scieee Science in your language
[de] (orig)
Instationäre Berechnung der
Lachenverdunstung mittels eines
Grenzschichtverfahrens
vorgelegt von
Dipl.-Ing. Abdelkarim Habib
aus Berlin
von der Fakultät III - Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
- Dr.-Ing.
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Prof. e.h. Dr. h.c. George Tsatsaronis
Gutachter: Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach
Gutachter: Dr.-Ing. Aydan Acikalin
Gutachter: Dr.-Ing. Bernd Schalau
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 21. Dezember 2010
Berlin 2011
D83
Vorwort
Die vorliegende Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mit-
arbeiter an der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in der Arbeits-
gruppe „Explosionsschutz und Risikobewertung“.
Für die wissenschaftliche Betreuung und hilfsbereite Begleitung dieser Arbeit möchte
ich mich bei Herrn Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach, Technische Universität Berlin, und
Frau Dr.-Ing. Aydan Acikalin, BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung,
herzlich bedanken. Prof. Dr.-Ing. Prof. e.h. Dr. h.c. George Tsatsaronis, Technische
Universität Berlin, danke ich für die Übernahme des Promotionsvorsitzes.
Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Dr.-Ing. Bernd Schalau, BAM Bun-
desanstalt für Materialforschung und -prüfung, dessen Fachwissen und zielstrebige
Arbeitsweise ich sehr geschätzt habe. Bei Fragen und Problemen war er immer zur
Stelle um gemeinsam eine Lösung zu finden. Sowohl sein entgegengebrachtes Ver-
trauen als auch seine Zuversicht haben mich sehr motiviert, ebenso wie das gute Ver-
hältnis das sich auch in nicht-fachlichen Belangen entwickelt hat.
Bei meinen Kollegen Martin Beckmann-Kluge, Dr.-Ing. Christian Lohrer, Lutz Fritzsche,
Dr. Fabio Ferrero, Jörg Schossig, Dr.-Ing. Michal Gula und Stephan Gerber möchte ich
mich für die fachliche, technische und insbesondere moralische Unterstützung bedan-
ken.
Für die Hilfe in technischen Belangen möchte ich mich bei meinen Kollegen Swen
Scheider, Detlef Arndt und Robert Zeps bedanken, die mir beim Aufbau von Versuch-
seinrichtungen und der Durchführung der Untersuchungen eine große Hilfe waren.
Der größte Dank gilt jedoch meinen Eltern und Geschwistern, ohne die ich niemals
soweit gekommen wäre.
Berlin, im Mai 2011
Abdelkarim Habib
Abstract
Abdelkarim Habib:
Instationäre Berechnung der Lachenverdunstung mittels eines Grenzschichtverfahrens
Im Rahmen von Auswirkungsbetrachtungen, wie sie bei Sicherheitsberichten oder Ri-
sikoanalysen erforderlich sind, sind oft Szenarien mit einer Lachenverdunstung von
brennbaren und/oder toxischen Flüssigkeiten zu untersuchen. Wesentliche Einfluss-
grössen für die Konzentrationsverteilung in der Umgebung sind der Verdunstungsmas-
senstrom, das Lachenwachstum und die Gasausbreitung. Bisher werden für diese Be-
rechnungen mehrere Modelle mit unterschiedlicher Genauigkeit miteinander gekop-
pelt.
In dieser Arbeit wird ein instationäres turbulentes Grenzschichtverfahren vorgestellt,
das mit dem Ziel entwickelt wurde, bei relativ geringem Rechenaufwand eine genauere
Berechnung des Verdunstungsmassenstromes zu ermöglichen, sowie ausgehend von
der Freisetzung aus der Lache direkt die Konzentrationsverteilung in der Umgebung
ermitteln zu können.
Im Vergleich zu in der Literatur veröffentlichten und eigenen experimentellen Unter-
suchungen zeigt sich, dass das hier entwickelte Grenzschichtverfahren bei der Be-
rechnung des Verdunstungsmassenstromes mindestens auf dem Niveau der besten
empirischen Modelle liegt. Die instationäre Formulierung der Grenzschichtgleichun-
gen ermöglicht zudem eine zeitabhängige Betrachtung der in der Lache herrschenden
Temperaturen, des Massenstromes sowie der Konzentrationsverteilung in der Umge-
bung. Des weiteren ermöglicht das instationäre Grenzschichtverfahren die direkte Be-
stimmung der explosionsfähigen Masse in der Gaswolke über der Lache und die Be-
rechnung des Massenstromes bei der Verdampfung von siedenden Flüssigkeiten mit
anschließender Unterkühlung und Übergang zur Verdunstung.
i
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis iii
Tabellenverzeichnis v
Symbolverzeichnis vii
1 Einleitung und Zielsetzung 1
2 Theoretische Grundlagen 11
2.1 Empirische Verdunstungsmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.1.1 Das Modell von Sutton Pasquill . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.1.2 Das Modell von Clancey . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.1.3 Das Modell von Mackay - Matsugu . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2.1.4 Das Modell von Deutsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.1.5 Das TÜV-Rheinland Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.1.6 Das Modell von Meurer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.1.7 Das Modell von Brötz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.2 Lachenausbreitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.3 Theoretischer Einfluss der Topografie auf den Stoffübergang . . . . . . 17
2.4 Gasausbreitungsrechnung mit der VDI-Richtlinie 3783 . . . . . . . . . . 20
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenz-
schichtverfahrens 26
3.1 Grenzschichtverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
3.2 Energiebilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
3.3 Turbulenzmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.3.1 Das Modell von Cebeci-Smith . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.3.2 Das Modell von Cebeci-Chang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
3.3.3 Turbulenzmodellierung bei schweren Gasen . . . . . . . . . . . . 32
4 Numerische Lösungsmethode 34
4.1 Anfangs- und Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
4.1.1 Start- und Anfangsbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
4.1.2 Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
4.2 Numerische Lösung der Grenzschichtgleichungen . . . . . . . . . . . . 38
4.2.1 Koordinatentransformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
4.2.2 Rechengitter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.2.3 Zeitliche Diskretisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
4.2.4 Lösungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4.2.5 Transformierte Randbedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
4.3 Lösungsalgorithmus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
5 Experimentelle Untersuchungen 48
5.1 Versuchsaufbau und -durchführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
5.2 Versuchsauswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
i
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung 58
6.1 Beurteilung der empirischen Modelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
6.1.1 Lachenausbreitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
6.1.2 Zusammenfassende Beurteilung der empirischen Modelle . . . . 71
6.2 Grenzschichtverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
6.2.1 Laminare, stationäre Strömung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
6.2.2 Turbulente, stationäre Strömung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
6.2.3 Weitere Einflussparameter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
6.2.4 Vergleich des stationären turbulenten Grenzschichtverfahrens mit
den empirischen Verdunstungsmodellen . . . . . . . . . . . . . . 86
6.2.5 Laminares, instationäres Grenzschichtverfahren . . . . . . . . . 92
6.2.6 Turbulentes, instationäres Grenzschichtverfahren . . . . . . . . . 94
6.2.7 Validierung des instationären turbulenten Grenzschichtverfahrens 97
6.2.8 Zusammenfassende Beurteilung des instationären turbulenten
Grenzschichtverfahrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
7 Zusammenfassung 105
Literatur 107
ii
Abbildungsverzeichnis
1 Darstellung einer Strömungsgrenzschicht über städtischer Bebauung (sehr
rauhes Gelände) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2 Vergleich zweier Windgeschwindigkeitsprofile für glattes und sehr raues
Gelände. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
3 In der VDI-Richtlinie 3783 Blatt 1 verwendetes Koordinatensystem [53] . 21
4 Darstellung einer anwachsenden Strömungsgrenzschicht mit Geschwin-
digkeitsprofilen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
5 Schematische Darstellung der auftretenden Wärmeströme um eine Flüs-
sigkeitslache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
6 Schematische Darstellung des Lösungsalgorithmus . . . . . . . . . . . 47
7 Vergleich der Massenströme über der Windgeschwindigkeit in 2m Hö-
he über dem Boden von Ethanol und Cyclohexan bei 30C und einem
Lachendurchmesser von 0,74m. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
8 Gemessene Massenströme einer 30C Ethanollache mit 0,74m Durch-
messer in glattem und sehr rauem Gelände in Abhängigkeit von der
Windgeschwindigkeit in 2 m Höhe über dem Boden. . . . . . . . . . . . 50
9 Gemessene Massenströme einer 30C Ethanollache mit 0,74m Durch-
messer in glattem und sehr rauem Gelände in Abhängigkeit von der
Windgeschwindigkeit in 10m Höhe über dem Boden. . . . . . . . . . . . 51
10 Verschiebung der Messpunkte bei Auftragung über der Windgeschwin-
digkeit in 2 oder 10 m Höhe in glattem Gelände. . . . . . . . . . . . . . 52
11 Verschiebung der Messpunkte bei Auftragung über der Windgeschwin-
digkeit in 2 oder 10 m Höhe in sehr rauem Gelände. . . . . . . . . . . . 53
12 Schwankungen der Windrichtung während einer Messung in BAM-UE . 54
13 Schwankungen der Windgeschwindigkeit während einer Messung in BAM-
UE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
14 Verdunstungsmassenströme von Ethanol, Lachendurchmesser 0,74 m . 56
15 Verdunstungsmassenströme von Cyclohexan, Lachendurchmesser 0,74
m . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
16 Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit dem Modell von
Deutsch für glattes und sehr raues Gelände für eine Ethanollache bei
30C und einem Durchmesser von 0,74 m. . . . . . . . . . . . . . . . . 59
17 Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit den empiri-
schen Modellen für eine Ethanollache bei 30C und einem Durchmesser
von 0,74m. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
18 Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit den empiri-
schen Modellen für eine Cyclohexanlache bei 30C und einem Durch-
messer von 0,74m. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
19 Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit den empiri-
schen Modellen für eine Ethanollache mit einem Durchmesser von 0,74
m bei unterschiedlichen Dampfdrücken und einer Windgeschwindigkeit
von 2,5 m/s. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
20 Vergleich der gemessenen mit den anhand der empirischen Modelle be-
rechneten Massenstromdichten für verschiedene Lachendurchmesser. . 63
iii
21 Einfluss der Lachengröße auf die mit den empirischen Modellen berech-
neten Massenstromdichten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
22 Vergleich der zeitabhängigen Lachenradien bei der reinen Ausbreitung
einer Ethanollache für die Ansätze von Webber und Briscoe und Shaw
sowie Schalau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
23 Vergleich der zeitabhängigen Lachenradien bei der Ausbreitung einer
Ethanollache mit gleichzeitiger Verdunstung für die Ansätze von Webber
und Schalau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
24 Vergleich der zeitabhängigen Verdunstungsmassenströme bei der Aus-
breitung einer Ethanollache für die Ansätze von Webber und Schalau
mit Berücksichtigung der Mindestschichtdicke. . . . . . . . . . . . . . . 71
25 Vergleich der von Splettstößer gemessenen und der mit dem Grenz-
schichtverfahren berechneten Kühlgrenztemperaturen für Benzol in la-
minarer Strömung bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s. . . . . . . 73
26 Vergleich der von Splettstößer gemessenen und der mit dem Grenz-
schichtverfahren berechneten Kühlgrenztemperaturen für Benzol in la-
minarer Strömung bei einer Windgeschwindigkeit von 20 m/s. . . . . . . 73
27 Vergleich der experimentellen Daten aus den Freilandversuchen für ei-
ne Ethanollache bei 30C mit den Berechnungsergebnissen aus dem
Grenzschichtverfahren mit den Turbulenzmodellen nach Cebeci-Smith
und Cebeci-Chang. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
28 Vergleich der dimensionslosen turbulenten Viskosität aus dem CS-Modell
mit den Werten aus dem CC-Modell für sehr raues Gelände bei gleicher
Windgeschwindigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
29 Vergleich der experimentellen Daten aus den Freilandversuchen für eine
Cyclohexanlache bei 30C mit den Berechnungsergebnissen aus dem
Grenzschichtverfahren mit den Turbulenzmodellen nach Cebeci-Smith
und Cebeci-Chang. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
30 Vergleich der experimentellen Werte mit den berechneten Werten des
Cebeci-Smith Turbulenzmodells für eine 0,74 m Ethanollache bei unter-
schiedlichen Dampfdrücken und einer Windgeschwindigkeit von 2,5 m/s. 79
31 Vergleich der berechneten Massenströme anhand des CS-Modells mit
und ohne Dichteterm. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
32 Vergleich der berechneten Konzentrations- und Dichteprofile anhand des
CS-Modells mit und ohne Dichteterm für eine Cyclohexanlache mit 10
m Durchmesser und einem Dampfdruck von 0,65 bar. . . . . . . . . . . 81
33 Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschied-
lichen x bzw. ξ-Schrittweiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
34 Vergleich der Ergebnisse des Grenzschichtverfahrens mit den Ergeb-
nissen der empirischen Modelle nach Clancey und Mackay-Matsugu so-
wie den experimentellen Daten für eine 30C Ethanollache mit 0,74 m
Durchmesser. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
35 Vergleich der Ergebnisse des Grenzschichtverfahrens mit den Ergebnis-
sen des empirischen Modells nach Clancey sowie den experimentellen
Daten für eine 30C Cyclohexanlache mit 0,74 m Durchmesser. . . . . . 87
iv
36 Experimentelle Konzentrationswerte in 1,5 cm Höhe über dem Boden
im Nachlauf einer 0,74 m Ethanollache bei 44C im Vergleich mit den
berechneten Konzentrationen aus dem Grenzschichtverfahren. . . . . . 89
37 Vergleich der Nachlaufkonzentrationen gemäß VDI Richtlinie 3783 Blatt
1 und 2, sowie nach dem Grenzschichtverfahren für einen 10x10m Etha-
nollache bei 30C. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
38 Vergleich der explosionsfähigen Masse in der Gaswolke mit den Mo-
dellen von Clancey, Mackay-Matsugu und Deutsch nach der Berech-
nungsmethode von ProNuSs, sowie nach dem Grenzschichtverfahren
für einen 10x10m Ethanollache bei unterschiedlichen Dampfdrücken. . 92
39 Vergleich der stationären Kühlgrenztemperatur nach Splettstösser mit
der Lachentemperaturberechnung anhand des instationären Grenzschicht-
verfahrens. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
40 Zeitlicher Verlauf der Absolutwerte der einzelnen in der Energiebilanz
berücksichtigten Wärmen für eine Cyclohexanlache mit 10 m Durchmes-
ser, 30C Startemperatur und einer Anströmgeschwindigkeit von 3 m/s. 95
41 Vergleich der berechneten zeitlichen Temperaturverläufe einer Cyclohe-
xanlache auf Betonboden sowie einer dem Boden gegenüber isolierten
Lache. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
42 Gemessene Abkühlkurve einer 0,74 m Ethanollache mit einer Starttem-
peratur von 29,6C im Vergleich mit den Berechnungsergebnissen des
instationären Grenzschichtverfahrens für unterschiedliche Strahlungs-
stärken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
43 Gemessene Abkühlkurve einer 0,74 m Ethanollache mit einer Starttem-
peratur von 29,6C im Vergleich mit den Berechnungsergebnissen des
instationären Grenzschichtverfahrens und der empirischen Modelle von
Clancey und Mackay-Matsugu. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
44 Zeitliche Entwicklung der Lachentemperatur bei der Verdampfung von
Chlor, Propan und Butan mit anschließendem Übergang zur Verdunstung.101
45 Zeitliche Entwicklung des Massenstroms bei der Verdampfung von 80 l
Propan mit anschließendem Übergang zur Verdunstung. . . . . . . . . . 102
46 Zeitliche Entwicklung des Massenstroms bei der Verdampfung von 130
l Propan mit anschließendem Übergang zur Verdunstung. . . . . . . . . 103
Tabellenverzeichnis
2 Geländeklassen und Profilexponenten nach Deutsch [18] . . . . . . . . 13
3 Geländeklasseneinteilung gemäß VDI-Richtlinie 3783, Blatt1 [53] . . . . 23
4 Mittlerer Massenstrom und Massenstromdichte für verschiedene Grö-
ßen einer Ethanollache bei 30C . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
5 Abweichungen der berechneten Massenströme von den gemessenen
für eine Ethanol- und eine Cyclohexanlache bei einem jeweiligen Dampf-
druck von 0,3 bar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
v
6 Massenströme der empirischen Modelle für eine rechteckige und eine
runde Ethanollache mit jeweils 100 m2Fläche und einer Lachentempe-
ratur von 30C sowie einer Windgeschwindigkeit von 4,5 m/s . . . . . . 65
7 Vergleich der von Splettstößer ermittelten und der mit dem Grenzschicht-
verfahren berechneten Massenströme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
8 Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschied-
lichen y bzw. η-Schrittweiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
9 Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschied-
lichen y bzw. η-Schrittweiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
10 Verdunstungsmassenströme einer Cyclohexanlache bei 30C und un-
terschiedlichen Lufttemperaturen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
11 Berechnete Massenstromdichten mit dem Grenzschichtverfahren r ver-
schiedene Lachengrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
12 Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschied-
lichen Zeitschritten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
13 Verdunstungsmassenströme und Temperaturverluste einer Cyclohexan-
lache bei unterschiedlichen Wärmeströmen . . . . . . . . . . . . . . . . 96
14 Zeitabhängige Entwicklung der unteren Zünddistanz und der explosions-
fähigen Masse für eine 10 x 10 m Ethanollache bei 30C . . . . . . . . . 100
vi
Symbolverzeichnis
Lateinische Buchstaben
Symbol Einheit Beschreibung
ALache m2Lachenfläche
a W/m2KWärmedurchgangskoeffizient (Gl. 35)
cdimensionslose Konzentration
cPkJ/kgK Wärmekapazität
Dab m2/s Diffusionskoeffizient
d m Durchmesser
g m2/s2Erdbeschleunigung
H m Höhe der Lache / Schichtdicke
hmin mMindestschichtdicke der Lache
hVJVerdampfungsenthalpie
ksmm Sandrauigkeitsparameter
k+
sÄquivalente Sandrauigkeit
LCmcharakteristische Länge (Gl. 5)
L m charakteristische Länge (Gl. 6)
˜
M g/mol molare Masse
mLache kg Masse der Lache
˙m kg/s Massenstrom
˜
˙m kg/m2sflächenbezogene Massenstromdichte
pLV bar Dampfdruck
pebar Druck am Grenzschichtaussenrand
pUmgebung bar Umgebungsdruck
Q J Energie / Wärme
˙
Q W Wärmestrom
R kJ/Kg ·Kuniverselle Gaskonstante
r m Radius
r0mRadius zum Zeitpunkt t=0
TLache KTemperatur der Flüssigkeit in der Lache
t s Zeit
u m/s horizontale Geschwindigkeitskomponente
uref m/s Windgeschwindigkeit in der Referenzhöhe zref
uτm/s Schubspannungsgeschwindigkeit
V m3Volumen
VLache m3Volumen der Lache
˙
V m3/s Volumenstrom
v m/s vertikale Geschwindigkeitskomponente
x m Länge in Strömungsrichtung / Länge
y m Länge quer zur Strömungsrichtung / Breite
z m Länge vertikal zum Boden / Höhe
zref mReferenzhöhe
vii
Griechische Buchstaben
Symbol Einheit Beschreibung
αProfilexponent (Tab. 1)
αTransformationsparameter (Gl. 71)
α W/m2KWärmeübergangskoeffizient (Gl. 36)
β m/h Stoffübergangskoeffizient (Gl. 11 und 12)
β kg/m ·sTransformationsparameter (Gl. 71 und 74)
ηdimensionslose transformierte y-Koordinate
λ W/mK Wärmeleitungskoeffizient
µ kg/m ·sdynamische Viskosität
ν m2/s kinematische Viskosität
ν+
tdimensionslose turbulente Scheinzähigkeit
ξ m transformierte x-Koordinate
ρ kg/m3Dichte
ρfl kg/m3Dichte der Flüssigkeit
ρGas kg/m3Gasdichte
ρLuft kg/m3Luftdichte
σSichtfaktor (Gl. 38)
τ N/m2Schubspannung
ΨStromfunktion
Dimensionslose Kennzahlen
Symbol Einheit Beschreibung
Pr Prandtl-Zahl
Sc Schmidt-Zahl
Re Reynolds-Zahl
viii
1 Einleitung und Zielsetzung
1 Einleitung und Zielsetzung
Betreiber, deren Betriebsbereiche den erweiterten Pflichten der Störfallverordnung [1]
unterliegen, müssen einen Sicherheitsbericht anfertigen, in dem Szenarien möglicher
Störfälle beschrieben sind. Neben den Bedingungen für ihr Eintreten ist eine Abschät-
zung des Ausmaßes und der Schwere der Folgen der ermittelten Störfälle erforderlich.
Im Rahmen dieser Störfallauswirkungsbetrachtungen müssen unter anderem die Ver-
dunstung und die Verdampfung einer brennbaren oder toxischen Flüssigkeit aus einer
Lache berechnet werden.
Angefangen bei der Abschätzung der zu erwartenden Leckgröße und der damit einher-
gehenden Freisetzung der Flüssigkeit durch die Leckage und des daraus resultieren-
den Massenstromes, muss die Bildung der Lache und deren Wachstum berücksichtigt
werden. Hierbei ist relevant, ob die Flüssigkeit in eine Auffangwanne läuft und somit
in ihrer Ausbreitung begrenzt ist oder auf freiem Gelände freigesetzt wird, wo sie sich
unbegrenzt ausbreiten kann. Weiterhin spielt das Bodenmaterial eine Rolle, da z.B. auf
einem Betonboden andere Lachenausbreitungsgeschwindigkeiten und Lachendicken
zu erwarten sind als z.B. auf Sandboden.
Für die Beschreibung des Stoffüberganges aus der Lache in die Gasphase sind meh-
rere Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Zum einen ist die Lachentemperatur bei der
Freisetzung entscheidend dafür, ob eine Verdunstung (Lachentemperatur unterhalb
der Siedetemperatur des freigesetzten Stoffes) oder eine Verdampfung (Lachentem-
peratur entspricht der Siedetemperatur des Stoffes) vorliegt. Zum anderen wird der
aus der Flüssig- in die Gasphase übergehende Verdunstungsmassenstrom durch die
herrschende Windgeschwindigkeit und die Turbulenz beeinflusst. Dabei spielt für die
Beurteilung der Turbulenz die Bebauungsstruktur der näheren Umgebung eine Rolle,
da Gebäude zu einer höheren Verwirbelung der Luft führen. Ebenso ist die Änderung
der Lachentemperatur zu berücksichtigen, da z.B. eine sinkende Lachentemperatur zu
geringeren Verdunstungsmassenströmen führt.
Als letzter Schritt bei der Beurteilung eines solchen Störfalles muss die Gasausbrei-
tung in der Umgebung der Lache berechnet werden. Aus diesen Berechnungen lassen
sich dann Zielgrößen wie z.B. die explosionsfähige Masse in der Gaswolke, die unte-
re Zünddistanz (UZD) oder Toxizitätsgrenzen bestimmen. Diese Informationen können
dann entweder für die Genehmigung zum Bau einer Anlage im Sinne des Schutzes der
1
1 Einleitung und Zielsetzung
Bevölkerung, oder zur innerbetrieblichen Optimierung des Sicherheitskonzeptes zum
Schutz der Anlage verwendet werden.
Für die Berechnung von Leckgrößen und den daraus resultierenden Freisetzungsmas-
senströmen existieren mehrere empirische Modelle wie z.B. das Modell von Brötz [3]
oder von Strohmeier [4]. Ebenso werden im Leitfaden SFK/TAA-GS-1 [2] Empfehlun-
gen für die im Rahmen der Flächennutzungsplanung anzunehmenden Leckgrößen ge-
geben. Anhand der Betriebsbedingungen, insbesondere des im flüssigkeitsführenden
Anlagenteil herrschenden Druckes, kann dann über Ausflussgleichungen der austre-
tende Massenstrom bestimmt werden [5].
Der Massenstrom geht dann in die Berechnung der Lachenausbreitung ein, um die
Lachenfläche bestimmen zu können. Die Kenntnis der Lachenfläche ist in doppelter
Hinsicht relevant. Zum Einen wird der Massenstrom direkt durch die zur Verfügung
stehende Austauschfläche für den Stoff- und Wärmetransport beeinflusst, zum Ande-
ren bewirkt die von der Fläche abhängige überströmte Länge Änderungen in den Gra-
dienten des Stoff- und Wärmeübergangs, was sich wiederum auf den Massenstrom
auswirkt. Aufgrund dieses direkten Einflusses auf den Verdunstungsmassenstrom ist
nicht nur die Erfassung des Lachenwachstums solange wie der Lache Stoff zugeführt
wird wichtig, sondern auch das anschließende Schrumpfen der Lache durch die Ver-
dunstung.
Zur Berechnung der Lachenausbreitung wurden diverse Untersuchungen durchge-
führt. Hierbei wurden nicht nur Formeln für die Ausbreitung auf festem Boden entwickelt
[49], [27], [39], [35], sondern auch das Ausbreitungsverhalten auf Wasser beschrieben
[6],[7]. Briscoe [49] entwickelte ein empirisches Modell, welches zwischen spontaner
und kontinuierlicher Freisetzung unterscheidet. Hierbei wird jedoch die Ausbreitung der
Lache bei kontinuierlicher Freisetzung nur so lange stattfinden, wie ein Volumenstrom
der Lache zugeführt wird. Eine weitere Ausbreitung nur aufgrund von Schwerkraftef-
fekten wurde ebensowenig berücksichtigt wie die Viskosität oder die Oberflächenspan-
nung. Webber [27], dessen Ansatz auch im Yellow Book der TNO [39] aufgeführt ist,
leitete für die Beschreibung der Ausbreitung einer Lache eine Differentialgleichung her,
in der auch die reine Ausbreitung nur aufgrund von Schwerkrafteffekten, sowie die Vis-
kosität und die Oberflächenspannung berücksichtigt wurden. Der Ansatz von Webber
erscheint somit geeigneter, um die Lachenausbreitung zu beschreiben. Bei beiden An-
sätzen wird jedoch das Schrumpfen der Lache durch Verdunstung nicht berücksichtigt.
2
1 Einleitung und Zielsetzung
Der Stoffübergang aus einer Flüssigkeitslache in eine darüber streichende Gaspha-
se wird durch die Überlagerung von diffusiven und konvektiven Prozessen bestimmt.
Da die „treibende Kraft für die Stoffübertragung (...) Konzentrations-, Temperatur- und
Druckgradienten“ [22] sind, führt eine steigende Strömungsgeschwindigkeit der Gas-
phase zu einem schnelleren Abtransport der in die Gasphase übergegangenen Stoff-
menge, also zu einer Erhöhung des konvektiven, sowie daraus resultierend, des diffu-
siven Transports bis zum Erreichen des maximalen Diffusionsmassenstromes, welcher
die Obergrenze der Verdunstung darstellt.
Dieser physikalische Sachverhalt wurde in empirischen Modellen abgebildet, welche
häufig zur Berechnung des Verdunstungsmassenstromes herangezogen werden.
Das grundlegende Modell hierzu basiert auf der Arbeit von Sutton [11], die anhand von
Windkanalexperimenten von Pasquill [12] weiterentwickelt wurde. Basierend auf der
Lösung der Stofftransportgleichung in einer turbulenten Strömung, entwickelte Sutton
eine Gleichung, die den Massenstrom in Abhängigkeit der überströmten Länge, der
Strömungsgeschwindigkeit, der Lachengröße, sowie des Dampfdruckes und der kine-
matischen Viskosität berechnet. Des Weiteren schlägt Sutton einen Ansatz zur Berück-
sichtigung der Turbulenz der Anströmung vor. Hierbei gilt jedoch einschränkend, dass
die Turbulenz der Atmosphäre und somit der Anströmung, nach Suttons Definition,
hauptsächlich von der Temperaturschichtung der Atmosphäre abhängt. Eine Abhän-
gigkeit von der Bodenrauhigkeit wird zwar angenommen, jedoch wird deren Einfluss
auf die Turbulenz der Atmosphäre als wesentlich geringer angesehen als der der Tem-
peraturschichtung [11].
Pasquill schlug aufgrund seiner Untersuchungen im Windkanal die Ersetzung der in
dem Modell verwendeten kinematischen Viskosität durch den Diffusionskoeffizienten
vor, da er nachweisen konnte, dass dadurch eine bessere Übereinstimmung zwischen
den berechneten und den gemessenen Werten erreicht wird. Diese Änderung wurde
von Sutton akzeptiert und das so veränderte Modell als Sutton-Pasquill Modell be-
zeichnet [15].
Auf dieser Basis wurden weitere empirische Gleichungen [15], [18] entwickelt. Un-
ter diesen ist das weit verbreitete Modell von Mackay-Matsugu [19] nochmals geson-
dert hervorzuheben. Mackay und Matsugu führten im Gegensatz zu Sutton und Pas-
quill Freiland- statt Windkanalversuche durch. Hierbei wurden Versuchsorte mit unter-
schiedlicher Topografie ausgewählt, wobei Versuche auf dem Dach eines Gebäudes
und an einem Hafenbecken durchgeführt wurden. Als Ergebnis dieser Untersuchun-
3
1 Einleitung und Zielsetzung
gen wurde eine Abwandlung der Sutton-Pasquill Gleichung vorgestellt.
Weitere Modelle, wie die von Colburn [8], Zhukauskas [9], Smolsky [10] und Popov
und Schlichting [14], basieren auf der Analogie zwischen Stoff- und Wärmeübergang.
Ausgehend von den bekannten Gleichungen zur Beschreibung des Wärmeübergangs
wird eine Formulierung für die Sherwoodzahl und somit den Stoffübergangskoeffizi-
enten abgeleitet, die ausschließlich eine Funktion der Reynolds- und der Schmidtzahl
ist. Lediglich Smolsky erweiterte seinen Ansatz um einen Term, der den Unterschied
zwischen Lachen- und Umgebungstemperatur berücksichtigt. Wobei anzumerken ist,
dass in Smolskys Ansatz die Lachentemperatur zwingendermaßen unterhalb der Luft-
temperatur liegen muss, da sonst modellbedingt negative Verdunstungsmassenströme
auftreten. Die zur Validierung der jeweiligen Modelle durchgeführten Versuche basie-
ren jedoch auf einer Versuchseinrichtung, die nicht mit den bei Störfällen vorliegen-
den Gegebenheiten in Einklang gebracht werden kann. So wurden Untersuchungen
im Windkanal durchgeführt, bei denen eine Platte in freier Strömung angebracht war,
so dass sich erst an der Plattenspitze eine Grenzschicht ausbildete; im Gegensatz
zu den Versuchen von z.B. Sutton und Pasquill, bei denen die Platte in den Wind-
kanalboden eingelassen war. Letzteres entspricht auch viel eher den Gegebenheiten
bei einem Störfall mit Lachenbildung, da dort die schon ausgebildete atmosphärische
Grenzschicht vorliegt und die Lache strömungstechnisch lediglich als Teil des Bodens
zu sehen ist.
Lebuser [35] hrte experimentelle Untersuchungen im Windkanal und im Freien durch,
um das Verdampfungs- und Verdunstungsverhalten von verschiedenen Frigenen und
Methanol zu untersuchen. Um die Messwerte nachzurechnen, bediente er sich der
o.g. Modelle und leitet aus der Wärme- und Stoffübergangsanalogie eine eigene Glei-
chung für turbulente Strömungen ab und kommt zu dem Schluss, dass eine zufrieden-
stellende Übereinstimmung zwischen Messungen und Berechnungen erreicht wurde.
Weiterhin untersuchte er den Einfluss der Energiebilanz auf die Genauigkeit der Be-
rechnungen im Vergleich zu seinen experimentellen Untersuchungen. In Kombination
mit einem einfachen zeitabhängigen Modell für den Massenstrom kommt Lebuser zu
dem Schluss, dass die Lösung der Energiebilanz über die dadurch mögliche genaue
Bestimmung der Lachentemperatur und somit des Dampfdruckes zu einer exakteren
Abschätzung des Massenstromes führt.
Deutsch [18] beschäftigte sich eingehender mit der Turbulenz der Anströmung und de-
ren Einfluss auf den Verdunstungsmassenstrom. Anhand von Windkanal- und Freiland-
4
1 Einleitung und Zielsetzung
versuchen wurde eine weitere empirische Vorhersagegleichung entwickelt, die ebenso
wie das Modell von Sutton über einen Ansatz zur Einstellung der Turbulenz verfügt. Im
Unterschied zu Sutton bezieht Deutsch die Turbulenz jedoch maßgeblich auf die To-
pografie des Geländes und somit auf die vorliegende Bodenrauhigkeit. Des Weiteren
entwickelte er eine neue Gleichung für den Wärmeübergang, da er nachweisen konnte,
dass die Analogieannahme zwischen Wärme- und Stoffübergang r die Verdunstung
nicht gilt. Somit sind, nach seiner Aussage, die Ansätze von Colburn, Zhukauskas,
Smolsky und Popov-Schlichting nicht nur aufgrund der verwendeten Versuchausein-
richtung zweifelhaft, sondern auch durch die Annahme dieser Analogie. Ebenso sol-
len die Ergebnisse von Lebuser nicht verwendbar sein, da dieser nach Aussage von
Deutsch eine falsche Windkanalkonfiguration benutzt hat, um seine Messwerte, die er
zur Validierung verwendet hat, zu erzeugen. Die Anwendbarkeit der Modelle für die
Abschätzung von Störfällen muss dementsprechend noch einmal überprüft werden.
Empirische Modelle stellen zwar eine schnelle und einfache Methode dar, den Mas-
senstrom aus einer verdunstenden Lache zu bestimmen, die Modellannahmen und
getroffenen Vereinfachungen führen jedoch dazu, dass in den meisten Fällen geome-
trische und atmosphärische Einflüsse nicht berücksichtigt werden können. So wird zum
Beispiel nur die überströmte Länge, meist jedoch nicht die Form der Lache berücksich-
tigt. Bis auf das Modell von Deutsch kann die Bebauungstruktur des Geländes nicht
berücksichtigt werden. Des Weiteren werden die Stoffdaten der Anströmung der Lache
grundsätzlich als konstant angenommen (reine Luft bei 20C), so dass ein möglicher
Einfluss auf den Massenstrom nicht betrachtet wird.
Außerdem ist festzustellen, dass die Ergebnisse der einzelnen Modelle teilweise sehr
große Abweichungen voneinander aufweisen [18], [23], ohne dass bisher geklärt wur-
de, wie gut die einzelnen Modelle Freilandversuche abschätzen können. Eine Bestim-
mung der für eine sicherheitstechnische Bewertung gewünschten Zielgrößen, wie die
untere Zünddistanz oder Toxizitätsgrenzen, kann nur durch die Kopplung mit weiter-
führenden Gasausbreitungsmodellen erreicht werden.
Als Zwischenschritt von der empirischen zur analytsichen Beschreibung des Verdun-
stungsvorganges ist das sog. „Integralmodell“ von Kunsch [16] zu erwähnen. Er be-
diente sich der „Konvektions-Diffusionsgleichung“, um einen analytischen Ausdruck
für den Verdunstungsmassenstrom abzuleiten. Hierzu musste er die parabolische Dif-
ferentialgleichung für die Konzentration integrieren, um einen analytisch lösbaren Aus-
druck zu bekommen. Er verglich sein Modell mit den Modellen von Sutton und Brighton
sowie Messwerten. Letztere sind in dimensionsloser Form wiedergegeben und die in
5
1 Einleitung und Zielsetzung
der Veröffentlichung enthaltenen Angaben erlauben es nicht, auf die ursprünglichen
Messwerte zurückzurechnen. Kunsch kommt zu dem Schluss, dass das von ihm vor-
geschlagene Modell trotz seiner Einfachheit mit komplexeren Modellen vergleichbar ist,
wenn es um die Genauigkeit der Berechnung geht. Bei diesen Berechnungen werden
aber Einflüsse auf die Geschwindigkeits- und Temperaturprofile in der Grenzschicht
durch den verdunstenden Stoff nicht berücksichtigt. Die Änderung der Windgeschwin-
digkeit über die Höhe wird hier anhand eines Potenzansatzes berücksichtigt.
Splettstösser [28] ging in seiner Arbeit zur experimentellen und theoretischen Unter-
suchung der Verdunstung von reinen Stoffen in eine laminare Strömung einen Schritt
weiter und verwendete zur Modellierung des Verdunstungsvorganges die Lösung der
zweidimensionalen stationären Grenzschichtgleichungen. Zur Untersuchung der Ein-
flussparamater wie z.B. Anströmtemperatur und überströmte Länge verwendete er mit
Benzol benetzte Platten unterschiedlicher Länge, welche in einen beheizten Windka-
nal eingebracht wurden. Er stellte fest, dass die Lösung der Grenzschichtgleichun-
gen eine gute Übereinstimmung mit den Messwerten ergab. Insbesondere merkte er
an, dass mit dem Grenzschichtverfahren die Rückwirkung des Stoffübergangs auf das
Geschwindigkeits- und Temperaturfeld berücksichtigt werden kann, was eine Begrün-
dung für die gute Übereinstimmung sei. Baumann [24] verwendete auch ein zweidi-
mensionales stationäres Grenzschichtverfahren, jedoch erweitert um ein Turbulenzmo-
dell, um die Verdunstung in eine turbulente Strömung berechnen zu können. In seiner
Arbeit untersuchte er zwei verschiedene Turbulenzmodelle hinsichtlich des Aufwandes
bei der Modellierung und der dadurch erzielten Genauigkeit bei der Berechnung. Bau-
mann kommt zu dem Schluss, dass für die von ihm untersuchten Turbulenzmodelle
im Rahmen eines Grenzschichtverfahrens die Verwendung einfacher Modelle ausrei-
chend ist. Der Einsatz komplexerer Modelle führt, laut seiner Aussage, nur zu einem
marginalen Zugewinn an Genauigkeit, erhöht parallel aber massiv den Rechenauf-
wand.
Heutzutage wird aufgrund der gestiegenen Rechnerleistung und der ständig verbes-
serten Berechnungssoftware, sowie durch genauere Modellierung der physiko- chemi-
schen Prozesse zunehmend CFD angewendet. Zwar verspricht dieser Ansatz durch
die Lösung der vollständigen, dreidimensionalen Navier-Stokes Gleichungen die mo-
mentan höchstmögliche Genauigkeit bei der Simulation, erfordert jedoch einen sehr
großen Aufwand hinsichtlich Investition, Fachkenntnis des Benutzers, Modellierungs-
sowie Rechenzeit.
6
1 Einleitung und Zielsetzung
Die bisher vorgestellten Berechnungsansätze (bis auf die CFD-Modelle) gehen von ei-
ner konstanten Lachentemperatur aus. In der Realität jedoch wird sich die Lachentem-
peratur aufgrund des Verdunstungsmassenstromes und des Wärmeaustauschs mit
der Umgebung immer zeitlich verändern. Die Änderung der Lachentemperatur führt
zu einem zeitlich veränderlichen Dampfdruck und Massenstrom. Um die Änderung der
Lachentemperatur berechnen zu können, muss die Energiebilanz um die Lache gelöst
werden. Hierbei werden alle ein- und ausgehenden Wärmeströme der Lache bilan-
ziert. Wie bei u.a. Lebuser [35] dargestellt, sind die Wärmeströme durch Konvektion,
Wärmeleitung aus dem Boden, durch Sonneneinstrahlung und durch Verdunstung zu
berücksichtigen. Insbesondere bei dem wärmedominierten Vorgang der Verdampfung
hat die Wärmeübertragung zwischen dem Boden und der Lache einen signifikanten
Einfluss auf den Massenstrom, welcher ohne Energiebilanz nicht erfasst wird.
Die aus den empirischen Modellen errechneten Verdunstungsmassenströme dienen
als Eingangsgröße für Modelle zur Berechnung der Gasausbreitung. Hier hat sich in
Deutschland die VDI-Richtlinie 3783, Blatt 1 und 2 [53] für die Ausbreitung von leichten
und schweren Gasen etabliert. Die VDI-Richtlinie 3783, Blatt 1 zur Ausbreitung von
leichten Gasen ermöglicht die Berücksichtigung einer Punkt- sowie einer Flächenquel-
le.
Der größte Nachteil dieser Richtlinie liegt darin begründet, dass aufgrund der modell-
bedingten Verwendung von Streuungen zur Turbulenzmodellierung, erst ab Entfernun-
gen von ca. 100 m von der Quelle zuverlässige Werte berechnet werden können. Im
Nahbereich unterhalb von 100 m muss eine Interpolation dieser Streuungen vorge-
nommen werden, die zu ungenauen Ergebnissen führt. Mit der VDI-Richtlinie 3783,
Blatt 2 zur Ausbreitung von schweren Gasen kann zwar die Gasausbreitung im Nah-
bereich der Quelle berechnet werden, durch die Annahme einer Punktquelle gehen
jedoch jegliche Informationen zur Lachengeometrie und Lachenfläche und deren Ein-
flüsse auf den Verdunstungsmassenstrom verloren. Die Annahme, dass die gesamte
Masse über einen Punkt statt einer Fläche freigesetzt wird, führt zu höheren Quell-
konzentrationen, so dass die Annahme einer Punktquelle zu einer konservativeren Ab-
schätzung als bei der Berücksichtigung einer Flächenquelle führt.
Die Verwendung eines Grenzschichtverfahrens bietet den Vorteil, dass alle relevanten
Größen wie Windgeschwindigkeit, Temperatur und Konzentration über die gesamte
Höhe der Grenzschicht berechnet werden. Da sich die Berechnung nicht nur auf die
Lache beschränkt, sondern auch bis in beliebige Entfernungen hinter der Lache aus-
7
1 Einleitung und Zielsetzung
gedehnt werden kann, bietet sich hier die Möglichkeit, eine Aussage zur Konzentrati-
onsverteilung im Nahbereich zu erhalten. Aus einer solchen Berechnung kann dann
auch abgeleitet werden, ob bei der Verdunstung aus Lachen überhaupt ausreichend
Stoff in die Atmosphäre gelangt, um eine Schwergasberechnung zu rechtfertigen, oder
ob die bei der Verdunstung recht geringen Massenströme nicht viel eher eine Leicht-
gasausbreitung bedingen.
Schwere Gase breiten sich eher wie Flüssigkeiten aus. Die spezifische Lage, Größe
und Orientierung der Gebäude / Hindernisse in Lee der Quelle spielt somit für die Kon-
zentrationsverteilung eine wesentlich größere Rolle, als bei den leichten Gasen. Die
Berücksichtigung des Einflusses von Gebäuden auf die Gasausbreitung gemäß ihres
genauen Aufstellungsortes und ihrer genauen Orientierung, kann nur durch Berech-
nungen mit CFD und geeigneter Turbulenzmodellierung erfolgen. Die VDI-Richtlinie
3783, Blatt 2 bietet die Möglichkeit für die Ausbreitung schwerer Gase bestimmte Be-
bauungssituationen gesondert zu berücksichtigen. Es wurden 26 Beispielkonfiguratio-
nen für die mögliche Bebauung untersucht. Somit kann aus diesen eine Konfiguration
ausgewählt werden, die der tatsächlichen Bebauungssituation am ehesten entspricht.
Bei der Verwendung anderer Berechnungsmethoden, wie z.B. eines Grenzschichtver-
fahrens, kann die konkret vorliegende Bebauung durch eine Bodenrauhigkeit für den
vorliegenden Geländetyp ersetzt werden. In der VDI-Richtlinie 3783 wurde eine Auftei-
lung in fünf unterschiedliche Geländeklassen, von unbebautem Ackerland bis hin zur
innerstädtischen Bebauungsstruktur vorgenommen. Zwar gehen somit spezifische In-
formationen zu den einzelnen Gebäuden verloren, jedoch kann die Turbulenz der An-
strömung mit ausreichender Genauigkeit approximiert werden. Diese Einteilung wird
allgemein angewandt.
Zur Abschätzung der explosionsfähigen Masse in der Gaswolke, die sich durch die
Lachenverdunstung gebildet hat, kann die VDI-Richtlinie 3783 herangezogen werden.
Diese ermöglicht es, zu den berechneten Konzentrationen in Lee der Lache eine explo-
sionsfähige Masse zu bestimmen. Aussagen zur explosionsfähigen Masse in der Gas-
wolke direkt über der Lache sind jedoch nicht möglich. Ein Ansatz diese zu berechnen
ist im Programm ProNuSs [58] implementiert. Es wird angenommen, dass sich ober-
halb der Lache ein explosionsfähiges Gas-Luft-Gemisch bildet, das ideal durchmischt
ist und dessen Konzentration gerade der unteren Explosionsgrenze entspricht. Zur Be-
rechnung der explosionsfähigen Masse über der Lache wird ein fiktiver Raum ange-
nommen, für den das Modell eines idealen kontinuierlichen Rührkessels angewandt
wird. Da beim Grenzschichtverfahren über der Lache die Profile zur Konzentrations-
8
1 Einleitung und Zielsetzung
verteilung über die Höhe der Grenzschicht berechnet werden, kann durch Integration
derselben eine Berechnung der explosionsfähigen Massen in der Lache erfolgen, oh-
ne auf die für den Ansatz aus ProNuSs [58] getroffenen Annahmen zurückgreifen zu
müssen.
Um eine Abschätzung der Qualität und Anwendbarkeit der genannten Methoden liefern
zu können, werden Messwerte benötigt. In der Literatur sind einige Veröffentlichungen
zu experimentellen Untersuchungen zum Thema der Verdunstung aus Lachen zu fin-
den. Hierbei ist festzustellen, dass die meisten Veröffentlichungen [11], [35], [18], [38],
[39], [41] zwar Massenströme auflisten, die gemessen wurden, jedoch ohne die Rand-
bedingungen, die bei den Versuchen herrschten, wiederzugeben, so dass eine Ver-
gleichsrechnung oftmals nicht möglich ist. Lediglich wenige Arbeiten wie z.B. [12],[28]
verfügen über eine ausreichende Dokumentation der Versuchsrandbedingungen, um
diese nachrechnen zu können.
Die meisten dieser Untersuchungen wurden im Windkanal durchgeführt. Dadurch kön-
nen die Randbedingungen exakt eingestellt werden und die einzelnen Messungen wei-
sen eine gute Reproduzierbarkeit auf. Diese Versuche sind somit sehr gut geeignet, um
simuliert zu werden. Der Nachteil dieser Versuche ist aber, dass diese Laborbedingun-
gen nicht den Bedingungen entsprechen, die bei realen Freisetzungsunfällen in chemi-
schen Anlagen vorliegen. So wurden in den Windkanalversuchen weder der Einfluss
der Umgebung auf die Turbulenz der Anströmung, noch die natürlichen Schwankun-
gen der Windgeschwindigkeit und -richtung berücksichtigt. Um die Leistungsfähigkeit
eines Vorhersagemodells für den realen Fall bestimmen zu können, muss dieses an-
hand von Freilandversuchen validiert werden. Hierzu sind jedoch keine ausreichend
dokumentierte Daten vorhanden [35],[18].
Experimente zur Verdampfung von tiefkalt oder druckverflüssigt gelagerten Gasen wur-
den hauptsächlich in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in England in den
1970er und 1980er Jahren in größerem Maßstab (mehrere Kubikmeter freigesetztes
Volumen) durchgeführt [37], [31], [29], [20], [42], [32]. Da bei diesen Versuchen jedoch
nur die Gas- und Lachenausbreitung untersucht wurden, sind aus diesen Veröffentli-
chungen keine Werte für die Validierung von Verdampfungssimulationen zu ziehen. Die
Arbeit von Böke und Hartwig [33] dokumentiert den Einsatz von Löschschäumen zur
Massenstromminderung bei der Verdampfung. Hierzu wurden Verdampfungsversuche
mit Propan und Ammoniak durchgeführt, welche einen Satz an nachvollziehbaren Da-
ten zu Verdampfungsmassenströmen bilden.
9
1 Einleitung und Zielsetzung
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass empirische Modelle durch ihre
ausschließliche Beschränkung auf den Verdunstungsmassenstrom nur in Verbindung
mit Modellen zur Gasausbreitungsberechnung die eingangs erwähnten Zielgrößen wie
untere Zünddistanz, Toxizitätsgrenzen oder explosionsfähige Masse in der Lache lie-
fern können. Der Einsatz von CFD-Modellen würde zwar all diese Anforderungen erfül-
len, der Aufwand der dabei betrieben werden müßte, steht jedoch in keinem Verhältnis
zum Zugewinn an Genauigkeit für den gewünschten Anwendungsbereich der Störfall-
auswirkungsbetrachtungen im Rahmen der Störfallverordnung. Die Verwendung eines
Grenzschichtverfahrens verspricht in diesem Fall das beste Verhältnis zwischen erhöh-
tem Rechenaufwand und exakterer Berechnung.
Aufbauend auf der Arbeit von Baumann wird deshalb in dieser Arbeit ein instatio-
näres Grenzschichtverfahren mit geeigneter Turbulenzmodellierung zur Berechnung
des Stoffübergangs aus einer Lache entwickelt. Hierbei werden zwei unterschiedli-
che Turbulenzmodelle untersucht. Die Berücksichtigung eines instationären Ansatzes
zur Lachenausbreitung, sowie der Energiebilanz soll eine genauere Wiedergabe der
bei Störfällen auftretenden Vorgänge ermöglichen. Die daraus resultierende Kenntnis
der Wärmeströme und der zeitabhängigen Lachentemperatur ermöglicht die Berech-
nung der Verdampfung aus einer Lache, inklusive der Unterkühlung derselben und
dem anschließenden Übergang zur Verdunstung. Anhand der aus der Lösung der
Grenzschichtgleichungen resultierenden Konzentrationsprofile über und im Nachlauf
der Lache, können Angaben zu den Zielgrößen explosionsfähige Masse, untere Zünd-
distanz oder Toxizitätsgrenzen in der Gaswolke gemacht werden.
Aufgrund des Mangels an nachvollziehbaren veröffentlichten Daten zur Verdunstung,
werden zur Validierung des in dieser Arbeit entwickelten instationären Verfahrens Frei-
landversuche zur Verdunstung reiner Kohlenwasserstoffe durchgeführt. Hierbei wird
der Einfluss der Topografie und somit der Turbulenz der Anströmung auf den Verdun-
stungsmassenstrom untersucht und eine Vorgehensweise für die Behandlung unter-
schiedlicher Topografien vorgeschlagen. Abschließend wird die Leistungsfähigkeit des
hier vorgestellten Verfahrens durch den Vergleich mit empirischen Modellen und den
in der Literatur vorhanden Windkanaldaten, sowie den Daten aus den oben genannten
eigenen Freilandversuchen ermittelt.
10
2 Theoretische Grundlagen
2 Theoretische Grundlagen
Zur Beschreibung der Verdunstung aus einer Flüssigkeitslache in die umgebende At-
mosphäre muss die Stoffübertragung zwischen einer flüssigen und einer gasförmigen
Phase betrachtet werden. Wie im vorigen Kapitel schon erwähnt, existieren empirische
Ansätze, um den Verdunstungsmassenstrom abzuschätzen, ebenso wie das mögli-
cherweise zu berücksichtigende Anwachsen oder Schrumpfen der Lache. Um auf die
für eine Sicherheitsanalyse relvanten Grössen wie die UZD, Toxizitätsgrenzen oder die
explosionsfähige Masse zu kommen, müssen diese empirischen Ansätze mit weiter-
führenden Berechnungsmodellen zur Gasausbreitung gekoppelt werden.
In diesem Kapitel sollen einige empirische Modelle zur Berechnung des Verdunstungs-
massenstromes, Ansätze zur Lachenausbreitung, ein Ansatz zur Gasausbreitungs-
rechnung, sowie der Einfluss der Topografie auf den Stoffübergang vorgestellt werden.
2.1 Empirische Verdunstungsmodelle
Bisher werden in sicherheitstechnischen Abschätzungen zum Verdunstungsmassen-
strom aus einer Flüssigkeitslache meistens empirische Modelle eingesetzt. Diese bie-
ten den Vorteil einer einfachen Handhabung und eines geringen Rechenaufwandes.
Als Nachteil ist bei diesen Modellen jedoch zu sehen, dass es sehr viele davon gibt,
die alle auf unterschiedlichen Annahmen basieren. Die Ergebnisse für einen konkreten
Berechnungsfall mit verschiedenen empirischen Modellen weichen somit meist stark
voneinander ab. Um eine Aussage bezüglich der Leistungsfähigkeit und Genauigkeit
dieser Modelle machen zu können, werden in dieser Arbeit einige bekannte und zum
Teil weit verbreitete Ansätze ausgewählt, um diese mit experimentellen Ergebnissen
zu vergleichen. In einem weiteren Schritt werden diese Modelle anschließend mit dem
hier vorgestellten Grenzschichtverfahren verglichen.
Wie in der Einleitung schon erwähnt, müssen die empirischen Modelle mit einem Gas-
ausbreitungsmodell wie die VDI-Richtlinie 3783 [53] gekoppelt werden, um die für eine
Sicherheitsanalyse relevanten Größen wie die UZD, Toxizitätsgrenzen oder die explo-
sionsfähige Masse zu erhalten.
Die in dieser Arbeit verwendeten Modelle werden im Folgenden vorgestellt.
11
2 Theoretische Grundlagen
2.1.1 Das Modell von Sutton Pasquill
Das Modell von Sutton - Pasquill [15], welches als Grundlage für die meisten empiri-
schen Modelle genutzt wurde, basiert auf der Lösung der Stofftransportgleichungen in
einer turbulenten Strömung. Hierbei wird der Massenstrom in Abhängigkeit der über-
strömten Länge, der Strömungsgeschwindigkeit, der Lachengröße, sowie des Dampf-
druckes und des Diffusionskoeffizienten berechnet. Umgeformt für die Eingabe von SI
Einheiten ergeben sich die folgenden Gleichungen zur Berechnung des Verdunstungs-
massenstroms:
rechteckige Lache:
˙m= 0,394 ·u0,78 ·x0,89 ·y·pLV ·˜
M
R·TLache ·DAB
1,47 ·1050,22
(1)
kreisförmige Lache:
˙m= 0,316 ·u0,78 ·d1,89 ·pLV ·˜
M
R·TLache ·DAB
1,47 ·1050,22
(2)
2.1.2 Das Modell von Clancey
Basierend auf den Gleichungen von Sutton-Pasquill leitete Clancey [13], [15], [17] ei-
gene Gleichungen zur Abschätzung des Verdunstungsmassenstromes her. Eine Über-
prüfung der Primärliteratur ergab, dass das Modell physikalisch nicht nachvollziehbar
abgeleitet wurde, so dass die Gleichungen als reine Zahlenwertgleichungen anzuwen-
den sind.
rechteckige Lache:
˙m= 2,63 ·102·u0,78 ·x0,89 ·y·pLV ·˜
M
TLache
(3)
kreisförmige Lache:
˙m= 2,12 ·102·u0,78 ·d1,89 ·pLV ·˜
M
TLache
(4)
2.1.3 Das Modell von Mackay - Matsugu
Mackay und Matsugu führten Versuche zur Verdunstung von Wasser-, Benzin- und
Benzollachen auf einem Hochhausdach sowie in einem Hafenbecken durch. Dabei
12
2 Theoretische Grundlagen
sollte der Einfluss der Bebauung auf die Turbulenz und somit auf die Windprofile un-
tersucht werden. Aus diesen Feldversuchen leiteten Mackay und Matsugu eine all-
gemeine Gleichung [19],[15] für den Stoffübergangskoeffizienten ab, die zu folgender
Gleichung zur Berechnung des Massenstromes führt:
˙m= 17,35 ·u0,78 ·L0,11
c·ν
DAB 0,67
·ALache ·pUmgebung
R·TLache ·ln pUmgebung
pUmgebung pLV (5)
Es erfolgt hierbei keine Unterscheidung zwischen runden und rechteckigen Lachen.
Für die charakteristische Länge Lcwird entweder der Durchmesser der Lache oder bei
einer rechteckigen Lache die Länge in Windrichtung angesetzt.
2.1.4 Das Modell von Deutsch
Aufgrund der von ihm festgestellten starken Abweichungen der untersuchten empi-
rischen Modelle von den Messwerten bei steigender Turbulenz, entwickelte Deutsch
[18], basierend auf Windkanal- und Freilandversuchen, die er durchgeführt hat, eine
neue Vorhersagegleichung, die die Turbulenz der Atmosphäre aufgrund von Hinder-
nissen wie Wäldern oder Gebäuden besser berücksichtigen soll. Hierbei wird, wie in
der VDI-Richtlinie 3783 Blatt 1 [53], eine Einteilung des Geländes in verschiedene Rau-
higkeitsklassen vorgenommen, denen ein so genannter „Profilexponent zugewiesen
wird (siehe Tabelle 2).
Profilexponent Rauigkeitsparameter Geländetyp
α[-] z0[cm]
0,08 - 0,12 0,01 - 2,0 sehr glatt:
Eis, Schnee, Wasserflächen
0,13 - 0,18 0,1 - 20 glatt:
Grasland, Ackerflächen
0,20 - 0,24 100 - 150 rau:
Waldgebiete, Vorstadt
0,28 - 0,40 200 - 400 sehr rau:
Innenstadtbereiche
Tabelle 2: Geländeklassen und Profilexponenten nach Deutsch [18]
13
2 Theoretische Grundlagen
Gemäß des vorliegenden Geländetyps wird der Profilexponent αausgewählt und in
die von Deutsch entwickelte Formel zur Berechnung der Verdunstungsmassenstromes
eingesetzt:
˙m= 0,077α0,156 ·Re0,76 ·Sc0,19 ·DAB
Lc·ALache ·pUmgebung
R·TLache ·ln pUmgebung
pUmgebung pLV (6)
2.1.5 Das TÜV-Rheinland Modell
In [51], Anhang 1 wird vom TÜV-Rheinland folgendes Modell, dessen physikalische
Grundlagen nicht erläutert wurden, zur Berechnung des Verdunstungsmassenstroms
eingesetzt:
˙m=0,0259 ·u0,78 ·˜
M·ALache
d0,11 ·TLache ·ln 1pLV
1,01325(7)
2.1.6 Das Modell von Meurer
Meurer [34] verwendet eine Kombination aus dem Modell von Clancey, sowie eines
Modells von Lebuser-Schecker [35]. Es werden die Massenströme aus beiden Model-
len berechnet und daraus das arithmetische Mittel gebildet, um den Massenstrom zu
erhalten.
˙m1= 2,63 ·102·u0,78 ·x0,89 ·y·pLV ·˜
M
TLache
(8)
˙m2= 8,0·105·˜
M·u0,78 ·(x·y)0,945 ln 1 + pLV
ppLV (9)
˙m= 0,5·( ˙m1+ ˙m2)(10)
Da die Formeln nur für rechteckige Lachen aufgestellt wurden, wird in diesem Modell
für eine kreisförmige Lache davon ausgegangen, dass es sich um eine rechteckige
Lache gleicher Fläche handelt.
2.1.7 Das Modell von Brötz
Brötz [36], [17] entwickelte eine Vorhersagegleichung für den Verdunstungsmassen-
strom, ausgehend von der Analogie von Wärme- und Stoffübertragung. Hierbei wird
der Stoffübergangskoeffizient βaus der Windgeschwindigkeit berechnet. Als einziges
14
2 Theoretische Grundlagen
Modell liefert Brötz einen unteren Grenzwert für den Gültigkeitsbereich des Modells,
indem ein minimaler Wert von 2 für den Stoffübergangskoeffizienten vorgegeben wird.
˙m=ALache ·β·pLV ·˜
M
8,064 ·106(11)
β= 11 ·u0,8βmin = 2 (12)
2.2 Lachenausbreitung
Bei einer Freisetzung von Flüssigkeiten wird sich die Lache eine Zeit lang ausbreiten,
um danach aufgrund des Verdunstungsmassenstromes wieder zu schrumpfen. Diese
zeitliche Änderung der Lachenfläche beeinflusst den Verdunstungsmassenstrom sehr
stark. Sofern keine Hindernisse auftreten, wie z.B. Berandungen von Tankwannen,
breitet sich die Lache durch Schwerkraftseinflüsse immer weiter aus. Begrenzt wird
diese Ausbreitung lediglich durch Mindestschichtdicken (hmin), die je nach Untergrund
variieren [35]. Um dieses Verhalten abbilden zu können, existiert z.B. der Ansatz von
Briscoe und Shaw [49], [35]. Hierbei werden zwei Fälle unterschieden. Für die instan-
tane Lachenausbreitung - bei der das gesamte Volumen plötzlich freigesetzt wird - gilt
für den Lachenradius zum Zeitpunkt t:
r(t) = r2
0+8gV
π0,5
·t!0,5
(13)
Für die kontinuierliche Freisetzung anhand eines zugeführten Volumenstromes gilt:
r(t) = 32g˙
V
9π!0,25
·t0,75 (14)
Dieser Ansatz unterliegt jedoch einer maßgeblichen Einschränkung. Bei der kontinu-
ierlichen Freisetzung (Gl. 14) wächst die Lache nur so lange an, wie ein Volumenstrom
zugeführt wird. Eine weitere Ausbreitung nur durch die Wirkung der Schwerkraft kann
nicht berechnet werden.
Basierend auf dem Modell von Briscoe und Shaw wurde von Schalau [2] [58] eine
Erweiterung entwickelt, die die Möglichkeit bietet, eine Ausbreitung bei kontinuierlicher
Stofffreisetzung und anschließender schwerkraftbedingter Ausbreitung zu berechnen.
15
2 Theoretische Grundlagen
Hierbei wird die Ausbreitung der Lache anhand der Mindestschichtdicken nach Lebuser
[35] begrenzt. Die Gleichung für dieses Modell lautet:
r(t) = v
u
u
u
t
8g
π·
t
Z0˙m0
ρfl,0˙m
ρfl
dt
0,5
·t mit r(t)rVLache
π·hmin
(15)
Die von Lebuser aufgelisteten Mindestschichtdicken sind:
25 mm für unebenen sandigen Boden
10 mm für ebenen Sand oder Kies
5 mm für Beton oder Stein
Laut Lebuser ist der Ursprung dieser Werte in einer Veröffentlichung von Opschoor
[40] zu finden. In dieser Veröffentlichung wird die Mindestschichtdicke zwar erwähnt,
jedoch werden keine Angaben zu den anzunehmenden Werten gemacht. Zwar sind
die von Lebuser vorgeschlagenen Werte recht weit verbreitet und dementsprechend
anerkannt, der Ursprung dieser Daten aber bleibt ungeklärt.
Ein weiteres Modell zur Lachenausbreitung stellt das Modell von Webber [27] dar.
r
t =U121 + ǫ2
ǫ(16)
U
t =4gH (1 s)
rF(17)
s=hmin #1 + ǫ1
2H(18)
H=m
ρflπr2hmin (19)
F=max (|FL|;|FT|)(20)
mit
FL=7,59ηflU
ρflH2FT=0,007184U2
Hǫ=8U2
g·hmin
(21)
Ist die Lache durch ein Auffangbecken in ihrer Ausdehnung eingeschränkt, so wird
die maximale Fläche durch die Abmessungen des Beckens vorgegeben. Die Ausbrei-
16
2 Theoretische Grundlagen
tungsgeschwindigkeit der Lache bis zum Erreichen der Fläche des Auffangbeckens
wird auch anhand des Modells von Webber bestimmt. Ist die komplette Fläche des
Auffangbeckens bedeckt, wird der Flüssigkeitsspiegel ansteigen bis das Volumen der
freigesetzten Flüssigkeit erreicht ist. Hierbei wird die Lache meist eine wesentlich hö-
here Schichtdicke erreichen, als die Mindestschichtdicke nach Lebuser [35].
Hat die Lache ihre maximale Ausbreitung erreicht, setzt aufgrund des Massenverlustes
durch Verdunstung ein Schrumpfen derselben ein. Für eine nicht beschränkte Lache,
deren maximaler Radius ausschließlich aus Gleichung 16 bestimmt wurde, gilt die An-
nahme der Mindestschichtdicke nach Lebuser. Daher kann ein Massenverlust nur zu
einem Schrumpfen des Lachenradius führen. Dieses Schrumpfen wird über folgende
Gleichung berechnet:
r=rmLache
ρflπ(H+hmin)(22)
Für den Fall der durch ein Auffangbecken begrenzten Lache wird das Schrumpfen der-
selben in zwei Schritten berechnet. Da die Lache nach der Ausbreitung meist eine hö-
here Schichtdicke aufweist als die Mindestschichtdicke hmin für den jeweiligen Boden,
wird der Verdunstungsmassentrom zuerst zu einem Absinken des Flüssigkeitsspiegels
bis zum Erreichen der Mindestschichtdicke führen. Ist die Mindestschichtdicke erreicht,
wird wiederum ein Schrumpfen der Lache gemäß Gleichung 22 angenommen.
Die Bestimmung der Lachenfläche ist deswegen so relevant, da sie für die Lösung der
Energiebilanz und die in den Grenzschichtgleichungen benötigte überströmte Länge
eine Rolle spielt. Der Verdunstungsmassenstrom hängt in mehrfacher Hinsicht von der
Lachenfläche ab. Zum einen bedeutet eine größere Austauschfläche einen höheren
Massenstrom, gleichzeitig bedeutet aber eine Erhöhung der überströmten Länge eine
Verschlechterung des Stoffübergangs und somit ein Absinken der flächenspezifischen
Massenstromdichte.
2.3 Theoretischer Einfluss der Topografie auf den Stoffübergang
In diesem Abschnitt soll kurz erläutert werden, inwiefern die Topografie einen Einfluss
auf den Stoffübergang aus einer Lache in die Atmosphäre haben kann und welche
Annahmen dem Potenzgesetz zur Beschreibung der Windgeschwindigkeitsverteilung
17
2 Theoretische Grundlagen
über der Höhe zugrunde liegen.
Bei der Abschätzung der anzusetzenden Windgeschwindigkeit für die Berechnung des
Stoffüberganges aus der Lache müssten für eine möglichst genaue Berechnung des
Massenstromes die Windgeschwindigkeiten in Bodennähe am betrachteten Standort
bekannt sein. Da dies meist nicht der Fall ist, wird auf die Windgeschwindigkeitsda-
ten der Wetterdienste, in Deutschland auf die Daten des Deutschen Wetterdienstes
(DWD), zurückgegriffen, welche in 10 m Höhe aufgezeichnet werden. In dieser Höhe
sind auch die Windgeschwindigkeiten für die empirischen Modelle anzugeben. Da die
Messdaten häufig nicht am Standort selbst gemessen wurden, sondern an Stationen
im Umkreis, müssen interpolierte Werte verwendet werden, was zu einer ungenauen
Beschreibung der Windgeschwindigkeiten führt. Des Weiteren kann aufgrund der Be-
bauung und der Geländestruktur nur selten eine zuverlässige Abschätzung der Wind-
geschwindigkeit am Boden erfolgen.
Wie in Abb. 1 gezeigt, bildet sich bei der Überströmung einer Fläche, aufgrund der
Wandhaftungsbedingung eine Grenzschicht aus. Innerhalb dieser Grenzschicht wie-
derum ergeben sich Geschwindigkeitsprofile, die das Anwachsen der Geschwindigkeit
von Null am Boden bis hin zu Geschwindigkeit der Außenströmung abbilden.
In der Natur ist die Ausbildung solcher Profile entweder nur ab einer gewissen Höhe
über dem Boden möglich, oder im Nachlauf von Hindernissen. Die Bebauung eines
Geländes beeinflusst die Strömung in der Hinsicht, dass Hindernisse (wie Gebäude)
aufgrund ihres Windschattens (siehe Abb. 1) zwar eine Ausbildung der Profile bis in
Bodennähe im Vergleich zum freien Gelände verhindern, aber gleichzeitig für eine
deutlich höhere Turbulenz sorgen und somit für einen besseren vertikalen Austausch
in der Strömung. Dieser verbesserte vertikale Austausch - im Vergleich zur ungestör-
ten Anströmung - führt auch zu einer besseren Verteilung des verdunsteten Stoffes
weg von der Phasengrenzfläche hin zu den wandfernen Schichten. Da an der Phasen-
grenzfläche wegen des erhöhten Abtransports von Stoff bei höherer Turbulenz größere
Gradienten vorliegen, als bei einer weniger turbulenten Strömung, ergibt sich somit ein
besserer und dementsprechend höherer Stoffübergang.
18
2 Theoretische Grundlagen
Abbildung 1: Darstellung einer Strömungsgrenzschicht über städtischer Bebauung
(sehr rauhes Gelände)
Die Geschwindigkeitsprofile in der Atmosphäre, die sich durch die Topografien und die
Temperaturschichtung ergeben, werden im Allgemeinen durch das sog. „Potenzprofil“
abgebildet [18],[53],[57]. Es lautet:
u(z) = uref z
zref α
(23)
Die Windgeschwindigkeit u(z)in einer bestimmten Höhe züber dem Boden errechnet
sich aus der gemessenen Referenzwindgeschwindigkeit uref in der Referenzhöhe zref .
Letztere beträgt im Allgemeinen 10 m, da dies der Standardhöhe für Windmessungen
der Wetterdienste entspricht und diese häufig die einzigen Messwerte sind, die zur Ver-
fügung stehen. Der Einfluss der Topografie und somit der Turbulenz der Anströmung
wird über den Exponenten αberücksichtigt. Dieser Exponent ist mit dem „Profilexpo-
nenten“ aus dem Modell von Deutsch identisch. Dieser liegt im Wertebereich von 0,1
bis ca. 0,4 und bildet damit respektive extrem glattes bis sehr rauhes Gelände ab. Die
daraus resultierenden unterschiedlichen Geschwindigkeitsprofile sind exemplarisch in
Abbildung 2 für eine Geschwindigkeit von 3 m/s in 10 m Höhe und α=0,15 sowie α=0,33
dargestellt.
19
2 Theoretische Grundlagen
Abbildung 2: Vergleich zweier Windgeschwindigkeitsprofile für glattes und sehr raues
Gelände.
Dass an dieser Stelle die Gebäude nicht als einzelne Hindernisse aufgelöst, sondern
als Rauhigkeiten parametrisiert werden, liegt darin begründet, dass die atmosphäri-
sche Grenzschicht, für die dieses Gesetz aufgestellt wurde, eine Dicke von ca. 1000 m
aufweist. Im Verhältnis dazu ist die Größe eines einzelnen Gebäudes nicht relevant für
die Vorgänge in der Grenzschicht, so dass die Bebauung als Rauhigkeit angesehen
werden kann. Für die in dieser Arbeit und im Allgemeinen bei Störfallauswirkungsbe-
trachtungen relevanten Höhen von meist deutlich unter 10 m stellt sich zwar die Frage
der Anwendbarkeit des Potenzgesetzes, in Ermangelung einer besseren Beschreibung
des Verhaltens der Windgeschwindigkeit mit der Höhe in diesem Bereich, wird es den-
noch verwendet.
2.4 Gasausbreitungsrechnung mit der VDI-Richtlinie 3783
Die Ausbreitung von Gasen wird anhand der in der VDI-Richtlinie 3783 [53] vorgestell-
ten Berechnungsverfahren abgeschätzt. Diese Richtlinie unterscheidet zwischen der
Ausbreitung von, im Vergleich zu Luft, dichteneutralen bis leichten Gasen, sowie der
Ausbreitung von, im Vergleich zu Luft, schweren Gasen.
20
2 Theoretische Grundlagen
Für die Ausbreitungsberechnung von dichteneutralen bis leichten Gasen wird die VDI-
Richtlinie 3783 Blatt 1 [53] herangezogen. Als Grundlage dient ein gaußsches Aus-
breitungsmodell. Als Quelle für die Ausbreitung wird die Freisetzung einer Gaswolke
in einer Höhe h über dem Erdboden angenommen, deren Mittelpunkt mit konstanter
Windgeschwindigkeit fortbewegt wird.
In Abbildung 3 ist das in Blatt 1 dieser Richtlinie verwendete Koordinatensystem dar-
gestellt. Die x-Richtung entspricht hierbei der Windrichtung, die y-Achse ist somit quer
zur Windrichtung orientiert und die z-Achse stellt die Höhe über dem Erdboden dar.
Die Größen Xq, Yq und Zq bezeichnen jeweils die Kantenlänge der für die Ausbreitung
betrachteten Volumenquelle. Die in Windrichtung vordere Kante der Volumenquelle
liegt immer bei x=0, während sich die Oberkante auf der Quellhöhe h befindet. Sind
eine oder mehrere dieser Kanten kürzer als 1 m, so geht die Volumenquelle in eine
Flächenquelle, Linienquelle oder Punktquelle über.
Abbildung 3: In der VDI-Richtlinie 3783 Blatt 1 verwendetes Koordinatensystem [53]
Die Ausbreitung und das Wachstum der Gaswolke mit einhergehender Verdünnung
durch Zumischung von Luft aufgrund der turbulenten Diffusion, wird durch die so ge-
nannte „Streuung “im Gaußmodell wiedergegeben. Die Streuungen σx,y,z wurden ex-
perimentell in einem Bereich von 100 bis 10000 m hinter der Lache bestimmt. Soll die
Berechnung für Entfernungen außerhalb dieses Bereichs erfolgen, müssen die Streu-
21
2 Theoretische Grundlagen
ungen interpoliert und eine größere Ungenauigkeit in Kauf genommen werden.
Die Ausbreitung eines Gases wird durch mehrere Faktoren beeinflusst und die VDI-
Richtlinie berechnet die Konzentrationen jeweils für eine mittlere und eine ungünstigste
Ausbreitungssituation. Diese entstehen aufgrund unterschiedlicher Temperaturschich-
tungen der Atmosphäre, Windgeschwindigkeiten, effektiver Quellhöhen und Bodenrau-
higkeiten.
Die Temperaturschichtung der Atmosphäre bestimmt die Ausbildung atmosphärischer
Turbulenzen. Diese wurde schon von Pasquill als dominanter Faktor für die Turbulenz
der Atmosphäre identifiziert [12] und eine Einteilung in verschiedene „Stabilitätsklas-
sen“ vorgenommen [55]. Diese als Pasquill- bzw. Pasquill-Gifford Stabilitätsklassen be-
kannte Einteilung basiert auf dem Vergleich des vertikalen Temperaturgradienten der
Atmosphäre mit dem adiabaten Temperaturgradienten und wird allgemein verwendet
[54], [56], [53].
Die Windgeschwindigkeit wird gemäß des Potenzansatzes aus Kapitel 2.3 bestimmt.
Nach Definition der Richtlinie wird eine Windgeschwindigkeit von 1 m/s als die Ge-
schwindigkeit für die ungünstigste Ausbreitungssituation angenommen. Lediglich bei
der Annahme einer Quellüberhöhung, wie bei sehr leichten Gasen anzunehmen, kön-
nen auch andere Windgeschwindigkeiten zur ungünstigsten Ausbreitungssituation füh-
ren.
Die effektive Quellhöhe entspricht der Freisetzungshöhe und der Quellüberhöhung. Ei-
ne Quellüberhöhung tritt auf, wenn Gase mit einer deutlich geringeren Dichte als Luft
oder Brandgase mit hoher Temperatur freigesetzt werden und aufgrund der Dichte-
unterschiede einen Auftrieb erfahren. Die Gaswolke befindet sich dann oberhalb der
eigentlichen Freisetzungshöhe. Die Überhöhung hängt von der Temperaturschichtung
und der äquivalenten Wärmeemission ab [53]. In der VDI-Richtlinie 3783, Blatt 1 wer-
den im Sinne einer konservativen Abschätzung nur äquivalente Wärmeemissionen > 6
MW berücksichtigt. Bei der Verdunstung aus Flüssigkeitslachen ist diese Quellüberhö-
hung nicht relevant und wird somit für die Gasausbreitungsrechnung nicht berücksich-
tigt.
Die Bodenrauhigkeit wird durch die vorhandene Bebauung bestimmt und dient dazu,
den Einfluss des Geländes auf die Turbulenz der Atmosphäre zu berücksichtigen. Sie
22
2 Theoretische Grundlagen
richtet sich nach der Höhe der Gebäude. Bei mehreren Gebäuden wird ein Mittelwert
der Höhen gebildet, um einen Wert für die Bodenrauhigkeit zu erhalten. In der VDI-
Richtlinie wird eine Einteilung der Bodenrauhigkeiten in 5 Klassen vorgenommen die
jeweils stellvertretend für eine Geländetyp stehen und für jede eine effektive Rauhig-
keitslänge z0festgelegt (siehe Tabelle 3).
z0Beschreibung des Geländes
[m]
0,02 extrem glatt:
homogenes, extrem ebenes Gelände (keine Gebäude, Bäume,
Büsche in weiterem Umkreis) und Wasserflächen
0,2 glatt:
homogenes, ebenes Gelände; nur einzelne Gebäude bzw.
Bäume in weiterem Umkreis
0,5 wenig rau:
relativ ebenes Gelände, nur wenige Gebäude und mäßiger
Bewuchs in weiterem Umkreis
0,8 mäßig rau:
unebenes Gelände; Ortschaften bzw. kleine Waldgebiete
in weiterem Umkreis
1,2 sehr rau:
Stadt- und Waldgebiet
Tabelle 3: Geländeklasseneinteilung gemäß VDI-Richtlinie 3783, Blatt1 [53]
Aus dieser Aufteilung der Rauigkeitslängen ist zu erkennen, dass die VDI-Richtlinie nur
annähernd Strukturen, wie die Bebauung in städtischem Gebiet, erfassen kann.
Einen Ansatz zur besseren Erfassung der Bebauungssituation wurde von Theurer [61]
vorgestellt. Dieser untersuchte im Windkanal diverse Bebauungsszenarien und be-
stimmte hierfür die jeweiligen Streuungen. Anhand dieser modelliert er den Nahbereich
der Quelle der Freisetzung, indem die für den jeweiligen Fall vorliegende Bebauung ei-
nem der untersuchten Szenarien zugeordnet werden muss. Für den Fernbereich wird
dann die VDI-Richtlinie 3783, Blatt 1 herangezogen. Der Ansatz von Theurer kann
jedoch ebenso wenig den unmittelbaren Nahbereich der Quelle beschreiben, den er
als „Quellbereich bezeichnet. In den meisten Fällen liegt dieser Quellbereich zwar
deutlich unterhalb der Mindestentfernung für den ersten Berechnungspunkt der VDI-
Richtlinie 3783, Blatt 1; er kann aber auch bis zu 200 m Ausdehnung betragen. Für
die Berechnung des Quellbereichs behilft sich Theurer, wie auch Blatt 1 der Richtlinie,
mit einer Interpolation der Werte. Des Weiteren kann, im Gegensatz zu Blatt 1 der
Richtlinie, die Punkt-, Flächen- und Volumenquellen berücksichtigt, in seinem Ansatz
23
2 Theoretische Grundlagen
die Quelle nur als Punktquelle berücksichtigt werden.
Weiterhin führte Theurer Messungen zur Gasausbreitung im Windkanal durch. Der
Vergleich dieser Messwerte mit seinem Verfahren und der VDI-Richtlinie ergab eine
gute Beschreibung der experimentellen Ausbreitungssituation durch beide Ansätze mit
leichten Vorteilen in der Genauigkeit für das Verfahren von Theurer.
Auch wenn die Turbulenz in bebautem Gebiet maßgeblich durch die Anordnung und je-
weilige Größe der Gebäude bestimmt wird, ist die Parametrisierung als (Boden-) Rau-
higkeiten zulässig, da in dem Bereich der Gültigkeit des Blattes 1 der VDI-Richtlinie
3783 die Gaswolke sich schon soweit in vertikaler Richtung ausgedehnt hat, dass Hin-
dernisse am Boden kaum noch ihre Ausbreitung beeinflussen [61]. Als Vorteil der VDI-
Richtlinie 3783, Blatt 1 gegenüber des Verfahrens von Theurer ist zu sehen, dass die
Handhabung unkomplizierter ist. Für die Berücksichtigung des Geländes müssen le-
diglich grobe Abschätzungen gemacht werden, im Gegensatz zu Theurers Verfahren,
bei dem eine möglichst exakte Zuordnung zu einem seiner untersuchten Musterszena-
rien erfolgen muss, um keine falschen Ergebnisse zu erhalten. Daher wird die Richtlinie
trotz ihrer Einschränkungen für Abschätzungsberechnungen verwendet.
Für die Ausbreitung von relativ zu Luft schweren Gasen wird die VDI-Richtlinie 3783,
Blatt 2 [53] herangezogen. Die Entscheidung welche Gase als „schwer“ anzusehen
sind, wird in der Richtlinie anhand folgender Kriterien getroffen:
- Die Dichte des Gases ist 16 % größer als die Luftdichte:
ρGas ρLuft
ρLuft
>0,16 (24)
- Bei spontaner Freisetzung ist das Quellvolumen größer als 0,1m3und bei konti-
nuierlicher Freisetzung muss der Volumenstrom größer als 1·103m3/s sein.
Bei der Ausbreitung von schweren Gasen wird sich, im Gegensatz zu den Leichtgasen,
die Gaswolke aufgrund der Schwerkraft und negativer Auftriebskräfte in einer flachen,
bodennahen Schicht ausbreiten. Durch den Dichtesprung am Rand der Wolke wird die
Vermischung mit der Außenluft und damit die Auflösung der Wolke behindert, wodurch
diese eine ausgeprägte Eigendynamik besitzt.
Im Gegensatz zu Blatt 1 dieser Richtlinie wird in Blatt 2 grundsätzlich eine Punktquelle
angenommen. Des Weiteren werden die Hindernisse (Gebäude, Anlagen, Bepflan-
zung) in unmittelbarer Umgebung des Freisetzungsortes nicht als Rauhigkeiten para-
metrisiert. Da einfache analytische oder numerische Modelle keine Berücksichtigung
24
2 Theoretische Grundlagen
der Einzelhindernisse ermöglichen, basiert das Blatt 2 dieser Richtlinie auf Ergebnis-
sen aus systematisch durchgeführten Windkanalversuchen, bei denen 25 Gebäude-
konfigurationen untersucht wurden. Diese Ergebnisse decken den Nahbereich bis zum
Absinken der Konzentration auf etwa 1% der Quellkonzentration ab. Ab diesem Punkt
wird davon ausgegangen, dass der Schwergascharakter nicht mehr vorliegt und eine
Ausbreitungsrechnung gemäß Blatt 1 durchgeführt werden kann. Am Kopplungspunkt
der beiden Blätter der Richtlinie wird die Ausdehnung der Gaswolke nicht mehr berück-
sichtigt und es wird eine Punktquelle angenommen. Somit gehen bei der gekoppelten
Berechnung jegliche Informationen zur Lachenbreite verloren. Des Weiteren kann das
numerische Modell nach Blatt 1 erst in größerer Entfernung vom Kopplungspunkt an-
gewandt werden, da es auf der Gauß-Formel basiert. Im Bereich zwischen Kopplungs-
punkt und dem Punkt, ab dem die Berechnung nach Blatt 1 angewandt werden kann,
auch erster Aufpunkt genannt, muss zwischen den Konzentrationswerten am Aufpunkt
und am Kopplungspunkt interpoliert werden. Die Interpolationsgleichung, die einer li-
nearen Interpolation mit doppelt logarithmischer Auftragung entspricht, berechnet die
Streuungen σx,y,z wie folgt:
σx,y,z (τu) = [σx,y,z (a)σx,y,z (0)] τu
a+σx,y,z (0) (25)
mit
a= 100 m σx,y,z (0) = 1
2πm(26)
25
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des
Grenzschichtverfahrens
Zur Modellierung der Verdunstung aus einer Flüssigkeitslache wird in dieser Arbeit ein
instationäres Grenzschichtverfahren mit geeigneter Turbulenzmodellierung (siehe Kap.
3.3) eingesetzt.
3.1 Grenzschichtverfahren
Die Grenzschichttheorie postuliert, dass das Strömungsfeld eines umströmten Kör-
pers in eine dünne, wandnahe Schicht (die sog. Grenzschicht) und in eine von der
Platte unbeeinflusste Strömung (Potentialströmung) im übrigen Strömungsfeld aufge-
teilt werden kann (siehe Abbildung 4). Hierbei repräsentiert die Grenzschichtströmung
den reibungsbehafteten Anteil des Strömungsfeldes und die Außenströmung den rei-
bungsfreien Anteil.
Abbildung 4: Darstellung einer anwachsenden Strömungsgrenzschicht mit
Geschwindigkeitsprofilen
In dieser Grenzschicht steigt die Strömungsgeschwindigkeit von Null an der Wand
(Wandhaftungsbedingung) auf den Wert in der Außenströmung an.
Die Grenzschichtdicke δwird als derjenige Abstand definiert, innerhalb dessen die
Geschwindigkeit U(x, y)99% des Wertes der Geschwindigkeit der Potentialströmung
erreicht.
Neben den Bilanzen für den Stoff-, Energie- und Impulstransport, die die Vorgänge in
der Grenzschicht beschreiben, ist die Kontinuitätsgleichung zu erfüllen, um die Forde-
rung der Massenerhaltung zu berücksichtigen.
Die zu lösenden instationären Gleichungen sind:
26
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
Kontinuitätsgleichung
ρ
t +ρu
x +ρv
y = 0 (27)
Impulsgleichung
ρ(u
t +uu
x +vu
y ) = dpe
dx +
y µ(1 + ν+
t)u
y (28)
Energiegleichung
ρcP(T
t +uT
x +vT
y ) =
y µcP
Pr (1 + ν+
t
Pr
Prt
)T
y +(29)
+µcP1
Sc1
(1 + ν+
t
Sc1
Sct
)µcP2
Sc2
(1 + ν+
t
Sc2
Sct
)c1
y T
y
Konzentrationsgleichung
ρ(ck
t +uck
x +vck
y ) =
y µ
Sck
(1 + ν+
t
Sck
Sct
)ck
y (30)
X
k
ck= 1 (31)
In den Gleichungen bedeuten uund vdie Geschwindigkeitskomponenten in respektive
x- und y-Richtung, Tdie Temperatur der Flüssigkeit und ck=ρk die dimensionslose
Konzentration des verdunstenden Stoffes.Die Größen mit Index kbeziehen sich hier-
bei auf die reinen Stoffe, während die Größen ohne Index sich auf das Gasgemisch
beziehen.
Impuls-, Energie- und Konzentrationsgleichung sind über die Geschwindigkeit uund
die Dichte ρmiteinander gekoppelt. Durch den Stoffübergang von der Flüssig- in die
Gasphase, verändert sich in Strömungsrichtung die Dichte des Gases oberhalb der
27
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
Lache. Zur Berücksichtigung dieser kontinuierlichen Dichteänderung wird ein mittleres
Molekulargewicht des Gasgemisches über folgende Mischungsregel eingeführt:
f
M=1
1
(1c1)·
f
MLuft +c1
f
MStof f
(32)
welches dann über die umgeformte ideale Gasgleichung die Berechnung der Änderung
der Dichte ermöglicht.
ρ=p·f
M
R·T(33)
3.2 Energiebilanz
Wie im vorigen Abschnitt erläutert, sind die Grenzschichtgleichungen miteinander u.A.
über die Dichte gekoppelt. Diese hängt jedoch maßgeblich vom Dampfdruck der Flüs-
sigkeit und somit von der Lachentemperatur ab. Um die Lachentemperatur als Rand-
bedingung der Energiegleichung möglichst genau bestimmen zu können, muss eine
Energiebilanz um die Lache (siehe Abb. 5) gemacht werden. Wie bei Lebuser [35]
beschrieben, müssen hierbei alle ein- und ausgehenden Wärmeströme berücksich-
tigt werden. Diese setzen sich aus der durch Konvektion, Sonneneinstrahlung und den
über den Boden ausgetauschten Wärme, sowie der durch Verdunstung oder Verdamp-
fung abgeführten Wärme zusammen. Insbesondere die Berücksichtigung des Boden-
wärmestromes erfordert eine instationäre Betrachtung, da die Bodentemperatur sich
während der Verdunstung durch den rmeaustausch mit der Lache verändert. Ins-
besondere im Falle der Verdampfung spielt die, durch den Boden zur Verfügung ste-
hende, Wärme eine maßgebliche Rolle für die Dauer, die die Lache auf Siedetempe-
ratur gehalten werden kann und ab wann eine Unterkühlung der Lache und somit ein
Übergang zur Verdunstung stattfindet.
Da eine Flüssigkeitslache meist nur aus einem sehr dünnen Flüssigkeitsfilm besteht
[35], wird für die hier vorgestellte Betrachtungsweise angenommen, dass an jedem
Punkt in der Lache dieselbe Temperatur herrscht, so dass eine Berücksichtigung der
Wärmeleitung innerhalb der Flüssigphase an dieser Stelle nicht notwendig ist.
28
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
QKonv
QBoden
QVerd
QStr
QSpeicher
Bilanzraum
QZu
Abbildung 5: Schematische Darstellung der auftretenden Wärmeströme um eine
Flüssigkeitslache
Die Bilanz der Wärmeströme wie in Abbildung 5 dargestellt lautet:
mLache ·cp,Lache ·TLache
t =˙
QB+˙
QKonv +˙
QStrahlung ˙
QV erd +˙
Qzu (34)
Der linke Term der Gleichung stellt die von der Lache aufgrund ihrer Masse und Wär-
mekapazität gespeicherte Wärme dar. Die auf der rechten Seite der Gleichung aufge-
listeten Energien setzen sich wie folgt zusammen:
- Die zwischen dem Boden und der Lache ausgetauschte Wärme:
˙
QB=λB
π·a·t·(TBoden TF l)·ALache (35)
- Die durch Konvektion zwischen Luft und Lache ausgetauschte Wärme:
˙
QKonv =α·(TLuft TF l)·ALache (36)
- Die durch Verdunstung der Lache entzogene Wärme:
˙
QV erd = ˙m·hV(37)
29
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
- Die durch Strahlung der Lache zugeführte Wärme [35]:
˙
QStrahlung =0,86 ·˙
QSonne 0,9σT4
Lache + 0,46σ#T4
Luft T4
Lache·ALache (38)
Für die solare Einstrahlung ˙
QSonne werden an wolkenlosen Sommertagen Werte
von 0,9bis 1,4kW/m2(meistens 1kW/m2) angegeben.
- Die durch einen Zufluss an Flüssigkeit zugeführte rme:
˙
QZu = ˙mzu ·cp,Lache ·(Tzu TLache)(39)
3.3 Turbulenzmodelle
Die Berechnung des turbulenten Impuls-, Wärme- und Stoffaustauschs erfordert die
Modellierung sowohl der dimensionslosen turbulenten Scheinzähigkeit (auch turbulen-
te Viskosität genannt) ν+
t, als auch der turbulenten Schmidt- und Prandtlzahl durch
geeignete Ansätze. Da eine genaue Ermittlung der Größen Prtund Sctbisher nicht
gelungen ist, werden diese auf einen konstanten Wert von 0,9 gesetzt [24]. Die in die-
ser Arbeit zur Berechnung der turbulenten Scheinzähigkeit verwendeten Ansätze sind
ein algebraisches Modell oder auch Nullgleichungsmodell nach Cebeci-Smith [44], so-
wie eine Erweiterung dieses Modells mit der Möglichkeit Rauhigkeiten zu berücksichti-
gen durch Cebeci-Chang [45]. Der Vorteil dieser algebraischen Turbulenzmodelle liegt
in ihrem geringen zusätzlichen numerischen Aufwand. Die turbulente Scheinzähigkeit
wird aus lokalen Eigenschaften der Strömung bestimmt.
3.3.1 Das Modell von Cebeci-Smith
Das Modell basiert auf der Annahme, dass die Grenzschicht in eine innere (wand-
nahe) und eine äußere Schicht aufgeteilt werden kann. Für die innere Schicht ist die
turbulente Viskosität definiert als:
νt,innen =2·
u
y (40)
30
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
Hierin stellt die Mischungsweglänge dar, welche nach dem Modell von Rotta [43] wie
folgt definiert ist:
= 0,4·y·[1 exp (y/A)] (41)
Der van Driestsche Dämpfungsterm Aist definiert als:
A= 26 ·ν
uτ·N·ρ
ρI0,5
(42)
mit
uτ=τI
ρI0,5
(43)
und
N2=µ
µe·ρe
ρI2
·p+
v+
I·1exp 11,8·µI
µ·v+
I+exp 11,8·µI
µ·v+
I(44)
Hierin sind:
p+=νe·ue
u3
τ·due
dx = 0 (45)
und
v+
I=vI
uτ
(46)
In der wandfernen äußeren Schicht ist die turbulente Viskosität über folgende Formel
definiert:
νt,aussen = 0,0168 ·
Z0
(uu)·dy(47)
Zwischen innerer und äußerer Schicht wird wie folgt unterschieden:
ν+
t=min (νt,innen, νt,aussen).(48)
31
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
3.3.2 Das Modell von Cebeci-Chang
Das Modell von Cebeci-Chang [45] wurde eigentlich für rauhe Wände entwickelt und
nicht für Bodenrauhigkeiten im Sinne der atmosphärischen Grenzschicht. Dennoch soll
untersucht werden, ob damit nicht auch die Rauhigkeiten aus den Freilandversuchen
abgebildet und somit der Einfluss der Umgebung auf die Turbulenz und letztendlich auf
den Verdunstungsmassenstrom wiedergegeben werden kann. Das Modell von Cebeci-
Chang stellt eine Erweiterung des Modells von Cebeci-Smith für rauhe Flächen dar.
Die grundlegende Berechnung der turbulenten Viskosität νterfolgt, wie im vorigen Ab-
schnitt erläutert. Es wird daher nur auf die Veränderungen im Vergleich zum Modell
von Cebeci-Smith eingegangen.
Cebeci-Chang verwenden zur Berücksichtigung von Rauhigkeiten eine erweiterte For-
mulierung der Mischungsweglänge aus Gleichung (41). Basierend auf den Erkennt-
nissen von Rotta [43], dass die Geschwindigkeitsprofile für glatte und rauhe Flächen
ähnlich sind, sofern eine Koordinatenverschiebung berücksichtigt wird; formulieren Ce-
beci und Chang die Mischungsweglänge neu:
= 0,4·(y+ y)·[1 exp ((y+ y)/A)] (49)
Der Term yist eine Funktion der äquivalenten Sandrauhigkeit (siehe auch [30]):
k+
s=ksuτ
ν(50)
und wird durch folgende Gleichung beschrieben:
y= 0,9·(ν
uτ
)pk+
sk+
sexp k+
s
6 (51)
Laut Cebeci-Chang ist diese Gleichung gültig für 4,535 < k+
s<2000.
3.3.3 Turbulenzmodellierung bei schweren Gasen
Aufgrund ihrer hohen Dichte hat eine Schwergaswolke einen dämpfenden Einfluss auf
die Turbulenzstruktur [59] [60], insbesondere in vertikaler Richtung. Zur Berücksichti-
gung dieses Effekts muss eine Anpassung der Turbulenzmodelle vorgenommen wer-
den. Thiele [60] und Heudorfer [59] schlagen vor, die turbulenten Berechnungsglei-
chungen um ein Dichteverhältnis zu erweitern, so dass
32
3 Modellierung der instationären Lachenverdunstung anhand des Grenzschichtverfahrens
ν+
t,Schwergas ν+
t·ρe
ρ(52)
Während Heudorfer eine Erweiterung um das reine Dichteverhältnis ρe
ρvorschlägt, wird
bei dem Ansatz von Thiele lediglich die Quadratwurzel des Terms verwendet.
Es soll in dieser Arbeit untersucht werden, ob bei der Verdunstung aus Lachen und der
anschließenden Gasausbreitung, Schwergaseffekte auftreten und berücksichtigt wer-
den müssen. Dies soll anhand des Ansatzes von Thiele überprüft werden. Die aus den
oben beschriebenen Turbulenzmodellen berechneten turbulenten Viskositäten sind an-
hand des Ansatzes von Thiele wie folgt zu erweitern :
ν+
t,Schwergas =ν+
t·ρe
ρ0,5
(53)
33
4 Numerische Lösungsmethode
4 Numerische Lösungsmethode
Im Folgenden wird die Methodik zur Lösung des im vorigen Kapitel dargestellten ge-
koppelten Differentialgleichungssystems vorgestellt. Die Gleichungen beschreiben die
Vorgänge in der Gasphase. Eine Strömung in der Flüssigphase wird nicht angenom-
men, da durch die geringe Schichtdicke von Flüssigkeitslachen die konvektiven Vor-
gänge in der Flüssigphase vernachlässigbar sind. Die instationäre Formulierung der
Differentialgleichungen erfordert die Auswahl eines geeigneten Zeitschrittes. Dieser
sollte einerseits möglichst groß sein, um die Rechenzeit gering zu halten, andererseits
muss er klein genug gewählt werden, um einen Einfluss auf die sung der Gleichun-
gen ausschließen zu können. Gleiches gilt für die Diskretisierung des Rechengitters.
Des Weiteren müssen die Anfangs- und Randbedingungen zur Lösung der instatio-
nären Gleichungen festgelegt werden. Die Wahl des numerischen Lösungsverfahrens
sollte, ebenso wie die Wahl der Schrittweiten, die Anforderungen an hohe Genauigkeit
bei gleichzeitig möglichst geringer Rechenzeit erfüllen.
4.1 Anfangs- und Randbedingungen
4.1.1 Start- und Anfangsbedingungen
Die zur Berechnung benötigten Startwerte werden in Form von Startprofilen vorgege-
ben. Diese resultieren aus einer stationären Lösung der Grenzschichtgleichung für die
Überströmung einer ebenen Platte ohne Stoffübergang. Hierbei wird eine Vorlauflänge
vor der Lache so gewählt, dass die auf die Lache treffende Strömung einer voll ausge-
bildeten Grenzschichtströmung mit der gewünschten Grenzschichtdicke entspricht. Für
die in dieser Arbeit durchgeführten Berechnungen wurde eine Grenzschichtdicke von
2 m angenommen, da dies den relevanten Bereich in Bodennähe repräsentiert, in dem
Menschen gefährdet sein können. Relevant für das Erreichen einer voll ausgebildeten
Grenzschichtströmung ist zum einen eine ausreichende Entfernung vom Staupunkt
(entspricht dem vorderen Ende der angeströmten Platte aus Abbildung 4), und zum
anderen die Turbulenz der Strömung. Eine höhere Turbulenz führt durch den verstärk-
ten vertikalen Impulsaustausch zu einem schnelleren Aufdicken der Grenzschicht. Mit
steigender Entfernung vom Staupunkt nimmt das relative Wachstum der Grenzschicht
mit der Lauflänge deutlich ab, so dass die Gradienten innerhalb der Grenzschicht, für
eine definierte Lauflänge, auch nur noch minimale Änderungen erfahren.
34
4 Numerische Lösungsmethode
Mit den oben erwähnten Startwerten / Startprofilen wird eine stationäre Berechnung
ohne Lache mit eventuellem Nachlauf gestartet und die Ergebnisse als Anfangsbedin-
gungen der instationären Gleichungen verwendet.
4.1.2 Randbedingungen
Die Ränder der Grenzschicht sind einerseits die Grenzfläche zwischen der überström-
ten Fläche und der Strömung (im Folgenden als Wand bezeichnet) und andererseits
der obere Rand der Grenzschicht, an dem der Übergang zur angenommenen Poten-
tialströmung (im Folgenden Grenzschichtaußenrand genannt und mit dem Index e ge-
kennzeichnet).
Betrachtet man die vom Wind überstrichene Strecke in Strömungsrichtung, so kann
man eine Einteilung in drei Bereiche vornehmen:
der Vorlauf der Lache (der Bereich, in dem sich eine vollausgebildete Grenz-
schichtströmung einstellt)
die Lache
der Nachlauf der Lache (der Bereich in Lee der Lache, in dem die Gasausbreitung
stattfindet).
Während Vor- und Nachlauf der Lache der Überströmung einer ebenen Platte ohne
Stoffübergang entsprechen, muss für die Lache der Stoffübergang berücksichtigt wer-
den. Somit unterscheiden sich jeweils die Randbedingungen an der Wand, während
die Randbedingungen am Grenzschichtaußenrand für alle Fälle gleich sind.
Für den Bereich der Lache leiten sich die Randbedingungen für die Impulsgleichung an
der Wand aus der flächenbezogenen Massenstromdichte ˜
˙mund der Wandhaftungsbe-
dingung ab:
(ρ·v)W and +˜
˙m= 0 (54)
uwand = 0 (55)
Die Massenstromdichte ˜
˙mberechnet sich für den Fall der Verdampfung aus:
˜
˙m=˙
QB+˙
QKonv +˙
QStrahlung +˙
Qzu
hV·ALache
mit TLache =TSiede (56)
35
4 Numerische Lösungsmethode
und für den Fall der Verdunstung aus [28], [24]:
˜
˙m=ρv µ
Sc 1 + ν+
t
Sc
Sctc1
y (57)
Für den Vorlauf, die Erzeugung der Anfangswerte und im Nachlauf ist die Massen-
stromdichte Null. Somit gilt an der Wand lediglich die Wandhaftungsbedingung:
vW and = 0 (58)
uW and = 0 (59)
Für die Energiegleichung gilt über der Lache folgende Randbedingung:
TW and =TLache (60)
wobei hier TLache aus der Lösung der Energiebilanz (Gl.34) stammt. Hierbei wird ei-
ne konstante Lachentemperatur über die Lauflänge angenommen und die Temperatur
der Lache aus der Bilanz der Wärmeströme über die gesamte Lache ermittelt. Die so
berechnete Lachentemperatur wirkt sich auf die Randbedingung der Konzentrations-
gleichung aus, da die Sättigungskonzentration eines Stoffes an der Phasengrenzfläche
maßgeblich vom Dampfdruck und dem Molekulargewicht abhängt und der Dampfdruck
direkt temperaturabhängig ist. Die Randbedingung der Konzentrationsgleichung lautet
somit [24]:
c1,W and =p1,W and
p1,W and + (pep1,W and)·
f
MLuft
f
MStof f
(61)
Für den Vorlauf, die Erzeugung der Anfangswerte und im Nachlauf entspricht die Wand-
temperatur der Temperatur des unbenetzten Bodens:
Twand =TBoden (62)
Die Randbedingung für die Konzentrationsgleichung für den Vorlauf und die Erzeugung
der Anfangswerte entspricht der Konzentration am Boden also Null:
c1,W and = 0 (63)
36
4 Numerische Lösungsmethode
während im Nachlauf für die Konzentrationsgleichung eine Gradientenrandbedingung
gilt:
c1,W and
y = 0 (64)
Am Grenzschichtaußenrand wird die Geschwindigkeit der Anströmung in der der Grenz-
schichtdicke entsprechenden Höhe als Randbedingung für die Impulsgleichung ange-
nommen:
ue=konstant (65)
Die Geschwindigkeit am Grenzschichtaußenrand wird für die Höhe der Grenzschicht
über folgenden Potenzansatz:
u(z) = uref z
zref α
(66)
aus den Angaben des DWD zur Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe berechnet. Hier-
bei sind die von zabhängigen Werte, die Werte in der gewünschten Höhe, in diesem
Fall also der Grenzschichtdicke und die Werte mit dem Index ref die Referenzdaten
in der Referenzhöhe, welche den 10 m Messhöhe des DWD entspricht. Der Expo-
nent αhängt von der jeweiligen Geländestruktur ab und stellt den Einfluss der Turbu-
lenz auf das Geschwindigkeitsprofil dar. Eine genaue Beschreibung des Einflusses der
Geländestruktur auf das Windprofil und die dementsprechende Auswahl von αerfolgt
in Kapitel 2.3. Die nach diesem Ansatz berechnete Windgeschwindigkeit am Grenz-
schichtaußenrand wird für die gesamte Berechnung konstant gehalten, da die Grenz-
schicht mit der Lauflänge nur minimal wächst und die daraus resultierende Änderung
der Geschwindigkeit am Außenrand vernachlässigbar ist.
Ebenso gilt am Grenzschichtaußenrand die Temperatur und die Konzentration der An-
strömung, wobei letztere meistens Null sein wird, so dass gilt:
Te=TLuft (67)
und
c1,e = 0 (68)
37
4 Numerische Lösungsmethode
4.2 Numerische Lösung der Grenzschichtgleichungen
4.2.1 Koordinatentransformation
Für die Berechnungen des gekoppelten nicht-linearen Gleichungssystems wird eine
Variation der Mangler - Falkner - Skan Koordinatentransformation [48] angewandt.
Hierdurch werden die in einer Stromfunktionsformulierung verwendeten Gleichungen
in eine dimensionslose Form gebracht. Des Weiteren wird durch diese Transformation
die anwachsende Grenzschicht auf ein Rechteck abgebildet, so dass mit einem kon-
stanten, der Strömung angepassten Gitter gerechnet werden kann. Die angewandten
Transformationsregeln lauten:
dx = (69)
dy =β
ue·ρe· (70)
β=α·(ρe·ue·µe·ξ)1
2(71)
x =
ξ +η
x ·
η (72)
y =ue·ρe
β·
η (73)
Des Weiteren wird die Stromfunktion
Ψ = β·f(74)
in folgender Form eingeführt
Ψ
x =ρv (75)
Ψ
y =ρu (76)
Daraus resultiert für die Geschwindigkeit u:
u=ρe
ρ·ue·f(77)
Durch diese Vorgehensweise wird zwar die Anzahl der Gleichungen und Unbekannten
um eins reduziert, parallel erhöht sich jedoch die Ordnung der Differentialgleichungen
um eins, wodurch erhöhte Anforderungen an das Differenzenverfahren gestellt wer-
38
4 Numerische Lösungsmethode
den.
Hier und im Folgenden werden Ableitungen
ξ mit dem Index ξgekennzeichnet und
Ableitungen
η mit einem Apostroph.
Im Gegensatz zur stationären Formulierung der Gleichungen, bei der die Kontinuitäts-
gleichung durch die Einführung der Stromfunktion implizit erfüllt wird, muss für den
instationären Fall die instationäre Kontinuitätsgleichung explizit berücksichtigt werden.
Vor der Transformation in das ξ,η- Koordinatensystem wurde die Kontinuitätsgleichung
nach ρu
x umgestellt. Durch Ausdifferenzieren der Kontinuitätsgleichung (Gl. 27) erhält
man:
ρu
x =ρ
t uρ
x ρv
y .(78)
Dieser Term wird dann in der Impulsgleichung (Gl. 28) substituiert, so dass durch die
Lösung der Impulsgleichung gleichzeitig auch die Kontinuitätsgleichung erfüllt wird.
ρu
t +u·ρ
t uρ
x ρv
y +ρvu
y =dpe
dx +
y(µ(1 + ν+
t)u
y )(79)
Durch die explizite Berücksichtigung der instationären Kontinuitätsgleichung ergeben
sich im Vergleich zu Baumann [24] zusätzliche zu lösende Terme. Speziell die nun zeit-
abhängige Dichte führt zu einer noch stärkeren Kopplung zwischen den Gleichungen.
Änderungen der Konzentration wirken sich so viel stärker auf die Lösung der Gleichun-
gen aus, als im stationären Fall.
39
4 Numerische Lösungsmethode
Zur Vereinfachung der Schreibweise werden folgende Abkürzungen verwendet:
ξ=CEL1 = ξ
ξ
P11 = ξ
ββξ
P21 = ξ
ue
ue,ξ
P1P=P11 + CEL1
P2P=P21 + CEL1
b=1
α2·ρµ
ρeµe 1 + ν+
t
be =1
α2·1
Pr ·cP·ρµ
ρeµe·1 + ν+
t·Pr
Prt
bs =1
α2·1
Sc1·ρµ
ρeµe·1 + ν+
t·Sc1
Sct
E=µcP1
Sc1
(1 + ν+
t
Sc1
Sct
)µcP2
Sc2
(1 + ν+
t
Sc2
Sct
)
Somit lauten die transformierten instationären Grenzschichtgleichungen:
Impulsgleichung
ρe
ρbf′′′ +ρe
ρbf′′ 3ρe
ρ
ρ
ρbf′′ ξfif′′+
+P1Pff′′ ξρ0
ueρetρe
ρ
ρ
ρbf+ 3ρe
ρ
ρ2
ρ2bfρe
ρ
ρ′′
ρbf+ξf
if+ρ
ρξf
if
P21ffξρi
ρffρ
ρP1Pff
=
ρ
ρe
P21 (80)
40
4 Numerische Lösungsmethode
Energiegleichung
ρe
ρbeT′′+
+ρe
ρbeTρe
ρ
ρ
ρbeT+E
α2µe
c
1TcPξfiT+cpP1PfT cpξfTξρ
uee
cPT
=
cpξfTiξρ
uee
cPT0(81)
Konzentrationsgleichung
ρe
ρbsc′′
1+ρe
ρbsc
1ρe
ρ
ρ
ρbsc
1+cpP1Pfc
1ξfic
1ξfc
1ξρ
uee
c1
=
ξfc
1iξρ
uee
c10 (82)
4.2.2 Rechengitter
Das Rechengebiet wird mit einem rechtwinkligen Gitternetz bedeckt, dessen Gitter-
punkte im transformierten (ξ, η)-Raum gegeben sind durch:
ξ1= 0 ξi+1 =ξ1+kii= 1, ..., N 1(83)
η1= 0 ηj+1 =η1+hjj= 1, ..., M 1(84)
Die Anzahl der Gitterpunkte in ξund η-Richtung sind respektive N und M. Die Schritt-
weiten kiund hjsind variabel. Die Schrittweite kihängt von der gewählten Anzahl an
Punkten in x-Richtung ab und beeinflusst die Lösung dadurch, dass größere Schrittwei-
ten zu einer ungenaueren Erfassung der Änderungen mit der Lauflänge führen. Sehr
kleine Schrittweiten hingegen führen zu einer sehr grossen Rechenzeit, ohne zwangs-
weise eine höhere Genauigkeit zu ermöglichen.
Die verwendete Schrittweite beträgt jeweils 1/100 der überströmten Lachenlänge. Ent-
spricht die Schrittweite aufgrund der überströmten Länge einem Wert, der größer als
0,1 m ist, so wird die Schrittweite auf 0,1 m begrenzt, da dieser Wert die Obergrenze
darstellt, ab der der Einfluss auf die Lösung nicht mehr vernachlässigbar ist. Bei der
Festlegung der Schrittweite hjüber die Höhe der Grenzschicht ist zu berücksichtigen,
dass an der Wand die größten Gradienten auftreten, so dass für eine genaue Berech-
41
4 Numerische Lösungsmethode
nung eine geringe Schrittweite erforderlich ist. Im wandfernen Bereich treten hingegen
keine großen Gradienten mehr auf, so dass für eine genaue Berechnung auch eine
größere Schrittweite als in Wandnähe ausreichend ist. Dementsprechend wird hjso
gewählt, dass in Wandnähe ein stark verdichtetes Gitter vorliegt, welches sich zum
Grenzschichtrand hin immer weiter aufweitet.
Die Verwendung variabler Schrittweiten, die sich in Bereichen mit geringen Änderun-
gen der zu berechnenden Größen immer weiter erhöhen, ist nicht auf numerische Not-
wendigkeiten zurückzuführen. Es ermöglicht vielmehr die gegensätzlichen Zielsetzun-
gen einer möglichst genauen Berechnung, mit der der möglichst kurzen Rechenzeit zu
vereinbaren.
Das verwendete Gitter ermöglicht nur eine zweidimensionale Berechnung. Hierbei wer-
den lediglich die Lauflänge und die Höhe über dem Boden abgebildet. Für die Breite
wird bei rechteckigen Lachen angenommen, dass diese immer der Lachenbreite ent-
spricht. Bei der Berechnung von Kreisflächen wird der Kreis durch schmale Rechtecke
approximiert, deren Längsseite parallel zur Strömungsrichtung ausgerichtet ist. Somit
kann für jedes einzelne Rechteck, die zur Länge gehörige x-Position bestimmt und
die für diese Länge vorliegenden Geschwindigkeits-, Temperatur- und Konzentrations-
profile abgespeichert und die jeweilige Massenstromdichte zugeordnet werden. Diese
Vorgehensweise ermöglicht es, die Berechnung für beliebige Lachenflächen durchzu-
führen.
4.2.3 Zeitliche Diskretisierung
Aufgrund der starken Kopplung der Gleichungen, insbesondere durch die zeitabhän-
gige Dichte ρ
t , muss ein relativ kleiner Zeitschritt gewählt werden, um die zeitlichen
Gradienten erfassen zu können und gleichzeitig zu gewährleisten, dass die Lösung
nicht beeinflusst wird. Gleichzeitig sollte auch hier die Schrittweite so groß wie möglich
gewählt werden, um die Rechenzeit gering zu halten. Zur Bestimmung des Zeitschrit-
tes wurde dieser immer kleiner gewählt bis zum Erreichen einer konvergenten und von
einer weiteren Verringerung des Zeitschritts unabhängigen Lösung. Weitere Untersu-
chungen zum Zeitschritt ergaben, dass ein sehr kleiner Zeitschritt nur zu Beginn der
Berechnung notwendig ist, da dies der Moment ist, in dem die größten Gradienten auf-
treten. Der Zeitschritt wurde daher variabel gestaltet und beträgt in der Anfangsphase
0,01 s, um dann sukzessive bis auf 5 s angehoben zu werden. Dieser Maximalwert
entspricht auch der Obergrenze, ab der eine weitere Erhöhung des Zeitschrittes einen
42
4 Numerische Lösungsmethode
Einfluss auf die Lösung hat.
4.2.4 Lösungsverfahren
Zur Diskretisierung der Gleichungen in Hauptströmungsrichtung ξwerden implizite
rückwärtige Differenzenformeln mit nur einer rückwärtigen Stelle verwendete. Der Vor-
teil dieses Verfahrens gegenüber genaueren Diskretisierungen, wie z.B. nach Crank-
Nicholson ist, dass ein besseres Stabilitätsverhalten vorliegt, wodurch sprunghafte Än-
derungen, wie sie beim Übergang von der Lache zum unbenetzten Boden im Nach-
lauf auftreten, einfacher berücksichtigt werden können. Zur Veranschaulichung dieser
Diskretisierung wird die Approximierung der allgemeinen Funktion f und ihrer ersten
Ableitung an dieser Stelle wiedergegeben:
f(ξi+1) = fi+1 (85)
f
ξ ξi+1
=fi+1 fi
ξi+1 ξi
(86)
Durch diese Diskretisierung vereinfacht sich das Differentialgleichungssystem zu ei-
nem Satz von gewöhnlichen Differentialgleichungen für die Stelle ξi+1. Hierbei sind
jedoch noch nichtlineare Terme in der transformierten Impulsgleichung (Gl.80) enthal-
ten, die vor der Lösung linearisiert werden müssen. Diese sind:
P1Pff′′ P21ffξρi
ρffρ
ρP1Pff(87)
Die Linearisierung der Impulsgleichung erfolgt anhand der Methode von Newton-Raphson,
bei der zwei nichtlineare Terme f1und f2wie folgt linearisiert werden:
f1f2=f1ˆ
f2+ˆ
f1f2ˆ
f1ˆ
f2(88)
43
4 Numerische Lösungsmethode
Die Werte mit ˆ kennzeichnen jeweils den Wert der vorherigen Iteration. Wendet man
diese Linearisierung auf die Impulsgleichung an, so ergibt sich aus Gleichung 80:
ρe
ρbf′′′ +ρe
ρbf′′ 3ρe
ρ
ρ
ρbf′′ ξfif′′+
+P1Pˆ
ff′′ ξρ0
ueρetρe
ρ
ρ
ρbf+ 3ρe
ρ
ρ2
ρ2bfρe
ρ
ρ′′
ρbf+ξf
if+ρ
ρξf
if
2P21 ˆ
ff2ξρi
ρˆ
ffρ
ρP1Pˆ
ff+
+P1Pˆ
f′′fρ
ρP1Pˆ
ff
=
ρ
ρe
P21 + P1Pˆ
fˆ
f′′ P21 ˆ
f2ξρi
ρˆ
f2ρ
ρP1Pˆ
fˆ
f(89)
Für die direkte Lösung der einzelnen linearen Differentialgleichungen kommt ein Dif-
ferenzenverfahren vom Hermiteschen Typ mit variablen Schrittweiten nach Thiele und
Wagner [25] in der Version von Baumann und Thiele [26] zum Einsatz.
4.2.5 Transformierte Randbedingungen
Um auch die Randbedingungen in eine dimensionslose Form zu bringen müssen die-
se auch transformiert werden. Nach der Transformation ergibt sich für die einzelnen
Variablen:
f=u
ue·ρ
ρe
(90)
T=T
Te
(91)
c=ρ
ρgesamt
.(92)
Die transformierten Randbedingungen der Impulsgleichung für die ebene Platte ohne
Lache lauten nun:
fW and = 0 (93)
f
W and = 0 (94)
f
e= 1 (95)
44
4 Numerische Lösungsmethode
Die Randbedingungen der Energiegleichung :
TW and =TBoden
Te
(96)
Te= 1 (97)
Die Randbedingung der Konzentrationsgleichung :
c1,W and = 0
c1,e = 0
Für den Bereich der Lache lauten die Randbedingungen:
fW and =ξ
P1P·fiξ·˜
˙m
β·P1P(98)
f
W and = 0 (99)
f
e= 1 (100)
Die Randbedingungen der Energiegleichung :
TW and =TLache
Te
(101)
Te= 1 (102)
Zwar verändert sich die Randbedingung der Konzentrationsgleichung durch die Trans-
formation nicht, da sie schon in dimensionsloser Form vorlag; der Vollständigkeit halber
wird sie jedoch nochmals aufgeführt:
c1,W and =p1,W and
p1,W and + (pep1,W and)·
f
MLuft
f
MStof f
c1,e = 0
Speziell an dieser Randbedingung verdeutlicht sich der Einfluss der instationären Ener-
giebilanz auf die Lösung der Grenzschichtgleichungen. Die Konzentration hängt nur
vom Dampfdruck an der Phasengrenzfläche ab, der wiederum über die ideale Gas-
gleichung direkt mit der Temperatur gekoppelt ist. Somit bewirkt die Lösung der Ener-
giebilanz und die daraus resultierende instationäre Lachentemperatur eine Änderung
der Konzentration an der Phasengrenzfläche, die dann eine Änderung der Dichte zur
Folge hat, wodurch die Lösung der Impulsgleichung beeinflusst wird.
45
4 Numerische Lösungsmethode
4.3 Lösungsalgorithmus
In Abbildung 6 ist das Schema zum grundsätzlichen Ablauf bei der Berechnung des
Verdunstungsmassenstromes dargestellt. Nach dem Einlesen der Startprofile wird ei-
ne stationäre Lösung der Grenzschichtgleichungen ohne Stoffübergang berechnet, die
die Anfangsbedingungen des instationären Verfahrens liefert. Die Iterationsschleife um
die Impulsgleichung stellt die Iterationen der Linearisierung nach Newton-Raphson dar.
Anschließend werden die Gleichungen, wie im Ablaufschema dargestellt, sequentiell
gelöst. Da drei Differentialgleichungen gekoppelt sind und ihre jeweilige Lösung die Lö-
sung der beiden anderen Gleichungen beeinflusst, muss die Lösung derselben iterativ
solange wiederholt werden, bis eine konvergente Lösung erreicht wurde. Als Konver-
genzkriterium wurde definiert, dass die relative Abweichung der Lösungen aus dem
aktuellen und dem vorigen Iterationsschritt nicht größer als 5·103sein darf. Die Letzte
Iterationsschleife stellt die Iteration über die Anzahl an Schritten in Strömungs- also in
ξ-Richtung dar.
Anschließend werden die instationären Differentialgleichungen gelöst. Die Iterations-
schleifen um die drei Differentialgleichungen entsprechen denen aus der stationären
Lösung. Zu jedem Schritt in ξ-Richtung wird die jeweilige Massenstromdichte und die
zugehörige Fläche abgespeichert. Wurde die Lösung der Gleichungen über die ge-
samte Lauflänge einmal berechnet, wird der Massenstrom berechnet, indem jede ab-
gespeicherte Massenstromdichte mit der zugehörigen Fläche multipliziert und die dar-
aus resultierenden Massenströme addiert werden, um den Gesamtmassenstrom zu
erhalten. Anschließend wird die Energiebilanz um die Lache gelöst und eine neue
Lachentemperatur berechnet. Anhand des Verdunstungsmassenstromes, der neuen
Lachentemperatur und des daraus resultierenden neuen Dampfdruckes werden die
Randbedingungen des Differentialgleichungssystems für den nächsten Zeitschritt neu
bestimmt.
46
4 Numerische Lösungsmethode
Einlesen der Startprofile
Lösung der Energiebilanz um die Lache
Berechnung des Massenstroms
Instationäre Lösung Konzentrationsgleichung
c=f(x,T,t)
Instationäre Lösung Energiegleichung
T=f(x,u,t)
Instationäre Lösung Impulsgleichung
U=f(x,rho,t)
Einlesen Anfangswerte / -profile
Stationäre Lösung Konzentrationsgleichung
c=f(x,T)
Stationäre Lösung Energiegleichung
T=f(x,u)
Stationäre Lösung Impulsgleichung
U=f(x,rho)
Ausgabe
Konvergenz
erreicht?
Maximale Länge
erreicht?
Zeit= max Zeit?
Konvergenz
erreicht?
Maximale Länge
erreicht?
Nein
Ja
Ja
Ja
Nein
Nein
Abbildung 6: Schematische Darstellung des Lösungsalgorithmus
47
5 Experimentelle Untersuchungen
5 Experimentelle Untersuchungen
Zur Validierung des in dieser Arbeit entwickelten Grenzschichtverfahrens, sowie der
Überprüfung der Genauigkeit der vorgestellten empirischen Modelle, wurden Freiland-
versuche durchgeführt. Um den von diversen Autoren [11], [18] postulierten Einfluss
der Bebauung auf den Stoffübergang zu untersuchen, wurden zwei Gelände mit un-
terschiedlicher Topografie ausgewählt. Zum einen das Freiversuchsgelände „Testge-
lände Technische Sicherheit “der BAM (BAM-TTS), zum anderen eine Versuchsfläche
auf dem Hauptgelände der BAM in Berlin-Lichterfelde (BAM-UE). Diese Gelände wur-
den ausgewählt, da sie von ihrer Topografie her respektive die beiden Extreme glatt
und sehr rauh in den Geländeeinstufungen gemäß VDI-Richtlinie [53] oder auch nach
Deutsch [18] entsprechen.
5.1 Versuchsaufbau und -durchführung
Bei der Verdunstung von Flüssigkeiten spielen mehrere Parameter eine Rolle: so wird
der Verdunstungsmassenstrom durch die Lachengröße, die Flüssigkeits- und Umge-
bungstemperatur, die Windgeschwindigkeit, die Bebauungsstruktur und die Stoffeigen-
schaften beeinflusst. Da bei Freilandexperimenten die Parameter Windgeschwindigkeit
und Umgebungstemperatur nicht beeinflussbar sind, konnten nur die anderen Parame-
ter verändert werden. Wie oben bereits erwähnt, wurden zwei Gelände (BAM-UE und
BAM-TTS) mit unterschiedlicher Bebauungsstruktur ausgewählt. Um den Einfluss un-
terschiedlicher Stoffeigenschaften abbilden zu können, wurden die Versuche mit Etha-
nol und Cyclohexan durchgeführt. Diese beiden Stoffe wurden unter anderem auch
deswegen ausgewählt, da von ihnen keine toxische Gefährdung zu erwarten und die
Gefahr der Bildung einer explosiven Wolke ebenfalls als gering anzusehen ist. Der
Einfluss der Lachengröße wurde durch die Verwendung von flachen, kreisförmigen
Wannen mit 0,5 m, 0,74 m und 1 m Durchmesser untersucht. Für beide Gelände wur-
den Versuche bei vier unterschiedlichen Flüssigkeitstemperaturen (30C, 37C, 44C
und 50C) mit beiden Stoffen durchgeführt. Die Lachentemperatur konnte mittels einer
Heizschlange über die Versuchsdauer nahezu konstant gehalten werden, wobei leich-
te Schwankungen durch die variierende Intensität der Sonneneinstrahlung entstanden.
Neben den Versuchen bei konstanter Lachentemperatur wurden auch Versuche durch-
geführt, bei denen das Abkühlverhalten der Lache untersucht wurde. Hierbei wurde
die Flüssigkeit lediglich auf eine Starttemperatur hochgeheizt, anschließend die Heiz-
schlange entfernt und der Temperaturabfall während der Verdunstung gemessen. Bei
allen Versuchen wurden die Lachentemperatur, die Umgebungstemperatur sowie die
48
5 Experimentelle Untersuchungen
Windrichtung und -geschwindigkeit in 2 m Höhe über dem Boden aufgezeichnet. Als
zusätzliche Daten zur Windrichtung und -geschwindigkeit an den Messtagen standen
die Messwerte vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sowie des meteorologischen Insti-
tuts der FU Berlin zur Verfügung.
Um eine untere Grenze für den Verdunstungsmassenstrom zu erhalten, wurden dar-
über hinaus Versuche mit Ethanol für unterschiedliche Lachentemperaturen in einer
geschlossenen Halle durchgeführt. Die Halle hatte eine Höhe von 4,73 m bei einer
Grundfläche von 7,3 x 7,9 m. Obwohl die Halle geschlossen war, lag die Windge-
schwindigkeit aufgrund natürlicher Konvektion bei 0,04 m/s. Diese Strömungsgeschwin-
digkeit ist jedoch so gering, dass die Strömungsbedingungen als quasi Windstill ange-
sehen werden können. Die Bestimmung des Massenstromes erfolgte gravimetrisch.
Für alle Versuche wurde der Massenverlust für eine einheitliche Versuchsdauer von
15 Minuten bestimmt. Aus diesen Versuchen bei denen jeweils 3 Wiederholungen bei
gleichen Randbeingungen durchgeführt wurden, konnte der aufgrund der Versuchs-
durchführung sowie der verwendeten Messtechnik bei allen experimentellen Untersu-
chungen zu erwartende Messfehler bestimmt werden. Dieser liegt bei ca. 13%.
5.2 Versuchsauswertung
Aufgrund der größeren Anzahl an durchgeführten Versuchen werden die Diskussionen
und Bewertungen der Ergebnisse hauptsächlich anhand der Versuche mit Ethanol bei
30C durchgeführt. Die Versuche mit Cyclohexan, ebenso wie die Versuche mit Ethanol
bei höheren Temperaturen, zeigen die gleichen Tendenzen bei gleichzeitig höheren
Massenströmen aufgrund der höheren Dampfdrücke (siehe Abb. 7, 14, 15).
49
5 Experimentelle Untersuchungen
Abbildung 7: Vergleich der Massenströme über der Windgeschwindigkeit in 2m Höhe
über dem Boden von Ethanol und Cyclohexan bei 30C und einem La-
chendurchmesser von 0,74m.
In Abbildung 8 sind die bei den Freilandversuchen ermittelten Massenströme für eine
Ethanollache mit 0,74m Durchmesser und einer Temperatur von 30C aufgetragen. Die
Auftragung stellt den Massenstrom über der Windgeschwindigkeit in 2m Höhe dar.
Abbildung 8: Gemessene Massenströme einer 30C Ethanollache mit 0,74m Durch-
messer in glattem und sehr rauem Gelände in Abhängigkeit von der Wind-
geschwindigkeit in 2 m Höhe über dem Boden.
50
5 Experimentelle Untersuchungen
Bei der Auftragung des gemessenen Verdunstungsmassenstromes über der Windge-
schwindigkeit in 2 m Höhe scheint die Frage nach dem Einfluss der Topografie recht
eindeutig beantwortet zu sein. Die gemessenen Massenströme im sehr rauen Gelän-
de sind höher als die im glatten Gelände. Die Vermutung, dass zusätzliche Bebauung
aufgrund der höheren Turbulenz in der Anströmung den Massenstrom erhöht, scheint
somit bestätigt.
Bei der Erstellung von Szenarien im Rahmen von Störfallauswirkungsbetrachtungen
stehen im Allgemeinen für die Windgeschwindigkeit nur die Daten vom DWD in einer
Messhöhe von 10 m über dem Boden zur Verfügung. Diese standardisierte Messhöhe
spiegelt sich auch in den meisten empirischen Modellen wieder (bei den in dieser Ar-
beit verwendeten Modellen ist dies für alle gültig), bei denen die Windgeschwindigkeit
als diejenige definiert ist, die in 10m Höhe über dem Boden gilt.
Eine Bewertung der in Abbildung 8 gezeigten, sowie aller weiteren gemessenen Werte,
auf einer allgemein nachvollziehbaren Basis, erfordert eine Korrelation der Messdaten
mit den zugehörigen Winddaten vom Deutschen Wetterdienst.
Trägt man die Messwerte aus Abbildung 8 über die Windgeschwindigkeit in 10 m Hö-
he über dem Boden nach den angaben des DWD auf (siehe Abb. 9), so zeigen sich
deutliche Unterschiede zur Auftragung über der Windgeschwindigkeit in 2 m Höhe.
Abbildung 9: Gemessene Massenströme einer 30C Ethanollache mit 0,74m Durch-
messer in glattem und sehr rauem Gelände in Abhängigkeit von der Wind-
geschwindigkeit in 10m Höhe über dem Boden.
51
5 Experimentelle Untersuchungen
Bei der Auftragung über der Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe (siehe Abb. 9) fällt auf,
dass sich vor allem die Messwerte in sehr rauem Gelände deutlich verschieben. Einen
Unterschied im Massenstrom, der auf die zwei unterschiedlichen Topografien zurück-
zuführen wäre, ist in diesem Diagramm nicht mehr festzustellen.
Die stärkere Verschiebung der Werte, bei sehr rauem Gelände im Vergleich zu denen
bei glattem Gelände, ist zwei Faktoren geschuldet. Zum einen zeigen die Geschwin-
digkeitsprofile gemäß Potenzprofil (siehe Abb. 2), dass in glattem Gelände nur noch
ein geringer Geschwindigkeitsanstieg zwischen 2 und 10m Höhe stattfindet, während
in sehr rauem Gelände die Geschwindigkeit um fast das Doppelte ansteigt. Eine stär-
kere Verschiebung der Werte zu den höheren Geschwindigkeiten wie in Abbildung 9
sichtbar, ist somit plausibel.
Der zweite Einflussfaktor erklärt, warum die Messwerte aus dem glatten Gelände ledig-
lich eine Parallelverschiebung hin zu höheren Geschwindigkeiten erfahren (siehe Abb.
10), während die Werte aus dem sehr rauen Gelände auch untereinander verschoben
werden (siehe Abb. 11).
Abbildung 10: Verschiebung der Messpunkte bei Auftragung über der Windgeschwin-
digkeit in 2 oder 10 m Höhe in glattem Gelände.
52
5 Experimentelle Untersuchungen
Abbildung 11: Verschiebung der Messpunkte bei Auftragung über der Windgeschwin-
digkeit in 2 oder 10 m Höhe in sehr rauem Gelände.
Die zu beobachtende Verschiebung der Punkte auch untereinander in Abbildung 11
resultiert daraus, dass die Messungen in sehr rauem Gelände in der Stadt stattfanden.
Dort sind aufgrund der Bebauung die Unterschiede zwischen der Geschwindigkeit am
Boden und der vom Wetterdienst gemessenen Geschwindigkeit in 10 m Höhe wesent-
lich größer, als in freiem Gelände, wo tatsächlich ein Potenzprofilverlauf angenommen
werden kann. In der Stadt jedoch kann es lokal am Boden zu größeren Geschwindig-
keiten kommen, als anhand der Potenzprofilannahme, ausgehend von der Geschwin-
digkeit in 10m Höhe, errechnet werden würde.
Des Weiteren treten in der Stadt durch die Umströmung der Gebäude Verwirbelungen
auf, die zu konstanten Windrichtungswechseln, sogar entgegen der vorherrschenden
meteorologischen Windrichtung, führen. Durch diese, auch während der Versuche ste-
tigen Windrichtungswechsel (siehe Abbildung 12) kann angenommen werden, dass
die Gaswolke, die sich aufgrund der Verdunstung bildet, nicht konstant von der Lache
fort getragen wird. Es ist eher anzunehmen, dass die Wolke sogar zurück über die La-
che getragen wird. Durch die vorhandene Konzentration des verdunstenden Stoffes in
dieser Wolke und die daraus folgenden geringeren Konzentrationsgradienten über der
Lache, wird der Stoffübergang verlangsamt und somit der Massenstrom reduziert.
53
5 Experimentelle Untersuchungen
Abbildung 12: Schwankungen der Windrichtung während einer Messung in BAM-UE
Ebenso führen die Aufgrund der Richtungsschwankungen auch stark schwankende
Windgeschwindigkeit (teilweise bis hin zur Windstille für mehrere Sekunden, siehe Ab-
bildung 13) zu einem ungleichmäßigen Abtransport des verdunsteten Stoffes und so-
mit zu einer Verminderung der Verdunstung. Allgemein kann angenommen werden,
dass die zu erwartende höhere Turbulenz in der Stadt theoretisch zwar zu höheren
Massenströmen führen würde, aufgrund der durch diese Turbulenz hervorgerufenen
Unstetigkeiten in der Richtung und Geschwindigkeit des Windes am Boden dieser Ef-
fekt jedoch neutralisiert wird.
54
5 Experimentelle Untersuchungen
Abbildung 13: Schwankungen der Windgeschwindigkeit während einer Messung in
BAM-UE
Aus den vorliegenden Untersuchungen mit einer Gesamtanzahl von 171 Versuchen
kann abgeleitet werden, dass unter Berücksichtigung der Genauigkeit, der für die Stör-
fallauswirkungsbetrachtung zur Verfügung stehenden Wetterdaten, der Einfluss der
Bebauung auf den Verdunstungsmassenstrom eine untergeordnete Rolle spielt. Da-
her werden die Messergebnisse im Folgenden nur noch auf die Daten des DWD und
der FU Berlin bezogen und keine Unterscheidung mehr zwischen den Versuchsgelän-
den gemacht.
In Abbildung 14 und 15 sind die Ergebnisse aller experimentellen Untersuchungen
für Ethanol und Cyclohexan dargestellt. In Abbildung 14 sind zur visuellen Unterstüt-
zung manuell Trendlinien über den geschätzten Verlauf des Massenstromes mit der
Windgeschwindigkeit eingetragen. Für die Werte bei einer Temperatur von 323 K ist
der Bereich 0 m/s bis 1,5 m/s nur gestrichelt dargestellt, da für diese Temperatur kein
Messwert für Windstille vorliegt. Es wird in dieser Darstellung angenommen, dass der
Verlauf den Verläufen bei niedrigeren Temperaturen ähnelt.
Mit ansteigender Lachentemperatur erhöht sich der Dampfdruck des Stoffes und so-
mit auch der Verdunstungsmassenstrom. Dies ist gut bei den Messungen in der Hal-
le (Windgeschwindigkeit 0) zu erkennen, da hier die Schwankungen der Windge-
schwindigkeit, Windrichtung und Sonneneinstrahlung keinen Einfluss auf die Messun-
gen haben. Da Cyclohexan bei 20C schon einen fast doppelt so hohen Dampfdruck
55
5 Experimentelle Untersuchungen
aufweist, wie Ethanol und der gemessene Massenstrom bei vergleichbarer Temperatur
und Windgeschwindigkeit fast doppelt so groß ist, kann in dem untersuchten Tempera-
turbereich von einem fast linearen Zusammenhang zwischen dem Massenstrom und
dem Dampfdruck ausgegangen werden.
Abbildung 14: Verdunstungsmassenströme von Ethanol, Lachendurchmesser 0,74 m
Abbildung 15: Verdunstungsmassenströme von Cyclohexan, Lachendurchmesser
0,74 m
56
5 Experimentelle Untersuchungen
Um den Einfluss der Lachengröße und somit der überströmten Länge auf den Verdun-
stungsmassenstrom bewerten zu können, wurde eine Messreihe mit Ethanol bei 30C,
einer Windgeschwindigkeit von 4,5 m/s (±0,15 m/s), sowie Lachendurchmessern von
0,5 m, 0,74 m und 1 m durchgeführt. Um die Einflüsse von Wind- und Temperatur-
schwankungen zu minimieren, wurden je drei Wiederholungsversuche mit allen drei
Lachengrößen direkt hintereinander durchgeführt. Die Mittelwerte der Ergebnisse die-
ser Versuchsreihen sind in Tabelle 4 dargestellt. Wie zu erwarten, steigt der Massen-
strom mit größer werdender Lachenfläche. Im Gegensatz dazu verringert sich jedoch
die Massenstromdichte mit steigender Lachenfläche. Dies ist dadurch begründet, dass
mit steigender Überströmlänge immer mehr Stoff in die Gasphase übergeht und dort
den weiteren Stoffübergang aus der Lache hemmt.
Lachendurchmesser Massenstrom Massenstromdichte
[m] [kg/s] [kg/m2s]
0,50 2,73 ·1041,39 ·103
0,74 4,91 ·1041,14 ·103
1,00 8,28 ·1041,05 ·103
Tabelle 4: Mittlerer Massenstrom und Massenstromdichte für verschiedene Größen ei-
ner Ethanollache bei 30C
57
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
In diesem Kapitel werden die Daten aus den durchgeführten Freilandversuchen heran-
gezogen, um die Genauigkeit der einzelnen empirischen Modelle bei der Abschätzung
von Massenströmen zu untersuchen, die nicht unter Laborbedingungen gemessen
wurden. Des Weiteren werden die Ergebnisse des Grenzschichtverfahrens vorgestellt
und mit den Daten aus den Experimenten und den empirischen Modellen verglichen,
um Aussagen bezüglich der Leistungsfähigkeit des Verfahrens treffen zu können.
6.1 Beurteilung der empirischen Modelle
Da das Modell von Deutsch die Möglichkeit bietet, die Berechnung an die Topografie
anzupassen, soll zuerst der Einfluss dieser Einstellmöglichkeit untersucht werden. In
Abbildung 16 ist der Vergleich zwischen den Messwerten und den errechneten Wer-
ten mit dem Modell von Deutsch für eine Ethanollache in sehr rauem und in glattem
Gelände aufgetragen. Die mit dem Modell von Deutsch berechneten Massenströme
für beide Extrema, glattes und sehr raues Gelände, weichen um rund 10% voneinan-
der ab. Prinzipiell wird damit der auch experimentell festgestellte Unterschied im An-
stieg des Verdunstungsmassenstroms mit der Windgeschwindigkeit erfasst. Da aber
der Einfluss der beiden Gelände auf die Messwerte gering ist und beide Einstellungen
im Modell von Deutsch zu einer deutlichen Überschätzung derselben führen, wird im
Folgenden nur noch die Einstellung für glattes Gelände verwendet, da diese näher an
den Messwerten liegt.
58
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 16: Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit dem Modell
von Deutsch für glattes und sehr raues Gelände für eine Ethanollache
bei 30C und einem Durchmesser von 0,74 m.
In Abbildung 17 und 18 sind die gemessenen Massenströme respektive für eine Ethanol-
und eine Cyclohexanlache im Vergleich mit den berechneten Massenstromverläufen
aus den empirischen Modellen aufgetragen. In Abbildung 17 sind weiterhin die bei
sehr geringen Windgeschwindigkeiten (Windstille) gemessenen Massenströme aufge-
tragen. Dieser Messwert gibt einen Hinweis auf die untere Grenze des Anwendungsbe-
reiches der empirischen Modelle. Bis auf das Modell von Brötz berechnen alle Modelle
einen Massenstrom von 0 kg/s bei Windstille. Aus dem Vergleich der Kurvenverläufe
mit dem Messwert bei Windstille ist zu schließen, dass die empirischen Modelle un-
terhalb von 1 m/s Windgeschwindigkeit keine zuverlässigen Werte mehr liefern. Selbst
bei dem Modell von Brötz, welches noch einen Massenstrom liefert, müsste der mini-
male Stoffübergangskoeffizient βmin auf ca. 6 m/h erhöht werden, um den Messwert
zu erreichen.
59
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 17: Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit den empiri-
schen Modellen für eine Ethanollache bei 30C und einem Durchmesser
von 0,74m.
Abbildung 18: Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit den empiri-
schen Modellen für eine Cyclohexanlache bei 30C und einem Durch-
messer von 0,74m.
Die Modelle von Meurer, Clancey und dem TÜV-Rheinland ergeben für beide Stoffe
die besten Übereinstimmungen mit den Messwerten. Die relativen Abweichungen der
60
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Modelle untereinander und zu den Messwerten sind aber von den Stoffeigenschaften
abhängig. Insbesondere die Modelle von Meurer, Clancey und dem TÜV-Rheinland,
die für Ethanol eine gute Approximation mit einer maximalen Abweichung um ca. 20%
liefern, weichen bei Cyclohexan viel deutlicher (im Schnitt um ca. 55 %) von den
Messwerten ab. Vor allem aber lässt sich feststellen, dass der Abstand zu den an-
deren empirischen Modellen, insbesondere dem Modell von Deutsch, nur noch sehr
gering ist.
Die Erklärung für diese unterschiedlichen Abweichungen zu den Messergebnissen ist
in den Modellgleichungen zu finden. Diese unterscheiden sich hauptsächlich in der Be-
rücksichtigung des Dampfdruckes und der molaren Masse. Die Modelle von Mackay-
Matsugu und Deutsch weisen die gleiche Berücksichtigung des Dampfdruckes auf,
ohne jedoch die molare Masse mit in die Berechnung einzubeziehen, während die
Modelle von Sutton-Pasquill, Meurer, Brötz, Clancey und dem TÜV-Rheinland die mo-
lare Masse direkt und den Dampfdruck in einer anderen Formulierung berücksichtigen.
Da hier zwei konkurrierende Effekte auftreten, muss jeweils der Einfluss des Dampf-
druckes und der molaren Masse separat untersucht werden.
Abbildung 19: Vergleich der Messwerte aus den Freilandversuchen mit den empiri-
schen Modellen für eine Ethanollache mit einem Durchmesser von 0,74
m bei unterschiedlichen Dampfdrücken und einer Windgeschwindigkeit
von 2,5 m/s.
61
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Um den Einfluss des Dampfdruckes bei gleich bleibender molarer Masse zu untersu-
chen, wurden in Abbildung 19 die berechneten Massenströme für eine Ethanollache
für unterschiedliche Dampfdrücke, also bei unterschiedlichen Lachentemperaturen, in
Relation zu den Messwerten aufgetragen. Es ist festzustellen, dass in dem durch die
Messwerte abgebildeten Bereich bis 0,3 bar, kein Einfluss des Dampfdruckes auf die
Verhältnisse der einzelnen Modelle zueinander feststellbar ist. Auch in dieser Auftra-
gung liefern die Modelle von Meurer, Clancey und dem TÜV-Rheinland die beste Ab-
schätzung der Messwerte.
Für höhere Dampfdrücke jedoch tritt eine Veränderung der Verhältnisse der Modelle
zueinander auf. Insgesamt ist festzustellen, dass ab einem Dampfdruck von 0,8 bar al-
le Modelle mit logarithmischer Berücksichtigung des Dampfdruckes in den Bereich ex-
ponentiellen Anstieges kommen, so dass 0,8 bar als obere Grenze des Anwendungs-
bereichs der Modelle angesetzt werden sollte. Einzig die Modelle von Sutton-Pasquill,
Clancey und Brötz liefern durch ihre lineare Berücksichtigung des Dampfdruckes einen
proportionalen Anstieg des Massenstromes bis hin zu 1,0 bar. Hierbei scheint das Mo-
dell von Clancey mit der geringen Steigung am ehesten dem Trend der Messwerte zu
folgen. In Ermangelung von Messwerten im Bereich nahe des Siedepunktes kann für
hohe Dampfdrücke keine Aussage zur Qualität der Ergebnisse dieser drei Modelle ge-
macht werden.
Da im experimentell untersuchten Bereich bis 0,3 bar der Dampfdruck keinen Einfluss
auf die Verhältnisse der Ergebnisse der Modelle zueinander hat, muss die unterschied-
liche Berücksichtigung der molaren Masse in den empirischen Modellen der Grund für
die Änderung der Verhältnisse der Berechnungsergebnisse zueinander sein. In Tabel-
le 5 ist das Verhältnis von berechnetem zu gemessenem Massenstrom für die empi-
rischen Modelle bei nahezu gleichem Dampfdruck von Ethanol (0,2938 bar bei 50C,
Molare Masse von 46,07 g/mol) und Cyclohexan (0,3007 bar bei 44C, Molare Masse
von 84,16 g/mol) zusammengestellt. Die Modelle von Mackay-Matsugu und Deutsch
zeigen eine konstante Abweichung zu den Messwerten, während sich bei den anderen
Modellen, welche die molare Masse direkt berücksichtigen, die Abweichungen von den
Messwerten mit steigender molarer Masse ansteigen. Somit ist bei der Verwendung
dieser anderen Modelle bei Stoffen mit großen molaren Massen mit einer zunehmend
konservativen Abschätzung des Massenstromes zu rechnen.
62
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Ethanol Cyclohexan
Messwert 1,02 ·103[kg/s] 2,33 ·103[kg/s]
Modell Abweichungen vom Messwert in %
Sutton-Pasquill 190 230
Mackay-Matsugu 225 225
Deutsch 180 180
TÜV-Rheinland 115 165
Brötz 165 235
Meurer 110 155
Tabelle 5: Abweichungen der berechneten Massenströme von den gemessenen für ei-
ne Ethanol- und eine Cyclohexanlache bei einem jeweiligen Dampfdruck von
0,3 bar
Abbildung 20: Vergleich der gemessenen mit den anhand der empirischen Modelle be-
rechneten Massenstromdichten für verschiedene Lachendurchmesser.
Der experimentell festgestellte Effekt, dass mit wachsender Lachenfläche die Mas-
senstromdichte abnimmt, wird durch die empirischen Modelle wiedergegeben (siehe
Abbildung 20 und 21). Die Ausnahme bildet hierbei das Modell von Brötz, das eine
lineare Abhängigkeit des Massenstromes von der Lachenfläche besitzt und somit im-
mer eine konstante Massenstromdichte berechnet. Es ist festzustellen, dass nahezu
alle Modelle eine Abnahme der Massenstromdichte von ca. 8% zwischen den Lachen-
durchmessern von 0,5 m und 1,0 m vorhersagen. Lediglich das Modell von Deutsch
nähert sich mit einer Abnahme um knapp 16% dem experimentell festgestellten Wert
63
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
von ca. 24% an (siehe Abbildung 20).
Abbildung 21: Einfluss der Lachengröße auf die mit den empirischen Modellen berech-
neten Massenstromdichten.
Steigt der Lachendurchmesser weiter an, so sind die Verhältnisse der einzelnen Mo-
delle (bis auf die Modelle von Deutsch und Brötz) nahezu konstant. Das Modell von
Deutsch liefert Werte, die mit steigendem Lachendurchmesser wesentlich stärker ab-
fallen, so dass im Bereich des Lachendurchmessers von 15 m annähernd die Werte
aus den Modellen von Meurer, vom TÜV-Rheinland und von Clancey erreicht werden.
Steigt der Lachendurchmesser noch weiter, liegen die mit dem Modell von Deutsch
berechneten Werte unterhalb der Werte der anderen Modelle. Wie in Abbildung 21 zu
sehen ist, liegt der mit dem Modell von Brötz berechnete Wert ab einem Lachendurch-
messer von ca. 6 Metern deutlich oberhalb der von den anderen Modellen berechneten
Werte. Aus diesen Beobachtungen ist zu schließen, dass das Modell von Brötz für rea-
le Lachengrößen mit einigen Metern Durchmesser unrealistisch hohe Werte liefert und
dass das Modell von Deutsch am besten geeignet ist, den Einfluss der Lachengröße
auf die Massenstromdichte abzubilden.
Nachdem der Einfluss der Lachenfläche auf die Massenstromberechnung untersucht
wurde, soll nun der Einfluss der Lachenform betrachtet werden. Nur die Modelle von
Sutton-Pasquill und Clancey unterscheiden in ihren Gleichungen zwischen einer run-
den und einer rechteckigen Lache. Alle anderen betrachteten Modelle berücksichtigen
64
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
die Form der Lache nicht. Die überströmte Länge entspricht jeweils dem Durchmesser
im Falle einer runden Lache oder der überströmten Länge im Falle einer rechteckigen
Lache. Um den Einfluss der Lachenform einschätzen zu können, wurden für alle Mo-
delle zwei Lachen gleicher Fläche berechnet. Für den rechteckigen Fall wurde eine 10
x10 Meter Lache ausgewählt. Korrespondierend dazu ergibt sich eine runde Lache mit
einem Durchmesser von 11,28 Metern. Die Ergebnisse dieser Berechnungen sind in
Tabelle 6 dargestellt.
Modell Massenstrom [kg/s]
rund eckig
Brötz 2,20E01 2,20E01
Meurer 1,03E01 1,03E01
TÜV-Rheinland 1,07E01 1,08E01
Mackay Matsugu 2,05E01 2,08E01
Deutsch 1,17E01 1,21E01
Clancey 1,07E01 1,05E01
Sutton-Pasquill 1,85E01 1,83E01
Tabelle 6: Massenströme der empirischen Modelle für eine rechteckige und eine runde
Ethanollache mit jeweils 100 m2Fläche und einer Lachentemperatur von
30C sowie einer Windgeschwindigkeit von 4,5 m/s
Wie aufgrund der Modellformulierung mit der expliziten Unterscheidung zwischen einer
rechteckigen und einer runden Lache zu erwarten, ergeben sich bei den Modellen von
Sutton-Pasquill und Clancey Abweichungen zwischen den Massenströmen für beide
Lachenformen.
Die Modelle von Mackay-Matsugu, Deutsch und dem TÜV-Rheinland ergeben, im Ver-
gleich mit der runden Lache, höhere Massenströme für die rechteckige Lache, obwohl
keine explizite Unterscheidung zwischen den Lachenformen in den Gleichungen vor-
gesehen ist.
Da die runde Lache mit gleicher Fläche einen größeren Durchmesser aufweist, als die
längste Seite der rechteckigen Lache, ist der Unterschied in den Massenströmen auf
die Abnahme der Massenstromdichte mit steigender überströmter Länge, wie in Abbil-
dung 21 dargestellt, zurückzuführen.
Dass anhand der Modelle von Brötz und Meurer kein Einfluss der Lachenform nach-
zuweisen ist, liegt in den Modellgleichungen begründet. Während Brötz ausschließlich
die Lachenfläche aber keinerlei Längen in seiner Gleichung berücksichtigt, kann das
Modell von Meurer nur rechteckige Lachen berechnen, so dass eine runde Lache durch
65
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
eine rechteckige Lache äquivalenter Fläche substituiert werden muss, wodurch etwai-
ge Einflüsse, wie eine unterschiedliche überströmte Länge, nicht zur Geltung kommen.
Interessanterweise liefern die Modelle von Sutton-Pasquill und Clancey zu diesen Be-
obachtungen genau entgegengesetzte Werte, so dass der Massenstrom einer runden
Lache größer ist als der der flächengleichen rechteckigen Lache. Eine Begründung
hierfür könnte sein, dass bei einer eckigen Lache die überströmte Länge über die ge-
samte Breite der Lache gleich ist und somit auch die Massenstromdichte. Bei einer
runden Lache ergeben sich quer zur Strömungsrichtung jedoch unterschiedliche über-
strömte Längen, so dass an den äußersten Rändern der Lache nur kurze Strecken
überströmt werden und somit hohe Massenstromdichten an dieser Stelle auftreten,
wohingegen auf der Mittelachse der Lache die längste überströmte Strecke und auch
die geringste Massenstromdichte vorliegt. Der Mittelwert dieser Massenstromdichten
könnte somit größer sein, als die Massenstromdichte einer eckigen Lache, was den
höheren Massenstrom der runden Lache erklären würde. Da jedoch keine experimen-
tellen Daten zum Einfluss der Lachenform auf den Verdunstungsmassenstrom vorlie-
gen, kann an dieser Stelle keine abschließende Bewertung durchgeführt werden.
6.1.1 Lachenausbreitung
Um den Einfluss der Lachenausbreitung auf den Massenstrom zu untersuchen, wer-
den die empirischen Modelle mit einem Lachenausbreitungsmodell gekoppelt. Da meh-
rere Lachenausbreitungsmodelle zur Verfügung stehen, soll zuerst geklärt werden, wie
sehr sie sich voneinander unterscheiden. Zu diesem Zweck wurden Berechnungen zur
Ausbreitung der Lache ohne Verdunstung durchgeführt (Abbildung 22). Hierbei wurde
die Ausbreitung von Ethanol bei 30C auf einem Betonboden berechnet. Die Freiset-
zungsrate betrug 1 kg/s für 600 s. Der gesamt berechnete Zeitraum betrug 7200 s.
66
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 22: Vergleich der zeitabhängigen Lachenradien bei der reinen Ausbreitung
einer Ethanollache für die Ansätze von Webber und Briscoe und Shaw
sowie Schalau.
Die mit dem Ansatz von Briscoe und Shaw berechneten Radien liegen deutlich über
denen von Webber und unterschreiten die von Lebuser zitierten Mindestschichtdicken.
Das Modell von Schalau ist hier aufgetragen worden, ohne die in diesem Modell vor-
gesehene Mindestschichtdickenbegrenzung bei der Berechnung berücksichtigt zu ha-
ben. Es zeigt sich, dass auch hier die berechneten Radien deutlich zu groß sind und
die Lache sich bei unendlicher Zeit unendlich weit ausdehnen würde. Somit ist die
von Schalau vorgesehen Radienbegrenzung aufgrund der Mindestschichtdicke zwin-
gend erforderlich. Für den Ansatz von Briscoe und Shaw wäre eine solche Begrenzung
ebenso sinnvoll. Das Modell von Briscoe und Shaw kann jedoch keine Ausbreitung der
Lache nach dem Ende der flüssigen Freisetzung berücksichtigen, was auch der Grund
für dafür ist, dass die Kurve nach Briscoe und Shaw in Abbildung 22 nach 600 s endet.
Dieser Umstand führt dazu, dass im Weiteren nur noch die Modelle von Webber und
von Schalau betrachtet werden. Letzteres, so wie vom Autor vorgesehen, immer mit
der Begrenzung des Radius über die Mindestschichtdicke gemäß folgender Formel:
rmax =rV
π·hmin
(103)
In Abbildung 23 sind die Radien aus der instationären Berechnung einer Ausbreitung
einer Ethanollache mit gleichzeitiger Verdunstung, für die Ansätze von Webber und von
67
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Schalau aufgetragen, sowie der Radius aus der stationären Berechnung, also ohne
Ausbreitung. Im stationären Fall errechnet sich der Lachenradius über das freigesetz-
te Volumen und die Annahme der Mindestschichtdicke für Beton. Dieser Radius stellt
den maximalen Radius bei Annahme einer Mindestschichtdicke dar. Da keinerlei Aus-
breitungsmodell berücksichtigt wird, schrumpft die Lache während der Verdunstung
nicht in der Fläche sondern nur in der Dicke, bis die gesamte vorhandene Masse ver-
dunstet ist. Dies widerspricht zwar der eingangs erwähnten Annahme einer Mindest-
schichtdicke, spiegelt aber genau den Fall wieder der vorliegt, wenn ausschließlich mit
einem der empirischen Modelle ohne weiteres Lachenausbreitungsmodell gerechnet
wird. Somit ist auch zu erklären, dass die Kurve für den Fall ohne Ausbreitung abrupt
bei 2335 s abbricht, da zu diesem Zeitpunkt die gesamte Masse verdunstet war.
Das Modell von Schalau liefert für diesen Fall so große Radien, dass schon nach der
ersten Sekunde das Mindestschichtdickenkriterium greift und das im Diagramm dar-
gestellte Anwachsen eigentlich nicht auf die Verwendung eines Ausbreitungsmodells
zurückzuführen ist, sondern lediglich auf die Berechnung des maximal möglichen Ra-
dius gemäß Formel (103). Wäre ein deutlich höherer Flüssigkeitsmassenstrom in die
Lache gewählt worden, würde das Schichtdickenkriterium erst viel später greifen, so
dass eine Ausbreitung gemäß der Gleichungen von Schalau möglich ist. Dass an die-
ser Stelle nicht der maximale Radius wie für den Fall der stationären Betrachtung er-
reicht wird, liegt darin begründet, dass während der Ausbreitung schon Stoff verdunstet
ist, so dass der zum Zeitpunkt Null theoretisch erreichbare maximale Radius mit der
verbleibenden Stoffmenge nicht mehr erreicht werden kann.
Das Modell von Webber liefert an dieser Stelle die plausibelsten Ergebnisse. Während
das Modell von Schalau einen erst ansteigenden und dann sofort wieder abfallenden
Radius vorhersagt, liefert das Modell von Webber einen „Gleichgewichtsradius“, der
daraus resultiert, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Lache eine Zeit lang ge-
nau so groß ist, wie das durch die Verdunstung hervorgerufene Schrumpfen. Aus die-
sen Beobachtungen ist zu schließen, dass das Modell von Webber der geeignetere
Ansatz zur Beschreibung der Lachenausbreitung ist.
68
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 23: Vergleich der zeitabhängigen Lachenradien bei der Ausbreitung einer
Ethanollache mit gleichzeitiger Verdunstung für die Ansätze von Webber
und Schalau.
Da keine Messwerte zur Ausbreitung von Lachen vorliegen, kann keine konkrete Aus-
sage zur Genauigkeit des Verfahrens von Webber gemacht werden. Um dennoch ab-
schätzen zu können, inwiefern das Verfahren plausible Werte ergibt, wird ein Ausbrei-
tungsversuch der HSE herangezogen [62]. Bei diesem Versuch wurde Wasser mit ei-
nem Massenstrom von ca. 225 kg/s für 5 Sekunden in einem viertel-kreisförmigen Auf-
fangbecken mit 20 m Durchmesser freigesetzt. Hierbei erreichte die Flüssigkeit nach 5
Sekunden einen Radius von 10 m, also die Wand des Auffangbeckens. Berechnungen
mit dem Modell von Webber ergeben für dieses Szenario einen Radius von 6,5 m nach
5 s. Ergänzend ist zu erwähnen, dass der Versuchsaufbau der HSE ein Freisetzen des
Wassers aus einem zylindrischen Behälter mit einem Durchmesser von 3,4 m vorsah.
Dieser Behälter war so platziert, dass sein Mittelpunkt mit dem des Auffangbeckens
übereinstimmte. Das Wasser wurde somit erst bei einem Radius von 1,7 m freigesetzt,
so dass lediglich 8,3 m in 5 s zurückgelegt werden mussten. Des Weiteren war die
Flüssigkeit bei ihrem Freisetzen aus dem Behälter mit einem zusätzlichen Impuls ver-
sehen, der die Ausbreitung sicherlich beschleunigt hat. Dementsprechend können die
Ergebnisse nach Webber als realistisch eingestuft werden.
Basierend auf den in Abbildung 23 dargestellten Lachenradien, soll nun die zeitliche
Entwicklung der Massenströme betrachtet werden. In Abbildung 24 sind die zeitlichen
69
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Verläufe der Massenströme r die stationäre Berechnung mit dem Verdunstungsmo-
dell nach Mackay-Matsugu, sowie der beiden instationären Berechnungen mit dem
selben Verdunstungsmodell - diesmal jedoch gekoppelt mit den Modellen von Webber
und von Schalau - aufgetragen.
Die stationäre Betrachtung ergibt erwartungsgemäß den höchsten Massenstrom, je-
doch ist nach 2335 s die gesamte Masse verdunstet, so dass ab diesem Zeitpunkt im
Gegensatz zu den instationären Berechnungen, keine Gefährdung durch eine Flüssig-
keitslache mehr vorliegt.
Während Webber in der Anfangsphase, aufgrund der kleiner berechneten Radien,
deutlich niedrigere Massenströme liefert als das Modell von Schalau, oder das sta-
tionäre Modell, kehrt sich dieses Verhältnis nach einer gewissen Zeit um. Aufgrund
der wesentlich höheren anfänglichen Massenströme (resultierend aus den größeren
Lachenradien), schrumpft die Lache beim Modell von Schalau wesentlich schneller
als beim Modell von Webber. Daraus folgt, dass für kurze Zeitspannen dieses Modell
wesentlich höhere Massenströme ergibt als das Modell von Webber. Dies wiederum
führt zu deutlich höheren Anfangskonzentrationen für eine Gasausbreitungsrechnung
und damit zu größeren Sicherheitsabständen wie UZD oder Toxizitätsgrenzen. Diese
Beobachtungen gelten ebenso für die stationäre Berechnung, die aufgrund des hö-
heren Massenstromes noch wesentlich größere Sicherheitsabstände ergibt. Aufgrund
des schnellen Schrumpfens der Lache bei Anwendung des Modells von Schalau und
dem vollständigen Verdunsten der Lache im stationären Fall, nimmt der Massenstrom
und die daraus resultierende Gefährdung jedoch deutlich schneller ab, als dies z.B.
beim Modell von Webber der Fall ist.
Insgesamt ist jedoch festzuhalten, dass für die betrachtete Zeitspanne von zwei Stun-
den die gesamte verdunstete Masse bei dem Modell von Webber um 10 % niedriger
ausfällt als bei dem Modell von Schalau , so dass das Gefahrenpotenzial insgesamt
auch niedriger eingeschätzt wird.
70
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 24: Vergleich der zeitabhängigen Verdunstungsmassenströme bei der Aus-
breitung einer Ethanollache für die Ansätze von Webber und Schalau
mit Berücksichtigung der Mindestschichtdicke.
6.1.2 Zusammenfassende Beurteilung der empirischen Modelle
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die durchgeführten Untersuchungen ge-
zeigt haben, dass das Modell von Mackay-Matsugu und das Modell von Deutsch, stof-
funabhängig, eine gleich bleibende Qualität der Vorhersage liefern. Des Weiteren ist
das Modell von Deutsch am Besten dafür geeignet, den Einfluss der Lachengröße auf
die Massenstromdichte und somit den Massenstrom abzubilden, so dass dieses als
das zuverlässigste Modell zu empfehlen ist, auch wenn z.B. die Modelle von Clan-
cey, Meurer oder dem TÜV-Rheinland stellenweise eine bessere Approximation der
Messwerte liefern können.
Für die empirischen Modelle wurden Anwendungsgrenzen anhand des Vergleichs mit
den Daten aus den Freilandversuchen bestimmt und als untere Grenze eine Windge-
schwindigkeit von 1 m/s festgelegt, da in diesem Bereich die Messwerte unterschätzt
werden. Des Weiteren sind ab einem Dampfdruck von 0,8 bar die Ergebnisse dieser
Modelle nicht mehr als realistisch anzusehen, so dass von Berechnungen oberhalb
dieses Wertes abzuraten ist.
71
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Die Verwendung eines Lachenausbreitungsmodells in Verbindung mit den empirischen
Modellen führt zu einer signifikant niedrigeren Abschätzung des Massenstromes. Hier-
bei sollte auf das Modell von Webber zurückgegriffen werden, da dieses die plausible-
ren Werte liefert und im Gegensatz zu dem Modell von Briscoe und Shaw oder auch
dem Modell von Schalau deutlich geringere Massenströme ergibt. Ein Verzicht auf die
Berücksichtigung der Lachenausbreitung bei der Berechnung ist, in sicherheitstechni-
schem Sinne, zwar unbedenklich, da dies zu einer noch konservativeren Abschätzung
führt, jedoch ist fraglich, inwiefern die daraus resultierende Überschätzung noch zu
verwertbaren Ergebnissen führt.
Betrachtet man die Abweichungen der berechneten Massenströme der einzelnen em-
pirischen Modelle voneinander, so ist festzustellen, dass die Unterschiede zwischen
den berechneten Massenströmen ca. 15% betragen, auch wenn in Einzelfällen die Ab-
weichungen deutlich größer (bis zu 50%) ausfallen können. Setzt man hierzu die 10 %
Abweichung im Massenstrom zwischen den beiden Lachenausbreitungsmodellen ins
Verhältnis, so ist festzustellen, dass die Wahl des Verdunstungs- und des Lachenaus-
breitungsmodells einen vergleichbaren Einfluss auf das Ergebnis haben.
Die Genauigkeit der Berechnung der Zielgrössen, wie der Verdunstungsmassenstrom,
die UZD oder die explosionsfähige Masse, hängt somit von der gewählten Kombina-
tion der empirischen Modelle zur Verdunstungsmassenstrom-, Lachenausbreitungs-
und Gasausbreitungsberechnung ab.
6.2 Grenzschichtverfahren
6.2.1 Laminare, stationäre Strömung
Splettstößer [28] führte im Windkanal Versuche zur Verdunstung von Benzol in ei-
ner stationären laminaren Strömung durch. Hierbei wurde die Kühlgrenztemperatur
der Flüssigkeit bestimmt, die sich im stationären Zustand einstellt, wenn eine sich ab-
kühlende Flüssigkeit und die Umgebung im Gleichgewicht sind. Der Vergleich seiner
Messwerte der Kühlgrenztemperatur für Strömungsgeschwindigkeiten von 10 m/s (Ab-
bildung 25) und 20 m/s (Abbildung 26) und der mit dem hier vorgestellten Grenzschicht-
verfahren berechneten Werte ergibt eine sehr gute Übereinstimmung.
72
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 25: Vergleich der von Splettstößer gemessenen und der mit dem Grenz-
schichtverfahren berechneten Kühlgrenztemperaturen für Benzol in la-
minarer Strömung bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s.
Abbildung 26: Vergleich der von Splettstößer gemessenen und der mit dem Grenz-
schichtverfahren berechneten Kühlgrenztemperaturen für Benzol in la-
minarer Strömung bei einer Windgeschwindigkeit von 20 m/s.
Der Vergleich der von Splettstößer gemessenen und der mit dem Grenzschichtverfah-
ren berechneten Massenströme für eine Benzollache in laminarer Strömung ergibt eine
73
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
ähnlich gute Übereinstimmung (siehe Tabelle 7). Somit kann das stationäre, laminare
Grenzschichtverfahren als validiert angesehen werden.
Anströmtemperatur Massenstromdichte Massenstromdichte
nach Splettstößer nach Grenzschichtverfahren
˙m·Re ˙m·Re
[K] [kg/m2s] [kg/m2s]
373 1,83 1,9
473 2,78 2,8
573 3,25 3,3
Tabelle 7: Vergleich der von Splettstößer ermittelten und der mit dem Grenzschichtver-
fahren berechneten Massenströme
6.2.2 Turbulente, stationäre Strömung
Für die Berechnung der Verdunstungsmassenströme in turbulenter Strömung wurden
zwei Turbulenzmodelle verwendet. Durch den Vergleich der berechneten Werte mit
den gemessenen Werten aus den Freilandversuchen, lässt sich der Einfluss der Tur-
bulenzmodellierung auf die Massenstromberechnung bewerten. In Abbildung 27 sind
die berechneten und gemessenen Werte für eine 0,74 m Ethanollache bei 30C aufge-
tragen. Das Modell von Cebeci-Chang (im Folgenden CC-Modell genannt) wurde für
drei unterschiedliche Gelände und somit Bodenrauhigkeiten angewandt. Hierbei wurde
ein glattes Gelände mit einem Exponenten αvon 0,15, ein mäßig rauhes Gelände mit
einem Exponenten von 0,22 und ein rauhes Gelände mit einem Exponenten von 0,33
berechnet. Während für das glatte Gelände bei niedrigen Windgeschwindigkeiten (un-
terhalb von 5 m/s) noch übereinstimmende Werte mit dem Modell von Cebeci-Smith
(im Folgenden CS-Modell genannt) erzielt werden, liegen die Ergebnisse nach Cebeci-
Chang bei höheren Geschwindigkeiten schon deutlich über denen nach Cebeci-Smith.
Für das mäßig rauhe und das rauhe Gelände sind die berechneten Massenströme
in allen Geschwindigkeitsbereichen deutlich über denen nach Cebeci-Smith, außer bei
Windgeschwindigkeiten um die 1 m/s und weniger. Insbesondere die stärkere Steigung
der Kurven für das CC-Modell bei höheren Windgeschwindigkeiten sorgt für eine im-
mer größer werdende Abweichung von den Berechnungsergebnissen des CS-Modells
und von den experimentellen Daten.
Der deutliche Anstieg des Massenstromes mit der Windgeschwindigkeit beim CC-
Modell ist darauf zurückzuführen, dass bei höheren Windgeschwindigkeiten die Bo-
denrauhigkeit zu einem viel stärkeren Anstieg der Turbulenz und somit des Massen-
74
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
stromes führt. Andererseits zeigt sich bei diesen Berechnungen, dass der Einfluss der
Bodenrauhigkeit bei niedrigeren Windgeschwindigkeiten so weit absinkt, dass er im
Vergleich zu den Modellen ohne Bodenrauhigkeit vernachlässigbar wird.
Abbildung 27: Vergleich der experimentellen Daten aus den Freilandversuchen für ei-
ne Ethanollache bei 30C mit den Berechnungsergebnissen aus dem
Grenzschichtverfahren mit den Turbulenzmodellen nach Cebeci-Smith
und Cebeci-Chang.
In Abbildung 28 ist die Verteilung der dimensionslosen turbulenten Viskosität über die
Höhe der Grenzschicht für das CS-Modell und das CC-Modell für sehr rauhes Gelän-
de aufgetragen. Es ist deutlich zu erkennen, dass Berechnungen mit dem CC-Modell
eine höhere Turbulenz ergeben als mit dem CS-Modell. Diese erhöhte Turbulenz führt
einerseits zu steigenden Geschwindigkeitsgradienten an der Wand, die wiederum zu
steigenden Wandgradienten der Konzentration führen.
In dieser Abbildung nicht zu erkennen ist jedoch, dass das CC-Modell im Gegensatz
zum CS-Modell an der Wand einen Wert für die Turbulenz errechnet, der nicht Null
ist. Da an der Wand die Turbulenz aus der Mischungsweglänge nach Prandtl berech-
net wird, ist der Unterschied zwischen den beiden Modellen auf die unterschiedliche
Formulierung derselben zurückzuführen. Für beide Modelle gilt an der Wand:
ν+
t,W and =2·
u
y
(104)
75
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Der Unterschied liegt in der Formulierung der Mischungsweglänge .
Für die Mischungsweglänge im CS-Modell:
= 0,4·y·[1 exp(y/A)] (105)
ergibt ich an der Wand, also bei y= 0, ein Wert von Null und dem entsprechend auch
für die Turbulenz.
Im CC-Modell wird die Mischungsweglänge neu formuliert„ um die Bodenrauhigkeit zu
berücksichtigen:
= 0,4·(y+ y)·[1 exp((y+ y)/A)] (106)
Der Term ystellt hierbei die Koordinatenverschiebung aufgrund der Bodenrauhigkeit
dar. Somit ergibt sich an der Wand zwar ein y= 0, jedoch ist aufgrund des ynicht
gleich Null.
Betrachtet man wiederum den Massenstrom:
˙m=ρW andvW and µW and
ScW and 1 + ν+
t,W and
ScW and
Sctc1
y ·ALache (107)
so wird deutlich, dass dieser direkt von der Turbulenz an der Wand abhängt. Die fest-
gestellte Erhöhung des Wandgradienten der Konzentration und das Auftreten einer
Wandturbulenz führen dazu, dass beim CC-Modell höhere Massenströme als beim
CS-Modell ermittelt werden.
76
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 28: Vergleich der dimensionslosen turbulenten Viskosität aus dem CS-
Modell mit den Werten aus dem CC-Modell für sehr raues Gelände bei
gleicher Windgeschwindigkeit.
Der Vergleich der berechneten Massenströme mit den Messergebnissen für eine Cy-
clohexanlache (siehe Abbildung 29) ergibt ein ähnliches Bild, wie für die Ethanolla-
che. Während das CS-Modell noch eine gute Approximation der Messwerte liefert,
liegen die mit dem CC-Modell berechneten Werte deutlich höher. Eine Abhängigkeit
der beiden Turbulenzmodelle von den Stoffeigenschaften kann somit ausgeschlossen
werden. Des Weiteren ist die Steigung der Kurve für das CS-Modell deutlich flacher
und folgt somit besser dem zu erwartenden Verlauf der Messwerte bei steigender Ge-
schwindigkeit.
Da die Berücksichtigung der Bodenrauhigkeit im Turbulenzmodell von Cebeci-Chang
zu keiner zufrieden stellenden Übereinstimmung mit den experimentellen Daten führt
und das CS-Modell eine deutlich besser Approximation liefert, wird im Folgenden das
CC-Modell nicht mehr betrachtet und alle weiteren Untersuchungen nur noch mit dem
Modell nach Cebeci-Smith durchgeführt.
Aufgrund der Beobachtungen aus Abbildung 27 und 29 wird als untere Grenze des An-
wendungsbereichs des Grenzschichtverfahrens eine Windgeschwindigkeit von 1 m/s
angenommen. In beiden Abbildungen, aber insbesondere in Abbildung 27 mit dem
Messwert bei Windstille, ist zu vermuten, dass bei geringeren Windgeschwindigkeiten
77
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
die berechneten Massenströme unterhalb der zu erwartenden experimentellen Werte
liegen würden.
Abbildung 29: Vergleich der experimentellen Daten aus den Freilandversuchen für eine
Cyclohexanlache bei 30C mit den Berechnungsergebnissen aus dem
Grenzschichtverfahren mit den Turbulenzmodellen nach Cebeci-Smith
und Cebeci-Chang.
Um das Verhalten des Turbulenzmodells bei hohen Dampfdrücken zu untersuchen,
wurden für eine Ethanollache mehrere Berechnungen mit steigender Lachentempera-
tur und somit steigendem Dampfdruck durchgeführt (siehe Abbildung 30). Zum Ver-
gleich sind in dem Diagramm auch die Messwerte für unterschiedliche Temperaturen
eingetragen. Eine sehr gute Übereinstimmung mit den Messwerten ist festzustellen.
Laut Schlichting [30] wird der Anwendungsbereich der Grenzschichtgleichungen auch
durch die vertikale Geschwindigkeitskomponente vbegrenzt. Diese muss klein ge-
genüber der horizontalen Komponente sein. Damit die Grenzschichtgleichungen erfüllt
werden können, muss die vertikal zur Phasengrenzfläche gerichtete Geschwindigkeit
vvon der Größenordnung O(1/Re)sein. Ist vdeutlich größer, müssen Gleichungen
höherer Ordnung als die Grenzschichtgleichungen gelöst werden, um das Phänomen
des massiven Ausblasens noch erfassen zu können. Hierfür rde sich die Lösung der
parabolisierten Navier-Stokes Gleichungen anbieten.
78
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Da die Geschwindigkeit vdirekt mit dem Massenstrom, bzw. der Massenstromdichte
zusammenhängt:
(ρv)W and =˜
˙m(108)
wird sich die vertikale Geschwindigkeit mit steigendem Dampfdruck immer weiter er-
höhen. Geht man von der kritischen Reynoldszahl für das Vorliegen einer turbulenten
Grenzschichtströmung von 5·105aus, so ergibt sich für veine Größenordnung von
103. Dies ist bis zu einem Dampfdruck von 0,8 bar noch gegeben, während bei höhe-
ren Dampfdrücken die Größenordnung der resultierenden Werte für veine Zehnerpo-
tenz darüber liegt. Dies stimmt mit Abbildung 30 überein, da auch hier aufgrund des
exponentiellen Anstiegs des Massenstromes bei hohen Dampfdrücken eine Obergren-
ze von 0,8 bar sinnvoll erscheint.
Abbildung 30: Vergleich der experimentellen Werte mit den berechneten Werten des
Cebeci-Smith Turbulenzmodells für eine 0,74 m Ethanollache bei un-
terschiedlichen Dampfdrücken und einer Windgeschwindigkeit von 2,5
m/s.
Zu den Beobachtungen bei hohen Dampfdrücken soll anhand von Abbildung 31 geklärt
werden, inwiefern an dieser Stelle das Gas möglicherweise schon Schwergascharak-
ter hat und somit die hierfür vorgesehen Erweiterung der Turbulenzmodelle anhand
des Dichteterms qρe
ρnach Thiele sinnvoll ist.
Die berechneten Massenströme wurden für eine Cyclohexanlache mit 10 m Durchmes-
79
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
ser bei einer Windgeschwindigkeit von 3 m/s ermittelt. Es ist deutlich zu erkennen, dass
bei niedrigen Dampfdrücken (unterhalb von 0,5 bar) der Einfluss des Dichteterms sehr
gering ist (kleiner als 5 %), so dass in diesem Bereich davon ausgegangen werden
kann, dass die Gaswolke, trotz der hohen Dichte von Cyclohexan kein Schwergasver-
halten zeigt. Bei höheren Dampfdrücken betragen die Abweichungen zwischen den
Ergebnissen mit und ohne Dichteterm 10%. Es ist somit davon auszugehen, dass die
hohe Dichte des Gases Einfluss auf die Turbulenz und somit auf den Verdunstungs-
massenstrom nimmt. Der Einfluss des Dichteterms ist insofern von Bedeutung, da
die Reduktion des Massenstromes durch die dämpfende Wirkung des Schwergases
auf die Turbulenz, besonders in dem Bereich des exponentiellen Anstiegs zum tragen
kommt, wodurch letzterer zum Teil kompensiert wird.
Abbildung 31: Vergleich der berechneten Massenströme anhand des CS-Modells mit
und ohne Dichteterm.
Betrachtet man die, anhand des CS-Modells mit und ohne Dichteterm, berechneten
Konzentrations- und Dichteprofile am hinteren Rand der Lache (wie in Abbildung 32
dargestellt), so ist festzustellen, dass kaum Unterschiede in den Profilen zu erkennen
sind. Eine Beeinflussung der Berechnungsergebnisse durch die Erweiterung anhand
des Dichteterms ist somit kaum nachzuweisen. Des Weiteren ist festzustellen, dass ei-
ne ausreichend hohe Konzentration von über 10 Vol.% und eine deutlich höhere Dichte
als die von Luft nur in einem Bereich von ca. 10 cm über dem Boden vorliegen. Die
Annahme einer Schwergaswolke erscheint somit zwar nicht gerechtfertigt, die Anwen-
dung des Dichteterms bei der Turbulenzberechnung ist dennoch sinnvoll, da zumindest
80
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
in Wandnähe eine Beeinflussung der Turbulenz durch die höhere Dichte wahrschein-
lich ist.
Abbildung 32: Vergleich der berechneten Konzentrations- und Dichteprofile anhand
des CS-Modells mit und ohne Dichteterm für eine Cyclohexanlache mit
10 m Durchmesser und einem Dampfdruck von 0,65 bar.
Zur abschliessenden Untersuchung des Dichteterms sollte der Einfluss der Potenz,
mit der dieser berücksichtigt wird, geprüft werden. Untersucht wurde eine 10 x 10 m
Ethanollache bei 30C und einer Windgeschwindigkeit von 3 m/s. In Tabelle 8 sind die
berechneten Massenströme mit Dichtetermen mit unterschiedlichen Exponenten auf-
81
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
getragen. Im Vergleich zu der bisher berücksichtigten Potenz von 0,5 gemäß dem Vor-
schlag von Thiele, sind keine maßgeblichen Unterschiede zu den anderen Exponen-
ten feststellbar. Der Exponent von 0entspricht dem Turbulenzmodell ohne Dichteterm.
Vergleicht man die Exponenten die von Thiele (0,5) und Heudorfer (1) vorgeschlagen
wurden, ergibt sich eine Abweichung von gerade mal 1 %. Selbst die Verwendung
eines qaudratischen Dichteterms anstelle der Quadratwurzel ergibt eine Abweichung
von unter 4 %.
Auf die grafische Darstellung der Konzentrations- oder Dichteprofile im Nachlauf der
Lache für diese Potenzen wird an dieser Stelle verzichtet, da keinerlei sichtbare Un-
terschiede zwischen den einzelnen Profilen existieren und die Verläufe denen in Abbil-
dung 32 entsprechen. Somit kann geschlossen werden, dass die Potenz des Dichte-
terms im Grenzschichtverfahren eine untergeordnete Rolle spielt. Der Dichteterm wird
jedoch beibehalten, da bei hohen Dampfdrücken ein Einfluss existiert (siehe Abbil-
dung 31). Da Thiele schon Untersuchungen zur Potenz des Dichteterms durchgeführt
hat und diese somit validiert wurde, wird die von ihm vorgeschlagene Potenz von 0,5
in allen Berechnungen verwendet.
Exponent des Dichteterms Verdunstungsmassenstrom
[-] [kg/s]
01,2351 ·102
0,10 1,2315 ·102
0,25 1,2261 ·102
0,50 1,2176 ·102
1,00 1,2013 ·102
2,00 1,1694 ·102
Tabelle 8: Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschiedli-
chen y bzw. η-Schrittweiten
6.2.3 Weitere Einflussparameter
Von den physikalischen Einflussgrößen Windgeschwindigkeit, Turbulenz, Lachentem-
peratur, Lufttemperatur und Energiebilanz der Lache auf den Verdunstungsmassen-
strom wurden bisher die Windgeschwindigkeit, die Turbulenz und die Lachentempera-
tur untersucht. Weiterhin hängt die Lösung des hier vorgestellten Berechnungsverfah-
rens von numerischen Parametern wie der Schrittweite in Strömungs- also x-Richtung,
vertikal zur Strömungs- also in y-Richtung und der Schrittweite in der Zeit ab.
82
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Weitere Einflussgrössen wie die Energiebilanz und die Schrittweite in der Zeit sind für
das stationäre Grenzschichtverfahren nicht von Bedeutung und werden somit erst in
Kapitel 6.2.6, bei der Vorstellung des instationären Verfahrens diskutiert.
Wie bereits in Abschnitt 4.2.2 erwähnt, beeinflusst die Wahl der Schrittweite für das
Diskretisierungsverfahren das Ergebnis. An dieser Stelle soll daher nachgewiesen wer-
den, dass die für das hier vorgestellte Grenzschichtverfahren gewählten Schrittweiten
in x und y-Richtung keinen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis mehr haben.
Da die Schrittweite quer zur Strömung, also in y-Richtung massgeblich ist für die Be-
stimmung der Gradienten an der Wand und somit für die Berechnung des Stoffüber-
gangs, muss gewährleistet sein, dass die Schrittweite klein genug ist, um bei einer wei-
teren Veringerung keinen nennenswerten Einfluss auf das Ergebnis zu haben. In Tabel-
le 9 sind die berechneten Massenströme für den Wandabstand, also die Schrittweite
in transformierten Koordinaten ηan der Phasengrenzfläche dargestellt. Zum Grenz-
schichtaussenrand hin wird die Schrittweite immer grösser, da in diesem Bereich keine
das Ergebnis signifikant beeinflussende Vorgänge mehr stattfinden.
Bei Schrittweiten von 2·103oder mehr konvergiert die Lösung des Grenzschichtverfah-
rens nicht. Somit ist eine Schrittweite von 1·103als Obergrenze für den y-Schritt anzu-
sehen. Für das hier vorgestellte Berechnungsverfahren wurde eine Wandschrittweite
von 2·104gewählt. Eine Verkleinerung dieser Schrittweite um den Faktor 10 führt,
wie in Tabelle 9 ersichtlich, zu keiner signifikanten Veränderung des Ergebnisses mehr
(die Abweichung liegt unterhalb von 0,002%). Auch wenn insgesamt die Abweichun-
gen zwischen den berechneten Massenströmen bei allen dargestellten Schrittweiten
sehr gering sind, so wurde die verwendete Schrittweite gewählt, da eine Abweichung
von nur 0,002% auf jeden Fall als vernachlässigbar angesehen werden kann.
Wandabstand ηVerdunstungsmassenstrom
[-] [kg/s]
2·103keine Konvergenz
1·1038,747 ·102
9·1048,725 ·102
5·1048,720 ·102
3·1048,719 ·102
2·1048,663 ·102
1·1048,652 ·102
2·1058,650 ·102
Tabelle 9: Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschiedli-
chen y bzw. η-Schrittweiten
83
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Nachdem die Wahl einer ausreichenden Schrittweite in y-Richtung nachgewiesen wur-
de, kann nun der Einfluss der Schrittweite in Strömungs- also in x-Richtung (bzw. in
transformierten Koordinaten in ξ-Richtung) untersucht werden. In dem hier vorgestell-
ten Grenzschichtverfahren wurde eine Schrittweite in Strömungsrichtung verwendet
die 1/100 der Lachenlänge, jedoch maximal 0,01 m entspricht (siehe Abschnitt 4.2.2).
In Abbildung 33 sind unterschiedliche x-Schrittweiten und die jeweiligen damit berech-
neten Verdunstungsmassenströme dargestellt.
Zwischen dem Massenstrom bei einer Schrittweite von 1m und dem bei der gewählten
Schrittweitenobergrenze von 1·102liegt eine Verringerung des Massenstromes um
ca. 40%. Selbst die Massenströme bei den Schrittweiten 1·101,5·101und 1·102
weichen noch um jeweils ca. 3% voneinander ab.
Eine weitere Reduzierung der Schrittweite von der gewählten Obergrenze um den Fak-
tor 10 ergibt nur noch eine Abweichung von 0,06%. Somit ist gewährleistet, dass das
hier vorgestellte Verfahren unabhängig von der Lachengrösse ist und das Ergebnis
nicht von der Schrittweite abhängt.
Abbildung 33: Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unter-
schiedlichen x bzw. ξ-Schrittweiten
Die Lufttemperatur spielt bei der Verdunstung eine doppelte Rolle. Zum einen beein-
flusst sie die Stoffwerte der Luft und somit den Stoffübergangskoeffizienten, zum an-
deren wirkt sie sich auf die durch Konvektion mit der Lache ausgetauschte Wärme
aus. Der konvektive Wärmestrom kann, im Gegensatz zu den Strahlungs- und Boden-
wärmeströmen die nur instationär bilanziert werden können, auch im stationären Fall
84
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
bilanziert und berücksichtigt werden. In Tabelle 10 sind die Ergebnisse des Grenz-
schichtverfahrens für eine Cyclohexanlache mit 10 m Durchmesser und einer konstan-
ten Lachentemperatur von 30C, bei einer Windgeschwindigkeit von 3 m/s in 10 m
Höhe für verschiedene Lufttemperaturen zusammengestellt.
Lufttemperatur Verdunstungsmassenstrom
[C] [kg/s]
10 1,56 ·101
20 1,52 ·101
30 1,49 ·101
40 1,46 ·101
100 1,3·101
Tabelle 10: Verdunstungsmassenströme einer Cyclohexanlache bei 30C und unter-
schiedlichen Lufttemperaturen
Mit steigender Lufttemperatur sinkt der Verdunstungsmassenstrom. Die Abweichung
zwischen dem Verdunstungsmassenstrom bei 10 und dem bei 100C beträgt 17%. Im
Mittel ergibt sich daraus eine Abweichung von ca. 0,2%/K. Die Lufttemperatur spielt al-
so bei Störfallauswirkungsbetrachtungen in dem in dem zumeist betrachteten Bereich
von 10C bis 30C eine untergeordnete Rolle, da sich der Verdunstungsmassenstrom
hier um maximal 4 % ändert. Kleinere Temperaturschwankungen von lediglich einigen
Kelvin während des Betrachtungszeitraumes, wie sie während der experimentellen Un-
tersuchungen oder wie sie bei Störfällen auftreten, können also bei der Berechnung
vernachlässigt und eine konstante mittlere Lufttemperatur angenommen werden.
Der Abfall des Massenstromes:
˙m=ρv µ
Sc 1 + ν+
t
Sc
Sctc1
y ·ALache (109)
mit steigender Lufttemperatur ist auf die Abnahme des Konzentrationsgradienten zu-
rückzuführen. Da mit steigender Lufttemperatur der Diffusionskoeffizient ansteigt, wird
eine bessere Verteilung des Stoffes in der Gasphase erreicht, was zu einer Abnahme
des Gradienten der Konzentration über die Höhe der Grenzschicht führt.
85
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
6.2.4 Vergleich des stationären turbulenten Grenzschichtverfahrens mit den
empirischen Verdunstungsmodellen
Zum Vergleich des hier vorgestellten Grenzschichtverfahrens mit den im vorigen Ab-
schnitt diskutierten empirischen Modellen, werden die Modelle von Clancey und Mackay-
Matsugu herangezogen (siehe Abbildung 34 und 35). Diese beiden Modelle wurden
ausgewählt, da sie respektive die Ober- und die Untergrenze der mit den empirischen
Modellen berechneten Werte darstellen (siehe Abb. 17 und 18).
In Abbildung 34 und 35 ist zu erkennen, dass die mit dem Grenzschichtverfahren be-
rechneten Werte im Bereich der mit dem Modell von Clancey berechneten Werte lie-
gen. Des Weiteren ist zu erkennen, dass die bei den empirischen Modellen festgestell-
te größere Abweichung der berechneten Werte von den experimentellen Ergebnissen
für Cyclohexan aufgrund der im Vergleich zu Ethanol höheren molaren Masse, bei
den Berechnungen mit dem Grenzschichtverfahren nicht auftritt. In Abbildung 34 ist
außerdem zu sehen, dass das Modell von Clancey im unteren Geschwindigkeitsbe-
reich Werte vorhersagt, die möglicherweise leicht niedriger ausfallen können, als die
experimentell festgestellten, insbesondere bei Berücksichtigung des Messfehlers von
13% bei den experimentellen Daten. Das Grenzschichtverfahren zeigt bei ähnlich guter
Approximation der Messwerte wie beim Modell von Clancey, eine deutlich konservati-
vere Tendenz. Der Vergleich mit den Messwerten für Cyclohexan (Abbildung 35) zeigt,
dass das Grenzschichtverfahren hier die besten Abschätzungen liefert und dabei im-
mer konservativ bleibt.
86
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 34: Vergleich der Ergebnisse des Grenzschichtverfahrens mit den Ergebnis-
sen der empirischen Modelle nach Clancey und Mackay-Matsugu so-
wie den experimentellen Daten für eine 30C Ethanollache mit 0,74 m
Durchmesser.
Abbildung 35: Vergleich der Ergebnisse des Grenzschichtverfahrens mit den Ergebnis-
sen des empirischen Modells nach Clancey sowie den experimentellen
Daten für eine 30C Cyclohexanlache mit 0,74 m Durchmesser.
87
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Der Einfluss der Lachengröße und somit der überströmten Länge auf die Massen-
stromdichte weist mit dem Grenzschichtverfahren eine ähnliche Genauigkeit, wie bei
den empirischen Modellen auf. Lag bei den empirischen Modellen die Abnahme der
Massenstromdichte von einer 0,5 auf einen 1 m Durchmesser Lache bei ca. 8% (bis
auf das Modell von Deutsch mit ca. 16%), so liegt dieser Wert für das Grenzschicht-
verfahren bei ca. 10% (siehe Tabelle 11). Da die experimentell bestimmte Abnahme
der Massenstromdichte bei ca. 24% lag, wird das Grenzschichtverfahren für steigen-
de Lachengrößen eine höhere Überschätzung des Massenstromes aufweisen, als bei
kleinen Lachen.
Lachendurchmesser Massenstromdichte GSV
[m] [kg/m2s]
0,50 1,58 ·103
0,74 1,49 ·103
1,00 1,43 ·103
Tabelle 11: Berechnete Massenstromdichten mit dem Grenzschichtverfahren für ver-
schiedene Lachengrößen
Während die empirischen Modelle nur die Bestimmung des Massenstroms bei der
Verdunstung ermöglichen, zeichnet sich das Grenzschichtverfahren durch die direk-
te Bestimmung weiterer Größen aus. Um die Konzentrationsverteilung im Nachlauf
der Lache berechnen zu können, aus der dann z.B. die untere Zünddistanz bestimmt
werden kann, wird bei der Verwendung empirischer Modelle ein weiteres Modell zur
Berechnung der Gasausbreitung benötigt, während das Grenzschichtverfahren durch
die Berechnung von Konzentrationsprofilen in der Grenzschicht eine direkte Aussa-
ge ermöglicht (siehe Abbildung 36). Zu diesem Diagramm ist anzumerken, dass die
experimentellen Daten nur als Richtwert zu verstehen sind. Aufgrund der Schwan-
kungen der Windrichtung während der Versuche sind auch die Schwankungsbreiten
der gemessenen Werte, wie im Diagramm dargestellt, sehr groß. In Anbetracht dieser
großen Messunsicherheit kann anhand dieses Diagramms nur geschlossen werden,
dass die vom Grenzschichtverfahren berechneten Konzentrationen im Nachlauf kon-
servativ sind und größenordnungsmäßig mit den experimentellen Daten übereinstim-
men. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass aufgrund des zweidimensionalen Charakters
der verwendeten Gleichungen im Grenzschichtverfahren eine Verteilung des Stoffes in
der Gasphase und somit eine Verminderung der Konzentration nur über die vertikale
Verteilung des Stoffes erreicht werden kann. Eine Verdünnung durch Ausbreitung der
Gaswolke quer zur Strömungsrichtung, wie es in der Realität auftritt, kann anhand des
hier vorgestellten Grenzschichtverfahrens nicht berücksichtigt werden.
88
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 36: Experimentelle Konzentrationswerte in 1,5 cm Höhe über dem Boden
im Nachlauf einer 0,74 m Ethanollache bei 44C im Vergleich mit den
berechneten Konzentrationen aus dem Grenzschichtverfahren.
Zur Berechnung der Gasausbreitung und somit der Konzentrationen im Nachlauf muss
bei der Verwendung von empirischen Verdunstungsmodellen ein Gasausbreitungsmo-
dell herangezogen werden. Hierfür wird häufig die VDI-Richtlinie 3783, Blatt 1 und 2
[53] verwendet. Diese gliedert sich in einen Ansatz zur Ausbreitung von Gasen die
leichter sind als Luft (VDI-Richtlinie 3783, Blatt1 ) und einen zur Ausbreitung von Ga-
sen die schwerer sind als Luft (VDI-Richtlinie 3783, Blatt 2). Bei beiden Ansätzen ist
die Modellierung des direkten Nahbereichs der Lache nicht möglich. Die VDI-Richtlinie
3783, Blatt 1 zur Ausbreitung leichter Gase liefert modellbedingt erst ab einer Ent-
fernung von ca. 100 m zuverlässige Werte. Im Bereich von 0 bis 100 m müssen die
Streuungen σinterpoliert werden. Die VDI-Richtlinie 3783, Blatt 2 deckt zwar auch
den Bereich unterhalb von 100 m ab, gilt jedoch nur, wie eingangs erwähnt, für die
Ausbreitung schwerer Gase. Während die Schwergasrichtlinie grundsätzlich von einer
Punktquelle ausgeht, und somit die Anfangskonzentration 100 Vol.% entspricht, kann
bei der Leichtgasausbreitung zwischen einer Punkt- und einer Flächenquelle ausge-
wählt werden. Wobei auch hier die Punktquelle die höheren Konzentrationen liefert.
Betrachtet man eine 10 x 10 m Ethanollache bei 30C und einer Windgeschwindigkeit
von 3 m/s, so ist der resultierende Massenstrom groß genug, um eine Schwergas-
berechnung nach der Definition der VDI Richtlinie 3783, Blatt 2 zu rechtfertigen. Der
Vergleich der Ausbreitungsrechnung nach VDI Richtlinie Blatt 1 und 2 mit der aus dem
Grenzschichtverfahren resultierenden Berechnung (siehe Abbildung 37) ergibt, dass
89
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
die von der VDI-Richtlinie 3783 Blatt 2 berechneten Konzentrationen in einem Meter
hinter der Lache bei ca. 85 Vol.% liegen, während die aus der VDI-Richtlinie 3783 Blatt
1 berechneten Werte gerade einmal 1 Vol.% erreichen. Das Grenzschichtverfahren
liefert an dieser Stelle einen Wert von ungefähr 2,2 Vol.%. In Anbetracht der Beobach-
tungen, die im Vergleich mit den experimentellen Daten gemacht wurden, ist anzuneh-
men, dass das Grenzschichtverfahren im Nahbereich die realistischeren Werte liefert.
Insbesondere, da die aufgrund des Dampfdruckes resultierende Konzentration an der
Lachenoberfläche gerade einmal 10 Vol.% beträgt.
Da das Grenzschichtverfahren in der hier vorgestellten Form, wie schon erwähnt, keine
laterale Ausbreitung berücksichtigt, ist anzunehmen, dass in größeren Entfernungen
von der Lache, welche dann im Geltungsbereich der VDI-Richtlinie liegen, die berech-
neten Konzentrationen zu hoch sein dürften. Somit sind die Konzentrationswerte im
Nachlauf nur für den direkten Nahbereich der Lache als realistisch zu betrachten. Die-
ser Bereich ist unter anderem für die Bestimmung der UZD interessant.
Abbildung 37: Vergleich der Nachlaufkonzentrationen gemäß VDI Richtlinie 3783 Blatt
1 und 2, sowie nach dem Grenzschichtverfahren für einen 10x10m Etha-
nollache bei 30C.
Das Grenzschichtverfahren ermöglicht neben der Berechnung der Gasausbreitung
auch die Berechnung der explosionsfähigen Masse in der Gaswolke über der Lache.
Die bisherige Vorgehensweise bei der Bestimmung dieses Wertes entsprach der An-
nahme eines fiktiven Raumes über der Lache, der einem ideal durchmischten, konti-
nuierlichen Rührkessel gleichkommt (siehe ProNuSs [58]). Im Gegensatz dazu wird in
90
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
dem hier vorgestellten Grenzschichtverfahren, die explosionsfähige Masse über die
Integration der Konzentrationsprofile über die Höhe berechnet. Hierbei werden alle
Konzentrationen, die oberhalb der unteren Zündgrenze liegen, integriert. Zum Ver-
gleich wurden die Modelle von Mackay-Matsugu, Clancey und Deutsch herangezogen.
Mackay-Matsugu und Clancey als die Modelle, die respektive die Ober- und Untergren-
ze der Massenstromberechnung der untersuchten empirischen Modelle darstellen und
das Modell von Deutsch, da dieses als Bestes innerhalb der betrachteten Modelle zu
empfehlen ist. Es wurde eine 10 x 10 m Ethanollache bei unterschiedlichen Tempera-
turen und somit unterschiedlichen Dampfdrücken betrachtet. Die Windgeschwindigkeit
wurde für diese Berechnungen mit 3 m/s angenommen. Im Vergleich mit den empiri-
schen Modellen und dem Ansatz nach ProNuSs ergeben sich insbesondere im Bereich
niedriger Dampfdrücke deutliche Unterschiede zu den Ergebissen des Grenzschicht-
verfahrens (siehe Abbildung 38).
Die Annäherung der Werte aus dem Grenzschichtverfahren an die der empirischen
Modelle für höhere Dampfdrücke, liegt an dem exponentiellen Anstieg des Massenstro-
mes in diesem Bereich. Er entspricht in etwa dem des Modells von Mackay-Matsugu.
Dass die Werte des Modells nach Clancey übertroffen werden, liegt an dem linearen
Verhalten dieses Modells bei hohen Dampfdrücken, während das Modell von Deutsch
zwar auch einen exponentiellen Anstieg aufweist, der jedoch nicht ganz so steil ver-
läuft, wie bei dem Grenzschichtverfahren oder bei Mackay-Matsugu. Da hierzu keine
experimentellen Daten zur Validierung zur Verfügung stehen, kann an dieser Stelle nur
gesagt werden, dass das Grenzschichtverfahren bei der Berechnung der explosionsfä-
higen Masse tendenziell deutlich geringere Werte liefert, als die empirischen Modelle.
Zum einen kann dies durch die niedrigeren berechneten Massenströme (z.B. im Ver-
gleich zu Mackay-Matsugu und Deutsch) begründet sein, zum anderen liegt es an
den zwei grundsätzlich verschiedenen Ansätzen zur Berechnung der explosionsfähi-
gen Masse. Während im Modell des ideal durchmischten kontinuierlichen Rührkessels
eine einheitliche Konzentration des gesamten Volumens angenommen wird, wird im
Grenzschichtverfahren die laut Berechnung an jedem Punkt vorliegende Konzentrati-
on berücksichtigt.
91
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 38: Vergleich der explosionsfähigen Masse in der Gaswolke mit den Mo-
dellen von Clancey, Mackay-Matsugu und Deutsch nach der Berech-
nungsmethode von ProNuSs, sowie nach dem Grenzschichtverfahren
für einen 10x10m Ethanollache bei unterschiedlichen Dampfdrücken.
6.2.5 Laminares, instationäres Grenzschichtverfahren
Zur Validierung des laminaren, instationären Grenzschichtverfahrens wurde nochmals
auf die Kühlgrenztemperaturmessungen von Splettstößer zurückgegriffen. Zwar stel-
len diese nur die stationären Endwerte dar, jedoch sollte ein korrekt funktionierendes
instationäres Berechnungsverfahren bei hinreichend großen Berechnungszeiträumen
einen zumindest asymptotischen Einlauf auf den stationären Wert ergeben.
In Abbildung 39 ist exemplarisch ein Wert aus Abbildung 25 aufgetragen. Die insta-
tionären Vergleichsrechnungen wurden für einen Berechnungszeitraum von 3600 s
durchgeführt. Es wurden zwei Starttemperaturen ausgewählt, die jeweils oberhalb (bei
30C) und unterhalb (bei 10C) der von Splettstößer bestimmten stationären Kühl-
grenztemperatur lagen.
Zwar liegen die Endwerte der instationären Berechnung 0,1 K unterhalb der von Splett-
stößer gemessenen Kühlgrenztemperatur, dennoch ist in Abbildung 39 deutlich zu er-
kennen, dass das instationäre Verfahren bei großen Berechnungszeiträumen asym-
ptotisch gegen die stationäre Lösung läuft.
92
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 39: Vergleich der stationären Kühlgrenztemperatur nach Splettstösser
mit der Lachentemperaturberechnung anhand des instationären
Grenzschichtverfahrens.
Inwiefern die berechnete Geschwindigkeit der Temperaturänderung einer realistischen
Abschätzung entspricht, soll in Kapitel 6.2.7 anhand eines Vergleichs mit Messwerten
überprüft werden.
Die Zeitschrittweite spielt bei instationären Verfahren eine zentrale Rolle. Ebenso wie
die Schrittweiten in x- und y-Richtung, beeinflusst die Zeitschrittweite das Ergebnis
maßgeblich. Um den Einfluss des Zeitschrittes zu untersuchen, wurde eine 10 x 10m
Ethanollache bei 30C, eine Windgeschwindigkeit von 3 m/s und einer Berechnungs-
dauer von 120 s betrachtet. In Tabelle 12 sind die Zeitschrittweiten und die jeweiligen
damit berechneten Massenströme aufgetragen. Während der Massenstrom bei Schritt-
weiten von 5 bis 0,5 s quasi konstant bleibt, nimmt er für kleinere Schrittweiten zu. So
beträgt der Massenstromzuwachs bei einer Verringerung der Schrittweite von 0,5 auf
0,01 s ca. 3 %. Wird der Zeitschritt noch weiter verkleinert, ergeben sich keine weite-
ren Einflüsse auf das Ergebnis. Weiterhin ist festzuhalten, dass die Zeitschritte variabel
gehalten wurden. So wird in der Anfangsphase, in der grosse zeitliche und örtliche Gra-
dienten auftreten, mit einem Zeitschritt von 0,01 s gerechnet. Dieser wird dann jedoch
sukzessive auf maximal 5 s angehoben, um die Rechenzeit gering zu halten. Diese
Vorgehensweise hat so gut wie keinen Einfluss auf das Ergebnis im Vergleich zur Be-
rechnung mit einem konstanten Zeitschritt von 0,01 s. Die Abweichungen liegen bei
gerade mal 0,5 % und sind somit vernachlässigbar. Zeitschritte grösser als 5 s füh-
93
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
ren jedoch zu einer nicht konvergenten Lösung, bzw. zum Abbruch der Berechnung.
Ebenso muss der Anfangszeitschritt in einer ähnlichen Grössenordnung gewählt wer-
den, wie der hier verwendete Zeitschritt von 0,01 s, da sonst auch keine konvergente
Lösung erreicht wird.
Zeitschritt Verdunstungsmassenstrom
[s] [kg/s]
10 keine Konvergenz
51,1034 ·103
11,1035 ·103
0,5 1,1038 ·103
0,1 1,1066 ·103
0,01 1,1427 ·103
0,001 1,1484 ·103
Tabelle 12: Verdunstungsmassenströme einer Ethanollache bei 30C und unterschied-
lichen Zeitschritten
6.2.6 Turbulentes, instationäres Grenzschichtverfahren
Wie bereits bei der Beschreibung der Einflussparameter auf das turbulente statio-
näre Grenzschichtverfahren erwähnt, sind die Wärmeströme, die mit der Lache ausge-
tauscht werden, zu berücksichtigen, da diese maßgeblich die Lachentemperatur und
somit den Dampfdruck beeinflussen.
In Abbildung 40 sind die berechneten Absolutwerte der einzelnen Wärmen für eine sich
abkühlende Cyclohexanlache mit 10 m Durchmesser, 30C Starttemperatur und einer
Anströmgeschwindigkeit von 3 m/s in 10 m Höhe aufgetragen. Als Bodenmaterial wur-
de Beton angenommen, so dass die Lachendicke gemäß des Mindestschichtdicken-
kriteriums 5 mm beträgt, woraus sich eine Masse von 306,3 kg flüssigem Cyclohexan
in der Lache ergibt. Die Temperatur der Luft wurde - ebenso wie die Starttemperatur
des Bodens - mit 20C angenommen. Die berechnete Zeitspanne beträgt 120 s.
Während der konvektive Anteil der Wärmeübertragung im Vergleich zu den anderen
Wärmeströmen verschwindend gering ist, sind insbesondere die durch Verdunstung
und die mit dem Boden und die durch Strahlung ausgetauschte Energie relevant.
Der beobachtete starke Abfall der Bodenwärme ist darauf zurückzuführen, dass in der
Anfangsphase ein grosser Temperaturgradient zwischen der Lache und dem Boden
vorliegt. Der immer flacher werdende Verlauf des Bodenwärmestroms ist darauf zu-
rückzuführen, dass mit der Zeit die Lache sich abkühlt und der Boden erwärmt wird.
Somit nähern sich beide Temperaturen an, so dass der Temperaturgradient zwischen
der Lache und dem Boden und dementsprechend die übertragene Wärme geringer
94
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
wird.
Der Strahlungswärmestrom wirkt in der gewählten semi-logarithmischen Auftragung in
Abbildung 40 zwar konstant, tatsächlich steigt er jedoch leicht an (von 35,8 kJ auf 36,5
kJ). Durch die Abkühlung der Lache mit der Zeit wird die in der Berechnungsgleichung
für den Strahlungswärmestrom (Gl. 38) berücksichtigte Differenz zwischen der Luft-
und der Lachentemperatur immer grösser. Dass dieser Anstieg nicht deutlicher aus-
fällt, liegt an der relativ geringen Temperaturänderung von ca. 3 K in dem betrachteten
Zeitraum.
Abbildung 40: Zeitlicher Verlauf der Absolutwerte der einzelnen in der Energiebilanz
berücksichtigten Wärmen für eine Cyclohexanlache mit 10 m Durchmes-
ser, 30C Startemperatur und einer Anströmgeschwindigkeit von 3 m/s.
Um die jeweiligen Einflüsse des Boden- und des Strahlungswärmestromes zu untersu-
chen, sind in Tabelle 13 die Berechnungsergebnisse der instationären Grenzschicht-
rechnung für den Massenstrom und die Abkühlung der Lache für unterschiedliche Kon-
figurationen zusammengefasst. Die Berechnungen wurden mit denselben Randbedin-
gungen wie für Abbildung 40 durchgeführt. Als Referenzberechnung wurde zuerst eine
Berechnung ohne Berücksichtigung von Strahlungs- oder Bodenwärmestrom durchge-
führt.
Da die Bodentemperatur unterhalb der Lachentemperatur liegt, ist, bei Berücksich-
tigung des Bodenwärmestromes, mit einer stärkeren Abkühlung der Lache, als bei
Nichtberücksichtigung desselben zu rechnen. Im Vergleich mit der Referenzberech-
95
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
nung bei der weder Strahlung noch der Bodenwärmestrom berücksichtigt wurden, sinkt
der Verdunstungsmassenstrom um fast 30 %, während der Temperaturabfall in der La-
che etwas mehr als doppelt so hoch ist.
Für den Fall der alleinigen Berücksichtigung der Strahlung ergibt sich eine deutlich
langsamere Abkühlung als im Referenzfall, da die Strahlungswärme der Lache Ener-
gie zuführt. Werden beide Wärmeströme berücksichtigt, so ergibt sich im Vergleich
zum Referenzfall eine deutlich schnellere Abkühlung bei gleichzeitig geringerem Mas-
senstrom. Werden beide Wärmeströme berücksichtigt, zeigt sich deutlich, dass der
Bodenwärmestrom die dominante Größe ist. Abkühlung der Lache und Abnahme des
Verdunstungsmassenstromes liegen in einem ähnlichen Bereich wie bei der alleini-
gen Berücksichtigung des Bodenwärmestromes, so dass daraus geschlossen werden
kann, dass der Einfluss des Strahlungswärmestromes, im Vergleich zum Bodenwär-
mestrom, nur eine geringfügige Rolle spielt.
Boden- Strahlungs- Verdunstungs- Temperaturverlust
wärmestrom wärmestrom massenstrom nach 120 s
[kg/s] [K]
nein nein 1,39 ·1011,77
ja nein 1,25 ·1013,92
nein ja 1,46 ·1010,77
ja ja 1,31 ·1013,01
Tabelle 13: Verdunstungsmassenströme und Temperaturverluste einer Cyclohexanla-
che bei unterschiedlichen Wärmeströmen
Bei längeren Beobachtungszeiträumen ist festzustellen, dass nach anfänglich verstärk-
ter Abkühlung der Lache durch Wärmeübertragung an den Boden, dieser dann wie-
derum als Wärmequelle dient, wenn die Lachentemperatur die Bodentemperatur un-
terschreitet und somit die weitere Abkühlung durch die vom Boden gelieferte Wärme
langsamer abläuft (siehe Abb. 41).
96
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Abbildung 41: Vergleich der berechneten zeitlichen Temperaturverläufe einer Cyclohe-
xanlache auf Betonboden sowie einer dem Boden gegenüber isolierten
Lache.
Die Berücksichtigung der Energiebilanz um die Lache und insbesondere des Boden-
wärmestromes führt zu einer deutlichen Veränderung der Lachentemperatur und dar-
aus resultierend des Massenstromes. Um den Verdunstungsvorgang möglichst genau
beschreiben zu können, müssen somit alle mit der Umgebung ausgetauschten Wär-
meströme berücksichtigt werden, insbesondere aber der Bodenwärmestrom, da dieser
den größten Anteil an der Wärmeübertragung hat.
6.2.7 Validierung des instationären turbulenten Grenzschichtverfahrens
Um das in dieser Arbeit entwickelte instationäre turbulente Grenzschichtverfahren zu
validieren, wurden Abkühlungsversuche durchgeführt. Hierbei wird die Lachenflüssig-
keit mit einer definierten Starttemperatur freigesetzt und die Abkühlung über einen
gewissen Zeitraum aufgrund der Verdunstungskühlung gemessen. Diese Abkühlkur-
ven werden dann mit den Berechnungsergebnissen des Grenzschichtverfahrens ver-
glichen. In Abbildung 42 ist die Abkühlkurve für eine gegenüber dem Boden isolierte
0,74 m Ethanollache bei 29,6C Starttemperatur und einer Abkühldauer von 600 s auf-
getragen. Durch die Isolierung der Lache gegenüber dem Boden anhand einer Styro-
porschicht zwischen Wanne und Boden liegt kein Bodenwärmestrom vor. Nur der kon-
vektive und der Strahlungswärmestrom werden berücksichtigt. Die Schwankungen in
97
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
den gemessenen Temperaturen sind maßgeblich auf die starke Bewölkung mit kurzzei-
tigem Aufreissen der Wolkendecke während der Versuche und der daraus resultieren-
den wechselnden Sonneneinstrahlung zurückzuführen. Im Vergleich sind drei mit dem
instationären Grenzschichtverfahren berechnete Temperaturverläufe für unterschiedli-
che Strahlungsstärken dargestellt. Es ist deutlich zu sehen, dass die Kurve mit einer
konstanten Strahlungsstärke von 1kW/m2zu einer viel zu langsamen Abkühlung der
Lache führt, während die Annahme einer Strahlungsstärke von 0kW/m2zu einer, im
Vergleich zu den Messwerten, leicht zu schnellen Abkühlung führt. Die Berücksichti-
gung der Strahlung gemäß Gl. 38 führt zu einer sehr guten Übereinstimmung mit den
gemessenen Temperaturen. Da für die Berechnung der Lachentemperatur mit dem
Grenzschichtverfahren die Energiebilanz um die Lache gelöst wird und diese maßgeb-
lich vom Massenstrom abhängt, ist die genaue Berechnung der Lachentemperatur ein
weiterer Beweis dafür, dass das in dieser Arbeit entwickelte Grenzschichtverfahren ei-
ne gute Approximation des Verdunstungsvorganges liefert.
Des weiteren ist festzustellen, dass bei einer gegenüber dem Boden isolierten Lache,
die Strahlungswärme einen deutlichen Einfluss auf die Lachentemperatur und somit
den Verdunstungsvorgang hat.
Abbildung 42: Gemessene Abkühlkurve einer 0,74 m Ethanollache mit einer Start-
temperatur von 29,6C im Vergleich mit den Berechnungsergeb-
nissen des instationären Grenzschichtverfahrens für unterschiedliche
Strahlungsstärken.
Zum Vergleich sind in Abbildung 43 der gemessene Temperaturverlauf, der mit instatio-
nären Grenzschichtverfahren berechnete und die Temperaturverläufe anhand der em-
98
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
pirischen Modelle von Clancey und Mackay-Matsugu dargestellt. Hierbei wird die auch
im Grenzschichtverfahren implementierte Energiebilanz gelöst, wobei der für die Ver-
dunstungswärme relevante Massenstrom über die empirischen Modelle bestimmt wird.
Somit ist die deutlich stärkere Abkühlung der Lache bei den Berechnungen anhand der
beiden empirischen Modelle auf den wesentlich höheren Massenstrom zurückzuführen
den diese im Vergleich zum Grenzschichtverfahren vorhersagen.
Abbildung 43: Gemessene Abkühlkurve einer 0,74 m Ethanollache mit einer Starttem-
peratur von 29,6C im Vergleich mit den Berechnungsergebnissen des
instationären Grenzschichtverfahrens und der empirischen Modelle von
Clancey und Mackay-Matsugu.
Aus der instationären Berechnung kann nicht nur die zeitabhängige Entwicklung des
Massenstromes, sondern auch die zeitliche Veränderung der unteren Zünddistanz und
parallel dazu durch Integration der Konzentrationsprofile über der Lache, die explo-
sionsfähigen Masse in der Gaswolke zu jedem Zeitpunkt der Verdunstung bestimmt
werden. Hierbei stellt die explosionsfähige Masse nur den Teil der Gaswolke dar in
dem die Konzentration oberhalb der unteren Zündgrenze liegt. In Tabelle 14 sind die
berechneten unteren Zünddistanzen und explosionsfähigen Massen für eine 10 x 10 m
Ethanollache bei 30C aufgetragen. In der Anfangsphase steigen die UZD und die ex-
plosionsfähige Masse auf einen Maximalwert an, da immer mehr Stoff aus der Lache
in die Gasphase übergeht. Der Zeitpunkt, zu dem der jeweilige Maximalwert erreicht
wird, ist jedoch nicht derselbe. Während die explosionsfähige Masse nach 6,6 s ihr
Maximum erreicht und ab diesem Zeitpunkt aufgrund der Abkühlung der Lache wieder
fällt, ist dies für die UZD erst nach 10 s der Fall. Sind beide Maxima durchlaufen, fallen
99
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
beide Werte aufgrund der fortschreitenden Abkühlung der Lache. Aus diesen Angaben
kann somit abgelesen werden, wann die UZD die größte Ausdehnung erreicht und zu
welchem Zeitpunkt die explosionsfähige Masse in der Gaswolke am grössten ist.
Zeit UZD Expl. Masse
[s] [m] [kg]
0,15 0,015 0,019
0,20 0,025 0,022
0,50 0,06 0,029
1,00 0,1 0,036
6,66 0,28 0,05136
10,00 0,30 0,05099
50,00 0,27 0,047
100,00 0,25 0,045
Tabelle 14: Zeitabhängige Entwicklung der unteren Zünddistanz und der explosionsfä-
higen Masse für eine 10 x 10 m Ethanollache bei 30C
Bei der Freisetzung von kalt- oder druckverflüssigten Gasen kommt es zu einer La-
chenbildung am Boden. Da der Stoff aber bei dem nun herrschenden Normaldruck
weit oberhalb seiner Siedetemperatur liegt, fängt die Lache an zu verdampfen. So-
lange eine ausreichend grosse Energiezufuhr aus der Umgebung (im Speziellen aus
dem sich nach und nach abkühlenden Boden) stattfindet, wird die Lache ihre Siede-
temperatur beibehalten. Die überschüssige Energie dient dann ausschliesslich dem
Phasenübergang. Nach einer gewissen Zeit wird aufgrund der Abkühlung des Bodens
die zugeführte Energie nicht mehr ausreichen, um die Lache bei Siedetemperatur zu
halten. Nun findet eine Unterkühlung der Lache und ein sukzessiver Übergang zur Ver-
dunstung statt.
Um diesen Sachverhalt bildlich darzustellen, sind in Abbildung 44 exemplarisch die
zeitlichen Verläufe der Lachentemperatur für anfänglich siedende Chlor-, Propan- und
Butanlachen aufgetragen. Es wurde jeweils eine 10 m Durchmesser Lache betrachtet,
die bei 20C Luft- und Bodentemperatur freigesetzt wird. Die Windgeschwindigkeit soll
3 m/s betragen. Bei der Berechnung anhand des Grenzschichtverfahrens entspricht
der Verdampfungsmassenstrom der Energie, die der Lache durch Konvektion, den Bo-
den und durch Strahlung zugeführt wird geteilt durch die Verdampfungsenthalpie.
˙mV erd =Qzu
hv
(110)
100
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
Die Umschaltung auf die Verdunstungsberechnung erfolgt, wenn aufgrund der einher-
gehenden Abkühlung der Lache der Verdampfungsmassenstrom kleiner ist als der
durch Verdunstung des Stoffes bei maximal 0,8 bar Dampfdruck erreichte. Die Be-
schränkung auf 0,8 bar Dampfdruck für die Verdunstung liegt in den Beobachtungen
begründet, die zu Abbildung 30 gemacht wurden.
Die unterschiedlich langen Zeiträume, in denen die drei Stoffe auf Siedetemperatur
bleiben, sind hauptsächlich auf zwei Ursachen zurückzuführen. Diese sind zum einen
der Temperaturunterschied zwischen Boden (20C) und Lache, welcher bei Butan (Sie-
detemperatur von -0,45C) am geringsten ist und somit auch der Bodenwärmestrom,
zum anderen auf die unterschiedlichen Dichten der Flüssigkeiten, welche zu Unter-
schieden in den Speichertermen der Energiebilanzen führen. Zwar ist die Siedetem-
peratur von Propan mit -42,02 C deutlich niedriger als die von Chlor (-34,45C), dafür
beträgt aber die Dichte von Chlor mit knapp 1500 kg/m3fast das dreifache der Dichte
von Propan mit knapp 580 kg/m3. Somit hat die Chlorlache einen viel grösseren Ener-
gieinhalt als die Propanlache, wodurch ein längeres Sieden ermöglicht wird.
Zur qualitativen Bewertung dieser Berechnungsergebnisse fehlen bisher jedoch geeig-
nete Messwerte.
Abbildung 44: Zeitliche Entwicklung der Lachentemperatur bei der Verdampfung
von Chlor, Propan und Butan mit anschließendem Übergang zur
Verdunstung.
Um die Verdampfungsberechnung anhand des hier vorgestellten instationären Grenz-
schichtverfahrens zu validieren, wurden die Massenstrommessungen an Propanlachen
101
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
von Böke und Hartwig [33] verwendet. Bei diesen Versuchen wurden 80 und 130 l Pro-
pan in eine berandete Wanne freigesetzt, so dass die Lachenfläche in beiden Fällen
2m2betrug. Bei dem Versuch mit 80 l Propan herrschte eine Windgeschwindigkeit von
1,3 m/s in 1 m über dem Boden, eine Lufttemperatur von 14C und eine durchschnittli-
che Strahlungsstärke von 260W/m2. Da keine Angaben zur Bodentemperatur gemacht
wurden, wurde für die Berechnung angenommen, dass der Boden dieselbe Tempera-
tur hat wie die Luft.
In Abbildung 45 sind die gemessenen und mit dem instationären Grenzschichtverfah-
ren berechneten Massenströme aufgetragen. Insbesondere in der Anfangsphase lie-
gen die berechneten Massenströme deutlich über den gemessenen, um sich dann
immer weiter anzunähern.
Abbildung 45: Zeitliche Entwicklung des Massenstroms bei der Verdampfung von 80 l
Propan mit anschließendem Übergang zur Verdunstung.
Bei dem Versuch mit 130 l Propan betrug die Windgeschwindigkeit in 1 m über dem
Boden 1,1 m/s und die Lufttemperatur betrug 15C. Die durchschnittliche Strahlungs-
stärke lag bei 210W/m2. Auch hier wurde angenommen, dass Boden und Luft dieselbe
Temperatur haben. Zwar liegen auch hier die berechneten Massenströme über den ge-
messenen Werten, insgesamt werden letztere aber deutlich besser approximiert, als
bei dem Versuch mit 80 l Propan. Betrachtet man den Verlauf der Messwerte in beiden
Versuchen, ist festzustellen, dass nur bei dem 130 l Versuch die für eine Verdampfung
zu erwartende starke Abnahme des Massenstromes in der Anfangsphase beobachtet
wurde. Dieser Sachverhalt kann unter anderem dem Umstand geschuldet sein, dass
102
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
bei dem 80 l Versuch der erste Messwert erst nach 200 s aufgenommen wurde, wäh-
rend bei dem 130 l Versuch der erste Wert schon nach ca. 100 s aufgezeichnet wurde.
Des Weiteren kann die grössere Energiemenge, die in 130 l gespeichert ist, dazu füh-
ren, dass die Flüssigkeitstemperatur längere Zeit nahe am Siedepunkt bleibt und somit
einen langsameren und somit deutlicheren Verlauf des Massenstromes ergibt.
Abbildung 46: Zeitliche Entwicklung des Massenstroms bei der Verdampfung von 130
l Propan mit anschließendem Übergang zur Verdunstung.
6.2.8 Zusammenfassende Beurteilung des instationären turbulenten
Grenzschichtverfahrens
Aus den durchgeführten Untersuchungen kann geschlossen werden, dass das in die-
ser Arbeit entwickelte und vorgestellte Grenzschichtverfahren eine gute und konserva-
tive Approximation der Messwerte liefert.
Im Vergleich mit den empirischen Modellen zeigen sich mehrere Vorteile bei der Ver-
wendung des hier vorgestellten Grenzschichtverfahrens. Die Berechnung des Massen-
stromes anhand des Grenzschichtverfahrens ermöglicht eine mindestens so genaue
bis hin zu einer genaueren Approximation der Messwerte im Vergleich zu den besten
empirischen Modelle. Des Weiteren gehen in das Grenzschichtverfahren eine Vielzahl
von Stoffwerten ein. Dadurch ist die Abweichung zwischen der Berechnung und den
experimentellen Werten, im Gegensatz zu den genauesten hier untersuchten empiri-
schen Modellen, auch für verschiedene Einsatzbedingungen und Stoffe gleich groß.
Als weitere wesentliche Vorteile des Grenzschichtverfahrens, im Vergleich zu den em-
103
6 Ergebnisse zur Simulation der Lachenverdunstung
pirischen Modellen, sind die Möglichkeit der Modellierung der Verdampfung, die direkte
Berechnung der Konzentrationen im Nachlauf der Lache für die Bestimmung der UZD,
sowie die Berechnungen der explosionsfähigen Masse in der Gaswolke zu nennen.
Für die Berechnung der Gasausbreitung im Nahbereich wird ausserdem kein zusätz-
liches Gasausbreitungsmodell benötigt, mit dem die Massenstromberechnung gekop-
pelt werden muss. Aus dem Vergleich mit der VDI-Richtlinie 3783 und den Messwerten
im Nachlauf der Lache ist zu schliessen, dass im direkten Nahbereich der Lache das
hier vorgestellte Grenzschichtverfahren die zuverlässigeren Abschätzungen liefert.
Der Vergleich mit den Massenstrommessungen an verdampfenden Lachen zeigt, dass
das in dieser Arbeit entwickelte Modell, eine gute Abschätzung des Verdampfungs-
massenstromes ermöglicht. Aufgrund der starken Abhängigkeit des Massenstromes
von der Energiebilanz, ist ebenso davon auszugehen, dass die für die Verdampfung
berechneten Temperaturverläufe eine gute Näherung darstellen, auch wenn hierfür bis-
her keine experimentelle Daten vorlagen.
Die Anwendungsgrenzen des hier vorgestellten Grenzschichtverfahrens liegen, ähn-
lich wie bei den empirischen Modellen, bei 1 m/s Windgeschwindigkeit als untere und
0,8 bar Dampfdruck als obere Grenze des Anwendungsbereichs.
104
7 Zusammenfassung
7 Zusammenfassung
Bei der Erstellung eines Sicherheitsberichtes und der Beschreibung der möglichen
Störfälle, sowie der Abschätzung des Ausmaßes und der schwere der Folgen müssen
die Verdunstung und die Verdampfung von toxischen oder brennbaren Flüssigkeiten
aus einer Lache berücksichtigt werden.
Zur Beschreibung des Stoffüberganges aus einer Lache wurden in dieser Arbeit unter-
schiedliche empirische Ansätze untersucht und ein eigenes, auf den Grenzschichtglei-
chungen basierendes Berechnungsverfahren entwickelt und vorgestellt. Des Weiteren
wurden zur Überprüfung der Berechnungsergebnisse Freilandversuche durchgeführt,
um möglichst realistische Messwerte zu erhalten, wie sie bei einem Störfall auch auf-
treten würden.
Die experimentellen Untersuchungen ergaben, dass die von Deutsch und auch Sutton
postulierte Annahme, dass die Topografie durch ihren Einfluss auf die Turbulenz den
Verdunstungsmassenstrom beeinflusst, im Rahmen von Störfallauswirkungsbetrach-
tungen vernachlässigbar ist, sofern die Wetterdaten des DWD in 10 m Höhe herange-
zogen werden. Nur bei Betrachtung der real am Boden herrschenden Windgeschwin-
digkeiten konnte ein Einfluss der Topografie festgestellt werden. Wurden, wie in den
empirischen Modellen vorrausgesetzt, die Windgeschwindigkeiten in 10 m Höhe zu-
grunde gelegt, war kein Unterschied zwischen den Messwerten aus beiden Geländen
mehr feststellbar.
Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass das Potenzgesetz zur Berechnung der
Windgeschwindigkeit im Bereich zwischen 0 und 10 m Höhe nur für flaches Gelände
die in der Natur vorliegenden Geschwindigkeit gut approximiert, während in stark be-
bautem Gelände keine Aussagen mehr zur Verteilung der Windgeschwindigkeit, aus-
gehend von dem Wert in 10 m Höhe mehr möglich sind.
Anhand der experimentellen Untersuchungen und der Daten aus der Literatur konnte
gezeigt werden, dass das in dieser Arbeit entwickelte und vorgestellte Grenzschicht-
verfahren eine gegenüber den empirischen Modellen verbesserte Vorhersage des Ver-
dunstungsmassenstromes ermöglicht.
Im Gegensatz zu den meisten veröffentlichten Untersuchungen, wurden in dieser Ar-
beit alle Berechnungsmodelle mit Messdaten aus Freilandversuchen verglichen, an-
105
7 Zusammenfassung
stelle von Windkanaldaten, die unter Laborbedingungen ermittelt wurden. Somit konn-
te in dieser Arbeit die Leistungsfähigkeit der Modelle im Vergleich mit Daten überprüft
werden, wie sie bei einem Störfall tatsächlich auftreten können.
Als wesentlichen Vorteil bei der Anwendung des Grenzschichtverfahrens im Vergleich
zu der Berechnung anhand empirischer Modelle ist zu erwähnen, dass das Grenz-
schichtverfahren neben dem Massenstrom die direkte Bestimmung der für einen Si-
cherheitsbericht relevanten Grössen wie UZD, Toxizitätsgrenzen und explosionsfähige
Masse in der Gaswolke ermöglicht.
Zwar können diese Daten auch bei der Verwendung empirischer Modelle bestimmt
werden, jedoch nur durch die Kombination unterschiedlichster Ansätze. Zum einen
können durch die jeweiligen Einschränkungen der eingesetzten Modelle nicht immer
Informationen für alle relevanten Bereiche (wie z.B. den Nahbereich der Lache oder
die Gasphase direkt über der Lache) ermittelt werden, zum anderen ergeben sich auf-
grund der jeweiligen Modelleinschränkungen, je nach gewählter Modellpaarung, Un-
terschiede in der Genauigkeit der ermittelten Ergebnisse. Das Grenzschichtverfahren
bietet an dieser Stelle eine gleichbleibende Abweichung von den experimentellen Da-
ten und somit eine gleichbleibende Qualität der Ergebnisse.
Zusammenfassend kann geschlossen werden, dass die bisherige Vorgehensweise
durch Kombination unterschiedlicher empirischer Ansätze, die Zielgrössen der Stör-
fallauswirkungsbetrachtung bei der Verdunstung oder Verdampfung eines brennbaren
oder toxischen Stoffes aus einer Lache zu bestimmen, teilweise eine gute Überein-
stimmung mit den experimentellen Daten ermöglicht. Das in dieser Arbeit entwickelte
instationäre Grenzschichtverfahren jedoch stellt aufgrund der genaueren, sowie der
durchgängigen instationären Berechnung von der Ermittlung des Massenstromes bis
hin zur direkten zeitabhängigen Bestimmung der Zielgrössen, wie die UZD oder die
explosionsfähige Masse, eine verbesserte Berechnungsmethode dar.
Als weiterführende Untersuchungen sind zum einen experimentelle Untersuchungen
der Lachenausbreitung und zum anderen Messungen der Konzentrationsverteilungen
im Nachlauf und im Gasraum oberhalb der Lache vorzusehen. Zur Weiterentwicklung
des Grenzschichtverfahrens ist der Einsatz von Turbulenzmodellen höherer Ordnung
zu untersuchen, ebenso wie die Formulierung der Grenzschichtgleichungen für alle
drei Raumrichtungen, so dass auch die Vorgänge quer zur Strömungsrichtung abge-
bildet werden können.
106
Literatur
Literatur
[1] Zwölfte Verordnung zur Durchführung des Bundes-
Immissionsschutzgesetzes (12. BImSchV): Störfallverordnung, BGBl. I,
Nr. 33, 16. Juni 2005, S. 1598 1620
[2] SFK/TAA-GS-1 „Empfehlungen für Abstände zwischen Betriebsberei-
chen nach der Störfall-Verordnung und schutzbedürftigen Gebieten im
Rahmen der Bauleitplanung - Umsetzung § 50 BImSchG der SFK/TAA-
Arbeitsgruppe „Überwachung der Ansiedlung““, Leitfaden, 2005
[3] Brötz, W. „Sicherheit von Chemieanlagen im Hinblick auf den Nachbar-
schaftsschutz“, Gutachten im Auftrag des Ministers für Arbeit, Gesund-
heit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, 1979
[4] Strohmeier, K. „Leckanalyse bei der Anwendung der Störfall-
Verordnung“, Chemie Ingenieur Technik 62, Nr. 12, 1990
[5] Kuchling, H. „Taschenbuch der Physik “, 14. Auflage, Fachbuchverlag
Leipzi-Köln, 1994
[6] Fay, J.A. „Spread of large LNG Pools on the sea“, Journal of Hazardous
Materials, 140, 2007
[7] Conrado, C. , Vesovic, V. „The influence of chemical composition on va-
porisation of LNG and LPG on unconfined water surfaces “, Chemical
Engineering Science, 55, 2000
[8] Brauer, H. „Stoffaustausch einschliesslich chemischer Reaktionen“, Ver-
lag Sauerländer, Aarau und Frankfurt am Main, 1971
[9] Zhukauskas, A.A. „Heat transfer of a plate in a liquid flow“, International
Journal of heat and mass transfer, 3, 1961
[10] Smolsky, B.M., Sergeyev, G.T. „Heat and mass transfer with liquid eva-
poration“,International Journal of heat and mass transfer, 5, 1962
[11] Sutton, O.G. „Wind structure and evaporation in a turbulent atmosphere“,
Proceedings of the royal society of London, Series A146, 1934
[12] Pasquill, F. „Evaporation from a plane, free liquid surface into a turbulent
air Stream“, Proceedings of the royal society of London, Series A182,
1943
107
Literatur
[13] Clancey, V.J.„The Evaporation and Dispersion of Flammable Liquid Spil-
lages, in Chemical Process Hazards with Special Reference to Plant
Design“, Proceedings of the 5th Symposium held at the University of
Manchester, Institution of Chemical Engineers, London, 1974
[14] Schlünder, E.-U. „Einführung in die Wärmeübertragung “, Vieweg-Verlag
Braunschweig/Wiesbaden, 5. Auflage, 1986
[15] Lees, F.P. „Loss Prevention in the Process Industries - Hazard identifica-
tion, assessment and control“, Vol.1, Second Edition, Butterworth Hei-
nemann, 2001
[16] Kunsch, J.P. „Two-Layer integral model for calculating the evaporation
from a liquid surface “, Journal of Hazardous Material, 59, 1998
[17] LIS Bericht Nr. 115„Ermittlung des Gefährdungspotentials ereignisbe-
zogener Stofffreisetzungen unter dem Aspekt der Störfall-Verordnung.“,
Landesanstalt für Immissionsschutz Nordrhein-Westfalen, 1994
[18] Deutsch, S. „Verdunstung aus Flüssigkeitslachen unter atmosphäri-
schen Bedingungen“, Universität Dortmund, 1995
[19] Mackay, D., Matsugu, R. S., „Evaporation rates of liquid hydrocarbon
spills on land and water“, The Canadian Journal of Chemical Enginee-
ring, 51, 1973
[20] Napier, D.H., Roopchand, D.R. „An approach to hazard analysis of LNG
spills“, Journal of occupational accidents, 7, 1986
[21] Farell, C., Iyengar, A.K.S. „Experiments on the wind tunnel simulation of
atmospheric boundary layers“, Journal of wind engineering and industri-
al aerodynamics, 79, 1999
[22] Baehr, H. D., Stephan, K. „Wärme- und Stoffübertragung“, 5. Auflage,
Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2006
[23] Bachelorarbeit von Robert Zeps
[24] Baumann, W.W., „Modellierung und Berechnung des Wärme- und Stoff-
übergangs bei der Verdunstung eines binären Flüssigkeitsfilms in turbu-
lenter Strömung “, Fortschrittberichte VDI, 3, 167, Düsseldorf, 1988
[25] Thiele, F., Wagner, H. „Ein Berechnungsverfahren für den lamina-
ren zweidimensionalen Wandstrahl entlang gekrümmter Oberflächen“,
IB01/81 Hermann-Föttinger-Institut, TU-Berlin, 1981
108
Literatur
[26] Baumann, W.W., Thiele, F. „A direct method for calculating laminar duct
flow with injection or suction “, Numerical Methods in Laminar and Turbu-
lent Flow, Proceedings of the 3rd Conference, Pineridge Press, Seattle,
1983
[27] Webber, D.M., „Source terms“, Journal of loss prevention in the process
industries, 4, 1991
[28] Splettstößer, W. „Theoretische und experimentelle Untersuchung der la-
minaren Zweistoff-Grenzschichtströmung längs eines ebenen, verdun-
stenden Flüssigkeitsfilms bei temperatur- und konzentrationsabhängi-
gen Stoffeigenschaften“, Dissertation, Technische Universität Braun-
schweig, 1973
[29] LLNL, „Coyote series data report.“UCID: 19953 V. 1, 2, LLNL/NWC, Li-
vermore, 1983
[30] Schlichting, Grenzschichttheorie
[31] R.P. Koopman et al., „Burro Series Data Report LLNL/NWC 1980 LNG
Spill Tests“, UCID-19075, Lawrence Livermore National Laboratory,1982
[32] Humbert-Basset, R., Montet, A., „Dispersion dans l’atmosphère d’un nu-
age gazeux for par épandage de GNL sur le sol “, 3rd International
Conference on LNG, Washington DC, 1972
[33] Böke, J., Hartwig, S. „Einsatz von Schäumen zur Konsequenzminderung
be Störfällen mit tiefkalten Flüssigkeiten“, IV. Symposium „Schwere Ga-
se und Sicherheitsanalyse “, Bonn, 1992
[34] P. Meurer. „Festlegung einiger Quellparameter für eine Ausbreitungs-
rechnung zur Sicherheitsanalyse.“, Staub - Reinhaltung der Luft, 51,
1991
[35] Lebuser, U., „Experimentelle und theoretische Unterschungen zur Ver-
dunstung aus Flüssigkeitslachen“, Dissertation, Universität Dortmund,
1989
[36] Brötz, W.„Gutachten Sicherheitstechnik NRW im Auftrag des MAGS“,
Stuttgart, 1979
[37] Luketa-Hanlin, A., „A review of large-scale LNG spills: Experiments and
modelling“, Journal of Hazardous Materials, A132, 2006
[38] Kawamura, P.I., Mackay, D., „The evaporation of volatile liquids“, Journal
of hazardous Materials, 15, 1987
109
Literatur
[39] „Methods for the calculation of physical effects. “, ’Yellow Book’, Commi-
tee for the Prevention of Disasters, Third edition 2005, Sdu Uitgevers.
[40] Opschoor, G., „Investigations into the evaporation of liquefied gases
spreading on land“, Cryogenics, 1981
[41] Böke, J. „Experimente und Untersuchungen der Verdampfungsminde-
rung durch Löschschäume als Konsequenzminderungsmaßnahme bei
Störfällen mit Flüssiggaslachen “, Dissertation, Bergische Universität
Wuppertal, 1994
[42] Brambilla, S., Manca, D. „Accidents involving liquids: A step ahead in
modeling pool spreading evaporation and burning“, Journal of hazar-
dous materials, 161, 2009
[43] Rotta, J.C. „Turbulent Boundary Layers in Incompressible Flow“, Pro-
gress in Aerospace Science, Vol. 2, 1962
[44] Smith, A.M.O. and Cebeci, T. „Numerical solution of the turbulent boun-
dary layer equations“, Douglas aircraft division report DAC 33735, 1967
[45] Cebeci, T. and Chang, K.C. „Calculation of Incompressible Rough-Wall
Boundary-Layer Flows “, AIAA Journal, Vol. 16, Nr. 7, 1978
[46] Baldwin, B. and Lomax, H. „Thin layer approximation and algebraic mo-
del for separated turbulent flows“, AIAA Paper 78-257, 1978
[47] Johnson, D.A., King, L.S. „A mthematically simple turbulence closure
model for attached and separated turbulent boundary layers “, AIAA
Journal, Vol. 23, Nr. 11, 1985
[48] Blottner, F.G. „Computational techniques for boundary layers“, AGARD-
LS 73, 1975
[49] Briscoe, F., Shaw, P. „Spread and evaporation of liquid“, Progress in
Energy and Combustion Science, Vol. 6, 1980
[50] Thiele, F. „Accurate numerical solutions of boundary layer flows by the
finite-difference method of Hermitian type.“, Journal of Computational
Physics, 27, 1978
[51] UBA Bericht „Ermittlung und Berechnung von Störfallablaufszenarien
nach Maßgabe der 3. Störfallverwaltungsvorschrift “, Forschungs- und
Entwicklungsvorha-ben 204 09 428.
110
Literatur
[52] Kalbhenn, M. „Experimentelle und numerische Untersuchungen der
Strömung in Outflow-Valves “, Dissertation, Universität Darmstadt, 2002
[53] VDI Richtlinie 3783 Blatt 1 und 2
[54] Schönbucher, A., Scheller, V. „Ausbreitung von Gasfahnen“, Chemie In-
genieur Technik 53, Nr. 5, 1981
[55] Gifford, F. A. „Turbulent Diffusion-Typing Schemes: A Review.“Nuclear
Safety Vol. 17, No. 1, 1976
[56] „Guidelines for Chemical Process Quantitative Risk Analysis - Second
Edition“, American Institute for Chemical Engineers, New York, 2000
[57] Etling, D. „Theoretische Meteorologie, Eine Einführung , 3. Auflage,
Springer Verlag, 2008
[58] www.pronuss.de
[59] Hartwig, S., Heudorfer, W. et al. „Experimentelle und theoretische Un-
tersuchungen zur Ausbreitung schwerer Gase “, RGB 8011, Frankfurt,
1986
[60] Thiele, F.W. „Die numerische Berechnung turbulenter rotationssymetri-
scher Freistrahlen und Freistrahl-Diffusionsflammen“, Dissertation, Uni
Karlsruhe, 1975
[61] Theurer, W. „Ausbreitung bodennaher Emissionen in komplexen Bebau-
ungen“, Dissertation, Uni Karlsruhe, 1993
[62] Health and Safety Executive „A series of experiments to study the
spreading of liquid pools with different bund arrangements“HSE Report
405/2002, 2002
111