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[en] (orig)
Benjamin Nölting, Jan-Peter Voß, Doris Hayn
Nachhaltigkeitsforschung – jenseits von
Diziplinierung und anything goes
Journal article, Published version
This version is available at http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:83-opus4-66599.
Suggested Citation
Nölting, Benjamin; Voß, Jan-Peter; Hayn, Doris: Nachhaltigkeitsforschung – jenseits von Diziplinierung
und anything goes. - In: GAIA: ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft. - ISSN:
0940-5550. - 13 (2004), 4, pp. 254–261.
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4/2004
B 54649
4’04 GAIA
Ökologische Perspektiven in Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften
Ecological Perspectives in Science, Humanities, and Economics
GAIA / ISSN 0940-5550 / GAIAEA 13(4) 233–312 (2004)
oekom verlag
www.oekom.de
GAIA
erscheint im Zeitschriftenprogramm von
Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 254
GAIA 13 (2004) no. 4
Nachhaltigkeitsforschung –
jenseits von Disziplinierung und
anything goes
Benjamin Nölting*, Jan-Peter Voß und Doris Hayn
* Postadresse: Dr. B. Nölting
Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG)
TU Berlin, Sekretariat P 2-2
Hardenbergstr. 36a
D-10623 Berlin (Deutschland)
Nachhaltigkeitsforschung steht aufgrund ihrer
Problemorientierung und ihres Bezugs zum politischen Konzept
der nachhaltigen Entwicklung vor methodischen Herausforderungen.
Es gibt keine umfassende Methode oder Theorie der
Nachhaltigkeitsforschung. Ist sie damit Wissensproduktion
nach dem Motto anything goes oder befindet sie sich
auf dem Weg zu einer theoretisch und methodisch
einheitlich verfaßten, neuen Wissenschaftsdisziplin?
Weder – noch. Auch wenn der Nachhaltigkeitsforschung
eine spezifische Methodik fehlt – vielleicht aus immanenten Gründen
fehlen muß –, darf sie auf Qualitätssicherung nicht verzichten.
Drei Projekte zeigen, daß gerade in der Nachhaltigkeitsforschung
die Methodenreflexion und die transparente Darstellung
der Forschungsverfahren entscheidend zur
Qualitätssicherung beitragen können.
Abstract & Keywords p. 312
© Carola Dinges
1 Methodische
Herausforderungen
Nachhaltigkeitsforschung befaßt sich
mit Problemen, die die langfristige Siche-
rung der gesellschaftlichen Entwicklungs-
bedingungen gefährden. Solche Probleme
werden im Folgenden als Nachhaltigkeits-
probleme bezeichnet. Die Fragen kommen
aus der gesellschaftlichen Praxis und wer-
den nicht wissenschaftsintern definiert.
Nachhaltigkeitsforschung hat die Aufga-
be, diese Fragen in eine wissenschaftlich
bearbeitbare Form zu übersetzen und Wis-
sen hervorzubringen, das zur praktischen
Lösung dieser Probleme beiträgt [1–3]. Da-
bei ist sie der Gerechtigkeit und der lang-
fristigen Erhaltung der Lebensgrundlagen
verpflichtet.1) Diese sollen in der Regel
durch eine Verbindung von ökonomischen,
ökologischen und sozialen Zielen erreicht
werden. Nachhaltigkeitsforschung bewegt
sich also an den Schnittstellen zwischen
Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Öf-
fentlichkeit. Dadurch ist sie vielfältigen
Anforderungen ausgesetzt und muß unter-
schiedliche Rationalitäten und Denkwei-
sen verbinden.2) Im wesentlichen kann man
drei relevante Forschungsebenen unter-
scheiden [11a, 12a, 13]:
Auf der analytischen Ebene werden Pro-
blemzusammenhänge rekonstruiert, ihre
Einbettung in Gesellschaft und Natur ana-
lysiert, Einflußfaktoren und Entwicklungs-
dynamiken untersucht sowie die Auswir-
kungen verschiedener Handlungsoptionen
abgeschätzt (Systemwissen).
Auf der normativen Ebene geht es da-
rum, die Ziele nachhaltiger Entwicklung
zu klären, den gesellschaftlichen Diskurs
um Nachhaltigkeit zu rekonstruieren und
zu dessen Weiterentwicklung beizutragen
(Ziel- oder Orientierungswissen).
Auf der operativen Ebene befaßt sich
Nachhaltigkeitsforschung mit der Unter-
suchung von praktischen Handlungsbedin-
gungen, der Ausarbeitung von Strategien
für eine nachhaltige Entwicklung entspre-
chend den analysierten Bedingungen und
ihrer Umsetzung in gesellschaftliches Han-
deln (Gestaltungs- oder Transformations-
wissen).
Wegen der engen Verquickung der drei
Ebenen haben erkenntnistheoretische und
methodologische Fragestellungen in der
Nachhaltigkeitsforschung im Vergleich
mit klassischer disziplinärer Forschung
eine besondere Brisanz. Gleichzeitig fehlt
eine konsistente theoretische und metho-
dische Fundierung [11b, 14a]. Dies war Anlaß
für grundlegende Überlegungen beispiels-
weise zur Beziehung von Nachhaltigkeits-
forschung und disziplinärer Wissenschaft
[15–19] und spiegelt sich auch in der noch
nicht abgeschlossenen Debatte über Qua-
litätskriterien und Evaluationsverfahren
wider [20–25].3)
Wie gehen Projekte der Nachhaltig-
keitsforschung im Forschungsalltag mit
diesen Herausforderungen um? Ausgangs-
punkt für die Beantwortung dieser Frage
sind drei laufende Projekte im Rahmen
des Förderschwerpunkts Sozial-ökologi-
sche Forschung des deutschen Bundes-
ministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF).4) Die Projekte erarbeiten Strate-
gien für eine nachhaltige Ernährung (Er-
nährung), für die Gestaltung des Struktur-
wandels in Versorgungssystemen (Strom,
Gas, Wasser und Telekommunikation) (Ve r -
sorgungssysteme) und für die Schaffung
regionalen Wohlstands durch die ökolo-
gische Land- und Ernährungswirtschaft
(Landwirtschaft) (Kästen 1 bis 3). Sie die-
nen als Untersuchungsfälle für den Um-
gang mit den methodischen Ansprüchen
der Nachhaltigkeitsforschung in der For-
schungspraxis.
Ausgehend von den genannten Heraus-
forderungen formulieren wir zunächst drei
Merkmale der Nachhaltigkeitsforschung:
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Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 255
GAIA 13 (2004) no. 4
1. Nachhaltigkeitsforschung bewegt sich
im Kontext der gesellschaftlichen Debatte
über nachhaltige Entwicklung. Die Frage,
was nachhaltig ist, ist mit Wertsetzungen
verknüpft und entsprechend umstritten.
Nachhaltigkeitsforschung muß aufzeigen,
wie sie sich auf konkurrierende Werte und
Ziele bezieht, und sie muß Interessen un-
terschiedlicher Akteure berücksichtigen.
Nachhaltigkeitsforschung ist also normativ.
2. Da sich Nachhaltigkeitsforschung auf
Probleme in realen Wirkungszusammen-
hängen bezieht, kann sie sich nicht auf
eine spezialisierte Perspektive (wie diszi-
plinäre Wissenschaft oder Wirtschaft) be-
schränken. Sie muß Zusammenhänge un-
tersuchen, um Problemanalysen liefern zu
können, die sich an der Wirklichkeit be-
währen. Dabei darf sie sich nicht auf öko-
logische, ökonomische oder soziale Bedin-
gungen von Nachhaltigkeit konzentrieren,
sondern muß die drei in Verbindung brin-
gen. Zu diesem Zweck muß sie Wissen aus
verschiedenen wissenschaftlichen Fach-
richtungen sowie Praxisrollen konzeptio-
nell zusammenführen. Nachhaltigkeits-
forschung ist daher integrativ.
3. Wissenschaft kann wirklichkeitstaugli-
che und umsetzbare Erkenntnisse für eine
nachhaltige Entwicklung nicht allein her-
vorbringen: Weil die Problembeschreibung
und die Definition des Gegenstandes in der
Nachhaltigkeitsforschung unmittelbar mit
Bewertungsfragen verbunden sind, besitzt
Wissenschaft dafür weder die alleinige
Kompetenz noch Legitimation. Darüber
hinaus sind Handlungsstrategien nur dann
erfolgversprechend, wenn die Problem-
wahrnehmungen, Interessen und Hand-
lungsbedingungen von Akteuren Eingang
finden. Das erfordert die Zusammenarbeit
mit der Praxis. Nachhaltigkeitsforschung
ist also partizipativ.
Nachfolgend diskutieren wir die Aus-
prägung der drei Merkmale in den drei
Projekten.
2 Umgang mit Normativität,
Integration und Partizipation
2.1 Normativität: Werte transparent
machen
Nachhaltige Entwicklung ist ein politi-
sches Konzept, das von den normativen
Prämissen Gerechtigkeit und ökologische
Verträglichkeit ausgeht. Die Operationali-
sierung dieser Prämissen in konkrete Leit-
linien gesellschaftlichen Handelns ist in
Gesellschaft und Wissenschaft umstritten.
"Nachhaltigkeit" muß folglich in jedem
Forschungsprozeß normativ konstituiert
werden. Die »traditionelle Fiktion einer
Trennung von Fakten und Werten« [26], die
auch in der "normalen" Wissenschaft pro-
blematisch ist, ist somit für die Nachhaltig-
1) Diese Normen werden in der Gesellschaft
höchst unterschiedlich ausgelegt ("starke" versus
"schwache" Nachhaltigkeit [4], intragenerationelle
versus intergenerationelle Gerechtigkeit [5]). Nach-
haltigkeitsforschung muß folglich verschiedene
Perspektiven berücksichtigen [6].
2) Diese Situation wird unter Schlagworten wie
mode 2 knowledge production oder "Problemorien-
tierung" und "soziale Robustheit" von Wissen auch
für andere Wissenschaftsbereiche diskutiert [7–10].
Das Spezifische der Nachhaltigkeitsforschung ist,
daß bereits ihr Gegenstand, die Erforschung der
Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung,
und nicht erst eine spezifische Herangehensweise
die Anforderungen begründet.
Ernährungswende – Strategien für sozial-ökologische
Transformationen im gesellschaftlichen Handlungsfeld
UmweltErnährungGesundheit (Ernährung)
www.ernaehrungswende.de
Das Projekt untersucht vor dem Hintergrund des Nahrungswohlstands in Deutschland,
wie Ernährungsbedürfnisse in nachhaltiger Weise befriedigt werden können. In einer inte-
grativen Problemsicht, die Gesundheitsfragen, Umweltwirkungen und die Bedürfnisse
der Konsument(inn)en zusammenführt, werden Transformationsprozesse (wie Novel Food,
Convenience-Trend) analysiert, bewertet und ein Entwicklungskorridor für eine "Ernäh-
rungswende" beschrieben. Die Analyse wird in Strategien münden, wie verschiedene Ziel-
gruppen an eine nachhaltige Ernährung herangeführt werden können, wobei die Perspek-
tive der Konsument(inn)en zentral ist.
Normativität
Das Projekt führte zunächst die vielfältigen, teils widersprüchlichen normativen Vorstellun-
gen von "nachhaltiger", "gesunder" sowie "richtiger" Ernährung zusammen und berück-
sichtigte dabei die Ernährungsforschung und die Verbraucherpolitik ebenso wie die Sicht-
weise der Konsument(inn)en. Zum einen wurden die vielfältigen Zielsetzungen professio-
neller Akteursgruppen in diesem Feld erhoben und zu normativen Prämissen verdichtet.
Zum anderen wurden mittels empirischer Erhebungen die (normativen) Orientierungen
von Konsument(inn)en untersucht. Die Orientierungen der verschiedenen Gruppen kon-
frontierte das Projekt mit empirischem Wissen über Auswirkungen verschiedener Ernäh-
rungsstile (aus Szenarios, Ökobilanzen und Risikoanalysen). Auf der Grundlage der ersten
Arbeitsschritte hat das Projekt nachhaltige Ernährung als bedarfsgerecht, alltagsadäquat,
sozial differenziert, gesundheitsfördernd, risikoarm und umweltverträglich definiert.
Das Projekt stellt die "Beobachtung" normativer Orientierungen unterschiedlicher Akteu-
re in den Vordergrund und sucht nach Anknüpfungspunkten für zielgruppenspezifische
Handlungsstrategien.
Integration
Das Projekt geht von einem die stoffliche, soziokulturelle und strukturelle Dimension inte-
grierenden Verständnis des fragmentierten Handlungsfeldes UmweltErnährungGesund-
heit aus und untersucht die Wechselwirkungen zwischen den Dimensionen. Dafür wurde
ein disziplinenübergreifendes Konzept von Ernährung entwickelt [38]. Innerhalb dieses Rah-
mens werden in vier thematisch ausgerichteten Modulen ("Ernährung im Alltag", "Ernährung
und Produkte", "Ernährung außer Haus" und "Ernährung und Öffentlichkeit") Teilprobleme
arbeitsteilig analysiert. Kognitiver Integration wird insbesondere auf der Ebene des Ge-
staltungswissens eine hohe Bedeutung beigemessen, da Strategien für eine Ernährungs-
wende kaum Chancen auf Umsetzung haben, wenn sie wichtige Perspektiven ausblen-
den, sondern dann eher riskieren, neue Probleme zu schaffen. Für die soziale Integration
sorgen Integrations- und Meilensteinworkshops. Die Phasen des getrennten Arbeitens
werden von bi- und multilateralen Abstimmungsprozessen begleitet. In zeitintensiven Inte-
grationsworkshops werden die Ergebnisse aus den Modulen zusammengeführt; daneben
finden laufend theoretische Diskurse und Begriffsarbeit statt.
Partizipation
Die Perspektive von Konsument(inn)en steht im Zentrum des Projekts, da diese neben
Politik und Wirtschaft wichtige Akteure einer Ernährungswende sind. Zur Erarbeitung von
Systemwissen werden praktische Erfahrungen der Konsument(inn)en erhoben (qualitati-
ve Interviews und repräsentative Befragungen). Untersucht werden die Alltagsgestaltung
sowie die Handlungsspielräume und -barrieren. Das so erhobene Wissen ist Ausgangs-
punkt für die Entwicklung von Handlungsstrategien für unterschiedliche Konsument(inn)en-
Typen. Diese Strategien sollen in Gruppendiskussionen mit Konsument(inn)en überprüft
und gegebenenfalls modifiziert werden. Die Betroffenen werden also direkt an der Aus-
gestaltung von Strategien einer Ernährungswende beteiligt. Sie bringen ihr Wissen, ihre
Praktiken, Handlungspotentiale und Wünsche ein, was die Umsetzungschancen der Stra-
tegien erhöht.
Kasten 1
3) Diese Debatte ist in den letzten Jahren besonders
im deutschsprachigen Raum aufgelebt, weil die
staatliche Forschungsförderung Schwerpunkte in
der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung
entwickelte (Österreich: www.klf.at, Schweiz:
www.sppe.ch und Deutschland: www.sozial-
oekologische-forschung.de), in denen Methoden-
fragen explizit berücksichtigt sind (beispielsweise
www.ikaoe.unibe.ch/forschung/dach/dach.main.
html).
4) Dort wird auch das Projekt "Evaluationsnetz-
werk für transdisziplinäre Forschung (Evalunet)"
gefördert, das sich ebenfalls mit den hier disku-
tierten Fragen beschäftigt (www.isoe.de/projekte/
evalunet.htm).
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Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 256
GAIA 13 (2004) no. 4
keitsforschung hinfällig. Denn die Problem-
definition, die Auswahl des Gegenstands
und die Vorgehensweise (Problembezug,
Praxisbeteiligung) stellen zugleich einen
wissenschaftlichen Suchprozeß und eine
normative Positionierung in einem Feld
gesellschaftlicher Bewertungskonflikte
dar. Nachhaltigkeitsforscher(innen) sind
immer auch Akteure mit eigenen Vorstel-
lungen und Interessen bei der Suche nach
einer nachhaltigen Entwicklung. Sie ste-
hen im Spannungsfeld von wissenschaft-
licher Analyse, gesellschaftlicher Bewer-
tung und politischer Umsetzung. Wie kann
Nachhaltigkeitsforschung dann für ihre
Ergebnisse gesellschaftliche Geltung ein-
fordern? Wir werfen zunächst einen Blick
auf die drei Projekte:
Das Projekt Ernährung arbeitet in erster
Linie die verschiedenen normativen Orien-
tierungen im Handlungsfeld UmweltEr-
nährungGesundheit heraus, um sie zu
möglichen Leitlinien einer "nachhaltigen
Ernährung" zu verdichten. Das Projekt
Versorgungssysteme bildet Bewertungs-
konflikte als gesellschaftliche "Bewer-
tungslandschaft" ab. Auf dieser Grundla-
ge werden für Konfliktbereiche Strategien
zur gesellschaftlichen Gestaltung des
Strukturwandels erarbeitet. Das Projekt
Landwirtschaft formuliert hingegen expli-
zit Ziele nachhaltiger Entwicklung und will
damit inhaltliche Anstöße für die Werte-
debatte geben.
Die drei Projekte wählen also unter-
schiedliche Vorgehensweisen und Rollen
bei der Untersuchung von Zielen und Be-
wertungen, bei der eigenen normativen
Verortung und bei der Weiterentwicklung
des gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdis-
kurses: Beobachter (Ernährung), Modera-
tor (Versorgungssysteme) und Ideengeber
(Landwirtschaft). Methodische Gemein-
samkeiten zeigen sich aber darin, daß die
Projekte offensiv mit ihren unterschiedli-
chen, auch ambivalenten Orientierungen,
Vorgehensweisen und Rollen umgehen.
Dazu gehört erstens, daß gesellschaftli-
che Zielkonflikte und -allianzen im Unter-
suchungsbereich herausgestellt werden.
Die Ziele und normativen Orientierungen
verschiedener gesellschaftlicher Akteure,
die den Diskurs über nachhaltige Entwick-
lung bestimmen, müssen empirisch analy-
siert werden, um die Dynamik der Bezie-
hungen zwischen Gesellschaft und Natur
zu verstehen. Dafür müssen unterschied-
liche Bewertungen und "Wahrheiten", die
aus den Perspektiven verschiedener Ak-
teure und Teilsysteme erwachsen, heraus-
gearbeitet, aufeinander bezogen und mit
Wissen über andere Empiriebereiche wie
Technik, Ökologie und Gesellschaft zu-
sammengeführt werden.
Zweitens sind Verortung und Transpa-
renz des Forschungsprojekts wichtig: Es
muß offenlegen, wie es sich auf kontro-
vers diskutierte Ziele nachhaltiger Ent-
wicklung bezieht, auf welchen normati-
ven Orientierungen und Bewertungen es
aufbaut und in welchem gesellschaftlichen
Zusammenhang es sich bewegt.
Drittens verbindet sich mit der Doppel-
rolle der Nachhaltigkeitsforschung als
Teilnehmerin am Prozeß der nachhaltigen
Entwicklung und als Beobachterin des
normativen Diskurses eine besondere Ka-
pazität für die aktive Weiterentwicklung
normativer gesellschaftlicher Konzepte.
Es geht darum, die Bewertung nicht künst-
lich von anderen Wissensbestandteilen zu
trennen, sondern die Kapazitäten der Nach-
haltigkeitsforschung systematisch in den
Integrierte Mikrosysteme der Versorgung: Dynamik,
Nachhaltigkeit und Gestaltung von Transformationsprozessen
in der netzgebundenen Versorgung (Versorgungssysteme)
www.mikrosysteme.org
In den netzgebundenen Versorgungssektoren für Strom, Gas, Wasser und Telekommunika-
tion findet gegenwärtig ein umfassender Strukturwandel statt. Wichtige Aspekte sind die
Liberalisierung des Marktes, die Privatisierung der Industrien und die Bedeutung der Infra-
strukturen für eine nachhaltige Entwicklung. Eine aktive Gestaltung des langfristigen Struk-
turwandels ist nötig, um Nachhaltigkeitspotentiale zu erschließen und problematische
Entwicklungspfade zu vermeiden. Sie wird durch Unsicherheit über die Transformations-
dynamik, die Ambivalenz von Nachhaltigkeitszielen und die weite Verteilung der Einfluß-
kapazitäten erschwert.
Das Projekt moderiert vor diesem Hintergrund einen gesellschaftlichen Lernprozeß zum
reflektierten und vorausschauenden Umgang mit Transformation [39].
Normativität
Das Projekt enthält eine Phase zur Erarbeitung von Zielwissen, in der untersucht wird,
was "Nachhaltigkeit" in Versorgungssystemen heißt. Dabei trifft die Forschungsgruppe
selbst keine Festlegungen, sondern läßt von Strukturwandel betroffene Akteure ihre Pro-
blemwahrnehmungen und Ziele einbringen. Das Verfahren umfaßt drei Stufen: Zuerst wer-
den die Kriterien erhoben, mit denen gesellschaftliche Gruppen die Nachhaltigkeit der
Versorgung bewerten. Dann werden von diversen Expert(inn)en alternative Versorgungs-
szenarios (die in einem vorhergehenden Schritt erarbeitet wurden) gemäß diesen Kriterien
bewertet. Schließlich werden in einem gemeinsamen Diskurs von Betroffenen und Ex-
pert(inn)en Risiken und Chancen sowie mögliche Bewertungskonflikte identifiziert. Das
Ergebnis ist ein Bild der gesellschaftlichen "Bewertungslandschaft" in bezug auf den Trans-
formationsprozeß, das bei der Entwicklung von Gestaltungsstrategien zur Orientierung
dienen kann.
Das Projekt nimmt im normativen Diskurs also die Rolle des Moderators ein.
Integration
Das Projekt nimmt gezielt die Wechselwirkungen zwischen den Sektoren Strom, Gas,
Wasser und Telekommunikation in den Blick. Quer zu den Sektoren werden im Transfor-
mationsprozeß auftretende Interaktionen zwischen den Handlungsfeldern Produktion,
Konsum und Regulierung von Versorgungsleistungen untersucht. Außerdem werden die
gesellschaftliche, technische und ökologische Dimension der Struktur von Versorgungs-
systemen im Zusammenhang betrachtet. Zur Problemstrukturierung erstellte die For-
schungsgruppe ein heuristisches Integrationskonzept [40]. In unterschiedlichen Projektpha-
sen dienen die drei genannten Kategorien (Sektoren, Handlungsfelder, Strukturdimensionen)
beispielsweise der Auswahl von Praxisakteuren oder der Identifikation von Vertiefungsberei-
chen. Die notwendige Reduzierung von Komplexität erfolgt anhand der Relevanzkriterien
beteiligter Akteure (beispielsweise Selektion von 30 Szenariofaktoren anhand der Krite-
rien "Unsicherheit" und "Impact"). Im Laufe des Prozesses werden Gestaltungsprobleme
sukzessive priorisiert und konkretisiert. Soziale Integration im Forschungsteam wird durch
die fortlaufende Entwicklung der Projektmethodik in einer Steuerungsgruppe sowie durch
die disziplin- und institutsübergreifende Teamzusammensetzung bei der Bearbeitung von
Teilproblemen gewährleistet.
Partizipation
Praxisakteure bringen in unterschiedlichen Projektschritten jeweils Erfahrungswissen oder
Bewertungen oder auch konkrete Unterstützung für Handlungsstrategien ein. Je nach
Funktion werden sie anhand der Kriterien Erfahrung, Betroffenheit oder Einfluß ausgewählt.
Die Handlungsfelder Produktion, Konsum und Regulierung sind dabei annähernd gleich-
gewichtig vertreten. Partizipation findet über verschiedene Verfahren statt: Workshops
zur Kommentierung von Forschungsdesign und Vorstudien, drei zweitägige Szenariowork-
shops, gemeinsame Formulierung von Bewertungskriterien, Diskurse über Nachhaltigkeit,
Fokusgruppen, Policy Workshops und interaktive Entwicklung von Umsetzungsstrategien.
Die inhaltlichen Ergebnisse des Projekts sind stark durch die Praxisakteure bestimmt.
Deren Auswahl und die Verfahren, in denen sie sich einbringen, haben damit kritische Be-
deutung. Durch die gleichberechtigte Einbindung verschiedener, auch schwach organi-
sierter Interessen sowie durch eine diskursorientierte Moderation und Verfahrensgestal-
tung können gesellschaftliche Machtungleichgewichte teilweise ausgeglichen werden.
Kasten 2
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Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 257
GAIA 13 (2004) no. 4
Prozeß gesellschaftlicher Ziel- und Leit-
bildentwicklung einzubringen. Dabei muß
eine klare Rollendefinition vorgenommen
werden, je nachdem, ob ein Projekt unter-
schiedliche normative Orientierungen ana-
lysiert (Beobachter), eine Plattform für
Diskursprozesse bereitstellt (Moderator)
oder Vorschläge für die konkrete Formu-
lierung von Nachhaltigkeitszielen macht
(Ideengeber).
Wenn Nachhaltigkeitsprojekte ihre Po-
sition zu diesen drei Punkten reflektieren
und transparent machen, können sie den
Nutzen ihrer Ergebnisse glaubwürdig ver-
treten: nicht trotz, sondern wegen des be-
gründeten Bezugs auf Werte und norma-
tive Orientierungen.
2.2 Integration: Wissenschaftsdisziplinen
und Praxis zusammenbringen
Spezialisierte Problemlösungen bringen
nicht-intendierte Nebenfolgen mit sich, so-
genannte »Probleme zweiter Ordnung« [27].
Sie bilden den Gegenstand der Nachhal-
tigkeitsforschung und sind oft »unstruk-
turiert« [28]. Disziplinäre Wissenschaft stößt
bei der Bearbeitung dieser Probleme an
ihre Grenzen. Auch die Orientierung an
verallgemeinerbaren Theorien wird den
praktischen Nachhaltigkeitsproblemen nur
selten gerecht. Im Versuch, diese Grenzen
zu überschreiten, strebt die Nachhaltig-
keitsforschung danach, Wissen aus Natur-,
Ingenieur- und Sozialwissenschaften so-
wie praktisches Erfahrungswissen inhalt-
lich und konzeptionell zu verbinden [7, 29].
Der integrative Anspruch hat Folgen
sowohl für die kognitive Dimension der
Forschung als auch für ihre soziale Orga-
nisation [12, 30]. Jedes Projekt muß für sich
ausbuchstabieren, welches Wissen in wel-
cher Weise integriert werden soll. Gleich-
wohl lassen sich grundsätzliche Voraus-
setzungen für die Integration von Wissen
benennen.
Nachhaltigkeitsforschung geht von prak-
tischen Problemen aus und untersucht
Wechselwirkungen, die in disziplinären
Betrachtungen meist ausgeblendet werden.
Im Zuge kognitiver Integrationsprozesse
muß sie Daten, Theorien, Konzepte und
Methoden unterschiedlicher Disziplinen
problembezogen verknüpfen: vor allem
die meist unverbundenen Erkenntnisse
der Sozialwissenschaften auf der einen
und der Natur- und Ingenieurwissenschaf-
ten auf der anderen Seite. Weiter muß sie
Praxiswissen einbinden: Erfahrungswis-
sen, Problemwahrnehmungen und Hand-
lungsbedingungen unterschiedlicher Ak-
teure. Es gilt also, kognitive Strukturen zu
entwickeln, in denen verschiedene Per-
spektiven inhaltlich und konzeptionell zu-
sammen gedacht werden können [14]. Dies
kann durch ein übergreifendes Konzept [31]
oder durch Schnittstellen [32] unterstützt
werden.
Der soziale Integrationsprozeß ist in die-
sem Zusammenhang eine eigene Aufgabe.
Bei der Kommunikation und Kooperation
von Akteur(inn)en aus heterogenen Wis-
senschafts- und Praxiskontexten mit unter-
schiedlichen Interessen und Organisations-
kulturen müssen Unterschiede gewahrt
und respektiert und zugleich produktiv
genutzt werden [33]. Trotz ihrer hohen Be-
deutung gibt es für die soziale Integration
keine klar definierten Vorgehensweisen.
Eine weitergehende Methodenentwick-
lung wäre hier hilfreich.
Integration ist kein einmaliger Akt: es
geht um einen Integrationsprozeß, der alle
Phasen und Ebenen eines Forschungspro-
jekts umfaßt. Es gilt, eine Kombination
von gemeinsamer Bearbeitung eines Ge-
samtproblems und arbeitsteiliger, auch
disziplinärer, Bearbeitung von Teilaspek-
ten zu finden [34]. Wie können Arbeitsfor-
men gefunden werden, mit denen die Augen
für das ganze Problem geöffnet werden,
ohne daß die entstehende Komplexität zur
Überforderung führt?
In allen drei Projekten wurde ein inter-
disziplinäres Brückenkonzept entwickelt.
Spezifische Fragen werden in Teilprojekten
Regionaler Wohlstand neu betrachtet.
Der Beitrag der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft
zur Lebensqualität (Landwirtschaft)
www.regionalerwohlstand.de
Dieses Projekt fragt danach, welchen Beitrag eine Wirtschaftsbranche zu zukunftsfähigem
Wohlstand in einer Region leistet und wie dieser Beitrag vergrößert werden kann. Dies
wird exemplarisch für die ökologische Land- und Ernährungswirtschaft ("Bio-Branche") in
der Region Berlin und Brandenburg untersucht. Auf der Grundlage der empirisch erhobe-
nen Wirkungen auf Wohlstand und Nachhaltigkeit und ihrer Hintergründe werden Modell-
projekte zur Verstärkung dieser Wirkungen entwickelt.
Normativität
Das Projekt knüpft an die normativen Konzepte nachhaltige Entwicklung und Lebensquali-
tät an und legt deren Herleitung und Wertungen offen. Es formuliert die Ziele nachhaltiger
Entwicklung als Mindestanforderungen. Aus Projektperspektive ist wichtig, daß auch
unterbewertete, aber gesellschaftlich relevante Auswirkungen der Branche insbesondere
im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich sichtbar gemacht werden, sogenannte
"versteckte" Formen von Wohlstand. Diese Ausrichtung des Projekts steht teilweise im
Widerspruch zu herkömmlichen Entwicklungszielen und Wohlstandsvorstellungen, was
zu kontroversen Debatten führt. Die normativen Orientierungen der Akteure werden in den
Auseinandersetzungen über die Bedeutung "nachhaltiger Entwicklung" in der Region und
weitere Bewertungsfragen deutlich.
Dem Projekt geht es nicht in erster Linie darum, die Werte der Beteiligten empirisch zu
erheben. Vielmehr möchte es als Ideengeber inhaltlich dazu beitragen, daß die regionale
Debatte über Entwicklung und Wohlstand um wichtige Aspekte erweitert wird.
Integration
Regionaler Wohlstand beruht nach der Konzeption des Projekts auf einer wirtschaftlich,
ökologisch, kulturell und sozial ausgewogenen Entwicklung. Für dieses breite Wohlstands-
verständnis wurden zu Projektbeginn grundlegende Begriffe wie Nachhaltigkeit, Lebens-
qualität und Wohlstand interdisziplinär definiert und zu einem gemeinsamen Untersu-
chungsrahmen "zukunftsfähiger Wohlstand" verknüpft [41]. Für diesen Arbeitsschritt waren
die enge Zusammenarbeit und der häufige Austausch im Forschungsteam eine wichtige
Voraussetzung. Über einen Praxisbeirat (siehe unter "Partizipation") geht kontinuierlich
Erfahrungswissen in das Projekt ein. Zu den Mitgliedern des Praxisbeirats wurde eine
vertrauensvolle, persönliche Beziehung aufgebaut.
Partizipation
Die Partizipation von Praxisakteuren hat im Projekt drei Funktionen: Erstens werden mit
einem Praxisbeirat, in dem Akteure aus der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft
und deren Umfeld vertreten sind, die Forschungsfragen und Arbeitsschritte des Projekts
regelmäßig diskutiert und in der Praxis "geerdet". Die Beiratsmitglieder wurden so aus-
gewählt, daß sie eine relativ homogene Gruppe bilden, die der Bio-Branche positiv gegen-
übersteht. Dies erlaubt eine konstruktive Zusammenarbeit und offene Diskussionen über
kritische Fragen und Werturteile. Zweitens werden bei der Auswahl der Untersuchungs-
kriterien und der Zuspitzung der Hypothesen Praxisakteure und (wissenschaftliche) Ex-
pert(inn)en in mehreren Workshops und Diskussionsrunden einbezogen. Erfahrungswis-
sen, Kritik, Bewertungen und unterschiedliche Interessen finden durch dieses iterative
Verfahren Eingang in den Forschungsprozeß. Drittens werden zusammen mit Praxisakteu-
ren Modellprojekte entwickelt und umgesetzt.
Die enge Zusammenarbeit mit Akteuren der Bio-Branche steigert in diesem eher kleinen
Bereich (Nische) die Umsetzungschancen der Modellprojekte. Für die Übertragung der
erhobenen Wirkungsmechanismen auf den allgemeinen Agrar- und Lebensmittelsektor
und für entsprechend angepaßte Modellprojekte sind zusätzliche Übersetzungsschritte
und adaptierte Kommunikations- und Kooperationsformen erforderlich.
Kasten 3
254_261_Noelting 09.11.2004 16:40 Uhr Seite 257
Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 258
GAIA 13 (2004) no. 4
oder Modulen bearbeitet und deren Er-
gebnisse unter Bezug auf das übergreifen-
de Untersuchungskonzept zusammenge-
führt. Während im Projekt Landwirtschaft
der Rahmen "zukunftsfähiger Wohlstand"
weitgehend wissenschaftsintern definiert
wurde, haben sich die Ausgestaltung des
übergreifenden Konzepts und die Schwer-
punktsetzung in den Projekten Ernährung
und Versorgungssysteme stärker aus dem
jeweiligen Handlungsfeld heraus entwickelt.
Integration im Rahmen der Nachhaltig-
keitsforschung ist Notwendigkeit und Her-
ausforderung zugleich. Ein geeignetes
Vorgehen kann in den Projekten im Mo-
ment nur durch learning by doing entwik-
kelt werden [35]. Wann stark oder schwach,
eher pragmatisch-eklektisch oder eher
systematisch integriert wird, hängt vom
jeweiligen Problemzusammenhang und
der Konzeption des Projekts ab. Dennoch
lassen sich gemeinsame Orientierungen
erkennen:
Nachhaltigkeitsforschung expliziert und
bearbeitet Zusammenhänge und Wechsel-
wirkungen zwischen symbolischen und
materiellen Dimensionen und leuchtet die
"toten Winkel" aus, die Fachdisziplinen
und spezialisierte Funktionslogiken nicht
erfassen. Zu diesem Zweck integriert sie
das Wissen verschiedener Akteure aus
Wissenschaft und Praxis mit Bezug auf
ein konkretes Problem.
Nachhaltigkeitsforschung braucht Inte-
grationsmethoden: sowohl Konzepte und
Modelle kognitiver als auch Instrumente
und Verfahren sozialer Integration. Deren
wechselseitige Bedingtheit muß berück-
sichtigt werden.
Nachhaltigkeitsforschung braucht eine
integrative Herangehensweise, die Nach-
haltigkeitsproblemen gerecht werden kann,
ebenso wie eine transparente und begrün-
dete Fokussierung auf überschaubare Teil-
probleme mit methodisch bearbeitbaren
Fragestellungen: eine Balance zwischen
Integration und Fokussierung.
2.3 Partizipation: Forschung einbetten,
aber ihre Vereinnahmung vermeiden
Aufgrund der engen Verquickung von
normativen Orientierungen und empiri-
schen Analysen sowie des integrativen und
auf praktische Probleme gerichteten An-
satzes kann die Nachhaltigkeitsforschung
nicht allein innerhalb der Wissenschaft
stattfinden. Es geht ihr nicht um Konzepte
für das, was getan werden sollte, sondern
um Handlungsstrategien, die das ausschöp-
fen, was getan werden kann. Dafür müs-
sen die Wahrnehmungen, Interessen und
Handlungsbedingungen der unterschied-
lichen Akteure berücksichtigt werden.
In Abgrenzung zum Modell einer de-
kontextualisierten Wissenschaft, bei der
Problemstellungen und Lösungen wissen-
schaftsintern formuliert und erarbeitet
werden, werden in der Nachhaltigkeits-
forschung bewußt Kontextbezüge aufge-
baut, um wirklichkeitstaugliches Wissen
zu erzeugen [2, 36]. Hier bestehen Bezüge
zur partizipativen Policy analysis, die vor
dem Hintergrund einer epistemologischen
Kritik am Expertenwissen auch aus demo-
kratietheoretischer Perspektive die Einbe-
ziehung von Bürger(inne)n und stakehol-
ders in die Wissensproduktion betreibt [37].
Solche (Re-)Kontextualisierung ist – anders
als beispielsweise in der Industrieforschung
– normativen Prämissen verpflichtet: Eine
Berücksichtigung von Interessen- und
Machtverhältnissen darf nicht dazu führen,
daß Beharrungskräfte Problemlösungen
verhindern oder die Forschung instrumen-
talisiert wird. Gleichzeitig muß der For-
schungsprozeß den Interessen der einzel-
nen Praxisakteure entgegenkommen, wenn
sie sich beteiligen sollen. Eine Balance
zwischen diesen Interessen zu finden, ist
eine zentrale Herausforderung. Dabei hilft
es, verschiedene Funktionen zu unter-
scheiden, die Akteure auf den drei Ebe-
nen der Nachhaltigkeitsforschung wahr-
nehmen können.
Bei der Produktion von Systemwissen
soll mit der Einbeziehung von Praxisak-
teuren Erfahrungswissen eingebunden
werden, um ein Verständnis des Gegen-
stands zu entwickeln, das nicht an der
Wirklichkeit vorbeiläuft.
Bei der Produktion von Zielwissen ste-
hen Bewertungsfragen im Vordergrund.
Nachhaltigkeitsziele sollen dort, wo sie
Risikobeurteilungen und Zielabwägungen
erfordern, in den unterschiedlichen Wer-
ten der Akteure begründet werden. Die
Einbeziehung eines breiten Spektrums an
Die Arbeiten der bildenden Künstlerin Carola Dinges aus Berlin gehen von Luftaufnahmen
oder Stahlkonstruktionen aus. Frau Dinges benutzt diese als graphische Struktur und
entwickelt sie zu räumlichen Bildern weiter. Mehrere transparente Ebenen werden kombi-
niert, Flächen und Linien übereinander geschichtet. Daraus ergeben sich Verdichtungen,
und zugleich wird der Blick in abstrakte Räume hineingeführt.
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Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 259
GAIA 13 (2004) no. 4
Akteuren kann gewährleisten, daß auch
solche Problemsichten frühzeitig Gehör
finden, die sich im gesellschaftlichen Dis-
kurs nur schwach artikulieren können.
Für die Produktion von Gestaltungs-
wissen sind sowohl die Fähigkeiten und
Ressourcen der Akteure von Bedeutung
als auch deren Motivation, an einer spe-
zifischen Problemlösung mitzuwirken. Es
geht nicht nur um Akteure, die konstruk-
tiv an der Umsetzung beteiligt sind, son-
dern auch um solche, die sie blockieren
können. Daher ist es wichtig, diejenigen
Akteure zu identifizieren und einzubezie-
hen, die Einfluß im gesellschaftlichen
Veränderungsprozeß haben.
Auch in Fragen der Partizipation zeigen
sich große Unterschiede zwischen den
drei Projekten: Während das Projekt Er-
nährung (im Modul "Ernährung im All-
tag") Konsument(inn)en erst bei der Über-
arbeitung von Handlungsstrategien betei-
ligt, spielen im Projekt Versorgungssyste-
me die Praxispartner(innen) von Beginn
an eine inhaltlich prägende Rolle für die
Konzeption des Gegenstandes wie auch
die Bewertung von Risiken und Chancen
in bezug auf Nachhaltigkeit. Das Projekt
Landwirtschaft nimmt eine mittlere Posi-
tion ein: In einem iterativen Prozeß wer-
den Praxisakteure in verschiedenen Pha-
sen an der Auswahl von Kriterien und der
Bewertung von (Zwischen-)Ergebnissen
beteiligt.
Über alle drei Projekte hinweg werden
Praxisakteure in ganz verschiedenen Ver-
fahren eingebunden: mittels Review-Work-
shops, Beiratssitzungen, Szenarioerarbei-
tung, kooperativer Fallstudien, Fokus-
gruppen, Gruppeninterviews und anderer.
Deren spezifische Leistungen können nur
durch eine gründliche Dokumentation und
Auswertung beurteilt werden. Um hier ei-
nen "gut sortierten Werkzeugkasten" zur
Verfügung zu haben, wäre weitere Metho-
denarbeit sinnvoll.
Besonders bei der Partizipation werden
der Kontextbezug und die Vielfalt prakti-
scher Ansätze in der Nachhaltigkeitsfor-
schung deutlich. Eine standardisierte Vor-
gehensweise scheint nicht praktikabel.
Gerade deshalb ist Transparenz der Ver-
fahren für die Nachvollziehbarkeit der
Forschungsergebnisse von besonderer Be-
deutung.
Die Funktionen und Rollen von Praxis-
akteuren im Forschungsprozeß müssen
klar definiert sein, Veränderungen im Pro-
jektverlauf müssen beschrieben werden.
Die Kriterien und die Verfahren, nach
denen die Praxisakteure ausgewählt wer-
den, müssen nachvollziehbar dargestellt
und begründet werden.
Die Kommunikationsprozesse, in denen
die heterogenen Perspektiven der Betei-
ligten aufeinander bezogen werden, müs-
sen erläutert und evaluiert werden.
In allen Prozeßschritten muß die Span-
nung zwischen der für die Kooperation
nötigen Berücksichtigung von Einzelinter-
essen und der Gefahr, daß die Forschung
von mächtigen Akteuren instrumentalisiert
wird, reflektiert werden.
Das Forschungsdesign muß die Span-
nung zwischen der Loslösung von Rollen-
interessen zugunsten übergreifender Pro-
blemlösungen und der Anschlußfähigkeit
an die Praxis der Akteure thematisieren.
3 Reflexion und Transparenz
als prozeßbezogene Qualitäts-
kriterien
Schon im Überblick über drei Projekte
(Abschnitt 2 und Kästen 1 bis 3) zeigen
sich viele Möglichkeiten des Umgangs
mit Normativität, Integration und Partizi-
pation. Die Vielfalt der eingesetzten Mit-
tel und Verfahren ist unmittelbar mit der
Art der in der Nachhaltigkeitsforschung
bearbeiteten Probleme verbunden. "Reale"
Problem- und Handlungskontexte haben
Eigenarten, denen man flexibel mit ange-
paßten Methoden begegnen muß. Deshalb
ist ein allgemeines und detailliert ausfor-
muliertes Methodengerüst, wie es für die
disziplinäre Wissenschaft angemessen ist,
für die Nachhaltigkeitsforschung nicht
sinnvoll. Eine "Disziplinierung" würde
die besonderen Potentiale der Nachhaltig-
keitsforschung, die aus deren engem Pro-
blem- und Kontextbezug erwachsen, zu
sehr begrenzen.
Gleichwohl bedeutet Kontextbezogen-
heit nicht einseitige Anpassung an "die
Praxis" und Flexibilität nicht Beliebigkeit.
Das, was die Arbeiten von Frau Dinges leisten, ist auch Aufgabe von Projekten der
Nachhaltigkeitsforschung: unterschiedliche Ebenen herausarbeiten, Bezüge dazwischen
kenntlich machen, alle, teilweise heterogenen, Einzelaspekte zusammenführen und sie
verdichten. Ziel ist ein in sich stimmiges "Bild", bei dem eine übergeordnete Struktur
deutlich wird, ohne daß Spannungen übertüncht werden.
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Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 260
GAIA 13 (2004) no. 4
Methodische Orientierungen sind nötig,
um die Qualität des produzierten Wissens
zu sichern. Häberli und Grossenbacher-
Mansuy [21] stellen die Anforderungen an
transdisziplinäre Umweltforschung und die
damit verbundenen Probleme umfassend
dar. Ihre Checkliste mit 28 Erfolgsbedin-
gungen transdisziplinärer Forschung [14a]
dient der Übersicht, kann jedoch, gerade
aufgrund der notwendigerweise recht all-
gemeinen Formulierung und der Nennung
von Punkten, die kaum von Projektseite
beeinflußt werden können, auch zur me-
thodischen Überforderung und Überfrach-
tung von Nachhaltigkeitsprojekten beitra-
gen. Woran aber können und sollen sich
Projekte der Nachhaltigkeitsforschung bei
ihrer Arbeit orientieren?
Wir denken, daß eine Methodik der
Nachhaltigkeitsforschung jenseits der Al-
ternative von Disziplinierung oder anything
goes liegt. Es braucht Standards, die auf der
Prozeßebene der problembezogenen Me-
thodenentwicklung und -dokumentation
ansetzen. Wir stellen eine Vorgehensweise
zur Diskussion, bei der sich die Qualität
der Forschung an der Reflexion über me-
thodische Spannungsfelder und der trans-
parenten Darstellung problemspezifischer
Forschungsverfahren bemißt. Ein wesent-
licher Schritt dorthin ist es unserer Ansicht
nach, die richtigen Fragen an die Metho-
dik der Nachhaltigkeitsforschung zu stel-
len.Auf der Grundlage des exemplarischen
Durchgangs durch die drei Projekte haben
wir dazu die in der Tabelle aufgeführten
Schlüsselfragen identifiziert.
Die Beantwortung dieser Fragen scheint
uns geeignet, den methodischen Anforde-
rungen von Normativität, Integration und
Partizipation in der Forschungspraxis ge-
recht zu werden. Sie garantiert natürlich
noch keine guten Forschungsergebnisse.
Aber in Hinblick auf grundlegende Vorent-
scheidungen, Projektsteuerung und -mo-
nitoring erleichtern es die Fragen, alterna-
tive Vorgehensweisen mitzudenken und
deren Vor- und Nachteile für das Projekt
bewußt abzuschätzen. In diesem Sinne ist
es weniger wichtig, welche Antworten Pro-
jekte auf diese Fragen geben, sondern ob
und wie sie sie beantworten.5) Da es unse-
res Erachtens nicht möglich ist, standardi-
sierte Verfahren vorzuschreiben, trägt eine
kluge, dem untersuchten Problem ange-
messene Begründung der Vorgehensweise
wesentlich zur Qualitätssicherung bei.
Auch wenn nicht immer alle Fragen be-
friedigend beantwortet werden können,
dient doch die Auseinandersetzung mit
ihnen der Schwerpunktsetzung und der
Verortung eines Projekts im Feld der Nach-
haltigkeitsforschung. Ziel ist es, das große
Innovationspotential und die Experimen-
tiermöglichkeiten der Nachhaltigkeitsfor-
schung auszuschöpfen und dabei die pro-
jektspezifischen Verfahren und Folgerungen
nach innen und außen transparent zu ma-
chen. Mit diesem Vorgehen können Lern-
prozesse angestoßen und kann die Quali-
tät der Forschung gesichert werden.
Dank
Wir danken Céline Loibl und Engelbert Schramm
für wertvolle Kommentare, die in die Arbeit an
diesem Artikel eingeflossen sind. Und wir danken
Carola Dinges, bildende Künstlerin und Meister-
schülerin an der Hochschule der Künste Berlin,
die uns zwei ihrer Bilder für die Illustration des
Artikels zur Verfügung gestellt hat.
Literatur
[1] K.-W. Brand: "Nachhaltigkeitsforschung.
Besonderheiten, Probleme und Erfordernisse
eines neuen Forschungstyps", in [19], p. 9–28.
[2] W.C. Clark: "Research Systems for a Transi-
tion towards Sustainability", GAIA 10/4 (2001)
264–266.
[3] J. Thompson Klein, W. Grossenbacher-Mansuy,
R. Häberli, A. Bill, R.W. Scholz, M. Welti:
Transdisciplinarity: Joint Problem Solving
among Science, Technology, and Society.
An Effective Way for Managing Complexity,
Birkhäuser, Basel (2001).
[4] Vergleiche G. Scherhorn, C.H. Wilts:
"Schwach nachhaltig wird die Erde zerstört",
GAIA 10/4 (2001) 249–255 und V. Radke:
"Nachhaltigkeit und Fairness", GAIA 10/4
(2001) 256–257 sowie das "Forum" zu diesem
Disput, GAIA 11/2 (2002) 85–90.
[5] Vergleiche J. Tremmel: "'Nachhaltigkeit' –
definiert nach einem kriteriengebundenen
Verfahren", GAIA 13/1 (2004) 26–34 und die
darauf folgenden Kommentare (35–41) von
K.-W. Brand, K. Ott und R.P. Sieferle sowie
M. Morosini: "Nachhaltig unnachhaltig?",
GAIA 13/3 (2004) 165–166.
[6] J. Minsch, P.-H. Feindt, H.-P. Meister,
U. Schneidewind, T. Schulz, J. Tscheulin:
Institutionelle Reformen für eine Politik der
Nachhaltigkeit, Studie im Auftrag der Enquete-
Kommission "Schutz des Menschen und der
Umwelt" des 13. Deutschen Bundestages,
Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York,
Tokyo (1998).
[7] G.C. Gallopín, S. Funtowicz, M. O'Connor,
J.R. Ravetz: "Science for the 21st Century:
From Social Contract to the Scientific Core",
International Journal of Social Science 168
(2001) 219–229.
[8] M. Gibbons, C. Limoges, H. Nowotny,
S. Schwartzman, P. Scott, M. Trow: The New
Production of Knowledge. The Dynamics of
Science and Research in Contemporary
Societies, Sage, London (1994).
[9] S. Jasanoff: Science at the Bar: Law, Science,
and Technology in America, Harvard Univer-
sity Press, Cambridge, MA (1995).
[10] H. Nowotny, P. Scott, M. Gibbons: Re-Thinking
Science. Knowledge and the Public in an Age
of Uncertainty, Polity Press, Cambridge (2001).
[11] E. Becker, T. Jahn: "Sozial-ökologische
Transformationen – Theoretische und
methodische Probleme transdisziplinärer
Nachhaltigkeitsforschung", in [19], p. 67–84,
insbesondere a) p. 79–81; b) p. 67.
[12] M. Mogalle: Management transdisziplinärer
Forschungsprozesse, Birkhäuser, Basel (2001),
insbesondere a) p. 12f.
[13] G. Hirsch Hadorn, C. Pohl, M. Scheringer:
"Methodology of Transdisciplinary Research",
in G. Hirsch Hadorn (Ed.): Unity of Know-
ledge in Transdisciplinary Research for
Sustainability, in Encyclopedia of Life Sup-
port Systems (EOLSS), developed under the
Tabelle. Evaluationsfragen zum Umgang mit den Anforderungen Normativität, Integration
und Partizipation in Projekten der Nachhaltigkeitsforschung.
Anforderungen
Normativität
Integration
Partizipation
Fragen zur (Selbst-)Evaluation
Welche Wertvorstellungen und Ziele haben die Akteure im unter-
suchten Praxisfeld? Wie werden diese empirisch untersucht?
Wie bezieht sich das Projekt auf nachhaltige Entwicklung?
An welche Ziele und normativen Orientierungen knüpft es an?
Welche Rolle nimmt das Projekt im gesellschaftlichen Diskurs über
das Konzept der nachhaltigen Entwicklung ein?
Welche Zusammenhänge betrachtet das Projekt, die von disziplinä-
rer Wissenschaft ausgeblendet würden? Was ist die übergreifende
Problemdefinition?
Welche Wissensbestände und -formen (wie Theorien, Analysen,
Erfahrungen) integriert das Projekt? Mit welchen Konzepten?
Welche sozialen Differenzen werden im Forschungsprozeß über-
brückt? Mit welchen Verfahren?
Wie werden die Bearbeitung von Teilaufgaben koordiniert und die
Ergebnisse zusammengeführt? Wie findet das Projekt eine Balance
zwischen Fokussierung und dem "Blick aufs Ganze"?
Welche Funktionen haben Praxisakteure für den Forschungs-
prozeß? Welche Rolle nehmen sie im Projekt ein?
Nach welchen Kriterien werden Praxisakteure ausgewählt? Mit
welchen Verfahren werden sie in die Projektarbeit eingebunden?
Wie gehen die Akteursperspektiven in die Projektergebnisse ein?
Wie anschlußfähig sind die Ergebnisse an den Praxisalltag?
Welche Interessen- und Machtverhältnisse finden sich im Praxis-
feld, und wie geht das Projekt damit um?
5) Stellt sich allerdings heraus, daß es keinen
Bezug zum Konzept nachhaltiger Entwicklung,
keine Integration der problemrelevanten Wissens-
bestände und/oder keine Einbeziehung von Praxis-
akteuren gibt, dann handelt es sich selbstverständ-
lich auch nicht um Nachhaltigkeitsforschung.
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Methodik der Nachhaltigkeitsforschung 261
GAIA 13 (2004) no. 4
auspices of the UNESCO, Eolss Publishers,
Oxford, UK (2003), www.eolss.net, abgerufen
20.09.2003.
[14] T. Jahn: "Sozial-ökologische Forschung. Ein
neuer Forschungstyp in der Nachhaltigkeits-
forschung", in G. Linne, M. Schwarz (Ed.):
Handbuch Nachhaltige Entwicklung. Wie ist
nachhaltiges Wirtschaften machbar?, Leske +
Budrich, Opladen (2003), p. 545–555, ins-
besondere a) p. 546f.
[15] S. Funtowicz, J.R. Ravetz: "Science for the
Post-Normal Age", Futures 25 (1993) 735–755.
[16] G. Hirsch: "Beziehungen zwischen Umwelt-
forschung und disziplinärer Forschung",
GAIA 4/5–6 (1995) 302–314.
[17] J. Mittelstraß: "Interdisziplinarität oder Trans-
disziplinarität?", in J. Mittelstraß (Ed.): Die
Häuser des Wissens. Wissenschaftstheoretische
Studien, Suhrkamp, Frankfurt am Main (1998),
p. 29–48.
[18] P. Weingart: "Neue Formen der Wissenspro-
duktion: Fakt, Fiktion und Mode", TA-Daten-
bank-Nachrichten 8/3–4 (1999) 48–57.
[19] K.-W. Brand (Ed.): Nachhaltige Entwicklung
und Transdisziplinarität. Besonderheiten,
Probleme und Erfordernisse der Nachhaltig-
keitsforschung, Analytica Verlagsgesellschaft,
Berlin (2000).
[20] R. Defila, A. Di Giulio: "Projektbericht Eva-
luationskriterien für inter- und transdisziplinä-
re Forschung", Panorama Sondernummer 99:
Transdisziplinarität evaluieren – aber wie?
(1999) 5–12.
[21] R. Häberli, W. Grossenbacher-Mansuy:
"Transdisziplinarität zwischen Förderung
und Überforderung. Erkenntnisse aus dem
SPP Umwelt", GAIA 7/3 (1998) 196–213,
insbesondere a) p. 206.
[22] J. Jaeger, M. Scheringer (1999): "Wofür steht
Transdisziplinarität? – Kritische Anmerkun-
gen zur 'Managementperspektive'", GAIA 8/1
(1999) 5–7.
[23] A. Grunwald: "Transdisziplinäre Umweltfor-
schung: Methodische Probleme der Qualitäts-
sicherung", TA-Datenbank-Nachrichten 8/3–4
(1999) 32–39.
[24] M. Bergmann: "Indikatoren für eine diskur-
sive Evaluation transdisziplinärer Forschung",
Technikfolgenabschätzung – Theorie und
Praxis 12/1 (2003) 65–75.
[25] Vergleiche die Beiträge zum Disput: "Stiche,
Stichproben, Stichworte: Übergangszustände
der Evaluation von 'Tauschzonen des Wissens'",
GAIA 12/2 (2003) 87–99.
[26] G. Bechmann: "Das Konzept der 'Nachhalti-
gen Entwicklung' als problemorientierte For-
schung. Zum Verhältnis von Normativität und
Kognition in der Umweltforschung", in [19],
p. 31–46, hier p. 42.
[27] T. Jahn, P. Wehling: "Gesellschaftliche Natur-
verhältnisse – Konturen eines theoretischen
Konzepts", in K.-W. Brand (Ed.): Soziologie
und Natur. Theoretische Perspektiven, Leske +
Budrich, Opladen (1998), p. 75–95, hier p. 88.
[28] M. Hisschemöller, R. Hoppe: "Coping with
Intractable Controversies: The Case for Pro-
blem Structuring in Policy Design and Ana-
lysis", in [37], p. 47–72, hier p. 51f.
[29] S. Funtowicz, J.R. Ravetz, M. O'Connor:
"Challenges in the Use of Science for Sustai-
nable Development", International Journal of
Sustainable Development 1/1 (1998) 99–107.
[30] K. Hollaender, M.C. Loibl, A. Wilts: "Ma-
nagement of Transdisciplinary Research", in
G. Hirsch-Hadorn (Ed.): Unity of Knowledge
in Transdisciplinary Research for Sustain-
ability, in Encyclopedia of Life Support Sys-
tems (EOLSS), developed under the auspices
of the UNESCO, Eolss Publishers, Oxford,
UK (2003), www.eolss.net, abgerufen
20.09.2003.
[31] T. Jahn, P. Wehling: "Das mehrdimensionale
Mobilitätskonzept – Ein theoretischer Rah-
men für die stadtökologische Mobilitätsfor-
schung", in J. Friedrichs, K. Hollaender (Ed.):
Stadtökologische Forschung. Theorien und
Anwendungen, Analytica Verlagsgesellschaft,
Berlin (1999), p. 127–142.
[32] J. Thompson Klein: "Unity of Knowledge and
Transdisciplinarity: Contexts of Definition,
Theory and the New Discourse of Problem
Solving", in G. Hirsch Hadorn (Ed.): Unity of
Knowledge in Transdisciplinary Research for
Sustainability, in Encyclopedia of Life Sup-
port Systems (EOLSS), developed under the
auspices of the UNESCO, Eolss Publishers,
Oxford, UK (2003), www.eolss.net, abgerufen
20.09.2003.
[33] M.C. Loibl: "Spannungen in heterogenen
Forschungsteams. Prioritätenkonflikte nach
Wissenschaftskulturen, institutionellen Zu-
gehörigkeiten und Gender", in J. Strübing,
I. Schulz-Schäffer, M. Meister, J. Gläser (Ed.):
Kooperation im Niemandsland. Neue Perspek-
tiven auf Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technik, Leske + Budrich, Opladen (2004),
p. 231–247.
[34] J. Jaeger, M. Scheringer: "Transdisziplinarität:
Problemorientierung ohne Methodenzwang",
GAIA 7/1 (1998) 10–25.
[35] M. Bergmann, T. Jahn: "Learning not only by
doing – Erfahrungen eines interdisziplinären
Forschungsverbundes am Beispiel von City:
mobil", in J. Friedrichs, K. Hollaender (Ed.):
Stadtökologische Forschung. Theorien und
Anwendungen, Analytica Verlagsgesellschaft,
Berlin (1999), p. 251–278.
[36] B. Kasemir, J. Jäger, C.C. Jaeger, M.T. Gardner:
Public Participation in Sustainability Science.
A Handbook, Cambridge University Press,
Cambridge, UK (2003).
[37] M. Hisschemöller, R. Hoppe, W. Dunn, J.R.
Ravetz: Knowledge, Power, and Participation
in Environmental Policy Analysis, Transaction
Publishers, New Brunswick, London (2001).
[38] U. Eberle, U.R. Fritsche, D. Hayn, C. Empa-
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stadt, Frankfurt am Main, Heidelberg, Köln
(2004), www.ernaehrungswende.de/pdf/
Discussion_Paper1_Feb_2004_gif.pdf,
abgerufen 17.10.2004.
[39] J.-P. Voß, B. Truffer, K. Konrad: "Sustainabili-
ty Foresight. Gestaltung von Transformations-
prozessen in Versorgungssektoren", Soziale
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[40] K. Konrad, J.-P. Voß, B. Truffer, D. Bauknecht:
Transformationsprozesse in netzgebundenen
Versorgungssystemen. Ein integratives Analyse-
konzept auf Basis der Theorie technologischer
Transitionen, Bericht im Rahmen des BMBF-
Projektes "Integrierte Mikrosysteme der Ver-
sorgung", CIRUS/EAWAG, Kastanienbaum,
Öko-Institut, Berlin, Freiburg im Breisgau
(2004), www.mikrosysteme.org/documents/
Bericht_AP_210.pdf, abgerufen 17.10.2004.
[41] M. Schäfer, B. Nölting, L. Illge: Zukunftsfähi-
ger Wohlstand. Analyserahmen zur Evaluation
nachhaltiger Wohlstandseffekte einer regiona-
len Branche, Discussion Paper des Zentrum
Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin
No. 10, Berlin (2003).
(Eingegangen am 8. April 2004;
überarbeitete Fassung angenommen
am 4. Oktober 2004; AJ.)
Benjamin Nölting: Geboren 1966 in München, Bayern. Studium der Ge-
schichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaft in Hamburg, Grenoble und
Freiburg im Breisgau. Danach Arbeit in der Berliner Kommunalpolitik. 2002
Promotion im Fach Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin über
Umweltgruppen in der DDR und Ostdeutschland. Seit 2002 wissenschaft-
licher Mitarbeiter am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen
Universität Berlin. Arbeitsschwerpunkte: Agrarpolitik, Regionalentwicklung,
Institutionenanalyse und Nachhaltigkeitsforschung. Projekt "Regionaler Wohl-
stand neu betrachtet".
Jan-Peter Voß: Geboren 1973 in Moers, Nordrhein-Westfalen. Studium der
Politikwissenschaft und Ökonomie an der Freien Universität Berlin und der
London School of Economics and Political Science. Seit 2000 wissenschaftli-
cher Mitarbeiter am Öko-Institut e.V. (zunächst in Freiburg, seit 2003 in Berlin)
mit den Forschungsschwerpunkten Energiepolitik, Strukturwandel in Infrastruk-
tursektoren, Governance-Theorie und Methoden transdisziplinärer Forschung.
Gegenwärtig Dissertation zu Politikinnovationsprozessen an der University of
Twente in Enschede, Niederlande. Projekt "Integrierte Mikrosysteme der Ver-
sorgung".
Doris Hayn: Geboren 1967 in Rothenburg ob der Tauber, Bayern. Studium der
Ökotrophologie mit Schwerpunkt Haushaltswissenschaft an der Justus-Liebig-
Universität Gießen. 2000 Promotion zur "Konstruktion von Zweigeschlecht-
lichkeit bei ausgewählten haushaltswissenschaftlichen FachvertreterInnen" an
der Universität Gießen. Seit 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut
für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main. Forschungs-
schwerpunkte: Alltagsökologie und Ernährung sowie Geschlechterforschung.
Projekt "Ernährungswende – Strategien für sozial-ökologische Transformatio-
nen im gesellschaftlichen Handlungsfeld UmweltErnährungGesundheit".
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Abstracts 312
GAIA 13 (2004) no. 4
Ecological Perspectives
in Science, Humanities,
and Economics
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GAIA 13/4 (2004) 254–261
Abstract: Sustainability research faces special methodological problems that go back to its orienta-
tion towards "real world problems" and the political concept of sustainable development. It is research
that is normative, integrative and participative. This creates tensions with conventional methods of
disciplinary science. Yet, a specific method of sustainability research has not been established. Is sus-
tainability research then guided by the motto of anything goes? Or is it in the process of becoming a new
discipline? This paper examines these questions by looking at the practice of sustainability research
in three different projects. A comparison along the methodological problems of normativity, integra-
tion and participation yields a variety of approaches to address these problems in specific project con-
texts. To impose a rigid application of operational standards on sustainability research would mean to
ignore the merits of contextualization. However, we argue that procedural criteria such as reflection
on methodological problems and transparent documentation of the ways in which they are dealt with
are important to sustainability research. For systematic consideration a set of questions is proposed
that can be used for the (self-)evaluation of sustainability research.
Keywords: cognitive integration, evaluation, methodology, normativity, participation, social integration,
sustainability research, transdisciplinarity
* Postal address: Dr. B. Nölting, Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG), TU Berlin, Sekr. P 2-2,
Hardenbergstr. 36 a, D-10623 Berlin (Germany), E-Mail: [email protected]
Matthias Diemer*, Martin Held, and Sabine Hofmeister
Urban Wilderness – Concepts, Projects, and Perspectives
GAIA 13/4 (2004) 262–270
Abstract: We describe the rationale and recent efforts to create wilderness areas in or immediately
adjacent to urban centers in Central Europe. These areas are often quite small compared to the stan-
dards of the International Union for the Conservation of Nature (IUCN). They have come into existence
either through the cessation of former management regimes or because they were too inaccessible
for intensive management, and hence they are rewilding. Due to their proximity to urban centers and
agglomerations, they serve a variety of functions. Many lack a permanent legal protection. We explore
the potential of urban wilderness areas in the context of sustainable development.
Keywords: National Park, protected area management, rewilding, sustainable development, urban
areas, urbanization, wilderness
* Postal address: PD Dr. M. Diemer, Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich,
Winterthurerstr. 189, CH-8057 Zürich (Switzerland), E-Mail: [email protected]
Ulrich Gehrlein*
Integrating Political Steering Instruments for Sustainable Community Development
GAIA 13/4 (2004) 271–279
Abstract: Both the understanding of political steering and the steering options in modern societies are
changing. This article analyses instruments which are applied in the different dimensions of political
steering on the local level. The analysis focuses on the interaction between the steering of the political-
administrative system, new forms of governance and environmental and spatial planning instruments.
In doing so, the analysis reveals a multitude of complementarities, rivalries and parallels between the
examined instruments applied in the mentioned areas. The prevailing problem is shown to be the par-
allel and disconnected implementation of instruments. In order to harmonise the applied instruments,
with regard to a sustainable development, it is postulated that an urban sustainability management
system has to be implemented. The main characteristics of such a system are outlined. The objectives
of the system must be to initiate and establish individual, institutional and social learning processes
targeting education for sustainable development.
Keywords: education for sustainable development, environmental planning, institutional change, local
politics, negotiation processes, spatial planning, urban sustainability management
* Postal address: Dr. U. Gehrlein, Institut für Ländliche Strukturforschung (Ifls) an der
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, Zeppelinallee 31,
D-60325 Frankfurt am Main (Germany), E-Mail: [email protected]
Jonas Fricker*, Anita Sigg, Walter Lentzsch, and Peter Frischknecht
The Management Model for Sustainable Communities
GAIA 13/4 (2004) 280–287
Abstract: Many communities are restructuring themselves according to the theory of new public manage-
ment (NPM, in Switzerland and Austria: Wirkungsorientierte Verwaltungsführung). These restructurings
provide opportunities to integrate sustainable development into the political structures and the deci-
sion-making processes of the communities. A case study of the small Swiss town of Baden, which is
structured according to NPM investigates whether this new structure is suitable for a sustainable de-
velopment of a community. In the article, an existing NPM model is broadened to a general manage-
ment-model for sustainable communities by adding four processual success-factors of sustainability:
diversity, partnership and networks, subsidiarity, and participation. The case study examines the inner
consistency of the management processes in Baden. It is shown that a community structured accord-
ing to NPM has a better foundation for sustainable development than a community with a traditional
structure. A discussion of sensitive aspects of the existing NPM model follows. It is particularly neces-
sary to prevent a community from an excessive short-term orientation towards efficiency. To achieve
a long-term orientation the aforementioned processual success-factors of sustainability should be in-
tegrated into the theory and the implementation of NPM.
Keywords: integration of sustainability into NPM, Local Agenda 21, local sustainability strategies, new
public management, NPM, sustainable community, sustainable development
* Postal address: J. Fricker, Steinstr. 48, CH-5406 Baden (Switzerland), E-Mail: [email protected]
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