Entwurf schwach gedämpfter
piezoelektrischer Ultraschallsysteme
zur Erlangung des akademischen Grades eines
DOKTOR-INGENIEUR (Dr.-Ing.)
der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik
der Universität Paderborn
genehmigte Dissertation
von
Dipl.-Ing. Christopher Kauczor
aus Kiel
Referent: Prof. Dr.-Ing. Horst Grotstollen
Korreferenten: Prof. Dr.-Ing. Jörg Wallaschek,
Prof. Dr.-Ing. Joachim Böcker
Tag der mündlichen Prüfung: 04. April 2008
Steinhagen 2009
iii
With magic, you can turn a frog into a prince.
With science, you can turn a frog into a Ph.D.
and you still have the frog you started with.
- Terry Pratchett, Ian Stewart und Jack Cohen,
The Science of Discworld
Vorwort
Die vorliegende Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbei-
ter der Fachgebiete Mechatronik und Dynamik sowie Leistungselektronik und Elektrische
Antriebstechnik der Universität Paderborn.
Jetzt, da ich die letzten Korrekturen an der vorliegenden Dissertation vornehme, denke ich
gerne an meine Zeit in den beiden Fachgebieten zurück. Ich möchte die Gelegenheit nutzen,
allen, die mich während meines Promotionsvorhabens begleitet haben, zu danken.
Zunächst danke ich meiner Familie für Ihre Unterstützung während der letzten Jahre. Mei-
ner Frau Britta danke ich ganz herzlich für ihr Vertrauen, ihre Rücksichtnahme, und dass sie
mir immer den Rücken frei gehalten hat. Unseren „Jungs“ Danil, Kirill und Nikolai danke
ich dafür, dass sie es immer wieder verstanden haben, meinen Blick auf die wesentlichen
Dinge des Lebens zu richten.
Außerdem möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr.-Ing. Horst Grotstollen für die Betreuung
und Begutachtung der Arbeit bedanken. Seine zahlreichen Ratschläge und wertvollen Hin-
weise waren mir immer eine große Hilfe. Herrn Prof. Dr.-Ing. Jörg Wallaschek danke ich
für die Übernahme des Korreferats und seine vielfältige Unterstützung. Herrn Prof. Dr.-Ing.
Joachim Böcker danke ich ebenfalls für sein Gutachten und für die Übernahme des Vorsitz
der Promotionskommission.
Darüber hinaus möchte ich den Herren Grotstollen, Wallaschek und Böcker aber auch für
die vielen gewährten Freiräume danken, was ein sehr kreatives, produktives und spannen-
des Arbeiten ermöglichte. Ihr Führungsstil der Fachgebiete hatte maßgeblichen Anteil an
dem herausragenden, freundschaftlichen Arbeitsklima. Einen großen Teil haben dazu auch
Dr.-Ing. Tobias Hemsel und Dr.-Ing. Norbert Fröhleke beigetragen, die mir immer mit Rat
und Tat zur Seite standen.
Für etliche fachliche Diskussionen, Hinweise und Anregungen danke ich Dr.-Ing. Thomas
Schulte und Dr.-Ing. Walter Littmann (danke auch für unvergessene Projektreisen). Herrn
Dipl.-Ing. Jens Twiefel danke ich vor allem für seine Unterstützung bei der Programmie-
rung von dSpace-Systemen. Dr.-Ing. Christian Hennig der Technischen Chemie, Universität
Paderborn, gebührt Dank für die gute Zusammenarbeit im Rahmen der Ultraschall-Stehwel-
lenzerstäubung. Herrn Dipl.-Ing. Roland Robrecht und Herrn Norbert Sielemann danke ich
für die praktische Unterstützung bei der Realisierung der Stromrichter.
Christopher Kauczor
iv
v
Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der verwendeten Formelzeichen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . vii
1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2 Piezoelektrische Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.1 Wirkprinzip . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Anwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.3 Charakterisierung piezoelektrischer Aktorsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.4 Speisekonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.4.1 Leistungsverstärker für quasistatisch betriebene Aktoren . . . . . . . . . . . . . . 25
2.4.2 Schaltende Leistungsverstärker für resonant erregte Aktoren . . . . . . . . . . . 27
2.5 Regelungsverfahren für Ultraschall-Aktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.5.1 Selbsterregte Schwingungssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.5.2 Phasenregelkreise (Phase Locked Loop, PLL) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
2.5.3 Strommaximum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
2.6 Zusammenfassung und Auswahl geeigneter Leistungsverstärker-Topologien . . . 41
3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten . . . . . . . . . . . . . . 42
3.1 Modell eines Dehnstabes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3.2 Modellierung der piezoelektrischen Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.2.1 Elektrische Eingangsadmittanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.2.2 Kurzschluss-Kernadmittanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.2.3 Längenauslegung des Horns und der Endmasse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.2.4 Normierungen des Aktormodells . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.3 Gesamtmodell einer Ultraschall-Schwingeinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3.3.1 Ersatzparameter der Schwingeinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3.3.2 Empfindlichkeit des mathematischen Modells . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.4 Modellvalidierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
3.5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4 Stromrichterkonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
4.1.1 Zeitbereichsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
vi
4.1.2 Grundschwingungsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4.1.3 Verlustleistungsberechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4.1.4 Magnetische Komponenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
4.2 Resonanzstromrichter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
4.2.1 Der LC-Resonanzstromrichter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
4.2.1.1 Grundschwingungsanalyse des LC-Resonanzstromrichters . . . . . . 79
4.2.1.2 Verlustleistungsberechnung für den LC-Resonanzstromrichter . . . 82
4.2.1.3 Wechselrichter-Wirkungsgrad des LC-Resonanzstromrichters . . . . 85
4.2.2 Der LLCC-Resonanzstromrichter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
4.2.2.1 Grundschwingungsanalyse des LLCC-Resonanzstromrichters . . . . 90
4.2.2.2 Verlustleistungsberechnung für den LLCC-Resonanzstromrichter . 94
4.3 Der Pulsstromrichter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
4.3.1 Auslegung des Pulsstromrichters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
4.3.2 Grundschwingungsanalyse des Pulsstromrichters . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
4.3.3 Verlustleistungsberechnung für den Pulsstromrichter . . . . . . . . . . . . . . . . . 105
4.3.4 Wechselrichter-Wirkungsgrad des Pulsstromrichters . . . . . . . . . . . . . . . . . 106
4.4 Vergleich der Stromrichterkonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
4.5 Stromrichterentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
4.5.1 Signalprozessorsystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.5.2 Anpassungsmodul . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.5.3 Pulsstromrichter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
4.5.4 Inbetriebnahme eines Pulsstromrichterssystems an einer Technikumsanlage zur
Ultraschall-Stehwellenzerstäubung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
5.1 Wesentliche Entwurfsziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
5.2 Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
6 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132
7 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134
8 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
vii
Verzeichnis der verwendeten Formelzeichen
Formel-
zeichen Bedeutung
Querschnittsfläche
Produkt aus Wickelfensterfläche und Kernquerschnitt magnetischer
Bauelemente (Flächenprodukt)
Aktorfläche, Elektrodenfläche
Magnetische Induktion
Schallgeschwindigkeit
Summe aus Filter- und Piezokapazität
Filterkapazitäten des Parallelresonanzkreises
Filterkapazitäten des Längsresonanzkreises
Schallgeschwindigkeit im Horn des piezoelektrischen Aktors
Laststeifigkeit
Aktorsteifigkeit
Schallgeschwindigkeit in der Endmasse des piezoelektrischen
Aktors
Steifigkeit des piezoelektrischen Materials
Kapazität im elektrischen Ersatzschaltbild des piezoelektrischen
Aktors
Laststeifigkeit repräsentierende Kapazität im elektrischen Ersatz-
schaltbild des piezoelektrischen Aktors
Piezokapazität
Tastverhältnis
Außendurchmesser der Piezoelemente
Innendurchmesser der Piezoelemente
Mechanische Dämpfung durch die Last
Mechanische Dämpfung der Schwingeinheit
Piezoelektrische Ladungskonstante
Kraft
Resonanzfrequenz des piezoelektrischen Aktors
Antiresonanzfrequenz des piezoelektrischen Aktors
Serienresonanzfrequenz beim LC-Resonanzkonverter
A
A
c
Aw
AP
B
c
Cf
C
f
p
Cfs
cH
cL
cm
c
M
cP
Cm
CL
CP
D
da
di
dL
dm
dP
F
f0
fa
fs
viii
Abstand zwischen Resonanz- und Antiresonanzfrequenz
Elastizitätsmodul des Hornmaterials
unspezifisches, allgemeines Elastizitätsmodul
Elastizitätsmodul des Endmassenmaterials
Elektrische Feldstärke
Spannungsübertragungsfunktion des LC-Resonanzkonverters
Spannungsübertragungsfunktion des LLCC-Resonanzkonverters
Spannungsübertragungsfunktion des Pulsstromrichters
Dicke eines Piezoelements
Strom der Serieninduktivität
Strom des Piezoaktor
Reverse-recovery Strom
Längsstrom des Ausgangsfilter
Transistorstrom
Wechselrichterstrom
Stromdichte
Kupferfüllfaktor magnetischer Bauelemente
Anzahl Piezoelemente
Übersetzungsverhältnis
Länge eines Dehnstabes
Filterinduktivität des Längsresonanzkreises
Filterinduktivität des Parallelresonanzkreises
Länge des Horns vom Ultraschallaktor
Länge der Endmasse vom Ultraschallaktors
Induktivität im Ersatzschaltbild des piezoelektrischen Aktors
Gütezahl
Aussteuerung
Gütezahl des beschalteten Aktors
Aktormasse
Ordnungszahl zur Filterauslegung des Pulsstromrichters
Formel-
zeichen Bedeutung
f
∆
EH
Em
E
M
EP
G
L
C
G
LLC
C
G
PWM
hP
i
L
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k
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u
kP
KP
l
Lfs
L
f
p
lH
l
M
Lm
M
mA
Mf
mm
n
PWM
ix
Übersetzungsverhältnis des Ausgangstransformators
Transformationsverhältnis eines Transformationsstücks
Wirkleistung
Durchlassverluste
Ausschaltverlustleistung
Einschaltverlustleistung
in Resonanz vom Wechselrichter gelieferte Wirkleistung
Güte des mechanischen Teilsystems
Ladung des piezoelektrischen Aktors
Reverse recovery Ladung
in Resonanz aufgenommene Blindleistung
Drain-Source Widerstand eines MOSFET
Ohmscher Widerstand im elektrischen Ersatzschaltbild des piezo-
elektrischen Aktors
Ohmscher Verlustwiderstand des Dielektrikums
Dioden-Snappiness oder Soft-Faktor
Elastizitätskonstante des piezoelektrischen Materials
Dehnung im piezoelektrischen Material
in Resonanz vom Wechselrichter gelieferte Scheinleistung
mechanische Spannung
Ausschaltzeit
reverse recovery Zeit
elektrische Aktorspannung
Zwischenkreisspannung
Wechselrichterausgangsspannung
Geschwindigkeit
Schwinggeschwindigkeit des Werkzeugs
Auslenkung
Auslenkung des Werkzeugs
Ausschaltverluste von Halbleiterventilen
Einschaltverluste von Halbleiterventilen
Formel-
zeichen Bedeutung
n
s
p
nT
P
Pd
P
o
ff
P
o
n
P
w
r
Qm
qP
Q
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r
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DS on()
Rm
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SD
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S
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r
T
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ff
t
r
r
u
C
p
Ud
u
w
r
v
vm
w
wm
W
o
ff
W
o
n
x
, Kurzschluss-Eingangsadmittanz (auch: Eingangsadmittanz)
, , Kurzschluss-Kernadmittanz vorwärts bzw. rückwärts (auch: Kernad-
mittanz)
Kurzschluss-Ausgangsadmittanz
Elektrische Impedanz des Piezoaktors
Filter-Parallelimpedanz
Filter-Serienimpedanz
Schallimpedanz des Horns
Gesamtimpedanz des LC-Resonanzkonverters
Gesamtimpedanz des LLCC-Resonanzkonverters
Impedanz des mechanischen Teilsystems
Schallimpedanz der Endmasse
Gesamtimpedanz des Pulsstromrichters
Steuerwinkel
Querschnittsverhältnis
Kapazitätsverhältnis
Kapazitätsverhältnis
Filterdämpfung
Dielektrizitätskonstante
Phase der Kurzschluss-Eingangsadmittanz des piezoelektrischen
Aktors
Phase der Kurzschluss-Kernadmittanz des piezoelektrischen Aktors
Magnetischer Fluss
Wellenlänge
Taktzahl des Pulsstromrichters
Wirkungsgrad
Materialdichte
Materialdichte des Horns
Materialdichte der Endmasse
Verhältnis Dehnung zu Auslenkung
Kreisfrequenz
Formel-
zeichen Bedeutung
Y
e
l
Y
1
1
Ym
Y
1
2
Y
2
1
Y
2
2
ZA
Z
f
p
Zfs
ZH
Z
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LLC
C
Zm
Z
M
Z
PWM
α
α
K
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s
γ
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ε
P
T
ϕe
l
ϕ
m
Φ
λ
λ
T
η
ρ
ρ
H
ρM
σ
P
ω
xi
Numerische Indizes werden verwendet, um physikalische Größen unterschiedlichen Rand-
flächen zuordnen zu können (z. B. Kräfte und ).
Der Index M kennzeichnet Größen, die der Endmasse eines piezoelektrischen Aktors zu
zuordnen sind. Die Indizes H und P werden verwendet, um die Zugehörigkeit zum Horn
bzw. zum piezoelektrischen Material deutlich zu machen.
Zeitlich veränderliche Größen werden durch Kleinbuchstaben gekennzeichnet (z. B.
) während Effektivwerte durch Großbuchstaben ausgedrückt werden (z. B. ).
Amplitudenwerte werden durch ein „Dach“ beschrieben (z. B. ), während komplexwer-
tige Funktionen durch Unterstreichen dargestellt werden (z. B. ).
Alle hier nicht aufgeführten Formelzeichen und Notationen werden im Text erläutert.
Kennkreisfrequenz des mechanischen Teilssystems
Kennkreisfrequenz eines Parallelfilters (Parallelschwingkreis)
Kennkreisfrequenz eines Längsfilters (Serienschwingkreis)
normierte Kreisfrequenz
Formel-
zeichen Bedeutung
ω
0
ω
p
ω
s
Ω
F1
F2
u
wr
t
()
U
w
r
u
ˆ
w
r
G
LC ω()
xii
1
1 Einleitung
Piezoelektrische Systeme gehören zum Alltag. Das wird zweifellos klar, wenn man sich vor
Augen hält, wo ihre Einsatzgebiete sind. Diese reichen von ihrem fast banal anmutenden
Einsatz in Feuerzeugen und Gasanzündern über die Materialver- und -bearbeitung bis hin
zur Medizintechnik, wo sie zur Wärmetherapie und in bildgebenden Verfahren eingesetzt
werden. Im Automobil sind piezoelektrische Einspritzventile moderner Dieselmotoren
nicht mehr wegzudenken und wurden sogar im Herbst 2005 mit dem Zukunftspreis des
Bundespräsidenten bedacht.
Die zugrunde liegenden Technologien und Wirkprinzipien sind seit Jahrzehnten bekannt.
Trotzdem werden immer noch neuartige Anwendungen erschlossen, wobei Ultraschallan-
wendungen hervorzuheben sind. Hier wird mit Hilfe eines piezoelektrischen Aktors eine
Schwingung erzeugt, die jenseits des hörbaren Bereiches liegt. Die Schwingbewegungen er-
zeugen dann beispielsweise den Vortrieb in Schwingungsantrieben.
Erfolgt die Auskopplung der Schwingungen in ein Medium, breiten sich in diesem Schall-
wellen aus. Ihre Anwendung ist durch die Ultraschallreinigung von Schmuck, optischen
Bauelementen oder Gussteilen hinreichend bekannt. Ein weiteres und neuartiges Einsatzge-
biet ist z. B. die Stehwellenzerstäubung, die eine energieeffiziente und somit umweltgerech-
te Herstellung verschiedenster Pulver gleichmäßiger Granulation erlaubt (Metall, Polymer).
Weitere Trends sind die Entwicklungen handgeführter Geräte mit Ultraschallaktoren, wie
z. B. Dentalwerkzeuge oder auch die Anwendung als Signalfilter in FBAR-Technologie
(Film Bulk Acoustic Wave Resonator) für mobile Geräte mit Funkschnittstelle [77].
Allen Ultraschallanwendungen gemeinsam ist ihr Bedarf an geeigneten Energieversorgun-
gen, die im aufwändigsten Fall Amplitude, Frequenz und Phase der Aktorspannung entspre-
chend den Umfeld-, Benutzer- oder Systemeinflüssen anpassen. Die Leistungs- und Signal-
flüsse zwischen den jeweiligen Komponenten eines Ultraschallsystems sind in Bild 1.1
skizziert: der Stromrichter versorgt einen Ultraschall-Aktor oder eine Ultraschall-Schwing-
einheit einschließlich Werkzeug mit der im Ultraschallprozess benötigten Leistung. Die Re-
gelung verwendet Messwerte der Schwingeinheit, um über den Stromrichter den optimalen
Betriebspunkt einzustellen. Denkbar ist ferner eine erweiterte Regelung, wenn auf Basis
Regelung
Stromrichter Ultraschallaktor
(Werkzeug) Prozess
Leistungsfluss Signalfluss
Bild 1.1: Komponenten eines Ultraschallsystems.
2 1 Einleitung
von Messwerten aus dem Ultraschallprozess über den Stromrichter und den Aktor der Pro-
zess selbst beeinflusst wird.
Die Energieversorgung sollte einerseits möglichst effizient arbeiten, andererseits aber auch
eine Miniaturisierung und kostengünstige Realisierung zulassen. Allerdings ändern sich die
Lastparameter für die Energieversorgung abhängig vom jeweiligen Ultraschallprozess oder
vom verwendeten Ultraschallaktor und Werkzeug. Dabei liegen komplexe Verkopplungen
mechanischer und elektrischer Teilsysteme vor, die den Entwurf optimal aufeinander abge-
stimmter Systeme erschweren. Daher kann eine Gesamtoptimierung nur zum Ziel führen,
wenn ein ganzheitliches Modell vorliegt.
Motivation dieser Arbeit ist daher, die Grundlagen für ein abgestimmtes Stromrichter/Ultra-
schallwerkzeugsystem zu erarbeiten. Dazu sollen die folgenden Fragen beantwortet wer-
den:
• Wie können Ultraschall-Schwingeinheiten modelliert werden, um ihre Last für eine
elektrische Spannungsversorgung zu beschreiben?
• Welche Stromrichterkonzepte sind zur Speisung piezoelektrischer Aktoren geeignet?
Welche Größen sind geeignet, um die untersuchten Konzepte bezüglich ihrer Eignung
zu charakterisieren, und mit welchen Modellen und Methoden können sie beschrieben
werden?
• Welche wesentlichen Erkenntnisse lassen sich hinsichtlich des Systementwurfs daraus
ableiten?
Die Beantwortung dieser Fragen wird in den nächsten Kapiteln erfolgen. Auf Basis einer
Literaturrecherche in Kap. 2 werden zunächst unterschiedlichste Anwendungen piezoelek-
trischer Aktoren gesammelt und vorgestellt. Anschließend werden mathematische Modelle
und Betriebsarten der piezoelektrischen Aktoren vorgestellt, die den zuvor behandelten An-
wendungen zugeordnet werden. Die jeweilige Betriebsart erlaubt außerdem die Formulie-
rung der Anforderungen an die speisende Leistungselektronik (Stromrichter). Für die jewei-
lige Betriebsart werden im Folgenden prinzipiell geeignete Stromrichterkonzepte vorge-
stellt. In der vorliegenden Arbeit liegt der Fokus insbesondere auf der Klasse der schwach
gedämpften Ultraschallsysteme, deren stark veränderliches Klemmenverhalten bei reso-
nanznahem Betrieb hohe Ansprüche an die speisende Leistungselektronik stellt und bislang
nur unzureichend untersucht wurden. Die geeignetsten Stromrichterkonzepte für diese Sy-
steme werden dann im weiteren Verlauf der Arbeit detaillierter betrachtet.
In Kap. 3 wird ein mathematisches Modell einer Ultraschall-Schwingeinheit vorgestellt.
Die Validierung des Modells mit einem realen System schließt dieses Kapitel ab.
Kap. 4 beschäftigt sich mit ausgewählten Stromrichterkonzepten. Im Rahmen dieses Kapi-
tels erfolgt eine Gegenüberstellung, die unterschiedliche Kriterien zur Bewertung piezo-
elektrischen Aktoren berücksichtigt. Dazu gehören z. B. die Eignung zur Speisung schwach
gedämpfter Systeme, Miniaturisierbarkeit der notwendigen Filterkomponenten und erreich-
bare Wirkungsgrade. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Eignung einer jeden
Stromrichtertopologie, flexibel für unterschiedliche piezoelektrische Systeme eingesetzt
werden zu können. Schließlich wird die Entwicklung eines Stromrichtersystems für eine
3
Ultraschall-Stehwellenanlage vorgestellt, die als Beispiel für die hier betrachteten schwach
gedämpften Ultraschallprozesse dient.
Die in Kap. 3 und Kap. 4 ermittel-
ten Ergebnisse werden in Kap. 5 zu-
sammengeführt. Hier wird das ge-
samte Ultraschallsystem, welches
sich aus der Mechanik in Form ei-
ner Ultraschall-Schwingeinheit und
aus der Leistungsstufe zusammen-
setzt, betrachtet. Dabei werden ins-
besondere die Kopplungen zwi-
schen Mechanik und Elektrik näher
beleuchtet. Ziel ist ein besseres Ver-
ständnis und „ein Blick für das
Ganze“, was vielfach auch als me-
chatronischer Entwurf bezeichnet
wird. Es sollen Antworten darauf
gefunden werden, wie sich z. B.
eine Änderung der Kapazität des
piezoelektrischen Anregesystems
auf das Volumen der Filterspulen
der Leistungsstufe auswirkt, oder
mit welchen Maßnahmen sich bei
der Auslegung des Schwingeinheit
ein günstiger Gesamtwirkungsgrad
erzielen lässt.
Gesamtmodell
(Kapitel 5)
Zusammenfassung und
Ausblick
(Kapitel 6)
Ultraschallaktor-
Modell
(Kapitel 3)
Stand der Technik
(Kapitel 2)
Einleitung
(Kapitel 1)
Stromrichterkonzepte
(Kapitel 4)
Bild 1.2: Kapitelstruktur.
4 2 Piezoelektrische Systeme
2 Piezoelektrische Systeme
Dieses Kapitel dient dazu, piezoelektrische Systeme im Allgemeinen vorzustellen. Dazu
werden nach einer kurzen Erläuterung der Wirkungsweise des piezoelektrischen Effekts
ausgewählte Anwendungsgebiete präsentiert. Die Auswahl der behandelten Einsatzgebiete
ist bewusst breit gewählt, um im nächsten Schritt eine schärfere Abgrenzung und Klassifi-
zierung der Betriebsarten der jeweils eingesetzten piezoelektrischen Systeme zu erlauben.
In den darauf folgenden Abschnitten wird der aktuelle Stand der einschlägig eingesetzten
Stromrichtertechnik aufgearbeitet, wobei insbesondere die leistungselektronischen Span-
nungsversorgungen der Ultraschallaktoren thematisiert werden. In diesem Zusammenhang
werden die jeweiligen Anforderungen an die speisende Leistungselektronik aufgrund unter-
schiedlicher Lastcharakteristiken aus der Anwendung herausgearbeitet, wobei Unterschiede
der Speisekonzepte deutlich werden. Die Besonderheiten der resonant betriebenen, piezo-
elektrischen Ultraschallaktoren (auch Ultraschall-Wandler oder Ultraschall-Schwingeinhei-
ten) mit schwacher Dämpfung bzw. großer Gütezahl, der sich die vorliegende Arbeit haupt-
sächlich widmet, werden in diesem Zusammenhang ebenfalls dargelegt. Ferner werden
regelungstechnische Maßnahmen zur Gewährleistung eines optimalen Betriebspunktes vor-
gestellt.
2.1 Wirkprinzip
Piezoelektrische Materialien haben die Eigenschaft, dass durch mechanische Verformung
elektrische Ladungen an ihren Oberflächen generiert werden (piezoelektrischer Effekt).
Dieser Effekt wird in technischen Anwendungen z. B. in Gaszündern, Mikrofonen und
Beschleunigungssensoren genutzt. Der inverse piezoelektrische Effekt ist zu beobachten,
wenn einem piezoelektrischem Material eine elektrische Spannung aufgeprägt wird: Das
Material verformt sich entsprechend seiner inneren Struktur und der Intensität des elektri-
schen Feldes. Genutzt wird dieses Verhalten zur Erzeugung von Bewegungen beispiels-
weise in Lautsprechern, Ventilsteuerungen und Ultraschallwandlern.
Voraussetzung für das Auftreten des beschriebenen Effektes ist das fehlende Symmetriezen-
trum in der Kristallstruktur. Natürliche piezoelektrische Werkstoffe sind Kristalle wie z. B.
Quarz, Turmalin und Seignettesalz. Künstlich hergestellte Materialien sind Piezokeramiken
wie Bariumtitanat, Bleizirkonattitanat (PZT) und Bleimetaniobat. Bei diesen Piezokerami-
ken handelt es sich um polykristallines Sintermaterialien, welche in den verschiedenen
Raumrichtungen unterschiedliches Verhalten zeigen (Anisotropie).
Das Material unterteilt sich in verschiedene, homogen polarisierte Bereiche. Diese soge-
nannten Domänen (Weisssche Bezirke) zeigen insgesamt zunächst noch kein piezoelektri-
sches Verhalten. Knapp unterhalb der vom Werkstoff abhängigen Curie-Temperatur können
die Domänen mit Hilfe eines starken elektrischen Feldes polarisiert werden, so dass sie eine
Vorzugsrichtung einnehmen. Nach dem Abkühlen des Materials bei gleichzeitiger Auf-
rechterhaltung des angelegten Feldes weist die Keramik piezoelektrische Eigenschaften auf,
2.1 Wirkprinzip 5
da die Vorzugsrichtung unterhalb der Curie-Temperatur erhalten bleibt. Sie kann durch hohe
Temperaturen, Kräfte oder durch die Polarisation entgegengerichteter, starker, elektrischer
Felder wieder aufgehoben werden.
Durch äußere elektrische Felder kann nun die Ausrichtung der Dipole und somit die Kri-
stallgeometrie beeinflusst werden. Dies äußert sich in einer Längenänderung des Körpers.
Legt man an den piezoelektrischen Körper statt einer konstanten Spannung eine Wechsel-
spannung an, tritt eine Längenänderung auf, die die gleiche Frequenz wie die angelegte
Spannung aufweist. Fällt die anregende Frequenz in die Nähe einer Eigenfrequenz des
angeschlossenen piezoelektrischen Systems, sind die erreichbaren Bewegungen besonders
groß.
Für die Erzielung der nutzbaren Dehnungen sind hohe Werte der elektrischen Feldstärke
erforderlich, die meistens auf problematisch hohe Betriebsspannungen führen. Aus diesem
Grund wird das piezoelektrische Element üblicherweise in mehrere Schichten unterteilt, die
mechanisch in Reihe und elektrisch parallel wirken. Ferner muss wegen der dynamischen
Längenänderungen und der hohen Zugempfindlichkeit darauf geachtet werden, dass das
Material aufgrund hoher innerer Zugkräfte beschädigt werden könnte. Man baut daher so
genannte Verbundschwinger auf; eine Prinzipskizze zeigt Bild 2.1.
Zwischen zwei Metallmassen befindet sich die meist in Form von piezoelektrischen Kreis-
ringen (Piezoringe)1 verwendete Keramik. Das piezoelektrische Material wird üblicher-
weise mit Hilfe einer Schraube zwischen den beiden Metallblöcken zusammengepresst. Die
Kraft, mit der das piezoelektrische Material vorgespannt wird, muss wenigstens so groß
sein wie die während des dynamischen Betriebs auftretenden Zugkräfte. Damit verhindert
man außerdem das „Klappern“ des Schwingers, d. h. die Kontaktflächen zwischen den ein-
zelnen Bauelementen des Verbundschwingers dürfen sich während des Betriebes nicht
kurzzeitig voneinander lösen.
1. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden die Kurzformen „Piezoringe“, „Piezokapazität“ usw.
verwendet, die sich immer auf Eigenschaften des piezoelektrischen Materials beziehen.
P
E
M
S
U
M
~
Bild 2.1: Prinzipskizze eines piezo-
elektrischen Verbundschwingers. Vor-
spannung der piezoelektrischen Ringe
(P) zwischen den beiden metallischen
Endmassen (M) durch eine Schraube
(S). Anregung der Piezoringe durch
die Spannung U über die Elektroden
(E). Die beiden Endmassen und die
Spannungsversorgung liegen auf ge-
meinsamem Potential.
6 2 Piezoelektrische Systeme
Der Bereich genutzter Arbeitsfrequenzen beginnt üblicherweise knapp oberhalb des vom
menschlichen Gehörs nicht mehr wahrnehmbaren Bereichs bei ca. 20 kHz und erstreckt
sich bis hin zu mehreren hundert kHz.
Den Aufbau einer vollständigen kaskadierten Ultraschall-Schwingeinheit oder auch Ultra-
schallaktor zeigt Bild 2.2. Die Schwingungsanregung erfolgt, wie oben beschrieben, durch
die Piezoelemente P. Die beiden Massen, zwischen denen die Piezoelemente vorgespannt
werden, sind hier als Endmasse M und Horn H bezeichnet. Zur Verstärkung der Schwing-
amplituden wird ein Transformationsstück, auch Booster bezeichnet, vorgesehen, welches
an das Horn angeschraubt wird. Die Amplitudenverstärkung erfolgt durch eine Quer-
schnittsänderung des Materials. Die Auskopplung der Ultraschallschwingung erfolgt über
das Werkzeug oder über die sog. Sonotrode. Die Konstruktion dieses Bauteils sieht meist
eine weitere Amplitudenverstärkung in Form eines Querschnittüberganges vor. Weiter-
führende Erläuterungen insbesondere zur Auslegung der jeweiligen Komponenten finden
sich in Kap. 3.
Die Wirkprinzipien der piezoelektrischen Schwingeinheiten sind hier nur knapp umrissen.
Für weitergehende Erklärungen sei auf die Literatur wie z. B. [1,3-5, 9, 44-47] verwiesen.
2.2 Anwendungen
Piezoelektrische Systeme haben sich in der Technik auf breiter Front durchgesetzt. Genutzt
wird dabei sowohl der piezoelektrische Effekt im Rahmen messtechnischer Anwendungen
und zur Energiegewinnung (Energy Harvesting), als auch sein inverses Pendant für Stell-
aufgaben und zur Schwingungserzeugung. Die in diesem Kapitel vorgestellten Anwendun-
gen stellen angesichts des außerordentlichen Umfanges der Anwendungsbereiche keinen
Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind als Beispielanwendungen zu verstehen, anhand derer
die grundlegenden Arbeitsweisen und genutzten Effekte erläutert werden.
Die Anwendungen piezoelektrischer Systeme unterscheiden sich maßgeblich hinsichtlich
der Energiewandlung des verwendeten Piezomaterials und des genutzten Effekts. Zu den
Anwendungen, die den direkten piezoelektrischen Effekt nutzen gehören z. B.:
!
Bild 2.2: Ultraschall-Schwingeinheit.
2.2 Anwendungen 7
• Druck- und Kraftmessung, Beschleunigungsaufnehmer, Energy Harvesting,
• Medizinische Diagnostik,
• Werkstoff- und Materialprüfung.
Zur Druck- bzw. Kraftmessung oder beim Einsatz als Beschleunigungsaufnehmer wird
das piezoelektrische Element prinzipiell als Generator genutzt. Die auf die Oberfläche wir-
kende Kraft erzeugt eine elektrische Spannung, die über Ladungsmessverstärker abgegrif-
fen und ausgewertet wird.
Eine Erweiterung dieses Verfahrens
ist die Energieerzeugung aus Umge-
bungskräften und deren Zwischen-
speicherung und Versorgung kleine-
rer elektrischer Schaltungen (Energy
Harvesting). Ziel ist, Batterien oder
Akkumulatoren, die sonst für die
Energieversorgung der jeweiligen
Schaltung benötigt würden, zu erset-
zen [6, 47]. Dies führt zu einem
reduzierten Wartungsaufwand und
stellt eine umweltschonende Ener-
gieversorgungstechnologie dar. In
Bild 2.3 ist beispielhaft das Prinzip
der Energiegewinnung aus der Umgebung anhand eines Schuhs abgebildet. Dabei soll die
Energie beim Auftreten mit Hilfe mehrerer mechanisch vorgespannter PZT-Biegeaktoren,
die im Absatz des Schuhs platziert wurden, genutzt werden. Ein zweites System, bestehend
aus einer Polyvinyl-Flourid Folie (PVDF stave), die ebenfalls als Biegeaktor eingesetzt
wird, nutzt die Energie beim Biegen der Schuhsohle. Die gewonnene Energie reicht aus,
einen Radiofrequenzsender zu betreiben, mit dem an die Umgebung Identifikationsdaten
des Schuhträgers gesendet werden können. Die gesendeten Daten können genutzt werden,
um z. B. Schließsysteme zu steuern.
Eine einschlägige Anwendungen ist die medizinische Diagnostik, die als Ergänzung zur
Röntgentechnik einzuordnen ist. Die Arbeitsweise ist ähnlich wie bei der Werkstoffprü-
fung. Ein kurzer Ultraschallimpuls wird in das zu untersuchende Medium abgestrahlt.2
Aufgrund unterschiedlicher Wellenimpedanzen treten an Störstellen innerhalb des zu unter-
suchenden Objekts Reflexionen und Interferenzen auf, die mit Hilfe einer entsprechenden
Bild 2.3: Beispiel für Energy Harvesting aus [6]
.
Sender
Fehler
Empfänger
Bild 2.4: Prinzip der Ultraschall-Werk
-
stoffprüfung mit dem Durchstrahlungver
-
fahren, siehe [14]. Der Vergleich zwische
n
dem vom Sender ausgesendeten und dem
mit dem Empfänger aufgenommene
n
Signals erlaubt Rückschlüsse auf Störunge
n
im untersuchten Medium.
8 2 Piezoelektrische Systeme
Informationsaufbereitung bildlich dargestellt werden können. Je nach verwendetem Prüf-
verfahren kann dabei zum Aussenden und Empfangen der Messsignale der gleiche Prüfkopf
verwendet werden (z. B. beim Impulsechoverfahren).
Beispiele für Anwendungen, bei denen der inverse piezoelektrische Effekt genutzt wird –
das piezoelektrische System arbeitet also als Aktor – lassen sich grob in drei Klassen unter-
teilen:
a) Quasistatisch betriebene Aktoren:
• Mikropositioniersysteme, Manipulatoren, Dieselinjektoren, aktive Schwingungsdämp-
fer
b) Resonant betriebene Aktoren zur Erzeugung einer Schwingbewegung
• Ultraschalltherapie, Dentalmedizin, Materialbe- und -verarbeitung in der Prozess- und
Verfahrenstechnik z. B. Reinigung, Drehen, Fräsen, Bohren, Schweißen, Drahtziehen,
Zerstäubung und Desintegration
c) Resonant betriebene Aktoren zur Erzeugung einer kontinuierlichen Bewegung
• Schwingungsantriebe: Ultraschall-Wanderwellenmotor, Paderborner Ruderer Motor,
Diese Klassifizierung wird im Folgenden näher betrachtet.
Piezoelektrische Aktoren liefern bei kleinen Stellwegen eine hohe Kraft und eignen sich
besonders für hoch genaue Positioniersysteme. Sie werden z. B. in der Medizin zur Zellma-
nipulation oder zur genauen Steuerung empfindlicher Optiken eingesetzt. Dabei werden
Positionieraufgaben im Sub-Nanometerbereich realisiert, wie sie in der Mikroskopie, für
Kippspiegelanordnungen oder zur Steuerung faseroptischer Systeme benötigt werden.
Ein prominentes Einsatzgebiet sind Vielschichtaktoren3 piezoelektrischer Dieselinjektoren
der aktuellen Common-Rail-Diesel Motoren. Hier muss bei kleinen Stellwegen gegen einen
sehr hohen Druck in den Zuleitungen (1600 bar in der 2. Produktgeneration) eine kontrol-
lierte Menge Kraftstoff in den Zylinder gebracht werden. Piezoelektrische Dieselinjektoren
erlauben das mehrfache Einspritzen des Kraftstoffes je Verbrennungszyklus und sorgen so
für einen ruhigen Motorlauf, hohes Motordrehmoment und Reduktion der Stickoxidemis-
sionen.
Als weitere Applikation sei hier noch die aktive Schwingungsdämpfung genannt. Dabei
werden Aktoren in eine schwingfähige Struktur eingebunden, und durch entsprechende
Ansteuerung können gezielt unerwünschte Schwingungen unterbunden werden. Verwendet
wird dieses Verfahren in Werkzeugmaschinen zur Versteifung der Gesamtstruktur im Auto-
mobilbau, in der Luft- und Raumfahrt usw. [7, 8].
Eine eigene Aktorkategorie stellen die Ultraschallwandler dar, die z. B. mit geringen Lei-
stungen (ca. 10-12 W, Schallintensität 3-4 ) in der medizinischen Ultraschallthera-
2. Dieser Ultraschallimpuls wird mit Hilfe piezoelektrischer Aktoren erzeugt, die demzufolge den
inversen piezoelektrischen Effekt nutzen. Das Anwendungsgebiet ist aber der Messtechnik zuzu-
ordnen, da für die Auswertung der direkte piezoelektrische Effekt genutzt wird.
3. Zur Stellwegvergrößerung werden üblicherweise mehrere Schichten Piezomaterial verwendet.
Diese Ausführungsformen werden als Stapel- oder Vielschichtaktoren (engl. Stack- bzw. Multilay-
eractuator) bezeichnet.
Wcm
2
⁄
2.2 Anwendungen 9
pie eingesetzt werden. Durch Einwirkungen des Ultraschalls wird der Stoffwechselprozess
der Zellen stimuliert, was zu einer erhöhten Durchblutung des Gewebes führt. Verwendet
wird Ultraschall zur Schmerztherapie und zur Hemmung von Entzündungsprozessen
[4, 14].
Hohe Ultraschallintensitäten werden üblicherweise bei der Prozess- und Verfahrenstechnik
benötigt. Dazu gehört z. B. die Ultraschallreinigung, die mit Beginn der 50er Jahre zu den
frühen Anwendungen des Ultraschalls gehört. In einer mit Reinigungsflüssigkeit gefüllten
Wanne erzeugen piezoelektrische Aktoren ein Schallfeld hoher Intensität. Infolgedessen
entsteht in der Flüssigkeit Kavitation: Kleine Gasbläschen, die beim Kollabieren in der
Druckphase kleine Implosionen mit sehr hohen Druckspitzen auslösen. Dies führt in ihrer
unmittelbaren Umgebung zu extremen Beschleunigungskräften, die auf den zu reinigenden
Objekten anhaftenden Schmutz lösen. Neben dieser mechanischen Funktion der Kavitation,
erzeugt man außerdem eine Strömung innerhalb des Reinigungsfluids, was zusätzliche Rei-
nigungswirkung hat [4, 14]. Die Ultraschallreinigung hat sich besonders in der metallverar-
beitenden und Elektroindustrie durchgesetzt. Aber auch die optische und glasverarbeitende
sowie Uhren- und Schmuckindustrie setzen dieses Verfahren ein. Vorteile sind kurze Reini-
gungszeiten und eine besondere Eignung für unregelmäßige und verwinkelte Oberflächen.
Die Frequenzen, mit denen gearbeitet wird, liegen bei ca. 20 kHz. Niedrigere Frequenzen
würden bereits im hörbaren Bereich liegen, während bei höheren Frequenzen für Kavitation
höhere Schallintensitäten benötigt werden. Für eine schonendere Reinigung empfiehlt sich
aber dennoch die Verwendung höherer Frequenzen. Die Schallintensitäten bei der Ultra-
schallreinigung liegen bei ca. . Für große Anlagen beläuft sich die benötigte
Gesamtleistung auf .
Zur Verfahrenstechnik gehört auch die Ultraschall-Stehwellenzerstäubung, die eine innova-
tive Alternative zur Herstellung von Pulverlacken darstellt [12, 15, 16, 79]. Dieses Ver-
fahren nutzt ein durch piezoelektrische Ultraschall-Leistungswandler erzeugtes Ultraschall-
0
,5-5 W cm
2
⁄
10 W l
⁄
Bild 2.5: Sonotroden und Zerstäuberdüse einer Ultraschallzerstäubungs-
anlage. Flüssiges Polymer wird von dem im Hintergrund befind-
lichen Extruder einer Zahnradpumpe zugeführt. Letztere pumpt
das Fluid durch die Düse in einen Schwingungsknoten des Steh-
wellenfeldes zwischen den beiden Sonotroden.
Sonotrode
Düse
10 2 Piezoelektrische Systeme
Stehwellenfeld hoher Intensität. Die beiden Schwingeinheiten stehen sich gegenüber, und
mit Hilfe konkaver Sonotrodenflächen werden die benötigten hohen Schallwechseldrücke
erzielt. Den Aufbau veranschaulicht Bild 2.5. Polymerschmelze wird tropfenförmig in
einen Schwingungsknoten des Stehwellenfeldes eingebracht, wo es aufgrund der hohen
Schallwechseldrücke zerstäubt wird. Damit sich ein Stehwellenfeld aufbaut, muss der
Abstand der beiden Sonotroden in Abhängigkeit von der Ultraschallfrequenz genau einge-
stellt werden. Das entstehende Polymerpulver ist die Basis für Pulverlacke und weist auf-
grund des Zerstäubungsvorganges sphärische Partikelformen definierter Größe auf. Dies
führt zu einer höheren Produktqualität, wodurch sich die Verarbeitung des Pulvers und die
Güte der bearbeiteten Oberfläche im Vergleich zu herkömmlich hergestellten Pulverlacken
verbessert. Weitere Vorteile der Stehwellenzerstäubung gegenüber der koventionellen Her-
stellungsmethode ist die Einsparung des energieaufwändigen Zermahlens und Sichtens. Das
Verfahren lässt sich ebenfalls auf die Zerstäubung von Metallschmelzen anwenden.
Im Rahmen der Materialverarbeitung finden sich etliche Einsatzgebiete von Ultraschall.
Wie bei der Ultraschallreinigung oder -Stehwellenzerstäubung werden hier hohe Schallin-
tensitäten benötigt. Industriell wird Ultraschall z. B. beim Kunstoffschweißen sehr häufig
eingesetzt, welcher über eine Sonotrode in das Material geleitet wird (vgl. Bild 2.6). Auf-
grund der inneren Reibungsverluste des zu verschweißenden Materials erwärmt sich dieses
soweit, bis es schmilzt oder sogar flüssig wird. Unter Druck können die Teile zusammenge-
fügt werden und gehen eine feste Verbindung ein. Vorteilhaft an diesem Verfahren ist u. a.,
dass die Wärme zum Schmelzen des Materials nicht von außen zugeführt werden muss, und
somit einerseits die Erhitzung des Werkzeuges entfällt, und andererseits eine sehr gleichmä-
ßige Erwärmung an der Fügestelle erreicht wird. Damit Unebenheiten der Teile an der
Schweißnaht ausgeglichen werden, sind oftmals Energierichtungsgeber an den Rohteilen
vorgesehen. Sie sorgen für einen linienförmigen Kontakt zwischen den zu verschweißenden
Teilen und konzentrieren die lokale Erwärmung des Materials. Abhängig vom Material
kann der Schall sowohl im Nah- als auch im Fernfeld zugeführt werden. Beim Nahfeld-
schweißen befindet sich die energiezuführende Sonotrode in unmittelbarer Nähe zur
Schweißverbindung, während beim Fernfeldschweißen der Schall über das Bauteil selbst
Sonotrode
bzw. Werkzeug
Ultraschall-
schwingung
F
Metallteil
Kunststoff
Bild 2.6: Kunststoffschweißen, Ver-
arbeitung von Metallteilen. Unter
Einwirken der Ultraschallschwingung
und gleichzeitigem Anpressen der So-
notrode auf das zu verarbeitende Me-
tallteil, sinkt dieses beim Schmelzen
des Kunststoffs ein. Nachfließendes
Material füllt die Rillen des Metall-
teils und bettet dieses nach Abkühlen
fest ein [14].
2.2 Anwendungen 11
zur Schweißfläche geleitet wird. Im zweiten Verfahren muß allerdings vorausgesetzt wer-
den, dass die innere Dämpfung des Materials klein ist, so dass noch ausreichend Energie an
der vorgesehenen Schweißnaht ankommt. Ohnehin können nur thermoplastische Kunst-
stoffe mit diesem Verfahren verarbeitet werden [1, 4].
Neben der Verbindung mehrerer Kunstoffteile untereinander können auch metallische
Komponenten verarbeitet werden. So ist es möglich, Nietverbindungen herzustellen und
Metallteile wie z. B. Gewindebuchsen aus Metall in Kunststoff einzubetten. Dazu presst die
Sonotrode das Metallteil auf eine zuvor gefertigte Bohrung, deren Durchmesser kleiner als
der Durchmesser des zu verarbeitenden Metallteils selbst ist. Die Ultraschallschwingungen
werden vom Metallteil weitergeleitet, was zur Erwärmung des Kunststoffes an den Kontakt-
stellen zwischen Metallteil und Kunststoff führt. Durch den aufgebrachten Druck sinkt das
mit Rillen ausgestattete Metallteil in den Kunstoff ein, und nach dem Abkühlen und Erhär-
ten besteht eine feste Verbindung, siehe Bild 2.6.
Ein Vorteil des Ultraschallschweißens ist die sehr kurze Prozesszeit, die auf die Erwärmung
im Inneren des Materials zurückzuführen ist. Die Ausführung einer Schweißverbindung
beläuft sich auf ca. eine Sekunde zuzüglich einer gewissen Zeit zur Abkühlung. Eingesetzt
wird das Verfahren in vielfältigen Industriezweigen. Beispielhaft genannt sei hier die Auto-
mobilindustrie sowie die Verpackungs- und Spielzeugindustrie.
Ultraschallschweißen lässt sich ebenfalls auf Metalle anwenden. Allerdings sind die
Schweißprozesse hier anderer Natur als beim Kunstoffschweißen, da es nicht zu einer ther-
mischen Verformung und somit auch nicht zu einem Verschmelzen kommt. Nach [1] gehen
die zu verschweißenden Teile eine Festkörperverbindung ein. Diese Art der Verbindung tritt
dann ein, wenn der Abstand zwischen den Molekülen der beiden Schweißteile so gering
wird, dass die Van-der-Waalschen Bindungskräfte wirksam werden. Der geringe Molekül-
abstand muss demzufolge durch den Schweißvorgang erzielt werden, wobei zunächst die
immer vorhandene Oberflächenrauhigkeit überwunden werden muss. Darüberhinaus müs-
sen Oxidschichten und Flüssigkeitsfilme auf den Oberflächen abgetragen werden. Durch
die Ultraschallschwingung, die unter Druck auf die Verbindungsstellen gebracht wird,
dispergieren zunächst diese Störschichten und die Rauhigkeitsspitzen der Oberflächen kön-
Sonotrode
F
Schwingung des
Werkzeugs
Schweißpunkt
Bild 2.7: Verschweißen von Metallteilen mit Ultraschall:
a) Prinzip; die Transversalschwingung des Werkzeugs und die gleichzeitig
aufgebrachte Anpresskraft auf die Sonotrode sorgEN für eine Festkör-
perverbindung.
b) Aufbau einer Bondsonotrode [76].
F
HornPiezoscheibe
n
Wedge
a) b)
12 2 Piezoelektrische Systeme
nen sich berühren. Durch plastische Verformung werden die Rauhigkeitsspitzen weiter
abgebaut, und eine Vergrößerung der Kontaktfläche tritt ein. Die Schallenergie wird dann
vollständig der Kontaktfläche zugeführt. Wichtig ist, den Ultraschall rechtzeitig abzuschal-
ten. Ansonsten wird die gerade fertig gestellte Schweißverbindung aufgrund von Ermü-
dungserscheinungen wieder geschwächt, was ihre Festigkeit reduziert [1].
Das Verfahren lässt sich gut verwenden, um auch Aluminium und Kupfer mit anderen
Metallen, Halbleitermaterialien oder keramischen Stoffen zu verschweißen. Die erzielten
Verbindungen zeichnen sich durch eine hohe Festigkeit aus, die laut [14] sogar die des
Materials selbst übersteigen kann. Die Anwendungen sind vielfältig, und das Verfahren
wird z. B. in der Elektroindustrie reichlich angewendet. Beginnend mit den Drahtbondern,
die feine Drahtverbindungen von der Chipfläche zur „Außenwelt“ herstellen, gibt es auch
Möglichkeiten zur Herstellung von Elektrolytkondensatoren. Dabei wird die verwendete
Aluminiumfolie mit dem Dielektrikum verschweißt. Auch das Verschweißen von Kupfer-
litze ist möglich.
Mit Ultraschall ist auch die Bearbeitung harter, spröder Werkstoffe wie Glas, Keramik, Fer-
rit, Halbleiter und Edelsteine möglich. Es handelt sich dabei in erster Linie um einen
Schleifvorgang, bei dem ein mit Ultraschallfrequenzen schwingender so genannter Bohr-
rüssel und eine Schleifsuspension das Material abtragen. Dadurch können beliebige Formen
gebohrt werden. Die mit dem Schleifmittel versetzte Flüssigkeit wird zweckmäßigerweise
durch eine Mittelbohrung des Bohrrüssels zugeführt, so dass immer frisches Schleifmittel
an der Bohrstelle vorhanden ist. Außerdem wird so verbrauchtes Schleifmittel und abgetra-
genes Material fortgespült. Die Leistungen, die für diesen Vorgang benötigt werden, betra-
gen einige hundert Watt. In [1] und [14] wird beschrieben, dass die Bearbeitungsgeschwin-
digkeit mit zunehmender Leistung bzw. Schwingamplitude des Werkzeugs zunächst stark
zunimmt, dann aber ein Sättigungseffekt eintritt. Eine weitere Erhöhung der zugeführten
Leistung hat dann keinen Sinn mehr.
Die Überlagerung eines klassischen spangebenden Bearbeitungsprozess wie Drehen, Fräsen
und Bohren mit einer im Ultraschallbereich ablaufenden Zusatzkinematik führt im Allge-
meinen zu einer Reduktion der Schnittkraft sowie zur Erhöhung der Arbeitsgeschwindig-
keit. Als weiterer positiver Nebeneffekt ist eine Verbesserung der Oberflächengüte des
bearbeiteten Materials zu verzeichnen, z. T. verbunden mit einer längeren Haltbarkeit der
Werkzeugschneiden. Dieser Themenkomplex ist aktuelles Forschungsgebiet in Industrie
und Hochschulen [12, 13].
Die in der obigen Aufzählung genannten Schwingungsantriebe nutzen ebenfalls Ultra-
schallschwingungen. Es gibt sie sowohl in rotatorischen als auch in translatorischen Aus-
führungsformen. Der Stator wird zu mikroskopischen, mechanischen Schwingungen ange-
regt, die zu elliptischen Bewegungen der Oberflächenpunkte führen. Durch Aufpressen
eines zweiten Bauteils (Rotor) mit der Kraft wirken die rotierenden Oberflächenpunkte
im Kontaktbereich wie Stößel, die aufgrund der Reibkraft zwischen antreibendem Stator
und Rotor eine Vorwärtsbewegung initiieren. Das Prinzip verdeutlicht Bild 2.8.
Ausschlaggebend ist die Art und Weise, mit der die elliptische Bewegung der Oberflächen-
punkte erreicht wird. Das ist u. a. durch die konstruktive Auslegung des schwingenden Sta-
tors zu realisieren. Eine Alternative besteht darin, eine zweisträngige, orthogonale Anre-
gung vorzusehen, bei der zwei voneinander unabhängige Piezosysteme von zwei ebenfalls
unabhängigen Stromversorgungen gespeist werden müssen. Ein typischer Vertreter dieses
FA
2.2 Anwendungen 13
Konzepts ist der Ultraschall-Wanderwellenmotor. Er besteht aus einem ringförmigen Stator,
in dem mittels piezoelektrischer Elemente durch eine orthogonale Anregung eine umlau-
fende Wanderwelle erzeugt wird. Wie oben bereits beschrieben führen die Oberflächen-
punkte des Stators dabei eine elliptische Bewegung aus. Der Rotor wird mit seiner so
genannten Kontaktschicht, bestehend aus einem elastischen, speziellen Kontaktwerkstoff,
durch eine Tellerfeder auf den schwingenden Stator gepresst, woraufhin die Oberflächen-
punkte in die Kontaktschicht eindringen und für den Vortrieb des Rotors sorgen. Die Kraft-
übertragung auf die Antriebswelle erfolgt über eine Tellerfeder. Bei translatorischen Antrie-
ben, wie z. B. beim Paderborner Ruderer-Motor, liegen sehr ähnliche Wirkungsprinzipien
vor. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Rotor durch einen Schlitten ersetzt wird,
der mit Hilfe einer Lagerung auf den antreibenden Stößel gepresst werden muss [2].
Im Vergleich mit konventionellen Elektromotoren weisen
piezoelektrische Schwingungsantriebe ohne Getriebe ein
vergleichsweise hohes Drehmoment bei kleinen
Geschwindigkeiten auf. Dies macht sie für den Einsatz als
Direktantriebe besonders interessant. Sie bieten bei hoher
Kraftdichte eine kompakte Bauform und sind selbsthem-
mend, wenn sie sich im energielosen Zustand befinden.
Prinzipbedingt sind Ultraschall-Antriebe unempfindlich
gegenüber magnetischen Feldern und verursachen selbst
auch nur geringe elektromagnetische Emissionen. Zur
Speisung werden hochfrequente Wechselspannungen
benötigt, und für einen effizienten Betrieb würde man ein
schaltendes Konzept auswählen (siehe nachfolgende
Kapitel), welches indessen seinerseits zu nicht vernachlässigbaren elektromagnetischen
Emissionen führen kann. Aufgrund ihres reibkraftschlüssigen Antriebskonzepts weisen
diese Motortypen eine geringere Haltbarkeit auf [11]. Die genannten Vorteile und insbeson-
dere der geräuscharme Betrieb führten zur Anwendung der Schwingungsantriebe im Kom-
fortbereich, wie z. B. im Automobil (Kopfstützen- und Lenkradverstellung). Inzwischen
haben sich Wanderwellenmotoren zum Antrieb von Autofokusobjektiven von Spiegelre-
F
A
F
R
F, v
angetriebenes
Bauteil (Rotor)
piezoelektrisch angeregter
hochfrequent schwingender Körper (Stator) Kontaktbereich
elliptische Bewegung
von Oberflächenpunkten
S S
Bild 2.8: Wirkprinzip piezoelektrischer Schwingungsmotoren, aus [2].
Bild 2.9: Ultraschallmotor
für Autofokusobjektive de
r
Firma Canon [74].
14 2 Piezoelektrische Systeme
flexkameras fest etabliert und werden in aktuellen Produktgenerationen verbaut. Ihr Vorteil
ist der ringförmige Aufbau (siehe Bild 2.9) sowie die hohe Präzision und Geschwindigkeit,
die sie als ideale Antriebe für diese Anwendung auszeichnet. Als Hersteller, die diese
Objektivtypen verwenden, seien hier insbesondere Canon und Nikon genannt [74, 75].
2.3 Charakterisierung piezoelektrischer Aktorsysteme
Nachdem im vorangegangenen Abschnitt eine breite Auswahl bekannter und etablierter
Anwendungen präsentiert wurden, soll im Folgenden eine Einordnung und Klassifizierung
der verwendeten piezoelektrischen Aktoren erfolgen. Daraus werden die Anforderungen an
die jeweils zu verwendende speisende Elektronik sowie ihre Abgrenzungen untereinander
abgeleitet.
Piezoelektrische Materialien wirken anisotrop, d. h. sie weisen in den unterschiedlichen
Raumrichtungen voneinander abweichendes Verhalten auf. Daher sind in den folgenden
Gleichungen streng genommen Tensoren einzusetzen, siehe [2, 9, 44]. Relevant sind in der
Praxis jedoch häufig nur bestimmte Raumrichtungen (z. B. in 3-Richtung), die dann durch
Indizes an Materialparametern und Variablen gekennzeichnet werden. So wird das Verhal-
ten eines piezoelektrischen d33-Aktors durch die linearen Materialgesetze folgendermaßen
beschrieben:
(2.1)
. (2.2)
Dabei liegt das E-Feld zusammen mit der Polarisationsrichtung des Materials in 3-Rich-
tung, und genutzt werden die auftretenden Dehnungen ebenfalls in 3-Richtung. Die Deh-
nung ergibt sich aus der mechanischen Spannung und der elektrischen Feldstärke
. Bei der Variablen handelt es sich um die Elastizitätskonstante des Materials bei
konstantem elektrischen Feld (das konstante E-Feld wird durch das hochgestellte „E“
gekennzeichnet). Der Parameter ist die piezoelektrische Ladungskonstante und ver-
knüpft mechanisches und elektrisches System miteinander. Die elektrische Verschiebungs-
dichte ergibt sich aus dem Produkt der piezoelektrischen Ladungskonstante mit der
mechanischen Spannung im Material sowie aus dem Produkt der elektrischen Feldstärke
mit der Dielektrizitätskonstante bei konstanter mechanischer Spannung. Aus Grün-
den der besseren Übersichtlichkeit wird im Folgenden die Darstellung
(2.3)
(2.4)
verwendet, wobei der Index „P“ alle Größen kennzeichnet, die die Piezokeramik betreffen.
Entsprechend [9] kann das oben angegebene Gleichungssystem in die Form
(2.5)
S
3s33
E
T3d33E
3
+=
D
3d33T3ε33
T
E
3
+=
S3
T3
E3
s
3
3
E
d
3
3
D3
d
3
3
T3
E3
ε3
3
T
S
PsP
E
TPdPE
P
+=
D
PdPTPεP
T
E
P
+=
F
P
c
P
w
P
K
P
u
C
p
–=
2.3 Charakterisierung piezoelektrischer Aktorsysteme 15
(2.6)
gebracht werden. Darin ist die auf den Aktor wirkende Kraft, die anliegende Span-
nung und die im Aktor gespeicherte Ladung. Der Parameter beschreibt die Steifig-
keit des mechanischen Teilsystems und ist die Piezokapazität. Der Faktor gibt die
Kopplung zwischen mechanischem und elektrischem Teilsystem des Aktors wieder. Letzt-
genannte Parameter ergeben sich aus Geometrie- und Materialkonstanten, und lauten für
einen -Aktor:
, und , (2.7)
mit als Fläche der piezoelektrischen Elemente, als Gesamtlänge und als Piezo-
schichtdicke. gibt die Anzahl der Piezoschichten an. Die Materialparameter sind die
Nachgiebigkeit , die piezoelektrische Ladungskonstante und die Dielektrizitätszahl
des piezoelektrischen Materials . In allgemeiner Darstellung ergibt sich der Wirkungs-
plan nach Bild 2.10, der zunächst eine beliebige, mechanische, an den Aktor angekoppelte
Struktur berücksichtigt, die eine mechanische Last repräsentiert, siehe z. B. [17], [42].
In Einsatzgebieten piezoelektrischer Aktoren wie z. B. Positionieraufgaben, wo es darauf
ankommt, definierte Stellwege auszuführen wie auch bei den im vorangegangenen Kapitel
erwähnten Dieselinjektoren, wird das resultierende Klemmenverhalten durch eine kapazi-
tive Last abgebildet. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass das Gesamtsystem weit unter-
halb seiner ersten Eigenfrequenz betrieben wird. Im Falle vergleichweise langsam ausge-
führter Bewegungen, bei denen innerhalb der mechanischen Last keine dynamischen Vor-
gänge auftreten, spricht man vom quasistatischen Betrieb. Elektrische Verluste im Dielektri-
kum werden durch einen ohmschen Widerstand modelliert. In der Praxis sind die Verluste
allerdings sehr gering, so dass sie üblicherweise vernachlässigt werden können [22].
Berücksichtigung muss allerdings das nichtlineare Hystereseverhalten des piezoelektri-
schen Materials finden, was besonders wichtig für das Einsatzgebiet der Mikropositionier-
technik ist, siehe [19]. Die Hysterese, die sich bei Spannung- bzw. Ladungsspeisung in der
Auslenkung ergibt, veranschaulicht Bild 2.11. Dabei fällt auf, dass die Auslenkung bei
Ladungsspeisung näherungsweise linear verläuft. Aus diesem Grund werden derartige
q
P
K
P
w
P
C
P
u
C
p
+=
FP
u
C
p
qP
cP
CP
KP
d
3
3
cP1
sP
E
-----
A
P
lge
s
-----
---
⋅=KP
d
P
sP
E
-----
A
P
hP
---
---
⋅=CP
kPAP
hP
------------ εP
TdP
2
sP
E
------
–
⋅=
AP
l
ge
s
hP
kP
sP
E
d
P
εP
T
1
+
+
+
-
mechanische
Struktur
FPFext
KP
KP
uCp
iPqPwP
1/cP
wex
t
Bild 2.10: Wirkungsplan eines piezoelektrischen Aktors.
16 2 Piezoelektrische Systeme
Systeme bevorzugt mit Hilfe ladungs- oder stromeinprägenden Konzepten gespeist. Einige
Beispiele dazu werden in Kap. 2.4.1 aufgeführt.
Im Falle der Anregung in der Nähe einer Systemeigenfrequenz (resonanter oder resonanz-
naher Betrieb) erzielt man höhere Schwingamplituden, die sonst nur mit erheblich höheren
elektrischen Spannungsamplituden möglich wären. Das Klemmenverhalten wird dann
durch eine komplexe Impedanz beschrieben, welche sich abhängig von der gewählten
Anregefrequenz und der vorliegenden Dämpfung ändert. Das elektrische Ersatzschaltbild
eines Piezoaktors, der in der Nähe seiner Resonanz betrieben wird, ist in Bild 2.12 darge-
stellt. Diese Darstellung macht sich die elektrisch-mechanische Analogie zu nutze, bei der
eine Masse durch eine Induktivität , die Steifigkeit durch eine Kapazität und
Dämpfungsanteile durch ohmsche Widerstände repräsentiert werden [9]. Damit erhält
man eine Darstellung, die ausschließlich elektrische Bauelemente verwendet. Die dielektri-
schen Verluste sind in der Regel frequenzabhängig. Da die Betriebsfrequenz des Aktors
allerdings nur auf einen engen Frequenzbereich beschränkt ist, kann eine Modellierung mit
Hilfe eines ohmschen Widerstandes erfolgen. Des Weiteren sind die dielektrischen Ver-
luste so gering, dass sie üblicherweise vernachlässigt werden können (siehe auch Kap. 2.3).
Parallel zu diesem Verlustwiderstand liegt die so genannte Piezokapazität , die bereits
bei den Betrachtungen des Klemmenverhaltens quasistatisch betriebener Piezoaktoren
erläutert wurde.
In Bild 2.12 a wird die Kopplung zwischen elektrischem und mechanischem Teilsystem
durch einen idealen Übertrager mit dem Übersetzungsverhältnis beschrieben. Das
mechanische Teilsystem setzt sich aus dem Dämpfer , der Masse und der mechani-
schen Steifigkeit des Aktors zusammen. Dieses System ist ein schwingfähiger Serien-
schwingkreis der in unmittelbarer Nähe seiner Resonanz betrieben wird.
An seinem Ende schwingt der Aktor mit der Geschwindigkeit , und an der mechanischen
Last greift die Kraft an. Für die Last selbst wird die Annahme getroffen (vgl. [45]), dass
sie durch veränderliche Dämpfung und Steifigkeit ersetzt werden kann (Kontaktmechanis-
Bild 2.11: Hystereseverhalten eines piezoelektrischen Aktors für Positionierauf-
gaben (aus [20]): Die Auslenkung eines Aktors weist unterschiedliche
Hystereseschleifen auf, je nachdem ob eine Spannungs- oder Ladungs-
speisung vorliegt.
Auslenkung vs. Spannung Auslenkung vs. Ladung
11
0,5 0,5
00
Spannung uCp /uCp,max Ladung qCp /qCp,max
Auslenkung
∆
l/
∆
lmax
Auslenkung
∆
l/
∆
lmax
m
L
c
C
d
R
RV
CP
1:KP
dm
mm
cm
vm
FL
2.3 Charakterisierung piezoelektrischer Aktorsysteme 17
mus). Im Betriebspunkt wird eine Linearisierung mittels eines Feder-Dämpfer-Systems
durchgeführt. Diese Linearisierung führt zu der zusätzlichen lastabhängigen Dämpfung
bzw. Steifigkeit im Ersatzmodell.
Wird das mechanische Teilsystem über den Übertrager auf die Primärseite transformiert,
und vernachlässigt man den Verlustwiderstand , erhält man das in der Literatur etablierte
vereinfachte Ersatzschaltbild nach Bild 2.12 b. Die entsprechenden Werte der Bauelemente
berechnen sich dann aus
, und . (2.8)
Die Parameter , , und können z. B. mit Hilfe von Identifikationsverfahren
nach [41] oder [45] ermittelt werden.
In der Praxis liegen typischerweise mehrere Resonanzfrequenzen des mechanischen Teils
vor. Diese können im Ersatzschaltbild durch zusätzliche, parallel zur Piezokapazität ange-
ordnete Serienschwingkreise dargestellt werden.
Die Parameter der beiden verwendeten Ersatzschaltbilder können z. B. aus Messungen
gewonnen werden [45]. Analytische Berechnungen, die auf die verwendeten Induktivitäts-
und Kapazitätswerte und den Übertragungsfaktor des idealen Übertragers führen, sind
Thema in Kap. 3.
Aus dem angegebenen Ersatzmodell kann nach der Vierpoltheorie für den Fall der harmoni-
schen Anregung eine Admittanzmatrix erstellt werden. Die Admittanzmatrix stellt den
Zusammenhang zwischen den komplexen Amplituden des Eingangsstroms , der Span-
nung , sowie zwischen der mechanischen Schwinggeschwindigkeit und der am
Aktor befindlichen Last, an der die Kraft angreift, dar. Die Amplitude der Kraft
bestimmt sich aus
, (2.9)
wobei . Die Admittanzmatrix lautet somit
dL
cL
RV
uCp FL
iPvm
CP
RVCP
mmdm
dL
cm
1
1:KP
cL
1
uCp
iPim
Rm+RL
Cm CL
Cm+CL
Lm
Bild 2.12: Ersatzschaltbild eines resonanznah betriebenen Ultraschall-Aktors.
a) Darstellung mit Berücksichtigung der mechanischen Kopplung in Form
eines idealen Übertragers, b) vereinfachte Darstellungsweise.
a) b)
L
m
mm
K
P
2
---
----
=
C
mK
P
2
cm
---
----
=
R
m
d
m
K
P
2
---
----
=
mm
cm
KP
dm
I
ˆP
U
ˆ
C
p
V
ˆm
F
ˆL
F
ˆL
F
ˆL
–
dLV
ˆmcLW
ˆm
+V
ˆmdLjcL
ω
----
-
–
==
W
ˆ
mV
ˆ
mjω()⁄=
18 2 Piezoelektrische Systeme
(2.10)
mit
, , (2.11)
sowie . (2.12)
ist die Kurzschluß-Eingangsadmittanz, und werden als Kurzschluss-Kernad-
mittanzen rückwärts bzw. vorwärts, und wird als Kurzschluss-Ausgangsadmittanz
bezeichnet. Mit Anwendung der Kirchhoffschen Gleichungen und unter Berücksichtigung
der in Gl. (2.11) bzw. Gl. (2.12) angegebenen Bedingungen ( bzw. )
ergibt sich . Zur besseren Lesbarkeit werden im folgenden die Abkürzungen
und verwendet. Die Admittanzen berechnen sich zu
, (2.13)
(2.14)
und
. (2.15)
In der Kurzschluss-Eingangsadmittanz treten bei Anregung mit entsprechender Fre-
quenz zwei wichtige Sonderfälle auf. Es handelt sich um den Fall der Resonanz bzw. Anti-
resonanz. Die Resonanzfrequenz berechnet sich bei Vernachlässigung der
mechanischen Dämpfung aus
bzw. . (2.16)
I
ˆP
V
ˆm
Y11 jω()Y12 jω()
Y21 jω()Y22 jω()
U
ˆCp
F
ˆL
Y11 jω()Y12 jω()
Y21 jω()Y22 jω()
U
ˆCp
V
ˆmdLjcL
ω
-----
–
==
Y
11
I
ˆ
P
U
ˆCp
----------
F
ˆL
0
=
=Y12
I
ˆ
P
F
ˆL
------
U
ˆCp
0
=
=
Y
21
V
ˆ
m
U
ˆCp
----------
F
ˆL0=
=Y22
V
ˆ
m
F
ˆL
-------
U
ˆCp
0
=
=
Y
1
1
Y
1
2
Y
2
1
Y
2
2
U
ˆ
Cp
0
=
F
ˆ
L
0
=
Y
12
Y
2
1
=
Y
el
Y
1
1
=
Y
m
Y
12
Y
2
1
==
Y
el jω() jωCP
KP
2
jωmmdm
cm
jω
------
++
---------------------------------------
+jωCP1
jωLmRm1
jωCm
----------
---
++
-------------------------------------------
----
+==
Y
mjω()
K
P
jωmmdm
cm
jω
------
++
---------------------------------------
1K
P
⁄
jωLmRm1
jωC
m
----------
---
++
-------------------------------------------
----
==
Y
22 jω() 1
jωmmdm
cm
jω
------
++
--------------------------------------- 1KP
2
⁄
jωLmRm1
jωC
m
----------
---
++
-------------------------------------------
----
==
Yel
f
0ω0
2
π()⁄
=
f01
2π
------ cm
mm
-------=f0
1
2π
------
1
LmC
m
---------------
---
=
2.3 Charakterisierung piezoelektrischer Aktorsysteme 19
In diesem Betriebsfall wird das mechanische Teilsystem, bestehend aus Steifigkeit, Masse
und Dämpfung, resonant angeregt.
Die Antiresonanzfrequenz wird mit
bzw. (2.17)
berechnet. Hier wird der Parallelschwingkreis, bestehend aus der Piezokapazität und
dem mechanischen Teilsystem, resonant angeregt.
Die beiden Admittanzen und in Abhängigkeit von der Frequenz sind in Bild 2.13
dargestellt. Man erkennt am Verlauf der Beträge der betrachteten Admittanzen eine Reso-
nanzüberhöhung. Neben der Frequenzabhängigkeit ist noch der Einfluss der mechanischen
Last auf das Klemmenverhalten abgebildet. Dazu wurden Lastdämpfung und -steifigkeit,
repräsentiert durch bzw. , variiert. Für zunehmendes wird die Betragskennlinie
der Admittanzen in vertikaler Richtung gestaucht, was auf die reduzierte Güte des
Serienschwingkreises, gebildet von , zurückzuführen ist. Die Güte berechnet
sich gemäß
. (2.18)
Die Phase der beiden Admittanzen wird ebenfalls von der Dämpfung beeinflusst. Während
für ein schwach gedämpftes System (Kennlinie 1) das Maximum mit einem Phasennull-
durchgang näherungsweise zusammenfällt, verschwindet dieser Nulldurchgang in der elek-
trischen Eingangsadmittanz , sobald eine kritische Dämpfung überschritten wird (Kenn-
linie 3). Dieser kritische Wert wird mit Hilfe der Gütezahl bestimmt (siehe [44] und
[48]), und berechnet sich aus:
. (2.19)
Die Gleichung stellt das Verhältnis von Blind- zu Wirkwiderstand bzw. Wirk- zu Blindlei-
stungsaufnahme des Aktors bei Betrieb in seiner mechanischen Resonanzfrequenz dar. In
[48] ist gezeigt, dass für Gütezahlen bzw. kein Phasennulldurchgang
mehr auftritt. Der Wert ist ein Näherungswert, für den die Phasenkennlinie von
die 0°-Linie tangiert. Gültig ist diese Näherung im Falle einer hohen mechanischen Güte
( ). Für sind wieder zwei Phasennulldurchgänge vorhanden. Geht man
zunächst von einem System mit großer Gütezahl aus, und vergrößert die Dämpfung, be-
obachtet man, dass der Phasennulldurchgang bei höheren Frequenzen liegt als das Maxi-
mum der Admittanzkennlinie. Ähnlich verhält es sich mit der Frequenz des Phasennull-
durchgangs der Antiresonanz, die sich unterhalb des Minimums der Admittanz bewegt. Die
beiden Phasennulldurchgänge bewegen sich also aufeinander zu. Damit gilt für stärker
gedämpfte Systeme nicht mehr die Annahme, dass die Lage des Phasennulldurchgangs mit
dem Resonanzmaximum übereinstimmt. Die Kernadmittanz weist hingegen immer nur
einen Phasenulldurchgang auf. Allerdings verringert sich mit zunehmender Dämpfung die
Steigung in diesem Punkt. Das gleiche Verhalten wird beobachtet, wenn die Piezokapazität
fa
faf01KP
2
mmC
P
-----------
----
+= faf01C
m
C
P
---
----
+=
CP
Y
e
l
Ym
Rm
Cm
Rm
Qm
R
m
-L
m
-Cm
Q
m1
Rm
-------Lm
C
m
---
----
=
Yel
M
M
Qm
Cm
CP
-------
⋅1
ω0RmC
P
-----------------
----
==
M2
<ϕ
el
089
,>
cos
M2=
Yel
Q
m
50
>
M2
>
Ym
20 2 Piezoelektrische Systeme
vergrößert wird.
Als weitere Variation wurde die Laststeifigkeit angepasst, deren Erhöhung eine Ver-
schiebung der Kennlinien entlang der Frequenzachse verursacht (Kennlinie 4). In der Praxis
ist immer mit der Überlagerung einer Lastdämpfung mit einer Steifigkeitsänderung zu rech-
nen. Wie bereits angedeutet, werden piezoelektrische Ultraschallaktoren mit ihrer Eigenfre-
quenz, also mit der Resonanzfrequenz , betrieben. Aufgrund der in Bild 2.13 dokumen-
tierten Lastabhängigkeit ist offenbar eine Regelung nötig, die für die Nachführung der
Anregefrequenz sorgt. Aspekte zur Phasenregelung werden noch detaillierter in Kap. 2.5
thematisiert.
Die Last, die ein Piezoaktor für die speisende Leistungselektronik darstellt, ist sehr stark
von der Frequenz abhängig, und es lassen sich folgende Schlussfolgerungen formulieren:
Unterhalb der Resonanzfrequenz und oberhalb der Antiresonanzfrequenz liegt kapaziti-
ves Klemmenverhalten vor. Zwischen Resonanz- und Antiresonanzfrequenz wirkt der
Aktor induktiv, solange die Gütezahl größer 2 ist. Im Falle einer Anregung genau in
einem der beiden Phasennulldurchgänge der elektrischen Eingangsadmittanz ist der
Aktor rein resistiv.
Oberschwingungen, die typischerweise in der Wechselrichterspannung enthalten sind,
werden über den niederimpedanten Pfad, den die Piezokapazität bildet, oder auch
durch die bereits erläuterten Serienschwingkreise anderer Schwingungsformen kurzge-
CP
cL
f0
0.0001
0.001
0.01
-75
-50
-25
0
25
50
75
19000 19200 19400 19000 19200 19400
RL
RL
CL
CL
Arg{Ym} in ˚
Arg{Yel} in ˚
|Ym| in (m/s)/V
|Yel| in A / V
f in Hz f in Hz
f0f0
0.001
0.01
0.05
-75
-50
-25
0
25
50
75
CL
CL
RL
RL
1
2
3
4
1
2
3
4
1
2
3
4
1
2
3
4
Bild 2.13: Admittanzen eines Piezoaktors in der Umgebung seiner Resonanz:
a) Kurzschluss-Eingangsadmittanz und b) Kurzschluss-Kernad-
mittanz mit , Parameter:
(1) , , , ,
(2) , , , ,
(3) , , , ,
(4) , , , .
Y
el ω()
Y
mω() ω
2
π
f=
R
m
=20
Ω
C
m
=0,2 nF
L
m
=0,346 H
C
P
=10 nF
R
m
=100
Ω
C
m
=0,2 nF
L
m
=0,346 H
C
P
=10 nF
R
m
=500
Ω
C
m
=0,2 nF
L
m
=0,346 H
C
P
=10 nF
R
m
=100
Ω
C
m
=0,2012 nF
L
m
=0,346 H
C
P
=10 nF
a) b)
M
Y
e
l
CP
2.3 Charakterisierung piezoelektrischer Aktorsysteme 21
schlossen. Um die damit verbundenen Verluste innerhalb des Aktors gering zu halten,
sind deswegen Mindestanforderungen an die spektrale Güte der Speisespannung zu stel-
len. Andernfalls muss man zusätzliche Erwärmung und mechanische Belastungen des
piezoelektrischen Aktors in Kauf nehmen.
Anwendungsbeispiele, bei denen eine sehr hohe Systemdämpfung und somit keine ausge-
prägte Resonanzüberhöhung vorliegen, finden sich bei der Ultraschall-Reinigung, bei der
das Reinigungsbad eine sehr hohe Dämpfung darstellt, oder auch bei den Schwingungsan-
trieben. Für die Antriebe stellen einerseits die prinzipbedingte Reibung durch reibkraft-
schlüssigen Kontakt der schwingenden Oberflächenpunkte als auch die angetriebene Last
eine hohe Dämpfung dar. Bei hoher Dämpfung kann man das elektrische Klemmenverhal-
ten, ähnlich wie beim quasistatischen Betrieb, durch eine Parallelschaltung der Piezokapazi-
tät mit einem Widerstand abbilden [48]. Für den Fall der schwachen Dämpfung stellt sich
eine Lastimpedanz ein, die sowohl kapazitiv, als auch induktiv und resistiv sein kann. In
den Anwendungen findet man diesen Fall z. B. bei der aktiven Schwingungsdämpfung, bei
Schwingköpfen medizinischer Anwendung und zur Werkstoffprüfung und bei Aktoren der
Ultraschallbe- und -verarbeitung.
Piezoelektrische Aktoren
Betriebsart
Elektrisches
Lastverhalten
Anwendungen
...
...
quasistatisch
RC-Last
(kapazitiv) RC-Last
(kapazitiv)
Dieselinjektoren
Positionier-
antriebe
resonanznah/resonant
US-Schwin-
gungsantriebe
US-Reinigung
starke
Dämpfung schwache
Dämpfung
US-Schweißen
US-Stehwellen-
zerstäubung
...
RLC-Schwingkreis
(kapazitiv/
resistiv/
induktiv)
Bild 2.14: Einordnung piezoelektrischer Aktoren.
22 2 Piezoelektrische Systeme
Die relevanten Betriebsarten und ihre Bedeutung hinsichtlich möglicher Anwendungen sind
in Bild 2.14 noch einmal zusammengefasst. Hervorgehoben sind dabei Anwendungen die
den Aktor so nutzen, dass sein Klemmenverhalten einer kapazitiv/resistiv/induktiven Last
entspricht. Zu dieser Anwendungsgruppe gehört das Ultraschall-Schweißen und die Ultra-
schall-Stehwellenzerstäubung. Außerdem gehören zu dieser Gruppe auch Verfahren, bei
denen eine Ultraschallschwingung einem konventionellen Prozess überlagert wird, um z. B.
eine Verringerung der Schnittkräfte bei der Materialverarbeitung oder eine Erhöhung von
Verarbeitungsgeschwindigkeiten zu erzielen.
Das stark veränderliche Klemmenverhalten stellt – wie im nächsten Kapitel noch gezeigt
wird – hohe Ansprüche an die speisende Leistungselektronik. Detaillierte Betrachtungen
erfolgen im weiteren Verlauf der Arbeit.
2.4 Speisekonzepte
Nachdem im vorangegangenen Abschnitt eine Einordnung der piezoelektrischen Aktorsys-
teme erfolgt ist, werden nun unterschiedliche Konzepte zu ihrer Speisung vorgestellt.
Bewusst wurden auch Konzepte für quasistatisch betriebene Aktoren in dieses Kapitel auf-
genommen. In diesem Kapitel soll deutlich werden, in welcher Weise die Leistungselektro-
nik den jeweiligen Anforderungen der unterschiedlichen Betriebsfälle gerecht werden
muss. Damit wird einerseits eine Beurteilung andererseits eine schnelle Einordnung hin-
sichtlich des technischen Einsatzgebietes neuer oder alternativer Speisekonzepte ermög-
licht. Da das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit auf den schwach gedämpften, reso-
nant betriebenen Aktorsystemen liegt, können Konzepte für die anderen Betriebsfälle nur
am Rande behandelt werden.
Analoge Verstärkerkonzepte
Die Arbeitsweise analoger Verstärker wird anhand einer Gegentaktstufe nach Bild 2.15
erläutert. Die Spannung des Zwischenkreises wird mit Hilfe einer direkten Netzgleich-
richtung, die einen Zwischenkreiskondensator speist, gewonnen. Die Transistoren der
Gegentaktstufe arbeiten – sehr vereinfacht ausgedrückt – als einstellbare Widerstände. Dazu
wird das Eingangssignal des Verstärkers in Steuersignale für die Transistoren umgewandelt,
die dadurch einen verstellbaren Spannungsteiler bilden. Es stellen sich bei sinusförmigem
Eingangssignal in den Transistoren die in Bild 2.15 gezeigten Strom- und Spannungsver-
läufe ein. Zum Zeitpunkt wird der Aktor mit maximalem Strom geladen, der Zeitpunkt
ist erreicht, wenn die Aktorspannung ihren Scheitelwert erreicht, und bei wird der
Aktor wieder mit maximalem Strom entladen.
Ein entscheidender Nachteil dieses Verstärkerkonzepts sind die prinzipbedingten hohen
Verluste in der Leistungsstufe. Nach [22] sind für analoge Verstärker theoretisch Wirkungs-
grade von maximal 78,5% möglich. In der Praxis ist aber eher mit Werten von nur ca. 65%
für reine Sinussignale bzw. 45-50% für praktisch auftretende Signalformen, die mit Ober-
schwingungen behaftet sind, zu rechnen. Zurückzuführen sind die hohen Verluste darauf,
dass immer sowohl Strom als auch Spannung über dem aktiven Transistor anliegen, und
somit permanent Leistung im Bauteil umgesetzt wird.
UB
t1
t2
t3
2.4 Speisekonzepte 23
Mit Analogverstärkern können sehr hohe Stromspitzen in Verbindung mit geringen Ver-
zugszeiten realisiert werden, wodurch der sehr hohe Dynamikbereich der Piezoaktoren
nutzbar wird. Allerdings müssen diese positiven Eigenschaften mit sehr hohem Kühlungs-
aufwand bezahlt werden. Eine Miniaturisierung eines piezoelektrischen Systems mit einem
Analogverstärker ist daher kaum möglich. Sinnvoll eingesetzt werden sie, wenn geringe
Leistungen bei gleichzeitig hoher Güte der Speisespannung verlangt werden.
Schaltende Verstärker
Eine Alternative zu Analogverstärkern sind schaltende Verstärkerkonzepte (Stromrichter).
Diese Verstärkertypen nutzen die Transistoren der Leistungsstufe nicht als veränderliche
Widerstände, sondern als Schalter. So erreicht man, dass im sperrenden Zustand der Strom,
oder im leitenden Zustand die Spannung, zu Null wird. Es ergeben sich daher keine prinzip-
bedingten Verluste. In der Praxis treten Durchlassverluste und während der Umschaltzeit-
punkte Schaltverluste auf, die den Wirkungsgrad auf 85-95% senken.
Die schaltenden Leistungsverstärker setzen sich im Wesentlichen aus den in Bild 2.16 dar-
gestellten Baugruppen zusammen. Die Eingangsstufe erzeugt aus der Netzspannung
t
tt
Oberer Transistor Unterer Transistor Piezoaktor
Spannung Spannung
Spannung
Strom Strom Strom
u
i
A
A
t
1
t
1
t
2
t
2
t
3
t
3
t
1
t
2
t
3
t
1
t
2
t
3
U
B
U
B
U
B
u
A
u
A
Bild 2.15: Funktionsweise eines Linearverstärkers, aus [23]. In dieser Veröf-
fentlichung wird beispielhaft ein sinusförmiger Strom diskutiert.
Eingangs-
stufe Wechselrichter-
stufe Filter Ausgangs-
transformator Aktor
Bild 2.16: Allgemeines Blockdiagramm zur Struktur eines Stromrichters.
24 2 Piezoelektrische Systeme
zunächst entweder eine Gleichspannung oder einen Gleichstrom. Dies führt zu der Unter-
scheidung zwischen spannungs- oder stromeinprägend arbeitenden Stromrichtern.4 Im wei-
teren Leistungspfad befindet sich eine Wechselrichterstufe, die mit der jeweiligen Ein-
gangsstufe als DC-Quelle die benötigte hochfrequente Wechselgröße erzeugt. Typischer-
weise sind in dieser Wechselgröße harmonische Anteile enthalten, die zu einer unnötig
hohen Belastung der Wechselrichterstufe führen. Vermindern kann man diese Verzerrungs-
blindleistung durch ein Filter. Dieses Ausgangsfilter bildet außerdem die passende
Abschluss-Impedanz. So muss ein spannungseinprägender Wechselrichter durch ein strom-
einprägendes Filter, und anders herum ein stromeinprägender Wechselrichter durch ein
spannungseinprägendes Filter abgeschlossen werden. Die Anpassung an den hohen Span-
nungsbedarf des Piezoaktors und eine galvanische Trennung erfolgt schließlich mit Hilfe
eines Ausgangstransformators. Je nach Aufbau des Stromrichters können einzelne Kompo-
nenten entfallen. So kann z. B. die Spannungsanpassung auch durch die Eingangsstufe
erfolgen. Im Allgemeinen erreicht man mit schaltenden Verstärkerkonzepten gute Wir-
kungsgrade. Sind bei Analogverstärkern Wirkungsgrade um 78% erreichbar, weisen schal-
tende Konzepte Wirkungsgrade bis zu 95% auf (siehe [25]).
Die einfachste Form der AC-DC-Eingangsstufe ist die direkte Netzgleichrichtung mit
einem typischerweise kapazitiven Zwischenkreis. Die Wechselrichterstufe ist oftmals ent-
weder eine Halbbrücken- oder eine Vollbrückentopologie. Die Halbbrückentopologie zeich-
net sich durch eine einfachere Ansteuerung der Leistungstransistoren aus. Aufgrund der
Verfügbarkeit integrierter Schaltungen, die sowohl die Aufgaben der Modulation als auch
die Ansteuerung der Transistoren erfüllen, kann dies allerdings nicht als echter Vorteil der
Halbbrückentopologie angeführt werden. Als Nachteil der Halbbrückentopologie ist zu
werten, dass bei gleicher Eingangsspannung die doppelte Strombelastung der Halbleiter-
komponenten bei halber Ausgangsspannung auftritt. Ferner muß zur Vermeidung der Über-
dimensionierung des meist geforderten Ausgangstransformators ein Mittenpotential im
Zwischenkreis vorgesehen werden, welches zusätzlich durch eine Regelung symmetriert
werden muss.
Die Wechselrichterstufe in Halbbrücken- oder Vollbrückentopologie erzeugt entsprechend
den Steuersignalen der Brückentransistoren blockförmige Spannungspulse mit hoher Flan-
kensteilheit. Ist die Topologie z. B. ein Resonanzstromrichter, so wird bei einer Halbbrücke
pro Halbschwingung der Ausgangsspannung des Stromrichters eine rechteckförmige Span-
nung einfacher Polarität erzeugt. Bei der Vollbrückentopologie wechselt dagegen die Pola-
rität Je nach gewünschter Amplitude der Ausgangsspannung kann Blockbreite angepasst
werden. Bei Verwendung einer Vollbrückentopologie werden die beiden Transistorenpaare
derart angesteuert, dass sie immer die Hälfte der Periodendauer der Ausgangsspannung lei-
tend sind. Die Blockbreite wird dann durch phasenversetztes Ansteuern der beiden Brük-
kenzweige eingestellt (Phasensteuerung). Alternativ können auch aufwändigere Pulsmuster
erzeugt werden (z. B. Sinus-Dreieck-Modulation), indem entsprechend dem zeitlichem Ver-
lauf einer sinusförmigen Grundschwingung Spannungsimpulse unterschiedlicher Länge
generiert werden. Aufgrund der häufigeren Schaltvorgänge während einer Periode der
Grundschwingung sind bei diesen sog. Pulsstromrichtern die Schaltfrequenz der Transisto-
ren in der Wechselrichterstufe höher als bei der Generierung einer einfachen Rechteckspan-
4. VSI - voltage source inverter; CSI - current source inverter
2.4 Speisekonzepte 25
nung. Weiterführende Erläuterungen finden sich in Kap. 4.3.
Wegen des kapazitiven Verhaltens des piezoelektrischen Systems, muß bei den behandelten
spannungseinprägenden Konzepten immer ein Ausgangsfilter zwischen Wechselrichter-
stufe und piezoelektrischem Aktor vorgesehen werden. Dies verhindert einerseits hohe
Stromspitzen bei der Aufschaltung der Spannung auf die Kapazität, andererseits werden
höherharmonische Anteile der Wechselrichterspannung gefiltert. Wie bereits ausgeführt,
führen höherfrequente Schwingungsanteile zu höheren Verlustleistungen in der Wechsel-
richterstufe und zu einer zusätzlichen Erwärmung des piezoelektrischen Materials.
2.4.1 Leistungsverstärker für quasistatisch betriebene Aktoren
In diesem Abschnitt wird nur grundlegend die Speisung quasistatisch betriebener Aktoren
behandelt. Für eine detailliertere Aufstellung bekannter und dokumentierter Konzepte zu
diesem Themengebiet sei auf [18] verwiesen.
Es wurde bereits in Kap. 2.3 erläutert, dass aufgrund des Hystereseverhaltens des Aktors
eine ladungs- bzw. stromeinprägende Speisung vorteilhaft ist. Der Spannungsbedarf der
quasistatisch betriebenen piezoelektrischen Aktoren reicht dabei, wie bei resonant betriebe-
nen Aktoren auch, von 100 V bis 1000 V für Hochvoltaktoren. Darüber hinaus wird teil-
weise eine sehr hohe Dynamik mit hohen Stromanstiegszeiten (< 100 µs) verlangt. Auf-
grund des kapazitiven Klemmenverhaltens treten beim schlagartigen Umladen der Piezoka-
pazität sehr hohe Stromspitzen auf. Da die mit Piezoaktoren erreichbare Dynamik denen
magnetischer Aktoren z. T. weit überlegen ist, stellt der verwendete Verstärker demnach
den „Flaschenhals“ des Systems dar. Tatsächlich wird in [18] beschrieben, dass viele han-
delsübliche Verstärker nur relativ geringe Spitzenströme zulassen und daher für den hoch-
dynamischen Aktorbetrieb ungeeignet sind.
Als weitere Anforderung wird verlangt, dass trotz der hochdynamischen Speisung keine
mechanischen Transienten angeregt werden [21].
Analoge Verstärkerkonzepte
Prinzipiell sind Analogverstärker auch zur Speisung quasistatisch betriebener Aktoren
geeignet. Ihr Vorteil ist ihre Fähigkeit, den hohen Dynamikbereich der Piezoaktoren nutzbar
zu machen. Wesentlicher Nachteil ist ihr hoher Kühlaufwand, der eine Miniaturisierung
erschwert. Soll der Aktor äußerst präzise einem vorgegebenen Bewegungsprofil folgen,
verlangt dies eine hohe Güte der Speisespannung. Hier hat der Analogverstärker eine seine
Stärken.
Schaltende Verstärker
Damit der Aktor im quasistatischen Betrieb, wie eingangs erläutert, strom- bzw. ladungsge-
speist betrieben werden kann, ist, wie in [19] beschrieben, neben der Eingangsstufe, die die
Anbindung an das Netz herstellt, ein stromeinprägender Schaltungsteil vorzusehen. Reali-
siert werden kann dieser z. B. durch einen Tiefsetzsteller, wie in Bild 2.17 gezeigt. Er setzt
sich aus dem Transistor T0, der Diode D0 und der Längsspule zusammen. Der Strom
wird über eine Vollbrückenschaltung auf den Aktor geschaltet. Bei leitendem Transistor T0
und durchgeschaltetem Brückenzweig T1 und T2 (oder T3 und T4) baut sich in der
Strom auf. Wird dann die Brückendiagonale aus T1 und T4 (bzw. T2 und T3) durchge-
L0
L0
I0
26 2 Piezoelektrische Systeme
schaltet, wird dieser Strom in die Aktorkapazität eingeprägt, die sich daraufhin auf- oder
entlädt. Durch Takten des Transistors T0 kann der Strom vorgegeben und konstant gehal-
ten werden.
Anstatt eine Eingangsstufe vor der Vollbrücke vorzusehen, kann die Stromeinprägung auch
durch eine Längsspule zwischen Brückenschaltung und Piezoaktor realisiert werden. Ein
mögliches Konzept wird in [23] vorgestellt. Die einzelnen Betriebsphasen dieser Verstär-
kerlösung sind in Bild 2.18 dargelegt.
Der obere Transistor der Halbbrücke ist während Phase I eingeschaltet. Ohne Längsspule
würde sich aufgrund des kapazitiven Aktorverhaltens nun eine Stromspitze mit hoher
Amplitude bilden, die den Transistor zerstören könnte. Die Spule sorgt daher für eine
begrenzte Stromsteilheit. Nach dem Abschalten des oberen Transistors (Phase II) prägt die
Spule den Strom in die Aktorkapazität ein, wobei der Strompfad über die inhärente Diode
des unteren Transistors geschlossen wird. Ist der Strom vollständig abgebaut, ist der Lade-
vorgang abgeschlossen. Zum Entladen (Phase III) wird der untere Transistor eingeschaltet,
und die Aktorkapazität entlädt sich über die Spule. Auch hier wirkt die Spule strombegren-
zend. Wird zu Beginn von Phase IV der untere Transistor abgeschaltet, fließt der Strom über
die inhärente Diode des oberen Transistors und ermöglicht auf diese Weise die Energierück-
speisung in den Zwischenkreis. Die Energierückspeisung ist übrigens ein entscheidender
Vorteil der schaltenden Verstärkerkonzepte und stellt auch ein Unterscheidungsmerkmal für
die beiden hier vorgestellten Konzepte dar. Während bei der Variante nach Bild 2.18 die
Rückspeisung in den Zwischenkreis erfolgt, wird bei Verwendung des Tiefsetzstellers die
Spule als Zwischenspeicher genutzt.
Aufgrund der Strombegrenzung der Spule, die gem. [23] für den maximalen Ladestrom des
Aktors dimensioniert werden muss, sind im Vergleich zu Analogverstärkern geringere Spit-
zenströme möglich. Allerdings erlaubt der schaltende Verstärker, dauerhaft hohe Leistun-
gen zu entnehmen. Unter solchen Betriebszuständen würden im Analogverstärker sehr hohe
Dauerverluste auftreten.
Wenn der Aktor mit einer konstanten Spannung beaufschlagt werden soll, muss die Aktor-
I0
Bild 2.17: Stromgespeister Piezoaktor mit Tiefsetzsteller und Vollbrücke, aus [19].
Der piezoelektrische Aktor (PA) wird in dieser Veröffentlichung auf die
Darstellung einer einfachen Kapazität reduziert.
L0
2.4 Speisekonzepte 27
kapazität ständig umgeladen und somit die Transistoren dauerhaft getaktet werden. Dies
führt bei diesen Betriebszuständen zu erhöhten Schaltverlusten in der Halbbrücke. Darüber
hinaus entsteht ein dauerhafter Wechselstrom, der einzelne Piezoschichten des Aktors zu
Bewegung anregt. Als Folge wird der Aktor zusätzlich mechanisch belastet, und es treten
wegen Hystereseverluste Erwärmungen auf. Die geschilderten Probleme können durch
besondere Anforderungen an die Modulation aus dem Weg geräumt werden. Für weitere
Informationen dazu sei auf [23] und [24] verwiesen.
2.4.2 Schaltende Leistungsverstärker für resonant erregte Aktoren
In den folgenden Abschnitten werden Konzepte erörtert, mit denen die oben genannten
Anforderungen an die Verstärker erfüllt werden können. Berücksichtigt werden analoge und
schaltende Verstärkerkonzepte.
Analoge Verstärker
Analoge Verstärker lassen sich prinzipiell auch für resonant betriebene Aktoren verwenden.
Hier zeichnen sie sich ebenfalls durch eine sehr hohe Dynamik und Flexibilität aus. Der
Gesichtspunkt der Flexibilität spielt eine gewichtige Rolle, wenn z. B. mit ein und demsel-
ben Verstärker verschiedene Aktoren mit unterschiedlichen Resonanzfrequenzen betrieben
werden sollen.
Natürlich besteht auch hier der Nachteil, dass für die Kühlung der Leistungsstufe erhebli-
cher Aufwand betrieben werden muss, was zum bereits erläuterten voluminösen Aufbau
führt. Aus diesem Grund ist auch bei dieser Anwendung der Einsatz analoger Verstärker auf
kleine Leistungen beschränkt [35]. Eine Ausnahme bildet die Verwendung im Labor. Da ist
es hilfreich, einen flexiblen Verstärker zur Verfügung zu haben, und Volumen und Wir-
kungsgrad spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Analoge Verstärker werden im Rahmen der Regelung piezoelektrischer Aktoren noch ein-
mal aufgegriffen. Sie wurden in der Vergangenheit im Zusammenhang mit selbsterregten
Schwingungssystemen häufig verwendet (siehe Kap. 2.5.1).
Schaltende Verstärker
In [28] wird ein Stromrichter vorgestellt, der ohne Filterung den Aktor speist. Als Ergebnis
werden höhere Schwingungsmoden des Aktors angeregt. Ein weiterer Effekt, der beobach-
Phase I Phase III
Phase II Phase IV
Aufladen Entladen
Nachladen Rckspeisen
U
B
U
B
U
B
U
B
u
A
u
A
u
A
u
A
Bild 2.18: Stromeinprägender Stromrichter mit Längsspule zwischen Halb-
brücke und Piezoaktor, aus [23].
28 2 Piezoelektrische Systeme
tet werden kann, sind massive elektromagnetische Störungen aufgrund der hohen auftreten-
den Stromimpulse, die beim schlagartigen Umladen der Piezokapazität auftreten. Aus die-
sen Gründen ist die direkte, blockförmige Speisung des Piezoaktors nicht empfehlenswert,
und ein Filter sollte immer vorgesehen werden.
Ein ähnlicher Ansatz wird in [25] verfolgt. Hier wird ebenfalls auf eine Ausgangsfilterung
verzichtet. Aufgrund hoher impulsförmiger Umladeströme und den damit einhergehenden
elektromagnetischen Emissionen wurde ein LC-Filter ausgelegt, welches eine Butterworth-
Charakteristik aufweist. Bei der Auslegung wurde die Knickfrequenz des Filters zu relativ
hohen Frequenzen gelegt, sodass die Aktorspannung weiterhin näherungsweise rechteck-
förmig verläuft und harmonische Schwingungsanteile hoher Frequenzen gefiltert werden.
Erreicht wird durch diese Auslegung, dass die elektromagnetischen Emissionen reduziert
werden. Ferner ist das Volumen der benötigten Filterspule aufgrund der hohen Knickfre-
quenz gering. Alle anderen Schwingungsanteile müssen trotzdem den Strompfad durch die
Piezokapazität wählen, was zu der bereits erwähnten Erwärmung des Aktors führt. Anstatt
die Schaltfrequenz der Wechselrichterstufe gleich der Betriebsfrequenz des Aktors zu wäh-
len, kann durch eine aufwändigere Pulsweitenmodulation erreicht werden, dass harmoni-
sche Schwingungsanteile zu höheren Frequenzen verschoben werden. Durch entsprechende
Auslegung des Filters können somit harmonische Schwingungsanteile effektiv gefiltert
werden, siehe [48] und [69], was bei hartem Schalten aber zu Lasten der Schaltverluste
geht. Aufgrund der Zusatzbelastung des Aktors durch höher harmonische Schwingungsan-
teile kommen die beiden zuletzt angegebenen Verstärkerkonzepte für den Leistungsultra-
schall nicht in Frage. Darüber hinaus stellen die elektromagnetischen Emissionen ein Aus-
schlusskriterium dar.
In der Literatur weit verbreitet sind Resonanzfilter, die entsprechend ihrer reaktiven Bauele-
mente und ihrer Anordnung als LC- oder LLCC-Resonanzfilter bezeichnet werden
[29, 35, 48, 49, 68, 69]. Die Wechselrichterstufe wird dabei mit der Resonanzfrequenz des
Aktors getaktet. Aufgrund des resonanten Betriebs des Filters werden Harmonische sehr
effektiv gefiltert, und ermöglichen darüber hinaus die Minimierung der Schaltverluste.
Bezüglich der unterschiedlichen Betriebsarten der Ausgangsfilter unterscheidet man zwi-
schen resonanten und nicht-resonanten Filtern [48]. Ausgewählte Topologien spannungs-
einprägend arbeitender Stromrichter mit einer direkten Netzgleichrichtung sind in Bild 2.19
dargestellt. Allen dargestellten Konzepten gemein ist die Verwendung einer Wechselrichter-
stufe als Vollbrückentopologie, die aus dem Zwischenkreis gespeist wird ( ). Die wesent-
lichen Unterscheidungsmerkmale ergeben sich aus dem Ausgangsfilter, welches sich im
Fall eines LC-Filters aus einer Längsspule und der Piezokapazität zusammensetzt.
Je nach Auslegung unterscheidet man beim LC-Filter zwischen resonantem Filter, wenn die
Filterresonanzfrequenz in unmittelbarer Nähe zur Resonanzfrequenz des Aktors liegt, oder
nicht-resonantem Filter. In diesem Fall liegt die Filterresonanzfrequenz oberhalb der Reso-
nanzfrequenz des Aktors. Das Übertragungsverhalten eines LC-Filters ist einem Tiefpass
gleichzusetzen. Das LLCC-Filter besteht zusätzlich aus einer Längskapazität und einer
Parallelspule . Es zeigt Bandpassverhalten. Verstärker mit einem Resonanzfilter sind
aufgrund der erreichbaren hohen Wirkungsgrade und mit ihren geringen Belastungen des
Aktors durch Oberschwingungen gut zur Speisung von Ultraschallaktoren geeignet. Nach-
teilig ist ihr eingeschränkter Arbeitsbereich, sodass meistens eine präzise Abstimmung auf
Ud
Lfs
CP
Cfs
L
f
p
2.4 Speisekonzepte 29
den piezoelektrischen Aktor erfolgen muss. In Kap. 4 wird detailliert auf die Unterschiede,
Eigenschaften und Auslegung der angegebenen Konzepte eingegangen.
Weil bei Stromrichtern mit direkter Netzgleichrichtung eine annähernd konstante Gleich-
spannung zur Verfügung steht ( ), muss die Amplitude der Aktorspannung
mittels Einstellung des Tastverhältnisses der Transistoren der Wechselrichterstufe einge-
stellt werden. Das hat zur Folge, dass die Wechselrichterstufe bei kleinen Spannungen nur
schlechte Wirkungsgrade erzielt.
Topologien, die über eine aktive Eingangsstufe mit Regelung des Zwischenkreises verfügen
verlagern die Teilaussteuerungen der aktiven Komponenten und schlechtere Wirkungsgrade
in diese Stufe. Allerdings kann hier die Wechselrichterstufe permanent mit maximalem
Tastverhältnis arbeiten und gewährleistet dabei den höchstmöglichen Wirkungsgrad. Ein
Vorteil einer aktiven Eingangsstufe ist der geringe Klirrfaktor der erzeugten Aktorspannung
zu nennen, der besonders niedrig ist, wenn die Wechselrichterschaltung mit maximalem
Tastverhältnis arbeiten kann. Außerdem wird die Möglichkeit, dass die beiden Gegentakt-
wandler-Transistoren ( und ) bezüglich eines gemeinsamen Potentials angesteuert
werden können, häufig als Vorteil angeführt. Allerdings sind moderne sog. Controller-ICs
in der Lage, ohne nennenswerten Mehraufwand Transistoren auch potentialgetrennt anzu-
steuern (z. B. Bootstrap-Technologie). Aus diesem Grund kann diese Aussage nicht als ech-
ter Vorteil angesehen werden.
Ud
z2
z1
z4
z3Filter
und
elektrische
Isolation
uwr uCp
iP
Cd
a) LC
b) LLCC
c) nicht-resonant
1:nsp
Lfs
1:nsp
Lfs
Lfp
Cfs
uwr uwr
uCp uCp
a) LC
c) nicht-resonant b) LLCC
Bild 2.19: Spannungseingeprägte Wechselrichterstufe in Vollbrückentopologie mit Aus-
gangsfilter und Aktorlast. Als Filter werden oft Resonanzfilter des Typs LC
und LLCC verwendet. Alternativen sind nicht-resonante Filter [48, 69], die
sich aus der Piezokapazität und der Längsspule zusammensetzen.
Lfs
U
d
325 V
≈
u
C
p
T1
T2
30 2 Piezoelektrische Systeme
In [26, 29, 36] findet man Stromrichterbeispiele, bei denen die Zwischenkreisspannung mit
Hilfe eines Gegentaktwandlers mit Gleichrichter erzeugt wird. Den Aufbau eines solchen
Stromrichters mit einem LLCC-Resonanzfilter verdeutlicht Bild 2.20.
Nachteilig an diesem Verstärkerkonzept ist der aufwändige und schlecht ausgenutzte Trans-
formator des Gegentaktwandlers. Wichtig für die Verminderung der transienten Überspan-
nungen an Transistor und durch Streuinduktivitäten ist insbesondere, dass die Wick-
lungen eine gute magnetische Kopplung aufweisen. Erreichen kann man dies durch einen
bifilaren Aufbau der Primär- und Sekundärwicklung, der allerdings sehr kostenintensiv ist.
Weiterhin müssen die Transistoren und die doppelte stationäre Sperrspannung als
beim Einsatz in einer Brückenschaltung aufweisen. Darüber hinaus ist die erreichbare
Dynamik der Amplitudenregelung geringer, als bei einer Änderung des Tastverhältnisses
der Vollbrücke. Zusätzlich muss, obwohl die Wechselrichterstufe mit maximalem Wir-
kungsgrad betrieben werden kann, mit zusätzlichen Verlusten aufgrund der zusätzlichen
aktiven Bauelemente gerechnet werden. Eine erweiterte Variante dieser Topologie wird in
[36] vorgestellt. Dabei wird zur Energierückgewinnung ein Transformator im Ausgangs-
kreis vorgesehen, der über einen weiteren Gleichrichter in den Spannungszwischenkreis
einspeist. Außerdem wird eine Stromeinprägung mit Hilfe einer zusätzlichen Längsindukti-
vität vorgesehen. Wegen des vergleichweise sehr hohen Aufwandes ist allerdings, wie auch
schon in [48] eingeschätzt, eine breite Anwendung dieses Konzepts fraglich.
Gegentaktwandler sind prinzipiell auch für die Wechselrichterstufe geeignet. In [27] wird
ein durch einen Tiefsetzsteller (buck converter) stromgespeister Gegentaktwandler vorge-
stellt, der zusätzlich mit einem LC-Filter in Parallelschaltung abgeschlossen wird. Die ent-
sprechende Topologie zeigt Bild 2.21.
Die Eingangsstufe stellt den gewünschten Strom ein, während der Gegentaktwandler mit
konstantem, maximalem Tastverhältnis arbeitet. Nach [27] wird in der Praxis statt zweier
diskreter Bauelemente in Form des Transformators und der Parallelspule des Ausgangsfil-
T1
T2
T1
T2
T4
T2
T3
T1
T6
T5
Cfp
Lfp
Lf
CdLfs Cfs
Gegentaktwandler
mit Gleichrichter
Zwischenkreis Vollbrücke und LLCC-Resonanzfilter
Bild 2.20: Eingangsstufe mit spannungseinprägendem Gegentaktwandler mit Gleich-
richter, siehe [26, 29, 36]. Die Wechselspannung wird mittels einer Voll-
brücke erzeugt, die mit konstantem maximalen Tastverhältnis arbeitet. Die
Amplitude der Aktorspannung wird durch den Gegentaktwandler eingestellt
.
Das LLCC-Filter filtert harmonische Schwingungsanteile.
2.4 Speisekonzepte 31
ters der Aufbau eines integrierten Bauelementes bevorzugt. Dadurch können Kosten und
Volumen reduziert werden. Dabei bleibt aber natürlich die Forderung nach einer guten
magnetischen Kopplung bestehen, sodass aufgrund der bifilaren Wicklungsweise eine auf-
wändigere Fertigung vorliegt. Ein weiterer Vorteil des LC-Parallelschwingkreises ist die
Möglichkeit, Kabelkapazitäten ( ) der Versorgungsleitungen des Aktors mit als
Schwingkreiskapazität zu nutzen. Die Kapazität sorgt für eine Stabilisierung der Aktor-
impedanz, die – wie bereits ausgeführt – aufgrund der z. T. sehr hohen Güte stark veränder-
lich ist. Diese Aspekte werden auch in [69] behandelt. Die Vor- und Nachteile des Gegen-
taktwandlers bei Verwendung als Wechselrichter können direkt von seinem Einsatz als Ein-
gangsstufe übernommen werden.
In [33] wird eine Topologie vorgestellt, die eingangsseitig aus einem Hochsetzsteller (boost
converter) besteht. Dessen Ausgang stellt eine Zwischenkreisspannung zur Verfügung, die
eine Halbbrücke speist. Ein LC-Resonanzfilter sorgt für sinusförmige Spannungsverläufe
am Aktor.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es eine breite Auswahl möglicher Topologien
auf Basis schaltender Verstärker gibt, die prinzipiell geeignet zur Speisung piezoelektri-
scher Aktoren sind. Eine Prinzipübersicht der in der Literatur vorgestellten Schaltungsvari-
anten stellt Bild 2.22 dar.
Zwar erlauben aktive Eingangsstufen einen optimierten Betrieb der Wechselrichterstufe,
allerdings werden bei geringen Aussteuerungen die schlechten Wirkungsgrade in eben diese
Eingangsstufe verlagert. Aufgrund des erhöhten Schaltungsaufwands ist im Rahmen dieser
Arbeit kein wesentlichen Vorteil gegenüber einer einfacheren direkten Netzgleichrichtung
ersichtlich. Damit einher geht, dass der Miniaturisierungsgrad derartiger Realisierungen
abnimmt. Problematisch ist auch die geringere Dynamik bei der Einstellung der Spannungs-
amplituden im Vergleich zur Änderung des Tastverhältnisses direkt durch die Wechsel-
richterstufe.
Gegentaktwandler stellen vergleichsweise hohe Anforderungen an den Transformator, was
sich in hohem Herstellungsaufwand und Kosten niederschlägt. Halbbrücken und Voll-
C
cb
l
C
f
p
T
!
T
T
iin
n
Ud
Cfp
Lfp
Lin
Bild 2.21: Stromgespeister Gegentaktwandler mit LC-Parallelschwing-
kreis nach [27].
32 2 Piezoelektrische Systeme
brückentopologien sind in ihrer Wirkungsweise sehr ähnlich, wobei die Transistoren der
Halbbrücke mit der doppelten Strombelastung ausgelegt werden müssen, als bei Verwen-
dung einer Vollbrücke. Der höhere Realisierungsaufwand der Vollbrücke ist aufgrund der
verfügbaren integrierten Controller-Bausteine heute aber vertretbar.
Resonanzfilter erlauben die Speisung des Piezoaktors mit sinusförmigen Strömen bzw.
Spannungen, was nach [31] auch einem optimalen Spannungsverlauf entspricht. Ihr ent-
scheidender Nachteil sind einerseits hohe Kosten der Filterkomponenten und andererseits
ihr benötigtes Volumen. Der Verzicht auf ein Ausgangsfilter ist gerade bei höheren Leistun-
gen keine Alternative und führt zu hohen elektromagnetischen Emissionen und höheren
Belastungen des Aktors. Aus Sicht der Miniaturisierung und hoher spektraler Güte der
Speisespannung sind Pulsstromrichter auf Basis einer Vollbrücke mit nachgeschaltetem
nicht-resonanten Ausgangsfilter hervorzuheben.
2.5 Regelungsverfahren für Ultraschall-Aktoren
Im vorangegangenen Abschnitt wurde gezeigt, daß für einen effizienten Betrieb die Rege-
lung der Phase zwischen Aktorstrom und -spannung und der Auslenkung bzw. Stromampli-
tude notwendig ist. Für die Regelung sind verschiedene Konzepte denkbar, die diese Auf-
gabe erfüllen können, von denen hier die Wichtigsten vorgestellt werden. Das Prinzip der
selbsterregten Schwingungssysteme nimmt dabei eine Sonderstellung ein, weil die Rege-
lung des optimalen Betriebspunktes in die Leistungsstufe integriert ist. Bei den anderen
Regelungsverfahren ist die Regelung unabhängig von der Leistungsstufe.
2.5.1 Selbsterregte Schwingungssysteme
Die Verwendung von Oszillatorschaltungen ist eine klassische Methode der Speisung piezo-
elektrischer Ultraschallaktoren bei gleichzeitiger Frequenznachführung. Der Ultraschall-
Leistungswandler wird als Resonator eingesetzt, der die Frequenz, mit der das System
arbeiten soll, vorgibt. Dieses Verfahren wird z. B. auch zur Taktgenerierung bei digitalen
230V
50Hz
Netz Gleichrichter DC-DC Wandler
Eingangsstromrichter DC-AC Wandler
Wechselrichter Ausgangsfilter Ultraschall-
aktor
AC DC AC ACDC
nicht-resonant:
Butterworth
Cauer
resonant:
LC, LLCC
kein
Gegentakt-
wandler (GR)
Hochsetz-
steller
Tiefsetz-
steller
Zwischenkreis-
kondensator
Gegentakt-
wandler
Vollbrücke
Halbbrücke
Sperrwandler
Bild 2.22: Zusammenfassung bekannter und dokumentierter Schaltungsvarianten
schaltender Verstärker zur resonanten Speisung piezoelektrischer Ultra-
schall-Aktoren.
2.5 Regelungsverfahren für Ultraschall-Aktoren 33
Schaltungen verwendet. Die Funktionsweise beruht auf einem rückgekoppelten linearen
Verstärker, wobei die Rückkopplung über ein geeignetes Netzwerk und den Piezoaktor
erfolgt. Bemerkenswert an diesem Aufbau ist, dass der Piezoaktor integraler Bestandteil des
Leistungsteils ist, und daher eine separate Meßwerterfassung nicht notwendig ist. Realisie-
rungsvarianten sind z. B. in [1] oder in [4] beschrieben. In [37] wird erläutert, wie ein so
genannter Colpitts-Oszillator verwendet wird, um den Vibrationsalarm einer Armbanduhr
zu realisieren. Der Colpitts-Oszillator ist als Schaltung zur Takterzeugung digitaler Schal-
tungen weit verbreitet. Dann werden allerdings Quarze verwendet, die bei sehr hohen Fre-
quenzen schwingen. Andere Schaltungskonzepte verwenden eine zusätzliche Sensorelek-
trode des Aktors, um ein Signal auf den Steuerkreis der Leistungsstufe zurückzukoppeln,
siehe z. B. [38, 39].
Nachteilig am Prinzip der selbsterregten Schwingungen ist, dass die Bauteile sehr hohen
Anforderungen entsprechen müssen, damit die Schaltung zuverlässig arbeitet. Bereits
geringe Variationen der Bauteilparameter, z. B. Bauteiltoleranzen oder Temperaturschwan-
kungen, können zur Verletzung der Schwingbedingungen führen, so daß sich keine selbst-
haltende Schwingung etablieren kann. Das verlangt eine sorgfältige Abstimmung der Bau-
teile des Gesamtsystems und große Erfahrung bei der Auslegung.
An ein und derselben Leistungsstufe können ohne sorgfältige erneute Abstimmung nicht
unterschiedliche Ultraschallaktoren betrieben werden. Berücksichtigt man außerdem, dass
die Piezokapazität stark von der Umgebungstemperatur bzw. Betriebstemperatur abhängt,
kann ein zuverlässiger und robuster Betrieb dieser Schaltung kaum erwartet werden. Nach
[41] ist der Arbeitspunkt piezoelektrischer Aktoren mit hoher mechanischer Güte kaum mit
diesem Verfahren regelbar. Das ist mit den hohen Fluktuationen der Impedanz durch angrei-
fende Kräfte begründbar. Aus diesem Grund beschränkt sich das Einsatzgebiet dieser Kom-
bination aus Verstärker und Regelung auf vergleichsweise stark gedämpfte Systeme, wie sie
z. B. bei der Ultraschall-Reinigung vorliegen.
Die Verwendung selbsterregter Schwingungssysteme für die resonante Ansteuerung piezo-
elektrischer Ultraschallaktoren war in den 60er und 70er Jahren verbreitet. Aufgrund der
beschriebenen Nachteile und der Verfügbarkeit preiswerter, geeigneter, integrierter Steuer-
ICs hat ein derart betriebenes System heute eine beschränkte Anwendungsbandbreite.
2.5.2 Phasenregelkreise (Phase Locked Loop, PLL)
Im Gegensatz zu den selbsterregten Oszillatorschaltungen, bei denen der Aktor Bestandteil
des Rückkopplungssystems des Verstärkers ist, stellt er bei den Phasenregelkreisen eine
eigenständige Komponente dar. Man wertet hier die Phasenverschiebung zwischen der
Speisespannung und dem vom Aktor aufgenommenen Strom aus. Entsprechend der elektri-
schen Eingangsadmittanzkennlinie nach Bild 2.13 kann auf diese Weise der Phasennull-
durchgang als Indikator für die Resonanz des Aktors verwendet werden. Wie Bild 2.13 und
den dazugehörigen Ausführungen entnommen werden kann, ist allerdings zu berücksichti-
gen, dass dieser Phasennulldurchgang nur eine Näherung ist. Ohne weitere Ergänzungen
des Regelalgorithmus muss darüber hinaus vorausgesetzt werden, dass ein Phasennull-
durchgang vorhanden ist (also , siehe Kap. 2.3).
M2
>
34 2 Piezoelektrische Systeme
Unter der Annahme, dass zu Beginn des Regelvorganges die Arbeitsfrequenz unterhalb der
Resonanz liegt, wird eine positive Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung
gemessen. Demzufolge wird die Frequenz vergrößert. Sobald diese größer als die Reso-
nanzfrequenz wird, wird eine negative Phasenverschiebung detektiert, und die Anregefre-
quenz muss verringert werden. Wird die Phasenverschiebung zu Null, stimmen Anrege-
und Aktorkennfrequenz überein, und der Aktor wird im optimalen Betriebspunkt betrieben.
Liegt eine hohe Dämpfung des Aktors vor ( ), wird immer eine positive Phasenver-
schiebung gemessen und somit die Anregefrequenz immer weiter vergrößert. Die Regelung
ist in diesem Fall instabil.
In Bild 2.23 ist ein Phasenregelkreis in einem Blockdiagramm dargestellt. Als Frequenzge-
nerator wird ein spannungsgesteuerter Oszillator (VCO, voltage controlled oscillator) ver-
wendet. Der VCO steuert die leistungselektronische Speiseeinrichtung an, welche die für
den Betrieb des Aktors erforderliche Leistung bereitstellt. Der am Aktor gemessene Strom
und die Spannung weisen die Phasenverschiebung auf, die mittels
eines Phasendetektors gemessen wird. Dessen Ausgangssignal wird einem so
genannten Schleifenfilter zugeführt, das die Funktion eines Reglers übernimmt. Es beein-
flusst z. B. das dynamische Verhalten der Phasenregelung und den verbleibenden Fehler der
Phasenverschiebung zwischen Aktorstrom und -spannung. Das Ausgangssignal des
Filters dient als Eingangssignal für den VCO.
Für eine gegenüber dem Strom voreilende Spannung detektiert der Phasendetektor
eine positive Phasenverschiebung. Dieses Signal gelangt über das Schleifenfilter zum VCO
und veranlasst somit eine Erhöhung der Frequenz von . Bei negativen Phasenver-
schiebungen wird die Frequenz verringert. Sobald die Resonanzfrequenz des Aktors
erreicht ist, verschwindet die Phasenverschiebung.
Die aufwändigere Meßwerterfassung, die für den Phasenregelkreis notwendig ist, stellt
einen Nachteil dieses Verfahrens gegenüber dem in Kap. 2.5.1 behandelten dar. Der bedeu-
tende Vorteil ist, dass mit Hilfe integrierter Schaltkreise eine Arbeitspunktregelung reali-
siert werden kann, mit der durch einfache Änderungen von Schaltungsparametern verschie-
denste Piezoaktoren mit nahezu beliebiger Resonanzfrequenz betrieben werden können.
Die Phasenregelung ermöglicht die Nachführung der Frequenz, sodass auch Ultraschall-
Aktoren betrieben werden können, deren Belastung die Kennfrequenz verschiebt. Neben
M2
<
i
P
t
()
u
Cp
t
() ϕ
el
t
()
u
PD
t
()
u
F
t
()
u
Cp
t
()
u
VCO
t
()
Phasen-
detektor Filter VCO Leistungs-
stufe
Ultraschall-
Aktor
uPD(t)uF(t)uVCO(t)uCp(t)
uCp(t)
iP(t)
Bild 2.23: Betriebsfrequenzregelung mit einem Phasenregelkreis (PLL).
2.5 Regelungsverfahren für Ultraschall-Aktoren 35
der höheren Robustheit liegt darin auch der entscheidende Vorteil im Vergleich zu den
selbsterregten Schwingungssystemen.
Ist für einen vorliegenden Aktor die Piezokapazität bekannt, ist eine Anpassung des PLL-
Prinzips möglich, siehe [40, 45]. Dies erlaubt dann die Regelung stärker gedämpfter Akto-
ren mit . Dazu bestimmt man aus der Aktor-Klemmenspannung und dem Laststrom
zunächst die komplexe elektrische Eingangsadmittanz (siehe auch Bild 2.24)
. (2.20)
Durch Subtrahieren des Anteils der Piezokapazität erhält man daraus die Kernadmit-
tanz . Aufgelöst nach Real- und Imaginärteil ergibt sich
(2.21)
Die Phase dient nun als Eingangsgröße für das Schleifenfilter eines herkömmlichen
Phasenregelkreises und berechnet sich aus
. (2.22)
Die Folge ist, dass jetzt der Phasennulldurchgang der Kernadmittanz als Indikator für die
Resonanz dient, vgl. mit Bild 2.13 b.
Eine weitere Ergänzung des PLL-Prinzips erreicht man durch eine adaptive Schleifenver-
stärkung des Phasenregelkreises. Dies ist dahingehend von Interesse, dass die Schleifenver-
stärkung u. a. maßgeblich von der Steigung der Phasenkennlinie abhängig ist. Für zuneh-
mende Dämpfung wird aber die Steigung verringert, wie auch Bild 2.13 b verdeutlicht.
Wenn diese Steigungsänderung durch Anpassung der Verstärkung des Schleifenfilters kom-
pensiert wird, erhält man einen adaptiven Phasenregelkreis (APLL), siehe dazu auch [45].
M2
<
Y
el
I
ˆ
P
U
ˆCp
----------jωCP1
RmjωLm1
jωC
m
----------
---
++
-------------------------------------------
----
+==
CP
uCp
iPim
Rm+RL
{
}
|
|
|
|cos(
ϕ
)
|
|sin(
ϕ
)
ϕ
ϕ
|
|
{
}
Cm
ω
ω
Lm
Bild 2.24: Berechnung der Phase des mechanischen Subsystems anhand a) des
Ersatzschaltbildes und b) des dazugehörigen Zeigerdiagramms.
a) b)
j
ω
CP
Ym
I
mY
m
{} Im Yel
{}ωCP
–Yel ϕel
()sin ωC
P
–==
R
eY
m
{} Re Yel
{} Yel ϕel
() .cos==
ϕ
m
ϕm
Im Ym
{}
Re Ym
{}
--------------------
atan Yel ϕel
()sin ωCP
–
Yel ϕel
()cos
----------------------------------------------
--
atan==
36 2 Piezoelektrische Systeme
Dazu muss die Phasenkennlinie hinsichtlich ihrer Steigung im Phasennulldurchgang ausge-
wertet werden, in dem zu Beginn des Regelvorganges, wenn noch keine Last auf den Aktor
einwirkt, zunächst eine Initialisierung durchgeführt wird.
Diese Startroutine arbeitet folgende Arbeitsschritte ab:
1. Festlegen eines Startwertes für die Frequenz und eines geschätzten Verstär-
kungsfaktor für das Schleifenfilter, siehe Bild 2.25.
2. Der Regler startet mit den in Schritt 1 festgelegten Startparametern. Sein erster Refe-
renzwert ist die Frequenz , bei der die Phase zu 45° wird. Dieser Wert wird in
einem Zwischenspeicher abgelegt.
3. Der Referenzwert ist im Folgenden . Die dazugehörige Frequenz ist die Re-
sonanzfrequenz im Leerlauf des Aktors. Auch dieser Wert wird in einem Zwischen-
speicher abgelegt.
4. Berechnung des Verstärkungsfaktors aus der Steigung der Phasenkennlinie des
unbelasteten Aktors in Resonanz gem. Schritt 2 mit
. (2.23)
5. Abspeichern des berechneten Wertes und der bei gemessenen Admittanz
, d. h. .
6. Ende der Initialisierungsroutine.
Die Impedanz in der Resonanz des unbelasteten Aktors wird durch beschrieben,
während die Impedanz des belasteten Aktors beschreibt. Für die Resonanzfre-
quenz des belasteten Aktors gilt . Für das Steigungsverhältnis der
Phasenkennlinien des belasteten und unbelasteten Aktors erhält man ( : belasteter Aktor,
: unbelasteter Aktor):
. (2.24)
f
Sta
rt
f1
ϕ
1
ϕ0
0°=
K0
K
0f∆ϕ∆
-------
f
0
f1
–
45°
----------
----
–==
K0
f0
Z
m0U
ˆ
Cp
I
ˆP
⁄=
Z
m0
1Y
e
l
⁄
=
0
90
-90
Arg{Y
m
} in
f/f
0
in
Hz
f/f
0
=1
f
1
/f
0
ϕ
1
f
Start
/f
0
unbelastet
belastet
B
ild 2.25: Startroutine
u
nd Berechnungen für
d
en adaptiven Phasen-
r
egelkreis (APLL). Ziel
i
st die Anpassung der
S
chleifenverstärkung
d
es Phasenregelkrei-
s
es, die wegen der Pro-
z
essdämpfung starken
S
chwankungen unter-
l
iegt.
K
˜K0
Zmω0
()
Zm
˜ω
˜0
()
------------------ ϕm
()cos=
K0f∆ϕ∆
-------f0f1
–
45°
--------------
==
Z
m0ω0
()
Z
˜m0ω
˜0
() ω
˜0cmcL
+()m
m
⁄=
K
˜
K0
K
˜
K
0
-
-----Zmω0
()
Zm
˜ω
˜0
()
--------------
----
=
2.5 Regelungsverfahren für Ultraschall-Aktoren 37
Für den Fall, dass ein sehr langsamer Regelkreis
aufgebaut wurde (z. B. mit Hilfe einer Laborein-
richtung auf Basis von HPIB-Schnittstellen) bie-
tet sich nach [45] eine Erweiterung an. Dazu wer-
den kleine Abweichungen der aktuell gemesse-
nen Impedanzen zugelassen. Es ergibt sich dann
entsprechend Bild 2.26 die Gleichung
. (2.25)
Die aktuelle Verstärkung des Schleifenfilters be-
rechnet sich demzufolge nun aus
, (2.26)
und erlaubt somit die Kompensation der Steigungsänderung der PLL, die durch eine Dämp-
fung des piezoelektrischen Systems verursacht wird. Der Winkel ist dabei die aktuell
ermittelte Phase der Kernadmittanz .
Die APLL benötigt eine möglichst genaue Vorgabe der Piezokapazität . Die Genauigkeit
muss dabei um so höher sein, je geringer die Gütezahl des Aktors während des Betriebs
wird. Lässt man bei der Vorgabe der Kapazität zu große Toleranzen zu, versagt ggf. der
APLL-Algorithmus. Kritisch ist in diesem Zusammenhang auch die hohe Temperaturab-
hängigkeit der Piezokapazität zu sehen. Im Folgenden wird das APLL-Verhalten genauer
erläutert und mit Messungen belegt.
Die Phasenverläufe eines Piezoak-
tors mit einer Gütezahl von
und einer Bandbreite von
sind in Bild 2.27 darge-
stellt. Außerdem finden sich in
dem Bild noch die geschätzten
Verläufe für den Fall, dass die
Schätzung der Piezokapazität
eine Abweichung aufweist:
. (2.27)
Der in Bild 2.27 grau dargestellte
Bereich wird begrenzt durch
gestrichelte Linien welche die
Maximalwerte von markieren und repräsentieren eine prozentuale Abwei-
chung der geschätzten zur tatsächlichen Kapazität von . Diese Abweichungen kön-
nen durch eine von Anfang an fehlerhaft identifizierte Kapazität oder durch die Kapazitäts-
drift verursacht durch die Erwärmung des Aktors verursacht werden. Selbstverständlich ist
Im{Zm}
~
Zm0(ω0)Re{Zm}
Z
m
(ω)
ϕm
~
Bild 2.26: Ortskurve der Kern
-
Impedanz eines belasteten Aktors.
K
˜
K
0
-
-----
Z
mω0
()
Zm
˜ω
˜0
()
------------------ ϕm
()cos=
K
˜K0
Z
mω0
()
Zm
˜ω
˜0
()
------------------ ϕm
()cos=
ϕ
m
Y
mω()
CP
M
-60
-40
-20
0
20
∆
CP
∆
CP
∆
CP
ϕ
el
f
in
ϕ
el
ϕ
m
in
19.08 19.1 19.12 19.14
Bild 2.27: Reale und geschätzte Phasenverläuf
e
eines Piezoaktors für bei exakt bekannter Pie
-
zokapazität ( ) und bei fehlerbehafteten Schä
t-
zungen in einem Bereich von .
M2
>
C
Pso
ll
,
C
P
∆
0,4...0,4–=
M3,5
≈
B92 Hz
≈
C
Pi
st
,
CP
∆
C
Pist,
C
Pso
ll
,
–
CPsoll,
--------------------------------
----
=
C
P
∆
0,6...1,4=
40%
±
38 2 Piezoelektrische Systeme
eine Überlagerung beider Fehler zu berücksichtigen. Erkennbar ist eine Abweichung zwi-
schen den Phasennulldurchgängen der Eingangsadmittanz und der Kernadmittanz
für den Fall, dass die Piezokapazität exakt bekannt ist ( ). Diese Abweichung ist auf
die Näherung zurückzuführen, die besagt, dass der Phasennulldurchgang der
elektrischen Eingangsadmittanz mit dem der Kernadmittanz zusammenfällt. Der Fehler, der
sich dabei ergibt ist allerdings vernachlässigbar. Sobald sich die geschätzte Kapazität
von ihrem realen Wert unterscheidet, wird der berechnete Phasennulldurchgang der Kernad-
mittanz fehlerhaft bestimmt, so dass auch die errechnete Resonanzfrequenz nicht mit
dem realen Wert übereinstimmt. Wichtig ist es zu bemerken, dass der Effekt um so gravie-
render wird, je kleiner die Gütezahl wird. Diese Zusammenhänge werden an Bild 2.28
erläutert. Es liegt der gleiche Aktor vor, der allerdings durch Prozessdämpfung nur noch
eine Gütezahl von bei einer Bandbreite von aufweist. Aufgrund der
niedrigen Gütezahl weist die Phase der Eingangsadmittanz keinen Nulldurchgang
auf. Im Falle einer exakt bestimmten Piezokapazität stimmen der reale und der geschätzte
Verlauf der Phase überein. Je größer die Abweichung zwischen der geschätzten zur rea-
len Piezokapazität ist, desto größer wird auch die Differenz zwischen Schätzung und realem
System. In dem in Bild 2.28 dargestelltem Fall tritt für eine Abweichung von
links bzw. rechts vom Phasennulldurchgang der Resonanz eine weitere Null-
stelle auf. Wächst der Fehler der identifizierten Kapazität weiter an (z. B. )
droht sogar der Phasennulldurchgang des geschätzten Systems zu verschwinden. In dem in
Bild 2.28 dargestellten Fall würde dazu eine leichte weitere Verringerung der Gütezahl aus-
reichen. In diesem Fall könnte die Regelung nicht mehr funktionieren.
Die theoretisch erarbeiteten Ergebnisse zur Empfindlichkeit des APLL-Algorithmus hin-
sichtlich der identifizierten Piezokapazität können messtechnisch belegt werden.
Dazu wurde eine Messreihe durchgeführt, für die ein Aktor in ein Wasserbad eingetaucht
wurde. Durch die Dämpfung des Wassers kann bequem die Gütezahl verstellt werden, in
dem die Eintauchtiefe variiert wird. Die aufgenommen Kennlinien sind in Bild 2.29 darge-
stellt, wobei die unterschiedlichen Eintauchtiefen mit den Buchstaben a...d gekennzeichnet
sind. Der APLL-Algorithmus berechnete die geschätzten Phasenverläufe für eine exakt
angegebene sowie jeweils für eine zu groß und zu niedrig vorgegebene Kapazität. Nur die
ϕ
el
ϕ
m
C
Pso
ll
,
ϕel,0 ϕm
,0
≈
C
Pi
st
,
ϕ
˜m
M
-75
-50
-25
0
25
50
75
18 18.5 19 19.5 20
ϕ
el
∆
C
P
ϕ
m,
∆
C
P
~
ϕ
m,
∆
C
P
ϕ
m,
∆
C
P
ϕ
m,
∆
C
P
~
f
in
ϕ
el
ϕ
m
in
~
~
Bild 2.28: Berechnete Phasenverläufe bei Gütezahlen .ϕ
m
M2
<
M0,87
≈
B370 Hz
≈
Y
el ω()
ϕ
˜
m
C
P
∆
0,15
±
=
C
P
∆
0,4
±
=
C
Pi
st
,
M
2.5 Regelungsverfahren für Ultraschall-Aktoren 39
mit dem exakt identifizierten Kapazitätswert arbeitende APLL bildet den Phasenverlauf
präzise ab, vgl. Bild 2.29 b. Mit zunehmender Eintauchtiefe (oder abnehmender Gütezahl)
erkennt man durch Vergleich von Bild 2.29 a und c mit Bild 2.29 b, dass die errechneten
Nulldurchgänge leicht entlang der Frequenzachse verschoben sind. Gleichzeitig verdeutli-
chen die Kennlinien bei zunehmender Dämpfung, also für größere Eintauchtiefen, dass die
berechneten Phasenkennlinien keinen Nulldurchgang mehr abbilden. Das trifft in Bild
2.29 a für Kennlinie d, und in Bild 2.29 c für die Kennlinien c und d zu.
-100
0
100
-100
0
100
-100
0
100
18 18.5 19 19.5
18 18.5 19 19.5
18 18.5 19 19.5
f
in
kHz
f
in
kHz
f
in
kHz
ϕ
el
,
ϕ
m
in
ϕ
el
ϕ
m
∆
CP
= 0,167
∆
CP
= 0 (exakt)
ϕ
el
,
ϕ
m
inϕ
el
,
ϕ
m
in
c
b
a
d
cb
a
d
cba
d
ϕ
el
ϕ
m
ϕ
el
ϕ
m
∆
CP
= -0.167
Eintauch-
tiefe
Eintauch-
tiefe
Eintauch-
tiefe
Bild 2.29: Einfluss einer fehlerhaft identifizierten Piezokapazität auf den APLL-Algo-
rithmus. Dämpfung eines Aktors durch Eintauchen in Wasser.
a) zu groß angenommene Kapazität ,
b) exakte Kapazität und
c) zu klein angenommene Kapazität .
C
P
∆
0,167=
C
P
∆
0=
C
P
∆
0,167–=
a)
b)
c)
40 2 Piezoelektrische Systeme
2.5.3 Strommaximum
Der Rechenaufwand zur Regelung piezoelektrischer Aktoren mit Hilfe der Phasenregel-
kreise ist zum Zeitpunkt des Verfassens der vorliegenden Arbeit noch erheblich. Verwendet
man statt des Phasennulldurchgangs der elektrischen Eingangsadmittanz das frequenzab-
hängige Amplitudenmaximum des Aktorstroms als Indikator für die Resonanzfrequenz,
kann ein wesentlich einfacherer Regelungsalgorithmus verwendet werden.
Zu jedem Abtastzeitpunkt wird der nächste Frequenzschritt aus der momentanen
Laststromänderung und dem vorangegangenen Frequenzschritt berechnet,
vgl. mit der schematischen Darstellung nach Bild 2.30. Den jeweiligen Arbeitspunkten (A,
B) entsprechend kann somit eine Tabelle erstellt werden, die den gesamten Regelalgorith-
mus abbildet.
Nachteilig an diesem Regelungskonzept ist, dass man sich je nach Frequenzschrittweite
immer um das Maximum des Stromes und somit um die Resonanz des Aktors herum
bewegt. Je nach gewählter Schrittweite kann man somit relativ präzise die Resonanzfre-
quenz treffen. Wird die Schrittweite aber sehr gering gewählt, dauert der Anregelvorgang,
bis die aktuelle Resonanzfrequenz gefunden wird, länger. Sinnvoll ist demzufolge eine
dynamische Schrittweitenanpassung: Ist die Änderung des Stromes nur gering, dann ist die
Frequenz noch weit von der Resonanz entfernt. Daher kann eine größere Schrittweite
gewählt werden. Bei kleinen Änderungen der Stromamplitude erfolgt bereits eine Anregung
des Aktors in der Nähe der Resonanz, und im Interesse einer möglichst präzisen Regelung
sollte die Frequenzschrittweite reduziert werden.
Eine schaltungstechnische Realisierung bestehend aus einem Abtast-Halteglied sowie eini-
gen digitalen und analogen Bauelementen wird in [30] präsentiert.
Arbeits-
punkt
>0 >0 A >0
>0 <0 B <0
<0 >0 B <0
<0 <0 A >0
Tabelle 2.1:Wertetabelle für den Strommaximum-Regler.
iP
N
fN
()
I
∆
f
∆
N1–
()
IN
()∆
fN 1–
()∆
fN
()
f
ip(f)
AB
Bild 2.30: Resonanzregelung mit Hilfe
des Strommaximums, vgl. [30]. Ausge-
hend vom momentanen Betriebspunkt
A bzw. B und von der im vorherigen
Abtastschritt ausgeführten Frequenz-
änderung, wird entweder die Frequenz
vergrößert oder verringert.
2.6 Zusammenfassung und Auswahl geeigneter Leistungsverstärker-Topologien 41
2.6 Zusammenfassung und Auswahl geeigneter
Leistungsverstärker-Topologien
Die Ergebnisse zum Stand der Technik zeigen, dass sich piezoelektrische Aktoren in der
Ultraschalltechnik bereits seit vielen Jahren in vielfältigen Anwendung durchgesetzt haben.
Neue Anwendungsgebiete sind vor allem Schwingungsmotoren, wie sie beispielsweise in
Objektiven aktueller Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommen. Klassische Anwendun-
gen sind die Ultraschall-Reinigung sowie das Ultraschall-Schweißen.
Hinsichtlich der Spannungsversorgungen konzentrieren sich naturgemäß die Tagungsbei-
träge der letzten Jahre in erster Linie auf die innovativeren Anwendungen. Da diesen aber
größtenteils eine höhere Dämpfung des piezoelektrischen Aktors inne wohnt, sind ihre
Energieversorgungskonzepte nur bedingt auf schwach gedämpfte Systeme übertragbar [48].
Gerade zu diesen schwächer gedämpften Systemen gibt es nur wenig Literatur. Die ein-
schlägigen Hersteller von Leistungsverstärkern zur Speisung der Aktoren bedienen in der
Hauptsache die Reinigungs- oder Schweißindustrie. Wegen der ohnehin voluminöseren
Anlagen kommt es dabei nicht auf einen platzsparenden oder leichten Aufbau an. Werden
diese Geräte in Ermangelung geeigneter Alternativen für neuartige Anwendungen einge-
setzt, sind sie meist überdimensioniert und tragen dem jeweils vorliegendem Prozess kaum
Rechnung. Aber gerade im Falle einer handgeführten Ultraschallanwendung (z. B. Dental-
werkzeuge) ist ein hohes Maß an Miniaturisierung und ein hoher Wirkungsgrad der speisen-
den Leistungselektronik interessant.
Zur Regelung der Aktoren existieren einige Konzepte, die einen optimalen Arbeitspunkt
gewährleisten. Ihre jeweiligen Vor- und Nachteile sind in Kap. 2.5 erörtert worden. Damit
die Leistungsaufnahme minimiert wird, bietet es sich an, sofern die Gütezahl des Aktors
größer zwei ist, den Aktor im Phasennulldurchgang der elektrischen Eingangsadmittanz zu
betreiben. In diesem Fall nimmt der Aktor keine Blindleistung auf. In Betracht kommen aus
diesem Grund nur Phasenregelkreise (PLL oder APLL).
Die Motivation der vorliegenden Arbeit ist die Erarbeitung der Grundlagen für ein ganz-
heitlich abgestimmtes Ultraschallwerkzeug, um auf dieser Basis schließlich weiterführende
Entwurfsrichtlinien formulieren zu können. Diese Grundlagen müssen vor allem auch die
Energieversorgung des Aktors beinhalten. Schließlich können nur mit einem umfassenden
Systemansatz optimierte Ultraschallsysteme entworfen werden. Auf Basis der vorangegan-
genen Recherchen wird eine Spannungsversorgung vorgesehen, die eine einfache Eingangs-
stufe in Form einer direkten Netzgleichrichtung darstellt, siehe auch Bild 2.22. Dies redu-
ziert den Aufwand zur Bereitstellung der Zwischenkreisspannung auf ein Minimum,
gewährleistet geringe Verluste und eine hohe Dynamik der Amplitudenregelung. Die Aus-
wahl der Wechselrichterstufen beschränkt sich auf zwei Resonanzstromrichter. Als weiterer
Ansatz werden Pulsstromrichter mit nicht-resonantem Filter untersucht.
Bevor mit der Analyse der ausgewählten Leistungsverstärker-Topologien in Kap. 4 begon-
nen wird, soll in Kap. 3 zunächst noch der Entwurf und die Synthese der piezoelektrischen
Aktoren und ihrer Werkzeuge (im Folgenden auch Schwingeinheiten bezeichnet) vorge-
stellt werden. In Kap. 5 erfolgt schließlich die Zusammenführung beider Entwurfsprozesse
und die Betrachtung des Gesamtsystems.
M
42 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer
Schwingeinheiten
Zur Berechnung der Belastungsgrößen der
Wechselrichterstufe in einem Verstärker
zur Speisung piezoelektrischer Schwing-
einheiten wird im Allgemeinen ein Ersatz-
schaltbild gemäß Bild 3.1 verwendet.
Diese Darstellung berücksichtigt alle
möglichen Schwingungsmoden in Form
von Serienresonanzschwingkreisen.
Schwingungsformen können z.B. Längs-,
Dicken- oder Torsionsschwingungen sein.
Das Ersatzschaltbild verdeutlicht, dass je
nach Spannungsanregung der Aktor unerwünschte Bewegungen ausführt. So können auch
mehrere Schwingungsformen gleichzeitig angeregt werden, was zu einer erhöhten Lei-
stungsaufnahme führt und vermieden werden sollte. Üblicherweise interessiert je nach
Anwendungsfall nur eine einzige Schwingungsform, und alle anderen können vernachläs-
sigt werden. Im Ergebnis erhält man das vereinfachte Ersatzschaltbild gemäß Bild 2.12 b,
und die im Folgenden durchgeführten Betrachtungen beziehen sich ausschließlich auf diese
Darstellung. Die Parameter erhält man aus einer messtechnischen Identifikation des zuvor
aufgebauten Aktors, wie sie z. B. in [45] vorgestellt wurde. Diese Parameter sind dann nur
für diesen bestimmten Aktor anwendbar. Wünschenswert ist eine mathematisch basierte
Auslegung, wie sie z. B. von der Entwicklung elektrischer Schaltungen bekannt ist. Idealer-
weise können dazu zunächst die Ersatzschaltbild-Parameter berechnet werden, bevor der
Aktor physikalisch realisiert wird. Von besonderem Interesse ist dabei die Kenntnis der
Parameter in Abhängigkeit von den Entwurfsvorgaben, wie z. B.
• Material der verwendeten Piezoscheiben
• Anzahl der Piezoscheiben
• Material der Endmasse und des Transformationsstückes
• gewünschte Schwingamplitude an der Sonotrode
• minimale Phase der Kurzschluß-Eingangsadmittanz bei bekannter maximaler Bela-
stung des Aktors
Ein analytisches Modell, welches diese Parameter beinhaltet, erlaubt die Berechnung der
Belastungsgrößen für alle leistungselektronischen Komponenten, wodurch u. a. Verlust-
leistungsberechnungen, Wirkungsgradabschätzungen, Berechnung der Volumina magneti-
scher Bauteile und Kühlkörper sowie Berechnungen des Scheinleistungsbedarfs möglich
werden. Dies erlaubt bereits im Entwurfsprozess die Entwicklung aufeinander abgestimm-
ter Verstärker und piezoelektrischer Aktoren. Ferner ist nur dann eine Systemoptimierung
möglich, die z. B. höchstmöglichen Stromrichternutzungsgrad oder minimalen Blind-
CP
uCp
iP
Rm,0
Cm,0
Lm,0
Rm,1
Cm,1
Lm,1
Rm,n
Cm,n
...
Lm,n
~
~
~
~
Bild 3.1: Ersatzschaltbild mit n Resonanz
-
frequenzen.
43
leistungsbedarf gewährleistet und den mechatronischen Entwurfsprozess effizient und ziel-
führend gestaltet.
In diesem Kapitel erfolgt zunächst die allgemeine Modellierung eines einfachen Dehnsta-
bes, wie er als Basiselement in Form der Endmasse und des Horns des piezoelektrischen
Anregesystems benötigt wird. Die Auslegung der mechanischen Teilsysteme erfolgt dabei
als ungedämpfte Systeme. Ziel ist es, eine möglichst einfache, aber für den Entwurfsprozess
hinreichende, analytische Beschreibung zu finden. Besonders geeignet ist dabei eine
Matrixschreibweise, mit der eine Aneinanderreihung verschiedener Dehnstäbe leicht
berechnet werden kann. Wichtig ist dies z. B. bei der Modellierung und Auslegung geeigne-
ter Transformationsstücke zur Einstellung der geforderten Schwingamplitude.
In einem zweiten Schritt werden die aktiven Piezoringe, die das System zu seinen Schwin-
gungen anregen sollen, modelliert. Die Basis dafür sind die piezoelektrischen konstitutiven
Gleichungen, die letztlich auf die Berechnung der Kurzschluss-Eingangs- und -Kernadmit-
tanz führen.
Die Zusammenführung der Einzelmodelle zu einem vollständigen piezoelektrischen Aktor
erfolgt im Anschluss. Dann können die berechneten Größen auf das aus Kap. 2 bekannte
Ersatzschaltbild umgerechnet werden, sodass man dessen verwendete Ersatzparameter voll-
ständig auf Geometrie- und Materialparameter zurückführen kann. Im Rahmen der Validie-
rung werden die Abweichungen zwischen dem mathematischen Modell und einem realen
Aktor, der messtechnisch parametriert wurde, bestimmt.
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass die Last des Ultraschall-Prozesses in dem
Ersatzschaltbild als eine Dämpfung bzw. ohmsche Last dargestellt wird. Das hier verwen-
dete Aktormodell berücksichtigt jedoch keine Dämpfungen.
Im Gegensatz zu diesem augenscheinlichen Widerspruch hat es sich in der Praxis bewährt,
den Entwurf von Ultraschallwandlern anhand der frei schwingenden Geometrie durchzu-
führen, und die Aktoren auf die gewünschte Resonanzfrequenz abzustimmen. Dazu passend
wird der Modellansatz mit frei schwingendem Rand gewählt. Arbeitet der resonant abge-
stimmte piezoelektrische Aktor nun in einem dämpfenden Ultraschallprozess, sind die
Randbedingungen des frei schwingenden Falles nicht mehr exakt erfüllt. Die im Rahmen
der vorliegenden Arbeit durchgeführte Modellbildung für Systeme unter Last darf daher nur
für diejenigen Anwendungsfälle angewendet werden, bei denen eine geringe Leistungs-
durchleitung stattfindet – die Schwingungsform wird durch die Last also nicht signifikant
verändert. Die Dämpfung der Schwingeinheit durch einen Ultraschallprozess wie z. B.
Drahtbonden oder Stehwellenzerstäubung ist oftmals nicht bekannt und kann häufig nur
durch Vorversuche grob abgeschätzt werden. Daher werden in der Praxis die Schwingein-
heiten der verwendeten Ultraschallwerkzeuge so gestaltet, dass selbst die stärkste auftre-
tende Prozessdämpfung nur zu einer geringfügigen Dämpfung des Schwingkreises führt.
Daraus resultiert eine vereinfachte elektrische Speisung und Regelung des Systems, da der
Resonanzkreis für alle durch den Prozess aufgebrachten Dämpfungen nur wenig verändert
wird.
Für diese Anwendungsfälle, bei denen also durch konstruktive Anpassung der Ultraschall-
Schwingeinheit an den Prozess für schwache Bedämpfung gesorgt wird, ist die hier
gewählte vereinfachende Modellbildung in hinreichender Näherung gültig.
44 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
Die Modellierung eines vollständigen piezoelektrischen Aktors, der die Endmasse, das
Horn und ein zweiteiliges Transformationsstück umfasst, erfolgt anhand der Skizze nach
Bild 3.2, die den Aufbau und die Struktur einer frei schwingenden piezoelektrischen
Schwingeinheit darstellt. Es handelt sich dabei um einen gegenüber Bild 2.2 leicht abgeän-
derten Aufbau, indem auf ein Transformationsstück verzichtet wurde.
Der Aktor besteht typischerweise aus der Endmasse M und der Sonotrode oder Horn H.
Zwischen diesen beiden Komponenten befinden sich die Piezoelemente P, die üblicher-
weise mit Hilfe einer Schraube zwischen der Endmasse und Horn vorgespannt werden, vgl.
auch mit Kap. 2.1 und [1, 4]. Im Rahmen der Modellierung wird diese Schraube vernachläs-
sigt, und wird stattdessen als Teil der Endmasse bzw. des Horns betrachtet. Der Fehler, der
durch diese Vereinfachung entsteht, ist hinsichtlich des Ziels dieser Modellierung – ein rela-
tiv einfaches analytisches Modell einer Schwingeinheit zu erstellen – vertretbar. Zur Ver-
stärkung der Schwingamplitude wird an das Horn ein Transformationsstück T geschraubt,
dessen Querschnittsübergang zur gewünschten Amplitudenverstärkung führt. Die beiden
Teilbereiche des Transformationsstückes werden mit T1 und T2 bezeichnet. Der Verlauf der
Auslenkung und der mechanischen Spannung entlang der Ortskoordinate wird in Bild
3.2 b verdeutlicht.
λ
λ
λ
λ
Bild 3.2: Modellierung einer frei schwingenden piezoelektrischen Ultraschall-
Schwingeinheit: a) einfache Struktur bestehend aus dem piezoelektrischen
Anregesystem mit der Endmasse M, Piezoelemente P, Horn H und einem
Transformationsstück mit den Bereichen T1 und T2 ,b) Verlauf der Auslen-
kungsamplitude und der mechanischen Spannungsamplitude
des unbelasteten Aktors entlang der Ortskoordinate x, c) Freischnitt der
einzelnen Aktorkomponenten
W
ˆ
x()
T
ˆ
x()
a)
c)
b)
x
3.1 Modell eines Dehnstabes 45
Zu beachten ist, dass hier der frei schwingende Fall dargestellt ist. Soll mit dem Aktor Lei-
stung übertragen werden, müssen an den beiden Enden des Aktors sowohl die Geschwin-
digkeit als auch die Kraft ungleich Null werden. Praktisch ist dies durch eine Frequenzände-
rung realisierbar. Die im Bild 3.2 b skizzierten Kurvenformen würden sich entlang der x-
Achse verschieben.
Ein allgemeiner Freischnitt der jeweiligen Teilbereiche, der Kräfte und Geschwindigkeiten
an den einzelnen Grenzen berücksichtigt, ist in Bild 3.2 c dargestellt. Der dargestellte Über-
gang zwischen den Piezoelementen P und dem Horn H ist in der Praxis so nicht realisierbar
und es würde eher ein Übergang gemäß Bild 2.2 vorgesehen werden. Im Rahmen der
Modellierung ist diese Darstellung allerdings zweckmäßig und verursacht vertretbare
Modellierungsfehler. Weitere Ausführungen, in denen die Differenz zwischen stufigem und
exponentiellem Übergang genauer untersucht wird, findet man in [45]. Eine zusätzliche
wesentliche Vereinfachung ist die Auslegung der Endmasse, des Horns und des Transfor-
mationsstücks unter Vernachlässigung der Materialdämpfung.
3.1 Modell eines Dehnstabes
Das Modell der Endmasse und des Horns kann auf die kontinuumsmechanischen Betrach-
tungen eines einfachen Dehnstabes zurückgeführt werden [45], siehe Bild 3.3. Die Quer-
schnittsfläche und die Materialeigenschaften sollen dabei entlang der Ortskoordinate
konstant bleiben (Elastizitätsmodul und Dichte ). Es greifen die links- und rechtsseiti-
gen Kräfte und an, und es stellen sich die Geschwindigkeiten an den Randflächen
bzw. ein.
In dem Dehnstab breitet sich eine Welle aus, deren Auslenkung durch eine eindimensio-
nale Wellengleichung beschrieben wird [1, 14, 43]:
. (3.1)
Die Variable ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit
der Welle im jeweiligen Material und berechnet sich
aus dem E-Modul des verwendeten Materials und der
Dichte zu .
Mit Verwendung des Separationsansatzes wird
in einen orts- und zeitabhängigen Anteil aufgespalten.
Für harmonische Schwingungen und für den Fall, dass
die Einschwingvorgänge nicht von näherem Interesse
sind, kann für den zeitabhängigen Teil der Ansatz
verwendet werden [9]. Man erhält dann
, (3.2)
und die Wellengleichung reduziert sich auf die Form
. (3.3)
A
x
Em
ρ
F1
F2
v1
v2
w
A, E
m
,
ρ
l
x
v
F
F
v
Bild 3.3: Dehnstab.
c2
w'' xt,() w
··
x
t
,()=
c
c
Emρ⁄=
wxt
,()
ej
ω
t
w
xt,() W
ˆ
x()ejω
t
=
x2
2
∂
∂W
ˆx() 2π
λ
------
2W
ˆx()+
0
=
46 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
Deren stationäre Lösung ist mit
(3.4)
gegeben [43]. Zur Bestimmung der Konstanten und wird die Amplitude der mecha-
nischen Spannung , die ebenfalls von der Ortskoordinate abhängig ist, benötigt. Sie
ergibt sich mit der Dehnung bzw. mit der Auslenkung aus
. (3.5)
Als zusätzliche Nebenbedingungen werden die beidseitig angreifenden Kräfte verwendet
()
sowie , (3.6)
und die Geschwindigkeiten an den beiden Enden werden mit
bzw. (3.7)
vorgegeben. Als Ergebnis erhält man einen Ausdruck für die Geschwindigkeit bzw.
Kraft am rechten Ende des Dehnstabes, welche mittels einer Übertragungsmatrix K dar-
gestellt werden kann:
(3.8)
bzw.
. (3.9)
Ein wesentlicher Vorteil der Verwendung von Matrizen ist, dass mehrere Dehnstäbe anein-
andergereiht berechnet werden können. Dies spielt beispielsweise bei der Berechnung von
Transformationsstücken mit der Gesamtlänge einer halben Wellenlänge eine entschei-
dende Rolle, da es sich hier prinzipiell um zwei aneinandergesetzte Dehnstäbe der gleichen
Länge mit unterschiedlichen Querschnitten aber gleichem Material handelt.5 Angelehnt
an [45] werden die Querschnittsflächen der beiden Bereiche mit und
vorgegeben. Die Gesamtübertragungsmatrix eines Transformationsstückes berechnet sich
somit nach Gl. (3.8) zu
5. Halbwellensynthese
W
ˆx() C12π
λ
------ x
cos C22π
λ
------ x
sin+=
C1
C2
T
ˆ
x()
S
ˆ
x()
T
ˆx() ES
ˆ
x() Ex∂
∂W
ˆ
x
()==
TFA
⁄
=
F
ˆ
1T
ˆ
0()A–= F
ˆ
2T
ˆ
l()–
A
=
V
ˆ
1V
ˆ
0()=V
ˆ
2V
ˆl
()=
V
ˆ2
F
ˆ2
V
ˆ2
F
ˆ2
2π
λ
------ l
cos jω
2π
λ
------ AEm
------------------2π
λ
------ l
sin–
j2π
λ
------ AEm
ω
--------------------2π
λ
------ l
sin –2π
λ
------ l
cos
V
ˆ1
F
ˆ1
KV
ˆ1
F
ˆ1
==
V
ˆ1
F
ˆ1
K1– V
ˆ2
F
ˆ2
=
λ
2
⁄
l
A
1
A=
A
2αK
2A
=
3.1 Modell eines Dehnstabes 47
. (3.10)
Da beide Teile des Transformationsstücks aus dem gleichen Material bestehen, mit der glei-
chen Frequenz schwingen, und sich nach [45] der Querschnittsübergang im Schwingungs-
knoten befinden soll, lassen sich damit entsprechende Lösungen angeben. Dazu müssen die
beiden Teilbereiche der Länge einer Viertelwellenlänge bzw. entsprechende Vielfache
entsprechen. Es gilt:
mit , (3.11)
wobei für die Grundschwingung zu verwenden ist. Die entsprechende Resonanzfre-
quenz lautet
. (3.12)
Nach Einsetzen in Gl. (3.10) erhält man die Transformationsmatrix für den Anregungsfall
genau in Resonanz
. (3.13)
Im Rahmen dieser Arbeit genügt es, gestufte Transformationsstücke zu betrachten. In der
Praxis werden allerdings konische, exponentielle oder radiale Querschnittsübergänge
bevorzugt, um die zulässigen mechanischen Spannungen nicht zu überschreiten. Ziel des
hier verwendeten Aktormodells ist eine einfache mathematische Beschreibung, so dass der
Fehler, der sich aus dieser Vereinfachung ergibt, in Kauf genommen wird. Darüber hinaus
wurde in [45] gezeigt, dass dieser Berechnungsfehler in einem vetretbaren Rahmen liegt
(um 10%). Für weitergehende Ausführungen sei ferner auf [1] hingewiesen.
K
TKT2KT1
2π
λ
------ l
cos21
αK
2
-------2π
λ
------ l
sin2
–
jω11
αK
2
-------
+
22π
λ
------ l
sin
22π
λ
------ AEm
------------------------------------------------------
–
2π
λ
------ AEm1αK
2
+()22π
λ
------ l
sin
j2ω
------------------------------------------------------------------ 2π
λ
------ l
cos2αK
22π
λ
------ l
sin2
–
==
l
2
π
λ
------ l⋅kπ
2
---
⋅=
k1, 3, 5, ...=
k1=
ω0π
c
2
l
-
----
⋅=
K
T
1
αK
2
------- –0
0αK
2
–
=
48 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
3.2 Modellierung der piezoelektrischen Elemente
Nach der Berechnung der örtlichen Auslenkung
des passiven Materials erfolgt nun die Betrach-
tung der aktiven piezoelektrischen Elemente.
Dazu werden die konstitutiven Gleichungen in
der Form
(3.14)
(3.15)
verwendet6, siehe [44, 47]. Hier ist die Deh-
nung, die mechanische Spannung im Mate-
rial und ist die elektrische Verschiebungs-
dichte. Als Materialkonstanten werden die Ela-
stizitätskonstante , die piezoelektrische Ladungskonstante sowie die Dielektrizitäts-
konstante eingesetzt. Diese Größen können aus Datenblättern des Herstellers
entnommen werden. Es wird die Spannung an die Piezoelemente mit der Anzahl
gelegt, und die Piezoelemente haben die Dicke . Der Index P zeigt an, dass es sich hier
um Größen innerhalb des piezoelektrischen Materials handelt.7 Die Skizze in Bild 3.4 ver-
deutlicht diese Angaben. Außerdem findet man hier links und rechts des piezoelektrischen
Materials die Endmasse M sowie das Horn H. Verbunden werden diese beiden Bauteile
durch einen Bolzen, der durch die Piezoringe hindurch geht. Er sorgt für eine mechanische
Vorspannung der piezoelektrischen Ringe und verhindert deren Zugbelastung. Bei zu hohen
Zugbelastungen besteht die Gefahr, dass das Material mechanisch beschädigt wird, vgl.
auch Kap. 2.1.
Es wird für die hier behandelten Schwingeinheiten die Annahme getroffen, dass die resul-
tierende Dicke der Piezoscheiben klein zur Länge der schwingenden Endmasse und zum
Horn ist ( ). Mit guter Näherung kann dann der Verlauf der Dehnung (relative Län-
genänderung) bezüglich der Ortskoordinate als konstant angenommen werden. Sie wird
in der Form
(3.16)
dargestellt. Mit Verwendung der Geschwindigkeit als Ableitung der Auslenkung nach
der Zeit erhält man
6. Die Aktoren, die hier behandelt werden, nutzen typischerweise den sog. -Effekt. Damit eine
übersichtliche Schreibweise eingehalten werden kann, werden die üblichen Angaben der Raum-
richtungen (z. B. ), die dem anisotropen Verhalten des piezoelektrischen Materials Rechnung
tragen, weggelassen.
7. Im folgenden kennzeichnen die Indizes H, M und P, dass es sich um Materialeigenschaften des
Horns H, der Endmasse M oder der Piezoringe P handelt.
FP
1
vP
1
0
~
+- -++
lp
hP
x,w
M
H
uCp
vP
2
FP
2
PPP P
Bild 3.4: Piezoelemente mit der
Endmasse M links und dem Horn H
rechts.
S
ˆ
PsP
ET
ˆPdP
u
ˆ
C
p
hP
----
----
+=
D
ˆPdPT
ˆPεP
T
u
ˆ
C
p
hP
----
----
+=
S
ˆP
d
3
3
ε3
3
T
T
ˆP
D
ˆP
sP
E
dP
ε
P
T
u
ˆ
C
p
kP
hP
l
Pλ
2
⁄
«
S
ˆP
S
ˆ
PW∆P
kPhP
----------- W
ˆ
P2W
ˆ
P
1
–
kPhP
-----------------------
----
==
W
ˆP
3.2 Modellierung der piezoelektrischen Elemente 49
. (3.17)
Für die weitere Berechnung werden nun zunächst die Randbedingungen für die Modellie-
rung eingeführt. Die Kraft an der linken Randfläche der Endmasse (Index M1) und an der
rechten Randfläche des Horns (Index H2) ist unter diesen Annahmen gleich Null (siehe
auch Bild 3.2)
. (3.18)
Ausgehend von den Kräften und Schwinggeschwindigkeiten an den Randflächen der End-
masse ( ) und des Horns ( ) werden die Schwinggeschwindigkeiten an den Grenz-
flächen zum piezoelektrischen Material berechnet. Dazu kann das Modell bzw. die Übertra-
gungsmatrix des Dehnstabes verwendet werden, welche im vorangegangenen Abschnitt
bestimmt wurde. An den Grenzflächen ist
und (3.19)
sowie
und (3.20)
einzusetzen. Setzt man die Randbedingungen nach Gl. (3.18) bis Gl. (3.20) in die Übertra-
gungsmatrix nach Gl. (3.8) ein, ergibt sich demzufolge
. (3.21)
Die Geschwindigkeit erhält man in ähnlicher Weise durch Einsetzen in die inverse
Übertragungsmatrix (Gl. (3.9))
. (3.22)
Die beiden Geschwindigkeiten an den Randflächen des piezoelektrischen Materials sind
jetzt auf die Verhältnisse an den beiden Randflächen zurückgeführt worden. Die Dehnung
innerhalb des piezoelektrischen Materials kann somit durch Einsetzen in Gl. (3.17) berech-
net werden. Aufgrund der Annahme des frei schwingenden Systems sind die am piezoelek-
trischen Material angreifenden Kräfte wegen ihrer zur Endmasse und dem Horn vernachläs-
sigbaren Masse bezüglich ihrer Amplitude gleich. Man erhält mit
die Dehnung
. (3.23)
Für die verwendete Funktion werden die Substitutionen ,
sowie und verwendet. Eine weitere Vereinfachung des Aus-
S
ˆ
PV
ˆ
P2V
ˆ
P
1
–
jωkPhP
--------------------
----
=
F
ˆ
M1F
ˆ
H2
0
==
V
ˆ
M
1
V
ˆ
H
2
V
ˆ
P1V
ˆ
M
2
=
V
ˆ
P2V
ˆ
H
1
=
F
ˆ
P1F
ˆ
M
2
–=
F
ˆ
P2F
ˆ
–H
1
=
V
ˆ
M2V
ˆ
P1
j
ω
nMAMEM
---------------------- nMlM
()cot F
ˆ
M
2
⋅⋅==
V
ˆ
H
1
V
ˆH1V
ˆP2ω
jnHAHEH
-----------------------nHlH
()cot F
ˆH
1
⋅⋅==
F
ˆ
PF
ˆ
H1F
ˆ
M2T
ˆ
PA
P
–===
S
ˆP
A
P
kPhP
----------- 1
nHAHEH
--------------------- nHlH
()cot 1
nMAMEM
---------------------- nMlM
()cot+
⋅T
ˆP
⋅1
gω()
------------T
ˆ
P
⋅==
g
ω()
n
Mω
c
M
⁄
=
n
Hω
cH
⁄
=
E
McM
2
ρ
M
=
E
HcH
2
ρ
H
=
50 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
drucks kann durch Verwendung der Impedanzen und
erreicht werden. Es ist damit
. (3.24)
Die Funktion ist als frequenzabhängige Steifigkeit zu interpretieren, die alle wesentli-
chen geometrischen und materialbezogenen Eigenschaften des piezoelektrischen Materials
berücksichtigt. Dieser Ansatz wird verwendet, um im folgenden Kapitel in den konstituti-
ven Gleichungen die Dehnung zu ersetzen und somit eine wesentliche Vereinfachung der
weiteren Berechnung zu ermöglichen.
3.2.1 Elektrische Eingangsadmittanz
Aus Sicht des Entwurfs der Speiseeinrichtung kommt der Kurzschluss-Eingangsadmittanz
besondere Bedeutung zu, da sie das Klemmenverhalten des piezoelektrischen
Aktors in der Nähe zur mechanischen Resonanz repräsentiert. Sie lässt sich als Näherung
berechnen, indem die Dehnung in die in Gl. (3.14) gegebene konstitutive Gleichung einge-
setzt wird. Man erhält die mechanische Spannung
. (3.25)
Zur weiteren Umformulierung von Gl. (3.15) wird zunächst die Ladung als Integral der
dielektrischen Verschiebungsdichte über der gesamten Elektrodenoberfläche unter Berück-
sichtigung der Anzahl der Piezoelemente berechnet:
. (3.26)
Mit dem Strom als zeitliche Ableitung der Ladung erhält man somit für die dielektrische
Verschiebungsdichte
. (3.27)
Dies eingesetzt in Gl. (3.15) und unter Verwendung von Gl. (3.27) erhält man den Ausdruck
, (3.28)
welcher umgestellt die elektrische Eingangsadmittanz ergibt:
Z
M
c
MρM
A
M
=
Z
H
c
HρH
AH
=
g
ω() ω
k
P
h
P
AP
----------------
Z
M
ZM
ZH
-------ωlH
cH
------
cot⋅ω
lM
cM
------
cot+
-------------------------------------------------------------------
----
⋅=
g
ω()
Y
el
j
ω()
T
ˆP
d
P
u
ˆ
Cp
⋅
hP1
gω()
------------sP
E
–
--------------------------------
---
=
q
ˆP
kP
q
ˆ
PkPD
ˆPA
P
d
AP
∫
=
i
ˆP
D
ˆP
1
jωkPAP
-------------------
i
ˆP
⋅=
i
ˆ
P
jωkPAP
-------------------dP
2
hP1
gω()
------------sP
E
–
----------------------------------- u
ˆCp
⋅ε
P
Tu
ˆ
C
p
hP
----
----
⋅+=
3.2 Modellierung der piezoelektrischen Elemente 51
. (3.29)
Für den statischen Fall erhält man die Admittanz eines Kondensators mit der
Kapazität (vgl. Gl. (2.5))
. (3.30)
3.2.2 Kurzschluss-Kernadmittanz
Die Kurzschluss-Kernadmittanz, siehe Kap. 2.3, wird zur Charakterisierung und Auslegung
einer piezoelektrischen Schwingeinheit ebenfalls benötigt. Ihre Definition lautet
, (3.31)
und gibt das Verhältnis zwischen der Ausgangsgeschwindigkeit am Hornende und der
anregenden Spannung an den Piezoelementen an. Wegen des frei schwingenden Aktors
kann die Kraft am Hornende zu Null gesetzt werden ( ). Zur Berechnung wird
zunächst mit Hilfe der Übertragungsmatrix für das Horn die Schwinggeschwindigkeit an
der rechten Randfläche berechnet. Nach Einsetzen von in Gl. (3.9) und Auflösen nach
wird dieser Ausdruck mit Gl. (3.22) gleichgesetzt und nach aufgelöst. Das Ergeb-
nis lautet mit Gl. (3.25):
. (3.32)
Entsprechend der Definition der Kurzschluss-Kernadmittanz nach Gl. (3.31) erhält man
daraus
. (3.33)
3.2.3 Längenauslegung des Horns und der Endmasse
Anhand Gl. (3.33) wird die Resonanzbedingung des Aktors abgelesen. Im Resonanzfall
strebt die Kurzschluß-Kernadmittanz im ungedämpften Fall gegen Unendlich. Mit der
Überlegung, dass die Länge des Horns eine viertel Wellenlänge umfassen soll ( ),
gilt dementsprechend mit :
. (3.34)
Y
el jω() i
ˆP
u
ˆCp
-------- jωkPAP
hP
-------------------dP
2gω()
1sP
Egω()–
---------------------------εP
T
+
⋅==
g
ω
0
→()
C
PεP
T
k
P
AP
hP
--------
----
⋅=
Y
mjω() V
ˆ
H
2
u
ˆC
p
-----
----
=
V
ˆ
H
2
u
ˆ
C
p
F
ˆ
H2
0
=
F
ˆ
H
2
V
ˆ
H
1
V
ˆ
H
2
V
ˆH2
jA
P
ZHhP
-------------1
ωlH
cH
------
sin
----------------------------
d
P
g
ω()
1sP
Egω()–
---------------------------u
ˆC
p
⋅⋅⋅=
Y
mjω()
jA
P
ZHhP
-------------1
ωlH
cH
------
sin
--------------------------
d
P
g
ω()
1sP
Egω()–
-----------------------
----
⋅⋅=
l
Hλ
4
⁄
=
λ
c
H
f0
⁄
=
l
Hπ
2
---
c
H
ω
0
--
----
⋅=
52 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
Nichttriviale Lösungen der Resonanzbedingung findet man für den Fall ,
woraus folgt . Zur Berechnung der erforderlichen Länge der Endmasse wird
Gl. (3.34) in eingesetzt. Es folgt
. (3.35)
Umgestellt nach und mit Einführung des Faktors zur Verein-
fachung berechnet sich die Endmassenlänge mit
. (3.36)
Die Länge einer Endmasse aus Stahl ist für unterschiedliche Betriebsfrequenzen
im Ultraschallbereich zwischen 18 kHz und 100 kHz in Bild 3.5 darge-
stellt. Für diese Betrachtungen liegt eine konstante Dicke der Piezoscheiben vor. In Bild 3.6
ist zusätzlich gezeigt, wie sich die Länge eines Titanhorns gestaltet, wenn es für unter-
schiedliche Betriebsfrequenzen ausgelegt würde.
1
sP
Egω0
()–
0
=
g
ω0
() 1s
P
E
⁄=
g
ω0
()
g
ω0
()
k
P
h
Pω0
AP
------------------
Z
M
ω0
lM
cM
------
cot
---------------------------
⋅1
sP
E
----
-
!
==
l
MκkPhPω0ZMsP
E
()A
P
⁄=
l
M
c
M
ω0
------ 1
κ
---
atan⋅=
f
0ω0
2
π()⁄
=
f
0
in kHz
l
M
in mm
k
P
= 6
1
2
5
10
20
50
100
20 40 60 80 100
k
P
= 2
k
P
= 4
Bild 3.5: Länge der Endmasse als Funktion der gewünschten Betriebs-
frequenz für unterschiedliche Zahl von Piezoelementen. Das Material
der Endmasse ist Stahl.
l
M
3.2 Modellierung der piezoelektrischen Elemente 53
3.2.4 Normierungen des Aktormodells
Für eine übersichtliche Darstellung des Aktormodells werden einige zweckmäßige Normie-
rungen eingeführt. Dazu wird zunächst die Frequenz mit
(3.37)
normiert. Die Funktion g(ω) geht mit dann über in
. (3.38)
Für die Kurzschluß-Eingangsadmittanz bzw. -Kernadmittanz ergeben sich nunmehr die fol-
genden Funktionen:
(3.39)
. (3.40)
f
0
in kHz
l
H
in mm
20 40 60 80 100
15
20
30
50
Bild 3.6: Länge des Horns als Funktion der gewünschten Betriebsfrequenz.
Als Material wurde Titan gewählt.
lH
Ωω
ω
0
--
----
=
κkPhPω0ZMsP
E
()A
P
⁄=
g
Ω() Ωκ⋅
sP
E
------------
1
ZM
ZH
-------Ωπ
2
--- ⋅
cot⋅Ω
1
κ
---
atan⋅
cot+
---------------------------------------------------------------------------------------
----
⋅=
Y
el jΩ() jΩω0kPAP
hP
------------------------ εP
TdP
2gΩ()
1sP
EgΩ()–
---------------------------
+
⋅⋅=
Y
mjΩ() j
A
P
ZHhP
-------------1
Ωπ
2
---
⋅
sin
--------------------------
d
P
g
Ω()
1sP
EgΩ()–
-----------------------
----
⋅⋅ ⋅=
54 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
In der Nähe der Resonanzfrequenz kann noch vereinfacht werden, und man erhält
. (3.41)
3.3 Gesamtmodell einer Ultraschall-Schwingeinheit
In den folgenden Abschnitten werden die bisherigen Ergebnisse verwendet, um ein Gesamt-
modell einer Ultraschall-Schwingeinheit auf Basis eines einfachen elektrischen Ersatz-
schaltbildes herzuleiten. Außerdem erfolgt eine Analyse bezüglich der Empfindlichkeit des
ermittelten Modells.
3.3.1 Ersatzparameter der Schwingeinheit
Ziel der Modellierung ist die Darstellung der komplexen Gleichungen, die einen piezoelek-
trischen Aktor beschreiben, in die Form konzentrierter Parameter zu überführen. Das in
Bild 3.7 dargestellte Ersatzschaltbild repräsentiert den Aktor in der Nähe seiner Resonanz-
frequenz, wobei das mechanische Teilsystem an die Piezokapazität mit Hilfe eines idealen
Übertragers angekoppelt wird. Das mechanische Teilsystem wird in Form eines elektri-
schen Schwingkreises dargestellt, wobei man sich der Analogie bedient, dass eine Indukti-
vität in eine Masse und eine Kapazität in eine Steifigkeit umgerechnet werden kann. Ein
zweiter Übertrager repräsentiert das Transformationsstück, welches die geforderte Schwin-
gungsamplitude für den Prozess sicherstellt. Sein Übertragungsverhältnis ergibt sich aus der
Übertragungsmatrix nach Gl. (3.13) im Resonanzfall zu .
Wie auf Seite 44 ausgeführt, führt bei den hier betrachteten Systemen jeder Ultraschallpro-
zess zu einer nur geringfügigen Dämpfung. Infolgedessen liegt immer eine hohe Güte des
schwingfähigen Systems vor. Als Näherung kann aus diesem Grund weiterhin die Gültig-
keit der Randbedingung angenommen werden. Anwendbar ist dieser Ansatz aus-
schließlich bei schwach gedämpften Systemen. Für Applikationen wie z. B. Ultraschallrei-
nigung oder -schweißen ist diese Annahme nicht mehr gerechtfertigt. In diesen Fällen kann
man nicht mehr von einem frei schwingenden System ausgehen, und der Leistungsfluss
müsste durch entsprechende Wellenleitermodelle berücksichtigt werden. Der hier gewählte
Y
m
j
Ω()
Y
mjΩ()j
A
P
ZHhP
-------------
d
P
g
Ω()
1sP
EgΩ()–
-----------------------
----
⋅⋅≈
nTαK
2
–=
uCp
vT
2,2
CPZm
mmdL
cm
1
1:KP1:nT
Ze
iH
iPvH
2
RV
Bild 3.7: Ersatzschaltbild eines piezoelektrischen Aktors einschließlich
Transformationsstück und Prozessdämpfung.
F
H2
0=
3.3 Gesamtmodell einer Ultraschall-Schwingeinheit 55
Ansatz reduziert außerdem das Modell auf das Wesentliche und unterstützt die transparente
Darstellung der komplexen Zusammenhänge. Aus den genannten Gründen wird für die
Dämpfung des Modells ein aus Voruntersuchungen ermittelter Wert übernommen. Auswir-
kungen auf die Aussagekraft des Modells bezüglich der Ersatzsteifigkeit und -masse sowie
des Transformationsfaktors durch das Horn hat diese Vorgehensweise nicht. Die Darstel-
lung der Dämpfung durch den Ultraschallprozess auf die Schwingeinheit erfolgt mit Hilfe
eines veränderlichen ohmschen Widerstandes mit dem Wert .
Als weitere Vereinfachung wurde angenommen, dass die dielektrischen Verluste, repräsen-
tiert durch den Widerstand , sehr gering sind. Somit kann die Bestimmung dieses Para-
meters entfallen.
Gesucht sind demzufolge:
• die Piezokapazität
• die Steifigkeit
• die Masse
• das Übersetzungsverhältnis des idealen Übertragers
Die Dämpfung ist aufgrund ihrer Abhängigkeit vom Prozess messtechnisch
zu ermitteln [45]. Die zu diesem Ersatzschaltbild gehörenden Ortskurven sind in Bild 3.8
dargestellt. Aus dem Ersatzschaltbild ergibt sich die Ersatzimpedanz
. (3.42)
Die Kurzschluss-Eingangs- und -Kernadmittanzen lassen sich nun zu
(3.43)
bzw.
(3.44)
herleiten. Betrachtet man die Kurzschluß-Eingangs-
admittanz nach Gl. (3.43) exakt in der Resonanz
und zieht den Anteil der Piezokapazität ab,
ist nur noch die Dämpfung des mechanischen
Systems wirksam, da sich die imaginären Anteile
gegeneinander aufheben. Es gilt dann
. (3.45)
Dieser Ausdruck wird mit der mit Resonanzfrequenz angeregten Kurzschluss-
Kernadmittanz
dL
RV
CP
cm
mm
KP
d
˜
LdLn
T
2
⁄=
Z
mjω() d
˜Ljωmm
cm
jω
--
----
++=
Y
el jω() i
ˆ
P
u
ˆCp
-------- jωCPKP
21
Zmjω()
--------------
----
⋅+==
Bild 3.8: Prinzipskizze der Ort
s-
kurven für das Ersatzschaltbi
ld
nach Bild 3.7.
Im{Y}Yel
Ym
ω0CP
ω0
ω
Re{Y}
KP2
KP/2dL
2dL
~
Y
mjω()
v
ˆ
H2
u
ˆCp
-------- KP1
Zmjω()
--------------
----
⋅==
ωω
0
=
d
˜L
Y
el jω0
()jω0CP
–KP
2
1
d
L
˜
-
----
⋅=
ωω
0
=
56 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
(3.46)
ins Verhältnis gesetzt, und man erhält somit durch eine Grenzwertbildung in normierter Fre-
quenz
. (3.47)
Durch Einsetzen der Gleichungen (3.39) und (3.40) und Berücksichtigung von Gl. (3.38)
ist das Übersetzungsverhältnis bei gegeben durch:
. (3.48)
Die Steifigkeit wird mit Hilfe der Resonanzfrequenz ausgedrückt
, (3.49)
und in frequenznormierter Darstellung erhält man damit aus Gl. (3.42)
. (3.50)
Dieser Ausdruck sowie das Übersetzungsverhältnis nach Gl. (3.48) und die Kurzschluss-
Kernadmittanz nach Gl. (3.40) bilden nun den Ausdruck
(3.51)
der nach der Ersatzmasse aufgelöst wird. Als Ergebnis erhält man eine formal von der
Frequenz abhängige Masse
. (3.52)
Die in unmittelbarer Nähe der Resonanzfrequenz gültige Masse erhält man durch eine
Grenzwertbildung für :
. (3.53)
Y
mjω0
()KP
1
d
L
˜
-
----
⋅=
K
P
Y
el
j
Ω()
j
Ωω0
C
P
–
YmjΩ()
---------------------------------------------
Ω
1
→
=
Ω
1=
K
P
k
Pω0
d
P
ZH
=
cm
c
mω0
2
m
m
=
Z
mjΩ() dL
˜jω0Ωmm
⋅+1
1
Ω2
-----
--
–
⋅=
YmjΩ()
K
P
ZejΩ()
-----------------
⇒
jAP
ZHhP
-------------1
Ωπ
2
---
⋅
sin
--------------------------dPgΩ()
1sP
EgΩ()–
---------------------------
⋅⋅ ⋅ kPω0dPZH
jω0Ωmm
⋅11
Ω2
-------
–
⋅
----------------------------------------------------
=
=
mm
Ω
m
mΩ() κZH
2
⋅
ω0sP
EZM
--------------------
Ωπ
2
---
sin
Ω11
Ω2
------- –
---------------------------- 1sP
EgΩ()–
gΩ()
-----------------------
----
⋅⋅–=
mm
Ω
1
→
m
mmmΩ()
Ω1→
lim 1
2ω0
--------- ZH
2
Zm
-------π
2
---ZM
ZH
-------
⋅κ1κ+()
2κ()acot++
⋅⋅==
3.4 Modellvalidierung 57
3.3.2 Empfindlichkeit des mathematischen Modells
Die Angaben der Hersteller zu den piezoelektrischen Materialparametern unterliegen für
gewöhnlich sehr großen Toleranzen ( ), siehe [72, 73]. Aus diesem Grund ist die
Robustheit des mathematischen Modells bezüglich der Werkstoffkonstanten von besonde-
rem Interesse. In Bild 3.9 ist die Empfindlichkeit hinsichtlich der Konstanten , und
dargelegt. Dazu wird die jeweilige Konstante im typischen Toleranzbereich bezüglich
ihres Nominalwertes aus Datenblättern betrachtet ( ,
, ). Die Parameter des Ersatzschaltbildes nach
Bild 3.7 sind in normierter Form über ihrem Toleranzbereich aufgetragen. Die Nominal-
werte , sowie berechnen sich nach den in den Datenblättern gegebenen Wer-
ten.
Man erkennt, dass in diesem Modell, nur entkoppelte Abhängigkeiten vorliegen, d. h.
Abweichungen eines Parameters wirken sich nur auf eine Größe des Ersatzschaltbildes aus.
Die Empfindlichkeit der Steifigkeit wurde nicht dargelegt, da sich in diesem Fall das
gleiche Verhalten wie für die Ersatzmasse ergibt (vgl. Gl. (3.49)).
3.4 Modellvalidierung
Die Modellvalidierung erfolgt anhand einer Schwingeinheit (Al-K-P3), die für die Ultra-
schall-Stehwellenzerstäubung auf Basis des vorgestellten mathematischen Modells entwor-
fen und aufgebaut wurde. Die Konstruktionszeichnungen können Anhang A entnommen
werden. Ein Foto des untersuchten Aktors sieht man in Bild 3.10. Man erkennt den Piezoak-
tor links mit seiner Umbauung und Halterung. Rechts angeschraubt ist eine käuflich erwor-
bene BRANSON-Sonotrode, die bereits im Vorfeld beschafft und aus Kostengründen weiter
eingesetzt wurde.
Das Einsatzgebiet dieser Schwingeinheit ist nicht nur auf das der Stehwellenzerstäubung
beschränkt. Prinzipiell eignet er sich zur Anregung jeglicher Ultraschallwerkzeuge mit Lon-
gitudinalschwingungen. Die Schwingungserzeugung erfolgt über einen Stapel Piezoringe
20%
±
sP
E
dP
ε
P
T
sP
E
∆0,8 .. 1,2 s
0
E
=
d
P
∆
0,8 .. 1,2 d
P
0
,
=
εP
T
∆0,8 .. 1,2 εP
0
,
T
=
m
m
0
K
P
0
C
P
0
cm
mm
0.94
0.96
0.98
1
1.02
1.04
1.06
∆
ε
Τ
∆
∆ε
0.8
0.9
1
1.1
1.2
0.8
0.9
1
1.1
1.2
0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.8 0.9 1 1.1 1.2
/
0
/
0
/
0
/
0
/
0
/
0
/
0
/
0
/
0
Bild 3.9: Empfindlichkeit des Modells einer Ultraschall-Schwingeinheit bezüglich
Parameterschwankungen des piezoelektrischen Materials (PIC 181) inner-
halb der typischen Toleranzen von .
20 %
±
58 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
aus dem Material PIC 181 der Firma PHYSIKINSTRUMENTE. Sowohl die Endmasse als auch
das Horn bestehen aus Aluminium.
Endmasse:
Die Randfläche der Endmasse zum Piezostapel weist die gleiche Querschnittsfläche auf,
wie die Piezoringe. Die Schraube zur Vorspannung des Piezostapels wird zur Endmasse
bzw. zum Horn gehörig betrachtet. Der Außendurchmesser beträgt 58 mm.
Horn:
Das Horn gewährleistet eine Amplitudentransformation, die durch eine Verjüngung des
Querschnitts erreicht wird.
Piezomaterial:
Für das piezoelektrische Material wurde ein Durchmesser von 50 mm zugrunde gelegt.
Außerdem wurde zur Vorspannung des Piezostapels eine Schraube vorgesehen, die einen
Innendurchmesser der Ringe von wenigstens 20 mm voraussetzt.
Dichte 2790 kg/m3
Elastizitätsmodul 0,73 x1011 N/m2
Durchmesser zum
Piezostapel 50 mm
Durchmesser am
Ende des Transforma-
tionsstücks 30 mm
Kennkreisfrequenz 20 kHz
Außendurchmesser aussen: 50 mm
Innendurchmesser innen: 20 mm
Dicke einer Piezo-
scheibe 4mm
Bild 3.10: Für die Ultra-
schall-Stehwellenzerstäubung
entwickelter piezoelektrischer
Aktor (Al-K-P3).
ρAlu
E
Alu
d
H
1
d
H
2
ω
0
da
di
hP
3.4 Modellvalidierung 59
Validierung:
Bild 3.11 gibt die Betragskennlinien der elektrischen Eingangsadmittanz der realen und
meßtechnisch identifizierten Schwingeinheit sowie die mit dem mathematischen Modell
berechneten Kennlinien wieder. Die aus den Messungen bestimmte Dämpfung der
Schwingeinheit wurde für das mathematische Modell übernommen.
Die Abweichungen im Abstand zwischen Resonanz und Antiresonanz sind vor allem auf
die unbekannte dielektrische Ladungskonstante zurückzuführen. Sie unterliegt einer-
seits den Materialtoleranzen von , darüber hinaus aber zusätzlich noch in starkem
Maß der Vorspannung, die mit der Schraube aufgebracht wird. Weitere Details werden u. a.
in [2] diskutiert. Die Abweichungen zwischen Modell und Messung können daher als
akzeptabel eingeschätzt werden. Ein weiterer systematischer Fehler, der in der obigen
Gegenüberstellung erfolgte, ist die im Modell nicht berücksichtigte Amplitudentransforma-
tion durch das Titanhorn in Form eines stetigen Querschnittüberganges (siehe Bild 3.10),
um die mechanische Spannungsamplitude und somit die mechanische Belastung für das
Material zu verringern. Das mathematische Modell verwendet der Einfachheit halber aber
einen stufigen Querschnittsübergang. Dies führt zu einem Fehler, der mehrere Prozent aus-
machen kann. Unter diesen Umständen sind die sich ergebenen Abweichungen erklärbar
und liegen in einem annehmbaren Bereich.
Die Beträge der Kurzschluss-Kernadmittanzen sowie deren Ortskurven, die wiederum auf
den messtechnisch identifizierten bzw. auf den mathematisch modellierten Parametern
beruhen, sind in Bild 3.12 bzw. in Bild 3.13 dargestellt. Die jeweils mit „Messung“ gekenn-
zeichneten Graphen basieren auf den meßtechnisch identifizierten Parametern der Schwin-
geinheit. Alle Kennlinien wurden auf die Resonanzfrequenz normiert ( :
, ).
Anzahl Piezoscheiben 6
piezoelektrische
Ladungskonstante 265 x10-12 m/V
Elastizitätskonstante 14,2 x10-12 m2/N
Dielektrizitätskon-
stante 1200
Materialdichte 7800 kg/m3
kP
dP
sP
E
εP
T
ε
0
⁄
ρ
P
dP
20%
±
f0
f0
f
Modell
20 kHz=
f
Messung
18,73 kHz=
60 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
1
x
10
-2
1
x
10
-1
1
x
10
-3
1
x
10
-4
|Y
el
(2
F
f )| in A/V
f
f0
0.96 0.98 1 1.02 1.04 1.06 1.08 1.1
mathematisches
Modell
Messung
Bild 3.11: Eingangsadmittanzen des mathematisch modellierten und
der messtechnisch parametrierten Schwingeinheit.
1
x
10
-2
5
x
10
-2
1
x
10
-3
5
x
10
-3
f
f0
0.96 0.98 1 1.02 1.04 1.06 1.08 1.1
Messung
mathematisches
Modell
|Y
m
(2
F
f )|
in
m/Vs
Bild 3.12: Kurzschluss-Kernadmittanz des mathematisch modellierten
und des messtechnisch parametrierten Schwingeinheit.
3.5 Zusammenfassung 61
3.5 Zusammenfassung
In Kap. 1 wurde als zu untersuchender Punkt die Frage nach Modellen zur Auslegung von
Ultraschallwerkzeugen gestellt. Vordringliches Ziel sollte dabei zunächst die Erarbeitung
wichtiger grundlegender Zusammenhänge zwischen dem mechanischen und elektrischen
System darstellen, um das Verständnis für Ultraschallsysteme zu vertiefen.
Damit die für diesen Schritt wichtige Übersichtlichkeit des mathematischen Modells erhal-
ten bleibt, wurde auf eine Darstellung des Prozesses bewusst verzichtet. Stattdessen geht
man davon aus, dass der Prozess in Voruntersuchungen messtechnisch erfasst und in Form
einer einfachen Dämpfung repräsentiert werden kann. In diesem Zusammenhang wird die
Dämpfung innerhalb der piezoelektrischen Schwingeinheit und der ggf. verwendeten Trans-
formationsstücke mit der Prozessdämpfung verrechnet bzw. vernachlässigt.
In diesem Kapitel wurde ein relativ einfaches mathematisches und analytisches Modell zur
Auslegung und Analyse piezoelektrischer Ultraschall-Schwingeinheiten und deren Trans-
formationsstücke zur Anpassung der Auslenkungsamplitude entwickelt. Zur Modellierung
werden lediglich die Werkstoffparameter des verwendeten piezoelektrischen Materials
sowie der Endmasse und des Horns sowie einige geometrische Angaben benötigt. Als
Ergebnis der angewendeten Gleichungen erhält man die Maße der Schwingeinheit bzw. des
Transformationsstücks. Ferner ist es möglich, die Parameter eines in der Literatur üblichen
Re{Y
m
(2
F
f )} in m/Vs
Im{Y
m
(2
F
f )} in m/Vs
-0.04
-0.02
0
0.02
0.04
0.02 0.04 0.06 0.08 0.1
mathematisches
Modell
Messung
Bild 3.13: Ortskurven des mathematisch modellierten und des
messtechnisch parametrierten Schwingeinheit.
62 3 Modellierung und Analyse piezoelektrischer Schwingeinheiten
Ersatzschaltbildes zu berechnen. Das verwendete Modell hat nur Gültigkeit für die Klasse
schwach gedämpfter Systeme, da in diesen Fällen davon ausgegangen werden kann, dass
die Schwingungsform des Aktors durch die Prozessdämpfung nicht signifikant gestört wird.
Voraussetzung für diese Annahme ist der in der Praxis verfolgte Ansatz, die Schwingeinheit
mit dem Wissen aus den durchgeführten Voruntersuchungen, konstruktiv dem Prozess
anzupassen.
Die Validierung des Modells zeigt, dass eine ausreichende Genauigkeit des mathematischen
Modells erzielt wird. Somit liegt mit dem beschriebenen Modell ein einfaches aber effekti-
ves Berechnungsverfahren zur Auslegung und Analyse piezoelektrischer Aktoren vor. Vor
allem aber ermöglicht dieses Modell, Verkettungen zwischen unterschiedlichsten Entwurfs-
parametern und Parametereinflüssen mit Hilfe handlicher analytischer Gleichungen darzu-
stellen.
Der weitere Verlauf dieser Arbeit, widmet sich nun zunächst der ebenfalls in Kap. 1 gestell-
ten Frage nach geeigneten Stromrichterkonzepten und deren mathematischer Beschreibung.
Das Modell der Ultraschall-Schwingeinheit wird erst wieder in Kap. 5 aufgegriffen. Dann
werden die erarbeiteten mathematischen Modelle zusammengeführt, und wichtige Ent-
wurfsziele eines abgestimmten Systems von Schwingeinheit und Spannungsversorgung
werden formuliert und analysiert.
63
4 Stromrichterkonzepte
Zur Speisung resonant betriebener piezoelektrischer Systeme gibt es, wie bereits in Kap.
2.4.2 gezeigt, etliche Konzepte. Dabei muss insbesondere die Dämpfung durch den Ultra-
schall-Prozess berücksichtigt werden, die darüber entscheidet, ob ein Stromrichter- bzw.
Verstärkerkonzept für eine bestimmte Anwendung gut geeignet ist. Kommerzielle Strom-
richtertypen sind zumeist speziell auf die Anwendung, wie z. B. das Ultraschall-Kunstoff-
schweißen oder die Ultraschall-Reinigung zugeschnitten. Diese in der Praxis häufig anzu-
treffenden Anwendungsbeispiele zeichnen sich im Betrieb durch eine hohe Dämpfung im
mechanischen Teilsystem der piezoelektrischen Schwingereinheit aus. Herstellerfirmen die-
ser Systeme greifen auch bei Anwendungsbereichen, in denen eine erheblich geringere
Dämpfung des mechanischen Teilsystems vorliegt, auf diese bewährten Verstärkertypen
zurück. Dies senkt die Kosten bei der Entwicklung, hat aber prinzipbedingt häufig unnötig
voluminöse und überdimensionierte leistungselektronische Schaltungen zur Folge.
In [48] wurden für den Anwendungsbereich der Ultraschall-Wanderwellenmotoren unter
anderem Stromrichterkonzepte und ihre Dynamik untersucht. Da aber auch Ultraschall-
Wanderwellenmotoren zu den Systemen mit kleiner Gütezahl gehören, sind die dort durch-
geführten Analysen und Empfehlungen für schwächer gedämpfte piezoelektrisch erregte
Schwingereinheiten nur bedingt anwendbar.
In Kap. 4.1 werden zunächst die zur Stromrichtermodellierung verwendeten Methoden vor-
gestellt. Kap. 4.2 und Kap. 4.2.2 widmen sich den LC-Resonanz- bzw. LLCC-Resonanz-
stromrichtern. Resonanzstromrichter ermöglichen die lokale Kompensation auftretender
Blindleistungen sowie die Speisung der piezoelektrischen Aktoren mit näherungsweise
sinusförmigen Spannungsverläufen und erlauben beispielsweise Nullspannungsschalten,
was das Ein- und Ausschalten der Transistoren in der Wechselrichterstufe verlustarm gestal-
tet. Als Nachteil sind ihre zum Teil sehr voluminösen und kostenintensiven Filterbauele-
mente zu nennen.
Weitere Konzepte sind die Pulsstromrichter, die in [48] auch als „nicht resonante Stromrich-
terkonzepte“ bezeichnet werden und in Kap. 4.3. behandelt werden. Durch eine höherfre-
quente Ansteuerung der Leistungstransistoren in der Wechselrichterstufe werden gezielt
Oberschwingungen der Wechselrichterspannung zu höheren Frequenzen verschoben, was
die Verwendung kleinvolumiger und kostengünstiger Induktivitäten zur Strombegrenzung
und Filterung ermöglicht. Entscheidende Nachteile sind in der aufwändigeren Modulation
und der höheren Verlustleistung der Wechselrichterstufe aufgrund höherer Schaltfrequenz
zu sehen. Beim Einsatz von Pulsstromrichtern zur Speisung stark gedämpfter Systeme
(z. B. Wanderwellen-Ultraschallmotoren) muss ferner berücksichtigt werden, dass die vom
Aktor benötigte Blindleistung aufgrund der fehlenden lokalen Kompensation über den Aus-
gangstransformator übertragen werden muss und zu einer höheren Belastung der Wechsel-
richterstufe und des Zwischenkreises führt. Die Folge sind höhere Verluste und eine volu-
minösere und kostenintensivere Auslegung des Stromrichters.
In Kap. 4.5 schließlich wird die Realisierung eines Pulsstromrichters als Teil einer Experi-
mentierplattform für die Ultraschall-Stehwellenzerstäubung beschrieben.
64 4 Stromrichterkonzepte
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung
In diesem Abschnitt werden die für die Modellierung der vorgestellten Stromrichtertopolo-
gien verwendeten Methoden vorgestellt. Aufgrund der zum Teil sehr geringen Dämpfung
der betrachteten Systeme und der damit einhergehenden langen Rechenzeiten, die aufge-
wendet werden müssen, ehe sich das System im eingeschwungenen Zustand befindet,
wurde die Zeitbereichsanalyse – eine zur Simulation im Zeitbereich alternative Simula-
tionsmethode – verwendet.
Damit möglichst einfache und analytisch fassbare Ausdrücke zur Beschreibung der Bela-
stungsgrößen verwendet werden können, wird eine Grundschwingungsanalyse der vorge-
stellten Stromrichtertypen durchgeführt. Dieses Verfahren erlaubt in gewissen Grenzen eine
adäquate Näherung der vorliegenden Belastungsgrößen.
Von weiterem Interesse sind die zu erwartenden Verluste in der Wechselrichterstufe, die
sich aus Schaltverlusten und Durchlassverlusten der Transistoren und Dioden zusammen-
setzen. Die allgemeine Modellierung dieser Verluste erfolgt in Kap. 4.1.3. Die Anwendung
dieser Modelle erfolgt in den entsprechenden Abschnitten der betrachteten Topologien und
erlaubt außerdem überschlägige Aussagen über die Wirkungsgrade.
Eine Volumenabschätzung der in den jeweils behandelten Stromrichtertopologien verwen-
deten magnetischen Bauelementen auf Basis des Flächenproduktes ermöglicht Abschätzun-
gen bezüglich der Miniaturisierbarkeit und der Kosten.
Die durchgeführten Betrachtungen sollen einen Vergleich der jeweiligen Stromrichterkon-
zepte in Form einer Bewertungsmatrix ermöglichen, die in Kap. 4.4 vorgestellt wird.
4.1.1 Zeitbereichsanalyse
Bei der Auslegung der Stromrichter ist man einerseits am eingeschwungenen Zustand ande-
rerseits am Großsignalverhalten des Systems interessiert. Aufgrund der geringen Dämpfung
der in dieser Arbeit betrachteten piezoelektrischen Systeme ergeben sich aber bei der „klas-
sischen“ Simulation der Filtertopologien, die das Ersatzschaltbild des piezoelektrischen
Aktors beinhalten, im Zeitbereich (z. B. mit SIMPLORER oder MATLAB) sehr hohe Rechen-
zeiten, da sowohl sehr kleine Simulationsschrittweiten als auch sehr lange Simulationszei-
ten gewählt werden müssen. Dies führt zu Rechenzeiten von mehreren Stunden und ist mit
sehr hohem Ressourcenbedarf des Simulationsrechners verbunden.
Um dieses Problem zu umgehen, bietet es sich an, den eingeschwungenen Zustand des
Stromrichtermodells, der für ein beliebiges Signal mit der Gleichung
(4.1)
mit T als Periodendauer definiert wird, direkt zu berechnen, indem auf Basis des gelösten
Differenzialgleichungssystems das Anfangswertproblem mittels elementarer, analytischer
Berechnungen gelöst wird [50, 55]. Dies beschleunigt die Berechnung des eingeschwunge-
nen Zustandes um ein Vielfaches und beschränkt sich auf zum Teil wenige Sekunden (siehe
[62, 63, 65]). Gleichzeitig kann der Speicherbedarf auf der Festplatte des Simulationsrech-
ners drastisch reduziert werden. Zwar ist die Einsparung von Festplattenspeicherplatz heut-
zutage kein ausschlaggebendes Argument mehr, allerdings macht sich eine große Simula-
xt T+
()
xt
()
=
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung 65
tionsdatei im Post-Prozess bemerkbar, wenn sehr große Dateien in den Arbeitsspeicher
geladen werden müssen.
Als Vorteil der Simulation im Zeitbereich ist zu nennen, dass keine explizite Lösung des
Differenzialgleichungssystems vorliegen muss, was sich gerade bei Systemen höherer Ord-
nung bemerkbar macht. Bei der Zeitbereichsanalyse ist dies aber zwingend notwendig, und
Computeralgebrasysteme wie MATHEMATICA oder MAPLE stossen insbesondere bei Syste-
men höherer Ordnung an ihre Grenzen. Aus diesem Grund müssen entweder die zu betrach-
tenden Systeme in geeigneter Weise vereinfacht werden, oder die Differenzialgleichungen
erfordern eine Umformung (die viel Geschick und Erfahrung mit dem verwendeten Compu-
teralgebrasystem verlangt), um eine Lösung zu ermöglichen. Ist die Lösung letztlich gefun-
den, kann das Anfangswertproblem auf ein lineares Gleichungssystem zurückgeführt wer-
den, welches sehr einfach gelöst werden kann.
Ein wesentlicher Vorteil der Simulation im Zeitbereich gegenüber der Zeitbereichsanalyse
ist die Möglichkeit, Aussagen über das Einschwingverhalten zu treffen. Als Beispiel sei hier
die Berechnung von Stromspitzen, die Magnetkerne in die Sättigung treiben können,
erwähnt. Durch geeignete Maßnahmen wie z. B. sanfte Inbetriebnahme (soft-start) sind
diese Probleme aber vermeidbar. Aus diesem Grunde wurde im Rahmen dieser Arbeit die
Zeitbereichsanalyse zur Ermittlung der Belastungsgrößen herangezogen. Im Folgenden
wird das gewählte Verfahren näher beschrieben.
Für die Berechnung des eingeschwungenen Zustandes geht man zunächst davon aus, dass
die Wechselrichterstufe eine Rechteckspannung erzeugt, deren Blockhöhe der Zwischen-
kreisspannung entspricht. So kann sie der Wechselrichterstufe eines Resonanzstrom-
richters entsprechend blockförmige, periodische Verläufe mit variablem Tastverhältnis
erzeugen, oder, wie es beim Pulsstromrichter auftritt, ein komplizierteres periodisches Puls-
muster. Die in der Wechselrichterstufe enthaltenden Bauelemente werden als ideale Schalter
angenommen, die keinen Spannungsabfall im leitenden Zustand aufweisen und ohne Ver-
zugszeiten zwischen leitendem und sperrendem Zustand und anders herum wechseln. Der
Einfachheit halber bietet es sich an, die Vollbrückenschaltung der behandelten Stromrichter-
konzepte für die Berechnung durch eine ideale Spannungsquelle, die die entsprechenden
Pulsmuster erzeugt, zu ersetzen. Dann reduziert sich das zu lösende Problem auf die
Betrachtung der Ausgangsfilter, die nun in Form eines linearen, inhomogenen Differenzial-
gleichungssystems angegeben werden können:
. (4.2)
Die skalare Eingangsgröße ist dabei die Wechselrichterspannung, und die Matrizen A
bzw. B bestehen aus konstanten Koeffizienten. Der Verlauf der Wechselrichterspannung ist
bekannt und wird in Intervalle unterteilt, in denen sie entweder zu null oder gleich der Zwi-
schenkreisspannung gesetzt wird. Umschaltungen treten zu den Zeiten auf, und
innerhalb einer Periode der Wechselrichterspannung gibt es insgesamt Intervalle. Die
Lösungen der Differenzialgleichungssysteme in den jeweiligen Intervallen können z. B. mit
Hilfe der Laplacetransformation bestimmt werden:
Ud
x
·t
()
Ax t
()
But
()
+=
ut
()
Ud
tk
n
66 4 Stromrichterkonzepte
(4.3)
(4.4)
Der Vektor bezeichnet den zum Intervall gehörigen Anfangswert. Das sich erge-
bende Gleichungssystem wird nach den Zustandsgrößen aufgelöst, so dass die resultierende
Gleichung von anderen Zustandsgrößen unabhängig und nur noch von konstanten Parame-
tern und den Anfangswerten abhängig ist. Durch Anwendung der inversen Laplacetransfor-
mation erhält man die zeitlichen Verläufe der Zustandsgrößen in den jeweiligen Intervallen
. (4.5)
Zur Bestimmung der Anfangswerte wird an den Intervallgrenzen Stetigkeit der zeitli-
chen Verläufe der Zustandsgrößen gefordert, und es gilt
. (4.6)
Das Verfahren ist beispielhaft in Bild 4.1 a dargestellt. Ausgehend vom ersten Intervall
erhält man für den Anfangswert dieses Intervalls unter Verwendung der Periodizitätsbedin-
gung nach Gl. (4.1) den Wert
. (4.7)
Die einzige Unbekannte in dieser Gleichung ist aufgrund der von der Modulation der Wech-
selrichterstufe vorgebenen und bekannten Zeiten und nur noch der Anfangswert der
im n-ten Intervall wirkenden Lösung der Zustandsgröße. Durch weiteres sukzessives Ein-
setzen der Anfangswerte
(4.8)
x
·
k
t
()
Ax
k
t
()
Buk
+=
L
x
·k
{} LAxkt() Buk
+{} x0,k
–sXks()+
⇒
AXks()
1
s
---Bu
k
+==
x
0
,k
k
X
ks() sEA–()
1– 1
s
---Bukx0,k
+
=
xktx0,k
,()L1– sEA–()
1– 1
s
---Bukx0,k
+
=
⇒
x
0
,k
x
0,k1+
x
k
t
k
t
k1–
–x
0,k1–
,()
=
x
01,
x
n1+
Tt
n
–x
0n,
,()
=
x0,1
x0,1
x0,2
x0,2
x0,3 x0,3
x0,4
x0,4
x0,5
x0,5
x0,1=x5(T-t4)
x(t)
23
Intervall
k
T
451
t0t1t2t3t4t5t
umod (t)
x(t)
x(t)
Bild 4.1: Berechnung des eingeschwungenen Zustands:
a) Intervallweise Lösung der Zustandsgröße
b) Phasenportrait der periodischen Lösung.
b)a)
T
tn
x
0k,
x
k1–
t
k1–
t
k2–
x
0k1–,
,
–
()
k2..n==
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung 67
werden die Anfangswerte der k-ten Lösung des Differenzialgleichungssystems auf den
Anfangswert des n-ten Intervalls zurückgeführt, und sämtliche Zeitverläufe hängen schließ-
lich nur noch von dieser einen Unbekannten ab. Nach Erreichen des n-ten Intervalls und
Auflösen nach dem Anfangswert ist dieser durch konstante Parameter eindeutig bestimmt.
Damit sind ebenfalls alle weiteren Anfangswerte bekannt, und der exakte zeitliche Verlauf
der Zustandsgröße kann intervallweise aneinandergesetzt werden. Man erhält ein Phasen-
portrait, welches einen periodischen Orbit zeigt, Bild 4.1 b.
Die Validierung der mit dem beschriebenen Verfahren ermittelten Strom- und Spannungs-
verläufe wurde mit Hilfe der Simulationssoftware SIMPLORER (Version 7.0) der Firma
ANSOFT durchgeführt. Als Vergleichsystem diente ein LC-Resonanzstromrichter, der eine
Ultraschall-Schwingeinheit entsprechend den in Tabelle 4.1 angegebenen Parametern sowie
einer zusätzlichen Parallelkapazität nach Gl. (4.38) speist. Um die oben erwähnten langen
Rechenzeiten bei der Zeitsimulation zu vermeiden, wurde die von SIMPLORER bereitge-
stellte Funktion der Vorgabe aller Anfangswerte für die Energiespeicher genutzt. Diese
Werte konnten direkt aus der Zeitbereichsanalyse entnommen und in das zu den entspre-
chenden Energiespeichern gehörende Dialogmenü übertragen werden. Die Ergebnisse stellt
Bild 4.2 dar. Bei hinreichend kleinen Integrations-Zeitschritten wird der eingeschwungene
Zustand bestätigt (schwarze Zeitverläufe). Werden allerdings die in der zu SIMPLORER
gehörigen Hilfe [52] vorgeschlagenen Faustformeln zur Bestimmung der Zeitschritte ver-
wendet, ergeben sich die grau dargestellten Strom- und Spannungsverläufe.8 Dabei treten
bereits nach der ersten simulierten Periode signifikante Abweichungen auf, die einen Fehler
von ca. 25% ausmachen, und die Verwendung kleinerer Zeitschritte rechtfertigen. Die Folge
ist jedoch ein massiver Anstieg der Rechenzeit, die dann insbesondere bei Unkenntnis der
Anfangswerte der Energiespeicher mehrere Stunden in Anspruch nimmt.
Die weiteren Ergebnisse der Simulationen werden in den zu den Stromrichtern gehörenden
Kapiteln präsentiert. Für die erzeugten Diagramme wurde mit einem Parametersatz einer
Schwingeinheit, die bei der Ultraschallstehwellen-Zerstäubung zum Einsatz kommt, gear-
beitet. Ihre Ersatzparameter entsprechend Bild 2.12 wurden meßtechnisch ermittelt und sind
in Tabelle 4.1 zusammengefasst.
Die Kurvenverläufe dienen zur beispielhaften Verdeutlichung der erläuterten Zusammen-
hänge und müssen individuell für die entsprechende Anwendung angepasst werden.
8. Minimale Schrittweite berechnet aus der kleinsten Zeitkonstante des Systems: Hmin = 1.98 ns. Die
größte Periodendauer ergibt die maximale Schrittweite Hmax =3.7µs.
t [s]
-400
400
0
300
200
100
-100
-200
-300
0 0.25m50u 0.1m 0.15m 0.2m
VM_2.V [V]
50 * AM_s.I [A]
Bild 4.2: Validierung
des berechneten einge
-
schwungenen Zustande
s
mit Hilfe der Simulations
-
software SIMPLORER
.
AM_s.I entspricht dem
Strom in der Filterspule
,
VM_2.V ist die am Akto
r
anliegende Spannun
g
(siehe Kap. 4.2.1).
68 4 Stromrichterkonzepte
4.1.2 Grundschwingungsanalyse
Die hier betrachteten Stromrichtertypen beruhen auf einer Vollbrücken-Wechselrichterstufe,
die eine blockförmige Rechteckspannung erzeugt. Diese Spannung wird im Falle der Reso-
nanzstromrichter auf ein Resonanzfilter (siehe Kap. 4.2) und beim Pulsstromrichter (Kap.
4.3) auf einen Tiefpass bestehend aus einer Längsspule und der Piezokapazität des Aktors
geschaltet. Diese Filtertopologien unterdrücken Oberschwingungen der Wechselrichter-
spannung. Aufgrund dieses Verhaltens kann zur Analyse der Stromrichter die komplexe
Wechselstromrechnung herangezogen werden [60, 64], solange eine lückende Betriebsart
vermieden wird [65]. Tritt diese z. B. bei Nennlast auf, trifft die Annahme harmonischer
Filtergrößen nicht mehr zu, und die Grundschwingungsanalyse liefert fehlerhafte Bela-
stungsgrößen.
Als anregende Spannung wird nur noch die Grundschwingung der Wechselrichterstufe
betrachtet. Die Lastimpedanz besteht dann aus dem Filter und dem Ersatzschaltbild des pie-
zoelektrischen Aktors, die vollständig mit linearen Bauelementen beschrieben werden. Die
sich einstellenden Ströme, Spannungen und Leistungen können unter diesen Umständen
leicht berechnet werden. Desgleichen ist es möglich, Verlustleistungen und Wirkungsgrade
der leistungselektronischen Schaltungen abzuschätzen.
Diese Vereinfachung führt zu sehr guten Näherungen für die Resonanzstromrichter. Ledig-
lich im Falle des Pulsstromrichters haben sich bei der Berechnung der Verlustleistungen
und Wirkungsgrade in Kap. 4.3 Abweichungen zwischen den Ergebnissen mit simulierten
Werten und der Grundschwingungsanalyse bemerkbar gemacht. Besonders ausgeprägt
waren diese Fehler bei größeren Schaltfrequenzen und kleineren Aussteuerungen, bei denen
der Stromverlauf ausgeprägtere Stromspitzen aufweist, was zu höheren Effektivwerten
führt (vgl. mit Bild 4.23). Da vorab aber dieses Verhalten erwartet wurde, ist eine Abschät-
zung zu ungünstigeren Werten durchgeführt worden. Diese Vorgehensweise ist im abschlie-
ßenden Vergleich der Stromrichtertypen zu berücksichtigen und entsprechend zu gewichten.
4.1.3 Verlustleistungsberechnung
Die Verlustleistungsberechnung auf Basis der im Rahmen der Simulationen gewonnenen
Belastungsgrößen ist notwendig, um zunächst eine geeignete Halbleiterdimensionierung
und -auswahl vorzunehmen. Ferner sind die Verlustleistungen direkt für die Temperatur der
Chipfläche der Halbleiter verantwortlich und müssen zur Auslegung der benötigten Kühl-
Ersatzparameter
Piezokapazität 10 nF
Mechanische Dämpfung (nominal) 100 Ω
Mechanische Steifigkeit 0.2 nF
Mechanische Masse 0.346 H
Tabelle 4.1: Ersatzparameter einer Schwingeinheit für Simulationen.
CP
Rm
Cm
Lm
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung 69
körper bekannt sein. Damit werden dann auch die Grenzen für maximale Schaltfrequenz
und Strom festgelegt.
Neben der Notwendigkeit der Bestimmung der Verluste für die Dimensionierung der Halb-
leiter werden diese Daten auch zur Berechnung des Wirkungsgrades benötigt, welcher ein
wesentliches Vergleichskriterium unterschiedlicher Stromrichtertopologien darstellt (siehe
[67]).
Der Aufwand für eine detaillierte Berechnung der Verluste ist sehr hoch, und kann bei-
spielsweise im Rahmen von Zeitsimulationen (SIMPLORER) durchgeführt werden. Oftmals
können parasitäre Effekte, die vom individuellen Aufbau der Schaltung abhängen, nicht
vernachlässigt werden. Im Stadium eines Prinzipvergleichs unterschiedlicher Topologien
liegen aber derartige Daten nicht vor. Analytische Gleichungen dagegen vermitteln einfa-
cher zu durchschauende Zusammenhänge, wie sich die Verluste zusammensetzen, und von
welchen Parametern sie abhängig sind. Gerade unter dem Gesichtspunkt des prinzipiellen
Vergleichs unterschiedlicher Topologien sind daher analytische Gleichungen vorzuziehen.
Detalliertere und komplexere Verlustleistungsmodellierungen spielen eine wichtigere Rolle
bei der Schaltungsoptimierung.
Die Gesamtverluste der Halbleiterbauelemente setzen sich im Wesentlichen aus den Schalt-
und Durchlassverlusten zusammen. Dabei ist zusätzlich zwischen den Mechanismen beim
Ein- und Ausschalten des Transistors zu unterscheiden. Sperr- und Ansteuerungsverluste
können üblicherweise vernachlässigt werden. Damit sich die aussagekräftigen analytischen
Beschreibungen ergeben, werden folgende grundlegende Annahmen getroffen:
• Der Laststtrom der Wechselrichterstufe bleibt aufgrund der Induktivität im Ausgangs-
filter im Augenblick des Schaltens des Transistors konstant.
• Es tritt kein Stromlücken auf.
• Die Strom- und Spannungsverläufe während der Kommutierungsvorgänge können
durch stückweise lineare Kurvenverläufe dargestellt werden.
Die Berechnung der Verluste erfolgt anhand eines Transistor/Diodenpaares einer Halb-
brückentopologie. Zur Bestimmung der Gesamtverluste können die Ergebnisse später ein-
fach auf die anderen Transistor/Dioden-Paare übertragen werden. Die Bedingungen, wann
aufgrund leitender antiparalleler Dioden Nullspannungsschalten (zero voltage switching,
ZVS) für die Transistoren vorliegt, wird in den dazugehörigen Stromrichterkapiteln erläu-
tert. In der Einleitung der vorliegenden Arbeit wurde bereits auf ihren interdisziplinären
Charakter hingewiesen. Sicherlich sind die folgenden Ergebnisse Inhalte etlicher Vorlesun-
gen und Lehrbücher, auf die für weitere und detailliertere Informationen verwiesen wird
(z. B. [55, 56, 59, 60, 70]). Trotzdem werden aus Gründen der besseren Lesbarkeit die
Inhalte in komprimierter Form zusammengefasst, um einen vereinfachten Zugang zur The-
matik zu ermöglichen.
Ausschaltverluste
Die Ausschaltverluste der Transistoren können nach [58] näherungsweise durch eine ab
dem Zeitpunkt zunächst linear ansteigende Drain-Source Spannung und gleichzeiti-
gem konstantem Strom dargestellt werden. Erst wenn zum Zeitpunkt die Transi-
storspannung die volle Zwischenkreisspannung erreicht hat, beginnt der Transistor zu
t0
uT
i
T
IL
=
t1
Ud
70 4 Stromrichterkonzepte
sperren. Ab diesem Zeitpunkt geht der Strom linear gegen Null ( ) und kommutiert dabei
auf die entsprechende Diode. Die Verlustenergie dieses Vorgangs berechnet sich aus
. (4.9)
Die oben angegebene Zeit erhält man aus Datenblättern der verwendeten Transistoren.
Sie ist von verschiedenen Faktoren wie z. B. Laststrom und Gatewiderstand abhängig. Die
Verlustleistung erhält man aus dem Produkt der Verlustenergie mit der Schaltfrequenz
. (4.10)
Die Verluste der Dioden bei der Übernahme des Transistorstromes können üblicherweise
vernachlässigt werden.
Einschaltverluste
Bei der Berechnung der Einschaltverlu-
ste der Transistoren muss die Rück-
stromspitze der Diode, die bis zum Ein-
schaltmoment noch den Strom geführt
hat, berücksichtigt werden. Diese Rück-
stromspitze entsteht, wenn die
Ladungsträger aus der Sperrschicht
geräumt werden müssen, siehe Bild 4.3.
Dies führt zu einer kurzzeitigen Rück-
stromspitze der Höhe , die vom
Transistor geführt werden muss und
ganz erheblichen Einfluss auf die Ein-
schaltverluste hat. Die Fläche unter der
Rückstromspitze entspricht der Ladung
.
Der Wert für bzw. hängt stark
von der Vorgeschichte der Diode wie
z. B. dem vor dem Schaltvorgang
geführten Strom ab. Ferner spielen
Mascheninduktivitäten im Kommutie-
rungspfad eine entscheidende Rolle für die Steilheit9 sowie der Maximalwert des
Stromes.
Die Form der Rückstromspitze hängt dagegen im Wesentlichen von der Diode selbst ab und
wird von ihrer Technologie und Chip-Geometrie bestimmt. Eine wichtige Kennzahl zur
Charakterisierung einer Diode ist der Faktor (vgl. mit Bild 4.3) und wird als
Snappiness oder Softfaktor bezeichnet [58, 59]. In der Hauptsache unterscheidet man zwi-
9. Ein typischer Wert in Datenblättern ist z. B. eine Steilheit von 100 A/µs.
t2
W
off
TiTt()uTt()td
t0
t2
∫
1
2
---UdILtof
f
==
t
o
ff
P
off
T
1
T
---Wo
ff
T
=
i
D
(t),
i
D
(t)
u
D
(t)
u
D
(t)
di
T
I
L
I
L
I
L
U
d
-U
d
Q
rr
Q
rr
0
0
0
I
L
+I
rr
I
rr
t
rr
t
a
t
f
t
0
t
1
t
3
t
b
i
T
(t),
i
T
(t)
u
T
(t)
u
T
(t)
t
dt
t
t
2
Bild 4.3: Strom- und Spannungsverläuf
e
beim Einschalten des Transistors an Trans
i-
stor (a) und Diode (b).
a)
b)
I
r
r
Q
r
r
I
r
r
Q
r
r
di
T
dt
⁄
S
D
t
b
ta
⁄
=
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung 71
schen abrupt-recovery- und soft-recovery-Verhalten. Bei abrupt-recovery-Dioden reisst der
Strom nach Erreichen seines Maximalwertes sehr schnell ab, und wegen kann die
Berechnung der Ladung auf den Zeitraum beschränkt werden. Die Folge sind kurze
und sehr hohe Spannungsspitzen, die durch die im Schaltungsaufbau unvermeidbar enthal-
tenen Induktivitäten die Steuerelektronik massiv stören können. Oftmals wird aufgrund der
sich ergebenden einfachen Gleichungen nur die Modellierung von abrupt-recovery-Dioden
verwendet (siehe z. B. [60, 66]). In der Praxis ist aber gerade bei höheren Schalfrequenzen
aus Gründen der besseren Störsicherheit soft-recovery-Verhalten der Dioden vorzuziehen.
Die Verlustenergie für den Einschaltvorgang des Transistors bei Verwendung solcher
Dioden wird anhand der in Bild 4.3 dargestellten linearisierten Stromverläufe berechnet.
Man erhält10 mit
. (4.11)
Für soft-recovery-Dioden kann angenommen werden, dass näherungsweise gleich Eins
ist. Ferner kann bei schnellen Dioden der Term vernachlässigt werden, und aufgrund
des linearen Stromverlaufs in den Bereichen und kann die Ladung mit
(4.12)
abgeschätzt werden. Aus dem gleichen Grund lässt sich die Rückstromspitze mit Hilfe der
Steilheit ausdrücken:
. (4.13)
Gem. [60] ist die Zeit gewöhnlich so kurz und kann daher vernachlässigt werden. Mit
diesen Angaben vereinfacht sich Gl. (4.11), und die in Wärme umgesetzte Energie beim
Einschalten ist nun näherungsweise
. (4.14)
Die umgesetzte Verlustleistung erhält man analog zu Gl. (4.10):
. (4.15)
Zu berücksichtigen ist noch die Abhängigkeit der Zeit vom Strom, der im Augenblick
des Schaltens durch die Diode fließt. Dieser funktionale Zusammenhang wird den Daten-
blättern der verwendeten Bauelemente entnommen.
10.Anhand Gl. (4.11) kann auch der Übergang zu abrupt-recovery-Dioden gezeigt werden, wie sie
z. B. in [60] behandelt werden: Für den Faktor und die Zeit wird dazu angenommen, dass sie
gegen Null streben. Es folgt dann .
t
b
ta
«
Q
r
r
ta
S
D
t
b
ta
⁄
=
SD
tf
W
on
U
d
I
L
t
a
U
d
Qrr
+=
W
on
TuTt()iTt()td
t0
t3
∫
1
2
---UdILtfUdILta11
2
---SD
+
1
2
---UdIrrta12
3
---SD
+
++==
SD
I
L
tf
ta
tb
Q
r
r
Q
rr
1
2
---Irrtr
r
≈
di
T
dt
⁄
I
rr ta
diT
d
t
----
----
=
tf
W
on
TUdILta11
2
---SD
+
1
2
---Ud
di
T
dt
--------ta
212
3
---ta
+
+≈
P
on
T
1
T
---Wo
n
T
=
ta
72 4 Stromrichterkonzepte
Die Rückstromspitze verursacht nicht nur in dem einschaltenden Transistor Verluste, son-
dern auch in der beim gleichen Schaltvorgang abschaltenden Diode. Die Spannung über der
Diode ist bis zum Zeitpunkt nahe Null und verläuft im Intervall so, dass bei die
Sperrspannung im eingeschwungenen Betrieb erreicht wird [58, 60]. Aufgrund dieses Span-
nungsverhaltens leisten der Strom und die Spannung nur im Intervall einen Beitrag zu
den Ausschaltverlusten der Diode. Unter der Annahme, dass die Strom- und Spannungsver-
läufe linear verlaufen [60], berechnet sich die in der Diode umgesetzte Energie näherungs-
weise aus
. (4.16)
Mit und mit Gl. (4.13) erhält man daraus
, (4.17)
und die Verlustleistung ist
. (4.18)
Durchlassverluste
Die Durchlassverluste von Dioden werden allgemein durch
(4.19)
hinreichend genau beschrieben (z. B. [59, 70, 60]). Dabei ist die Schleusenspannung
der Dioden und liegt bei normalen Silizium-Bauelementen bei ca. . Der Wert
ist der differentielle Widerstand der Diode im Arbeitspunkt. Die weitere Belastungs-
größe ist der Diodenstrom in Vorwärtsrichtung, der als Mittel- und Effektivwert benötigt
wird. Diese Angaben ergeben sich aus Simulationen.
Etwas einfacher lassen sich die Durchlassverluste von MOSFET-Transistoren angeben, die
nur vom temperaturabhängigen Drain-Source-Widerstand und dem Effektivwert
des geführten Stromes abhängen. Man erhält
. (4.20)
Zur Berechnung der in Gl. (4.19) und Gl. (4.20) beschriebenen Durchlassverluste müssen
Effektivwert und arithmetischer Mittelwert des Stromes durch das Bauteil bestimmt wer-
den. Diese ergeben sich aus dem Austeuerungsgrad, dem Phasenwinkel zwischen Laststrom
t2
tb
t3
tb
W
off
DuDt()iTt()td
t2
t3
∫
≈Udt
tb
----
–Irr
–Irr t
tb
----
+
⋅
td
0
tb
∫
=
S
D
t
b
ta
⁄
=
W
off
D1
6
---UdIrrSDta1
6
---Ud
di
T
dt
--------ta
2S
D
=≈
P
off
D
1
T
---Wo
ff
D
=
P
d
D1
T
---uFt()iFt()td
t0
t
0
T+
∫
UT0IFAV,rDIFrm
s
,
2
+==
U
T
0
U
T0
0,7 V
≈
rD
IF
r
DSon
T
J
()
P
d
T1
T
---uTt()iTt()td
t0
t
0
T+
∫
rDSon TJ
()ITrm
s
,
2
==
4.1 Verwendete Methoden zur Stromrichtermodellierung 73
und Spannung und müssen individuell für jede Topologie ermittelt werden. In den zu den
Stromrichtern gehörenden Kapiteln werden diese Zusammenhänge detaillierter erläutert.
4.1.4 Magnetische Komponenten
Die magnetischen Komponenten wie Filterspulen und Transformatoren tragen wesentlich
zu den Kosten und dem Volumen einer leistungselektronischen Schaltung bei. Aus diesem
Grund sind diese Bauelemente bei einem Topologievergleich leistungselektronischer Schal-
tungen zu berücksichtigen. Die Berechnung des Flächenprodukts ist ein geeignetes Mittel,
um eine überschlägige Abschätzung des Wachstums der induktiven Bauelemente durchzu-
führen [48, 59, 69]. Folgende Vereinfachungen werden getroffen:
• Erwärmungseffekte aufgrund der Stromdichte werden vernachlässigt.
• Die Wickelfensterfläche berücksichtigt nicht unterschiedliche Stromdichten in den ein-
zelnen Wicklungen.
• Hochfrequenz- und Proximity-Effekte werden vernachlässigt.
Die Induktivität einer Spule berechnet sich mit der Windungszahl und den Amplituden
von magnetischem Fluss und Strom aus . Der Fluss wird in dieser Glei-
chung durch ersetzt, wobei die Flussdichte und die Kernfläche ist.11 Fer-
ner wird mit dem Kupferfüllfaktor , die Wickelfensterfläche und den Querschnitt
des Leiters die Anzahl der Windungen mit ersetzt. Man erhält nach
Einsetzen der Stromdichte und Umstellen
. (4.21)
Das Produkt aus Kern- und Wickelfensterfläche wird als Flächenprodukt bezeichnet,
und das daraus abgeleitete fiktive Volumen
(4.22)
kann bei gegebener Bauform des Bauteils als Maß für dessen tatsächliches Volumen ver-
wendet werden.
Geht man davon aus, dass die zu betrachtenden magnetischen Bauelemente aus gleichem
Material gefertigt werden und ferner Stromdichte und Kupferfüllfaktor konstant sind, dann
ist der Faktor ebenfalls als Konstante zu interpretieren. Entsprechend Gl. (4.21)
ist das Flächenprodukt einer Spule dann bis auf eine Konstante direkt von der Induk-
tivität und der quadratischen Stromamplitude bestimmt.
Für einen Transformator gelten ähnliche Zusammenhänge, vgl. z. B. mit [71]. Hier erhält
man für die übertragbare Leistung eines Transformators den Ausdruck:
(4.23)
11. Die Verwendung der Amplitudenwerte stellt sicher, dass das Kernmaterial nicht in die Sättigung
gebracht wird.
N
Φ
ˆ
I
ˆ
L
NΦ
ˆ
()
I
ˆ
⁄=
Φ
ˆ
B
ˆ
A
c
=
B
ˆ
Ac
k
C
u
Aw
A
C
u
Nk
Cu
A
w
A
C
u
⁄
=
J
ˆ
I
ˆ
AC
u
⁄=
L
I
ˆ
2kCu B
ˆJ
ˆAcA
w
⋅⋅⋅=
A
c
Aw
V
˜
AcAw
()
34
⁄
=
k
Cu B
ˆJ
ˆ
⋅⋅
A
c
Aw
L
I
ˆ
S
Tr UI
1
22
---------- kCuJB
ˆAcAwω⋅⋅⋅==
74 4 Stromrichterkonzepte
Beim Übergang auf die Scheitelwerte erhält man für das Flächenprodukt des Transforma-
tors:
. (4.24)
4.2 Resonanzstromrichter
Resonanzstromrichter werden in der Nähe der Resonanzfrequenz der Ultraschall-Schwin-
geinheit betrieben. Dabei erzeugt die Wechselrichterstufe eine blockförmige Rechteckspan-
nung deren Amplitude vom Spannungszwischenkreis vorgegeben wird. Das Ausgangsfilter
des Resonanzstromrichters wird auf die Resonanzfrequenz der Schwingeinheit abgestimmt
und hat die Aufgabe, unerwünschte harmonische Anteile der Wechselrichterspannung zu
unterdrücken. Damit erhält man sehr gute spektrale Eigenschaften der Filterausgangsspan-
nung, die nahezu sinusförmig verläuft und somit nur geringe Verzerrungsblindleistungen
verursacht. Ferner werden durch die Auslegung des Ausgangsfilters die Schaltverluste mas-
siv verringert und die Blindleistung, die vom gespeisten piezoelektrischen Aktor aufgenom-
men wird, kann kompensiert werden. Nachteilig sind die kostenintensiven und ggf. sehr
voluminösen Filterbauelemente.
Die Schaltfrequenzen in der Nähe der Resonanzfrequenz der Schwingeinheit sind noch in
einem gut handhabbaren Bereich, so dass günstige Halbleiterkomponenten mit mittleren
Schaltgeschwindigkeiten eingesetzt werden können. Es bietet sich die Verwendung von
IGBT an, um niedrige Durchlassverluste zu gewährleisten [59].
In diesem Kapitel werden zwei Resonanzstromrichter vorgestellt, für die als Wechsel-
richterstufe eine Vollbrückentopologie zugrunde gelegt wird. Die erarbeiteten Ergebnisse
lassen sich prinzipiell auch auf Halbbrückentopologien übertragen. Bei Verwendung einer
Halbbrücke sind allerdings höhere Strombelastungen der Halbleiterbauelemente und somit
höhere Durchlassverluste die Folge.
Zur Einstellung der Amplitude der Stromrichterausgangsspannung wird die Phasensteue-
rung angewendet, die eine dynamische Spannungsanpassung bei gleichbleibend hohem
Wirkungsgrad des piezoelektrischen Aktors gewährleistet. Die Wechselrichterspannung
und die dazugehörige Grundschwingung ist in Bild 4.4 dargestellt. Die Grundschwingungs-
amplitude wird mittels einer Fourierreihe berechnet [48, 49], und man erhält den
funktionalen Zusammenhang
mit (4.25)
mit der Spannung des Zwischenkreises und dem Tastverhältnis . Die Spannungsan-
passung durch den Ausgangstransformator wird durch dessen Übersetzungsverhältnis
berücksichtigt.
A
cAwU
ˆ
I
ˆ
ω
------ 2
kCuJ
ˆ
B
ˆ
-----------
----
⋅=
u
ˆ
wr
1
,
u
ˆ
wr 1,D()
4U
d
n
sp
⋅
π
----------------------Dπ()sin⋅=
0D0,5
≤≤
Ud
D
n
s
p
4.2 Resonanzstromrichter 75
4.2.1 Der LC-Resonanzstromrichter
Die Topologie des LC-Resonanzstromrichters ist in Bild 4.5 dargestellt. Das Ausgangsfilter
besteht aus einer Längsspule , der Piezokapazität sowie einer optionalen, zusätzli-
chen Kapazität , die zur Vergrößerung der Piezokapazität verwendet werden kann. Für
die später folgenden Berechnungen wird das Kapazitätsverhältnis
(4.26)
eingeführt. Die Resonanzfrequenz des Filters wird auf einen Wert unterhalb der
Resonanzfrequenz der Ultraschall-Schwingeinheit abgestimmt. Für die bezogene Reso-
nanzfrequenz gilt somit
. (4.27)
Die Festlegung der Filterresonanzfrequenz unterliegt dabei verschiedenen Gesichtspunkten.
Zunächst erreicht man durch entsprechende Auslegung die Blindleistungskompensation des
Aktors und aufgrund des Betriebs nahe der Filterresonanzfrequenz stellt sich eine sehr gute
a)
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5
-1
0
1
0
0.4
0.8
1.2
D
uwr,1(D)
Ud
u
wr,1
(D)
u
U
d
u
wr
(D)
t T T/2 0
Bild 4.4: a) Wechselrichterspannung und Grundschwingung beim Voll-
brückenwechselrichter, b) Steuerkennlinie für die Grundschwingung.
b)
+
Id
T1
D1D3
D2D4
T2T4
T3
uwr uwr
' uCp
Ud
ipim
CP
Cfp
Lm
Lfs
Rm
Cm
is
1 : nsp
Bild 4.5: Topologie des LC-Resonanzstromrichters.
Lfs
CP
C
f
p
γf
C
f
CP
------
C
fp
CP
+
CP
-----------------
----
==
ωs
2
π
fs
=
f0
Ωs
ωs
ω0
------
1
<=
76 4 Stromrichterkonzepte
Filterwirkung hinsichtlich der Oberschwingungen der Wechselrichterstufe ein. Ferner stellt
das Ausgangsfilter gemeinsam mit dem piezoelektrischen Aktor eine induktive Last dar,
sodass die Transistoren der Wechselrichterstufe nullspannungsschaltend betrieben werden
können, siehe Kap. 4.2.1.2. Zu berücksichtigen ist, dass das Ausgangsfilter in unmittelbarer
Umgebung seiner Resonanzfrequenz besonders empfindlich ist. So können Schwankungen
der Piezoakapazität, die Teil des Filters ist, zu einer Verstimmung des Filters führen. Ände-
rungen der Piezokapazität können auf Parametervariationen des Materials und auf Erwär-
mung der piezoelektrischen Elemente zurückgeführt werden, vgl. Kap. 3. Mit Durchfüh-
rung einer Labormessreihe anhand einer Schwingeinheit, die mit ihrem Ultraschallprozess
belastet wird, kann das Filterverhalten bestimmt werden. Verwendet man dazu außerdem
das Spannungsübertragungsverhalten gemäß Gl. (4.29) und zieht die entsprechenden
Amplituden- und Phasenkennlinien hinzu (vgl. Bild 4.7), kann eine geeignete Filterreso-
nanzfrequenz bestimmt werden.
Für die Schwingeinheit nach Tabelle 4.1 wurde die Filterresonanzfrequenz 6 kHz unterhalb
der Resonanzfrequenz der Schwingeinheit festgelegt. Die sich ergebene Entwurfsgleichung
der Filterspule lautet
. (4.28)
In der Praxis bietet es sich an, die Filterinduktivität mit Hilfe der Streuinduktivitäten des
Ausgangstransformators zu realisieren.
Typische Verläufe der Spannung am piezoelektrischen Aktor und des Stromes durch
die Filterspule für unterschiedliche Tastverhältnisse sowie die dazugehörigen Spektren
sind in Bild 4.6 dargestellt. Es fällt deutlich auf, dass bei kleinem Tastverhältnis die 3. Ober-
schwingung noch stark in der Speisespannung vertreten ist. Je größer das Tastverhältnis
wird, desto dominanter wird die Grundschwingung. Allerdings werden beim maximalen
Tastverhältnis unter Verwendung der angegebenen Ersatzparameter der
Schwingeinheit ein Amplitudenwert der Speisespannung von nur ca. 32 V und damit eine
Schwingamplitude von nur erzielt, was für den Betrieb typischer leistungsfähi-
ger piezoelektrischer Schwingeinheiten nicht ausreicht. Dieser Spannungseinbruch ist auf
die hohe Güte der verwendeten Schwingeinheit zurückzuführen, die zu einer Störung des
Übertragungsverhaltens des Ausgangsfilters führt. Bestätigt wird dies durch das Span-
nungsübertragungsverhalten des Ausgangsfilters
, (4.29)
mit der Längsimpedanz sowie der Impedanz des Aktors . Die fre-
quenz- und amplitudennormierte Darstellung des Spannungsübertragungsverhaltens erfolgt
in Bild 4.7. In der Nähe der Resonanzfrequenz der Schwingeinheit erweist es sich als über-
aus empfindlich, was sich in einer starken Variation der Spannungsverstärkung äußert
(durchgezogene Kennlinien).
L
fs
1
ωs
2CPCfp
+()
---------------------------------
1
Ωs
2ω0
2CPCfp
+()
-------------------------------------
----
==
u
C
p
is
Lfs
D0,5=
w
ˆ
=2,1µ
m
G
LC jω()
U
Cp
U’
wr
-----------
Z
A
j
ω()
Zfs jω()jωCfp ZAjω()⋅1+[]ZAjω()+
-----------------------------------------------------------------------------------------
----
==
Z
fs
j
ω()
j
ω
Lfs
=
Z
A
j
ω()
4.2 Resonanzstromrichter 77
In der Umgebung der Resonanzfrequenz der Schwingeinheit bricht die Spannung stark ein,
was das Verhalten der simulierten Strom- und Spannungsverläufe nach Bild 4.6 bestätigt.
Der Spannungseinbruch führt dazu, dass entweder ein großer Spannungsbereich durch das
Tastverhältnis abgedeckt oder der Ausgangstransformator mit einem großen Übersetzungs-
verhältnis ausgelegt werden muss.
Die Analyse des Spannungsübertragungsverhaltens erfolgt anhand einer normierten Dar-
stellung, indem eingesetzt wird. Ferner wird die Gütezahl eingeführt, die
die Gütezahl der Ultraschall-Schwingeinheit nach Gl. (2.19) und die Filterkapazität
berücksichtigt
. (4.30)
Im Falle der Resonanz ( ) ergibt sich für den Betrag der Spannungsübertragungs-
funktion dann
-10
-5
5
10
-20
-10
10
20
-30
-20
-10
10
20
30
uwr
uCp uCp uCp
is
~~~
is
is
Ud
uwr
Ud
uwr
Ud
TTT
ttt
ttt
1 3 5 7 91113 15 17 19
FkuCp,k
uCp,1
Fkis,k
is,1
FkuCp,k
uCp,1 F
k
u
Cp,k
u
Cp,1
Fkis,k
is,1 Fkis,k
is,1
k
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
135791113151719
k135791113151719
k
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
135791113151719
k135791113151719
k135791113151719
k
Bild 4.6: Simulierte Strom- und Spannungsverläufe am LC-Resonanzstromrichter:
Tastverhältnis variiert für D = 0,1, 0,25 und 0,5. Spektrum der Spannung
am piezoelektrischen Aktor und des Spulenstroms (aus Darstel-
lungsgründen wurde für den Strom eingeführt).
u
C
p
is
i
˜
s100
is
⋅=
a) D=0,1;
w
ˆ
0,65 µ
m
=b) D= 0,25;
w
ˆ
148µ
m
,=c) D=0,5;
w
ˆ
21µ
m
,=
Ωωω
0
⁄
=
Mf
M
C
f
p
M
f
1
ω0CPCfp
+()Rm
----------------------------------------
1
ω0CfRm
-------------------
1
γf
---
M
⋅===
Ω
1
→
78 4 Stromrichterkonzepte
. (4.31)
Anhand dieser Gleichung erkennt man, dass durch Verkleinern von , d. h. durch Vergrö-
ßern der Kapazität , eine Glättung des Spannungsübertragungsverhaltens erzielt werden
kann. Der Grenzwert ergibt sich zu ( )
. (4.32)
Dieses Verhalten kann auch durch Betrachtung der Teilimpedanzen erklärt werden. Durch
die Vergrößerung der Filterkapazität wird wegen Gl. (4.28) die Längsimpedanz
verringert, was sich auf die Spannungsverhältnisse des Spannungsteilers im Ausgangsfilter
auswirkt. Der Einfluss der Filterkapazität wird ebenfalls in Bild 4.7 dargelegt, und es ist
eine wesentliche Glättung des Spannungsübertragungsverhaltens erkennbar. Ein weiterer
Vorteil ist die Stabilisierung des Übertragungsverhaltens hinsichtlich Änderungen der Pie-
zokapazität, die z. B. durch Erwärmung während des Betriebs beobachtet werden können.
Im Folgenden werden die Auswirkungen der größeren Kapazität auf die Belastung der
Wechselrichterstufe mit Hilfe der Grundschwingungsanalyse näher untersucht.
GLC 1() ωs
2
Mf
2ω0
4ω0
2ωs
2
–()
2
+
---------------------------------------------------- Ωs
2
Mf21Ωs
2
–()
2
+
--------------------------------------
----
==
Mf
C
f
p
ω0ω
s
>
GLC 1()
C
fp ∞→
lim Ωs
2
1Ω
s
2
–
------------
----
=
C
f
p
Z
fs ω()
0.6 0.8 1 1.4 1 1.02 1.04 1.06
-175
-150
-125
-100
-75
-50
-25
-150
-100
-50
0
1 1.02 1.04 1.06
1.2 ΩΩ
Ω
|G
0
G
LC
(Ω)| in dBG
LC
(Ω) in ˚
γ
f
= 2γ
f
= 1
γ
f
= 11 γ
f
= 51
-20
0
20
40
60
80
-20
-10
0
10
20
Bild 4.7: Amplituden- und Phasenkennlinie in normierter Darstellung für den
LC-Resonanzstromrichter. Variation der Filterkapazität Cfp zur Glät-
tung des Spannungsübertragungsverhaltens.
4.2 Resonanzstromrichter 79
4.2.1.1 Grundschwingungsanalyse des LC-Resonanzstromrichters
Eine Abschätzung der Belastungsgrößen der Wechselrichterstufe wird mittels der so
genannten Grundschwingungsanalyse durchgeführt, siehe Kap. 4.1.2. Im Folgenden wird
die Grundschwingung mit dem Index 1 gekennzeichnet (z. B. ). Die Wechselrichter-
stufe wird mit den Impedanzen der Filterkomponenten und des Aktors belastet. Zusätzlich
zur Piezokapazität wird jetzt noch die Filterkapazität berücksichtigt. Man erhält die
Lastimpedanz aus:
(4.33)
Für den Fall des Betriebes in der Resonanz
des Aktors ( ) erhält man in normier-
ter Darstellung und mit Verwendung der
Gütezahl
(4.34)
Der auf
(4.35)
normierte Amplituden- und der Phasenver-
lauf der Lastimpedanz in Nähe
der Resonanz ist in Bild 4.8 dargestellt. Es
wird deutlich, dass der Betrag der Impe-
danz in Abhängigkeit von der zusätzlichen
Parallelkapazität verringert wird, was zu
einer höheren Belastung der Wechsel-
richterstufe führt. Die Leistungen, die in
Resonanz des mechanischen Teilsystems
von der Last aufgenommen werden, sind in Abhängigkeit vom Faktor in Bild 4.9 a
gegenübergestellt. Es gilt für die Berechnung der Scheinleistung
, (4.36)
und Wirk- bzw. Blindleistung erhält man aus und
. Der Graph des Leistungsfaktors zeigt
ein Maximum, welches der optimale Betriebspunkt des LC-Resonanzstromrichters ist. In
u
Cp,
1
CP
C
f
p
ZLC jω()Zfs jω()
ZAjω()
1
jωCfp
-----------
---
⋅
ZAjω() 1
jωCf
p
-----------
---
+
------------------------------------
--
+=
0.99 1 1.01 1.02 1.03 1.04
-75
-50
-25
0
25
50
75
Ω
| Z
LC
(Ω)/Z
LC0
| in dBZ
LC
(Ω) in ˚
-30
-20
-10
0
10
γf
= 1
γf
= 1
γf
= 2
γf
= 11
γf
= 21
γf
= 2
γf
= 11
γf
= 21
Bild 4.8: Amplituden- und Phasenver-
lauf der normierten Lastimpedanz
nahe mechanischer Resonanz
()
Z
LC Ω()
Ω
1=
Ω
1=
Mf
ZLC 1() Rm
Mf
2
1Mf
2
+
-----------------
jMf1
Ωs
2
-------1
1Mp
2
+
-----------------
–
⋅+
.
⋅=
Z
LC0Ω()
Z
LC
1
()
γf
1
=
=
Z
LC
j
Ω()
γ
f
Swr 1() uwr 1,2⁄
2
ZLC
*1()
-------------------------
----
=
P
wr
1
()
Re S
wr
1
(){}
=
Q
wr
1
()
Im S
wr
1
(){}
=
ϕ()
cos P
wr
1
()
S
wr
1
()⁄
=
80 4 Stromrichterkonzepte
diesem Punkt stellt sich das günstigste Verhältnis zwischen der zu übertragenden Scheinlei-
stung und der im Prozess umsetzbaren Wirkleistung ein. Die Lage dieses Optimums berech-
net sich aus
, (4.37)
und die Auslegung der Filterkapazität erfolgt demzufolge gemäß
. (4.38)
Zu beachten ist an dem Ergebnis in Gl. (4.37), dass die optimale Filterkapazität maßgeblich
von der ohmschen Last , die Teil der Gütezahl ist, abhängt. Der Verlauf des einge-
schwungenen Systems für diese Auslegung ist in Bild 4.10 dargelegt. Die entsprechenden
Simulationsergebnisse aus der Zeitbereichsanalyse belegen, dass der Stromrichter durch die
zusätzliche Kapazität erheblich spannungssteifer geworden ist. Der Vergleich der
erreichten Amplitude der Aktorspannung mit derjenigen von Bild 4.6 c bei Vollaus-
steuerung der Vollbrücke zeigt dies sehr deutlich. Es ist nun eine Schwingamplitude von
möglich
M
fopt,1ωs
ω0
------
2
–1Ω
s
2
–==
a
)b)
0 10 20 30 40 50
0
0.05
0.1
0.15
0.2
0.25
0.3
0
Pwr(1)
Qwr(1)
Swr(1)
10 20 30 40 50
γfγf
0.05
0.1
0.15
0.2
0.25
0.3
c os(ϕ)
|Swr(1)|/S0, Qwr(1)/Q0,
Pwr(1)/P0
Bild 4.9: Leistungsverhältnisse des LC-Resonanzstromrichters bei Variation der Fil-
terkapazität . a) Leistungen, b) Leistungsfaktor.
C
f
p
C
fp op
t
,
C
fp,opt CP
M
1Ω
s
2
–
----------------
----
⋅=
Rm
M
-200
-100
100
200
uwr
Ud
t
t
uCp
is
~
Bild 4.10: Simulierte Strom- und Spannungs-
verläufe am LC-Resonanzstromrich-
ter für bei ; vgl. mit
Bild 4.6 c, . Die Schwing-
gamplitude beträgt .
D0,5=
M
fop
t
,
i
˜
s50
is
⋅=
w
ˆ
= 19,3 µ
m
C
fp,op
t
u
C
p
w
ˆ
= 19,3 µ
m
4.2 Resonanzstromrichter 81
Zu bedenken bleibt, dass trotz Kapazität der LC-Resonanzstromrichter nicht ideal
spannungseinprägend arbeitet. Aus diesem Grund muss das Übersetzungsverhältnis
des Ausgangstransformators angepasst werden, um den Vorgaben der benötigten Aktor-
spannung gerecht zu werden. Damit eine vorgegebene Ausgangsamplitude bei maxi-
malem Tastverhältnis ( ) erreicht werden kann, erhält man aus Gl. (4.25) und Gl.
(4.37):
. (4.39)
Das Flächenprodukt der Filterspule kann mit Kenntnis des Wertes und des
Spulenstromes entsprechend Kap. 4.1.4 abgeschätzt werden. Der Strom berechnet sich
aus
. (4.40)
Dabei wurde die Annahme getroffen, dass die Schwingeinheit mit ihrer Resonanzfrequenz
betrieben wird, und sich somit die Reaktanzen des Serienschwingkreises
gegenseitig aufheben. Es verbleibt demnach nur der ohmsche Anteil . Die Stromampli-
tude ist
. (4.41)
Für das Flächenprodukt der Filterspule ergibt sich mit Verwendung von Gl. (4.21) und mit
nach Gl. (4.37):
. (4.42)
Für allgemeines erhält man
. (4.43)
Für den Transformator erhält man das Flächenprodukt
. (4.44)
Insgesamt erhält man für den LC-Resonanzstromrichter das Flächenprodukt
. (4.45)
C
fp op
t
,
1:n
s
p
u
ˆ
Cp
1
,
*
D0,5=
n
sp π
4Ud
⋅
--------------u
ˆCp 1,
*
1
GLC 1()νν
ma
x
→
------------------------------------
----
⋅⋅=
A
L
C
Lfs
M
fop
t
,
i
L
fs
i
ˆ
Lfs,1 u
ˆCp,1
1
Rm
-------1j
1
Mf opt,
-------------
--
⋅+
⋅⋅=
L
m
C
m
Rm
––
Rm
i
ˆ
Lfs,1 u
ˆCp,1 1
Rm
-------1Mfop
t
,
2
+
Mf opt,
-------------------------
---
⋅⋅=
γfop
t
,
A
cAwLs
1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------u
ˆ
Cp 1,
2
ω0Rm
⋅
------------------2Ωs
2
–
Ωs
21Ω
s
2
–⋅
----------------------------
----
⋅⋅=
γ
f
A
cAwLs
1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------u
ˆ
Cp 1,
ω0Rm
⋅
------------------1M
f
2
+
Ωs
2M
f
⋅
--------------
----
⋅⋅=
A
cAwTr
1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------u
ˆCp 1,
2
ω0Rm
⋅
------------------21Mf
2
+()Mf
21Ωs
2
–()
2
+()⋅⋅
Ωs
2Mf
⋅
-----------------------------------------------------------------------------
----
⋅⋅=
A
cAwLC
1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------u
ˆCp 1,
2
ω0Rm
⋅
------------------1Mf
221Mf
2
+()Mf
21Ωs
2
–()
2
+()⋅⋅++
Ωs
2Mf
⋅
----------------------------------------------------------------------------------------------------
----
⋅⋅=
82 4 Stromrichterkonzepte
4.2.1.2 Verlustleistungsberechnung für den LC-Resonanzstromrichter
Zur Bestimmung der Schalt- und Durchlassverluste beim Resonanzstromrichter müssen
zunächst die Strom- und Spannungsverläufe untersucht werden. Dabei ist es insbesondere
notwendig, die Phasenverschiebung zwischen der Grundschwingungen des geführten
Stroms und der Wechselrichterspannung sowie den Steuerwinkel zu
berücksichtigen. Die folgenden Zusammenhänge werden anhand Bild 4.11 erläutert, in dem
für den Fall die Strom- und Spannungsverläufe der jeweiligen Grundschwingung
beispielhaft dargestellt sind. Die Steuerbefehle ( ) der Transistoren aus der Voll-
brücke sind in Bild 4.11 c zusätzlich angegeben.12
Schaltverluste
Die Momentanwerte des Stromes im Augenblick des Schaltens der Transistoren sind mit 1
bis 4 durchnummeriert. Zur Bestimmung der Schaltverluste müssen für beide Halbbrücken
die jeweils vorliegenden Verhältnisse ermittelt werden.
Für den in Bild 4.11 dargestellten induktiven Belastungsfall ( ), welcher einen von
vier unterschiedlichen Belastungsfällen darstellt, liegen für die Transistoren der Halbrücke
A (T1 und T2) im Einschaltaugenblick Nullspannungsverhältnisse ( Nullspannungsschal-
ten, zero voltage switching) vor, da die jeweils antiparallele Diode (D1 und D2) den Strom
führt. Aus diesem Grund können die Einschaltverluste der Transistoren vernachlässigt wer-
den. Andere Verhältnisse liegen beim Ausschalten der Transistoren vor, da hier hart
12.Für ist der entsprechend mit i nummerierte Transistor leitend bzw. bei sperrend.
ϕ
i
wr,1
t
()
u
wr,1
t
() α
ϕα<
z
1
z
2
z
3
z4
,,,
z
i
1=
z
i
1=
ω
t
ω
t
ω
t
ωt
ωt
a) b)
c)
1
2
3
4
iwr,1(t)
i3=-i1
i2=-i4
i4=-i2
i1=-i3
α
ϕ
T
T
uwr(t)
uwr,1(t)
T
1
z
1
z
3
z
2
z
4
D
1
D
2
HB
AHB
A
HB
B
HB
B
1
1
D
4
D
3
T
2
T
3
T
4
i
wr
(t)
+
U
d
u
wr
(t)
{
{
T
1
D
1
D
2
D
4
D
3
D
3
T
2
T
3
T
4
T
T
2π
z
1
,
z
2
z
3
,
z
4
2π
2π
2π
2π
Bild 4.11: Augenblickswerte des Schaltstromes und Stromführungszeiten der Halblei
-
terbauelemente bei der phasengesteuerten Vollbrücke. a) Schaltbild, b
)
Strom- und Spannungsverläufe, c) Steuerbefehle der Transistoren und Auf
-
teilung des Stromes auf die einzelnen Bauelemente.
ϕα<
→
4.2 Resonanzstromrichter 83
geschaltet wird, und der Strom auf die Diode des anderen Transistor/Dioden-Paares kom-
mutiert. Sobald der Strom seine Richtung umkehrt, sperren die Dioden und die zu ihnen
parallelliegenden Transistoren übernehmen die Stromführung. Die Ausschaltverluste der
Dioden entstehen bei diesem Vorgang nicht.
Die Transistoren der Halbbrücke B müssen beim Einschalten neben dem Laststrom auch die
Rückstromspitze der Diode führen, so dass die Einschaltverluste berücksichtigt werden
müssen. Ausschaltverluste der Dioden müssen ebenfalls mit in die Berechnung der Gesamt-
schaltverluste einfließen. Beim Ausschalten führt dagegen zunächst die antiparallele Diode
den Strom und ermöglicht so den Transistoren Nullspannungsschalten.
Man erhält aus Gl. (4.10), Gl. (4.15), Gl. (4.18) und anhand Bild 4.11 unter Verwendung der
Stromaugenblickswerte
(4.46)
sowie
, (4.47)
und
, , (4.48)
wobei für mit Verwendung der Grundschwingung des Stromes für den dargestellten Bela-
stungsfalls gilt ( ):
und . (4.49)
Die Betrachtungen für sowie induktiver und kapazitiver Last ( bzw. )
sind analog zu dem hier erläuterten Beispiel durchzuführen. Das Ergebnis aller weiteren
Belastungsfälle ist in Tabelle 4.2 zusammengefasst. Wie in Kap. 4.1.3 begründet, werden
Einschaltverluste der Dioden vernachlässigt. Ausschaltverluste treten immer gemeinsam
mit den Einschaltverlusten der Transistoren auf.Die Tabelle zeigt, dass reines Nullspan-
nungschalten der Transistoren nicht erreicht werden kann. Außerdem ist erkennbar, dass je
nach Last die Vollbrücke unsymmetrisch belastet werden kann. Dies ist bei Betrachtung der
Strommomentanwerte auch aus Bild 4.11 ersichtlich, da in diesem Beispiel für Halbbrücke
A die größeren zu schaltenden Ströme auftreten. Bei unsymmetrischer aber bekannter Bela-
stung ist es möglich, für die weniger stark belastete Halbbrücke kostengünstigere Halblei-
terkomponenten einzusetzen. Je kleiner der Phasenwinkel ist, desto symmetrischer fällt
die Belastung der Vollbrücke aus. Für den in Bild 4.11 dargestellten Fall setzen sich die
Schaltverluste der Wechselrichterstufe wie folgt zusammen:
(4.50)
P
Bon,
T
3U
d
2T
----------i1tai1
()⋅⋅
5U
d
6T
----------
di
T
dt
--------ta
2i1
()⋅⋅+=
P
Aoff,
T
U
d
2T
------ i2to
ff
⋅⋅=
P
Aoff,
D
U
d
6T
------
di
T
dt
--------ta
2i2
()SD
⋅⋅ ⋅=
P
Boff,
D
U
d
6T
------
di
T
dt
--------ta
2i1
()S
D
⋅⋅ ⋅=
ϕ
0
<
i1i
ˆ
wr,1 αϕ+()sin=i2i
ˆ
wr,1 πα–ϕ+()sin=
ϕα>ϕ
0
<ϕ
0
>
ϕ
P
Sges,PT3on,PT4on,PD4off,PD3off,
+++ PT1off,PT2off,
+
HBA HBB
= 2 PAon,
T
⋅2PAon,
D
⋅2PBoff,
T
⋅++
+=
84 4 Stromrichterkonzepte
Da die Belastung der Halbleiter innerhalb einer Halbbrücke für beide Transistor/Dioden-
paare identisch ist, wurde in Gl. (4.50) die Abkürzung eingeführt. Dabei gibt
das hochgestellte T bzw. D an, ob es sich um Dioden- oder Transistorverluste handelt. Der
Index A bzw. B legt die jeweilige Halbbrücke fest.
Durchlassverluste
Wie den in Bild 4.11 c dargestellten Stromführungsbereichen entnommen werden kann, ist
der Anteil des Laststromes, der von den Dioden und Transistoren geführt wird, in den bei-
den betrachteten Halbbrücken unterschiedlich. Den Gleichungen entsprechend Kap. 4.1.3
werden zur Berechnung der Durchlastverluste der Effektivwert des Belastungsstromes im
jeweiligen Bauelement und außerdem dessen arithmetischer Mittelwert für die Dioden-
durchlassverluste benötigt. Mit Verwendung der in Bild 4.11 b angegebenen Winkel und
sowie unter Berücksichtigung des Vorzeichens von erhält man die in Tabelle 4.3 ange-
gebenen Effektiv- bzw. Mittelwerte der jeweiligen Ströme. Da sich die Stromführungszeiten
innerhalb einer Halbbrücke auf die Transistoren und Dioden symmetrisch auf die positive
bzw. negative Halbschwingung des Laststromes aufteilen, sind in der Tabelle nur die Werte
für ein Transistor-Diodenpaar angegeben. Die verwendete Notation wurde bereits im voran-
gegangenen Abschnitt eingeführt.
kapazitiv induktiv
HBAT1 ein / D2 aus
T2 ein / D1 aus h.s. ZVS ZVS ZVS
T1 aus
T2 aus ZVS h.s. h.s. h.s.
HBBT3 ein / D4 aus
T4 ein / D3 aus h.s. h.s. ZVS h.s.
T3 aus
T4 aus ZVS ZVS h.s. ZVS
Beispiel gem.
Bild 4.11
Tabelle 4.2: Bestimmung der Schaltverluste der phasengesteuerten Vollbrücke für kapa-
zitive und induktive Last in Abhängigkeit des Steuerwinkels .
(ZVS = Nullspannungsschalten keine Schaltverluste, h.s. = hartes
Schalten Schaltverluste).
ϕα>ϕα<ϕα>ϕα<
α
→
→
P
A/B on/o
ff
,
T/D
α
ϕϕ
4.2 Resonanzstromrichter 85
Nach Einsetzen aller Werte aus Tabelle 4.3 in Gl. (4.19) bzw. Gl. (4.20) erhält man für die
Gesamtdurchlassverluste
(4.51)
wobei wiederum innerhalb einer Halbbrücke symmetrische Belastungen der Bauelemente
veranschlagt werden.
Die Gesamtverluste der Vollbrücke sind nun vollständig bekannt und können entsprechend
Tabelle 4.2 und Tabelle 4.3 für beliebige Belastungsfälle bestimmt werden:
. (4.52)
4.2.1.3 Wechselrichter-Wirkungsgrad des LC-Resonanzstromrichters
Unter Berücksichtigung des Ausgangstransformators zur Anpassung der Aktorspannung an
die geforderte Betriebsspannung bei Vollaussteuerung (Gl. (4.39)) ergibt sich für die Grund-
schwingungsamplitude des Wechselrichterstromes
(4.53)
Tabelle 4.3: Effektiv- und arithmetischer Mittelwert
der Dioden- und Transistorströme der
phasengesteuerten Vollbrücke.
IArms,
T
()
2
i
ˆ2
2
πα ϕ
+–
()
2
αϕ
+
[]
sin+
8π
---------------------------------------------------------------------
--
⋅
IArms,
D
()
2
i
ˆ2
2
αϕ
+2
αϕ
+
[]
sin–
8π
---------------------------------------------------------
--
⋅
I
AA
V
,
D
i
ˆ
1
π
---αϕ+
2
----------------
2
sin⋅
IBrms,
T
()
2
i
ˆ
2
2
παϕ
––
()
2
αϕ
–
[]
sin+
8π
---------------------------------------------------------------------
---
⋅
IBrms,
D
()
2
i
ˆ
2
2
αϕ
–2
αϕ
–
[]
sin–
8π
------------------------------------------------------
----
⋅
I
BA
V
,
D
i
ˆ
1
π
---αϕ–
2
----------------
2
sin⋅
P
dges,2r⋅DSon IArms,
T
()
2IBrms,
T
()
2
+[]
2 UT0IAAV,
DIBAV,
D
+()rDIArms,
D
()
2IBrms,
D
()
2
+[]+(),⋅
+=
P
Vges,
P
Sges,
P
dge
s
,
+=
i
ˆwr,1 nsp
2
u
ˆ
wr,1
ZLC 1()
--------------------
=
πu
ˆCp
*
()
2
4UdRm
--------------------1Mf
2
+()Mf21Ωs
2
–()
2
+()⋅
MfΩs
2
⋅
---------------------------------------------------------------------
----
⋅=
86 4 Stromrichterkonzepte
Der auf die Werte des Nominalbetriebs ( ) normierte Graph ist in
Bild 4.12 dargestellt, und zeigt, wie sich mit zunehmendem Kapazitätsfaktor der Strom
und insbesondere sein Minimum, welches den optimalen Arbeitspunkt des LC-Resonanz-
stromrichters markiert, entwickelt. Als weiterer Scharparameter wurde die Dämpfung vari-
iert. Bei sehr großen Dämpfungen verschwindet das Stromminimum vollständig, so dass
keine zusätzliche zum Aktor parallelliegende Kapazität vorgesehen werden muss. Für
strebt der Strom gegen Unendlich.
Der Wirkungsgrad
(4.54)
der Wechselrichterstufe wird mit
Hilfe von Gl. (4.36) und der Wirk-
leistung bei Speisung des Aktors
mit seiner Resonanzfrequenz
bestimmt. Für die
betrachtete Schwingeinheit erge-
ben sich dabei die für Bild 4.13
errechneten Wirkungsgradver-
läufe. Das Bild belegt einen
erheblichen Anstieg des Wir-
kungsgrades bei kleinen Tastver-
hältnissen . Ab einem bestimm-
ten Tastverhältnis wird der Steuer-
winkel kleiner als der Phasenwinkel , so dass die Transistoren der Halbbrücke B ent-
sprechend Tabelle 4.2 unter Nullspannung einschalten. Die Folge ist eine erhebliche
Verringerung der Schaltverluste, was sich in Form eines Wirkungsgrad-„Sprunges“ äußert.
Für liegt dieser Fall knapp unter .
Mit zunehmendem Kapazitätsverhältnis steigt der Wirkungsgrad stark an. Für
i
ˆ
wr,1
0i
ˆ
wr,1 Rm=100 Ω()=
γ
f
γf∞→
0 10 20 30 40
0.1
0.2
0.5
1
1.5
γf
Rm
=75,
M
=11
Rm
=100,
M
=8,3
Rm
=200,
M
=4,16
|i
wr
,1
/
iwr
,0
|
0
Bild 4.12: Strom der Wechselrichterstufe als Funk
-
tion von und der Dämpfung , Nennbetrieb be
i
mit und .
ν
Rm
R
m
=100
Ω
u
ˆ
Cp
*
100
V
=
U
d
325 V=
η
P
wr
P
Vges,
–
()
P
wr
⁄
=
P
wr
Re S
wr
{}
=
D
αϕ
γf
11=
γfop
t
,
≈
D0,1=
60
50
70
80
90
100
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5
D Rm
η η
γf = 1
γf = 11 ≈ γmax
γf = 1
γf = 21
50
40
60
70
80
90
100
0 100 200 300 400 500
γf = 21
γf = 11 ≈ γmax
D = 0,5
γf = 3 γf = 3
Bild 4.13: Wechselrichter-Wirkungsgrad des LC-Resonanzstromrichters als Funktion
a) des Tastverhältnisses D, b) des Lastwiderstandes bei unterschiedli-
chen Kapazitätsverhältnissen .
Rm
γ
f
a) b)
γ
f
4.2 Resonanzstromrichter 87
wird der in Kap. 4.2.1.1 mittels Gl. (4.37) prognostizierte optimale Betriebs-
punkt erreicht, und für stellen sich wieder schlechtere Wirkungsgrade ein. Der
maximal erreichbare Wirkungsgrad für die hier betrachtete Schwingeinheit liegt bei ca.
.
Für den Fall der veränderlichen Last, für den in dieser Simulation der Widerstand vari-
iert wurde, ergeben sich bei konstantem maximalen Tastverhältnis je nach Kapa-
zitätsverhältnis für kleiner werdende Lasten wieder schlechtere Wirkungsgrade. Aller-
dings ist erkennbar, dass bei dem für dieses Beispiel ermittelten optimalen Kapazitätsver-
hältnis bei der Punkt des maximalen Wirkungsgrades erhalten bleibt.
Für andere Lasten muss, wie in Gl. (4.37) gezeigt, die Berechnung des optimalen Kapazi-
tätsfaktors die geänderte Gütezahl berücksichtigen.
4.2.2 Der LLCC-Resonanzstromrichter
Der Schaltplan des LLCC-Resonanzstromrichters ist in Bild 4.14 dargestellt. Ähnlich wie
beim LC-Resonanzstromrichter liegt die Schaltfrequenz der Wechselrichterstufe in unmit-
telbarer Umgebung der mechanischen Resonanzfrequenz des piezoelektrischen Aktors.
Das Ausgangsfilter besteht hier aus einem Serienschwingkreis im Längspfad bestehend aus
der Kapazität und der Induktivität . Parallel zur Last wird außerdem noch eine Par-
allelinduktivität eingeführt, die mit der optional vorzusehenden Kapazität und der
Piezokapazität resonant abgestimmt wird. Die Auslegung des Längs- und Parallel-
schwingkreises erfolgt anhand der Gleichungen:
, , (4.55)
Diese Auslegung führt zu einem Bandpassverhalten welches bei einer ohmschen Last nähe-
rungsweise bei der Frequenz eine Spannungsverstärkung von Eins und eine Phasenver-
schiebung von null gewährleistet. Damit entspricht im stationären Betrieb die Grund-
schwingungsamplitude der Wechselrichterstufe aufgrund der Spannungseinprägung
des Wechselrichters nahezu der Grundschwingungsamplitude der Filterausgangsspannung
, vgl. [48].
γfγfop
t
,
=
γfγfop
t
,
>
η
98,2%=
Rm
D0,5=
γ
f
γfop
t
,
R
m
100
Ω
=
M
+
I
d
u
wr
u
wr
'u
Cp
U
d
i
p
i
s
i
m
C
P
C
fp
L
fp
C
fs
L
m
L
fs
R
m
C
m
1 : n
sp
T
1
D
1
D
3
D
2
D
4
T
2
T
4
T
3
Bild 4.14: Topologie des LLCC-Resonanzstromrichters.
f0
Cfs
Lfs
L
f
p
C
f
p
CP
L
fp
1
2πf0
()
2CPCfp
+()
-----------------------------------------
----
=
L
fs
L
f
p
=
C
fs
C
P
C
f
p
+=
f0
u
w
r
u
C
p
88 4 Stromrichterkonzepte
Die simulierten Strom- und Spannungsverläufe bei unterschiedlichen Tastverhältnissen des
LLCC-Resonanzstromrichters sind in Bild 4.15 dargestellt, wobei hier auf die zusätzliche
Kapazität verzichtet wurde. Im Vergleich zum LC-Resonanzstromrichter ist trotzdem
ein erheblich ausgeprägteres spannungseinprägendes Verhalten erkennbar. Aufgrund des
besseren Verhältnisses zwischen der Grundschwingungsamplitude und den auftretenden
Oberschwingungen ist auch eine bessere Filterwirkung des Ausgangsfilters zu verzeichnen.
Die entsprechenden Amplituden- und Phasenkennlinien sind in Bild 4.16 dargestellt. Auf-
fällig sind in der Amplitudenkennlinie die beiden unter- und oberhalb des Arbeitsbereiches
auftretenden Resonanzüberhöhungen. Wie bereits erläutert liegt dazwischen die Verstär-
kung des Ausgangsfilters nahe Eins, und der LLCC-Resonanzstromrichter arbeitet unter der
Annahme idealer Bauelemente spannungseinprägend. In [48] und [68] wurde gezeigt, wie
C
f
p
T
T
T
-150
-50
50
150
-150
-50
50
150
t
t
t
-100
-50
50
0
100
-100
-50
50
0
100
u
wr
U
d
u
wr
U
d
u
wr
U
d
β
Cs
= 1.2 β
Cs
= 1.2 β
Cs
= 1.2
β
Cs
= 0.8 β
fs
= 0.8 β
Cs
= 0.8
u
Cp
u
Cp
u
Cp
u
Cp
u
Cp
u
Cp
i
s
~
i
s
~
~
T
T
T
t
t
t
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
135791113151719
F
k
u
Cp,k
u
Cp,1
F
k
i
Cp,k
i
Cp,1
F
k
i
Cp,k
i
Cp,1
F
k
i
Cp,k
i
Cp,1
F
n
u
Cp,k
u
Cp,1
F
k
u
Cp,k
u
Cp,1
k
k
1 3 5 7 9 1113 1517 19
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
β
Cs
=1.2
β
Cs
=0.8
β
Cs
=1.2
β
Cs
=0.8
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
135791113151719
k
k
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
135791113151719
T
T
T
-200
-100
100
0
200
-150
-50
50
150
t
t
t
k
k
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
135791113151719
1 3 5 7 9 1113 1517 19
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
i
s
~
i
s
~
i
s
β
Cs
=1.2
β
Cs
=0.8 β
Cs
=1.2
β
Cs
=0.8
β
Cs
=1.2
β
Cs
=0.8
β
Cs
=1.2
β
Cs
=0.8
i
s
~
Bild 4.15: Simulierte Strom- und Spannungsverläufe am LLCC-Resonanzstrom-
richter bei einem Tastverhältnis von D = 0,1, 0,25 und 0,5. Spektrum
der Spannung am piezoelektrischen Aktor und vom Strom durch
die Längsspule , (aus Darstellungsgründen wurde für den Strom
eingeführt).
u
c
p
is
i
˜
s50
is
⋅=
a) D=0,1;
w
ˆ
6,22 µ
m
=b) D= 0,25;
w
ˆ
14,22 µ
m
=c) D=0,5;
w
ˆ
20,11 µ
m
=
4.2 Resonanzstromrichter 89
durch die Wahl des Kapazitätsverhältnisses die Lage der beiden Resonanzen des
Spannungsübertragungsverhaltens bestimmt werden kann. Auf diese Weise kann der
Arbeitsbereich des Stromrichters, womit der Frequenzbereich gemeint ist, in dem sich die
mechanische Resonanzfrequenz des piezoelektrischen Aktors befinden darf, vergrößert
werden. Dringend zu beachten ist allerdings, dass der mögliche Arbeitsbereich auch von der
gewählten Wechselrichter-Topologie abhängt. Während bei einer Vollbrückentopologie erst
die dritte Oberschwingung in der Ausgangsspannung der Wechselrichterstufe auftritt, ist bei
einer Halbbrückentopologie, abhängig vom Tastverhältnis, bereits die zweite Oberschwin-
gung in der Ausgangsspannung enthalten. Bei entsprechend ungeeigneter Auslegung und
Platzierung der beiden Resonanzen in der Spannungsübertragungskennlinie kann die zweite
Oberschwingung mit der oberen Resonanzüberhöhung zusammenfallen und zu unzulässig
hohen Belastungen der Halbleiter führen. Umgehen kann man dieses Problem der Halb-
brückentopologie, indem mit einem konstanten Tastverhältnis von getaktet wird,
da unter diesen Umständen erst die dritte Oberschwingung in der Ausgangsspannung auf-
tritt. Die Wechselrichterspannung wird dann mittels eines Eingangsstromrichters einge-
stellt. Ausführlicher wurden diese Konzepte bereits in Kap. 2.4.2 diskutiert.
Die Resonanzfrequenzen des Längs- und Parallelschwingkreises sowie die Resonanzfre-
quenz des piezoelektrischen Aktors unterliegen während des Betriebs Änderungen. Die
mechanische Resonanzfrequenz des Aktors ändert sich z. B. aufgrund von Lastschwankun-
gen. Der Parallelschwingkreis ( , ) wird indessen aufgrund der Erwärmung des
Aktors verstimmt.
In der Praxis werden Schwingkreiskomponenten verwendet, die Herstellungstoleranzen,
Alterung und Parametervariationen durch Temperaturänderung unterliegen, die eine belie-
big genaue Abstimmung der Schwingkreis verhindert. Dazu kommt ferner, dass der Schal-
tungsentwickler die Auswahl der kommerziell erhältlichen Komponenten anhand von
Normreihen vornehmen muss.
C
fp
Cfs
⁄
D0,5=
0.5 1 1.5 2 2.5 3
-20
0
20
40
60
| GLLCC(Ω)| in dBGLLCC(Ω) in ˚
-100
0
100
Ω
Ω
Ω
Ω
Ω
-6
-4
-2
0
2
4
6
-6
-4
-2
0
2
4
6
0.98 0.99 1 1.01 1.02 0.98 0.99 1 1.01 1.02
0.98 0.99 1 1.01 1.02
0.98 0.99 1 1.01 1.02
-60
-50
-40
-30
-20
-10
0
0
20
40
60
80
βCs =
1
βCs =
0,8
βCs =
1,2
γf =
1
γf =
2
γf =
6
γf =
11
βCs =
1,2
βCs =
0,8
βCs =
1,2
βCs =
0,8
γf =
1
γf =
2
γf =
6
γf =
11
Bild 4.16: Amplituden- und Phasenkennlinie in normierter Darstellung für den LLCC
-
Resonanzstromrichter. Variation der Filterkapazität zur Glättung de
s
Spannungsübertragungsverhaltens und Einfluss der Filterkapazität .
C
f
p
Cfs
C
f
p
L
f
p
90 4 Stromrichterkonzepte
Ähnliche Überlegungen bezüglich der Toleranzen und Exemplarstreuungen treffen auch auf
die Spulen und Transformatoren zu. Da allerdings die Induktivitätswerte zumeist auf eige-
nen Entwürfen beruhen, ist man bei ihrer Auswahl nicht an Normreihen gebunden. Der Ein-
fluss nicht-idealer Kapazitätswerte von auf das Spannungsübertragungsverhalten ist
ebenfalls in Bild 4.16 dargestellt. Dabei wurde ein für Kapazitäten üblicher Toleranzbereich
von angenommen, und es wird das Kapazitätsverhältnis
(4.56)
eingeführt, um auch auf den folgenden Seiten Parameterungenauigkeiten der Filterkompo-
nenten zu modellieren. Die beiden abgebildeten Ausschnittvergrößerungen der Umgebung
der Aktorresonanzfrequenz zeigen für die größten anzunehmenden Abweichungen vom
nominellen Auslegungswert ( und ) deutliche Spannungseinbrüche
und Variationen in den Phasenkennlinien (durchgezogene Kennlinien). Abweichung zu
kleineren Kapazitätswerten wirken sich dabei dominanter aus als Abweichungen zu größe-
ren Werten. Beim Entwurf des LLCC-Resonanzstromrichters sollte, diesen Beobachtungen
entsprechend, die Längskapazität immer zu größeren Werten abgeschätzt werden.
4.2.2.1 Grundschwingungsanalyse des LLCC-Resonanzstromrichters
Das Spannungsübertragungsverhalten des LLCC-Resonanzstromrichters ergibt sich aus
, (4.57)
mit
und . (4.58)
ist die Impedanz des piezoelektrischen Aktors. Für eine übersichtliche normierte
Darstellung werden die folgenden Abkürzungen eingeführt. Neben der Resonanzfrequenz
des mechanischen Teilssystems ergeben sich die Resonanzfrequenzen des Längsfilters
( , ) und des Parallelfilters ( , ) aus
bzw. . (4.59)
Außerdem wird die Gütezahl nach Gl. (4.30) verwendet. Zur Frequenznormierung wird
eingesetzt.
Das anhand Bild 4.16 beschriebende Verhalten auf ungenaue Werte der Filterkomponenten
kann durch die auf die Aktorresonanzfrequenz normierte Spannungsübertragungsfunktion
bestätigt werden. Dazu wird die Empfindlichkeit bezüglich der Resonanzfre-
quenzen und bestimmt. Unter der Annahme der Anregung des piezoelektrischen
Aktors mit seiner Resonanzfrequenz13 ( ) und gleichzeitig idealer Abstim-
mung des Serienschwingkreises bzw. erhält man
Cfs
20 %
±
βCs
C
fs is
t
,
Cfs so
ll
,
-------------
----
=
βCs
1,2=
βCs
0,8=
G
LLCC jω()
U
Cp
Uwr
’
----------
Z
A
j
ω()
Z
fp
j
ω()⋅
Zfs jω()ZAjω()Zfp jω()+[]ZAjω()Zfp jω()⋅+
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
----
==
Z
fs jω() jωLfs
1
jωC
fs
----------
----
+=
Z
fp jω()
j
ω
L
fp
1ω2CfpLf
p
–
----------------------------
---
=
Z
A
j
ω()
ω
0
Lfs
Cfs
Lf
C
f
p
ωs
1
LfsCfs
------------------
=ωp
1
Lfp Cfp CP
+()
----------------------------------
----
=
Ωωω
0
⁄
=
G
LLCC
j
Ω()
ω
s
ω
p
Ωωω
0
⁄
1==
ωsω
0
=
βCs
1=
4.2 Resonanzstromrichter 91
. (4.60)
Demzufolge führt eine Verstimmung des Parallelschwingkreises zwar zu einer geänderten
Teilimpedanz des Filters und demnach zu Blindstromaufnahme bei , aber es hat keinen
Einfluss auf das Spannungsübertragungsverhalten.
Für den Fall der idealen Abstimmung des Parallelschwingkreises ergibt sich ent-
sprechend Gl. (4.59) für das Kapazitätsverhältnis :
(4.61)
Das Spannungsübertragungsverhalten folgt in diesem Fall:
. (4.62)
Entsprechend Gl. (4.30) wird durch Vergrößern der Filterkapazität die Gütezahl
verringert, und somit auch in Gl. (4.62) der mit der Gütezahl verknüpfte Term. Die Emp-
findlichkeit des Spannungsübertragungsverhalten des LLCC-Resonanzstromrichters kann
also durch Vergrößern der Kapazität wesentlich verringert werden. Außerdem wird der
Einfluss der Temperaturabhängigkeit der Piezokapazität verringert. Als Resultat erhält man
spannungseinprägenderes Verhalten des Resonanzstromrichters. In Bild 4.16 ist der Ein-
fluss der Zusatzkapazität mit Hilfe des Kapazitätsverhältnisses in der Form
simuliert worden.
Wie beim LC-Resonanzstromrichter führt die zusätzliche Kapazität zu erhöhtem Blindlei-
stungsbedarf des Ausgangsfilters. Zur Abschätzung der Belastung der Wechselrichterstufe
wird zunächst die Lastimpedanz bestimmt, die sich aus
(4.63)
berechnet (vgl. Gl. (4.58)). Wie bereits Gl. (4.60) zeigte, hat eine Verstimmung des Parallel-
filters keine Auswirkungen auf das Spannungsübertragungsverhalten allerdings liegt eine
Rückwirkung auf die Eingangsimpedanz vor. Unter den Voraussetzungen , Anre-
gung in mechanischer Resonanz ( ) und Festlegung des Kapazitätsverhältnisses
ergibt sich
. (4.64)
13.Diese Annahme ist sinnvoll und gerechtfertigt, da dies der energetisch günstigste Betrieb entspre-
chend den Ausführungen nach Kap. 2 ist, und eine Regelung diesen Betriebspunkt sicherstellen
kann.
G
LLCC
1
()ωsω0
=
1=
ω
0
ωpω
0
=
βC
s
βCs
C
fs ist,
Cfs
--------------
L
fs
Lfs
------
⋅
C
fs ist,
CPCfp
+
---------------------
L
fs
Lfp
-------
⋅ω0
ωsist,
-------------
2
== =
GLLCC ωω
0
=
ω0
2
ω0
2Mf
2ω0
2ωs
2
–()
2
⋅+
-------------------------------------------------------- βCs
βCs
2Mf
2βCs 1–()
2
⋅+
----------------------------------------------------
----
==
C
f
p
Mf
C
f
p
γ
f
γf
C
P
C
fp
+
()
CP
⁄
=
Z
LLCC jΩ() Zfs jΩ()
Z
fp
j
Ω()
Z
A
j
Ω()
Zfp jΩ()ZAjΩ()+
---------------------------------------
----
+=
ωpω
0
=
Ω
1=
βCs
1=
ZLLCC 1() Rm1jM
f
ω0
2ωs
2
–
ω0
2
-------------------
⋅⋅+
⋅Rm1jM
f
βCs 1–
βCs
----------------
-
⋅⋅+
⋅==
92 4 Stromrichterkonzepte
Zur weiteren Vereinfachung wurde Gl. (2.19) verwendet. Der imaginäre Anteil kann dabei
durch Vergrößern des Faktors , der Teil von ist, verringert werden. Unbeeinflusst
bleibt dagegen der mit konstante Realteil.
Die Verläufe der Schein-, Blind- und Wirkleistung sind in Bild 4.17 über dem Faktor für
unterschiedliche übliche Herstellungstoleranzen der Filterkapazität dargestellt. Dazu
wurden die jeweiligen Leistungen auf die Scheinleistung im resonanten Betriebs-
punkt bei idealer Filterauslegung bezogen.
Für ist die von der Gesamtlast aufgenommene Blindleistung posi-
tiv, was auf das kapazitive Verhalten des Reihenschwingkreises oberhalb seiner Resonanz-
frequenz zurückzuführen ist. Für zunehmendes nimmt die aufgenommene Blindlei-
stung ab, und die Wirkleistung bzw. Scheinleistung nähert sich dem Bezugswert . Für
große Toleranzbereiche ist in der Blindleistung zunächst ein Anstieg zu verzeichnen, ehe
die Blindleistungsaufnahme gegen null zu streben beginnt. In diesem Fall sollte aus Sicht
der Wechselrichterstufe die gewählte Parallelfilterkapazität mit Hilfe des Multiplika-
tors so gewählt werden, dass die Blindleistungsaufnahme kleiner als die für auf-
genommene Blindleistung wird. Andernfalls würde die Wechselrichterstufe mit zusätzlicher
Blindleistung belastet werden. Ähnliche Verhältnisse gelten für den Bereich .
γ
f
Mf
Rm
γ
f
Cfs
S
wr
0
,
γf
cos( ϕ)
-0.4
-0.2
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
5MH
5MH
3MH
3MH
2MH
2MH
5MH
5MH
3MH
3MH
2MH
2MH
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
246810
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1
γf
ϕ)
246810
γf
246810
γf
246810
0.5
0.6
0.7
0.8
0.9
1
β
+I
β
+I
β
+I
β
+I
S
S
P
Q
Q
P
Bild 4.17: Leistungen und Leistungsfaktor des LLCC-Resonanzstromrichters
bei Variation des Kapazitätsverhältnis .γ
f
βCs
1..1,2=
Z
LLCC
1
()
ω
s
γ
f
S
wr
0
,
C
f
p
γ
f
γf
1=
βCs
0,8..1=
4.2 Resonanzstromrichter 93
Die bisherigen Ausführungen legen die Vermutung nahe, dass ein ideales Übertragungsver-
halten durch ein möglichst großes erzielt werden kann. Zu beachten sind aber noch die
Belastungen der Filterkomponenten.
Die Ausgangsspannung des LLCC-Filters liegt auch über dem Parallelschwingkreis
an. Aufgrund sehr geringer komplexer Widerstände bei einem großen stellt sich ein ent-
sprechend hoher Kreisstrom zwischen der Kapazität , der Piezokapazität und der
Filterspule innerhalb des Filters ein:
bzw. . (4.65)
Dieser Strom fließt ausschließlich zwischen den Filterkomponenten und belastet nicht die
Wechselrichterstufe. Die Folge des mit anwachsenden Stromes ist bei gegebener Indukti-
vität der Bedarf nach entsprechend stromfesten Filterbauelementen, die nach Gl. (4.21)
voluminös und somit kostenintensiv ausfallen. Entsprechend der Auslegungsvorschrift für
den LLCC-Resonanzstromrichter nach Gl. (4.55) und Einsetzen von
(4.66)
und Gl. (4.65) ergibt sich nach Gl. (4.22) ein resultierendes Flächenprodukt , wel-
ches sowohl die Spule des Parallelfilters als auch die Spule des Längsfilters berück-
sichtigt:
. (4.67)
Der Transformator weist das Flächenprodukt
(4.68)
auf. Im Interesse einer kostengünstigen Dimensionierung sollte demzufolge das Kapazitäts-
verhältnis so gewählt werden, dass ein geeigneter Kompromiss zwischen Spannungssta-
bilität und Kosten bzw. Volumen des Ausgangsfilters gefunden wird. Dabei spielt insbeson-
dere die Anwendung eine entscheidende Rolle. Für ein handgeführtes Gerät würde man
z. B. kleinere Filterkomponenten bevorzugen. Stationäre Geräte dagegen, wie sie z. B. in
großen Anlagen zum Ultraschallschweißen zum Einsatz kommen, könnten bei Nichtbeach-
tung des Kostenfaktors problemlos mit großvolumigen Komponenten ausgestattet werden.
Die beim entsprechend gefundenen Kompromiss verbleibende Differenz zwischen gefor-
derter und tatsächlicher Amplitude der Ausgangsspannung muss noch durch Wahl des
Übersetzungsverhältnisses des Ausgangstransformators kompensiert werden. Analog zu Gl.
(4.39) erhält man
. (4.69)
γ
f
U
C
p
γ
f
C
f
p
CP
L
f
p
I
Cfp
U
Cpω0γf
1–
()
C
P
=
I
Lfp
U
Cpω0γf
CP
=
γ
f
L
fp
1
ω0
2γfC
P
⋅⋅
----------------------
----
=
A
LLC
C
L
f
p
Lfs
A
cAwLfs Lfp
,
u
ˆCp
2
kCuB
ˆJ
ˆω0Rm
⋅
----------------------------------1M
f
2
+
Mf
-------------
----
⋅=
A
cAwTr
2u
ˆ
Cp
2
kCuB
ˆJ
ˆω0Rm
⋅
----------------------------------1Mf2βCs 1–
βCs
-----------------
2
⋅+⋅=
γ
f
u
ˆ
C
p
*
n
sp π
4Ud
⋅
--------------u
ˆCp
*
1
GLLCC 1()γfγfop
t
,
→
--------------------------------------------
---
⋅⋅=
94 4 Stromrichterkonzepte
4.2.2.2 Verlustleistungsberechnung für den LLCC-Resonanzstromrichter
Unter Berücksichtigung des Ausgangstransformators zur Anpassung der Aktorspannung an
die geforderte Betriebsspannung bei Vollaussteuerung (vgl. auch Gl. (4.39)) ergibt sich
für die Grundschwingungsamplitude des Stroms in der Wechselrichterstufe
(4.70)
Der auf den Nominalbetrieb ( ) bezogene Graph ist in
Bild 4.18 dargestellt. Für die dargestellten Kennlinien wurde die Dämpfung bei
über dem Kapazitätsverhältnis variiert. Die Kennlinie verdeutlicht also die
zusätzliche Strombelastung der Wechselrichterstufe, verglichen mit der Belastung, die bei
idealen Filterbauelementen vorliegen würde. So ist bei Nominallast der Ultraschall-Schwin-
geinheit ( ) und bei Verzicht auf eine zusätzliche Filterkapazität (d. h.
) mit einer um etwa 120% höheren Belastung der Wechselrichterstufe zu rechnen,
als bei Verwendung einer Filterkapazität mit dem 8-fachen Wert der Piezokapazität. Im
Gegensatz zum LC-Resonanzstromrichter, und wie bereits im vorangegangenen Abschnitt
erläutert, gibt es beim LLCC-Resonanzstromrichter keinen optimalen Betriebspunkt, in
dem der Strom ein Minimum annimmt. Dafür existiert hier ein Endwert, gegen den der
Strom für strebt:
. (4.71)
Die Kennlinie zeigt auch, dass
bei zunehmender Dämpfung
dieser Endwert schneller
erreicht wird.
Für den LLCC-Resonanzstrom-
richter erhält man aus der
Grundschwingungs-Simulation
mit den in Tabelle 4.1 angege-
benen Parametern der Ultra-
schall-Schwingeinheit die in
Bild 4.19 beispielhaft angege-
benen Wirkungsgradverläufe.
In Bild 4.19 a ist ein Sprung im
Funktionsverlauf zu erkennen,
der dann auftritt, wenn der
Betrag14 der Phase der Lastim-
u
ˆ
C
p
*
i
ˆ
wr,1 nsp
2u
ˆ
wr,1
ZLLCC 1()
--------------------------
=
πu
ˆCp 1,
4Ud
---------------- u
ˆCp 1,
Rm
-------------1
1Mf
2βCs 1–
βCs
-----------------
2
⋅+
---------------------------------------------------
⋅⋅ π
4Ud
----------u
ˆCp 1,
*
()
2
Rm
-------------------- βCs
βCs
2Mf
2βCs 1–()
2
⋅+
-----------------------------------------------------
---
⋅⋅==
i
ˆ
wr 1,
0
i
ˆ
wr,1 Rm=100 Ωβ
Cs 1=,()=
Rm
βCs
0,8=
γ
f
R
m
100
Ω
=
C
f
p
γf
1=
C
f
p
γf∞→
i
ˆ
wr,1 γf∞→
πu
ˆ
Cp
*
()
2
2RmU
d
⋅
-----------------
----
=
γ
f
|i
wr
/
i
wr,
|
1
2
3
4
2 4 6 8 10 12 14 16
R
m
M
R
m
M
R
m
M
Bild 4.18: Strom der Wechselrichterstufe als Funktio
n
von und der Dämpfung , Nominalbetrieb b
ei
mit , und
.
γ
f
Rm
R
m
=100
Ωβ
Cs
1=
u
ˆ
Cp
*
100
V
=
U
d
325 V=
4.3 Der Pulsstromrichter 95
pedanz größer als der Steuerwinkel wird. Dann müssen Tabelle 4.2 zufolge die Transistoren
der Vollbrücke hart schaltend arbeiten, wodurch die plötzlich auftretenden Schaltverluste
einen Einbruch des Wirkungsgrades verursachen. Mit zunehmendem steigt der Wir-
kungsgrad zunächst stark an, um mit zunehmendem Tastverhältnis in einen Bereich um
ca. 98% ( ) einzutreten. Je größer das Kapazitätsverhältnis gewählt wird, desto größer
ist auch der Wirkungsgrad. Allerdings ist der Wirkungsgradgewinn ab ca. nur noch
gering und macht nur noch ca. ein Prozent aus. Der maximal erreichbare Wirkungsgrad für
die hier betrachtete Schwingeinheit liegt – genau wie beim LC-Resonanzstromrichter – bei
ca. . Im Fall der veränderlichen Last, für den in Bild 4.19 b) der Widerstand
variiert wurde, ergeben sich bei konstantem maximalen Tastverhältnis gegenüber
dem LC-Resonanzstromrichter leicht verbesserte Wirkungsgrade bei geringerer Last. Für
weiter abnehmende Last nimmt allerdings der Wirkungsgrad leicht ab.
4.3 Der Pulsstromrichter
Pulsstromrichter beruhen im Wesentlichen auf der gleichen Topologie wie LC-Resonanz-
stromrichter, vgl. Bild 4.5 und Bild 4.22. Aber anstatt die Wechselrichterstufe mit der
Betriebsfrequenz des Aktors zu takten, wird eine wesentlich höhere Schaltfrequenz verwen-
det und eine höherpulsige Wechselrichterspannung erzeugt. Damit wird es möglich, die
Kosten der Filterkomponenten zu reduzieren und die Dynamik zu vergrößern. Ein mögli-
ches Modulationsverfahren, die Dreieck-Sinus-Modulation, wird anhand Bild 4.20 erläutert
[56]. Weitere Varianten und Modulationsverfahren sind z. B. in [48] und [55] beschrieben.
Möglich ist u. a. die Nutzbarmachung optimierter Schaltmuster, mit denen gezielt Ober-
schwingungen der Wechselrichterspannung vermieden werden können, die unerwünschte
Schwingungsmoden der Ultraschall-Schwingeinheit angeregen könnten.
14.Gl. (4.64) entsprechend ist die Last für die Wechselrichterstufe immer kapazitiv. Nur durch Ände-
rung des Kapazitätsverhältnis kann dieses Verhalten beeinflusst werden. Durch ein größeres ,
wird dabei die Phase von kleiner und strebt für gegen Null.
γ
f
γ
f
Z
LLC
C
γf∞→
γ
f
D
γf
3
>
γf
3
>
η
98,2%=
Rm
D0,5=
D R
m
η
γf = 1
γf = 3 γf = 5
γf = 11
D = 0,5
92
94
96
98
100
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5
η
γf = 11
γf = 5
γf = 1
0 100 200 300 400 500
92
94
96
98
100
γf = 3
Bild 4.19: Wirkungsgrad des LLCC-Resonanzstromrichters in Abhängigkeit a) vom
Tastverhältnis und b) vom Lastwiderstand bei unterschiedlichen
Kapazitätsverhältnissen .
D
Rm
γ
f
a
)b)
96 4 Stromrichterkonzepte
Eine dreieckförmige Referenzspannung
mit der Frequenz wird
permanent mit einer sinusförmigen Soll-
spannung und deren Invertierung
verglichen. Die Sollspannung hat die Fre-
quenz , was der Resonanzfrequenz des
piezoelektrischen Aktors entspricht. Der
Wert wird als Taktzahl bezeichnet.
Durch Vergleich des Referenzsignals mit
den beiden sinusförmigen Sollspannun-
gen werden die binären Steuersignale
für die Transistoren
erzeugt. Als Resultat erhält man eine
gepulste Rechteckspannung, deren
Grundschwingung der Frequenz des
Sinussignals, also der Resonanzfrequenz
des Aktors, entspricht. Die Amplitude der
Grundschwingung wird durch die Ampli-
tude der Sollspannungen bzw.
eingestellt, und es gilt der Zusammen-
hang [59]
. (4.72)
Höherfrequente Harmonische werden zu höheren Frequenzen verschoben, sodass im Fre-
quenzbereich ein Abschnitt entsteht, in dem keine harmonischen Frequenzanteile der
Wechselrichterspannung liegen. Die Filterung kann nun mit Hilfe einer Längsspule und
einer Kapazität ein Tiefpassfilter realisiert werden. Eine derartige Auslegung des Filters
unter Berücksichtigung des Spektrums der Wechselrichterspannung ist in Bild 4.21 darge-
stellt.
Weitere Tiefpassfilter-Topologien für Pulsstromrichter wie z. B. ein Cauer-Tiefpass werden
in [78] vorgestellt. Wegen seiner geringeren Dämpfungswirkung im Sperrbereich, treten
beim Cauer-Tiefpass erheblich höhere Oberschwingungsblindleistungen auf, die zusätzli-
che Belastungen der Wechselrichterstufe verursachen. Aus diesem Grund wird diese Filter-
topologie nicht weiter betrachtet.
In dem in Bild 4.21 dargestellten Beispiel tritt bei Taktzahl erst die siebte Ober-
schwingung signifikant in der Wechselrichterspannung auf. Die Resonanzfrequenz des oben
beschriebenen Tiefpassfilters wird so in die Lücke zwischen Grundschwingung und erster
auftretenden Oberschwingung platziert, dass jene durch die Filterwirkung gedämpft wird.
Aufgrund der höheren Resonanzfrequenz des Tiefpasses fällt das Volumen der zu realisie-
renden Filterspule erheblich kleiner aus, als bei den Konzepten der Resonanzstromrichter.
Somit kann ein wesentlicher Beitrag zur Miniaturisierung und Kostenreduktion der Lei-
stungselektronik erbracht werden. Nachteilig hingegen ist bei Ultraschallaktoren mit kleiner
Gütezahl die fehlende Kompensation der Blindleistung. Der Transformator des Pulsstrom-
-1
1
1
U
d
u
wr
u
s
-u
s
u
∆
t
t
t
t
z
1
,z
2
z
3
,z
4
-0.5
0.5
1
T
-U
d
u
wr,1
Bild 4.20: Dreieck-Sinus-Modulation
für Pulsstromrichter für .λT
5=
u
∆
f
∆λT
f0
⋅
=
us
us
–
f0
λ
T
z
1
z
2
z
3
und z4
,,
us
us
–
u
wr 1,
u
ˆ
s
u
ˆ∆
----- U
d
⋅=
Lfs
λT
5=
4.3 Der Pulsstromrichter 97
richters muss immer die gesamte vom Aktor aufgenomme Blindleistung übertragen. Dies
führt dementsprechend zu einem erhöhten Bauvolumen des Transformators, der Wechsel-
richterstufe und des Zwischenkreises. Das Verhalten in unmittelbarer Nähe zur Resonanz-
frequenz des piezoelektrischen Aktors wird später in diesem Abschnitt behandelt.
Eine wichtige Eigenschaft des Pulsstromrichters ist seine einfache Adaption an piezoelek-
trische Aktoren, deren Resonanzfrequenzen und Piezokapazitäten je nach Schwingeinheit
unterschiedlich sein können. Da der Frequenzbereich zwischen Grundschwingung und
erster auftretender Oberschwingung von der Taktzahl festgelegt wird, kann durch einfache
Erhöhung der Taktzahl dieser Bereich vergrößert werden. Durch diese Maßnahme kann eine
problemlose Anpassung an die Resonanzfrequenz erfolgen, ohne ein neues Ausgangsfilter
auslegen zu müssen. Außerdem wird das Spektrum der Wechselrichterspannung mit der Fil-
tercharakteristik, die auch von der Piezokapazität abhängig ist, abgeglichen. Sollen mit
Resonanzstromrichtern unterschiedliche Schwingeinheiten gespeist werden, ist in der Regel
eine vollständige Neuauslegung und Fertigung der Resonanzfilter notwendig.
Aufgrund der hohen Schaltfrequenzen, die das Vielfache der Aktorresonanzfrequenz betra-
gen, muss berücksichtigt werden, dass die im Vergleich zu Resonanzstromrichtern höheren
Schalt- und Durchlassverluste der verwendeten Transistoren zu erhöhtem Kühlaufwand
führen. Außerdem werden die Transistoren hart schaltend betrieben.
Der Schaltplan eines Pulsstromrichters ist in Bild 4.22 dargestellt. Die verwendeten MOS-
FET besitzen eine inhärente Diode, die zum Zeitpunkt der Erstellung der vorliegenden
Arbeit üblicherweise schlechte dynamische Eigenschaften aufweisen. So sind sie relativ
langsam und weisen eine große Sperrschichtladung ( ) auf. Trotz großer Bemühungen
0.98 0.99 1 1.01 1.02
0 5 10 15 20
-20
-10
0
10
20
30
-2
0
2
4
-40
-30
-20
-10
0
-150
-100
-50
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
ωs
ω02 λT ω0
ωδ
|G
PWM
(jΩ)| in dBG
PWM
(jΩ) in ˚
Ω
Ω
0.98 0.99 1 1.01 1.02
Ω
F
k
u
wr,k
Bild 4.21: Spektrum der Wechselrichterspannung bei Dreieck-Sinus-Modulation und
Frequenzgang eines Tiefpassfilters zur Unterdrückung unerwünschter Ober-
schwingungen.
Q
r
r
98 4 Stromrichterkonzepte
der Halbleiterindustrie durch entsprechende Auslegung der Bauelemente diese Dioden zu
verbessern, sind sie bei dieser Anwendung als antiparallele Dioden unbrauchbar. Daher
sollten zur Verringerung der Schaltverluste antiparallele Dioden mit gutem Rückstromver-
halten vorgesehen werden. Da trotzdem die inhärenten Dioden leitend werden können, sind
zusätzlich in den Transistorzweigen serielle Dioden einzubringen, die das leitend werden
der MOSFET-Dioden verhindern sollen.15
4.3.1 Auslegung des Pulsstromrichters
Zur Auslegung des Ausgangsfilters wird – wie oben bereits beschrieben – eine resonante
Auslegung der Längsspule und der Piezokapazität vorgenommen. Das Ausgangsfil-
ters ist charakterisiert durch
(4.73)
Aufgrund der hohen Impedanz des piezoelektrischen Aktors bei hohen Frequenzen, kann in
guter Näherung die Auslegung des Tiefpasses anhand des konservativen Systems erfolgen
( ). Für die Filterspule erhält man dann die Induktivität
. (4.74)
Die Festlegung der Resonanzfrequenz erfolgt mit Hilfe des Spektrums der Wechselrich-
terspannung und ist sowohl von der Taktzahl als auch von der Aussteuerung abhän-
gig. Als Auslegungsrichtlinie wird dazu definiert, dass die erste signifikant vertretene Ober-
schwingung, deren Frequenz durch die Ordnungszahl repräsentiert
15.Zu berücksichtigen ist, dass im Rahmen dieser Arbeit mit CoolMOS-Transistoren gearbeitet wurde.
Inzwischen ist die Entwicklung der Bauelemente weiter fortgeschritten, so dass nach entsprechen-
den Tests ggf. auf die zusätzlichen Seriendioden verzichtet werden kann.
+
Id
ipim
uwr uwr
'uCp
Ud
Lfs
Cfp CP
Cm
Rm
Lm
is
1 : nsp
T1
z1z3
z2z4
D1
D1
sD3
s
D2
sD4
s
D3
D2D4
T2T4
T3
Bild 4.22: Topologie des Pulsstromrichters.
Lfs
CP
Ωs
ωs
ω0
------
1
>=
G
PWM 11ω
2
CPLfs
–()⁄=
L
fs
1
ωs
2CP
--------------
1
Ωs
2ω0
2C
P
⋅
----------------------
----
==
ω
s
λ
T
mA
ωδ
n
PWM ωδω
0
⁄
=
4.3 Der Pulsstromrichter 99
wird, um abgeschwächt wird. Die Werte werden im Rahmen dieser
Arbeit mit Hilfe numerischer Simulationen mit dem Computeralgebrasystem MATHEMA-
TICA ermittelt. Aus der Vorgabe für die Abschwächung und mit Hilfe der Näherung für den
Frequenzgang erhält man die Bedingung
. (4.75)
Weiter erhält man die Bedingung für , um die geforderte Abschwächung durch das Aus-
gangsfilter einzuhalten
(4.76)
sowie
. (4.77)
Aufgrund des relativ großen Abstandes zwischen der Resonanzfrequenz des Aktors und der
Resonanzfrequenz des Ausgangsfilters, wird das Spannungsübertragungsverhalten, wie aus
Bild 4.21 ersichtlich ist, nur geringfügig gestört. Bei Anregung mit der Aktorresonanzfre-
quenz erhält man für das Spannungsübertragungsverhalten nach den Normie-
rungen entsprechend Kap. 4.2.1
(4.78)
Eine Grenzwertbetrachtung zeigt, dass durch Verkleinern der Gütezahl , indem die Pie-
zokapazität bzw. die Filterkapazität vergrößert wird, das Spannungsübertragungsver-
halten dem Grenzwert
(4.79)
zustrebt. Hingegen wird zu 1 für
. (4.80)
Dieser Wert beschreibt, wie die optimale Beschaltung des Aktors mit einer Parallelkapazität
auszusehen hat, da in diesem Fall ideales spannungseinprägendes Verhalten des Puls-
stromrichters vorliegt.
Die Grenzwertbetrachtung bezüglich des Faktors , mit dem die Filterfrequenz der
Pulsbreitenmodulation festgelegt wird, zeigt, dass für beliebig große Werte das Spannungs-
übertragungsverhalten ebenfalls gegen 1 strebt
δ10 δdB
20
⁄
–
=
n
PWM
1
nPWM ω0
()
2CPLfs 1–
-
-------------------------------------------------- 1
nPWM
ω0
ωs
------
21–
--------------------------------------1
nPWM
Ωs
--------------
21–
-------------------------------δ≤==
Lfs
L
fs
1
δ
+
nPWM ω0
()
2CPδ⋅
---------------------------------------
----
≥
ΩsnPWM δ
1δ+
--------
----
⋅≤
G
PWM
j
Ω()
GPWM jΩ()
Ω1→
UCp jΩ()
Uwr jΩ()
---------------------
Ω1→
Ωs
2
Mf
2Ωs
21–()
2
+
------------------------------------------
δnPWM
2
⋅
1δ+()
2Mf
2δnPWM
21–()1–⋅()
2
+⋅
----------------------------------------------------------------------------------------------
==
=
Mf
C
f
p
GPWM jΩ()
Ω1→
Mf0→
δnPWM
2
⋅
δnPWM
21–()⋅
1
–
----------------------------------------
----
=
G
PWM
1
()
M
fopt,2Ωs
2
⋅1–2nPWM
2δ
1δ+
------------
⋅⋅
1
–==
C
f
p
n
PWM
100 4 Stromrichterkonzepte
. (4.81)
Dieses Ergebnis ist selbstverständlich nicht praktisch nutzbar, da die Transistoren endliche
Schaltzeiten aufweisen und die Verluste in der Wechselrichterstufe für extrem hohe Schalt-
frequenzen nicht mehr vertretbar sind. Darüber hinaus führen die sehr kleinen Induktivitäts-
werte, die durch hohe Taktzahlen erzielbar sind, zu unzulässig hohen Stromspitzen während
der Schaltvorgänge. Die Betrachtungen verdeutlichen aber, dass die Spannungssteifigkeit
des Spannungsübertragungsverhaltens sowohl durch Verringerung der Gütezahl bzw.
durch Verwendung einer Filterkapazität parallel zum Aktor als auch durch Erhöhung
der Schaltfrequenz gestaltet werden kann.
Es bleibt zu bemerken, dass beim Pulsstromrichter ohnehin bereits eine relativ gute Span-
nungseinprägung vorliegt. Im Interesse der besseren Miniaturisierbarkeit und aus Kosten-
gründen ist es daher ggf. vertretbar, diesen Stromrichtertypen ohne zusätzliche Parallelka-
pazität zu betreiben, und somit die Blindleistung, die von der Wechselrichterstufe bereitge-
stellt werden muss, gering zu halten. Andernfalls sollte eine entsprechend Gl. (4.80) opti-
male Beschaltung des Aktors mit einer Parallelkapazität vorgesehen werden.
Mit Hilfe der in Tabelle 4.1 aufgeführten Parameter der Ultraschall-Schwingeinheit und der
Auswertung des Spektrums der Speisespannung erhält man die in Tabelle 4.4 angegebenen
Längsinduktivitäten. Dabei wird eine Filterung der Wechselrichterausgangsspannung von
für die -te Oberschwingung gefordert. Die zu dieser Tabelle gehörigen simu-
lierten Strom- und Spannungsverläufe des Pulsstromrichters werden in Bild 4.23 verdeut-
licht, wobei zusätzlich die Aussteuerung variiert wurde. Für diese Simulationen wurde
auf den Einsatz einer Parallelkapazität verzichtet.
Das auf die Grundschwingungsamplitude bezogene Spektrum der Aktorspannung kann
Bild 4.24 entnommen werden. Deutlich erkennbar ist der höhere Oberschwingungsanteil
bei geringeren Aussteuerungsgraden. Bei Vollaussteuerung ( ) verschwindet nahezu
der Anteil der Oberschwingungen. Die noch deutlich sichtbaren Oberschwingungsanteile,
die bei n= 9, 13 bzw. 19 auftreten, entstehen durch ihre Verstärkung durch die Resonanz-
überhöhung des Ausgangsfilters.
Zur Berechnung der Belastung der Wechselrichterstufe wird im Folgenden die Lastimpe-
danz bestimmt, was wiederum der Berechnung der erforderlichen Leistungen dient.
5 7 3,4 590 µH
10 17 8,3 100 µH
15 27 13,2 39,5 µH
Tabelle 4.4: Längsinduktivitäten des Pulsstromrichters bei
unterschiedlichen Taktzahlen
G
PWM
j
Ω()Ω1→
nPWM ∞→
1=
Mf
C
f
p
10 dB–
n
PWM
mA
C
f
p
λ
T
n
PWM Ω
s
Lfs
λ
T
u
C
p
m
A
1=
4.3 Der Pulsstromrichter 101
-100
-50
50
100
-200
-100
100
200
-200
-100
100
200
-300
-200
-100
100
200
300
-300
-200
-100
100
200
300
Ud
λT =15λT =10λT =5
Ud
Ud
Ud
Ud
Ud
Ud
Ud
Ud
-100
-50
50
100
-300
-200
-100
100
200
300
-300
-200
-100
100
200
300
Ud
Ud
-75
-50
-25
25
50
75
-150
-100
-50
50
100
150
-200
-100
100
200
Ud
-300
-200
-100
100
200
300
mA= 0.25
uwr
uCp
is
~is
~is
~
is
~is
~
is
~
is
~is
~is
~
is
~
is
~
is
~
uCp uCp
uwr uwr
uwr uwr uwr
uwr uwr uwr
uwr uwr uwr
mA= 0.25 mA= 0.25
mA= 0.5 mA= 0.5 mA= 0.5
mA= 0.75 mA= 0.75 mA= 0.75
mA= 1 mA= 1 mA= 1
uCp
uCp
uCp
uCp uCp uCp
uCp
uCp
uCp
Bild 4.23: Simulierte Strom- und Spannungsverläufe beim Pulsstromrichter. Gegen-
überstellung für unterschiedliche Taktzahlen und Aus-
steuerungen . Für den Strom wurde aus
Darstellungsgründen der Faktor eingeführt.
λT
51015
,,
=
m
A
0.25, 0.5, 0.75, 1=
i
s
˜
20
is
⋅=
102 4 Stromrichterkonzepte
4.3.2 Grundschwingungsanalyse des Pulsstromrichters
Wie im vorangegangenen Abschnitt ausgeführt, bietet es sich an, den Pulsstromrichter ohne
zusätzliche Parallelkapazität zu betreiben, um den Blindleistungsbedarf der Wechsel-
richterlast gering zu halten. Für die Lastimpedanz erhält man in der mechanischen Reso-
nanz mit demzufolge (vgl. Gl. (4.34))
. (4.82)
Nach Einsetzen von (vgl. Gl. (4.77)) erhält man aus Gl. (4.82)
. (4.83)
0
0.2
0.4
0
0.2
0.4
0
0.2
0.4
1 3 5 7 9 11131517192123252729
1 3 5 7 9 11131517192123252729
1 3 5 7 9 11131517192123252729
λ
T
=5
λ
T
=10
λ
T
=15
m
A
= 0,25
m
A
= 0,5
m
A
= 0,75
m
A
= 1
m
A
= 0,25
m
A
= 0,5
m
A
= 0,75
m
A
= 1
m
A
= 0,25
m
A
= 0,5
m
A
= 0,75
m
A
= 1
k
k
k
Bild 4.24: Spektrum der Spannung am piezoelektrischen Aktor für
die Taktzahlen und Variation der Aussteuerung
.
Fu
Cp k,
u
Cp 1,
⁄
〈〉
λT
5; 10; 15=
m
A
0,25; 0,5; 0,75 und 1=
C
f
p
Z
PWM 1() Rm
Mf
2
1Mf
2
+
-----------------jM
f1
Ωs
2
-------1
1Mf
2
+
-----------------
–
⋅⋅+
⋅=
ΩsnPWM δ1δ+()⁄⋅=
Z
PWM 1() RmMf
1Mf2
+
-----------------Mfj1δ+()1Mf
2
+()
nPWM
2δ⋅
--------------------------------------- 1–
⋅+
⋅=
4.3 Der Pulsstromrichter 103
Die umgesetzten Leistungen erhält man aus
, womit der Lei-
stungsfaktor
berechnet wird. Das Lastverhalten bzw. der Lei-
stungsfaktor in Abhängigkeit von der verwende-
ten Taktzahl und damit einhergehend von der
mit mindestens zu dämpfenden Ober-
schwingung (siehe Kap. 4.3.1) ist von
besonderem Interesse. Diese Zusammenhänge
sind in Bild 4.25 dargelegt. Während für kleine
noch ein geringer Leistungsfaktor zu ver-
zeichnen ist, steigt dieser bis stark
an, um dann für weiter wachsendes kon-
stant bei ca. Eins zu verharren. In Bild 4.25 sind
außerdem die entsprechend Tabelle 4.4 angegebe-
nen Auslegungen für die Taktzahlen
eingezeichnet.
Das Flächenprodukt der Filterspule wird analog zu den Berechnungen des LC-
Resonanzstromrichters berechnet. Der Strom durch die Filterspule ergibt sich aus
. (4.84)
Dabei wurde die Annahme getroffen, dass die Ultraschall-Schwingeinheit mit ihrer Reso-
nanzfrequenz betrieben wird, und sich somit die Reaktanzen des Serienschwingkreises
gegenseitig aufheben. Es verbleibt demnach nur der ohmsche Anteil .
Die Stromamplitude ist
. (4.85)
Für das Flächenprodukt der Filterspule ergibt sich mit Verwendung von Gl. (4.21):
. (4.86)
Der Transformator weist das Flächenprodukt
(4.87)
auf. Für die noch durchzuführende Berechnung der Schalt- und Durchlassverluste der
Wechselrichterstufe wird deren Laststrom benötigt, der ebenfalls mit Hilfe der Grund-
schwingungsanalyse näherungsweise bestimmt werden kann. Dazu muss zur Spannungsan-
passung zunächst entsprechend Gl. (4.39) und unter Berücksichtigung von Gl. (4.72) das
nPWM
51015202530
0.4
0.6
0.8
1
cos(
j
)
l
T = 5
l
T = 10
l
T = 15
Bild 4.25: Leistungsfaktor für den
Pulsstromrichter in Abhängigkeit
von der zu dämpfenden nPWM-ten
Oberschwingung.
S
wr 1() u
ˆ
wr,1 2⁄
2
ZPWM
*
1
()⁄=
ϕ()
cos Re S
wr
1
(){}
S
wr
1
()⁄
=
λ
T
10 dB–
n
PWM
n
PWM
n
PWM
10=
n
PWM
λT
5, 10 und 15=
A
c
Aw
Lfs
i
ˆLfs,1 u
ˆCp,1
1
Rm
-------1j
1
Mf
------
⋅+
⋅⋅=
L
m
C
m
Rm
––
Rm
i
ˆ
Lfs,1 u
ˆCp,1 1
Rm
-------1M
f
2
+
Mf
-----------------
----
⋅⋅=
A
cAwLs
1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------
u
ˆ
Cp,1
ω0Rm
--------------1Mf
2
+
Ωs
2Mf
⋅
------------------
⋅⋅ 1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------
u
ˆ
Cp,1
ω0Rm
--------------1δ+()1Mf
2
+()
δnPWM
2Mf
⋅⋅
-----------------------------------
----
⋅⋅==
A
cAwTr
1
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------u
ˆCp,1
ω0Rm
--------------21δ+()
21Mf
2
+()Mf
2δnPWM
21–()1–()
2
+
δnPWM
2Mf
2
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------
----
⋅⋅=
104 4 Stromrichterkonzepte
Übersetzungsverhältnis des Ausgangstransformators bestimmt werden. Es gilt bei Voll-
aussteuerung
. (4.88)
Die Amplitude des Stroms in der Wechselrichterstufe ergibt sich damit aus
. (4.89)
Dabei ist die am Aktor gewünschte maximale Spannungsamplitude der Grundschwin-
gung und die Zwischenkreisspannung. Der Strom strebt für zunehmendes bzw.
zunehmendes gegen den Grenzwert
. (4.90)
Der auf bezogene Strom in Abhängigkeit von der zu dämp-
fenden n-ten Oberschwingung und von der mechanischen Last verdeutlicht Bild 4.26.
Die Dämpfung hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie schnell der jeweilige Endwert ange-
strebt wird. Im Interesse einer günstigen Auslegung des Pulsstromrichters muss bei der
Auslegung des Ausgangsfilters die höhere Strombelastung der Wechselrichterstufe bei
geringeren Schaltfrequenzen berücksichtigt werden, da höhere Durchlassverluste der Halb-
leiterbauelemente vorliegen. Höhere Schaltfrequenzen verringern zwar die Durchlassverlu-
ste, aber im Gegenzug steigen die Schaltverluste. Diese beiden Mechanismen müssen bei
der Festlegung des Ausgangsfilters, der Schaltfrequenz und bei der Auswahl der Halbleiter-
bauelemente einander gegenübergestellt werden.
n
s
p
n
sp π
4Ud
⋅
--------------u
ˆCp
*
1
GPWM 1()
----------------------
----
⋅⋅=
i
ˆ
wr,1 πu
ˆCp
*
()
2
4UdRm
--------------------1Mf
2
+()Mf
2Ωs
21–()
2
+()
MfΩs
2
---------------------------------------------------------------------
πu
ˆCp
*
()
2
4UdRm
--------------------1Mf
2
+()1δ+()
2Mf
2δnPWM
21–()1–()
2
+()
δnPWM
2Mf
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
⋅=
⋅=
u
ˆ
C
p
*
Ud
Ω
s
n
PWM
i
ˆ
wr,1
∞πu
ˆCp
*
()
2
4Ud
--------------------1M
f2
+
Mf
-----------------
----
⋅=
i
ˆ
wr,1
0
i
ˆ
wr,1
∞Rm=100()=
i
ˆ
wr,
1
Rm
n
PWM
5101520
|iwr,1
/ iwr,1|
0
0.5
1
1.5
2
Rm=75 Ω, M=11
Rm=100 Ω, M=8,3
Rm=200 Ω, M=4,16
Bild 4.26: Strom der Wechsel-
richterstufe als Funktion von
und der Dämpfung ,
Nominalbetrieb bei .
n
PWM
Rm
R
m
=100
Ω
4.3 Der Pulsstromrichter 105
4.3.3 Verlustleistungsberechnung für den Pulsstromrichter
Während es bei den beiden Resonanzstromrichter-Konzepten zur Berechnung der Schalt-
und Durchlassverluste möglich war, mit Hilfe der Grundschwingung des Laststromes eine
gute Abschätzung der Schaltzeitpunkte und der geschalteten Augenblickswerte des Stromes
zu erreichen, ist dies beim Pulsstromrichter nicht ohne weiteres möglich. Aufgrund der häu-
figen Schaltvorgänge während einer Grundschwingungsperiode müssen hier Abschätzun-
gen eingeführt werden, die empirisch durch Vergleich der Grundschwingungsergebnisse mit
den aus der Zeitbereichsanalyse erhaltenen Ergebnisse abgeglichen wurden.
Schaltverluste
Die Berechnung der Verlustenergie eines jeden Schaltvorganges während einer Periode des
Laststromes ist identisch zu dem in Kap. 4.1.3 vorgestellten Vorgehen. Zu berücksichtigen
bleiben jedoch die Schaltvorgänge bei denen entlastetes Schalten der Transistoren vorliegt
und somit kein Beitrag zu den Gesamtschaltverlusten erbracht wird.
Allgemein lässt sich feststellen, dass für jeweils eine Halbschwingung des Laststromes
Nullspannungsschalten für beide Halbbrücken vorliegt, vgl. z. B. mit Bild 4.20. Dies wird
dadurch berücksicht, dass bei der Berechnung der mittleren Verlustleistung nur die halbe
Taktzahl als Zahl der Schaltvorgänge je Periode zugrunde gelegt wird. Man erhält
(4.91)
Die Verwendung der Stromamplitude ist dabei eine relativ grobe Abschätzung, die aller-
dings auf der sicheren Seite liegt. Es wird dabei berücksichtigt, dass für kleine Aussteuerun-
gen ausgeprägte Stromspitzen geschaltet werden müssen, wie Bild 4.23 entnommen werden
kann. Tatsächlich ist gerade bei großen Aussteuerungen der Strom stärker geglättet und
könnte daher eher mit dem Gleichrichtmittelwert des Stromes angenähert werden. Damit
zur besseren Interpretierbarkeit möglichst einfache Ausdrücke entstehen, wurde hier den-
noch die Berechnung der Schaltverluste mit dem Amplitudenwert vorgezogen. Bei der
Interpretation der berechneten Wirkungsgrade sollte daher diese eher pessimistische
Abschätzung berücksichtigt werden.
Die Ausschaltverluste einer Diode werden in ähnlicher Weise berechnet. Auch hier werden
die einzelnen Schaltvorgänge durch Multiplikation mit berücksichtigt. Zusätzlich
wird noch die Abhängigkeit der Stromführungszeit vom Strom selbst in die Kalkulation
einbezogen
. (4.92)
Die Einschaltverluste eines Transistors sind analog zu obigen Ausführungen nun zu berech-
nen mit
(4.93)
.
P
off
T
U
d
2T
------ λT
2
------i
ˆwr,1
⋅to
ff
⋅⋅=
λT
2
⁄
ta
P
off
D1
6
---Ud
di
T
dt
--------λT
2
------tai
ˆ
wr,1
π
----------
2
⋅⋅=
P
on
TUd
2T
------ λTi
ˆ
wr 1,
2
-----------11
2
---SD
+
tai
ˆ
wr 1,
π
-----------
⋅⋅ ⋅ ⋅ Ud
T
------ diT
dt
------- tai
ˆ
wr 1,
π
-----------
2
12
3
---tai
ˆ
wr 1,
π
-----------
+
⋅⋅ ⋅+=
106 4 Stromrichterkonzepte
Die Gesamtschaltverluste errechnen sich zusammengefasst mit Hilfe
. (4.94)
Duchlassverluste
Nach [55] kann für große Frequenzen der Dreieckschwingung der Pulsbreitenmodulation
der Modulationsgrad der Transistoren bzw. für die Dioden verwendet werden, um
ihre Durchlassverluste zu bestimmen. Dazu wird angenommen, dass innerhalb des Ein-
schaltintervalles eines Ventils Ströme und Spannungen während eines Schaltzyklus kon-
stant bleiben, und somit eine lokale Mittelung durchgeführt werden kann. Man erhält dann
bzw. . (4.95)
Der Wert ist nach [55] die aktuelle Aussteuerung der Pulsbreitenmodulation, und ist
die Phasenverschiebung der Grundschwingungen zwischen Strom und Spannung. Unter der
Annahme der symmetrischen Belastung der Transistoren und Dioden erhält man eingesetzt
in Gl. (4.20) für die Transistoren Durchlassverluste von
. (4.96)
Die Durchlassverluste der Dioden werden durch Einsetzen des oben angegebenen Modula-
tionsgrades in Gl. (4.19) bestimmt:
. (4.97)
Die gesamten Durchlassverluste sind jetzt
. (4.98)
4.3.4 Wechselrichter-Wirkungsgrad des Pulsstromrichters
Die Wirkungsgrade des Pulsstromrichters in Abhängigkeit vom Aussteuerungsgrad
sind für unterschiedliche Taktzahlen beispielhaft in Bild 4.27 a dargestellt. Ferner ist in Bild
4.27 b der Wirkungsgrad zusätzlich über dem Lastwiderstand als Schar vom Aus-
steuerungsgrad aufgetragen.16
Für kleine Aussteuerungsgrade sind geringe Wirkungsgrade zu verzeichnen, die auf die
dominanten Schaltverluste zurückzuführen sind. Die Durchlassverluste sind gerade bei den
hier verwendeten CoolMOS-Transistoren und trotz der zu ihnen in Serie liegenden Dioden
aufgrund des geringen Durchlasswiderstandes von im Vergleich zu den
Schaltverlusten sehr gering.
16.Für diese Kurvenverläufe wurde in Gl. (4.14) die Stromsteilheit durch ersetzt. Der
Wert für stammt aus dem Datenblatt des verwendeten CoolMos-Transistors SPP20N60C2 von
Infineon und ist dort mit angegeben.
P
sges,4Pon
T
⋅4Poff
T
⋅4Po
ff
D
⋅++=
DT
DD
D
Tt() 1
2
---1mA2π
T
------ tϕ+
sin+
=
D
Dt() 1
2
---1mA2π
T
------ tϕ+
sin–
=
mA
ϕ
P
d
Tt() rDS on()
iwr,1
21
8
---
m
A
3π
-------ϕ()cos+
=
DD
P
d
Dt() iwr,1 UT01
2π
------
m
A
8
-------ϕ()cos⋅–
rDiwr,1 21
8
---
m
A
3π
-------ϕ()cos–
+=
P
dges,4Pd
Tt() 4Pd
Dt
()⋅+⋅=
mA
Rm
di
T
dt
⁄
Q
rr
ta
2
⁄
Q
r
r
Q
rr
40 nC=
r
DS on()
0,3
Ω≈
4.4 Vergleich der Stromrichterkonzepte 107
Für kleinere Belastungen (siehe Bild 4.27 b) geht der Wirkungsgrad weiter zurück. Dies ist
ebenfalls auf die dominanten Schaltverluste zurückzuführen, da ja die Transistoren, unab-
hängig davon, wie groß der von der Last aufgenommene Strom ist, mit der vorgegebenen
Taktzahl schalten müssen.
4.4 Vergleich der Stromrichterkonzepte
Nachdem in den vorangegangenen Abschnitten ausführlich die verschiedenen Stromrichter-
konzepte vorgestellt und analysiert wurden, erfolgt nun die Gegenüberstellung der Ergeb-
nisse. Dabei muss beachtet werden, dass der durchgeführte Vergleich ausschließlich für die
hier betrachtete Klasse der schwach gedämpften Ultraschall-Systeme anwendbar ist. In [48]
wird u. a. ein Vergleich mit stärker gedämpften Systemen vorgestellt. Die Gegenüberstel-
lung hat zum Ziel, eine Bewertungsmatrix zu füllen, in der die besonderen Vor- bzw. Nach-
teile der jeweiligen Topologie deutlich herausgestellt wird. Mit dieser Bewertungsmatrix ist
es möglich, entsprechend den Anforderungen einer Stromrichterentwicklung, eine Ent-
scheidungshilfe zur Auswahl der richtigen Topologie zu geben.
Vergleichskriterien:
1. Eignung für schwach gedämpfte Systeme
Die Empfindlichkeit der Resonanzstromrichter-Konzepte gegenüber Rückwirkungen des
mechanischen Teilsystems muss als entscheidender Nachteil angesehen werden. Die
Variationen in Amplitude und Phase am Aktor können u. a. dazu führen, daß die Rege-
lung nicht beherrschbar ist. Damit die Rückwirkungen reduziert werden, bietet es sich
an, eine zusätzliche Kapazität parallel zum Ausgang einzufügen, was sich jedoch auf die
Baugröße der Induktivitäten niederschlägt.
Die Resonanzstromrichter-Konzepte erweisen sich dabei als sehr empfindlich, wobei
mA
Rm
ηη
50
60
70
80
90
100
100 200 300 400 500
mA
=1
mA
= 0,6
m
A
= 0,8
m
A
= 0,8
m
A
= 0,8
mA
= 0,6
m
A
=1
m
A
= 0,6
λ
T
=5
λ
T
=15
λ
T
=10
0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8 0.9 1
60
70
80
90
λ
T
=5
λ
T
=15
λ
T
=10
m
A
=1
Bild 4.27: Wirkungsgrad des Pulsstromrichters für Variation des a) Modulationsgrades
und b) des Lastwiderstandes bei unterschiedlichen Modulationsgra-
den .
mA
Rm
mA
a
)b)
108 4 Stromrichterkonzepte
gegenüber dem LC-Resonanzstromrichter ein deutlicher Vorteil für den LLCC-Reso-
nanzstromrichter auszumachen ist. Bei Pulsstromrichtern sind die Rückwirkungen weit-
aus geringer. Hier kann ggf. gänzlich auf eine Zusatzkapazität verzichtet werden; die
Auswirkungen des mechanischen Systems auf das Spannungsübertragungsverhalten des
Pulsstromrichters sind akzeptabel.
2. Miniaturisierungspotential
Bei den Resonanzstromrichtern sind voluminösere und teure magnetische Bauteile not-
wendig, die höheres Gewicht und Bauvolumen verursachen. Dazu kommt die zusätzlich
vorzusehene Kapazität, die die Empfindlichkeit bezüglich der Rückwirkungen des
mechanischen Systems auf das Spannungsübertragungsverhalten reduziert, was zu wei-
terem Bauteilaufwand führt.
Den größten Miniaturisierungsgrad kann man mit Pulsstromrichtern erreichen. Durch die
hohen Schaltfrequenzen sind Induktivitäten mit besonders kleinen Abmessungen reali-
sierbar. Allerdings ist zu bedenken, dass zwar eine Volumenreduktion der magnetischen
Komponenten möglich ist, jedoch benötigen die Halbleiter vor allem aufgrund höherer
Schaltverluste eine aufwändigere Kühlung. Bestätigt wird dies durch den Vergleich der
Wirkungsgrade nach Bild 4.13, Bild 4.19 und Bild 4.27.
Das Miniaturisierungspotential der Resonanzstromrichter bezogen auf den Pulsstrom-
richter wird mit Hilfe des Flächenproduktes verdeutlicht. Dazu wird angenommen, dass
ein Aktor mit einer durch die Spezifikationen festgelegten Grundschwingungsamplitude
gespeist wird. Der Gesamtstrom, der sowohl durch den Aktor als auch durch die zu
ihm parallel liegenden Filterkondensatoren bzw. -spulen fließt, kann dann näherungs-
weise mit komplexer Wechselstromrechnung bestimmt werden. Zusätzlich wird das Flä-
chenprodukt des benötigten Transformators berechnet. Mit Hilfe der in den jeweiligen
Kapiteln bestimmten Flächenprodukten ergibt sich für das Verhältnis des LC-Resonanz-
stromrichters (Gl. (4.43), Gl. (4.44)) zum Pulsstromrichter (Gl. (4.86), Gl. (4.87)):
. (4.99)
Das Verhältnis von LLCC-Resonanzstromrichter (Gl. (4.67), Gl. (4.68) mit )
zum Pulsstromrichter (Gl. (4.86), Gl. (4.87)) lautet:
. (4.100)
Den beiden Gleichungen ist gemein, dass für wachsendes zunächst das Verhältnis
kleiner wird, bis es ein Minimum erreicht. Erst für weiter anwachsenden nähert sich
der Verlauf den Verhältnissen einer Gerade. Der Vergleich der Flächenprodukte ist in
Bild 4.28 mit dargelegt. Dabei wurden die Flächenprodukte über für
unterschiedliche zu dämpfende Oberschwingungen ins Verhältnis gesetzt.
u
C
p
*
A
c
A
wLC
A
cAwPWM
-
---------------------
----
βCs
1=
A
c
A
wLLC
C
AcAwPWM
-
----------------------
----
γ
f
γ
f
δ10 10dB 2
0
⁄–
=γ
f
n
PWM
4.4 Vergleich der Stromrichterkonzepte 109
Obwohl der LLCC-Resonanz-
stromrichter zwei Filterspulen
benötigt, ist sein Flächenprodukt
erheblich günstiger als das des
LC-Resonanzstromrichters. In
einem Vergleich mit dem Puls-
stromrichter sollte ferner berück-
sichtigt werden, dass die
Parallelspule auch als Transfor-
mator mit Luftspalt ausgeführt
werden kann. Bei so einer Reali-
sierung ist es möglich, ein Bauteil
einzusparen, wodurch sich das
Verhältnis zwischen LLCC-Reso-
nanzstromrichter und Pulsstrom-
richter noch etwas zu Gunsten
des Resonanzstromrichterkonzepts verlagert. Im Rahmen der Betrachtung des Miniaturi-
sierungs-potentials ist außerdem das erhöhte Volumen zur Kühlung der Wechselrichter-
stufe zu beachten. Hier sind die Resonanzstromrichterkonzepte in etwa gleich auf,
während beim Pulsstromrichter aufgrund der Schaltverluste ein höherer Aufwand zu
berücksichtigen ist (siehe auch folgenden Punkt).
3. Kühlung Elektronikbaugruppen
Der Aufwand zur Kühlung des Leistungsteils ist beim Pulsstromrichter besonders groß,
was auf die Schaltverluste zurückzuführen ist. Bezüglich des Kühlaufwandes sind die
beiden Resonanzstromrichter-Konzepte weniger kritisch einzuordnen, da sie aufgrund
des Nullspannungsschaltens bei höherem Tastverhältnis besonders geringe Schaltverlu-
ste aufweisen. Bestätigt werden diese Aussagen durch die Wirkungsgradbetrachtungen
der vorangegangenen Kapitel.
4. Zuverlässigkeit / Robustheit
Zur Abschätzung der Zuverlässigkeit und Robustheit kann der Aufwand der Elektronik
herangezogen werden. Aufgrund der erhöhten Komplexität der Pulsmustergenerierung
und höhere Anforderungen an die leistungslektronischen Bauteile bezüglich der Schalt-
geschwindigkeit ist beim Pulsstromrichter eine höhere Ausfallrate zu erwarten.
5. Herstellungskosten
Wie bereits erläutert, stellen passive Komponenten in der Leistungselektronik einen
bedeutenden Anteil an den Kosten dar. Wie in Kap. 4.2.2 gezeigt wurde, müssen außer-
dem insbesondere an die kapazitiven Filterbauelemente hohe Ansprüche gestellt werden.
Notwendig sind Bauelemente mit möglichst geringen Herstellungstoleranzen, damit eine
möglichst gute Spannungseinprägung erreicht werden kann. Diese Anforderungen schla-
gen sich sofort auf den Preis nieder. Aus diesen Gründen und wegen des geringen Volu-
mens magnetischer Bauelemente sowie des möglichen Verzichts auf eine zusätzliche
Filterkapazität parallel zum Aktor sind Pulsstromrichter im Vergleich zu den beiden
ARK
A
PWM
0 5 10 15 20
2
5
10
20
50
100
LLCC
LC
nPWM
γf
Bild 4.28: Vergleich der Flächenprodukte der
Resonanzstromrichter bezogen auf den Puls-
stromrichter für nPWM = 7, 10 und 15.
110 4 Stromrichterkonzepte
Resonanzstromrichter-Konzepten deutlich im Vorteil. Der höhere Aufwand an Steuer-
elektronik spielt dagegen bei entsprechenden Stückzahlen nur eine untergeordnete finan-
zielle Rolle (siehe auch Punkt 4. Zuverlässigkeit, Robustheit).
6. Wirkungsgrad
Die Wirkungsgrade der untersuchten Resonanzstromrichterkonzepte sind hervorragend.
Zu bedenken bleibt aber, dass bei der Berechnung der Wirkungsgrade die Verluste, die
durch die magnetischen und kapazitiven Bauelemente der Ausgangsfilter verursacht
werden, nicht berücksichtigt wurden. Der Fehler, der durch die Vernachlässigung des
Wirkungsgrades der magnetischen Bauelemente in Kauf genommen wurde, ist bei LC-
Resonanzstromrichter und Pulsstromrichter vergleichbar. Der Pulsstromrichter weist
prinzipbedingt höhere Schaltverluste auf, wodurch sein Wirkungsgrad verschlechtert
wird. Durch erweiterte Schaltungsmaßnahmen (z. B. Entlastungsnetzwerke) könnte eine
Verbesserung des Wirkungsgrades erzielt werden. Solche Maßnahmen beeinflussen aber
wiederum nachhaltig Kosten, Zuverlässigkeit und Miniaturisierungspotential des Puls-
stromrichters.
7. Adaptionsmöglichkeiten an Werkzeuge und Ultraschall-Prozesse
Die Funktionsweise der Resonanzstromrichter beruht auf einem korrekt ausgelegtem
Ausgangsfilter. Dieses muss immer auf die mechanische Resonanzfrequenz des Piezoak-
tors abgestimmt werden. Aus diesem Grund ist der Betriebsbereich bei resonant arbei-
tenden Stromrichtern eingeschränkt, und eine Adaption auf andere Werkzeuge, deren
Arbeitsfrequenz bei anderen Frequenzen liegt, kann nur innerhalb eines schmalen Fre-
quenzbandes geschehen.
Der Pulsstromrichter hat den Vorteil, daß die eingesetzte Serieninduktivität zusammen
mit der Piezokapazität auf eine sehr hohe Frequenz abgestimmt wird, die weit oberhalb
der Aktorresonanzfrequenz der Piezoaktoren liegt. Dadurch wird in gewissen Grenzen
der Betrieb unterschiedlicher Werkzeuge und Ultraschall-Prozesse mit ein und demsel-
ben Gerät gut möglich, ohne Änderungen an der Auslegung der Filterkomponenten vor-
nehmen zu müssen. Die Grenzen ergeben sich u. a. aus der vorgesehenen
Strombelastbarkeit und der maximal möglichen Schaltfrequenz.
8. Dynamik
Unter den untersuchten Stromrichterkonzepten weist der LC-Resonanzstromrichter die
geringste Dynamik auf. Der LLCC-Resonanzstromrichter erzielt dagegen eine wesent-
lich bessere Dynamik, die es erlaubt ihn ohne Spannungsregelung zu betreiben. Verglei-
che des spannungsgeregelten LC-Resonanzstromrichters mit dem spannungsgesteuerten
LLCC-Resonanzstromrichter wurden in [48] durchgeführt. Aufgrund ihrer geringen
Schaltfrequenz weisen die Resonanzstromrichter eine hohe statistische Stromrichtertot-
zeit auf; Änderungen an der Amplitude der Ausgangsspannung können nur zweimal je
Periode der Ausgangsschwingung vorgenommen werden.
Da der Pulsstromrichter mit wesentlich höheren Schaltfrequenzen arbeitet und dadurch
kleinere Energiespeicher für das Ausgangsfilter verwendet werden können, ist seine
Stromrichtertotzeit erheblich geringer. Das führt zu einer hohen Dynamik, die einen
schnellen Eingriff auch mehrfach während einer Schwingungsperiode des piezoelektri-
4.4 Vergleich der Stromrichterkonzepte 111
schen Aktors in den Ultraschall-Prozess erlaubt.
9. Aktorbelastung durch Oberschwingungen
Die in der Wechselrichter-Ausgangsspannung enthaltenen Oberschwingungsanteile füh-
ren zu einem Stromfluss über die Piezokapazität oder durch weitere parallelliegende
Serienresonanzkreise, die höhere Schwingungsformen des Aktors repräsentieren. Die
Folge sind Verzerrungsblindleistungen, die zu Verlusten innerhalb des piezoelektrischen
Aktors führen.
Als Maß für diese Belastungen wird die gesamte harmonische Verzerrung verwendet
(total harmonic distortion, THD; siehe [59, 60]), die definiert ist als
. (4.101)
In dieser Gleichung umfasst alle harmoni-
schen Schwingungsamplituden, und ist die
Grundschwingungsamplitude. In Bild 4.29
sind die harmonischen Verzerrungen der
jeweiligen Stromrichtertypen über dem Kapa-
zitätsfaktor aufgetragen. Für den Puls-
stromrichter wurde dazu angenommen, dass
keine zusätzliche Parallelkapazität notwendig
ist. Stattdessen wurde die Simulation für
unterschiedliche Taktzahlen durchgeführt.
Die geringsten Belastungen durch Ober-
schwingungen treten beim LLCC-Resonanz-
stromrichter auf. Im Vergleich werden beim
LC-Resonanzstromrichter wesentlich höhere
Parallelkapazitäten benötigt, um ein ver-
gleichbares Niveau zu erreichen. Bei der hier verwendeten Auslegung des Pulsstrom-
richters nach Kap. 4.3.1 und Tabelle 4.4 sind die Verzerrungsblindleistungen für höhere
Taktzahlen erheblich höher als bei den beiden Resonanzstromrichterkonzepten. Durch
eine moderate Vergrößerung der Serieninduktivität (Faktor 2..3) kann jedoch eine
wesentliche Verbesserung erzielt werden, und es werden ähnliche Werte, wie für die bei-
den Resonanzstromrichter erreicht.
Vergleichend lässt sich zunächst ein leichter Vorteil für den LLCC-Resonanzstromrichter
erkennen, der sich allerdings bei geschickterer Auslegung zu Gunsten des Pulsstromrich-
ters verlagert.
Bewertungsmatrix:
Die diskutierten Kriterien sind in der Bewertungsmatrix nach Tabelle 4.5 zusammengefasst,
aus der jetzt auf Basis der Spezifikationen einer gegebenen Applikation die Auswahl eines
geeigneten Stromrichterkonzepts unterstützt werden kann.
CP
THD
Ik
2
k1=
∞
∑
I0
-----------------------
---
=
0
LC
LLCC
Puls-SR
510 15 20
γ
B
λ
6
=5
λ
6
=10
λ
6
=15
10
20
30
40
50
60
60,
Bild 4.29: Vergleich der harmo
-
schen Verzerrungen zwischen LC-
,
LLCC und Pulsstromrichter.
Ik
I0
γ
f
112 4 Stromrichterkonzepte
Die Diskussion der Stromrichterkonzepte beruht in erster Linie auf der Speisung schwach
gedämpfter Ultraschall-Schwingeinheiten, wie sie z. B. bei der Stehwellenzerstäubung zum
Einsatz kommen. Für diese Anwendungsbereiche weist der Pulsstromrichter klare Vorteile
auf. Ein weiterer Vorteil des Pulsstromrichters ist die Möglichkeit ihn auf einfache Art
anzupassen, um z. B. mit ein und demselben Verstärker unterschiedliche Schwingeinheiten
zu speisen, ohne dass ein Umbau des Ausgangsfilters notwendig wäre. Es muss allerdings
bei der Auslegung bedacht werden, dass hohe Schaltfrequenzen zu hohen Schaltverlusten
führen. Dies führt auch zu schlechteren Wirkungsgraden bei Teil-Aussteuerung des Strom-
richters. Hier muss ein geeigneter Kompromiss zwischen den miniaturisierten magneti-
schen Bauelementen und dem erforderlichen Kühlaufwand der Leistungshalbleiter gefun-
den werden. Bei Schwingeinheiten, die eine hohe Resonanzfrequenz aufweisen17, sollte ein
LLCC-Resonanzstromrichter die günstigste Alternative darstellen. Es ist deutlich herauszu-
stellen, dass für stärker gedämpfte Systeme (z. B. Ultraschall-Wanderwellenmotoren) die
unten angegebene Bewertungsmatrix so nicht anwendbar ist. In diesen Anwendungsfällen
ist entsprechend [48] der LLCC-Resonanzstromrichter im Vorteil.
4.5 Stromrichterentwicklung
Für die Entwicklung eines Prüfstandes für piezoelektrische Ultraschallaktoren, wurde ein
Stromrichter entworfen. Vordringliches Ziel war dabei, ein möglichst variables System zu
realisieren, mit dem unterschiedlichste Aktoren betrieben und getestet werden können. Wie
in Kap. 4.4 gezeigt, eignen sich für diesen Zweck ganz besonders Pulsstromrichter, da sie gu-
17.Die Aussage, ab wann die Resonanzfrequenz des Aktors hoch ist, hängt von der zukünftigen Bau-
elementeentwicklung ab und wird sich zu höheren Frequenzen verschieben. Zum Zeitpunkt der
Verfassung der vorliegenden Arbeit müssen Frequenzen von 50 kHz als Obergrenze der zu speisen-
den Aktoren eingeordnet werden.
LC LLCC Puls-SR
1Eignung für schwach gedämpfte Systeme - - - +
2Miniaturisierungspotential (Volumen, Gewicht) - - -+
3Kühlung Elektronikbaugruppen + + + + -
4Zuverlässigkeit / Robustheit + + -
5Herstellungskosten (günstig = +) -- - +
6Wirkungsgrad + + -
7Adaptionsmöglichkeiten - -
+ +
8Dynamik -
+ +
9Aktorbelastung durch Oberschwingungen - + +
Tabelle 4.5: Bewertungsmatrix der untersuchten Stromrichterkonzepte
(+ gute Eignung, - schlechte Eignung,
neutral).
4.5 Stromrichterentwicklung 113
te Eigenschaften für die Speisung schwach gedämpfter piezoelektrischer Systeme mitbrin-
gen. Darüber hinaus erlauben sie in gewissen Grenzen eine einfache Anpassung an Aktoren,
in dem die Schaltfrequenz angepasst wird.
Neben des Entwurfs des Stromrichters sollte es möglich gemacht werden, verschiedenste ge-
eignete Regelungskonzepte zu implementieren. Die Regelung sowie die Aufbereitung, Ver-
arbeitung und Aufzeichnung von Messwerten erfolgt durch ein Signalprozessorsystem
(dSpace DS 1005), das an einen Personalcomputer angeschlossen ist. Aufgrund der im Ver-
gleich zu den Ultraschallfrequenzen zu geringen Abtastraten des Signalprozessorsystems ist
dieses nicht dazu geeignet, den sinusförmigen Verlauf der Spannungssollwerte auszugeben
und die ebenfalls sinusförmigen Messwerte von Aktorstrom und -spannung auszuwerten.
Deshalb wurde in [81] ein Anpassungsmodul entwickelt, welches zwischen Ultraschall- und
Signalprozessorsystem angeordnet ist und die genannten Aufgaben übernimmt. Seine Ein-
gangsgrößen sind dabei die mit Hilfe geeigneter Messmittel gewonnene Aktorspannung
und der Aktorstrom . Die Ausgangsgröße des Anpassungsmoduls ist eine sinusförmige
Referenzspannung, die noch in geeigneter Weise vom Stromrichter ausgewertet werden
muss. Nähere Einzelheiten werden in den nachfolgenden Abschnitten behandelt. Die we-
sentlichen Bestandteile des Prüfstandes sind schematisch in Bild 4.30 dargestellt.
Die Leistungsdaten und Kerneigenschaften des Stromrichters wurden wie folgt festgelegt:
• Aufbau der Wechselrichterstufe in Vollbrückenschaltung
• maximale Ausgangsspannung (Effektivwert)
• maximaler Ausgangsstrom (Effektivwert)
• Bereich der Ausgangsfrequenz:
• Bereich der Schaltfrequenz:
Der Aufbau des Gerätes sollte berücksichtigen, dass ggf. auch der Betrieb als Resonanz-
stromrichter (LC oder LLCC) möglich ist. Dieser Forderung wurde beim mechanischen
Aufbau Rechnung getragen, indem ein modularer Aufbau realisiert wurde, der den Aus-
tausch des Ausgangsfilters mitsamt des notwendigen Ausgangstransformators erlaubt.
u
˜
C
p
i
˜P
Anpassungsmodul
US-AktorStromrichter
Signalprozessor
(dSpace DS1005)
Phasen-
messung
Amplituden-
messung
~
Signalerzeugung
digitaler Ausgang
analoger Ausgang
Analog Digital
Umsetzer
u
Cp
(t)
i
P
(t)
~
~
*
u
ref
(t)
u
mA
(t)
Bild 4.30: Schematische Übersicht des Ultraschall-Prüfstandes.
U
2
= 500 V
I
2
=3A
f
0
= 18 kHz - 50 kHz
f
s
= 18 kHz - 250 kHz
114 4 Stromrichterkonzepte
Mit Hilfe des Prüfstandes soll es möglich sein, Untersuchungen an wechselnden Projekten
durchzuführen. Aus diesem Grund sind Optimierungsansätze wie Volumen- oder Kostenmi-
nimierung nicht umsetzbar. Vielmehr muss auf der Flexibilität des Prüfstandes das Haupt-
augenmerk liegen. Dabei werden die in Kap. 4.3 beschriebenen Möglichkeiten der Anpas-
sung des Stromrichters an unterschiedliche Aktorcharakteristika genutzt. Ferner erlaubt die
einfache Programmierbarkeit der Regelalgorithmen eine Abstimmung des Systems auf
unterschiedlichste Ultraschallprozesse.
4.5.1 Signalprozessorsystem
Die Regelung der Betriebspunkte der piezoelektrischen Schwingeinheit erfolgt im Sinne ei-
ner möglichst vielseitigen Anwendung über das Signalprozessorboard. Es ist zwar auch der
Einsatz analoger Regler, z. B. durch Realisierung von Operationsverstärker-Schaltungen
möglich, aber eine derartige Implementierung ermöglicht nicht ohne weiteres die Erprobung
unterschiedlichster Regelungskonzepte. Dank der Verwendung des Signalprozessorboards
ist die Anlage einfach und flexibel bedienbar.
Mit Hilfe eines linearen PI-Regelalgorithmus wird die Grundschwingungsamplitude der
Stromrichterspannung geregelt. Damit das System auch bei Gütezahlen kleiner zwei regelbar
bleibt, wird zur Frequenzregelung ein Algorithmus der APLL (vgl. Kap. 2) verwendet. Die
Frequenz wird mit einer Auflösung von 186 mHz in digitaler Form an das Anpassungsmodul
übermittelt, und die gewünschte Stromrichteraussteuerung wird in Form von Analogsignalen
direkt der Modulatorstufe des Stromrichters zugeführt. Eingangsgrößen des Signalprozes-
sorsystems sind die vom Anpassungsmodul aufbereiteten Messsignale des Aktorstroms und
der Aktorspannung. Es besteht die Möglichkeit diese Größen mit Hilfe der Signalprozessor-
Software in Echtzeit anzuzeigen und für die spätere weitere Verwendung abzuspeichern.
4.5.2 Anpassungsmodul
Im Vorwärtszweig des Anpassungsmoduls befindet sich ein digitaler Synthesizer, der über
eine digitale Schnittstelle vom Signalprozessorsystem so programmiert wird, dass er zwei si-
nusförmige Spannungen erzeugt, die um 90° zueinander phasenverschoben sind. Ihre Am-
plituden sind konstant 5 V, und ihre Frequenzen entsprechen im Rahmen der Auflösung des
digitalen Synthesizers exakt dem vorgegebenen Sollwert. Eine dieser Spannungen dient als
Frequenzreferenz für den Stromrichter. Die beiden vom Synthesizer erzeugten Spannungen
werden außerdem innerhalb des Anpassungsmoduls von einer Messwerterfassung benutzt,
welche die Ultraschallsignale der Sensoren nach dem Prinzip der phasenempfindlichen De-
modulation auswertet und die orthogonalen Komponenten der Aktorströme und -spannun-
gen ermittelt [80]. Die Messwerterfassung des Anpassungsmoduls verfügt insgesamt über
vier Eingänge, deren Empfindlichkeiten individuell über das Signalprozessorsystem einstell-
bar sind. Es ist erweiterbar, so dass weitere Ultraschallsignale (z. B. Wegmessungen von ei-
nem Laservibrometer) erfasst und aufgezeichnet werden können [81].
4.5.3 Pulsstromrichter
Die einzelnen Baugruppen des realisierten Stromrichter und seine Peripherie verdeutlicht
4.5 Stromrichterentwicklung 115
Bild 4.31. Die Arbeitsweise der jeweiligen Komponenten wird im Folgenden näher beschrie-
ben.
Signalverarbeitung
Eingangssignale des Pulsstromrichters sind der direkt vom Signalprozessorsystem gelieferte
Amplitudensollwert der Stromrichterspannung sowie die vom Ansteuerungsmodul erzeugte,
sinusförmig Referenzspannung, welche die Frequenzinformation beinhaltet. Aus diesem Si-
gnal wird im Signalgenerator (siehe Bild 4.32) zunächst mit Hilfe einer Phase-Locked-Loop
(PLL) das für die Pulsweitenmodulation benötigte dreieckförmige Trägerssignal generiert.
Durch die damit verbundene Synchronisation von Träger- und Referenzsignal wird gewähr-
Netzgleichrichter
und
Zwischenkreis
Wechselrichter-
stufe
Signalver-
arbeitung
Leistungsfluss Signalfluss
Stromrichter
Ausgangs-
filter und
Transformator
Piezo-
Aktor
230V~
LWL-
Empfänger
Treiber A
LWL-
Empfänger
Treiber B
Überstrom-,
Überspannungs-
Überwachung
LWL-
Sender
Modulation
Signal-
generator Steuerung
Bedien-
elemente,
Anzeigen
Signalprozessor-
System
und
Anpassung-
modul
u
Cp
(t)i
P
(t)
Bild 4.31: Blockstruktur des entwickel
-
ten Pulsstromrichters und seine Reali
-
sierung.
A
A
A
E
E
B
B
B
C
C
C
D
D
D
116 4 Stromrichterkonzepte
leistet, dass die Schaltfrequenz immer ein ganzzahliges Vielfaches der Grundschwingungs-
frequenz darstellt, sodass in der Ausgangsspannung des Stromrichters keine unerwünschten
subharmonischen Schwingungsanteile (Schwebungen) auftreten. Neben der Aufgabe der
Synchronisierung ermöglicht die PLL außerdem durch Einstellung des Teilerverhältnisses
in ihrer Rückführung die Wahl unterschiedlicher Taktzahlen . Der zulässig einstellbare
Frequenzbereich wird in erster Linie durch die Treiberstufe der Transistoren in der Lei-
stungsstufe des Stromrichters begrenzt. Die maximale Schaltfrequenz liegt bei ca. 250 kHz,
sodass bei einer Resonanzfrequenz des Aktors von z. B. 20 kHz eine maximale Taktzahl
gewählt werden kann. Damit der Signalgenerator eine Dreieckspannung konstanter
Amplitude erzeugt, wird die Amplitude des Integrierersignals mit Hilfe einer Regelung sta-
bilisiert. Die dreieckförmige Ausgangsspannung des Signalgenerators dient ferner als Trä-
gersignal für die Pulsweitenmodulation (vgl. Bild 4.20). Deren Schaltbefehle werden über
Lichtwellenleiter (LWL) zu den Treiberstufen weitergeleitet. Die Verwendung von Lichtwel-
lenleitern dient dazu, Störungen, die vom Leistungsteil ausgehen, von der Signalverarbei-
tung fern zu halten. Ferner liegt hiermit eine galvanische Trennung vor, durch die
Erdschleifen aufgetrennt werden, und die empfindliche Elektronik bei einem Fehlerfall im
Leistungsteil geschützt ist.
Neben der Generierung der Schaltbefehle enthält die stromrichterinterne Signalverarbeitung
außerdem Überwachungsschaltungen, mit denen der Stromrichter im Fehlerfall (z. B. bei
Überstrom im Ausgangskreis) abgeschaltet wird. Diese Schaltungsteile befinden sich in un-
mittelbarer Nähe der Modulation, um elektromagnetische Einstreuungen zu vermeiden.
Treiberschaltungen
Die Treiberschaltungen bestehen aus aktiven Gegentaktstufen mit eigener Spannungsversor-
gungen. Eine wichtige Anforderung an die Treiberschaltungen ist der Frequenzbereich von
20 kHz bis 250 kHz, in dem die Schaltungen sicher und zuverlässig arbeiten können müssen.
Netzgleichrichter und Zwischenkreis
Die Eingangsstufe des Pulsstromrichters besteht aus einem ungesteuerten Netzgleichrichter
mit einem vorgeschalteten Netzfilter und einem Elektrolytkondensator als Zwischenkreiska-
pazität.
N
λ
T
λT
=12
Phasen-
detektor
PI-Regler
Verstärker
Integrierer
PLL
Schwell-
wertschalter
Ausgangs-
verstärker
Tiefpass Gleich-
richter
N
VCO
Filter
:
!
~
~
uref (t)
f0
N.f0
u
u*
Bild 4.32: Blockstruktur des Signalgenerators zur Trägersignal-Erzeugung für die
Modulation. Prinzipbedingt muss das Teilerverhältnis der PLL zu
gewählt werden, siehe [79].
N2
≥
4.5 Stromrichterentwicklung 117
Wechselrichterstufe
Für die Wechselrichterstufe wurden schnelle CoolMOS-Transistoren und schnelle Dioden
ausgewählt, mit denen der Betrieb im geforderten Frequenzbereich problemlos möglich ist.
Ausgangsfilter und Transformator
Die Ausgangsplatine des Stromrichters enthält die Filterspule, deren Induktivität bei Betrieb
als Pulsstromrichter so auf die Kapazität des piezoelektrischen Aktors abgestimmt wird, dass
die Resonanzfrequenz aus Filterinduktivität und Piezokapazität in der Lücke zwischen
Grundfrequenz und der ersten signifikant auftretenden Oberschwingung plaziert ist, vgl.
Kap. 4.3.1. Zur Anpassung der Wechselrichterausgangsspannung von ca. 300 V an das Span-
nungsniveau der Aktoren von 500 V ist noch ein Transformator notwendig, der auch die un-
verzichtbare Potentialtrennung zwischen piezoelektrischem Aktor und Wechselrichterstufe
gewährleistet. Soll die Leistungsstufe als Resonanzstromrichter betrieben werden, so sind le-
diglich die Filterspule und die Modulatorplatine auszuwechseln bzw. zu ergänzen.
Die Ergebnisse des entwickelten Stromrichters werden im folgenden Abschnitt kurz vorge-
stellt.
4.5.4 Inbetriebnahme eines Pulsstromrichterssystems an einer
Technikumsanlage zur Ultraschall-Stehwellenzerstäubung
Die aufgebauten Stromrichter und das Signalprozessorsystem wurden an einer Technikums-
anlage zur Ultraschall-Stehwellenzerstäubung (USZ) der Technischen Chemie, Universität
Paderborn in Betrieb genommen [12].
Wie in Kap. 2.2 bereits beschrieben, werden dabei zwei einander gegenüberliegende
Schwingeinheiten resonant betrieben, so dass dazwischen ein Ultraschallfeld hoher Intensi-
tät erzeugt wird. Dem Fachgebiet Technische Chemie der Universität Paderborn steht bisher
für die Untersuchung der USZ nur eine Anlage mit Sonotroden und Stromrichtern zur Ver-
fügung, die für einen anderen Zweck (Ultraschallschweißen) entwickelt wurden. Die beiden
von einander unabhängig gespeisten Sonotroden der Anlage werden mit festen Frequenzen
betrieben und können nicht synchronisiert werden. Aus diesem Grund wurden die Arbeits-
frequenzen der beiden Teilsysteme um 200 Hz unterschiedlich eingestellt, um niederfre-
quente Schwebungen zu verhindern, die zu periodischen Unterbrechungen des
Zerstäubungsprozesses führen würden. Ein weiterer Nachteil der Anlage besteht darin, dass
die Arbeitsfrequenz nicht nachgeführt werden kann, wenn sich die Resonanzfrequenzen der
Sonotroden - beispielsweise aufgrund von Temperaturänderungen - verlagern. Die USZ-An-
lage bietet somit keine Möglichkeit, wesentliche Betriebsparameter wie Sonotrodenfrequenz
und Schwebungsfrequenz zu variieren. Dieses wäre aber erforderlich, um Theorien über den
Mechanismus der USZ zu verifizieren, den Einfluss der vorgenannten Faktoren und weiterer
wie Form und Durchmesser der Sonotrodenstirnflächen zu quantifizieren und schließlich die
Zerstäubungsanlage und den Zerstäubungsprozess zu optimieren (beispielsweise durch
Maßnahmen zur Symmetrierung des Schallfeldes).
Für diese Anlage wurde daher im Rahmen eines Projekts der Deutschen Forschungs Gesel-
schaft für die Speisung der beiden Sonotroden der USZ-Anlage ein Stromrichterpaar entwik-
kelt, deren Spannungen nach Amplitude, Frequenz und Phasenverschiebung von einer
ω
s
118 4 Stromrichterkonzepte
gemeinsamen Regeleinrichtung in den vorgegebenen Bereichen exakt und flexibel veränder-
bar eingestellt werden können. Für die Steuerung, die Regelung und die damit verbundene
Messwertaufbereitung benötigt die Anlage ein leistungsfähiges Signalverarbeitungssystem,
das auch die Dokumentation und Auswertung der Messungen übernimmt.
Der entwickelte Prüfstand greift auf den in den vorangegangenen Abschnitten konzipierten
und beschriebenen Pulsstromrichter zurück. Notwendig war allerdings der Aufbau eines
zweiten Verstärkers, um beide Schwingeinheiten separat speisen zu können. Die Regelungs-
aufgaben werden von dem ebenfalls bereits erläuterten dSpace-System mit dem Anpas-
sungsmodul übernommen. Bild 4.33 stellt den schematischen Aufbau der Anlage dar.
Im Folgenden werden die wesentlichen Spannungs- und Stromverläufe eines Pulsstromrich-
ters bei Betrieb einer piezoelektrischen Schwingeinheit der USZ mit einer Resonanzfrequenz
von ca. 20 kHz vorgestellt.
Die Spannungsverläufe der Signalverarbeitung zur Generierung der Pulsweitenmodulation
zeigt Bild 4.34. Dargestellt ist der Verlauf der Referenzspannung deren Amplitude
durch das Anpassungsmodul bzw. durch das dSpace-System einstellbar ist. Diese Spannung
ist auch die Eingangsspannung des Stromrichters. Außerdem ist der Verlauf des dreieckför-
migen Trägersignals abgebildet. Durch Vergleich dieser beiden Spannungen generiert
schließlich die Pulsweitenmodulation die Steuerbefehle und für die Transistoren.
Die wichtigsten Strom- und Spannungsverläufe des Stromrichterleistungsteils sind in den
Oszillogrammen von Bild 4.35 dargestellt. Dabei wurde der Pulsstromrichter in Bild 4.35 a
mit einer Schaltfrequenz von 100 kHz und in Bild 4.35 b mit 200 kHz betrieben. Erkennbar
ist der Sinusverlauf der für die Modulation benötigten Referenzspannung . Ferner
sind die Drain-Source-Spannungen der beiden unteren Transitoren T1 bzw. T2 der jeweiligen
Halbbrücke abgebildet (vgl. Bild 4.22). Der Strom durch die Schwingeinheit ist als be-
zeichnet.
!
!
u
Cp,2
u
ref
i
p,2
u
Cp,1
u
ref
u
mA
u
mA
i
p,1
"!
!
~
Bild 4.33: Schematische Darstellung des Prüfstandes für die Ultraschall-Stehwellen-
zerstäubung.
u
re
f
u
∆
z1
z2
u
ref
t
()
i
P
t
()
4.5 Stromrichterentwicklung 119
Der gesamte Aufbau der Anlage ist aus Bild 4.36 a ersichtlich. In Bild 4.36 b ist die Anord-
nung der beiden einander gegenüber stehenden Schwingeinheiten erkennbar.
Trotz der beim Aufbau der Stromrichter getroffenen EMV-Maßnahmen, haben sich bei der
Inbetriebnahme Probleme herausgestellt, die sich aus der in der Technikumsanlage unver-
meidbaren Erdschleifen ergeben dürften. Damit ein zuverlässiger Betrieb sichergestellt wird,
muss daher als Modifikation eine Potentialtrennung zwischen Steuerelektronik und
Wechselrichterstufe in Form von Lichtwellenleitern vorgesehen werden. Davon abgesehen
funktionieren die Stromrichter als auch das dSpace-System wie geplant und decken auch den
geforderten Frequenzbereich ab.
uref
(
t
)
z
1(
t
),
z
2(
t
)
u
∆
(
t
)
Bild 4.34: Modulationssignale de
s
Pulsstromrichters, : Trägersi
-
gnal des Signalgenerators,
:
Referenzspannung vom Anpassungs
-
modul, : Steuerbefehl
e
für eine Halbbrücke.
u
∆
t
()
u
ref
t
()
z
1t(), z2
t
()
Ch1: 500mA/Div Ch1: 500mA/Div
a) b)
Bild 4.35: Oszillogramme an der Ultraschall-Stehwellenzerstäubungsanlage,
Betrieb der Schwingeinheiten mit einer Schaltfrequenz von a) 100 kHz
und b) 200 kHz. Dargestellt ist die Referenzspannung vom Anpas-
sungsmodul, der Strom durch die Schwingeinheit und die Drain-
Sourcespannungen der jeweiligen Halbbrücken A und B.
u
r
ef
iP
120 4 Stromrichterkonzepte
a) Stromrichter und Messeinrichtung.
Anpassungs-
modul
Funktionsgenerator
(für Testzwecke)
Stromrichter
Labor-Netzgerät
(für Testzwecke)
im Hintergrund der Extruder
Düse
Extruder
Stromrichter
Schwingeinheiten
b) Extruder und Anordnung der Schwingeinheiten.
Bild 4.36: Ultraschall-Stehwellen-Zerstäubungsanlage der Technischen Chemie,
Universität Paderborn.
5.1 Wesentliche Entwurfsziele 121
5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs
Die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel sollen im Folgenden hinsichtlich eines
Gesamtsystementwurfs analysiert werden. In Kap. 3 wurden zunächst auf Basis eines konti-
nuumsmechanischen Modells die Parameter eines einfachen Ersatzschaltbildes berechnet.
Diese Parameter wurden im anschließenden Kap. 4 verwendet, um die Last einer piezoelek-
trischen Schwingeinheit für die speisende Leistungselektronik nachzubilden. Im Vorder-
grund der durchgeführten Analysen steht immer die Verwendung einfacher mathematischer
Modelle. Damit kann sichergestellt werden, dass im Rahmen dieses Kapitels ein grundle-
gend besseres Verständnis des gesamten Systems erarbeitet werden kann. Die Verwendung
detaillierter Modelle, welche auch im ersten Schritt vernachlässigbare Effekte berücksichti-
gen, würden der Intention diesen Kapitels entgegenwirken.
Das elektrische Ersatzschaltbild, welches in Bild 2.12 eingeführt wurde, ist die gemeinsame
Darstellung sowohl der kontinuumsmechanischen als auch der elektrischen Modelle für die
speisenden Stromrichter. Es dient daher als Schnittstelle zwischen diesen beiden „Welten“
und ermöglicht eine übersichtliche und anschauliche Darstellung.
5.1 Wesentliche Entwurfsziele
Bei der Auslegung eines piezoelektrischen Gesamtsystems, welches sowohl den Entwurf
des Aktors bzw. der Schwingeinheit und die Auslegung eines geeigneten Stromrichterkon-
zepts umfasst, ergeben sich je nach gewünschter Eigenschaft des Systems unterschiedliche
Entwurfsziele. Aufgrund der engen Verzahnung z. B. durch Materialeigenschaften beein-
flussen sich oft mehrere Entwurfsvorgaben gegenseitig. Das wäre dann nicht störend, wenn
mehrere aus Sicht der Entwurfsziele erwünschte Eigenschaften des Gesamtsystems erreich-
bar wären. Tatsächlich ist aber das Gegenteil zu beobachten: Eine ausgewählte Maßnahme
soll bestimmte Eigenschaften des resultierenden Systems erzwingen, gleichzeitig jedoch
ändern sich an anderer Stelle andere, vorher erwünschte Eigenschaften zum Schlechteren.
Eine Auswahl wichtiger Entwurfsziele fasst die nachfolgende Aufzählung zusammen:
• hinreichend großer Abstand zwischen Resonanz- und Antiresonanzfrequenz ,
• Vorliegen eines Phasennulldurchgangs der elektrischen Eingangsadmittanz ( ),
• maximal zulässige Dehnung in der Schwingeinheit, die die zulässigen Grenzen des ver-
wendeten Materials nicht überschreitet,
• Erzielung der für den Prozess erforderlichen Schwingamplitude des Werkzeugs,
• vertretbare Werte der Strombelastung der Wechselrichterstufe sowie der Spannung
an den Klemmen des piezoelektrischen Aktors,
• hoher Miniaturisierungsgrad, geringe Kosten der Filterbauelemente (Flächenprodukt),
• hoher Wirkungsgrad der Wechselrichterstufe bzw. des Stromrichters.
∆
ff
0
⁄
M2
>
w
ˆ
H
2
i
ˆ
w
r
u
ˆ
C
p
η
122 5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs
In den folgenden Abschnitten werden diese Punkte detailliert erörtert. Die Analyse erfolgt
anhand der in Kap. 3 und Kap. 4 erhaltenen Ergebnisse. Dazu wird eine Parameteranalyse
durchgeführt, die drei unterschiedliche Parametergruppen berücksichtigt:
• Geometrie des Piezostapels:
Fläche , Anzahl und Dicke der Piezoscheiben,
• Materialparameter des verwendeten Piezomaterials:
dielektrische Ladungskonstante , Dielektrizitätszahl und Steifigkeit ,
• Kenngrößen der Endmasse und des Horns:
Schallkennimpedanzen und , die sich aus den Querschnittsflächen , sowie
aus der Dichte und der Schallausbreitungsgeschwindigkeit des jeweils ver-
wendeten Materials berechnen.18
Für die Betrachtungen werden die interessierenden Parameter auf ihre Nominalwerte bezo-
gen und dann durch * gekennzeichnet. Ihre Darstellung erfolgt mit Hilfe von Diagrammen,
in denen die bezogenen Werte der unabhängigen Variablen auf der Abszisse aufgetragen,
durch ein gemeinsames Formelzeichen repräsentiert und im Bereich von
variiert werden. So gilt beispielhaft für das erste Diagramm von Bild 5.1
. (5.1)
Die Diagramme stellen somit das jeweilige Entwurfsziel als Funktion der auf diese Weise
variierten Parameter dar. Die Vorgehensweise ist unabhängig von einem konkreten Entwurf
zu verstehen. Vielmehr geht es darum, die prinzipiellen Abhängigkeiten der Entwurfsziele
von den wählbaren Materialparametern darzustellen. In allen Diagramme erfolgt die Dar-
stellung bezogen auf die Nenngröße. Die ermittelten Kennlinien zeigen auf einen Blick, wie
ein entsprechender Parameter geändert werden müsste, um ein gefordertes Entwurfsziel zu
erreichen. Darüberhinaus lässt sich sehr gut die jeweilige Empfindlichkeit ablesen, die Auf-
schluss darüber gibt, mit welcher Parameteränderung am effektivsten das entsprechende
Entwurfsziel erreicht werden könnte.
18.Schallkennimpedanzen typischer Materialien: ,
und
AP
kP
hP
dP
ε
P
T
sP
E
Z
M
ZH
A
M
H
,
ρM
H
,
c
M
H
,
ZStahl 40,6 6
×10 kgm²/
s
=
Z
Titan 21,6 6
×10 kgm²
/s
=
Z
Alu 14,04 6
×10 kgm²
/s
=
∆∆
0,8...1,2=
∆f*∆f
∆fNenn
----------------, ∆AP
*
A
P
APNenn,
-------------------,== ∆h*
h
P
hPNenn,
------------------,== ∆kP
*
k
P
kPNenn,
------------------
===
5.2 Diskussion 123
5.2 Diskussion
In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Gleichungen, die Rückschlüsse auf die Ent-
wurfsziele zulassen, genauer untersucht. Mit Hilfe der in Kap. 5.1 beschriebenen Vorge-
hensweise werden die Parameteranalysen durchgeführt. Am Schluss diesen Abschnitts wer-
den die ausgewerteten Diagramme in Form einer Entwurfsmatrix zusammengefasst.
Abstand Resonanz-Antiresonanz
Man erhält den Abstand zwischen Resonanz- und Antiresonanz aus
. (5.2)
Nach Entwicklung des Klammerausdrucks in eine Potenzreihe, sowie Berücksichtigung,
dass , ergibt sich nach dem Abbrechen der Potenzreihe nach dem 2. Glied
(5.3)
Mit zunehmendem Kapazitätsverhältnis nimmt Gl. (5.3) zufolge der Abstand zwi-
schen Resonanz- und Antiresonanzfrequenz zu.
Wünschenswert ist ein größerer Abstand zwischen Resonanz- und Antiresonanzfre-
quenz, wenn ein Phasenregelkreis eingesetzt werden soll. Bei zu geringem Abstand und
gleichzeitig hoher Kreisverstärkung der Frequenzregelung kann dies zu Instabilität der
Regelung führen. Verschieben sich z. B. die Resonanzfrequenzen des piezoelektrischen
Aktors, kann die Antiresonanzfrequenz des Systems in Bereiche unterhalb der aktuellen
Anregefrequenz verschoben werden. Wie in Kap. 2 erläutert, würde dies bei einer niedrigen
Abtastzeit aber zum Versagen der Regelung führen. In diesen Fällen ist es sinnvoll, den
Abstand zu vergrößern, in dem das Verhältnis der Ersatzkapazität zur Piezokapazi-
tät vergrößert wird.
Die Kennlinien nach Bild 5.1 verdeutlichen die starke Abhängigkeit des Resonanzfrequenz-
abstandes von den Entwurfsparameter. So kann beispielsweise der Wert für vergrößert
werden, in dem die Fläche der piezoelektrischen Elemente verringert wird. Den glei-
f
∆
f∆faf0
–1
2π
------ ω0
Cm
CP
-------1+1–
⋅⋅==
C
m
C
P
⁄
1«
f∆1
4π
------ ω0
Cm
C
P
---
----
⋅⋅≈
C
m
CP
⁄
f
∆
f
∆
Cm
CP
0.8 0.9 1 1.1 1.2
0.85
0.9
0.95
1
1.05
1.1
1.15
0.8 0.9 1 1.1 1.2
0.8
1
1.2
1.4
∆ ∆ ∆
∆
f*
∆
f*
∆
f*
0.7
0.8
0.9
1
1.1
0.6 0.8 1 1.2 1.4
AP*
hP,k
P
dP
P
sE
ε
T
ZM
ZH
*
**
*
*
*
*
P
Bild 5.1: Parameteranalyse für den Abstand zwischen Resonanz- und Antiresonanz-
frequenz .
f
∆
Geometrie des Piezostapels Piezomaterial Endmasse und Horn
f
∆
AP
124 5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs
chen Effekt erhält man auch, wenn die Impedanz der Endmasse durch ein anderes
Material oder einen anderen Querschnitt verändert wird.
Gütezahl
Die Gütezahl berechnet sich ausgehend von
, (5.4)
und nach Einsetzen von Gl. (3.30) sowie Gl. (3.48) und (vgl. Bild 3.8)
wird ausschließlich mit Hilfe von Material- und Geometrieparameter beschrieben:
. (5.5)
Wie bereits in Kap. 2 beschrieben wurde, stellt die Gütezahl ein geeignetes Maß dar, mit
dem piezoelektrische Aktoren klassifiziert werden können. Besonders wichtig ist der durch
Näherungen bestimmte Wert , für den die Phasenkennlinie die 0°-Linie tangiert [48].
Für ist ein Phasennulldurchgang existent, während für die Phasenkennlinie
immer oberhalb der 0°-Linie verläuft. Aufgrund der Dämpfung , die durch den Prozess
vorgegeben ist, kann dementsprechend die Gütezahl stark verringert werden, was die Mög-
lichkeiten der zu verwendenden Regelungskonzepte einschränkt und ferner zu erhöhtem
Blindleistungsbedarf führt. Aus diesem Grund ist es ggf. zweckmäßig, die Gütezahl anzu-
passen. Das ist insbesondere dann der Fall, falls ein Phasenregelkreis verwendet werden
soll, der auf die Existenz eines Phasennulldurchgangs angewiesen ist.
Wie Gl. (5.5) entnommen werden kann, hängt die Gütezahl wesentlich vom Transformati-
onsfaktor ab. Aufgrund seiner Definition nach Kap. 3.3.1 mit nimmt
die Gütezahl sehr schnell ab, wenn mit Hilfe der Amplitudentransformation größere
Schwingamplituden erzielt werden sollen.
Die Gütezahl kann durch Erhöhung der Anzahl der Piezoscheiben vergrößert werden.
Allerdings ändert sich dadurch auch das Amplitudentransformationsverhältnis des Pie-
zoaktors. Soll dies konstant bleiben (bei ), muss die Impedanz des Horns
angepasst oder ein anderes Piezomaterial mit einer kleineren piezoelektrischen Ladungs-
konstanten ausgewählt werden. Dabei muss im allgemeinen berücksichtigt werden, dass
dann auch eine andere Dielektrizitätszahl vorliegt. Es ist also wiederum eine Anpassung
des Transformationsfaktors notwendig, um die vorgegeben Schwingamplitude zu erzie-
len.
Unproblematischer gestaltet sich die Einstellung der Gütezahl bei gegebener Lastdämpfung
durch Anpassung der Fläche . Dieser Parameter kann ohne Berücksichtigung der Ampli-
tudentransformation durch Querschnittssprünge geändert werden. Die Einflüsse der einzel-
nen Parameter auf die Gütezahl mit
(5.6)
stellt Bild 5.2 dar.
Z
M
M
M
M1
ω0CPR
m
-----------------
----
=
R
mdLKP
2
nT
2
()⁄=
M
M
KP
2nT
2
ω0kP
------------- hP
APεP
T
------------ 1
dL
-----
⋅⋅ω
0ZH
2nT
2
⋅⋅ dP
2
kPhP
APεP
T
------------------
1
d
L
-
----
⋅⋅==
M=2
M2
>
M0
<
dL
nT
v
ˆ
T22,
v
ˆ
H2
nT
⁄
=
kP
KP
ω0
konst.=
ZH
dP
ε
P
T
KP
AP
M
*
M
MNen
n
-------------
----
=
5.2 Diskussion 125
Zulässige Dehnung des Piezomaterials
Während des Betriebs des Aktors darf die Dehnung die zulässige maximale Belastung des
Materials nicht überschreiten, da dies sonst zur Schädigung des Aktors führen könnte. Die
mechanische Spannung im piezoelektrischen Material wird auf die Dehnung am Horn bezo-
gen. An den Grenzflächen zwischen dem Piezostapel und dem angrenzenden Horn erhält
man (vgl. Bild 3.4)
, (5.7)
wobei und . Nach Gl. (3.23) und Gl. (3.35) gilt für die Dehnung im
piezoelektrischen Material . Gl. (5.7) eingesetzt und umgestellt ergibt
. (5.8)
Da die Dehnung durch die maximal zulässige Belastung nicht überschritten werden darf,
erhält man die Bedingung:
. (5.9)
Die Abhängigkeit und Empfindlichkeit des Verhältnisses von den Entwurfsparametern
ist in Bild 5.3 dargestellt. Es gilt entsprechend Gl. (5.1)
. (5.10)
∆ ∆ ∆
0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.6 0.8 1 1.2 1.4
0.8
0.9
1
1.1
1.2
0.8
1
1.2
1.4
0
0.5
1
1.5
2
ε
Bild 5.2: Parameteranalyse für die Gütezahl .
M
Geometrie des Piezostapels Piezomaterial Endmasse und Horn
T
ˆPF
ˆ
H
AP
-------
v
ˆ
H
Z
H
AP
-------------
v
ˆ
P
Z
H
AP
------------ w
ˆP
ω0
ZH
AP
---------
----
⋅== = =
v
ˆ
Hv
ˆP
=
F
ˆ
HF
ˆP
–=
S
ˆ
PsET
ˆP
=
σPS
ˆ
P
w
ˆP
------ sP
E
ω0Z
H
AP
----------------
---
==
S
ˆ
PS
ˆPmax,
< σP
⇒
S
ˆ
Pmax,
w
ˆP
----------------sP
Eω0Z
H
AP
---------------
----
≥=
σ
P
σ*σ
σNenn
-------------
--
=
126 5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs
Strom- und Spannungsbedarf der piezoelektrischen Schwingeinheit
Die geforderte Schwingamplitude der Randfläche an der die Ultraschallschwingung bei
resonanter Anregung der Schwingeinheit ausgekoppelt wird stellt man mit Hilfe des Über-
setzungsverhältnisses und mit einem Transformationsstück durch das Transformations-
verhältnis ein.19 Nach Bild 3.7 und Gl. (3.48) ist die Schwinggeschwindigkeit gegeben
mit
, (5.11)
wobei der Verlustwiderstand nicht berücksichtigt wird. Eine Vergrößerung der Auslen-
kungsamplitude ( ) kann demzufolge durch Verkleinern der Schallimpedanz
erzielt werden. Dazu kann ein Material für das Horn verwendet werden, welches eine
kleinere Schallkennimpedanz aufweist. So kann beispielsweise die Endmasse aus Stahl
bestehen, während das Horn aus Titan gefertigt wird. Eine zweite Möglichkeit besteht darin,
den Querschnitt des Horns kleiner als den der Endmasse bzw. der Piezoscheiben zu wählen.
Bei einer weiteren Verstärkung der Auslenkungsamplitude durch ein Transformationsstück,
nutzt man ausschließlich Querschnittsverjüngungen. Dabei wird diese Querschnittsverjün-
gung in den Nulldurchgang der Auslenkung gelegt. Die Folge ist ein unstetiger Verlauf der
mechanischen Spannung bzw. Dehnung . Da wegen im Nulldurchgang
der Auslenkung ein Maximum der Dehnung bzw. mechanischen Spannung vorliegt, treten
hier die höchsten Zugbelastungen für das Material auf. Würde man das Transformations-
stück aus zwei verschiedenen Teilen zusammensetzen – denkbar ist z. B. die Kaskadierung
zweier Zylinder aus unterschiedlichen Materialien – würde die Fügestelle, an der das Mate-
rial ohnehin schon seinen schwächsten Punkt aufweist, sehr stark belastet werden. Aus die-
sem Grund dürfen die maximal zulässigen mechanischen Beanspruchungen des verwende-
19.Es gilt bei der Auslegung des Gesamt-Übersetzungsverhältnisses zu beachten, dass sich der
gewünschte Verstärkungsfaktor für die Auslenkung aus dem Kehrwert des Übersetzungsverhältnis-
ses ergibt.
∆
∆∆
0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.6 0.8 1 1.2 1.4
0.8
0.9
1
1.1
1.2
0.8
0.9
1
1.1
1.2
0.6
0.8
1
1.2
1.4
ε
σ
σ
σ
Bild 5.3: Parameteranalyse für das Verhältnis zwischen Dehnung und
Schwingamplitude am Horn . σ
P
S
ˆP
w
ˆP
Geometrie des Piezostapels Piezomaterial Endmasse und Horn
KP
nT
v
ˆ
T22,
1
KPnT
-------------i
ˆH
⋅
1
ω0kPdPZHnT
⋅
------------------------------------i
ˆ
H
⋅==
RV
w
ˆ
v
ˆ
jω()⁄=
ZH
T
ˆ
S
ˆ
S
ˆ
∂
w
ˆx
()∂
x
⁄
=
5.2 Diskussion 127
ten Werkstoffs nicht überschritten werden und beschränken somit die erreichbare Amplitu-
denverstärkung.
Aus Sicht der Speiseeinrichtung ist die Stromaufnahme des Aktors bei Anregung in mecha-
nischer Resonanz für eine vorgegebene Schwingamplitude, die für den Ultraschall-Prozess
genutzt werden soll, von besonderem Interesse. Berücksichtigt man ein Transformations-
stück, muss dazu die Schwingamplitude bestimmt werden. Die Schwinggeschwindig-
keit erhält man aus , und man geht davon aus, dass dieser Wert vom Ultra-
schallprozess vorgegeben wird. Man erhält für die erforderliche Stromamplitude unter
zusätzlicher Berücksichtigung des Stromanteils durch die Piezokapazität
(5.12)
Die Spannungsamplitude erhält man aus
(5.13)
wobei auch hier davon ausgegangen wird, dass sich die Reaktanzen im -
Schwingkreis gegenseitig aufheben. Gl. (5.12) ist zu entnehmen, dass mit zunehmendem
bzw. der Stromanteil durch die Piezokapazität abnimmt. Der zur mechanischen
Schwingung beitragende Teil des Speisestromes hängt dagegen linear von der Gesamt-
Amplitudentransformation ab. Umgekehrt verhält es sich mit der erforderlichen
Spannung, die mit zunehmender Amplitudentransformation des Transformationsstücks
abnimmt.
Eine entscheidende Rolle spielt auch die maximale elektrische Feldstärke in den Piezoele-
menten, um sicher zu stellen, dass das Material nicht depolarisiert wird. Typische Feldstär-
ken, die zu einer Depolarisierung führen können, liegen oberhalb von 500 bis 1000 V/mm
[47]. Somit gilt:
. (5.14)
Diese Gleichung erweist sich dann als sehr nützlich, wenn bei einem zu entwickelnden
Gerät aus Gründen der Betriebssicherheit - z. B. bei handgeführten Geräten der Medizin-
technik - eine bestimmte Maximalspannung nicht überschritten werden darf.
Die Funktionsverläufe in Abhängigkeit der einzelnen Parameter und deren Empfindlichkeit
gemäß
(5.15)
sind in Bild 5.4 dargestellt.
w
ˆ
T
2
v
ˆ
H2jω0w
ˆ
H
2
⋅=
i
ˆ
Pi
ˆHi
ˆCp
+jω0KPnT
⋅⋅ ω0
2
dLCp
KPnT
⋅
-------------------
–
w
ˆT2 2
,
⋅
jω0
2kPdPZHnT
⋅ω
0
dLεP
TAp
hPdPZHnT
⋅
-----------------------------
⋅–
w
ˆT2
2
,
⋅
==
=
u
ˆCp jω0
d
L
KPnT
⋅
-----------------w
ˆT22,
⋅⋅=u
ˆCp
d
L
dPkPZHnT
⋅
-----------------------------w
ˆT22,
⋅=
⇒
L
m
C
m
Rm
––
KP
nT
i
ˆ
C
p
i
ˆH
K
P
nT
⋅
u
ˆCp max,hP500 V
mm
--------- ⋅≤ u
ˆCp max,
d
L
dPkPZHnT
⋅
-----------------------------1
hP
-----
⋅w
ˆT2max
,
⋅500 V
mm
---------
≤=
⇒
u
Cp
*
u
Cp
uCp Nen
n
-----------------
----
=
128 5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs
Miniaturisierungsgrad, Aufwand für Filterbauelemente
Die Miniaturisierbarkeit des Stromrichters spielt besonders bei der Entwicklung handge-
führter Ultraschallgeräte eine entscheidende Rolle. In Kap. 4 wurde daher das Flächenpro-
dukt benutzt, um eine grobe Abschätzung der benötigten Volumina der magnetischen Bau-
elemente durchführen zu können. Aufgrund der unterschiedlichen Auslegung der Aus-
gangsfilter der betrachteten Stromrichtertopologien werden unterschiedliche Parameterstu-
dien für die einzelnen Topologien notwendig.
LC-Resonanzstromrichter:
Nach Gl. (4.45) erhält man für die Summe der Flächenprodukte von Filterspule und Aus-
gangstranformator des LC-Resonanzstromrichters den Zusammenhang:
(5.16)
mit der Hilfsvariablen
. (5.17)
Diese Gleichung berücksichtigt eine zum Aktor parallele zusätzliche Filterkapazität
mit , die das Spannungsübertragungsverhalten stabilisieren soll. Da
mit zunehmender Dämpfung die Rückwirkungen der niederimpedanten Last geringer wer-
den, kann die Filterkapazität verkleinert werden. Infolgedessen verringert sich die Gesamt-
last für die Wechselrichterstufe, und der Strom durch die Filterspule ist ebenfalls kleiner. Da
sich das Flächenprodukt proportional zum Produkt aus Induktivität und dem quadratischen
Spulenstrom ergibt, muss das Flächenprodukt kleiner werden.
LLCC-Resonanzstromrichter:
Aus Gl. (4.67) und Gl. (4.68) berechnet sich das gesamte Flächenprodukt von Filterspulen
und Ausgangstransformator des LLCC-Resonanzstromrichters gemäß
∆ ∆ ∆
uCp
0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.6 0.8 1 1.2 1.4
0.8 0.9 1 1.1 1.2
0.8
1
1.2
1.4
1.6
1.8
2
0.9
1
1.1
1.2
0.9
1
1.1
1.2
*
kPdP
*ZH
*
ZM
*
P
ε
T*,sE*
P
AP
*
*
*
,hP
uCp
*uCp
*
Bild 5.4: Parameteranalyse für .
u
C
p
Geometrie des Piezostapels Piezomaterial Endmasse und Hor
n
A
cAw
u
ˆCp
2
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------APkPγfεP
T
()
2
hPΩs
2
------------------------------1H21H+()HΩs
21–()
2
+()++[]⋅⋅=
H
dP
4
hP
2
kP
2
ZH
4
ω
0
2
AP
2γf
2εP
T
()
2d
L
⋅
---------------------------------
---
=
C
f
p
γf
C
P
C
fp
+
()
CP
⁄
=
5.2 Diskussion 129
, (5.18)
wobei von optimalen Filterkapazitäten ausgegangen wird ( ). Wie schon beim LC-
Resonanzstromrichter beobachtet, nimmt das resultierende Flächenprodukt des LLCC-
Resonanzstromrichters kleinere Werte an, wenn die Dämpfung ( ) zunimmt.
Pulsstromrichter:
Das Gesamtflächenprodukt des Pulsstromrichters ergibt sich aus Gl. (4.86) und Gl. (4.87):
.(5.19)
mit der bereits oben eingeführten Hilfsvariablen . Wie man dieser Gleichungen entneh-
men kann, ist das Volumen der Filterspule maßgeblich durch einstellbar. Verschiebt
man also die Tiefpassfilterung zu höheren Frequenzen führt dies zu einer erheblichen Ver-
ringerung des Flächenproduktes (vgl. Kap. 4.3).
Augenscheinlich unterscheiden sich die Flächenprodukte des LC- und LLCC-Resonanz-
stromrichters und des Pulsstromrichters erheblich. Betrachtet man jedoch die entsprechen-
den Parameterabhängigkeiten stellt man fest, dass nahezu identisches Verhalten vorliegt.
Für das Verhältnis des jeweiligen Flächenproduktes zu seinem Nennwert lässt sich für alle
hier betrachteten Stromrichterkonzepte die gemeinsame Näherung
(5.20)
A
cAw
u
ˆCp
2
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------kPAPεP
TγfdLdP
2hPkPZH
2ω0
+()
2
APhPεP
TγfdL
2
------------------------------------------------------------------------
----
⋅=
βCs
1=
dL
AcAw
u
ˆCp
2
kCuJ
ˆB
ˆ
---------------APεP
T
hP
2δnPWM
2
----------------------- hPkP1H+()1δ+()
2APεP
TdLHH
2
+()1δ+()
2δnPWM
21–()1–()
2
+
dP
2ZH
2ω0
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
--
+
⋅⋅=
H
n
PWM
∆ ∆ ∆
A
cAwAcAwAcAw
0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.6 0.8 1 1.2 1.4
0.6
0.8
1
1.2
1.4
1.6
0.4
0.6
0.8
1
1.2
1.4
1.6
0
1
2
3
4
5
***
AP
*
*
kP
*
hP
P
ε
T*
dP
*
sE*
P
ZM
*
ZH
*
Bild 5.5: Parameteranalyse für das resultierende Flächenprodukt der Fil-
terspule(n) und des Ausgangstransformators der betrachteten Reso-
nanzstromrichter und des Pulsstromrichters.
Geometrie des Piezostapels Piezomaterial Endmasse und Horn
AcAw
*AcAw
AcAwNenn
------------------------- kP
3
hPZH
4
ω0
2
d
P
APdL
2εP
T
-----------------------------
----
≈=
130 5 Aspekte eines Gesamtsystementwurfs
angeben, die sehr gut die Kurvenverläufe der tatsächlichen Gleichungen wiedergibt. Die
entsprechenden Parameteranalysen für die beiden Resonanzstromrichter und für den Puls-
stromrichter stellt Bild 5.5 dar.
Wirkungsgrad der Wechselrichterstufe
Da der Wirkungsgrad der Wechselrichterstufe bei den üblichen Spannungen im Wesentli-
chen von den stromabhängigen Durchlass- und Schaltverlusten bestimmt wird, wird die fol-
gende Parameteranalyse nicht für den Wirkungsgrad, sondern wegen der größeren Einfach-
heit für den Wechselrichter-Ausgangsstrom durchgeführt. Sie ergibt für die drei unter-
suchten Topologien die gleichen Ergebnisse und
(5.21)
ist in Bild 5.6 dargestellt.
Zusammenfassung der Parameteranalyse in Matrixform
Die Verkettungen der Entwurfsparameter untereinander ist noch einmal in Tabelle 5.1
zusammengefasst. Die Tabelle verschafft einen Überblick darüber, wie die Entwurfspara-
meter tendenziell geändert werden müssen, damit die Entwurfsziele wie gewünscht einge-
stellt werden können.
Als Anwendungsbeispiel der Tabelle soll die Gütezahl als Entwurfsvorgabe vergrößert
werden, um für ein Ultraschallsystem einen Phasennulldurchgang der Eingangsadmittanz
sicherzustellen. Dadurch kann eine PLL zur Regelung des Betriebspunkts eingesetzt wer-
den. Die Dämpfung der Schwingeinheit durch den Ultraschallprozess sei aus Vorunter-
suchungen bekannt.
Wie die Parameteranalyse der vorangegangenen Abschnitte zeigt, kann durch eine Vergrö-
ßerung des Piezostapels mit zusätzlichen Piezoelementen (Erhöhung von ) die Güte-
zahl vergrößert werden. Im Zuge einer Miniaturisierung und Kostenreduzierung des Strom-
richters interessiert auch das Flächenprodukt der Filterspule eines Pulsstromrichters.
η
i
w
r
i
wr
*
i
wr
iwr Nen
n
---------------
----
=
∆ ∆ ∆
iwr
0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.8 0.9 1 1.1 1.2 0.6 0.8 1 1.2 1.4
0.85
0.9
0.95
1
1.05
1.1
1.15
0
1
2
3
4
5
0.6
0.8
1
1.2
1.4
1.6
ZM
*
*
iwr
*
iwr
*ZH
*
P
ε
T
dP
*
sE*
P
AP
*
*
kP
*
hP
Bild 5.6: Parameteranalyse für den Wechselrichterstrom .
i
w
r
Geometrie des Piezostapels Piezomaterial Endmasse und Horn
M
dL
kP
kP
A
PWM
5.2 Diskussion 131
Der Tabelle kann man nun entnehmen, dass die Vergrößerung von für die Entwicklung
der Flächenproduktes kontraproduktiv ist: durch die gewählte Maßnahme stellt sich ein
höheres Flächenprodukt ein. Man kann ebenfalls ablesen, dass sich eine höhere Strombela-
stung der Wechselrichterstufe einstellt. Infolgedessen werden die Durchlass- und
Schaltverluste und somit der Wirkungsgrad negativ beeinflusst.
Entwurfsziel
Geometrie
Piezostack Piezomaterial Endmasse und
Horn
- -
--
-
Entwurfsvor-
gabe
= konst.
-
-
= konst.
= konst.
-
--
-
-
= konst.
= konst.
-
--
-
-
bzw.
= konst.
-
-
Miniaturisierung magneti-
scher Komponenten
-
--
-
-
-
-
-
-
Tabelle 5.1: Entwurfsziele und Parameter beim Entwurf eines Ultraschallsystems beste-
hend aus einem Stromrichter und der Ultraschall-Schwingeinheit.
kP
i
ˆ
w
r
hP
kP
AP
sP
E
dP
ε
P
T
ZH
Z
M
f
∆
σ
P
⇒
M
dL
w
ˆ
H
2
u
ˆ
C
p
dL
u
ˆ
C
p
w
ˆ
H
2
dL
i
ˆ
w
r
η
w
ˆH
2
A
c
A
wL
C
A
c
A
wLLC
C
A
c
A
wPWM
132 6 Zusammenfassung
6 Zusammenfassung
Die Kernmotivation der vorliegenden Arbeit war die Erarbeitung der Grundlagen, die es
erlauben, ein Ultraschallsystem bestehend aus Energieversorgung und Ultraschallaktor in
einem ganzheitlichem Ansatz zu entwerfen. Wichtig war dabei zunächst nicht eine hohe
Modellierungstiefe und genaue Abbildung von Entwurf und Realität eines auf Basis dieses
Modells entworfenen Systems, sondern vielmehr die Erkenntnis, welche Entwurfsparame-
ter tendenziell gewünschte Zielvorgaben beeinflussen.
Vor dem Hintergrund dieser Motivation wurden in der Einleitung grundlegende Fragen
gestellt, die bearbeitet wurden und nun abschließend beantwortet werden sollen.
• Wie können Ultraschall-Schwingeinheiten modelliert werden, um ihre Last für eine
elektrische Spannungsversorgung zu beschreiben?
Ein geeignetes Modell zur Beschreibung des elektrischen Klemmenverhaltens stellt ein
einfaches Ersatzschaltbild dar, dessen Parameter mit Hilfe eines analytischen Modells
berechnet werden. Dieses Modell beruht auf den kontinuums-mechanischen Zusam-
menhängen, welches alle wichtigen Entwurfsparameter einer Ultraschall-Schwingein-
heit umfasst. Demzufolge sind die erwähnten Parameter vollständig auf Material- und
Geometrievorgaben zurückzuführen.
• Welche Stromrichterkonzepte sind zur Speisung piezoelektrischer Aktoren geeignet?
Welche Größen sind geeignet, um die untersuchten Konzepte bezüglich ihrer Eignung
zu charakterisieren, und mit welchen Modellen und Methoden können sie beschrieben
werden?
Während der durchgeführten Literaturrecherche stellten sich Resonanzstromrichter mit
LC- und LLCC-Ausgangsfilter als attraktive Speiseeinrichtungen heraus. Außerdem
wurden Pulsstromrichter als geeignete Topologie eingeschätzt. Mit den genannten
Stromrichtertypen wurden bereits schon in [48] und [49] Erfahrungen gesammelt.
Allerdings beschränkten sich die dort durchgeführten Untersuchungen auf die Klasse
der stark gedämpften Ultraschallsysteme (Wanderwellenmotoren). In der vorliegenden
Arbeit wurden die Analysen auf schwach gedämpfte Systeme ausgeweitet.
Für ein abgestimmtes Ultraschallsystem gehören auch Überlegungen, wie eine Minia-
turisierung von Stromrichter und Ultraschall-Schwingeinheit erreicht werden kann.
Gerade mit Blick auf handgeführte Geräte ist dies von vordringlichem Interesse. Dazu
wurden Aussagen getroffen, welche Ströme in der Wechselrichterstufe zu erwarten
sind, welches Volumen die magnetischen Filterkomponenten und Ausgangstransfor-
matoren benötigen, welche Wirkungsgrade erreichbar sind usw. Die Grundlage zur
Berechnung dieser Größen ist eine Zeitbereichsimulation auf Basis der gelösten Diffe-
rentialgleichungen eines linearen Modells, die sich gegenüber der herkömmlichen
Zeitsimulationen (z. B. SIMPLORER) als überlegen herausstellte und mit erheblicher
Zeitersparnis bei der Schaltungssimulation einhergeht. Weitere Berechnungen nutzen
die Grundschwingungsanalyse, die zu übersichtlichen und gut interpretierbaren Lösun-
133
gen führt. Die Ergebnisse der Zeitbereichsimulation und der Grundschwingungsana-
lyse flossen in ein erweitertes Verlustleistungsmodell der modellierten
Vollbrückentopologien und in die Berechnung der benötigten Volumina der magneti-
schen Bauelemente ein. Berücksichtigt wurden bei den Betrachtungen der Stromrichter
auch die Fertigungstoleranzen realer Filterbauelemente, was Aussagen über die
Robustheit der jeweiligen Topologie zulässt.
• Welche wesentlichen Erkenntnisse lassen sich hinsichtlich des Systementwurfs daraus
ableiten?
Mit Hilfe einer Parameteranalyse konnte eine Matrix erstellt werden, die eine über-
sichtliche Darstellung aller Entwurfsparameter, sowohl vom Ultraschallaktor als auch
vom Stromrichter, erlaubt. Auf diese Weise können die gegenseitigen Beeinflussungen
der unterschiedlichsten Entwurfsparameter und -ziele besser interpretiert werden.
Neben diesen Kernpunkten wurde im Rahmen dieser Arbeit ein Pulsstromrichter und eine
Ultraschall-Schwingeinheit für eine Technikumsanlage zur Ultraschall-Stehwellenzerstäu-
bung entworfen und in Betrieb genommen. Der dazu entworfene Stromrichter erlaubt eine
Anpassung an unterschiedliche Ultraschall-Schwingeinheiten, ohne schaltungstechnische
Änderungen vornehmen zu müssen. Diese Eigenschaften wurden bislang weder von kom-
merziellen Anbietern von Ultraschallverstärkern noch in der Literatur vorgestellt.
Hervorzuheben ist, dass die erarbeiteten Modelle für Ultraschall-Schwingeinheiten und
Stromrichter aus Gründen der besseren Interpretierbarkeit relativ einfach gehalten wurden,
wobei die dadurch bedingte geringere Genauigkeit der Modelle in Kauf genommen wurde.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang insbesondere, dass das verwendete Modell der
Ultraschall-Schwingeinheit nur für den Fall schwacher Prozessdämpfung anwendbar ist.
Als Erweiterung der Analysen zu [48] und [49] sind der Ansatz zur Berechnung der Verlust-
leistungen und Wirkungsgrade zu nennen. Die erstellte Entwurfsmatrix, die sowohl Ent-
wurfsziele als auch Entwurfsparameter gemeinsam darstellt, ist ein wichtiges Hilfsmittel,
mit dem das Verständnis für Ultraschallsysteme verbessert werden kann. Insgesamt liegt
eine grundlegende Basis vor, um Ultraschallsysteme in einem ganzheitlichen Entwurf aus-
zulegen.
134 Anhang
Anhang
Konstruktionsskizzen des Aluminiumkonverters Al-K-P3
Universität Paderborn
Mechatronik u. Dynamik
Werkstoff:
DIN
ISO 2768
Ra=
RB
Konverter Alu
703-03-00
01
02
03
19
45,2
64,2
135
Universität Paderborn
Mechatronik u. Dynamik
Werkstoff:
DIN
ISO2768
Ra=
RB
2,5
20
20,1
O
16 H7
O
3,2
703-03-02
Scheibe-58(Alu)
12
55
SW
58
0,1x45
˚
AlCuMgPb
136 Anhang
Universität Paderborn
Mechatronik u. Dynamik
Werkstoff:
DIN
ISO 2768
Ra=
RB
EINZELHEIT B
EINZELHEIT C
3,2
Alu-Sonotrode
703-03-01
2
2 9
69
65Mx
1
30
O
57
O
61
O
12Mx1,25
16M
20,1
O
50
O
R25
47
1
18
16
0,5
1
75,5
0,5
AlCuMgPb
5,5
O
25
3
30
˚
1
7
52,
58
O
55
O
1
0,5
C
B
137
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