scieee Science in your language
[de] (orig)
11Umweltpsychologie, 22. Jg., Heft 2, 2018, 11-32
Zusammenfassung
Suffizientes Konsumverhalten gilt als eine
wichtige Strategie, um Nachhaltigkeitsziele zu
erreichen, und kann von nachhaltigkeitsorien-
tierten Unternehmen unter anderem mithilfe
von suffizienzfördernder Kommunikation un-
terstützt werden.
In einer Online-Befragung von Kundinnen
und Kunden eines Online-Marktplatzes für
nachhaltige Produkte (N =1626) wurde unter-
sucht, wie ein Unternehmen mit suffizienzför-
dernder Kommunikation als Sender von seinen
Kundinnen und Kunden wahrgenommen wird,
ob diese Kommunikationsform tatsächlich zu
suffizientem Konsumverhalten motivieren kann
und welche Faktoren suffizienzfördernde Kom-
munikation wirkungsvoll begünstigen können.
Die Befragten bewerteten die Inhalte der suffi-
zienzfördernden Kommunikation sowie die
Glaubwürdigkeit und die Motive des Unter-
nehmens als sehr positiv und drückten eine
hohe Motivation zu suffizientem Konsumver-
halten aus. Nur vereinzelt wurden die Motive
des Unternehmens infrage gestellt. Die positive
Bewertung der Glaubwürdigkeit und der Moti-
ve des Senders sowie ausgeprägte Werte um-
weltfreundlichen Konsums bei Kundinnen und
Kunden begünstigten zudem die suffizienzför-
dernde Wirkung der Kommunikationsmaßnah-
me, während sich die Wahrnehmung strategi-
scher Motive des Unternehmens sowie indi-
viduelle hedonistische Konsummotive nicht
maßgeblich auswirkten.
Die Ergebnisse legen nahe, dass sich suffizienz-
fördernde Kommunikation positiv auf das An-
sehen nachhaltigkeitsorientierter Unternehmen
Brauchst du das wirklich? –
Wahrnehmung und Wirkung suffizienz-
fördernder Unternehmenskommunikation
auf die Konsummotivation
Maike Gossen & Vivian Frick
Maike Gossen
ist Doktorandin an der TU Berlin in der
BMBF-geförderten Forschungsgruppe „Digitali-
sierung und sozial-ökologische Transformation“
und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut
für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).
Ihre Forschungsschwerpunkte sind nachhaltiger Konsum, Sharing und
Nachhaltigkeitsmarketing.
Vivian Frick
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum
Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin
und promoviert in der BMBF-geförderten
Forschungsgrup pe „Digitalisierung und sozial-
ökolo gische Transformation“. In ihrer Promo-
tion untersucht sie Auswirkungen der digitalen Umwelt auf nachhaltiges
Konsumverhalten.
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Schwerpunkt
12 Brauchst du das wirklich?
auswirkt und die Motivation zu suffizientem
Konsumverhalten fördern kann. Daher kann
dies als ein wertvolles Instrument für die Über-
nahme unternehmerischer Verantwortung ge-
sehen werden.
Schlüsselwörter: Konsumethik, Nachhaltige
Ent wicklung, Sozialmarketing, Umweltschutz-
verhalten, Unternehmensethik
Abstract
Do you really need that? – Perception and
effect of communication to promote suffi-
ciency on the motivation to consume
Sufficient consumption behaviour is an import-
ant strategy for achieving sustainability goals.
Sustainability-oriented companies may support
this behaviour with the help of communication
to promote sufficiency.
In an online survey conducted with customers
of an internet marketplace for sustainable prod-
ucts (N =1626) we examined how companies
that apply sufficiency-promoting communica-
tion are perceived by their customers, whether
this form of communication can actually moti-
vate customers to engage in sufficiency be-
haviour and which factors favour the success of
such communication measures. The respon-
dents rated the contents of the sufficiency-pro-
moting communication as well as the credibili-
ty and motives of the company as very positive
and expressed a high motivation for sufficient
consumption. They called the motives of the
company only occasionally into question. The
positive evaluation of the credibility and the
motives of the company as well as green con-
sumption values favored the effectiveness of the
communication measure to promote sufficien-
cy. However, perception of strategic motives of
the company and individual hedonistic con-
sumption motives did not have a significant ef-
fect.
The positive assessment of the company’s cred-
ibility and motives as well as a high level of en-
vironmental awareness were also beneficiary to
the sufficiency-promoting effect of the com-
munication measure. Thus, for sustainabili-
ty-oriented companies, such sufficiency-en-
hancing communication can have a positive
impact on their reputation and it can stimulate
customers’ motivation for sufficiency behaviour.
It is therefore a valuable instrument for taking
on corporate responsibility.
Keywords: consumer ethic, sustainable develop-
ment, social marketing, ecological behavior,
business ethics
1. Stand des Problems und
Fragestellungen
1.1 Hintergrund und Problemstand
Globale Probleme wie Klimawandel, Umwelt-
verschmutzung und Ausbeutung von ökologi-
schen Ressourcen und menschlicher Arbeits-
kraft werden maßgeblich durch eine konsum-
intensive und materialistische Lebensweise in
Ländern des globalen Nordens verursacht (Lo-
rek & Fuchs, 2013). Dies macht ein rasches
Umsteuern auf Seiten von Konsumentinnen
und Konsumenten, Politik und Wirtschaft er-
forderlich. Zunehmend setzt sich die Erkennt-
nis durch, dass technologiebasierte und effi-
zienzorientierte Strategien die drängenden
Nachhaltigkeitsherausforderungen aufgrund
von Rebound-Effekten und ausgeblendeten
Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen nicht
ohne eine gleichzeitige gesellschaftliche Aus-
richtung am Prinzip der Suffizienz lösen kön-
nen (Santarius, 2015; Wuppertal Institut, 2008;
Zahrnt & Schneidewind, 2013).
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13Gossen & Frick
Unter Suffizienz wird die absolute Reduktion
des Verbrauchs von natürlichen Ressourcen und
Energie verstanden. Auf individueller Ebene
zielt Suffizienz auf Verhaltensweisen ab, die
durch eine Verringerung der Nachfrage nach
ressourcenintensiven Gütern und Dienstleis-
tungen zu einer Pro-Kopf-Reduktion des Volu-
mens benötigter Material- und Energiemengen
führen (Jenny, Grütter, & Ott, 2014). Dies setzt
eine Reflektion persönlicher Konsumbedürf-
nisse voraus (Stengel, 2011), womit Suffizienz
auch Fragen nach dem genügenden Maß an
Gütern und Dienstleistungen für ein gutes Le-
ben impliziert (Jenny, 2016). Die Schaffung för-
derlicher Rahmenbedingungen für suffiziente
Verhaltensweisen wird zumeist von der Politik
oder Zivilgesellschaft erwartet – und zuneh-
mend auch von Unternehmen (Bocken &
Short, 2016). Da Suffizienz auf der Ebene der
individuellen Lebensstile und Konsumredukti-
on ansetzt, kommt hierbei dem Marketing und
insbesondere den Kommunikationsaktivitäten
eines Unternehmens eine besondere Bedeu-
tung zu (Kleinhückelkotten, 2002). Zudem gilt
konventionelles Marketing als Mitverursacher
der negativen ökologischen und sozialen Fol-
gen der materialistischen Konsumgesellschaft
(Achrol & Kotler, 2012; Assadourian, 2010; Va-
rey, 2010).
In der Praxis wird die unternehmerische För-
derung von suffizienten Konsumstilen durch
Marketingmaßnahmen vereinzelt bereits umge-
setzt: Beispielsweise rief der Outdoor-Herstel-
ler Patagonia vor einigen Jahren ausgerechnet
am „Black Friday“, dem wichtigsten Einkaufs-
tag des Jahres in den USA, seine Kundinnen
und Kunden dazu auf, Produkte aus seinem
Sortiment an diesem Tag nicht zu kaufen. Das
Anzeigenmotiv des Aufrufs zeigte eine Jacke
von Patagonia und den Spruch „Don’t buy this
jacket“ (Meltzer, 2017). Auch bei Unterneh-
men, die anstelle von ökonomischem Wachs-
tum primär Nachhaltigkeitsziele verfolgen, wie
Postwachstumsunternehmen (Gebauer, Mewes,
& Dietsche, 2015; Posse, 2015) oder Gemein-
wohlunternehmen (Sommer, Kny, Stumpf, &
Wiefek, 2016), können Bezüge zur Förderung
von suffizienten Konsumstilen hergestellt wer-
den.
Konzeptionell bezieht sich ein Marketing zur
Förderung von Suffizienz vor allem auf das So-
cial Marketing, welches individuelle und gesell-
schaftliche Verbesserungen durch Verhaltensän-
derungen zum Ziel hat (Andreasen, 1994).
Peattie & Peattie (2009) konstatieren beispiels-
weise in einer viel beachteten Veröffentlichung
die Eignung des Social Marketing – umgesetzt
von politischen oder zivilgesellschaftlichen
Akteuren – für die Förderung von Konsumre-
duktion. Im Unterschied dazu ist das suffizienz-
fördernde Marketing auf den Anwendungsbe-
reich von Un ter nehmen
fokussiert. Es ermöglicht und
fördert suffizienten Konsum,
wertet gemäßigte Lebensstile
auf und unterstützt Konsu-
mentinnen und Konsumen-
ten bei der Fokussierung auf
das Notwendige (Gossen &
Schrader, 2018) bei einer
gleichzeitig steigenden Le-
bensqualität (Griese & Halstrup, 2013b). Damit
steht suffizienzförderndes Marketing gewisser-
maßen im Widerspruch zum ökonomischen
Wachstumsparadigma und dem Ziel der Absatz-
steigerung im klassischen Marketing. Daher
wird es teils als kontrovers und kontraintuitiv
bewertet (Bocken & Short, 2016; Griese &
Halstrup, 2013a; Peattie & Peattie, 2009). Ope-
rativ kommt der klassische Marketingmix zum
Einsatz, bei dem für die Bereiche Produkt,
Kommunikation, Preis und Vertrieb suffizienz-
fördernde Maßnahmen umgesetzt werden.
Dieser Artikel legt einen besonderen Fokus auf
Interventionen im Bereich der suffizienzför-
dernden Kommunikationspolitik.
Suffizienzförderndes
Marketing steht im
Widerspruch zum
ökonomischen Wachs-
tumsparadigma und
dem Ziel der Absatz-
steigerung im klassi-
schen Marketing
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Schwerpunkt
14 Brauchst du das wirklich?
1.2 Forschungsfragen
Die Marketing- und Konsumforschung be-
schäftigt sich erst seit wenigen Jahren mit der
Verantwortung von Unternehmen für suffizi-
ente Konsumstile und in diesem Zusammen-
hang mit Förderglichkeiten im Rahmen
von Werbung und Kommunikation. Griese und
Halstrup (2013a) haben beispielsweise eine em-
pirische Untersuchung mit qualitativen und
quantitativen Methoden durchgeführt, die auf
eine positive Bewertung von suffizienzfördern-
der Kommunikation durch Konsumentinnen
und Konsumenten hinweist, was sich wiederum
positiv auf die Wahrnehmung des jeweiligen
Unternehmens auswirkt. An-
gesichts der für Unterneh-
men ungewöhnlichen und
kontroversen Aufforderung,
den eigenen Konsum zu re-
flektieren beziehungsweise
Konsumalternativen gegen-
über dem Neukauf zu bevor-
zugen, und der Möglichkeit, dass Konsumentin-
nen und Konsumenten suffizienzfördernde
Interventionen als Einmischung in ihre indi-
viduellen Konsumentscheidungen auffassen
(Wahrung der Konsumentensouveränität) oder
sie als Greenwashing wahrnehmen und aus die-
sem Grund eher ablehnend auf diese reagieren,
ist die Frage nach der Akzeptanz und Wahrneh-
mung von Inhalten suffizienzfördernder Kom-
munikation von besonderer Relevanz. Um das
diesbezügliche Wissen empirisch weiter auszu-
bauen, lautete die erste Forschungsfrage dieser
Studie: Wie wird die inhaltliche Botschaft der suffi-
zienzfördernden Kommunikation von Kundinnen
und Kunden eines nachhaltigkeitsorientierten Unter-
nehmens wahrgenommen? (FF1)
Da Suffizienz Verhaltensänderungen in Rich-
tung alternativer Konsum und Konsumreduk-
tion impliziert, zielt die Studie darüber hinaus
darauf ab, die von den Kundinnen und Kunden
wahrgenommene Wirkung der Anzeige auf ihre
Motivation, suffizient zu konsumieren, zu erfas-
sen. Die zweite Forschungsfrage ergründete da-
her, ob suffizienzfördernde Kommunikation die
erwünschte motivierende Wirkung für suffizi-
entes Konsumverhalten bei Kundinnen und
Kunden entfaltet: Steigert suffizienzfördernde
Kommunikation die Motivation für suffizientes
Konsumverhalten? (FF2)
Ferner stellt sich die Frage, wie das Unterneh-
men als Sender der suffizienzfördernden Kom-
munikation von Kundinnen und Kunden
wahrgenommen wird. Diese Frage fällt in den
Untersuchungsbereich von zwei aktuellen Stu-
dien. Im Mittelpunkt der Arbeit von Fricke
(2015) steht die Glaubwürdigkeit von Kommu-
nikation zur unternehmerischen Corporate So-
cial Responsibility, die auf Konsumentenverant-
wortung gerichtet ist (CnSR-Kommunikation).
Die Arbeit untersuchte unter anderem die
wahrgenommene Glaubwürdigkeit des Senders
(also des Unternehmens) und zeigte diesbezüg-
lich, dass eine hohe Glaubwürdigkeit des Sen-
ders die Glaubwürdigkeit der CnSR-Kommu-
nikation unterstützt. Soule und Reich (2015)
untersuchten die Erreichbarkeit von Konsu-
mentinnen und Konsumenten für „Green De-
marketing“, also Werbung, die als zentrale Bot-
schaft dazu aufruft, weniger zu konsumieren.
Ein Ergebnis ihrer Studie verdeutlicht, dass
Green Demarketing dazu führt, dass dem ent-
sprechenden Unternehmen altruistische (also
für Gesellschaft und Umwelt vorteilhafte) sowie
strategische (also auf Kundengewinnung, -bin-
dung und Gewinn ausgerichtete) Motive zuge-
schrieben werden, während ausnutzende Moti-
ve im Sinne von Greenwashing-Absichten eher
nicht unterstellt werden. Weiterhin zeigte die
Studie, dass ein Image als ökologisch-orientier-
tes Unternehmen mit höheren wahrgenomme-
nen altruistischen und niedrigeren wahrge-
nommenen ausbeuterischen Motiven zusam-
menhängt. Strategische Motive konnten jedoch
Ist die Frage nach der
Akzeptanz und Wahr-
nehmung von Inhalten
suffizienzfördernder
Kommunikation von
besonderer Relevanz
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15Gossen & Frick
nicht mit dem ökologischen Image des Unter-
nehmens in Verbindung gebracht werden. Das
Ziel der vorliegenden Studie war es daran an-
knüpfend, die Ergebnisse der beiden genannten
Untersuchungen mit einer größeren Stichpro-
be und in einem realen Setting, also mit
einem real existierenden nachhaltigkeitsorien-
tierten Unternehmen, zu replizieren. Die dritte
Forschungsfrage lautete dementsprechend: Wer-
den nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen als Sen-
der von suffizienzfördernder Kommunikation als
glaubwürdig wahrgenommen und welche Motive wer-
den ihnen unterstellt? (FF3)
Das Forschungsinteresse bezog sich zudem auf
die Frage, ob unternehmens- und kundenseiti-
ge Einflussfaktoren die suffizienzfördernde
Wirkung begünstigen oder erschweren. Die
vierte Forschungsfrage lautete daher: Welche
kunden- und unternehmensseitigen Faktoren begüns-
tigen oder erschweren die Wirkung der suffizienzför-
dernden Kommunikation? (FF4) Zu dieser For-
schungsfrage werden im Folgenden mehrere
Hypothesen gebildet.
Je eher Konsumentinnen und Konsumenten
davon ausgehen, dass sich ein Unternehmen an
Nachhaltigkeitskriterien orientiert, desto eher
werden die Motive des Unternehmens als alt-
ruistisch wahrgenommen (Soule & Reich,
2015). Zudem wird vermutet, dass ein Unter-
nehmen, das suffizienzförderndes Marketing
anwendet, dann als glaubwürdig angesehen
wird, wenn ihm altruistische Motive zuge-
schrieben werden. Die erhöhte Glaubwürdig-
keit wirkt sich wiederum positiv auf die
CnSR-Kommunikation aus (Fricke, 2015). Da-
her prüft die Untersuchung, ob die Wahrneh-
mung altruistischer Motive, mediiert über die
Glaubwürdigkeit des Senders, die Wirkung der
suffizienzfördernden Kommunikation erhöht.
H1a: Je höher das altruistische Motiv des Senders
wahrgenommen wird, desto größer die Wirkung der
suffizienzfördernden Kommunikation.
H1b: Dieser Zusammenhang wird über die Glaub-
würdigkeit des Unternehmens mediiert.
Wie sich die Wahrnehmung strategischer Moti-
ve des Unternehmens auf die Wirkung der An-
zeige auswirkt, darüber finden sich gemischte
Befunde in der vorhandenen Literatur. Einer-
seits sind Konsumentinnen und Konsumenten
eher bereit, ein Unternehmen zu unterstützen
und dort zu kaufen, wenn es die strategischen
Motive hinter den Aktivitäten im Rahmen sei-
ner Corporate Social Responsibility (CSR) of-
fenlegt (Kim, 2014). Andererseits scheint die
Attribution strategischer Motive bei CSR-Ak-
tivitäten den Skeptizismus gegenüber diesen
Aktivitäten weder zu stärken noch zu vermin-
dern (Skarmeas & Leonidou, 2013) und kann
sogar einen positiven Zusammenhang mit der
Einstellung zum Produkt (Soule & Reich,
2015), zur Firma oder der Kaufintention auf-
weisen (Groza, Pronschinske & Walker, 2011).
Es wurde daher ein positiver Zusammenhang
zwischen strategischen Motiven und der Wir-
kung der Anzeige erwartet.
H2: Je höher die strategischen Motive des Senders
eingeschätzt werden, desto größer die Wirkung der
suffizienzfördernden Kommunikation.
Ferner zeigen Soule und Reich (2015), dass es
einen Zusammenhang zwischen der Wahrneh-
mung der Nachhaltigkeitsorientierung und
aus nutzenden Motive eines Unternehmens
gibt. Es wird daher geprüft, ob suffizienzför-
derndes Marketing weniger Wirkung zeigt,
wenn dem Unternehmen ausnutzende Motive
zugeschrieben werden.
H3: Je niedriger die ausnutzenden Motive des Sen-
ders eingeschätzt werden, desto größer die Wirkung
der suffizienzfördernden Kommunikation.
Nicht nur die Wahrnehmung des Senders, auch
die persönlichen Merkmale der Empfängerin-
nen und Empfänger können die Wirkung suffi-
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Schwerpunkt
16 Brauchst du das wirklich?
zienzfördernder Kommunikation beeinflussen.
So belegen Studien einen Zusammenhang zwi-
schen einem hohen ökologischen Bewusstsein
und der Bereitschaft zu suffizienten Konsum-
verhalten (Cherrier, Black & Lee, 2011; Egea &
Frutos, 2013). Zudem legt die Marketingfor-
schung nahe, dass Selbstkongruenz, also die Pas-
sung der Werte von Kundinnen und Kunden
mit den wahrgenommenen Werten der Organi-
sation, zu einer besseren Bewertung des Unter-
nehmens durch Kundinnen und Kunden führt
(Johar & Sirgy, 1991; Sirgy, Grewal & Mangle-
burg, 2000). Daraus folgt, dass
Konsumentinnen und Kon-
sumenten insbesondere dann
positiv auf suffizienzfördern-
de Unternehmenskommuni-
kation reagieren, wenn diese
mit ihren eigenen Werten
übereinstimmt. Daher wurde
für diese Studie angenom-
men, dass die Kommunika-
tion wirkungsvoller ist, je höher die Werte um-
weltfreundlichen Konsums der Empfängerinnen
und Empfänger ausgeprägt sind, also je höher
die individuelle Tendenz ist, das Konsumverhal-
ten durch ökologisches Bewusstsein leiten zu
lassen.
H4a: Je höher die Werte umweltfreundlichen Kon-
sums der Empfängerinnen und Empfänger sind, desto
größer ist die Wirkung der suffizienzfördernden
Kommunikation.
H4b: Der Zusammenhang wird durch das suffiziente
Konsummotiv mediiert.
Werden die Aneignung und der Besitz von Gü-
tern im Zusammenhang mit einer Orientie-
rung der Lebensweise am Konsumismus als be-
sonders bedeutsam eingeschätzt und treten
diese damit in Konkurrenz zu Suffizienz, kann
das eine Barriere für suffizientes Konsumver-
halten darstellen (Speck, 2016). So hängt Mate-
rialismus beispielsweise negativ mit umwelt-
freundlichem Verhalten zusammen (Hurst,
Dittmar, Bond & Kasser, 2013). Das Einkaufen
und der Besitz von Produkten kann über ihren
reinen Gebrauchswert hinaus zudem ein hedo-
nistisches Erlebnis sein, wobei das hedonistische
Vergnügen durch das Produkt im Zentrum
steht (Alba & Williams, 2013). Hausman (2000)
wiederum betont in seiner hedonistischen
Konsumskala in erster Linie das Vergnügen
während des Einkaufsprozesses. Da das Konsu-
mieren von Gütern demnach sowohl durch die
Freude am Produkt als auch durch die Freude
am Einkaufsprozess hedonistische Bedürfnisse
befriedigt, war in der vorliegenden Studie zu
erwarten, dass ein stark ausgeprägtes hedonisti-
sches Konsummotiv die Wirkung suffizienzför-
dernder Kommunikation verringert.
H5: Je höher das hedonistische Konsummotiv der
Empfängerinnen und Empfänger, desto geringer die
suffizienzfördernde Wirkung der suffizienzfördern-
den Kommunikation.
2. Methode
Für die vorliegende Studie wurde ein Mixed
Methods-Design gewählt, das quantitative und
qualitative Forschungselemente verknüpft. Die-
ser so genannte „single study“-Ansatz erlaubt
die gegenseitige Replikation der Ergebnisse
und führt so zu besonders belastbareren Aussa-
gen (Johnson, Onwuegbuzie & Turner, 2007).
Die Ergebnisse beider Forschungszugänge wur-
den als substanzielle Integration ausgewertet
und in die abschließenden Schlussfolgerungen
einbezogen (Brake, 2011).
2.1 Ablauf
Die Befragung wurde unter Kundinnen und
Kunden des Online-Marktplatzes für nachhalti-
ge Produkte Avocadostore.de durchgeführt und
in enger Abstimmung mit Verantwortlichen auf
Konsumentinnen und
Konsumenten reagieren
dann positiv auf
suffizienzfördernde
Unternehmenskommu-
nikation, wenn diese
mit ihren eigenen
Werten übereinstimmt
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17Gossen & Frick
Ebene der Geschäftsführung und aus dem Mar-
keting konzipiert. Der im deutschsprachigen
Raum operierende Online-Marktplatz wendet
im Rahmen seiner Social Media- und On-
line-Marketing-Aktivitäten bereits suffizienz-
fördernde Kommunikation an und weist daher
ein ausgeprägtes Interesse an den Fragestellun-
gen der Studie auf.
Die Studie wurde als Online-Befragung konzi-
piert. Ein Vorteil von Online-Befragungen liegt
in der zeit- und ortunabhängigen Umsetzung.
Methodisch gesehen lassen sich Interview-
er-Effekte ausschließen und Befragungstenden-
zen wie soziale Erwünschtheit spielen eine ge-
ringere Rolle, woraus offenere und ehrlichere
Antworten der Befragten resultieren können
(Holzhauer, Gossen, Schipperges & Scholl,
2015). In einem Pretest mit Forschenden und
Studierenden aus der Umweltpsychologie wur-
den Anmerkungen zur Verständlichkeit der ein-
zelnen Fragen und der Vollständigkeit und
Strukturierung des Fragebogens erfasst. Im An-
schluss wurde der Fragebogen entsprechend
leicht modifiziert. Für den zweiwöchigen Be-
fragungszeitraum im August 2017 wurden über
einen gesonderten Newsletter des Online-
Marktplatzes insgesamt über 50.000 Newslet-
ter-Abonnentinnen und Abonnenten zur Teil-
nahme an der Befragung aufgerufen. Als Anreiz
zur Beteiligung erfolgte eine Gutscheinverlo-
sung.
Nach einem Einstieg mit einem Begrüßungs-
text, der über den Durchführungskontext und
die Befragungsziele informierte, wurde den Be-
fragten ein realer Stimulus präsentiert. Dabei
handelte es sich um eine Anzeige des On-
line-Marktplatzes, mit der suffizienter Klei-
dungskonsum unterstützt werden soll (siehe
Abbildung 1). Anhand einer offenen Frage wur-
den die Befragten zunächst gebeten, spontan zu
äußern, was ihnen zu dieser Anzeige einfällt.
Im Anschluss wurden Einschätzungsfragen be-
züglich der Anzeige gestellt. Dabei wurde nach
der Gestaltung und der suffizienzfördernden
Wirkung der Anzeige, sowie der Glaubwürdig-
keit und den Motiven des Senders der Anzeige
gefragt. Weiterhin wurde das ökologische Be-
wusstsein zu nachhaltigem Konsum durch Wer-
te des umweltfreundlichen Konsums und das
hedonistische Konsummotiv erfasst. Zuletzt
wurden soziodemografische Merkmale und die
Häufigkeit bestimmter nachhaltiger Verhaltens-
weisen der Befragten erfasst.
Abbildung 1: Suffizienzfördernde Kommu-
nikationsanzeige
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Schwerpunkt
18 Brauchst du das wirklich?
2.2 Messinstrumente1
2.2.1 Abhängige Variablen
Verständlichkeit und Attraktivität der Anzeige. Die
Verständlichkeit der Anzeige wurde durch das
Item „Die Anzeige ist gut verständlich.“ und
die Attraktivität der Gestaltung durch das Item
„Die Gestaltung der Anzeige spricht mich an.“
erfasst.
Wahrnehmung der Anzeige. Da der Untersu-
chungsgegenstand dieser Studie vergleichsweise
neuartig ist und bezüglich der Wahrnehmung
von suffizienzfördernder Kommunikation bis-
her wenige wissenschaftliche Erkenntnisse vor-
liegen (vergleiche Kapitel 1.1), wurde zur ex-
plorativen Beantwortung der Forschungsfragen
ein qualitatives Messinstrument in Form einer
offenen Abfrage eingesetzt. Die offene Frage
wurde mit Bezug auf die Kommunikationsan-
zeige gestellt und lautete: „Was fällt Dir spontan
zu dieser Anzeige ein?“. Die Befragten konnten
begründete Meinungen und Einstellungen
spontan und frei äußern. Durch die Wahl der
offenen Frage wurde eine suggestive Rich-
tungsvorgabe vermieden (Züll, 2015), in der er-
wartete Effekte bereits genannt werden und so
zu sozial erwünschtem Antwortverhalten füh-
ren könnten. Quantitativ wurde die Wahrneh-
mung der inhaltlichen Botschaft außerdem
durch das Item „Die inhaltliche Botschaft der
Anzeige spricht mich an“ erfasst.
Suffizienzfördernde Wirkung der Anzeige. Neben
der Wahrnehmung der Anzeige wurde die suf-
fizienzfördernde Wirkung der inhaltlichen Bot-
schaft mit Hilfe der offenen Abfrage (siehe
oben) qualitativ erhoben. Quantitativ wurde
die suffizienzfördernde Wirkung durch zwei
Items erfragt, und zwar ob die Anzeige die Be-
fragten dazu anregt, „sich ausführlicher mit dem
Thema nachhaltiger Konsum zu befassen“, und
ob sie sich durch die Anzeige motiviert fühlen,
ihr „Kaufverhalten zu verändern“ (D = .87).
Wahrnehmung des Senders. Zur qualitativen Er-
fassung der Wahrnehmung des Unternehmens
wurde ebenfalls die obenstehende offene Ab-
frage eingesetzt. Zur quantitativen Messung der
wahrgenommenen Glaubwürdigkeit des Un-
ternehmens wurde die Skala „Glaubwürdigkeit
des Senders“ (Fricke, 2015) verwendet. Das
Konstrukt umfasst die zwei Dimensionen „Ver-
trauenswürdigkeit“ und „Expertise“ mit jeweils
drei Items: wie „ehrlich“, „vertrauenswürdig“
und „zuverlässig“ der Sender eingeschätzt wird
(D = .80) sowie für wie „qualifiziert, um über
nachhaltiges Kaufverhalten zu informieren“ der
Sender gehalten wird und ob er „über große
Erfahrung im Bereich nachhaltiges Kauf ver-
halten“ verfügt beziehungsweise „das nötige
Fachwissen, nachhaltige Einkaufstipps zu ge-
ben“ mitbringt“ (D = .86). Die interne Konsis-
tenz der gesamten Glaubwürdigkeits-Skala ist
hoch (D = .90).
2.2.2 Prädiktoren
Wahrnehmung der Motive des Senders. Die wahr-
genommenen altruistischen, strategischen und
ausbeuterischen Motive des Senders wurden
mit jeweils drei Items erfasst (Soule & Reich,
2015). Zur Erfassung des altruistischen Motivs
wird gemessen, inwieweit die Befragten anneh-
men, dass der Sender sich „moralisch verpflich-
tet [fühlt], der Umwelt zu helfen“, „versucht,
der Gesellschaft etwas zurückzugeben“ und
„sich aufrichtig um das Wohlergehen der Um-
welt [kümmert]“ (D = .78). Das strategische
Motiv wird durch die wahrgenommenen Be-
strebungen des Senders erfasst, „seinen Gewinn
zu erhöhen“, „neue Kunden zu gewinnen“
oder „bestehenden Kunden zu gefallen“ (D =
.55). Mit Blick auf das ausbeuterische Motiv
werden die Befragten gebeten einzuschätzen,
ob der Sender „das Angebot attraktiver darstelle,
um die Preise erhöhen zu können“, den „grü-
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19Gossen & Frick
nen Trend nur [nutze], um mehr Geld zu ver-
dienen“, und „sich nicht wirklich um die Um-
welt [kümmere]“ (D = .64).
Werte des umweltfreundlichen Konsums. Die Werte
des umweltfreundlichen Konsums wurden mit-
hilfe der GREEN Scale erfasst (Haws, Winte-
rich & Naylor, 2014). Die Skala umfasst sechs
Items und misst die Tendenz, ökologisches Be-
wusstsein durch Kauf- und Konsumverhalten
auszudrücken. Die Items lauten: „Ich sorge
mich um die Verschwendung der Ressourcen
unseres Planeten.“, „Ich würde mich selbst als
ökologisch verantwortungsvoll bezeichnen.“,
„Es ist wichtig für mich, dass die Produkte, die
ich nutze, der Umwelt nicht schaden.“, „Ich
nehme Unannehmlichkeiten in Kauf, um um-
weltfreundlich zu handeln.“, „Bei vielen mei-
ner Entscheidungen berücksichtige ich den
potenziellen Einfluss meiner Handlungen auf
die Umwelt.“ und „Meine Kaufentscheidun-
gen werden durch meine Sorge um die Umwelt
beeinflusst.“. Die interne Konsistenz der Skala
ist hoch (D = .88).
Suffizientes Konsummotiv. Das Motiv, suffizient
zu konsumieren, wurde durch drei eigens für
die Studie entwickelte Items erfragt. Diese er-
fassen die Kriterien beim Kleiderkauf, und
zwar: „nur so viel ein[zukaufen], wie ich tat-
sächlich brauche.“, „Alternativen zum Neukauf
finden (zum Beispiel Second Hand /gebraucht
zu kaufen, zu leihen oder tauschen)“ sowie
„Kleidungsstücke sollten ein zeitloses Design
haben, so dass ich es auch nach längerer Zeit
noch nutze.“ (D = .39).
Hedonistisches Konsummotiv. In der vorliegenden
Studie wurde das hedonistische Konsummotiv
durch vier Items erfasst, die an die Skala von
Barbopoulos und Johansson (2017) angelehnt
sind, jedoch das Vergnügen sowohl am Produkt
als auch am Einkaufsprozess erfassen. Die Items
lauten: „Die Kleidungsstücke, die ich kaufe,
sollten mir Freude bereiten / ein ansprechendes
Design haben / mir beim Kauf ein freudiges
Erlebnis bereiten / mir beim Auswahl-Prozess
Vergnügen bereiten“. Die interne Konsistenz
der Skala ist hoch (D = .71).
Soziodemografie. Die soziodemografischen
Merkmale der Stichprobe wurden durch Ge-
schlecht, Bildungsniveau, Einkommen und
Wohnort (Stadt oder Land) erfasst. Das Alter
konnte aufgrund einer technischen Störung des
Software-Tools nicht erfasst werden.
2.3 Datenauswertung
Quantitative Inhaltsanalyse der qualitativen Daten.
Mit dem Ziel der Komplexitätsreduktion des
Datenmaterials wurde die offene Frage zur
Wahrnehmung der suffizienzfördernden Kom-
munikation mit der Methode der quantitativen
Inhaltsanalyse ausgewertet (Früh, 2017). Dabei
wurden die offenen Antworten nach Vorgabe
eines Kategorienschemas durch zwei Kodie-
rerinnen und Kodierer kategorisiert. Wenn die
Äußerungen mehrere inhaltliche Komponen-
ten enthielten, wurden sie mehrfach kodiert
und damit auch mehrfach gezählt. Zu den ins-
gesamt vier Oberkategorien, die das Datenma-
terial noch recht allgemein strukturierten, wur-
den jeweils Unterkategorien entwickelt, um
eine genauere Analyse zur Beantwortung der
Forschungsfragen zu ermöglichen. Das Katego-
rienschema wurde induktiv-deduktiv entwi-
ckelt. Die Qualitätssicherung der Inhaltsanalyse
erfolgte anhand der Gütekriterien Reliabilität,
Systematik und Objektivität der Analyse (May-
ring, 2010). Die Gültigkeit und Reprodu-
zierbarkeit der Ergebnisse wurde durch die
Prüfung der Interkoderreliabilität (also die
Übereinstimmung der Kodierung mehrerer
Kodiererinnen und Kodierer) sichergestellt. Die
Objektivität wurde durch die exakte Operatio-
nalisierung der verwendeten Begrifflichkeiten
gewährleistet, was wiederum die intersubjektive
Nachvollziehbarkeit der Analyse erglichte
(Berelson, 1971). Das systematische Vorgehen
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Schwerpunkt
20 Brauchst du das wirklich?
wurde durch die genaue Beschreibung und
Eingrenzung des zu analysierenden Datenmate-
rials und die Orientierung an Regeln der Text-
analyse garantiert.
Statistische Analyse der quantitativen Daten. Zur
Auswertung der quantitativen Daten wurden
die deskriptive Statistik und Korrelationen in
SPSS berechnet. Für die Bewertung der Ein-
flussfaktoren auf die suffizienzfördernde Wir-
kung der Anzeige wurde ein Strukturglei-
chungsmodell (SEM) mit latenten Variablen im
Statistikprogramm R mit lavaan gerechnet.
2.4 Stichprobe
Von den über 50.000 Adressatinnen und Adres-
saten des Newsletters nahmen 2.144 Personen
an der Befragung teil. Insgesamt füllten 1.626
Personen den Fragebogen vollständig aus. Die
Stichprobe ist durch ein hohes Bildungsniveau
(über 60 % haben einen Hochschulabschluss)
und ein eher niedriges Einkommen (über 60 %
verfügen über ein Haushaltseinkommen bis zu
2.000 Euro) gekennzeichnet. 80 % der Teilneh-
merinnen und Teilnehmer sind weiblich und
etwas über die Hälfte der Befragten lebt in
Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohne-
rinnen und Einwohnern. Die Stichprobe weist
hohe Werte des umweltfreundlichen Konsums
auf (M = 5.87, SD = .91, vgl. Tabelle 1), was
deutlich über den von Haws et al. (2014) auf-
gezeichneten Werten der Skala liegt (Studie 1:
M = 3.95, SD = .67; Studie 2: M = 4.49, SD =
nicht berichtet). Das suffiziente Konsummotiv
ist eher hoch (M = 5.11, SD = 1.10, vgl. Tabel-
le 1) und auch das hedonistische Konsummotiv
ist stark ausgeprägt (M = 5.63, SD = 1.00, vgl.
Tabelle 1).
3. Ergebnisse
3.1 Die Anzeige als Kommunikations-
instrument
Die Anzeige wurde auf ihre Verständlichkeit
sowie die wahrgenommene Attraktivität der
Gestaltung geprüft, da beide Faktoren als wich-
tige Voraussetzungen für weitere Analysen ge-
sehen werden. Die Anzeige wurde als gut ver-
ständlich (M = 5.94, SD = 1.53) und die
Gestaltung als ansprechend beurteilt (M = 5.24,
SD = 1.67).
3.2 Wahrnehmung und Wirkung der
inhaltlichen Botschaft der
suffizienzfördernden Kommunika-
tion (FF1 und FF2)
Für die Analyse der offenen Frage zur Wahr-
nehmung und Wirkung der suffizienzfördern-
den Kommunikation wurden diejenigen Ant-
worten der Befragten herangezogen, die sich
positiv als auch negativ auf die inhaltliche Bot-
schaft der Anzeige beziehen. In 1.013 von ins-
gesamt 1.626 Antworten fanden sich Aussagen
mit Bezug auf die Wahrnehmung und Wirkung
der inhaltlichen Botschaft. Da einzelne Antwor-
ten mehrere inhaltliche Aspekte (und damit
Kodes) abdecken konnten, summierten sich die
relevanten Nennungen auf 1.197. Die Mehrheit
dieser Nennungen (95 %) vermittelte eine posi-
tive Wahrnehmung der inhaltlichen Botschaft
der Anzeige, während entsprechend vergleichs-
weise wenige Äußerungen eine negative Ein-
schätzung (5 %) zum Ausdruck brachten (siehe
Abbildung 2). Die Antworten wurden in weite-
re Unterkategorien unterteilt, die im Folgen-
den ausführlich dargestellt werden.
Neben der allgemeinen Befürwortung der inhalt-
lichen Aussage in 25 % der kodierten Nennun-
gen („inhaltlich ansprechend“, „wahrer Ge-
danke“, „überzeugend“, „gute Message“ usw.)2
be zogen sich 23 % der Äußerungen darauf, dass
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21Gossen & Frick
die Anzeige als Anregung zur Reflektion des Kon-
sumverhaltens verstanden wird. Die Befragten
fühlten sich animiert, sich kritisch mit den eige-
nen Bedürfnissen auseinanderzusetzen („was
will ich wirklich?“) und Neukäufe zu hinter-
fragen, beziehungsweise über Konsumalternati-
ven nachzudenken („Man wird angeregt, über
sein Kaufverhalten nachzudenken. Erst, wenn
sich der Kunde sicher ist, ob er wirklich ein
NEUES Produkt braucht, sollte er sich dieses
zulegen.“). Als alternative Konsummöglichkeiten
zum Neukauf werden in der Anzeige Tätigkeiten
wie Selbermachen, Gebrauchtkauf, Teilen oder
Tauschen vorgeschlagen. Diese Anregung wur-
de in etwa 11 % der Nennungen positiv aufge-
griffen, ebenso häufig wie die Anregung zu nach-
haltigem Konsum („Dass man viel zu oft Dinge
neu kauft, die es auch gebraucht in gutem Zu-
stand gibt.“, „Sich moralisch zu entscheiden,
dass man alte Sachen kauft (Flohmarkt, Freun-
de, etc.) und/oder nachhaltig kauft.“). In acht
Prozent der Fälle nahmen die Befragten die An-
regung zum Konsumverzicht als positive Botschaft
wahr. Die Formel „weniger ist mehr“ verspricht
in ihren Augen ein einfaches Leben. Teils be-
gründeten die Befragten ihre Zustimmung zum
Konsumverzicht auch mit den negativen Um-
weltfolgen des Massenkonsums („Die Gesell-
schaft muss ihr Konsumverhalten immer mehr
überdenken, denn wir erfüllen schon lange
nicht mehr nur unsere Bedürfnisse, sondern le-
ben darüber hinaus. Wir sollten uns viel öfters
die Frage stellen, ob wir gewisse Dinge über-
haupt brauchen.“). Einige Befragte gaben zu-
dem an, dass der dargestellte Entscheidungsprozess
ihrem eigenen Verhalten beziehungsweise ihrer Kon-
sumeinstellung entspricht. Dies ließ sich aus etwa
10 % der Antworten mit Bezug zur inhaltlichen
Botschaft ableiten. („So fälle auch ich meine
Entscheidungen, wenn ich einen Kaufimpuls
spüre.“, „Die Anzeige bildet auf einfache Weise
meine Einstellung zum Thema Konsum ab.“).
Eine gewisse Anzahl der Nennungen (7 %) ging
auf den allgemeinen Beitrag des gezeigten Kaufver-
haltens für Nachhaltigkeit ein („Ich finde Nach-
haltigkeit ein sehr wichtiges Thema“, „Res-
sourcen schonen, Nachhaltigkeit“).
Die Subkategorien Anregung zur Reflektion beim
Konsum, Anregung zu Alternativen zum Neukauf
und Anregung zum Verzicht beim Konsum stellen
suffiziente Verhaltensweisen dar. Insgesamt ent-
halten also über 40 % der Nennungen Hinwei-
se, dass sich die inhaltliche Botschaft positiv auf
die Bereitschaft, suffizient zu konsumieren, aus-
wirkt.
Die negativen Einschätzungen der Inhalte der
Anzeige bezogen sich in 2 % der Antworten auf
die Wahrnehmung als belehrend und anmaßend
(„Mein Händler muss mir nicht die Gewissens-
frage stellen, ob ich nicht lieber zum Flohmarkt
will.“, „Erhobener Zeigefinger, spricht mich
nicht direkt positiv an.“). Ferner wurde die ne-
gative Einschätzung mit allgemeiner Ablehnung
(„Die Anzeige spricht mich nicht an.“, „(…) es
ist unklar, was damit beworben werden soll!“
usw.) beziehungsweise der Wahrnehmung, dass
die Botschaft ein schlechtes Gewissen erzeuge
oder zu kompliziert erscheint, begründet.
Auch die quantitative Abfrage bestätigt, dass die
inhaltliche Botschaft der Anzeige stark positiv
(M = 6.25, SD = 1.34) und die Anzeige moti-
vierend für suffizientes Konsumverhalten wahr-
genommen wird (M = 5.13, SD = 1.69).
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Schwerpunkt
22 Brauchst du das wirklich?
3.3 Wahrnehmung des Senders (FF3)
Aus einigen Antworten (insgesamt 244) zur of-
fenen Frage ließen sich Rückschlüsse auf die
Bewertung des Senders der suffizienzfördern-
den Kommunikation ziehen. Durch die Mehr-
fachkodierung ergaben sich 297 relevante in-
haltliche Nennungen. Auch hinsichtlich dieser
Frage überwogen die positiven Äußerungen (88
%) gegenüber den negativen Äußerungen (12
%) (siehe Abbildung 3), für die jeweils ebenfalls
Unterkategorien gebildet wurden.
In 37 % der diesbezüglichen Antworten kam
zum Ausdruck, dass der Ansatz, als gewinnori-
entiertes Unternehmen Alternativen zum Neu-
kauf zu präsentieren, uneigennützig und mutig
wirkt. Anstatt einer Verkaufs- und Gewinn-
orientierung unterstrich die Anzeige aus Sicht
der Befragten das Bestreben zu Nachhaltigkeit
und Umweltschutz des Online-Marktplatzes
(„Selbst losigkeit der Nachhaltigkeit zuliebe.“,
„anders, schön, bricht mit der kapitalistischen
Logik, immer mehr verkaufen zu wollen/müs-
sen.“, „Toll, dass auch ein Shop, der mit Kla-
motten Geld verdient, darauf hinweist, dass man
nicht immer alles neu kaufen muss. Großes Lob
dafür!“). Dazu passend bezogen sich 22 % der
Äußerungen auf den Glaubwürdigkeits- und Au-
thentizitätsgehalt des Unternehmens („ehrlich;
wirklich an Umweltschutz interessiert, nicht
nur vorgeschoben“, „So wirkt das nachhaltige
Image von Avocadostore authentisch und es
wird nicht das Gefühl vermittelt, dass es das
Wichtigste ist Geld auf der Website auszuge-
ben.“). In den Aussagen wurde die hohe Glaub-
würdigkeit mit der Wahrnehmung begründet,
dass die Unternehmensphilosophie des Unter-
nehmens an Nachhaltigkeit statt an Gewinnma-
ximierung ausgerichtet ist („Man bekommt
den Eindruck, dass Avocadostore nicht auf Bie-
gen und Brechen etwas verkaufen will, sondern
Abbildung 2: Anteile der Subkategorien zur Wahrnehmung der inhaltlichen Botschaft der
suffizienzfördernden Kommunikation
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23Gossen & Frick
berücksichtigt, dass der Kauf von Neuware für
unsere Umwelt die häufig schlechteste Option
ist. Wirkt dadurch sehr authentisch.“). Die Be-
fragten honorierten in 12 % der Antworten die
Andersartigkeit der Anzeige und des Unterneh-
mens („konsumkritisch“, „unkonventionell“,
„ungewöhnlich“) im Vergleich zu herkömmli-
cher Werbung oder Greenwashing („Wirkt sehr
authentisch und nicht nur fake green und nach-
haltig.“), was ebenfalls als konsistent mit dem
Image des Online-Marktplatzes wahrgenom-
men wurde („Werbung mal anders, die statt
zum Kaufen zu verführen, den Kauf erst hinter-
fragt – wahre Nachhaltigkeit.“). Aus 16 % der
Aussagen ließ sich schließen, dass die Anzeige
den Sender als sympathisch und ansprechend er-
scheinen lässt („Find ich nett, der Verweis auf
Secondhand wirkt sympathisch und lässt ver-
muten, dass nicht nur Profit entscheidend ist.“,
„Sympathisch, dass Avocadostore Alternativen
zum Konsumwahn aufzeigt!“).
Vergleichsweise wenige Nennungen vermittel-
ten eine durch die Betrachtung der Anzeige
ausgelöste negative Wahrnehmung des Senders.
Der negative Eindruck entstand entweder
durch eine allgemeine Irritation über die Sinnhaftig-
keit und den Zweck der Anzeige („Absurd, dass
ein Online-Shop Werbung gegen Shoppen
macht.“) oder aufgrund von Zweifeln an der
Glaubwürdigkeit der inhaltlichen Aussage („Ins-
besondere beim Avocadostore gibt es ja nun
wirklich auch sehr viele Dinge, die man ganz
definitiv nicht braucht und ganz sicher auch
nicht neu, wie all die Kleidung. Insofern ist
meine Assoziation zu dieser Anzeige auch eine
gewisse Heuchlerei.“, „Wirkt unglaubwürdig,
da Avocadostore ja durchaus ein wirtschaftliches
Interesse hat.“). Diese beiden Aspekte machten
jeweils 5 % der Antworten zum Sender der An-
zeige aus. Aus etwa 2 % ließ sich schließen, dass
die Aktivitäten als geschäftsschädigend für den
On line-Marktplatz wahrgenommen wurden
und dadurch ein negativer Eindruck entstand.
Die Glaubwürdigkeit sowie die Motive des
Senders wurden auch bei der quantitativen Be-
fragung als sehr hoch bewertet (siehe Tabelle 1).
Abbildung 3: Anteile der Subkategorien zur Wahrnehmung des Senders der suffizienzför-
dernden Kommunikation
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Schwerpunkt
24 Brauchst du das wirklich?
3.4 Einflussfaktoren auf die Wirkung
der suffizienzfördernden Kommuni-
kation (FF4)
Welche Faktoren sich fördernd oder hemmend
auf die Wirkung der suffizienzfördernden Kom-
munikation auswirken, wird mit Hilfe eines
Strukturgleichungsmodells (SEM) mit latenten
Variablen analysiert (siehe Abbildung 4 und Ta-
belle 2).
Von den Prädiktoren (siehe Tabelle 2) beein-
flussen unternehmensseitige altruistische Moti-
ve, die durch die Glaubwürdigkeit des Senders
mediiert werden, positiv die suffizienzfördernde
Wirkung der Anzeige. Somit können die Hy-
pothesen 1a und 1b bestätigt werden. Hypothe-
se 2 konnte nicht bestätigt werden, da strategi-
sche Motive keinen Zusammenhang mit der
Wirkung der Anzeige aufweisen. Ausnutzende
Motive des Senders haben einen Einfluss auf die
Wirkung der Anzeige, wodurch Hypothese 3
bestätigt wird. Von den kundenseitigen Prädik-
toren verstärken Werte nachhaltigen Konsums,
die durch das suffiziente Konsummotiv me-
diiert werden, die suffizienzfördernde Wirkung
der Anzeige. Demnach können auch die Hypo-
thesen 4a und 4b bestätigt werden. Das hedo-
nistische Konsummotiv hingegen hat entgegen
der Erwartung aus Hypothese 5 einen leicht
positiven Einfluss auf die Wirkung der Anzeige.
Das Modell hat eine gute Passung, Ȥ2 (388)=
887, p < .001, RMSEA = 0.031 (Konfidenzinter-
vall 0.029 - 0.034); CFI = .96; TLI = .95,
SRMR = 0.041.
M (SD) 234567
Sender: Wahrgenommene Motive und Glaubwürdigkeit
1 Glaubwürdigkeit 5.58 (1.04) .71** .15** -.32** .21** .17** .16**
2 Altruistische Motive 5.44 (1.15) .07** -.36** .20** .16** .18**
3 Strategische Motive 4.94 (1.21) .26** .02.. .02.. .10**
4 Ausbeuterische Motive 2.33 (1.11) -.11** -.04.. -.08**
Empfänger/Empfängerin: Werte und Motive
5 Werte umweltfreundlichen Konsums 5.87 (0.91) .38** .03..
6 Suffizientes Konsummotiv 5.11 (1.10) .02..
7 Hedonistisches Konsummotiv 5.63 (1.00)
Tabelle 1: Interkorrelation der Prädiktoren suffizienzfördernder Wirkung
B S.E. z-Wert p E
Altruistisches Motiv Æ Glaubwürdigkeit 2,15 0.24 8,92 <.001 .91
Werte Æ Motiv suffizienten Konsums 0.87 0.09 10,25 <.001 .66
Glaubwürdigkeit Æ Wirkung 0.20 0.03 7,10 <.001 .42
Strategisches Motiv Æ Wirkung -0.06 0.08 -0,65 .51 -.05
Ausnutzendes Motiv Æ Wirkung -0.15 0.08 -1,87 .06 -.13
Motiv suffizienten Konsums Æ Wirkung 0.13 0.04 3,71 <.001 .15
Hedonistisches Konsummotiv Æ Wirkung 0.08 0.04 2,08 .04 .07
Tabelle 2: Zusammenhänge der Prädiktoren
** = Signifikanzniveau p < .001; * = Signifikanzniveau p < .05
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25Gossen & Frick
4. Diskussion
4.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
Dieser Artikel befasst sich mit dem Potenzial
der Unternehmenskommunikation für die Sen-
sibilisierung für und Förderung von suffizien-
tem Konsummotivation. Die empirische Un-
tersuchung wurde mit Kundinnen und Kunden
eines Online-Marktplatzes für nachhaltige
Kleidung durchgeführt.
Die suffizienzfördernde Kommunikation wur-
de von der Mehrheit der Befragten im Zuge
der spontanen Meinungsäußerung auffallend
positiv aufgefasst. So wurde die Anzeige als hilf-
reiche Entscheidungshilfe für nachhaltigen
Konsum wahrgenommen, der es gelingt, Alter-
nativen zum Neukauf überzeugend darzustel-
len. Selbst die Anregung zum Konsumverzicht
wurde größtenteils positiv aufgenommen. Eini-
ge Antworten lassen darauf schließen, dass die
Befragten das Abwägen von Konsumalternati-
ven bereits routinisiert haben und ihre generelle
Einstellung zu Konsum eher kritisch ist. Eine
wichtige Motivationsquelle für suffiziente Ver-
haltensweisen liegt in der Bestrebung, dadurch
Verbesserungen im Sinne der Nachhaltigkeit zu
erreichen. Negative Reaktionen rief die Anzei-
ge lediglich bei wenigen Befragten hervor, die
sie in diesen Fällen zumeist als belehrend und
anmaßend wahrnehmen.
In ähnlicher Weise wurde der Sender der suffi-
zienzfördernden Kommunikation bewertet.
Auch hier überwogen die positiven Äußerun-
gen auf die offene Frage. Demnach korreliert
die Wirkung der Anzeige positiv mit der wahr-
genommenen Uneigennützigkeit und Glaub-
würdigkeit des Online- Marktplatzes und wur-
Abbildung 4: Strukturgleichungsmodell zur suffizienzfördernden Wirkung der Anzeige
Bemerkung. N = 1626. ** = Signifikanzniveau p < .01; * = Signifikanzniveau p < .05; n.s. = nicht signifikant.
Altruistisches Motiv
Strategisches Motiv
Glaubwürdigkeit
Ausnutzendes Motiv
Werte
umweltfreundlichen
Konsums
Motiv für
suffizientes Konsum-
verhalten
Hedonistisches
Konsummotiv
Suffizienzfördern-
de Wirkung der
Anzeige
r = .66**
r = -.13, n.s.
r = .15**
r = .07*
r = .42**
r = -.05, n.s.
r = .91**
Empfänger: Kund*innen Sender: Unternehmen
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Schwerpunkt
26 Brauchst du das wirklich?
de als übereinstimmend mit dem nachhaltigen
Unternehmensimage wahrgenommen. Die ver-
gleichsweise wenigen negativen Reaktionen
wurden vor allem durch Irritationen über die
Sinnhaftigkeit und den Zweck der Anzeige
hervorgerufen. Die quantitative Erfassung der
wahrgenommenen – altruistischen und ausnut-
zenden – Motive des Unternehmens bestätigte
diese Ergebnisse.
Insgesamt zeigte sich also, dass Inhalte und Ab-
sender von suffizienzfördernder Kommunikati-
on unter den Befragten sehr positive Reaktio-
nen hervorriefen. Damit werden die Befunde
von Griese und Halstrup (2013a) bestätigt und
für eine größere Untersuchungsgruppe sowie
einen Stimulus bestehend aus
Text und Bild (im Vergleich
zu einem rein textlich basier-
ten Stimulus (Slogan), wie bei
Griese und Halstrup (2013a))
empirisch fundiert. Da die
Zielstellung von suffizienz-
fördernder Kommunikation
im Widerspruch zum eigent-
lichen Ziel von Marketing
steht, nämlich den Abverkauf zu steigern, wären
auch kontroverse oder irritierte Reaktionen
von Konsumentinnen und Konsumenten denk-
bar. Dass diese in der vorliegenden Studie wei-
testgehend ausblieben, hängt möglicherweise
mit einer starken Übereinstimmung der Werte
der Befragten und der wahrgenommenen Wer-
te des Unternehmens zusammen.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie
bezieht sich auf die Wirkung der suffizienz-
fördernden Kommunikation. Den offenen Ant-
worten zufolge konnte die Anzeige zu suffi-
zientem Konsum motivieren. Sie regte aus Sicht
der Befragten dazu an, das eigene Konsumver-
halten zu überdenken und auf dieser Grundlage
glicherweise gänzlich auf den Kauf neuer
Produkte zu verzichten oder auf alternative
glichkeiten wie Selbermachen, Gebraucht-
kauf, Teilen oder Tauschen zurückzugreifen,
wodurch wahllose Impulskäufe und unnötiger
Konsum verhindert werden könnten. Ange-
sichts der recht unspezifisch und offen gehal-
tenen Frageformulierung ist der Anteil der-
jenigen, die die Anzeige als Anregung zu
suffizientem Konsum verstehen, als hoch zu be-
werten. Dies wurde durch die quantitativ ab-
gefragte motivierende Wirkung und Wahrneh-
mung der inhaltlichen Botschaft bestätigt.
Die Hypothesenprüfung zu Einflussfaktoren
auf die Wirkung der suffizienzfördernden Kom-
munikation zeigte, dass die Anzeige umso stär-
ker überzeugen konnte, je höher die wahrge-
nommenen altruistischen Motive des Unter-
nehmens und dadurch seine Glaubwürdigkeit
wahrgenommen wurden. Da altruistische Mo-
tive und Glaubwürdigkeit des Senders in der
Stichprobe sehr hoch ausgeprägt waren, lässt
sich dieser Befund primär für Unternehmen
mit hoher Nachhaltigkeitsreputation verallge-
meinern. Hingegen hatte das wahrgenommene
strategische Motiv des Unternehmens keine
Auswirkungen auf die suffizienzfördernde Wir-
kung der Anzeige. Auch wenn den Befragten
somit bewusst ist, dass suffizienzfördernde
Kommunikation von nachhaltigkeitsorientier-
ten Unternehmen genutzt wird, um die Kun-
denbindung zu erhöhen oder Gewinne zu ma-
ximieren, wirkt sich dies nicht negativ auf die
suffizienzfördernde Wirkung aus. Hingegen
konnte eine tendenziell (p = 0.06) negative
Wirkung von ausnutzenden Motiven auf die
suffizienzfördernde Wirkung der Anzeige fest-
gestellt werden. Allgemein wurde das ausnut-
zende Motiv in dieser Erhebung als sehr gering
wahrgenommen. Der Effekt könnte jedoch für
Unternehmen ohne starke Nachhaltigkeitsre-
putation sowie für weniger umweltbewusste
Konsumentinnen und Konsumenten noch stär-
ker zum Vorschein treten.
Insgesamt zeigte sich,
dass Inhalte und
Absender von suffi-
zienzfördernder
Kommunikation unter
den Befragten sehr
positive Reaktionen
hervorriefen
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27Gossen & Frick
Darüber hinaus zeigte sich, dass die Werte um-
weltfreundlichen Konsums der Befragten, me-
diiert durch das Motiv, suffizient zu konsumie-
ren, positiv mit der suffizienzfördernden
Wirkung der Anzeige zusammenhingen, wenn-
gleich dieser Zusammenhang deutlich schwä-
cher ausfiel als der Zusammenhang mit der
wahrgenommenen Glaubwürdigkeit des Un-
ternehmens. Dies weist darauf hin, dass eine
hoch ausgeprägte Selbstkongruenz der Ziele
von Suffizienz – entgegen der Vermutung – kei-
ne zwingende Voraussetzung für eine suffizienz-
fördernde Wirkung der Anzeige ist (Sirgy et al.,
2000). Es bleibt anhand einer repräsentativen,
durchschnittlich umweltbewussten Stichprobe
zu bestätigen, ob suffizienzfördernde Kommu-
nikation mit Blick auf die individuellen Werte
von Verbraucherinnen und Verbrauchern tat-
sächlich weniger voraussetzungsreich ist als an-
genommen und so auch weniger nachhaltig-
keitsaffine Kundengruppen zu suffizientem
Konsum motivieren kann.
Interessanterweise zeigte sich für das hedonisti-
sche Konsummotiv ein leicht positiver Zusam-
menhang mit der suffizienzfördernden Kom-
munikation. Es scheint, dass die Motivation, aus
Vergnügen zu konsumieren, die Motivation, aus
Nachhaltigkeitsgründen auf Konsum zu ver-
zichten, nicht ausschließt. Nachhaltiger Kon-
sum wird durch unterschiedlichste Motive ge-
fördert oder gehemmt und die Gründe für
nachhaltigen Konsum und für nicht-nachhalti-
gen Konsum weisen diskriminante Validität auf,
sind also nicht das Gegenteil voneinander
(Chatzidakis, Hibbert & Winklhofer, 2016; Ri-
chetin et al., 2012). Dass sich insbesondere auch
konsumfreudige Personen für Suffizienz begeis-
tern lassen, ist eine wichtige Erkenntnis, um die
gesellschaftliche Akzeptanz und Verbreitung
von suffizienten Lebensstilen zu erhöhen.
4.2 Stärken und Schwächen der Studie
In der Online-Befragung des vorliegenden Ar-
tikels fielen die freiwilligen Antworten auf die
offene Frage zur Wahrnehmung und Wirkung
der Anzeige vergleichsweise vielzählig und aus-
führlich aus. Es kann angenommen werden, dass
die hohe Antwortrate auf eine sehr positive
Wahrnehmung des Unternehmens innerhalb
der Stichprobe zurückzuführen ist.
Die Stichprobengröße kann mit 1.626 gültigen
Datensätzen als sehr gut bewertet werden. Al-
lerdings wurde die Befragung an über 50.000
Abonnentinnen und Abonnenten geschickt.
Die Rücklaufquote von drei Prozent deutet auf
Selektionseffekte hin, wodurch eine vorsichtige
Interpretation der Ergebnisse indiziert ist
(Kaiser & Henn, 2017). Durch die Erhebung
im Kundensegment des Online-Marktplatzes
konnte eine Stichprobenauswahl nach be-
stimmten Vorgaben wie Repräsentativität nicht
erglicht werden. Die Befragten sind über-
wiegend weiblich und weisen eine sehr hohe
durchschnittliche Zustimmung zu Werten des
ökologischen Konsums auf. Damit ist die Ge-
neralisierbarkeit für die Gesamtbevölkerung
nicht gegeben. Die überdurchschnittlich hohe
Bedeutung umweltbewussten Konsums inner-
halb der Stichprobe ebenso wie das stark positi-
ve Ansehen des Online-Marktplatzes als nach-
haltigkeitsorientiertes Unternehmen könnten
die nahezu ausschließlich befürwortende Reso-
nanz auf die suffizienzfördernde Kommunika-
tion erklären. Diese hohen Werte drücken sich
in leichten Deckeneffekten bezüglich der Werte
umweltfreundlichen Konsums, Altruismus und
Glaubwürdigkeit des Senders sowie einem Bo-
deneffekt bei ausnutzenden Motiven aus und
werden ebenfalls in einer hohen Interkorrelati-
on von Glaubwürdigkeit und Altruismus des
Senders sichtbar. Da es sich bei diesen beiden
Konstrukten inhaltlich um eindeutig verschie-
dene Wahrnehmungsdimensionen handelt (Fri-
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Schwerpunkt
28 Brauchst du das wirklich?
cke, 2015; Soule & Reich, 2015), wurden sie
trotz hoher Interkorrelation distinkt behandelt.
Eine weitere Schwäche stellt die geringe inter-
ne Konsistenz des Motivs für suffizienten Kon-
sum dar. Dies kann dadurch begründet sein, dass
dieses Konstrukt mehrere Aspekte zu beinhal-
ten scheint. Beispielsweise können sich Motive
zur Reduktion der Anschaffung und zum Er-
setzen des Neukaufs durch alternativen Kon-
sum (Secondhand) unterscheiden (siehe z.B.
Hüttel, Ziesemer, Peyer & Balderjahn, 2018).
Einschränkungen bei der Verallgemeinerbarkeit
entstehen zudem durch die Auswahl des Ko-
operationspartners Avocadostore.de und den
Konsumbereich Kleidung. Das Unternehmen
ist als Online-Marktplatz für nachhaltige Klei-
dung positioniert und das Markenimage um-
fasst Werte wie Nachhaltigkeit und Qualität.
Zudem stammen Kundinnen und Kunden von
Avocadostore.de vermutlich aus einem beson-
ders nachhaltigkeitsaffinen Milieu, das durch
eine besondere Aufgeschlossenheit gegenüber
der Suffizienzstrategie geprägt ist. Damit sind
die Ergebnisse insbesondere zur Wahrnehmung
des Senders nicht auf andere, weniger an Nach-
haltigkeitskriterien orientierte Unternehmen
übertragbar (Hwang, Lee, Karpova & Diddi,
2016). Dies gilt auch für die Produktgruppe
Kleidung. Untersuchungen zu suffizienten
Konsumstilen etwa im Bereich der Ernährung
kommen mit großer Wahrscheinlichkeit zu an-
deren Ergebnissen. Die Aussagekraft der Ergeb-
nisse wird zudem von der Tatsache beeinflusst,
dass der Unternehmenspartner – wie die meis-
ten Unternehmen – insgesamt in erster Linie
auf Abverkauf abzielende Kommunikationsakti-
vitäten verfolgt. Newsletter und andere Maß-
nahmen des Avocadostore.de, die zu suffizien-
ten Verhaltensweisen anregen, stellen eher die
Ausnahme dar. Dies hatten möglicherweise
auch die Kundinnen und Kunden im Hinter-
kopf, die an der Befragung teilnahmen.
Für die Studie wurde ein Design ohne Kont-
rollgruppe gewählt. Neben forschungsprakti-
schen Gründen sprachen der explorative Ansatz
der Studie und das neuartige Thema für dieses
Vorgehen. Die Studie zielte darauf ab, erste em-
pirische Befunde und vertiefte Einblicke in Be-
gründungsmuster bezüglich der Wahrnehmung
von suffizienzfördernder Kommunikation zu
erlangen. In nachfolgenden Studien sollte hin-
gegen ein Kontrollgruppen-Design gewählt
werden, etwa um die Wirkung suffizienzför-
dernder Kommunikation mit der Wirkung her-
kömmlicher Nachhaltigkeitskommunikation
(zum Beispiel die Bewerbung von „grünen“
Produkten) vergleichen zu können. Dabei
könnte etwa auf der Studie von Griese und
Halstrup (2013a) aufgebaut werden, die die
Wahrnehmung von suffizienzorientierter Kom-
munikation im Vergleich zu Effizienz- und
Konsistenzkommunikation anhand von Werbe-
slogans untersucht haben.
Aufgrund eines technischen Software-Problems
musste in der Studie auf die Erfassung des Alters
der Befragten verzichtet werden. Altersbezoge-
ne Analysen hätten vermutlich interessante
Erkenntnisse mit Blick auf die Offenheit und
Akzeptanz für suffizienzfördernde Unterneh-
menskommunikation in unterschiedlichen Al-
tersgruppen gebracht.
4.3 Zukünftiger Forschungsbedarf
Wie bereits ersichtlich wurde, könnte eine Wie-
derholung dieser Umfrage mit einer repräsenta-
tiven Stichprobe als Befragungszielgruppe wei-
tere wertvolle Erkenntnisse verschaffen. Unter
weniger umweltbewussten Personen könnte die
Akzeptanz und Wahrnehmung von suffizienz-
fördernder Kommunikation weniger hoch be-
ziehungsweise positiv ausfallen, wodurch Re-
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29Gossen & Frick
putationsrisiken für das Unternehmen entstehen
können. Zudem wäre eine Wiederholung mit
einer generalisierbaren Stichprobe ratsam, um
den inhaltlichen Zusammenhang der verwen-
deten Konstrukte (Werte umweltfreundlichen
Konsums, Altruismus und Glaubwürdigkeit des
Senders) zu testen. Um kausale Rückschlüsse
zur Wirkung der suffizienzfördernden Kommu-
nikation ziehen zu können, wäre für zukünftige
Studien dieser Art ein experimentelles Design
wünschenswert. So wäre einerseits der Ver-
gleich mit einer Kontrollgruppe, die keiner suf-
fizienzfördernden Kommunikation ausgesetzt
wird, aber auch ein Referenzszenario mit klas-
sischem Nachhaltigkeitsmarketing sehr auf-
schlussreich. Da der voraussetzungsreichste und
anspruchsvollste Aspekt der Suffizienzstrategie
die tatsächliche Konsumreduktion darstellt, wä-
ren ferner zukünftige Studien zur Untersu-
chung des Beitrags suffizienzfördernder Unter-
nehmenskommunikation auf tatsächliches
Konsumverhalten von Interesse. Auch wäre es
wünschenswert, die Ergebnisse über andere
Konsumsegmente und Produktkategorien wie
beispielsweise Nahrungsmittel oder Mobilitäts-
angebote zu bestätigen.
Zudem stellt sich die Frage nach den unterneh-
mensseitigen Motiven für suffizienzfördernde
Kommunikation – unabhängig davon, ob es
sich um ein nachhaltigkeitsorientiertes oder
konventionelles Unternehmen handelt. Letzt-
lich könnte eine Förderung von Suffizienz eine
Minderung des Profits bedeuten. Ob es mög-
lich ist, dies mit der Gewinn- oder gar Wachs-
tumsorientierung der meisten Unternehmen
am Markt zu vereinbaren, ist eine offene For-
schungsfrage.
4.4 Praktische Implikationen
Die vorliegende Studie zeigt, dass nachhaltig-
keitsorientierte Unternehmen von suffizienz-
fördernder Kommunikation profitieren kön-
nen, insofern als dass entsprechende Kom-
munikationsmittel und -botschaften positive
Assoziationen auslösen und Unternehmen als
Sender dieser Botschaften zudem als uneigen-
nützig, vertrauenswürdig und sympathisch
wahrgenommen werden. Dies gilt vor allem für
Unternehmen, die aufgrund ihrer sonstigen
Nachhaltigkeitsaktivitäten besonders authen-
tisch für suffiziente Konsumstile eintreten. In-
wieweit suffizienzfördernde Kommunikation
sich auf das Image konventioneller Unterneh-
men auswirkt, kann mit den Ergebnissen der
vorliegenden Studie hingegen nicht beantwor-
tet werden.
Dass suffizienzfördernde Kommunikation in
einer für Nachhaltigkeit sensibilisierten und
trotzdem konsumfreudigen Zielgruppe die
Mo tivation für Verhaltensänderungen in Rich-
tung suffizienter Konsumstile fördert, ist eben-
falls von praktischer Relevanz. Unternehmen
können diese innovative Kommunikationsform
einsetzen, um ihrer Verantwortung für nachhal-
tigen Konsum gerecht zu werden.
Wie bereits angedeutet wurde, stellt sich in
praktischer Hinsicht zudem die Frage nach der
Intention des Unternehmens, mit der es suffi-
zienzfördernde Kommunikation einsetzt. Zielt
die übergeordnete Unternehmensstrategie tat-
sächlich auf eine Konsumreduktion und damit
gegebenenfalls einen Rückgang der Verkaufs-
zahlen ab, oder handelt es sich bei suffizienz-
fördernder Kommunikation lediglich um einen
„Marketing-Gag“?
Kommunikation ist nur ein Aspekt des Marke-
tings, um für suffiziente Konsumstile zu sensi-
bilisieren oder diese zu befördern. So wirkt
beispielsweise die Kommunikation von suffizi-
enzfördernden Botschaften sicherlich unglaub-
würdiger, wenn das Unternehmen nicht gleich-
zeitig mit einem Produktsortiment aufwartet,
das durch Langlebigkeit und Qualität eine res-
sourcenschonende Nutzung erglicht. Daher
sollten Unternehmen nicht nur kommunikativ,
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Schwerpunkt
30 Brauchst du das wirklich?
sondern bestenfalls auch durch den Einsatz des
vollständigen Marketingmix suffizienten Kon-
sum fördern. Gleichermaßen gilt, dass unter-
nehmerische Unterstützung von Suffizienz
nicht nur durch die Befähigung und Sensibili-
sierung von Konsumentinnen und Konsumen-
ten erfolgen kann, sondern auch durch die
Umsetzung von Suffizienz in anderen Unter-
nehmensbereichen und -prozessen wie dem
Umwelt- und Energiemanagement oder Lie-
ferkettenmanagement.
Kontakt
Maike Gossen
TU Berlin
Institut für Arbeitslehre (IBBA) Arbeitslehre/
Ökonomie und Nachhaltiger Konsum
Marchstraße 23
10587 Berlin
E-Mail: maike.g[email protected]
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Endnoten
1) Mit Ausnahme der offenen Frage und den
Fragen zu soziodemografischen Merkmalen
der Stichprobe liegen dem Fragebogen aus-
schließlich Multi-Item-Skalen zugrunde,
die alle mit Hilfe einer 7-Punkt-Likert-Ska-
la von 1 = „stimme überhaupt nicht zu“ bis
7 = „stimme voll und ganz zu“ oder der
Antwortoption „ich weiß nicht“ bezie-
hungsweise im Falle der Frage zum he-
donistischen Konsummotiv mit einer
7-Punkt-Likert-Skala von 1 = „nie“ bis 7 =
„immer“ gemessen wurden.
2) Die wörtlichen Zitate wurden sprachlich
leicht an die Schriftsprache angepasst, um
die Lesbarkeit zu erhöhen.
Endversion des Manuskripts eingegangen
am: 26.09.2018
Anmerkung
Die vorliegende Studie wurde im Rahmen der
Nachwuchsgruppe „Digitalisierung und sozial-
ökologische Transformation“ durchgeführt. Das
Kooperationsprojekt des Instituts für ökologi-
sche Wirtschaftsforschung (IÖW) und der TU
Berlin wird vom Bundesministerium für Bil-
dung und Forschung (BMBF) im Rahmen der
sozial-ökologischen Forschung gefördert.
Die Befragung wurde in Kooperation mit dem
Online-Marktplatz für nachhaltige Kleidung
und Accessoires Avocadostore.de durchgeführt.
Wir danken Mimi Sewalski und Aleks Hilarski
für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Zudem
möchten wir Dr. Sonja Geiger von der TU
Berlin für ihre wertvollen Rückmeldungen zu
den verwendeten Methoden danken.
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