scieee Science in your language
[en] (orig)
Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2015
Franziska Klatt*
Information Expert Passport Blended-Learning-
Programm zur Vermittlung von Informations-
kompetenz der Bibliothek Wirtschaft &
Management der Technischen Universität Berlin
DOI 10.1515/bfp-2015-0046
Zusammenfassung: Der Information Expert Passport ist
ein Programm zur Vermittlung von Informationskom-
petenz vom Studienanfänger bis hin zum Promovierenden
der Bibliothek Wirtschaft & Management der Technischen
Universität Berlin. Es kombiniert szenariobasierte Lern-
videos in Comic-Form und Leitfäden mit Präsenzveranstal-
tungen für eine nachhaltige Wissensvermittlung. Alle
Lernelemente beziehen sich auf vier Informationskom-
petenz-Dimensionen. Teilnehmer sammeln mit ihrem per-
sönlichen Passport Stempel für absolvierte Lernelemente.
Schlüsselwörter: Informationskompetenz; Blended Lear-
ning; Lernvideos
Information Expert Passport Blended Learning-based
Program for the Dissemination of Information Literacy
Skills of the Bibliothek Wirtschaft & Management of the
Technische Universität Berlin
Abstract: The Information Expert Passport is a program of
the Bibliothek Wirtschaft & Management of the Technische
Universität Berlin based on a blended learning approach
for the dissemination of information literacy to first semes-
ter students through to PhD students. It combines scena-
rio-based cartoon-style video tutorials and handbooks
with classroom trainings. It focusses on sustainable
knowledge transfer. All learning components are derived
from four information literacy dimensions. Participants
collect stamps for completing learning components.
Keywords: Information literacy; blended learning; video
tutorials
1 Die Bibliothek Wirtschaft &
Management
Die Bibliothek Wirtschaft & Management 1968 als Wirt-
schaftswissenschaftliche Dokumentation gegründet ge-
hört zur Fakultät VII Wirtschaft und Management der
Technischen Universität Berlin. Ihre primäre Nutzergruppe
sind ca. 4000 Studierende und 250 Forschende der Fakul-
tät VII.
1
Der Sammelschwerpunkt der Bibliothek liegt auf
den Fächern Wirtschaftswissenschaften, Recht und Statis-
tik. Zum Dienstleistungsportfolio zählen darüber hinaus
eine Bibliotheksapp, Library Toolbars, Gruppenarbeitsräu-
me, Auftragsrecherchen und vieles mehr. 2013 erhielt die
Bibliothek für ihr umfassendes Qualitätsmanagement für
drei Jahre das Zertifikat Ausgezeichnete Bibliothek. Das
Bibliotheksteam besteht aus 12 festangestellten Mitarbei-
tern, von denen 5 mit der Vermittlung von Informations-
kompetenz betraut sind, und zahlreichen studentischen
Mitarbeitern.
2 Hintergrund und Motivation des
Projektes
Der Information Expert Passport (IEP) ist ein auf einem
Blended-Learning-Ansatz basierendes Programm zur Ver-
mittlung von Informationskompetenz (IK). Bei der Vermitt-
lung von IK stand die Bibliothek vor verschiedenen He-
rausforderungen. So verfügt die Bibliothek für diese
Aufgabe nur über begrenzte personelle Ressourcen. Des
Weiteren stehen in den einzelnen Lehrveranstaltungen der
*Kontaktperson: Dr. Franziska Klatt, [email protected]
1http://www.wm.tu-berlin.de/menue/ueber_uns/fakultaet_in_zah
len/ (Zugriff am 11.06.2015).
BIBLIOTHEK Forschung und Praxis 2015; 39(3): 334341
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
Fakultät Wirtschaft und Management meist nur 24 Termi-
ne im Semester für Bibliotheksschulungen zur Verfügung.
Schließlich wird die Relevanz der Schlüsselqualifikation
IK von den Zielgruppen oft noch gering eingeschätzt. Zur
Überwindung der aufgeführten Herausforderungen wurde
das Information-Expert-Passport-Programm entwickelt.
3 Konzept
Zunächst wurde eine Analyse verschiedener Informations-
kompetenz-Modelle und Standards wie den Standards der
Society of College, der National and University Libraries
SCONUL, den Standards der Association of College & Re-
search Libraries ACRL und den Standards des Deutschen
Bibliotheksverbandes durchgeführt.
2
Eine Bewertung führ-
te zu dem Ergebnis, die Standards des Deutschen Biblio-
theksverbandes in die Teilkompetenzen Informations-
bedarf definieren, Informationen finden, Informationen
bewerten sowie Informationen verarbeiten & präsentieren
zu differenzieren. Dabei wurden die fünfte IK-Dimension
des DBVs der verantwortungsvolle Umgang bei der Nut-
zung und Weitergabe von Informationen und die vierte
IK-Dimension effektive Informationsverarbeitung und
zielgruppengerechte Informationsvermittlung zur Redu-
zierung der Komplexität des Programmes kombiniert.
Des Weiteren wurde dem SCONUL-Modell der Grund-
gedanke übernommen, für jede IK-Dimension verschiede-
ne Fähigkeitsniveaus zu berücksichtigen. Die im SCONUL-
Modell differenzierten Fähigkeitsniveaus Novice (Anfän-
ger), Advanced Beginner (Fortgeschrittener Anfänger),
Competent (Kompetent), Proficient (Geübt) und Expert
(Experte) wurden auf die drei Stufen Anfänger (Studien-
anfänger), Fortgeschrittene (Bachelor- und Masterstudie-
rende) und Experten (Promovierende) fokussiert, um ein
handhabbares und leicht verständliches Programm ent-
wickeln zu können. Für alle drei Fähigkeitsniveaus wur-
den entsprechende Lernelemente für die vier IK-Dimensio-
nen definiert.
Dem IEP liegt ein Blended-Learning-Ansatz zugrunde,
bei dem Präsenzveranstaltungen kombiniert mit E-Lear-
ning-Materialien angeboten werden.
3
Oftmals bieten Bi-
bliotheken E-Tutorials für Studierende und Forschende
losgelöst von Schulungen an, damit sich diese Zielgruppen
das IK-Wissen selber aneignen können.
Eine Integration von E-Learning-Materialien mit Prä-
senzveranstaltungen verspricht ein nachhaltiges Lernen,
da das selbstbestimmte und selbstverantwortliche Lernen
durch die digitalen Anteile gesteigert wird und durch viele
Übungen und einem gegenseitigen Austausch innerhalb
der jeweiligen Zielgruppe in den Präsenzveranstaltungen
das erlernte Wissen stärker im Gedächtnis verankert wird.
Durch das Konzept wird IK-Wissen genau dann vermittelt,
wenn es benötigt wird.
Als E-Learning-Materialien wurden 14 professionelle
Lernvideos in Comic-Form mit integrierten Desktopauf-
nahmen produziert und Leitfäden erstellt. Sie dienen der
Vor- und Nachbereitung von Präsenzveranstaltungen im
Selbststudium. Die Videos sind maximal 5Minuten lang.
Durch ihren Szenarioansatz sind die Videos sehr praxis-
nah. So durchlaufen darin die Studierenden Anna und
Max ihr Studium und erhalten von ihrem Professor be-
stimmte Themen oder Aufgaben. Julia arbeitet an ihrer
Promotion. Alle drei werden bei ihren spezifischen Heraus-
forderungen durch die Bibliothekarin Frau Müller unter-
stützt.
Alle E-Learning-Materialien sind öffentlich über die
Website der Bibliothek sowie deren YouTube-Kanal zu-
gänglich.
4
Innerhalb von Lehrveranstaltungen sind alle E-
Learning-Materialien durch die Online-Lernplattform
ISIS2/Moodle der TU Berlin mit den Präsenzveranstaltun-
gen für eine harmonisierte Lernerfahrung integriert. Ein
Überblicksvideo erklärt den IEP.
5
Insgesamt gibt es auf Anfänger-Niveau 7, auf Fort-
geschrittenen-Niveau 14 und auf Experten-Niveau 8 Lern-
elemente. Eine Übersicht aller Lernelemente ist in Abbil-
dung1 dargestellt.
2SCONUL Working Group on Information Literacy: The SCONUL
Seven Pillars of Information Literacy Core Model For Higher Educati-
on. 2001: http://www.sconul.ac.uk/sites/default/files/documents/co
remodel.pdf (Zugriff am 11.06.2015); SCONUL Advisory Committee on
Information Literacy Information Skills in higher education. briefing
paper: http://www.sconul.ac.uk/sites/default/files/documents/Seve
n_pillars2.pdf (Zugriff am 11.06.2015); Association of College & Re-
search Libraries ACRL: Information Literacy Competency Standards
for Higher Education. 2009: http://www.ala.org/acrl/standards/infor
mationliteracycompetency#ilhed (Zugriff am 11. 06. 2015); Deutscher
Bibliotheksverband e.V. (2009): Standards der Informationskompe-
tenz für Studierende: http://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/
user_upload/Kommissionen/Kom_Dienstleistung/Publikationen/Sta
ndards_InInfokompete_03.07.2009_endg.pdf (Zugriff am 11.06.2015).
3Homann, Benno: Standards und Modelle der Informationskom-
petenz. Kooperationsgrundlage für bibliothekarische Schulungsakti-
vitäten. In: Krauß-Leichert, Ute (Hg.): Teaching Library: eine Kern-
aufgabe für Bibliotheken Frankfurt am Main 2007, S.8199.
4https://www.dbwm.tu-berlin.de/ und http://www.youtube.com/u
ser/TUBerlinDBWM.
5https://youtu.be/j0ZsCYFs70A.
Information Expert Passport 335
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
Für absolvierte Lernelemente sammeln die Teilneh-
mer Stempel in ihrem persönlichen IEP, der gleichzeitig
als Nachweis der erworbenen Fähigkeiten, aber auch dem
Aufzeigen von noch ausstehenden Wissenselementen
dient. Dabei wird zwischen verpflichtenden und optiona-
len Lernelementen unterschieden. Die Teilnahme an den
Präsenzveranstaltungen wird von den Dozenten kontrol-
liert. Die Aneignung der E-Learning-Materialien unterliegt
keiner Kontrolle, sondern wird durch die Teilnehmer selbst
eingetragen. Der Grund hierfür ist, dass sich eine Kontrolle
mit der vorhandenen Infrastruktur der Lernplattform ISIS/
Moodle der TU Berlin nicht vollständig abbilden lässt.
Zusätzlich zum Pass erhalten Teilnehmer ECTS-Punk-
te, wenn sie Teile des Programmes im Rahmen von Lehr-
veranstaltungen der Fakultät absolvieren.
6
Abbildung2
zeigt einen Auszug des IEPs.
Abb.1: Lernelemente des IEPs
6Derzeit ist der IEP in Lehrveranstaltungen von 7 Fachgebieten
eingebunden.
336 Franziska Klatt
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
Der IEP entspricht mit seiner hohen Flexibilität und
der Möglichkeit des selbstgesteuerten Lernens
7
der digita-
lisierten und nachhaltigen Wissensvermittlung in kleinen
Wissenshäppchen
8
sowie mit seiner motivierenden Wir-
kung durch das spielerische Stempelsammeln aktuellen
Trends im Lernverhalten der Zielgruppen.
4 Programmentwicklung
Um das Programm mit Leben zu füllen, wurden zunächst
die zu erlernenden Fähigkeiten für jede IK-Dimension und
jedes Fähigkeitsniveau beschrieben. Dies diente als Aus-
gangspunkt zur Ableitung der einzelnen Lernelemente.
Dabei mussten Lernelemente auf jedem Fähigkeitsniveau
so gestaltet sein, dass alle vier IK-Dimensionen abgedeckt
werden.
Alle Lernelemente wurden in einer Excel-Tabelle (IK-
Mapping) gesammelt und anhand der folgenden Kriterien
mit den genannten Ausprägungen beschrieben:
IK-Dimension (Informationsbedarf definieren, Infor-
mationen finden, Informationen bewerten, Informa-
tionen verarbeiten & präsentieren)
Fähigkeitsniveau (Anfänger, Fortgeschrittene, Exper-
ten)
Lernziele des Lernelements (diverse)
Inhalte (diverse)
Verbindlichkeit (verpflichtend, optional)
Typ (Präsenzveranstaltung, E-Learning)
Form (Lernvideo, Leitfaden als Präsentation, Leitfa-
den als Word-Dokument, Schulung, Workshop)
Dauer/Umfang (Minuten, Seitenanzahl)
Durch die übersichtliche Darstellung wurde sichergestellt,
dass alle Fähigkeiten abgedeckt werden. Die Programm-
entwicklung war ein iterativer Prozess, bei dem beispiels-
weise einzelne Lernelemente in weitere unterteilt wurden.
Die Entscheidung, welche Lernelemente verpflichtend
oder optional sind, basierte auf drei Überlegungen. Als
Erstes musste auf jedem Fähigkeitsniveau für jede IK-Di-
mension ein Lernelement verpflichtend sein, um alle IK-
Dimensionen abdecken zu können. Als Zweites sind einige
Abb.2: Information Expert Passport zum Stempeln
7Handke, Jürgen; Schäfer, Anna Maria: E-Learning, E-Teaching und
E-Assessment in der Hochschullehre: Eine Anleitung. 1.Aufl. Mün-
chen 2012, S.21.
8Oechtering, Anne: Informationskompetenz häppchenweise. Zur
Modularisierung von Schulungsangeboten an der Bibliothek der Uni-
versität Konstanz. In: BuB 57 (1) (2005) S.3440.
Information Expert Passport 337
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
Lernelemente wie bestimmte Lernvideos als Vorbereitung
für Präsenzveranstaltungen zwingend notwendig. Diese
sind daher verpflichtend. Als Drittes sind Lernelemente
optional, wenn das durch sie vermittelte Wissen auch
anderweitig zugänglich ist. So haben beispielsweise ver-
schiedene Fachgebiete eigene Leitfäden zum Zitieren, so
dass der von der Bibliothek entwickelte Leitfaden Richtig
zitieren & Plagiate vermeidenein optionales Lernelement
des IEPs ist. Grundsätzlich sollte außerdem der Zeitauf-
wand für die verpflichtenden Lernelemente bei allen Fä-
higkeitsniveaus adäquat sein.
Für alle Präsenzveranstaltungen wurden Detailpla-
nungen mit Lernzielen, -methoden wie zum Beispiel Do-
zentenvortrag oder Gruppenübung etc. und das benötigte
Material erstellt. Bei den Präsenzveranstaltungen liegt der
Schwerpunkt auf der Anwendung und dem Transfer des
Erlernten. Des Weiteren ist der Austausch zwischen den
Teilnehmern ein aktivierendes Element des IEPs, der vor
allem durch Gruppenübungen in den Präsenzveranstal-
tungen stattfindet, aber auch über ein Forum auf der On-
line-Lernplattform ISIS/Moodle ermöglicht wird.
Bisher wurden alle Elemente des IEPs auf Anfänger
und Fortgeschrittenen-Niveau realisiert und erprobt. Bei
den Experten sind bisher 2 Elemente umgesetzt. Die Um-
setzung der restlichen Lernelemente ist für 2015 geplant.
Für die Entwicklung des IEPs waren die bereits in den
zuvor durchgeführten Schulungen gewonnenen Erfahrun-
gen als auch der Austausch und die Kooperation mit ein-
zelnen Fachgebieten der Fakultät Wirtschaft und Manage-
ment der TU Berlin hilfreich. Darüber hinaus haben die
studentischen Mitarbeiter der Bibliothek als Stellvertreter
und Multiplikatoren der größten Zielgruppe, der Studie-
renden, die Lernvideos getestet.
5 Projektplan
Die obige Abbildung3 gibt einen Überblick über die Pro-
jektplanung.
Im Juli 2013 fand ein erstes Kick-off-Meeting statt, bei
dem alle wesentlichen Anforderungen an das Programm
erarbeitet wurden. Das IK-Mapping wurde bis September
2013 erstellt. Auf Basis des IK-Mappings wurden die Unter-
lagen für die Präsenzveranstaltungen angepasst und E-
Learning-Materialien entwickelt. Bis Oktober 2013 wurden
von einer Mitarbeiterin der Bibliothek 3 Lernvideos (Desk-
topaufnahmen) produziert, die dringend für die Präsenz-
veranstaltungen benötigt wurden. Anschließend wurden
bis März 2014 die Figuren für die Lernvideos in Comic-
Form von einer externen Grafikerin gestaltet und die Arbeit
an den Skripten und Storyboards für die Lernvideos be-
gann. Durch die Erstellung der Storyboards kam es häufig
zu Anpassungen der Skripte, da die Storyboards sehr gut
veranschaulicht hatten, wo zusätzliche Erklärungen not-
wendig waren oder Stellen gekürzt werden konnten. Die
ersten 5 Lernvideos in Comic-Form waren im Oktober 2014
fertig. Auf Basis der Videos wurden die Unterlagen der
Präsenzveranstaltungen erneut angepasst, da die Wissens-
aneignung ins Selbststudium ausgelagert werden konnte.
Anschließend wurden die zwei Leitfäden –„Richtig zitie-
Abb.3: Projektplanung
338 Franziska Klatt
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
ren & Plagiate vermeidenals Textdokument sowie Wis-
senschaftlich schreibenals PowerPoint-Präsentation
angefertigt. Im April 2015 waren alle 14 Lernvideos pro-
duziert. Bis zum Ende des Jahres 2015 sollen die Lernele-
mente auf dem Expertenniveau erstellt sein, dazu gehört
auch der Massiv Open Online Course (MOOC) Systematic
Literature Review erstellen. Das Marketing für den IEP
wurde im März 2015 mit einer überarbeiteten Website ge-
startet.
Auch wenn die offizielle Projektplanung 2015 endet,
ist das Bestreben der Bibliothek, die E-Learning-Materia-
lien und Unterlagen für die Präsenzveranstaltungen kon-
tinuierlich auf Basis des Teilnehmerfeedbacks, des Feed-
backs aus dem YouTube-Kanal sowie technischen
Änderungen zum Beispiel durch verbesserte Datenbank-
oberflächen anzupassen.
6 Teilnehmeraktivierung
Durch den IEP wurde die Nachfrage nach IK-Schulungs-
angeboten gesteigert. 2013 gab es insgesamt 280 Schu-
lungsteilnehmer.
9
Im Folgejahr erhöhte sich diese Zahl auf
508 Teilnehmer. Im Mai 2015 haben bereits über 215 Teil-
nehmer am IEP-Programm teilgenommen.
Das besucherstärkere Wintersemester steht hierbei
noch aus. Auch die Nutzung der E-Learning-Materialien
insbesondere der Lernvideos zeigt eine gesteigerte Nach-
frage. So wurden in weniger als 5 Monaten bis zu 331 Klicks
pro Video erreicht.
10
Die erhöhte Nachfrage spricht für eine gesteigerte
Wahrnehmung der Relevanz der IK in den Zielgruppen.
Positives Feedback zu den Videos erhielt die Biblio-
thek in ihren Präsenzveranstaltungen, in denen das gesam-
tes Angebot mit Hilfe von Zielscheiben von den Teilneh-
menden auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr
gut) bewertet wurde: Gesamtzufriedenheit (93%, 7 und
mehr Punkte), Themeninhalte (81%, 7 und mehr Punkte),
Anwendbarkeit (84%, 7 und mehr Punkte), Unterlagen/
Materialien (84%, 7 und mehr Punkte). Die Gesamtzufrie-
denheit ist seit 2013 um mehr als 10% gestiegen.
In der persönlichen Wahrnehmung der Dozenten hel-
fen die Lernvideos den Schulungsteilnehmern dabei,
grundlegende Zusammenhänge besser zu verstehen.
Durch das verbesserte Verständnis ist die Aufmerksamkeit
und Mitarbeit der Teilnehmer in den Schulungen gestie-
gen.
7 Projektteam
Die Erstellung der Unterlagen für die Präsenzveranstaltun-
gen sowie der Leitfäden erfolgte durch drei Bibliotheksmit-
arbeiterinnen. Für die Erstellung von professionellen Lern-
videos griff die Bibliothek auf Unterstützung von externen
Experten zurück, um alle notwendigen Kompetenzen ab-
decken zu können. So besteht der Videoerstellungsprozess
aus den 5 Prozessphasen: Skript erstellen, Storyboard
zeichnen, Ton aufnehmen, Ton optimieren, Screencast
und Comic-Animation erstellen.
Für die verschiedenen Prozessphasen werden unter-
schiedliche Fähigkeiten aus den Bibliothekswissenschaf-
ten, den Wirtschaftswissenschaften, der (Hochschul-)Di-
daktik, dem Mediendesign, der Sprechausbildung, der
Tontechnik und dem Projektmanagement benötigt. An
der Umsetzung des Projektes war ein 6-köpfiges Team aus
drei Bibliotheksmitarbeiterinnen und drei externen Exper-
ten beteiligt. Eine Übersicht der beteiligten Personen so-
wie deren Aufgabenverteilung sind in Abbildung4 dar-
gestellt.
Dank guter Verhandlungen der Bibliotheksleiterin so-
wie einer zusätzlichen finanziellen Unterstützung durch
die Fakultät Wirtschaft und Management konnte die pro-
fessionelle Videoproduktion umgesetzt werden.
8 Marketing
Für die Vermarktung des IEPs ist zunächst die Mund-zu-
Mund-Kommunikation der Teilnehmer sehr wichtig. Darü-
ber hinaus wurde der IEP detailliert auf der Homepage
der Bibliothek beschrieben. Eine interaktive Grafik bringt
dem Websitebesucher die einzelnen Lernelemente des
IEPs näher.
11
Ein Video gibt einen Überblick über den
IEP.
12
9Zu diesem Zeitpunkt gab es nur reine Benutzerschulungen und
noch keine echte Vermittlung von Informationskompetenz. Zum Ver-
gleich zwischen Benutzerschulungen und der Vermittlung von Infor-
mationskompetenz vgl. Hütte, Mario: Zur Vermittlung von Informati-
onskompetenz an Hochschulbibliotheken Entwicklungen, Status
quo und Perspektiven. In: BIBLIOTHEK Forschung und Praxis 30 (2)
(2006) S.137167.
10 Siehe www.youtube.com/user/TUBerlinDBWM. Diese Klicks ba-
sieren auf einer internen Rechnung, da die YouTube-Klickstatistiken
aufgrund von Uploads verbesserter Videoversionen nicht kumuliert
sind.
11 http://www.dbwm.tu-berlin.de/menue/kompetenzen_erwerben/
information_expert_passport/.
12 https://youtu.be/j0ZsCYFs70A.
Information Expert Passport 339
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
Auch über die verschiedenen Social Media-Kanäle so-
wie den Newsticker der Bibliothek wird der IEP bewor-
ben.
13
Die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen kann
über die Facebook-Fanseite der Bibliothek sowie über die
Online-Lernplattform der TU Berlin gebucht werden. Die
Lernvideos sind in die App der Bibliothek integriert.
14
Neben den digitalen Werbeformen gibt es darüber
hinaus einen Flyer sowie Give-aways (Baumwolltasche
Wissensträger, Bio-Kugelschreiber, Notizblöcke), die im
Rahmen von Events verteilt werden und deren Anschaf-
fung durch eine Spende ermöglicht wurde.
Für das IEP-Programm erhielt die Bibliothek zwei Aus-
zeichnungen, die seine Bekanntheit bei den Zielgruppen
erhöhen wird. So wurde die Autorin dieses Artikels für die
Konzeption des Programmes als Zukunftsgestalter in Bi-
bliotheken 2015ernannt. Darüber hinaus wurden die
Lernvideos in Comic-Form und Leitfäden beim Best-Practi-
ce-Wettbewerb E-Learning bei der Vermittlung von Infor-
mationskompetenzder gemeinsamen Kommission des
Deutschen Bibliotheksverbands und des Verbandes deut-
scher Bibliothekare als Best-Practice ausgezeichnet.
9 Übertragbarkeit
Andere Bibliotheken und Forschungseinrichtungen kön-
nen den IEP und seine Lernelemente übernehmen. Be-
schreibungen der einzelnen Lernelemente mit Lernzielen
stehen auf der Website für jedes Niveau zur Verfügung.
Viele Lernvideos sind sehr allgemein gehalten und daher
nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler interessant. Sie
können auch auf anderen Websites eingebunden werden.
Die Leitfäden stehen ebenfalls frei zugänglich auf der
Website der Bibliothek.
15
Schulungsunterlagen können
über die E-Mail-Adresse [email protected]
angefordert werden.
Abb.4: Projektteam mit Aufgabenverteilung
13 www.facebook.com/TUBerlinDBWM; www.youtube.com/user/T
UBerlinDBWM, http://wiwiberlin.de/; http://www.dbwm.tu-berlin.d
e/menue/startseite/newsticker/.
14 http://www.dbwm.tu-berlin.de/menue/literatur_suchen/recher
chetools_dbwm/.
15 www.dbwm.tu-berlin.de/menue/kompetenzen_erwerben/leitfae
den/.
340 Franziska Klatt
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17
10 Fazit
Auch als Fachbibliothek mit begrenzten personellen und
finanziellen Ressourcen lohnen sich Innovationen bei der
Vermittlung von Informationskompetenz. Aufgrund des
personellen Engpasses konnte durch den Blended-Lear-
ning-Ansatz und insbesondere die E-Learning-Materialien,
die IK-Wissensaneignung in das Selbststudium der Teil-
nehmer verlagert werden. Dadurch reichen die personel-
len Ressourcen zur Vermittlung von IK aus. Der personelle
Aufwand, der für die Lernvideoentwicklung anfiel, zahlt
sich bereits nach 7,2 Monaten aus. Gleichzeitig wurde
durch den Blended-Learning-Ansatz eine nachhaltige und
ansprechende Wissensaneignung ermöglicht.
Eine Kooperation mit der Fakultät sowie mit externen
Experten hat sich für die Bibliothek als hilfreich erwiesen.
Darüber hinaus konnte durch die Einbindung der studenti-
schen Mitarbeiter der Bibliothek wichtiges Feedback direkt
aus der Zielgruppe gewonnen werden, was für die Attrakti-
vität der Lernvideos eine wesentliche Komponente ist.
Schließlich liegt ein weiterer Erfolgsfaktor des IEP-
Programmes in der Unterstützung verschiedener Persön-
lichkeiten der Hochschule und der Fakultät. So steht der
IEP unter der Schirmherrschaft des Vizepräsidenten für
Studium und Lehre der Technischen Universität Berlin,
was sicherlich seiner Bekanntheit förderlich ist.
Dr. Franziska Klatt
Technische Universität Berlin
Die Bibliothek Wirtschaft &
Management (H 56)
Straße des 17. Juni 135
D-10623 Berlin
Information Expert Passport 341
Bereitgestellt von | Technische Universität Berlin
Angemeldet
Heruntergeladen am | 26.10.17 09:17