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KURZFRISTIG UMZUSETZENDE MAßNAHMEN ZUR STEIGE-
RUNG DER ENERGIEEFFIZIENZ VON GEBÄUDEN UND
QUARTIEREN
Felix Rehmann*, Rita Streblow*, Dirk Müller+
This document is a Whitepaper containing the findings of the research projects „BF2020 Begleitforschung
Energiewendebauen - Modul Digitalisierung; Teilvorhaben: TU Berlin: Wissensplattform“ (FKZ:
03EWB004A) and BF2020 Begleitforschung Energiewendebauen - Modul Gebäude; Teilvorhaben: Bau-
steine für die Transformation - Akteurseinflüsse, Modernisierungsstrategien und systemdienliche Kon-
zepte“ (FKZ: 03EWB002A)
The paper has been revised on July 27th, 2022.
This document is published under Creative Commons BY-NC-ND license (https://creativecom-
mons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/).
Please cite this article as:
Felix Rehmann, et. al., KURZFRISTIG UMZUSETZENDE MANAHMEN ZUR STEIGERUNG DER ENERGIEEFFI-
ZIENZ VON GEBÄUDEN UND QUARTIEREN, Whitepaper, 2022
Berlin, 2022, http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-16045.2
*
Technische Universität Berlin/Einstein Center Digital Future
Fachgebiet Digitale Vernetzung von Gebäuden, Energieversorgungsanlagen und Nutzenden, DVG
( rehmann@tu-berlin.de )
+
RWTH Aachen University, Lehrstuhl für Gebäude- und Raumklimatechnik, EBC
2
MANAGEMENT SUMMARY
In dieser Veröffentlichung der BF2020 werden kurzfristige Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizi-
enz im Betrieb von Gebäuden und Quartieren aufgezeigt. Zur Ermittlung wurden im Rahmen des 11. Pro-
jektleitungstreffens Energiewendebauen Kurzfragebögen unter den Teilnehmenden verteilt. Vertreter
aus 46 Verbundprojekten haben an der Befragung teilgenommen und über 100 Vorschläge konnten ge-
sammelt werden. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind von neun Experten aus der BF2020 zusammen-
gefasst und um Erklärungen sowie weitere Vorgänge ergänzt. Insgesamt konnten somit 110 Vorschläge
zusammengestellt werden, die einen Beitrag zur Senkung des Energie- und damit das Gasverbrauchs in
Gebäuden und Quartierten leisten können. Nicht alle Einsparvorschläge lassen sich beliebig kombinieren,
da einige der vorschlagenden Maßnahmen auf die gleichen physikalischen Effekte zielen. In dieser Veröf-
fentlichung werden drei Diskussionsbeträge zur Einsparung von Energie und Erdgas in Bestandsgebäuden
geliefert:
Eine zusammenfassende Grafik relevanter und schnell umsetzbarer Maßnahmen mit einer Ein-
schätzung möglicher Einsparungen.
Eine Bewertung alle genannten Maßnahmen in Hinblick auf Aufwand und Wirkung.
Eine tabellarische Übersicht aller genannter Vorschläge als Basis für weiterführende Diskussionen.
Prinzipiell lassen sich alle Vorschläge in sechs Kategorien (Cluster) einteilen: Anlagentechnik, Dämmung,
Energiemanagment, Systemintegration, Verhalten von Nutzenden und Sonstige. Diese Kategorien ma-
chen deutlich, dass mit sehr unterschiedlichen Maßnahmen Einsparungen erreicht werden können. Dabei
spielen neben den klassischen Ansätzen, wie einer effizienteren Wärmeerzeugung oder einer besseren
Dämmung, die Betriebsführung und das Verhalten der Nutzenden eine wichtige Rolle. Gerade Maßnah-
men aus diesen beiden Kategorien erlauben eine sehr schnelle Umsetzung im Feld, da oft keine oder nur
sehr geringe Investitionen notwendig sind. Unabhängig von der verbauten Technik kann die individuelle
Entscheidung der Nutzenden immer einen großen Einfluss auf den Energieverbrauch haben. So kann bei-
spielsweise unbeabsichtigtes Fehlverhalten beim Lüften den Energieverbrauch deutlich erhöhen.
In Abbildung 1 sind diejenigen Maßnahmen aufgeführt, welche nach einer internen Sichtung durch neun
Experten der Begleitforschung Energiewendebauen als kurzfristig umsetzbar bewertet wurden. Viele die-
ser Maßnahmen können an einem Bestandsgebäude noch vor der nächsten Heizzeit umgesetzt werden.
Weiterführende Informationen zu den hier verzeichneten Maßnahmen sind im Abschnitt Kurzfristig um-
setzbare Maßnahmen hinterlegt.
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Abbildung 1 Übersicht über die empfohlenen Maßnahmen und die möglichen Einsparungen
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EINLEITUNG
Das vorliegende Whitepaper basiert auf einer Befragung mit dem Titel Energieeffizienzmaßnahmen im
Betrieb“, welche am 28.04.2022 von der wissenschaftlichen Begleitforschung der Förderinitiative Ener-
giewendebauen (BF2020) im Rahmen des 11. Projektleitungstreffens Energiewendebauen Betrieb als
Chance zur dauerhaften Effizienzsteigerungdurchgeführt wurde. Die hier genannten Thesen sind die Zu-
sammenfassung der im Fragebogen angegebenen Vorschläge von Vertretern aus Forschung, Unterneh-
men, Stadtwerken, Start-Ups und sonstigen Institutionen, die durch Mitarbeiter der BF2020 gesichtet und
ergänzt worden sind. Anzumerken ist, dass eine detaillierte Überprüfung der Angaben durch eigene Be-
rechnungen des Teams der BF2020 nicht stattgefunden hat, da diese Aufgabe sehr umfangreich wäre.
Eine systematische Zusammenstellung der Arbeitsgebiete und Forschungsaufgaben aller an der Umfrage
beteiligten Institutionen und Unternehmen liefert die Publikation „Energiewendebauen Forschungser-
kenntnisse von der Komponente bis zum Quartier[1]. Für weiterführende Auswertungen sind die voll-
ständigen Ergebnisse des Fragebogens im Anhang veröffentlicht.
Diese Befragung wurde aufgrund des drohenden Lieferstopps russischen Erdgases aufgrund des Kriegs in
der Ukraine durchgeführt. In Deutschland wurde 2020 eine Energiemenge von 292 Mrd. kWh in Form von
Erdgas für Haushalte und 114 Mrd. kWh für Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) [2] verwendet.
In der Vergangenheit bezog Deutschland laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz 55
% des Erdgases aus Russland [3]
1
. Werden diese 55 % zu gleichen Teilen auf alle Sektoren verteilt, so
müssten Haushalte sowie GHD respektive 161 Mrd. kWh und 63 Mrd. kWh Gas einsparen, um kurzfristig
kein russisches Gas mehr zu verbrauchen. Eine Senkung des Energieverbrauchs kann jedoch eine Diversi-
fizierung des Importes unterstützen, da eine reduzierte Gasmenge bei Drittstaaten zu beschaffen ist. Ziel
dieses Papiers ist es, eine Übersicht über mögliche Maßnahmen zu geben, die hierzu beitragen können.
Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels
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im Handwerk soll zudem ein weiterer Fokus auf solchen
Maßnahmen liegen, welche möglichst ohne großen Aufwand umzusetzen sind.
1
Zahlen aus einer Pressemitteilung der Bundesregierung geben einen Wert von 38,2% des Erdgasbzeugs aus Russland an [4].
Eurostat meldet für 2020 einen Gasimport von 58,9 % aus Russland [5]. Im Fortschrittsbericht Energiesicherheit gibt das BMWK
einen gemittelten Wert von circa 55 % über die letzten Jahre an [6].Im Mai 2022 sind 35% des Gasimportes aus Russland gekom-
men . Die Bundesnetzagentur fasst den aktuellen Stand zusammen unter [7]
2
Der Zentralverband des Handwerks meldet auf eine offene Stelle im Bereich Handwerksberufe am Bau und in der Gebäudetech-
nik im Dezember 2021 0,9 Arbeitssuchende [8]
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METHODIK UND ÜBERSICHT
Während des 11. Projektleitungstreffens Energiewendebauen wurden die Teilnehmenden gebeten, Maß-
nahmen zu beschreiben, welche kurzfristig den Energieverbrauch von Gebäuden und Quartieren senken
können. Die Befragten konnten bis zu drei Maßnahmen vorschlagen und mussten diese hinsichtlich des
Aufwands, des zeitlichen Horizonts, den notwendigen Rahmenbedingungen und den möglichen Einspa-
rungen einordnen. Vorangestellt waren allgemeine Fragen zu dem Hintergrund der Befragten. In diesem
Abschnitt wird zunächst ein allgemeiner Überblick über die Antworten und die Kategorien gegeben. Die
Teilnehmenden waren nicht gezwungen, jede Frage zu beantworten, sodass die Summe der Antworten
zwischen einzelnen Fragen schwanken kann. Nicht inkludiert in der Übersicht sind die Maßnahmen, wel-
che im Nachgang aus der Begleitforschung hinzugefügt worden sind.
Bei der Befragung haben sich Personen aus mindestens 46 Verbundprojekten beteiligt. Einige der Befrag-
ten haben jedoch keine Zuordnung angegeben, sodass von mehr teilnehmenden Projekten ausgegangen
werden kann. Insgesamt wurden 86 Fragebögen mit mindestens einer Maßnahme abgeben. Die Befragten
konnten zudem ihren Hintergrund benennen. Von insgesamt 62 Rückmeldungen gaben 46 Befragte an,
dass sie aus der Forschung kommen. Acht Befragte kamen von Unternehmen, zwei von Stadtwerken so-
wie einer von einem Start-up. Fünf Befragte machten keine Angabe zu ihrer Profession. Die Teilnehmen-
den der Befragung wurden außerdem zu ihrer Erfahrung zur Umsetzung zu Energieeffizienzmaßnahmen
im Betrieb befragt. Hier antworteten in Summe 61 Teilnehmende. Von diesen 61 Personen gaben 54 an,
dass sie bereits Erfahrung zur Umsetzung von Maßnahmen besitzen, sieben Personen besitzen diese Er-
fahrung nach eigenen Angaben nicht. Eine Übersicht ist in Abbildung 2 dargestellt.
Insgesamt wurden 110 Vorschläge gegeben, die im Rahmen dieser Veröffentlichung der BF2020 vorge-
stellt und diskutiert werden. Die Vorschläge überschneiden sich zum Teil inhaltlich sowie hinsichtlich des
Umfangs und der Umsetzbarkeit. In diesem Dokument werden die Vorschläge zu Maßnahmen zusammen-
gefasst und geordnet. Dementsprechend wird bei einer Einordnung der Begriff Maßnahme verwendet.
Die Befragungsteilnehmenden wurden nach Aufwand, zeitlichem Horizont und möglichem Einspareffekt
aller genannten Vorschläge befragt. Die Vorschläge reichen von einfacher Dämmung von Heizungsrohren
und Dichtungselementen bei Fenstern bis hin zu Regelungsalgorithmen und komplexeren infrastrukturel-
len Änderungen der Netzinfrastruktur. Zudem sind auch Vorschläge gegeben worden, deren Umsetzung
im politischen Bereich liegt. Die Vorschläge lassen sich in sechs Kategorien zusammenfassen, welche Ein-
fluss auf die Energieeffizienz im Betrieb haben. Diese sechs Kategorien sind Anlagetechnik, Dämmung,
Energiemanagement, Systemintegration, Verhalten von Nutzenden und Sonstiges.
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