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„WIR SOLLTEN DIE IDEE EINER BIOBASIERTEN WIRTSCHAFT MIT DER
ÖFFENTLICHKEIT DISKUTIEREN, UNSERE FORSCHUNGSPROJEKTE
BEKANNT MACHEN UND DIE UMSETZUNG VON FORSCHUNG IN DIE
ANWENDUNG AN BEISPIELEN ERKLÄREN.“
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EDITORIAL
BIOspektrum | 06.20 | 26. Jahrgang
Christine Lang
und nachhaltige Verbraucherprodukte wei-
terzuentwickeln. Dies ist eine der Herausfor-
derungen der Zukunft. Um diese zu meistern,
ist neben der Lösung von technischen Fragen
auch die Diskussion mit der Gesellschaft und
der Politik von großer Bedeutung.
Ein besonderer Schwerpunkt des Wissen-
schaftsjahres „Bioökonomie“ sollte daher die
Kommunikation und Diskussion sein: Was
wird geforscht? Was ist bereits als Produkt
oder Verfahren verfügbar? Welche sozialen,
wirtschaftlichen und technologischen Inno-
vationen für eine „bioökonomische Gesell-
schaft“ sind möglich und erstrebenswert?
Wissenschaftskommunikation ist auch ein
Schwerpunkt im Förderprogramm zum
Wissen schaftsjahr 2020/21. Unter den prä-
mierten Projekten (www.wissenschaftsjahr.
de/2020-21/das-wissenschaftsjahr/foerder
projekte) finden sich äußerst spannende
An sätze, etwa Bioökonomie in einem Litera-
turfestival einzuführen oder in einem Fakten-
sammler-Podcast vorzustellen. Zahlreiche
Veranstaltungen zum Mitwirken und Besu-
chen sind geplant (www.wissenschaftsjahr.
de/2020-21/veranstaltungen/uebersicht),
von Ausstellungen wie auf dem Frachtschiff
MS Wissenschaft bis zu Workshops an Insti-
tuten.
Im Moment, unter Hygiene- und Abstands-
regeln, sind besonders die Online-Initiativen
von großer Bedeutung. Lernen und Kommu-
nizieren im virtuellen Raum ist zurzeit häu-
g die einzige Option, über Wissenschaft,
Forschung und neue Produkte zu reden. Das
sollten wir als Chance begreifen und nutzen
und damit die Idee einer biobasierten Wirt-
schaft mit der Öffentlichkeit diskutieren,
unsere Forschungsprojekte bekannt machen
und die Umsetzung von Forschung in die
Anwendung an Beispielen erklären.
Vieles von dem, was wir in den letzten
Monaten geübt haben – virtuelle Begegnun-
gen statt Reisen, Tutorials statt Vorlesungen,
Podcasts statt Vorträge – ersetzt nicht die
persönliche Begegnung, aber ist es wert,
Wissenschaftsjahr mit „Bio“ – Technologie
und Wissen kommunizieren
auch in der Nach-Corona-Zeit beibehalten zu
werden: Kommunikation in der Wissenschaft
ist nötiger denn je, und immer mehr Men-
schen werden eine virtuelle Plattform nutzen.
Über Bioökonomie zu reden und Bioöko-
nomie umzusetzen, ist möglicherweise in
Zeiten der Wirtschaftsneubelebung der rich-
tige Weg in eine belastbare und nachhaltige
Zukunft, in der der umwelt-, wirtschafts- und
industriepolitische Kurs neu ausgerichtet
werden muss. Wirtschaft mit bioökonomi-
schen Prinzipien stärken – das kann Ziel und
Leitgedanke des auf 2021 verlängerten Wis-
senschaftsjahres „Bioökonomie“ werden und
es mit noch mehr Leben füllen.
Weitere Informationen:
www. wissenschaftsjahr.de ó
Christine Lang
VAAM-Präsidentin
MBCC Group/Consulting and Coaching
in Microbiotics and Bioeconomy & Belano
medical AG und Professorin an der
TU Berlin
Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL.
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Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Christine Lang
Technische Universität Berlin
Fakultät III Biotechnologie
Gustav-Meyer-Allee 25
D-13355 Berlin
MBCC Group/Consulting and Coaching in Micro-
biotics and Bioeconomy & Belano medical AG
Leonhardtstraße 14
D-14057 Berlin
DOI: 10.1007/s12268-020-1450-y
© Die Autorin 2020
ó 2020 ist nicht nur das Jahr der Corona-
Pandemie und weiterer globaler Krisen wie
dem Klimawandel, es ist in Deutschland auch
Wissenschaftsjahr mit dem Schwerpunkt
„Bioökonomie“. Wissenschaftsjahre werden
seit zwanzig Jahren vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung ausgerufen und
haben das Ziel, jeweils ein Kernthema in die
Öffentlichkeit zu bringen und damit Diskus-
sionen zu fördern und Informationen auf
vielen Ebenen zu verbr eiten.
Die Bioökonomie sollte diese große Chance
nutzen, um ihr Prinzip – auf biologischer
Basis wirtschaftlich und nachhaltig zu pro-
duzieren – anschaulich und greifbar zu
machen. Bioökonomie nutzt biologische Res-
sourcen, um nachhaltig Lebensmittel und
Futtermittel zu erzeugen, biobasierte Mate-
rialien herzustellen und mit Biokraftstoffen
zur alternativen Energieversorgung beizutra-
gen. Eine große Rolle spielt dabei die Biotech-
nologie, die die notwendigen wissenschaftli-
chen und technologischen Voraussetzungen
schafft, um die Prinzipien der Natur in wirt-
schaftlich machbare Prozesse und Produkte
umzusetzen. Beispiele und Anwendungen
sind bereits zahlreich, seien es die mikrobio-
logischen Prozesse zur Herstellung von
Aminos äuren und Vitaminen bis hin zu Phar-
maka und Chemiegrundstoffen oder die Nut-
zung nachhaltiger Biomasse für Energie und
Materialien wie Baustoffe, Textilien und
Verpackungen.
Bioökonomie kann angesichts Klimawan-
del, Ressourceneffizienz und Nachhaltig-
keitsfragen Lösungen beitragen. Sie ist dabei
Teil eines neuen Wirtschaftsdenkens, das
nicht mehr der alten Maxime „Herstellen –
Nutzen – Wegwerfen“ gehorcht, sondern
dem Prinzip der Kreislaufführung „Her-
stellen – Nutzen – Wiederverwenden“ folgt.
Vielfach wurden hervorragende Forschungs-
ergebnisse erzielt – nun gilt es, die wissen-
schaftlichen Innovationen in marktfähige