Silane Hot Paper
Isolierbare Silicium-basierte Polykationen mit Lewis-Superaciditt
Andr Hermannsdorfer und Matthias Driess*
Professor Helmut Schwarz gewidmet
Abstract: Molekulare Silicium-Polykationen des Typs R2Si2+
und RSi3+(R=H, organische Gruppe) sind Lewis-Supersu-
ren und bisher in kondensierter Phase unbekannt. Wir berich-
ten ber die Synthese einer Reihe isolierbarer Terpyridinkom-
plexe von R2Si2+und RSi3+,[R
2Si(terpy)]2+(R=Ph 12+;R
2=
C12H822+, (CH2)332+) und [RSi(terpy)]3+(R=Ph 43+,C
6H11
53+, m-Xylyl 63+) in Form ihrer Triflat-Salze. Die Stabilisie-
rung dieser Spezies wird durch hçhere Koordination erreicht,
was aber niedrigere Fluoridionenaffinitten (FIA) zur Folge
hat. Trotzdem bleibt ein signifikantes Maß an Lewis-Super-
aciditt erhalten, wie durch Berechnungen und Experimente
besttigt wird. Die Komplexe aktivieren C(sp3)-F-Bindungen,
was anhand der Fluoridabstraktion von 1-Fluoradamantan
(AdF) und der katalytischen Hydrodefluorierung von AdF
demonstriert wird. Weiterhin veranschaulicht die Bildung der
kristallinen Addukte [2(F)]+und [5(H)]2+die hohe Reaktivitt
gegenber Fluorid- und Hydriddonoren.
Hauptgruppenelement-Lewis-Suren haben in den letzten
zwei Dekaden großes Forschungsinteresse erfahren, wobei
das neu entstandene Konzept der frustrierten Lewis-Paare
deutlich zu dieser Entwicklung beigetragen hat.[1–3] Die Suche
nach geeigneten Lewis-Suren (LA) fokussiert sich oft auf
Lewis-Supersuren (LSA), welche laut Krossing definiert
sind als “molekulare LA, die in der Gasphase strker Lewis-
sauer sind als monomeres SbF5”.[4] Jngste Berichte ber
Lewis-supersaure perhalogenierte Bis(catecholat)germane[5]
und -silane[6] verdeutlichen das Potential molekularer Haupt-
gruppenelement-LA. Dabei sind Silicium-basierte LA auf-
grund der großen Hufigkeit und geringen Toxizitt dieses
Elements besonders attraktiv. In diesem Kontext sind Silyli-
umionen, R3Si+, bereits als Katalysatoren in der organischen
Synthese etabliert[7,8] und wegen ihrer hohen Fluoridionen-
affinitten (FIA) als LSA einzuordnen.[3,9] Erwartungsgemß
stellen SiIV-Dikationen des Typs R2Si2+strkere LA dar
(FIA(SiF22+)=2167 kJmol1),[10] aber solche Spezies sind
bisher in kondensierter Phase unbekannt. Lediglich SiH22+
und SiF22+wurden in massenspektrometischen Untersuchun-
gen beobachtet.[11] Ein gesicherter experimenteller Nachweis
fr RSi3+-Spezies steht noch aus, wobei die Potentialkurve
von SiH3+laut Berechnungen repulsiv ist.[12] Um solche
Gasphasenmolekle in kondensierter Phase zugnglich zu
machen, mssen diese zustzlich stabilisiert werden. Die
Komplexbildung mit neutralen Lewis-Basen stellt dabei einen
vielversprechenden Ansatz zur Bildung isolierbarer Si-ba-
sierter Polykationen dar (Abbildung 1). Allerdings geht die
erhçhte Stabilitt auf Kosten von erniedrigter Elektrophilie
und Lewis-Aciditt. Dementsprechend sind zahlreiche di-
und tetrakationische Silicium-Komplexe mit hexakoordinier-
ten SiIV-Atomen sogar wasserstabil.[13]
Wir zeigen hier, dass Lewis-supersaure Eigenschaften von
siliciumbasierten Polykationen bei der Stabilisierung durch
einen Terpyridinliganden (terpy) und in Gegenwart von
Triflat-Gegenionen (CF3SO3=OTf) erhalten bleiben. Be-
rechnungen (FIA >SbF5) und Experimente (Fluoridabstrak-
tion von SbF6) besttigen die Lewis-Superaciditt, und
Reaktivittsuntersuchungen verdeutlichen, dass die Polyka-
tionen zu den strksten bisher bekannten siliciumbasierten
LA gehçren.
Die Lewis-Aciditt der Dikationen R2Si2+und ihrer
Komplexe [R2Si(terpy)]2+wurde durch Berechnung isodes-
mischer FIA mithilfe des TMS-Referenzsystems[14] quantifi-
ziert (Tabelle 1, fr Einzelheiten siehe Hintergrundinforma-
tionen (SI)). Wie erwartet sind dikationische R2Si2+(FIA
>1450 kJmol1) strkere LA als R3Si+(700–
950 kJmol1).[3,15] Zwar fhrt die Koordination des terpy-
Liganden in [R2Si(terpy)]2+zu um 35–40% niedrigeren FIA
Abbildung 1. Bisher untersuchte Si-basierte Monokationen und Polyka-
tionen (L=Terpyridin; diese Arbeit) mit Fluoridionenaffinitten (FIA
[kJmol1]).
[*] M. Sc. A. Hermannsdorfer, Prof. Dr. M. Driess
Institut fr Chemie, Metallorganische Chemie und anorganische
Materialien, Technische Universitt Berlin
Straße des 17. Juni 115, Sekr. C2, 10623 Berlin (Deutschland)
E-Mail: matthias.[email protected]
Hintergrundinformationen und die Identifikationsnummer (ORCID)
eines Autors sind unter: https://doi.org/10.1002/ange.202011696 zu
finden.
2020 Die Autoren. Verçffentlicht von Wiley-VCH GmbH. Dieser
Open Access Beitrag steht unter den Bedingungen der Creative
Commons Attribution Non-Commercial NoDerivs License, die eine
Nutzung und Verbreitung in allen Medien gestattet, sofern der
ursprngliche Beitrag ordnungsgemß zitiert und nicht fr kom-
merzielle Zwecke genutzt wird und keine nderungen und Anpas-
sungen vorgenommen werden.
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Internationale Ausgabe: doi.org/10.1002/anie.202011696
Deutsche Ausgabe: doi.org/10.1002/ange.202011696
1Angew. Chem. 2020,132, 1 –6 2020 Die Autoren. Verçffentlicht von Wiley-VCH GmbH
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im Vergleich zu den “freien” R2Si2+, jedoch liegen diese
Werte immer noch deutlich ber den vom SbF5vorgegebenen
Grenzwert von 500 kJmol1. Da FIA von Kationen in der
Gasphase oft große Beitrge von Ladungsneutralisation und
elektrostatischer Anziehung enthalten, wurde eine Abscht-
zung der Solvatationskorrektur in CH2Cl2mithilfe von C-
PCM[16] durchgefhrt.[3,17] Daraus resultiert eine ausgeprgte
Abschwchung der FIAsolv von R2Si2+und [R2Si(terpy)]2+.
Die verringerte positive Teilladung um die Si-Zentren in den
terpy-ligierten R2Si2+-Einheiten lsst sich durch die Darstel-
lung der elektrostatischen Potentiale auf einer bei
0.025eBohr3begrenzten Isoelektronendichte-Oberflche
visualisieren (Abbildung 2). Blaue Bereiche stellen Regionen
der Ionenoberflche mit hohem Potential (hohe positive
Teilladung) dar, wohingegen die Delokalisierung der positi-
ven Ladungen in [R2Si(terpy)]2+zu Bereichen mit niedrige-
rem Potential (rote Farbgebung=geringere positive Teilla-
dung) fhrt. Dieser Effekt ist besonders ausgeprgt um die
Siliciumzentren.
Im Gegensatz zur Synthese des Phosphordikations [PhP-
(terpy)]2+aus PhPCl2[18] schlugen Versuche fehl, entsprechen-
de Silicium-Komplexe aus Dichlorsilanen darzustellen. Al-
lerdings wurden die stabilen Komplexsalze 1[OTf]2,2[OTf]2
und 3[OTf]2durch die Reaktion der Silylditriflate R2Si(OTf)2
(R2=Ph2, (CH2)3,C
12H8) mit terpy in 73 bis 93% Ausbeute
erhalten (Schema 1) und vollstndig charakterisiert. In den
Festkçrperstrukturen sind die Si-Zentren penta- (12+) bzw.
hexakoordiniert (22+und 32+, Abbildung 3), aber 1H-, 13C- und
19F-NMR-Spektren lassen erkennen, dass die Si-OTf-Wech-
selwirkungen in Lçsungen labil sind.
Die Lewis-Superaciditt von 1[OTf]2,2[OTf]2, und 3-
[OTf]2wurde durch Reaktionen mit [PPh4][SbF6]inCD
3CN
besttigt. In allen Fllen wurde durch 19F-NMR-Spektrosko-
pie die Fluoridabstraktion von SbF6und Bildung von “SiF”-
Spezies beobachtet (Abbildung 4). Kation 12+reagierte dabei
zu Ph2SiF2(d19F142.9 ppm, 1JSiF =291 Hz),[19] whrend die
Produkte der Reaktionen mit 22+und 32+nicht eindeutig
identifiziert werden konnten. Um Ligandenaustausch- und
andere Nebenreaktionen zu vermeiden wurde 1-Fluoradam-
antan (AdF) als F-Quelle eingesetzt. Außerdem ist die
C(sp3)F-Bindungsaktivierung ein fundamentaler Schritt bei
katalytischen Hydrodefluorierungen (HDF) und Silyliumio-
nen abstrahieren nachweislich Fvon Fluoralkanen.[2,7,20] 19F-
NMR-Spektren der Reaktionen von 12+,22+und 32+mit AdF
zeigten die vollstndige Umsetzung von AdF in weniger als
1 h. hnlich zu den Ergebnissen mit SbF6wurde dabei mit
12+die Bildung von Ph2SiF2beobachtet. Mit 22+bildete sich
ausschließlich das Addukt [2(F)]+(d29Si 135.9 ppm, d19F
112.5 ppm, 1JSiF =224 Hz), welches in einer Ausbeute von
42% isoliert wurde und ein hexakoordinertes Siliciumzen-
trum enthlt (Abbildung 4). Dieselbe Spezies wurde auch im
Reaktionsgemisch von 2[OTf]2und [PPh4][SbF6] detektiert.
Mit 3[OTf]2und AdF wurde ein komplexes Produktgemisch
Tabelle 1: Berechnete Fluoridionenaffinitten (FIA) und solvatations-
korrigierte FIAsolv der Kationen R2Si2+und ihrer Terpyridinkomplexe in
kJmol1.
Ph2Si2+12+(C12H8)Si2+22+(CH2)3Si2+32+
FIA[a] 1459 934 1541 982 1622 1000
FIAsolv[b] 673 263 767 306 691 296
[a] B3LYP-D3BJ/def2svp//PW6B95-D3BJ/def2qzvpp [b] B3LYP-D3BJ/
def2svp, C-PCM in CH2Cl2.
Abbildung 2. Projektion der berechneten elektrostatischen Potentiale
(B3LYP-D3BJ/def2svp) auf die bei 0.025eBohr3begrenzte Isodichte-
Oberflche der Kationen R2Si2+(oben) und ihrer terpy-Komplexe [R2Si-
(terpy)]2+(unten).
Schema 1. Bildung der Triflatsalze der Dikationen 12+,22+und 32+.
Abbildung 3. Moleklstrukturen von 12+,[2(OTf)]+und [3(OTf)]+(El-
lipsoide 50% Wahrscheinlichkeit).
Abbildung 4. Reaktion von [R2Si(terpy)][OTf]2mit [PPh4][SbF6] oder 1-
Fluoradamantan (AdF) mit Moleklstruktur von [2(F)]+(Ellipsoide
50% Wahrscheinlichkeit; Si-F 1.6693(14) ).
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2www.angewandte.de 2020 Die Autoren. Verçffentlicht von Wiley-VCH GmbH Angew. Chem. 2020,132,1–6
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erhalten, da die gespannte Silacyclobutaneinheit bei diesen
Bedingungen wohl nicht stabil ist. Tatschlich wird von
Ringspaltungsreaktionen bei der Umsetzung von 1,1-Diflu-
orsilacyclobutan mit KF berichtet.[21]
Im Vergleich zu R2Si2+deuten die ermittelten FIA fr
RSi3+eine deutlich gesteigerte Lewis-Aciditt an und errei-
chen fast 2000 kJmol1(Tabelle 2). Der bergang zu den
tetrakoordinierten [RSi(terpy)]3+resultiert in einer Abnahme
um nur ca. 20% (>1500 kJmol1), womit die FIA die des
dikoordinierten Boreniumkations [(catecholat)B]+
(1210 kJmol1) bersteigen.[3,22] Die Solvatationsverringe-
rung ist fr 43+,53+und 63+sehr ausgeprgt, aber die FIAsolv
liegen dennoch mehr als 200 kJmol1ber der FIAsolv von
SbF5. Die Abbildung der elektrostatischen Potentiale auf der
Isoelektronendichte-Oberflche illustriert das “Verschmie-
ren” der positiven Teilladungen ber die Komplexkationen
beim Vergleich von RSi3+und [RSi(terpy)]3+(Abbildung 5).
Allerdings bleiben auch fr [RSi(terpy)]3+Bereiche mit
hohem Potential um die Si-Atome erhalten (blaue Farbge-
bung), was mit den hohen FIA trotz der erhçhten Koordina-
tionszahl in Einklang ist.
Die Triflatsalze 4[OTf]3,5[OTf]3und 6[OTf]3wurden aus
den RSi(OTf)3-Vorlufern in 83 bis 91% Ausbeute erhalten
(Schema 2) und zeigen nach Monaten unter inerter Atmo-
sphre keine Zersetzung. Aus den Kristallstrukturen von
4[OTf]3und 6[OTf]3wird deutlich, dass es durch Wechsel-
wirkung mit den Anionen zur weiteren Stabilisierung der Si-
Zentren kommt (Abbildung 6A). NMR-spektroskopische
Daten zeigen den dynamischen Austausch von koordinieren-
den und “freien” Triflat-Anionen fr Lçsungen von
5[OTf]3und 6[OTf]3, whrend zwei Singuletts im 19F-NMR-
Spektrum von 4[OTf]3in CD2Cl2zu beobachten sind (Si-OTf
und OTf).
Die Fluoridabstraktion von SbF6durch 4[OTf]3,5[OTf]3
und 6[OTf]3qualifiziert die Trikationen als LSA. Nach
Vereinigung der Komplexsalze mit [PPh4][SbF6]inCD
3CN
wurde die Bildung von Spezies mit SiF-Bindungen NMR-
spektroskopisch belegt. F-Abstraktion von AdF ergab je-
weils zwei nicht-identifizierte Produkte mit 4[OTf]3und
6[OTf]3und ein einziges Produkt mit 5[OTf]3(wahrscheinlich
[5(F)][OTf]2, siehe SI). Die Bildung der entsprechenden SiF-
Spezies wurde ebenso in den jeweiligen Reaktionen mit
[PPh4][SbF6] beobachtet.
Die Lewis-Acidittsbestimmung nach Gutmann und Be-
ckett (GB), welche auf der Vernderung des 31P-NMR-
Verschiebungen (D31P) von OPEt3bei Koordination einer LA
beruht,[23] ergab das niedrigste D31P fr 12+·OPEt3(23.5 ppm,
vgl. Abbildung S26). Dies stimmt gut mit der niedrigeren FIA
im Vergleich zu den gespannten Silafluoren- und Silacyclo-
butanderivaten 22+und 32+(D31P=28.6, 27.7 ppm) berein,
deren D31P den Wert fr B(C6F5)3·OPEt3in CH2Cl2(26 ppm)
bersteigen.[24] Kristallstrukturanalysen belegen die Bildung
von oktaedrischem [2(OPEt3)]2+und [3(OPEt3]2+(Abbil-
dung S101 und S102). Fr 4[OTf]3und 5[OTf]3wurde die
Bildung von Bisaddukten und nicht-identifizierten Spezies
beobachtet (D31P 35.5–48.9 ppm), was eine aussagekrftige
Bestimmung mit der GB-Methode erschwerte (siehe SI).
Bemerkenswerterweise bildet 6[OTf]3mit OPEt3das Mono-
addukt [6(OPEt3)]3+, in dem, wie NMR-spektroskopisch
(d29Si 92.0 ppm) und rçntgenkristallographisch besttigt
werden konnte, ein pentakoordiniertes Si-Zentrum vorliegt
(Abbildung 6B). Das resultierende D31P (61.1 ppm) fr [6-
(OPEt3)]3+bersteigt nicht nur D31P von OPEt3-Silylium-
Addukten (43.92.7 ppm),[9,22,25] sondern auch den D31P-
Wert des Boreniumadduktes [(catecholat)B(OPEt3)]+
(60.7 ppm).[9,22] Wegen des großen Einflusses von sterischen
und HSAB-Effekten auf die GB-Methode sind Vergleiche
zwischen verschiedenen Verbindungsklassen mit Vorsicht zu
Tabelle 2: Berechnete Fluoridionenaffinitten (FIA) und solvatations-
korrigierte FIAsolv der Kationen RSi3+und ihrer Terpyridinkomplexe in
kJmol1.
PhSi3+43+CySi3+53+m-XylSi3+63+
FIA[a] 1951 1522 –[c] 1542 1890 1519
FIAsolv[b] 764 563 – 566 767 564
[a] B3LYP-D3BJ/def2svp//PW6B95-D3BJ/def2qzvpp [b] B3LYP-D3BJ/
def2svp, C-PCM in CH2Cl2. [c] Fr CySi3+wurde kein globales Minimum
gefunden.
Abbildung 5. Projektion der berechneten elektrostatischen Potentiale
(B3LYP-D3BJ/def2svp) auf die bei 0.025eBohr3begrenzte Isodichte-
Oberflche der Kationen RSi3+(oben) und ihrer terpy-Komplexe [RSi-
(terpy)]3+(unten). Fr CySi3+wurde keine Minimumgeometrie gefun-
den.
Schema 2. Bildung der Triflatsalze der Trikationen 43+,53+und 63+.
Abbildung 6. Moleklstruktur von [4(OTf)2]+,[6(OTf)]2+(A) und [6-
(OPEt3)]3+(B) (Ellipsoide 50% Wahrscheinlichkeit).
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betrachten,[26] jedoch wird die Einordnung von 63+unter den
strksten bisher bekannten Silicium-LA besttigt.
5[OTf]3und 6[OTf]3reagieren mit Triethylsilan unter
Hydridabstraktion (Abbildung 7), wobei in beiden Fllen
Et3SiOTf (d29Si 46–47 ppm)[27] gebildet wird. Die Bildung von
[5(H)][OTf]2verluft langsam und wurde durch die unab-
hngige Synthese aus CySi(H)(OTf)2und terpy belegt. Eine
Kristallstrukturanalyse besttigte die Konnektivitt des pen-
takoordinierten Dikations. Dagegen reagiert 6[OTf]3mit
Et3SiH innerhalb weniger Stunden mit eindeutigen NMR-
spektroskopischen Hinweisen fr die Aktivierung des terpy-
Liganden in para-Position (Abbildung 7, d29Si 94.8 ppm,
siehe SI). Von hnlicher Lewis-Aciditt an Kohlenstoffzen-
tren wurde krzlich fr N-Heterocyclus-ligierte Borkatio-
nen[28] und terpy-stabilisierte PV-Dikationen[29] berichtet. Au-
ßerdem beinhaltet der katalytische Zyklus der Hydrosilylie-
rung von Pyridinen vermutlich einen Hydridtransfer zu N-
Silylpyridiniumkationen.[30] Wir schreiben die Aktivierung
des terpy-Rckgrats der verringerten rumlichen Zugng-
lichkeit des Si-Zentrums in 63+zu.
Schließlich wurde die Anwendung der Siliciumkationen in
der katalytischen HDF von AdF bei einer Katalysatorbela-
dung von 10 Mol-% gezeigt (Tabelle 3). Die geringen Aus-
beuten an Et3SiF lassen sich auf die Bildung stabiler Fluori-
daddukte und Fluorsilane zurckfhren (siehe oben). Die
katalytische Effizienz korreliert dabei gut mit der Lewis-
Aciditt (12+<22+,32+<43+,53+) mit Ausnahme von 6[OTf]3,
fr welches die konkurrierende Nebenreaktion mit Et3SiH
vermutlich zur Deaktivierung fhrt.
Zusammenfassend konnten wir zeigen, dass die Stabili-
sierung von R2Si2+- und RSi3+-Spezies mit dem Chelatligan-
den Terpyridin zu stabilen Komplexkationen fhrt, bei wel-
chen es sich trotzdem um Lewis-Supersuren handelt. Theo-
retische und experimentelle Lewis-Acidittsbestimmungen
belegen, dass terpy-ligierte Siliciumtrikationen zu den strks-
ten bisher bekannten Silicum-LA gehçren. Die H-Abstrak-
tion von Et3SiH deutet auf hohe Hydridionenaffinitten fr
53+und 63+hin und stellt einen vielversprechenden Aus-
gangspunkt fr Untersuchungen von E-H-Bindungsaktivie-
rungen dar.
Danksagung
Wir danken der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Exzel-
lenzcluster EXC 2008–390540038 UniSysCat) fr finanzielle
Hilfe. A.H. dankt der Einstein Stiftung Berlin fr ein
Doktorandenstipendium. Open Access Verçffentlichung
ermçglicht und organisiert durch Projekt DEAL.
Interessenkonflikt
Die Autoren erklren, dass keine Interessenkonflikte vorlie-
gen.
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Abbildung 7. Reaktivitt von 5[OTf]3und 6[OTf]3gegenber Et3SiH mit
Moleklstruktur von [5(H)]2+.
Tabelle 3: Katalytische Hydrodefluorierung von 1-Fluoradamantan.[a]
Katalysator Ausbeute (Et3SiF) [%] Umsatz (C-F) [%]
1[OTf]2823
2[OTf]231 48
3[OTf]230 51
4[OTf]354 >99
5[OTf]356 >99
6[OTf]340 83
[a] Reaktionsbedingungen: CH3CN-Lçsungen, 10 mol% Katalysator,
0.13 M AdF, 2 q. Silan. Umsatz und Ausbeute nach 26 h bei Raum-
temperatur durch Integration von 19F-NMR-Spektren mit internem
Standard (PhF).
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4www.angewandte.de 2020 Die Autoren. Verçffentlicht von Wiley-VCH GmbH Angew. Chem. 2020,132,1–6
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Sukumar Varma, Polymer 1996,37, 4629– 4631.
[24] J. J. Jennings, B. W. Wigman, B. M. Armstrong, A. K. Franz, J.
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[25] a) E. L. Myers, C. P. Butts, V. K. Aggarwal, Chem. Commun.
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[26] a) R. J. Blagg, T. R. Simmons, G. R. Hatton, J. M. Courtney,
E. L. Bennett, E. J. Lawrence, G. G. Wildgoose, Dalton Trans.
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Wildgoose, H. Zaher, A. L. Thompson, N. H. Rees, T. Krmer,
D. OHare, J. Am. Chem. Soc. 2011,133, 14727–14740.
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[28] J. E. Radcliffe, J. J. Dunsford, J. Cid, V. Fasano, M. J. Ingleson,
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b) C. D. F. Kçnigs, H. F. T. Klare, M. Oestreich, Angew. Chem.
Int. Ed. 2013,52, 10076–10079; Angew. Chem. 2013,125, 10260–
10263; c) D. V. Gutsulyak, A. van der Est, G. I. Nikonov, Angew.
Chem. Int. Ed. 2011,50, 1384– 1387; Angew. Chem. 2011,123,
1420–1423.
[31] Die Hinterlegungsnummern 2023615, 2023616, 2023617,
2023618, 2023619, 2023620, 2023625 und 2023626 (Triflatsalze
von 12+,32+,22+,[2(F)]+,43+,63+,[6(OPEt3)]3+und [5(H)]2+)
erlauben Zugriff auf die ausfhrlichen kristallographischen
Daten zu dieser Verçffentlichung. Die Daten sind kostenlos
beim Access-Structures-Service des Cambridge Crystallographic
Data Centre und des Fachinformationszentrums Karlsruhe
erhltlich: www.ccdc.cam.ac.uk/structures.
Manuscript received: August 26, 2020
Accepted manuscript online: September 16, 2020
Version of record online: && &&,&&&&
A
ngewandte
Chemi
e
Zuschriften
5Angew. Chem. 2020,132, 1 –6 2020 Die Autoren. Verçffentlicht von Wiley-VCH GmbH www.angewandte.de
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Ü
Ü
Zuschriften
Silane
A. Hermannsdorfer,
M. Driess*
&&&& —&&&&
Isolierbare Silicium-basierte Polykationen
mit Lewis-Superaciditt
Durch Koordination eines Terpyridinli-
ganden an die Gasphasenspezies R2Si2+
und RSi3+werden isolierbare polykatio-
nische Komplexe erhalten, bei denen es
sich dennoch um Lewis-Supersuren
handelt. Umfassende Lewis-Acidittsbe-
stimmungen und Reaktivittsuntersu-
chungen belegen fr einen trikationi-
schen Siliciumkomplex die hçchste
bisher fr Silicium-basierte Kationen be-
kannte Lewis-Aciditt.
A
ngewandte
Chemi
e
Zuschriften
6www.angewandte.de 2020 Die Autoren. Verçffentlicht von Wiley-VCH GmbH Angew. Chem. 2020,132,1–6
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