglichkeiten ins Kalkül ge-
zogen werden [Fle87, S. 200], [GLS04, S. 2], [Rey13, S. 31].
12 Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses hatte AOL eine Aktienrendite von 40 Prozent (1997-2001).
Mit dem Platzen der Internetblase brach der Kurs des fusionierten Unternehmens von 90 auf 33 Dollar
ein [HR13, S. 13].
13 Basis der Studie von HIRSH und RANGAN ist die Aktienrendite von weltweit 6138 Unternehmen aus
65 Branchen im Zeitraum von 2001 bis 2011.
Seite 32 Kapitel 2
Strategieentwicklung: Es ist nach GAUSEMEIER darauf zu achten, die Strategie im Ein-
klang mit der vorausgedachten Entwicklung der Unternehmensumwelt zu formulieren
[GPW09, S. 95]. Dies wird auch als Strategic Fit bezeichnet [Rum03, S. 82f.]. Zudem
wird nicht über Alternativen bei der Diversifikation nachgedacht. In vielen Fällen er-
folgt keine Abwägung zwischen Eigenentwicklung, Bezug von Komponen-
ten/Dienstleistungen durch Lieferanten und Unternehmensübernahmen [Por87, S. 33].
Strategieumsetzung: Im Rahmen von Diversifikationsstrategien bietet sich die Umset-
zung durch M&A an. Ein wesentliches Argument dafür ist die Dauer für einen unter-
nehmensinternen Kompetenzaufbau. Dieser dauert oft Jahre. Ab dem Punkt der M&A-
Entscheidung ist das Akquisitionsmanagement in der betriebswirtschaftlichen Literatur
umfassend beschrieben. Die angewendeten Methoden sind etabliert [Pic12, S. V]. Bei-
spiele sind Methoden zur Ermittlung des Unternehmenswertes (Discounted-Cashflow-
Methode etc.) oder Methoden zur Organisation von Transaktionen [Pic12, S.151ff.],
[Wir12, S. 222].
Die zuvor beschriebenen Herausforderungen zeigen vor allem eines: Ohne eine fundier-
te Vorstellung von Erfolg versprechenden Geschäftsmodellen für den zu erschließen-
den Markt ist ein Diversifikationsvorhaben zum Scheitern verurteilt. Dabei ist es wenig
zielführend, am Markt bzw. im Marktsegment bereits verfolgte Geschäftsmodelle zu
adaptieren. Vielmehr gilt es, diese Geschäftsmodelle eingehend zu analysieren und im
Lichte denkbarer Zukünfte zu innovieren. Diversifikationsstrategien sind daher auf sol-
che Geschäftsmodelle auszurichten.
Es mangelt dabei vor allem an einer durchgängig methodengestützten Umsetzung der
Phasen Analyse, Vorausschau und Strategieentwicklung für Diversifikationsvorhaben.
Die vorliegende Arbeit adressiert genau diese Phasen.
Problemanalyse Seite 33
2.5 Anforderungen an das Verfahren zur Entwicklung
geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien
Die Kapitel 2.1 bis 2.4 haben die Herausforderungen bei der Entwicklung von Diversi-
fikationsstrategien aus Theorie- und Praxissicht beleuchtet. Aus diesen Kapiteln werden
die Anforderungen an das Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Di-
versifikationsstrategien abgeleitet. Grundsätzlich gilt, dass jeder Schritt bis zur Diversi-
fikationsstrategie methodisch unterstützt sein soll. Dabei soll auf etablierte Methoden
zurückgegriffen als auch neue Methoden entwickelt werden. Das zu entwickelnde Ver-
fahren adressiert die Phasen Analyse, Vorausschau und Strategieentwicklung des Pro-
zesses der strategischen Führung nach GAUSEMEIER ET AL. (vgl. Kapitel 2.3.1).
2.5.1 Anforderungen an die Phase Analyse
Eine Strategie fußt auf einer fundierten Analyse der Ist-Situation. Dabei wird zwischen
einer unternehmensinternen und -externen Analyse unterschieden. Im Folgenden wer-
den Anforderungen an die Phase Analyse im Rahmen der strategischen Führung ge-
stellt.
A1: Strukturierung und Bewertung der Attraktivität von Märkten
Das Verfahren sollte die fokussierte Strategieentwicklung für ausgewählte Segmente
eines Marktes ermöglichen. Damit wird der Erkenntnis Rechnung getragen, dass die
Gewinnverteilung in einer Branche um einiges größer ist als die Gewinnverteilung zwi-
schen den Branchen [HR13, S. 11]. Die Segmente sollten in sich homogen sein, damit
sie mit einer definierten Marktleistung bedient werden können. Weiterhin ist eine Be-
wertung der Attraktivität unabdingbar, um attraktive von unattraktiven Segmenten ab-
grenzen zu können [GPW09, S. 142ff.].
A2: Analyse des systemischen Verhaltens relevanter Stakeholder
Märkte werden durch verschiedene Stakeholder beeinflusst. Diesen Einfluss gilt es bei
der Entwicklung von Diversifikationsstrategien zu berücksichtigen. Weiterhin ist eine
Aussage über die Macht, Legitimität und Dringlichkeit von Stakeholdern zu treffen. Es
können bei der Strategieentwicklung nicht alle bekannten bzw. identifizierten Stakehol-
der Berücksichtigung finden [MAW97, S. 865ff.]. Daher muss das Verfahren eine Aus-
sage ermöglichen, welche der Stakeholder zwingend bei der Strategieentwicklung zu
berücksichtigen sind.
A3: Ermittlung der vorherrschenden Geschäftslogik in einem Markt
Die unternehmensexterne Analyse hat neben der Darstellung der Wettbewerbssituation
auch die vorherrschende Geschäftslogik in einem Markt bzw. Segment zu beschreiben.
Es sind Inhalt, Struktur und Zielrichtung der unternehmerischen Aktivitäten der Wett-
bewerbsarena zu bestimmen [GFC13, S. 10ff.], [SBK+11, S. 97].
Seite 34 Kapitel 2
2.5.2 Anforderungen an die Phase Vorausschau
Neben den Anforderungen an die Analyse sind die folgenden Anforderungen bei der
Vorausschau zu berücksichtigen.
A4: Berücksichtigung alternativer Entwicklungsmöglichkeiten
Die Strategieentwicklung sollte auf Basis alternativer Entwicklungsmöglichkeiten er-
folgen. Es ist eine Aussage zu treffen, welche Faktoren bei der Entwicklung der Strate-
gie zu berücksichtigen sind und welche unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten
je Faktor denkbar sind [Fle87, S. 200].
A5: Ableitung von Chancen und Gefahren
Ziel eines Vorausschauprozesses muss es sein, konkrete zukünftige Chancen als auch
Gefahren abzuleiten. Daraus sind strategische Stoßrichtungen für die Diversifikation
abzuleiten [GPW09, S. 100ff.].
2.5.3 Anforderungen an die Phase Strategieentwicklung
Nachfolgend werden die Anforderungen an das Verfahren dargestellt, die die Strategie-
entwicklung betreffen.
A6: Identifikation und Aufbau strategischer Erfolgspositionen
Die Diversifikationsstrategie soll der Identifikation und dem Aufbau strategischer Er-
folgspositionen dienen. Es ist eine konkrete und strategische Marktleistungs-
Marktsegmente-Kombination zu beschreiben. Dabei sollte die Geschäftslogik der zu-
künftigen Wettbewerber auf Verbesserungspotentiale geprüft werden, um mögliche
Differenzierungsmöglichkeiten ableiten zu können [Por87, S. 30].
A7: Entscheidung über Kompetenzbeschaffung
Sind die für die zukünftige Marktleistung notwendigen Kompetenzen im Unternehmen
nicht verfügbar, muss das Verfahren die Ableitung einer Entscheidung über einen eige-
nen Kompetenzaufbau, den Zukauf der Kompetenzen durch Übernahme eines Unter-
nehmens oder den Bezug durch Lieferanten ermöglichen [HR13, S. 12].
Problemanalyse Seite 35
2.5.4 Übergeordnete Anforderungen
Über die Anforderungen an die Analyse, Vorausschau und Strategieentwicklung hinaus
hat das Verfahren folgende übergeordnete Anforderungen zu erfüllen.
A8: Bereitstellung und Management einer kritischen Wissensmenge zur Strate-
gieentwicklung
Die Bereitstellung und das Management einer kritischen Wissensmenge über die Ent-
wicklung von Märkten, Stakeholdern und Kompetenzen ist wesentlicher Bestandteil des
Verfahrens. Es ist ein Wissensmanagementsystem einzusetzen, das die Entwicklung
einer Diversifikationsstrategie unterstützt.
A9: Definition konkreter Maßnahmen zur Umsetzung
Im Rahmen der Strategieformulierung sind konkrete Maßnahmen zur Umsetzung zu
beschreiben. Maßnahmen sind mit Verantwortlichkeiten zu versehen. Formulierte Maß-
nahmen bilden die Schnittstelle zwischen Strategieentwicklung und Strategieumsetzung
[GPW09, S. 232]. Die Strategieumsetzung (insbesondere durch M&A) ist nicht Gegen-
stand dieser Arbeit.
A10: Prägnante Darstellung der Lösung
Die Diversifikationsstrategie wird später nicht nur von den an der Entwicklung beteilig-
ten Personen umgesetzt. Daher muss die Strategie für Dritte nachvollziehbar sein, ins-
besondere aus welchen Gründen welche Maßnahmen abgeleitet worden sind. Die Stra-
tegie als solches sowie die wesentlichen Elemente wie Leitbild, strategische Kompeten-
zen und strategische Position sind prägnant und nachvollziehbar darzustellen
[Sch79, S. 89], [Bri10, S. 41].
Stand der Technik Seite 37
3 Stand der Technik
In diesem Kapitel werden Methoden und einzelne Ansätze aus dem Stand der Technik
diskutiert. Ziel ist ein herausgearbeiteter Handlungsbedarf für die Entwicklung eines
Verfahrens geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien. Wie bei der Gliede-
rung der Anforderungen sind die vorgestellten Methoden und Ansätze den Phasen Ana-
lyse, Vorausschau und Strategieentwicklung zugeordnet. Kapitel 3.1 setzt sich zunächst
mit Ansätzen der Phase Analyse auseinander. In Kapitel 3.2. werden Methoden der Vo-
rausschau vorgestellt. Kapitel 3.3 dient der Analyse von Methoden und Ansätzen der
Strategieentwicklung. In Kapitel 3.4 wird der zuvor beschriebene Stand der Technik mit
den Anforderungen aus der Problemanalyse abgeglichen. Aus diesem Vergleich resul-
tiert der Handlungsbedarf der vorliegenden Arbeit.
3.1 Antze der Phase Analyse
Kapitel 2 zeigt sehr deutlich, dass eine gute Strategie auf einer fundierten Analyse der
Ausgangssituation fußt. Gerade bei einer geplanten Diversifikation ist diese Phase ele-
mentar. In den folgenden Kapiteln werden daher Ansätze zur unternehmensinternen und
-externen Analyse vorgestellt.
3.1.1 Ansätze zur Unternehmensanalyse
In den Kapiteln 3.1.1.1 und 3.1.1.2 werden Ansätze für die unternehmensinterne Analy-
se vorgestellt. Diese greifen auf andere etablierte Methoden zurück und sollen repräsen-
tativ für die Fülle an Ansätzen und Verfahren in diesem Bereich stehen. Eine umfassen-
de Darstellung und Diskussion ist an dieser Stelle nicht möglich.
3.1.1.1 Analyse von Wettbewerbsvorteilen nach LOMBRISER und ABPLANALP
Wettbewerbsvorteile sind nach LOMBRISER und ABPLANALP der Schlüssel zum Erfolg
[LA10, S. 154.]. Sie empfehlen eine Betrachtung und Analyse von vier Ebenen eines
Unternehmens, die in Bild 3-1 dargestellt sind. Die vier Ebenen werden im Folgenden
kurz vorgestellt.
Ressourcen/Fähigkeiten: Ressourcen sind Eingangsgrößen, die ein Unternehmen im
Produktionsprozess einsetzt. Dabei unterscheiden LOMBRISER und ABPLANALP zwi-
schen materiellen (z. B. Produktionsanlagen) und immateriellen Ressourcen (z. B. Pa-
tente). Unternehmen verfügen über eine Vielzahl an Ressourcen. LOMBRISER und AB-
PLANALP empfehlen, nur die wichtigsten Ressourcen einzeln zu betrachten. Fähigkeiten
sind zu Funktionen (z. B. Forschung, Marketing, Produktion) oder Prozessen (z. B. In-
novationsprozess, Auftragsabwicklungsprozess) zusammen zu fassen [LA10, S. 156f.]
Seite 38 Kapitel 3
(vgl. Kapitel 2.1.3). Im Wesentlichen zielt diese Ebene auf die Ermittlung strategischer
Erfolgspositionen (SEP) 14 eines Unternehmens ab.
Bild 3-1: 4-Ebenen-Modell der Analyse von Wettbewerbsvorteilen (vereinfachte Dar-
stellung nach LOMBRISER und ABPLANALP [LA10, S. 154ff.])
Tätigkeiten: Vorteile entstehen, wenn Unternehmen bestimmte Tätigkeiten der Wert-
kette (Produktentwicklung, Einkauf, Produktion, Vertrieb) auf eine bestimmte Art und
Weise gestalten15. Die Aktivitäten werden durch Markt, Standort, Unternehmensgröße
etc. beeinflusst und z. T. determiniert [LA10, S. 156]. LOMBRISER und ABPLANALP grei-
fen hier im Wesentlichen auf die Analyse der Wertkette nach PORTER zurück
[Por00, S. 66].
Nutzen/Wettbewerbsvorteile: Wettbewerbsvorteile erhöhen den Nutzen für den Kun-
den oder das Unternehmen selbst. Daher kann das Unternehmen entweder einen höhe-
14 Strategische Erfolgspositionen (SEP) sind von PÜMPIN in die Managementlehre eingeführt worden.
SEP sind von den Konkurrenten der Wettbewerbsarena nicht ohne weiteres imitierbar, zukunftsgerich-
tet (auf zukünftige Markt- und Umweltsituationen ausgerichtet) und sichern langfristig den Erfolg ei-
nes Unternehmens [Püm83, S. 34.]. Die Umsetzung des Konzepts erfolgt im Rahmen des Manage-
ments strategischer Erfolgspositionen [Püm83, S. 166ff.]. Der Grundgedanke ist die Fokussierung al-
ler Führungssysteme und Führungshandlungen auf SEP [Püm83, S. 166]. Das Management strategi-
scher Erfolgspositionen ist nach PÜMPIN mit einem strategischen Frühaufklärungssystem zu koppeln
[Püm83, S. 204]. Eine Beschreibung eines strategischen Frühaufklärungssystems findet sich u. a. in
[KM93], [GKK+09], [GKL10].
15 PORTER nennt diese Aktivitäten „Strukturelle Treiber [Por91, S. 95ff.].
Ein Vergleich der Rendite unter
den Konkurrenten einer Branche
zeigt, welche Wettbewerber
Vorteile besitzen. Diese
resultieren aus einer Differenz
bei der Zahlungsbereitschaft der
Kunden und/oder den zur
Leistungserstellung entstan-
denen Kosten.
Finanzen/Rentabilität
¥
$
$
$
$
$
$
$
$
$
Wettbewerbsvorteile erhöhen den Nutzen
für den Kunden oder das Unternehmen
selbst. Daher kann das Unternehmen
entweder einen höheren Preis erzielen
oder zum gleichen Preis mehr Produkte
absetzen.
Nutzen/Wettbewerbsvorteile
* SEP: Strategische Erfolgsposition
Vorteile entstehen, wenn Unternehmen
bestimmte Tätigkeiten ihrer Wertkette
(Produktentwicklung, Einkauf, Produktion,
Vertrieb etc.) auf eine bestimmte Art und
Weise gestalten.
Tätigkeiten
Ressourcen sind Eingangsgrößen, die ein
Unternehmen im Produktionsprozess einsetzt.
Diese können materiell (z. B. Produktionsanlagen)
oder immateriell (z. B. Patente) sein. Fähigkeiten
sind Funktionen (z. B. Forschung) oder Prozesse
(z. B. Innovationsprozess), die beherrscht werden.
Ressourcen/Fähigkeiten
SEP*
Stand der Technik Seite 39
ren Preis erzielen oder zum gleichen Preis mehr Produkte absetzen. Differenzierungs-
vorteile zielen nach LOMBRISER und ABPLANALP auf Kaufkriterien ab. Sie unterschei-
den dabei folgende Faktoren [LA10, S. 155]:
Objektive Faktoren sind physische Eigenschaften von Produkten (Leistung, Quali-
tät etc.), Verkauf, Dienstleistungen, zeitbezogene Eigenschaften oder Kosten- und
Zeitersparnisse der Kunden bei der Anwendung des Produktes.
Subjektive Faktoren sind Leistungserwartungen des Kunden (Produkt- bzw. Un-
ternehmensimage), Vermittlung von Emotionen (Spaß, Unterhaltung etc.) oder die
Vermittlung sozialer Gefühle (Zugehörigkeit, Wertschätzung etc.).
Eine erfolgreiche Differenzierung verlangt eine Kombination verschiedener und oft im
Wettbewerb einzigartiger Kombinationen der oben dargestellten Faktoren. Wettbe-
werbsvorteile führen aber nicht zwangsläufig zu höheren Gewinnen. Unternehmen ver-
zichten z. T. aufgrund sozialer, ökologischer oder gesellschaftlicher Überzeugungen auf
finanzielle Vorteile [LA10, S. 156].
Finanzen/Rentabilität: Auf dieser Ebene ist die Rendite der Wettbewerber zu analysie-
ren. Das Unternehmen erzielt dann eine überdurchschnittliche Rendite, wenn es eine
größere Differenz zwischen der Zahlungsbereitschaft seiner und der Kunden des Wett-
bewerbs erzielt oder Kostenvorteile bei der Erstellung der Leistung gegenüber dem
Wettbewerb erreicht. Die Differenz zwischen Preis und Kosten spiegelt die Profitabilität
der Unternehmung wider. Eine höhere Profitabilität ist die Folge von Wettbewerbsvor-
teilen [LA10, S. 154f.].
Bewertung:
Das 4-Ebenen-Modell zur Analyse von Wettbewerbsvorteilen nach LOMBRISER und
ABPLANALP zeigt systematisch den Zusammenhang von strategischen Erfolgspositionen
bis hin zu Finanz- und Rentabilitätskennzahlen auf. Das Modell ist ein einfaches und
plausibles Grundmuster und liefert dabei eine Verknüpfung etablierter Methoden in den
einzelnen Ebenen. LOMBRISER und ABPLANALP geben aber keine Hinweise, wie die
Ergebnisse des Modells in der strategischen Planung eines Unternehmens eingesetzt
werden können bzw. wie nach der Analyse mit den Informationen weiter zu verfahren
ist.
Seite 40 Kapitel 3
3.1.1.2 Prozess des Managements von Kernkompetenzen nach
DEUTSCH ET AL.
Ziel des Prozesses von DEUTSCH ET AL. ist ein Soll-Konzept für den Kernkompe-
tenzaufbau eines Unternehmens. Der Prozess gliedert sich gemäß Bild 3-2 in fünf Pha-
sen. Die einzelnen Phasen werden im Folgenden kurz vorgestellt.
Bild 3-2: Prozess des Managements von Kernkompetenzen nach DEUTSCH ET AL.
[DDR+97, S. 32]
Markt-und Kundenanforderungen ermitteln: Die Basis des Prozesses bildet eine
systematische Befragung von Kunden, um bestehende Anforderungen an Produkte und
Dienstleistungen zu ermitteln [DDR+97, S. 33f.].
Tragfähige Vision/Idee für den Kundennutzen entwickeln: In der zweiten Phase gilt
es, auf zukünftige Bedürfnisse der Kunden zu schließen. Daraus ist abzuleiten, welcher
neue Kundennutzen zukünftig gestiftet werden kann. DEUTSCH ET AL. schlagen dazu
u. a. Methoden wie das Benchmarking, Wettbewerbsanalysen und Fokusgruppen-
Interviews vor [DDR+97, S. 35].
Erforderliche Kernkompetenzfelder bestimmen: In der dritten Phase sind aus den
ermittelten Anforderungen und der Vision zukünftiger Bedürfnisse sogenannte Kern-
kompetenzfelder abzuleiten. In einem Feld sind mehrere spezifische Anforderungen
aggregiert. Anschließend sind Fähigkeiten und Ressourcen zu bestimmen, mit denen die
Kernkompetenzfelder erschlossen werden können [DDR+97, S. 36f.].
Kernkompetenzen definieren: Für die Definition von Kernkompetenzen haben
DEUTSCH ET AL. ein Portfolio entwickelt (vgl. Bild 3-3). Das Portfolio wird durch die
Verteidigungs- und Ausbaufähigkeit (Abszisse) und den Wettbewerbsvorteil (Ordinate)
aufgespannt [DDR+97, S. 38]. Somit ergeben sich vier charakteristische Bereiche mit
spezifischen Normstrategien [DDR+97, S. 24f.]
Standardressourcen/-fähigkeiten: Hier sind einzelne Ressourcen und Fähigkeiten
positioniert, die das Unternehmen hat, die aber weder ausbaufähig sind noch einen
nennenswerten Wettbewerbsvorteil bieten. Diese Ressourcen und Fähigkeiten sind
so lange zu halten, wie sie im Produktentstehungsprozess gebraucht werden. Eine
weitergehende Pflege bzw. ein Ausbau ist nicht erforderlich.
Markt- und
Kundenanfor-
derungen ermitteln
Tragfähige
Vision/Idee für
den Kunden-
nutzen entwickeln
Erforderliche
Kernkompetenz-
felder bestimmen
Kernkompetenzen
definieren
Notwendige
Ressourcen und
Fähigkeiten
festlegen
Prozessschritte
Prozessergebnisse
Visionärer
Kundennutzen Soll-Kernkompetenzen
Stand der Technik Seite 41
Unerschlossene Ressourcen/Fähigkeiten: Dies sind Ressourcen und Fähigkeiten,
die das Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb sehr gut beherrscht, die aber
(noch) nicht zu Wettbewerbsvorteilen führen. Diese Ressourcen und Fähigkeiten
sind im Sinne des Ansatzes von PÜMPIN auf strategische Erfolgspositionen zu fo-
kussieren.
Einzigartige Kombinationen von Ressourcen und Fähigkeiten (SEP): Hier be-
sitzt das Unternehmen strategische Erfolgspositionen, die zu Wettbewerbsvorteilen
führen. Diese SEPs sind aber bedroht: Wettbewerber können diese Bündel an Res-
sourcen und Fähigkeiten leicht imitieren. Daher sind diese SEPs systematisch, wenn
möglich, zu Kernkompetenzen zu erweitern.
Kernkompetenzen: Hier hat das Unternehmen seine einzelnen SEPs auf Kernkom-
petenzen fokussiert. Es erreicht Wettbewerbsvorteile, die von der Konkurrenz nicht
ohne weiteres nachgeahmt werden können. Diese Kernkompetenzen sichern den
nachhaltigen Erfolg. Trotzdem ist zu beobachten, ob Konkurrenten diese Position
angreifen wollen.
Bild 3-3: Ermittlung und Definition von Ressourcen/Fähigkeiten, SEP und Kernkom-
petenzen nach DEUTSCH ET AL. [DDR+97, S. 24]
Notwendige Ressourcen und Fähigkeiten festlegen: Im letzten Schritt sind die für den
Aufbau der definierten Kernkompetenzen notwendigen Ressourcen und Fähigkeiten zu
bestimmen [DDR+97, S. 39f.].
niedrig hoch
niedrig hoch
Verteidigungs- und Ausbaufähigkeit
Wettbewerbsvorteil
1
2
3
Wettbewerbsvorteile
?
?
?
?
?
1
2
3
nachhaltige
Wettbewerbs-
vorteile
Unerschlossene
Ressourcen/Fähigkeiten
Standardressourcen/
-fähigkeiten
KernkompetenzenEinzigartige Kombinationen
von Ressourcen und
Fähigkeiten (SEP)
Seite 42 Kapitel 3
Bewertung:
Der Ansatz von DEUTSCH ET AL. eignet sich gut, um den strategischen Kernkompe-
tenzaufbau eines Unternehmens zu planen. Je Phase werden konkrete Hinweise gege-
ben, welche Methoden einzusetzen sind. DEUTSCH ET AL. integrieren beispielweise An-
sätze der Kunden-/Anforderungssegmentierung zu Beginn des Prozesses. Die Ermitt-
lung von (Kern-) Kompetenzen auf Basis von Fähigkeiten und Ressourcen ist bereits in
der Problemanalyse als zielführend bewertet worden (vgl. Kapitel 2.1.3). DEUTSCH ET
AL. richten die Analyse vornehmlich auf den Kunden und die Wettbewerbssituation aus.
3.1.2 Ansätze zur Markt- und Kundensegmentierung
Die Arbeit folgt dem im Kapitel 2.1.4 beschriebenen Verständnis von PORTER und
GAUSEMEIER, die eine systematische Segmentierung von Märkten vorschlagen. Daher
werden in den Kapiteln 3.1.2.1 und 3.1.2.2 zwei Segmentierungsansätze vorgestellt.
3.1.2.1 Marktsegmentierung nach KOTLER und BLIEMEL
Ziel der Methode von KOTLER und BLIEMEL ist ein in abgegrenzte Käufergruppen un-
terteilter Markt. Diese Käufergruppen (Marktsegmente) sind jeweils mit einer spezifi-
schen Marktleistung zu bedienen [KB01, S. 415]. Die Methode zur Marktsegmentierung
und Bestimmung eines Zielmarktes für ein Unternehmen ist in Bild 3-4 dargestellt. Es
gliedert sich in vier Phasen, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Vorbereitung: In der ersten Phase ist zunächst der Segmentierungsgrad festzulegen. Es
werden drei Konzepte unterschieden: Null-Segmentierung (alle Kunden in einem
Marktsegment), Segmentbildung (Unterteilung nach Einkommen, Alter etc.), atomisier-
te Segmentierung (jeder Kunde entspricht einem Marktsegment) [KB01, S. 416f.]. Nur
im mittleren Fall wird der Markt wirklich segmentiert. Dazu ist ein Segmentierungsan-
satz auszuwählen. Ein Ansatz ist die Segmentierung nach allgemeinen Verbraucher-
merkmalen (geographisch, demographisch und psychologisch). Die andere Alternative
ist die Segmentierung nach speziellen Verhaltensmerkmalen (Anlässe, Nutzenangebote,
Verwendung etc.) [KB01, S. 430]. Nach der Wahl des Segmentierungsansatzes sind
geeignete Trennvariablen zu bestimmen (Beispiele für geographische Trennvariablen
sind Region, Ortsgröße etc.). Liegt eine Liste der Trennvariablen vor, sind diese weiter
zu untergliedern (Beispiele für die Trennvariable Region sind Bundesländer, Regie-
rungsbezirke etc.) [KB01, S. 431]. Die untergliederten Trennvariablen werden in einer
Matrix einander gegenübergestellt, um Rohsegmente abzuleiten. Beispiel für eine Roh-
segmentierung ist die Einteilung der Kunden nach Region und Einkommen
[KB01, S. 436]. Beispiel für ein Rohsegment sind „Personen aus Nordrhein-Westfalen
mit einem Einkommen über 50.000 Euro“.
Stand der Technik Seite 43
Bild 3-4: Vorgehensmodell zur Marktsegmentierung und Bestimmung eines Zielmark-
tes nach KOTLER und BLIEMEL [KB01, S. 416ff.]
Marktsegmentierung: In dieser Phase werden anhand der Rohsegmentierung Fokus-
Gruppen bestimmt. Beispiel einer Fokusgruppe sind „Personen aus Nordrhein-
Westfalen mit einem Einkommen über 50.000 Euro“ (entspricht dem Rohsegment aus
der ersten Phase). Mit den Fokusgruppen werden explorative Interviews geführt, um
Einblicke in die Motivation, Einstellung und Verhaltensweisen zu erlangen. Die Daten
sollen nach KOTLER und BLIEMEL Befunde über Produktmerkmale, Produktverwendung
und Einstellungen zur Produktkategorie liefern. Eine Faktorenanalyse dient dem Aus-
schluss von Variablen, die im hohen Maße miteinander korrelieren. Das Ergebnis sind
unabhängige Einflussfaktoren. Die Einflussfaktoren werden in einer Clusteranalyse zu
Marktsegmenten zusammengefasst. Resultat dieser Phase sind in sich homogene Markt-
segmente [KB01, S. 428].
Entwicklung von Kundensegmentprofilen: Jedes berechnete Cluster (Marktsegment)
wird mit seinen unterschiedlichen Motivationen, Einstellungen und Verhaltensweisen
auf Basis der Fokusgruppen-Interviews charakterisiert. Ein fiktives Ergebnis könnte
sein, dass sich die Einstellungen der Personen aus Nordrhein-Westfalen mit einem Ein-
kommen über 50.000 Euro mit den Einstellungen von Personen aus Bayern mit einem
Einkommen zwischen 30.000 und 40.000 Euro decken. Das aus beiden Rohsegmenten
(Fokusgruppen) bestehende Marktsegment kann mit einer Marktleistung bedient wer-
den. Diese Ergebnisse sind in Steckbriefen zu dokumentieren. Die Sinnhaftigkeit der
Rohsegmente
Marktsegmente
Kundensegmentprofi le
je Marktsegment
Ausgewählte(s)
Marktsegment(e)
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Vorbereitung
2
Marktsegmentierung
Entwicklung von
Kundensegmentprofi len
Zielmarktbestimmung
1
3
4
Festlegung des Segmentierungsgrades
Wahl des Segmentierungsansatzes
Ermittlung von Trennvariablen
Untergliederung der Trennvariablen
Gegenüberstellung der Trennvariablen
Ableitung von Rohsegmenten
Bestimmung von Fokusgruppen
Datenerhebung (explorative Interviews mit
Fokusgruppen)
Faktorenanalyse für die Ermittlung von
Einfl ussfaktoren
Clusteranalyse
Ableitung homogener Marktsegmente
Charakterisierung der Marktsegmente anhand
der Fokusgruppen-Interviews
Erstellung von Kundensegmentprofi lsteckbriefen
Prüfung der Sinnhaftigkeit der Profi le (messbar,
substantiell, erreichbar, trennbar, machbar)
Bewertung der Marktsegmente (Größe und
Wachstum, strukturelle Attraktivität, Zielsetzung
und Ressourcen des Unternehmens)
Auswahl der Marktsegmente (Konzentration, se-
lektive Spezialisierung, Produktspezialisierung,
Marktspezialisierung, Marktabdeckung)
Seite 44 Kapitel 3
Kundensegmentprofile ist mit den Kriterien messbar, substantiell, erreichbar, trennbar,
machbar zu prüfen [KB01, S. 451]. Resultat der Phase sind Kundensegmentprofile je
Marktsegment.
Zielmarktbestimmung: In der letzten Phase erfolgt die Bewertung der Marktsegmente
anhand der Kriterien Größe und Wachstum, strukturelle Attraktivität, Zielsetzung und
Ressourcen des Unternehmens. Dabei kann nach KOTLER und BLIEMEL eine Konzentra-
tion (Auswahl einer Produkt-Marktsegmentkombination), eine selektive Spezialisierung
(Auswahl verschiedener Produkt-Marktsegmentkombinationen), Produktspezialisierung
(mit einem Produkt sollen verschiedene Marktsegmente bedient werden), Marktspezia-
lisierung (ein Marktsegment soll mit verschiedenen Produkten bedient werden) oder die
vollständige Marktabdeckung (alle Marktsegmente werden mit verschiedenen Produk-
ten bedient) unterschieden werden [KB01, S. 453ff.].
Bewertung:
KOTLER und BLIEMEL ermöglichen die systematische Segmentierung eines Marktes und
die Ermittlung der Attraktivität einzelner Marktsegmente. Hervorzuheben ist die konse-
quente Ermittlung und Untergliederung von Trennvariablen als Basis einer Rohsegmen-
tierung. Das Verfahren ist daher als sehr aufwendig einzuschätzen. Auf Grundlage der
Rohsegmente sind Fokusgruppen-Interviews durchzuführen. Wird ein Markt in viele
Rohsegmente untergliedert, wäre für jedes Segment eine Interviewphase notwendig.
Weiterhin ist im Rahmen der Planung von Diversifikationsstrategien die Bewertung der
Attraktivität einzelner Marktsegmente zu einem früheren Zeitpunkt wünschenswert, um
nicht unnötig Ressourcen zu binden.
3.1.2.2 Kundensegmentierung nach BRINK
BRINK beginnt sein Verfahren zur Entwicklung konsistenter Produkt- und Technolo-
giestrategien mit der Analyse und Prognose des Geschäfts. Eine wesentliche Phase ist
die Kundensegmentierung. Die ermittelten Kundensegmente nutzt BRINK für die Ablei-
tung von Anforderungsprofilen je Segment. Das Vorgehen zur Kundensegmentierung
ist in Bild 3-5 dargestellt und gliedert sich in vier Phasen [Bri10, S. 102ff.]. Im Folgen-
den wird die Methode kurz vorgestellt.
Definition von Segmentierungskriterien: In dieser Phase werden zunächst Segment-
bereiche festgelegt. Dabei orientiert sich BRINK an den von SCHLEGELMILCH vorge-
schlagenen Bereichen Demographie, Leistung, Beschaffung, Situation und Individuali-
tät [Sch99, S. 55]16. Mit der Methode Brainwriting werden anschließend je Bereich
Segmentierungskriterien aufgenommen und beschrieben. Alle beschriebenen Segmen-
tierungskriterien werden in einem Katalog zusammengefasst [Bri10, S. 102].
16 FRETER empfiehlt die Suchbereiche psychografische Kriterien, Konsumverhalten, Physiologische
Kriterien, Zeitkriterien und Nutzen [Fre08, S. 90].
Stand der Technik Seite 45
Bild 3-5: Vorgehensmodell zur Kundensegmentierung nach BRINK [Bri10, S. 102ff.]
Ermittlung von Schlüsselsegmentierungskriterien: Mit den Methoden Einfluss- und
Relevanzanalyse wird ein System-Grid in Anlehnung an GAUSEMEIER ET AL. erstellt
[GPW09, S. 67ff.]. Das System-Grid dient der Auswahl von Schlüsselsegmentierungs-
kriterien. Dies sind i. d. R. Segmentierungskriterien mit einer hohen Vernetzung und
hoher Relevanz [Bri10, S. 102].
Analyse alternativer Ausprägungen: Je Schlüsselsegmentierungskriterium werden
alternative Ausprägungen ermittelt. So sind beispielsweise für das Schlüsselsegmentie-
rungskriterium „Betriebsgröße“ die Ausprägungen „kleines Unternehmen“, „mittleres
Unternehmen“ und „großes Unternehmen“ vorstellbar [Bri10, S. 105]. Die Ausprägun-
gen sind in Prosa zu beschreiben [Bri10, S. 103f.].
Konsistenzanalyse: Die Ausprägungen aller Schlüsselsegmentierungskriterien werden
in einer Konsistenzmatrix paarweise auf ihre Verträglichkeit bewertet. Basierend auf
der Konsistenzmatrix werden mit Hilfe einer Konsistenzanalyse in sich schlüssige Aus-
prägungsbündel berechnet. Ähnliche Bündel werden anschließend mittels Clusteranaly-
se zu homogenen Kundensegmenten zusammengefasst. Bild 3-6 zeigt das Ergebnis der
Kundensegmentierung in Form einer Ausprägungsliste (Auszug) [Bri10, S. 103ff.].
Katalog mit
Segmentierungskriterien
Schlüssel-
segmentierungskriterien
Alternative
Ausprägungen
Kundensegmente
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Defi nition von
Segmentierungskriterien
Festlegung von Segmentierungsbereichen
(Demographie, Leistung, Beschaffung etc.)
Ermittlung von Segmentierungskriterien
(mittels Brainwriting)
Beschreibung der Segmentierungskriterien
Zusammenstellung eines Kriterienkatalogs
Einfl ussanalyse
Relevanzanalyse
Auswahl von Schlüsselsegmentierungs-
kriterien (System-Grid)
Ermittlung alternativer Ausprägungen je
Schlüsselsegmentierungskriterium
Beschreibung der Ausprägungen in Prosa
Paarweise Bewertung der Verträglichkeit der
Ausprägungen
Berechnung konsistenter Kundensegmente
Ausprägungsliste
2
Ermittlung von Schlüssel-
segmentierungskriterien
Analyse alternativer
Ausprägungen
Konsistenzanalyse
1
3
4
Seite 46 Kapitel 3
Bild 3-6: Ausprägungsliste der Kundensegmente (Auszug) [Bri10, S. 105]
Bewertung:
BRINK schlägt einen diskursiven Weg vor, um Kundensegmente zu ermitteln. Die Aus-
wahl der zu betrachtenden Segmentierungskriterien (Schlüsselsegmentkriterien) erfolgt
systematisch und klar. Um aufwendige Fokusgruppen-Interviews zu umgehen, führt
BRINK eine Konsistenzanalyse durch. Die Kundensegmente werden der Marktleistungs-
Marktsegmente-Matrix des Unternehmens gegenübergestellt. BRINK ermittelt so die
Umsätze, die das Unternehmen mit den einzelnen Kundensegmenten generiert. Es wird
aber keine Aussage getroffen oder diskutiert, ob alle Kundensegmente überhaupt für das
Unternehmen attraktiv sind und bedient werden sollen.
Betriebsinterne KundenA
SK 1:
SK 2:
SK 3:
SK 4:
SF 12:
Betriebsform
Betriebsgröße
Fertigungsart
Innovations-
akzeptanz
Automatisierungsgrad
der Komponenten-
markierung (KM)
Große SchaltschrankbauerA
Überwiegend SerienfertigungA
Festhalten an AltbewährtemA
KM automatisiert mit Softwareunterst.A
Segmentierungs-
kriterien Ausprägungen
Externe KundenB
Mittlere SchaltschrankbauerB
Überwiegend Losgröße einsB
ImitationskäuferB
KM teilautomatisiert
B
25
8
100
48
19
38
91
0
80
36
0
0
51
0
35
29
51
29
48
29
0
70
0
35
70
48
0
51
64
100
71
42
14
21
0
57
0
14
0
28
0
85
Interne und externe KundenC
Kleine SchaltschrankbauerC
Innovator fordert und nutzt InnovationenC
KM manuell ohne Softwareunterst.C
eindeutige Ausprägung
dominante Ausprägung
Ausprägung tritt nicht auf
213
1: Kleine Schaltschrankbauer,
die Innovationen eher skeptisch
gegenüber stehen
2: Große Schaltschrankbauer
fordern und setzen auf
Innovationen
3: Mittelgroße, hoch effiziente
Schaltschrankbauer setzen auf
partnerschaftliche Lieferantenbeziehungen
4: Mittelgroße, nicht automati-
sierende Schaltschrankbauer
setzen auf Preisführerschaft
4
50
100
0
100
100
0
0
0
0
50
0
100
0
0
alternative Ausprägung
Stand der Technik Seite 47
3.1.3 Ansätze zur Stakeholder-Analyse
Eine wesentliche Anforderung an das zu entwickelnde Verfahren ist die Analyse des
systemischen Verhaltens relevanter Stakeholder (vgl. Kapitel 2.5.1). In der Literatur
finden sich einige Ansätze, die sich ausschließlich mit dieser Fragestellung auseinander
setzen. Im Folgenden werden drei Ansätze exemplarisch vorgestellt.
3.1.3.1 Stakeholder-Analyse nach FINK und SIEBE
Ziel der Methode von FINK und SIEBE sind strategische Handlungsoptionen je Stakehol-
der eines Unternehmens. FINK und SIEBE gliedern die Methode entsprechend Bild 3-7 in
vier Phasen, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Bild 3-7: Vorgehensmodell zur Analyse von Stakeholdern nach FINK und SIEBE
[FS06, S. 179ff.]
Entwicklung eines Stakeholder-Feldes: In dieser Phase werden gegenwärtige Stake-
holder eines Unternehmens ermittelt. Diesen Vorgang bezeichnen FINK und SIEBE auch
als Stakeholder-Scanning. Sie schlagen vor, das Scanning mit der Ermittlung von Ein-
flussfaktoren im Rahmen der Szenario-Technik zu verbinden. Es ist dabei zu hinterfra-
gen, welche Stakeholder die Entwicklungsmöglichkeiten eines Einflussfaktors beein-
flussen. Anschließend werden die ermittelten Stakeholder kategorisiert [FS06, S. 179]:
Stakeholder-Radar
Ziele, Macht und Riskien
der Stakeholder
Ziele-Macht-Portfolio
Motivations-Portfolio,
Handlungsoption
je Stakeholder
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Entwicklung eines
Stakeholder-Feldes
Stakeholder-Scanning (Stakeholder eines
Unternehmens)
Kategorisierung der Stakeholder (interne,
ökonomische, direkte und indirekte globale
Stakeholder)
Visualisierung (Stakeholder-Radar)
Analyse der Ziele, Macht und Risiken der
Stakeholder
Darstellung der Ziele und Macht in einem
Ziele-Macht-Portfolio
Charakterisierung der Stakeholder (Gefolgs-
leute, Paten, Kanonenfutter und Killer)
Ermittlung der Konfl iktneigungen (Kennwert
Motivation)
Darstellung der Motivation des Unternehmens
und der Stakeholder in einem Motivations-
Portfolio
Ableitung von Handlungsoptionen (kooperati-
ve, offensive, defensive, konfl iktäre Strategie)
2
Bewertung der
Stakeholder
Analyse statischer Ziele-
Macht-Konstellationen
Analyse der dynamischen
Interaktionsmotivation
1
3
4
Seite 48 Kapitel 3
Interne Stakeholder: Personen oder Gruppen, die integraler Bestandteil einer Un-
ternehmung sind (u. a. Arbeitnehmer, Kapitaleigner oder Führungskräfte)
[FS06, S. 179].
Ökonomische Stakeholder: Personen oder Gruppen, die durch geschäftliche Be-
ziehungen mit dem Unternehmen verbunden sind (u. a. Kunden, Lieferanten, Kon-
kurrenten, Partnerunternehmen) [FS06, S. 179].
Direkte globale Stakeholder: Personen oder Gruppen, die über nichtökonomische
Beziehungen zum Unternehmen stehen (u. a. Kommunen, Verbraucherverbände,
Umweltschutzgruppen) [FS06, S. 179].
Indirekte globale Stakeholder: Personen oder Gruppen, die über indirekte nicht-
ökonomische Beziehungen zum Unternehmen stehen (u. a. nichtaktive Interessen-
verbände, Anwohner eines Fabrikgeländes) [FS06, S. 180].
Die Ergebnisse der Kategorisierung werden typischer Weise in Form eines Stakeholder-
Radars aufbereitet und visualisiert. Bild 3-8 zeigt beispielhaft einen Stakeholder-Radar
für eine große Öl-Gesellschaft.
Bild 3-8: Beispiel eines Stakeholder-Radars nach FINK und SIEBE [FS06, S. 180],
[GPW09, S. 172]
Große Öl-
Gesellschaft
Mitarbeiter
Gewerk-
schaft
Aktionäre
Regierung
Kongress
Agenturen
Anti-Öl-
Gruppen
Verbraucher-
Gruppen
Landes- und
kommunale
Regierungen
Finanzmarkt
Umweltschutz-
Gruppen
Alternative
Konventionelle Mitbewerber
Ölindustrie
Nicht-Erdöl-
Energie-Industrie
Ausländische
Regierungen
Öffentlichkeit
„Majors“
Unabhängige
OPEC
Kanada
EU
Mitarb.
EU
Allgemeiner
Stakeholder
Spezifischer
Stakeholder
Kuwait
Konk. A Konk. B
Iran
West-
Afrika
Malaysia
Presse
Händler
Kunden
Interne
Stakeholder
Ökonomische
Stakeholder
Direkte globale
Stakeholder
Indirekte globale
Stakeholder
Stand der Technik Seite 49
Bewertung der Stakeholder: Hier wird die Beziehung zwischen dem Unternehmen
und den Stakeholdern analysiert. Dazu werden Kennwerte wie Ziele, Macht und Risiken
herangezogen und die Beziehung des Unternehmens gegenüber dem Stakeholder als
auch die Positionierung der Stakeholder gegenüber dem Unternehmen ermittelt
[FS06, S. 181].
Analyse statischer Ziele-Macht-Konstellationen: Ziele und Macht sind nach FINK
und SIEBE statische Größen – sie bestehen unabhängig von einer möglichen Interaktion
[FS06, S. 183]. Mit Hilfe einer gleichzeitigen Betrachtung des Zielniveaus und der rela-
tiven Macht zwischen Unternehmen und Stakeholder kann die Beziehung charakterisiert
werden. Bild 3-9 zeigt das Ergebnis der Analyse in Form eines Ziel-Macht-Portfolios.
Bild 3-9: Ziele-Macht-Portfolio nach FINK und SIEBE [FS06, S. 182],
[GPW09, S. 174]
Es werden vier Gruppen unterschieden: 1) Gefolgsleute (Kooperationspotential für Un-
ternehmen), 2) Paten (Kooperationspotential mit dominanter Machtposition des Stake-
holders), 3) Kanonenfutter (Konfliktpotential gegenüber einem schwachen Stakehol-
der) und 4) Killer (Stakeholder mit hohem Konfliktpotential gegenüber dem Unterneh-
men) [FS06, S. 183].
Analyse der dynamischen Interaktionsmotivation: Durch das Einbeziehen von Ko-
operations-/Konfliktpotential und Kooperations-/Konfliktrisiko können unternehmens-
bzw. stakeholderspezifische Kooperations- bzw. Konfliktneigungen ermittelt und unter
Seite 50 Kapitel 3
dem Kennwert Motivation (Interaktionsneigung) zusammengefasst werden
[FS06, S. 183]. Daraus lassen sich nach FINK und SIEBE vier strategische Handlungsop-
tionen ableiten:
Kooperationsstrategie (Unternehmen und Stakeholder neigen zur Kooperation):
Ausschöpfen der Kooperationspotentiale [FS06, S. 184].
Offensive Stakeholder-Strategie (nur das Unternehmen neigt zur Kooperation):
Stakeholder von der Notwendigkeit einer Kooperation überzeugen [FS06, S. 184].
Defensive Stakeholder-Strategie (nur der Stakeholder neigt zur Kooperation): Im
Fall einer dominanten Position des Unternehmens kann es sinnvoll sein, „dem Sta-
keholder einen Konflikt aufzuzwingen“. Dagegen ist bei einer dominanten Position
des Stakeholders eine entsprechende Kooperation so weit wie möglich zu gestalten
[FS06, S. 184].
Konflikt- oder Wettbewerbsstrategie (Unternehmen und Stakeholder neigen zum
Konflikt): Hier bietet sich die Handlungsoption an, einen Konflikt vorzubereiten
bzw. durchzuführen [FS06, S. 184].
Bewertung:
FINK und SIEBE stellen eine umfassende Methode zur Identifikation und Analyse von
Stakeholdern vor. Die Visualisierung der Ergebnisse in einem Stakeholder-Radar und
einem Ziele-Macht-Portfolio sind zielführend. Hervorzuheben ist die angedeutete In-
tegration und Berücksichtigung des Verhaltens von Stakeholdern in der Phase Voraus-
schau. Als kritisch ist die ausschließliche Bewertung der Stakeholder gegenüber dem
betrachteten Unternehmen anzusehen. Eine Einschätzung über das systemische Verhal-
ten der Stakeholder untereinander fehlt.
3.1.3.2 Stakeholder-Analyse nach MÜLLER-STEWENS und LECHNER
Ziel des Ansatzes von MÜLLER-STEWENS und LECHNER sind erste Hinweise für Strate-
gien und Maßnahmen, die aus der Analyse von Stakeholdern abgeleitet werden können.
Das Vorgehen gliedert sich gemäß Bild 3-10 in vier Phasen, die im Folgenden kurz vor-
gestellt werden.
Stand der Technik Seite 51
Bild 3-10: Vorgehensmodell zur Stakeholder-Analyse nach MÜLLER-STEWENS und
LECHNER [ML11, S. 160ff.]
Ermittlung der Stakeholder: In der ersten Phase sind zunächst die relevanten Stake-
holder eines Unternehmens zu ermitteln. Dazu werden alle Stakeholder aufgelistet, die
für den Erfolg des Unternehmens wichtig sind. Anhand einer Checkliste wird die Voll-
ständigkeit der spontan erstellten Liste überprüft [ML11, S. 161]. Die Checkliste orien-
tiert sich an den von MASON und MITROFF vorgeschlagenen Suchstrategien (vgl.
Bild 3-11).
Bild 3-11: Suchstrategien für Stakeholder nach MASON und MITROFF [MM81, S. 95f.]
Feststellung der Relevanz der Stakeholder: In der zweiten Phase werden die Stake-
holder in eine Relevanz-Matrix eingetragen (vgl. Bild 3-12). Es ist die Frage zu beant-
Liste relevanter
Stakeholder
Nach Typen klassifi zierte
Stakeholder
Nutzen bzw. Schaden
für die Stakeholder
Ziele, Strategien,
Maßnahmen
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Ermittlung der
Stakeholder
Aufl istung aller relevanten Stakeholder
Abgleich der Liste mit einer Checkliste
Überprüfung der Vollständigkeit
Bewertung des Einfl usses je Stakeholder
Bewertung der Beeinfl ussung je Stakeholder
Visualisierung der Bewertungen in einer
Relevanz-Matrix
Klassifi zierung der Stakeholder nach vier
Grundtypen (Spielmacher, Joker, Gesetzte,
Randfi guren)
Rekonstruktion eines Selbstbildes
Ermittlung der Erwartungen je Stakeholder
durch Interviews
Kongruenzanalyse
Identifi kation des Nutzen bzw. Schadens
durch das Handeln des Unternehmens
Optional: Segmentierung der Stakeholder
Defi nition der (zukünftigen) Position gegen-
über den Stakeholdern
Ableitung von Maßnahmen und Bestimmung
von Messgrößen zur Implementierung
2
Feststellung der Relevanz
der Stakeholder
Gegenüberstellung von
Erwartungen und Nutzen
Ableitung von Zielen,
Strategien, Maßnahmen
1
3
4
Demographisch
Positional
Reputational
Sozial-partizipativ
Suchstrategie Methode/Hilfestellung zur Suche von Stakeholder
Analyse informaler Interaktionsbeziehungen
Interaktionsorientiert
Suche nach Akteuren, die das Meinungsbild anderer beeinflussen
Meinungsführerorientiert
Suchraster (Alters-, Ausbildungs- und Gesellschaftsschichten)
Analyse formaler (gesetzliche/vertragliche) Interaktionsbeziehungen
Expertenbefragung zum Untersuchungsgegenstand
Suche nach aktiven Äußerungen von Akteuren
Imperativ
Suche aktiver Handlungen von Akteuren (u. a. Protestaktion)
Seite 52 Kapitel 3
worten, welchen Einfluss ein Stakeholder ausübt (Abszisse der Relevanz-Matrix) und
wie stark der Stakeholder vom Unternehmen beeinflusst werden kann (Ordinate der
Relevanz-Matrix) [ML11, S. 162].
Bild 3-12: Relevanz-Matrix nach MÜLLER-STEWENS und LECHNER [ML11, S. 162]
Die Matrix weist vier charakteristische Bereiche (Typen) sowie die empfohlenen Strate-
gien auf:
Spielmacher: Diese Stakeholder besitzen einen hohen Einfluss auf das Unterneh-
men, werden aber auch stark vom Unternehmen beeinflusst. Eine Empfehlung von
MÜLLER-STEWENS und LECHNER ist, permanente Kommunikationskanäle zu dem
Stakeholder aufzubauen. Diese Stakeholder besitzen höchste Priorität
[ML11, S. 162].
Joker: Stakeholder von diesem Typus können einen hohen Einfluss ausüben, sind
aber nur schwer zu beeinflussen. Sie werden als Joker bezeichnet, weil das Unter-
nehmen versuchen wird, seinen Einfluss zu steigern. Bei einem Wettbewerber bietet
sich beispielweise eine Kooperation an [ML11, S. 162].
Gesetzte: Hier hat das Unternehmen eine Machtposition gegenüber dem Stakehol-
der. Diese Stakeholder könnten nach MÜLLER-STEWENS und LECHNER versuchen,
indirekt über „Verbündete“ ihren Einfluss zu erhöhen. Beispiele sind Abnehmer-
Lieferanten-Beziehungen [ML11, S. 163].
Beeinflussbarkeit des Stakeholders
durch das Unternehmen
Einfluss des Stakholders
auf das Unternehmen
5
3
2
112345
4
Telemedizintechnik
Gesetzte Spielmacher
Joker
Randfiguren
Wie der Stakeholder ist
Wie der Stakeholder
sein könnte
Einräumung
höchster
Priorität
Verbesserung ihrer
Beeinflussbarkeit
Professionelle
Bearbeitung bei
angemessenem
Aufwand
Regelmäßiges
Informieren
Stand der Technik Seite 53
Randfiguren: Diese Stakeholder sind zumindest im Moment noch nicht für das
Unternehmen relevant. Es ist daher kein großer Aufwand zu betreiben, um die Be-
ziehung zu intensivieren. Ein reiner Informationsaustausch genügt [ML11, S. 163].
Gegenüberstellung von Erwartungen und Nutzen: Zunächst ist zu rekonstruieren,
was das Unternehmen denkt, was die einzelnen Stakeholder erwarten. Danach ist durch
Interviews zu ermitteln, was die tatsächlichen Erwartungen der Stakeholder an das Un-
ternehmen sind. Nach MÜLLER-STEWENS und LECHNER kann anhand der Erwartungen
der Nutzen bzw. Schaden durch die Aktivitäten des Unternehmens für verschiedene
Stakeholder bestimmt werden [ML11, S. 164f].
Ableitung von Zielen, Strategien und Maßnahmen: In der letzten Phase werden erste
Wege aufgezeigt, wie das Unternehmen (zukünftig) einzelnen Stakeholdern gegenüber
positioniert sein möchte [ML11, S. 165.]. Es sind geeignete Maßnahmen abzuleiten und
Messgrößen für die Implementierung zu bestimmen. Optional ist eine weitere Segmen-
tierung der Stakeholder zu prüfen (Positionierung der Stakeholder-Gruppe als Ganzem
oder können Untergruppen bestimmt werden) [ML11, S. 164].
Bewertung:
MÜLLER-STEWENS und LECHNER betrachten die Interaktion zwischen den Stakeholdern
und einem Unternehmen. Sie stellen vor allem den Aspekt möglicher Positionen der
Stakeholder in der Zukunft heraus. Eine methodische Unterstützung, wie es zu den
denkbaren Positionen kommt, wird nicht gegeben. Das gesamte Vorgehen hat einen
intuitiven Charakter, der lediglich durch Leitfäden bzw. die Positionierung der Stake-
holder in eine Relevanz-Matrix unterstützt wird. Auch diese Positionierung ist nicht
Ergebnis eines methodischen Vorgehens sondern Resultat einer Abschätzung, die direkt
in der Matrix getroffen wird.
3.1.3.3 Identifikation und Analyse von Stakeholdern nach MITCHELL ET AL.
Ziel des Ansatzes von MITCHEL ET AL. sind nach Bedeutung klassifizierte Stakeholder
und daraus abgeleitete Handlungsoptionen für ein Unternehmen. MITCHELL ET AL. glie-
dern ihren Ansatz entsprechend Bild 3-13 in vier Phasen, die kurz vorgestellt werden.
Definition von Stakeholder-Attributen: Im ersten Schritt werden Akteure gesucht, die
Stakeholder eines Unternehmens sein könnten. Nach MITCHEL ET AL. können Stakehol-
der durch drei Attribute klassifiziert werden:
Macht ist die Möglichkeit, dass ein Stakeholder seinen eigenen Willen gegen Wi-
derstände Anderer durchsetzen kann [WHP47, S. 326]. PFEFFER erweitert diese De-
finition um den Aspekt, dass ein Stakeholder A einen Stakeholder B zu etwas bewe-
gen kann, was dieser ansonsten nicht getan hätte [Pfe81]. Dazu können Zwangsmit-
tel, utilitaristische Prinzipien (Wahl des geringeren Übels) oder normative Mittel
eingesetzt werden. Der Einsatz der Mittel ist dabei variabel: Macht ist von vorüber-
Seite 54 Kapitel 3
gehender Natur – sie kann erlangt aber auch wieder verloren gehen
[MAW97, S. 865f.].
Legitimität basiert auf der Gesetzgebung, auf moralischen Werten oder ähnlichen
„Konstrukten“ oder „Artikulationen“. Legitimität fußt auf gesellschaftlich akzeptier-
ten Strukturen und Verhaltensweisen, die implizit mit der Macht eines Stakeholders
verbunden sein können [MAW97, S. 866f.].
Dringlichkeit verleiht der Klassifizierung von Stakeholdern eine dynamische Kom-
ponente. Werden nur Macht und Legitimität betrachtet, ist das Modell statisch und
zeitpunktbezogen [MAW97, S. 867f.].
Bild 3-13: Vorgehensmodell zur Identifikation und Analyse von Stakeholdern nach
MITCHELL ET AL. [MAW97, S. 865ff.]
Bildung von Stakeholder-Klassen: In dieser Phase werden die Attribute für die ein-
zelnen Akteure bewertet, um diese den in Bild 3-14 dargestellten Stakeholder-Klassen
zuordnen zu können.
Beschriebene Attribute
der Akteure
In Klassen gruppierte
Stakeholder
Dynamische Stakeholder-
Typologie
Handlungsoption
je Stakeholder
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Defi nition von
Stakeholder-Attributen
Ermittlung der Macht der einzelnen Akteure
Ermittlung der Legitimität der einzelnen Akteure
Ermittlung der Dringlichkeit der einzelnen
Akteure
Analyse der Macht der einzelnen Akteure
Analyse der Legitimität der einzelnen Akteure
Analyse der Dringlichkeit der einzelnen Akteure
Zuordnung der Akteure zu qualitativen Stake-
holder-Klassen
Ausschluss von Akteuren aus der Betrachtung
(kein Stakeholder)
Erstellen einer genauen Stakeholder-
Typologie
Dynamische Analyse der Typologie
Ermittlung bedeutender Stakeholder aus der
Stakeholder-Typologie
Defi nition von Handlungsoptionen für beste-
hende und zukünftig bedeutende Stakeholder
2
Bildung von
Stakeholder-Klassen
Analyse dynamischer
Stakeholder-Beziehungen
Ableitung von
Handlungsoptionen
1
3
4
Stand der Technik Seite 55
Bild 3-14: Stakeholder-Klassen nach MITCHELL ET AL. [MAW97, S. 874]
Nach MITCHEL ET AL. kann die Darstellung auf Basis von vier Theoremen analysiert
werden:
Theorem 1: Die Bedeutung eines Stakeholders korreliert positiv mit der Anzahl erfüll-
ter Attribute (Macht, Legitimität, Dringlichkeit), die vom Management des Unterneh-
mens bewertet werden [MAW97, S. 873].
Theorem 1a: Die Bedeutung eines Stakeholders ist gering, wenn er nur ein Attribut
erfüllt. Dies trifft auf die Stakeholder-Klassen 1, 2 und 3 zu [MAW97, S. 874].
Theorem 1b: Die Bedeutung eines Stakeholders ist als durchschnittlich zu bewerten,
wenn er zwei Attribute erfüllt. Dies trifft auf die Stakeholder-Klassen 4, 5 und 6 zu
[MAW97, S. 876].
Theorem 1c: Die Bedeutung eines Stakeholders ist hoch, wenn er alle drei Attribute
erfüllt. Dies trifft auf die Stakeholder-Klasse 7 zu [MAW97, S. 878].
Die Extrema bilden folglich die Stakeholder-Klassen 7 und 8. In die Klasse 7 fallen die
definitiven Stakeholder sie besitzen sowohl Macht, Legitimität als auch Dringlichkeit.
Wohingegen die Klasse 8 Akteure umfasst, die für das betrachtete Unternehmen (im
Moment) irrelevant sind.
Analyse dynamischer Stakeholder-Beziehungen: Auf Basis der Stakeholder-Klassen
können nach MITCHELL ET AL. in Zusammenarbeit mit dem Management eines Unter-
nehmens die dynamische Entwicklung der Beziehungen der Stakeholder zum Unter-
nehmen antizipiert werden [MAW97, S. 879f.].
Macht Legitimität
1
Schlafende
Stakeholder
4
Dominante
Stakeholder
2
Interesse-
wahrende
Stakeholder
6
Abhängige
Stakeholder
7
Definitive
Stakeholder
5
Gefährliche
Stakeholder
3
Fordernde
Stakeholder
Dringlichkeit
8
Kein
Stakeholder
Seite 56 Kapitel 3
Ableitung von Handlungsoptionen: In der letzten Phase werden die Ergebnisse der
Stakeholder-Analyse aggregiert und mit dem Management diskutiert. Nach MITCHEL ET
AL. ist vor allem darauf zu achten, nicht nur aktuell bedeutsame Stakeholder in die De-
finition von Handlungsoptionen einzubeziehen, sondern auch zukünftig bedeutsame
Stakeholder zu beachten [MAW97, S. 880f.].
Bewertung:
MITCHEL ET AL. ermöglichen eine generische Klassifizierung von Stakeholdern durch
die Attribute Macht, Legitimität und Dringlichkeit. Die Attribute sind sinnvoll und kön-
nen bei der Entwicklung des Verfahrens stakeholder-orientierter Diversifikationsstrate-
gien berücksichtigt werden. Das systemische Verhalten der Stakeholder findet keine
Berücksichtigung. Der Aspekt der dynamischen Entwicklung der Beziehung von Stake-
holdern zu einem Unternehmen wird von MITCHEL ET AL. adressiert, eine methodische
Umsetzung aber nur angedeutet. Weiterhin fehlt eine konkrete Ableitung von Hand-
lungsoptionen. Es wird lediglich beschrieben, dass dies in Zusammenarbeit mit dem
Management eines Unternehmens stattfinden sollte.
3.2 Ansätze der Phase Vorausschau
Diversifikationsstrategien sind auf Basis einer Vorstellung von der Zukunft zu entwi-
ckeln (vgl. Kapitel 2.3.1). Daher werden im Folgenden drei Ansätze vorgestellt, die
einen systematischen Blick in die Zukunft ermöglichen.
3.2.1 Szenario-Technik nach GAUSEMEIER ET AL.
Als wesentliche Methode der Vorausschau setzt GAUSEMEIER die Szenario-Technik ein.
GAUSEMEIER bezeichnet die Nutzung von Szenarien in der strategischen Führung als
Szenario-Management, das über die originäre Erstellung von Zukunftsszenarien hinaus-
geht. Das Phasenmodell des Szenario-Managements gliedert sich in fünf Phasen (vgl.
Bild 3-15). Die Phasen zwei bis vier beschreiben die eigentliche Szenario-Erstellung
[GPW09, S. 62ff.], [GLR09, S. 7f.]. Die einzelnen Phasen des Szenario-Managements
werden im Folgenden erläutert.
Szenario-Vorbereitung: Die Szenario-Vorbereitung umfasst die Feststellung der Pro-
jektzielsetzung und der Projektorganisation sowie die Definition und Analyse des Ge-
staltungsfeldes. Das Gestaltungsfeld ist der Bereich, der im Rahmen der strategischen
Führung auf der Grundlage der Erkenntnisse der Zukunftsszenarien zu gestalten ist.
Oftmals ist dies ein Unternehmen. Die Szenarien beschreiben dann das globale Umfeld,
das Branchenumfeld und die Branche (Mitbewerber). Dies zusammen wird als Szena-
riofeld bezeichnet. Zumeist werden Markt- und Umfeldszenarien erstellt, also Szenari-
en, die das weitere Umfeld eines Unternehmens sowie dessen Markt/Branche beschrei-
ben [GPW09, S. 62ff.].
Stand der Technik Seite 57
Bild 3-15: Phasenmodell des Szenario-Managements nach GAUSEMEIER ET AL.
[GPW09, S. 63]
Szenariofeld-Analyse: Mit der Szenariofeld-Analyse beginnt die Szenario-Erstellung.
In dieser Phase wird zunächst das Szenariofeld in mehrere Einflussbereiche wie Politik,
Ökonomie, Kunden, Lieferanten etc. aufgeteilt. In diesen Einflussbereichen werden
Einflussfaktoren ermittelt; häufig sind das 80-100 Einflussfaktoren. Aus dieser Vielzahl
von Einflussfaktoren gilt es etwa 20 Faktoren zu ermitteln, die das Szenariofeld beson-
ders prägen und einen besonders hohen Einfluss auf den Untersuchungsgegenstand aus-
üben; das sind die sogenannten Schlüsselfaktoren. Um zu diesen Schlüsselfaktoren zu
gelangen, werden zunächst eine direkte und eine indirekte Einflussanalyse durchgeführt
und so die Vernetzung zwischen den Faktoren analysiert. Die Bedeutung der Einfluss-
faktoren für das Gestaltungsfeld wird mittels einer Relevanzanalyse ermittelt. Abschlie-
ßend erfolgt die Auswahl der Schlüsselfaktoren mit Hilfe des sogenannten System-
Grids. Für jeden Schlüsselfaktor werden schließlich eine Definition sowie eine fundierte
und präzise Beschreibung der gegenwärtigen Situation erstellt. Diese Beschreibung ba-
siert auf Indikatoren (im Zeitverlauf messbare Größen) [GPW09, S. 66ff.].
Projektzielsetzung
Schlüsselfaktoren
Zukunftsprojektionen
Zukunftsszenarien
Chancen, Gefahren, stra-
tegische Stoßrichtungen
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Szenario-Vorbereitung
Zielsetzung bestimmen
Gestaltungsfeld analysieren
Einfl ussfaktoren und -bereiche bestimmen
Einfl ussanalyse
Relevanzanalyse
Je Schlüsselfaktor denkbare Entwicklungen
bestimmen
Projektionskatalog erstellen
Paarweise Konsistenzbewertung der
Projektionen
Projektionsbündel ermitteln (Konsistenz-
analyse)
Ähnliche Bündel clustern
Szenarien analysieren (Chancen, Gefahren)
Szenarien bewerten (Wahrscheinlichkeit,
Stärke der Auswirkungen)
2
Szenariofeld-Analyse
Projektions-Entwicklung
Szenario-Bildung
Szenario-Transfer
1
3
4
5
Seite 58 Kapitel 3
Projektions-Entwicklung: Die Projektions-Entwicklung bildet den Kern der Szenario-
Technik. Nach dem Prinzip der multiplen Zukunft werden alternative Entwicklungs-
möglichkeiten der zuvor festgelegten Schlüsselfaktoren erarbeitet, die sogenannten (Zu-
kunfts-) Projektionen. Dabei werden für die in der Ist-Situation der Faktoren enthalte-
nen Indikatoren zukünftige Entwicklungen vorausgedacht. Neben wahrscheinlichen
sollten explizit auch extreme, aber vorstellbare Entwicklungen berücksichtigt werden.
Jede Projektion erhält einen Titel im Sinne einer Kurzbezeichnung und wird ausführlich
beschrieben. Dies ist insbesondere bei solchen Projektionen wichtig, die von der aus
heutiger Sicht wahrscheinlichen Entwicklung stark abweichen. Die Projektionen aller
Schlüsselfaktoren werden abschließend in einem Projektionskatalog zusammengefasst.
Dieser bildet die Grundlage für die spätere Beschreibung der Zukunftsszenarien
[GPW09, S. 74ff.].
Szenario-Bildung: In der Szenario-Bildung werden aus den zuvor beschriebenen Zu-
kunftsprojektionen mehrere Szenarien generiert. Dazu wird eine paarweise Konsistenz-
bewertung der Zukunftsprojektionen vorgenommen. Die Bewertung erfolgt anhand ei-
ner Skala von „1“ (totale Inkonsistenz, d. h. die beiden Projektionen schließen einander
aus) bis „5“ (sehr starke gegenseitige Unterstützung, d. h. aufgrund des Eintretens der
einen Projektion kann auch mit dem Eintreten der anderen Projektion gerechnet wer-
den). Da es sich um eine ungerichtete Bewertung handelt, ist nur eine Hälfte der Matrix
auszufüllen. Für die Beschreibung der Szenarien wird auf die Textbausteine aus dem
Projektionskatalog zurückgegriffen. Diese Textbausteine sind entsprechend der Ausprä-
gungsliste zu verknüpfen. Neben dieser ausführlichen Beschreibung in Prosa werden
meist auch Management Summaries der Szenarien erstellt [GPW09, S. 79ff.].
Szenario-Transfer: Die Nutzung der Szenarien im Prozess der strategischen Führung
wird als Szenario-Transfer bezeichnet. Verfolgt das Unternehmen eine fokussierte, d. h.
eine auf ein einzelnes Szenario ausgerichtete Strategieentwicklung, so muss zunächst
dieses sogenannte Referenzszenario ausgewählt werden. GAUSEMEIER schlägt dazu ein
Portfolio vor, dass von den beiden Achsen Eintrittswahrscheinlichkeit und Stärke der
Auswirkung aufgespannt wird. Die Bewertungen können durch das Szenario-
Projektteam in Workshops eingeschätzt werden. Szenarien mit einer hohen Wahrschein-
lichkeit und gleichzeitig hohen Auswirkungen auf das eigene Unternehmen haben eine
hohe Bedeutung für die Strategieentwicklung. Das Referenzszenario ist typischerweise
in diesem Bereich zu finden. In diesem Zusammenhang sollten auch Indikatoren für ein
Prämissen- Controlling ausgewählt werden [GPW09, S. 95ff.].
Neben der Auswahl des Referenzszenarios werden die Szenarien im Szenario-Transfer
einer Auswirkungsanalyse unterzogen. Dabei werden systematisch die Auswirkungen
der Szenarien auf das Gestaltungsfeld, also üblicherweise auf das Unternehmen, analy-
siert. Resultat einer Betrachtung von Chancen und Gefahren ist in der Regel eine strate-
gische Stoßrichtung je Szenario für das Unternehmen [GPW09, S. 95ff.], [KGL12].
Stand der Technik Seite 59
Bewertung:
Die Szenario-Technik ist ein mächtiges Werkzeug für die Phase Vorausschau. Sie un-
terstützt auf einem systematischen Weg, alternative Zukunftsbilder zu entwickeln. Die
Tauglichkeit der Methode ist im Rahmen unzähliger Industrieprojekte bewiesen. Zudem
zeigt eine Analyse von GAUSEMEIER ET AL. von Szenario-Projekten, deren Zukunftsho-
rizont mittlerweile in der Gegenwart liegen, dass in den meisten Fällen eines der vo-
rausgedachten Szenarien eingetreten ist [GLR09, S. 10ff.]. Es fehlt allerdings die Anti-
zipation des Verhaltens von Stakeholdern in den Zukunftsbildern.
3.2.2 Delphi-Methode
Delphi-Befragungen zielen darauf ab, ein breites Spektrum unterschiedlicher Experten-
meinungen zu einer bestimmten Fragestellung einzuholen. Grundsätzlich kann die Del-
phi-Methode für zwei Anwendungsbereiche verwendet werden. Als Kreativitätstechnik
im Bereich der Ideenfindung oder im Bereich der Vorausschau, um beispielsweise Zu-
kunftsprojektionen im Rahmen der Szenario-Technik (vgl. Kapitel 3.2.1) zu ermitteln.
Das Vorgehen im Rahmen der Delphi-Methode gliedert sich in der Regel in drei Phasen
(vgl. Bild 3-16), die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Bild 3-16: Prinzipielles Vorgehen bei der Delphi-Methode [GPW09, S. 106]
Vorbereitung: In der Delphi-Vorbereitung ist zunächst festzulegen, welche Art von
Befragung durchgeführt werden soll. Die eine Variante ist, Thesen aufzustellen. Ein
Beispiel für eine These ist: „Telemedizin wird in Deutschland flächendeckend einge-
setzt“. Die Experten sollen einschätzen, ob und wann diese These für Deutschland zu-
trifft. Die zweite Variante von Delphi-Befragungen ist die Formulierung von Fragen,
die es zu beantworten gilt. Ein Beispiel für eine Frage ist: Welche Bedeutung hat die
Telemedizin für die Patientenversorgungskette im Jahr 2025?“ Die Experten sollen die
Experten befragen
Thesen/Fragen
formulieren
Expertenkollektiv
bestimmen
Experten befragen
Antworten sammeln,
aufbereiten
Vorbereitung
1. Runde 2. Runde
Grundprinzip:
Vorteil:
Nachteil:
Meinungen sammeln und die Mitglieder
des Kollektivs damit konfrontieren.
Konsolidierung des Meinungsbildes
Das Kollektiv „schmort im eigenen Saft“,
es gibt keine grundlegend neuen
Erkenntnisse.
Antworten sammeln,
aufbereiten
Seite 60 Kapitel 3
Bedeutung für die Bereiche Prävention, Diagnose, Therapie und Rehabilitation abschät-
zen. Ist die Entscheidung für eine der beiden Varianten getroffen, ist ein geeignetes Ex-
pertenkollektiv festzulegen.
1. Runde: In dieser Phase wird das zuvor bestimmte Expertenkollektiv mit den The-
sen/Fragen konfrontiert. Die Befragung kann dabei postalisch, in einer Online-
Befragung17 oder auch während eines persönlichen Interviews erfolgen
[GPW09, S. 105]. Wird die Interviewform gewählt, so werden die Experten i. d. R. al-
leine befragt. Ist die Befragung der ersten Runde abgeschlossen, sind die Antworten
einzusammeln und aufzubereiten.
2. Runde: In der zweiten Runde wird das gleiche Expertenkollektiv mit der Meinung
des Expertenkollektivs konfrontiert. Die Experten sollen mit Kenntnis der Kollektiv-
meinung ihre eigene Bewertung erneuern. Dabei kann die eigene Meinung bekräftigt,
modifiziert oder revidiert werden [GPW09, S. 106].
Grundsätzlich sind noch weitere Befragungsrunden möglich, um das Meinungsbild des
Expertenkollektivs zu schärfen. Mehr als zwei Runden sind aber i. d. R. aus Zeitgrün-
den nicht sinnvoll und das Expertenkollektiv sollte nicht zu sehr beansprucht werden.
Bewertung:
Die Delphi-Methode ist eine sehr bewährte Methode, um die Meinung vieler geogra-
phisch verteilter Experten einzuholen. Ein weiterer Vorteil, im Gegensatz zu beispiels-
weise Experten-Workshops, ist die gleichberechtigte und unbeeinflusste Meinungsbil-
dung der Teilnehmer. In Workshops kristallisieren sich oft sogenannte Meinungsführer
heraus, die die Ergebnisse dieser Treffen nachhaltig prägen. Eine wesentliche Schwäche
der Methode ist trotzdem, dass die Experten oft die vorherrschende Meinung zu zukünf-
tigen Entwicklungen wiedergeben [GPW09, S. 106]. Im Rahmen dieser Arbeit ist die
systematische Einbindung von Experten bei Meinungsbildungsprozessen von großer
Bedeutung.
17 Im Rahmen einer Online-Befragung besteht die Möglichkeit, nach Beantwortung einer Frage durch
einen Experten diesen unmittelbar mit dem bisher erreichten Stand der Kollektivmeinung zu konfron-
tieren. Der Experte hat danach sofort die Möglichkeit, seine Bewertung zu erneuern. Dieses Vorgehen
beschleunigt den Prozess für den Befragten (eine 2. Runde ist nicht mehrtig) und der Fragende er-
hält schneller ein Gesamtergebnis.
Stand der Technik Seite 61
3.2.3 Trendanalyse
Ziel der Trendanalyse sind Handlungsoptionen für ein Unternehmen, die aus Trends
abgeleitet werden können. Die Trendanalyse gliedert sich nach GAUSEMEIER ET AL. in
vier Phasen (vgl. Bild 3-17), die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Bild 3-17: Phasenmodell der Trendanalyse nach GAUSEMEIER ET AL. [GPW09, S. 114f.]
Beschreibung von Trends: In der ersten Phase sind Trends zu identifizieren, die für
das betrachtete Unternehmen relevant sind. Hierzu können Ergebnisse aus der Trendfor-
schung einfließen. Weitere Informationsquellen sind das Internet, Studien, Tagungen,
Geschäftsberichte und Patentanmeldungen [GPW09, S. 114]. Die ermittelten Trends
sind prägnant zu beschreiben und ggf. in Form von Steckbriefen aufzubereiten.
Bestimmung eines Rankings der Trends: In der zweiten Phase ist die Eintrittswahr-
scheinlichkeit und die Auswirkung der einzelnen Trends auf das Unternehmen zu bewer-
ten. Die Ergebnisse dieser Bewertung werden anschließend in einem Trendportfolio
visualisiert, wie in Bild 3-18 dargestellt. Alternativ kann das Ranking auch mit einfa-
chen Bewertungsverfahren wie dem paarweisen Vergleich (Relevanzanalyse) ermittelt
werden [GPW09, S. 114f.].
Trendbeschreibung
Trendportfolio,
Ranking der Trends
Chancen und Gefahren
Handlungsoptionen
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Beschreibung von
Trends
Identifi kation relevanter Trends (Markt und
Umfeld des Unternehmens)
Prägnante Beschreibung der Trends (ggf.
Aufbereitung in Form von Steckbriefen)
Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit und
der Auswirkung der Trends auf das
Unternehmen
Visualisierung der Ergebnisse in einem
Trendportfolio
Alternativ: Ermittlung des Rankings in einem
paarweisen Vergleich (Relevanzanalyse)
Ermittlung der resultierenden Chancen und
Gefahren für das Unternehmen
Ableitung von Handlungsoptionen aus den
Chancen und Gefahren
2
Bestimmung eines
Rankings der Trends
Ermittlung von Chancen
und Gefahren
Ableitung von
Handlungsoptionen
1
3
4
Seite 62 Kapitel 3
Bild 3-18: Trendportfolio [GPW09, S. 115]
Ermittlung von Chancen und Gefahren: Nachdem die relevanten Trends für das Un-
ternehmen ermittelt sind, sind aus diesen Chancen und Gefahren für das Geschäft des
Unternehmens abzuleiten [GPW09, S. 115].
Ableitung von Handlungsoptionen: Aus den ermittelten Chancen und Gefahren für
das Geschäft des Unternehmens sind in der letzten Phase Handlungsoptionen abzulei-
ten. Erkannte Chancen sind zu nutzen und aufkommende Gefahren zu meiden
[GPW09, S. 115].
Bewertung:
Die Trendanalyse ist ein pragmatisches und leicht anzuwendendes Instrument, um
Chancen und Gefahren für das zukünftige Geschäft zu identifizieren. Eine große Her-
ausforderung ist die zuverlässige Ermittlung geschäftsrelevanter Trends
[GPW09, S. 116]. Für das in der vorliegenden Arbeit zu entwickelnde Verfahren ist vor
allem die Bewertung der zukünftigen Attraktivität von Marktsegmenten von hoher Re-
levanz.
Eintritts-
wahrscheinlichkeit
Auswirkungen auf das
Unternehmen
gering
gering
hoch
stark
Auf überraschende
Trends („wild cards“)
vorbereitet sein.
Reaktive Eventualpläne, um
im Fall des eher unerwarteten
Eintreffens Chancen zu nutzen
bzw. Risiken abwenden zu
können; Einsatzfeld für stra-
tegische Frühaufklärung.
Trends sofort anpacken.
Dies ist der wichtigste und sensibelste
Bereich des Portfolios. Chancen
müssen energisch genutzt und Risiken
konsequent umgangen werden. Wenn
die Trendentwicklungen weiter in der
Zukunft liegen, so ist hier eine
präventive Planung notwendig, mit
der sich das Unternehmen auf die
Entwicklung vorbereitet.
Trends proaktiv aufgreifen.
Diese Trends sind für das Unter-
nehmen von großer Bedeutung –
gleichzeitig ist nicht klar, ob sie
wirklich eintreten werden. Aufgrund
der hohen Bedeutung sollte sich das
Unternehmen intensiv mit diesen
Trends befassen und deren mög-
liches Eintreten beobachten bzw.
es ggf. sogar selbst beeinflussen.
Keine Ressourcen
unnötig binden.
Trends sollten nicht
im Mittelpunkt der
Planungen stehen
Trends beobachten.
Dies ist die „Grauzone“
des Portfolios. Zur Zeit
stehen diese Trends nicht
im Mittelpunkt – aber da
sie sich in mehrere
Richtungen entwickeln
können, sollten sie sehr
genau beobachtet werden.
Trends beobachten
und integrieren.
Entsprechende Trends
haben nur eine geringe
Auswirkung auf das Unter-
nehmen. Aufgrund ihrer
hohen Wahrscheinlichkeit
sollten sie beobachtet und
in laufende Planungen
eingebunden werden.
0 %
5
4,5
4
3,5
3
2,5
2
1,5
1
10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 90 % 100 %
IIIIII
IV
V
VI
G
B
IH
A
J
C
F
E
D
Stand der Technik Seite 63
3.3 Ansätze der Phase Strategieentwicklung
In diesem Kapitel werden Ansätze der Phase Strategieentwicklung vorgestellt. Eine
wesentliche Anforderung an die zuvor diskutierte Phase Vorausschau war die Berück-
sichtigung alternativer Entwicklungsmöglichkeiten (vgl. Kapitel 2.5.2 und Kapi-
tel 3.2.1). Daher ist es notwendig, diese alternativen Entwicklungsmöglichkeiten bei der
Strategieentwicklung zu berücksichtigen. Aus diesem Grund liegt der Schwerpunkt der
folgenden Ansätze bei solchen, die explizit alternative Entwicklungsmöglichkeiten in
die Strategieentwicklung integrieren.
3.3.1 Ansätze zur Planung und Entwicklung von Diversifikations-
strategien
Im Folgenden werden zwei Verfahren vorgestellt, die sich explizit mit der Entwicklung
von Diversifikationsstrategien auseinander setzen. Die Ansätze entstammen der Be-
triebswirtschaftslehre und fokussieren daher Finanz- und Rentabilitätskennzahlen.
3.3.1.1 Entwicklung von Diversifikationsstrategien nach GANZ
Ziel des Ansatzes von GANZ ist eine Liste von Akquisitionskandidaten, die eine Diversi-
fikation vom Kerngeschäft eines Unternehmens erlauben. Das Vorgehen gliedert sich
gemäß Bild 3-19 in fünf Phasen, die kurz vorgestellt werden.
Restrukturierung des Unternehmens: In der ersten Phase sind die im Unternehmen
eingesetzten Ressourcen zu ermitteln. Dies dient der Suche nach Kosteneinsparpotentia-
len im Unternehmen. Werden Potentiale identifiziert, sind konkrete Maßnahmen zur
Hebung dieser Potentiale zu definieren. Weiterhin sind die Geschäftsbereiche auf die
Strategiekonformität zum Gesamtunternehmen hin zu prüfen. Geschäftsbereiche, die
nicht den Langfristzielen entsprechen, sind nach GANZ zu veräußern (Divestition)
[Gan92, S. 25].
Ermittlung der strategischen Positionierung: In der zweiten Phase sind zunächst die
Geschäftsbereiche voneinander abzugrenzen. Für jeden Geschäftsbereich sind Wertfak-
toren wie Umsatz, Gewinn etc. und deren zukünftige Entwicklung abzuschätzen. Somit
kann nach GANZ eine Messlatte“ definiert werden, um den Unternehmenswert vor und
nach der Umsetzung der Diversifikationsstrategie bestimmen zu können. Die Werte für
die einzelnen Geschäftsbereiche werden danach aggregiert, um einen Gesamtwert für
das Unternehmen fixieren zu können [Gan92, S. 26f.].
Seite 64 Kapitel 3
Bild 3-19: Vorgehensmodell zur Entwicklung einer Diversifikationsstrategie nach
Ganz [Gan92, S. 25ff.]
Stärkung des Kerngeschäfts: Hier gilt es, die Geschäftsbereiche hinsichtlich der stra-
tegischen Ausrichtung zu bewerten und mit der Kernbildungspolitik des Unternehmens
abzugleichen. Anschließend ist das Kerngeschäft des Unternehmens zu definieren.
I. d. R. ist dies der Geschäftsbereich mit dem größten Anteil am Gesamtumsatz des Un-
ternehmens. Das Kerngeschäft ist mit einer strategischen Zuordnungsmatrix weiter zu
analysieren. Dies erfolgt mit den Kriterien strategische Attraktivität des Portfolios und
der operativen Effektivität. Gemäß Bild 3-20 ergeben sich zwei Normstrategien. Entwe-
der bietet sich eine konglomerate Diversifikation im Fall „A“ oder eine horizontale Di-
versifikation im Fall „B“ an. Im Fall „A“ ist es um das Kerngeschäft des Unternehmens
nicht gut bestellt. Hier sind Geschäftsbereiche aufzubauen, die keinen Bezug mehr zum
Kerngeschäft haben. Der Fall „B“ beschreibt ein Kerngeschäft, das zwar operativ gut
geführt ist, aber eine mangelnde strategische Attraktivität aufweist. Hier bietet sich nach
GANZ die Akquisition eines Unternehmens an, das eine schwache operative Effektivität
aufweist, aber in einem attraktiven Markt tätig ist [Gan92, S. 27ff.]. Auf dieser Basis
sind Maßnahmen abzuleiten, die das Kerngeschäft stärken [Gan92, S. 27ff.].
Restrukturierungs-
maßnahmen
Strategische
Positionierung
Maßnahmen zur Stärkung
des Kerngeschäfts
Relevante
Geschäftsfelder
Liste mit
Akquisitionskandidaten
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Restrukturierung des
Unternehmens
Ermittlung und Analyse der Ressourcen
Suche nach Kostensenkungspotentialen
Initiierung von Kostensenkungsmaßnahmen
Aufgabe von Unternehmensbereichen, die
nicht im Einklang mit den Langfristzielen
stehen
Abgrenzung der Geschäftsbereiche
Bewertung der Geschäftsbereiche
Aggregation der Werte
Strategische Bewertung der Geschäfts-
bereiche (Kernbildungspolitik)
Ermittlung des Kerngeschäfts
Strategische Zuordnungsmatrix
Ableitung von Maßnahmen zur Stärkung des
Kerngeschäfts
Festlegung von Verantwortlichkeiten
Defi ntion der Kernpunkte
Festlegung von Akquisitionskriterien
Defi nition relevanter Geschäftsfelder
Finale Festlegung der Akquisitionskriterien
(Return on Investment, Marktrendite, relative
Unternehmensgröße, kulturelle
Integration etc.)
Suche nach Akquisitionskandidaten anhand
der Kriterien
2
Ermittlung der strategi-
schen Positionierung
Stärkung des
Kerngeschäfts
Festlegung eines Diver-
sifi kationsprogramms
Suche geeigneter
Akquisitionskandidaten
1
3
4
5
Stand der Technik Seite 65
Bild 3-20: Überprüfung des Kerngeschäfts nach GANZ [Gan92, S. 29]
Festlegung eines Diversifikationsprogramms: Im ersten Schritt sind Verantwortlich-
keiten festzulegen und die wesentlichen Punkte des Diversifikationsprogramms zu for-
mulieren [Gan92, S. 30]. Dabei ist nach GANZ vor allem der „strategische Kontext“ des
Diversifikationsprogramms zu definieren [Gan92, S. 31]. Auf dieser Basis sind erste
Akquisitionskriterien festzulegen.
Suche geeigneter Akquisitionskandidaten: In der letzten Phase werden geeignete Ak-
quisitionskandidaten für die Umsetzung des Diversifikationsprogramms gesucht. An
dieser Stelle sind die Akquisitionskriterien final festzulegen. Wird eine weitgehend
selbstständige Führung des neuen Bereichs angestrebt, sind nach GANZ finanzielle Kri-
terien wie Return on Investment, Marktrendite oder die relative Unternehmensgröße zu
wählen [Gan92, S. 31]. Bei einer auf Wertsteigerung ausgelegten Diversifikation sind
Kriterien wie Ressourcenallokation, Strategieentwicklung oder kulturelle Kriterien zu
verwenden. Mit diesen Kriterien sind Akquisitionskandidaten zu suchen und zu doku-
mentieren [Gan92, S. 32].
Bewertung:
Das Verfahren nach GANZ beschreibt den gesamten Prozess von der Analyse des Unter-
nehmens bis zu einer konkreten Diversifikationsstrategie. Die Schritte orientieren sich
an betriebswirtschaftlichen Vorgaben (Umsatz, Gewinn etc.). Die einzelnen Phasen des
Verfahrens sind dagegen abstrakt beschrieben. Es werden keine Hinweise gegeben, wie
eine Diversifikationsstrategie konkret zu entwickeln ist und was die wesentlichen Ele-
niedrig hoch
niedrig hoch
Strategische Attraktivität des Portfolios
Operative Effektivität
B
A
Anreiz zu einer
konglomeraten
Diversifikation
Anreiz zu einer
horizontalen
Diversifikation
Seite 66 Kapitel 3
mente der Strategie sind. Auch die beschriebene Suche nach Akquisitionskandidaten ist
sehr generisch.
3.3.1.2 Planung von Diversifikationen nach BÜHNER
Das Verfahren zur Planung von Diversifikationen nach BÜHNER zielt darauf ab, ein
Soll-Konzept einer Diversifikationsstrategie in einem Unternehmen zu implementieren.
Das Verfahren gliedert sich in acht Phasen (vgl. Bild 3-29), die im Folgenden kurz vor-
gestellt werden.
Zielsystem des Unternehmens: Die erste Phase gilt einer Bestandsaufnahme des Un-
ternehmens. Zunächst ist zu definieren, welcher strategischen Kategorie das Unterneh-
men angehört bzw. angehören möchte (Innovator, Niedrigkostenstrategie etc.). Bei der
Definition des Zielsystems sind der Einfluss und die Berücksichtigung von Drittgruppen
(Stakeholdern) zu beachten. Dabei kommt den Ansprüchen der Anteilseigner nach
BÜHNER eine besondere Stellung zu [Büh95, S. 26].
Unternehmensanalyse: Die Unternehmensanalyse ist nach BÜHNER eine wesentliche
Voraussetzung für die Zielformulierung und Strategiebestimmung. Es sind die Stärken
und die Schwächen des Unternehmens oder der Geschäftsfelder zu analysieren und ei-
nander gegenüber zu stellen [Büh95, S. 26].
Umweltanalyse: Neben der Unternehmens- ist auch eine Umweltanalyse durchzufüh-
ren. Dabei sind Chancen und Risiken des Unternehmens (Geschäftsfelder) und die Stel-
lung im Markt zu analysieren [Büh95, S. 26].
Ermittlung des Ist-Konzepts der Diversifikation: In dieser Phase ist zu ermitteln, mit
welchen Marktleistungen welche Märkte bedient werden (beispielsweise in Form einer
Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix). Diese Analyse gibt Auskunft über den Diversi-
fikationsgrads des Unternehmens [Büh95, S. 27].
Strategisches Anspruchsniveau: Die bestehenden unternehmerischen Möglichkeiten
sind zu ermitteln und das damit erreichte Zielniveau zu bestimmen. Danach ist ein Ab-
gleich des Zielniveaus mit der erwarteten Zielerreichung durchzuführen. Nach BÜHNER
lautet die Grundregel:
„Je höher die unternehmerischen Möglichkeiten und je weniger das
Management mit der erwarteten Zielerreichung zufrieden ist, desto
höher ist das strategische Anspruchsniveau.“ [Büh95, S. 27].
Aufdecken strategischer Lücken: Durch einen Abgleich des Anspruchsniveaus mit
dem Zielerreichungsgrad können strategische Lücken aufgedeckt werden. Diese Lücke
ist durch eine bessere Ausnutzung der bestehenden Diversifikationsstrategie im Unter-
nehmen oder durch eine neue Diversifikationsstrategie zu schließen [Büh95, S. 27].
Stand der Technik Seite 67
Bild 3-21: Vorgehensmodell zur Planung von Diversifikationen nach BÜHNER
[Büh95, S. 28]
Mögliche Strategien der Diversifikation: Mit Blick auf die Unternehmens- und Um-
weltanalyse sind alle denkbaren Diversifikationsstrategien aufzulisten. Das strategische
Zielsystem
Stärken-Schwächen-Profi l
Stärken, Schwächen,
Chancen und Risiken
Diversifi kationsgrad
Liste mit
Akquisitionskandidaten
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Zielsystem des
Unternehmens
Festlegung der strategischen Kategorie des
Unternehmens (Innovator, Niedrigkostenstra-
tegie etc.)
Ermittlung von Einfl üssen und Ansprüchen
verschiedener Stakeholder
Bestimmung von Stärken
Ermittlung von Schwächen
Abgleich der Stärken und Schwächen
Erstellung eines Stärken-Schwächen-Profi ls
Analyse Umwelt/Markt
Ableiten von Chancen und Risiken
Ermittlung der Stellung im Markt
Abgleich mit der Unternehmensanalyse
(SWOT-Analyse)
Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix
Analyse des bestehenden Diversifi kationgrads
des Unternehmens
Ermittlung der unternehmerischen Möglich-
keiten
Bestimmung des erreichten Zielniveaus
Abgleich des Zielniveaus mit der erwarteten
Zielerreichung
Ableiten des strategischen Anspruchsniveaus
2
Unternehmensanalyse
Umweltanalyse
Ermittlung des Ist-Kon-
zepts der Diversifi kation
Strategisches
Anspruchsniveau
1
3
4
5
Strategisches
Anspruchsniveau
Strategische Lücken
Diversifi kationsstrategien
Abgleich des Anspruchsniveaus mit dem Ziel-
erreichungsgrad
Aufdecken strategischer Lücken
Aufl istung möglicher Strategien (determiniert
durch die unternehmerischen Möglichkeiten
und der Umwelt)
Abgleich mit Erfahrungswerten ähnlicher
Diversifi kationsmaßnahmen
Erarbeitung eines Soll-Konzepts
Festlegung operativer Zielvereinbarungen und
Maßnahmen
Implementierung des Soll-Konzepts
Prüfung der Zielwirksamkeit der Handlungen
Aufdecken strategischer
Lücken
Mögliche Strategien der
Diversifi kation
Soll-Konzept der
Diversifi kation
6
7
Implementiertes
Soll-Konzept
8
Seite 68 Kapitel 3
Handlungsfeld wird nach BÜHNER zudem durch die bereits gesammelten Erfahrungen
mit ähnlichen Diversifikationsmaßnahmen determiniert [Büh95, S. 27].
Soll-Konzept der Diversifikation: In der letzten Phase ist ein Soll-Konzept für die
Diversifikationsstrategie zu erarbeiten. Es sind dabei operative Zielvereinbarungen und
Maßnahmen festzulegen. Anschließend ist das Soll-Konzept mit den Maßnahmen im
Unternehmen zu implementieren. Dabei ist fortwährend die Zielwirksamkeit der Hand-
lungen zu prüfen [Büh95, S. 27].
Bewertung:
Das Verfahren an sich stellt sehr detailliert dar, wie bei der Entwicklung eines Soll-
Konzepts für eine Diversifikationsstrategie vorzugehen ist. Die wesentlichen Phasen
Analyse und Strategieentwicklung sind enthalten. Die Beschreibung der einzelnen Pha-
sen lässt viel Spielraum, was konkret zu machen ist. Weiterhin ist das Verfahren so an-
gelegt, dass bereits eine Diversifikationsstrategie im Unternehmen verfolgt wird. Eine
Beschreibung, wie eine Diversifikation zu entwickeln ist und was die konkreten Ele-
mente einer solchen Strategie sind fehlen vollständig.
3.3.2 Ansätze zur geschäftsmodell-orientierten Strategieentwicklung
Gerade in den letzten drei Jahren sind einige Methoden und Ansätze zur Entwicklung
von Geschäftsmodellen entstanden. Geschäftsmodelle dienen der Analyse und Gestal-
tung unternehmerischer Geschäftstätigkeiten und stehen in einem Wechselspiel zur Ge-
schäftsstrategie (vgl. Kapitel 2.1.7). Daher werden die folgenden beiden Ansätze der
geschäftsmodell-orientierten Strategieentwicklung zugeordnet.
3.3.2.1 Geschäftsmodellentwicklung nach OSTERWALDER und PIGNEUR
Das Vorgehen von OSTERWALDER und PIGNEUR zielt darauf ab, auf intuitivem Weg
Geschäftsmodellalternativen für ein Unternehmen zu entwickeln. Grundlage ist eine
sogenannte Geschäftsmodell-Canvas, die ein Geschäftsmodell in neun Bausteine18
(engl. Building Blocks, vgl. Bild 3-22) unterteilt. Die folgende Beschreibung orientiert
sich an der Reihenfolge, in der die Bausteine der Canvas nach OSTERWALDER und PIG-
NEUR idealtypisch zu füllen sind:
Kundensegmente: Der Baustein Kundensegmente definiert die verschiedenen
Gruppen von Menschen oder Unternehmen, die das Geschäftsmodell erreichen bzw.
bedienen sollen [OP10, S. 20]. Es sind die Fragen zu beantworten, für wen Wert ge-
schaffen wird und wer die wichtigsten Kunden sind. Beispiele sind der „Massen-
markt (alle chronisch Kranken in Deutschland)“, „Nischenmarkt (alle chronisch
Kranken in Deutschland mit Bruxismus)“ oder „diversifizierter Markt (alle chro-
18 KÖSTER bezeichnet die Bausteine als Geschäftsmodellelemente [Kös14, S. 93], vgl. Kapitel 3.3.2.2.
Stand der Technik Seite 69
nisch Kranken in Deutschland mit Bruxismus unterteilt nach Gesetzlich- und Pri-
vatversicherten)“ [OP10, S. 21].
Bild 3-22: Geschäftsmodell-Canvas nach OSTERWALDER und PIGNEUR [OP10, S. 18f.]
Wertangebot: Das Wertangebot beschreibt das Bündel aus Produkten und Dienst-
leistungen, das Wert für ein bestimmtes Kundensegment schafft [OP10, S. 22]. Es
sind die Fragen zu beantworten, welcher Wert dem Kunden geliefert wird, welches
Kundenproblem durch das Wertangebot gelöst wird, welches Leistungsbündel aus
Kunden-
beziehungen Kunden-
segmente
Wert-
angebot
Schlüssel-
aktivitäten
Schlüssel-
partner
Kanäle
Schlüssel-
ressourcen
Kostenstruktur Einnahmequellen
• Wer sind die
Schlüsselpartner?
• Wer sind die
Schlüsselzulieferer?
• Welche Schlüssel-
ressourcen werden
von welchem Partner
bezogen?
• Welche Schlüssel-
aktivitäten werden von
Partnern erbracht?
• Welche Schlüssel-
aktivitäten benötigt
das Wertangebot?
• Distributionskanäle?
• Kundenbeziehungen?
• Einnahmequellen?
• Welche Schlüssel-
ressourcen benötigt
das Wertangebot?
• Distributionskanäle?
• Kundenbeziehungen?
• Einnahmequellen?
• Welcher Wert wird
dem Kunden geliefert?
• Welches Kunden-
problem wird durch
das Wertangebot
gelöst?
• Welches Leistungs-
bündel aus Produkt
und Dienstleistung
wird den Kundenseg-
menten angeboten?
• Welche Kunden-
wünsche werden
befriedigt?
• Welche Art der
Kundenbeziehung er-
warten die Kunden-
segmente?
• Welche davon sind
bereits etabliert?
• Wie können die Neuen
integriert werden?
• Wie teuer sind diese?
• Für wen wird Wert
geschaffen?
• Wer sind die
wichtigsten Kunden?
• Über welche
Kanäle wollen die
Kundensegmente
bedient werden?
• Erreichung der KS*?
• Integration der Kanäle?
• Welche funktionieren?
• Kosteneffizienz?
• Für welchen Wert sind die Kunden bereit zu zahlen?
• Für welchen Wert wird im Moment gezahlt?
• Wie wird gezahlt?
Auf welche Weise würden die Kunden gerne zahlen?
• Welche Einnahmequelle trägt wie viel zum
Gesamtumsatz bei?
• Was sind die wichtigsten Kosten des
Geschäftsmodells?
• Welche Schlüsselressourcen sind am teuersten?
• Welche Schlüsselaktivitäten sind am teuersten?
* KS: Kundensegmente
Seite 70 Kapitel 3
Produkt und Dienstleistung den Kundensegmenten angeboten wird und welche
Kundenwünsche befriedigt werden. Beispiele sind Neuheitsgrad, Leistung und kun-
denindividuelle Anpassbarkeit [OP10, S. 23].
Kanäle: Die Kanäle beschreiben, wie ein Unternehmen seine Kundensegmente er-
reicht, mit ihnen kommuniziert und das Wertangebot liefert [OP10, S. 26]. Es sind
die Fragen zu beantworten, über welche Kanäle wollen die Kundensegmente bedient
werden, wie die Kundensegmente erreicht werden, wie die Kanäle integriert sind,
welche am besten funktionieren und wie diese kosteneffizient gestaltet werden kön-
nen. Beispiele sind Vertriebsgesellschaften, Online-Stores, eigene Ladenlokale oder
Kaufhausketten [OP10, S. 27].
Kundenbeziehungen: Es wird beschrieben, welche Arten von Beziehungen ein
Unternehmen mit bestimmten Kundensegmenten etabliert [OP10, S. 28]. Es sind die
Fragen zu beantworten, welche Art der Kundenbeziehungen die Kundensegmente
erwarten, welche von diesen Beziehungen bereits etabliert sind, wie die neuen Kun-
denbeziehungen integriert werden können und wie teuer diese sind. Beispiele sind
eine persönliche Hilfestellung, Communities oder das Angebot einer „Hilfe zur
Selbsthilfe“ [OP10, S. 29].
Einnahmequellen: Einnahmequellen stellen den Umsatz dar, den ein Unternehmen
mit den einzelnen Kundensegmenten generiert (Kosten sind davon abzuziehen, um
Gewinn zu erzielen) [OP10, S. 30]. Es sind die Fragen zu beantworten, für welchen
Wert die Kunden bereit sind zu zahlen, für welchen Wert im Moment gezahlt wird,
wie gezahlt wird, auf welche Weise die Kunden gerne zahlen würden und vor allem
welche Einnahmequelle wie viel zum Gesamtumsatz beiträgt. Beispiele sind Pro-
duktverkauf, Nutzungsgebühren, Verleih, Miete oder Leasing [OP10, S. 31].
Schlüsselressourcen: Schlüsselressourcen stellen die wichtigsten Vermögensge-
genstände (materiell und immateriell) eines Unternehmens dar, die das Geschäfts-
modell benötigt [OP10, S. 34], [Sch13, S. 130]. Es sind die Fragen zu beantworten,
welche Schlüsselressourcen, Distributionskanäle, Kundenbeziehungen und Einnah-
mequellen das Wertangebot benötigt. Beispiele sind Produktionsanlagen, Marken,
Patente oder Kreditlinien bei einer Bank [OP10, S. 35].
Schlüsselaktivitäten: Dieser Baustein beschreibt die wichtigsten Dinge, die ein
Unternehmen für das Geschäftsmodell zu machen hat [OP10, S. 36]. Es sind die
Fragen zu beantworten, welche Schlüsselaktivitäten, Distributionskanäle, Kunden-
beziehungen und Einnahmequellen das Wertangebot benötigt. Beispiele sind Pro-
duktion, Problemlösungen für den Kunden oder eine Plattform wie bei eBay oder
Amazon [OP10, S. 37].
Schlüsselpartner: Dieser Baustein beschreibt das Netzwerk an Zulieferern und
Partnern, die für den Erfolg des Geschäftsmodells notwendig sind. OSTERWALDER
und PIGNEUR unterscheiden vier Arten von Partnerschaften: 1) Strategische Allian-
Stand der Technik Seite 71
zen zwischen Nicht-Konkurrenten, 2) Kooperationen (Strategische Allianzen zwi-
schen Konkurrenten), 3) Joint Ventures (um ein neues Geschäft aufzubauen) und 4)
Käufer-Zulieferer-Beziehungen [OP10, S. 38]. Es sind die Fragen zu beantworten,
wer die Schlüsselpartner und Schlüsselzulieferer sind, welche Schlüsselressource
von welchem Partner bezogen wird und welche Schlüsselaktivitäten von Partnern
erbracht werden. Beispiele für Schlüsselpartner sind Lieferanten, Vertriebspartner,
Logistikpartner oder Forschungsinstitutionen [OP10, S. 39].
Kostenstruktur: Die Kostenstruktur beschreibt alle Kosten, die für das Geschäfts-
modell anfallen [OP10, S. 40]. Es sind die Fragen zu beantworten, was die wichtigs-
ten Kostenpositionen im Geschäftsmodell sind, welche Schlüsselressourcen und
Schlüsselaktivitäten am teuersten sind. Beispiele sind Fixkosten und variable Kosten
oder Kostenvorteile (economies of scale oder economies of scope) [OP10, S. 41].
Die Canvas ist nach OSTERWALDER und Pigneur als Plot in einen Geschäftsmodell-
Workshop mitzubringen. Die einzelnen Bausteine sind mit zu beschriftenden „Post its“
zu füllen.
Bewertung:
Die Canvas von OSTERWALDER und PIGNEUR bietet eine gute Struktur, um ein Ge-
schäftsmodell (in einem Workshop) zu beschreiben und daraus eine Strategie abzulei-
ten. Kritisch sind die lediglich vagen Hinweise, wie konkret Ideen für die einzelnen
Bausteine gefunden werden können. Außerdem werden die real existierenden Bezie-
hungen zwischen den einzelnen Bausteinen nur schwer deutlich (Geldflüsse, Informati-
onsflüsse etc.). Eine Bewertung der Konsistenz zwischen den einzelnen Gestaltungsop-
tionen je Baustein fehlt.
3.3.2.2 Geschäftsmodellentwicklung nach KÖSTER
Ziel der Systematik von KÖSTER sind in einem Unternehmen implementierte Ge-
schäftsmodelle. Die Systematik ermöglicht die Entwicklung alternativer Geschäftsmo-
delle, die anhand der Kriterien Strategiekonformität, Wettbewerbsfähigkeit und Zu-
kunftsrobustheit bewertet und damit ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell ausge-
wählt wird [Kös14, S. 84]. Das Vorgehensmodell zur Entwicklung von Geschäftsmo-
dellen nach KÖSTER ist in Bild 3-23 dargestellt und gliedert sich in acht Phasen.
Geschäftsidee ermitteln: In der ersten Phase der Systematik werden auf Nutzenpoten-
tialen beruhende Geschäftsideen entwickelt [Kös14, S. 84ff.]. Zur Bewertung und Se-
lektion der Geschäftsideen wird eine Chancen-Risiken-Analyse durchgeführt. Für die
Ermittlung der Chancen bewertet KÖSTER die Kriterien messbarer Kundennutzen, po-
tentieller Markt und Differenzierungsmerkmale. Das Risiko wird mit den Kriterien
Konkurrenz zu heutigen Kunden, Umstellungsaufwand für Kunden, Eintrittsbarrieren
für das betrachtete Unternehmen und Wettbewerbsintensität bestimmt [Kös14, S. 91].
Als Ergebnis dieser Phase liegt eine ausgewählte Geschäftsidee vor.
Seite 72 Kapitel 3
Bild 3-23: Vorgehensmodell zur Entwicklung von Geschäftsmodellen in der Pro-
duktentstehung nach KÖSTER [Kös14, S. 82]
Handlungsfelder analysieren: Hier gilt es, einen Geschäftsmodellrahmen durch die
Partialmodelle Angebotsmodell, Kundenmodell, Wertschöpfungsmodell und Finanzmo-
Ausgewählte
Geschäftsidee
Geschäftsmodellrahmen,
1. Variablenkatalog
Dominante
Geschäftslogik
Zukünftige
Geschäftslogik
Vollständiger
Variablenkatalog
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Geschäftsidee ermitteln
Suchfeld und Ziele defi nieren
Potentiale analysieren
Geschäftsideen fi nden
Geschäftsideen selektieren
Geschäftsmodellrahmen defi nieren
Geschäftsmodellvariablen und
Gestaltungsoptionen ermitteln
Variablenkatalog zusammenstellen
Relevante Wettbewerber festlegen
Geschäftsmodelle der Wettbewerber ermitteln
Wettbewerbersteckbriefe erstellen
Variablenkatalog erweitern
Stakeholder analysieren
Wettbewerbsbedingungen analysieren
Variablenkatalog erweitern
Informationsquellen identifi zieren
Produkt- und Produktionssystem analysieren
Partialmodelle erarbeiten
Variablenkatalog vervollständigen
2
Handlungsfelder
analysieren
Wettbewerbsarena
analysieren
Umfeld analysieren
Geschäftsidee
analysieren
1
3
4
5
Idealtypische
Geschäftsmodell-
alternativen
Paarweise Konsistenz der
Gestaltungsoptionen bewerten
Finanzmodell je Geschäftsmodell ermitteln
Geschäftsmodellalternativen visualisieren
Geschäftsmodell-
alternativen bilden
6
Ausgewähltes
Geschäftsmodell
Strategiekonformität bewerten
Wettbewerbsfähigkeit bewerten
Zukunftsrobustheit bewerten
Geschäftsmodellalternative auswählen
Geschäftsmodell-
alternativen bewerten
7
Geschäftsmodell-
Roadbook
Anforderungen defi nieren
Maßnahmen ableiten
Rangfolge bilden
Geschäftsmodell-Roadbook erstellen
Implementierung planen
8
Stand der Technik Seite 73
dell zu konkretisieren. Die Partialmodelle werden wie in Bild 3-24 gezeigt in Ge-
schäftsmodellelemente (beispielsweise Kundensegmente im Partialmodell Angebots-
modell) unterteilt, die im Wesentlichen den Bausteinen eines Geschäftsmodells nach
OSTERWALDER und PIGNEUR entsprechen [OP10, S. 16f.] (vgl. Kapitel 3.3.2.1). KÖSTER
erweitert die neun Bausteine (engl. Building Blocks) von OSTERWALDER und PIGNEUR
um die Geschäftsmodellelemente Marktleistung und Organisationsform. Die Ge-
schäftsmodellelemente dienen als Suchfelder für die Ermittlung von Geschäftsmodell-
variablen (beispielsweise „Altersgruppe“ im Geschäftsmodellelement Kundensegmen-
te) und alternativer Gestaltungsoptionen (beispielsweise „Kind“, „Jugendlicher“, „Er-
wachsener“ und „Senior“ für die Geschäftsmodellvariable Altersgruppe). Alle Ergeb-
nisse dieser Phase werden in einem ersten Variablenkatalog dokumentiert
[Kös14, S. 92ff.].
Bild 3-24: Geschäftsmodellrahmen nach KÖSTER [Kös14, S. 93]
Wettbewerbsarena analysieren: In dieser Phase werden die Geschäftsmodelle der
Wettbewerber analysiert. Dabei können neue Geschäftsmodellvariablen und Gestal-
tungsoptionen identifiziert werden. Mit den neuen Geschäftsmodellvariablen und Ge-
staltungsoptionen ist der bestehende Variablenkatalog zu erweitern. Die eigentliche
Analyse der Wettbewerber erfolgt zunächst in Steckbriefen, mit deren Hilfe eine Aus-
prägungsliste der Geschäftsmodelle erstellt wird [Kös14, S. 102f.]. Das Vorgehen äh-
nelt der Bewertung der Wettbewerber beim Verfahren VITOSTRA® nach BÄTZEL
[Bät04, S. 116ff.] (vgl. Kapitel 3.3.3.1). Resultat der Phase ist die dominante Geschäfts-
logik der analysierten Wettbewerbsarena.
Umfeld analysieren: Diese Phase beginnt mit einer Stakeholder-Analyse. Nach KÖS-
TER ist ein Geschäftsmodell auf die Bedürfnisse und Anforderungen verschiedener Sta-
keholder auszurichten. Weiterhin werden Trends ermittelt. Diese Trends können auf
Angebotsmodell Kundenmodell Wertschöpfungs-
modell Finanzmodell
Kundensegmente
(KS)
Nutzenversprechen
(NV)
Marktleistung
(ML)
Erlöskonzept
(EK)
Kundenbeziehungen
(KB)
Marketingkanäle
(MK)
Schlüsselpartner
(SP)
Organisationsform
(OF)
Schlüsselaktivitäten
(SA)
Schlüsselressourcen
(SR)
Kostenstruktur
(K$)
Seite 74 Kapitel 3
zukünftige Geschäftsmodellvariablen bzw. Gestaltungsoptionen hindeuten. Auch hier
dient die Analyse der Erweiterung des Variablenkatalogs. Resultat der Phase ist die zu-
künftige Geschäftslogik des Zielmarktes [Kös14, S. 104ff.].
Geschäftsidee analysieren: Ziel dieser Phase sind auf die vorliegende Geschäftsidee
zugeschnittene Gestaltungsoptionen für alle Geschäftsmodellvariablen. In den Phasen
zuvor sind Gestaltungsoptionen am „Rande“ immer mit ermittelt und dokumentiert
worden. Hier gilt es nun, für alle Geschäftsmodellvariablen alternative Gestaltungsopti-
onen zu entwickeln. Vor allem ist nach KÖSTER das Produkt- und Produktionssystem zu
analysieren. Als Resultat liegt ein vollständiger Variablenkatalog vor [Kös14, S. 111ff.].
Geschäftsmodellalternativen bilden: Mit Hilfe einer paarweisen Konsistenzbewertung
werden die einzelnen Gestaltungsoptionen paarweise auf ihre Verträglichkeit hin über-
prüft. Diese paarweise Konsistenzbewertung erfolgt in einer Konsistenzmatrix, wie sie
auch in der Szenario-Technik oder VITOSTRA® eingesetzt wird (vgl. Kapitel 3.3.3.1,
Bild 3-27). Ergebnis dieser Phase sind idealtypische Geschäftsmodellalternativen, die
mit Hilfe des Geschäftsmodellrahmens (vgl. Bild 3-24) visualisiert werden
[Kös14, S. 124ff.].
Geschäftsmodellalternativen bewerten: Anhand der Kriterien Strategiekonformität,
Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsrobustheit wird in dieser Phase ein Erfolg verspre-
chendes Geschäftsmodell für die weitere Betrachtung ausgewählt [Kös14, S. 131ff.].
Implementierung planen: In der letzten Phase der Systematik sind im Wesentlichen
Anforderungen an die Umsetzung des Geschäftsmodells und Maßnahmen abzuleiten.
Diese Maßnahmen sind in eine zeitlich sinnvolle Reinfolge zu bringen. In Anlehnung an
WENZELMANN19 [Wen09, S. 140f.] schlägt KÖSTER ein Geschäftsmodell-Roadbook für
die Strukturierung der Maßnahmen vor. Das Roadbook spezifiziert die Schritte und
Meilensteine für die Umsetzung über einen definierten Zeitraum [Kös14, S. 135ff.].
Bewertung:
Die Systematik von KÖSTER ermöglicht auf strukturierte Weise, alternative Geschäfts-
modelle zu entwickeln. Die Struktur des Geschäftsmodellrahmens ist von OSTERWAL-
DER und PIGNEUR adaptiert (vgl. Kapitel 3.3.2.1). Die Schwächen des Vorgehens von
OSTERWALDER und PIGNEUR werden aufgegriffen und verbessert. Zudem werden kon-
krete Hinweise gegeben, wo und wie Geschäftsmodellvariablen und Gestaltungsoptio-
nen ermittelt werden können. Das Vorgehen bietet eine sehr gute Grundlage für die
Analyse der Geschäftslogik und die Entwicklung alternativer Geschäftsmodelle, auf
deren Basis Diversifikationsstrategien zu entwickeln sind.
19 WENZELMANN schlägt ein Strategie-Roadbook zur strukturierten Umsetzung einer Strategie vor
[Wen09, S. 141].
Stand der Technik Seite 75
3.3.3 Allgemeine Ansätze zur Strategieentwicklung
Im Folgenden Kapitel werden allgemeine Ansätze zur Strategieentwicklung vorgestellt.
Wie das Kapitel 3.3.1 gezeigt hat, gibt es nur wenige Ansätze, die sich konkret mit der
Diversifikationsstrategieentwicklung auseinander setzen. Diese allgemeinen Ansätze
fußen z. T. auf alternativen Szenarien.
3.3.3.1 VITOSTRA® Verfahren zur Entwicklung von konsistenten Strategie-
optionen
Das von BÄTZEL entwickelte Verfahren VITOSTRA® (Verfahren zur Entwicklung in-
telligenter technologieorientierter Geschäftsstrategien) ermöglicht auf diskursivem
Weg, konsistente Strategien zu entwickeln [Bät04, S. 93ff.]. Bild 3-25 zeigt die wesent-
lichen Schritte des Verfahrens. Anhand eines Unternehmens, das hochwertige Trans-
portbehälter herstellt, werden die fünf Phasen beschrieben [GPW09, S. 199].
Bild 3-25: Vorgehen zur Entwicklung und Auswahl von Strategievarianten mit
VITOSTRA® nach BÄTZEL [Bät04, S. 94], [GPW09, S. 199]
Defi nierte
Wettbewerbsarena
Handlungsoptionen
zur Gestaltung
einer Strategie
Konsistente
Strategievarianten
Positionierung
der Unternehmen
der Branche
Erfolgspotentiale
der Strategievarianten
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Geschäftsdefi ntion Freiheitsgrade für mögliche Handlungs-
optionen festlegen
Strategische Variablen identifi zieren
Mögliche alternative Ausprägungen je Variable
ermitteln
Ausprägungen paarweise auf Verträglichkeit
bewerten
Konsistente Strategievarianten berechnen
Momentan verfolgte Strategien in der Branche
ermitteln
Aufwand für den Wechsel zu anderen
Strategien bewerten
Erreichbarkeit und
Attraktivität der Strategievarianten bestimmen
2
Analyse
strategischer Optionen
Konsistenzanalyse
Branchenanalyse
Bewertung
der Strategievarianten
1
3
4
5
Seite 76 Kapitel 3
Geschäftsdefinition: Die Geschäftsdefinition beschreibt den Bereich, in dem sich das
Unternehmen positionieren kann und welche Unternehmen als Konkurrenten angesehen
werden können. Das ergibt die Wettbewerbsarena [Bät04, S. 96]. In dem Transportbe-
hälterbeispiel wird die Definition „Wir sind ein Anbieter von Mehrwegbehältern“ fest-
gelegt. Nach BÄTZEL ist bei der Geschäftsdefinition darauf zu achten, diese nicht zu eng
zu wählen. Dies führt zwar zu Strategiealternativen, die vom Unternehmen leichter um-
zusetzen sind, aber weniger innovativ sind [Bät04, S. 99].
Analyse strategischer Optionen: In dieser Phase erfolgt die systematische Ermittlung
der strategischen Variablen. Dies sind Hebel, mit denen sich ein Unternehmen strate-
gisch positionieren kann. Ein Unternehmen findet strategische Variablen beispielsweise
in den drei Suchbereichen „Wer“ (Wer sind die Kunden?), „Was“ (Was für Marktleis-
tungen können angeboten werden?) und „Wie“ (Wie kann die Befriedigung der Kun-
denbedürfnisse erfolgen?) nach MARKIDES [Mar01, S. 13ff.]. Für jede dieser strategi-
schen Variablen bieten sich alternative Ausprägungen an. Bezüglich der Fertigungstiefe
kann sich ein Unternehmen z. B. für eine hohe oder für eine geringe Fertigungstiefe
entscheiden [GPW09, S. 199], [GLS09]. Es sind vor allem Ausprägungen aufzudecken,
die neuartig sind und noch von keinem Konkurrenten in dieser Form gewählt wurden.
In Bild 3-26 sind mögliche strategische Variablen für den Bereich „Wie“ dargestellt
[Bät04, S. 100ff.], [GPW09, S. 200f.].
Bild 3-26: Strategische Variablen im Bereich „Wie“ [GPW09, S. 205]
Konsistenzanalyse: Die Konsistenzanalyse liefert diejenigen Kombinationen von Aus-
prägungen der strategischen Variablen, die in einer Geschäftsstrategie gut zusammen
passen. Voraussetzung dafür ist die paarweise Bewertung der Ausprägungen in einer
Konsistenzmatrix auf einer Skala von „1“ bis „5“ (vgl. Bild 3-27): Zwei Handlungsop-
tionen werden mit einer „1“ bewertet, wenn sie sich gegenseitig ausschließen und des-
halb nicht gemeinsam in einer Strategie auftreten sollten. Die Bewertung mit einer „5
Strategische
Variable
Alternative Ausprägungen
Fertigungstiefe A Möglichst hoher Eigenfertigungsanteil
B Mittlerer Eigenfertigungsanteil/Systemlieferanten
C Geringer bis kein Eigenfertigungsanteil
Fertigungsart A Keine eigene Fertigung
B Einzelfertigung
C Serienfertigung
D Massenfertigung
Distributionsweg A Anonymer Vertrieb (z. B. Internet)
B Direktvertrieb
C Direktvertrieb und Vertretungen
D Vertretungen
Pre-Sales-Support A Keine Beratung
B Telefonische Beratung
C Beratung vor Ort
Strategische
Variable
Die Ausprägungen entsprechen
den Projektionen der Szenario-
Technik. Sie sind präzise zu be-
schreiben und ggf. zu begründen.
Stand der Technik Seite 77
erfolgt, wenn sich zwei Handlungsoptionen gegenseitig unterstützen und deshalb in
einer Strategie besonders gut zusammenpassen. Die Handlungsoption, keine Beratung
beim Verkauf der Produkte anbieten zu müssen, passt beispielsweise sehr gut mit der
Handlungsoption zusammen, die Produkte ausschließlich anonym – beispielsweise über
das Internet – zu vertreiben. Die Bewertung erfolgt daher mit einer „5“
[Bät04, S. 109ff.], [GPW09, S. 206f.].
Bild 3-27: Beispiel einer Konsistenzmatrix [GPW09, S. 206]
Die Auswertung der Konsistenzmatrix (die sogenannte Konsistenzanalyse) erfolgt
durch die Szenario-Software20. Sie generiert eine Liste mit hochkonsistenten Kombina-
tionen von Ausprägungen der strategischen Variablen, wobei von jeder strategischen
Variablen genau eine Ausprägung in der Kombination auftritt. Anschließend werden
mit der Methode Clusteranalyse ähnliche Kombinationen zusammengefasst. Als Ergeb-
nis liegen ideale Strategievarianten vor. Das Ergebnis der Clusteranalyse wird mit Hilfe
der multidimensionalen Skalierung (MDS) dargestellt. Jedes Cluster steht also für eine
Gruppe von gleichartigen Strategievarianten (Strategien I – IX, Bild 3-28)
[Bät04, S. 112], [GPW09, S. 207].
Branchenanalyse: Zunächst wird überprüft, ob die verfolgte Strategie des betrachteten
Unternehmens bereits mit einer der ermittelten Idealstrategien übereinstimmt. Ist dies
20 Die Szenario-Software (www.szenario-software.de) ist eine vom Heinz Nixdorf Institut und der Un-
ternehmensberatung UNITY AG entwickelte Software zur Erstellung von Szenarien.
Seite 78 Kapitel 3
der Fall, ist zwar sichergestellt, dass die bisherige Positionierung im Wettbewerb kon-
sistent ist, es bleibt aber die Frage offen, ob nicht andere Strategievarianten existieren,
die ein höheres Erfolgspotential besitzen. Falls die bisher verfolgte Strategie des be-
trachteten Unternehmens nicht mit einer ermittelten Idealstrategie übereinstimmt, wird
sie auf Inkonsistenzen überprüft. Für die Bewertung der einzelnen Strategievarianten
sind zwei Fragen zu beantworten: Wie schwierig ist es für das betrachtete Unternehmen,
von der derzeitigen Strategie zu einer idealen Strategie zu wechseln? Und wie weit sind
die Konkurrenten von den idealen Strategien entfernt? Die Antwort auf die zweite Frage
ist wichtig, um die Attraktivität einer Strategievariante abzuschätzen. Denn je weniger
Konkurrenten eine Idealstrategie verfolgen und je schwieriger es für sie ist, diese zu
erreichen, desto attraktiver ist diese für das betrachtete Unternehmen [Bät04, S. 116ff.],
[GPW09, S. 208ff.].
Die Ergebnisse der geschilderten Branchenanalyse und der Aufwandsbewertung werden
mit Hilfe einer multidimensionalen Skalierung dargestellt (vgl. Bild 3-28). Dabei wer-
den die Strategien so auf einer Ebene angeordnet, dass die folgende Bedingung mög-
lichst gut erfüllt ist: Je höher der Aufwand ist, von einer Strategie zu einer anderen zu
wechseln, desto weiter sollen sie auseinander liegen.
Bild 3-28: Positionierung der Konkurrenten und des betrachteten Unternehmens dar-
gestellt mit einer multidimensionalen Skalierung (MDS) [Bät04, S. 124],
[GPW09, S. 211]
K1
Konsistente
Handlungsmuster
(ideale Strategie)
Strategie des
betrachteten
Unternehmens
Strategien der
Konkurrenten
IX
IV
VII
K4
K5
K7
K8 K9
II
K6
VI
V
K2
K3
III VIII
K11
K16
K18
Betrachtetes
Unternehmen (U)
K12
K10
K13
K14
K15
K17 I
Ergebnisse:
Das betrachtete Unternehmen ist
nicht optimal positioniert
Strategie II ist am einfachsten
umzusetzen
Aktueller Konkurrent ist K7
Strategie I ist hart umkämpft
Strategie VI ist nicht besetzt,
aber schwer zu erreichen
Strategische Gruppe:
Unternehmen, die ähnliche
Wettbewerbsstrategien
verfolgen
K9
Stand der Technik Seite 79
Bewertung der Strategievarianten: Die Basis für diesen Schritt bilden die konsisten-
ten Strategievarianten sowie die momentan verfolgten Strategien des betrachteten Un-
ternehmens und der Wettbewerber. Das Ziel ist, die Strategievariante mit dem höchsten
Erfolgspotential für das betrachtete Unternehmen zu identifizieren und auszuwählen.
Hierbei sind die Erreichbarkeit (zeitlicher und finanzieller Aufwand) und die Attraktivi-
tät (Marktpotential, erwartete Wettbewerbsintensität, Ausschöpfen von Erfolgspotentia-
len, Übereinstimmung mit den Unternehmenszielen etc.) der Strategievarianten zu be-
rücksichtigen. Je größer die Attraktivität einer Strategievariante ist und je leichter sie für
ein Unternehmen erreichbar ist, desto höher ist ihr Erfolgspotential [Bät04, S. 125ff.],
[GPW09, S. 212].
Bewertung:
Das Verfahren VITOSTRA® ermöglicht auf diskursivem Weg, eine erfolgversprechen-
de Position für ein Unternehmen in der Wettbewerbsarena von morgen zu ermitteln.
Das Verfahren stellt transparent verschiedene Informationen auf den Punkt dar und
macht somit strategische Entscheidungen nachvollziehbar. Weiterhin bildet das Verfah-
ren VITOSTRA® die Basis für die Entwicklung von Geschäftsmodellen nach KÖSTER
(vgl. Kapitel 3.3.2.2).
3.3.3.2 Strategieentwicklung nach WIRTZ
Ziel des Vorgehens nach WIRTZ sind implementierte Strategien. Das Vorgehen gliedert
sich in vier Phasen (vgl. Bild 3-29), die im Folgenden kurz vorgestellt werden
[Wir12, S. 140ff.].
Definition der Unternehmensziele: In der ersten Phase ist die Vision des Unterneh-
mens zu analysieren, um aus dieser auf 5 bis 15 Jahre angelegten zukünftigen Entwick-
lung eine Mission formulieren zu können. Die Mission21 umfasst Komponenten wie
Kunden, Mitarbeiter, Produkte und Dienstleistungen, Märkte etc. Mit Hilfe der Vision
und der abgeleiteten Mission sind strategische Unternehmensziele zu formulieren
[Wir12, S. 142ff.].
21 WIRTZ verwendet die Begriffe Mission, Leitbild und Unternehmensauftrag synonym
[Wir12, S. 142f.].
Seite 80 Kapitel 3
Bild 3-29: Vorgehensmodell zur Strategieentwicklung nach WIRTZ [Wir12, S. 140ff.]
Analyse der Ausgangssituation: Die Situationsanalyse erfolgt nach WIRTZ immer in
einer externen und einer internen Analyse. Die externe Analyse umfasst eine Umfeldan-
alyse, eine Branchen- und Marktanalyse sowie eine Wettbewerbsanalyse
[Wir12, S. 145]. Für die externe Analyse schlägt WIRTZ eine Reihe etablierter Metho-
den vor. Ein Beispiel ist das Fünf-Kräfte-Modell22 von PORTER für die Ermittlung der
Attraktivität einer Branche. Resultate der externen Analyse sind Chancen und Risiken.
Die interne Situationsanalyse ist vor allem auf die Kompetenzen und Ressourcen des
betrachteten Unternehmens gerichtet. Dazu schlägt WIRTZ u. a. die Kernkompetenz-
Markt-Matrix23 nach HAMEL und PRAHALAD vor (vgl. Bild 3-30). Darin werden mögli-
che Normstrategien anhand der Kernkompetenzen und Märkte vorgeschlagen. Resultate
der internen Analyse sind Stärken und Schwächen des betrachteten Unternehmens. Die
Chancen und Risiken der externen Analyse sind mit den Stärken und Schwächen der
22 PORTER unterscheidet die fünf Kräfte Konkurrenten, Kunden, Lieferanten, Substitutionsprodukte und
Wettbewerber [Por80, S. 4].
23 Die von HAMEL und PRAHALAD entwickelte Matrix weist vier Bereiche auf: Lücken füllen (Unter-
nehmen sollten bestehende Kernkompetenzen so erweitern, dass die eigene Position auf bestehenden
Märkten gestärkt wird), Weiße Flecken (mit bestehenden Kernkompetenzen neue Märkte erschließen
oder neue Marktleistungen anbieten), Herausragende Position (mit neuen Kernkompetenzen die Stel-
lung auf bekannten Märkten sichern), Mega-Chancen (Aufbau neuer Kernkompetenzen, um neue
Märkte zu erschließen) [HP95, S 341].
Unternehmensziele
Strategischer Fit
Strategie
Implementierte Strategie
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Defi nition der
Unternehmensziele
Analyse der Vision
Formulierung einer Mission (Leitbild)
Defi nition von Unternehmenszielen
Umweltanalyse (Umfeld, Branche und Markt,
Wettbewerb)
Chancen-/Risiken-Analyse
Unternehmensanalyse (Kompetenzen,
Ressourcen)
Stärken-/Schwächen-Analyse
Strategic-Fit-Analyse
Abgleich der Ausgangssituation mit den Unter-
nehmenszielen
Ableitung strategischer Stoßrichtungen
Identifi aktion strategischer Lücken
Ermittlung strategischer Alternativen
Auswahl einer Strategie
Defi nition von Implementierungszielen und
-maßnahmen
Implementierungsrealisation
Implementierungskontrolle
2
Analyse der
Ausgangssituation
Strategieformulierung,
-bewertung und -auswahl
Strategieimplementierung
1
3
4
Stand der Technik Seite 81
internen Analyse abzugleichen, um den strategischen Fit zu analysieren
[Wir12, S. 145ff.].
Bild 3-30: Kernkompetenz-Markt-Matrix nach HAMEL und PRAHALAD [HP95, S. 341]
Strategieformulierung, -bewertung und -auswahl: Im Rahmen der Strategieformulie-
rung sind zunächst die Ergebnisse der Analyse der Ausgangssituation (Phase 2) mit den
Unternehmenszielen abzugleichen (Phase 1). Daraus sind strategische Stoßrichtungen
abzuleiten. Mit einer Gap-Analyse werden im Folgenden strategische Lücken identifi-
ziert24. Um die strategischen Lücken zu füllen, sind alternative Strategien zu entwickeln.
Anhand politischer, kultureller und technologischer Kriterien ist eine Strategie auszu-
wählen [Wir12, S. 162ff.].
Strategieimplementierung: Die ausgewählte Strategie ist nun im Unternehmen zu ver-
ankern. Im ersten Schritt werden dazu Implementierungsziele definiert, um daraus kon-
krete Maßnahmen ableiten zu können. Im Rahmen der Implementierungsrealisation sind
die Maßnahmen zu kommunizieren. Anschließend ist das operative Projektteam zu be-
stimmen, das mit der Umsetzung beginnt. Die Implementierungskontrolle dient der
Überprüfung des Zielerreichungsgrades [Wir12, S. 166f.].
Bewertung:
Das Verfahren nach WIRTZ umfasst alle Phasen des Prozesses der strategischen Füh-
rung. Das Vorgehen ist dabei sehr generisch beschrieben. Die einzelnen Phasen werden
mit etablierten Methoden des Stands der Technik unterstützt.
3.3.3.3 Strategieentwicklung nach SCHOEMAKER
Ziel des Vorgehens von SCHOEMAKER sind identifizierte Schlüsselerfolgsfaktoren, die
entweder bereits im Unternehmen vorzufinden sind oder noch aufgebaut werden sollten.
Schlüsselerfolgsfaktoren sind nach SCHOEMAKER Fähigkeiten und Ressourcen, die für
die erfolgreiche Bearbeitung eines bestehenden oder neuen Marktes erforderlich sind
24 Das Vorgehen orientiert sich an KREIKEBAUM [Kre97, S. 134].
Lücken füllen
Herausragende
Position
Weiße Flecken
Mega-Chancen
Neue KernkompetenzenBestehende
Kernkompetenzen
Neuer Markt
Bekannter Markt
Erfolgswahrscheinlichkeit
gering
hoch
Seite 82 Kapitel 3
[Sch02, S. 70ff.]. Das Vorgehen verknüpft die Sichten Resource-Based View und Mar-
ket-Based View in einem Ansatz (vgl. Kapitel 2.1.3). Das Vorgehen gliedert sich gemäß
Bild 3-31 in sieben Phasen.
Bild 3-31: Vorgehensmodell zur Strategieentwicklung nach SCHOEMAKER
[Sch02, S. 19]
Bestandsaufnahme: In der ersten Phase werden externe Herausforderungen identifi-
ziert und analysiert. Ein Abgleich mit der Leistung des Unternehmens führt zu Stärken
und Schwächen.
Externe
Herausforderungen
Szenarien, zukünftig
relevante Stakeholder
Strategische
Segmente und Schlüssel-
erfolgsfaktoren
Bedeutende Schlüsseler-
folgsfaktoren
Strategische
Vision
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Bestandsaufnahme
Ermittlung externer Herausforderungen
Stärken-Schwächen-Analyse
Defi ntion von Szenariofeld und Stakeholdern
Ermittlung dominanter Faktoren (extern)
Trends und Unsicherheiten
Szenario-Entwicklung
Strategische Segmentierung
Identifi kation von Schlüsselerfolgsfaktoren
Abgleich strategischer Segmente und
Schlüsselerfolgsfaktoren mit den Szenarien
Identifi kation von Kernkompetenzen
Bewertung der Schlüsselerfolgsfaktoren
Gap-Analyse
Beschreibung strategischer Marktsegmente
Defi ntion von Produkt-Marktsegment-
Kombinationen
Strategische Vision (aktuelle Schlüsseler-
folgsfaktoren und zukünftige Schlüsselerfolgs-
faktoren)
2
Entwicklung von
Szenarien
Strategische
Segmentierung
Unternehmensanalyse
Entwicklung einer
strategischen Vision
1
3
4
5
Ausgewählte
strategische Optionen
Entwicklung strategischer Optionen
Bewertung der strategischen Optionen
Bildung einer Rangordnung der strategischen
Optionen
Entwicklung fl exibler
strategischer Optionen
6
Handlungspläne
Umsetzung von Handlungsplänen und Projek-
ten in Bezug auf die strategische Vision
Implementierung
7
Stand der Technik Seite 83
Entwicklung von Szenarien: Zunächst wird das Szenariofeld festgelegt. Dabei sind die
Anzahl der zu entwickelnden Szenarien, die geografische Region sowie die zu betrach-
tenden Geschäftsbereiche festzulegen. Zudem sind Stakeholder zu bestimmen, die einen
Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des Geschäfts haben. Im Rahmen der Szenario-
Entwicklung ist deren Rolle mit den Kriterien Macht und Einfluss im Zeitverlauf darzu-
stellen. Außerdem ist eine Aussage zu treffen, welche Stakeholder zukünftig maßgebli-
chen Einfluss nehmen [Sch02, S. 40ff.].
Strategische Segmentierung: Die Szenarien liefern bereits Informationen zu mögli-
chen Schlüsselerfolgsfaktoren. Zudem sind die Szenarien für eine strategische Segmen-
tierung einzusetzen. Dazu ist ein Segmentierungsschema auszuwählen, dass in allen
Szenarien angewendet werden kann. Es ist der momentane Produktfokus zu erfassen
und zu erweitern. Die eigentliche Ermittlung der Segmente kann von traditionellen An-
sätzen zur Marktsegmentierung (z. B. Produkte, Dienstleistungen, Regionen, vgl. Kapi-
tel 3.1.2.1) abweichen. SCHOEMAKER bietet beispielsweise die Betrachtung des Ausma-
ßes der Regulierung oder die Analyse der Wertschöpfungskette an. Die Ermittlung ge-
eigneter Segmente erfolgt sowohl intuitiv als auch modellgestützt mittels multidimensi-
onaler Skalierung und Clusteranalysen [Sch02, S. 81f.]. Die so ermittelten Segmente
werden als strategische Segmente bezeichnet. Diese dienen der Einordnung des Unter-
nehmens in das ganzheitliche Wettbewerbsumfeld und der Ermittlung zukünftig rele-
vanter Ressourcen und Fähigkeiten. In einer Matrix werden nun in den Zeilen die ermit-
telten Segmente, in den Spalten die vier Szenarien eingetragen. In jedem der resultie-
renden Felder werden nun die aus der ersten Phase aktuellen sowie neue zukünftig rele-
vante, Schlüsselerfolgsfaktoren eingetragen [Sch02, S. 67ff.].
Unternehmensanalyse: In der vierten Phase des Vorgehens sind zunächst die Kern-
kompetenzen des Unternehmens zu ermitteln. Anschließend werden die Schlüsseler-
folgsfaktoren in eine Rangordnung gebracht. Dies geschieht in drei Schritten: Im ersten
Schritt wird die Eintrittswahrscheinlichkeiten für jedes Szenario bestimmt. Zudem gilt
es, die strategischen Segmente hinsichtlich ihrer Bedeutung für den zukünftigen Erfolg
zu bewerten. Im zweiten Schritt wird die strategische Bedeutung der Schlüsselerfolgs-
faktoren ermittelt. Dazu werden die einzelnen Schlüsselerfolgsfaktoren den zuvor ge-
wichteten Szenario-Segment-Kombinationen gegenübergestellt. In einer Matrix wird
bewertet, ob ein Schlüsselerfolgsfaktor zum Erfolg des Unternehmens in der Szenario-
Segment-Kombination beitragen wird oder nicht. Die Schlüsselerfolgsfaktoren, bei de-
nen das eigene Unternehmen eine Kernkompetenz aufweist, die wesentlichen Wettbe-
werber aber nicht, erlauben eine Differenzierung im Wettbewerb. Diese Kompetenzen
sollte das Unternehmen zukünftig stärken [Sch02, S. 92ff.].
Entwicklung einer strategischen Vision: Hier wird die strategische Vision des Unter-
nehmens beschrieben. Sie setzt sich im Wesentlichen aus den aktuellen Schlüsseler-
folgsfaktoren und den zukünftig aufzubauenden Schlüsselerfolgsfaktoren zusammen.
Zudem sind die strategischen Marktsegmente zu beschreiben. Dies umfasst die Definiti-
Seite 84 Kapitel 3
on von Produkten, mit denen das Unternehmen in dem jeweiligen Marktsegment erfolg-
reich sein kann [Sch02, S. 105].
Entwicklung flexibler strategischer Optionen: Die Schritte zur Umsetzung der Vision
werden in Form von strategischen Optionen beschrieben. Zunächst sind möglichst viele
Optionen zu beschreiben, die dem Unternehmen zur Verfügung stehen. Diese strategi-
schen Optionen sind flexibel zu gestalten, um bei Änderungen des Unternehmensumfel-
des Anpassungen vornehmen zu können. In einem zweiten Schritt ist abzuschätzen, wie
die Kunden und die Wettbewerber des Unternehmens auf die einzelnen Optionen rea-
gieren könnten [SA97, S. 387ff.]. Zuletzt werden die strategischen Optionen bewertet,
um Erfolg versprechende Optionen auszuwählen. Kriterien bei der Bewertung sind die
benötigten Ressourcen, der Amortisationszeitpunkt oder die Erfolgswahrscheinlichkeit
der Optionen [Sch02, S. 114ff.].
Implementierung: Die ausgewählten strategischen Optionen sind in Handlungspläne
umzusetzen [Sch02, S. 172ff.].
Bewertung:
Die szenariobasierte Strategieentwicklung von SCHOEMAKER bietet einen umfassenden
Ansatz zur Entwicklung alternativer Strategien. Die Wahl der Methoden ist dem An-
wender überlassen. Wenn Hinweise zu Methoden gegeben werden, sind dies i. d. R.
generische Leitfäden bzw. Vorlagen für Matrizen. Kritisch ist zudem die Identifikation
sowie die Abgrenzung von Kernkompetenzen und Schlüsselerfolgsfaktoren zu sehen
[Rey13, S. 61]. Hervorzuheben sind dagegen die Einbindung von Stakeholdern in die
Szenarien und der anschließende Vergleich der strategischen Optionen mit den Stake-
holdern und deren Einflüssen.
3.3.3.4 Strategieentwicklung nach VAN DER HEIJDEN
Das Verfahren nach VAN DER HEIJDEN basiert auf bereits entwickelten Szenarien, die als
Eingangsgrößen dienen. Gemäß Bild 3-32 gliedert sich das Verfahren in vier Phasen,
die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Analyse des Geschäftskonzepts: Die Analyse des Geschäftskonzepts beantwortet die
Frage, warum ein Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich war. Zunächst ist zu
beschreiben, welchen Kundennutzen das Unternehmen bietet. Dieses Verständnis ist
nach VAN DER HEIJDEN unabdingbar, um „zukünftige Bedürfnisse der Gesellschaft früh-
zeitig antizipieren zu können“ [Hei05, S. 89]. Anschließend gilt es, den Wettbewerbs-
vorteil des Unternehmens gegenüber seinen Konkurrenten zu beschreiben. Dies kann
beispielsweise eine Differenzierung im Angebot oder Kostenvorteile sein. Die ermittel-
ten Wettbewerbsvorteile dienen als Basis für die Identifikation von Kernkompetenzen.
Kernkompetenzen begründen in letzter Instanz den Wettbewerbsvorteil. Im letzten
Schritt der Analyse des Geschäftskonzepts sind die Ressourcen zu beschreiben, die zur
Weiterentwicklung vorhandener Kernkompetenzen oder in die Entwicklung neuer
Stand der Technik Seite 85
Kernkompetenzen investiert werden. Um ein Verständnis für das Geschäftskonzept zu
entwickeln, empfiehlt VAN DER HEIJDEN keine verbalen Beschreibungen, sondern die
Entwicklung eines Ursache-Wirkungs-Diagramms [Hei05, S. 205]. Als Resultat der
Phase liegt ein visualisiertes Geschäftskonzept vor.
Bild 3-32: Vorgehensmodel zur Strategieentwicklung nach VAN DER HEIJDEN
[Hei05, S. 63ff.]
Analyse der Wettbewerbsposition: Ziel dieser Phase ist eine detaillierte Darstellung
der Wettbewerbssituation. In der ersten Phase ist bereits der Kundennutzen definiert
worden. Jetzt sind konkrete Kundensegmente zu bestimmen, um die das Unternehmen
mit Wettbewerbern kämpft. Dies dient der Abbildung unterschiedlicher Bedürfnisse und
Einstellungen der Kunden. Kriterien für die Segmentierung sind u. a. Produkte, Techno-
logien, Eigenschaften der Kunden und geografische Regionen. Anschließend werden
die Wettbewerber in den Kundensegmenten analysiert. Dabei sind vor allem potenzielle
Wettbewerber zu identifizieren, die in bestehende Kundensegmente vordringen oder
Substitute zum Produktportfolio des Unternehmens anbieten könnten. Die Informatio-
nen sind in Wettbewerberprofilen zusammen zu stellen [Hei05, S. 215f.]. Anschließend
sind dem Konzept der Fünf-Kräfte nach PORTER folgend weitere Akteure zu analysieren
[Por80, S. 4]. Gibt es beispielsweise nur wenige Kunden, haben diese eine hohe Markt-
macht. Bedient das Unternehmen eine Vielzahl von Kunden, wird das Unternehmen
eine höhere Marktmacht erzielen können. Resultat der Phase sind Wettbewerberprofile
und eine umfassend analysierte Wettbewerbsarena.
Visualisiertes
Geschäftskonzept
Wettbewerberprofi le,
analysierte
Wettbewerbsarena
Strategische Optionen
Maßnahmen
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Analyse des
Geschäftskonzeptes
Beschreibung des Kundennutzens
Darstellung des Wettbewerbsvorteils
Ermittlung von Kernkompenzen
Beschreibung des Ressourcenaufbaus
Visualisierung des Geschäftskonzeptes
(Ursache-Wirkungs-Diagramm)
Kundensegmentierung
Wettbewerbsanalyse (Wettbewerberprofi le)
Analyse des Verhaltens weiterer Stakeholder
(Zulieferer, Kunden etc.)
Abgleich des Geschäftskonzepts mit den
Szenarien
Ermitllung der Zukunftsrobustheit
Prüfen von Portfolio- und Kompetenzoptionen
Optionen-Szenario-Matrix
Optionen-Stakeholder-Matrix
Übersicht weiter zu entwickelnder
strategischer Optionen
Ableitung von Maßnahmen
2
Analyse der
Wettbewerbsposition
Entwicklung
strategischer Optionen
Bewertung der
strategischen Optionen
1
3
4
Seite 86 Kapitel 3
Entwicklung strategischer Optionen: In dieser Phase wird das Geschäftskonzept des
Unternehmens im Lichte der Szenarien auf seine Robustheit geprüft. Ist das Geschäfts-
konzept als zukunftsrobust klassifiziert, sind Portfoliooptionen des Unternehmens zu
prüfen. Optionen sind der Eintritt in neue Märkte, Marktentwicklung, Produktentwick-
lung oder eine Diversifikation [Hei05, S. 276] (vgl. Kapitel 2.1.2). Ist das Geschäfts-
konzept nicht zukunftsrobust, bietet sich nach VAN DER HEIJDEN vor allem eine Diversi-
fikation an. Entweder werden Kompetenzen eingekauft, die eine Erweiterung der aktu-
ellen Aktivitäten ermöglichen (vertikale Integration) oder es werden Kompetenzen ein-
gekauft, die den Eintritt in neue Geschäftsfelder erlauben (konzentrische Diversifikati-
on) [Hei05, S. 277]. Als Resultat dieser Phase liegen strategische Optionen vor.
Bewertung der strategischen Optionen: Die ermittelten Portfolio- und Kompetenzop-
tionen können weit reichende konzeptionelle Änderungen für das Unternehmen haben.
Daher sind die strategischen Optionen zunächst den Szenarien gegenüber zu stellen. Es
ist die Frage zu beantworten, wie erfolgreich eine strategische Option in einem Szenario
ist. Der Bewertungsmaßstab reicht von „- - -“ bis „+ + +“ [Hei05, S. 284.]. Eine ähnli-
che Gegenüberstellung wird mit den betrachteten Stakeholdern der Phase zwei gemacht.
Bild 3-33 zeigt die prinzipielle Gegenüberstellung der strategischen Optionen mit den
Stakeholdern in einer Optionen-Stakeholder-Matrix [Hei05, S. 286.].
Bild 3-33: Optionen-Stakeholder-Matrix nach VAN DER HEIJDEN [Hei05, S. 286.]
Die ausgefüllten Matrizen dienen nicht der Auswahl strategischer Optionen. Vielmehr
soll dargelegt werden, welche strategischen Optionen weiter zu entwickeln sind. Die
Weiterentwicklung führt zu einer Verknüpfung einzelner Optionen. Dies reduziert deren
Gesamtzahl. Die Entwicklung strategischer Optionen ist als iterativer Prozess anzuse-
hen, der in einem ganzheitlichen Konzept mündet. Als Resultat dieser Phase liegen
Maßnahmen zur Umsetzung der strategischen Optionen vor.
Bewertung:
VAN DER HEIJDEN integriert in sein Verfahren viele etablierte Methoden. Er benutzt An-
sätze der Geschäftsmodellanalyse (Kundennutzen), des Kernkompetenzmanagements,
der Stakeholder- und Wettbewerbsanalysen. Die eigentliche Strategieentwicklung er-
folgt im Wesentlichen durch Moderation im Managementteam. Dabei werden einfache
Methoden wie Ursache-Wirkungs-Diagramme, Brainstorming und Bewertungsmatrizen
Stakeholder A Stakeholder B Stakeholder C
Option 1
Option 2
Option 3
Stand der Technik Seite 87
eingesetzt. Hinweise für die konkrete Entwicklung von Strategien bleiben dagegen va-
ge.
3.3.3.5 Prozess der szenariobasierten strategischen Planung nach WULF
Ziel des Prozesses zur szenariobasierten strategischen Planung nach WULF ist eine er-
höhte Qualität der strategischen Planung in volatilen Umfeldern [WMS10, S. 445]. Der
Prozess gliedert sich gemäß Bild 3-34 in sechs Phasen, die im Folgenden kurz vorge-
stellt werden.
Bild 3-34: Prozessmodell zur szenariobasierten strategischen Planung nach WULF
[WMS10, S. 446]
Zieldefinition: In der ersten Phase sind der Projektumfang und das Projektumfeld zu
definieren. Dazu haben WULF ET AL. eine sogenannte Framing Checklist entwickelt, mit
deren Hilfe Ziel, Rahmenbedingungen und wesentliche interne und externe Stakeholder
festgelegt werden [WMS10, S. 446].
5 4
3
Aufgabe:
Kernfrage identifizieren und
Analyserahmen festlegen
Tool:
Framing Checklist
Aufgabe:
Relevante Trends und
Unsicherheiten identifizieren
und bewerten
Tool:
Impact/Uncertainty Grid
Accelerator:
Existierende Szenariostudien
(Szenariobibliothek)
Aufgabe:
Szenarien auf Basis von Schlüssel-
unsicherheiten entwickeln
Tool:
Szenariomatrix
Accelerator:
Globale Szenarioexperten
(Szenarionetzwerk)
Aufgabe:
Entwicklungen
beobachten und
Annahmen
hinterfragen
Tool:
Szenario
Cockpit
Aufgabe:
Strategische Optionen und
Maßnahmen ableiten
Tool:
Strategieleitfaden
Accelerator:
Analyseinstrumente
(Szenariobaukasten)
Aufgabe:
Annahmen und Denkmodelle
identifizieren
Tool:
360° Stakeholder Feedback
6Trend-
und
Unsicher-
heits-
analyse
2
1Zieldefinition
Moni-
toring
Strategie-
definition
Szenario-
entwick-
lung
Wahrnehmungs-
analyse
Seite 88 Kapitel 3
Wahrnehmungsanalyse: Hier gilt es, die Annahmen und mentalen Modelle der Ent-
scheidungsträger mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Branche zu hinterfragen.
Als Instrument wird ein 360°-Stakeholder-Feedback-Radar eingesetzt. Das Instrument
ist ein zweistufiger Befragungsprozess (vgl. Kapitel 3.2.2, Delphi-Methode). In der Be-
fragung wird nach aktuellen Einflussfaktoren und Indikatoren gesucht. Daraus werden
insgesamt etwa 40 Einflussfaktoren ermittelt. Die zweite Runde der Befragung dient der
Ermittlung des Einflusses und der Unsicherheiten (Vorhersehbarkeit zukünftiger Aus-
prägungen) der Einflussfaktoren [WMS10, S. 447f.].
Trend- und Unsicherheitsanalyse: In einem Impact/Uncertainty Grid werden die iden-
tifizierten Einflussfaktoren anhand der Dimensionen Einfluss und Unsicherheit positio-
niert. Es ergeben sich drei charakteristische Bereiche. Sekundäre Elemente haben einen
geringen Einfluss bei niedriger bis hoher Unsicherheit. Diese Faktoren werden von der
Betrachtung ausgeschlossen. Faktoren mit hohem Einfluss und sicherem Eintreten wer-
den als Trends bezeichnet. Den dritten Bereich bilden die kritischen Unsicherheiten.
Die kritischen Unsicherheiten spielen eine zentrale Rolle. Aus ihnen werden zwei
Schlüsselunsicherheiten abgeleitet und für die Entwicklung der Szenarien herangezogen
[WMS10, S. 449f.].
Szenarioentwicklung: Für die Entwicklung von Szenarien wird eine Szenariomatrix
eingesetzt. Als Dimensionen dienen die in der Phase zuvor ermittelten Schlüsselunsi-
cherheiten. Daher werden diese auch Szenariodimensionen genannt. Je Dimension wer-
den zwei Extremwerte gebildet. Die resultierende Matrix enthält vier Felder mit jeweils
einem Szenario. Jedes Szenario ist mit einem Titel zu versehen und zu beschreiben.
Anschließend werden Ursache-Wirkungszusammenhänge zwischen den Trends, kriti-
schen Unsicherheiten und Schlüsselunsicherheiten ermittelt, um diese zeitlich zu ord-
nen. Diese werden in einem Einflussdiagramm dargestellt. Auf diese Weise können
unterschiedliche Wege aus der heutigen Sicht zu den Szenarien beschrieben werden
[WMS10, S. 451f.].
Strategiedefinition: In dieser Phase werden aus den zuvor entwickelten Szenarien Stra-
tegien entwickelt. Dazu setzen WULF ET AL. einen Strategieleitfaden ein, der drei Schrit-
te zur Strategieentwicklung vorsieht. Der erste Schritt dient der Ableitung von Hand-
lungsempfehlungen in Bezug auf Positionierung, Gestaltung des Geschäftssystems und
operativer Handlungspläne je Szenario. Anschließend werden Gemeinsamkeiten bei den
Handlungsempfehlungen über alle Szenarien hinweg identifiziert. Diese Gemeinsamkei-
ten dienen der Entwicklung einer Kernstrategie. Die Kernstrategie kann von einem Un-
ternehmen sofort umgesetzt werden. Alle anderen Handlungsempfehlungen werden als
Strategieoptionen aufgefasst und ergänzen die Kernstrategie. In Abhängigkeit vom Un-
ternehmensumfeld sind manche Strategieoptionen sofort umzusetzen. Für andere Optio-
nen sind Investitionen notwendig, während die dritte Kategorie von Strategieoptionen
nur „auf dem Papier existiert“ und bei Bedarf umgesetzt werden kann. Im letzten
Schritt werden die Kernstrategie und die übrigen Strategieoptionen mit Meilensteinen
beschrieben und mit der bestehenden Strategie des Unternehmens abgeglichen. Hier-
Stand der Technik Seite 89
durch lassen sich strategische Anpassungen ableiten. Resultat der Phase ist eine zu-
kunftsrobuste Strategie [WMS10, S. 453].
Monitoring: In der letzten Phase haben WULF ET AL. einen Szenario Cockpit entwi-
ckelt. Das Instrument umfasst Indikatoren, die ein Szenario-Controlling ermöglichen.
I. d. R. entsprechen die Indikatoren den Elementen des Einflussdiagramms. Jedem Indi-
kator wird eine Messskala zugewiesen und eine Verknüpfung zu den entwickelten Sze-
narien hergestellt. Somit kann fortlaufend beobachtet werden, welches der vier entwi-
ckelten Szenarien der Entwicklung entspricht. Daraus kann ermittelt werden, welche
Strategieoptionen in Ergänzung zur Kernstrategie noch durchzuführen sind
[WMS10, S. 454f.].
Bewertung:
Die szenariobasierte Strategieentwicklung nach WULF ET AL. ist ein umfassender und
nachvollziehbarer Ansatz. Die Stärke des Ansatzes liegt in der Integration der Zukunft-
selemente Trends und Szenarien. Bei der Entwicklung von Strategien steht dem An-
wender mit einem Einflussdiagramm eine gewisse methodische Unterstützung zur Ver-
fügung. Die eigentliche Strategieentwicklung ist generisch. Mit Hilfe von Leitfäden
werden eine Kernstrategie entwickelt und die strategischen Optionen klassifiziert. Wie
dies konkret umzusetzen ist bleibt offen.
3.4 Handlungsbedarf
Die zusammenfassende Bewertung der vorgestellten Methoden und Verfahren aus dem
Stand der Technik hinsichtlich der in Kapitel 2.5 gestellten Anforderungen an ein Ver-
fahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien zeigt
Bild 3-35. Da kein Ansatz die Anforderungen im vollen Umfang erfüllt, wird auf den
verbleibenden Handlungsbedarf eingegangen.
A1: Strukturierung und Bewertung der Attraktivität von Märkten
KOTLER und BLIEMEL sowie VAN DER HEIJDEN erfüllen diese Anforderung voll. Diese
Ansätze sind somit bei der Entwicklung des Verfahrens zu prüfen. Die beiden Ansätze
sind aber sehr generisch beschrieben. Hier sind gerade die Strukturierung und die me-
thodische Vorgehensweise von BRINK zu beachten. Die Ansätze sind großenteils Kun-
den und nicht Produkt- bzw. Kompetenz-getrieben.
A2: Analyse des systemischen Verhaltens relevanter Stakeholder
Keines der untersuchten Verfahren erfüllt diese Anforderung im vollen Umfang. Es
mangelt vor allem an der Analyse des systemischen Verhaltens. FINK/SIEBE, MÜLLER-
STEWENS/LECHNER und MITCHEL ET AL. geben allesamt Hinweise für die Klassifizie-
rung von Stakeholdern. Gerade die Beschreibung des Einflusses eines Stakeholders mit
den Attributen Macht, Legitimität und Dringlichkeit erscheint als sinnvoll.
Seite 90 Kapitel 3
Bild 3-35: Bewertung der untersuchten Ansätze hinsichtlich der Anforderungen an die
Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien
Bewertung der untersuchten Ansätze
hinsichtlich der gestellten Anforderungen.
Fragestellung:
Wie gut erfüllen die untersuchten Ansätze
(Zeile) die gestellten Anforderungen an
ein Verfahren zur Entwicklung geschäfts-
modell-orientierter Diversifi kationsstrategien
(Spalte)?
Bewertungsskala:
= nicht erfüllt
= teilweise erfüllt
= voll erfüllt
Anforderungen (A)
Analyse Voraus-
schau
Strategie-
entw.
übergeordnete
Anforderungen
Strukturierung und Bewertung der
Attraktivität von Märkten
Analyse des systemischen Verhaltens
relevanter Stakeholder
Ermittlung der vorherrschenden
Geschäftslogik in einem Markt
Berücksichtigung alternativer
Entwicklungsmöglichkeiten
Ableitung von Chancen und Gefahren
Identifi kation und Aufbau strategischer
Erfolgspositionen
Entscheidung über Kompetenz-
beschaffung
Bereitstellung und Management einer kri-
tischen Wissensmenge zur Strategieentw.
Defi nition konkreter Maßnahmen
zur Umsetzung
Prägnante Darstellung der Lösung
A1 A2 A3 A4 A5 A6 A7 A8 A9 A10
Ansätze zur Analyse
Analyse von Wettbewerbsvorteilen nach
L
OMBRISER
und A
BLANALP
Prozess des Managements von
Kernkompetenzen nach D
EUTSCH
ET
AL
.
Marktsegmentierung nach K
OTLER
und B
LIEMEL
Kundensegmentierung nach B
RINK
Stakeholder-Analyse nach F
INK
und S
IEBE
Stakeholder-Analyse nach M
ÜLLER
-S
TEWENS
und L
ECHNER
Identifi kation und Analyse von Stakeholdern
nach M
ITCHELL
ET
AL
.
Ansätze zur
Vorausschau
Szenario-Technik nach G
AUSEMEIER
ET
AL
.
Delphi-Methode
Trendanalyse
Ansätze zur Strategieentwicklung
Entwicklung von Diversifi kationsstrategien
nach G
ANZ
Planung von Diversifi kationen nach B
ÜHNER
Geschäftsmodellentwicklung nach
O
STERWALDER
und P
IGNEUR
Geschäftsmodellentwicklung nach K
ÖSTER
VITOSTRA® – Verfahren zur Entwicklung von
konsistenten Strategieoptionen
Strategieentwicklung nach W
IRTZ
Strategieentwicklung nach S
CHOEMAKER
Strategieentwicklung nach
VAN
DER
H
EIJDEN
Prozess der szenariobasierten strategischen
Planung nach W
ULF
Stand der Technik Seite 91
A3: Ermittlung der vorherrschenden Geschäftslogik in einem Markt
Diese Anforderung wird nur von KÖSTER erfüllt. KÖSTER bietet einen umfassenden An-
satz, um die bestehende Geschäftslogik in einem Markt transparent darzustellen. Sinn-
volle Aspekte für das zu entwickelnde Verfahren sind auf Tauglichkeit zu prüfen und in
das Verfahren zu integrieren.
A4: Berücksichtigung alternativer Entwicklungsmöglichkeiten
Diese Anforderung wird von der Szenario-Technik erfüllt. Außerdem erfüllen Ansätze
diese Anforderung, die auf Szenarien aufbauen oder diese integrieren (SCHOEMAKER,
VAN DER HEIJDEN und WULF). Die Anwendung der Szenario-Technik ist etabliert. Sie
ist ggf. zu adaptieren.
A5: Ableitung von Chancen und Gefahren
Diese Anforderung wird von den beiden Ansätzen der Vorausschau Szenario-Technik
und Trendanalyse voll erfüllt. Der Einsatz der Szenario-Technik wurde bereits unter A4
diskutiert. Auch die Trendanalyse ist hinsichtlich ihrer Eignung zu prüfen.
A6: Identifikation und Aufbau strategischer Erfolgspositionen
Lediglich das Verfahren VITOSTRA® unterstützt auf diskursivem Weg die Ableitung
einer strategischen Erfolgsposition. Das Verfahren bildet die Grundlage für das Verfah-
ren von Köster, das unter A3 als sinnvoll eingeschätzt worden ist.
A7: Entscheidung über Kompetenzbeschaffung
Diese Anforderung wird von keinem Ansatz erfüllt. Ausführlich wird dieser Aspekt bei
DEUTSCH ET AL. diskutiert. Konkrete Hinweise r eine externe Beschaffung im Ver-
gleich zu einem eigenen Kompetenzaufbau werden nicht gegeben.
A8: Bereitstellung und Management einer kritischen Wissensmenge zur Strate-
gieentwicklung
Einige Ansätze erfüllen diese Anforderung. Die diskutierten Möglichkeiten sind zu prü-
fen und ggf. bei der Entwicklung des Verfahrens zu berücksichtigen bzw. zu adaptieren.
A9: Definition konkreter Maßnahmen zur Umsetzung
Diese Anforderung wird von der Szenario-Technik, dem Verfahren nach KÖSTER und
VITOSTRA® erfüllt. Alle drei Verfahren sind auch bei dieser Anforderung auf ihre
mögliche Einbindung in das Verfahren zu prüfen.
A10: Prägnante Darstellung der Lösung
Eine Vielzahl der untersuchten Ansätze bietet eine prägnante Darstellung der Lösung in
Form von Portfolios. Eine integrierte Darstellung aller Teilergebnisse in einer dokumen-
tierten Strategie stellt keiner der Ansätze zur Verfügung.
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 93
4 Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter
Diversifikationsstrategien
„Nur wer das Ziel kennt, kann treffen!“ Griechisches Sprichwort
Dieses Kapitel beschreibt das Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter
Diversifikationsstrategien. Das Verfahren soll den in der Problemanalyse ermittelten
Anforderungen (vgl. Kapitel 2.5) sowie dem im Stand der Technik identifizierten Hand-
lungsbedarf (vgl. Kapitel 3.4) gerecht werden.
In Kapitel 4.1 wird zunächst das Vorgehensmodell vorgestellt, um einen Überblick über
das Verfahren zu vermitteln. Die einzelnen Phasen des Verfahrens werden in den Kapi-
teln 4.2 bis 4.7 umfassend erläutert. Zum besseren Verständnis und zur Validierung des
Verfahrens dient ein Projekt mit einem Unternehmen aus dem Bereich Automobilin-
dustrie, für das Chancen im Bereich der Medizintechnik erarbeitet werden sollten. In
Kapitel 4.8 wird das Verfahren anhand der in Kapitel 2.5 gestellten Anforderungen be-
wertet.
4.1 Vorgehensmodell
Das Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien
gliedert sich in sechs Phasen und ist in Bild 4-1 dargestellt. Die ersten drei Phasen die-
nen der unternehmensinternen und -externen Analyse der Ist-Situation. Dazu wird zu-
nächst in der ersten Phase eine Geschäftsanalyse durchgeführt. Die zweite Phase setzt
sich mit der unternehmensexternen Marktanalyse auseinander. In der dritten Phase wird
die Analyse des Marktes mit einer Stakeholder-Analyse erweitert. Phase vier setzt sich
mit der Vorausschau und Geschäftsmodellentwicklung auseinander. Phase fünf dient
der Geschäftsmodellanalyse. Phase sechs setzt sich mit der Diversifikationsstrategie-
entwicklung auseinander. Im Folgenden werden die einzelnen Phasen kurz vorge-
stellt25.
Geschäftsanalyse: Ausgangspunkt des Verfahrens ist ein vorliegender Diversifikati-
onsauftrag. Der Zielmarkt für die Diversifikation ist somit bereits bestimmt. Zunächst
wird mit der etablierten Methode Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix das bestehende
Geschäft des Unternehmens strukturiert. Die so ermittelten Geschäftsfelder werden hin-
sichtlich ihrer Schlüsselfähigkeiten und Schlüsselressourcen analysiert, um Kompeten-
25 Das in der vorliegenden Arbeit entwickelte Verfahren beschreibt eine idealtypische Abfolge von Pha-
sen für ein Diversifikationsvorhaben, bei dem ein Unternehmen einen gänzlich neuen Markt erschlie-
ßen will. Bei weniger „radikalen“ Diversifikationsvorhaben (beispielsweise horizontale Diversifikati-
on) ist zu Beginn jeder Phase kritisch zu prüfen, ob alle beschriebenen Schritte dieser Phase zwingend
zu durchlaufen sind.
Seite 94 Kapitel 4
zen je Geschäftsfeld abzuleiten. Resultat dieser Phase sind bestehende Kompetenzen
des Unternehmens.
Bild 4-1: Vorgehen zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikations-
strategien
Marktanalyse: Die zweite Phase beginnt mit einer Marktsegmentierung. Dazu werden
die Produkte/Produktgruppen des Zielmarktes ermittelt und mit einer Clusteranalyse zu
homogenen Marktsegmenten zusammengefasst. Mit einer Trendanalyse wird die Zu-
kunftsrelevanz der Marktsegmente bestimmt. Neben der Zukunftsrelevanz werden das
Marktsegmentwachstum und die Wettbewerbsintensität ermittelt, um die Attraktivität
der Marktsegmente zu bestimmen. Anschließend wird je Marktsegment die Konformität
zur Unternehmensstrategie geprüft. Die beiden Kriterien Attraktivität des Marktseg-
ments und Konformität zur Unternehmensstrategie dienen der Auswahl eines Erfolg
versprechenden Marktsegments. Mit der Ermittlung bestehender Geschäftsmodelle der
Kompetenzen des
Unternehmens
Erfolg versprechendes
Marktsegment,
Geschäftsmodelle
Einfl uss, Relevanz und
Ziele der Stakeholder im
Marktsegment
Konsistente
Geschäftsmodelle
Erfolg versprechendes
Geschäftsmodell,
notwendige Kompetenzen
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Geschäftsanalyse
2
Marktanalyse
Stakeholder-Analyse
Geschäftsmodell-
entwicklung
Geschäftsmodellanalyse
1
3
4
5
Diversifi kationsstrategie
Analyse des Diversifi kationsauftrags
Geschäftsstrukturanalyse
Ermittlung von Kompetenzen
Marktsegmentierung
Trendanalyse
Auswahl eines Erfolg versprechenden
Marktsegments
Ermittlung von Geschäftsmodellen der Unter-
nehmen im ausgewählten Marktsegment
Identifi kation von Stakeholdern
Direkte und indirekte Einfl ussanalyse
Bewertung der Relevanz und der Ziele
Marktsegment-, Stakeholder- und
Umfeldszenarien
Ableitung von Anforderungen, Chancen und
Gefahren
Ermittlung konsistenter Geschäftsmodelle für
das ausgewählte Marktsegment
Bewertung der Geschäftsmodelle (Attraktivität,
Strategiekonformität) und Auswahl eines Erfolg
versprechenden Geschäftsmodells
Defi nition der angestrebten Marktleistung und
Ermittlung notwendiger bzw. fehlender Kompe-
tenzen (Make, M&A or Buy-Entscheidung)
Entwicklung eines Geschäftsleitbildes
Ableitung strategischer Kompetenzen
Defi nition der strategischen Position
Dokumentation der Diversifi kationsstrategie
Diversifi kations-
strategieentwicklung
6
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 95
Unternehmen im ausgewählten Marktsegment wird die vorherrschende Geschäftslogik
bestimmt. Resultate der Phase sind ein ausgewähltes und Erfolg versprechendes Markt-
segment sowie die verfolgten Geschäftsmodelle in diesem Marktsegment.
Stakeholder-Analyse: In dieser Phase gilt es, die für das Marktsegment relevanten Sta-
keholder zu identifizieren. Diese werden in einem Stakeholder-Radar visualisiert. An-
schließend werden die Stakeholder mit den Attributen Macht, Legitimität und Dring-
lichkeit in Anlehnung an MITCHEL ET AL. charakterisiert (vgl. Kapitel 3.1.3.3) und in
einer Einflussanalyse bewertet. Neben den direkten werden auch alle indirekten Einflüs-
se der Stakeholder analysiert und in einem System-Grid visualisiert. Neben den Einflüs-
sen wird die Relevanz der Stakeholder für das Marktsegment bewertet. Somit lassen
sich die einflussreichsten und relevantesten Stakeholder bestimmen. Im Rahmen einer
Delphi-Befragung (vgl. Kapitel 3.2.2) werden die Ziele der Stakeholder erfragt. Alle
Ergebnisse werden in einem Einfluss-Ziele-Grid visualisiert. Resultate dieser Phase sind
die ermittelten Einflüsse, die Relevanz und die Ziele der Stakeholder in dem ausgewähl-
ten Marktsegment.
Geschäftsmodellentwicklung: Nachdem die unternehmensinterne und -externe Analy-
se abgeschlossen ist, erfolgt zunächst die Erstellung von Marktsegment-, Stakeholder-
und Umfeldszenarien. Dabei wird die Szenario-Technik nach GAUSEMEIER angewendet
(vgl. Kapitel 3.2.1). Für ausgewählte Schlüsselfaktoren werden alternative Entwick-
lungsmöglichkeiten (Projektionen) vorausgedacht und mittels Konsistenz- und Cluster-
analyse zu schlüssigen Szenarien kombiniert. Unter Verwendung der Kriterien Ein-
trittswahrscheinlichkeit und Auswirkung auf das Geschäft werden die Szenarien charak-
terisiert und ein Referenzszenario ausgewählt. Anschließend werden mit den gleichen
Kriterien in einer Chancen-Gefahren-Matrix die wichtigsten Chancen und Gefahren für
jedes Szenario abgleitet. Im Lichte der Analysephase und der entwickelten Szenarien
werden konsistente Geschäftsmodelle für das Marktsegment erarbeitet. Resultat dieser
Phase sind konsistente Geschäftsmodelle für das ausgewählte Marktsegment.
Geschäftsmodellanalyse: Die konsistenten Geschäftsmodelle gilt es zu analysieren.
Mit Umsatzwachstum, Wettbewerbsintensität und Zukunftsrelevanz (auf Basis des Re-
ferenzszenarios) wird die Attraktivität der Geschäftsmodelle ermittelt. Weiterhin wird
auch hier die Konformität zur Unternehmensstrategie geprüft. Eine Abschätzung der
Umsatzpotentiale je Geschäftsmodell vervollständigt die Analyse und ermöglicht die
Auswahl eines Erfolg versprechenden Geschäftsmodells. Anschließend ist das ausge-
wählte Geschäftsmodell zu dokumentieren und die angestrebte Marktleistung für das
Unternehmen zu definieren. Dazu wird ein Make, M&A or Buy-Portfolio erstellt. Das
Portfolio ermöglicht eine Aussage, welcher Kompetenzaufbau im Unternehmen, wel-
cher Kompetenzaufbau durch Zukauf (M&A) und welche Kompetenzen extern über
Lieferanten bezogen werden sollten. Resultat dieser Phase sind ein Erfolg versprechen-
des Geschäftsmodell und die notwendigen Kompetenzen für dessen Umsetzung.
Seite 96 Kapitel 4
Diversifikationsstrategieentwicklung: Die Diversifikationsstrategie fasst die Ergeb-
nisse der vorherigen Phasen zusammen. Der Aufbau der Strategie orientiert sich an den
Strategieelementen, wie sie GAUSEMEIER ET AL. beschreiben (vgl. Kapitel 2.3.2). Er-
gebnis einer Diversifikation ist i. d. R. ein neues Geschäftsfeld des betreffenden Unter-
nehmens. Für das Geschäftsfeld ist ein Leitbild zu entwickeln, in dem wesentliche Aus-
sagen zum Zweck/Motivation, der Mission und den Zielen mit dem neuen Geschäftsfeld
beschrieben sind. Ein weiteres Kernelement ist die Beschreibung des Umgangs mit ex-
ternen Stakeholdern. Um die unternehmerische Vision zu vervollständigen, sind die
strategischen Kompetenzen (anhand des Make, M&A or Buy-Portfolios) und die strate-
gische Position zu definieren. Aus diesen Ergebnissen werden zum Schluss konkrete
Maßnahmen abgeleitet. Die finale Diversifikationsstrategie wird in einem Steckbrief
dokumentiert. Resultat dieser Phase ist eine spezifizierte und dokumentierte Diversifi-
kationsstrategie.
4.2 Geschäftsanalyse
Ziel der ersten Phase sind ermittelte Kompetenzen des betrachteten Unternehmens. Die
Geschäftsanalyse umfasst die drei Schritte Analyse des Diversifikationsauftrags (Kapi-
tel 4.2.1), Geschäftsstrukturanalyse (Kapitel 4.2.2) und Ermittlung von Kompetenzen
(Kapitel 4.2.3). Das Resultat der Phase sind ermittelte Kompetenzen je Geschäftsfeld
des Unternehmens.
4.2.1 Analyse des Diversifikationsauftrags
Ausgangspunkt ist ein vorliegender Diversifikationsauftrag, der in den meisten Fällen
von der Unternehmensführung erteilt wird. Diesen Auftrag gilt es eingehend zu analy-
sieren. Der Diversifikationsauftrag (vgl. Bild 4-2) ist das Ergebnis einer Marktstudie, in
der Marktvolumina, Marktwachstum und das Wachstumspotential verschiedener Bran-
chen wie Automobil, Energie und Medizintechnik bewertet werden. Dabei ist auf Klas-
sifikationen wie die „statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen
Gemeinschaft (NACE)“26 zurückzugreifen, da so leichter Marktzahlen zu ermitteln sind.
Die Ergebnisse dieser Analysen liegen in Steckbriefen vor und reichern den Diversifika-
tionsauftrag an. Im Validierungsbeispiel ist die Branche „Medizintechnik“ als vielver-
sprechend ausgewählt worden. Das betrachtete Unternehmen ist ein großer Automobil-
zulieferer und möchte seine Abhängigkeit von diesem Geschäft und damit das unter-
nehmerische Risiko durch eine Diversifikation des Geschäfts verkleinern. Daher ist der
Auftrag erteilt worden, eine „Diversifikationsstrategie für die Medizintechnik“ zu erar-
beiten. Gerade bei großen Unternehmen bzw. Konzernen schließt diese Strategie eine
26 NACE ist das Akronym für „Nomenclature statistique des activités économiques dans la Commun-
auté européenne“. Eine detaillierte Beschreibung zur NACE-Klassifizierung findet sich u. a. in
[Eur08, S. 13ff.].
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 97
explizite Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten für einen notwendigen Kompe-
tenzaufbau mit ein. Der Diversifikationsauftrag besteht im Validierungsbeispiel aus fünf
Bereichen (vgl. Bild 4-2).
Bild 4-2: Beispiel für einen Diversifikationsauftrag, Bildquelle siehe Bildquellenver-
zeichnis
Zunächst wird beschrieben, was grundsätzlich mit dem Auftrag erreicht werden soll. In
diesem Fall steht die „Auswahl einer Erfolg versprechenden Produkt-, Dienstleistungs-,
Marktsegmentkombination“ im Vordergrund. Für die Marktleistung ist ein „wirtschaft-
lich Erfolg versprechendes Geschäftsmodell vorzulegen“.
Das Absatzpotential sowie die notwendigen Kompetenzen zur Umsetzung des Ge-
schäftsmodells sind wesentliche Teilziele der zu entwickelnden Diversifikationsstrate-
gie. Weitere Bereiche des Auftrags sind eine allgemeine Definition (hier: Medizinpro-
dukte), Bespiele für Produkte, wesentliche Key Player sowie eine Markteinschätzung.
Diese Markteinschätzung ist eine der wesentlichen Entscheidungsgrundlagen im Vali-
dierungsbeispiel gewesen.
Diversifikationsauftrag Medizintechnik
Key Player (Auszug)
• 3M
• Abbott
• B. Braun Melsungen
• Beiersdorf
• Bosch Healthcare
• Covidien
• Dräger
• Fresenius
• General Electric
• Johnson & Johnson
• KCI
• Kimberly-Clark
• Medtronic
• Otto Bock
• Philips Healthcare
• Roche
• Sanofi-Aventis
• Siemens Healthcare
• Smith & Nephew
• St. Jude Medical
Beispiele für Medizinprodukte
• Aktivitätsmesser
• Bandage
• Computertomograph
• Diagnoseleuchte
• Elektrokardiograph
Markteinschätzung (weltweit)
Marktvolumen 2012: 222 Mrd. Euro
Marktwachstum ′08-′12: +5 Prozent (Ø)
Marktwachstumspotential: ++
Weltmarkt nach Ländern (Umsatz der
Hersteller):
Rest
Japan
Europa
USA
15 Prozent
(33 Mrd. Euro)
13 Prozent
(28 Mrd. Euro)
30 Prozent
(67 Mrd. Euro)
42 Prozent
(94 Mrd. Euro)
Total: 222 Mrd. Euro
Definition Medizinprodukte
In Anlehnung an das Medizinpro-
duktegesetz sind Medizinprodukte
alle einzeln oder miteinander ver-
bunden verwendete Instrumente,
Apparate, Vorrichtungen, Stoffe
oder andere Gegenstände, ein-
schließlich der für ein einwandfrei-
es Funktionieren des Medizinpro-
duktes eingesetzten Software, die
zur Anwendung für die Prävention,
Diagnose, Therapie und Rehabili-
tation entwickelt bzw. hergestellt
werden [BMJ12].
Auftragsbeschreibung
Ziel des Vorhabens ist eine Diversifikationsstrategie für das Geschäftsfeld
Medizintechnik. Dazu gilt es, eine Erfolg versprechende Produkt-, Dienstleis-
tungs-, Marktsegmentkombination auszuwählen, die ein nachhaltiges Wachs-
tum aufweist und zukunftsträchtig ist. Für die Marktleistung ist ein wirtschaft-
lich Erfolg versprechendes Geschäftsmodell vorzulegen. Das Absatzpotential
sowie notwendige Kompetenzen sind u. a. für das erarbeitete Geschäftsmo-
dell zu bestimmen. [...]
Quelle: [BVM12-ol]
Seite 98 Kapitel 4
4.2.2 Geschäftsstrukturanalyse
Die Geschäftsstrukturanalyse dient nach GAUSEMEIER ET AL. der präzisen Bestimmung
der Position eines Unternehmens im Wettbewerb und der Identifikation von Schwer-
punkten der Geschäftstätigkeit. Diese Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit werden von
GAUSEMEIER ET AL. auch als Hauptgeschäftsfelder bezeichnet [GPW09, S. 138]. Für die
Geschäftsstrukturanalyse wird eine sogenannte Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix
herangezogen, wie sie in Bild 4-3 dargestellt ist. In den Spalten der Matrix werden die
bearbeiteten Marktsegmente des Unternehmens eingetragen. Dies können homogene
Kundengruppen wie die in Kapitel 2.1.4 vorgestellten Sinus-Milieus® oder belieferte
Branchen wie im Validierungsbeispiel sein. Beispiele für Branchen sind „Automobil“
und „Pharma“. Die Zeilen der Matrix repräsentieren die Komponenten der Marktleis-
tung. Im Validierungsbeispiel sind dies Produktgruppen wie „O-Ringe“ und „Radial-
wellendichtringe“ und Dienstleistungen wie „Produkt-Engineering“ und „After Sales
Support“. Nach GAUSEMEIER und FINK ist jede Zelle der Matrix mit Umsatz, Umsatz-
wachstum, Deckungsbeitrag, Alter der Marktleistung und der Position im Wettbewerb
zu charakterisieren [GF99, S. 169ff.]. Bild 4-3 zeigt die drei Hauptgeschäftsfelder
„Dichtungstechnik“, „Vliesstoffe“ und „Haushaltsprodukte“ des betrachteten Unter-
nehmens.
Bild 4-3: Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix des betrachteten Unternehmens
(anonymisierter Auszug), Darstellung in Anlehnung an [GPW09, S. 138]
Das umsatzstärkste Hauptgeschäftsfeld ist die „Dichtungstechnik“, mit dem vor allem
die Branche „Automobil“ und z. T. „Pharma“ bedient wird. Aufgrund der Vertraulich-
keit ist lediglich eine prinzipielle Darstellung der Markt-Leistungs-Marktsegmente-
Matrix ohne Angaben von Umsatz, Umsatzwachstum etc. möglich. Für die Geschäfts-
strukturierung bietet sich neben der Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix das inte-
Komponenten der Marktleistung
Marktsegmente
(nach Branchen)
Pharma
Vliesstoffe
Geschäftsfeld
Biotech
Auto-
mobil Haus-
halt
O-Ringe
Vliesstoffe
After Sales
Support
Haushalts-
produkte
Charakterisierung eines
Geschäftsfeldes:
• Umsatz [Millionen Euro]
• Umsatzwachstum [Prozent]
• Deckungsbeitrag [Prozent]
Alter der Marktleistung [Jahre]
• Position im Wettbewerb
Energie
Dichtungstechnik
Radialwellen-
dichtringe
Silikonteile
Produkt-
Engineering
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 99
grierte Markt- und Technologieportfolio nach MCKINSEY an. Das Portfolio ermöglicht
die Identifikation von Markt- und Technologieprioritäten für die verschiedenen Pro-
duktbereiche eines Unternehmens [Kru82, S. 30], [GPW09, S. 153f.]. Auf die Darstel-
lung wird an dieser Stelle verzichtet.
4.2.3 Ermittlung von Kompetenzen
Nachdem das Geschäft des betrachteten Unternehmens durch eine Marktleistungs-
Marktsegmente-Matrix strukturiert worden ist, können Schlüsselfähigkeiten und Schlüs-
selressourcen je Geschäftsfeld abgeleitet werden. Dies dient nach LOMBRISER und AB-
PLANALP der Ermittlung von Kompetenzen eines Unternehmens [LA10, S. 156ff.] (vgl.
Kapitel 2.1.3). Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen zeichnen sich dadurch aus, dass sie
charakteristisch für ein Geschäftsfeld sind und ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen.
Das Gegenteil sind Standardfähigkeiten und -ressourcen, wie es beispielsweise die Auf-
tragsabwicklung sein kann. Sich ergänzende Kombinationen aus Schlüsselfähigkeiten
und -ressourcen führen zu Kompetenzen eines Geschäftsfeldes. Bild 4-4 zeigt einen
Ausschnitt der Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen, die im Validierungsbeispiel je
Geschäftsfeld ermittelt worden sind. Das Geschäftsfeld „Dichtungstechnik“ (Zeile 1)
weist beispielsweise Schlüsselfähigkeiten im „Zulassungs-Know-how der U.S. Food
and Drug Administration (FDA) 2025185“ auf und besitzt u. a. „Maschinen zur Rein-
raumfertigung“ als Schlüsselressource.
Bild 4-4: Ermittlung von Kompetenzen, Übersicht über Schlüsselfähigkeiten und
Schlüsselressourcen je Geschäftsfeld des betrachteten Unternehmens
SchlüsselressourcenSchlüsselfähigkeiten
Vliesstoffe Dichtungstechnik
• Normen-, Zulassungs- bzw. Zertifizierungs-
Know-how (FDA 2025185*, ISO 13485**)
• Know-how zur Herstellung von Produkten zur
anschließenden Sterilisation
• Verständnis vom Einsatz von Kunststoffen
und Silikon bei Medizinprodukten
• Biologische Verträglichkeit bei Thermoplasten
• ...
Kompetenzen
• Portfolio an Fertigungstechnologien
für die Herstellung von Silikonprodukten und
Silikonverarbeitung
• Maschinen zur Reinraumfertigung (für
unterschiedliche Oberflächenbeschichtungen,
2 bis 5 Komponenten-Technologie)
• ...
• Materialpaarungen (Polymer + X in festem
Verbund)
• Kombination aus Material (Werkstoff) und
funktionsorientiertem Design
• Produktqualität
• Verständnis der Kundenanforderungen
After Sales Support/Kundenservice
• ...
• Große Bandbreite an Elastomer-
Fertigungstechnologien
• Weites Spektrum im Bereich der Werkstoff-
technologien
• Eigener, kompetenter Werkzeugbau
• ...
... ......
* FDA: Food and Drug Administration
** ISO: International Organization for Standardization
Seite 100 Kapitel 4
Das Geschäftsfeld „Vliesstoffe“ (Zeile 3) besitzt u. a. Schlüsselfähigkeiten im Bereich
der „Materialpaarungen (Polymer + X in festem Verbund)“ und einen „kompetenten
Werkzeugbau“ als Schlüsselressource. Mit Hilfe einer Kombinationsanalyse27 können
Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen zu Kompetenzen verknüpft werden. Im Validie-
rungsbeispiel ist für das Geschäftsfeld „Vliesstoffe die Kompetenz „kundenindividuel-
le Lösungen bei Materialpaarungen auf Polymerbasis“ ermittelt worden. Diese Kompe-
tenz besteht aus den Schlüsselfähigkeiten „Materialpaarungen (Polymer + X in festem
Verbund)“, „Kombination aus Material (Werkstoff) und funktionsorientiertem Design“,
„Verständnis der Kundenanforderungen“ und den Schlüsselressourcen „Große Band-
breite an Elastomer-Fertigungstechnologien“ und Weites Spektrum im Bereich der
Werkstofftechnologien“. Die ermittelten Kompetenzen können zudem mit der Position
im Wettbewerb eines Geschäftsfeldes in der Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix ab-
geglichen werden, um Kernkompetenzen abzuleiten. Kernkompetenzen sind Kompeten-
zen, die zu einem Wettbewerbsvorteil des Unternehmens oder in diesem Fall eines Ge-
schäftsfeldes beitragen28.
4.3 Marktanalyse
In der zweiten Phase des Verfahrens wird der zu erschließende Markt segmentiert und
analysiert. In Kapitel 4.3.1 erfolgt zunächst eine Marktsegmentierung. Anschließend
wird in Kapitel 4.3.2 eine Trendanalyse durchgeführt, um die Zukunftsrelevanz der
Marktsegmente zu ermitteln. Kapitel 4.3.3 setzt sich mit der Auswahl eines Erfolg ver-
sprechenden Marktsegments auseinander. Abschließend werden in Kapitel 4.3.4 die
Geschäftsmodelle der Unternehmen im ausgewählten Marktsegment analysiert. Resulta-
te der Phase sind ein Erfolg versprechendes Marktsegment sowie die in dem Marktseg-
ment verfolgten Geschäftsmodelle der Unternehmen.
4.3.1 Marktsegmentierung
Ziel der Marktsegmentierung ist die Gliederung eines Marktes in homogene Unterein-
heiten, die als Marktsegmente bezeichnet werden. Im Gegensatz zur Kundensegmentie-
rung, wie sie u. a. BRINK29 (vgl. Kapitel 2.1.4 und 3.1.2.2) vorschlägt, werden bei der
Marktsegmentierung Produkte/Produktgruppen berücksichtigt und Kundenanforderun-
27 Die Kombinationsanalyse ist ein von STOLL weiterentwickeltes Verfahren nach BERGER
[Ber06, S. 87ff.], das alle möglichen Kombinationen aus einer gegebenen Grundgesamtheit berechnet
[Sto09, S. 97ff.]. In diesem konkreten Anwendungsfall sind alle Schlüsselfähigkeiten und Schlüssel-
ressourcen mit dem Bewertungsmaßstab 0 = neutral, 1 = Kombination zwingend notwendig und 2 =
Kombination nicht zulässig gegeneinander bewertet worden. Auf eine ausführliche Darstellung der
Berechnung wird an dieser Stelle verzichtet.
28 Vgl. dazu u. a. [LA10, S. 159ff.] und Kapitel 2.1.3.
29 Für eine ausführliche Darstellung des Vorgehens einer Kundensegmentierung vgl. [Bri10, S. 102ff.]
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 101
gen zunächst ausgeklammert [LA10, S. 90ff.]. Da über die zu erschließende Branche bei
dem entsprechenden Unternehmen noch kein fundiertes Verständnis vorherrscht, bietet
sich dieses Vorgehen an. Informationen über Merkmale wie Einsatzbereiche und An-
wendungsmöglichkeiten einzelner Produkte/Produktgruppen lassen sich i. d. R. leicht
beschaffen. Die Segmentierung dient dazu, Produkte/Produktgruppen in Gruppen zu-
sammen zu fassen (Cluster), die im Hinblick auf die betrachteten Merkmale möglichst
homogen sind [BEP+11, S. 307]. Grundgedanke dieses Vorgehens ist, dass ähnliche
Produkte/Produktgruppen auch mit ähnlichen Kompetenzen entwickelt, produziert und
vertrieben werden können.
Der in der vorliegenden Arbeit entwickelte Ansatz greift dabei auf bekannte Gruppie-
rungsverfahren wie das Average-Linkage-Verfahren sowie Proximitätsmaße wie den
Jaccard-Koeffizienten zurück. Im ersten Schritt sind geeignete Merkmale und deren
Ausprägungen zu ermitteln, nach denen die Produkte/Produktgruppen bewertet werden
können. Um die Suche nach geeigneten Merkmalen zu strukturieren, bietet sich im Be-
reich der Medizintechnik die Analyse der „Patientenversorgungskette“ an (vgl. Bild
4-5). Es ist die Frage zu beantworten, in welcher Form bestehende und zukünftige Pro-
dukte/Produktgruppen in der Patientenversorgungkette eingesetzt werden30.
Bild 4-5: Phasen der Patientenversorgungskette
Mit Hilfe der Methode Brainwriting31 sind in einem Workshop mit Vertretern des Be-
reichs New Business Development und externen Experten32 Segmentmerkmale erarbei-
tet und dokumentiert worden. In einem weiteren Schritt wird eine Einfluss- und Rele-
vanzanalyse durchgeführt, um Schlüsselsegmentmerkmale zu ermitteln33. Auf diese
Weise wird die Anzahl an Segmentmerkmalen auf ein handhabbares Maß reduziert.
Ausgangspunkt für die Marktsegmentierung ist ein Katalog von 22 Segmentmerkmalen.
Eine Übersicht der Segmentmerkmale und Schlüsselsegmentmerkmale liefert Bild 4-6.
30 Bei Investitionsgütern bietet sich beispielsweise die Analyse der Wertschöpfungskette nach PORTER
an [Por00, S. 66].
31 Eine detaillierte Beschreibung verschiedener Kreativitätstechniken findet sich u. a. in
[GEK01, S. 122ff.]
32 Da den Mitarbeitern eines Unternehmens die zu erschließende Branche in der Regel nicht voll um-
fänglich bekannt ist, bietet sich gerade zu Beginn des Vorgehens die Einbindung von externen Exper-
ten an.
33 Das Vorgehen orientiert sich an der Ermittlung von Schlüsselfaktoren im Rahmen der Szenario-
Technik nach GAUSEMEIER ET AL. [GPW09, S. 66ff.] und zur Ermittlung einer Kundensegmentierung
nach BRINK [Bri10, S. 102ff.].
Prävention Diagnose Therapie Rehabilitation
Seite 102 Kapitel 4
Bild 4-6: Segmentmerkmale und Schlüsselsegmentmerkmale für die Medizintechnik
Auf die Darstellung der Schritte Einfluss- und Relevanzanalyse wird an dieser Stelle
verzichtet, da die beiden Methoden Gegenstand von Kapitel 4.4.2 und Kapitel 4.4.3
sind.
Die Segmentmerkmale werden eindeutig definiert, um ein einheitliches Verständnis zu
schaffen. Nach § 3 Nr. 14 Medizinproduktegesetz ist beispielsweise das Schlüsselseg-
mentmerkmal „Aufbereitung“
„die von bestimmungsgemäß keimarm oder steril zur Anwendung
kommenden Medizinprodukten nach deren Inbetriebnahme zum Zwe-
cke der erneuten Anwendung durchgeführte Reinigung, Desinfektion
und Sterilisation einschließlich der damit zusammenhängenden Ar-
beitsschritte sowie die Prüfung und Wiederherstellung der technisch-
funktionellen Sicherheit.“ [BMJ12, S. 6]
Anschließend werden für jedes Schlüsselsegmentmerkmal zwei bis fünf Ausprägungen
ermittelt, die den Einsatz, den Gebrauch oder die Beschaffenheit eines Produktes in der
Praxis charakterisieren. Für das vorgestellte Beispiel „Aufbereitung“ sind die Ausprä-
gungen „Produkt wird sterilisiert“, „Produkt wird desinfiziert“ und „Produkt wird
entsorgt“ bestimmt worden. Alle Ausprägungen werden in Prosa beschrieben, wie in
Bild 4-7 für das Beispiel „Aufbereitung“ dargestellt.
fett: Schlüsselsegmentmerkmal
Segmentmerkmale
Medizintechnik
20 Ort der Rehabilitation
21 Art der Rehabilitation
22 Dauer der Rehabilitation
1 Aufbereitung
2 Mobilität
3 Individualität
4 Einsatzdauer
6 Aktivität
7 Preis
5 Anwender/Bedienung
8 Kontakt zum Patienten
16 Ort der Therapie
17 Therapieform
18 Therapiemodus
19 Dauer der Therapie
11 Dauer der Prävention
10 Art der Prävention
12 Ort der Diagnose
15 Darstellung des Diagnose-
ergebnisses
13 Art der Diagnose
14 Dauer der Diagnose
R
e
h
a
b
i
l
i
t
a
t
i
o
n
A
l
l
g
e
m
e
i
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P
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n
T
h
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r
a
p
i
e
D
i
a
g
n
o
s
e
9 Ort der Prävention
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 103
Bild 4-7: Ausprägungen des Schlüsselsegmentmerkmals „Aufbereitung“, Bildquellen
siehe Bildquellenverzeichnis
Für die Ermittlung der Marktsegmente sind für die Branche typische Produk-
te/Produktgruppen zu recherchieren. An dieser Stelle unterstützen Quellen wie die „Da-
tenbank des Statistischen Bundesamtes“34. Das Vorgehen bietet zudem die Möglichkeit,
sofort auf Absatz- und Umsatzzahlen zurückzugreifen. Im Validierungsbeispiel sind 82
repräsentative Produkte/Produktgruppen35 ausgewählt worden. Diese sind alle anhand
der Ausprägungen der Schlüsselsegmentmerkmale zu bewerten. Ein Auszug der ausge-
füllten Ausprägungsliste ist in Bild 4-8 dargestellt. Trifft eine Ausprägung auf ein Pro-
dukt/Produktgruppe zu, ist eine „1“ zu setzen. Eine „0“ bedeutet, dass eine Ausprägung
nicht zutrifft. So trifft beispielsweise die Ausprägung „Patient“ (Zeile 4C) auf einen
„Aktivitätsmesser“ (Spalte 2) zu. Je Schlüsselsegmentmerkmal dürfen mehrere Ausprä-
gungen gleichzeitig zutreffen (ODER-Entscheidung).
34 Weitere Informationen unter der Hompage www.destatis.de.
35 Eine vollständige Übersicht aller Produkte/Produktgruppen befindet sich im Anhang A1.3.
Ausprägung A Produkt wird sterilisiert
Maßnahmen, die Materialien und Produkte durch Abtöten aller lebensfähigen
Vegetativ- und Dauerformen von pathogenen und apathogenen Mikroorganismen
befreien. Der damit erreichte Zustand der Materialien und Produkte wird als
„steril“ bezeichnet [Enz13a-ol].
Ausprägung B Produkt wird desinfiziert
Maßnahmen, die Materialien und Produkte durch Abtöten von Krankheitserregern
und Kleinstlebewesen in einen keimarmen Zustand versetzen.
Der damit erreichte Zustand der Materialien und Produkte wird als „desinfiziert“
bezeichnet [Enz13b-ol].
Ausprägung C Produkt wird entsorgt
Maßnahmen, die der endgültigen Entsorgung der Produkte dienen. Bei
Instrumenten wird zwischen Trocken- und Nassentsorgung unterschieden
[Kre08, S. 172f.]. Verbrauchsmaterialien wie Tupfer oder Kompressen werden im
Rahmen des normalen medizinischen Entsorgungssystems verbrannt. [...]
Seite 104 Kapitel 4
Bild 4-8: Ausprägungsliste, Bewertung der Produkte/Produktgruppen anhand der
Ausprägungen der Schlüsselsegmentmerkmale (Auszug)
Anschließend sind für die Segmentierung der Produkte/Produktgruppen ein geeignetes
Ähnlichkeitsmaß und ein geeignetes Clusterverfahren36 (Algorithmus) auszuwählen. Für
die Auswahl des Ähnlichkeitsmaßes ist das Skalenniveau zu bestimmen. Im Validie-
rungsbeispiel liegt ein binäres Skalenniveau (1/0) vor (vgl. Bild 4-8). Weiterhin sollen
die Produkte/Produktgruppen nach ihrer Ähnlichkeit, also dem Vorhandensein einer
Ausprägung eines Merkmals und nicht auf Basis des Nichtvorhandenseins37 geclustert
werden. Aus diesen Gründen ist der „Jaccard-Koeffizient“ ausgewählt worden38. Der
36 Die Clusteranalyse ist in der vom Autor betreuten Bachelorarbeit 87 „Methode zur systematischen
Segmentierung von Märkten am Beispiel Medizintechnik“ [Böt13] validiert worden.
37 Bei der Verwendung von Distanzmaßen werden Objekte dagegen aufgrund ihrer Unähnlichkeit
geclustert. In diesem Fall werden zwei Objekte in einem Cluster gebündelt, wenn ihre Distanz in der
Grundgesamtheit am geringsten ist. Für eine ausführliche Darstellung von Clusteranalysen vgl.
[BEP+11, S. 307ff.], [BPW10]. Das allgemeine Vorgehen bei der Clusteranalyse ist im Anhang A1.1
dargestellt.
38 Vgl. dazu [BEP+11, S. 401].
Aufbereitung
Mobilität
Individualität
Anwender/
Bedienung
Art der
Rehabilitation
Ausprägung
Produkt wird sterilisiert
Produkt wird desinfiziert
Produkt wird entsorgt
Tragbar
Mobiler Einsatz
Stationärer Einsatz
Patientenindiv. Anpassung
Standardausführung
Arzt
Pflegekraft/Hilfskraft
Patient
Otologische Reha
Ophthalmologische Reha
Reha Mund/Dentalbereich
Orthopädische Reha
Patientenindiv. Herstellung
Merkmal
Ausprägungsliste
Fragestellung:
„Trifft die Ausprägung i (Zeile) des
Merkmals bei dem Produkt/Produktgruppe j
(Spalte) zu?“
Bewertungsmaßstab:
1 = Ausprägung trifft zu
0 = Ausprägung trifft nicht zu
Produkt/Produktgruppe
Absaugvorrichtung
Aktivitätsmesser
Augenprothese
Bandage
Behandlungssessel
Behandlungstisch
Blutalkoholtestgerät
Blutdruckmessgerät
Bohrer
Cochleaimplantat
Computertomograph
Wärmetherapiegerät
Verbandmaterial
Zahnimplantat
Zahnschmelzmeissel
1A
1B
1C
2A
2B
2C
3A
3B
3C
4A
4B
4C
11A
11B
11C
11D
1234567891011 79808182
10100000110 001
01 01111001 100
0001 000000 010
01110011010 111
10000000100 100
00001100001 000
00100000000 010
00011100010 100
11001111101 101
00001100111 101
10011111000 100
01110000000 110
00000000010 000
00100000000 000
000000000 0 01
00010000000 1
0
0
1
1
0
0
0
0
1
0
1
1
0
0
0
000
0
Nr.
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0 0
0
Beispiel
=Die Ausprägung Patient (Zeile 4C)
trifft auf einen Aktivitätsmesser
(Spalte 2) zu.
1
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 105
Jaccard-Koeffizient misst den relativen Anteil gemeinsamer Ausprägungen bezogen auf
die Merkmale, die mindestens eine „1“ aufweisen. Zunächst wird ermittelt, wie viele
Ausprägungen zwei Produkte/Produktgruppen übereinstimmend aufweisen. Danach
werden alle Ausprägungen gezählt, die nur bei einem der beiden Produk-
te/Produktgruppen vorhanden ist. Bild 4-9 zeigt alle möglichen Kombinationsmöglich-
keiten.
Bild 4-9: Kombinationsmöglichkeiten von binären Merkmalen in Anlehnung an
[BEP+11, S. 402]
Auf Basis der Kombinationsmöglichkeiten gemäß Bild 4-9 wird der Jaccard-Koeffizient
wie folgt berechnet:
Jij = a
a + b + c
Gleichung 4-1: Berechnung des Jaccard-Koeffizienten [Jac02, S. 67ff.]
Der Jaccard-Koeffizient ist somit ein normiertes Ähnlichkeitsmaß. Er nimmt den Wert
„1“ an, wenn zwei Produkte/Produktgruppen in allen Ausprägungen übereinstimmen.
Dagegen ist der Koeffizient „0“, wenn zwei Produkte/Produktgruppen keine identischen
Ausprägungen besitzen. Die Grundregel besagt: Je ähnlicher sich zwei Produk-
te/Produktgruppen sind, desto größer ist der Wert in der Ähnlichkeitsmatrix (vgl. Bild
4-10).
Die im Validierungsbeispiel mit dem Jaccard-Koeffizienten berechneten Ähnlichkeits-
maße sind in Bild 4-10 dargestellt. So sind beispielweise die Produkte/Produktgruppen
„Behandlungstisch“ (Zeile 6) und „Behandlungssessel“ (Spalte 5) in der Ausprägungs-
liste von Bild 4-8 identisch bewertet worden (alle Ausprägungen sind gleich). Somit ist
der Wert in der Ähnlichkeitsmatrix „1“. Die Ähnlichkeit von zwei Produk-
ten/Produktgruppen wird nicht durch die Reihenfolge des Vergleichs beeinflusst. Daher
reicht die Darstellung einer Dreiecksmatrix.
Produkt/Produktgruppe 2
Produkt/
Produktgruppe 1
Ausprägung
vorhanden (1)
Ausprägung nicht
vorhanden (0)
Ausprägung
vorhanden (1)
Ausprägung nicht
vorhanden (0)
a
b
c
d
Seite 106 Kapitel 4
Bild 4-10: Ähnlichkeitsmatrix der Produkte/Produktgruppen berechnet mit dem Jac-
card-Koeffizienten (Auszug)
Als Clusterverfahren ist ein hierarchisches Verfahren gewählt worden, da die Anzahl
der Cluster ex ante nicht vorzugeben ist. Weiterhin ist ein agglomeratives39 Verfahren
zu verwenden, das ein binäres Skalenniveau unterstützt. Zuletzt dürfen die Cluster un-
terschiedlich groß sein (die Anzahl der zu einem Cluster gebündelten Objekte unter-
scheidet sich in diesem Fall). Aus diesen Gründen ist das Clusterverfahren „Average-
Linkage“ ausgewählt worden40. Bild 4-11 zeigt das Ergebnis der Clusteranalyse im Va-
lidierungsbeispiel mit dem Average-Linkage-Verfahren und dem Jaccrad-Koeffizienten
als Ähnlichkeitsmaß41. Insgesamt sind 14 verschiedene Cluster ermittelt worden. Die
Cluster werden im Folgenden als Marktsegmente bezeichnet und mit einem charakteris-
39 Bei einem agglomerativen Verfahren bildet zunächst jedes Objekt eine einzelne Partition (Clusteran-
zahl entspricht der Anzahl der Objekte), die in den Folgeschritten zu größeren Clustern zusammenge-
fast werden. Im Gegensatz dazu werden bei divisiven Verfahren aus der gröbsten Partition schrittwei-
se kleinere Cluster gebildet [BEP+11, S. 418].
40 Vgl. dazu [BEP+11, S. 418].
41 Für die Clusteranalyse ist die Open Source Software RStudio (www.rstudio.com) eingesetzt worden.
Produkt/Produktgruppe
Absaugvorrichtung
Aktivitätsmesser
Augenprothese
Bandage
Behandlungssessel
Behandlungstisch
Blutdruckmessgerät
Bohrer
Cochleaimplantat
Computertomograph
Verbandmaterial
Wärmetherapiegerät
Zahnimplantat
Zahnschmelzmeissel
Blutalkoholtestgerät
Ähnlichkeitsmatrix
Ähnlichkeitswerte der
Produkte/Produktgruppen
(berechnet mit dem
Jaccard-Koeffizienten;
Wert/1000). Je größer der
Wert in einer Zelle, desto
größer die Ähnlichkeit der
Produkte/Produktgruppen.
Produkt/Produktgruppe
Absaugvorrichtung
Aktivitätsmesser
Augenprothese
Bandage
Behandlungssessel
Behandlungstisch
Blutalkoholtestgerät
Blutdruckmessgerät
Bohrer
Cochleaimplantat
Computertomograph
Wärmetherapiegerät
Verbandmaterial
Zahnimplantat
Zahnschmelzmeissel
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
79
80
81
82
1234567891011 79808182
737
500650
708731708
677667536762
677667536762 10³
625926625708677677
593905708778643643 944
750450375480414414500480
414450276381286286414364536
500625500593677677750708375276
875548500708677677625593625536500
684778684846850850679739450364562
414462276381286286414381536857276
937737536762714714677643677429536
Nr.
364
733
679
536
806 429
Beispiel
=
Ein Behandlungstisch (Zeile 6)
und ein Behandlungssessel
(Spalte 5) sind in allen
Ausprägungen identisch.
10³
10³
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 107
tischen Namen versehen. So enthält beispielweise das Marktsegment „Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing“ (Cluster 2) die Produkte/Produktgruppen „Aktivitätsmesser“
„Blutalkoholtestgerät“ und „Blutdruckmessgerät“. Da es sich bei Bild 4-11 um einen
Auszug des Gesamtergebnisses handelt, fehlen die in der Übersicht zusätzlich zugeord-
neten Produkte/Produktgruppen „Elektrokardiograph“, „Glukosemessgerät“, „Not-
rufsystem“, „Personenwaage“, „Pulsoxymeter“, „Spirometer“ und „Thermometer“.
Bild 4-11: Ergebnis der Clusteranalyse, Cluster und zugeordnete Produkte/Produkt-
gruppen (Auszug)
Für alle Produkte/Produktgruppen können Umsatzzahlen aller Unternehmen in den je-
weiligen Marktsegmenten ermitteln werden. Die Umsatzzahlen in Bild 4-12 beziehen
sich auf den weltweiten Absatz im jeweiligen Marktsegment. In Klammern ist zudem
der Umsatzanteil des Marktsegments am Gesamtumsatz mit Medizintechnik (222 Mrd.
Euro) angegeben. So wird im Marktsegment „Telemedizin/Point-of-Care-Testing“
weltweit ein Umsatz von 2,1 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einem Umsatzanteil
von einem Prozent am Gesamtmarkt Medizintechnik.
X
X
X
XX
X
X
X
XX
X
X
X
X
Audiologische Geräte und Systeme
Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Bildgebende Geräte und Systeme
Geräte und Systeme für OP und Intervention
Geräte und Systeme für minimal-invasive Eingr.
Therapiesysteme
Orthopädische Vorrichtungen sowie Reha-Tech.
Diagnosesysteme
Labortechnik
Geräte und Systeme für Ophthalmologie
Geräte und Systeme für Zahnmedizin
Implantate und Prothesen
Cluster (Marktsegment)
Ergebnis der Clusteranalyse
Cluster und zugeordnete
Produkte/Produktgruppen
Legende:
X = Cluster enthält Produkt/Produktgruppe
Produkt/Produktgruppe
Absaugvorrichtung
Aktivitätsmesser
Augenprothese
Bandage
Behandlungssessel
Behandlungstisch
Blutalkoholtestgerät
Blutdruckmessgerät
Bohrer
Cochleaimplantat
Computertomograph
Wärmetherapiegerät
Verbandmaterial
Zahnimplantat
Zahnschmelzmeissel
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
14
1234567891011 79808182
Nr.
13
Verbrauchs- und Hilfsmittel
Einrichtungen in Klinik und Praxis
X
Beispiel
Das Cluster 2 Telemedizin/Point-of-
Care-Testing (Zeile 2) enthält die
Produkte/Produktgruppen Aktivitäts-
messer, Blutalkoholtestgerät und
Blutdruckmessgerät.
Seite 108 Kapitel 4
Bild 4-12: Übersicht der Marktsegmente Medizintechnik mit Umsatzzahlen und Um-
satzanteilen
4.3.2 Trendanalyse
Bisher sind die Marktsegmente lediglich auf Basis von Vergangenheitswerten (Umsatz
im Marktsegment, Umsatzanteil etc.) charakterisiert worden. Da die Diversifikation
zukunftsgerichtet ist, bietet sich eine Analyse von Trends42 an. Trends können in den
Suchbereichen Gesellschaft, Politik und Ökonomie gefunden werden. Als Ausgang-
punkt dient die Recherche in einschlägigen Studien namhafter Institutionen. Im Validie-
rungsbeispiel sind Studien u. a. vom „Aachener Kompetenzzentrum Medizintechnik
(AKM)“ und der „Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT)“ oder
von Unternehmensberatungen wie „Roland Berger“ herangezogen worden. Insgesamt
konnten 47 Trends für die Medizintechnik ermittelt werden. Da die detaillierte Analyse
von 47 Trends sehr zeitaufwändig ist, empfiehlt sich die Anwendung einer Rele-
vanzanalyse43. Auf diese Weise ist die Anzahl der weiter zu betrachtenden Trends auf
42 Es können auch wahlweise Zukunftsszenarien erstellt werden (vgl. Kapitel 4.5.1). Da es erfahrungs-
gemäß in einer Branche mehr als 10 Marktsegmente gibt, ist die Entwicklung von Szenarien sehr zeit-
aufwändig. Im Validierungsbeispiel wären für alle 14 Marktsegmente Szenarien zu entwickeln gewe-
sen.
43 Auf die Darstellung der Relevanzanalyse wird an dieser Stelle verzichtet und auf das Kapitel 4.4.3
verwiesen. Fragestellung im Anwendungsfall: Ist der Trend in der Zeile wichtiger als der Trend in der
Spalte für die Medizintechnik?
Audiologische Geräte und
Systeme
3,6 Milliarden Euro (1,6 Prozent)*
1Orthopädische Vorrichtungen
sowie Reha-Technik
12 Milliarden Euro (5,4 Prozent)*
8
Telemedizin/
Point-of-Care-Testing
2,1 Milliarden Euro (1,0 Prozent)*
2Diagnosesysteme
14 Milliarden Euro (6,3 Prozent)*
9
Bildgebende Geräte und
Systeme
22 Milliarden Euro (9,9 Prozent)*
3Labortechnik
30 Milliarden Euro (13,5 Prozent)*
10
Geräte und Systeme für
Operation und Intervention
28 Milliarden Euro (12,5 Prozent)*
4Geräte und Systeme für
Ophthalmologie
12 Milliarden Euro (5,4 Prozent)*
11
Geräte und Systeme für
minimal-invasive Eingriffe
4 Milliarden Euro (1,8 Prozent)*
5Geräte und Systeme für die
Zahnmedizin
12 Milliarden Euro (5,4 Prozent)*
12
Therapiesysteme
10 Milliarden Euro (4,5 Prozent)*
6Verbrauchs- und Hilfsmittel
38 Milliarden Euro (17,1 Prozent)*
13
Implantate und Prothesen
26 Milliarden Euro (11,7 Prozent)*
7Einrichtungen in Klinik und
Praxis
8 Milliarden Euro (3,6 Prozent)*
14
* Umsatz des Marktsegments (Anteil an den 222 Milliarden Euro Gesamtumsatz mit Medizintechnik)
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 109
24 reduziert worden. Beispiele für Trends sind die „Entwicklung zum Home Care“ oder
die „Volkskrankheit Diabetes“. Da die Trends für eine grundsätzliche Einschätzung des
zukünftigen Marktsegmentwachstums herangezogen werden sollen, sind im Folgenden
unter Verwendung einer Matrix zum Marktsegment-Trend-Mapping alle Marktsegmen-
te mit Blick auf den Einfluss der einzelnen Trends zu bewerten. Zeilenweise ist die Fra-
ge zu beantworten, ob der zukünftige Marktsegmentumsatz durch das Eintreten des
Trends sinkt (stark negative Beeinflussung), ob der Trend neutral ist oder ob der Um-
satz mit Produkten/Produktgruppen positiv beeinflusst wird. Im Validierungsbeispiel
liegt für den Trend „Volkskrankheit Diabetes“ die Zahl der weltweit Erkrankten mit
etwa 60 Millionen Menschen vor. Die renommierte University of Chicago schätzt, dass
es bis zum Jahr 2030 fast eine Verdopplung bei den Erkrankten auf etwa 100 Millionen
Menschen gibt. Dies erlaubt die Schussfolgerung, dass die Nachfrage nach Glukose-
messgeräten (Produktgruppe ist im Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-Testing
enthalten) stark steigen wird. Daher wird der Einfluss des Trends „Volkskrankheit Dia-
betes“ in Bild 4-13 (Spalte 22) auf das Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-
Testing mit einer „2“ bewertet. Auf eine Gewichtung ist aus Komplexitätsgründen ver-
zichtet worden.
Bild 4-13: Marktsegment-Trend-Mapping
Marktsegment-Trend-Mapping
Fragestellung:
„Wie stark wird das Marktsegment i (Zeile)
durch den Trend j (Spalte) beeinflusst?“
Bewertungsmaßstab:
-2 = stark negative Beeinflussung
-1 = negative Beeinflussung
0 = neutral
1 = positive Beeinflussung
2 = stark positive Beeinflussung
Audiologische Geräte und Systeme
Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Bildgebende Geräte und Systeme
Geräte und Systeme für OP und Intervention
Geräte und Systeme für minimal-invasive Eingr.
Therapiesysteme
Orthopädische Vorrichtungen sowie Reha-Tech.
Diagnosesysteme
Labortechnik
Geräte und Systeme für Ophthalmologie
Geräte und Systeme für Zahnmedizin
Implantate und Prothesen
Marktsegment
Trend
Altersarmut
Ambulante Therapie
Apps World
Ärztemangel
Digitalisierung der Medizin
Genetik
Health Society
Home Care
Lifestyle Medizin
Mass Customization
Volkskrankheit Hypertonie
Volkskrankheit Diabetes
Zwei-Klassen-Medizin
Beeinflussung (Ø für k Є Z \ {0})
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
14
12345678910 222324
Nr.
13
Verbrauchs- und Hilfsmittel
Einrichtungen in Klinik und Praxis
1,0
1,4
0,8
0,7
1,0
0,9
0,7
0,8
0,9
0,4
0,7
0,7
0
1,0
0100100012 0-1
-1 2 2 2 2 0 2 2 1 1 2 -1
000-1 01000 01
0-10-1000001 11
020-1101101 11
-1 2 1 -1 2 2 1 1 0 2 2 -1
-1 1 0 0 0 0 0 1 1 2 0 -2
-1 -1 0 0 0 0 2 0 2 1 2 -2
000-1121110 1-1
0000020-100 0-1
-1 2 0 -1 1 0 1 1 1 2 1 -2
-1 1 0 -1 1 0 1 0 2 2 0 -1
0
2
0
0
1
2
0
1
1
0
1
0
2
-1 2 0 0 0 0 1 1 1 1 0 00
0 -1 0 -1 0 0 0 -1 0 0 0 00
-0,5 0,7 0,2 -0,4 0,8 0,4 0,8 0,4 0,7 1,1 0,6 0,7 -0,6
Einfluss des Trends auf Medizintechnik (Ø)
Beispiel
=
Das Marktsegment Telemedizin/
Point-of-Care-Testing (Zeile 2)
wird durch den Trend Volks-
krankheit Diabetes (Spalte 22)
stark positiv beeinflusst.
2
2
08218397810
Anzahl beeinflusster Marktsegmente 7308000200 57
003
9
9
19
5
10
13
15
12
10
13
5
12
10
8
3
2
3
1
2
1
4
3
3
2
3
4
4
1
3
positiv
negativ
Anzahl Beeinflussungen
positiv
negativ
Seite 110 Kapitel 4
Auf diese Weise wird die gesamte Matrix ausgefüllt. Am Ende jeder Zeile kann abgele-
sen werden, wie stark und in welche Richtung das entsprechende Marktsegment im
Schnitt durch die Trends beeinflusst wird. Im Validierungsbeispiel wird das Marktseg-
ment „Telemedizin/Point-of-Care-Testing“ im Durchschnitt mit 1,4 positiv beeinflusst
(vgl. Bild 4-13, Zeile 2 rechts). Bei der Berechnung des arithmetischen Mittels werden
lediglich diejenigen Trends gewertet, die entweder einen positiven oder negativen Ein-
fluss ausüben. Es werden also keine Trends berücksichtigt, die eine neutrale Wertung
„0“ erhalten haben. Damit wird eine mögliche „Glättung“ des Ergebnisses durch die
Berücksichtigung einer Vielzahl neutraler Trends verhindert44. Der so ermittelte Wert
ist als Richtwert zu verstehen (wird das Marktsegment im Durchschnitt positiv oder
negativ von Trends beeinflusst). Um das Ergebnis noch weiter analysieren und interpre-
tieren zu können, ist am Ende der Zeile eine zweigeteilte Zelle je Marktsegment einge-
tragen. Es wird dargestellt, wie viele Trends positiv (links) und wie viele Trends negativ
(rechts) auf das Marktsegment wirken. Im Validierungsbeispiel wird das Marktsegment
„Telemedizin/Point-of-Care-Testing“ (Zeile 2) von 19 Trends positiv und von drei
Trends negativ beeinflusst (zwei Trends sind neutral). Das Marktsegment „Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing“ profitiert im Validierungsbeispiel am meisten von den ana-
lysierten Trends im Vergleich zu den übrigen Marktsegmenten.
Eine ähnliche Auswertung kann für die Trends durchgeführt werden. Die Ergebnisse
sind am Ende jeder Spalte dargestellt. Im Validierungsbeispiel wirkt der Trend „Volks-
krankheit Diabetes“ (Spalte 22) über alle Marktsegmente hinweg mit 0,6 positiv auf die
Medizintechnik (der Markt für Medizintechnik ist die Summe der 14 Marktsegmente).
Insgesamt beeinflusst dieser Trend fünf Marktsegmente positiv und wirkt auf kein
Marktsegment negativ. Die Ergebnisse der Analyse sowie die detaillierte Beschreibung
der Trends werden in Trendsteckbriefen festgehalten (vgl. Bild 4-14). Die Steckbriefe
enthalten neben einer allgemeinen Beschreibung des Trends eine aussagekräftige Ver-
laufsgraphik wie das Blockdiagramm in Bild 4-14 rechts dargestellt. In diesem gezeig-
ten Steckbrief wird die absolute Anzahl Diabetiker weltweit im Zeitverlauf dargestellt.
Weiterhin werden die Auswirkungen des Trends, welche Marktsegmente vom Trend
beeinflusst werden, die Positionierung des Trends im Trendradar45 und die Hand-
lungsoptionen dargestellt. Im Steckbrief ist zudem der Einfluss des Trends auf die Pati-
entenversorgungskette abgebildet.
44 Bei einer fiktiven Berücksichtigung weiterer 100 Trends mit neutraler Bewertung wird das arithmeti-
sche Mittel aller Einflüsse gegen 0 streben.
45 Der Trendradar „Medizintechnik“ ist im Anhang A1.5 dargestellt.
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 111
Bild 4-14: Trendsteckbrief Volkskrankheit Diabetes
4.3.3 Auswahl eines Erfolg versprechenden Marktsegments
Die Informationen zu den Marktsegmenten sind zu aggregieren und in Form von Markt-
segmentsteckbriefen aufzubereiten, wie in Bild 4-15 dargestellt. Die Steckbriefe enthal-
ten neben einer allgemeinen Definition des Marktsegments die zu diesem Segment
geclusterten Produkte/Produktgruppen sowie relevante Key Player des Marktsegments.
Zudem sind typische Krankheitsbilder aufzunehmen, die mit den Produk-
ten/Produktgruppen des Marktsegments diagnostiziert bzw. behandelt werden können.
Weiterhin wird eine Markteinschätzung auf Basis von Vergangenheitswerten vorge-
nommen. Hier werden der Marktsegmentumsatz und das durchschnittliche Marktseg-
mentwachstum angegeben. Zudem gibt es eine Einschätzung zur Wettbewerbsintensität
und der Zukunftsrelevanz des Marktsegments. Die Zukunftsrelevanz ergibt sich aus der
zuvor durchgeführten Trendanalyse. Im Validierungsbeispiel sind 24 Trends für die
Analyse herangezogen worden. Je besser das absolute Verhältnis von positiven zu nega-
tiven Trendeinflüssen, desto besser ist die Zukunftsrelevanz des Marktsegments.
Markteintrittsbarrieren werden an dieser Stelle explizit nicht betrachtet, da die Diversi-
fikation durch Mergers & Acquisition (M&A) erfolgen kann. In diesem Fall sind
Markteintrittsbarrieren unter Umständen positiv zu bewerten. In der unteren Zelle des
Steckbriefs befindet sich eine Darstellung, in welchen Phasen der Patientenversor-
gungskette die Produkte/Produktgruppen eingesetzt werden.
Trendsteckbrief Volkskrankheit Diabetes
Beschreibung
Die Zahl der Diabetiker wird sich in den kommenden 20 Jahren
weltweit nahezu verdoppeln. Grund sind die zunehmende Verbreitung
von Fast Food in Schwellenländern wie China und eine anhaltend
hohe Wachstumsrate von Diabetes in den USA (alleine ca. 40 Mio.
Erkrankte bis 2030) [UCD12-ol].
Einfluss des Trends auf die Patientenversorgungskette
Prävention
hat Einfluss
hat keinen Einfluss
Diagnose
In-vitro In-vivo Therapie Rehabilitation
Auswirkungen des Trends
Ein hoher Blutzuckerspiegel hat Folgen für den
gesamten Körper eines Menschen. Es besteht
Gefahr für das Herz, die Augen, die Leber und die
Nieren. Aufgrund zunehmender Fallzahlen sind
neue Versorgungskonzepte notwendig, um eine
flächendeckende medizinische Versorgung
sicherstellen zu können.
Erkrankte
weltweit
in [Mio.]
2010 2020 2030 Jahr
60 75 100
Trendradar (Gesellschaft)
Beeinflusste Marktsegmente
• Telemedizin/Point-of-Care-Testing
• Therapiesysteme
• Orthopädische Vorrichtungen sowie Reha-Tech.
• Diagnosesysteme
• Geräte und Systeme für Ophthalmologie
Anzahl beeinflusster
Marktsegmente: 5
Einfluss auf die Medizin-
technik (Ø): positiv (0,6)
Handlungsoptionen (Chancen und Risiken)
Dieser Trend bietet Chancen vor allem im Bereich
der Telemedizin/Point-of-Care-Testing. Diese
Systeme ermöglichen das tägliche Monitoring der
Glukosewerte und können in jeder Altersgruppe
eingesetzt werden.
Eintrittswahrscheinlich-
keit: hoch
Seite 112 Kapitel 4
Bild 4-15: Marktsegmentsteckbrief Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Nachdem alle Marktsegmente in Steckbriefen aufbereitet sind, ist der erste Schritt für
die Ermittlung der Diversifikationspriorität vollzogen. Die rechte Seite des Steckbriefs
in Bild 4-15 beinhaltet alle relevanten Informationen, die für die Ermittlung der Attrak-
tivität des Marktsegments notwendig sind und wird auf der Ordinate des Portfolios von
Bild 4-16 abgetragen. Diese wird mit Hilfe der Kriterien Marktsegmentwachstum, Wett-
bewerbsintensität und der Zukunftsrelevanz ermittelt. Dies sind externe Faktoren, die
von dem betrachteten Unternehmen nicht beeinflusst werden können. Jedes Marktseg-
ment kann zudem aus Sicht des Unternehmens bewertet werden (Abszisse des Portfo-
lios). Die Konformität zur Unternehmensstrategie wird mit den Kriterien Diversifikati-
onsgrad und Fit zum Diversifikationsauftrag bewertet. Der Diversifikationsgrad spiegelt
dabei die Entfernung des Marktsegments im Verhältnis zum bisher bedienten (Haupt-)
Markt des betrachteten Unternehmens wider. Im Sinne einer Diversifikation ist eine
große Distanz zu präferieren. In manchen Fällen kann explizit eine Markterschließungs-
strategie bzw. konzentrische Diversifikation erwünscht sein. Hier ist dann ein geringer
Diversifikationsgrad zu wählen, da somit keine große Distanz zum bisherigen Geschäft
auftritt. Beim Fit zum Diversifikationsauftrag werden die Marktsegmente anhand des
konkreten Auftrages bewertet und überprüft, wie gut die im Auftrag enthaltenen Vorga-
Marktsegmentsteckbrief Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Beschreibung
Die WHO definiert Telemedizin als die Erbringung von Gesundheits-
dienstleistungen unter Verwendung von Informations- und Kommunikati-
onstechnologien zum Austausch gültiger Informationen für Prävention,
Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten, wenn dabei die
räumliche Entfernung einen kritischen Faktor darstellt. Point-of-Care-
Testing bezeichnet (Labor-) Untersuchungen, die direkt vor Ort am
Patienten durchgeführt werden [WHO98].
Key Player (Auszug)
• 4sigma GmbH
Aipermon GmbH & Co. KG
• Almeda AG
• Biotronik SE & Co. KG
• BodyTel Europe GmbH
• Bosch Healthcare GmbH
• Corscience GmbH
• Getemed AG
• HMM Holding AG
• MEDGATE AG
• Medisana AG
• Philips Healthcare GmbH
• Sanofi-Aventis SA
• SHL Telemedicine Ltd.
• Vitaphone GmbH
• Withings SAS
Einsatz der Produkte/Produktgruppen in der Patientenversorgungskette
Prävention
findet Einsatz
findet keinen Einsatz
Diagnose
In-vitro In-vivo Therapie Rehabilitation
Produkte/Produktgruppen
• Aktivitätsmesser
• Blutalkoholtestgerät
• Blutdruckmessgerät
• Elektrokardiograph
• Glukosemessgerät
• Notrufsystem
• Personenwaage
• Pulsoxymeter
• Spirometer
• Thermometer
Typische Krankheitsbilder
Adipositas und Übergewicht
• Diabetes mellitus Typ II
• Hypertonie
• Herzinsuffizienz
• Metabolisches Syndrom
Marktsegmenteinschätzung
Marktsegmentumsatz 2012:
2,1 Milliarden Euro
Marktsegmentwachstum ′08-′12:
+10 Prozent (Ø)
Wettbewerbsintensität:
Überwiegend kleine
Unternehmen
Zukunftsrelevanz (Trends):
19 Trends wirken positiv,
3 negativ, 2 neutral
+
+
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 113
ben/Anforderungen erfüllt werden (vgl. Bild 4-2). Im Validierungsbeispiel ist u. a. ge-
fordert worden, dass eine „Erfolg versprechende Produkt- und Dienstleistungskombina-
tion“ zu wählen ist. In welcher Gewichtung die Kriterien in die Bewertung der zugrun-
deliegenden Nutzwertanalyse eingehen, ist unternehmensindividuell auszuprägen.
Bild 4-16: Ermittlung der Diversifikationspriorität
Die Diversifikationspriorität steigt im gezeigten Portfolio von unten links nach oben
rechts an. Im Validierungsbeispiel ist das Marktsegment „Telemedizin/Point-of-Care-
Testing“ für die weitere Betrachtung ausgewählt worden.
4.3.4 Ermittlung von Geschäftsmodellen der Unternehmen im ausge-
wählten Marktsegment
Nachdem ein Marktsegment für die weitere Betrachtung ausgewählt worden ist, kann
dieses detaillierter analysiert werden. Im ersten Schritt ist dazu eine Wettbewerbsanaly-
se durchzuführen. Einen Einstieg bietet der Marktsegmentsteckbrief aus Kapitel 4.3.3,
Bild 4-15. Weiterhin sind die Geschäftsmodelle der im Marktsegment etablierten Unter-
nehmen zu analysieren. Diese Analyse orientiert sich am Vorgehen von KÖSTER (vgl.
Kapitel 3.3.2.2). Zunächst ist der Geschäftsmodellrahmen zu definieren. Dieser gliedert
sich gemäß Bild 4-17 in die Partialmodelle Angebotsmodell (value offer), Kundenmo-
dell (value capture), Wertschöpfungsmodell (value creation) und Finanzmodell (value
cost). KÖSTER empfiehlt, die Partialmodelle eines Geschäftsmodells in kleinere Einhei-
Attraktivität des
Marktsegments
hoch
mittel
niedrig
Konformität zur Unternehmensstrategie
3
2
1
0
012 3
?
hohe Diversifikationspriorität
für weitere Betrachtung auswählen
mittlere Diversifikationspriorität
zurückstellen
niedrige Diversifikationspriorität
verwerfen
?
Marktsegmentwachstum
Wettbewerbsintensität
Zukunftsrelevanz (Trends)
niedrig mittel hoch
Telemedizin/
Point-of-Care-Testing
Bildgebende Geräte
und Systeme
Verbrauchs- und
Hilfsmittel
Geräte und Systeme für
die Ophthalmologie
...
Diagnosesysteme
Therapiesysteme
Diversifikationsgrad
Fit zum Div.-Auftrag
Marktsegmentumsatz
Seite 114 Kapitel 4
ten zu zerlegen, in sogenannte Geschäftsmodellelemente. Beispiele für Geschäftsmo-
dellelemente sind die adressierten Kundensegmente oder das Nutzenversprechen
[Kös14, S. 93f.]. Bis auf die Organisationsform werden alle von KÖSTER vorgeschlage-
nen Geschäftsmodellelemente verwendet, wie in Bild 4-17 dargestellt. Das Geschäfts-
modellelement „Marketingkanäle“ ist in „Kanäle“46 umbenannt worden, da dieser Be-
griff weiter gefasst ist. Zudem werden in dem gezeigten Geschäftsmodellrahmen
„Schlüsselaktivitäten“ in „Schlüsselfähigkeiten“ umbenannt. Kombinationen aus
Schlüsselfähigkeiten und Schlüsselressourcen ergeben somit die notwendigen Kompe-
tenzen für die Umsetzung des Geschäftsmodells.
Bild 4-17: Angepasster Geschäftsmodellrahmen in Anlehnung an KÖSTER
[Kös14, S. 93]
Die zehn Geschäftsmodellelemente dienen als Suchfelder für die Identifikation von Ge-
schäftsmodellvariablen. So sind im Validierungsbeispiel für das Geschäftsmodellele-
ment Kundensegmente in Expertenbefragungen die Variablen „Alter“, „Gesundheitszu-
stand“, „Selbstreflexion“, „Aktivität“, „Nutzenpräferenz“, „Innovationsakzeptanz“
und „Betreuungsbedarf“ ermittelt worden. Analog ist mit den übrigen Geschäftsmo-
dellelementen zu verfahren. Die Suche kann zudem durch die Analyse von Key Playern
unterstützt werden. Es bietet sich an, die recherchierten Informationen in einem Steck-
brief zu dokumentieren. Bild 4-18 zeigt beispielhaft den Steckbrief für den Key Player
„SHL Telemedicine“.
46 Der Begriff Kanäle (engl. channels) wird auch von OSTERWALDER und PIGNEUR verwendet
[OP10, S. 26], vgl. Kapitel 3.3.2.1.
Angebotsmodell Kundenmodell Wertschöpfungs-
modell Finanzmodell
Kundensegmente
(KS)
Nutzenversprechen
(NV)
Marktleistung
(ML)
Erlöskonzept
(EK)
Kundenbeziehungen
(KB)
Kanäle
(KN)
Schlüsselpartner
(SP)
Schlüsselfähigkeiten
(SF)
Schlüsselressourcen
(SR)
Kostenstruktur
(K$)
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 115
Bild 4-18: Unternehmenssteckbrief SHL Telemedicine
Insgesamt sind 16 Key Player47 im Validierungsbeispiel analysiert worden. Mit Hilfe
dieser Vorgehensweise verfügen alle bei der Entwicklung von Diversifikationsstrategien
beteiligten Personen über den gleichen Informationsstand. Zum anderen werden Ent-
scheidungen, die auf den gesammelten Wettbewerbsinformationen beruhen, transparen-
ter und nachvollziehbarer. Die Steckbriefe sind regelmäßig zu aktualisieren, um sie für
ein späteres Strategiecontrolling einsetzen zu können.
47 Die betrachteten Key Player des Marktsegments Telemedizin/Point-of-Care-Testing sind 4sigma,
Aipermon, Almeda, Biotronik, BodyTel, Bosch Healthcare, Corscience, Getemed, HMM,
MEDGATE, Medisana, Philips Healthcare, Sanofi-Aventis, SHL Telemedicine, Vitaphone und With-
ings.
Unternehmenssteckbrief SHL Telemedicine Ltd.
Einsatz der Produkte/Produktgruppen und Dienstleistungen in der Patientenversorgungskette
Prävention
findet Einsatz
findet keinen Einsatz
Diagnose
In-vitro In-vivo Therapie Rehabilitation
Globale Präsenz
• Israel (Hauptsitz in Tel Aviv)
• Deutschland
• USA (über Philips Healthcare)
Schlüsselfähigkeiten
• medizinisches Know-how
• Versorgungsmanagement
(„Compliance“ des Patienten)
• Datensicherheit
• Systemintegration
Kurzportrait
SHL wurde 1987 von Yoram Alroy und Elon Shalev gegründet. Zunächst
konzentrierte sich SHL auf das telemedizinische Monitoring der Herz-
tätigkeit bei chronischer Insuffizienz und überbrückte die physische
Distanz zwischen Patient und Arzt mit einem telemedizinischen Zentrum.
Seither hat das Unternehmen seine Geräte weiterentwickelt. Über eine
Millionen Messungen gehen jährlich bei SHL ein. SHL zählt damit
weltweit zu den größten Anbietern von Telemedizin [SHL13-ol].
Allgemeine Angaben (2012)
Umsatz: 34.970.000 Euro
Umsatzwachstum: -37 Prozent
Gewinn/Verlust: -8.306.000 Euro
Eigenkapital: 79.300.000 Euro
Fremdkapital: 50.320.000 Euro
Marktkapital.: 77.160.000 Euro
Bilanzsumme: 129.610.000 Euro
Mitarbeiter (weltweit): 334
* POCT: Point-of-Care-Testing
Marktsegmente
• Telemedizin/POCT*
Schlüsselressourcen
• Ärzteteam/Fachpersonal
• Datenbank mit elektronischer
Patientenakte
• IT-Infrastruktur (Vernetzung
Produkte mit Datenbank,
Anbindung an Callcenter)
Marktleistung
Produkte/Produktgruppen
• Blutdruckmessgerät
• Central Communication Centre
• digitales Mobilfunk-
datenübertragungsgerät
• EKG (12-Kanal)
• Personenwaage (elektronisch)
• Pulsoximeter (Finger)
• Spirometer (elektronisch)
• Telemarker (für Blutunter-
suchungen beim Patienten)
Dienstleistungen
• telemedizinisches Zentrum
mit ärztlicher Beratung 24h
• telemedizinsiche Betreuungs-
programme
• Rettungswagenflotte (in Israel)
Nutzenversprechen
• medizinische rund um die Uhr
Betreuung durch Ärzte
• Notfallalarmierung (in Israel
auch eigene Versorgung)
• individuelles Therapie-
monitoring
Kundensegmente
• Erwachsene/Senioren (Fokus)
• Chroniker
• reflektierter Endanwender
• qualitätsbewusst
• Service-/Dienstleistungsbedarf
Schlüsselpartner
• Auftragsfertiger
• Krankenkassen
• Kliniken/Krankenhäuser
• medizinische Fachverbände/
Kassenärztliche Vereinigungen
• Philips Healthcare (Vertrieb)
Seite 116 Kapitel 4
Nach KÖSTER bieten sich für jede Variable mehrere Möglichkeiten an, diese in einem
Geschäftsmodell zu berücksichtigen [Kös14, S. 95f.]. Daher sind je Variable alternative
Gestaltungsoptionen zu definieren. Im Validierungsbeispiel sind beispielsweise für die
Variable „Gesundheitszustand“ die Gestaltungsoptionen „Chroniker“ und „Gesunder“
definiert worden. Die Gestaltungsoptionen sind zudem in Prosa zu beschreiben. Im Va-
lidierungsbeispiel ist ein „Chroniker“ definiert worden als
„eine Person, die sich aufgrund einer Krankheit wenigstens ein Jahr
lang in ärztlicher Dauerbehandlung befindet. Die Krankheit wird kon-
tinuierlich medizinisch versorgt (ärztliche oder psychotherapeutische
Behandlung, Arzneimitteltherapie, Versorgung mit Heil- und Hilfsmit-
teln). Nach ärztlicher Einschätzung ist ohne diese Therapie eine le-
bensbedrohliche Verschlimmerung der Erkrankung, eine Verminde-
rung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der
Lebensqualität aufgrund der verursachten Gesundheitsstörung zu er-
warten“ [GBA13-ol, §2, Abs. 2, Buchstabe c]
Anschließend sind alle identifizierten Unternehmen im Marktsegment „Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing“ anhand der Gestaltungsoptionen zu bewerten. Es liegt die
Fragestellung zugrunde, zu wie viel Prozent eine Gestaltungsoption im Geschäftsmodell
des entsprechenden Unternehmens berücksichtigt wird. Ein Auszug der Bewertung des
Partialmodells Angebotsmodell ist in Bild 4-19 dargestellt. So bietet beispielsweise das
Unternehmen „SHL Telemedicine“ (Spalte 14) bei der Variable „Dienstleistung“ aus-
schließlich eine „ärztliche Beratung (24h)“ (Zeile 9A) an. Somit wird die Bewertung
mit „100“ bei dieser Gestaltungsoption vorgenommen. Ein überwiegender Teil der Be-
wertungen kann direkt aus den Beschreibungen der erstellten Unternehmenssteckbriefe
abgeleitet werden (vgl. Bild 4-18). Bei manchen Gestaltungsoptionen wie beim Ge-
schäftsmodellelement Kundensegmente können z. T. nur Abschätzungen gemacht wer-
den.
Bei der Bewertung ist darauf zu achten, in Summe je Unternehmen und strategischer
Variable 100 Prozent zu vergeben. Die Geschäftsmodelle der Unternehmen sind anhand
der vier Partialmodelle zu bewerten48.
48 Eine Übersicht aller bewerteten Partialmodelle befindet sich im Anhang A1.6.
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 117
Bild 4-19: Gegenwärtig verfolgte Geschäftsmodelle der Unternehmen in Form einer
Ausprägungsliste (Partialmodell Angebotsmodell, Auszug)
8A
8B
8C
8D
8E
8F
8G
8H
Produkt
Aktivitätsmesser
Blutdruckmessgerät
Elektrokardiograph
Glukosemessgerät
Notrufsystem
Personenwaage
Pulsoxymeter
Spirometer
Thermometer
kein Produkt
8I
8J
9A
9B
9C
9D
9E
9F
ärztliche Beratung (24h)
ärztliche Sprechstunde
medizinische Beratung (24h)
medizinische Sprechstunde
technische Beratung
keine Dienstleistung
Dienst-
leistung
Marktleistung
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
100
0
0
0
0
33
0
33
0
33
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
20
0
20
20
20
20
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
33
33
0
0
0
33
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
25
25
0
25
0
25
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
100
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
50
0
50
0
0
20
20
0
0
20
20
20
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
100
0
0
0
0
0
33
33
0
0
0
33
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
Altersgruppe
Gesundheits-
zustand
Selbst-
reflexion
Nutzen-
präferenzen
Gestaltungsoption
Kind/Jugendlicher
Erwachsener
Senior
Chroniker
Gesunder
reflektierter Endanwender
Sportler
kein Sportler
Preis
Qualität
Image/Lifestyle/Design
unreflektierter Endanwender
Variable
Service/Dienstleistung
Aktivität
0
50
50
50
50
50
50
0
100
0
0
0
100
0
70
30
50
50
100
0
70
30
0
50
0
50
0
50
50
50
50
50
50
0
100
0
0
0
100
0
50
50
100
0
100
0
0
100
0
90
0
10
0
80
20
100
0
100
0
0
100
0
50
0
50
0
50
50
100
0
100
0
0
100
0
33
33
33
0
50
50
100
0
100
0
0
100
0
100
0
0
33
33
33
100
0
100
0
0
100
0
100
0
0
0
50
50
50
50
100
0
50
50
0
50
0
50
0
50
50
100
0
100
0
0
100
0
0
0
100
20
80
0
100
0
100
0
0
100
25
25
40
10
10
30
60
100
0
100
0
0
100
0
50
0
50
0
40
60
100
0
100
0
0
100
0
0
0
100
50
50
0
0
100
100
0
50
50
0
0
100
0
1A
1B
1C
2A
2B
3A
3B
4A
4B
5A
5B
5C
123456789 13141516
Nr.
4sigma GmbH
Aipermon GmbH & Co. KG
Almeda AG
Biotronik SE & Co. KG
BodyTel Europe GmbH
Bosch Healthcare GmbH
Corescience GmbH & Co. KG
Getemed AG
HMM Holding AG
SHL Telemedicine Ltd.
Sanofi-Aventis SA
Vitaphone GmbH
Withings SAS
MEDGATE AG
10
5D
Unternehmen
Kundensegmente (Endanwender)
Ausprägungsliste Angebotsmodell
Fragestellung:
„Zu wie viel Prozent wird die Gestaltungs-
option i (Zeile) im Geschäftsmodell des
Unternehmens j (Spalte) berücksichtigt?“
Bewertungsmaßstab:
100 = Gestaltungsoption wird zu 100 Prozent
berücksichtigt
0 = Gestaltungsopt. wird nicht berücksichtigt
Beispiel
=
Eine ärztliche Beratung (24h)
(Zeile 9A) wird von der SHL
Telemedicine Ltd. angeboten
(Spalte 14).
100
100
Seite 118 Kapitel 4
Die Ergebnisse der geschilderten Bewertung werden mit Hilfe einer multidimensionalen
Skalierung (MDS)49 dargestellt (vgl. Bild 4-20).
Bild 4-20: Geschäftsmodelle der Unternehmen im Marktsegment Telemedizin/Point-of-
Care-Testing dargestellt in einer Multidimensionalen Skalierung (MDS)
Im Validierungsbeispiel können fünf Geschäftsmodellgruppen50 (Felder mit gestrichel-
ter Umrandung) identifiziert werden, die momentan im Marktsegment Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing verfolgt werden: „Produktangebot „Lifestyle“ (B2C)“51,
„Produktangebot „Professional“(B2B)52, „Telemedizinische Dienstleistungen mit
49 Ziel einer multidimensionalen Skalierung (MDS) ist eine räumliche Anordnung von Objekten. Dabei
werden die Abstände zwischen den Objekten im Raum so gewählt, dass sie den berechneten Ähnlich-
keiten entsprechen. Je näher die Objekte zusammen positioniert sind, desto ähnlicher sind sie sich. Für
die Erstellung dieser und aller folgenden multidimensionalen Skalierungen ist die Software PERMAP
11.8a (PERceptual MAPping Software, © Ronald B. Heady) eingesetzt worden. Die Software ist für
eine akademische Nutzung kostenfrei unter www.newmdsx.com/permap/permap.htm abrufbar.
50 Gescftsmodellgruppen sind ähnliche Gescftsmodelle, die von unterschiedlichen Unternehmen
verfolgt werden.
51 Die Abrzung B2C (Business to Consumer) bezeichnet eine Geschäftsbeziehung von einem Unter-
nehmen zu mindestens einem Verbraucher.
52 B2B (Business to Business) beschreibt die Geschäftsbeziehung zwischen mindestens zwei Unterneh-
men.
Almeda
4sigma
Vitaphone
MEDGATE
Bosch
Healthcare
Getemed
Corscience
Biotronik
Geschäftsmodell des
Unternehmens
Withings
SHL
Telemedicine
Sanofi-
Aventis
Aipermon HMM
BodyTel
Corscience
Produktangebot
„Lifestyle“ (B2C)
Telemedizinische Dienstleistungen mit
Servicecenter und Ärzteteam (B2C)
Telemedizinische
Dienstleistungen
und Beratung (B2B) Angebot von
Gesamtlösungen (B2B)
Produktangebot
„Professional“ (B2B)
Geschäftsmodellgruppe
Medisana
Philips
Healthcare
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 119
Servicecenter und Ärzteteam (B2C)“, „Telemedizinische Dienstleistungen und Beratung
(B2B)“ und das „Angebot von Gesamtlösungen (B2B). Zu diskutieren sind die zwei
Unternehmen Sanofi-Aventis und SHL Telemedicine: Das Geschäftsmodell von Sanofi-
Aventis ist in der Nähe der Gruppe „Produktangebot von „Lifestyle“ (B2B)“ positio-
niert, aber nicht direkt zugeordnet. Es unterscheidet sich von der besagten Gruppe vor
allem beim Erlöstreiber. Hier setzt Sanofi-Aventis nicht auf den Verkauf des Produktes
(BGStar® bzw. iBGStar®), sondern auf den Verkauf von Messstreifen zur Glukosemes-
sung (Nebenleistung). Das Geschäftsmodell von SHL Telemedicine ist in der Nähe der
Gruppe „Telemedizinische Dienstleistung mit Servicecenter und Ärzteteam (B2C)“ po-
sitioniert. SHL Telemedicine bietet darüber hinaus auch Produkte wie Blutdruckmess-
geräte und Elektrokardiographen an. Diese Produkte bieten die anderen Unternehmen
der Geschäftsmodellgruppe nicht an. Die Geschäftsmodelle von Aipermon, BodyTel
und HMM können keiner Geschäftsmodellgruppe zugeordnet werden. Ferner bietet sich
neben der Analyse bestehender Geschäftsmodelle eine Erfolgsfaktorenbefragung an.
Die Ergebnisse einer solchen Befragung sind im Anhang A1.8 dargestellt. Die Ergeb-
nisse einer Erfolgsfaktorenbefragung bieten eine weitere Einschätzung des Marktseg-
ments.
4.4 Stakeholder-Analyse
Im Rahmen der Entwicklung von Diversifikationsstrategien sind die Interessen von Sta-
keholdern zu berücksichtigen. Kapitel 4.4.1 setzt sich mit der Identifikation der Stake-
holder auseinander. In Kapitel 4.4.2 werden die direkten und indirekten Einflüsse der
Stakeholder analysiert, um das systemische Verhalten der Stakeholder zu ermitteln. In
Kapitel 4.4.3 erfolgt eine Bewertung der Relevanz und Ziele der Stakeholder. Als Er-
gebnis liegen Einfluss, Relevanz und Ziele der Stakeholder auf das betrachtete Markt-
segment vor.
4.4.1 Identifikation von Stakeholdern
Ziel dieser Phase ist eine Übersicht relevanter Stakeholder, die auf ein Unternehmen
bzw. Marktsegment wirken. Dazu sind zunächst Suchfelder zu definieren. Als grobe
Suchfelder können die Bereiche Globales Umfeld und Marktumfeld dienen, wie es sich
beispielsweise bei der Anwendung der Szenario-Technik nach GAUSEMEIER ET AL. be-
währt hat [GPW09, S. 64] (vgl. Kapitel 3.2.1 und Kapitel 4.5.1). Je Bereich sind ver-
schiedene Stakeholder zu ermitteln und in einem Ordnungsschema zu dokumentieren.
In der Praxis hat sich dazu ein sogenannter Stakeholder-Radar etabliert, wie er in Bild
4-21 dargestellt ist. Die Darstellung des Radars orientiert sich an FINK und SIEBE
[FS06, S. 180] (vgl. Kapitel 3.1.3.1) und GAUSEMEIER ET AL. [GPW09, S. 172],
[GLP12, S. 5]. Im Validierungsbeispiel sind insgesamt 38 Stakeholder (globales Umfeld
und Marktumfeld) ermittelt worden. Beispiele für globale Stakeholder sind die „Poli-
tik“, „Industrieverbände“ oder die „Presse“. Im Marktumfeld sind beispielsweise Sta-
Seite 120 Kapitel 4
keholder wie „Patienten/Privatpersonen“, „niedergelassene Ärzte“ und „Pharmaun-
ternehmen“ identifiziert worden. Da aus Komplexitätsgründen nicht alle Stakeholder
weiterbetrachtet werden können, sind mit Hilfe von Expertenbefragungen53 die 17 wich-
tigsten Stakeholder ausgewählt worden. So ist der Stakeholder „Klinikarzt“ nicht in die
weitere Betrachtung aufgenommen worden, da dieser als Angestellter von „Klini-
ken/Krankenhäusern“ anzusehen ist und deren Auffassung vertreten wird. Weiterhin
werden ausschließlich unternehmensexterne54 Stakeholder berücksichtigt, da es sich um
eine Marktsegmentanalyse handelt.
Bild 4-21: Stakeholder-Radar (Auszug)
53 Vgl. zum Vorgehen einer Delphi-Befragung Kapitel 3.2.2.
54 Zu den unternehmensinternen Stakeholdern zählen beispielsweise „Mitarbeiter“ und „Eigenkapitalge-
ber“ wie Aktionäre [GPW09, S. 172].
Investoren*
Niedergelassene
Ärzte*
Politik*
* Für die weitere Betrachtung
ausgewählt
Gesetzliche
Krankenversicherungen*
Bundesärztekammer*
Pflege-
einrichtungen*
Wohlfahrts-
verbände*
Kommunikations-
unternehmen*
Original Equipment
Manufacturer*
Industrieverbände*
Apotheken*
Presse
Forschungs-
einrichtungen
Pflegepersonal
Berater
Marktumfeld
Globales Umfeld
Umweltschutz-
gruppen
Verbrauchergruppen
Anbieter
von Telemedizin/
Point-of-Care-Testing
Private
Krankenversicherungen*
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften*
Pharma-
unternehmen*
Patienten/
Privatpersonen*
Kassenärztliche
Bundesvereinigung*
Zertifizierungs-
gesellschaften
Klinikärzte
...
...
Kliniken/
Krankenhäuser*
Händler
Logistikdienstleister
Gewerkschaften
Stakeholder
Anwälte
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 121
4.4.2 Direkte und indirekte Einflussanalyse
Die Einflussanalyse dient der Ermittlung des systemischen Verhaltens der Stakeholder
untereinander. Zunächst gilt es, die direkten Einflüsse der Stakeholder zu erfassen55. In
einer erweiterten Einflussmatrix werden die Stakeholder einander gegenübergestellt
(vgl. Bild 4-22). Je Stakeholder-Paar wird bewertet, wie sich die Einstellung eines Sta-
keholders durch den direkten Einfluss des anderen Stakeholders in Bezug auf die Tele-
medizin/Point-of-Care-Testing ändern kann und vice versa. Der Einfluss von Stakehol-
dern lässt sich nach MITCHELL ET AL. (vgl. Kapitel 3.1.3.3) durch die Attribute Macht,
Legitimität und Dringlichkeit ausdrücken. Dieser Grundgedanke wird in der Einfluss-
analyse aufgenommen. Jede Zelle besteht aus vier Feldern56. In den unteren drei Feldern
werden von links nach rechts die Attribute Macht, Legitimität und Dringlichkeit bewer-
tet. Der Bewertungsmaßstab reicht je Attribut von „0“ (entspricht keine Macht; keine
Legitimität; keine Dringlichkeit) bis „3“ (entspricht hohe Macht; hohe Legitimität; hohe
Dringlichkeit).
In der Zelle darüber wird der gewichtete Einflusswert der drei Attribute berechnet. Mit
den Experten ist eine Gewichtung der Attribute von 0,5 zu 0,3 zu 0,2 festgelegt worden.
Gemäß Bild 4-22 hat der Stakeholder „Bundesärztekammer“ (Zeile 1) gegenüber den
„Gesetzlichen Krankenkassen“ (Spalte 4) die Macht „2“, die Legitimität „1“ und die
Dringlichkeit „1“. Somit ergibt sich ein Einflusswert von insgesamt 1,5 der „Bundes-
ärztekammer“ gegenüber den „Gesetzlichen Krankenkassen“.
Diese Einflusswerte werden im Folgenden zur Ermittlung des Einflusses (Aktivsumme)
und der Beeinflussung (Passivsumme) der Stakeholder herangezogen:
Der Einfluss (Aktivsumme) eines Stakeholders ist die Zeilensumme aller Einfluss-
werte (Summe der oberen Zellen in einer Zeile). Sie zeigt die Stärke an, mit der ein
Stakeholder direkt auf alle anderen Stakeholder wirkt.
Die Beeinflussung (Passivsumme) eines Stakeholders ergibt sich aus der Spalten-
summe (Summe der oberen Zellen in einer Spalte). Sie ist ein Maß dafür, wie stark
ein Stakeholder direkt durch alle übrigen Stakeholder beeinflusst wird.
Der Stakeholder „Bundesärztekammer“ erreicht beispielsweise einen Einfluss (Aktiv-
summe) von 13,8 (Zeile 1) und wird mit einem Wert von 4,1 beeinflusst (Passivsum-
me). Dies spiegelt den direkten Einfluss auf die übrigen 16 Stakeholder und die direkte
Beeinflussung des Stakeholders durch die übrigen 16 Stakeholder wider.
55 Für eine detaillierte Beschreibung von Einflussanalysen vgl. [DG73].
56 Eine typische Form der Einflussanalyse findet sich u. a. bei [GPW09, S. 67].
Seite 122 Kapitel 4
Bild 4-22: Einflussmatrix mit den direkten Bewertungen der Stakeholder im Bereich
Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Diese Betrachtung allein lässt keine Schlussfolgerung auf die vollständige Vernetzung
im Gesamtsystem zu. Beziehungen über mehrere Stakeholder bleiben unberücksichtigt.
Es existieren indirekte Beziehungen aufgrund der Vernetzung der Stakeholder unterei-
nander und der Vielzahl möglicher Pfade von einem Stakeholder zu einem anderen Sta-
keholder. Erst die Berücksichtigung dieser Beziehungen in Ergänzung zu den direkten
Beziehungen ermöglicht eine korrekte Abbildung des gesamten Systems
Stakeholder
Bundesärztekammer
Niedergelassene Ärzte
AWMF**
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
Private Kranken-
versicherungen
Industrieverbände
Investoren
Kliniken/Krankenhäuser
Politik
Pflegeeinrichtungen
Wohlfahrtsverbände
Apotheken
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
Einfluss (Aktivsumme)
Einfluss normiert auf 100
Stakeholder Nr. 1 2 3 456789 14151617
Bundesärztekammer 1
0
3 0,5 1,5 1,5 0 0 0,5 0 2,8 0,5 0 2
13,8
333100211211000000100000 332100000222
Niedergelassene Ärzte 21
0
0,7
0000
0,8 0,5 1 0 2 1
11,6
111 101000000000000110100 111000222111
AWMF** 30 0,5
00000
00 0,8000
2,3
000100 000000000000000000 110000000000
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
4010
0 0,7 0 0
1,5 1,5 1,8 0,8 1 2
12,3
000111000 101000000211211 221110111222
Private Kranken-
versicherungen 5010
0,7 0 0 0
11 1010
8,2
000111000101 000000111111 111000111000
Industrieverbände 6000
0000
00 1,7000
4,2
000000000000000 000000000 212000000000
Investoren 7000
0010
0,5 0,5 0,5 0 0 0
4
000000000000000111 100100 100000000000
Kliniken/Krankenhäuser
Pflegeeinrichtungen
80 0,5 1 0 0 0 0
0
11010
10
000100111000000000000 111 111000111000
900000000
0
0,5 1 0 0
3,2
000000000000000000000000 100111000000
Politik 14 1 1,8 0 3 3 1 0 1,5 1,5
0
123
25,3
111221000333333111000211211 111222333
Wohlfahrtsverbände 15 000000000
1,7 0 00
2,7
000000000000000000000000000 212 000000
Apotheken
Beeinflussung (Passivsum.)
Beeinfl. normiert auf 100
16 0100
000
00
1,2 0 00
8,6
000111000000000000000000000 201000 000
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
17 0,7 1,7 0 2
000
00 200
0
7,9
55469493217164013100113431
101212000222000000000000000 222000000
4,1 13,4 2,2 9 76 0 8,2 8,9 21 3,3 10,4 8,7
20 64 10 43 33 29 0 39 42 100 16 50 41
ayfsfd
* M: Macht, L: Legitimität, D: Dringlichkeit
** AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Einflussmatrix
Fragestellung:
„Wie stark beeinflusst
der Stakeholder i (Zeile)
den Stakeholder j (Spalte)?“
Bewertungsmaßstab:
0 = keine M./L./D.*
1 = schwache M./L./D.*
2 = mittlere M./L./D.*
3 = hohe M./L./D.*
1,5
2 1 1
Beispiel
2*0,5+1*0,3+1*0,2
1,5 =
Die unteren drei
Zellen werden bewertet.
Von links sind dies die
Attribute Macht (0,5),
Legitimität (0,3) und
Dringlichkeit (0,2).
In der oberen Zelle
wird der gewichtete
Mittelwert der drei
Attribute ermittelt.
Aktivsumme
Wie stark beeinflusst
ein Stakeholder die
anderen Stakeholder?
Passivsumme
Wie stark wird ein
Stakeholder von an-
deren Stakeholdern
beeinflusst?
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 123
[Ock10, S. 90]57. Daher wird mit Hilfe einer modifizierten Tiefensuche58das indirekte
Einflussgefüge analysiert (vgl. Bild 4-23).
Bild 4-23: Ergebnis der indirekten Einflussanalyse für die betrachteten Stakeholder in
Anlehnung an [Dos13, S. A-24]
Die Tiefensuche ist ein Verfahren der Graphentheorie und ermöglicht die vollständige
Analyse aller Verbindungen über verschiedene Pfade von einem Start- zu einem Ziel-
knoten. Ein Pfad ist ein Weg59, bei dem ein Knoten (in diesem Fall Stakeholder) maxi-
mal einmal auftritt. Die Modifikation besteht in der Berücksichtigung einer Dämpfung
57 Der Algorithmus für die indirekte Einflussanalyse ist in der vom Autor betreuten Diplomarbeit 678
„Methode zur Analyse direkter und indirekter Einflüsse bei der Stakeholderanalyse“ [Dos13] validiert
worden.
58 In der Literatur auch unter dem Akronym DFS (depth-first search) bekannt. Vgl. dazu u. a. [KN05]
59 Ein Weg ist die direkte Verbindung von zwei Knoten (Stakeholdern) in einem Graphen.
* AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Stakeholder
Bundesärztekammer
Niedergelassene Ärzte
AWMF*
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
Private Kranken-
versicherungen
Industrieverbände
Investoren
Kliniken/Krankenhäuser
Politik
Pflegeeinrichtungen
Wohlfahrtsverbände
Apotheken
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
indirekter Einfluss
ind. Einfluss normiert auf 100
Stakeholder Nr. 1 2 3 456789 14151617
Bundesärztekammer 1
19
Niedergelassene Ärzte 2
17,5
AWMF* 3
13
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
4
18,9
Private Kranken-
versicherungen 5
17,3
Industrieverbände 6
9,84
Investoren 7
13,9
Kliniken/Krankenhäuser
Pflegeeinrichtungen
8
16,6
9
10,7
Politik 14
19,8
Wohlfahrtsverbände 15
10,3
Apotheken 16
14,7
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
17
15,1
968966958750708454100527476
12,8 12,6 3,66 12,7 14 14,5 0 14,2 14,5 11,2 12,9 14,2
12,9 11,9 7,02 13,5 13,3 13,9 0 13,2 13,5 10,5 12,6 13,2
8,58 8,44 5,32 9,08 9,78 8,3 0 8,52 8,91 4,67 8,59 8,68
16 16,4 8,94 18,9 15,3 15,4 0 16,5 17,5 5,3 16,8 16
9,61 9,6 6,02 10,2 9,79 9,84 0 9,7 5,84 5,74 9,72 9,82
15,5 14,6 6,93 16,1 15,8 15,5 0 15,3 12,9 14,7 14,7 15,8
12,8 12,9 5,31 13,7 13,1 12,2 11,9 12,8 10 11,3 13 13,1
8,6 8,61 3,54 9,68 8,59 0 8,69 9,06 3,41 5,94 8,76 8,88
16,3 14,9 8,29 15,4 16,4 0 15,1 16,1 13,8 15,3 15,3 16,5
18,3 16,9 9,03 17,6 18,4 0 16,9 17,9 15,1 16,5 17,3 17,3
12 11 12,5 12,2 12,1 0 12,2 12,5 9,19 10,7 12,2 12,2
15,3 2,14 17 16,8 16,6 0 15,6 16,5 13,9 14,9 15,4 15,9
16,1 6,67 16,8 16,9 18,1 0 17 18,4 14,5 16 18,2 16,9
Einflussmatrix
(indirekt)
Ergebnis der voll-
ständigen Tiefensuche
mit einer exponentiellen
Dämpfung. Eine Pfad-
länge von fünf wird nicht
mehr berücksichtigt.
Seite 124 Kapitel 4
der Pfade. Der Dämpfungsfaktor bewirkt, dass mit zunehmender Pfadlänge der Einfluss
eines Stakeholders auf einen anderen Stakeholder immer mehr abgeschwächt wird. Im
Validierungsbeispiel ist eine exponentielle Dämpfung gewählt worden, sodass Pfadlän-
gen größer vier nicht mehr berücksichtigt werden60. Der Berechnung der indirekten Ein-
flüsse liegen nach wie vor die Werte der direkten Einflussanalyse zugrunde (vgl. Bild
4-22).
Zum Schluss werden die indirekten Einflüsse als Summe der minimalen Pfadlängen
über alle Stakeholder hinweg berechnet. Der Stakeholder „Bundesärztekammer“ (Zeile
1) wirkt beispielsweise über andere Stakeholder mit einem Wert von 18,4 auf die „Pfle-
geeinrichtungen“ (Spalte 9). Dies ist auch gleichzeitig der höchste indirekte Einzelwert
der „Bundesärztekammer“. Insgesamt ist der indirekte Einfluss der „Bundesärztekam-
mer“ auf alle anderen Stakeholder mit einem Wert von 19 nur geringfügig höher. Dies
kann damit erklärt werden, dass doppelte Pfade explizit ausgeschlossen werden oder
umgekehrt ausgedrückt: Der indirekte Wert der „Bundesärztekammer“ auf die „Pflege-
einrichtungen“ umfasst schon nahezu alle Pfade, mit denen die „Bundesärztekammer“
auf andere Stakeholder wirken kann. Die genaue Berechnung der indirekten Einfluss-
werte ist in einem Beispiel im Anhang A2.2 dargestellt.
Das Ergebnis der indirekten Einflussanalyse ist mit dem Ergebnis der direkten Einfluss-
analyse zu aggregieren (indirekte Einflüsse sind ohne direkte Einflüsse nicht möglich).
Die Aggregation der Ergebnisse erfolgt anhand der in Bild 4-24 dargestellten Übersicht.
Im Validierungsbeispiel übt der Stakeholder „Bundesärztekammer“ (Zeile 1) einen di-
rekten Einfluss von normiert 55 (Spalte E2) und einen indirekten Einfluss von normiert
96 (Spalte E4) aus. Die Summe der beiden Werte ergibt 151 (Spalte E5). Dieser Wert ist
auf den insgesamt höchsten Wert (Politik hat direkt und indirekt den höchsten Wert, die
Summe der normierten Werte der Politik ergibt folglich 200) zu normieren. Es ergibt
sich ein normierter Einfluss von insgesamt 75 für die „Bundesärztekammer“, den sie
auf alle übrigen Stakeholder ausübt (Spalte E6). Die Berechnung der Beeinflussung
erfolgt analog zur Berechnung des Einflusses. Im Validierungsbeispiel wird die „Bun-
desärztekammer“ von den übrigen Stakeholdern schwach beeinflusst. Die Beeinflus-
sung entspricht 39 Prozent der Beeinflussung des Stakeholders „Politik“, der am stärks-
ten von allen anderen Stakeholdern beeinflusst wird.
60 In der Szenario-Software (www.szenario-software.de) ist bei der Ermittlung indirekter Einflüsse ein
mpfungsfaktor von 0,75 voreingestellt. Der Software liegt ein modifizierter Floyd-Warshall-
Algorithmus zu Grunde. Dieser Algorithmus wird an dieser Stelle durch eine Tiefensuche ersetzt, da
somit eine Vermischung von direkten und indirekten Werten als auch eine mehrmalige Berücksichti-
gung identischer Pfade vermieden wird. Zur Berechnung der indirekten Beeinflussung nach dem
Floyd-Warshall-Algorithmus siehe auch [GPW09, S. 68].
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 125
Bild 4-24: Ergebnisse der direkten und indirekten Einflussanalyse
Die Ergebnisse der Einflussanalyse werden in einem System-Grid dargestellt (vgl. Bild
4-25). Das Bild zeigt die Position der Stakeholder nach der direkten (Kugeln, bei denen
Pfeile starten; die Werte entsprechen den Spalten E2 und B2 des jeweiligen Stakehol-
ders aus Bild 4-24) und die Position nach der aggregierten direkten und indirekten Ana-
lyse (Kugeln, auf die Pfeile zeigen; die Werte entsprechen den Spalten E6 und B6 des
jeweiligen Stakeholders aus Bild 4-24). In der weiteren Betrachtung werden die Positi-
onen nach der direkten und indirekten Analyse aggregiert berücksichtigt.
* AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Einfluss (Aktivsumme)
Einfluss normiert auf 100
indirekter Einfluss
indirekter Einfluss normiert
auf 100
Summe direkter und
indirekter Einfluss normiert
Summe normiert auf 100
Beeinflussung
(Passivsumme)
Beeinflussung normiert
auf 100
indirekte Beeinflussung
normiert auf 100
indirekte Beeinflussung
Summe direkte und indierekte
Beeinflussung normiert
Summe normiert auf 100
Stakeholder
Bundesärztekammer 1
Niedergelassene Ärzte 2
AWMF* 3
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
4
Private Kranken-
versicherungen 5
Industrieverbände 6
Investoren 7
Kliniken/Krankenhäuser
Pflegeeinrichtungen
8
9
Politik 14
Wohlfahrtsverbände 15
Apotheken 16
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
17 7,9 31 15,1 76 107 54 8,7 41 14,3 71 112 56
8,6 34 14,7 74 108 54 10,4 50 17,1 85 134
2,7 11 10,3 52 63 31 3,3 16 11,4 56 36
25,3 100 19,8 100 200 100 21 100 20 199 100
3,2 13 10,7 54 67 33 8,9 42 86 128 64
10 40 16,6 84 123 62 8,2 16,2 80 119 60
416 13,9 70 86 43 0 0000
4,2 17 9,84 50 66 6 29 11 54 83 42
8,2 32 17,3 87 60 733 13,3 66 99 50
12,3 49 18,9 144 72 943 14,1 70 113 57
2,3 96675 37 2,2 10 8,99 45 55 28
11,6 17,5 89 134 67 13,4 64 18,8 93 157 79
55 19 96 151 75 4,1 20 11,9 59 78 39
Ergebnisse der
Einflussanalyse
13,8
46
13
120
0
67
33
99
17,3
72
39
95
Einfluss Beeinflussung
E2 E3 E4 E5 E6 B1 B2 B3 B4 B5 B6E1Nr.
Kennwerte
Seite 126 Kapitel 4
Bild 4-25: System-Grid, Position der Stakeholder nach der direkten und indirekten
Analyse der Vernetzung
Das in Bild 4-25 dargestellte System-Grid ist in vier Bereiche untergliedert:
Stark vernetzte Stakeholder: Diese Stakeholder haben einen hohen Einfluss auf
andere Stakeholder; sie werden allerdings auch von anderen Stakeholdern stark be-
einflusst. Damit handelt es sich bei diesen Stakeholdern um extrem instabile Grö-
ßen, die „nur mit Samthandschuhen“ angefasst werden sollten [GGL12, S 15]. Zu
den stark vernetzten Stakeholdern gehören die Politik“, „Pharmaunternehmen“,
„gesetzliche Krankenversicherung“, „private Krankenversicherungen“, „niederge-
lassene Ärzte“, „Kliniken/Krankenhäuser“, „Patienten/Privatpersonen“, „Apothe-
ken“ und die „kassenärztliche Bundesvereinigung“. Diese Stakeholder sind zwin-
gend bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu berücksichtigen.
Einfluss (normiert auf 100)
Beeinflussung (normiert auf 100)
50
80
90
60
100
40
70
30
20
10
0
40 8050 9060 100
30 70
2010
0
Bundesärztekammer
Pharma-
unternehmen
Politik
Private
Krankenversicherungen
Original Equipment
Manufacturer
Investoren
AWMF*
Aktive Treiber Stark vernetzte
Stakeholder
Schwach vernetzte
Stakeholder
Pflegeeinrichtungen
Patienten/
Privatpersonen
Getriebene
Gesetzliche
Krankenversicherungen
* AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Kommunikations-
unternehmen
Industrie-
verbände
Wohlfahrts-
verbände
Niedergelassene
Ärzte
Apotheken
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
Kliniken/
Krankenhäuser
Position der Stakeholder nach der direkten
und indirekten Einflussanalyse (aggregiert)
Legende
Position der Stakeholder nach der direkten
Einflussanalyse
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 127
Aktive Treiber: Stakeholder, die dieser Kategorie angehören, haben einen hohen
Einfluss auf andere Stakeholder; sie werden jedoch von anderen Stakeholdern kaum
beeinflusst. Dadurch besitzen diese Stakeholder nachhaltige Einflussmöglichkeiten
auf den Markt für Telemedizin/Point-of-Care-Testing. Zu dieser Kategorie zählt im
Validierungsbeispiel die „Bundesärztekammer“. Die Einstellung dieser Stakeholder
ist zwingend bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu beachten.
Getriebene: Diese Stakeholder haben einen geringen Einfluss auf andere Stakehol-
der im Bereich der Telemedizin/Point-of-Care-Testing; sie werden jedoch von ande-
ren Stakeholdern stark beeinflusst. Daher handelt es sich hierbei um sehr reaktive
Stakeholder. Lenkungseingriffe gleichen hier einer Symptombehandlung
[GGL12, S 16]. Im Validierungsbeispiel zählen „Original Equipment Manufactu-
rer“ und „Pflegeeinrichtungen“ zu den Getriebenen. Die zukünftige Entwicklung
dieser Stakeholder ist zu beoabachten. Für die Geschäftsmodellentwicklung haben
diese Stakeholder (im Moment) eine untergeordnete Rolle.
Schwach vernetzte Stakeholder: Diese Stakeholder werden weder stark von ande-
ren Stakeholdern beeinflusst, noch haben sie einen hohen Einfluss auf andere Stake-
holder. Stakeholder dieser Kategorie sind für die Telemedizin daher nur von gerin-
ger Relevanz und sind bei der späteren Entwicklung von Geschäftsmodellen nicht
zwingend zu berücksichtigen. Hierzu zählen „Industrieverbände“, „Kommunikati-
onsunternehmen“, „Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften“, „Investoren“ und Wohlfahrtsverbände“.
4.4.3 Bewertung der Relevanz und der Ziele
Die durchgeführte direkte und indirekte Einflussanalyse liefert Aussagen über das sys-
temische Verhalten der Stakeholder. Sie sagt aber noch nichts über die Relevanz ihrer
Wirkung auf die Telemedizin/Point-of-Care-Testing aus. Dazu dient die in Bild 4-26
dargestellte Relevanzanalyse.
Die Relevanzanalyse beruht auf einem paarweisen Vergleich der Stakeholder in einer
Relevanzmatrix. Die zugrundeliegende Frage lautet: Ist der Stakeholder i in der Zeile
wichtiger für die Telemedizin/Point-of-Care-Testing als der Stakeholder j in der Spalte?
Nach GAUSEMEIER ET AL. wird zugunsten einer einfachen Handhabbarkeit lediglich eine
binäre Bewertung vorgenommen (0 = nein / 1= ja) [GPW09, S. 69f.]. Im Validierungs-
beispiel ist die „Bundesärztekammer“ (Zeile 1) beispielsweise als relevanter für die
Telemedizin/Point-of-Care-Testing eingeschätzt worden als die „Industrieverbände“
(Spalte 6). Die höchsten Relevanzsummen haben die „Gesetzlichen Krankenversiche-
rungen“ (Zeile 4) und die „Politik“ (Zeile 14) mit jeweils 15 erreicht.
Aus den Bewertungen in der Relevanzmatrix wird je Stakeholder die Zeilensumme ge-
bildet – sie wird als Relevanzsumme bezeichnet. Daraus wird als Kennwert die Rang-
Seite 128 Kapitel 4
folge der Stakeholder hinsichtlich ihrer Wichtigkeit für die Telemedizin/Point-of-Care-
Testing abgeleitet.
Bild 4-26: Relevanzanalyse der Stakeholder im Bereich der Telemedizin/Point-of-
Care-Testing in Anlehnung an [GGL12, S. 14]
Des Weiteren sind die Ziele der verschiedenen Stakeholder mit Hinblick auf das Markt-
segment zu bewerten. In einem ersten Schritt werden dazu die Teilziele in Form von
Expertengesprächen ermittelt. Beispiele für Teilziele im Bereich Telemedizin/Point-of-
Care-Testing sind die „Verkürzung von Behandlungszeiten“ und die „Vermeidung von
Doppeluntersuchungen“.
Die Ergebnisse der Expertenbefragung sowie der Einfluss- und Relevanzanalyse werden
in einem einzigen Portfolio zusammengefasst (vgl. Bild 4-27). Auf der Abszisse ist das
Ergebnis der Zielanalyse und auf der Ordinate der normierte direkte und indirekte Ein-
fluss der Einflussanalyse abgetragen. Die Kugeldurchmesser repräsentieren das Ergeb-
nis der Relevanzanalyse. Je größer der Durchmesser, desto höher ist die Relevanz der
Stakeholder für die Telemedizin/Point-of-Care-Testing. Somit können in einer Darstel-
lung sowohl der Einfluss eines Stakeholders als auch die Haltung des Stakeholders ge-
genüber der Telemedizin/Point-of-Care-Testing abgelesen werden.
Stakeholder
Bundesärztekammer
Niedergelassene Ärzte
AWMF*
Gesetzliche Krankenversicher.
Industrieverbände
Investoren
Kliniken/Krankenhäuser
Pflegeeinrichtungen
Politik
Wohlfahrtsvernde
Apotheken
Kassenärztliche Bundesverein.
Stakeholder Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 14 15 16 17
Bundesärztekammer
111001111
1
111
13
Niedergelassene Ärzte 20 0001101 01109
AWMF* 301 001100 01108
Gesetzliche Krankenversicherungen 41
1
1 11111 0111
15
Private Krankenversicherungen 51110 1111 0111
14
Industrieverbände 600000 000 00001
Investoren 7000001 00 00001
Kliniken/Krankenhäuser 80110011 1 0110
11
Pflegeeinrichtungen 900100110 01109
Politik 14 011111111 111
15
Wohlfahrtsverbände 15 000001100 0 003
Apotheken 16 000001100 01 05
Kassenärztliche Bundesvereinigung 17 011001111 011 12
Relevanzsumme
Bewertungsmaßstab:
0 = i ist unwichtiger als j
1 = i ist wichtiger als j
Relevanzmatrix
Fragestellung:
Ist der Stakeholder i (Zeile)
wichtiger als der Stakeholder j
(Spalte) für die Telemedizin?
* AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
1
Private Krankenversicherungen
=
Beispiel
==
Die Bundesärztekammer
(Zeile 1) ist wichtiger für
die Telemedizin/POCT**
als Industrieverbände
(Spalte 6).
1
** POCT: Point-of-Care-Testing
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 129
Bild 4-27: Einfluss-Ziele-Grid der Stakeholder, Darstellung in Anlehnung an
[GGL12, S. 17]
Im Portfolio ergeben sich fünf charakteristische Bereiche. Bedeutend sind vor allem die
dunklen Viertelkreise oben rechts und oben links: In dem kleinen Viertelkreis oben
rechts befinden sich Stakeholder, die einen hohen Einfluss auf andere Stakeholder besit-
zen und zudem der Telemedizin positiv gegenüberstehen. In diesem Bereich ist im Va-
lidierungsbeispiel die „Politik“ positioniert. Dieser Stakeholder ist bei der Entwicklung
von Geschäftsmodellen zu integrieren.
In dem Viertelkreis oben links sind Stakeholder mit einem hohen Einfluss positioniert,
die der Telemedizin/Point-of-Care-Testing kritisch gegenüberstehen oder sogar ableh-
nen; hierzu zählen die „kassenärztliche Bundesvereinigung“, „niedergelassene Ärzte“
und die „Pharmaunternehmen“. Die Anforderungen dieser Stakeholder sind zwingend
bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu berücksichtigen, wobei die Berücksich-
Ziele der Stakeholder
50
80
90
60
100
40
70
30
20
10
0
021
-1
-2
Bundesärztekammer
Gesetzliche
Krankenversicherungen
Pharma-
unternehmen
Niedergelassene
Ärzte
Politik
Patienten/
Privatpersonen
Apotheken
Private
Krankenversicherungen
Original Equipment
Manufacturer Kommunikations-
unternehmen
Industrie-
verbände Pflege-
einrichtungen
Investoren
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften
Wohlfahrts-
verbände
Kliniken/
Krankenhäuser
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
kooperativ
konfliktär
Einfluss (direkt und indirekt normiert auf 100)
Legende
hohe Relevanz
mittlere Relevanz
geringe Relevanz
Seite 130 Kapitel 4
tigung der Anforderungen aufgrund der konfliktären Ziele der Stakeholder schwer fallen
dürfte.
Die Ergebnisse der gesamten Analyse werden je Stakeholder in einem Steckbrief darge-
stellt. Bild 4-28 zeigt beispielhaft den Steckbrief des Stakeholders „Bundesärztekam-
mer“.
Bild 4-28: Stakeholdersteckbrief Bundesärztekammer
Neben einer allgemeinen Beschreibung des Stakeholders enthalten die Steckbriefe die
allgemeine Haltung des Stakeholders gegenüber Telemedizin/Point-of-Care-Testing,
eine Übersicht der Vernetzung mit anderen Stakeholdern, das Einfluss-Ziele-Portfolio
und die abgeleiteten Anforderungen des Stakeholders an Telemedizin/Point-of-Care-
Testing.
4.5 Geschäftsmodellentwicklung
Ziel dieser Phase ist eine Vorstellung von der Zukunft des ausgewählten Marktsegments
sowie alternative und konsistente Geschäftsmodelle. Da das Diversifikationsvorhaben
zukunftsgerichtet ist und nicht unmittelbar von einem Unternehmen umgesetzt werden
kann, ist dieser Schritt unabdingbar. Für die methodische Umsetzung ist vor allem die
Szenario-Technik ein probates Mittel, da hier im Gegensatz zu einer Trendanalyse ver-
schiedene Entwicklungsmöglichkeiten (Projektionen) ins Kalkül gezogen werden. Das
Stakeholdersteckbrief Bundesärztekammer
Beschreibung
Die Bundesärztekammer (BÄK) wirkt als Arbeitsgemeinschaft der 17 deutschen
Ärztekammern aktiv am gesundheitspolitischen Meinungsbildungsprozess der
Gesellschaft mit. Die Ärztekammern sind die Träger der berufsständischen Selbst-
verwaltung der deutschen Ärzte. Alle Ärztinnen und Ärzte, die im Kammerbereich
ihren Beruf ausüben, sind Pflichtmitglieder [BÄK13-ol].
Einfluss des Stakeholders auf die Patientenversorgungskette
Prävention
hat Einfluss
hat keinen Einfluss
Diagnose
In-vitro In-vivo Therapie Rehabilitation
Allgemeine Haltung zur Telemedizin/POCT*
Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und
Patient sei die Grundlage jeder Behandlung und
nur aufgrund eines persönlichen Kontakts möglich.
Diagnose und Behandlung allein über das Internet
könne nicht im Interesse des Patienten sein. Tele-
medizin müsse der Patientenversorgung dienen
und nicht der Erschließung neuer Absatzmärkte.
Ziele-Portfolio
Vernetzung zu anderen Stakeholdern (Einfluss)
• Niedergelassene Ärzte (3)
• Politik (2,8)
• Kassenärztliche Bundesvereinigung (2)
• Gesetzliche Krankenversicherungen (1,5)
• Private Krankenversicherungen (1,5)
Einfluss direkt und
indirekt normiert: 75/100
Relevanzsumme:
13/16 (hoch)
Anforderungen an Telemedizin/POCT*
Der Arzt ist weiterhin in das Zentrum der medizi-
nischen Versorgung der Bevölkerung zu stellen.
Laut BÄK kann Telemedizin ärztliches Handeln
unterstützen. Sie ist aber kein Instrument, um
ärztliche Kompetenzen zu ersetzen.
Ziele gegenüber Telemedizin/
POCT*: -0,5 (konfliktär)
* POCT: Point-of-Care-Testing
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 131
Vorgehen in Kapitel 4.5.1 für die Ermittlung von Marktsegment-, Stakeholder- und
Umfeldszenarien orientiert sich an GAUSEMEIER ET AL.61 (vgl. Kapitel 3.2.1). Kapitel
4.5.2 setzt sich mit der Ableitung von Anforderungen, Chancen und Gefahren auseinan-
der, die sich aus den Szenarien ergeben. In Kapitel 4.5.3 werden konsistente Geschäfts-
modelle für das ausgewählte Marktsegment entwickelt. Resultat der Phase sind vor dem
Hintergrund der Zukunftsszenarien konsistente Geschäftsmodelle.
4.5.1 Marktsegment-, Stakeholder- und Umfeldszenarien
In der Szenario-Vorbereitung ist zunächst die Zielsetzung zu definieren. Im Validie-
rungsbeispiel ist die Frage zu klären, „welche Anforderungen an die Produkte und
Dienstleistungen und damit an zukünftige Geschäftsmodelle im Bereich Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing gestellt werden. Das Szenariofeld ist dagegen der Bereich,
für den die Szenarien entwickelt werden. Im Validierungsbeispiel umfasst das Szenario-
feld gemäß Bild 4-29 das „globale Umfeld“ (Ökonomie, Politik und Gesellschaft) so-
wie das „Marktsegmentumfeld Telemedizin/Point-of-Care-Testing“ (Markt, Regularien
und Stakeholder). Aus Gründen der einfacheren Handhabung sind die Stakeholder als
Bereich des Marktsegments aufzunehmen.
In der Szenariofeld-Analyse werden die relevanten Einflussfaktoren für das Geschäft
mit Telemedizin/Point-of-Care-Testing ermittelt. Dies geschieht in einem Workshop mit
Mitarbeitern des Unternehmens aus den Bereichen Vertrieb, Entwicklung, Produktma-
nagement sowie externen Experten wie Ärzten, Mitarbeitern von Krankenversicherun-
gen und Repräsentanten von Telemedizinanbietern. Insgesamt sind auf dieses Weise 79
Einflussfaktoren ermittelt worden. Die Vernetzung und Relevanz der Einflussfaktoren
werden hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Gestaltungsfeld analysiert62. Daraus ergeben
sich die wesentlichen Einflussfaktoren für die Szenario-Erstellung, die sogenannten
Schlüsselfaktoren. Bild 4-29 zeigt das Szenariofeld mit den Einflussbereichen und aus-
gewählten Schlüsselfaktoren für die Zukunft des Geschäfts mit Telemedizin/Point-of-
Care-Testing.
61 Für eine ausführliche Beschreibung des Vorgehens im Rahmen der Szenario-Technik siehe
[GPW09, S. 59ff.].
62 Dies erfolgt mit Hilfe einer Einfluss- und Relevanzanalyse. Vgl. dazu die Kapitel 4.4.2 und 4.4.3.
Seite 132 Kapitel 4
Bild 4-29: Szenariofeld, Einflussbereiche und Schlüsselfaktoren für das Geschäft mit
Telemedizin/Point-of-Care-Testing in Anlehnung an [GGL12, S. 19]
Für jeden Schlüsselfaktor werden in der Projektions-Entwicklung alternative Entwick-
lungsmöglichkeiten (Projektionen) erarbeitet. Jede Projektion wird detailliert beschrie-
ben. Für den Schlüsselfaktor „Positionierung von Patienten“ ist beispielsweise denk-
bar, dass Patienten telemedizinischen Angeboten zukünftig kritisch gegenüberstehen;
gleichzeitig allerdings telemedizinische Produkte immer mehr von Ärzten und Kran-
kenversicherungen gefordert werden. Es entsteht eine „erzwungene Akzeptanz“ (Projek-
tion A). Andererseits ist auch vorstellbar, dass „telemedizinische Angebote gut von Pa-
tienten angenommen werden“. Sie werden sowohl zum Therapiemonitoring als auch zur
Prävention oder Wellness- und Fitnesszwecken eingesetzt (Projektion B). Eine dritte
mögliche Projektion ist, dass ein „mangelnder Datenschutz zur Ablehnung führt“ (Pro-
jektion C). Zudem ist eine Entwicklung möglich, bei der auf Grund sehr komplexer Sys-
teme der „Mehrwert von Telemedizin für den Patienten unklar bleibt“ (Projektion D).
Bei der Szenario-Bildung werden aus den Zukunftsprojektionen der Schlüsselfaktoren
Szenarien generiert. Grundlage ist die paarweise Bewertung der Konsistenz von Zu-
kunftsprojektionen in einer Konsistenzmatrix63. Im Validierungsbeispiel ist u. a. die
Konsistenz der Schlüsselfaktoren „Datenschutz“ und „Positionierung von Patienten“
bewertet worden. Die Projektionen „Der gläserne Patient“ und „Mangelnder Daten-
schutz führt zur Ablehnung“ begünstigen sich stark. Daher können sie gut in einem
Szenario vorkommen. Ein „Patientenorientierter Datenschutz“ und „Mangelnder Da-
tenschutz führt zur Ablehnung“ sind dagegen inkonsistent und können daher nicht in
63 Eine Konsistenzmatrix ist in Bild 4-34, Kapitel 4.5.3 dargestellt.
Politik Gesellschaft
Telemedizin/
Point-of-Care-Testing 2025
S
t
a
k
e
h
o
l
d
e
r
M
a
r
k
t
R
e
g
u
l
i
e
r
u
n
g
Ökonomie
M
a
r
k
t
s
e
g
m
e
n
t
T
e
l
e
m
e
d
i
z
i
n
/
P
O
C
T
*
* POCT: Point-of-Care-Testing
Globales Umfeld
Positionierung der Politik
Positionierung von Pharma-
unternehmen
Positionierung von Patienten/
Privatpersonen
...
Positionierung von Apotheken
16
17
18
...
25
Datenschutz
Standardisierung
Gesundheitspolitik
Struktur der Kostenträger
Zulassungsvorschriften
5
6
Siedlungsstruktur
Wertvorstellungen
7
8
9
10
11
Die Rolle der EU
Einflussnahme des
Staates
3
4
Wirtschaftsentwicklung
Deutschland
Haushaltssituation
des Staates
1
2
Stellenwert von Arzt-
besuchen
Stellenwert des zweiten
Gesundheitsmarktes
Stellenwert von Prävention
Vernetzung in der
Gesundheitswirtschaft
12
13
14
15
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 133
einem gemeinsamen Szenario auftreten. Die anschließende Konsistenzanalyse liefert
konsistente Projektionsbündel; das sind Kombinationen von Projektionen, und zwar
genau eine je Schlüsselfaktor. Viele dieser Bündel ähneln sich, daher werden sie mit
Hilfe der Clusteranalyse zusammengefasst.
Bild 4-30 zeigt das Ergebnis der Clusteranalyse in Form einer Ausprägungsliste der drei
Szenarien. Sie enthält die Schlüsselfaktoren mit ihren Projektionen und Angaben über
die Häufigkeit des Auftretens der Projektionen in den Szenarien. Aus dieser Verteilung
ergibt sich eine Charakterisierung der Szenarien bezüglich der enthaltenen Projektionen.
Die Projektion 11A „Patientenorientierter Datenschutz“ ist beispielsweise zu 100 Pro-
zent im Szenario 1 enthalten und prägt damit die zukünftige Situation sehr stark.
Bild 4-30: Ausprägungsliste der Szenarien in Anlehnung an [GGL12, S. 22]
4.5.2 Ableitung von Anforderungen, Chancen und Gefahren
Die Szenarien öffnen den Blick für denkbare zukünftige Entwicklungen. Im Rahmen
des Szenario-Transfers gilt es, Strategien aus den entwickelten Szenarien abzuleiten.
Dazu ist nach GAUSEMEIER ET AL. zunächst ein Referenzszenario für die weitere Ablei-
65
30
3
SF 18:
SF 25:
Erzwungene AkzeptanzA
Apotheken als Zugang für TelemedizinA
Schlüssel-
faktoren
Projektionen
Hohe Nachfrage nach TelemedizinB
Kooperation mit Anbietern von TelemedizinB
Mangelnder Datenschutz führt zur AblehnungC
Status quoC
eindeutige Ausprägung
dominante Ausprägung
alternative Ausprägung
Projektion tritt nicht auf
Szenario 1 Szenario 2 Szenario 3
Positionierung
von Patienten/
Privatpersonen
Positionierung
von Apotheken
15
84
0
22
22
55
33
0
11
54
42
3
67
33
0
44
0
56
Anzahl von Arztbesuchen steigtA
SF 12:
Vielfältiger ZugangB
Selbst-Diagnosen auf dem VormarschC
Stellenwert von
Arztbesuchen
3
43
52
0
100
100
0
0
0
SF 7: Patientenorientierter DatenschutzA
Der gläserne PatientB
Datenschutz 100
0
0
100
0
100
Mehrwert von Telemedizin bleibt unklarD0055
SF 1:
Wirtschafts-
entwicklung
Deutschland
Starkes, organisches WirtschaftswachstumA
Moderates WirtschaftswachstumB
Angeschlagene WirtschaftsmachtC
0
0
87
0
12 100
87 In 87 Prozent der Projektions-
bündel des Szenarios ist
diese Projektion enthalten
Seite 134 Kapitel 4
tung von Anforderungen an zukünftige Geschäftsmodelle auszuwählen. Die Geschäfts-
modelle bilden später die Basis für die Diversifikationsstrategieentwicklung. GAUSE-
MEIER ET AL. empfehlen eine fokussierte Strategieentwicklung64, die konsequent auf das
Eintreten eines Szenarios ausgerichtet ist [GPW09, S. 95ff]. Die Szenarien werden an-
hand ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und ihrer Auswirkung auf das Geschäft mit Tele-
medizin/Point-of-Care-Testing bewertet (vgl. Bild 4-31).
Bild 4-31: Auswahl des Referenzszenarios, Darstellung in Anlehnung an
[GL12, S. 254]
Das Eintreten von Szenario 1 „Hohe Akzeptanz der Interessengruppen führt zu flächen-
deckendem Einsatz von Telemedizin“ bringt den fundamentalsten Wandel des Geschäfts
mit Telemedizin/Point-of-Care-Testing mit sich; zudem erscheint das Eintreten des
Szenarios wahrscheinlich. Damit hat das Szenario 1 eine hohe Bedeutung für die Ent-
wicklung von zukünftigen Geschäftsmodellen und wird als Referenzszenario ausge-
wählt [GGL12, S. 22].
64 Eine zukunftsrobuste Strategie wird allen bzw. dem größten Teil der Szenarien gerecht. Die Entwick-
lung von zukunftsrobusten Strategien ist daher immer mit einer unnötigen Bindung von Ressourcen
verbunden [GPW09, S. 95].
höchst wahr-
scheinlich
durchaus
möglich
sehr unwahr-
scheinlich
alles bleibt,
wie es ist
leichte
Veränderung fundamentaler
Wandel
Welche Auswirkung hat das Eintreten des Szenarios
auf das Geschäft mit Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Hohe Bedeutung für
die Strategieentwicklung
Mittlere Bedeutung für
die Strategieentwicklung
Geringe Bedeutung für
die Strategieentwicklung
Mangelnder Datenschutz
und fehlende Standards
behindern den Durchbruch
von Telemedizin/POCT*
Hohe Akzeptanz der Stakeholder
führt zu flächendeckendem Einsatz
von Telemedizin/POCT*
Telemedizin/POCT* bleibt in
einem konfliktären Umfeld
in den Kinderschuhen
Wie wahrscheinlich ist
das Eintreten des Szenarios?
* POCT: Point-of-Care-Testing
Szenario 1
Szenario 2
Szenario 3
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 135
Das Bild 4-32 zeigt einen Auszug des Referenzszenarios (Szenario 1)65. Mit den ecki-
gen Klammern wird gekennzeichnet, um welche Projektion eines Schlüsselfaktors es
sich handelt. So ist im Szenario 1 beispielsweise die Projektion 1A „Starkes organi-
sches Wachstum“ des Schlüsselfaktors „Wirtschaftsentwicklung Deutschland“ enthal-
ten. Auf der rechten Seite von Bild 4-32 ist ein Auszug der Anforderungen dargestellt,
die bei der Analyse des Referenzszenarios abgleitet worden sind.
Bild 4-32: Auszug aus dem Referenzszenario und beispielhafte Ableitung von Anforde-
rungen aus dem Szenario in Anlehnung an [GLP+12, S. 8]
Im Rahmen der Chancen-Gefahren-Analyse sind zudem die Auswirkungen der erstellten
Szenarien für das Geschäft mit Telemedizin/Point-of-Care-Testing systematisch zu ana-
lysieren. Aus den Szenarien sind zunächst Chancen und Gefahren abzuleiten. Die Chan-
cen und Gefahren unterscheiden sich in Hinblick auf ihre Auswirkung auf das Geschäft
mit Telemedizin/Point-of-Care-Testing und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit. Diese bei-
den Dimensionen dienen der in Bild 4-33 dargestellten Bewertung. So hat die Chance 1
„Chronisch Kranke schätzen den Nutzen von Telemedizin“ eine sehr große Eintritts-
wahrscheinlichkeit. Die Auswirkung dieser Chance auf das Geschäft mit Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing ist von den Experten als mittel eingeschätzt worden.
Die Matrix hat vier charakteristische Bereiche und orientiert sich an der Chancen-
Gefahren-Matrix nach GAUSEMEIER ET AL. [GPW09, S. 100]:
65 Der Auszug entspricht dem Auszug der Ausprägungsliste von Bild 4-30 Spalte 1.
Das Referenzszenario (Szenario 1) in Kürze:
• [1A] Deutschland und große Teile Europas haben sich nach
der Finanz- und Schuldenkrise wieder erholt, das Bruttoinlands-
produkt wächst jährlich um etwa 1,5 Prozentpunkte.
• [7A] In Deutschland gibt es einen patientenorientierten Daten-
schutz. Die Patientendaten werden in einer „Cloud“ gespeichert.
Der Patient bestimmt aber, wer auf welche Daten zugreifen darf.
• [12B/C] Jeder Bundesbürger sucht im Durchschnitt 13-mal/Jahr
einen Arzt auf. Bei Gesundheitsfragen informiert sich der Patient
im Internet über mögliche Krankheitsbilder und Therapien. Dabei
werden die Patienten durch telemedizinische Systeme unterstützt.
• [18B] Telemedizinische Geräte und Systeme werden von Kunden
angenommen und nachgefragt. Im Vordergrund steht dabei nicht
nur der medizinische Einsatz von Telemedizin bei Hypertonie
oder Diabetes mellitus, sondern zunehmend auch der Einsatz von
telemedizinischen Geräten und Systemen als Life-Style-Produkt.
• [25A/B] Apotheken bieten einen Marktzugang für Telemedizin-
anbieter. Sie gehen enge Kooperationen mit diesen Anbietern
ein. Die Kooperationen gehen über das einfache Messen von
Blutdruck und anderen Parametern hinaus. Es werden auch bspw.
Informationen über verschriebene Medikamente in die Daten-
banken der Telemedizinanbieter übertragen und in der digitalen
Patientenakte des Patienten gespeichert.
• ...
Anforderungen:
Therapie-Feedback vorsehen
und umsetzen
Intuitive Anwendung der
Geräte und Systeme sowie eine
automatisierte Datenspeicherung
• Einsatz von telemedizinischen
Geräten und Systemen bei der
Prävention fördern
Vernetzung zwischen Ärzten,
Patienten und Kostenträgern
forcieren
(Daten-)Sicherheit, aber auch
ein ansprechendes Design der
Geräte und Systeme vorsehen
Definierte Standards sind
zwingend zu berücksichtigen
• ...
Seite 136 Kapitel 4
„Heiße Eisen“ sofort schmieden: Diese Chancen und Gefahren sind zwingend bei
der Entwicklung von Geschäftsmodellen zu berücksichtigen.
Auf „wild cards“ vorbereitet sein: Für diese Chancen und Gefahren sind reaktive
Eventualpläne zu erarbeiten, um im Falle des Eintritts Chancen für das gewählte
Geschäftsmodell zu nutzen bzw. Gefahren abzuwenden. Es ist darauf zu achten, für
die Eventualpläne nicht zu viele Ressourcen zu binden.
Erfolgspotentiale „am Rande“ nutzen: Dies sind Chancen und Gefahren mit einer
hohen Eintrittswahrscheinlichkeit aber geringen Auswirkungen auf das Geschäft.
Diese Chancen und Gefahren sind in die laufende Planung und Weiterentwicklung
von Geschäftsmodellen einzubinden.
Keine Ressourcen binden: Da diese Chancen und Gefahren eine geringe Eintritts-
wahrscheinlichkeit aufweisen und gering auf das Geschäft wirken, ist hier das unnö-
tige Binden von Ressourcen zu vermeiden.
Bild 4-33: Chancen-Gefahren-Matrix für das Referenzszenario, Darstellung in Anleh-
nung an [GPW09, S. 100]
4.5.3 Ermittlung konsistenter Geschäftsmodelle für das ausgewählte
Marktsegment
Vor dem Hintergrund der Szenarien sowie der abgeleiteten Anforderungen sind konsis-
tente Geschäftsmodelle zu ermitteln. Eine Konsistenzanalyse liefert diejenigen Kombi-
nationen von Gestaltungsoptionen, die in einem Geschäftsmodell harmonieren. Dazu ist
Eintritts-
wahrscheinlichkeit
Auswirkung auf das Geschäft mit
Telemedizin/Point-of-Care-Testing
gering
gering
hoch
hoch
Auf „wild cards”
vorbereitet sein
„Heiße Eisen”
sofort schmieden
Keine Ressourcen
binden
Erfolgspotentiale
„am Rande” nutzen
Datenverlust bei Patienten-
daten in der Cloud
12
12
Standards werden von
Key Playern ignoriert
13
13
Gesetzliche Einheitskasse
wird eingeführt
14
14
Ärzte sperren sich gegen
Einsatz von Telemedizin
15
...
15
Chronisch Kranke schätzen
den Nutzen von Telemedizin
1
1
Hohe Zahlungsbereit-
schaft bei Privatpersonen
2
2
Telemedizinangebote
aus einer Hand
3
3
Telemedizin im Leistungs-
katalog der Versicherungen
4
...
4
...
...
Gefahren
Chancen
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 137
eine paarweise Bewertung der Gestaltungsoptionen in Form einer Konsistenzmatrix
durchzuführen. Die Bewertungsskala erstreckt sich von „1“ (totale Inkonsistenz) bis „5“
(starke gegenseitige Unterstützung). Bild 4-34 zeigt das Beispiel einer Konsistenzbe-
wertung der Variablen „Aktivität“ und „Selbstreflektion“ des Geschäftsmodellelements
„Kundensegmente“. Die Gestaltungsoptionen „Sportler“ und „reflektierter Anwender“
begünstigen sich stark. Daher können sie gut in einem Geschäftsmodell vorkommen.
Ein „Sportler“ und „unreflektierter Anwender“ sind dagegen inkonsistent und können
daher nicht in einem gemeinsamen Geschäftsmodell auftreten.
Bild 4-34: Auszug einer Konsistenzmatrix zur paarweisen Konsistenzbewertung von
Gestaltungsoptionen, Bildquellen siehe Bildquellenverzeichnis
Anschließend werden in der Konsistenzanalyse konsistente Gestaltungsoptionsbündel
bestimmt; das sind Kombinationen von Gestaltungsoptionen, die besonders gut zuei-
nander passen. Im Rahmen einer Clusteranalyse können in den 100 konsistentesten Ge-
staltungsoptionsbündeln sieben Geschäftsmodelle identifiziert werden. Welche Gestal-
tungsoptionen in welchem Cluster, d. h. in welchem Geschäftsmodell enthalten sind, ist
der Ausprägungsliste zu entnehmen (vgl. Bild 4-35). Die Zahl 100 in einem Matrixfeld
bedeutet, dass in 100 Prozent der Kombinationen dieses Clusters diese Gestaltungsopti-
on enthalten ist. Dies ist beispielsweise bei der Gestaltungsoption „medizinische Bera-
tung (24 h) (Zeile 9C) im Geschäftsmodell 1 „Telemedizinische Dienstleistungen und
Beratung (B2B) (Spalte 1) der Fall.
5
2
1
4
Aktivität
Selbst-
reflexion
Variable Gestaltungsoption
Gestaltungsoption
3A
3B
4A
4B
Konsistenzmatrix
Fragestellung:
Wie verträgt sich Gestaltungsoption i
(Zeile) mit Gestaltungsoption j (Spalte)?
Bewertungsskala:
1 = totale Inkonsistenz
2 = partielle Inkonsistenz
3 = neutral oder voneinander unabhängig
4 = gegenseitige Unterstützung
5 = starke gegenseitige Unterstützung
Sportler
kein Sportler
reflektierter
Endanwender
unreflektierter
Endanwender
Dass ein sportlicher
Mensch ein unreflektiertes
Leben führt, ist inkonsistent.
Dass ein sportlicher
Mensch ein reflektiertes
Leben führt, ist konsistent.
Daher können die
Gestaltungsoptionen gut
in einem Geschäftsmodell
vorkommen.
Variable
Nr.
Seite 138 Kapitel 4
Bild 4-35: Ermittelte Geschäftsmodellvarianten in Form einer Ausprägungsliste (Par-
tialmodell Angebotsmodell, Auszug)
Treten bei einer Geschäftsmodellvariablen mehrere Gestaltungsoptionen auf, sind diese
gemeinsam in dem entsprechenden Geschäftsmodell zu verfolgen. Dies trifft beispiels-
weise bei der Geschäftsmodellvariable „Altersgruppe“ (Zeilen 1A bis 1C) im Ge-
schäftsmodell 1 (Spalte 1) zu. Bei diesem Geschäftsmodell sind alle Altersgruppen
8A
8B
8C
8D
8E
8F
8G
8H
Produkt
Aktivitätsmesser
Blutdruckmessgerät
Elektrokardiograph
Glukosemessgerät
Notrufsystem
Personenwaage
Pulsoxymeter
Spirometer
Thermometer
kein Produkt
8I
8J
9A
9B
9C
9D
9E
9F
ärztliche Beratung (24h)
ärztliche Sprechstunde
medizinische Beratung (24h)
medizinische Sprechstunde
technische Beratung
keine Dienstleistung
Dienst-
leistung
Marktleistung
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
100
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
23
0
19
0
4
15
15
3
21
0
0
0
0
100
0
0
50
0
0
0
50
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
26
0
22
14
20
18
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
100
100
0
0
0
0
0
0
0
0
100
0
0
0
0
0
0
0
0
50
0
50
0
Altersgruppe
Gesundheits-
zustand
Selbst-
reflexion
Nutzen-
präferenzen
Gestaltungsoption
Kind/Jugendlicher
Erwachsener
Senior
Chroniker
Gesunder
reflektierter Endanwender
Sportler
kein Sportler
Preis
Qualität
Image/Lifestyle/Design
unreflektierter Endanwender
Variable
Service/Dienstleistung
Aktivität
33
50
50
0
100
0
0
0
100
33
33
50
50
0
100
7
42
50
100
0
100
0
0
50
0
50
50
50
0
100
0
33
66
100
0
0
0
100
0
0
100
33
33
33
100
0
100
0
0
100
0
0
0
50
0
50
0
60
40
100
0
100
0
0
100
0
100
0
50
50
100
0
100
0
0
0
0
100
100
0
0
100
19
81
0
100
0
50
0
50
0
1A
1B
1C
2A
2B
3A
3B
4A
4B
5A
5B
5C
1234 5 67
Nr.
Telemedizinische Dienst-
leistungen und Beratung (B2B)
Telemedizinische Dienst-
leistungen und Produkte (B2C)
Produktangebot „Lifestyle“
(B2C)
Produktangebot „Professional“
(B2B)
Gesamtlösungsangebot (B2B)
Telemedizinische Dienst-
leistungen (B2C)
„Razor & blades”-Modell (B2C)
5D
Geschäftsmodell
Kundensegmente (Endanwender)
Ausprägungsliste Angebotsmodell
Ermittelte konsistente Geschäftsmodelle
Legende:
100 = In 100 Prozent der Kombinationen
dieses Clusters ist die Gestaltungsoption
enthalten
0 = Diese Gestaltungsoption ist im Cluster
nicht enthalten
Beispiel
=
Die Gestaltungsoption medizini-
sche Beratung (24h) (Zeile 9C)
ist in allen Gestaltungsoptions-
bündeln des Geschäfts-
modells 1 (Spalte 1) enthalten.
100 100
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 139
gleichermaßen zu adressieren. Die von der Konsistenzanalyse gelieferten Geschäftsmo-
delle sind in sich hoch konsistent. Dies lässt aber noch keine Aussage zu, ob diese auch
alle wirtschaftlich erfolgreich sind. Weiterhin ist zu betrachten, welches Geschäftsmo-
dell von den Unternehmen im Marktsegment verfolgt wird und wie diese zu den idealen
Geschäftsmodellen positioniert sind. Die Positionierung der Unternehmen ist bereits in
Kapitel 4.3.4 ermittelt worden. Bild 4-36 zeigt die sieben idealen Geschäftsmodelle im
Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-Testing sowie die verfolgten Geschäftsmo-
delle der Unternehmen. Es ist zu erkennen, dass die Geschäftsmodelle 1 und 3 bis 6 den
Geschäftsmodelltypen von Bild 4-20 entsprechen.Neu“ sind die idealen Geschäftsmo-
delle 2 und 7. Das ideale Geschäftsmodell 2 entspricht weitestgehend dem Geschäfts-
modell von SHL Telemedicine und das ideale Geschäftsmodell 7 ist dem von Sanofi-
Aventis sehr ähnlich.
Bild 4-36: Konsistente Geschäftsmodelle und verfolgte Geschäftsmodelle der Unter-
nehmen im Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-Testing
4.6 Geschäftsmodellanalyse
Nachdem alternative und in sich konsistente Geschäftsmodelle entwickelt worden sind,
gilt es die Geschäftsmodelle zu analysieren. Dazu werden in Kapitel 4.6.1 die Ge-
schäftsmodelle bewertet und ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell ausgewählt.
Anschließend wird in Kapitel 4.6.2 die angestrebte Marktleistung definiert und notwen-
dige bzw. fehlende Kompetenzen ermittelt.
7
6
5
4
3
1
2
Geschäftsmodell des
Unternehmens
Medisana
Withings
Almeda
4sigma
Vitaphone
MEDGATE
Bosch
Healthcare
Philips
Healthcare
SHL
Telemedicine
Sanofi-
Aventis
Aipermon HMM
BodyTel
Getemed
Corscience
Biotronik
1
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Beratung (B2B)
2Telemedizinische
Dienstleistungen und
Produkte (B2C)
3Produktangebot
„Lifestyle“ (B2C)
4Produktangebot
„Professional“ (B2B)
5Gesamtlösungsangebot
(B2B)
6
Telemedizinische
Dienstleistungen (B2C)
7„Razor & blades”-
Modell (B2C)
Konsistente
Geschäftsmodelle
Seite 140 Kapitel 4
4.6.1 Bewertung der Geschäftsmodelle und Auswahl eines Erfolg ver-
sprechenden Geschäftsmodells
Geschäftsmodelle sind anzupassen oder zu überarbeiten, wenn sich Randbedingungen
verändern [Rod12, S. 28]. Dies kann einen ressourcenintensiven Überwachungs- und
Anpassungsprozess erfordern, der in der Praxis häufig nicht stattfindet. Daher ist eine
Geschäftsmodellalternative auszuwählen, die unempfindlich gegenüber zukünftigen
Veränderungen im Marktsegmentumfeld ist [Kös14, S. 134]. Durch die Gegenüberstel-
lung der alternativen Geschäftsmodelle mit den drei entwickelten Szenarien kann deren
Zukunftsrobustheit ermittelt werden. Bild 4-37 zeigt diese Gegenüberstellung.
Bild 4-37: Ermittlung der Zukunftsrelevanz der Geschäftsmodelle, Gegenüberstellung
von Geschäftsmodellen und Markt- und Umfeldszenarien
Geschäfts-
modell
Markt- und
Umfeldszenario
Szenario 1 (Referenzszenar.)
Hohe Akzeptanz der Stake-
holder führt zu flächen-
deckendem Einsatz
von Telemedizin/POCT*
Szenario 2
Mangelnder Datenschutz
und fehlende Standards
behindern den Durchbruch
von Telemedizin/POCT*
Szenario 3
Telemedizin/POCT* bleibt
in einem konfliktären
Umfeld in den
Kinderschuhen
Geschäftsmodell 1
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Beratung (B2B)
Geschäftsmodell 2
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Produkte (B2C)
Geschäftsmodell 3
Produktangebot
„Lifestyle“ (B2C)
Geschäftsmodell 4
Produktangebot
„Professional“ (B2B)
Geschäftsmodell 5
Gesamtlösungs-
angebot (B2B)
Geschäftsmodell 6
Telemedizinische
Dienstleistungen
(B2C)
Geschäftsmodell 7
„Razor & blades”-
Modell (B2C)
sehr hohe
Konsistenz neutral sehr hohe
Inkonsistenz
* POCT: Point-of-Care-Testing
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 141
Die Bewertungsskala reicht von sehr hohe Konsistenz (++) bis sehr hohe Inkonsistenz
(--). Sehr hohe Konsistenz bedeutet, dass das entsprechende Geschäftsmodell sehr gut in
diesem Zukunftsszenario vorstellbar ist. Das Gegenteil ist der Fall, wenn die Gegen-
überstellung mit sehr hoher Inkonsistenz bewertet wird. Hier ist das entsprechende Ge-
schäftsmodell bei Eintreten des Zukunftsszenarios nicht sinnvoll und sehr wahrschein-
lich wirtschaftlich unprofitabel.
Im Validierungsbeispiel sind lediglich die Geschäftsmodelle 1 und 4 zukunftsrobust.
Die beiden Geschäftsmodelle sind mindestens neutral gegenüber der zukünftigen Ent-
wicklung ausgerichtet, unabhängig davon, welches Szenario eintritt. Dennoch wäre das
Geschäftsmodell 4 nicht zwangsläufig zu präferieren, da es nur zu den Szenarien 1 und
2 konsistent ist, aber gegenüber den Geschäftsmodellen 2 und 3 bei Eintritt des Refe-
renzszenarios zurückfällt. Es sollte vor allem das Referenzszenario für die Ermittlung
der Zukunftsrelevanz ins Kalkül gezogen werden (fokussierte Strategieentwicklung).
Die Geschäftsmodelle 2 und 3 sind unter diesem Blickwinkel sehr zukunftsrelevant. Sie
stellen im Referenzszenario eine valide Geschäftsgrundlage dar. Hingegen sind die Ge-
schäftsmodellalternativen 1 und 7 für die Herausforderungen der Zukunft nur bedingt
geeignet. Weiterhin kann aus Bild 4-36 (Kapitel 4.5.3) die Wettbewerbsintensität für die
einzelnen Geschäftsmodellvarianten abgelesen werden. So wird beispielsweise das Ge-
schäftsmodell 4 von drei Unternehmen verfolgt, die Geschäftsmodelle 2 und 7 lediglich
von einem Unternehmen. Die Zukunftsrelevanz, Wettbewerbsintensität und Umsatz-
wachstum bilden zusammen die Attraktivität eines Geschäftsmodells ab. Weiterhin ist
die Umsatzprognose der Geschäftsmodelle von großer Bedeutung. Diese Prognose kann
auch im weiteren Verlauf bei der Unternehmensbewertung in einem möglichen M&A
herangezogen werden. Im Validierungsbeispiel ist ein Top-Down-Ansatz für die Um-
satzprognose gewählt worden66. Bild 4-38 zeigt eine detaillierte Abschätzung des Um-
satzes am Beispiel des Geschäftsmodells 2 „Telemedizinische Dienstleistungen und
Produkte (B2C)“. Ausgehend von der Gesamtbevölkerung in Deutschland wird der Be-
völkerungsanteil der betrachteten Altersgruppe des Geschäftsmodells 2 bestimmt. Das
Geschäftsmodell adressiert die „Altersgruppe der über 15-Jährigen“ (vgl. Spalten 1A
bis 1C in Bild 4-35), die einen Anteil von 85 Prozent an der Gesamtbevölkerung in
Deutschland haben. Ergebnis ist das gesamte Kundensegmentpotential. Das betrachtete
Geschäftsmodell ist für das Marktsegment „Telemedizin/Point-of-Care-Testing“ mit
den Krankheitsbildern „Adipositas“, „Diabetes“, „Herzinsuffizienz“ und „Hypertonie“
entwickelt worden. Von diesen Krankheitsbildern sind 35 Prozent der über 15-Jährigen
betroffen (Krankheitsrate; mindestens eins der Krankheitsbilder trifft zu). Damit liegt
die Anzahl der potentiellen Patienten/Kunden fest. Da nicht alle betroffenen Patienten
auch medizinisch erfasst bzw. diagnostiziert sind, ist die Diagnoserate herauszurechnen.
66 PICOT bezeichnet dieses Vorgehen als „Entwicklung eines branchenspezifischen Planungsmodells“.
Die Entwicklung der zukünftigen Umsatzerlöse eines Unternehmens hat einen maßgeblichen Einfluss
auf dessen Wert. Daher ist nach PICOT eine „fundierte Planung bezüglich aller Faktoren zu erstellen“
[Pic12, S. 154f.].
Seite 142 Kapitel 4
Bild 4-38: Umsatzpotential für das Geschäftsmodell 2 „Telemedizinische Dienstleis-
tungen und Produkte (B2C)“, Darstellung in Anlehnung an [Pic12, S. 155]
Umsatzpotential für das
Geschäftsmodell 2
Gesamtbevölkerung
in Deutschland
81.000.000
Bevölkerungsanteil der
betrachteten Kundensegmente
(über 15-Jährige Personen)
85 Prozent
gesamtes
Kunden-
segment-
potential:
68.850.000
35 Prozent
gesamtes
Patienten-
potential:
24.097.500
Krankheitsrate
(Adipositas, Diabetes,
Herzinsuffizienz, Hypertonie)
80 Prozent
medizinisch
erfasste
Patienten:
19.278.000
Diagnoserate
(Anteil der diagnostizierten
an betroffenen Patienten)
60 Prozent
medizinisch
therapierte
Patienten:
11.566.800
Therapierate
(Anteil der therapierten an
diagnostizierten Patienten)
5 Prozent
zugängliches
Patienten-
potential:
578.340
Therapierate mit Telemedizin/
Point-of-Care-Testing
(Anteil an Gesamttherapie)
12 Monate/
Jahr
2014
50 Euro
Behandlungsdauer je Patient
bei diesem Geschäftsmodell
(Chroniker werden adressiert)
durchschnittlicher Preis des
telemedizinischen Angebots
pro Monat (inkl. Hardware)
Umsatzpotential
für das betrachtete
Geschäftsmodell 2
in Euro:
347.004.000
* POCT: Point-of-Care-Testing
Patienten-
behandlungs-
monate:
6.940.080
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 143
Mit Hilfe der Therapierate (wie viele der erfassten Patienten werden tatsächlich thera-
piert) und dem Anteil von Telemedizin/Point-of-Care-Testing an dieser Therapierate
(nicht jeder Patient kann sinnvoll mit telemedizinischen Angeboten behandelt werden)
wird das zugängliche Patientenpotential bestimmt. Die bisher berechneten Patientenzah-
len fußen auf Daten, die im Zuge von Studien ermitteltet worden sind. Schließlich sind
die Behandlungsdauer und der Preis für das Angebot festzulegen, dass bei der Umset-
zung des Geschäftsmodells realistisch ist. Somit kann das Umsatzpotential für das be-
treffende Jahr berechnet werden. Gemäß Bild 4-38 ergibt sich ein Umsatzpotential von
etwa 347 Millionen Euro für das Geschäftsmodell „Telemedizinische Dienstleistungen
und Produkte (B2C)“.
Dies ist eine Umsatzabschätzung für einen kurzen Zukunftshorizont. Wichtig ist auch
das zukünftige Potential. Dafür kann wiederum das Referenzszenario herangezogen
werden. In dem für das Marktsegment Telemedizin-Point-of-Care-Testing entwickelten
Referenzszenario wird von einem flächendeckenden Einsatz von Telemedizin bei chro-
nischen Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Herzinsuffizienz und Hypertonie ausge-
gangen. Wird folglich die Therapierate mit Telemedizin/Point-of-Care-Testing im dar-
gestellten Beispiel von angenommenen 5 auf 50 Prozent erhöht (was noch keinem flä-
chendeckenden Einsatz von Telemedizin entsprechen würde), ergibt sich ein potentieller
Umsatz für das betrachtete Geschäftsmodell von etwa 3,4 Milliarden Euro für das Jahr
2025. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass die ermittelten Trends aus Kapitel 4.3.2
auf ein starkes Anwachsen chronisch Kranker mit den adressierten Krankheitsbildern
hindeuten. Das Validierungsbeispiel zeigt aber auch, wie sensitiv das Ergebnis selbst
bei einer solch fundierten Analyse gegenüber Einzelannahmen ist67. Nichts desto trotz
verbessert es die Qualität der strategischen Planung und hilft dabei, implizite Annahmen
transparent darzustellen.
Diese Abschätzung der Umsatzpotentiale ist selbstredend für alle sieben Geschäftsmo-
delle durchzuführen. Bild 4-39 zeigt eine Übersicht der getroffenen Annahmen und der
berechneten Umsatzpotentiale je Geschäftsmodell (letzte Spalte). Bei den Geschäftsmo-
dellen 1 und 5 ist die ersten Spalte mit einem „x gekennzeichnet. Da diese Geschäfts-
modelle B2B sind, kann hier keine Anzahl an Personen angegeben werden. Das B2B-
Geschäftsmodell 4 hingegen umfasst Produkte wie telemedizinfähige Herzschrittma-
cher, die zwar über Ärzte und Krankenhäuser verkauft werden, aber trotzdem von einem
Patienten eingesetzt und ihm zugeordnet werden. Daher kann in diesem Fall eine Perso-
nenanzahl angegeben werden.
67 Die Analyse realwirtschaftlicher Faktoren ist laut PICOT prinzipiell immer anzusetzen und auf die
wichtigsten Kostenpositionen zu übertragen [Pic12, S. 155].
Seite 144 Kapitel 4
Bild 4-39: Abschätzung der Umsatzpotentiale für die ermittelten Geschäftsmodelle
Die Geschäftsmodelle sind zudem auf die Konformität zur Unternehmensstrategie hin
zu bewerten. Die Konformität setzt sich aus den Kriterien Diversifikationsgrad und Fit
zum Diversifikationsauftrag zusammen (vgl. Kapitel 4.3.3). Das Ergebnis der Bewer-
tung ist auf der Abszisse des Portfolios in Bild 4-40 abgetragen. Auf der Ordinate bilden
das zuvor ermittelte Umsatzwachstum, die Wettbewerbsintensität und die Zukunftsrele-
vanz die Attraktivität des Geschäftsmodells ab. Der Durchmesser der Kreise im Portfo-
lio gemäß Bild 4-40 ist ein Maß für das abgeschätzte Umsatzpotential der einzelnen
Geschäftsmodelle.
Mit Hilfe des Portfolios kann nun ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell ausge-
wählt werden. Dabei steigt die Geschäftsmodellpriorität von unten links nach oben
rechts an. Im Validierungsbeispiel ist das Geschäftsmodell 2 ausgewählt worden.
Geschäfts-
modell
Umsatz-
abschätzung
Adressierte Alters-
gruppe je Geschäfts-
modell in Anzahl
Personen
Geschäftsmodell 1
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Beratung (B2B)
Geschäftsmodell 2
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Produkte (B2C)
Geschäftsmodell 3
Produktangebot
„Lifestyle“ (B2C)
Geschäftsmodell 4
Produktangebot
„Professional“ (B2B)
Geschäftsmodell 5
Gesamtlösungs-
angebot (B2B)
Geschäftsmodell 6
Telemedizinische
Dienstleistungen
(B2C)
Geschäftsmodell 7
„Razor & blades”-
Modell (B2C)
X
X
Adressierte Krank-
heitsbilder/Kunden
Marktpotential in
Anzahl Kunden
Tatsächlich erreich-
bare Kunden bzw.
Patienten pro Jahr
Umsatzpotential
für das Geschäfts-
modell in Euro
68.850.000
44.000.000
81.000.000
(Verkauf aber an
Ärzte und
Krankenhäuser)
68.850.000
50.000.000 Diabetes
Versicherungen
Unternehmen
Adipositas
Diabetes
Herzinsuffizienz
Hypertonie
Adipositas
Fitness
Herzinsuffizienz
Hypertonie
Schlaganfall
Versicherungen
Unternehmen
Krankenhäuser
Herzinsuffizienz
Hypertonie
134
600
19.278.000
22.000.000
8.300.000
134
600
2000
8.100.000
7.533.000
578.340
(3 Prozent mit
Dienstleistung
erreichbar)
7.600.000
(entspricht An-
zahl Mitglieder in
Fitnessstudios)
64.700
(mit Professional-
Produkten
Therapierte)
273
(10 Prozent der
Untern./Versich./
Krankenh.)
73
(10 Prozent der
Unternehmen/
Versicherungen)
810.000
(1 Prozent mit
Dienstleistung
erreichbar)
3.766.500
(50 Prozent
Anwender von
Teststreifen)
14.600.000
(200.000 Euro/
Jahr je Kunde)
347.004.000
(50 Euro/Monat
je Kunde)
228.000.000
(30 Euro/Jahr
je Kunde)
97.110.000
(1500 Euro/Jahr
je Kunde)
54.600.000
(200.000 Euro/
Jahr je Kunde)
81.000.000
(100 Euro/Jahr
je Kunde)
274.954.500
(150 Euro/Jahr
je Kunde für
Teststreifen)
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 145
Bild 4-40: Portfolio zur Auswahl eines konsistenten Geschäftsmodells für das betrach-
tete Unternehmen
4.6.2 Definition der angestrebten Marktleistung und Ermittlung notwen-
diger bzw. fehlender Kompetenzen
Das ausgewählte Geschäftsmodell ist in diesem Schritt detailliert zu analysieren. Dazu
sind die wesentlichen Gestaltungsoptionen des Geschäftsmodells in dem aus Kapitel
4.3.4 erstellten Geschäftsmodellrahmen darzustellen. Bild 4-41 zeigt den ausgefüllten
Geschäftsmodellrahmen für das im Validierungsbeispiel ausgewählte Geschäftsmodell
„Telemedizinische Dienstleistungen und Produkte (B2C)“.
Bei der Auswahl des optimalen Geschäftsmodells blieben die Reifegrade und die ge-
naue Verfügbarkeit von Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen im Unternehmen unbe-
rücksichtigt. Jetzt steht im Vordergrund, die Verfügbarkeit der benötigten Schlüsselfä-
higkeiten und -ressourcen für die Umsetzung des Geschäftsmodells „Telemedizinische
Dienstleistungen und Produkte (B2C)“ sicherzustellen. Im ersten Schritt werden die in
Bild 4-41 dokumentierten Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen gebündelt, um Kompe-
tenzen abzuleiten. So ist beispielsweise die Schlüsselfähigkeit „medizinisches Know-
how“ in Kombination mit der Schlüsselressource „Ärzteteam/Fachpersonal“ eine
Kompetenz genauso wie die Schlüsselfähigkeiten „Cloud Services“, „Datensicherheit“
mit der Ressource „Datenbank/Server“.
Attraktivität des
Geschäftsmodells
hoch
mittel
niedrig
Konformität zur Unternehmensstrategie
3
2
1
0
012 3
?
Diversifikationsgrad
Fit zum Div.-Auftrag
hohe Geschäftsmodellpriorität
für weitere Betrachtung auswählen
mittlere Geschäftsmodellpriorität
zurückstellen
niedrige Geschäftsmodellpriorität
verwerfen
?
Umsatzwachstum
Wettbewerbsintensität
Zukunftsrelevanz (R.-Szenario)
2
5
4
1
6
7
3
niedrig mittel hoch
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Beratung (B2B)
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Produkte (B2C)
Produktangebot
„Lifestyle“ (B2C)
Produktangebot
„Professional“ (B2B) Gesamtlösungsangebot
(B2B)
Telemedizinische
Dienstleistungen (B2C)
„Razor & blades”-
Modell (B2C)
Umsatzpotential
Seite 146 Kapitel 4
Bild 4-41: Ausgefüllter Geschäftsmodellrahmen mit den relevanten Gestaltungsoptio-
nen des Geschäftsmodells „Telemedizinische Dienstleistungen und Produkte
(B2C)“
Für die Definition der angestrebten Marktleistung wird ein Make, M&A or Buy-
Portfolio verwendet68. Gemäß Bild 4-42 wird das Portfolio durch die nicht vom Unter-
nehmen beeinflussbare Dimension Strategische Kompetenzrelevanz und die vom Unter-
nehmen beeinflussbare Dimension Kompetenzposition des Unternehmens aufgespannt.
Jede Schlüsselfähigkeit und -ressource ist gemäß der beiden Dimensionen zu bewerten.
Das Make, M&A or Buy-Portfolio besteht aus insgesamt vier Bereichen. Unten links
befinden sich Kompetenzen, bei dem das Unternehmen eine schwache Kompetenzposi-
tion besitzt. Die Kompetenzen haben aber auch eine geringe strategische Relevanz. Die-
se Kompetenzen sind extern über Lieferanten zu beziehen. Beispiele sind Komponenten
oder fertige Produkte, die in die Marktleistung des Unternehmens integriert werden. In
der oberen linken Ecke besitzt das Unternehmen eine schwache Position bei Kompeten-
zen, die strategisch relevant sind. Diese Kompetenzen sind über den Erwerb eines oder
mehrerer Unternehmen zu akquirieren.
68 Das Make, M&A or Buy-Portfolio stellt eine Abwandlung eines sogenannten Make or Buy-Portfolios
dar, wie es u. a. bei VIENENKÖTTER [Vie07, S. 131] und BRINK [Bri10, S. 153] zu finden ist. Wesent-
liche Unterschiede sind der neue Bereich M&A sowie die Bewertung von Kompetenzen im Gegensatz
zu Technologien bei einem Make or Buy-Portfolio.
Angebotsmodell Kundenmodell Wertschöpfungs-
modell Finanzmodell
Kundensegmente
• Erwachsene/Senioren
• Chroniker
• reflektierte Anwender
• qualitätsbewusst mit
Dienstleistungsbedarf
• ambulante Betreuung
Nutzenversprechen
• medizinische rund um
die Uhr Betreuung
durch Ärzte
• Notfall-Alarmierung
• individuelles Therapie-
monitoring
Marktleistung
• breite Palette an
Produkten
• telemedizinische
Dienstleistungen (durch
medizinisches Fach-
personal und Ärzte)
Kanäle
• Direktvertrieb
• Krankenversicherungen
• Unternehmen mit betr.
Gesundheitsmanagem.
• Internet/Homepage
• Krankenhäuser
Kundenbeziehungen
• Vertrag mit Laufzeit
• eigenes Bonus-
programm
• Bonusprogramm von
Versicherungen
Erlöskonzept
• Dienstleistungs-Flatrate
• Produktverkauf
(Festpreis in Flatrate)
• Grundtarif wird über
Versicherungen
abgerechnet
Schlüsselfähigkeiten
• med. Know-how
• Marketing/Imagepflege
• Stakeholdernetzwerk
• Design/Handhabung
• Cloud Services
• Datensicherheit
Schlüsselressourcen
• Ärzteteam/Fachpersonal
• Datenbank/Server
• Produktionssysteme
• IT-Infrastruktur (Vernet-
zung der Produkte
mit der Datenbank)
Schlüsselpartner
• Lieferanten (Auftrags-
fertiger)
• Versicherungen
Kostenstruktur
Investitionen
• IT-Infrastruktur und
weitere Infrastruktur
• Erwerb von Unter-
nehmen
• Trainingskonzept
Betriebskosten
• Personal medizinische
Dienstleistungen
• Personal Produktion
• Personal Logistik
• Personal technische
Dienstleistungen
• Personal Software
• Maschinen/
Instandhaltung
• Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffe
• Marketing/Werbung
• Datenbank/Server
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 147
In der Ecke unten rechts hat das Unternehmen eine starke Kompetenzposition bei Kom-
petenzen, die von geringer strategischer Relevanz sind. Diese sind selektiv im Unter-
nehmen aufzubauen. Dies betrifft vor allem Kompetenzen mit einem hohen Entwick-
lungspotential. Im Portfolio oben rechts sind Kompetenzen, bei dem das Unternehmen
eine starke Position besitzt und die von strategischer Relevanz sind. Diese Kompeten-
zen sind zwingend im Unternehmen zu entwickeln.
Bild 4-42: Make, M&A or Buy-Entscheidung von Kompetenzen
Im Validierungsbeispiel ist unter Verwendung des Make, M&A or Buy-Portfolio bei-
spielsweise entschieden worden, ein „Ärzteteam/Fachpersonal“ und damit den Aufbau
von „medizinischem Know-how“ durch den Erwerb eines Unternehmens voranzutrei-
ben. Für „Marketing/Imagepflege“ werden im Unternehmen Kompetenzen aufgebaut
und „Glukosemessgeräte“ werden als Zukaufteil über einen Lieferanten bezogen.
Strategische
Kompetenzrelevanz
hoch
mittel
niedrig
Kompetenzposition des Unternehmens
3
2
1
0
012 3
hohe Kompetenzpriorität
im Unternehmen umsetzen
hohe strategische Kompetenzrelevanz
M&A prüfen/planen
niedrige Kompetenzpriorität
bei Lieferanten zukaufen
Relevanz für Kundensegmente
Wettbewerbsvorteil
Verfügbarkeit bei „Lieferanten”
Make (Kompetenzaufbau intern)
Buy (Bezug durch Lieferanten)
Make, M&A or Buy-Entscheidung
niedrig mittel hoch
Kompetenzpriorität
Make
Buy
Make
Buy
Produktion
Glukosemessgerät
Produktion
Personenwaage
Produktion
Pulsoxymeter
Produktion
Spirometer
Produktion
Thermometer
M&A
?
hohe relative Kompetenz
selektiv im Unternehmen umsetzen
M&A
?
Fähigkeitsstärke
Ressourcenstärke
Entwicklungspotential
...
Marketing/
Imagepflege
IT-Infrastruktur,
Datensicherheit
...
Produktion
Elektrokardiograph
medizinisches Know-how,
Ärzteteam/Fachpersonal
Cloud Services,
Datensicherheit,
Datenbank/Server
M&A (Erwerb von Unternehmen)
Design/
Handhabung
Stakeholder-
netzwerk
Seite 148 Kapitel 4
4.7 Diversifikationsstrategieentwicklung
Nach GAUSEMEIER beschreibt eine Strategie den Weg zu einer unternehmerischen Vi-
sion“ [GPW09, S. 213]. In dieser Phase wird nun die Diversifikationsstrategie für das
neue Geschäftsfeld beschrieben. Zunächst wird in Kapitel 4.7.1 ein Geschäftsleitbild
entwickelt, das den Zweck bzw. die Motivation, die Mission und die Ziele des neuen
Geschäftsfeldes beschreibt. Der Strategiebereich Leitbild bildet in Kombination mit den
strategischen Kompetenzen (Kapitel 4.7.2) und den strategischen Positionen (Kapitel
4.7.3) die unternehmerische Vision. Abschließend sind aus der unternehmerischen Visi-
on Maßnahmen abzuleiten, um damit die Diversifikationsstrategie (Kapitel 4.7.4) zu
vervollständigen.
4.7.1 Entwicklung eines Geschäftsleitbildes
Eine Geschäftsstrategie beginnt mit einem Geschäftsleitbild. Das Geschäftsleitbild kann
aus bis zu fünf Elementen bestehen (vgl. Bild 4-43). Auf Basis des prinzipiellen Auf-
baus von Leitbildern nach GAUSEMEIER ET AL. [GPW09, S. 220] ist hier vor allem der
untere Bereich der Pyramide angepasst worden.
Bild 4-43: Prinzipieller Aufbau von Geschäftsleitbildern in Anlehnung an GAUSEMEIER
ET AL. [GPW09, S. 220]
Das Geschäftsleitbild fußt auf dem Nutzenversprechen an die Kundensegmente. Hierbei
wird auf das in Kapitel 4.6.1 ausgewählte Geschäftsmodell zurückgegriffen. Das Nut-
zenversprechen ist ein Geschäftsmodellelement, das bei der Entwicklung der Ge-
schäftsmodelle beschrieben worden ist. Ggf. ist an dieser Stelle das Nutzenversprechen
in Prosa weiter zu konkretisieren. Das Nutzenversprechen im Validierungsbeispiel ist
eine „nachhaltig verbesserte Lebensqualität der Kunden“.
Strategische
Position
Geschäftsleitbild
Mission
Ziele
Zweck/
Motivation
Nutzenver-
sprechen an die
Kundensegmente
Umgang
mit (externen)
Stakeholdern
Strategische
Kompetenzen
Das Geschäftsleitbild, die
strategische Position und die
strategischen Kompetenzen
beschreiben die
unternehmerische Vision.
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 149
Im Rahmen der Entwicklung des Geschäftsleitbilds kann es sinnvoll sein, den Umgang
mit (externen) Stakeholdern des Unternehmens in diesem Geschäftsfeld zu beschreiben.
Dazu kann auf die Stakeholder-Analyse von Kapitel 4.4 zurückgegriffen werden. Es
sind vor allem Statements zu Stakeholdern zu treffen, die einen hohen Einfluss auf das
neue Geschäftsfeld haben und damit zukünftig auch auf das Unternehmen Einfluss aus-
üben können.
Ein weiteres Element sind strategische Ziele, die das Unternehmen mit dem neuen Ge-
schäftsfeld erreichen möchte. Hier ist zu beschreiben, welchen Marktanteil das Unter-
nehmen zu welchem Zeitpunkt erreichen möchte. Die Aussagen sollten durchaus ambi-
tioniert, aber realistisch sein. So ist die Forderung eines Marktanteils im Jahr des
Marktangangs von 50 Prozent zwar wünschenswert, aber in den meisten Fällen nicht zu
erreichen. Im Validierungsbeispiel möchte das Unternehmen einen „Patienten- bzw.
Marktanteil von 10 Prozent im Jahr des Marktangangs“ erreichen.
Die Mission beschreibt das Selbstverständnis des Unternehmens in Bezug auf das Ge-
schäftsfeld. Es ist darzulegen, wie das Nutzenversprechen an die Kundensegmente er-
bracht werden soll. Somit weist es erste Elemente der strategischen Position auf.
In der Spitze der Pyramide von Bild 4-43 sind die Motivation bzw. der Zweck des neuen
Geschäftsfeldes positioniert. In einem Leitbild ist nach GAUSEMEIER ET AL. die „Kon-
stante und der bewahrende Zweck“ des Geschäftsfeldes zu beschreiben
[GPW09, S. 219]. Nach SPRENGER sind hier vor allem die Bereiche ökonomische Wohl-
fahrt (geht über die reine Gewinnmaximierung hinaus), die Legitimität (bewusste
Zweckbestimmung des Unternehmens) und die kollektive Identität (Organisation als
Solidargemeinschaft) zu adressieren [Spr05, S. 102ff.].
Bild 4-44 zeigt zusammenfassend einen Auszug aus dem Geschäftsleitbild, dass im Va-
lidierungsbeispiel für das neue Geschäftsfeld Telemedizin/Point-of-Care-Testing entwi-
ckelt worden ist.
Seite 150 Kapitel 4
Bild 4-44: Geschäftsleitbild als Teil der Diversifikationsstrategie am Beispiel Teleme-
dizin/Point-of-Care-Testing (Auszug)
4.7.2 Ableitung strategischer Kompetenzen
Eine Strategie hat nach GAUSEMEIER ET AL. das Wesentliche auf den Punkt zu brin-
gen“. Weiterhin muss eine Strategie leicht kommunizierbar sein. Es ist klar zu be-
schreiben, auf welche Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen (vgl. Kapitel 4.6.2) es an-
kommt, um die im Leitbild beschriebene Zielsetzung zu erreichen [GPW09, S. 222].
Diese Kombinationen aus Schlüsselfähigkeiten und -ressourcen entsprechen dem von
PÜMPIN eingeführten Begriff Strategischer Erfolgspositionen (SEP). SEPs stellen einen
Wettbewerbsvorteil dar und sind zudem auf künftige Markt- und Umfeldsituationen
ausgerichtet. SEP sichern somit den langfristigen Erfolg eines Geschäftsfeldes
[Püm83, S. 34]. Der Wettbewerbsvorteil ist bei der Ermittlung konsistenter Geschäfts-
modelle betrachtet worden. Im Validierungsbeispiel hat die Analyse der Geschäftsmo-
delle gezeigt, dass keines der konsistenten Geschäftsmodelle in der ermittelten Form
von einem der betrachteten Unternehmen umgesetzt wird. Auch das ausgewählte Ge-
schäftsmodell „Telemedizinische Dienstleistungen und Produkte (B2C)“ wird von SHL
Telemedicine nicht in Gänze umgesetzt. Es werden beispielsweise nur Geräte und Sys-
teme für chronische Herzinsuffizienz angeboten. Der Bereich chronische Adipositas
wird u. a. von SHL Telemedicine nicht bedient. Die Ausrichtung des Geschäftsfeldes
auf zukünftige Markt- und Umfeldsituationen ist mit Hilfe der Szenarien aus Kapitel
4.4.1 erfolgt. Die ermittelten Geschäftsmodelle sind auf ihre Zukunftsrelevanz hin be-
wertet worden. Dabei hat das ausgewählte Geschäftsmodell „Telemedizinische Dienst-
leistungen und Produkte (B2C)“ am besten abgeschnitten. Die strategischen Kompeten-
zen entsprechen somit den in Bild 4-42 (Kapitel 4.6.2) den Kategorien Make und M&A
Geschäftsleitbild Telemedizin/POCT*
Zweck/Motivation
Unser neues Geschäftsfeld Telemedizin/POCT* hilft uns dabei, unser angestammtes
Geschäft strategisch zu erweitern und den zukünftigen Fortbestand unseres Unternehmens
zu sichern. Das Geschäftsfeld bietet attraktive Arbeitsplätze sowie neue und spannende
Perspektiven für unsere Mitarbeiter. [...]
Mission
Unsere Mission ist die Versorgung unserer Kunden mit einem exzellenten und auf die
persönlichen Bedürfnisse abgestimmten telemedizinischen Angebot. Ziel ist die nachhaltig
verbesserte Lebensqualität unserer Kunden. Unsere Kunden haben zu jeder Zeit und ohne
Verzögerung Zugang zu Ärzten, Medizinexperten und telemedizinischen Dienstleistungen
aus einer Hand. [...]
Ziele
Mit unserem neuen Geschäftsfeld Telemedizin/POCT* sind wir in den kommenden 10 Jahren
ein führender Anbieter im Bereich Telemedizin. Wir investieren in die Entwicklung innovativer
Hardware- und Softwarelösungen, die eng mit einem Netz aus Ärzten und Medizinexperten
verbunden sind. Schon im Jahr des Marktangangs erreichen wir einen Patienten- bzw.
Marktanteil von etwa 10 Prozent. Wir laden unsere Mitarbeiter und zukünftigen Kunden ein,
uns auf diesem herausfordernden Weg zu begleiten und die vielfältigen Chancen der
Telemedizin zu erschließen. [...]
* POCT: Point-of-Care-Testing
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 151
zugeordneten Kompetenzen des Make, M&A or Buy-Portfolios. So ist u. a. die Betreu-
ung der Kunden durch ein „Ärzteteam/Fachpersonal“ und das damit einhergehende und
vom Kunden wahrgenommene „medizinische Know-how“ eine strategische Kompe-
tenz.
4.7.3 Definition der strategischen Position
Nach GAUSEMEIER ET AL. umfasst die strategische Position die Festlegung der Wettbe-
werbsarena [GPW09, S 226f.] sowie die Entwicklung einer Diversifikationsstrategie zur
Ausschöpfung von Wettbewerbsvorteilen. Die Wettbewerbsarena ist durch die Entwick-
lung konsistenter Geschäftsmodelle und der Positionierung der Geschäftsmodelle der
Unternehmen klar beschrieben (vgl. Kapitel 4.3.4 und Kapitel 4.5.3). Im Validierungs-
beispiel ist das Geschäftsmodell „Telemedizinische Dienstleistungen und Produkte
(B2C)“ ausgewählt worden. Ziel des Unternehmens ist es, das in sich konsistente Ge-
schäftsmodell in Form der dargestellten Ausprägungsliste umzusetzen (vgl. Kapi-
tel 4.5.3, Bild 4-35). In Bild 4-45 ist die strategische Position des betrachteten Unter-
nehmens mit einer Raute in der Wettbewerbsarena positioniert.
Bild 4-45: Strategische Position des betrachteten Unternehmens in der Wettbewerbsa-
rena Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Durch die Wahl des Geschäftsmodells ist die „SHL Telemedicine“ direkter Konkurrent.
Zudem sind die Unternehmen „Vitaphone“ und „Philips Healthcare“ im Sinne einer
7
6
5
4
3
1
2
Geschäftsmodell des
Unternehmens
Medisana
Withings
Almeda
4sigma
Vitaphone
MEDGATE
Bosch
Healthcare
Philips
Healthcare
SHL
Telemedicine
Sanofi-
Aventis
Aipermon HMM
BodyTel
Getemed
Corscience
Biotronik
1
Telemedizinische
Dienstleistungen und
Beratung (B2B)
2Telemedizinische
Dienstleistungen und
Produkte (B2C)
3Produktangebot
„Lifestyle“ (B2C)
4Produktangebot
„Professional“ (B2B)
5Gesamtlösungsangebot
(B2B)
6
Telemedizinische
Dienstleistungen (B2C)
7„Razor & blades”-
Modell (B2C)
Konsistente
Geschäftsmodelle
Betrachtetes
Unternehmen
Strategische Position
des betrachteten
Unternehmens
2
Seite 152 Kapitel 4
strategischen Frühaufklärung zu beobachten, ob diese ihre Position in Richtung Ge-
schäftsmodell 2 ändern. Bei „Biotronik“ kann davon ausgegangen werden, dass die
Position als „Produktanbieter „Professional“ nicht aufgegeben wird und das Unter-
nehmen in diesem Bereich verbleibt.
Weiterhin ist die zukünftige Marktleistungs-Marktsegmente-Kombination zu beschrei-
ben. Dazu wird auf die in Kapitel 4.2.2 ermittelte Marktleistungs-Marktsegmente-
Matrix zurückgegriffen. Das im Validierungsbeispiel ausgewählte neue Geschäftsfeld
„Telemedizin/Point-of-Care-Testing“ ist in die erweiterte Marktleistungs-Markt-
segmente-Matrix aufgenommen (vgl. Bild 4-46) und dem neuen Marktsegment „Medi-
zintechnik“ zugeordnet worden.
Bild 4-46: Erweiterte Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix (Auszug)
Anschließend sind dem neuen Geschäftsfeld konkrete Ziele zuzuweisen. Aus dem Leit-
bild kann beispielsweise abgeleitet werden, dass bereits im Jahr des Marktangangs ein
Marktanteil von 10 Prozent erreicht werden soll. Das entspricht bei dem gewählten Ge-
schäftsmodell „Telemedizinische Dienstleistungen und Produkte (B2C)“ etwa 58.000
Kunden. Der monatliche Flat-Tarif soll bei 50 Euro angesetzt werden. Somit ergibt sich
ein Umsatz von etwa 34,7 Millionen Euro. Weiterhin ist festgelegt worden, dass der
Komponenten der Marktleistung
Marktsegmente
(nach Branchen)
Pharma
Vliesstoffe
Biotech
Auto-
mobil Haus-
halt
O-Ringe
Vliesstoffe
After Sales
Support
Haushalts-
produkte
Medizin-
technik
Energie
Dichtungstechnik
Radialwellen-
dichtringe
Silikonteile
Produkt-
Engineering
Elektrokardio-
graphen
Cloud
Services
...
Telemedizin/
Point-of-Care-Testing
Neue
Komponenten
der Markt-
leistung
Neues
Markt-
segment
Geschäftsfeld
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 153
Markteintritt im 3. Quartal 2014 erfolgen soll und mit einem Investitionsbudget von 90
Millionen Euro geplant werden kann69. Bei einem neuen Geschäftsfeld bietet sich zu-
dem an, das Marktsegment noch in Kundensegmente zu unterteilen70. Bei der Entwick-
lung der Geschäftsmodelle ist ein Geschäftsmodellelement Kundensegmente (vgl. Kapi-
tel 4.5.3).
Das ausgewählte Geschäftsmodell „Telemedizinische Dienstleistungen und Produkte
(B2C)“ adressiert beispielsweise „Erwachsene“ und „Senioren“. Auf diese Weise kann
das neue Geschäftsfeld noch detaillierter beschrieben werden, indem jedem Kunden-
segment die konkreten Produkte und Dienstleistungen zugeordnet werden. Da in den
Geschäftsmodellen auch eine Aussage zu den Nutzenversprechen getroffen wird, kann
sich auch diese Gegenüberstellung von Kundensegmenten zu Nutzenversprechen anbie-
ten.
4.7.4 Diversifikationsstrategie
Die Diversifikationsstrategie bildet die Klammer um die bisher erzielten (Teil-) Ergeb-
nisse. Eine Strategie beschreibt nach GAUSEMEIER ET AL. den Weg zu der unternehme-
rischen Vision [GPW09, S. 213]. Die unternehmerische Vision besteht aus dem Ge-
schäftsleitbild (Kapitel 4.7.1), den strategischen Kompetenzen (Kapitel 4.7.2) und der
strategischen Position des Unternehmens im Wettbewerb (Kapitel 4.7.3). Bild 4-47
zeigt eine dokumentierte Diversifikationsstrategie.
Die Diversifikationsstrategie beginnt im oberen Bereich mit allgemeinen Angaben wie
Bearbeiter, Geschäftsbereich (GB) und der Version. Anschließend ist das Ange-
bot/Marktleistung zu spezifizieren. Hier wird auf die in Kapitel 4.7.3 ermittelte strategi-
sche Position zurückgegriffen. Der Autor empfiehlt, auf die Zuordnung der Kunden-
segmente zu den Marktleistungen aus Kapitel 4.5.3 zurück zu greifen. Wie im Kapitel
zuvor beschrieben zeigt die Praxis, dass unterschiedliche Kundensegmente mit unter-
schiedlichen Nutzenversprechen adressiert werden können oder sogar müssen. Ist dies
der Fall, sollte eine konkrete Zuordnung der Nutzenversprechen zu den Kundensegmen-
ten beschrieben werden (vgl. Bild 4-47 oben rechts).
69 An dieser Stelle werden auch aus Gründen der Vertraulichkeit für die übrigen Gescftsfelder keine
konkreten Zahlen genannt.
70 Baut ein Unternehmen seine Marktleistungs-Marktsegmente-Matrix nach Kundensegmenten und nicht
nach beispielsweise Branchen auf, ist dieser Schritt nicht erforderlich. Ein systematisches Vorgehen
zur Kundensegmentierung findet sich u. a. bei [Bri10, S. 102ff.].
Seite 154 Kapitel 4
Bild 4-47: Spezifikation einer Diversifikationsstrategie (Auszug)
Spezifikation einer Diversifikationsstrategie
Bearbeiter: Markus Lehner
Version: 2 Stand: 22. Mai 2013
GB: NBD*
Geschäftsfeld Telemedizin/
Point-of-Care-Testing
Seite 1(1)
* GB: Geschäftsbereich
NBD: New Business Development
** PG: Produktgruppe
DG: Dienstleistungsgruppe
*** NV: Nutzenversprechen
Angebot/Marktleistung
Nutzenversprechen/Kundensegmente***
NV1
NV2
NV3
NV4
Erwachsener SeniorJugendlicher
Marktleistung/Kundensegmente**
PG1
PG2
DG1
DG2
Erwachsener SeniorJugendlicher
Markt- und Wettbewerbssituation
Wettbewerbssituation
Anzahl Wettbewerber (direkt): 1 (von 16 betrachteten)
Größter Wettbewerber: SHL Telemedicine Ltd.
Umsatz des größten Wettbewerbers: 35 Millionen Euro
Anteil größter Wettbewerber/Umsatzpotent.: 10,1 Prozent
Markteinschätzung
Marktsegmentumsatz: 2,1 Milliarden Euro (Telemedizin)
Marktsegmentwachstum (′08-′12): + 10 Prozent (Ø)
Umsatzpotential des Geschäftsmodells:
0,347 Milliarden Euro
Strategische Stoßrichtung
Risiken des Vorgehens
Es besteht das Risiko, mehrere Unternehmen für den
Kompetenzaufbau erwerben zu müssen. Weiterhin ist die
Anzahl möglicher Übernahmekandidaten aufgrund spezieller
Kompetenzen im Bereich Medizintechnik gering. Ferner ist
der Bezug weiterer Komponenten der Marktleistung nur über
Lieferanten des zukünftigen Wettbewerbs möglich. Hier kann
es zu Schwierigkeiten kommen, wenn Exklusivverträge
ausgehandelt worden sind.
Grundsätzliche Richtung des Vorgehens
Bezug von Komponenten der Marktleistung mit einer
geringen strategischen Kompetenzrelevanz bei Lieferanten
(siehe Make, M&A or Buy-Portfolio). Erwerb von Unter-
nehmen (M&A) bei Komponenten der Marktleistung, die eine
hohe strategische Kompetenzrelevanz aufweisen und wir in
diesem Bereich keine/kaum Kompetenzen besitzen. Ziel ist,
die gesamte Marktleistung aus einer Hand anzubieten.
Ziele und Maßnahmen
Maßnahmen
Nr. Beschreibung Verantw./Termin Status
1
2
3
4
5
Übersicht Übernahmekand. Müller/1. Qt. ′13 abg.
Auswahl Übernahmekand. Kaiser/3. Qt. ′13 in Arb.
Gespräche Übernahmekand. Vorst./1. Qt ′14 gepl.
Übersicht Lieferanten Müller/3. Qt ′13 in Arb.
...
Markteintritt: 3. Quartal 2014
Marktpreis: 50 Euro pro Monat (Flat-Tarif)
Anzahl Kunden: 58.000 (im Schnitt pro Monat)
Umsatz: 34,8 Millionen Euro
Marktanteil: 10 Prozent
Investitionskosten/-budget: 90 Millionen Euro
Ziele für den Marktangang
Stakeholdersituation
Umgang/Ziel
Es ist der Kontakt zur Bundesärztekammer zu suchen und
die genaue Argumentationsführung zu ergründen.
Auch mit den Pharmaunternehmen ist der Kontakt herzu-
stellen. Ziel ist, gemeinsame Anknüpfungspunkte im
Rahmen des Geschäftsmodells zu finden. [...]
Einfluss-Ziele-Grid
Die Bundesärztekammer ist der
Stakeholder mit dem höchsten
Einfluss, der zudem konfliktär
eingestellt ist. Ein weiterer relevanter
Stakeholder mit hohem Einfluss
sind Pharmaunternehmen. [...]
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 155
Im nächsten Block ist die Markt- und Wettbewerbssituation zu beschreiben. Auf der
linken Seite werden allgemeine Angaben zum Marktsegmentumsatz und dem Markt-
segmentwachstum gemacht. Diese Informationen stammen aus Kapitel 4.3.3 (vgl. Bild
4-15). Zudem ist das mit dem ausgewählten Geschäftsmodell mögliche Umsatzpotential
angegeben, das in Kapitel 4.6.1 (vgl. Bild 4-38) abgeschätzt worden ist. Auf der rechten
Seite des Blocks sind Angaben zur Wettbewerbssituation dargestellt. Insgesamt sind 16
Unternehmen bei der Analyse der Wettbewerbssituation betrachtet worden. Lediglich
die SHL Telemedicine setzt das ausgewählte Geschäftsmodell „Telemedizinische
Dienstleistungen und Produkte (B2C)“ um und ist daher im Moment der einzige Kon-
kurrent des betrachteten Unternehmens in diesem Geschäftsfeld. Anschließend folgen
der Umsatz des größten Wettbewerbers und dessen Anteil am Umsatzpotential des Ge-
schäftsmodells.
Im dritten Block ist die Stakeholdersituation dargestellt. Die Ergebnisse liegen aus Ka-
pitel 4.4.3 vor. Auf der linken Seite ist das Einfluss-Ziele-Grid abgebildet. Die rechte
Seite des Blocks dient der Beschreibung des Umgangs mit relevanten Stakeholdern so-
wie der Dokumentation konkreter Ziele.
Im vierten Block sind Aussagen zu den strategischen Stoßrichtungen zu treffen. Es ist
vor allem auf das Make, M&A or Buy-Portfolio von Kapitel 4.6.2 (vgl. Bild 4-42) ein-
zugehen und welche Risiken sich für das Unternehmen ergeben können.
Der wichtigste Block folgt unten in der Spezifikation der Diversifikationsstrategie: Dort
sind die Ziele und Maßnahmen zu dokumentieren. Die Ziele umfassen vor allem Anga-
ben zum geplanten Markteintritt, welcher Preis mit der Marktleistung erzielt werden
soll, Anzahl Kunden, Umsatz, Marktanteil und das Investitionsbudget zur Umsetzung
der Diversifikationsstrategie. Auf der rechten Seite sind die konkreten Maßnahmen zur
Umsetzung der Diversifikationsstrategie zu fixieren. Neben einer kurzen Beschreibung
der Maßnahmen sind vor allem die Festlegung von Verantwortlichkeiten und Terminen
sowie die Angabe des Standes der einzelnen Maßnahmen von großer Bedeutung. Im
Validierungsbeispiel sind Maßnahmen wie „Übersicht Übernahmekandidaten“ und
„Auswahl Übernahmekandidaten“ definiert worden. Ein Ansatz, wie bei der Auswahl
von Übernahmekandidaten vorgegangen werden kann, findet sich im Anhang A3.
Seite 156 Kapitel 4
4.8 Bewertung des Verfahrens anhand der Anforderungen
In diesem Kapitel wird das entwickelte Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-
orientierter Diversifikationsstrategien anhand der in Kapitel 2.5 aufgestellten Anforde-
rungen bewertet.
A1: Strukturierung und Bewertung der Attraktivität von Märkten
Die in einem Diversifikationsauftrag ausgewählte Branche wird in Marktsegmente ge-
gliedert. Die Marktsegmente werden mit Umsatz, Umsatzwachstum und Wettbe-
werbsintensität charakterisiert. Eine Trendanalyse erglicht die Ermittlung der Zu-
kunftsrelevanz jedes Marktsegments.
A2: Analyse des systemischen Verhaltens relevanter Stakeholder
Zunächst werden alle Stakeholder in einem Stakeholder-Radar visualisiert. Der Radar
dient als Eingangsgröße für die nachfolgende direkte und indirekte Einflussanalyse.
Damit lassen sich sowohl die direkten als auch indirekten Einflüsse der Stakeholder
untereinander bestimmen. Die Einflüsse werden mit den Kriterien Macht, Legitimität
und Dringlichkeit bewertet.
A3: Ermittlung der vorherrschenden Geschäftslogik in einem Markt
Die Geschäftsmodelle der Unternehmen in einem ausgewählten Marktsegment werden
ermittelt und in einer Ausprägungsliste dokumentiert. Diese Ausprägungsliste dient der
Visualisierung der Geschäftsmodelle in einer Multidimensionalen Skalierung. Gruppen
ähnlicher Geschäftsmodelle charakterisieren die vorherrschende Geschäftslogik in ei-
nem Markt/Marktsegment.
A4: Berücksichtigung alternativer Entwicklungsmöglichkeiten
Diese Anforderung wird durch die Verwendung der Szenario-Technik erfüllt. Mit der
Szenario-Technik können alternative Zukunftsbilder entwickelt werden. Das in der Lite-
ratur etablierte Vorgehen wird durch die Integration und Antizipation des zukünftigen
Verhaltens relevanter Stakeholder erweitert.
A5: Ableitung von Chancen und Gefahren
Durch die Verwendung einer Chancen-Gefahren-Matrix werden aus den Szenarien ab-
leitbare Chancen und Gefahren mit den Kriterien Auswirkung auf das Geschäft und
Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Diese werden bei der Entwicklung von konsisten-
ten Geschäftsmodellen berücksichtigt.
A6: Identifikation und Aufbau strategischer Erfolgspositionen
Die Entwicklung konsistenter Geschäftsmodelle erlaubt, Potentiale zwischen diesen
Geschäftsmodellen und den im Marktsegment verfolgten Geschäftsmodellen aufzude-
cken. Weiterhin wird ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell ausgewählt und in
einem Geschäftsmodellrahmen dokumentiert. In diesem Geschäftsmodellrahmen wer-
Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-orientierter Diversifikationsstrategien Seite 157
den auch Schlüsselfähigkeiten und Schlüsselressourcen dargestellt. Diese geben einen
direkten Hinweis auf strategische Erfolgspositionen.
A7: Entscheidung über Kompetenzbeschaffung
Die Make, M&A or Buy-Entscheidung für derzeit nicht im Unternehmen vorhandene
Kompetenzen wird durch das Make, M&A or Buy-Portfolio abgedeckt. Dabei werden
unternehmensinterne Ressourcenrestriktionen mit der strategischen Kompetenzrelevanz
abgeglichen.
A8: Bereitstellung und Management einer kritischen Wissensmenge zur Strate-
gieentwicklung
Die einzelnen Phasen werden durch strukturierte Steckbriefe wie dem Marktsegment-
oder Trendsteckbrief unterstützt. Weiterhin werden für alle Rechenschritte geeignete
Excel-Werkzeuge bereitgestellt.
A9: Definition konkreter Maßnahmen zur Umsetzung
Die in der letzten Phase spezifizierte Diversifikationsstrategie umfasst konkrete Aussa-
gen zu Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Terminen. Die Maßnahmen sowie der
Grund für die Maßnahme werden transparent dargestellt.
A10: Prägnante Darstellung der Lösung
Alle relevanten (Zwischen-) Ergebnisse werden visualisiert. Die Visualisierung orien-
tiert sich an der Phase des Verfahrens und dem Entscheidungsbedarf. Haben die Ergeb-
nisse eher informierenden Charakter, wird auf eine Multidimensionale Skalierung zu-
rückgegriffen. Bei einem konkreten Entscheidungsbedarf werden Portfolios angeboten.
Zusammenfassung und Ausblick Seite 159
5 Zusammenfassung und Ausblick
Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland nimmt im globalen Wettbewerb eine
Spitzenposition ein. Aber nur noch die Hälfte der Unternehmen wächst in ihrem Kern-
geschäft über den Gewinn von Marktanteilen. 80 Prozent der Unternehmen haben in
den vergangenen fünf Jahren mindestens ein komplett neues Geschäftsfeld aufgebaut.
Den Bedarf der Diversifikation des eigenen Geschäfts haben die Unternehmen erkannt.
Dennoch werden 50 Prozent aller Diversifikationsprojekte wieder liquidiert oder das
Geschäftsfeld komplett abgewickelt. Es fehlt offensichtlich an Ansätzen zur Strukturie-
rung von Märkten und Bewertung der Attraktivität einzelner Marktsegmente. Insbeson-
dere wird die bestehende Geschäftslogik in dem zu erschließenden Marktsegment nicht
eingehend betrachtet und transparent dargestellt. Auch zukünftige Entwicklungsmög-
lichkeiten werden nur unzureichend ins Kalkül gezogen, um daraus konkrete Anforde-
rungen sowie strategische Stoßrichtungen abzuleiten. Genauso verhält es sich mit der
Analyse und Antizipation des Verhaltens verschiedener Stakeholder.
Herausforderungen bei der Entwicklung von Diversifikationsstrategien, die in Kapi-
tel 2 herausgearbeitet wurden, sind die gegenwartsbezogene Geschäftsstrukturanalyse
und die Analyse der Ist-Situation des Zielmarktes. Wichtige Informationen zur aktuellen
Geschäftsstruktur liegen verteilt und personengebunden vor. Es bedarf einer Externali-
sierung und Synchronisation dieser Informationen. Weiterhin mangelt es an einer prag-
matischen und methodischen Strukturierung und Analyse von Märkten. Außerdem wird
der Einfluss z. T. neuer Stakeholder in dem zu erschließenden Markt nur unzureichend
berücksichtigt. Diese Einflüsse und Ziele der Stakeholder gilt es, bei der Entwicklung
von Diversifikationsstrategien zu berücksichtigen. Weiterhin wird der zukünftigen Ent-
wicklung von Märkten und Umfeldern zu wenig Beachtung geschenkt. Attraktiv er-
scheinende Branchen und Marktsegmente können in wenigen Jahren zu den Schluss-
lichtern gehören. Dies führt in letzter Instanz zu erheblichen Fehleinschätzungen und
damit zu Diversifikationsstrategien, die auf einer lückenhaften oder z. T. falschen In-
formationsbasis entwickelt worden sind. Eine weitere Herausforderung ist die Kommu-
nikation der Diversifikationsstrategie im Unternehmen. Oftmals herrscht Unverständnis
bei Mitarbeitern eines Unternehmens über Entscheidungen des Managements. Daher ist
die Diversifikationsstrategie für Dritte transparent darzustellen. Die eingehende Analyse
des Stands der Technik in Kapitel 3 verdeutlicht, dass keiner der untersuchten Ansätze
den Anforderungen in vollem Umfang gerecht wird.
Aus diesem Grund wurde in Kapitel 4 ein Verfahren zur Entwicklung geschäftsmodell-
orientierter Diversifikationsstrategien entwickelt. Das Verfahren erstreckt sich über die
Phasen Analyse, Vorausschau und Strategieentwicklung des Prozesses der strategischen
Führung nach GAUSEMEIER. In der ersten Phase wird zunächst der Diversifikationsauf-
trag analysiert, um Klarheit über das Ziel der Diversifikation zu haben. Im Rahmen des
Diversifikationsauftrags wird der Zielmarkt festgelegt. Anschließend wird das Geschäft
des Unternehmens strukturiert und in Geschäftsfelder gegliedert. Je Geschäftsfeld wer-
Seite 160 Kapitel 5
den die relevanten Kompetenzen ermittelt und dokumentiert. Die zweite Phase dient der
Analyse der unternehmensexternen Umwelt. Eine Marktsegmentierung erlaubt die Auf-
teilung des Zielmarktes in homogene Segmente. Die Darstellung der Geschäftslogik in
einem ausgewählten Marktsegment und die Ermittlung des Verhaltens und der Ziele der
Stakeholder in der dritten Phase schließen die Analyse ab.
In Phase vier werden auf der Basis von Marktsegment-, Stakeholder- und Umfeldszena-
rien zukünftige Anforderungen, Chancen und Gefahren für das ausgewählte Marktseg-
ment abgeleitet. Dies dient als Eingang für die Entwicklung konsistenter Geschäftsmo-
delle. Die fünfte Phase setzt sich mit der Geschäftsmodellanalyse auseinander. Eine
Umsatzabschätzung, die Bewertung der Attraktivität und der Konformität zur Unter-
nehmensstrategie erlauben die Auswahl eines Erfolg versprechenden Geschäftsmodells.
Anschließend wird die Marktleistung des Unternehmens definiert und notwendige so-
wie fehlende Kompetenzen für die Umsetzung des Geschäftsmodells ermittelt. Die Er-
gebnisse werden in einem Make, M&A or Buy-Portfolio visualisiert.
Die sechste Phase dient der eigentlichen Diversifikationsstrategieentwicklung. Auf Ba-
sis des ausgewählten Geschäftsmodells und den fehlenden Kompetenzen kann die Di-
versifikationsstrategie erarbeitet werden. Da die Diversifikation dem Aufbau eines neu-
en Geschäftsfeldes dient, ist zunächst ein Geschäftsleitbild zu entwickeln. Das Ge-
schäftsleitbild, die strategischen Kompetenzen (Make, M&A or Buy-Portfolio) und die
strategische Position bilden zusammen die unternehmerische Vision. Daraus lassen sich
konkrete Maßnahmen für die Umsetzung der Diversifikationsstrategie ableiten.
Zusammenfassend wird festgestellt, dass das Verfahren die gestellten Anforderungen
erfüllt. Die Praxistauglichkeit des Verfahrens konnte anhand eines Industrieprojekts
mit einem Unternehmen aus der Automobilindustrie nachgewiesen werden. Alle Schrit-
te des Verfahrens werden durch ein Excel- bzw. Java-Werkzeug unterstützt. Somit kön-
nen alle Berechnungsschritte automatisiert erfolgen. Der Aufwand für den Anwender ist
als gering zu bewerten.
Zukünftiger Forschungsbedarf besteht in drei Bereichen. Dies ist die Entwicklung
einer durchgängigen Softwareunterstützung ohne „Medienbrüche“, die weitere Syste-
matisierung des Kompetenzmanagements eines Unternehmens und die methodische
Suche und Auswahl von M&A-Zielen. Die im Rahmen der Arbeit entwickelten Soft-
ware-Werkzeuge ermöglichen bereits eine automatisierte Umsetzung der einzelnen Pha-
sen des Verfahrens. Für die Konsistenzanalyse und Visualisierung der Ergebnisse wur-
den im Validierungsbeispiel die Szenario-Software und das Werkzeug Permap einge-
setzt. Die Entwicklung eines durchgängigen Software-Werkzeugs sowohl für die Be-
rechnungsschritte als auch die Visualisierungen der Ergebnisse wäre daher wünschens-
wert.
In der ersten Phase des Verfahrens werden Kompetenzen ermittelt. Die Kombination
von Schlüsselfähigkeiten und Schlüsselressourcen zu Kompetenzen ist in der Praxis
nicht immer zielführend. Eine Herausforderung ist oft bereits die Benennung von
Zusammenfassung und Ausblick Seite 161
Schlüsselfähigkeiten und Schlüsselressourcen durch Mitarbeiter eines Unternehmens.
Weiterhin ist der in der Arbeit vorgestellte Ansatz für die Ermittlung von Kompetenzen
um Phasen eines strategischen Kompetenzmanagements zu erweitern. Dieser Aspekt
wird in der fünften Phase des Verfahrens durch das Make, M&A or Buy-Portfolio ledig-
lich angerissen.
Schließlich ist die Suche und Auswahl von M&A-Zielen nicht Teil des Verfahrens. Es
wäre zunächst die Frage zu klären, auf welcher Ebene diese Suche und Auswahl erfol-
gen sollte. Auf der Ebene der Geschäftsstrategie (VITOSTRA®), des Geschäftsmodells
oder der strategischen Kompetenzen. Der Autor präferiert die Auswahl anhand der stra-
tegischen Kompetenzen. Es ist daher die Forschungsfrage zu beantworten, wie diese
fehlenden Kompetenzen bei externen Unternehmen ermittelt werden können. Weiterhin
bedarf es einer systematischen Ermittlung eines Gesamtkompetenzprofils für die Um-
setzung eines Geschäftsmodells. Dies ist vor allem dann eine Herausforderung, wenn
für die fehlenden Kompetenzen mehrere Unternehmen zu kaufen/übernehmen wären.
Abkürzungsverzeichnis Seite 163
6 Abkürzungsverzeichnis
AKM Aachener Kompetenzzentrum Medizintechnik
AWMF Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesell-
schaften
BÄK Bundesärztekammer
bzw. beziehungsweise
CD Compact Disc
D. Dringlichkeit
DFS depth-first search
DG Dienstleistungsgruppe
DGBMT Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik
engl. Englisch
et al. et alii
etc. et cetera
FDA Food and Drug Administration
GB Geschäftsbereich
ggf. gegebenenfalls
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
IKT Informations- und Kommunikationstechnologie
inkl. inklusive
ISO International Organization for Standardization
KS Kundensegment
L. Legitimität
M. Macht
M&A Mergers & Acquisitions
MDS Multidimensionale Skalierung
Mio. Million
Mrd. Milliarde
Seite 164 Kapitel 6
NACE Nomenclature statistique des activités économiques dans la Communauté
européenne
NBD New Business Development
OEM Original Equipment Manufacturer
OP Operation
PG Produktgruppe
PKV Private Krankenversicherung
POCT Point-of-Care-Testing
u. a. unter anderem
USA United States of America
vgl. vergleiche
vs. versus
WHO World Health Organization
z. B. zum Beispiel
z. T. zum Teil
Literaturverzeichnis Seite 165
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Bildquellen
Bild 4-2 © Fotolia, unter: www.fotolia.de
Bild 4-7 © Fotolia, unter: www.fotolia.de
Bild 4-34 © Fotolia, unter: www.fotolia.de
Anhang
Inhaltsverzeichnis Seite
A1 Marktanalyse ............................................................................................ A-1
A1.1 Clusteranalyse ................................................................................. A-1
A1.2 Scree-Diagramm .............................................................................. A-3
A1.3 Übersicht betrachteter Produkte/Produktgruppen ............................ A-4
A1.4 Multidimensionale Skalierung der Produkte/Produktgruppen .......... A-5
A1.5 Trendradar Medizintechnik .............................................................. A-6
A1.6 Ausprägungslisten der Geschäftsmodelle von Unternehmen im
Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-Testing ........................... A-8
A1.7 Alternative zur Ermittlung von Geschäftsmodellen mit Hilfe des
Verfahrens VITOSTRA®................................................................. A-11
A1.8 Erfolgsfaktoren-Analyse für das Marktsegment
Telemedizin/Point-of-Care-Testing ................................................ A-14
A2 Stakeholder-Analyse .............................................................................. A-17
A2.1 Strukturanalyse der Einflussmatrix in LOOMEO ............................ A-17
A2.2 Ermittlung und Berechnung indirekter Einflüsse ............................ A-18
A2.3 Ermittlung der indirekten Beeinflussungen für das
Validierungsbeispiel ....................................................................... A-21
A3 Ermittlung optimaler Kombinationen von Übernahmekandidaten ........... A-23
Marktanalyse Seite A-1
A1 Marktanalyse
A1.1 Clusteranalyse
Ziel der Clusteranalyse ist es, betrachtete Untersuchungsobjekte wie Personen, Unter-
nehmen oder Produkte zu Clustern (deutsch: Gruppen, Klumpen) zusammenzufassen.
Die Clusterung erfolgt in der Weise, dass die Gruppen a) in sich homogen und b) die
Gruppen zueinander möglichst heterogen sind. Der Begriff Clusteralyse fasst Verfahren
der Gruppenbildung zusammen, die sich hin Hinblick auf folgende zwei Aspekte unter-
scheiden [BEP+11, S. 397]:
Proximitätsmaß: Maß, mit dem die Ähnlichkeit bzw. die Distanz zwischen den
betrachteten Objekten gemessen wird.
Gruppierungsverfahren: Vorgehensweise, nach der Gruppen von ähnlichen Ob-
jekten zusammengefasst (Fusionierungsalgorithmen) oder eine Erhebungsgesamt-
heit in Gruppen unterteilt werden soll (Partitionierungsalgorithmen)
[BEP+11, S. 397].
Exemplarisch wird nun das Nearest-Neighbour-Verfahren am Beispiel der Bildung von
Produktklassen im Bereich Medizintechnik vorgestellt. Den grundsätzlichen Ablauf der
Clusteranalyse zeigt Bild A-1.
1) Merkmale und Ausprägungen festlegen: Für die Produktklassenbildung ist ein
mögliches Merkmal die Aufbereitung der Medizinprodukte, zugehörige Ausprägun-
gen sind beispielsweise Sterilisation, Desinfektion und Entsorgung. In einer soge-
nannten Rohdaten-Matrix werden die Ausprägungen der Objekte hinsichtlich der
Merkmale binär codiert (1 = Eigenschaft vorhanden, 0 = Eigenschaft nicht vorhan-
den) [BEP+11, S. 407f.].
2) Distanzen zwischen den Objekten berechnen: Hier werden aus der Rohdaten-
Matrix Distanzen zwischen den einzelnen Objekten berechnet. Die Distanz zweier
Objekte ist umso größer, je unähnlicher sie sich sind. Die Distanzen werden mit Hil-
fe eines Distanzmaßes (beispielsweise Euklidische Distanz) berechnet
[GPW09, S. 83], [BEP+11, S. 402ff.].
3) Objekte zu Clustern zusammenfassen: Die beiden Objekte mit der geringsten
Distanz zueinander werden zusammengefasst [GPW09, S. 83].
4) Distanzen neu berechnen: Für die in Schritt 3 entstandenen Cluster sind neue Dis-
tanzen zu berechnen. Beim Nearest-Neighbour-Verfahren wird aus den alten Dis-
tanzen der in dem Cluster zusammengefassten Objekte zu einem dritten Objekt die
kleinste Distanz ausgewählt. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis alle Ob-
jekte einem Cluster zugeordnet sind. Bei jedem Durchlauf wird die Distanz der bei-
Seite A-2 Anhang
den zusammengefassten Objekte festgehalten und als Maß für den Informationsver-
lust herangezogen [GPW09, S. 83].
5) Anzahl der Cluster bestimmen: Hier ist eine geeignete Anzahl von Clustern zu
ermitteln. Als Kriterium dient der Informationsverlust, der durch jede neue Zusam-
menfassung entsteht. Die ideale Anzahl von Clustern ist dann erreicht, wenn der In-
formationsverlust bei der vorherigen Zusammenfassung nur wenig gestiegen ist und
durch eine weitere Zusammenfassung stark zunehmen würde (Abbruchkriterium)
[GPW09, S. 83]. Dies kann beispielsweise in einem Scree-Diagramm durch den so-
genannte „Ellbogen-Punkt“ abgelesen werden (Scree-Diagramm: auf der Abszisse
wird die Anzahl der Cluster und auf der Ordinate der Informationsverlust abgetra-
gen) [GPW09, S. 82].
Bild A-1: Vorgehen bei der Clusteranalyse nach BACKHAUS ET AL.
[BEP+11, S. 398ff.], Darstellung in Anlehnung an [GPW09, S. 83]
Objekte:
z. B. Produkte
B
C
A
CDBA
B
C
D
A
DBA,C
B
D
A,C
Clusterung
Merkmale z. B.
Aufbereitung
Individualität
Anwender
A
Bestimmung der zu klassifizierenden Objekte
Objekte zu Clustern zusammenfassen
Anzahl der Cluster bestimmen
Cluster analysieren
Merkmale und Ausprägungen festlegen
und in Rohdatenmatrix bewerten
Mögliche Skalierungen: nominal, ordinal, kardinal
Distanzen zwischen den Objekten berechnen
Distanzmaß wählen:
z. B. Euklidische Distanz; Distanzmatrix aufstellen
Distanzen neu berechnen
Verfahren: Nearest Neighbour/ ,
Complete Linkage, Average Linkage, Ward, ...
Single Linkage
Anzahl der
Cluster
1
2
3
4
5
Marktanalyse Seite A-3
A1.2 Scree-Diagramm
Besondere Bedeutung bei der Clusteranalyse kommt der Festlegung einer geeigneten
Partition zu. Die Partitionierung hat Einfluss auf die Anzahl und die Struktur der Clus-
ter. Auf der einen Seite steigt mit jeder weiteren Clusterung (unabhängig vom Cluster-
algorithmus) der Informationsverlust. Auf der anderen Seite ist eine handhabbare An-
zahl an Clustern zu finden. Die Extrema sind jedes Objekt bildet ein eigenes Cluster
(kein Informationsverlust) oder alle Objekte sind in einem Cluster (maximaler Informa-
tionsverlust). Bei der Auswahl einer geeigneten Partition kann das Scree-Diagramm
helfen, wie es in Bild A-2 dargestellt ist. In dem gezeigten Beispiel werden 14 Cluster
ausgewählt.
Bild A-2: Partitionsfestlegung mit einem Scree-Diagramm für die Clusterung der
Produkte/Produktgruppen zu Marktsegmenten
5101520
25
10
20
30
Anzahl Cluster
Informationsverlust
Auswahl der
14-Cluster-Partition
14
Seite A-4 Anhang
A1.3 Übersicht betrachteter Produkte/Produktgruppen
In Bild A-3 sind alle Produkte/Produktgruppen alphabetisch sortiert dargestellt, die für
die Marktsegmentierung herangezogen worden sind.
Bild A-3: Betrachtete Produkte/Produktgruppen für die Segmentierung des Marktes
für Medizintechnik
A
• Absaugvorrichtung
• Aktivitätsmesser
• Augenprothese
B
• Bandage
• Behandlungssessel
• Behandlungstisch
• Blutalkoholtestgerät
• Blutdruckmessgerät
• Bohrer
C
• Cochleaimplantat
• Computertomograph
D
• Diagnoseleuchte
E
• Elektrochirurgiegerät
• Elektrokardiograph
• Elektrotherapiegerät
• Endoskop
• Ergometer
F
• Färbeautomat
• Filtrationssystem
G
• Gehhilfe
• Gerät zur Bilddoku.
• Glukosemessgerät
• Gymnastikball
• Gymnastikreifen
H
• Hand-/Fußprothese
• Handschuh
• Herzschrittmacher
• Homogenisator
• Hörbrille
• Hörsystem
• Hüftschaft
I
• Inkubator für Frühchen
• Inkubator für
Gewebeproben
K
• Kanüle
• Katheter
• Knochensäge
• Krankenhausbett
L
• Laparoskopisches
Instrument
• Laserchirurgiegerät
• Laufband
M
• Magnetresonanztomograph
• Mikroskop
• Mundsperrer
N
• Nadelhalter
• Notrufsystem
O
• Operationsabdecksystem
• Operationsschere
P
• Patientenüberwachungs-
system
• Personenwaage
• Pflaster
• Photometer
• Planstopfer (Zahnmedizin)
• Poliergerät
• Pulsmessgerät
• Pulsoxymeter
R
• Refraktionsgerät
• Rehabilitationsgerät
• Rollstuhl
• Röntgenapparat
S
T
• Taschenhörgerät
• Teststreifen
• Thermometer
• Thorakoskopisches
Instrument
• Tinnitushörsystem
• Tonometer
• Topograph
U
• Ultraschallmessgerät
• Ultraschalltherapiegerät
• Untersuchungstisch
V
• Verbandmaterial
W
• Wärmetherapiegerät
Z
• Zahnimplantat
• Zahnschmelzmeissel
• Scheitelbrechwertmesser
• Schiene
• Schlafüberwachungs-
system
• Skalpell
• Spirometer
• Spritze
• Steckkopf (Hüfte)
• Sterilisator
• Stethoskop
Marktanalyse Seite A-5
A1.4 Multidimensionale Skalierung der Produkte/Produktgruppen
Um die Ähnlichkeiten der Produkte/Produktgruppen in einer Multidimensionalen Ska-
lierung darstellen zu können, sind die Werte der Matrix aus Kapitel 4.3.1 zu invertieren.
Bild A-4 zeigt einen Auszug der berechneten Matrix.
Bild A-4: Invertierte Ähnlichkeitsmatrix
Auf Basis der invertierten Ähnlichkeitsmatrix können die Produkte/Produktgruppen in
einer Multidimensionalen Skalierung dargestellt werden. Bild A-5 zeigt die zu Markt-
segmenten geclusterten Produkte/Produktgruppen. Jede Kugel repräsentiert ein Pro-
dukt/Produktgruppe. Die gestrichelte Linie um eine Gruppe von Produk-
ten/Produktgruppen deutet die Marktsegmente an. So sind Produkte/Produktgruppen mit
einer ähnlichen Ausprägungsliste der Merkmale räumlich nahe zusammen positioniert.
Produkt/Produktgruppe
Absaugvorrichtung
Aktivitätsmesser
Augenprothese
Bandage
Behandlungssessel
Behandlungstisch
Blutdruckmessgerät
Bohrer
Cochleaimplantat
Computertomograph
Verbandmaterial
Wärmetherapiegerät
Zahnimplantat
Zahnschmelzmeissel
Blutalkoholtestgerät
Inverse Ähnlichkeits-
matrix
Ähnlichkeitswerte der
Produkte/Produktgruppen
(berechnet mit dem
Jaccard-Koeffizienten;
Wert/1000). Je kleiner der
Wert in einer Zelle, desto
größer die Ähnlichkeit der
Produkte/Produktgruppen.
Produkt/Produktgruppe
Absaugvorrichtung
Aktivitätsmesser
Augenprothese
Bandage
Behandlungssessel
Behandlungstisch
Blutalkoholtestgerät
Blutdruckmessgerät
Bohrer
Cochleaimplantat
Computertomograph
Wärmetherapiegerät
Verbandmaterial
Zahnimplantat
Zahnschmelzmeissel
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
79
80
81
82
1234567891011 79808182
263
500350
292269292
323333464238
323333464238 0
375 74 375292323323
407 95 292222357357 56
250550625520586586500520
586550724619714714586636464
500375500407323323250292625724
125452500292323323375407375464500
316222316154150150321261550636438
586538724619714714586619464143724
63 263464238286286323357323571464
Nr.
636
267
321
464
194 571
Beispiel
=
Ein Behandlungstisch (Zeile 6)
und ein Behandlungssessel
(Spalte 5) sind in allen
Ausprägungen identisch.
0
0
Seite A-6 Anhang
Bild A-5: Marktsegmente der Medizintechnik dargestellt in einer multidimensionalen
Skalierung (MDS)
A1.5 Trendradar Medizintechnik
Die Ergebnisse von Trendanalysen können wie in Bild A-6 dargestellt in einem
Trendradar konsolidiert werden. Jeder Kreis repräsentiert einen Trend. Der Durchmes-
ser ist ein Maß dafür, wie viele Marktsegmente durch den Trend beeinflusst werden.
Der Trend Volkskrankheit Diabetes beeinflusst beispielsweise 5 Marktsegmente (mittle-
rer Durchmesser). Die Farben repräsentieren den Einfluss des Trends (positiv, neutral,
negativ). Der Trend Volkskrankheit Diabetes beeinflusst beispielsweise alle Marktseg-
mente im Schnitt leicht positiv (0,6). Eine weitere Dimension ist die Eintrittswahr-
scheinlichkeit: Je näher ein Trend am Zentrum des Radars angeordnet ist, desto wahr-
scheinlicher ist sein Eintreten. Der Trend Volkskrankheit Diabetes hat eine hohe Ein-
trittswahrscheinlichkeit.
Produkt/Produkt-
gruppe
Implantate und Prothesen
Telemedizin/
Point-of-Care-
Testing
Geräte und
Systeme für
Ophthalmologie
Diagnose-
systeme
Orthopädische
Vorrichtungen
Labortechnik
Audio-
logische
Geräte
und Systeme
Bildgebende Geräte
und Systeme
Einrich-
tungen in
Kliniken und
Praxis
Geräte und Systeme
für Operation und
Intervention
Therapiesysteme
Marktsegment
Geräte und Systeme für
minimal-invasive Eingriffe
Geräte
und Systeme
für die Zahnmedizin
Ver-
brauchs-
und
Hilfs-
mittel
Marktanalyse Seite A-7
Bild A-6: Trendradar Medizintechnik in Anlehnung an [GBL11, S. 13]
G
e
s
e
l
l
s
c
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a
f
t
Anzahl beeinflusster
Marktsegmente (von 14)
P
o
l
i
t
i
k
Ö
k
o
n
o
m
i
e
Eintritts-
wahrscheinlichkeit
negativ
neutral
positiv
Einfluss des Trends auf
Medizintechnik (Ø)
Volkskrankheit
Diabetes
Volkskrankheit
Hypertonie
Ambulante
Therapie
Lifestyle Medizin Zwei-Klassen-
Medizin
Digitalisierung
Home Care
Ärztemangel
Mass
Customization
mehr als 9
5 bis 9
0 bis 4
Health
Society
...
...
mittelgering hoch
...
Altersarmut
Apps World
Genetik
Seite A-8 Anhang
A1.6 Ausprägungslisten der Geschäftsmodelle von Unternehmen
im Marktsegment Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Im Folgenden werden die Geschäftsmodelle der Unternehmen im Marktsegment Tele-
medizin/Point-of-Care-Testing in Form von Ausprägungslisten dargestellt (vgl.
Bild A-7 bis Bild A-10). Aus Gründen der besseren Lesbarkeit sind nicht alle Unter-
nehmen in der Auflistung enthalten. Die Geschäftsmodellvariablen und deren Gestal-
tungsoptionen sind vollständig dargestellt.
Bild A-7: Ausprägungsliste, Partialmodell Kundenmodell (1/2)
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Kommuni-
kationskanal
(Werbung)
Sanitätshäuser
Unternehmen (betr. Gesund.)
Versandhändler
Internet
Fernsehen
Messen
Print
Veranstaltungen
keine Werbung
Kanäle
Vertriebs-
kanal
Gestaltungsoption
Anonymer Vertrieb (Internet)
Apotheken
Direktvertrieb
Einzelhandelsketten
Fach-/Handelsunternehmen
Fitnessstudios
Krankenhäuser
(Kranken)versicherungen
Niedergelassene Ärzte
Medizinische Dienstleister
Pflegeeinrichtungen
Kommunikationsunternehmen
Variable
Pharmaunternehmen
123456789 13141516
Nr.
4sigma GmbH
Aipermon GmbH & Co. KG
Almeda AG
Biotronik SE & Co. KG
BodyTel Europe GmbH
Bosch Healthcare GmbH
Corescience GmbH & Co. KG
Getemed AG
HMM Holding AG
SHL Telemedicine Ltd.
Sanofi-Aventis SA
Vitaphone GmbH
Withings SAS
MEDGATE AG
10
Unternehmen
Ausprägungsliste Kundenmodell
Fragestellung:
„Zu wie viel Prozent wird die Gestaltungs-
option i (Zeile) im Geschäftsmodell des
Unternehmens j (Spalte) berücksichtigt?“
Bewertungsmaßstab:
100 = Gestaltungsoption wird zu 100 Prozent
berücksichtigt
0 = Gestaltungsopt. wird nicht berücksichtigt
11M
11N
11O
11P
12A
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Marktanalyse Seite A-9
Bild A-8: Ausprägungsliste, Partialmodell Kundenmodell (2/2)
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Produktverkauf
Produktverleih
Dienstleistungs-Flat-Tarif
Dienstleistungs-Gebühr
Listenpreis SL (pauschal)
Listenpreis DL (pauschal)
Funktionsabhängige SL
Funktionsabhängige DL
höher als der Wettbewerb
im Schnitt des Wettbewerbs
geringer als der Wettbewerb
neuer Markt
Endanwender/Patient
(Kranken)versicherungen
Pharmaunternehmen
Unternehmen (betr. Gesund.)
Kundenbeziehung
Schulungen
Gestaltungsoption
Mindestlaufzeit
nicht befristet
kein Vertrag
eigenes Bonusprogramm
BP gesetz. Krankenversicher.
BP priv. Krankenversicher.
technische Schulung
medizinische Schulung
keine Schulung
Dienstleistung
Nebenleistung
kein Bonusprogramm
Variable
Sachleistung
123456789 13141516
Nr.
4sigma GmbH
Aipermon GmbH & Co. KG
Almeda AG
Biotronik SE & Co. KG
BodyTel Europe GmbH
Bosch Healthcare GmbH
Corescience GmbH & Co. KG
Getemed AG
HMM Holding AG
SHL Telemedicine Ltd.
Sanofi-Aventis SA
Vitaphone GmbH
Withings SAS
MEDGATE AG
10
Unternehmen
Erlöskonzept
Vertrags-
laufzeit
Bonus-
programme
Erlöstreiber
Erlösform
Preis-
mechanismus
Preis-
niveau
Kosten-
träger
Ausprägungsliste Kundenmodell
Fragestellung:
„Zu wie viel Prozent wird die Gestaltungs-
option i (Zeile) im Geschäftsmodell des
Unternehmens j (Spalte) berücksichtigt?“
Bewertungsmaßstab:
100 = Gestaltungsoption wird zu 100 Prozent
berücksichtigt
0 = Gestaltungsopt. wird nicht berücksichtigt
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Seite A-10 Anhang
Bild A-9: Ausprägungsliste, Partialmodell Wertschöpfungsmodell (1/2)
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mittel
gering
Maschinen notwendig
keine Maschinen
Ärzte
Berater
Medizinisches Fachpersonal
Produktentwickler
Softwareentwickler
Datenbank-Administratoren
kein Personal
Hardware (PC, Telefone)
Software
Serverkapazität
keine IT-Struktur
Call-Center
Schlüsselfähigkeiten
Individuali-
sierung der
Marktleistung
Gestaltungsoption
medizinisches Know-how
Hardware-Entwicklung
Sofware-Entwicklung
Datenbank-Know-how
Schnittstellen-Know-how
Zulassungs-Know-how
mittel
gering
hoch
mittel
gering
hoch
Variable
hoch
123456789 13141516
Nr.
4sigma GmbH
Aipermon GmbH & Co. KG
Almeda AG
Biotronik SE & Co. KG
BodyTel Europe GmbH
Bosch Healthcare GmbH
Corescience GmbH & Co. KG
Getemed AG
HMM Holding AG
SHL Telemedicine Ltd.
Sanofi-Aventis SA
Vitaphone GmbH
Withings SAS
MEDGATE AG
10
Unternehmen
Schlüsselressourcen
Fach-
Know-how
Vernetzung
mit den
Stakeholder
Image
Telemedizin
Maschinen
Personal
IT-Struktur
Infrastruktur
Geschäft-/Ladenlokal
Internetseite
Online-Community
Versandlogistik
Web-Shop
keine Infrastruktur
Ausprägungsliste Wertschöpfungs-
modell
Fragestellung:
„Zu wie viel Prozent wird die Gestaltungs-
option i (Zeile) im Geschäftsmodell des
Unternehmens j (Spalte) berücksichtigt?“
Bewertungsmaßstab:
100 = Gestaltungsoption wird zu 100 Prozent
berücksichtigt
0 = Gestaltungsopt. wird nicht berücksichtigt
24B
24C
25A
25B
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26B
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21D
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27B
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27D
28A
28B
28C
28D
28E
28F
28G
Marktanalyse Seite A-11
Bild A-10: Ausprägungsliste, Partialmodell Wertschöpfungsmodell (2/2) und Partial-
modell Kostenmodell
A1.7 Alternative zur Ermittlung von Geschäftsmodellen mit Hilfe
des Verfahrens VITOSTRA®
Aufgrund des hohen Aufwandes kann es sinnvoll sein, auf eine detaillierte Analyse der
Geschäftsmodelle eines Marktsegments zu verzichten. Der Autor empfiehlt stattdessen,
auf das Verfahren VITOSTRA® zurückzugreifen (für das grundsätzliche Vorgehen vgl.
Kapitel 3.3.3.1). Im Folgenden werden kurz die wesentlichen Ergebnisse für das Markt-
segment Telemedizin/Point-of-Care-Testing verdeutlicht. Zunächst sind für die Ermitt-
lung der Strategien der Unternehmen im Marktsegment strategische Variablen und de-
ren Ausprägungen zu ermitteln. Bild A-11 zeigt einen Auszug der strategischen Variab-
len mit ihren Ausprägungen. So ist beispielsweise relevant, ob das betrachtete Unter-
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Kosten-
treiber
Telemedizinische Zentren
kein Schlüsselpartner
Beratung
Produktion
Distribution
Programmierung (Updates)
Dienstleistung
Datenbankserver
Kostenstruktrur
Schlüssel-
partner
Gestaltungsoption
Apotheken
Auftragsfertiger
Niedergelassene Ärzte
Dienstleister
Kliniken/Krankenhäuser
Kommunikationsunternehmen
Investoren
Sanitätshäuser
(Kranken)versicherungen
Pflegeeinrichtungen
Pharmaunternehmen
Einzelhandelsketten
Variable
Telemedizinanbieter
123456789 13141516
Nr.
4sigma GmbH
Aipermon GmbH & Co. KG
Almeda AG
Biotronik SE & Co. KG
BodyTel Europe GmbH
Bosch Healthcare GmbH
Corescience GmbH & Co. KG
Getemed AG
HMM Holding AG
SHL Telemedicine Ltd.
Sanofi-Aventis SA
Vitaphone GmbH
Withings SAS
MEDGATE AG
10
Unternehmen
Schlüsselpartner
Ausprägungsliste Wertschöpfungs-
modell
Fragestellung:
„Zu wie viel Prozent wird die Gestaltungs-
option i (Zeile) im Geschäftsmodell des
Unternehmens j (Spalte) berücksichtigt?“
Bewertungsmaßstab:
100 = Gestaltungsoption wird zu 100 Prozent
berücksichtigt
0 = Gestaltungsopt. wird nicht berücksichtigt
Ausprägungsliste Kostenmodell
29N
29O
29A
29B
29C
29D
29E
29F
29G
29H
29I
29J
29K
29L
29M
30A
30B
30C
30D
30E
30F
Seite A-12 Anhang
nehmen in ein organisatorisches Netzwerk eingebunden ist. Dies kann mit den Ausprä-
gungen „Kooperation mit anderen Marktteilnehmern“ oder als „Mitglied einer strate-
gischen Allianz“ erfolgen. Selbstredend kann das Unternehmen auch alleine im Markt-
segment agieren [GGL12, S. 9].
Bild A-11: Strategische Variablen und Ausprägungen im Bereich Telemedizin/Point-of-
Care-Testing (Auszug) in Anlehnung an [GGL12, S. 10]
In der anschließenden Wettbewerbsanalyse ist zu ermitteln, wie die Unternehmen diese
strategischen Variablen ausprägen. Die Kombination der ausgeprägten Variablen ent-
spricht der Strategie des Unternehmens. Insgesamt sind 16 Unternehmen analysiert
worden. Das Bild A-12 visualisiert die momentan verfolgten Strategien (Handlungs-
muster) der Unternehmen als Ausprägungen der strategischen Variablen. Diese werden
mit Hilfe einer multidimensionalen Skalierung (MDS) dargestellt [GGL12, S. 10].
Die Wettbewerbsarena im Bereich der Telemedizin/Point-of-Care-Testing ist offen-
sichtlich sehr heterogen. Dies ist zunächst an den Umsatzzahlen der Unternehmen zu
erkennen. Die 4sigma erzielt einen Umsatz von etwa drei Millionen Euro und das um-
satzstärkste Unternehmen SHL Telemedicine einen weltweiten Umsatz von etwa 35
Millionen Euro (vgl. den Unternehmenssteckbrief in Kapitel 4.3.4, Bild 4-18). Auch die
Spannweite der angebotenen Produkte und Dienstleistungen unterscheiden sich erheb-
lich: Die eben genannte SHL Telemedicine ist stark auf den Bereich Dienstleistung fo-
kussiert, bietet aber auch Hardware wie Blutdruckmessgeräte und Personenwaagen an.
Die wesentliche Dienstleistung des Unternehmens wird von einem telemedizinischen
Zentrum erbracht. Dieses bietet eine ärztliche Hilfe 24 Stunden am Tag an. Dazu wer-
den medizinische Daten über eine Telefonleitung an das telemedizinische Zentrum
übermittelt. Dies steht den Kunden in den Hauptabsatzregionen Israel, Deutschland und
den USA zur Verfügung. Zielgruppe sind vor allem chronisch Kranke mit Herzinsuffi-
A
Strategische
Variable
B
C
t
Die Ausprägungen entsprechen
den Projektionen der Szenario-
Technik. Sie sind präzise zu be-
schreiben und ggf. zu begründen.
Strategische
Variable Alternative Ausprägungen
A Telemedizinisches Zentrum
B Arzt/Klinikum
C Selbstmonitoring des Patienten
A Prävention
B Diagnose
C Therapie
D Rehabilitation/Wellness /Fitness
A Hypertonie
B Diabetes mellitus
C Adipositas
D Herzinsuffizienz
A Kooperation mit anderen Marktteilnehmern
B Mitglied einer strategischen Allianz
C kein Mitglied eines Netzwerkes
Organisatorisches
Netzwerk
Indikationsfokus
Patienten-
versorgungskette
Versorgungs-
struktur
Marktanalyse Seite A-13
zienz und/oder Hypertonie. Unternehmen, die eine ähnliche Strategie verfolgen, werden
als strategische Gruppe bezeichnet. Die multidimensionale Skalierung zeigt vier strate-
gische Gruppen, in die die Unternehmen im Marktsegment für Telemedizin/Point-of-
Care-Testing zugeordnet werden können: Oben links befindet sich die strategische
Gruppe I. Dies sind Unternehmen, die sowohl Hardware wie Blutdruckmessgeräte als
auch ein umfassendes Dienstleistungsangebot haben [GGL12, S. 10f.].
Bild A-12: Wettbewerbsarena im Bereich Telemedizin/Point-of-Care-Testing darge-
stellt in einer multidimensionalen Skalierung in Anlehnung an
[GGL12, S. 11]
Der einzige große Anbieter der Gruppe SHL Telemedicine hat Partnerschaften mit
Krankenversicherungen wie der BKK oder AOK sowie verschiedene Großkliniken. Die
strategische Gruppe II umfasst sogenannte Vor-Ort-Anbieter: diese bieten wie die Wett-
bewerber der strategischen Gruppe I Geräte und dazu passende IKT-Lösungen an. Hier
erfolgt die Betreuung aber nicht über ein telemedizinisches Zentrum sondern direkt über
einen behandelnden Arzt oder ein Klinikum. Das Angebot ist daher ortsabhängig. Die
dritte strategische Gruppe umfasst Unternehmen, die sich im Bereich des Selbstmonito-
IV
I
II
I
III
HMM
SHL Telemedicine
Withings
Sanofi-Aventis
Biotronik
Vitaphone
Aipermon
4sigma
Almeda
Getemed
BodyTel
Vollanbieter (Gerät mit IKT und Anbindung
an ein telemedizinisches Zentrum)
Vor-Ort-Anbieter (Gerät mit IKT und
Betreuung durch einen behandelnden Arzt)
Geräteanbieter (Selbstmonitoring durch
den Patienten)
Dienstleister (telemedizinische
Dienstleistung und Beratung)
Strategische Gruppe
< 3 Millionen Euro
3 bis 10 Millionen Euro
> 10 Millionen Euro
Medisana
Strategie und Umsatz
des Unternehmens
MEDGATE
Philips
Healthcare
Corscience
Bosch
Healthcare
II
III
IV
Seite A-14 Anhang
ring von Patienten bewegen. Hierzu zählen beispielsweise die beiden Anbieter von
„Lifestyle-Produkten“ Withings und Medisana [GGL12, S. 11]. Die strategische Gruppe
IV umfasst Dienstleister. Die beiden Unternehmen 4sigma und Almeda erzielen haupt-
sächlich ihren Umsatz durch Beratung von Krankenversicherungen, Pharmaunterneh-
men oder Kliniken und Krankenhäuser.
Wie das Bild A-12 zeigt, ist die Detailtiefe nicht so gut wie bei der Analyse von Ge-
schäftsmodellen. Dies liegt vor allem an der abstrakteren Form der ermittelten Variab-
len und Ausprägungen sowie der Anzahl. Sind beim Validierungsbeispiel insgesamt 150
Ausprägungen bei der Bewertung von Geschäftsmodellen herangezogen worden, so
sind es in diesem Fall bei der Anwendung des Verfahrens VITOSTRA® lediglich 62.
A1.8 Erfolgsfaktoren-Analyse für das Marktsegment Telemedi-
zin/Point-of-Care-Testing
Erfolgsfaktoren beeinflussen maßgeblich die Kaufentscheidung von Kunden. Im Vali-
dierungsbeispiel sind auf der Grundlage einer Befragung von Ärzten, Krankenversiche-
rungen und Anbietern von Telemedizin/Point-of-Care-Testing (Bosch, MEDGATE,
Vitaphone etc.) insgesamt 14 Erfolgsfaktoren ermittelt und bewertet worden. Das Port-
folio weist als Achsen die Bedeutung eines Erfolgsfaktors und die derzeitige Position
der Anbieter von Telemedizin/Point-of-Care-Testing auf. Es gliedert sich in drei charak-
teristische Bereiche (vgl. Bild A-13) [GPW09, S. 157ff.]:
Kritische Erfolgsfaktoren: Die Anbieter sind in Bereichen schwach, die eine hohe
Bedeutung im Wettbewerb haben. Hier ergibt sich ein Handlungsbedarf. Dies trifft
u. a. auf die Erfolgsfaktoren Online-Erfassung und Abbildung von Vitalparametern
in einer Datenbank, Bedienfreundlichkeit und die Messung von Vitalparametern mit
einem Gerät zu.
Ausgeglichene Erfolgsfaktoren: Hier besteht eine Balance zwischen der Bedeu-
tung im Wettbewerb und der Position der Anbieter. Beispiele sind die Lebensdauer,
Design und Marke.
Überbewertete Erfolgsfaktoren: Die Anbieter sind auf Gebieten stark, die keine
große Rolle spielen. Eine solche Positionierung ist im Validierungsbeispiel nicht
gegeben.
Marktanalyse Seite A-15
Bild A-13: Erfolgsfaktoren-Portfolio Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Bedeutung des Erfolgsfaktors
Ausgeglichene
Erfolgsfaktoren
Kritische Erfolgsfaktoren
Überbewertete
Erfolgsfaktoren
sehr
hoch
sehr
niedrig
4
3
2
1
0
eindeutige
Schwäche
eindeutige
Stärke
01234
Position der Anbieter von
Telemedizin/Point-of-Care-Testing
Design
Erfassung von Vitalparam.
in einer Datenbank
Kompatibilität Standzeit
Preispolitik
Alleinstellungs-
merkmal
Miniaturisierung/
Portabilität
Messung von Vitalpar. mit einem Gerät
Produktqualität
Bedienfreundlichkeit
Lebensdauer
Kundenspezifische
Anpassbarkeit
Ergänzende Dienstleistungen
Marke
Stakeholder-Analyse Seite A-17
A2 Stakeholder-Analyse
A2.1 Strukturanalyse der Einflussmatrix in LOOMEO
Das Software-Werkzeug LOOMEO ermöglicht die Visulisierung einer Einflussmatrix
in Form eines gerichteten Graphen (vgl. Bild A-14). Die Pfeile zeigen die Wirkrichtung
der Einflüsse an. So beeinflusst beispielsweise der Stakeholder Investoren die Stakehol-
der Pflegereinrichtungen, Politik, Industrieverbände etc. Stark vernetzte Stakeholder
werden zudem im Zentrum des Graphen dargestellt. Beispiele für stark vernetzte Stake-
holder sind die Politik, Pharmaunternehmen und Patienten/Privatpersonen.
Bild A-14: Struktur des Stakeholdernetzwerks dargestellt mit LOOMEO
Das Prinzip der Strukturanalyse wird u. a. bei LINDEMANN ET AL. ausführlich beschrie-
ben [LMB09, S. 161ff.].
Investoren
Industrieverbände
Kommunikation-
unternehmen
Original Equipment
Manufacturer
Pflegeeinrichtungen
Apotheken
Wohlfahrtsverbände
Kliniken/
Krankenhäuser
Private Kranken-
versicherungen
Patienten/
Privatpersonen
Pharma-
unternehmen
Gesetzliche Kranken-
versicherungen Niedergelassene
Ärzte
Bundesärzte-
kammer
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
AWMF*
*Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen
Medizinischen Fachgesellschaften
Politik
Seite A-18 Anhang
A2.2 Ermittlung und Berechnung indirekter Einflüsse
Die Ermittlung indirekter Einflüsse eines Stakeholders auf andere Stakeholder beruht
auf der Graphentheorie. Zunächst wird eine Einflussmatrix ausgefüllt. Der Einfluss wird
in diesem Fall direkt mit dem Bewertungsmaßstab „0“ (kein Einfluss), „1“ (geringer
Einfluss), „2“ (mittlerer Einfluss) und „3“ (hoher Einfluss) bewertet. Eine beispielhaft
ausgefüllte Einflussmatrix ist in Bild A-15 auf der linken Seite dargestellt. An dieser
Stelle wird ein neues Beispiel eingeführt, um die Berechnungen und Gedankengänge an
einem überschaubaren Beispiel darstellen zu können. Die in Bild A-15 links dargestellte
Einflussmatrix kann in einen gerichteten und gewichteten Graphen überführt werden
(vgl. Bild A-15 rechts). Gewichtet, weil die Stärke der Einflüsse abgestuft bewertet wird
(im Gegensatz zu einer binären Bewertung). Gerichtet, weil die Richtungen der Einflüs-
se mit Pfeilen eindeutig gekennzeichnet sind. Beispielsweise hat „A“ auf „B“ den Ein-
fluss „1“, „B“ auf „A“ den Einfluss „0“. Ein Graph besteht allgemein aus Knoten und
Kanten. Knoten sind die Kugeln in Bild A-15 rechts, die Kanten die Verbindungen zwi-
schen den Knoten. Der Wert des Einflusses wird direkt auf bzw. neben der entsprechen-
den Kante notiert. Ein Weg (auch Kantenfolge) durch einen Graph ist eine Folge von
Knoten, die jeweils durch eine Kante miteinander verbunden sind. Ein Pfad ist in der
Graphentheorie ein Weg, bei dem ein Knoten maximal einmal auftritt. Weitere Informa-
tionen zur Graphentheorie finden sich u. a. bei DIESTEL [Die12, S. 2ff.].
Bild A-15: Einflussmatrix und der entsprechende gerichtete, gewichtete Graph in An-
lehnung an [Dos13, S. 14]
Ist der Graph dargestellt, können die indirekten Einflüsse mit einem vollständigen
Suchalgorithmus wie der Tiefensuche ermittelt werden. In der oberen Hälfte von Bild
A-16 sind alle Pfade dargestellt, die vom Startknoten D aus zum Zielknoten B ermittelt
werden können (iP1 bis iP6). Die mit „x“ markieren Wege sind keine Pfade. In Bild A-
16 links ist „A“ schon einmal in Tiefe 1 enthalten. Beim zweiten „x ist „D“ schon als
Ausgangsknoten enthalten. Es würde sich ein sogenannter Zyklus ergeben. Bei einem
15
7
9
Knoten
ABCD
EF
Knoten Nr.
123456
A1
B
2
C
3
D
4
E
5
F
610030
0210 2
210 30
03 000
00200
13003
1
33
3
3
3
2
2
2
11
2
1
Ausgefüllte direkte Einflussmatrix Gerichteter und gewichteter
Graph
FA
C
D
E
B
Stakeholder-Analyse Seite A-19
Zyklus sind der Startknoten und der Endknoten identisch. In der Mitte ergibt sich kein
Pfad, weil der Einfluss von „D“ auf „B“ ein direkter Einfluss ist. Die hier betrachtete
Analyse gilt ausschließlich der Ermittlung indirekter Einflüsse. Die beiden „x“ auf der
rechten Seite zeigen an, dass „F“ bereits im Pfad enthalten und „D“ der Ausgangsknoten
ist. Insgesamt können in diesem Beispiel sechs indirekte Pfade ermittelt werden.
Bild A-16: Ermittlung indirekter Pfade an einem Beispiel und die Ableitung einer Tie-
fenmatrix in Anlehnung an [Dos13, S. 53].
B
13
3
3
3
3
2
2
2
1
1
Tiefe 5
Tiefe 1
Tiefe 2
Tiefe 3
Tiefe 4 C
B
B
B
B
F
D
D
A
F
E
F
C
A
3
iP1
iP2
iP3
iP4
iP5
iP6
1
3
31
C
B A D
3
A ist im
Weg schon
enthalten
D ist
Start-
knoten
D zu B ist
eine direkte
Beziehung
D ist
Start-
knoten
F ist im
Weg schon
enthalten
iP: indirekter Pfad
B
Ermittlung indirekter Pfade von D als Startknoten
zu B als Zielknoten
Ein Pfad ist in der Graphentheorie ein
Weg, bei dem ein Knoten maximal
einmal auftritt.
1
15
7
Knoten
ABCD
EF
Knoten Nr.
123456
A1
B
2
C
3
D
4
E
5
F
63- -- -
-22- 2
1- - 1-
-3 ---
-----
22- - -
Berechnete Tiefenmatrix
Seite A-20 Anhang
Bei der Berechnung indirekter Einflüsse ist darauf zu achten, dass die zuvor beschriebe-
nen Einschränkungen berücksichtigt werden. Zudem ist die Tiefe der Pfade zu berück-
sichtigen. Die Tiefe der Pfade wird gemäß Bild A-16 unten in einer sogenannten Tie-
fenmatrix abgebildet. Eine Tiefenmatrix ist wie folgt zu lesen: Knoten „A“ (Zeile 1) hat
die erste Verbindung zu den Knoten „B“ (Spalte 2) und Knoten „C“ (Spalte 3) in der
Tiefe „2“. Zu den Knoten „D“, „E“ und „F“ besteht keine Beziehung. Dies wird durch
ein „-“ gekennzeichnet. Der indirekte Einfluss wird nach Gleichung A-1 berechnet. Die
Summe aller direkten Einflüsse des betrachteten Weges wird durch eine e-Funktion in
Abhängigkeit des entsprechenden Wertes einer Knotenbeziehung in der Tiefenmatrix
dividier. Die e-Funktion dämpft das Ergebnis. Die Dämpfung wird so vorgenommen,
dass eine Pfadtiefe von 5 nicht mehr berücksichtigt wird. Damit wird berücksichtigt,
dass mit zunehmender Pfadlänge der Einfluss eines Stakeholders auf einen anderen ge-
ringer wird.
indirekter Einfluss=direkter Einfluss des Weges
eTiefe
Gleichung A-1: Berechnung des indirekten Einflusses
Für das in Bild A-15 dargestellte Beispiel heißt dies konkret:
indirekter Einfluss von D auf B=1
e2+3
e2+3
e3+2
e1+3
e1+2
e2+1
e2+2
e2+1
e3=3,26
Gleichung A-2: Berechnung des indirekten Einflusses von Knoten „D“ auf Knoten
„B“
Für das dargestellte Beispiel ergibt sich nach der Berechnung aller indirekten Einflüsse
die folgende indirekte Einflussmatrix (vgl. Bild A-17 rechts).
Bild A-17: Direkte vs. indirekte Einflussmatrix für das dargestellte Beispiel (Berech-
nung siehe oben)
15
7
Knoten
ABCD
EF
Knoten Nr.
123456
A1
B
2
C
3
D
4
E
5
F
61,37 3,12 2,84 1,16 2,67
3,16 2,40 1,39 3,26 1,93
1,42 3,26 2,70 0 2,52
1,67 0 1,37 1,52 1,71
1,53 1,73 0 1,14 1,66
3,27 2,32 3,66 3,81 2,33
Berechnete indirekte Einflussmatrix
(Matrix enthält ausschließlich indirekte Einflüsse)
3.26
15
7
Knoten
ABCD
EF
Knoten Nr.
123456
A1
B
2
C
3
D
4
E
5
F
610030
0210 2
210 30
03 000
00200
13003
Ausgefüllte direkte Einflussmatrix
(Matrix enthält ausschließlich direkte Einflüsse)
Stakeholder-Analyse Seite A-21
Zudem zeigt Bild A-17 noch einmal die ausgefüllte direkte Einflussmatrix aus Bild A-
15. Die direkte Einflussmatrix zeigt ausschließlich die direkten Einflüsse der Stakehol-
der (Knoten) untereinander, die rechte indirekte Einflussmatrix ausschließlich die indi-
rekten Einflüsse (keine Vermischung aus direkten und indirekten Einflüssen).
Nachdem die indirekten Einflüsse für alle Stakeholder (Knoten) berechnet sind, kann je
Stakeholder deren gesamter indirekter Einfluss ermittelt werden. Dazu wird auf die ein-
zelnen Tiefenmatrizen zurückgegriffen (vgl. Bild A-16 unten). Für den Startknoten „D“
sind neben der Tiefenmatrix auf den Knoten „B“ auch entsprechende Tiefenmatrizen für
die Knoten „A“, „C“ und „F“ ermittelt worden. Aus diesen Tiefenmatrizen wird eine
globale Tiefenmatrix erstellt, die insgesamt die geringsten Tiefen aufweist. Damit wird
verhindert, dass identische Pfade mehrmals berücksichtigt werden. Der Gedankengang
ist derselbe, der für die Berechnung der indirekten Einflüsse eines Startknoten auf einen
Zielknoten in Bild A-16 oben angewendet worden ist. Bild A-18 zeigt links die globale
Tiefenmatrix für den Startknoten „D“. Mit der Gleichung A-1 kann ein indirekter Ein-
fluss für den Knoten „D“ von insgesamt 3,66 auf alle Stakeholder ermittelt werden. Die
übrigen indirekten Einflüsse werden entsprechend berechnet.
Bild A-18: Globale Tiefenmatrix für den Startknoten „D“ und der errechnete indirekte
Einfluss in Anlehnung an [Dos13, S. A-20]
Der Einfluss von 3,66 für den Knoten „D“ liegt nur geringfügig über dem Einfluss, den
„D“ auf „B“ ausübt. Die Begründung ist, dass nahezu alle Pfade vom Startknoten „D“
in „B“ enden. Somit kommen nur noch wenige Wege bei den übrigen Endknoten hinzu.
A2.3 Ermittlung der indirekten Beeinflussungen für das Validie-
rungsbeispiel
Bild A-19 zeigt das Ergebnis der indirekten Beeinflussungsanalyse, die im Validie-
rungsbeispiel durchgeführt worden ist. Die Berechnung erfolgt der Vorgehensweise,
15
7
Knoten
ABCD
EF
Knoten Nr. 123456
A1
B2
C3
D
4
E5
F61,37 3,12 2,84 1,16 2,67
3,16 2,40 1,39 3,26 1,93
1,42 3,26 2,70 0 2,52
1,67 0 1,37 1,52 1,71
1,53 1,73 0 1,14 1,66
3,27 2,32 3,66 3,81 2,33
Berechnete indirekte Einflussmatrix
15
7
Knoten
ABCD
EF
Knoten Nr. 123456
A1
B2
C3
D
4
E5
F63- -- -
-22- 2
1- - 1-
-3 ---
-----
22- - 2
Globale Tiefenmatrix mit Startknoten D
3,95
1,881,723,663,463,22
indirekt. Einfluss
3,66
Seite A-22 Anhang
wie in Kapitel A2.2 vorgestellt. Die Werte in der Matrix unterscheiden sich aber von
denen der indirekten Einflussanalyse. In diesem Fall wird die Dämpfung genau umge-
kehrt vollzogen. Die Knoten, die näher am Endknoten sind werden weniger gedämpft
als die Knoten, die weiter entfernt positioniert sind (aus Sicht des Endknotens). Grund
für die Umkehrung der Dämpfung ist die korrekte Abbildung der Beeinflussung, d. h.
die Berücksichtigung einer einmaligen Pfadbelegung. Die Dämpfungsformel entspricht
der Gleichung A-1.
Bild A-19: Ergebnis der Beeinflussungsanalyse (indirekt) in Anlehnung an
[Dos13, S. A-25]
* AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Stakeholder
Bundesärztekammer
Niedergelassene Ärzte
AWMF*
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
Private Kranken-
versicherungen
Industrieverbände
Investoren
Kliniken/Krankenhäuser
Politik
Pflegeeinrichtungen
Wohlfahrtsverbände
Apotheken
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
Stakeholder Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 14 15 16 17
Bundesärztekammer 1
Niedergelassene Ärzte 2
AWMF* 3
Gesetzliche Kranken-
versicherungen
4
Private Kranken-
versicherungen 5
Industrieverbände 6
Investoren 7
Kliniken/Krankenhäuser
Pflegeeinrichtungen
8
9
Politik 14
Wohlfahrtsverbände 15
Apotheken
indirekte Beeinflussung
ind. Beein. normiert auf 100
16
Kassenärztliche
Bundesvereinigung
17
11,9 18,8 8,99 14,1 13,3 11 0 16,2 17,3 20 11,4 17,1 14,3
59 93 45 70 66 54 0 80 86 99 56 85 71
10,1 16,4 8,31 12,2 12,4 10 0 15,2 16,2 15,8 9,7 15,7
10,7 16,6 8,29 13,4 12,4 9,75 0 15,1 16,2 16,5 9,76 13,1
11,2 18 8,68 13,7 12,7 10,2 0 15,4 16,6 15,3 16 13,5
8,11 14,6 7,68 9,31 8,29 6,57 0 12,2 13,3 6,64 13 9,63
10,9 17,7 8,59 13,5 12,5 9,95 0 15,2 15,5 8,64 15,7 13,3
10,9 17 7,24 13,5 12,5 9,89 0 15,3 16,9 9,8 14,7 13,2
11,5 18,4 8,9 14,1 13,1 10,5 15,9 17 18,3 10,4 16,4 13,9
9,2 16,1 8 11,5 10,3 0 13,5 14,6 3,44 7,78 15,3 11,8
11 16,8 8,39 12,7 10 0 14,3 15,4 17,3 10,8 14,8 13,3
11,2 16,8 8,38 11,7 10,5 0 14,1 15,2 19,5 8,99 14,8 12,3
11,2 17,8 13,7 12,7 10,2 0 15,6 16,6 17,4 10 16,1 13,6
9,46 6,35 13,2 12,2 9,69 0 13,6 14,7 16,1 9,51 13,7 11,7
16,6 7,97 12,7 11,7 10,1 0 14,9 16,5 16,6 9,33 16 12,4
Beeinflussungs-
matrix (indirekt)
Ergebnis der voll-
ständigen Tiefensuche
mit einer exponentiellen
Dämpfung. Eine Pfad-
länge von fünf wird nicht
mehr berücksichtigt.
Ermittlung optimaler Kombinationen von Übernahmekandidaten Seite A-23
A3 Ermittlung optimaler Kombinationen von Übernahme-
kandidaten
Im Rahmen der Diversifikationsstrategieentwicklung wird ein Make, M&A or Buy-
Portfolio erstellt (vgl. Kapitel 4.6.2, Bild 4-42). Ergebnis der Analyse des Portfolios
kann eine M&A-Entscheidung für den Erwerb von einem bzw. mehreren Unternehmen
sein. In der Praxis werden aber selten mehr als zwei Unternehmen gleichzeitig über-
nommen (Integrationsprozesse, Implementierung der M&As71). Das Make, M&A or
Buy-Portfolio zeigt, welche Kompetenzen im Unternehmen aufgebaut bzw. erweitert
werden und welche durch M&A erworben werden sollen. Diese fehlenden Kompeten-
zen gilt es nun gezielt zu erwerben. Werden Transaktions- und Übernahmekosten aus-
geblendet, ist zunächst die Übernahme nur eines Unternehmens optimal. Im Folgenden
wird eine Methode skizziert, die Kombinationen von Kompetenzen verschiedener Un-
ternehmen ermittelt und mit dem gesuchten Kompetenzprofil abgleicht (Summe fehlen-
der Kompetenzen für die Umsetzung eines Geschäftsmodells). Ziel ist eine optimale
Kombination aus einem oder zwei Unternehmen, die das gesuchte Kompetenzprofil
bestmöglich erfüllen.
Der Vorgehen besteht aus zwei Hauptphasen: In der ersten Phase erfolgt die Einzelbe-
wertung der Kompetenzprofile externer Unternehmen. Ziel ist die Ermittlung von Un-
ternehmen, die entweder einen complete dismatch72 oder einen complete match73 auf-
weisen. Unternehmen mit einem complete dismatch werden unmittelbar gelöscht, weil
diese keine Übereinstimmung mit den gesuchten Kompetenzen aufweisen. Wird ein
oder mehrere complete match gefunden, kann das Vorgehen nach dieser Phase beendet
werden. Eine optimale Lösung ist gefunden. Wird in der ersten Phase kein complete
match gefunden, werden in der zweiten Phase Kompetenzprofile aus Unterneh-
menstupeln (Zweierkombinationen) gebildet. Diese werden mit dem gesuchten Kompe-
tenzprofil abgeglichen und bewertet. Die zehn besten Tupel werden ausgegeben. Das
Vorgehen gliedert sich in insgesamt sechs Phasen (vgl. Bild A-20). Die ersten beiden
Phasen bilden die erste Hauptphase, die Phasen 3 bis 6 die zweite Hauptphase. Die ein-
zelnen Schritte werden im Folgenden kurz vorgestellt.
71 Für eine detaillierte Beschreibung zur Integration bzw. Implementierung vgl. u. a. [Pic12, S. 534ff.].
72 Ein complete dismatch ist ein Unternehmen, das keines der gesuchten Kompetenzen aufweist.
73 Ein complete match ist ein Unternehmen, das genau die gesuchten Kompetenzen aufweist.
Seite A-24 Anhang
Bild A-20: Phasenmodell zur Ermittlung optimaler Kombinationen von Übernahme-
kandidaten
Vorbereitung: Im ersten Schritt ist das Soll-Kompetenzprofil zu ermitteln bzw. zu ana-
lysieren. Das Soll-Kompetenzprofil umfasst alle Kompetenzen, die im Rahmen der
Analyse des Make, M&A or Buy-Portfolios als „M&A“ klassifiziert worden sind. Auf
Basis des Soll-Kompetenzprofils sind geeignete Übernahmekandidaten zu recherchieren
und deren Kompetenzprofile darzustellen. Die Profile der Unternehmen und das Soll-
Kompetenzprofil werden in einer Kompetenzabgleichs-Matrix (vgl. Bild A-21) zusam-
mengetragen. In der Matrix ist in der ersten Spalte das Soll-Kompetenzprofil dargestellt.
Mit einem „x“ sind Kompetenzen gekennzeichnet, die erworben werden sollen. Bei
einer „0“ will das betrachtete Unternehmen die Kompetenz intern aufbauen. Bei den
externen Unternehmen bedeutet ein „x“, dass das entsprechende Unternehmen diese
Kompetenz besitzt und bei einer „0“ entsprechend nicht.
Input-Daten
Optimaler Fit oder
Vorauswahl
2-Tupel-Kompetenzprofi le
Ggf. optimaler Fit
Tupelrangfolge
Phasen/Meilensteine Aufgaben/Methoden Resultate
Vorbereitung
Ermittlung/Analyse des Soll-Kompetenzprofi ls
Recherche möglicher Übernahmekandidaten
(Unternehmen)
Ermittlung der Kompetenzprofi le
Aufstellen einer Kompetenzabgleichsmatrix
Abgleich der Kompetenzprofi le der Unterneh-
men mit dem Soll-Kompetenzprofi l
Identifi kation von complete match- und com-
plete dismatch-Profi len
Wahl der complete match-Profi le als optima-
len Fit und Abbruch
Löschen aller complete dismatch-Profi le
Bildung von 2-Tupeln aller möglichen Kom-
binationen aus zwei Übernahmekandidaten
(Unternehmen)
Bildung von 2-Tupel-Kompetenzprofi len
Abgleich des gesuchten Kompetenzsprofi ls
mit den Kompetenzprofi len der Tupel
Identifi kation der Tupel, die das gesuchte
Kompetenzprofi l ohne Doppelungen exakt
erfüllen und Abbruch
Bewertung der Güte der 2-Tupel (Anzahl
Doppelungen, Unter- und Übererfüllungen von
Kompetenzen)
2
Einzelbewertung
Tupelbildung
Tupelbewertung
Gütebewertung der
2-Tupel
1
3
4
5
Bester Fit
Ausgabe der zehn besten Tupel
Analyse der Tupel (Unternehmensgröße,
Unternehmenskultur, Kaufpreis etc.)
Auswahl eines Tupels
Ausgabe und detaillierte
Analyse der 2-Tupel
6
Ermittlung optimaler Kombinationen von Übernahmekandidaten Seite A-25
Bild A-21: Kompetenzabgleichsmatrix
Einzelbewertung: In der zweiten Phase werden die Kompetenzprofile der Übernahme-
kandidaten untersucht. Ziel ist es, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die mit
dem Soll-Kompetenzprofil einen complete match bzw. complete dismatch bilden. Liegt
ein oder mehrere complete match vor, kann das Vorgehen nach dieser Phase abgebro-
chen werden. Bei einem complete dismatch wird das entsprechende Unternehmen im
Folgenden nicht weiter betrachtet und aus der Analyse entfernt. Alle anderen Unter-
nehmen werden bewertet. Zur Bewertung der Kompetenzprofile der externen Unter-
nehmen werden diese mit dem Soll-Kompetenzprofil hinsichtlich matching sowie Un-
ter- und Übererfüllung abgeglichen. Unter einem matching wird dabei die exakte Ent-
sprechung zwischen gesuchter/nicht gesuchter Kompetenz und bei dem betrachteten
Unternehmen vorhandener/nicht vorhandenen Kompetenz verstanden. Bei einer Überer-
füllung besitzt das Unternehmen eine Kompetenz, die nicht gesucht wird. Entsprechend
liegt eine Untererfüllung vor, wenn das analysierte Unternehmen die gesuchte Kompe-
tenz nicht aufweist. Resultat dieser Phase ist entweder ein optimaler Fit oder eine nach
matching, Unter- und Übererfüllung bewertete Vorauswahl an Unternehmen.
Tupelbildung: Liegt nach der zweiten Phase kein complete match vor, sind 2-Tupel aus
jeweils zwei externen Unternehmen zu bilden. Es sind alle möglichen 2er-
Kombinationen zu analysieren. Dabei können nach Gleichung A-3 insgesamt folgende
Anzahl Kombinationen gebildet werden:
Anzahl Kombinationen = n * (n – 1)
2;mit n=Anzahl Unternehmen
Gleichung A-3: Berechnung der Anzahl möglicher Kombinationen bei 2-Tupeln
Die jeweiligen Kompetenzprofile von zwei Unternehmen werden addiert. Dabei sind
Doppelungen möglich, d. h. beide Unternehmen verfügen über die gleiche Kompetenz.
Resultat dieser Phase sind die Kompetenzprofile der 2-Tupel.
Kompetenzprofile
Soll-
Kompe-
tenzprofil
Unter-
nehmen 1
Unter-
nehmen 2
Unter-
nehmen 3
Unter-
nehmen 4
4321S
0X0XX
00X0X
X00X0
X0XXX
0X000
X0000
Kompetenz A
Kompetenz B
Kompetenz C
Kompetenz D
Kompetenz E
Kompetenz F
...
Legende:
x = Kompetenz vorhanden
0 = Kompetenz nicht vorhanden
Seite A-26 Anhang
Tupelbewertung: Jedes Tupel-Kompetenzprofil wird mit dem Soll-Kompetenzprofil
abgeglichen. Die Vorgehensweise ist dabei analog zur zweiten Phase des Vorgehens.
Gibt es Tupel, die das gesuchte Kompetenzprofil ohne Doppelungen exakt erfüllen, so
bilden diese einen optimalen Fit. In diesem Fall kann das Vorgehen nach der vierten
Phase abgebrochen werden.
Gütebewertung der 2-Tupel: Gibt es nach der vierten Phase keinen optimalen Fit, gilt
es nun die Güte der 2-Tupel zu bewerten. Als Bewertungsskala bietet sich die Übersicht
in Bild A-22 rechts an. Je besser das Matching zwischen den gesuchten und vorhande-
nen Kompetenzen, desto besser die Wertung. Der beste Wert „3“ wird vergeben, wenn
genau ein Unternehmen eine gesuchte Kompetenz aufweist (also eine Doppelung ver-
mieden wird). Eine „2“ wird vergeben, wenn beide Unternehmen eine nicht gesuchte
Kompetenz nicht aufweisen. Die Wertung „1“ wird bei einem 2-Tupel vergeben, in dem
ein Unternehmen eine nicht gesuchte Kompetenz aufweist oder beide Unternehmen
gleichzeitig eine gesuchte Kompetenz haben. Die schlechteste Wertung „0“ charakteri-
siert eine Kombination, in der beide Unternehmen eine gesuchte Kompetenz nicht besit-
zen. Die Summe alle Bewertungen ergeben die Tupelgüte. Darüber hinaus können mat-
ches, Doppelungen, Unter- und Übererfüllungen den Rahmenbedingungen entsprechend
je Kompetenz gewichtet werden. Resultat dieser Phase sind nach Güte bewertete 2-
Tupel.
Bild A-22: Gütebewertung
Ausgabe und detaillierte Analyse der 2-Tupel: Die zehn Tupel mit der höchsten
Summe aus der fünften Phase werden ausgegeben. Diese können anhand von Kriterien
wie Unternehmensgröße, Unternehmenskultur, Kaufpreis etc. noch weiter bewertet
werden. Anschließend kann das beste 2-Tupel ausgewählt werden. Resultat dieser Phase
ist ein ausgewähltes 2-Tupel.
Matching-Arten
Soll-
Kompe-
tenzprofil
KP* Unter-
nehmen 1
KP* Unter-
nehmen 2
Bewertung
000X
3X0X
30XX
1XXX
2000
1X00
Kompetenz A
Kompetenz B
Kompetenz C
Kompetenz D
Kompetenz E
Kompetenz F
...
* KP: Kompetenzprofil
Legende:
x = Kompetenz vorhanden
0 = Kompetenz nicht vorhanden
Das Heinz Nixdorf Institut –
Interdisziplinäres Forschungszentrum
für Informatik und Technik
Das Heinz Nixdorf Institut ist ein Forschungszentrum der Universität Paderborn. Es
entstand 1987 aus der Initiative und mit Förderung von Heinz Nixdorf. Damit wollte er
Ingenieurwissenschaften und Informatik zusammenführen, um wesentliche Impulse für
neue Produkte und Dienstleistungen zu erzeugen. Dies schließt auch die Wechselwir-
kungen mit dem gesellschaftlichen Umfeld ein.
Die Forschungsarbeit orientiert sich an dem Programm „Dynamik, Mobilität, Vernet-
zung: Eine neue Schule des Entwurfs der technischen Systeme von morgen“. In der
Lehre engagiert sich das Heinz Nixdorf Institut in Studiengängen der Informatik, der
Ingenieurwissenschaften und der Wirtschaftswissenschaften.
Heute wirken am Heinz Nixdorf Institut acht Professoren mit insgesamt 200 Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeitern. Etwa ein Viertel der Forschungsprojekte der Universität Pa-
derborn entfallen auf das Heinz Nixdorf Institut und pro Jahr promovieren hier etwa 30
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler.
Heinz Nixdorf Institute –
Interdisciplinary Research Centre
for Computer Science and Technology
The Heinz Nixdorf Institute is a research centre within the University of Paderborn. It
was founded in 1987 initiated and supported by Heinz Nixdorf. By doing so he wanted
to create a symbiosis of computer science and engineering in order to provide critical
impetus for new products and services. This includes interactions with the social envi-
ronment.
Our research is aligned with the program “Dynamics, Mobility, Integration: En route to
the technical systems of tomorrow.” In training and education the Heinz Nixdorf Insti-
tute is involved in many programs of study at the University of Paderborn. The superior
goal in education and training is to communicate competencies that are critical in to-
morrows’ economy.
Today eight Professors and 200 researchers work at the Heinz Nixdorf Institute. The
Heinz Nixdorf Institute accounts for approximately a quarter of the research projects of
the University of Paderborn and per year approximately 30 young researchers receive
a doctorate.
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 1 FAHRWINKEL, U.: Methoden zur Model-
lierung und Analyse von Geschäfts-
prozessen zur Unterstützung des
Business Process Reengineering.
Dissertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 1,
Paderborn, 1995 – ISBN 3-931466-00-0
Bd. 2 HORNBOSTEL, D.: Methode zur Model-
lierung der Informationsverarbeitung in
Industrieunternehmen. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 2, Paderborn, 1995
– ISBN 3-931466-01-9
Bd. 3 STEMANN, V.: Contention Resolution in
Hashing Based Shared Memory Simu-
lations. Dissertation, Fachbereich für
Informatik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 3,
Paderborn, 1995 – ISBN 3-931466-02-7
Bd. 4 KETTERER, N.: Beschreibung von Daten-
austausch eines verteilten Fertigungs-
steuerungssystems. Dissertation, Fach-
bereich für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 4, Paderborn, 1995
– ISBN 3-931466-03-5
Bd. 5 HARTMANN, T.: Spezifikation und Klassifi-
kation von Methoden zur Definition
hierarchischer Abläufe. Dissertation,
Fachbereich für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 5,
Paderborn, 1995 – ISBN 3-931466-04-3
Bd. 6 WACHSMANN, A.: Eine Bibliothek von
Basisdiensten für Parallelrechner:
Routing, Synchronisation, gemeinsamer
Speicher. Dissertation, Fachbereich für
Informatik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Paderborn, Band
6, Paderborn, 1995 – ISBN 3-931466-05-
1
Bd. 7 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Die Szenario-
Technik – Werkzeug für den Umgang mit
einer multiplen Zukunft. 1. Paderborner
Szenario-Workshop, 14. November 1995,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 7,
Paderborn, 1995 – ISBN 3-931466-06-X
Bd. 8 CZUMAJ, A.: Parallel Algorithmic Tech-
niques: PRAM Algorithms and PRAM
Simulations. Dissertation, Fachbereich
für Informatik, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 8,
Paderborn, 1995 – ISBN 3- 931466-07-8
Bd. 9 HUMPERT, A.: Methodische Anforderungs-
verarbeitung auf Basis eines objektorien-
tierten Anforderungsmodells. Disserta-
tion, Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 9, Paderborn, 1995 –
ISBN 3-931466-08-6
Bd. 10 AMEUR, F.: Space-Bounded Learning
Algorithms. Dissertation, Fachbereich für
Informatik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Paderborn, Band
10, Paderborn, 1995 –ISBN 3-931466-
09-4
Bd. 11 PAUL, M.: Szenariobasiertes Konzipieren
neuer Produkte des Maschinenbaus auf
Grundlage möglicher zukünftiger Techno-
logieentwicklungen. Dissertation, Fach-
bereich für Maschinentechnik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 11, Paderborn, 1996 – ISBN 3-
931466-10-8
Bd. 12 HOLL, F.: Ordnungsmäßigkeit von Infor-
mations- und Kommunikationssystemen.
Dissertation, Fachbereich für Informatik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Paderborn, Band 12,
Paderborn, 1996 – ISBN 3-931466-11-6
Bd. 13 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): First European
Workshop on Global Engineering Net-
working - organized by GLENnet e.V.,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 13,
Paderborn, 1996 – ISBN 3-931466-12-4
Bd. 14 PETRI, K.: Vergleichende Untersuchung
von Berechnungsmodellen zur Simulation
der Dynamik von Fahrleitung-
Stromabnehmer-Systemen. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 14, Paderborn, 1996
– ISBN 3-931466-13-2
Bd. 15 LESCHKA, S.: Fallbasiertes Störungs-
management in flexiblen Fertigungs-
systemen. Dissertation, Fachbereich für
Maschinentechnik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
15, Paderborn, 1996 – ISBN 3-931466-
14-0
Bd. 16 SCHNEIDER, U.: Ein formales Modell und
eine Klassifikation für die Fertigungs-
steuerung - Ein Beitrag zur Systematisie-
rung der Fertigungssteuerung.
Dissertation, Fachbereich für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 16, Paderborn, 1996 – ISBN 3-
931466-15-9
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33102 Paderborn
Bd. 17 FELSER, W.: Eine Methode zur Erstellung
von Fertigungssteuerungsverfahren aus
Bausteinen. Dissertation, Fachbereich für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 17, Paderborn, 1996 – ISBN 3-
931466-16-7
Bd. 18 GAUSEMEIER, J.; ALEXANDER FINK, A.: Neue
Wege zur Produktentwicklung – Erfolgs-
potentiale der Zukunft. HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 18, Paderborn, 1996–
ISBN 3-931466-17-5
Bd. 19 DANGELMAIER, W.; GAUSEMEIER, J.:
Fortgeschrittene Informationstechnologie
in der Produktentwicklung und Fertigung.
2. Internationales Heinz Nixdorf Sympo-
sium, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
19, Paderborn, 1996 – ISBN 3-931466-
18-3
Bd. 20 HÜLLERMEIER, E.: Reasoning about Sys-
tems based on Incomplete and Uncertain
Models. Dissertation, Fachbereich für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 20, Paderborn, 1997 – ISBN 3-
931466- 19-1
Bd. 21 GAUSEMEIER, J.: International Symposium
on Global Engineering Network - Ant-
werb, Belgium, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 21, Paderborn, 1997 – ISBN
3- 931466-20-5
Bd. 22 BURGER, A.: Methode zum Nachweis der
Wirtschaftlichkeit von Investitionen in die
Rechnerintegrierte Produktion. Disserta-
tion, Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 22, Paderborn, 1997
– ISBN 3-931466-21-3
Bd. 23 GAUSEMEIER, J.: Entwicklung und Trans-
fer von Entwicklungssystemen der
Mechatronik - Paderborner Workshop
TransMechatronik. HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 23, Paderborn, 1997 – ISBN
3- 931466-22-1
Bd. 24 GERDES, K.-H.: Architekturkonzeption für
Fertigungsleitsysteme der flexiblen auto-
matischen Fertigung. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 24, Paderborn, 1997
– ISBN 3-931466-23-X
Bd. 25 EBBESMEYER, P.: Dynamische Texturwän-
de - Ein Verfahren zur echtzeitorientier-
ten Bildgenerierung für Virtuelle Umge-
bungen technischer Objekte. Disserta-
tion, Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 25, Paderborn, 1997
– ISBN 3-931466-24-8
Bd. 26 FRANK, G.: Ein digitales Hardwaresystem
zur echtzeitfähigen Simulation biologie-
naher neuronaler Netze. Dissertation,
Fachbereich für Elektrotechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 26, Paderborn, 1997
– ISBN 3-931466-25-6
Bd. 27 DITTRICH, W.: Communication and I/O
Efficient Parallel Data Structures.
Dissertation, Fachbereich für Informatik,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 27, Paderborn, 1997 –
ISBN 3-931466-26-4
Bd. 28 BÄUMKER, A.: Communication Efficient
Parallel Searching. Dissertation, Fach-
bereich für Informatik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 28
Paderborn, 1997 – ISBN 3- 931466-27-2
Bd. 29 PINTASKE, C.: System- und Schaltungs-
technik neuronaler Assoziativspeicher.
Dissertation, Fachbereich für Elektro-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 29,
Paderborn, 1997 – ISBN 3-931466-28-0
Bd. 30 HENKEL, S.: Ein System von Software-
Entwurfsmustern für die Propagation von
Ereignissen in Werkzeugen zur koopera-
tiven Fabrikmodellierung. Dissertation,
Fachbereich für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 30,
Paderborn, 1997 – ISBN 3-931466-29-9
Bd. 31 DANGELMAIER, W.: Vision Logistik – Logis-
tik wandelbarer Produktionsnetze. HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 31,
Paderborn, 1997 – ISBN 3-931466-30-2
Bd. 32 BREXEL, D.: Methodische Strukturmodel-
lierung komplexer und variantenreicher
Produkte des integrativen Maschinen-
baus. Dissertation, Fachbereich für Ma-
schinentechnik, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 32,
Paderborn, 1997 – ISBN 3-931466-31-0
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Bd. 33 HAHN, A.: Integrationsumgebung für
verteilte objektorientierte Ingenieursys-
teme. Dissertation, Fachbereich für Ma-
schinentechnik, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 33,
Paderborn, 1997 – ISBN 3-931466-32-9
Bd. 34 SABIN, A.: Semantisches Modell zum Auf-
bau von Hilfsorientierungsdiensten in
einem globalen Engineering Netzwerk.
Dissertation, Fachbereich für Maschi-
nentechnik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 34, Pader-
born, 1997 – ISBN 3-931466-33-7
Bd. 35 STROTHMANN, W.-B.: Bounded Degree
Spanning Trees. Dissertation, Fachbe-
reich für Informatik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
35, Paderborn, 1997 – ISBN 3-931466-
34-5
Bd. 36 MÜLLER, W.; RAMMIG, F.-J.: Methoden und
Beschreibungssprachen zur Modellierung
und Verifikation von Schaltungen und
Systemen. HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 36, Paderborn, 1998 – ISBN 3-
931466- 35-3
Bd. 37 SCHNEIDER, W.: Anwenderorientierte
Integration von CAE-Systemen. Ein Ver-
fahren zur Realisierung eines durch-
gehenden Informationsflusses entlang
des Produktentwicklungsprozesses. Dis-
sertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-Ver-
lagsschriftenreihe, Band 37, Paderborn,
1998 – ISBN 3-931466-36-1
Bd. 38 DEMEL, W.; SCHMITZ, G. (Hrsg.): Entwick-
lung und Transfer von Entwicklungssys-
temen der Mechatronik. Aachener Work-
shop TransMechatronik, 26. Juni 1998,
Technologiezentrum am Europaplatz
Aachen, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
38, Paderborn, 1998 – ISBN 3-931466-
37-X
Bd. 39 GROBBEL, R.; LANGEMANN, T.: Leitfaden
PPS-Systeme: Auswahl und Einführung
in der Möbelindustrie. HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 39, Paderborn, 1998 –
ISBN 3-931466-38-8
Bd. 40 REHBEIN, P.: Tribologische Untersuchung
von hochfrequent schwingenden Gleit-
kontakten für den Einsatz in Reibkraft-
schlüssigen Antrieben. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 40, Paderborn, 1998
– ISBN 3-931466-39-6
Bd. 41 DANGELMAIER, W.: KOMNET – Kommuni-
kationsplattform für KMU-Netzwerke.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 41,
Paderborn, 1998 – ISBN 3-931466-40-X
Bd. 42 KALLMEYER, F.: Eine Methode zur Model-
lierung prinzipieller Lösungen mechatro-
nischer Systeme. Dissertation, Fachbe-
reich für Maschinentechnik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 42, Paderborn, 1998 – ISBN 3-
931466-41-8
Bd. 43 TRAPP, R.: Stereoskopische Korrespon-
denzbestimmung mit impliziter Detektion
von Okklusionen. Dissertation, Fachbe-
reich für Elektrotechnik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 43, Paderborn, 1998 – ISBN 3-
931466-42-6
Bd. 44 GAUSEMEIER, J.; FINK, A; SCHLAKE, O.:
Grenzen überwinden - Zukünfte gestal-
ten. 2. Paderborner Konferenz für Sze-
nario-Management, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 44, Paderborn, 1998
ISBN 3-931466-43-4
Bd. 45 nicht erschienen!
Bd. 46 VÖCKING, B.: Static and Dynamic Data
Management in Networks. Dissertation,
Fachbereich für Informatik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 46, Paderborn, 1998 – ISBN 3-
931466-45-0
Bd. 47 SCHEKELMANN, A.: Materialflußsteuerung
auf der Basis des Wissens mehrerer
Experten. Dissertation, Fachbereich für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 47, Paderborn, 1999 – ISBN 3-
931466-46-9
Bd. 48 GECK-MÜGGE, K.: Herleitung und Spezi-
fikation generischer Bausteine zur ein-
heitlichen Modellierung von Fertigungs-
informationen für die Fertigungssteue-
rung. Dissertation, Fachbereich für Wirt-
schaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 48, Paderborn, 1999 – ISBN 3-
931466-47-7
Bd. 49 WALLASCHEK, J.; LÜCKEL, J.; LITTMANN, W.:
Heinz Nixdorf Symposium on Mechatro-
nics and Advanced Motion Control. 3.
Internationales Heinz Nixdorf Symposi-
um, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 49,
Paderborn, 1999 – ISBN 3-931466-48-5
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bezugsadresse:
Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 50 FINK, A.: Szenariogestützte Führung
industrieller Produktionsunternehmen.
Dissertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 50, Pader-
born, 1999 – ISBN 3-931466-49-3
Bd. 51 HOLTKAMP, R.: Ein objektorientiertes
Rahmenwerk zur Erstellung individueller,
verteilter Fertigungslenkungssysteme.
Dissertation, Fachbereich für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 51,
Paderborn, 1999 – ISBN 3-931466-50-7
Bd. 52 KUHN, A.: Referenzmodelle für Pro-
duktionsprozesse zur Untersuchung und
Gestaltung von PPS-Aufgaben. Disserta-
tion, Fachbereich für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 52, Pader-
born, 1999 – ISBN 3-931466-51-5
Bd. 53 SIEBE, A.: Systematik der Umsetzung von
IT-orientierten Veränderungsprojekten in
dynamischen Umfeldern. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 53, Paderborn, 1999
– ISBN 3-931466-52-3
Bd. 54 KLAHOLD, R. F.: Dimensionierung kom-
plexer Produktionsnetzwerke. Disserta-
tion, Fachbereich für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 54, Pader-
born, 1999 – ISBN 3-931466-53-1
Bd. 55 SCHÜRHOLZ, A.: Synthese eines Modells
zur simulationsgestützten Potentialana-
lyse der Distribution. Dissertation, Fach-
bereich für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 55, Paderborn, 1999
– ISBN 3-931466-54-X
Bd. 56 GEHNEN, G.: Integriertes Netzwerk zur
Fertigungssteuerung und –automatisie-
rung. Dissertation, Fachbereich für Ma-
schinentechnik, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 56,
Paderborn, 1999 – ISBN 3-931466-55-8
Bd. 57 KRESS, S.: Architektur eines workflow-
basierten Planungsinstruments für die
technische Auftragsbearbeitung unter
besonderer Berücksichtigung des Einsat-
zes der Telearbeit. Dissertation, Fach-
bereich für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 57, Paderborn, 1999 –
ISBN 3-931466-56-6
Bd. 58 THIELEMANN, F.: Integrierte Methodik zur
Gestaltung von Leistungserstellungspro-
zessen mittels Workflowmanagement.
Dissertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 58, Pader-
born, 1999 – ISBN 3-931466-57-4
Bd. 59 KROME, J.: Modelle zur Untersuchung des
Schwingungsverhaltens von Statoren für
piezoelektrische Ultraschall-Wanderwel-
len-Motoren. Dissertation, Fachbereich
für Maschinentechnik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
59, Paderborn, 1999 – ISBN 3-931466-
58-2
Bd. 60 DEMEL, W.; SCHMITZ , G. (Hrsg.): Entwick-
lung und Transfer von Entwicklungssys-
temen der Mechatronik. Krefelder Work-
shop TransMechatronik, 24. August 1999
Fachhochschule Niederrhein, HNI-Ver-
lagsschriftenreihe, Band 60, Paderborn,
1999 – ISBN 3-931466-59-0
Bd. 61 LANGEMANN, T.: Modellierung als Kern-
funktion einer systemorientierten Analyse
und Bewertung der diskreten Produktion.
Dissertation, Fachbereich für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 61,
Paderborn, 1999 – ISBN 3-931466-60-4
Bd. 62 KÜMMEL, M.: Integration von Methoden
und Werkzeugen zur Entwicklung von
mechatronischen Systemen. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 62, Paderborn, 1999 –
ISBN 3-931466-61-2
Bd. 63 LUKOVSZKI, T.: New Results on Geometric
Spanners and Their Applications. Disser-
tation, Fachbereich für Informatik, Univer-
sität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 63, Paderborn, 1999 –
ISBN 3-931466-62-0
Bd. 64 LÖFFLER, A.; MONDADA, F.; RÜCKERT, U.
(Hrsg.): Experiments with the Mini-Robot
Khepera, Proceedings of the 1st Interna-
tional Khepera Workshop. HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 64, Paderborn, 1999
– ISBN 3-931466-63-9
Bd. 65 SCHÄFERMEIER, U.; BISCHOFF, C.: KMUnet
- Ein Konzept zur ablauforganisatori-
schen Gestaltung der Lieferanteneinbin-
dung. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
65, Paderborn, 2000 – ISBN 3-931466-
64-7
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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33102 Paderborn
Bd. 66 HOLTHÖFER, N.: Regeln in einer Mengen-
planung unter Ausbringungsgrenzen. Dis-
sertation, Fachbereich für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 66,
Paderborn, 2000 – ISBN 3-931466-69-8
Bd. 67 SCHLAKE, O.: Verfahren zur kooperativen
Szenario-Erstellung in Industrieunter-
nehmen. Dissertation, Fachbereich für
Maschinentechnik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, 67,
Paderborn, Band 2000 – ISBN 3-931466-
66- 3
Bd. 68 LEWANDOWSKI, A.: Methode zur Gestal-
tung von Leistungserstellungsprozessen
in Industrieunternehmen. Dissertation,
Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 68, Paderborn, 2000
– ISBN 3-931466-67-1
Bd. 69 SCHMIDTMANN, A.: Eine Spezifikations-
sprache für die Fertigungslenkung.
Dissertation, Fachbereich für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 69,
Paderborn, 2000 – ISBN 3-931466-68-X
Bd. 70 GROBBEL, R.: Eine Referenzarchitektur für
Kooperationsbörsen. Dissertation, Fach-
bereich für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 70, Paderborn, 2000
– ISBN 3-931466-69-8
Bd. 71 WESSEL, R.: Modelocked Waveguide
Lasers in Lithium Niobate. Dissertation,
Fachbereich für Physik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 71, Paderborn, 2000 – ISBN 3-
931466-70-1
Bd. 72 LÖFFLER, A.: Energetische Modellierung
neuronaler Signalverarbeitung. Disserta-
tion, Fachbereich für Informatik, Universi-
tät Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 72, Paderborn, 2000 – ISBN 3-
931433-71-X
Bd. 73 LUDWIG, L. A.: Computational Intelligence
in der Produktionswirtschaft. Dissertation,
Fachbereich für Wirtschaftswissenschaf-
ten, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 73, Paderborn, 2000
– ISBN 3-931466-72-8
Bd. 74 WENSKI, R.: Eine objektorientierte
Systemkomponente zur Workflow-Model-
lierung und -Ausführung unter beson-
derer Berücksichtigung der Telekoopera-
tion. Dissertation, Fachbereich für Wirt-
schaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 74, Paderborn, 2000 – ISBN 3-
931466-73-6
Bd. 75 GRASMANN, M.: Produktkonfiguration auf
Basis von Engineering Data Manage-
ment-Systemen. Dissertation, Fach-
bereich für Maschinentechnik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 75, Paderborn, 2000 – ISBN 3-
931466-74-4
Bd. 76 DITZE, C.: Towards Operating System
Synthesis. Dissertation, Fachbereich für
Informatik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 76, Pader-
born, 2000 – ISBN 3-931466-75-2
Bd. 77 KÖRNER, T.: Analog VLSI Implementation
of a Local Cluster Neural Network. Dis-
sertation, Fachbereich für Elektrotechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 77, Paderborn, 2000 –
ISBN 3-931466-76-0
Bd. 78 SCHEIDELER, C.: Probabilistic Methods for
Coordination Problems. Dissertation,
Fachbereich für Informatik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 78, Paderborn, 2000 – ISBN 3-
931466-77-9
Bd. 79 GAUSEMEIER, J.; LINDEMANN, U.; REINHART,
G.; WIENDAHL, H.-P.: Kooperatives Pro-
duktengineering - Ein neues Selbstver-
ständnis des ingenieurmäßigen Wirkens.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 79,
Paderborn, 2000 – ISBN 3-931466-78-7
Bd. 80 GAUSEMEIER, J.; LÜCKEL, J.: Entwicklungs-
umgebungen Mechatronik - Methoden
und Werkzeuge zur Entwicklung mecha-
tronischer Systeme. HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 80, Paderborn, 2000 –
ISBN 3-931466-79-5
Bd. 81 RIEPING, I.: Communication in Parallel
Systems-Models, Algorithms and Imple-
mentations. Dissertation, Fachbereich für
Informatik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 81, Pader-
born, 2000 – ISBN 3-931466-80-9
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bd. 82 GAUSEMEIER, J; LÜCKEL, J.: Auf dem Weg
zu den Produkten für die Märkte von mor-
gen. 4. Internationales Heinz Nixdorf
Symposium, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 82, Paderborn, 2000 – ISBN 3-
931466-81-7
Bd. 83 DEL CASTILLO, G.: The ASM Workbench -
A Tool Environment for Computer-Aided
Analysis and Validation of Abstract State
Machine Models. Dissertation, Fach-
bereich für Informatik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
83, Paderborn, 2000 – ISBN 3-931466-
82-5
Bd. 84 SCHÄFERMEIER, U.: Eine Methode zur
systemorientierten organisatorischen
Gestaltung der Zweckaufgabenverrich-
tung in kooperativen Verbünden; Klassifi-
kation, Aufgabenzuordnung. Dissertation,
Fachbereich für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 84, Pader-
born, 2000 – ISBN 3-931466-83-3
Bd. 85 KRÜGER, J.: Ganzheitliche Beherrschung
von Abläufen in und zwischen soziotech-
nischen Systemen: Ein Beitrag zur
Modellbildung und zum paradigmatischen
Verständnis von Industrieunternehmen
zur Integration von Mensch und
Maschine; Prozess und Struktur.
Dissertation, Fachbereich für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 85,
Paderborn, 2000 – ISBN 3-931466-84-1
Bd. 86 BARTSCHER, T.: Methoden des Inte-
grierten Workflowmanagements (IWFM).
Dissertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 86, Pader-
born, 2000 – ISBN 3-931466-85-X
Bd. 87 QUINTANILLA, J.: Ein Verifikationsansatz
für eine netzbasierte Modellierungsme-
thode für Fertigungssteuerungssysteme.
Dissertation, Fachbereich für Informatik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 87, Paderborn, 2000
– ISBN 3-931466-86-8
Bd. 88 PREIS, R.: Analyses and Design of
Efficient Graph Partitioning Methods.
Dissertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 88, Pader-
born, 2001 – ISBN 3-931466-87-6
Bd. 89 nicht erschienen!
Bd. 90 WESTERMANN, M.: Caching in Networks:
Non-Uniform Algorithms and Memory
Capacity Constraints. Dissertation, Fach-
bereich für Informatik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
90, Paderborn, 2001 – ISBN 3-931466-
89-2
Bd. 91 LEMKE, J.: Nutzenorientierte Planung des
Einsatzes von CAD- / CAE-Systemen.
Dissertation, Fachbereich für Maschinen-
technik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 91, Pader-
born, 2001 – ISBN 3-935433-00-X
Bd. 92 VON BOHUSZEWICZ, O.: Eine Methode zur
Visualisierung von Geschäftsprozessen
in einer virtuellen Umgebung. Disserta-
tion, Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 92, Paderborn, 2001 –
ISBN 3-935433-01-8
Bd. 93 BÖRNCHEN, T.: Zur Entwicklung dyna-
mischer Komponenten für variables
Kraftfahrzeug-Scheinwerferlicht. Disser-
tation, Fachbereich für Maschinentech-
nik, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 93, Paderborn, 2001
– ISBN 3-935433-02-6
Bd. 94 WINDELER, I.: Auswahl von Restrukturie-
rungsprojekten in Forschungs- und Ent-
wicklungsorganisationen der Automobil-
industrie. Dissertation, Fachbereich für
Maschinentechnik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
94, Paderborn, 2001 – ISBN 3-935433-
03-4
Bd. 95 WOLFF, C.: Parallele Simulation großer
pulscodierter neuronaler Netze. Disserta-
tion, Fachbereich für Elektrotechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 95, Paderborn, 2001 –
ISBN 3-935433-04-2
Bd. 96 HENKE, A.: Modellierung, Simulation und
Optimierung piezoelektrischer Stellsys-
teme. Dissertation, Fachbereich für Ma-
schinentechnik, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 96,
Paderborn, 2001 – ISBN 3-935433-05-0
Bd. 97 RÜCKERT, U.; SITTE, J.; WITKOWSKI, U.
(Hrsg.): Autonomous Minirobots for
Research and Edutainment AMiRE2001.
5. Internationales Heinz Nixdorf Symposi-
um, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 97,
Paderborn, 2001 – ISBN 3-935433-06-9
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bd. 98 LI, P.: Datenkonversion für den Daten-
austausch in verteilten Fertigungs-
Lenkungssystemen. Dissertation, Fach-
bereich für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 98, Paderborn, 2001
– ISBN 9-935433-07-7
Bd. 99 BRANDT, C.: Eine modellbasierte Methode
zum strukturierten Entwurf virtueller
Umgebungen. Dissertation, Fachbereich
für Maschinentechnik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
99, Paderborn, 2001 – ISBN 9-935433-
08-5
Bd. 100 WLEKLINSKI, C.: Methode zur Effektivitäts-
und Effizienzbewertung der Entwicklung
maschinenbaulicher Anlagen. Disserta-
tion, Fachbereich für Maschinentechnik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 100, Paderborn,
2001 – ISBN-3-935433-09-3
Bd. 101 HEMSEL, T.: Untersuchung und Weiterent-
wicklung linearer piezoelektrischer
Schwingungsantriebe. Dissertation, Fach-
bereich für Maschinentechnik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 101, Paderborn, 2001 – ISBN 3-
935433-10-7
Bd. 102 MAUERMANN, H.: Leitfaden zur Erhöhung
der Logistikqualität durch Analyse und
Neugestaltung der Versorgungsketten.
Dissertation, Fachbereich für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 102,
Paderborn, 2001 – ISBN 3-935433-11-5
Bd. 103 WAGENBLAßT, D.: Eine Analysemethode
zur Beurteilung der Funktionssicherheit
von gemischt analog-digitalen Schal-
tungen. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 103, Pader-
born, 2002 – ISBN 3-935433-12-3
Bd. 104 PORRMANN, M.: Leistungsbewertung ein-
gebetteter Neurocomputersysteme.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 104, Paderborn, 2002 – ISBN 3-
935433-13-1
Bd. 105 SEIFERT, L.: Methodik zum Aufbau von
Informationsmodellen für Electronic
Business in der Produktentwicklung.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 105, Paderborn,
2002 – ISBN 3-935433-14-X
Bd. 106 SOETEBEER, M.: Methode zur Model-
lierung, Kontrolle und Steuerung von Pro-
duktstrategien. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 106,
Paderborn, 2002 – ISBN 3-935433-15-8
Bd. 107 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
1. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 107,
Paderborn, 2002 – ISBN 3-935433-16-6
Bd. 108 FLATH, M.: Methode zur Konzipierung
mechatronischer Produkte. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 108, Paderborn, 2002 – ISBN 3-
935433-17-4
Bd. 109 AVENARIUS, J.: Methoden zur Suche und
Informationsbereitstellung von Lösungs-
elementen für die Entwicklung mechatro-
nischer Systeme. Dissertation, Fakultät
für Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 109,
Paderborn, 2002 – ISBN 3-935433-18-2
Bd. 110 HELMKE, S.: Eine simulationsgegestützte
Methode für Budgetentscheidungen im
Kundenbindungsmanagement. Disserta-
tion, Fakultät für Wirtschaftswissenschaf-
ten, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 110, Paderborn,
2002 – ISBN 3-935433-19-0
Bd. 111 CZUBAYKO, R.: Rechnerinterne Repräsen-
tation von informationsverarbeitenden
Lösungselementen für die verteilte
kooperative Produktentwicklung in der
Mechatronik. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 111,
Paderborn, 2002 – ISBN 3-935433-20-4
Bd. 112 GOLDSCHMIDT, S.: Anwendung mengen-
orientierter numerischer Methoden zur
Analyse nichtlinearer dynamischer Sys-
teme am Beispiel der Spurführungsdyna-
mik von Schienenfahrzeugen. Disserta-
tion, Fakultät für Maschinenbau, Univer-
sität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 112, Paderborn, 2002 – ISBN
3-935433-21-2
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bezugsadresse:
Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 113 LEHMANN, T.: Towards Device Driver
Synthesis. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 113, Pader-
born, 2002 – ISBN 3-935433-22-0
Bd. 114 HÄRTEL, W.: Issueorientierte Frühaufklä-
rung. Dissertation, Fakultät für Maschi-
nenbau, Universität Paderborn, HNI-Ver-
lagsschriftenreihe, Band 114, Paderborn,
2002 – ISBN 3-935433-23-9
Bd. 115 ZIEGLER, M.: Zur Berechenbarkeit reeller
geometrischer Probleme. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 115, Pader-
born, 2002 – ISBN 3-935433-24-7
Bd. 116 SCHMIDT, M.: Neuronale Assoziativspei-
cher im Information Retrieval. Disserta-
tion, Fakultät für Elektrotechnik, Infor-
matik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
116, Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-
25-5
Bd. 117 EL-KEBBE, D. A.: Towards the MaSHReC
Manufacturing System under Real-Time
Constraints. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 117, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-26-3
Bd. 118 PUSCH, R.: Personalplanung und -ent-
wicklung in einem integrierten Vorge-
hensmodell zur Einführung von PDM-
Systemen. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 118,
Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-27-1
Bd. 119 SOHLER, C.: Property Testing and
Geometry. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 119, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-28-X
Bd. 120 KESPOHL, H.: Dynamisches Matching –
Ein agentenbasiertes Verfahren zur
Unterstützung des Kooperativen Produkt-
engineering durch Wissens- und Techno-
logietransfer. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 120,
Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-29-8
Bd. 121 MOLT, T.: Eine domänenübergreifende
Softwarespezifikationstechnik für auto-
matisierte Fertigungsanlagen. Disserta-
tion, Fakultät für Maschinenbau, Univer-
sität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 121, Paderborn, 2003 – ISBN
3-935433-30-1
Bd. 122 GAUSEMEIER, J.; LÜCKEL, J.; WALLASCHEK,
J. (Hrsg.): 1. Paderborner Workshop
Intelligente mechatronische Systeme.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 122,
Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-31-X
Bd. 123 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
2. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 123,
Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-32-8
Bd. 124 LITTMANN, W.: Piezoelektrische resonant
betriebene Ultraschall-Leistungswandler
mit nichtlinearen mechanischen Randbe-
dingungen. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 124,
Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-33-6
Bd. 125 WICKORD, W.: Zur Anwendung probabi-
listischer Methoden in den frühen Phasen
des Systementwurfs. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 125, Paderborn, 2003 – ISBN 3-
935433-34-4
Bd. 126 HEITTMANN, A.: Ressourceneffiziente
Architekturen neuronaler Assoziativ-
speicher. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 126, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-35-2
Bd. 127 WITKOWSKI, U.: Einbettung selbst-
organisierender Karten in autonome
Miniroboter. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 127, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-36-0
Bd. 128 BOBDA, C.: Synthesis of Dataflow Graphs
for Reconfigurable Systems using
Temporal Partitioning and Temporal
Placement. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 128, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-37-9
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 129 HELLER, F.: Wissensbasiertes Online-
Störungsmanagement flexibler, hoch
automatisierter Montagesysteme. Disser-
tation, Fakultät für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 129, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-38-7
Bd. 130 KÜHN, A.: Systematik des Ideenmanage-
ments im Produktentstehungsprozess.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 130, Paderborn,
2003 – ISBN 3-935433-39-5
Bd. 131 KEIL-SLAWIK, R.; BRENNECKE, A.; HOHEN-
HAUS, M.: ISIS -Installationshandbuch für
lernförderliche Infrastrukturen. HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 131,
Paderborn, 2003 – ISBN 3-935433-40-9
Bd. 132 OULD HAMADY, M.: Ein Ansatz zur Gestal-
tung des operativen Fertigungsmanage-
ments innerhalb der Lieferkette. Disserta-
tion, Fakultät für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 132, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-41-7
Bd. 133 HOLTZ, C.: Theoretical Analysis of
Unsupervised On-line Learning through
Soft Competition. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 133, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-42-5
Bd. 134 UEBEL, M.: Ein Modell zur Steuerung der
Kundenbearbeitung im Rahmen des
Vertriebsmanagements. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 134, Paderborn,
2003 – ISBN 3-935433-43-3
Bd. 135 BRINKMANN, A.: Verteilte Algorithmen zur
Datenplazierung und zum Routing in
gegnerischen Netzwerken. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 135, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-44-1
Bd. 136 FRÜND, E.: Aktive Kompensation von pe-
riodischen Schwingungen an rotierenden
Walzen. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 136, Pader-
born, 2003 – ISBN 3-935433-45-X
Bd. 137 KEIL-SLAWIK, R. (Hrsg.): Digitale Medien
in der Hochschule: Infrastrukturen im
Wandel. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
137, Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-
46-8
Bd. 138 STORCK, H.: Optimierung der Kontaktvor-
gänge bei Wanderwellenmotoren. Disser-
tation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 138, Paderborn,
2004 – ISBN 3-935433-47-6
Bd. 139 KALTE, H.: Einbettung dynamisch rekon-
figurierbarer Hardwarearchitekturen in
eine Universalprozessorumgebung. Dis-
sertation, Fakultät für Elektrotechnik, In-
formatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 139, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
935433-48-4
Bd. 140 ISKE, B.: Modellierung und effiziente
Nutzung aktiver Infrarotsensorik in auto-
nomen Systemen. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 140, Pader-
born, 2004 – ISBN 3-935433-49-2
Bd. 141 BÄTZEL, D.: Methode zur Ermittlung und
Bewertung von Strategiealternativen im
Kontext Fertigungstechnik. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 141, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
935433-50-6
Bd. 142 BÖKE, C.: Automatic Configuration of
Real-Time Operating Systems and Real-
Time Communication Systems for Distri-
buted Embedded Applications. Disserta-
tion, Fakultät für Elektrotechnik, Informa-
tik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
142, Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-
51-4
Bd. 143 KÖCKERLING, M.: Methodische Entwick-
lung und Optimierung der Wirkstruktur
mechatronischer Produkte. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 143, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
935433-52-2
Bd. 144 HENZLER, S: Methodik zur Konzeption der
Struktur und der Regelung leistungs-
verzweigter Getriebe mit Toroidvariator.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 144, Paderborn,
2004 – ISBN 3-935433-53-0
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 145 GAUSEMEIER, J.; LÜCKEL, J.; WALLASCHEK,
J. (Hrsg.): 2. Paderborner Workshop
Intelligente mechatronische Systeme.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 145,
Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-54-9
Bd. 146 LESSING, H.: Prozess zur multivariaten
Prognose von Produktionsprogrammen
für eine effiziente Kapazitätsplanung bei
typisierten Dienstleistungen. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 146, Paderborn,
2004 – ISBN 3-935433-55-7
Bd. 147 HAMOUDIA, H.: Planerische Ablaufgestal-
tung bei prozessorientierten Dienst-
leistungen. Dissertation, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 147, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
935433-56-5
Bd. 148 BUSCH, A.: Kollaborative Änderungspla-
nung in Unternehmensnetzwerken der
Serienfertigung – ein verhandlungsba-
sierter Ansatz zur interorganisationalen
Koordination bei Störungen. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 148, Paderborn, 2004 –
ISBN 3-935433-57-3
Bd. 149 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
3. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 149,
Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-58-1
Bd.150 MEYER, B.: Value-Adding Logistics for a
World Assembly Line. Dissertation, Fa-
kultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 150, Paderborn,
2004 – ISBN 3-935433-59-X
Bd. 151 GRIENITZ, V.: Methodik zur Erstellung von
Technologieszenarien für die strate-
gische Technologieplanung. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 151, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
9354 33-60-3
Bd. 152 FRANKE, H.: Eine Methode zur unterneh-
mensübergreifenden Transportdisposition
durch synchron und asynchron
kommunizierende Agenten. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 152, Paderborn,
2004 – ISBN 3-935433-61-1
Bd. 153 SALZWEDEL, K. A.: Data Distribution
Algorithms for Storage Networks. Disser-
tation, Fakultät für Elektrotechnik, Infor-
matik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
153, Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-
62-X
Bd. 154 RÄCKE, H.: Data Management and
Routing in General Networks. Disserta-
tion, Fakultät für Elektrotechnik, Informa-
tik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
154, Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-
63-8
Bd. 155 FRANK, U.; GIESE, H.; KLEIN, F.;
OBERSCHELP, O.; SCHMIDT, A.; SCHULZ, B.;
VÖCKING, H.; WITTING, K.; GAUSEMEIER, J.
(Hrsg.): Selbstoptimierende Systeme des
Maschinenbaus – Definitionen und Kon-
zepte. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
155, Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-
64-6
Bd. 156 MÖHRINGER, S.: Entwicklungsmethodik für
mechatronische Systeme. Habilitation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 156, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
935433-65-4
Bd. 157 FAHRENTHOLZ, M.: Konzeption eines Be-
triebskonzepts für ein bedarfsgesteuertes
schienengebundenes Shuttle-System.
Dissertation, Fakultät für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 157,
Paderborn, 2004 – ISBN 3-935433-66-2
Bd. 158 GAJEWSKI, T.: Referenzmodell zur Be-
schreibung der Geschäftsprozesse von
After-Sales-Dienstleistungen unter be-
sonderer Berücksichtigung des Mobile
Business. Dissertation Fakultät für Wirt-
schaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 158, Paderborn, 2004 – ISBN 3-
935433-67-0
Bd. 159 RÜTHER, M.: Ein Beitrag zur klassifizie-
renden Modularisierung von Verfahren
für die Produktionsplanung. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 159, Paderborn,
2004 – ISBN 3-935433-68-9
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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33102 Paderborn
Bd. 160 MUECK, B.: Eine Methode zur benutzersti-
mulierten detaillierungsvarianten Berech-
nung von diskreten Simulationen von
Materialflüssen. Dissertation, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe, ,
Band 160, Paderborn 2004 – ISBN 3-
935433-69-7
Bd. 161 LANGEN, D.: Abschätzung des Ressour-
cenbedarfs von hochintegrierten mikro-
elektronischen Systemen. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 161, Pader-
born, 2005 – ISBN 3-935433-70-0
Bd. 162 ORLIK, L.: Wissensbasierte Entschei-
dungshilfe für die strategische Produkt-
planung. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 162, Pader-
born, 2005 – ISBN 3-935433-71-9
Bd. 163 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
WALLASCHEK, J. (Hrsg.): 3. Paderborner
Workshop Intelligente mechatronische
Systeme. HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 163, Paderborn, 2005 – ISBN 3-
935433-72-7
Bd. 164 FISCHER, M.: Design, Analysis, and Eval-
uation of a Data Structure for Distributed
Virtual Environments. Dissertation, Fakul-
tät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 164, Pader-
born, 2005 – ISBN 3-935433-73-5
Bd. 165 MATYSCZOK, C.: Dynamische Kantenext-
raktion - Ein Verfahren zur Generierung
von Tracking-Informationen für Augmen-
ted Reality-Anwendungen auf Basis von
3D-Referenzmodellen. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 165, Paderborn, 2005 – ISBN 3-
935433-74-3
Bd. 166 JANIA, T.: Änderungsmanagement auf
Basis eines integrierten Prozess- und
Produktdatenmodells mit dem Ziel einer
durchgängigen Komplexitätsbewertung.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 166, Paderborn,
2005 – ISBN 3-935433-75-1
Bd. 167 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
4. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 167,
Paderborn, 2005 – ISBN 3-935433-76-X
Bd. 168 VOLBERT, K.: Geometric Spanners for
Topology Control in Wireless Networks.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 168, Paderborn, 2005 – ISBN 3-
935433-77-8
Bd. 169 ROSLAK, J.: Entwicklung eines aktiven
Scheinwerfersystems zur blendungs-
freien Ausleuchtung des Verkehrs-
raumes. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 167,
Paderborn, 2005 – ISBN 3-935433-78-6
Bd. 170 EMMRICH, A.: Ein Beitrag zur systemati-
schen Entwicklung produktorientierter
Dienstleistungen. Dissertation, Fakultät
für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 170, Paderborn,
2005 – ISBN 3-935433-79-4
Bd. 171 NOWACZYK, O.: Explorationen: Ein Ansatz
zur Entwicklung hochgradig interaktiver
Lernbausteine. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 171, Pader-
born, 2005 – ISBN 3-935433-80-8
Bd. 172 MAHMOUD, K.: Theoretical and experimen-
tal investigations on a new adaptive duo
servo drum brake with high and constant
brake shoe factor. Dissertation, Fakultät
für Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 172,
Paderborn, 2005 – ISBN 3-935433-81-6
Bd. 173 KLIEWER, G.: Optimierung in der Flug-
planung: Netzwerkentwurf und Flotten-
zuweisung. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 173,
Paderborn, 2005 – ISBN 3-935433-82-4
Bd. 174 BALÁŽOVÁ, M.: Methode zur Leistungs-
bewertung und Leistungssteigerung der
Mechatronikentwicklung. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 174, Paderborn, 2005 – ISBN 3-
935433-83-2
Bd. 175 FRANK, U.: Spezifikationstechnik zur
Beschreibung der Prinziplösung selbst-
optimierender Systeme. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 175, Paderborn, 2005 – ISBN 3-
935433-84-0
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 176 BERGER, T.: Methode zur Entwicklung
und Bewertung innovativer Technologie-
strategien. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 176,
Paderborn, 2005 – ISBN 3-935433-85-9
Bd. 177 BERSSENBRÜGGE, J.: Virtual Nightdrive -
Ein Verfahren zur Darstellung der kom-
plexen Lichtverteilungen moderner
Scheinwerfersysteme im Rahmen einer
virtuellen Nachtfahrt. Dissertation, Fakul-
tät für Maschinenbau, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
177, Paderborn, 2005 – ISBN 3-935433-
86-7
Bd. 178 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 1. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung
Heinz Nixdorf Institut, 3. und 4. Novem-
ber 2005, Schloß Neuhardenberg, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 178, Pader-
born, 2005 – ISBN 3-935433-87-5
Bd. 179 FU, B.: Piezoelectric actuator design via
multiobjective optimization methods. Dis-
sertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 179, Paderborn,
2005 – ISBN 3-935433-88-3
Bd. 180 WALLASCHEK, J.; HEMSEL, T.; MRACEK, M.:
Proceedings of the 2nd International
Workshop on Piezoelectric Materials and
Applications in Actuators. HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 180, Paderborn,
2005 – ISBN 3-935433-89-1
Bd. 181 MEYER AUF DER HEIDE, F.; MONIEN, B.
(Hrsg.): New Trends in Parallel & Dis-
tributed Computing. 6. Internationales
Heinz Nixdorf Symposium, 17. und 18.
Januar 2006, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 181, Paderborn, 2006 – ISBN 3-
939350-00-1
Bd. 182 HEIDENREICH, J.: Adaptierbare Ände-
rungsplanung der Mengen und Kapazitä-
ten in Produktionsnetzwerken der Se-
rienfertigung. Dissertation, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 182, Paderborn, 2006 – ISBN 3-
939350-01-X
Bd. 183 PAPE, U.: Umsetzung eines SCM-Kon-
zeptes zum Liefermanagement in Liefer-
netzwerken der Serienfertigung. Disser-
tation, Fakultät für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 183, Pader-
born, 2006 – ISBN 3-939350-02-8
Bd. 184 BINGER, V.: Konzeption eines wissensba-
sierten Instruments für die strategische
Vorausschau im Kontext der Szenario-
technik. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 184, Pader-
born, 2006 – ISBN 3-939350-03-6
Bd. 185 KRIESEL, C.: Szenarioorientierte Unter-
nehmensstrukturoptimierung – Strategi-
sche Standort- und Produktionsplanung.
Dissertation, Fakultät für Wirtschaftswis-
senschaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 185, Pader-
born, 2006 – ISBN 3-939350-04-4
Bd. 186 KLEIN, J.: Efficient collision detection for
point and polygon based models. Disser-
tation, Fakultät für Elektrotechnik, Infor-
matik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
186, Paderborn, 2006 – ISBN 3-939350-
05-2
Bd. 187 WORTMANN, R.: Methodische Entwicklung
von Echtzeit 3D-Anwendungen für
Schulung und Präsentation. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 187, Paderborn, 2006 – ISBN 3-
939350-06-0
Bd. 188 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
5. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 188,
Paderborn, 2006 – ISBN 3-939350-07-9
Bd. 189 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
TRÄCHTLER, A.; WALLASCHEK, J. (Hrsg.): 4.
Paderborner Workshop Entwurf mecha-
tronischer Systeme. HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 189, Paderborn, 2006 –
ISBN 3-939350-08-7
Bd. 190 DAMEROW, V.: Average and Smoothed
Complexity of Geometric Structures.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 190, Paderborn, 2006 – ISBN 3-
939350-09-5
Bd. 191 GIESE, H.; NIGGEMANN, O. (Hrsg.):
Postworkshop Proceedings of the 3rd
Workshop on Object-oriented Modeling of
Embedded Real-Time Systems (OMER
3), HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 191,
Paderborn, 2006 – ISBN 3-939350-10-9
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bezugsadresse:
Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 192 RADKOWSKI, R.: Anwendung evolutionärer
Algorithmen zur Unterstützung des
Entwurfs selbstoptimierender Systeme.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 192, Paderborn,
2006 – ISBN 3-939350-11-7
Bd. 193 SHEN, Q.: A Method for Composing
Virtual Prototypes of Mechatronic
Systems in Virtual Environments.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 193, Paderborn,
2006 – ISBN 3-939350-12-5
Bd. 194 REDENIUS, A.: Verfahren zur Planung von
Entwicklungsprozessen für
fortgeschrittene mechatronische
Systeme. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 194,
Paderborn, 2006 – ISBN 3-939350-13-3
Bd. 195 KUHL, P.: Anpassung der Lichtverteilung
des Abblendlichtes an den vertikalen
Straßenverlauf. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 195,
Paderborn, 2006 – ISBN 3-939350-14-1
Bd. 196 MICHELS, J. S.: Integrative Spezifikation
von Produkt- und Produktionssystem-
konzeptionen. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 196,
Paderborn, 2006 – ISBN 3-939350-15-X
Bd. 197 RIPS, S.: Adaptive Steuerung der Lastver-
teilung datenparalleler Anwendungen in
Grid-Umgebungen. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 197, Pader-
born, 2006 – ISBN 3-939350-16-8
Bd. 198 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 2. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung
Heinz Nixdorf Institut, 9. und 10. Novem-
ber 2006, Schloß Neuhardenberg, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 198, Pader-
born, 2006 – ISBN 3-939350-17-6
Bd. 199 FRANKE, W.: Wiederverwendungsorien-
tierte Herleitung von Inter-Fachkompo-
nentenkonzepten für Lagerverwaltungs-
softwaresysteme. Dissertation, Fakultät
für Wirtschaftswissenschaften, Universi-
tät Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 199, Paderborn, 2006 – ISBN 978-
3-939350-18-7
Bd. 200 SCHEIDELER, P.: Ein Beitrag zur
erfahrungsbasierten Selbstoptimierung
einer Menge technisch homogener
fahrerloser Fahrzeuge. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 200, Paderborn,
2006 – ISBN 978-3-939350-19-4
Bd. 201 KÖSTERS, C.: Ein ontologiebasiertes
Modell zur Beschreibung der Abläufe in
einem Produktionssystem unter beson-
derer Berücksichtigung einer diskreten
Produktion. Dissertation, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 201, Paderborn, 2006 – ISBN 978-
3-939350-20-0
Bd. 202 HALFMEIER, S.: Modellierung und
Regelung von Halbtoroidvariationen in
leistungsverzweigten Getriebestrukturen.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 202, Paderborn,
2006 – ISBN 978-3-939350-21-7
Bd. 203 RÜHRUP, S.: Position-based Routing
Strategies. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 203, Pader-
born, 2006 – ISBN 978-3-939350-22-4
Bd. 204 SCHMIDT, A.: Wirkmuster zur Selbstop-
timierung – Konstrukte für den Entwurf
selbstoptimierender Systeme. Disser-
tation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 204, Paderborn,
2006 – ISBN 978-3-939350-23-1
Bd. 205 IHMOR, S.: Modeling and Automated
Synthesis of Reconfigurable Interfaces.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 205, Paderborn, 2006 – ISBN 978-
3-939350-24-8
Bd. 206 ECKES, R.: Augmented Reality – basiertes
Verfahren zur Unterstützung des
Anlaufprozesses von automatisierten
Fertigungssystemen. Dissertation, Fakul-
tät für Maschinenbau, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
206, Paderborn, 2007 – ISBN 978-3-
939350-25-5
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bezugsadresse:
Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 207 STEFFEN, D.: Ein Verfahren zur Produkt-
strukturierung für fortgeschrittene
mechatronische Systeme. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 207, Paderborn, 2007 – ISBN 978-
3-939350-26-2
Bd. 208 LAROQUE, C.: Ein mehrbenutzerfähiges
Werkzeug zur Modellierung und rich-
tungsoffenen Simulation von wahlweise
objekt- und funktionsorientiert geglieder-
ten Fertigungssystemen. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 208, Paderborn,
2007 – ISBN 978-3-939350-27-9
Bd. 209 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
6. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 209,
Paderborn, 2007 – ISBN 978-3-939350-
28-6
Bd. 210 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
TRÄCHTLER, A.; WALLASCHEK, J. (Hrsg.): 5.
Paderborner Workshop Entwurf mecha-
tronischer Systeme. HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 210, Paderborn, 2007 –
ISBN 978-3-939350-29-3
Bd. 211 KAUSCHKE, R.: Systematik zur licht-
technischen Gestaltung von aktiven
Scheinwerfern. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 211,
Paderborn, 2007 – ISBN 978-3-939350-
30-9
Bd. 212 DU, J.: Zellen-basierte Dienst-Entdeck-
ung für Roboternetzwerke. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 212, Pader-
born, 2007 – ISBN 978-3-939350-31-6
Bd. 213 DANNE, K.: Real-Time Multitasking in
Embedded Systems Based on Recon-
figurable Hardware. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 213, Pader-
born, 2007 – ISBN 978-3-939350-32-3
Bd. 214 EICKHOFF, R.: Fehlertolerante neuronale
Netze zur Approximation von Funktionen.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 214, Paderborn, 2007 – ISBN 978-
3-939350-33-0
Bd. 215 KÖSTER, M.: Analyse und Entwurf von
Methoden zur Ressourcenverwaltung
partiell rekonfigurierbarer Architekturen.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 215, Paderborn, 2007 – ISBN 978-
3-939350-34-7
Bd. 216 RÜCKERT, U.; SITTE, J.; WITKOWSKI, U.:
Proceedings of the 4th International
Symposium on Autonomous Minirobots
for Research and Edutainment –
AMiRE2007. Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 216, Paderborn, 2007 – ISBN 978-
3-939350-35-4
Bd. 217 PHAM VAN, T.: Proactive Ad Hoc Devices
for Relaying Real-Time Video Packets.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 217, Paderborn, 2007 – ISBN 978-
3-939350-36-1
Bd. 218 VIENENKÖTTER, A.: Methodik zur Entwick-
lung von Innovations- und Technologie-
Roadmaps. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 218,
Paderborn, 2007 – ISBN 978-3-939350-
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Bd. 219 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 3. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung
Heinz Nixdorf Institut, 29. und 30. No-
vember 2007, Miele & Cie. KG Gütersloh,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 219,
Paderborn, 2007 – ISBN 978-3-939350-
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Bd. 220 FRÜND, J.: Eine Architekurkonzeption für
eine skalierbare mobile Augmented
Reality Anwendung für die Produkt-
präsentation. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 220,
Paderborn, 2007 – ISBN 978-3-939350-
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Bd. 221 PEITZ, T.: Methodik zur Produktoptimie-
rung mechanisch elektronischer Bau-
gruppen durch die Technologie MID
(Molded Interconnect Devices). Disser-
tation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 221, Paderborn,
2007 – ISBN 978-3-939350-40-8
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bd. 222 MEYER AUF DER HEIDE, F. (Hrsg.): The
European Integrated Project “Dyna-
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Systems (DELIS)”, Proceedings of the
Final Workshop, Barcelona, February 27-
28, 2008, Fakultät für Elektrotechnik, In-
formatik und Mathematik, Universität Pa-
derborn, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
222, Paderborn, 2008 – ISBN 978-3-
939350-41-5
Bd. 223 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.
(Hrsg.): Self-optimizing Mechatronic
Systems: Design the Future. 7. Inter-
nationales Heinz Nixdorf Symposium, 20.
und 21. Februar 2008, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 223, Paderborn,
2008 – ISBN 978-3-939350-42-2
Bd. 224 RATH, M.: Methode zur Entwicklung hyb-
rider Technologie- und Innovationsstrate-
gien – am Beispiel des Automobils.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 224, Paderborn,
2008 – ISBN 978-3-939350-43-9
Bd. 225 GRÜNEWALD, M.: Protokollverarbeitung mit
integrierten Multiprozessoren in
drahtlosen Ad-hoc-Netzwerken.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 225, Paderborn, 2008 – ISBN 978-
3-939350-44-6
Bd. 226 STRAUSS, S.: Theoretische und experi-
mentelle Untersuchungen zum Einsatz
gepulster Halbleiterlichtquellen in der
Kraftfahrzeugbeleuchtung. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 226, Paderborn, 2008 – ISBN 978-
3-939350-45-3
Bd. 227 ZEIDLER, C.: Systematik der Materialfluss-
planung in der frühen Phase der Produk-
tionssystementwicklung. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 227, Paderborn, 2008 – ISBN 978-
3-939350-46-0
Bd. 228 PARISI, S.: A Method for the intelligent
Authoring of 3D Animations for Training
and Maintenance. Dissertation, Fakultät
für Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 228,
Paderborn, 2008 – ISBN 978-3-939350-
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Bd. 229 DITTMANN, F.: Methods to Exploit Recon-
figurable Fabrics. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 229, Pader-
born, 2008 – ISBN 978-3-939350-48-4
Bd. 230 TONIGOLD, C.: Programm-, Ressourcen-
und Prozessoptimierung als Bestandteile
der Anpassungsplanung von spanenden
Fertigungssystemen in der Fließfertigung
von Aggregaten. Dissertation, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 230, Paderborn, 2008– ISBN 978-
3-939350-49-1
Bd. 231 BRANDT, T.: A Predictive Potential Field
Concept for Shared Vehicle Guidance.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 231, Paderborn,
2008 – ISBN 978-3-939350-50-7
Bd. 232 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
7. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 232,
Paderborn, 2008 – ISBN 978-3-939350-
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Bd. 233 CHANG, H.: A Methodology for the Iden-
tification of Technology Indicators.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 233, Paderborn,
2008 – ISBN 978-3-939350-52-1
Bd. 234 ADELT, P.; DONOTH, J.; GAUSEMEIER, J.;
GEISLER, J.; HENKLER, S.; KAHL, S.; KLÖP-
PER, B.; KRUPP, A.; MÜNCH, E.; OBERTHÜR,
S.; PAIZ, C.; PORRMANN, M.; RADKOWSKI,
R.; ROMAUS, C.; SCHMIDT, A.; SCHULZ, B.;
TSCHEUSCHNER, T.; VÖCKING, H.; WITKOWS-
KI, U.; WITTING, K.; ZNAMENSHCHYKOV, O.:
Selbstoptimierende Systeme des Ma-
schinenbaus – Definitionen, Anwendung-
en, Konzepte. HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 234, Paderborn, 2009 – ISBN 978-
3-939350-53-8
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Universität Paderborn
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33102 Paderborn
Bd. 235 DELL’AERE, A.; HIRSCH, M.; KLÖPPER, B.;
KOESTER, M.; KRÜGER, M.; KRUPP, A.;
MÜLLER, T.; OBERTHÜR, S.; POOK, S.;
PRIESTERJAHN, C.; ROMAUS, C.; SCHMIDT,
A.; SONDERMANN-WÖLKE, C.; TICHY, M.;
VÖCKING, H.; ZIMMER, D.: Verlässlichkeit
selbstoptimierender Systeme – Poten-
ziale nutzen und Risiken vermeiden. HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 235, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-54-5
Bd. 236 GEHRKE, M.; GIESE, H.; STROOP J.:
Proceedings of the 4th Workshop on
Object-oriented Modeling of Embedded
Real-Time Systems (OMER4), Universi-
tät Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 236, Paderborn, 2008 – ISBN 978-
3-939350-55-2
Bd. 237 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 4. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung
Heinz Nixdorf Institut, 30. und 31. Okto-
ber 2008, Brandenburgische Akademie
der Wissenschaften, Berlin, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 237, Paderborn,
2008 – ISBN 978-3-939350-56-9
Bd. 238 BRÖKELMANN, M.: Entwicklung einer
Methodik zur Online-Qualitätsüberwach-
ung des Ultraschall-Drahtbondprozesses
mittels integrierter Mikrosensorik. Disser-
tation, Fakultät für Maschinenbau, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 238, Paderborn, 2008 –
ISBN 978-3-939350-57-6
Bd. 239 KETTELHOIT, B.: Architektur und Entwurf
dynamisch rekonfigurierbarer FPGA-
Systeme. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 239, Pader-
born, 2008 – ISBN 978-3-939350-58-3
Bd. 240 ZAMBALDI, M.: Concepts for the develop-
ment of a generic Multi-Level Test Bench
covering different areas of applications.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 240, Paderborn, 2008 – ISBN 978-
3-939350-59-0
Bd. 241 OBERSCHELP, O.: Strukturierter Entwurf
selbstoptimierender mechatronischer
Systeme. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 241,
Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-939350-
60-6
Bd. 242 STOLLT, G.: Verfahren zur strukturierten
Vorausschau in globalen Umfeldern pro-
duzierender Unternehmen. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 242, Paderborn, 2009 – ISBN 978-
3-939350-61-3
Bd. 243 WENZELMANN, C.: Methode zur zukunfts-
orientierten Entwicklung und Umsetzung
von Strategieoptionen unter Berücksich-
tigung des antizipierten Wettbewerbsver-
haltens. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 243, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-62-0
Bd. 244 BRÜSEKE, U.: Einsatz der Bibliometrie für
das Technologiemanagement. Disserta-
tion, Fakultät für Maschinenbau, Univer-
sität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 244, Paderborn, 2009 –
ISBN 978-3-939350-63-7
Bd. 245 TIMM, T.: Ein Verfahren zur hierarchisch-
en Struktur-, Dimensions- und Material-
bedarfsplanung von Fertigungssystemen.
Dissertation, Fakultät für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 245,
Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-939350-
64-4
Bd. 246 GRIESE, B.: Adaptive Echtzeitkommuni-
kationsnetze. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 246, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-65-1
Bd. 247 NIEMANN, J.-C.: Ressourceneffiziente
Schaltungstechnik eingebetteter Parallel-
rechner. Dissertation, Fakultät für Elek -
trotechnik, Informatik und Mathematik,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 247, Paderborn,
2009 – ISBN 978-3-939350-66-8
Bd. 248 KAISER, I.: Systematik zur Entwicklung
mechatronischer Systeme in der Tech-
nologie MID. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 248,
Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-939350-
67-5
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bezugsadresse:
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Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 249 GANS, J. E.: Neu- und Anpassungspla-
nung der Struktur von getakteten Fließ-
produktionssystemen für variantenreiche
Serienprodukte in der Montage. Disser-
tation, Fakultät für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 249, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-68-2
Bd. 250 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
TRÄCHTLER, A. (Hrsg.): 6. Paderborner
Workshop Entwurf mechatronischer Sys-
teme. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
250, Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-
939350-69-9
Bd. 251 LESSMANN, J.: Protocols for Telephone
Communications in Wireless Multi-Hop
Ad Hoc Networks. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Mathe-
matik, Universität Paderborn, HNI-Ver-
lagsschriftenreihe, Band 251, Paderborn,
2009 – ISBN 978-3-939350-70-5
Bd. 252 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
8. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 252,
Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-939350-
71-2
Bd. 253 KLÖPPER, B.: Ein Beitrag zur Verhaltens-
planung für interagierende intelligente
mechatronische Systeme in nicht-deter-
ministischen Umgebungen. Dissertation,
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 253, Paderborn,
2009 – ISBN 978-3-939350-72-9
Bd. 254 LOW, C. Y.: A Methodology to Manage the
Transition from the Principle Solution to-
wards the Controller Design of Advanced
Mechatronic Systems. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 254, Paderborn, 2009 – ISBN 978-
3-939350-73-6
Bd. 255 XU, F.: Resource-Efficient Multi-Antenna
Designs for Mobile Ad Hoc Networks.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 255, Paderborn, 2009 – ISBN 978-
3-939350-74-3
Bd. 256 MÜLLER, T.: Integration von Verlässlich-
keitsanalysen und -konzepten innerhalb
der Entwicklungsmethodik mechatro-
nischer Systeme. Dissertation, Fakultät
für Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 256,
Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-939350-
75-0
Bd. 257 BONORDEN, O.: Versatility of Bulk Syn-
chronous Parallel Computing: From the
Heterogeneous Cluster to the System on
Chip. Dissertation, Fakultät für Elektro-
technik, Informatik und Mathematik, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 257, Paderborn, 2009 –
ISBN 978-3-939350-76-7
Bd. 258 KORTENJAN, M.: Size Equivalent Cluster
Trees - Rendering CAD Models in Indus-
trial Scenes. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathema-
tik, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 258, Paderborn,
2009 – ISBN 978-3-939350-77-4
Bd. 259 SCHOMAKER, G.: Distributed Resource
Allocation and Management in Hetero-
geneous Networks. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 259, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-78-1
Bd. 260 MENSE, M.: On Fault-Tolerant Data Place-
ment in Storage Networks. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 260, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-79-8
Bd. 261 LÜRWER-BRÜGGEMEIER, K.: Mächtigkeit
und Komplexität von Berechnungen mit
der ganzzahligen Division. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 261, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-80-4
Bd. 262 ALTEMEIER, S.: Kostenoptimale Kapazi-
tätsabstimmung in einer getakteten
Variantenfließlinie unter expliziter Be-
rücksichtigung des Unterstützereinsatzes
und unterschiedlicher Planungszeit-
räume. Dissertation, Fakultät für Wirt-
schaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 262, Paderborn, 2009 – ISBN 978-
3-939350-81-1
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Bezugsadresse:
Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 263 MAHAJAN, K.: A combined simulation and
optimization based method for predictive-
reactive scheduling of flexible production
systems subject to execution exceptions.
Dissertation, Fakultät für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 263,
Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-939350-
82-8
Bd. 264 CHRISTIANSEN, S. K.: Methode zur Klassi-
fikation und Entwicklung reifegradbasier-
ter Leistungsbewertungs- und Leistungs-
steigerungsmodelle. Dissertation, Fakul-
tät für Maschinenbau, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
264, Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-
939350-83-5
Bd. 265 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 5. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung,
Heinz Nixdorf Institut, 19. und 20. No-
vember 2009, Brandenburgische Aka-
demie der Wissenschaften, Berlin, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 265, Pader-
born, 2009 – ISBN 978-3-939350-84-2
Bd. 266 KAULMANN,T.: Ressourceneffiziente
Realisierung Pulscodierter Neuronaler
Netze. Dissertation, Fakultät für Elektro-
technik, Informatik und Mathematik, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 266, Paderborn, 2009 –
ISBN 978-3-939350-85-9
Bd. 267 WEHRMEISTER, M. A.: An Aspect-Oriented
Model-Driven Engineering Approach for
Distributed Embedded Real-Time Sys-
tems. Dissertation, Fakultät für Elektro-
technik, Informatik und Mathematik, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 267, Paderborn, 2009 –
ISBN 978-3-939350-86-6
Bd. 268 DANNE, C.: Assessing the Cost of Assort-
ment Complexity in Consumer Goods
Supply Chains by Reconfiguration of
Inventory and Production Planning
Parameters in Response to Assortment
Changes. Dissertation, Fakultät für Wirt-
schaftswissenschaften, Universität Pa-
derborn, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
268, Paderborn, 2009 – ISBN 978-3-
939350-87-3
Bd. 269 AUFENANGER, M.: Situativ trainierte
Regeln zur Ablaufsteuerung in Ferti-
gungssystemen und ihre Integration in
Simulationssysteme. Dissertation, Fakul-
tät für Wirtschaftswissenschaften, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 269, Paderborn, 2009 –
ISBN 978-3-939350-88-0
Bd. 270 STOLL, K.: Planung und Konzipierung von
Marktleistungen. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 270,
Paderborn, 2010 – ISBN 978-3-939350-
89-7
Bd. 271 IHMELS, S.: Verfahren zur integrierten
informationstechnischen Unterstützung
des Innovationsmanagements. Disserta-
tion, Fakultät für Maschinenbau, Univer-
sität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 271, Paderborn, 2010 –
ISBN 978-3-939350-90-3
Bd. 272 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
TRÄCHTLER, A. (Hrsg.): 7. Paderborner
Workshop Entwurf mechatronischer Sys-
teme. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
272, Paderborn, 2010 – ISBN 978-3-
939350-91-0
Bd. 273 PURNAPRAJNA,M.: Run-time Reconfigu-
rable Multiprocessors. Dissertation, Fa-
kultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 273, Pader-
born, 2010 – ISBN 978-3-939350-92-7
Bd. 274 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M. (Hrsg.):
9. Paderborner Workshop Augmented &
Virtual Reality in der Produktentstehung.
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 274,
Paderborn, 2010 – ISBN 978-3-939350-
93-4
Bd. 275 WEDMAN, S.: Lebensdauerüberwachung
in mechatronischen Systemen. Disserta-
tion, Fakultät für Maschinenbau, Univer-
sität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 275, Paderborn, 2010 –
ISBN 978-3-939350-94-1
Bd. 276 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 6. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung,
Heinz Nixdorf Institut, 28. und 29. Okto-
ber 2010, Brandenburgische Akademie
der Wissenschaften, Berlin, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 276, Paderborn,
2010 – ISBN 978-3-939350-95-8
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Heinz Nixdorf Institut
Universität Paderborn
Fürstenallee 11
33102 Paderborn
Bd. 277 HUBER, D.: Geregelte Vereinfachung
hierarchischer Partitionen von Modellen
in der Materialflusssimulation. Disserta-
tion, Fakultät für Wirtschaftswissenschaf-
ten, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 277, Paderborn,
2010 – ISBN 978-3-939350-96-5
Bd. 278 DEGENER, B.: Local, distributed approxi-
mation algorithms for geometric assign-
ment problems. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathema-
tik, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 278, Paderborn,
2010 – ISBN 978-3-939350-97-2
Bd. 279 WARKENTIN, A.: Systematik zur funktions-
orientierten Modellierung von Elektrik/
Elektronik-Systemen über den Produkt-
lebenszyklus. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 279,
Paderborn, 2010 – ISBN 978-3-939350-
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Bd. 280 BRINK, V.: Verfahren zur Entwicklung
konsistenter Produkt- und Technologie-
strategien. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 280,
Paderborn, 2010 – ISBN 978-3-939350-
99-6
Bd. 281 SAMARA, S.: Adaptable OS Services for
Distributed Reconfigurable Systems on
Chip. Dissertation, Fakultät für Elektro-
technik, Informatik und Mathematik, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 281, Paderborn, 2010 –
ISBN 978-3-942647-00-7
Bd. 282 BIENKOWSKI, M.: Page migration in dyna-
mic networks. Dissertation, Fakultät für
Elektrotechnik, Informatik und Mathema-
tik, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 282, Paderborn,
2010 – ISBN 978-3-942647-01-4
Bd. 283 MAHLMANN, P.: Peer-to-peer networks
based on random graphs. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 283, Pader-
born, 2010 – ISBN 978-3-942647-02-1
Bd. 284 DYNIA, M.: Collective graph exploration.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 284, Paderborn, 2010 – ISBN 978-
3-942647-03-8
Bd. 285 POHL,C.: Konfigurierbare Hardwarebe-
schleuniger für selbst-organisierende
Karten. Dissertation, Fakultät für Elektro-
technik, Informatik und Mathematik, Uni-
versität Paderborn, HNI-Verlagsschriften-
reihe, Band 285, Paderborn, 2011 –
ISBN 978-3-942647-04-5
Bd. 286 DUMITRESCU, R.: Entwicklungssystematik
zur Integration kognitiver Funktionen in
fortgeschrittene mechatronische Syste-
me. Dissertation, Fakultät für Maschinen-
bau, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 286, Paderborn,
2011 – ISBN 978-3-942647-05-2
Bd. 287 MEHLER, J.: Power-Aware Online File
Allocation in Dynamic Networks. Disser-
tation, Fakultät für Elektrotechnik, Infor-
matik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
287, Paderborn, 2011 – ISBN 978-3-
942647-06-9
Bd. 288 HARCHENKO, J.: Mechatronischer Entwurf
eines neuartigen aktiven Fahrzeugfede-
rungssystems für PKW unter Verwen-
dung einer reversierbaren Flügelzellen-
pumpe. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 288, Pader-
born, 2011 – ISBN 978-3-942647-07-6
Bd. 289 KORZENIOWSKI, M.: Dynamic Load Balanc-
ing in Peer-to-Peer Networks. Dissertati-
on, Fakultät für Elektrotechnik, Informatik
und Mathematik, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 289,
Paderborn, 2011 – ISBN 978-3-942647-
08-3
Bd. 290 FRAHLING, G.: Algorithms for Dynamic
Geometric Data Streams. Dissertation,
Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und
Mathematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 290, Pader-
born, 2011 – ISBN 978-3-942647-09-0
Bd. 291 REYES PÉREZ, M.: A Specification Tech-
nique for the Conceptual Design of
Manufacturing Systems. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 291, Paderborn, 2011 – ISBN 978-
3-942647-10-6
Bände der HNI-Verlagsschriftenreihe
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Universität Paderborn
Fürstenallee 11
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Bd. 292 STEHR,J.: On the design and implemen-
tation of reliable and economical telema-
tics software architectures for embedded
systems: a domain-specific framework.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 292, Paderborn, 2011 – ISBN 978-
3-942647-11-3
Bd. 293 KRÓL,R.: Eine Reduktionsmethode zur
Ableitung elektromechanischer Ersatz-
modelle für piezoelektrische Wandler
unter Verwendung der Finite-Elemente-
Methode (FEM). Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 293,
Paderborn, 2011 – ISBN 978-3-942647-
12-0
Bd. 294 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
TRÄCHTLER, A. (Hrsg.): 8. Paderborner
Workshop Entwurf mechatronischer Sys-
teme. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
294, Paderborn, 2011 – ISBN 978-3-
942647-13-7
Bd. 295 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M.; MEYER AUF
DER HEIDE, F. (Hrsg.): 10. Paderborner
Workshop Augmented & Virtual Reality in
der Produktentstehung. HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 295, Paderborn,
2011 – ISBN 978-3-942647-14-4
Bd. 296 POOK, S.: Eine Methode zum Entwurf von
Zielsystemen selbstoptimierender
mechatronischer Systeme. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 296, Paderborn, 2011 – ISBN 978-
3-942647-15-1
Bd. 297 MRACEK,M.: Untersuchung des dyna-
mischen Verhaltens gekoppelter piezo-
elektrischer Ultraschallmotoren mit Stoß-
kontakt. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 297, Pader-
born, 2011 – ISBN 978-3-942647-16-8
Bd. 298 GEHWEILER, J.: Peer-to-Peer Based Paral-
lel Web Computing. Dissertation, Fakultät
für Elektrotechnik, Informatik und Ma-
thematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 298, Pader-
born, 2011 – ISBN 978-3-942647-17-5
Bd. 299 BRUNS, T.: Trajektorienplanung mittels
Diskretisierung und kombinatorischer
Optimierung am Beispiel des autono-
men Kreuzungsmanagements für Kraft-
fahrzeuge. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 299, Pader-
born, 2011 – ISBN 978-3-942647-18-2
Bd. 300 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 7. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung,
Heinz Nixdorf Institut, 24. und 25. No-
vember 2011, Brandenburgische Aka-
demie der Wissenschaften, Berlin, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 300, Pader-
born, 2011 – ISBN 978-3-942647-19-9
Bd. 301 SALFELD, M.: Konzeption eines Regel-
ungssystems zur gezielten Beeinflussung
der Fahrdynamik in Unfallsituationen.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 301, Paderborn,
2012 – ISBN 978-3-942647-20-5
Bd. 302 KEMPKES, B.: Local Strategies for Robot
Formation Problems. Dissertation, Fakul-
tät für Elektrotechnik, Informatik und Ma-
thematik, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 302, Pader-
born, 2012 – ISBN 978-3-942647-21-2
Bd. 303 DELIUS, R.: Sicherstellen der Abrufe bei
Automotive-Zulieferern mit minimalen
Kosten unter besonderer Berücksichti-
gung von Liquiditäts-, Beschäftigungs-,
Knowhow- und IT-Restriktionen. Disser-
tation, Fakultät für Wirtschaftswissen-
schaften, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 303, Pader-
born, 2012 – ISBN 978-3-942647-22-9
Bd. 304 NORDSIEK, D.: Systematik zur Konzipier-
ung von Produktionssystemen auf Basis
der Prinziplösung mechatronischer Sys-
teme. Dissertation, Fakultät für Maschi-
nenbau, Universität Paderborn, HNI-Ver-
lagsschriftenreihe, Band 304, Paderborn,
2012 – ISBN 978-3-942647-23-6
Bd. 305 KREFT, S.: Systematik zur effizienten Bil-
dung geospezifischer Umgebungsmo-
delle für Fahrsimulationen. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 305, Paderborn, 2012 – ISBN 978-
3-942647-24-3
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Bd. 306 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 8. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung,
Heinz Nixdorf Institut, 6. und 7. Dezem-
ber 2012, Brandenburgische Akademie
der Wissenschaften, Berlin, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 306, Paderborn,
2012 – ISBN 978-3-942647-25-0
Bd. 307 REYMANN, F.: Verfahren zur Strategieent-
wicklung und -umsetzung auf Basis einer
Retropolation von Zukunftsszenarien.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 307, Paderborn,
2013 – ISBN 978-3-942647-26-7
Bd. 308 KAHL, S.: Rahmenwerk für einen selbst-
optimierenden Entwicklungsprozess
fortschrittlicher mechatronischer Syste-
me. Dissertation, Fakultät für Maschinen-
bau, Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 308, Paderborn,
2013 – ISBN 978-3-942647-27-4
Bd. 309 WASSMANN, H.: Systematik zur Entwick-
lung von Visualisierungstechniken für die
visuelle Analyse fortgeschrittener mecha-
tronischer Systeme in VR-Anwendungen.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlagsschrif-
tenreihe, Band 309, Paderborn, 2013 –
ISBN 978-3-942647-28-1
Bd. 310 GAUSEMEIER, J.; RAMMIG, F.; SCHÄFER, W.;
TRÄCHTLER, A. (Hrsg.): 9. Paderborner
Workshop Entwurf mechatronischer Sys-
teme. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
310, Paderborn, 2013 – ISBN 978-3-
942647-29-8
Bd. 311 GAUSEMEIER, J.; GRAFE, M.; MEYER AUF
DER HEIDE, F. (Hrsg.): 11. Paderborner
Workshop Augmented & Virtual Reality in
der Produktentstehung. HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 311, Paderborn,
2013 – ISBN 978-3-942647-30-4
Bd. 312 BENSIEK, T.: Systematik zur reifegrad-
basierten Leistungsbewertung und
-steigerung von Geschäftsprozessen im
Mittelstand. Dissertation, Fakultät für
Maschinenbau, Universität Paderborn,
HNI-Verlagsschriftenreihe, Band 312,
Paderborn, 2013 – ISBN 978-3-942647-
31-1
Bd. 313 KOKOSCHKA, M.: Verfahren zur Konzi-
pierung imitationsgeschützter Produkte
und Produktionssysteme. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 313, Paderborn, 2013 – ISBN 978-
3-942647-32-8
Bd. 314 VON DETTEN, M.: Reengineering of
Component-Based Software Systems in
the Presence of Design Deficiencies.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 314, Paderborn, 2013 – ISBN 978-
3-942647-33-5
Bd. 315 MONTEALEGRE AGRAMONT, N. A.: Immun-
orepairing of Hardware Systems. Disser-
tation, Fakultät für Elektrotechnik, Infor-
matik und Mathematik, Universität Pader-
born, HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
315, Paderborn, 2013 – ISBN 978-3-
942647-34-2
Bd. 316 DANGELMAIER, W.; KLAAS, A.; LAROQUE, C.:
Simulation in Produktion und Logistik
2013. HNI-Verlagsschriftenreihe, Band
316, Paderborn, 2013 – ISBN 978-3-
942647-35-9
Bd. 317 PRIESTERJAHN, C.: Analyzing Self-healing
Operations in Mechatronic Systems.
Dissertation, Fakultät für Elektrotechnik,
Informatik und Mathematik, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 317, Paderborn, 2013 – ISBN 978-
3-942647-36-6
Bd. 318 GAUSEMEIER, J. (Hrsg.): Vorausschau und
Technologieplanung. 9. Symposium für
Vorausschau und Technologieplanung,
Heinz Nixdorf Institut, 5. und 6. Dezember
2013, Berlin-Brandenburgische Akademie
der Wissenschaften, Berlin, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 318, Paderborn, 2013
– ISBN 978-3-942647-37-3
Bd. 319 GAUSEMEIER, S.: Ein Fahrerassistenz-
system zur prädiktiven Planung energie-
und zeitoptimaler Geschwindigkeitsprofile
mittels Mehrzieloptimierung. Dissertation,
Fakultät für Maschinenbau, Universität
Paderborn, HNI-Verlagsschriftenreihe,
Band 319, Paderborn, 2013 – ISBN 978-
3-942647-38-0
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33102 Paderborn
Bd. 320 GEISLER, J.: Selbstoptimierende Spur-
führung für ein neuartiges Schienen-
fahrzeug. Dissertation, Fakultät für Ma-
schinenbau, Universität Paderborn, HNI-
Verlagsschriftenreihe, Band 320, Pader-
born, 2013 – ISBN 978-3-942647-39-7
Bd. 321 MÜNCH, E.: Selbstoptimierung verteilter
mechatronischer Systeme auf Basis
paretooptimaler Systemkonfigurationen.
Dissertation, Fakultät für Maschinenbau,
Universität Paderborn, HNI-Verlags-
schriftenreihe, Band 321, Paderborn, 2014
– ISBN 978-3-942647-40-3
Bd. 322 RENKEN, H.: Acceleration of Material Flow
Simulations - Using Model Coarsening by
Token Sampling and Online Error
Estimation and Accumulation Controlling.
Dissertation, Fakultät für Wirtschafts-
wissenschaften, Universität Paderborn,
HNI-Verlags-schriftenreihe, Band 322,
Paderborn, 2014 – ISBN 978-3-942647-
41-0
Bd. 323 KAGANOVA, E.: Robust solution to the
CLSP and the DLSP with uncertain
demand and online information base.
Dissertation, Fakultät für
Wirtschaftswissenschaften, Universität
Paderborn, HNI-Verlags-schriftenreihe,
Band 323, Paderborn, 2014 – ISBN 978-
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