scieee Science in your language
[en] (orig)
Wärmeübergang bei der Kondensation
an horizontalen Rohren mit Mikrostiftrippen
zur Erlangung des akademischen Grades eines
DOKTORS DER INGENIEURWISSENSCHAFTEN (Dr.-Ing.)
von der Fakultät für Maschinenbau
der Universität Paderborn
genehmigte
DISSERTATION
von
Dipl.-Ing. Sonja Sieber
aus Rotenburg an der Fulda
30. April 2008
Danksagung
Diese Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Institut für Energie- und Verfahrenstechnik der Universität Paderborn. Danken möchte
ich daher
meinem Betreuer und Gutachter Herrn Prof. Dr.-Ing. Roland Span, der mir groß-
artige Unterstützung und Disskussionspartner war,
Herrn apl.-Prof. Dr.-Ing. Reiner Numrich für die Begutachtung der Arbeit,
der Universität Paderborn, dass sie mir die Promotion ermöglichte,
allen Kolleginnen und Kollegen des Instituts für vielfache Hilfestellung, gute Zu-
sammenarbeit und manchen Tip,
den studentischen Hilfskräften Zhao Wei, Zhang Aiyun, Sun Yanfei, Shi Xiaoyan,
Su Qiang und Wang Xiaoxia, die mir experimentelle Daten sowie Zeichnungen
lieferten, mir damit einen Teil der Arbeit abnahmen und vielfach Anregungen
brachten.
Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle den Menschen danken, die mir die Motivation,
die Möglichkeiten und den Rückhalt für diese Arbeit gaben, insbesondere
Hannu und Jonas für ihre Liebe und ihr Lachen,
meinen Eltern, die dies alles möglich machten,
Olga als Kollegin und vor allem Freundin, die mich immer wieder aufbaute,
Falko für seine Freundschaft und verlässliche Hilfsbereitschaft.
Danke!
Inhaltsverzeichnis
1 Motivation und Ziele 1
2 Stand der Forschung 5
2.1 Experimentelle Untersuchungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.2 TheoretischeModelle........................... 8
2.3 Wärmeübergang an rauen Oberflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
3 Versuchsaufbau 17
3.1 Versuchsbehälter ............................. 19
3.2 Versuchsrohre............................... 21
3.2.1 Fertigung von Thermoelementkanälen in der Rohrwand . . . . 22
3.2.2 Aufbringen der Mikrostruktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
3.3 Mikrostrukturen.............................. 26
3.4 Kühlkreislauf ............................... 29
3.5 Messtechnik................................ 29
3.5.1 Temperaturen........................... 29
3.5.2 Massenströme .......................... 31
3.6 Versuchsstoff ............................... 32
3.7 Regelung und Sicherheitstechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4 Versuchsdurchführung und -auswertung 35
4.1 Versuchsvorbereitung........................... 35
4.2 Ermittlung von Wandtemperaturverläufen . . . . . . . . . . . . . . . . 36
4.3 Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten . . . . . . . . . . . . . 38
4.4 Ermittlung der Messunsicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
ii Inhaltsverzeichnis
5 Ergebnisse und Diskussion 45
5.1 Mittlere Wandtemperatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
5.2 Wärmeübergang am Glattrohr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.3.1 Mikrostruktur-Rohr 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.3.2 Mikrostruktur-Rohr 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
5.3.3 Mikrostruktur-Rohr 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.3.4 Mikrostruktur-Rohr 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
5.3.5 Diskussion ............................ 58
6 Modellierung des Wärmeübergangs 65
6.1 TheoretischeModelle........................... 65
6.1.1 Grundmodell ........................... 65
6.1.2 δ-Modell............................. 68
6.1.3 r-Modell ............................. 71
6.2 Vergleich experimenteller und theoretischer Werte . . . . . . . . . . . . 75
7 Zusammenfassung 81
8 Symbolverzeichnis 85
Literaturverzeichnis 89
Anhang 92
A Messdaten 93
B Kalibrierung der Thermoelemente 105
C Stoffdaten R141b 107
D Abschätzung der Messunsicherheit 111
D.1 Allgemeines................................111
D.2 Komponenten der Messunsicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
D.3 Liste aller Komponenten der Messunsicherheit . . . . . . . . . . . . . . 120
1 Motivation und Ziele
Kondensatoren als Bestandteile von Prozessketten
Kondensatoren sind Bestandteile von Prozessketten der Energie- und Verfahrenstech-
nik. In großen Stückzahlen kommen sie auch als Komponenten in fertigen Produkten
wie Kühlschränken, Brennwertheizkesseln u.ä. vor. Ihre Hauptaufgabe ist die Übertra-
gung von Energie in Form von Wärme zwischen zwei Medien bzw. die Veränderung
des Phasenzustands eines dampfförmigen Mediums.
Unter den häufigsten Kondensatoren sind Rohrbündelapparate mit horizontal ange-
ordneten Rohren. Hierbei kann der Dampf bzw. das Kondensat entweder in den Rohren
oder mantelseitig strömen. In dieser Arbeit werden Kondensatoren betrachtet, bei denen
der Dampf mantelseitig strömt, während das Kühlmedium durch die Rohre fließt, Bild
1.1. Der Dampf tritt auf der Oberseite des Mantels ein und kondensiert an den Rohren,
wobei das Kondensat auf der Oberfläche der Rohre zumeist einen geschlossenen Film
bildet. Es tropft an den Rohrreihen herunter, wird im unteren Teil des Kondensators
abgeleitet und tritt meist leicht unterkühlt aus dem Kondensator aus.
Rohrbündelkondensatoren reagieren besonders empfindlich auf geringe Anteile von
nicht kondensierenden Gasen (Inertgasen) im Dampf, wodurch der übertragene Wärme-
strom bei gleicher Temperaturdifferenz um bis zu 80% sinken kann. Bei der Konstruk-
tion müssen daher Maßnahmen getroffen werden, um Inertgase an bestimmten Stellen
akkumulieren und ableiten zu können. Bei Verwendung von fluorierten Kohlenwasser-
stoffen als Kältemittel in Kühlkreisläufen treten vergleichsweise niedrige Wärmeüber-
gangskoeffizienten auf, weshalb hier häufig eine Verbesserung des Wärmeübergangs
durch konstruktive Maßnahmen angestrebt wird.
Erhöhung der Effizienz von Kondensatoren durch Kühlflächendesign
Die Effizienz eines Kondensators hängt von verschiedenen Faktoren ab. So bestimmt
21 Motivation und Ziele
Bild 1.1: Schema eines Rohrbündelkondensators
der Druckverlust der strömenden Medien die Pumpenleistung und damit die Betriebs-
kosten, der Wärmeübergangskoeffizient und die anliegenden Temperaturdifferenzen
beeinflussen maßgeblich die Größe der Wärmeübertragungsfläche und damit auch Platz-
und Materialbedarf. Daher lassen sich Kondensatoren unterschiedlicher Bauart schwer
miteinander vergleichen. Bei gleicher Konstruktion, z.B. beim Vergleich von Rohrbün-
delkondensatoren, dient als Kennzahl meistens der Wärmedurchgangskoeffizient. Die-
ser wird über der treibenden Temperaturdifferenz, manchmal auch über dem Druckver-
lust aufgetragen.
Bei der Filmkondensation von reinen Dämpfen ist der Wärmeübergangskoeffizi-
ent eine inverse Funktion der Kondensatfilmdicke. Maßnahmen zur Intensivierung des
Wärmeübergangs müssen daher auf eine Verringerung der Kondensatfilmdicke zielen.
Eine weitreichende Möglichkeit zur Verbesserung des Wärmeübergangs besteht daher
darin, die Oberflächeneigenschaften von Kondensat und Kühlfläche zu verändern, so
dass die Benetzung der Oberfläche und damit die Filmbildung des Kondensats unter-
bunden werden. Die Tropfenkondensation, bei der das Kondensat von der Oberfläche
3
abrollt, ist jedoch technisch schwer realisierbar, so dass die Filmkondensation den prak-
tischen Normalfall darstellt.
Als Möglichkeit zur Verbesserung der Filmkondensation bieten sich Drainagemaß-
nahmen an, die ein schnelleres Abfließen des Kondensatfilms ermöglichen. Hierbei
spielen Kapillareffekte eine große Rolle, was zur Entwicklung von Rohren mit Rip-
penprofilen führte. Das Design entsprechender Kühlflächen wurde seit den 70er Jahren
intensiv weiterentwickelt. Weit verbreitet sind Kreisrippen sowie Sägezahnprofile, die
mechanisch durch Ziehen oder Walzen hergestellt werden.
Bild 1.2: REM-Aufnahmen von Mikrostrukturen; mit freundlicher Genehmigung der
SDK-Technik, Quedlinburg
Nach einem von unserem Projektpartner 1entwickelten Verfahren lassen sich Rip-
penstrukturen auch durch Galvanoformung generieren, wodurch wesentlich kleinere
Abmessungen sowie bisher nicht realisierbare Rippenformen möglich geworden sind,
Bild 1.2. Die neuartigen Strukturen zeichnen sich durch eine wesentlich größere Ober-
fläche sowie stärkere Kapillarkräfte aus. Die Fertigung der Struktur erfolgt unter Zuhil-
fenahme der Ionenstrahllithographie durch ein elektrolytisches Verfahren. Die Kupfer-
strukturen werden dabei innerhalb einer Matrix auf dem Grundrohr abgeschieden. Die
aus einer Polymer-Folie bestehende Matrix wird später in einem Ätzprozess entfernt.
Aufgrund der Geometrie der Struktur werden gute Kondensationseigenschaften und
eine Verbesserung des Wärmeübergangs erwartet. Ziel des Vorhabens ist die Bestäti-
1SDK-Technik GmbH, Quedlinburg
41 Motivation und Ziele
gung bzw. Quantifizierung dieser Effekte durch Experimente sowie die Optimierung
der Mikrostruktur hinsichtlich der Kondensationskinetik. Variabel sind dabei die geo-
metrischen Parameter der Mikrostruktur (Höhe, Durchmesser sowie Anzahl der Struk-
turelemente (SE)), die allerdings durch das Herstellungsverfahren begrenzt sind. Die
vorliegende Arbeit beantwortet die Fragen:
Welche physikalischen Mechanismen beeinflussen den Kondensatablauf und da-
mit den Wärmeübergang bei der Kondensation an den untersuchten Mikrostruk-
turen?
Inwieweit lässt sich durch die untersuchten Mikrostrukturen der Wärmeübergang
intensivieren?
Wie muss eine optimierte Mikrostruktur aussehen, die einen möglichst hohen
Wärmeübergangskoeffizienten hat?
Lassen sich die theoretischen Modelle für die Vorhersage des Wärmeübergangs
an Integralrippenrohren auf die hier untersuchten Mikrostrukturen übertragen?
2 Stand der Forschung
Die Intensivierung des Wärmeübergangs bei der Kondensation ist seit langem Ge-
genstand der Forschung. Kann der Wärmeübergangskoeffizient durch Maßnahmen der
Oberflächengestaltung vergrößert werden, so vergrößert sich bei einem vorhandenen
Apparat der übertragene Wärmestrom bei gleichen Temperaturdifferenzen; beim De-
sign neuer Kondensatoren kann bei vorgegebenem Wärmestrom die Wärmeübertra-
gungsfläche verkleinert werden, was Materialbedarf und Druckverluste verringert. Dies
gilt insbesondere für fluorierte Kohlenwasserstoffe und andere Fluide, die eine niedrige
spezifische Wärmeleitfähigkeit besitzen.
Zahlreiche Arbeiten befassen sich sowohl experimentell als auch theoretisch mit dem
Wärmeübergang an spezifisch gestalteten Kondensationsflächen. Zunächst soll ein kur-
zer Überblick über die aktuellen experimentellen Forschungen gegeben werden, um
die eigenen Ergebnisse später einordnen zu können. Anschließend werden theoreti-
sche Modelle zur Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten skizziert. Die meis-
ten Modelle beziehen sich auf Integralrippen, in neuerer Zeit wurden auch Ansätze
publiziert, die sich auf andere Rippenformen beziehen. Ein Modell für Stiftrippen ist
jedoch noch nicht bekannt.
2.1 Experimentelle Untersuchungen
Untersuchungen an feingerippten Integralrippenrohren stammen zum größten Teil aus
den 80er und 90er Jahren. Nachdem erkannt worden war, dass die Oberflächenspannung
einen großen Einfluss auf die Kondensatfilmdicke bzw. den Wärmeübergang hat, wur-
den systematisch Experimente bei unterschiedlichen Rippenzahlen (Anzahl der Rippen
pro Meter Lauflänge) und Rippenhöhen durchgeführt. Als Versuchsfluide wurden ver-
schiedene Fluor(chlor)kohlenwasserstoffe (FKW) mit unterschiedlichen Oberflächen-
spannungen sowie Wasserdampf verwendet, was einen Vergleich der Ergebnisse er-
62 Stand der Forschung
schwert. So ist die optimale Rippenzahl stark von der Oberflächenspannung des Ver-
suchsfluids abhängig. Für die Kondensation von Wasserdampf bedarf es Rohre mit klei-
neren Rippenzahlen als für die Kondensation von organischen Kältemitteln. Im Sinne
einer besseren Vergleichbarkeit werden daher in der vorliegenden Arbeit hauptsächlich
Ergebnisse von Messungen mit FKW-Kältemitteln vorgestellt.
Rudy und Webb [1] und Webb et al. [2] publizierten Wärmeübergangskoeffizien-
ten für vier Kupferrohre mit 748, 1024 und 1378 Rippen pro Meter. Die Rippenhöhe
betrug 0,8 bis 1,3 mm, als Kältemittel wurde R11 verwendet. Die ermittelten Wärme-
übergangskoeffizienten lagen zwischen 6000 W/(m2K)und 25.000 W/(m2K)bezogen
auf die Hüllfläche des Rohres, wobei die höchsten Werte für das Rohr mit der größten
Rippenzahl bei der kleinsten Dampf-Wand-Temperaturdifferenz gelten. Im Vergleich
zum Glattrohr war der Wärmeübergangskoeffizient um den Faktor 5 bis 10 größer (Ver-
gleichsangaben beziehen sich immer auf dieselbe Dampf-Wand-Temperaturdifferenz).
Bild 2.1: Stiftrippen, wie von Webb et al. [3] und Briggs [4] untersucht; bei [3] waren
die Rippen z.T. versetzt angeordnet
Webb et al. [3] untersuchten auch eine Oberfläche mit Stiftrippen. Diese wiesen ca.
3fach höhere Wärmeübergangskoeffizienten als die glatte Oberfläche auf. Im Wider-
spruch zu späteren Untersuchungen [4] von Briggs, Bild 2.1, waren die ermittelten
Wärmeübergangskoeffizienten jedoch niedriger als bei Integralrippen derselben Höhe
und Breite. Ursache hierfür war vermutlich die versetzte Anordnung der Stifte, die den
Kondensatablauf behinderte.
Honda und Nozu [5] stellten für Kupferrohre mit Rippenzahlen zwischen 1000 und
2000 Rippen pro Meter eigene Daten mit dem Kältemittel R113 sowie mit Methanol
vor. Die Rippenhöhe betrug 0,9 bis 1,5 mm. Der Intensivierungsfaktor für R113 betrug
2.1 Experimentelle Untersuchungen 7
5 bis 9 bezogen auf die Hüllfläche des Rohres. Als Intensivierungsfaktor wird i.A. der
Quotient der Wärmeübergangskoeffizienten von Rippenrohr und Glattrohr bei gleicher
Temperaturdifferenz bezeichnet.
In neueren Untersuchungen treten die Rippenform sowie weitere Aspekte (Konden-
sation von Gemischen, z.B. [6, 7], oder die Kondensation an Rohrbündeln, z.B. [8, 9]) in
den Vordergrund. Neben Integralrippenrohren unterschiedlicher Profilformen wurden
auch sogenannte dreidimensionale Rippenformen untersucht. Cheng und Tao [10] ver-
maßen den Wärmeübergang an Rippen mit Sägezahnprofil. Als Versuchsstoffe wurden
hierbei R12 sowie R152a verwandt. Die Sägezahnprofile wiesen höhere oder ähnliche
Wärmeübergangskoeffizienten wie Integralrippen auf.
Kumar et al. [11, 12] bestimmten Wärmeübergangskoeffizienten für herkömmliche
Integralrippenrohre sowie für Rohre mit „durchbrochenen“ Rippen. Von diesen SIFT
(Spine Integral Fin Tubes) wurden drei unterschiedliche Varianten untersucht: Ein Rohr
mit rundum durchbrochenen Rippen, sowie zwei Rohre, deren Rippen entweder nur auf
der Ober- oder nur auf der Unterseite des Rohres unterbrochen waren. Als Versuchs-
stoff wurden R11 und R134a verwendet. Die Rippenzahl betrug für das Kältemittel
R11 1417 Rippen pro Meter, für R134a 1560 Rippen pro Meter bei einer Rippenhöhe
von 0,7 mm. Im Vergleich zu den herkömmlichen Integralrippen war der Wärmeüber-
gangskoeffizient bei durchbrochenen Rippen ca. 20% höher, Bild 2.2, der Intensivie-
rungsfaktor betrug ca. 6 bei Temperaturdifferenzen zwischen 4 und 10 K. Kumar et al.
vermuteten, dass die durchbrochenen Rippen insbesondere die Drainage des Konden-
sats auf der Unterseite des Rohres verbessern. Das Rohr mit durchbrochenen Rippen
auf der Unterseite hatte einen deutlich höheren Wärmeübergangskoeffizienten als das
Rohr mit durchbrochenen Rippen auf der Oberseite.
Briggs [4] stellte eine deutliche Verbesserung des Wärmeübergangs bei Verwendung
von Stiftrippen anstelle von Integralrippen fest. Seine Messungen mit R113 an sechs
unterschiedlichen Stiftrippenrohren zeigen, dass eine Intensivierung des Wärmeüber-
gangs um den Faktor 3 bis 10 im Vergleich zum Glattrohr möglich ist. Das beste von
ihm vermessene Rohr besaß Stiftrippen der Breite/Länge 0,5 mm und Höhe 1,6 mm,
wobei der Rippenabstand gleich der Rippenbreite war. Die Stiftrippen wurden durch
Aufbringen von Nuten oder Kerben auf ein dickwandiges Kupferrohr hergestellt.
Weitere untersuchte Rippenformen sind das GEWA C+-Rohr mit seinen zusätzlichen
Ausstülpungen an den Rippenflanken, wodurch der Wärmeübergang um ca. 30 % ver-
82 Stand der Forschung
Bild 2.2: Experimentelle Ergebnisse von Kumar et al. [11]; CIFT (Circular integral fin
tube): Integralrippenrohr, SIFT (Spine integral fin tube): Stiftrippenrohr
bessert wird [13], sowie ein Rohr mit „Kapillarstruktur“. Hierzu ermittelte Mitrovic [6]
Intensivierungsfaktoren bis zu 6 bei Temperaturdifferenzen von 4 bis 6 K bezogen auf
die Fläche des Basisrohres.
2.2 Theoretische Modelle
Zur Modellierung des Wärmeübergangs bei der Kondensation an Rippenrohren ist be-
reits ein Übersichtsartikel von Marto [14] aus dem Jahr 1988 vorhanden. Der Schwer-
punkt der Darstellung soll daher auf später erschienenen Publikationen liegen, von de-
2.2 Theoretische Modelle 9
nen die meisten die Krümmung der Kondensatoberfläche bei der Bestimmung des Wär-
meübergangskoeffizienten berücksichtigen.
Das erste Modell für die Filmkondensation an einem horizontalen Rippenrohr erstell-
ten Beatty und Katz [15]. Sie ermittelten zusätzlich zum Kondensatablauf am Umfang
des Rohres den Abfluss des Kondensats von den senkrechten Rippenflanken, Bild 2.3.
Beide Beiträge können mit Hilfe der Theorie von Nusselt für das horizontale Rohr bzw.
für das senkrechte Rohr berechnet werden. Der Wärmeübergangskoeffizient ergibt sich
dann zu
αBK =ηRαR
AR
A+αU
AU
A(2.1)
wobei ηRden Rippenwirkungsgrad darstellt, ARund AUdie Fläche der Rippen bzw.
zwischen den Rippen und αRbzw. αUdie Wärmeübergangskoeffizienten für die ent-
sprechenden Flächen. Außerdem gilt:
A=ηRAR+AU.(2.2)
Der Wärmeübergangskoeffizient bezieht sich auf die effektive Oberfläche, was im Ver-
gleich mit späteren Publikationen unüblich ist und zu niedrigeren Wärmeübergangsko-
effizienten führt.
Die Wärmeübergangskoeffizienten αRund αUergeben sich nach Nusselt [16] zu
αU=0,728 λ3ρ2ghK
TµD01/4
(2.3)
für das horizontale und
αR=0,943 λ3ρ2ghK
TµL1/4
(2.4)
für ein senkrechtes Rohr. Aus Gln. (2.1) bis (2.4) ergibt sich
αBK =0,689 λ3ρ2ghK
Tµ1/4 AU
A
1
D1/4
0
+1,3ηRAR
A
1
L1/4!(2.5)
mit einer charakteristischen Länge L
L=πD2
rD2
0/4Dr(2.6)
wobei Drden Durchmesser des Hüllrohres und D0den des Grundrohres darstellen.
10 2 Stand der Forschung
Die Konstante (0,689 anstelle von 0,728) wurde hierbei an experimentelle Werte
angepasst. Das Modell nach Beatty und Katz zeigt eine gute Übereinstimmung mit
Experimenten bei Kältemitteln mit niedriger Oberflächenspannung. Bei Kältemitteln
mit hoher Oberflächenspannung sowie Wasserdampf treten jedoch Effekte auf, die das
Modell nicht erfasst.
Bild 2.3: Kondensatablauf von den Rippenflanken und am Umfang, Modell nach Beatty
und Katz [15]
Gregorig [17] erkannte, dass die Oberflächenspannung auf der gekrümmten Konden-
satfilmoberfläche einen Druckgradienten induziert, der vielfach größer sein kann als die
durch Schwerkraft induzierte Wirkung. Dieser Druckgradient treibt das Fluid von den
Rippenspitzen in die Rippenzwischenräume, so dass sich an den Rippenflanken nur ein
sehr dünner Kondensatfilm ausbildet. Auf der Oberseite eines Rippenrohres bewirkt die
Oberflächenspannung eine Drainage des Kondensats und damit eine Verbesserung des
Wärmeübergangs. Auf der Unterseite eines Rippenrohres hingegen werden die Rippen
durch das Kondensat z.T. geflutet (Kondensatretention), Bild 2.4, was den Wärmeüber-
gang verschlechtert.
Die Änderung des Druckes über die Weglänge sist nach Gregorig [17] definiert durch
dp
ds =d
ds σ
r(2.7)
wobei σdie Oberflächenspannung und rden Krümmungsradius der Kondensatfilmo-
berfläche darstellen.
2.2 Theoretische Modelle 11
Bild 2.4: Wirkung der Oberflächenspannung auf Ober- und Unterseite eines Rippen-
rohres
Webb et al. [3] ersetzten in Gln. (2.4) den Gravitationsterm durch Gl. (2.7) und er-
hielten unter Annahme eines konstanten Druckgradienten
αR=0,943 λ3ρhK
µT1/4
·2σ
e21
tR+1
b1/4
(2.8)
mit der Rippenhöhe e, dem Rippenabstand bund der Rippendicke tR, Bild 2.4. Rudy
und Webb [1] berücksichtigten außerdem, dass auf dem gefluteten Teil des Rohres der
Wärmeübergang stark reduziert ist. Der Flutungswinkel ϕF, Bild 2.5, berechnet sich
nach [18] aus
ϕF=arccos 14σ
Drbρg(2.9)
mit Drals dem Durchmesser des Hüllrohres.
Bei Vernachlässigung des Wärmeübergangs am gefluteten Teil des Rohres ergibt sich
für den Wärmeübergangskoeffizienten nach Rudy und Webb
αRW =ηRαR
AR
Ar+αU
AU
Ar·1ϕF
π.(2.10)
Der Wärmeübergangskoeffizient bezieht sich hierbei auf die Hüllfläche des Rohres.
12 2 Stand der Forschung
Bild 2.5: Querschnitt eines Rippenrohres mit gefluteter Unterseite, nach [18]
Der Nachteil des von Rudy und Webb vorgeschlagenen Modells liegt darin, dass ein
linearer Druckgradient angenommen und die tatsächliche Krümmung des Kondensat-
films nicht berücksichtigt wird. Somit wird auch der Einfluss unterschiedlicher Rippen-
geometrien nicht erfasst. Eine allgemeine Lösung für den Wärmeübergangskoeffizien-
ten bei sich ändernder Krümmung der Kondensatfilmoberfläche stellte Adamek [19]
vor. Mit der Kondensatfilmdicke
δ4=4λµT
σρhKd(1/r)
ds4/3Zs
0d(1/r)
ds1/3
ds(2.11)
ergibt sich
αRSm
λ=ZSm
0
ds
δ.(2.12)
Wenn die Krümmung des Kondensatfilms bekannt ist, können somit die Kondensat-
filmdicke und der Wärmeübergangskoeffizient bestimmt werden. Adamek [19] defi-
2.2 Theoretische Modelle 13
nierte eine Familie von Oberflächenprofilen, deren Krümmung entlang der Wegstrecke
sdurch
1
r=θm
Sm
ξ+1
ξ"1s
Smξ#(1ξ<)(2.13)
gegeben ist und für die sich die oben angegebenen Integrale lösen lassen. Für den Wär-
meübergangskoeffizienten ergibt sich dann
αRSm
λ=2,149σhKθmSm
νλT
ξ1
(ξ+2)31/4
.(2.14)
Die Parameter Sm,θmund ξmüssen entsprechend dem Rippenprofil definiert werden.
ξist hierbei ein Formfaktor, der um so kleiner ist je steiler das Rippenprofil wird.
Webb et al. [2] nutzten das von Adamek hergeleitete Modell und berücksichtigten
gleichzeitig den Kondensatablauf von den Rippen für den Wärmeübergang im Wellen-
tal sowie den Wärmeübergang in den gefluteten Bereichen. Adamek und Webb [20]
entwickelten daraus ein Modell, das auf weitere Rippenformen anwendbar ist. Der An-
satz für die Kondensatfilmkrümmung ist diskontinuierlich, d.h. es werden Abschnitte
auf der Rippe definiert, für die die Krümmung konstant oder eine lineare Funktion der
Wegstrecke ist. Demnach beschränkt sich die Wirkung der Oberflächenspannung nur
auf den kleinen Bereich an der Rippenspitze bzw. am Rippenfuß, während das Konden-
sat an der Rippenflanke durch die Schwerkraft abgeleitet wird. Kedzierski und Webb
[21] entwickelten eine weitere Familie von Rippenprofilen, die den praktisch herstell-
baren ähnlicher sein soll als die von Adamek [19] beschriebenen. Die Gleichung der
Krümmung lautet
r=C1+C2exp(Zθ)+C3θ(2.15)
wobei die Konstanten Funktionen des Formfaktors Zsowie des Winkels θmsind.
Honda und Nozu [5] wählten einen kontinuierlichen Ansatz für die Filmkrümmung
als Basis für ein numerisches Verfahren. Sie bestimmen die lokale Filmdicke δaus der
Beziehung
1
3ν
d
dxρgxσdκ
dxδ3=λT
δhK
(2.16)
die sowohl die Oberflächenspannungskräfte als auch die Gravitation berücksichtigt.
14 2 Stand der Forschung
Wie im vorigen Abschnitt dargestellt, berücksichtigen bisherige Modelle zur Kon-
densation an strukturierten Rohren sowohl Gravitations- als auch Oberflächenspan-
nungskräfte, die Kondensatretention auf der Unterseite des Rohres, die durch die Rip-
penform bedingte Änderung der Kondensatfilmdicke sowie die Temperaturverteilung
in den Rippen. Diese Modelle, insbesondere das von Honda und Nozu [5] sowie das
von Webb et al. [2], liefern gut mit Experimenten übereinstimmende Werte für unter-
schiedliche Kältemittel sowie Rippengeometrien. Allerdings ist ihre Anwendung bisher
auf Integralrippen beschränkt. Andere Rippenformen wurden bisher theoretisch nur von
Belghazi et al. [13] behandelt. Wie Adamek und Webb [20] wählten auch Belghazi et
al. einen Ansatz, der die Rippe in einzelne Zonen unterteilt, die analytisch getrennt von-
einander behandelt werden. Ein allgemeiner Ansatz für andere Rippengeometrien als
Integralrippen fehlt in der Literatur.
Bild 2.6: Vergleich einer Mikrostruktur mit bisher verwendeten Rippenformen und der
Oberflächenrauigkeit eines Kupferrohres
2.3 Wärmeübergang an rauen Oberflächen
Die hier untersuchten Mikrostrukturen unterscheiden sich nicht nur durch die Rippen-
form, sondern auch durch ihre Abmessungen deutlich von den bisher verwandten Inte-
gralrippen. Während diese meist Abmessungen in der Größenordnung von 1 mm (Rip-
penhöhe) aufwiesen, ist die Mikrostruktur maximal 80 µm hoch. Ihre Eigenschaften
2.3 Wärmeübergang an rauen Oberflächen 15
liegen somit zwischen denen von Rippen einerseits und rauen Oberflächen anderer-
seits, Bild 2.6. Untersuchungen zur Kondensation an rauen Oberflächen liegen in der
Literatur bisher kaum vor. Lilienblum [22] maß die Kondensatfilmdicke an einer senk-
rechten Platte in Abhängigkeit von der Rauigkeit der Oberfläche, bestimmte jedoch
keine Wärmeübergangskoeffizienten. Er beschrieb, dass sowohl die mittlere Filmdicke
wie auch die Welligkeit des Kondensatfilms mit steigender Rauigkeit zunahmen. Wäh-
rend eine größere Kondensatfilmdicke einen kleineren Wärmeübergangskoeffizienten
bedingt, wird durch die Welligkeit des Films der Wärmeübergang verbessert, so dass
sich also aus den Untersuchungen kein Rückschluss auf einen schlechteren oder besse-
ren Wärmeübergang ziehen lässt. Yun et al. [23] untersuchten den Einfluss der Ober-
flächenrauigkeit auf den Wärmeübergang, allerdings sind die experimentellen Daten
spärlich. Bei Dampf-Wand-Temperaturdifferenzen unter 2 K beobachteten sie für ein
Edelstahlrohr mit einer Oberflächenrauigkeit von 15 µm eine Verringerung des Wär-
meübergangskoeffizienten um ca. 40% im Vergleich zu einem theoretisch glatten Kup-
ferrohr. Die Differenz der Wärmeübergangskoeffizienten war um so größer, je kleiner
das Verhältnis von Kondensatfilmdicke zur Rauigkeit war. Bei Temperaturdifferenzen
größer 2 K waren die Wärmeübergangskoeffizienten gleich.
16 2 Stand der Forschung
3 Versuchsaufbau
Zur Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten bei der Kondensation wurde ein
geschlossener Verdampfungs-Kondensations-Kreislauf verwendet, in dem einzelne struk-
turierte Rohre vermessen wurden.
Bild 3.1: Schema der Versuchsanlage
18 3 Versuchsaufbau
Bild 3.1 zeigt das Schema der Versuchsanlage. Kernkomponente ist der Versuchs-
behälter, der zugleich als Verdampfer und Kondensator dient. Der Versuchsstoff wird
im unteren Teil des Behälters mit Hilfe von Heizelementen verdampft. Um höhere Be-
triebsdrücke zu erreichen kann außerdem die Zusatzheizung (360 W) zugeschaltet wer-
den. Sie dient dann ebenfalls als Verdampfer, wobei ihr von unten flüssiger Versuchs-
stoff aus dem Versuchsbehälter zugeführt wird.
Während der Aufheizphase steigt der Dampf vom Versuchsbehälter in den Konden-
sator und wird dort verflüssigt. Der Versuchsbehälter sowie die oberen Anlagenteile
werden dabei von dem heißen Dampf durchströmt und auf Gleichgewichtstemperatur
gebracht. Das Kondensat wird vom Kondensator durch den Vorratsbehälter oder an ihm
vorbei in den Versuchsbehälter zurückgeleitet. Während der Messungen wird der Kon-
densator nicht gekühlt, da sonst unterkühltes Kondensat in den Versuchsbehälter zu-
rückfließen und das Phasengleichgewicht stören würde. Der aufsteigende Dampf wird
dann nur am Versuchsrohr verflüssigt. Das Kondensat tropft von diesem in das Flüs-
sigdepot zurück oder wird in einer Sammelvorrichtung aufgefangen, die ebenfalls in
den Versuchsbehälter entleert. Versuchsrohr und Kondensator (beim Aufheizvorgang)
werden über einen Kältethermostaten mit Kühlfluid versorgt.
Für die Ermittlung des Wärmeübergangskoeffizienten müssen die Temperaturen in
Dampf, Flüssigkeit und Kondensat, die Wandtemperatur am Versuchsrohr sowie der
Kondensatstrom bestimmt werden. Weiterhin werden Temperaturen am Kühlwasserein-
und -austritt sowie der Kühlwasserstrom gemessen.
Die vom Kältemittel durchströmten Teile der Anlage wurden aus legiertem Stahl-
guss (Versuchsbehälter, Werkstoff: 1.4408) und Edelstahl gefertigt [24], für den Kühl-
kreislauf wurden Kupferrohre verwendet. Die Dichtungen sind entweder metallische
Schneidringdichtungen oder O-Ring-Dichtungen aus NBR. Die Anlage wurde mit Stein-
wolle der Dicke 30 mm (Rohrleitungen) bzw. 60 mm (Behälter) isoliert. Zur optischen
Beobachtung gibt es am Versuchsbehälter zwei Sichtfenster sowie eines am Vorratsbe-
hälter. Zum Austreiben von Inertgasen dient ein in der Mitte des Kondensators ange-
brachtes Nadelventil. Die Anlage wurde auf 25 bar Innendruck getestet.
Im Folgenden werden die genannten Einzelkomponenten sowie die Mess- und Rege-
lungstechnik detailliert beschrieben. Für weitere Informationen zur Versuchsanlage sei
auf [6, 24] verwiesen.
3.1 Versuchsbehälter 19
3.1 Versuchsbehälter
Der Versuchsbehälter, Bild 3.2, mit den Abmessungen 300 mm x 515 mm ist zweitei-
lig aufgebaut. Der untere Teil besteht aus einem Zwischenring mit zwei Flanschen, in
dem drei Heizelemente mit einer Gesamtleistung von max. 1400 W untergebracht sind.
Das Kältemittel steht in diesem unteren Bereich ca. 130 mm hoch bis knapp unterhalb
der Kondensatsammelvorrichtung. Das Flüssigkeitsvolumen im gesamten unteren An-
lagenteil beträgt ca. 4-5 l. Dem Versuchsbehälter werden von unten separat Kondensat
aus dem Kondensator sowie aus der Kondensatsammelvorrichtung zugeleitet.
Bild 3.2: Versuchsbehälter mit Versuchsrohr
20 3 Versuchsaufbau
Bild 3.3: Lage der Thermoelemente im Versuchsbehälter
Der obere aus Stahlguss gefertigte Teil bildet den Dampfraum mit einem Volumen
von ca. 4,5 l, in dem das Versuchsrohr waagerecht angeordnet ist. Es ist auf einer Länge
von 245 mm dem kondensierenden Dampf ausgesetzt. Über dem Versuchsrohr ist ein
gekantetes Blech als Tropfschutz gegen Kondensat aus der Dampfleitung angebracht.
Unterhalb des Versuchsrohres befindet sich die Kondensatsammelvorrichtung. Sie
besteht aus einer 80 mm langen Wanne zum Auffangen des Kondensats sowie dem
darunter liegenden elliptischen Behälter zur Messung des Kondensatstroms. An den
Stutzen unterhalb des Behälters sowie zwischen Wanne und Behälter sind Füllstands-
markierungen angebracht, die ein Volumen von 195,5 ml [24] innerhalb des Behälters
einschließen. Die Kondensatsammelvorrichtung wurde aus Borosilikatglas (mundge-
blasen) gefertigt. Sie wird mit Hilfe eines Teflonrings, der auf den Stutzen gescho-
ben wird und gleichzeitig als Abdichtung dient, in einen im Behälterboden befestigten
Ständer eingeschraubt. Die Kondensatleitung (6 mm) kann mit Hilfe eines Ventils
geschlossen werden, um das Kondensat anzustauen.
3.2 Versuchsrohre 21
Vorn und hinten am Versuchsbehälter sind zwei Sichtscheiben in Höhe des Versuchs-
rohres eingebaut, die die Beobachtung des Kondensationsvorganges ermöglichen. Die
Schaugläser bestehen aus Natronkalk-Glas der Dicke 19 mm [24]. Als Dichtungen für
Schaugläser und Außenflansche wurden Graphitflachdichtungen aus Sigraflex Standard
verwendet.
Die Lage der Thermoelemente im Behälter ist in Bild 3.3 dargestellt. Das Thermo-
element für die Flüssigkeit ist vom Boden her ca. 100 mm weit eingeführt, so dass
sich der Sensor oberhalb der Heizelemente befindet. Das Dampfthermoelement befin-
det sich unter dem Tropfschutz. Es ist am ca. 2 cm langen Ende aufwärts gebogen,
damit sich kein Kondensat am Sensor sammeln kann. Die Kondensattemperatur wird
im Kondensatsammelbehälter gemessen. Das Thermoelement muss vor dem Ventil ein-
geführt werden und wird bei Messung des Kondensatmassenstroms geflutet.
Weiterhin sind im Versuchsrohr zwei Thermoelemente zur Messung der Außen-
wandtemperatur des Versuchsrohres eingebaut. Ihre Lage und Positionierung werden
im nächsten Abschnitt beschrieben.
3.2 Versuchsrohre
Grundmaterial für die Versuchsrohre waren Kupferrohre der Abmessungen 18 mm x
2 mm x 450 mm. In die Außenwand dieser Kupferrohre wurden zunächst Kanäle für je
zwei 0,5 mm dicke Thermoelemente zur Messung der Wandtemperatur eingearbeitet.
Das Verfahren wurde bereits von Mitrovic entwickelt [6]. Die Thermoelemente treten
außerhalb des Versuchsbehälters aus dem Rohr aus und werden gerade weitergeführt,
Bild 3.4, linkes und mittleres Detail. In einem zweiten Schritt wurde auf einer Länge
von 225 mm die Mikrostruktur auf das Rohr aufgebracht. Beide Schritte werden in den
nächsten Abschnitten detailliert beschrieben.
Bei den so gefertigen Versuchsrohren liegen die Thermoelemente 0,3 mm bis 0,6
mm unter der Außenoberfläche des Rohres, daher ist eine Korrektur der Wandtem-
peratur unter Beachtung der Wärmeleitfähigkeit der Kupferwand bei den Messungen
anzubringen. Die Thermoelemente sind innerhalb der Kanäle verschiebbar; um die Po-
sitionierung zu erleichtern, wurde an den Spitzen ein Ziehdraht angelötet, Bild 3.4,
rechtes Detail. Eine auf jedem Versuchsrohr aufgebrachte Skala dient zum Ablesen der
Längenverschiebung. Die Thermoelemente erhalten eine kleine Markierung, die die
22 3 Versuchsaufbau
Bild 3.4: Versuchsrohr im Versuchsbehälter
Position angibt. Auf diese Weise kann der Temperaturverlauf in horizontaler Richtung
bestimmt werden.
Das Versuchsrohr ist außerdem im Versuchsbehälter waagerecht drehbar angeordnet.
Dazu wird ein Hebel am Rohr festgeklemmt, das Rohr dreht sich in den Dichtungsrin-
gen der äußersten Flansche. Die Bestimmung von Temperaturverläufen in horizontaler
und Umfangsrichtung erlaubt eine sehr genaue Mittelung der Rohrwandtemperatur.
3.2.1 Fertigung von Thermoelementkanälen in der Rohrwand
Als Ausgangsmaterial wurden Rohre aus Cu-SE (desoxidiert) mit den Abmaßen 18 mm
x 2 mm x 500 mm verwandt. Da die meisten Rohre eine leichte Krümmung aufweisen,
die beim Fräsen der Nuten zu einer unterschiedlichen Nuttiefe führen würde, wurden
3.2 Versuchsrohre 23
die Rohre zunächst auf 17,8 mm abgedreht, um eine in Längsrichtung ungekrümmte
Außenfläche zu schaffen.
Bild 3.5: Fertigung von Kanälen in der Rohrwand zur Aufnahme der Thermoelemente
In das so vorbereitete Rohr wurden auf der Außenseite zwei Nuten von 0,6 mm Tiefe
und gleicher Breite gefräst, in die PTFE-Kapillaren mit einem Durchmesser von 0,6 mm
eingelegt wurden, Bild 3.5 a) und b). Anschließend wurde durch elektrolytische Ab-
scheidung von Kupfer auf dem Rohr eine wenige mm dicke Kupferschicht generiert1.
Auf diese Weise wurden die Kanäle geschlossen, Bild 3.5 c). Nach Entfernen der Ka-
pillaren aus der Rohrwand blieb ein Kanal von 0,6 mm Durchmesser zurück. Zuletzt
wurden die Rohre ein zweites Mal überdreht, um eine glatte Fläche für das Aufbringen
der Mikrostruktur zu schaffen und die Enden den Anschlussstücken anzupassen. Der
Außendurchmesser des Rohrmittelstückes beträgt 18,8mm, nach den Enden verjüngt
sich das Rohr auf einen Durchmesser von 16 mm. Die Thermoelemente werden nach
Montage des Rohres in der Versuchsanlage in die fertigen Kanäle eingezogen, wie in
1Die elektrolytische Abscheidung wurde von unserem Projektpartner SDK-Technik GmbH, Quedlin-
burg, vorgenommen.
24 3 Versuchsaufbau
Bild 3.5 d) veranschaulicht. Sie treten außerhalb des Versuchsbehälters aus der Rohr-
wand aus.
3.2.2 Aufbringen der Mikrostruktur
Vor dem Auftragen der Mikrostruktur wurde die Homogenität der Galvano-Schicht so-
wie die Dichtheit der Thermoelement-Kanäle kontrolliert. Fehlstellen in dieser Schicht
hätten zu Fehlern bei der Temperaturmessung und Kältemittelaustritt aus der Anlage
geführt, weshalb in einer speziellen Testapparatur ein Drucktest (Überdruck auf der
Außenseite des Rohres, Umgebungsdruck in den Thermoelement-Kanälen) bis 20 bar
durchgeführt wurde.
Bild 3.6: Aufbringen von Mikrostrukturen auf das Versuchsrohr (nach [25])
Die Mikrostruktur wurde im letzten Arbeitsgang auf einem Längenabschnitt von
225 mm im mittleren Rohrbereich bei unserem Projektpartner, SDK-Technik GmbH,
Quedlinburg, generiert. Dazu wurde zunächst eine Lochmatrix auf der Basis einer Po-
lymerfolie mit Hilfe der Ionenstrahllithographie erzeugt, deren Poren entsprechend dem
Durchmesser der Stiftrippen in einem Ätzprozess aufgeweitet wurden, Bild 3.6 a). Fo-
liendicke sowie Dichte und Durchmesser der Poren bestimmten die geometrischen Ab-
messungen der Mikrostruktur. Die Matrix wurde in ca. 2 cm breiten Streifen um das
Versuchsrohr gewickelt, das in ein Galvanobad getaucht wurde. Das Kupferrohr diente
hierbei als Elektrode, so dass sich auf seiner Außenfläche, wo sie nicht von der Poly-
merfolie verdeckt war, Kupfer ablagerte, Bild 3.6 b) und c). Nach Entfernen der Matrix
3.2 Versuchsrohre 25
blieben die Stiftrippen auf dem Rohr zurück, Bild 3.6 d). Mit der Ionenstrahllitho-
graphie waren Folien bis max. 80 µm bearbeitbar, der Porendurchmesser konnte zwi-
schen 5 µm und 20 µm variiert werden. Die Strukturelementdichte (SE-Dichte, Zahl
der Strukturelemente pro Fläche) konnte zwischen 108und 2 ·1010 Strukturelemente
pro Quadratmeter variiert werden. Für weitere Details sei auf die Offenlegungsschrif-
ten [25, 26] verwiesen.
26 3 Versuchsaufbau
3.3 Mikrostrukturen
In den hier dokumentierten Experimenten wurden vier unterschiedliche Mikrostruktu-
ren vermessen, deren Eigenschaften in Tab. 3.1 zusammengefasst sind.
Tabelle 3.1: Untersuchte Mikrostrukturen
Struktur Folie SE-Dichte SE-Höhe SE-Oberflächenfaktor
Nr. Nr. SE/m2µmµmARx/AGR
1 A403 1,3·1010 50 3,9 9,0
2 A424 5·10850 6,5 1,5
3 A424 5·10880 6,5 1,8
4 A422 5·10980 5,6 8,0
Bild 3.7: Massstäblicher Vergleich der vier untersuchten Mikrostrukturen
Die Angaben zur Höhe der Strukturelemente (SE) sind Mittelwerte, wobei die Streu-
ung mit zunehmender SE-Dichte zunimmt. Die Bilder 3.8 und 3.9 zeigen Rasterelek-
tronenmikroskop-Aufnahmen der untersuchten Strukturen. Die Strukturen 2 und 3 wur-
3.3 Mikrostrukturen 27
den mit der selben Lochmatrix erstellt, wobei sich die Wachstumszeiten unterscheiden:
Versuchsrohr 3 wurde deutlich länger im Galvanobad belassen, daher ist die SE-Höhe
größer. Einige Strukturelemente wuchsen bei dieser Struktur sogar über die Matrixfo-
lie hinaus, daher die „Stecknadelköpfe“, wie sie in Bild 3.9 links zu sehen sind. Einen
massstäblichen Vergleich aller vier untersuchten Strukturen zeigt Bild 3.7.
Die Strukturen 1 und 4 sind um mindestens eine Größenordnung dichter als die
vorher beschriebenen, weshalb der Unterschied in der SE-Höhe auf dem REM-Bild
schlecht erkennbar ist. Die Bilder zeigen auch, dass die Strukturelemente z.T. sehr un-
regelmäßig verteilt sind, was sicherlich bei der Kondensation dazu führt, dass das Kon-
densat in den breiteren Kanälen schneller abströmt als auf dicht mit SE bewachsenen
Flächen.
28 3 Versuchsaufbau
Bild 3.8: REM-Aufnahmen von Mikrostruktur 1(l) und 2(r); Maßstab variiert
Bild 3.9: REM-Aufnahmen von Mikrostruktur 3(l) und 4(r); Maßstab variiert
3.4 Kühlkreislauf 29
3.4 Kühlkreislauf
Zur Kühlung des Versuchsrohres und des Kondensators wird ein Kältethermostat Haake
Phoenix P2 (CT50-W) mit einem Kältebad aus Ethylenglykol und Wasser (Mischungs-
verhältnis ca. 1:2) verwendet. Die Temperaturkonstanz des Thermostaten gibt der Her-
steller mit ±0,1K an. Das Kühlfluid wird durch das Versuchsrohr und den diesem par-
allel geschalteten Kondensator geführt, wobei zwei Ventile zur Regelung der Massen-
ströme dienen, Bild 3.1. Um reproduzierbare Versuchsbedingungen zu erhalten, werden
der Massenstrom und die Temperaturen des Kühlfluids im Ein- und Auslauf des Ver-
suchsrohrs gemessen. Da die Thermoelemente aus konstruktiven Gründen ca. 1 m vor
bzw. 30 cm hinter dem Versuchsrohr angebracht sind und die Einlaufstrecke wegen
der Führung der Wandthermoelemente nicht isoliert werden konnte, sind die ermittel-
ten Temperaturen jedoch zu ungenau, um eine Wärmebilanz erstellen zu können. Die
Werte gehen daher nicht in die Berechnung ein.
3.5 Messtechnik
3.5.1 Temperaturen
Zur experimentellen Ermittlung des Wärmeübergangskoeffizienten müssen die Tem-
peraturen von Dampf, Rohrwand und Kondensat bekannt sein. Daneben werden die
Temperaturen der siedenden Flüssigkeit zur Überprüfung des Phasengleichgewichts,
sowie die Temperaturen am Kühlwasserein- und -austritt gemessen.
Die Temperaturen der fluiden Phasen werden mit Thermoelementen vom Durchmes-
ser 1,5 mm, die Rohrwandtemperaturen mit Thermoelementen vom Durchmesser 0,5
mm bestimmt. Alle verwendeten Thermoelemente sind vom Typ K (Fa. Rössel GmbH
Co. KG) mit der Genauigkeitsklasse 1 nach DIN IEC 584, entsprechend ±1,5°C im
Bereich von 0°C bis 375°C. Um geringere Messunsicherheiten zu erzielen, wurden
die Thermoelemente kalibriert. Die Thermoleitungen gehen in einen isothermen Block,
von wo aus Verlängerungen aus Kupfer an die Anschlussklemmen der Messauswer-
tung führen. Der isotherme Block besteht aus einem gegen die Umgebung mit 20 mm
Armaflex isolierten Kupferkern mit Aussparungen für Lemo-Stecker, die Thermo- und
Kupferleitung verbinden. Zur Auswertung der Thermosignale wird ein modulares Sys-
30 3 Versuchsaufbau
tem „Netpac“ (Fa. Acurex) mit einer Einsteckkarte für 10 Thermoeelemente verwendet.
Die Messunsicherheit der Auswerteeinheit beträgt nach Herstellerangaben ±0,006 mV,
entsprechend ca. ±0,15 K im Messbereich 0...55 mV.
Um absolute Temperaturen zu erhalten, wird außerdem eine Vergleichsstelle benö-
tigt. Das hierzu verwendete Eisbad, mit dem eine konstante Vergleichstemperatur von
273,15 K bereitgestellt wird, besteht aus einem Dewar-Gefäß mit den Abmessungen
80 mm x 500 mm, das zu 2/3 mit Eis aus destilliertem Wasser und zu 1/3 mit destil-
liertem Wasser befüllt wird. Das Bad wird jeweils nach vier Tagen erneuert.
Kalibrierung der Thermoelemente
Die Wandthermoelemente wurden im Wasserbad eines Thermostaten (Haake N8/C41,
Temperaturkonstanz 0,01 K lt. Hersteller) kalibriert, alle anderen Thermoelemente muss-
ten in der Versuchsanlage kalibriert werden, da ein Ausbau während der Versuchsreihen
zu aufwändig bzw. im Falle des gebogenen Dampfthermoelements nicht möglich war.
Eine Kontrolle erfolgte jeweils nach einem halben Jahr.
Die Wandthermoelemente wurden mit einem Arbeitsnormal-Thermometer zu einem
Bündel zusammengefasst und mindestens 20 cm tief in das Thermobad eingetaucht. Ein
weiteres Thermoelement tauchte 30 cm tief in die Vergleichsstelle. Das Arbeitsnormal,
ein Pt100 der Fa. Klasmeier, weist eine Messunsicherheit von ±0,01 K im Bereich von
235 K bis 429 K auf. Die Signalauswertung erfolgt über ein Digitalmultimeter 3458A
der Fa. Agilent mit einer Messunsicherheit <0,01 K im verwendeten Messbereich.
Der Temperaturbereich von 273 K bis 353 K wurde in 10 K-Schritten vermessen,
indem jeweils die Spannung an den Thermoelementen sowie die Referenztemperatur
TRüber das Arbeitsnormal festgestellt wurden. Die Abweichung der gemessenen Span-
nung Uexp von der nach DIN-Norm ermittelten Spannung UNorm für TRwird in einer
Kalibrierkurve dargestellt und durch ein Polynom zweiter Ordnung angenähert,
Uexp UNorm(T) = A T2+B T +C.(3.1)
Zur Berechnung der Normspannung wurde eine hochgenaue Gleichung [27] verwen-
det. Da die Normspannung eine Funktion der tatsächlichen Temperatur ist, muss diese
iterativ ermittelt werden.
Die Kalibrierung der nicht ausbaubaren Thermoelemente konnte nur in einer isother-
men Versuchsanlage durchgeführt werden, was selbst bei kleinen Versuchsanlagen auf-
3.5 Messtechnik 31
grund der Umgebungseinflüsse nicht leicht zu bewerkstelligen ist. Trotz aufwändiger
Maßnahmen war dabei die Messunsicherheit deutlich größer als bei der Kalibrierung
im Wasserbad.
Um Isothermie in der Versuchsanlage zu erzielen, wurde das Versuchsrohr vom Kühl-
kreislauf entkoppelt und die aus dem Versuchsbehälter herausragenden Enden mit Rohr-
schalen aus 30 mm Steinwolle isoliert. Der Versuchsbehälter selber ist, wie bereits oben
beschrieben, vollständig mit 60 mm dicker Steinwolle isoliert, zur Kalibrierung wurden
auch die Sichtfenster verschlossen. Der Kondensator ist ebenfalls gut isoliert, jedoch
wird durch das Kühlwasser ein Wärmestrom in die Anlage eingebracht. Um diesen
so klein wie möglich zu halten, wurde die Kühlwassertemperatur auf die gewünschte
Anlagentemperatur angehoben.
Die Anlage wurde langsam innerhalb mehrerer Stunden auf die gewünschte Tempe-
ratur im Bereich zwischen 313 K und 353 K aufgeheizt. Eine halbe Stunden nach Errei-
chen des Sollwerts wurden die Thermospannungen ermittelt und wie oben beschrieben
ausgewertet. Als Referenzthermoelement diente dabei eines der Wandthermoelemente.
Weitere Details der Kalibrierung sowie eine vollständige Fehlerbetrachtung finden sich
in Anhang B sowie in Kapitel 4.4.
3.5.2 Massenströme
Das am Rohr gebildete Kondensat wird auf einer Länge von 76 mm in der Sammelscha-
le aufgefangen, Bild 3.2, und im darunterliegenden Messbehälter volumetrisch erfasst.
Dazu sind in der Zu- und Ableitung des Messbehälters Füllstandsmarken angebracht,
die ein Volumen von 195,5 ml definieren. Zum Auffangen des Kondensats wird die
Kondensatleitung geschlossen. Die Zeitnahme beginnt, wenn der Flüssigkeitspegel die
unterste Füllstandsmarke erreicht, und endet bei Erreichen der oberen Marke. So sind
Messunsicherheiten, die durch die Benetzung bzw. den Füllstand in der Kondensatlei-
tung hervorgerufen würden, ausgeschlossen. Lediglich Volumenausdehnung und Be-
netzung des Glasbehälters tragen zur Messunsicherheit bei.
Der Massenstrom des Kondensats ˙mergibt sich aus der Beziehung
˙m=V·ρ(TK)
t(3.2)
worin Vdas Messvolumen des Glasbehälters, ρdie Kondensatdichte bei ermittelter
Temperatur TKund tdie Zeitspanne bezeichnen.
32 3 Versuchsaufbau
Bild 3.10: Messlänge bei regelmäßiger Anordnung der Tropfstellen am Versuchsrohr
Der ermittelte Massenstrom bezieht sich auf einen Abschnitt des Versuchsrohres, der
oberhalb der Sammelschale liegt. Die Messlänge (Länge, die in die Berechnung der
wärmeübertragenden Oberfläche eingeht) kann jedoch auch kleiner als die Länge der
Sammelschale sein, wenn die Abtropfstellen des Kondensats am Rohr regelmäßig an-
geordnet und stationär sind, Bild 3.10. Daher muss während der Messung der Abstand
und die Lage der Tropfstellen am Rohr beobachtet und ggf. eine Korrektur der Mess-
länge vorgenommen werden.
Die Erfassung des Massenstroms auf der Kühlfluidseite erfolgt überschlägig mit ei-
nem Rotameter (6 l/min bis 28 l/min, Messunsicherheit ±10%). Diese Größe geht nicht
in die Berechnungen ein.
3.6 Versuchsstoff
Als Versuchsstoff wird das Kältemittel R141b verwendet, das z.Zt. hauptsächlich als
Treibgas in Bauschäumen eingesetzt wird, dessen Eigenschaften aber ähnlich dem Käl-
temittel R11 sind. Die benötigten Stoffdaten werden der REFPROP-Datenbank (Ver-
3.7 Regelung und Sicherheitstechnik 33
sion 7.1, 2004, unter Verwendung der Fundamentalgleichung nach [28]) entnommen
und im Bereich von 303 K bis 373 K durch Regressionskurven angenähert, Anhang C.
R141b verdampft im Temperaturbereich von 308 K bis 373 K bei Drücken von 1·105
bis 6,8·105Pa.
3.7 Regelung und Sicherheitstechnik
Die Leistung der Heizungen im Versuchsbehälter und im Zusatzverdampfer wird se-
parat mit Hilfe zweier Mikroprozessorregler (Jumo dtron) geregelt. Als Sollwert wird
die Oberflächentemperatur der Heizelemente eingestellt, die 5 bis 10 K oberhalb der
Dampftemperatur liegt und mit Hilfe zweier Thermoelemente erfasst wird. Zusätzlich
kann auch eine manuelle Leistungseinstellung über zwei Potentiometer erfolgen, z.B.
während der Messung von Temperaturverläufen, um Schwankungen der Dampftempe-
ratur zu minimieren. In anderen Fällen dienen die Potentiometer als Leistungsbegren-
zer, um kritische Wärmestromdichten an den Heizelementen bei Ausfall des Reglers zu
verhindern.
Die Einstellung der Temperaturdifferenz zwischen Dampf und Wand erfolgt durch
Einstellen der Kühlwassertemperatur am Thermostaten.
Als Sicherheitseinrichtungen dienen ein Überdruckventil am Versuchsbehälter, das
bei 20 bar auslöst, sowie die selbstabschaltende Alarmwerteinstellung der Regler. Der
Alarmwert wurde auf 120°C entsprechend einem Sättigungsdruck von 10·105Pa ein-
gestellt, was deutlich unterhalb der Zersetzungstemperatur von R141b (>200°C) sowie
dem maximalen Betriebsdruck der Anlage liegt.
34 3 Versuchsaufbau
4 Versuchsdurchführung und
-auswertung
4.1 Versuchsvorbereitung
Zunächst wurde die Anlage mit Hilfe einer Vakuumpumpe Vacuubrand RD-4 auf einen
Druck von < 1 hPa evakuiert. Der Versuchsstoff R141b wurde in dampfförmigem Zu-
stand in die Anlage eingefüllt und im Kondensator verflüssigt, das Füllvolumen betrug
4 bis 5 l (flüssig). Vor den Versuchen wurde die Anlage 2 bis 3 Stunden lang vorge-
heizt, wobei der entstehende Dampf wiederum im Kondensator bei kleiner Tempera-
turdifferenz verflüssigt wurde. Durch die Zirkulation des heißen Dampfes erwärmte
sich die gesamte Anlage, insbesondere die Rohrleitungen und der massive Körper des
Versuchsbehälters, auf Versuchstemperatur. Zudem sammelten sich etwa noch vorhan-
dene Inertgase im Kondensator im oberen Teil der Anlage und konnten über ein Ventil
ausgeblasen werden.
Zur Einstellung des Versuchszustands wurde zunächst der Kühlkreislauf des Kon-
densators geschlossen, der des Versuchsrohres geöffnet. Der Kühlwasserstrom im Ver-
suchsrohr betrug zwischen 10 und 20 l/min. Die Kühlwassertemperatur wurde entspre-
chend der gewünschten Temperaturdifferenz am Thermostaten eingestellt. Die Dampf-
temperatur ließ sich nicht exakt einstellen, da als Sollwert die Oberflächentempera-
tur der Heizelemente gemessen wurde, die etwas über der Dampftemperatur liegt. Die
Heizleistung bzw. Heiztemperatur musste daher manuell korrigiert werden, bis die ge-
wünschte Dampftemperatur erreicht war. Die Abweichung zwischen Soll- und Istwert
betrug bei allen Messungen höchstens ±0,5 K.
Die Einstellung des Phasengleichgewichts wurde durch Vergleich der Temperaturen
in Dampf und Flüssigkeit überprüft, wobei die größte erlaubte Differenz 0,2 K betrug.
36 4 Versuchsdurchführung und -auswertung
Bild 4.1: Ermittlung des horizontalen Verlaufs der Wandtemperatur am Versuchsrohr
Der Anlagenzustand wurde als stationär angesehen, wenn sich die Dampftemperatur
im Verlauf einer Messung um weniger als ±0,5 K änderte.
4.2 Ermittlung von Wandtemperaturverläufen
Für die Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten muss die Temperaturdifferenz
zwischen Dampf und Rohrwand bekannt sein. Entgegen der Annahme von Nusselt [16]
kann dabei nicht von einer konstanten Wandtemperatur über das Versuchsrohr ausge-
gangen werden. Bedingt durch das Anwachsen des Kondensatfilms nimmt die Wand-
temperatur am Umfang von oben nach unten hin ab. Gleichzeitig steigt durch die Erwär-
mung des Kühlwassers die Temperatur in horizontaler Richtung an. Daher müsste für
jede Messung des Wärmeübergangskoeffizienten eine große Zahl von Messungen der
Wandtemperatur durchgeführt werden. Statt dieses enormen Versuchsaufwands wurde
der Temperaturverlauf am Versuchsrohr mehrfach unter verschiedenen Versuchsbedin-
gungen exakt vermessen und der Punkt bestimmt, an dem die mittlere Wandtemperatur
gemessen werden kann. In späteren Messungen wurde das Thermoelement dann an
dieser Stelle positioniert.
4.2 Ermittlung von Wandtemperaturverläufen 37
Bild 4.2: Ermittlung des Umfangsverlaufs der Wandtemperatur am Versuchsrohr
Temperaturverläufe in horizontaler Richtung wurden an zwei Versuchsrohren be-
stimmt. Das Thermoelement wird dazu in der Rohrwand verschoben, Bild 4.1. Die
y-Koordinate wird mit Hilfe einer Markierung auf der Thermoelementleitung sowie ei-
ner auf dem Versuchsrohr angebrachten Längenskala ermittelt. Die Temperaturen wur-
den im Abstand von 5 mm entlang des Rohres gemessen, wobei jeweils der Mittelwert
aus 20 Einzelmessungen gebildet wurde. Zwischen den Messpunkten wurden entspre-
chende Pausen eingehalten, um sicherzugehen, dass sich das thermische Gleichgewicht
nach Verschieben des Thermoelements wieder einstellt.
Der Temperaturverlauf am Umfang wurde für jedes Versuchsrohr bei sechs unter-
schiedlichen Versuchseinstellungen (drei beim Glattrohr) ermittelt. Zur Einstellung des
Drehwinkels ist am Versuchsrohr eine Markierung sowie am Versuchsbehälter eine
Winkelskala angebracht, Bild 4.2. Die Positionierung der Thermoelemente ist mit ei-
ner Unsicherheit von ±1 mm (horizontal) bzw. ± behaftet. Die Temperaturen am
Umfang wurden in der Mitte des Testrohres (y = 38 mm) im Abstand von 10° bis
20° aufgenommen. Da in jedem Versuchsrohr zwei gegenüberliegende Thermoelemen-
te integriert sind, benötigt man für ein vollständiges Profil nur eine halbe Drehung des
Versuchrohres. Es wurde jeweils der Mittelwert aus 20 Einzelmessungen gebildet.
Die mittlere Umfangstemperatur TmU ist das arithmetische Mittel der Temperaturen
aus den 16 Messpunkten am Umfang. Das Umfangsverlauf lässt sich mit einer Sinus-
kurve der Form
38 4 Versuchsdurchführung und -auswertung
Bild 4.3: Temperaturverlauf am Umfang des Versuchsrohres
TW=A+Bcos(ϕ)(4.1)
beschreiben, wobei die Abweichung zwischen Verlauf und Kurve im unteren Teil des
Rohres aufgrund der Tropfenbildung größer ist als in der oberen Hälfte, Bild 4.3. Der
Winkel des Mittelwerts ist gleich
ϕm=arccosTmU A
B.(4.2)
4.3 Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten
Wärmeübergangskoeffizienten wurden bei Dampftemperaturen von 313 K, 323 K, 333 K
und 353 K bestimmt. Die Temperaturdifferenz zwischen Dampf und Kühlwasser wur-
de dabei am Thermostaten von 5 K bis 40 K variiert, woraus sich Wand-Dampf-Tem-
peraturdifferenzen zwischen 2 K und 25 K ergaben. Zunächst wurde die Anlage auf
die gewünschte Dampftemperatur aufgeheizt. Nach Erreichen des Sollwerts wurde die
4.4 Ermittlung der Messunsicherheit 39
Kondensatstrommessung gestartet. Gleichzeitig wurden die Temperaturen im Abstand
von 60 s aufgenommen. Wenn die Dampftemperatur während einer Messung um mehr
als 1 K schwankte, wurde die Messung als ungültig verworfen, ebenso wenn die Diffe-
renz zwischen Dampf- und Flüssigtemperatur 0,5 K überstieg. Während der Messung
wurde das Kondensatströmungsmuster beobachtet. Das Kondensat strömte entweder in
Tropfen oder als unterbrochene Strahlen vom Rohr ab. Da jedoch die Tropfstellen nicht
stationär waren, sondern im Laufe der Messung am Versuchsrohr entlangwanderten,
wurde keine Korrektur der Messlänge vorgenommen.
Mit Hilfe der ermittelten Temperaturen und des Kondensatstroms wird zunächst der
Wärmestrom ˙
Q,
˙
Q=˙
V·ρ·(hK+cp·(TDTK)) (4.3)
vom Dampf an das Kühlfluid berechnet.
Der Wärmestrom ˙
Qist mit dem Wärmeübergangskoeffizienten αdurch
α=˙
Q
A·T(4.4)
verknüpft, wobei
T=TDTWm .(4.5)
Die mittlere Wandtemperatur TWm ergibt sich aus den aufgenommenen Temperaturver-
läufen am Umfang bzw. in Längsrichtung.
Die Bezugsfläche für den Wärmeübergangskoeffizienten beträgt für das Glattrohr
AGR =π·D0·L=π·0,0184m·0,076m =0,00439m2(4.6)
und für alle strukturierten Rohre
ARx =π·D0·L=π·0,0188m·0,076m =0,00449m2.(4.7)
Der Wärmeübergangskoeffizient bezieht sich damit auf die Fläche des Grundrohrs.
4.4 Ermittlung der Messunsicherheit
Zur Ermittlung des Wärmeübergangskoeffizienten wird eine Vielzahl von Eingangsgrö-
ßen benötigt, deren Werte Unsicherheiten aufweisen, die im Rahmen der Bewertung
40 4 Versuchsdurchführung und -auswertung
der Ergebnisse zu bestimmen sind. In Tab. 4.4 sind die wichtigsten Fehlerquellen auf-
geführt. Ihre Abschätzung erfolgt nach Maßgabe des GUM (Guide to the Expression of
Uncertainty, deutsche Übersetzung [29]). Details zur Bestimmung der einzelnen Mes-
sunsicherheiten finden sich in Anhang D. Danach beträgt die relative Messunsicherheit
für den Wärmestrom 1,5%, für die Wärmeübertragungsfläche 1,5% sowie für die Tem-
peraturdifferenz 8% (bei T= 2 K) bis 0,5% (bei T= 25 K). Diese Angaben sind mit
dem Faktor 2 zu multiplizieren, um ein Vertrauensniveau von 95% zu erhalten.
Bild 4.4: Vertrauensintervall (95%) für den Wärmeübergangskoeffizienten in Abhän-
gigkeit von der Dampf-Wand-Temperaturdifferenz
Entsprechend Gleichung 4.4 ergibt sich für die relative Unsicherheit des Wärmeüber-
gangskoeffizienten bei einer Temperaturdifferenz von 2 K
uα
α=suQ
˙
Q2
+uA
A2+uT
T2=8% .(4.8)
Die relative Unsicherheit nimmt mit der Temperaturdifferenz ab, so dass sich für T=
25 K
4.4 Ermittlung der Messunsicherheit 41
uα
α=suQ
˙
Q2
+uA
A2+uT
T2=2% (4.9)
ergibt. Bei Annahme eines Vertrauensniveaus von 95 % beträgt das Vertrauensintervall
des gemessenen Wärmeübergangskoeffizienten damit 16 % bei der kleinsten und 4 %
bei der größten Temperaturdifferenz.
Bild 4.4 stellt das Vertrauensintervall über der Temperaturdifferenz dar. Es wird deut-
lich, dass bei kleinen Temperaturdifferenzen uTdominiert, bei großen Temperaturdif-
ferenzen dominieren uQund uA.
42 4 Versuchsdurchführung und -auswertung
Tabelle 4.1: Liste aller berücksichtigten Beiträge zur Messunsicherheit
Symbol Bezeichnung (Unsicherheit bei/durch...)
uKW Kalibrierung des Wandthermoelements
... setzt sich zusammen aus
uPt Arbeitsnormal
uEB Verschiebung der Temperatur des Eisbads
uTh Temperaturvarianz im Thermostaten
uMA Messauswertung Netpac
uAAlterung der Thermoelemente
uKD Kalibrierung der anderen Thermoelemente
... setzt sich zusammen aus
uRef Referenzthermoelement
uMA Messauswertung Netpac
uEB Verschiebung der Temperatur des Eisbads
uIso Nichtisothermie in der Versuchsanlage
uAAlterung der Thermoelemente
uTMessung der Temperaturdifferenz zwischen
Dampf und Wand
... setzt sich zusammen aus
uKal Kalibrierung der Thermoelemente
uMA Messauswertung Netpac
uPH Horizontale Positionierung des Wandthermoelements
im Versuchsrohr
uPU Positionierung am Umfang des Wandthermoelements
im Versuchsrohr
uLWärmeleitung in der Kupferwand
4.4 Ermittlung der Messunsicherheit 43
Forts. Tab. 4.1: Liste aller berücksichtigten Beiträge zur Messunsicherheit
Symbol Bezeichnung (Unsicherheit bei/durch...)
uVMessung des Volumenstroms
... setzt sich zusammen aus
uZN Zeitnahme
uVol Ermittlung des Volumens des Messbehälters
uFH Flüssigkeitshaftung an der Wand des Messbehälters
uGA Wärmeausdehnung des Gefäßes
uQBerechnung des Wärmestroms
... setzt sich zusammen aus
uVs.o.
uρStoffdaten: Dichte
uhK Stoffdaten: Kondensationsenthalpie
uKU Kondensatunterkühlung
uABerechnung der Wärmeübertragungsfläche
... setzt sich zusammen aus
uDErmittlung Basisdurchmesser
uLErmittlung Messlänge
: wird durch Korrekturterm berücksichtigt
44 4 Versuchsdurchführung und -auswertung
5 Ergebnisse und Diskussion
5.1 Mittlere Wandtemperatur
Die Wandtemperatur der Versuchsrohre steigt längs des Kühlwasserstromes in Abhän-
gigkeit von der Dampf-Kühlwasser-Temperaturdifferenz um 0,1 bis 0,5 K an. Ermittelt
wurden diese Werte am Glattrohr, sie gelten jedoch für alle MS-Rohre, da bei stei-
gendem Wärmestrom auch der Durchfluss des Kühlwassers angepasst wurde. Die ma-
ximale Temperaturdifferenz zwischen Kühlwasseraustritt und -eintritt betrug für alle
Rohre 1 K. Der Verlauf der Wandtemperatur im Bereich der Messstrecke kann durch
eine Gerade angenähert werden, Bild 5.1, da die Temperaturdifferenz klein ist und die
Messstrecke hinreichend weit vom Kühlwassereintritt in die Versuchskammer entfernt
liegt. Die mittlere Wandtemperatur kann daher in der Mitte der Messstrecke bei y = 38
mm bestimmt werden. Dort wurde das Thermoelement bei allen weiteren Messungen
positioniert.
Bild 5.2 zeigt beispielhaft zwei Verläufe der Temperatur am Umfang für unterschied-
liche Dampf-Kühlwasser-Temperaturdifferenzen. Von diesen Temperaturverläufen wur-
den je sechs pro Mikrostrukturrohr und drei für das Glattrohr aufgenommen, und zwar
bei Dampftemperaturen von 313 K, 333 K und 353 K und Temperaturdifferenzen von
jeweils 10 K und 40 K.
Der experimentell ermittelte Verlauf der Wandtemperatur ist der von Memory und
Rose [30] angenommenen Kosinusfunktion sehr ähnlich, wohingegen die theoretische
Kurve von Bromley et al. [31] deutlich zu niedrige Wandtemperaturen ergibt, Bild 5.3.
Die experimentellen Werte sind im unteren Rohrbereich niedriger als von Memory und
Rose [30] angenommen, weil sich aufgrund der Tropfenbildung der Kondensatfilm dort
verdickt. Tatsächlich treten auf der Rohrunterseite große Schwankungen der Filmdicke
auf, da der Kondensatabfluss durch Tropfenbildung und -ablösung ständig gestört wird.
46 5 Ergebnisse und Diskussion
Die in Bild 5.3 dargestellten experimentellen Werte sind Mittelwerte aus jeweils 20
Messungen.
Das Mittel der Wandtemperatur am Umfang liegt bei fast allen Messreihen unterhalb
der Rohrmittelachse, Bild 5.2. Es wurden Winkel zwischen 89° und 118° ermittelt, Tab.
5.1, wobei kein systematischer Einfluss der Temperaturdifferenz oder der Oberflächen-
struktur festzustellen war. Für die Wärmeübergangsmessungen wurde daher der Mittel-
wert aller Messreihen gewählt, was einem Winkel von ϕm= 98° entspricht. Bromley et
al. [31] hatten durch theoretische Betrachtungen einen Winkel für das Mittel von 110°
erhalten.
Bild 5.1: Typische Verläufe der Rohrwandtemperatur in horizontaler Richtung
5.1 Mittlere Wandtemperatur 47
Bild 5.2: Typische Verläufe der Rohrwandtemperatur in Umfangsrichtung
Bild 5.3: Theoretischer und gemessener Verlauf der Rohrwandtemperatur, experimen-
telle Daten für MS-Rohr 2, TD=353,13 K, T=40 K
48 5 Ergebnisse und Diskussion
Tabelle 5.1: Mittelwertwinkel ϕmfür alle Temperaturverläufe am Umfang
Verlauf Nr. TDTKW TmU ϕm
K K K °
GR-1 323 293 303,7 96
GR-2 323 313 315,9 97
GR-3 313 293 300,9 103
MS1-1 353 313 320,7 92
MS1-2 353 343 345,3 98
MS1-3 333 293 305,8 101
MS1-4 333 323 326,4 93
MS1-5 313 293 301,6 93
MS1-6 313 303 307,6 95
MS2-1 353 313 323,2 95
MS2-2 353 343 345,3
MS2-3 333 293 305,5 95
MS2-4 333 323 325,9 92
MS2-5 313 273 290,7 97
MS2-6 313 303 307,0 115
MS3-1 353 313 323,4 89
MS3-2 353 343 345,4 93
MS3-3 333 293 307,1 95
MS3-4 333 323 327,0 98
MS3-5 313 273 290,7 96
MS3-6 313 303 307,2 97
MS4-1 353 313 322,0 98
MS4-2 353 343 344,6 99
MS4-3 333 293 304,2 105
MS4-4 333 323 325,0 107
MS4-5 313 273 288,3 90
MS4-6 313 303 305,6 118
TD=Dampftemperatur
TKW =Kühlwassertemperatur
TmU =mittlere Temperatur am Umfang
Kein Sinusprofil
5.2 Wärmeübergang am Glattrohr 49
5.2 Wärmeübergang am Glattrohr
Die Bilder 5.4 bis 5.7 zeigen die experimentell ermittelten Wärmeübergangskoeffizien-
ten für das Glattrohr bei unterschiedlichen Dampftemperaturen TD= 313 K, 323 K, 333
K, 353 K im Vergleich zu den nach der Gleichung von Bromley et al. [31]
αGR =0,728
λ3ρ2ghK1+0,4Tcp
hK2
TµD0
1/4
(5.1)
bestimmten theoretischen Werten. Hierbei wird - im Gegensatz zu der Gleichung von
Nusselt [16] - die Unterkühlung des Kondensats berücksichtigt. Die maximale Abwei-
chung der gemessenen von den theoretischen Werten beträgt für alle Dampftempera-
turen 5%. Die Abweichungen liegen innerhalb des Intervalls der geschätzten Messun-
sicherheit (Anhang D), daher ist anzunehmen, dass die wichtigsten Unsicherheitsquel-
len in der Unsicherheitsbetrachtung erfasst wurden und andere Faktoren vernachlässigt
werden können. Die Messungen zeigen auch, dass Inertgase nahezu vollständig aus der
Anlage entfernt werden konnten, da bereits bei kleinen Anteilen nichtkondensierbarer
Bestandteile der Wärmeübergangskoeffizient aufgrund der Akkumulation dieser in der
Nähe der Kühlfläche deutlich absinken würde.
Die nach der Nußeltschen Wasserhauttheorie ermittelte Beziehung für das waage-
rechte Rohr
αU=0,728 λ3ρ2ghK
TµD01/4
(5.2)
kann mit Hilfe der Energiebilanz für das gebildete Kondensat
˙mhK=αTD0πL(5.3)
in eine dimensionslose Form überführt werden,
NuK=1,522 Re1/3
K.(5.4)
Hierbei sind
NuK=αU
λν2
g1/3
(5.5)
50 5 Ergebnisse und Diskussion
Bild 5.4: Vergleich der experimentell ermittelten Wärmeübergangskoeffizienten für das
Glattrohr mit Gl. 5.1, TD= 313,15 K
Bild 5.5: Vergleich der experimentell ermittelten Wärmeübergangskoeffizienten für das
Glattrohr mit Gl. 5.1, TD= 323,15 K
5.2 Wärmeübergang am Glattrohr 51
Bild 5.6: Vergleich der experimentell ermittelten Wärmeübergangskoeffizienten für das
Glattrohr mit Gl. 5.1, TD= 333,15 K
Bild 5.7: Vergleich der experimentell ermittelten Wärmeübergangskoeffizienten für das
Glattrohr mit Gl. 5.1, TD= 353,15 K
52 5 Ergebnisse und Diskussion
Bild 5.8: Kondensat-Nusselt- über Kondensat-Reynolds-Zahl für das Glattrohr, T=
T/TC=0,65 ... 0,74
und
ReK=4Γ
µ(5.6)
die Nußelt-Zahl für die Kondensation bzw. die Kondensat-Reynolds-Zahl. Die Konden-
satunterkühlung wird vernachlässigt, da der Anteil der sensiblen Wärme am gesamten
Wärmestrom nur 1 bis 2 % beträgt. Die experimentellen Daten stimmen gut mit der
Kurve nach Gl. 5.4 überein, Bild 5.8. Die experimentellen Daten lassen sich durch eine
modifizierte Kurve
NuK=1,488 Re1/3
K,(5.7)
am besten wiedergeben. Aus Gl. 5.7 ergibt sich
αGR,f=0,721 λ3ρ2ghK
TµD01/4
(5.8)
als angepasste Gleichung für das Glattrohr.
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren 53
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren
5.3.1 Mikrostruktur-Rohr 1
Das erste untersuchte Rohr hat eine hohe SE-Dichte (1,3·1010 SE/m2) bei relativ nied-
riger SE-Höhe (50 µm), s. auch Tab. 3.1. Bild 5.9 stellt den Intensivierungsfaktor dar,
der die Erhöhung des Wärmeübergangs im Vergleich zu einer glatten Oberfläche angibt.
Für Rohr 1 lässt sich keine signifikante Erhöhung feststellen, die ermittelten Werte lie-
gen zwischen 0,92 und 1,11 und damit innerhalb der Messunsicherheit. Für niedrige
Temperaturdifferenzen zeigt sich jedoch eine leichte Tendenz hin zu größeren Wärme-
übergangskoeffizienten, die durch die Messungen an anderen Rohren sowie die theore-
tischen Betrachtungen bestätigt wird. Der größte ermittelte Wärmeübergangskoeffizient
für Rohr 1 betrug 2950 W/(m2K)bei einer Temperaturdifferenz von 1,4 K.
Bild 5.9: Intensivierungsfaktor für Mikrostruktur-Rohr 1
54 5 Ergebnisse und Diskussion
5.3.2 Mikrostruktur-Rohr 2
Mikrostruktur-Rohr 2 unterscheidet sich von Rohr 1 durch die geringere Dichte der
aufgetragenen Strukturelemente (5 ·108SE/m2), wobei deren Höhe (50 µm) gleich
ist. Trotz dadurch bedingter geringerer Oberfläche wurden bei dieser Struktur deutlich
höhere Wärmeübergangskoeffizienten ermittelt, Bild 5.10. Der Intensivierungsfaktor
beträgt 1,32 bis 1,35 bei der jeweils niedrigsten Temperaturdifferenz. Er nimmt mit
steigender Temperaturdifferenz ab, so dass bei einer Temperaturdifferenz von ungefähr
15 K der Wärmeübergangskoeffizient des MS-Rohrs 2 gleich dem des Glattrohrs ist.
Der Intensivierungsfaktor nimmt mit steigender Dampftemperatur geringfügig zu. Im
Nu-Re-Diagramm, Bild 5.11, sind die Werte daher deutlich breiter gestreut als beim
Glattrohr. Die Nusselt-Zahl für Rohr 2 steigt zu kleineren Temperaturdifferenzen hin
steiler an als beim Glattrohr.
Bild 5.10: Intensivierungsfaktor für Mikrostruktur-Rohr 2
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren 55
Bild 5.11: Kondensat-Nusselt-Zahl über Kondensat-Reynolds-Zahl für Mikrostruktur-
Rohr 2
5.3.3 Mikrostruktur-Rohr 3
Mikrostruktur-Rohr 3 zeichnet sich durch eine geringe SE-Dichte (5·108SE/m2, wie
Rohr 2) bei einer SE-Höhe von 80 µm aus, s. auch Tab. 3.1. Bei dieser Struktur wurden
die höchsten Intensivierungsfaktoren aller Rohre erzielt. Sie liegen zwischen 1,19 und
2,46, Bild 5.12. Der höchste Wärmeübergangskoeffizient von 7100 W/(m2K)wurde
bei der niedrigsten Temperaturdifferenz gemessen. Rohr 3 ist jedoch auch bei Tempe-
raturdifferenzen von 20 K noch 20% effektiver als ein Glattrohr.
Bei Temperaturdifferenzen <5 K ist der Intensivierungsfaktor größer als der Oberflä-
chenfaktor (1,8, Tab. 3.1), was darauf hindeutet, dass hier die Strukturelementflächen
für den Wärmeübergang dominierend sind. Für eine treibende Temperaturdifferenz von
ca. 5 K sind Oberflächenfaktor und Intensivierungsfaktor gleich. Der Intensivierungs-
faktor nimmt mit steigender Dampftemperatur zu, ebenso wie die Nusselt-Zahl, Bild
5.13. Bei gleicher Reynolds-Zahl ergibt sich hier für die höchste Dampftemperatur auch
die größte Nußelt-Zahl.
56 5 Ergebnisse und Diskussion
Bild 5.12: Intensivierungsfaktor für Mikrostruktur-Rohr 3
Bild 5.13: Kondensat-Nusselt-Zahl über Kondensat-Reynolds-Zahl für Mikrostruktur-
Rohr 3
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren 57
5.3.4 Mikrostruktur-Rohr 4
Da durch die Vergrößerung der SE-Höhe bei Mikrostruktur-Rohr 3 der Wärmeübergang
deutlich verbessert werden konnte, wurde diese Höhe bei MS-Rohr 4 beibehalten und
nur die SE-Dichte variiert. Es wurde eine SE-Dichte bei Rohr 4 von 5·109SE/m2ge-
wählt, was einem Oberflächenfaktor von 8 entspricht. Trotz dieser größeren Oberfläche
im Vergleich zu Rohr 3 wurde jedoch keine Verbesserung des Wärmeübergangs fest-
gestellt. Bei Temperaturdifferenzen zwischen 5 und 20 K ist der Intensivierungsfaktor
sogar <1, Bild 5.14, d.h. der Wärmeübergangskoeffizient ist kleiner als beim Glattrohr.
Die SE-Dichte hat also im untersuchten Bereich einen negativen Einfluss auf den Wär-
meübergang, da trotz steigendem Oberflächenfaktor der Wärmeübergangskoeffizient
abnimmt. Wahrscheinlich ist, dass die ungeordneten Strukturelemente den Kondensa-
tabfluss behindern, was zu erhöhtem Reibungsdruckverlust und damit einem Anwach-
sen der Kondensatfilmdicke führt. Da der Wärmeübergangskoeffizient mit steigender
Kondensatfilmdicke abnimmt, ist αbei Rohr 4 z.T. kleiner ist als beim Glattrohr.
Bild 5.14: Intensivierungsfaktor für Mikrostruktur-Rohr 4
58 5 Ergebnisse und Diskussion
5.3.5 Diskussion
Einen Vergleich aller Mikrostrukturrohre bei einer Dampftemperatur von 333,15 K
zeigt Bild 5.15. Den höchsten Intensivierungsfaktor weist MS-Rohr 3 auf. Der Wär-
meübergangskoeffizient ist bei einer Temperaturdifferenz zwischen Dampf und Wand
von 2 K ungefähr doppelt so groß wie beim Glattrohr bei derselben Temperaturdiffe-
renz. Der Intensivierungsfaktor nimmt jedoch ebenso wie der Wärmeübergangskoef-
fizient bei allen Rohren mit zunehmender Temperaturdifferenz schnell ab. Das Rohr
2 weist einen um maximal 32% verbesserten Wärmeübergang auf und ist damit deut-
lich weniger leistungsfähig als Rohr 3. Ab einer Temperaturdifferenz von 15 K ist keine
Verbesserung des Wärmeübergangs im Vergleich zum Glattrohr mehr festzustellen. Bei
MS-Rohr 1 und 4 tritt keine signifikante Verbesserung des Wärmeübergangs auf. Für
die anderen untersuchten Dampftemperaturen ergeben sich im Vergleich ähnliche In-
tensivierungsfaktoren wie in Bild 5.15, auf eine Darstellung wird daher verzichtet. Die
Intensivierungsfaktoren der einzelnen Rohre werden mit steigender Dampftemperatur
etwas größer (Tkonstant).
Bild 5.15: Vergleich der Intensivierungsfaktoren aller untersuchten Mikrostruktur-
Rohre, TD=333,15 K
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren 59
Trotz der nominell neunfach bzw. achtfach größeren Oberfläche (s. auch Tab. 3.1) der
Mikrostruktur 1 bzw. 4 wurde bei diesen Mikrostrukturen keine Verbesserung des Wär-
meübergangskoeffizienten festgestellt. Die Messergebnisse deuten im Gegenteil darauf
hin, dass durch die hohe SE-Dichte der Ablauf des Kondensatfilms behindert wird,
da der Intensivierungsfaktor z.T. kleiner als 1 ist. Die hohe SE-Dichte sowie die un-
regelmäßige Anordnung der Strukturelemente bewirken offensichtlich einen zusätzli-
chen Reibungsdruckabfall im Kondensatfilm und damit eine Verringerung der Fließge-
schwindigkeit. Diese bedingt weiterhin eine Zunahme der Kondensatfilmdicke entspre-
chend der Beziehung
δ=˙mK
ρuL (5.9)
bei gleichem Massenstrom, wodurch der Intensivierungsfaktor sogar kleiner als 1 wer-
den kann, der Wärmeübergangskoeffizient also kleiner als der des Glattrohrs ist. Ähnli-
che Beobachtungen zur Kondensatfilmdicke wurden auch von Lilienblum [22] für raue
Oberflächen beschrieben.
Bild 5.16: Kondensatfilmdicken am Glattrohr für R141b, TD=333,15 K
Die Mikrostrukturen 2 und 3 weisen eine deutlich geringere SE-Dichte auf als die
beiden vorher genannten Mikrostrukturen. Dadurch kann das Kondensat besser abflie-
60 5 Ergebnisse und Diskussion
ßen und der Reibungsdruckabfall entspricht ungefähr dem bei einem glatten Rohr. Der
Intensivierungsfaktor von Rohr 2 ist größer als 1, jedoch kleiner als der Oberflächenfak-
tor, der das Verhältnis von Mikrostruktur- zu glatter Oberfläche angibt. Die Erklärung
dafür ergibt sich beim Betrachten der Kondensatfilmdicke an einem Glattrohr, wie sie
bereits von Nusselt theoretisch ermittelt wurde.
Bild 5.17: Kondensatfilm bei kleinem und großem T, Fluten der Struktur
Bild 5.16 zeigt, dass der Kondensatfilm an einem Glattrohr der gegebenen Größe ab-
hängig von der Temperaturdifferenz und dem Umfangswinkel 30 bis >100 µm dick ist,
was in der Größenordnung der Höhe der SE-Elemente entspricht. Bei großen Tempe-
raturdifferenzen oder niedrigen SE-Höhen ragt somit nur der obere Teil der Struktur-
elemente aus dem abfließenden Kondensatfilm heraus, auf der Unterseite des Rohres
sind die Strukturen z.T. vollständig vom Kondensatfilm überspült (geflutet), Bild 5.17.1
Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zu Makrorippen, bei denen die Dicke des
Kondensatfilms im Verhältnis zur Rippenhöhe vernachlässigbar ist.
Der von dem abfließenden Kondensatfilm bedeckte Teil der Strukturelemente trägt
kaum zum Wärmeübergang bei, daher ist die effektive (für den Wärmeübergang wirk-
1Zur Erläuterung: Auch der obere Teil der nicht gefluteten Strukturelemente ist von einem Kondensat-
film überzogen, der jedoch aufgrund der Wirkung der Oberflächenspannungskräfte sehr dünn ist. Im
Gegensatz dazu ist der abfließende Kondensatfilm dicker als 10 µm und bedeckt damit den unteren
Teil der Strukturelemente.
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren 61
same) Oberfläche deutlich kleiner als die tatsächliche. Wie die Experimente zeigen,
bewirkt eine Vergrößerung der Oberfläche nicht unbedingt eine Verbesserung des Wär-
meübergangs. Sinnvoller ist daher die Angabe eines „effektiven Oberflächenfaktors“
Oef =Ae f
A0(5.10)
der das Verhältnis aus effektiver Oberfläche
Aef =A0·[1+((eδ)·πd·ρSE)] (5.11)
zur Fläche des Grundrohrs darstellt.
Bild 5.18: Vergleich effektiver Oberflächenfaktor und Intensivierungsfaktor für Rohr 2
bei TD=333,15 K
Der effektive Oberflächenfaktor ist abhängig von der Dicke des Kondensatfilms δ,
die sich unter Vernachlässigung der Reibungskräfte durch die Strukturelemente aus dem
experimentell ermittelten Massenstrom berechnen lässt. Bilder 5.18 und 5.20 zeigen
den aus der effektiven Oberfläche ermittelten Oberflächenfaktor im Vergleich zum In-
tensivierungsfaktor I. Der Oberflächenfaktor ist bei beiden Rohren kleiner oder gleich
dem Intensivierungsfaktor, was auf das Wirken von Oberflächenspannungskräften hin-
deutet. Der Unterschied verringert sich mit steigender Temperaturdifferenz, weil die
62 5 Ergebnisse und Diskussion
Strukturen durch die steigende Kondensatfilmdicke unwirksam werden und auch die
Kapillarkräfte, die ja von der Krümmung der Oberfläche abhängig sind, abnehmen. Bei
einer Temperaturdifferenz von 15 K beträgt die mittlere Kondensatfilmdicke 50 µm,
was der Höhe der Mikrostruktur 2 entspricht. Die Struktur ist auf dem größten Teil
der Rohroberfläche geflutet. Vollständig geflutet ist sie jedoch erst ab einer mittleren
Kondensatfilmdicke von 64 µm, weshalb sowohl der Oberflächenfaktor als auch der
Intensivierungsfaktor an dieser Stelle 1 betragen, Bild 5.18.
Bild 5.19: Mittlere Kondensatfilmdicke am Versuchsrohr 3
Im Gegensatz zu Struktur 2 bleibt Struktur 3 auch bei größeren Temperaturdifferen-
zen wirksam, da die Höhe der Strukturelemente größer als die mittlere Kondensatfilm-
dicke ist. Bei einer Temperaturdifferenz von 26 K beträgt diese 68 µm (bei vernachläs-
sigbarem Reibungswiderstand an den SE), Bild 5.19.
Aufgrund der geringen Dicke der Kondensatschicht auf den SE-Spitzen sowie von
Kapillareffekten ist der Intensivierungsfaktor deutlich größer als das Oberflächenver-
hältnis, Bild 5.20. Daher wurden bei Struktur 3 die höchsten Wärmeübergangskoeffizi-
enten ermittelt.
5.3 Wärmeübergang an Mikrostruktur-Rohren 63
Bild 5.20: Vergleich effektiver Oberflächenfaktor und Intensivierungsfaktor für Rohr 3
bei TD=333,15 K
Im Vergleich mit den in Kapitel 2 beschriebenen Integralrippenrohren liegen die bis-
her erzielten Intensivierungsfaktoren für die untersuchten Mikrostrukturrohre im mitt-
leren Bereich. Einige Autoren [2, 5, 12] berichten über deutlich größere Intensivie-
rungsfaktoren. Die Experimente zeigen, dass das größte Problem bei Verwendung der
Mikrostrukturen das Fluten der Strukturelemente ist. Dieser Effekt kann zum einen bei
geringen SE-Höhen auftreten, wie bei Versuchsrohr 2 beobachtet. Weiterhin tritt Fluten
auch bei hohen SE-Dichten auf, weil der Reibungswiderstand und damit die Konden-
satfilmdicke erhöht werden. Daher wurde der beste Wärmeübergang bei einer Struktur
mit niedriger SE-Dichte, aber großer SE-Höhe nachgewiesen. Es ist anzunehmen, dass
durch höhere Strukturelemente der Wärmeübergang noch verbessert werden kann. Wei-
tere experimentelle Untersuchungen in dieser Richtung waren jedoch nicht möglich, da
aus fertigungstechnischen Gründen die maximale Strukturhöhe zur Zeit 80 µm beträgt.
64 5 Ergebnisse und Diskussion
6 Modellierung des Wärmeübergangs
Die Experimente zeigen, dass einige der untersuchten Mikrostrukturen den Konden-
satablauf und damit den Wärmeübergang verbesserten. Es wurde jedoch auch deut-
lich, dass eine weitere Optimierung der geometrischen Parameter notwendig ist, um
noch höhere Wärmeübergangskoeffizienten zu erreichen und mit bereits auf dem Markt
erhältlichen Hochleistungsrippenrohren konkurrieren zu können. Die theoretische Be-
trachtung der Kondensation an Mikrostiftrippen ermöglicht das Verständnis der bei der
Kondensation wirksamen physikalischen Effekte und ihrer Bedeutung und gibt somit
Hinweise, wie eine weitere Optimierung erfolgen kann. Dadurch kann der zukünftige
experimentelle Aufwand reduziert und die weitere Entwicklung beschleunigt werden.
In den folgenden Abschnitten wird daher ein Modell entwickelt, mit dem der Wärme-
übergang an Mikrostiftrippen beschrieben werden kann. Als Ausgangspunkt bietet sich
das Modell von Webb et al. [2, 3] bzw. Rudy und Webb [1] an, da im Gegensatz zum
Modell von Honda und Nozu [5] die Lösung hier analytisch erfolgt.
6.1 Theoretische Modelle
6.1.1 Grundmodell
Die theoretischen Grundlagen der Modelle von Webb et al. [2, 3] bzw. Rudy und Webb
[1] wurden bereits in Kapitel 2 beschrieben, daher sollen an dieser Stelle weniger die
physikalischen Effekte als der Berechnungsweg dargestellt werden. Da die Modelle
speziell für Integralrippen entwickelt wurden, mussten bereits für das Grundmodell
einige Anpassungen vorgenommen werden, z.B. indem geometrische Parameter wie
der Rippenabstand neu definiert wurden.
66 6 Modellierung des Wärmeübergangs
Bild 6.1: Berechnungsschema für das Grundmodell
Die Gleichung für den Wärmeübergangskoeffizienten bezogen auf die Grundfläche
des Rohres A0lautet
α=˙
Q
A0·T=ηRαR
AR
A0+αU
AU
A0.(6.1)
Der Rippenwirkungsgrad ist bei den untersuchten Mikrostrukturen zu beachten. Er
wird mit Hilfe einer vereinfachten Lösung der Wärmeleitungsgleichung berechnet:
ηR=tanh(m·e)
m·e(6.2)
wobei
m=r4αR
λCu d(6.3)
6.1 Theoretische Modelle 67
mit λCu als der Wärmeleitfähigkeit der Kupferrippe, dals dem Durchmesser der Struk-
turelemente und eals der SE-Höhe. Da ηRnur von der Geometrie des Strukturelements
sowie dem Wärmeübergangskoeffizienten abhängt, kann er nach Bestimmung von αR
direkt berechnet werden.
Der Wärmeübergangskoeffizient an den Rippenflanken αRberechnet sich nach Webb
et al. [3] zu
αR=0,943 λ3ρhK
µT1/4
·2σ
e21
tR+1
b1/4
.(6.4)
Die geometrischen Größen wurden für das Modell angepasst, indem die Rippendicke
tRdurch den Durchmesser dder Strukturelemente und der mittlere Abstand zwischen
den Rippen bdurch
b=s1
ρSE ·sin(π/3)(6.5)
ersetzt wurden.
Die Berechnung von αUerfolgt entsprechend der Methode von Webb et al. [2] itera-
tiv, wobei
αU=1,514µ2
λ3ρ2g·Re1/3
(6.6)
und
Re =4 ˙mK
µL.(6.7)
Zunächst wird der Kondensatmassenstrom an den Rippenflanken ˙mK,Rberechnet und
dieser in Gl. 6.7 eingesetzt. Aus Gl. 6.6 erhält man daraufhin den Wärmeübergangsko-
effizienten am Umfang des Rohres und mit diesem den Kondensatmassenstrom, der
sich am Umfang des Rohres bildet, durch
˙mK,U=αUAUT
hK.(6.8)
Der gesamte Kondenatmassenstrom ergibt sich aus
˙mK=˙mK,U+˙mK,R(6.9)
68 6 Modellierung des Wärmeübergangs
wobei der zweite Term meistens überwiegt. Mit dem neu ermittelten Gesamtmassen-
strom ˙mKwird die Berechnung wiederholt, bis ˙mKkonvergiert. Den genauen Berech-
nungsweg zeigt das Berechnungsschema in Bild 6.1.
Das hier beschriebene Grundmodell nach Webb et al. [2] berücksichtigt die Oberflä-
chenspannungskräfte, die sich durch die Krümmung des Kondensatfilms bilden, sowie
die Ableitung des von den Rippen abfließenden Kondensats am Rohrumfang. Es be-
rücksichtigt nicht die Kondensatretention, wie sie auch von Integralrippenrohren her
bekannt ist. Ein Grund dafür ist die fehlende Kräftebilanz für den Kondensatfilm bei
der besonderen Geometrie der untersuchten Mikrostrukturen. Der Flutungswinkel wird
daher gleich Null gesetzt, weshalb sich Gl. 2.10 zu Gl. 6.1 vereinfacht. Das Modell ist
daher nur auf Mikrostrukturen mit niedrigen SE-Dichten (MS 2 und 3) anwendbar.
6.1.2 δ-Modell
Das zuvor beschriebene Grundmodell wird erweitert, indem die Dicke des Konden-
satfilms für den Wärmeübergang an den Rippenflanken berücksichtigt wird. Die Kon-
densatfilmdicke an einer bestimmten Stelle am Umfang des Rohres lässt sich aus dem
Kondensatmassenstrom an dieser Stelle durch
δ=˙mK·3µ
ρ2·g·L·sinϕ1/3
(6.10)
berechnen. Für das Glattrohr gilt nach Nusselt
δGR =ψ·3·µ·λ·T·DGR
2·hK·ρ2·g1/4
(6.11)
wobei
ψ=1
sin4/3ϕ4
3Zsin1/3ϕdϕ1/4
(6.12)
eine nur numerisch darstellbare Funktion ist.
Bereits in Bild 5.16 wurde gezeigt, dass beim Glattrohr die Filmdicke je nach trei-
bender Temperaturdifferenz zwischen 30 und 100 µm beträgt. Da die untersuchten Mi-
krostrukturen 50 bis 80 µm hoch sind, ist der untere Teil der Strukturelemente immer in
den abfließenden Kondensatfilm eingetaucht. Bei großen Temperaturdifferenzen kann
die Dicke des abfließenden Kondensatfilms die Höhe der Strukturelemente sogar über-
steigen, d.h. die Strukturelemente sind geflutet. Weil der untere eingetauchte Teil der
6.1 Theoretische Modelle 69
Bild 6.2: Berechnungsschema für δ-Modell
70 6 Modellierung des Wärmeübergangs
SE kaum zum Wärmeübergang beiträgt, wird die Höhe des oberen, aus dem abfließen-
den Kondensatfilm herausragenden Teils der SE, als effektive Höhe eef definiert. Da
eef abhängig vom Kondensatmassenstrom ist, muss sie iterativ ermittelt werden. Das
Berechnungsschema, Bild 6.2, zeigt die Reihenfolge der dazu notwendigen Rechen-
schritte.
Die Kondensatfilmdicke und somit die effektive Strukturelement-Höhe variieren über
den Umfang des Rohres, weil der Kondensatmassenstrom zunimmt. Daher muss die Be-
rechnung segmentweise durchgeführt werden. Für unsere Modellrechnung wurde das
Rohr in acht gleich große Segmente eingeteilt; die Rippenfläche und Grundrohrfläche
müssen dementsprechend anteilig berechnet werden. Die Ermittlung von αR,ηRund
˙mK,Rerfolgt wie im Grundmodell beschrieben, jedoch wird statt der tatsächlichen SE-
Höhe edie effektive SE-Höhe eef verwandt. Der Kondensatmassenstrom am Umfang
wird entsprechend Gleichung 6.6 berechnet. Da αUjedoch nur für einen Teil des Rohres
ermittelt wird, muss Gleichung 6.6 entsprechend modifiziert werden, also
αU=Xµ2
λ3ρ2g·Re1/3
(6.13)
mit
X=1,1006·1
dϕZϕe
ϕa
1
ψdϕ4/3
.(6.14)
Hierbei sind ϕaund ϕeder Anfangs- bzw. Endwinkel des Segments. Zur Erläuterung
von X bzw. ψs. Gl. 6.12 bzw. Nusselt [16].
Der gesamte Kondensatmassenstrom im Segment i ergibt sich aus dem Massenstrom
des vorhergehenden Segments und den Massenströmen von den Rippenflanken bzw.
vom Rohrumfang:
˙mi
K=˙mi1
K+˙mi
K,R+˙mi
K,U.(6.15)
Aus dem Kondensatmassenstrom kann schließlich die Kondensatfilmdicke für das
entsprechende Segment ebenfalls nach Nusselt [16] durch
δ(ϕm) = Rϕm
01
ψdϕ
Rϕe
01
ψdϕ!1/3
·˙mK(ϕe)·3µ
ρ2gLsinϕ1/3
(6.16)
6.1 Theoretische Modelle 71
Bild 6.3: Horizontale Unterteilung der Strukturelemente im r-Modell
ermittelt werden, wobei ˙mKder Kondensatmassenstrom beim Winkel ϕe, also am Ende
des Segments ist, während die Kondensatfilmdicke für die Mitte des Segments bestimmt
wird. Schließlich ergibt
eef =eδ(6.17)
die effektive Strukturelementhöhe. Stimmt die berechnete effektive SE-Höhe nicht mit
der zu Beginn der Rechnung angenommenen überein, muss mit einer neuen Annahme
für eef die Rechnung wiederholt werden.
6.1.3 r-Modell
Das vorhergehende Modell teilt die Strukturelemente vertikal in zwei Zonen ein. Im
oberen Teil der Strukturelemente ist der Wärmeübergang aufgrund der hervorragenden
Kondensatdrainage sehr gut, im unteren Teil ist er wegen der Bedeckung durch den ab-
fließenden Kondensatfilm schlecht. Die Oberfläche des abfließenden Kondensatfilms ist
aufgrund der Kapillarwirkung zwischen den Strukturelementen aber gekrümmt, wes-
halb eine weitere Zone berücksichtigt werden muss, in der die Kondensatfilmdicke ent-
sprechend des Krümmungsradius der Oberfläche ansteigt, Bild 6.3 Zone II.
Während der Wärmeübergang im unteren Bereich (Zone III) vernachlässigt wird,
muss für Zone II ein reduzierter Wärmeübergangskoeffizient entsprechend der anstei-
genden Kondensatfilmdicke berücksichtigt werden. Außerdem muss die effektive Höhe
der Strukturelemente korrigiert werden. Während eef im δ-Modell durch eδgegeben
72 6 Modellierung des Wärmeübergangs
Bild 6.4: Bestimmung der Höhe der Zone II für das r-Modell
war, verkleinert sich eef im r-Modell um die Länge l, Bild 6.4. Sie gibt den Abstand
des Krümmungmittelpunkts von der Linie der mittleren Kondensatfilmdicke δan. Für
Zone I gilt also statt Gl. 6.17
eef =eδl(6.18)
wobei die Länge lgeometrisch über den Krümmungsdurchmesser rsowie den Winkel
βzu ermitteln ist, der angibt, wie tief der Krümmungshalbkreis unterhalb der Linie der
mittleren Kondensatfilmdicke δliegt. Dabei wird von einem konstanten Kondensat-
strom ausgegangen. βund damit lsind über einen Vergleich der Flächen bzw. Volumi-
na AAund ABüber- und unterhalb dieser Linie zu bestimmen. Für die Mikrostrukturen
wurde der Flächenvergleich gewählt, wobei als Krümmungsradius der halbe mittlere
Abstand der Strukturelemente b/2=rgewählt wurde. Aus
AA=AB
r2(βcosβsinβ) = r2(2cosβ1/2π+βcosβsinβ)
cosβ=1/4π(6.19)
ergibt sich β= 38°. Der Winkel βist für alle SE-Dichten somit gleich, die Höhe list
nur vom Abstand der Strukturelemente b=2rabhängig. Der Krümmungsradius beträgt
für Mikrostrukturen 2 und 3 24 µm, für Mikrostruktur 4 7,5µm und für Mikrostruktur
1 4,5µm.
6.1 Theoretische Modelle 73
Bild 6.5: Berechnungsschema für das r-Modell
74 6 Modellierung des Wärmeübergangs
Daraus ergibt sich
l=r·cosβ=19 µm für MS 2 und 3,
l=r·cosβ=6µm für MS 4 und
l=r·cosβ=3,5µm für MS 1.
Für Zone II kann ein mittlerer Wärmeübergangskoeffizient bestimmt werden, da der
Verlauf der Kondensatfilmdicke bei gegebenem Krümmungsradius bekannt ist. Das Be-
rechnungsschema für das r-Modell ist in Bild 6.5 gezeigt.
6.2 Vergleich experimenteller und theoretischer Werte 75
6.2 Vergleich experimenteller und theoretischer Werte
Mit den oben dargestellten Modellen wurden für die untersuchten Mikrostrukturen
Wärmeübergangskoeffizienten für das Kältemittel R141b berechnet. Es wurden die
Stoffwerte für eine Dampftemperatur von 333,15 K verwendet, die Oberflächenspan-
nung bei dieser Temperatur beträgt σ=0,014 N/m. Die Wärmeübergangskoeffizienten
beziehen sich auf die Grundrohrfläche. Zunächst werden die Ergebnisse für Mikrostruk-
turen mit niedrigen SE-Dichten vorgestellt (MS-Rohr 2 und MS-Rohr 3).
Wie erwartet liefert das Grundmodell viel zu hohe Wärmeübergangskoeffizienten,
Bilder 6.6 und 6.7. Diese sind auf die starken Oberflächenspannungskräfte sowie die zu
groß geschätzte SE-Oberfläche zurückzuführen. Die experimentell ermittelten Wärme-
übergangskoeffizienten werden bis zu 30fach überschätzt.
Bei Berücksichtigung der Dicke des ablaufenden Kondensatfilms am Umfang des
Rohres, wie im δ-Modell geschehen, ergeben sich deutlich niedrigere Wärmeüber-
gangskoeffizienten als beim Grundmodell, Bild 6.8 und 6.9. Die Abweichungen zwi-
schen theoretischen und experimentell bestimmten Werten nehmen mit steigender Tem-
peraturdifferenz ab. Für Mikrostruktur 2 sind bei kleinen Temperaturdifferenzen die
vorhergesagten Werte 50 bis 100 % größer als die experimentellen, ab einer Tempera-
turdifferenz von 20 K sind die vorhergesagten Werte ca. 10 % kleiner. Für Mikrostruk-
tur 3 sind die theoretischen Werte um den Faktor 4 für kleine und Faktor 2 für große
Temperaturdifferenzen größer als die experimentellen Werte.
Das r-Modell schließlich ergibt die beste Übereinstimmung mit den experimentellen
Daten. Für Mikrostruktur 2 ergeben sich für alle Temperaturdifferenzen bis zu 20 %
niedrigere Wärmeübergangskoeffizienten, Bild 6.8. Für Mikrostruktur 3 ergeben sich
bei kleinen Temperaturdifferenzen bis 10 K 50 bis 130 % höhere Wärmeübergangsko-
effizienten, bei größeren Temperaturdifferenzen betrug der Unterschied nur noch 20 %,
Bild 6.9. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass Zone I mit einer Fläche von max.
6 % der gesamten Rippenfläche sehr klein im Vergleich zu Zone II und Zone III ist.
Dennoch beträgt der Beitrag dieser Zone zum gesamten Wärmeübergangskoeffizienten
bis zu 76 %, Bild 6.10.
76 6 Modellierung des Wärmeübergangs
Bild 6.6: Wärmeübergangskoeffizienten der drei Modelle für Mikrostruktur 2, TD=
333,15 K
Bild 6.7: Wärmeübergangskoeffizienten der drei Modelle für MS 3, TD=333,15 K
6.2 Vergleich experimenteller und theoretischer Werte 77
Bild 6.8: Verhältnis von theoretisch zu experimentell ermittelten Wärmeübergangsko-
effizienten für Mikrostruktur 2
Bild 6.9: Verhältnis von theoretisch zu experimentell ermittelten Wärmeübergangsko-
effizienten für Mikrostruktur 3
78 6 Modellierung des Wärmeübergangs
Bild 6.10: Zoneneinteilung und Beitrag zum gesamten Wärmeübergang für Mi-
krostrukturen 2 und 3 (Beispielwerte)
In Bild 6.11 und 6.12 sind die Ergebnisse für MS-Rohr 1 und 4 dargestellt. Wie
bereits im vorigen Kapitel angedeutet, liefern die Modelle für Strukturen mit hohen
SE-Dichten schlechtere Ergebnisse, da die Oberflächenspannung hier den Ablauf des
Kondensatfilms behindert, was im Modell nicht berücksichtigt wird. Die Wärmeüber-
gangskoeffizienten für die Rohre 1 und 4 werden insbesondere bei kleinen Tempera-
turdifferenzen deutlich überschätzt (bis zu 10 fach beim δ-Modell und bis zu 8fach
beim r-Modell). Bei höheren Temperaturdifferenzen gibt das r-Modell die Werte für
MS-Rohr 1 ungefähr wieder. Das liegt jedoch daran, dass der Wärmeübergang in Zone
III bei diesen Bedingungen überwiegt und die Mikrostrukturen damit keinen großen
Einfluss auf den Wärmeübergang haben.
Die Ergebnisse der Modellierung zeigen, dass die bei der Kondensation an Mikrostruk-
turen auftretenden Besonderheiten in den bislang vorhandenen Modellen, die für her-
kömmliche Integralrippen entwickelt wurden, nicht erfasst sind und diese daher nicht
auf Mikrostrukturen anwendbar sind. Durch die Berücksichtigung der Kondensatfilm-
dicke für die effektive Strukturelement-Höhe sowie des reduzierten Wärmeübergangs in
der Übergangszone (II) zwischen Rippenflanke und abfließendem Kondensatfilm kön-
nen die experimentellen Ergebnisse jedoch gut nachgebildet werden. Größere Abwei-
chungen zwischen Modell und Experiment ergaben sich allerdings für die Mikrostruk-
tur 3 bei kleinen Temperaturdifferenzen zwischen 2 und 10 K. In diesem Bereich ist der
Flächenanteil der Zone 1 besonders groß, was darauf schließen lässt, dass die Wärme-
übergangskoeffizienten in Zone 1 deutlich überschätzt werden. Tatsächlich werden hier
6.2 Vergleich experimenteller und theoretischer Werte 79
aufgrund der geringen Ablaufhöhe des Films (wenige Mikrometer) und der dadurch be-
dingten geringen Filmdicken Wärmeübergangskoeffizienten im Bereich 105ermittelt,
wie sie sonst nur bei der Tropfenkondensation anzutreffen sind.
Wie am Beispiel von Mikrostrukturen 1 und 4 gezeigt, gelten die Modelle nur für
Strukturen mit niedrigen SE-Dichten, bei denen der Strömungswiderstand durch die
Strukturelemente vernachlässigt werden kann.
80 6 Modellierung des Wärmeübergangs
Bild 6.11: Verhältnis von theoretisch zu experimentell ermittelten Wärmeübergangsko-
effizienten für Mikrostruktur 1
Bild 6.12: Verhältnis von theoretisch zu experimentell ermittelten Wärmeübergangsko-
effizienten für Mikrostruktur 4
7 Zusammenfassung
Zur Intensivierung des Wärmeübergangs in Kondensatoren werden häufig Rohre ver-
wandt, die auf der Außenseite mit Oberflächenstrukturen versehen sind. Neben Inte-
gralrippen als der häufigsten Form kommen zunehmend auch andere Oberflächen zum
Einsatz, deren Herstellung zwar aufwändiger ist, die aber höhere Wärmeübergangsko-
effizienten aufweisen und damit die Effizienz der Kondensatoren verbessern können.
In der vorliegenden Arbeit wird die Kondensation an Rohren untersucht, die auf der
Außenseite sog. Mikrostrukturen tragen. Diese sind zylinderförmige aufrecht stehende
Kupferstifte mit einer maximalen Höhe von 80 µm und einem Durchmesser von bis zu
20 µm, die unregelmäßig auf der Grundfläche, einem Kupferrohr, angeordnet sind. Die
Strukturelemente werden durch galvanische Ablagerung von Kupfer in einer Polymer-
matrix generiert. Bei diesem Prozess lassen sich die Abmessungen sowie die Dichte der
Strukturelemente über die Prozessbedingungen sehr genau steuern.
Die Messung des kondensationsseitigen Wärmeübergangskoeffizienten bei vier un-
terschiedlichen Mikrostrukturrohren belegt, dass durch die Mikrostruktur der Wärme-
übergang intensiviert wird, d.h. der Wärmeübergangskoeffizient bezogen auf dieselbe
Grundfläche größer ist als beim Glattrohr. Es wurden Intensivierungsfaktoren (Verhält-
nis von Wärmeübergangskoeffizient am Mikrostruktur-Rohr zu Wärmeübergangsko-
effizient am Glattrohr) bis 2,46 gemessen. Von den vier untersuchten Rohren weist
jedoch nur eines diese Effizienzsteigerung auf, die anderen liegen deutlich darunter
(Intensivierungsfaktor max. 1,35). Das zeigt, dass die geometrischen Abmessungen der
Mikrostrukturen einen starken Einfluss auf deren Effektivität haben.
Am effizientesten war eine Mikrostruktur, deren Höhe 80 µm bei einem Durchmes-
ser der Strukturelemente von 6,5 µm und einer Dichte von 5 ·108Strukturelemen-
ten pro Quadratmeter betrug. Bei einer Mikrostruktur gleicher Dichte, aber mit einer
Strukturelement-Höhe von 50 µm war der Wärmeübergangskoeffizient im Vergleich
zur glatten Oberfläche zwar größer, im Vergleich zur optimalen Struktur jedoch deut-
82 7 Zusammenfassung
lich geringer, was besonders bei kleinen Temperaturdifferenzen zwischen Dampf und
Rohrwand deutlich wurde. Bei Strukturen mit größerer Dichte konnte keine Erhöhung
des Wärmeübergangskoeffizienten festgestellt werden. Strukturen mit höheren Struktu-
relementen konnten aufgrund fertigungstechnischer Beschränkungen nicht untersucht
werden, es ist jedoch anzunehmen, dass durch Vergrößerung der Höhe bei gleicher
Dichte sowie gleichem Höhen-Durchmesser-Verhältnis eine weitere Verbesserung des
kondensationsseitigen Wärmeübergangs erreichbar ist.
Die Erhöhung des Wärmeübergangskoeffizienten durch die Mikrostruktur ist zum
einen auf die vergrößerte Oberfläche, zum anderen auf starke Kapillarkräfte zurückzu-
führen. Letztere bewirken, dass das Kondensat von den Strukturelementen abgeleitet
wird. Dem entgegen stehen höhere Reibungskräfte durch die als Strömungshindernisse
wirkenden Strukturelemente sowie die Verringerung der effektiven Rippenhöhe durch
den Kondensatfilm. Erstere führen bei den dichteren Mikrostrukturen zu einem An-
wachsen der Kondensatfilmdicke und zum Fluten der Strukturelemente, wodurch diese
ihre Wirkung verlieren. Bei zu niedriger SE-Höhe (Rohr 2: 50 µm) ist der größte Teil
der wärmeübertragenden Oberfläche vom Kondensatfilm bedeckt und trägt damit kaum
mehr zum Wärmeübergang bei. Der Kondensatfilm ist dabei umso dicker je größer die
Dampf-Wand-Temperaturdifferenz, so dass der Intensivierungsfaktor bei allen Struktu-
ren mit steigender Temperaturdifferenz rasch abnimmt.
Die Experimente zeigen, dass Mikrostrukturen zur Intensivierung des Wärmeüber-
gangs bei der Kondensation geeignet sind, wenn die Strukturparameter auf das kon-
densierende Fluid und die angelegte Temperaturdifferenz hin optimiert werden. Die
Wirksamkeit der Strukturen findet jedoch im „Mikrobereich“ ihre Grenzen, die haupt-
sächlich durch die Dicke des Kondensatfilms bestimmt sind. Ist die SE-Höhe ähnlich
oder gleich der Dicke des entstehenden Kondensatfilms, so sind die Mikrostrukturen
quasi wirkungslos und tragen nicht zur Erhöhung des Wärmeübergangskoeffizienten
bei.
Die Optimierung der Mikrostrukturen wird erleichtert durch die theoretische Mo-
dellierung des Wärmeübergangskoeffizienten. Dazu wurde das Modell von Webb et
al. [2, 3] bzw. Rudy und Webb [1] für Integralrippen erweitert, indem die Kondensat-
filmdicke bei der Ermittlung der effektiven Strukturelement-Höhe berücksichtigt wurde
sowie ein reduzierter Wärmeübergang in einer Übergangszone zwischen Rippenflan-
ke und abfließendem Kondensatfilm angenommen wurde. Das Modell vernachlässigt
83
den zusätzlichen Strömungswiderstand durch die Strukturelemente, daher werden die
experimentellen Ergebnisse der Versuchsrohre mit hohen SE-Dichten (Versuchsrohre
1 und 4) schlecht wiedergegeben. Für Versuchsrohre mit niedrigen SE-Dichten (Ver-
suchsrohre 2 und 3) hingegen stimmen die theoretisch ermittelten Werte gut mit den
Experimenten überein. So wichen die mit dem erweiterten Modell für Mikrostruktur 2
ermittelten Wärmeübergangskoeffizienten um maximal 20 % von den experimentellen
Werten ab. Für Mikrostruktur 3 ergeben sich bei kleinen Temperaturdifferenzen bis 10
K 50 bis 130 % höhere Wärmeübergangskoeffizienten, bei größeren Temperaturdiffe-
renzen betrug der Unterschied nur noch 20 %.
84 7 Zusammenfassung
8 Symbolverzeichnis
A,B,C- Konstanten in versch. Gleichungen
Am2Wärmeübertragungsfläche
bm Abstand zwischen den Rippen
cpJ/(kgK) Spez. Wärmekapazität
Dm Durchmesser
dm Durchmesser des SE
em Rippenhöhe, Höhe der SE
gm/(s2)Erdbeschleunigung
hKJ/kg Kondensationsenthalpie
I- Intensivierungsfaktor
lm s. Gl. 6.18
Lm Messlänge, charakteristische Länge
˙mkg/s Massenstrom
O- Oberflächenfaktor
pPa Druck
˙
QW Wärmestrom
rm Krümmungsradius
sm Weglänge entlang des Rippenprofils
Sm- Umfangsweg des Rippenprofils
ts Zeit
tRm Rippenbreite
TK Temperatur
TK (ohne Index) Dampf-Wand-Temperaturdifferenz
um/s Geschwindigkeit
UV Thermoelement-Spannung
Vm3Volumen
86 8 Symbolverzeichnis
˙
Vm3/s Volumenstrom
X- s. Gl. 6.14
ym Koordinate längs der Rohrachse
Z- Formfaktor
αW/(m2K)(mittlerer) Wärmeübergangskoeffizient
β° Winkel, s. Gl. 6.19
Γkg/(sm) Massenstromdichte
δm Kondensatfilmdicke
ηR- Rippenwirkungsgrad
θ- Anpassungsparameter in Gl. 2.13 und 2.15
κm1Krümmung
λW/(m K) Wärmeleitfähigkeit
µPa s dynamische Viskosität
νm2/s kinematische Viskosität
ξ- Anpassungsparameter in Gl. 2.13
ρkg/(m3) Dichte
ρSE m1Strukturelement-Dichte
σN/m Oberflächenspannung
ϕ° Winkel am Umfang des Versuchsrohres
ϕFrad Flutungswinkel
ψ- s. Gl. 6.12
Tiefgestellte Indizes
0 Grundrohr
aAnfang des Segments
BK nach Beatty und Katz [15]
Cu Kupfer
DDampf
eEnde des Segments
ef effektiv
exp experimentell
fangepasst
87
FFlüssige Phase
GR Glattrohr
KKondensat
KW Kühlwasser
mMittel oder nach Modell
mU Mittel am Umfang
Norm nach Norm
rHüllrohr
RRippe
RW nach Rudy und Webb [1]
Rx Mikrostruktur-Rohr Nr. x
Uam Umfang
WRohrwand
xin x-Richtung
Dimensionslose Kennzahlen
NuKNuK=α
λν2
g1/3Kondensat-Nusselt-Zahl
ReKReK=4Γ
µKondensat-Reynolds-Zahl
88 8 Symbolverzeichnis
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Anhang A
Messdaten
Tabelle A.1: Glattrohr, 313,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
313,7 314,0 311,3 1,2 26,5 2,5 4,4 2442
313,6 313,9 310,0 1,6 35,2 3,6 4,4 2210
313,5 313,7 308,7 2,0 43,5 4,8 4,4 2067
313,1 313,3 306,6 2,4 54,3 6,4 4,4 1926
312,7 313,0 303,5 3,2 72,3 9,2 4,4 1788
313,1 313,3 300,7 4,0 90,4 12,4 4,4 1659
312,7 312,8 297,8 4,6 104,2 14,8 4,4 1602
313,0 313,2 294,8 5,3 122,8 18,2 4,4 1538
312,9 312,9 292,2 5,7 133,0 20,6 4,4 1469
312,7 312,8 290,7 6,2 143,0 22,0 4,4 1481
94 Anhang A Messdaten
Tabelle A.2: Glattrohr, 323,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
322,9 323,1 320,9 1,0 22,6 2,0 4,4 2595
323,5 323,7 319,8 1,6 35,1 3,6 4,4 2189
323,2 323,4 318,4 2,0 43,1 4,7 4,4 2077
322,8 323,0 316,4 2,5 54,4 6,4 4,4 1920
323,2 323,4 313,2 3,4 75,5 9,9 4,4 1728
323,0 323,2 309,7 4,2 92,9 13,3 4,4 1593
322,7 322,9 307,0 4,9 108,6 15,8 4,4 1568
323,6 323,6 304,3 5,7 127,4 19,3 4,4 1503
323,4 323,4 301,7 6,2 141,0 21,7 4,4 1479
323,7 323,6 299,6 6,7 152,0 24,0 4,4 1440
Tabelle A.3: Glattrohr, 333,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
333,4 333,4 330,8 1,2 26,2 2,5 4,4 2374
333,4 333,5 329,5 1,7 36,1 3,9 4,4 2122
333,3 333,4 328,1 2,1 45,2 5,2 4,4 1980
333,3 333,3 326,2 2,8 58,7 7,1 4,4 1870
333,3 333,4 322,7 3,6 78,3 10,7 4,4 1670
333,2 333,2 319,2 4,5 97,1 14,0 4,4 1576
333,1 333,2 315,9 5,3 115,3 17,3 4,4 1520
333,2 333,2 313,1 6,0 132,4 20,2 4,4 1495
333,3 333,3 310,1 6,6 147,4 23,2 4,4 1448
332,7 332,6 307,3 7,1 159,4 25,4 4,4 1430
95
Tabelle A.4: Glattrohr, 353,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
353,3 353,3 348,8 1,9 37,7 4,5 4,4 1920
352,9 352,9 347,2 2,3 45,7 5,7 4,4 1823
352,6 352,5 344,9 2,9 58,2 7,7 4,4 1726
353,0 352,9 340,9 4,0 81,2 12,0 4,4 1537
352,8 352,9 337,9 4,7 97,3 14,9 4,4 1486
352,8 352,8 337,2 4,9 100,8 15,6 4,4 1468
353,4 353,4 334,4 5,6 116,9 18,9 4,4 1405
353,5 353,5 330,8 6,5 137,8 22,7 4,4 1380
353,3 353,2 327,4 7,2 154,5 25,9 4,4 1359
353,4 353,3 324,3 7,9 170,6 29,1 4,4 1336
96 Anhang A Messdaten
Tabelle A.5: Mikrostruktur-Rohr 1, 313,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
313,5 313,5 311,7 1,0 21,9 1,7 4,5 2813 1,07
314,3 314,4 312,0 1,2 26,6 2,3 4,5 2527 1,03
313,1 313,1 309,0 1,8 38,9 4,1 4,5 2108 0,98
313,2 313,2 305,6 2,7 60,3 7,6 4,5 1764 0,94
313,6 313,7 303,2 3,4 76,2 10,4 4,5 1634 0,94
313,8 313,8 301,1 4,0 89,5 12,7 4,5 1573 0,95
313,3 313,3 299,2 4,4 99,2 14,1 4,5 1570 0,97
313,2 313,2 298,0 4,6 105,9 15,2 4,5 1552 0,97
313,2 313,2 297,1 4,8 110,3 16,2 4,5 1520 0,97
Tabelle A.6: Mikrostruktur-Rohr 1, 323,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
323,3 323,3 321,9 0,9 18,7 1,4 4,5 2948 1,07
323,3 323,4 320,7 1,3 27,9 2,6 4,5 2418 1,01
323,1 323,2 319,5 1,6 35,5 3,7 4,5 2168 0,98
323,3 323,4 317,7 2,2 47,3 5,6 4,5 1878 0,94
323,2 323,2 317,1 2,3 50,5 6,1 4,5 1838 0,94
323,3 323,3 314,6 2,9 64,6 8,6 4,5 1667 0,92
323,3 323,2 312,0 3,9 85,1 11,3 4,5 1682 0,99
323,3 323,3 312,1 3,9 85,5 11,2 4,5 1695 1,00
323,3 323,2 308,9 4,6 103,4 14,4 4,5 1603 1,00
323,2 323,2 306,8 5,1 113,8 16,4 4,5 1546 0,99
323,1 323,2 304,6 5,5 123,4 18,5 4,5 1485 0,98
323,2 323,1 303,1 5,9 133,1 20,0 4,5 1479 1,00
97
Tabelle A.7: Mikrostruktur-Rohr 1, 333,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
333,5 333,5 331,8 1,0 21,1 1,7 4,5 2773 1,09
333,4 333,4 330,5 1,5 31,1 2,9 4,5 2384 1,05
333,4 333,4 329,2 1,9 40,5 4,2 4,5 2140 1,03
333,2 333,2 327,1 2,4 52,0 6,0 4,5 1921 1,00
333,3 333,3 327,3 2,5 52,6 6,1 4,5 1937 1,00
333,3 333,3 324,0 3,4 73,3 9,3 4,5 1758 1,00
333,1 333,2 320,8 4,2 90,6 12,3 4,5 1640 0,99
333,0 332,9 317,8 4,8 105,4 15,1 4,5 1550 0,98
333,4 333,4 315,2 5,5 120,8 18,2 4,5 1475 0,97
333,0 332,9 312,4 6,0 133,0 20,5 4,5 1443 0,98
333,3 333,3 310,5 6,5 145,2 22,8 4,5 1416 0,98
333,4 333,3 310,4 6,6 147,7 22,9 4,5 1435 1,00
Tabelle A.8: Mikrostruktur-Rohr 1, 353,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
353,2 353,2 351,3 1,1 21,7 1,9 4,5 2507 1,11
353,2 353,2 349,8 1,6 32,6 3,4 4,5 2132 1,06
353,2 353,1 348,3 2,1 42,6 4,9 4,5 1924 1,03
353,2 353,2 345,9 2,8 56,0 7,3 4,5 1708 0,99
353,2 353,1 346,0 2,8 56,1 7,2 4,5 1741 1,00
353,2 353,1 342,0 3,8 77,7 11,1 4,5 1556 0,98
353,2 353,2 338,2 4,8 100,2 14,9 4,5 1494 1,00
353,2 353,2 334,5 5,8 120,3 18,7 4,5 1430 1,00
353,2 353,1 330,9 6,6 138,7 22,3 4,5 1386 1,00
353,2 353,2 327,4 7,4 157,1 25,9 4,5 1354 1,01
353,3 353,3 324,0 8,1 175,2 29,4 4,5 1328 1,02
98 Anhang A Messdaten
Tabelle A.9: Mikrostruktur-Rohr 2, 313,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
313,2 313,3 311,1 1,4 31,4 2,0 4,5 3418 1,35
313,3 313,4 309,9 1,9 41,9 3,4 4,5 2755 1,23
313,4 313,5 308,6 2,3 52,0 4,7 4,5 2453 1,18
313,2 313,6 306,2 2,8 63,3 7,0 4,5 2018 1,06
312,9 313,1 302,7 3,6 81,5 10,2 4,5 1786 1,02
312,9 312,9 299,4 4,3 98,1 13,4 4,5 1626 0,99
313,2 313,3 297,0 5,1 117,3 16,2 4,5 1612 1,03
313,2 313,3 294,2 5,7 131,3 18,9 4,5 1546 1,02
313,0 313,1 291,7 6,2 143,3 21,3 4,5 1496 1,02
313,0 313,1 289,9 6,6 153,7 23,1 4,5 1481 1,02
Tabelle A.10: Mikrostruktur-Rohr 2, 323,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
323,0 323,1 320,8 1,5 33,2 2,2 4,5 3351 1,35
323,5 323,6 319,5 2,1 44,8 4,0 4,5 2513 1,16
323,5 323,6 318,1 2,5 54,6 5,4 4,5 2258 1,12
323,5 323,6 315,8 3,1 67,6 7,7 4,5 1965 1,06
323,2 323,3 312,2 3,9 86,5 11,1 4,5 1744 1,02
323,3 323,4 308,7 4,7 105,8 14,6 4,5 1618 1,01
323,5 323,5 305,3 5,5 122,9 18,2 4,5 1506 0,99
323,4 323,4 302,1 6,2 140,2 21,3 4,5 1466 1,00
323,3 323,4 299,0 6,8 155,4 24,3 4,5 1427 1,01
323,2 323,2 296,4 7,4 170,1 26,8 4,5 1412 1,02
99
Tabelle A.11: Mikrostruktur-Rohr 2, 333,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
332,8 332,8 330,6 1,5 31,6 2,2 4,5 3165 1,32
333,3 333,3 329,2 2,2 45,7 4,1 4,5 2470 1,18
333,5 333,5 327,8 2,6 55,9 5,7 4,5 2195 1,12
333,5 333,5 325,6 3,2 69,3 7,9 4,5 1955 1,07
333,5 333,5 322,0 4,2 91,5 11,5 4,5 1764 1,05
333,2 333,3 318,0 5,0 108,1 15,2 4,5 1580 1,00
333,1 333,2 314,4 5,8 126,9 18,8 4,5 1506 1,00
332,8 332,9 310,9 6,5 143,9 21,9 4,5 1460 1,00
332,8 332,9 307,7 7,2 162,3 25,2 4,5 1437 1,02
333,2 333,2 304,6 7,8 176,5 28,6 4,5 1374 1,00
Tabelle A.12: Mikrostruktur-Rohr 2, 353,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
353,3 353,3 350,5 1,8 35,2 2,8 4,5 2822 1,35
353,3 353,3 349,0 2,3 46,2 4,4 4,5 2361 1,23
353,3 353,3 347,4 2,8 56,5 5,9 4,5 2133 1,18
353,3 353,2 345,0 3,5 70,7 8,3 4,5 1906 1,13
353,2 353,1 341,0 4,5 91,3 12,2 4,5 1668 1,07
353,1 353,1 336,9 5,4 111,5 16,2 4,5 1536 1,04
353,1 353,1 333,1 6,3 131,5 20,0 4,5 1464 1,04
353,0 353,0 329,3 7,1 150,7 23,8 4,5 1413 1,04
353,0 353,0 325,6 7,9 169,4 27,4 4,5 1378 1,04
353,0 353,0 322,1 8,7 188,1 30,9 4,5 1356 1,05
100 Anhang A Messdaten
Tabelle A.13: Mikrostruktur-Rohr 3, 313,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
312,6 312,9 311,5 1,7 36,8 1,2 4,5 7099 2,46
312,8 312,9 310,3 2,3 49,8 2,5 4,5 4440 1,84
313,0 313,2 309,4 2,9 65,0 3,6 4,5 4069 1,83
313,7 313,9 307,9 3,8 85,2 5,9 4,5 3233 1,63
313,1 313,3 304,7 4,7 106,4 8,5 4,5 2801 1,54
313,1 313,2 301,4 5,4 121,0 11,7 4,5 2306 1,36
313,3 313,3 298,7 6,1 139,6 14,6 4,5 2132 1,33
313,3 313,3 295,8 6,5 149,6 17,4 4,5 1911 1,24
313,4 313,4 293,8 7,1 164,5 19,6 4,5 1872 1,25
Tabelle A.14: Mikrostruktur-Rohr 3, 323,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
323,7 323,7 321,7 2,2 48,1 2,0 4,5 5484 2,15
322,9 322,9 320,2 2,6 56,6 2,7 4,5 4674 1,97
322,9 322,9 319,0 3,2 68,7 3,9 4,5 3902 1,80
322,9 322,9 317,1 4,0 86,7 5,9 4,5 3297 1,67
322,8 322,8 313,6 4,8 106,2 9,2 4,5 2576 1,45
323,3 323,4 310,3 5,7 127,0 13,0 4,5 2179 1,33
323,6 323,6 307,1 6,4 144,0 16,5 4,5 1947 1,25
323,6 323,6 307,2 6,5 146,5 16,4 4,5 1986 1,28
323,5 323,5 304,1 7,1 160,4 19,4 4,5 1840 1,23
323,4 323,4 301,2 7,7 174,6 22,2 4,5 1756 1,21
322,8 322,8 298,6 8,2 187,1 24,2 4,5 1725 1,21
101
Tabelle A.15: Mikrostruktur-Rohr 3, 333,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
333,1 333,2 331,3 2,2 45,3 1,8 4,5 5594 2,22
333,1 333,2 330,0 2,8 59,6 3,0 4,5 4358 1,94
333,1 333,2 328,7 3,5 73,6 4,4 4,5 3684 1,79
333,2 333,2 326,6 4,2 90,3 6,6 4,5 3068 1,62
333,1 333,2 323,1 5,2 110,9 10,0 4,5 2475 1,43
333,4 333,5 319,6 6,0 131,0 13,7 4,5 2129 1,32
332,9 332,9 316,0 6,7 146,0 16,9 4,5 1930 1,25
332,9 332,9 312,9 7,3 162,0 20,0 4,5 1802 1,21
333,6 333,5 309,9 8,3 186,0 23,7 4,5 1751 1,22
332,8 332,9 306,6 8,7 195,1 26,2 4,5 1657 1,19
Tabelle A.16: Mikrostruktur-Rohr 3, 353,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
353,4 353,3 351,1 2,6 52,5 2,2 4,5 5217 2,39
353,0 353,0 349,6 3,2 64,8 3,3 4,5 4313 2,14
353,3 353,3 348,2 4,0 79,5 5,1 4,5 3489 1,88
353,4 353,4 345,9 4,8 96,1 7,4 4,5 2883 1,67
353,1 353,0 342,0 5,8 118,5 11,0 4,5 2395 1,50
353,2 353,1 338,1 6,6 136,2 15,1 4,5 2009 1,34
353,0 352,9 334,1 7,5 156,8 18,9 4,5 1846 1,29
352,9 352,8 330,5 8,3 175,3 22,5 4,5 1738 1,26
352,9 352,9 326,8 9,1 194,1 26,1 4,5 1655 1,24
353,2 353,2 323,5 9,9 213,6 29,6 4,5 1605 1,23
102 Anhang A Messdaten
Tabelle A.17: Mikrostruktur-Rohr 4, 313,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
313,1 313,2 311,0 1,1 23,6 2,1 4,5 2486 0,99
313,5 313,6 309,8 1,6 36,0 3,7 4,5 2188 0,99
313,5 313,6 308,5 2,1 46,0 5,0 4,5 2040 0,99
313,6 313,7 306,5 2,7 59,5 7,1 4,5 1875 0,99
313,4 313,5 303,1 3,5 78,1 10,3 4,5 1689 0,97
313,4 313,5 299,9 4,2 96,0 13,5 4,5 1584 0,97
313,4 313,5 297,0 5,0 113,4 16,4 4,5 1544 0,99
313,4 313,4 294,2 5,6 127,9 19,1 4,5 1489 0,99
313,4 313,4 292,0 6,1 141,7 21,4 4,5 1475 1,00
313,3 313,3 290,0 6,5 151,4 23,3 4,5 1450 1,00
Tabelle A.18: Mikrostruktur-Rohr 4, 323,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
323,2 323,5 320,7 1,2 26,7 2,5 4,5 2381 0,99
323,5 323,7 319,4 1,8 38,2 4,1 4,5 2093 0,97
323,2 323,4 317,9 2,1 46,2 5,3 4,5 1947 0,96
323,2 323,3 315,8 2,7 59,7 7,4 4,5 1809 0,97
322,8 323,0 312,3 3,6 78,4 10,5 4,5 1662 0,96
323,1 323,2 312,3 3,6 79,5 10,7 4,5 1650 0,96
323,0 323,1 308,9 4,4 97,2 14,1 4,5 1532 0,95
323,0 323,1 305,5 5,2 116,8 17,5 4,5 1490 0,97
323,2 323,3 302,4 5,9 132,6 20,8 4,5 1422 0,97
323,2 323,3 299,7 6,5 147,8 23,5 4,5 1401 0,98
323,2 323,2 296,9 7,1 162,0 26,2 4,5 1376 0,99
103
Tabelle A.19: Mikrostruktur-Rohr 4, 333,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
333,1 333,2 330,6 1,2 26,2 2,5 4,5 2338 1,00
333,1 333,2 329,1 1,7 37,0 4,0 4,5 2084 0,98
333,1 333,2 327,7 2,2 46,8 5,4 4,5 1914 0,97
333,2 333,3 325,5 2,8 60,7 7,7 4,5 1751 0,96
332,9 333,0 321,7 3,8 81,4 11,3 4,5 1611 0,96
333,0 333,1 318,0 4,6 101,2 15,0 4,5 1504 0,95
333,0 333,1 314,6 5,5 120,4 18,4 4,5 1456 0,96
333,1 333,2 311,3 6,3 139,3 21,8 4,5 1424 0,98
333,1 333,1 308,2 6,9 155,1 24,9 4,5 1387 0,98
333,1 333,2 305,3 7,5 170,3 27,8 4,5 1363 0,99
Tabelle A.20: Mikrostruktur-Rohr 4, 353,15 K
TDTFTW˙mK˙
QT A αI
K K K 104kg/s W K 103m2W/(m2K)
353,2 353,3 350,3 1,4 28,0 2,9 4,5 2150 1,03
353,2 353,3 348,8 1,9 38,6 4,4 4,5 1944 1,02
353,2 353,3 347,2 2,4 48,6 6,0 4,5 1807 1,01
353,2 353,2 344,8 3,1 63,4 8,4 4,5 1681 1,00
353,4 353,5 340,8 4,2 86,0 12,6 4,5 1522 0,98
353,4 353,4 336,9 5,2 107,5 16,4 4,5 1458 0,99
353,3 353,4 333,1 6,1 127,4 20,2 4,5 1403 1,00
353,3 353,3 329,4 6,9 146,3 23,8 4,5 1367 1,00
353,4 353,4 325,7 7,7 165,1 27,6 4,5 1331 1,00
353,1 353,2 322,1 8,4 182,3 31,0 4,5 1310 1,01
104 Anhang A Messdaten
Anhang B
Kalibrierung der Thermoelemente
Gleichung der Kalibrierkurve: UTE =UNorm +AT2+BT +CT in °C, U in mV
Thermoelement A B C
Dampf +3,93·1075,93·1051,78·102
Flüssigphase +5,26·1068,56·104+9,4·103
Kondensat +6,72·1067,24·1045,7·103
Rohrwand 1 +1,84·1066,33·1051,61·102
Rohrwand 2 +6,38·1075,86·1061,27·102
106 Anhang B Kalibrierung der Thermoelemente
Anhang C
Stoffdaten R141b
Stoffdaten gelten für die Flüssigkeit im Sättigungszustand. Die Näherungskurven wur-
den an Stoffdaten der REFPROP-Datenbank angepasst. Sie gelten für den Bereich von
303 K bis 373 K. Die benötigten Stoffdaten werden der REFPROP-Datenbank (Version
7.1, 2004, unter Verwendung der Fundamentalgleichung nach [28]) entnommen.
Allg. Regressionsgleichung: Φ=AT2+BT +CT in °C, Φs. Tabelle
Parameter Einheit A B C
Dyn. Viskosität µ µPas +1,61·102-4,79 +513,89
Spez. Wärmeleitfähigkeit λW/(Km) 0 2,90·104+0,1011
Dichte ρkg/m30 -2,17 +1292
Kond.enthalpie hKkJ/kg 1,40·103-0,38 +236,4
Spez. Wärmekapazität cpkJ/(kgK) +8,11·106+9,18·104+1,128
108 Anhang C Stoffdaten R141b
109
110 Anhang C Stoffdaten R141b
Anhang D
Abschätzung der Messunsicherheit
D.1 Allgemeines
Die Ermittlung der Messunsicherheit erfolgt nach den Maßgaben des GUM (Guide to
the Expression of Uncertainty in Measurement) bzw. der vom DIN herausgegebenen
Übersetzung desselben [29]. Die Komponenten der Messunsicherheit werden dabei mit
Hilfe statistischer Methoden (Methode A) ermittelt oder auf andere Art (z.B. auf der
Basis von Angaben der Gerätehersteller, Methode B) geschätzt. Statistisch ermittelte
Unsicherheiten werden durch Standardabweichungen siausgedrückt, geschätzte durch
ui. Letztere können jedoch wie Standardabweichungen behandelt werden. Die kom-
binierte Messunsicherheit des Verfahrens erhält man durch die übliche Methode zur
Kombination von Varianzen, allgemein auch als Fehlerfortpflanzungsgesetz bekannt.
Die ermittelte Unsicherheit ist eine statistische Größe mit der Bedeutung einer Stan-
dardabweichung, kein „Maximalfehler“.
D.2 Komponenten der Messunsicherheit
Messunsicherheit des Arbeitsnormals
Als Arbeits-Normalthermometer wurde ein Pt100 des Herstellers Isotech verwandt. Die
Angaben zu Kalibrierung und Messunsicherheit des Temperaturnormals stammen vom
DKD-Prüflabor Klasmeier, Fulda. Aus der Angabe der erweiterten Messunsicherheit
mit dem Faktor k=2 von 0,01 K ergibt sich eine Standardunsicherheit von 0,005 K.
112 Anhang D Abschätzung der Messunsicherheit
Hierzu muss die Unsicherheit des zur Signalauswertung verwendeten Digitalmul-
timeters (Agilent 3458A) addiert werden. Für einen Zeitraum von 2 Jahren nach der
Kalibrierung beträgt diese 15 ppm des Anzeigewerts plus 1 ppm des Bereichswertes
im Messbereich 1 k, insgesamt also 0,003 . Dies entspricht einer Temperaturabwei-
chung von weniger als 0,01 K im für die Untersuchungen relevanten Messbereich von
273 K bis 373 K. Obwohl die technischen Spezifikationen keine expliziten Angaben
dazu enthalten, wird davon ausgegangen, dass der Fehler auf der Basis einer Standard-
normalverteilung mit einem Vertrauensniveau von 95 % (entspricht Faktor 2) ermittelt
wurde. Als Unsicherheit des Arbeitsnormals ergibt sich also
uPt =q(0,005K)2+(0,005K)2=0,007K .
Verschiebung der Temperatur des Eisbads
Die Temperatur des Eisbads wird mit 273,15 K angenommen, die tatsächliche Tempe-
ratur weicht davon jedoch um einige Zentikelvin ab. Ursache hierfür können Spuren
von gelösten Elementen im destillierten Wasser, Verunreinigungen des Behälters sowie
Wärmeleitungseffekte nach außen bzw. in der Eis-Wasser-Mischung sein. Die Tempe-
ratur des Eisbads wurde daher mit dem Arbeits-Normalthermometer (Messunsicherheit
uPt =0,007 K, s. auch Abschnitt Arbeitsnormal) über mehrere Tage aufgezeichnet.
Obwohl die Temperaturänderungen eigentlich systematischer Natur sind, da die Tem-
peratur mit der Zeit immer ansteigt, werden sie doch als statistisch betrachtet insofern,
als der Vorgang bei jedem neuen Ansetzen des Eisbads unterschiedlich sein kann. Ei-
ne Korrektur der Messgröße wird als nicht notwendig erachtet, da die Unsicherheit im
Vergleich mit anderen relativ klein ist. Die ermittelte Unsicherheit geht jedoch in die
kombinierte Messunsicherheit der Kalibrierung und damit des Wärmeübergangskoef-
fizienten ein. Es wurden binnen 96 h 497 Messwerte im Abstand von ca. 10 Minuten
aufgezeichnet; einige Unterbrechungen waren durch andere Messungen bedingt. Die
Messungen begannen eine Stunde nach Ansetzen des Eisbads. Der Kurvenverlauf ist
in Diagramm D.1 zu sehen. Die kombinierte Messunsicherheit der Eisbadtemperatur
ergibt sich aus der statistischen Unsicherheit plus der Unsicherheit des Arbeitsnormals.
Die statistische Unsicherheit wird als Standardabweichung ausgedrückt und beträgt
s=s1
n
n
(xix)2=0,03K
D.2 Komponenten der Messunsicherheit 113
Bild D.1: Messwerte der Temperatur des Eisbads, ermittelt mit dem Arbeitsnormal
wobei n die Anzahl der Messungen und x der Erwartungswert E(T) (= 273,15 K) ist.
Die kombinierte Messunsicherheit beträgt dann
uEB =q(0,03K)2+(0,007K)2=0,031K .
Messunsicherheit durch Temperaturvarianz im Thermostaten
Die Wandthermoelemente wurden im Wasserbad eines Thermostaten (Haake N8/C41)
kalibriert. Der Hersteller gibt an, dass die Schwankung der Badtemperatur max. ±
0,005 K beträgt. Da keine weiteren Angaben vorliegen, wird angenommen, dass diese
Angabe die Schranken einer Rechteckwahrscheinlichkeitsverteilung darstellen. Damit
ergibt sich eine Standardabweichung durch die Temperaturvarianz von
uTh =a/3=0,003K .
Auch wenn diese Angabe nur auf wenigen Informationen beruht, kann doch davon
ausgegangen werden, dass die Unsicherheit sehr klein ist, weil alle Thermosensoren
zu einem Bündel zusammengefasst wurden und die Ablesung zeitlich fast synchron
erfolgte.
114 Anhang D Abschätzung der Messunsicherheit
Messunsicherheit der Messauswertung Netpac
Zur Auswertung der Thermosignale wurde ein modulares System Netpac (Fa. Acurex)
mit einer Einsteckkarte für 10 Thermoeelemente verwendet. Die Messunsicherheit der
Auswerteeinheit beträgt nach Herstellerangaben ±0,006 mV, entsprechend ca. ±0,15
K im Messbereich 0...55 mV. Leider sind auch hier keine zusätzlichen Angaben zu
Art und Ermittlung der angegebenen Unsicherheit vorhanden. Geht man davon aus,
dass hier Schranken für eine Rechteckverteilung (ungünstigste Verteilung) angegeben
wurden und der Fehler zudem zufälliger Natur sind, ergibt sich
uMA =a/3=0,087K .
Messunsicherheit durch Alterung der Thermoelemente
Es ist zu erwarten, dass nach längerem Gebrauch der Thermoelemente sich deren Stoff-
eigenschaften ändern und damit eine Drift der Kalibrierkurve eintritt. Diesem wurde
entgegengewirkt, indem ca. jedes halbe Jahr eine Rekalibrierung durchgeführt wurde.
Die in der Zwischenzeit durchgeführten Messungen (besonders gegen Ende des halben
Jahres hin) weisen zusätzliche Messunsicherheiten auf, die nicht quantifizierbar, jedoch
wahrscheinlich sehr klein sind. Aus diesem Grund werden sie als vernachlässigbar an-
gesehen.
Kombinierte Messunsicherheit bei der Kalibrierung des
Wandthermoelements
Im Gegensatz zur linearen Regression stehen für die Berechnung der Unsicherheiten
der Koeffizienten bei der quadratischen Regression keine Gleichungen zur Verfügung.
Daher wird angenommen, dass die Unsicherheit der Kalibrierkurve nicht größer sein
kann als die Unsicherheit eines einzelnen Kalibrierpunktes, sofern die Kalibrierkurve
nicht über die Messpunkte hinausgezogen wird. Zudem wird angenommen, dass die
Funktion U(T) in einem kleinen Bereich um den Messwert als linear angesehen werden
kann. Der Temperaturkoeffizient αbeträgt 0,042 mV/K im Messbereich von 273 bis
353 K, die Unsicherheit von αist vernachlässigbar. Damit können alle Messunsicher-
heiten sowohl als Spannungs- wie auch als Temperaturwerte angegeben werden.
D.2 Komponenten der Messunsicherheit 115
Die kombinierte Messunsicherheit für eine einzelne Messung berechnet sich aus den
oben ermittelten Unsicherheiten zu
uKW (1Messung) = qu2
Pt +u2
EB +u2
Th +2u2
MA =0,13K .
Die Unsicherheit der Messauswertung geht hierbei zweifach ein, da sowohl das Wand-
thermoelement als auch das Eisbadthermoelement separat ausgelesen werden. Alle Mess-
größen werden als unkorreliert angenommen. Für einen Kalibrierpunkt wird ein Mit-
telwert aus je fünf Messungen gebildet, daher ist
uKW =uKW (1Messung)/5=0,06K .
Den größten Beitrag zur Messunsicherheit leistet dabei die Messauswertung.
Messunsicherheit des Referenzthermoelements
Als Referenzthermoelement wurde eines der vorher kalibrierten Wandthermoelemente
verwendet. Dementsprechend ist die Messunsicherheit gleich der im vorigen Kapitel
ermittelten kombinierten Messunsicherheit uKW .
uRef =uKW =0,06K .
Nichtisothermie in der Versuchsanlage
Im Vergleich zur Kalibrierung im Thermostaten treten bei der Kalibrierung in der Ver-
suchsanlage deutlich höhere Unsicherheiten auf. Zum einen sind die Thermoelemente
nicht mehr örtlich zusammengefasst, sondern befinden sich an unterschiedlichen Stel-
len im Versuchsbehälter, zum anderen werden durch Wärmeleitung nach außen Tempe-
raturgradienten erzeugt, die zu den Rändern des Versuchsbehälters hin besonders stark
sind.
Es wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Temperaturschwankungen in
der Anlage so klein wie möglich zu halten, Kap. 3.5.1. Für die Kalibrierung wurde das
Versuchsrohr vom Kühlkreislauf entkoppelt und die aus dem Versuchsbehälter heraus-
ragenden Enden mit Steinwolle (30 mm) isoliert. Der Versuchsbehälter ist, wie bereits
beschrieben, vollständig mit 60 mm dicken Lagen aus Steinwolle isoliert, zur Kalibrie-
rung wurden auch die Sichtfenster mit Rockwool verschlossen. Die Anlage wurde über
mehrere Stunden vorgeheizt.
116 Anhang D Abschätzung der Messunsicherheit
Die Kalibrierung wurde zweimal durchgeführt, wobei beim ersten Mal die Dampf-
temperatur von 363 K bis auf 313 K in 10 K-Schritten abgesenkt wurde, beim zweiten
Mal wurde der Versuchsablauf umgekehrt. Der maximale Unterschied zwischen beiden
Kalibrierkurven betrug für das Dampfthermoelement 0,002 mV, für das Thermoelement
im Sumpf 0,008 mV und für das Thermoelement im Kondensatsammelbehälter 0,009
mV (entsprechend Tvon 0,05 K, 0,19 K und 0,21 K). Daher scheint es angebracht,
eine Unsicherheit von 0,3 K für Temperaturschwankungen in der Anlage anzunehmen.
Kombinierte Messunsicherheit bei der Kalibrierung der anderen
Thermoelemente
Die kombinierte Messunsicherheit für eine einzelne Messung berechnet sich aus den
oben ermittelten Unsicherheiten zu
uKD(1Messung) = qu2
KW +u2
EB +u2
Iso +2u2
MA =0,33K .
Für einen Kalibrierpunkt wird ein Mittelwert aus je fünf Messungen gebildet, daher ist
uKD =uKD(1Messung)/5=0,15K .
Den größten Beitrag zur Messunsicherheit leistet dabei die Temperaturschwankung
in der Anlage. Diese Schwankungen sind zeitlich gesehen relativ langsam, so dass die
berechtigte Frage besteht, ob sie durch eine Mittelwertbildung ausgeglichen werden
können. Wahrscheinlicher ist, dass der Fehler auch bei mehrmaliger Messung bestehen
bleibt und daher die Abschätzung eher von der größten Unsicherheit ausgehen muss.
Den weiteren Betrachtungen wird daher ein Fehler für die Kalibrierung von 0,3 K zu-
grundegelegt.
uKal =0,3K .
Messunsicherheit durch Einbau sowie Positionierung des
Wandthermoelements
Das Wandthermoelement ist in einen Kanal unterhalb der Außenwand des Rohres unter-
gebracht. Die gemessene Temperatur entspricht daher nicht der Temperatur auf der Au-
ßenseite der Rohrwand. Es besteht eine kleine Temperaturdifferenz aufgrund des Tem-
D.2 Komponenten der Messunsicherheit 117
peraturgefälles in der Rohrwand von der Außenseite bis zur Stelle des Thermoelement-
Kanals. Die Temperaturdifferenz innerhalb des Thermoelement-Kanals wird als ver-
nachlässigbar angesehen, da das Metall des Thermoelement-Mantels aufgrund der et-
was erhöhten Dicke des Schweißpunktes (für den Ziehdraht) an der Kupferwand anliegt
und so die Wärmeleitung von Metall zu Metall garantiert ist.
Die Dicke der Rohrwand zwischen Kanal und Außenseite ist aufgrund der Konstruk-
tion des Rohres bekannt, daher kann der Temperaturgradient durch Leitung im Kupfer
bestimmt werden. Er wurde bei der Berechnung der Wandtemperatur als Korrektur-
term berücksichtigt. Die Kupferschicht ist entsprechend der Masstoleranzen bei der
Fertigung 0,3 bis 0,5 mm stark, beim Glattrohr nur 0,2 mm. Der Fehler wird bei der
Auswertung durch folgende Korrektur berücksichtigt:
TW=TW,exp +˙
Q·δ
A·λ
wobei δdie Dicke der Kupferschicht über dem Thermoelement darstellt. Der Term ist
bei großen Temperaturdifferenzen am größten und beträgt dann bis zu 0,05 K. Er wird
bereits bei der Auswertung der Messergebnisse berücksichtigt und geht daher nicht in
die Unsicherheit ein.
Die am Versuchsrohr sowie am Behälter angebrachten Hilfsmittel erlauben eine Be-
stimmung der Lage der Spitze des Thermoelements auf ±1 mm in horizontaler und
± in Umfangsrichtung. Bei der Bestimmung der Temperaturprofile in Längsrichtung
betrug der Temperaturanstieg maximal 1 K auf 80 mm, in Umfangsrichtung betrug
die größte Temperaturdifferenz 2 K. Geht man von einer Normalverteilung und 95 %
Wahrscheinlichkeit aus (2 σ), so beträgt die Messunsicherheit in horizontaler Richtung
uPH =1 mm·1 K
80 mm·2=0,007 K
uPU =·2 K
180°·2=0,017 K .
Unsicherheit der Temperaturdifferenz zwischen Dampf und Wand
Als Unsicherheit für Tergibt sich aus den obigen Ausführungen:
uT(1Messung) = qu2
Kal +u2
PH +u2
PU +2u2
MA =0,32 K .
118 Anhang D Abschätzung der Messunsicherheit
Während der Messung des Kondensatmassenstroms wurden die Temperaturen mehr-
fach bestimmt, wobei mindestens 4 Einzelmessungen durchgeführt wurden. Daher ist
uT=uT(1Messung)/4=0,16 K .
Der größte Beitrag dazu stammt aus der Kalibrierung der Thermoelemente, weiter-
hin stellt die Messauswertung einen großen Unsicherheitsfaktor dar, der jedoch durch
Mehrfachmessung und Mittelung verringert werden kann. In den Experimenten wur-
den Temperaturdifferenzen zwischen 2 K und 25 K gemessen, daher beträgt die relative
Messunsicherheit 8 % bis 0,5 %.
Unsicherheiten bei der Messung des Volumenstroms
In den Kondensatstrom gehen das Messvolumen sowie die Zeitspanne ein. Eine Genau-
igkeitsangabe für das Messvolumen von 195,5 ml ist nicht vorhanden. Die Bestimmung
erfolgt überlicherweise mit Hilfe eines geeichten Messzylinders, so dass hier von einer
relativen Unsicherheit von ±1% ausgegangen werden kann. Der Zeitfehler wird mit ±2
s angesetzt. Da die kürzeste Messzeit 4 Minuten betrug, beträgt die relative Unsicher-
heit für die Zeitmessung höchstens ±1%. Bei der längsten Messzeit von 30 Minuten
beträgt die Messunsicherheit ±0,2%. Die Wärmeausdehnung des Gefäßes wird als ver-
nachlässigbar angesehen, ebenso Flüssigkeitshaftung an den Wänden des Gefäßes. Für
den Kondensatstrom ergibt sich daher eine relative Unsicherheit von
uV
˙
V=ruZN
t2+uVol
V2=1,4% .
Unsicherheiten bei der Berechnung des Wärmestroms
In Gl. 4.3 gehen neben dem Kondensatmassenstrom weiterhin die Stoffwerte hK,
ρKund cpein. Die Stoffdaten wurden der Stoffdatenbank REFPROP (REFPROP 7.1
(2004)) entnommen. Sie basieren auf Gleichungen von Lemmon und Span [28]. Als
relative Unsicherheiten sind für Dichte und Kondensationsenthalpie 0,2% und für spez.
Wärmekapazität 2% angegeben. Für die Berechnung in Excel wurden die Stoffdaten
durch Polynome zweiter Ordnung angenähert. Die Unsicherheit durch die Regression
beträgt im Temperaturbereich zwischen 313 K und 353 K 0,2%. Für ρund hKwurden
daher Unsicherheiten von ±0,4% angenommen. Die Unsicherheit des zweiten Terms
D.2 Komponenten der Messunsicherheit 119
(Kondensatunterkühlung) wurde vernachlässigt, da der Term einen Anteil von maximal
10 % am Gesamtwärmestrom hat.
Die kombinierte Messunsicherheit für den Wärmestrom beträgt
uQ
˙
Q=suV
˙
V2+uρ
ρ2
+uhK
hK2
=1,5% .
Unsicherheit bei der Berechnung der Wärmeübertragungsfläche
Als Wärmeübertragungsfläche ist die Fläche eines Glattrohrs definiert, das denselben
Durchmesser wie das Mikrostrukturrohr (ohne Mikrostruktur) besitzt.
Als Mess- bzw. Fertigungsunsicherheit wird ±0,2 mm für den Durchmesser sowie
±1 mm für die Länge angenommen. Daraus ergibt sich eine Unsicherheit von ±1,5%.
Da das Kondensatströmungsmuster während der Messungen nicht stabil war, wird auf
eine Korrektur der Messlänge verzichtet und die Unsicherheit als vernachlässigbar an-
gesehen, siehe auch Kapitel 4.3.
Kombinierte Messunsicherheit des Wärmeübergangskoeffizienten
Entsprechend Gleichung 4.4 ergibt sich für die Unsicherheit des Wärmeübergangsko-
effizienten
uα
α=suQ
˙
Q2
+uA
A2+uT
T2.
Die relative Unsicherheit für die Fläche A ist für jede Messung konstant. Die relati-
ve Unsicherheit für den Wärmestrom nimmt mit dem Wärmestrom zu (Messzeit wird
kleiner), die für die Temperaturdifferenz nimmt mit steigender Temperaturdifferenz ab.
Die größte Unsicherheit für eine Messung beträgt
uα
αmax =p0,0152+0,0152+0,082=0,08 (8%)
für die kleinste Temperaturdifferenz von 2 K. Die ermittelte Unsicherheit ist mit dem
Faktor 2 zu multiplizieren, um das Vertrauensintervall bei einem Vertrauensniveau von
95% zu erhalten. In Abschnitt 4.4 ist der Verlauf von 2·uα/αüber der Dampf-Wand-
Temperaturdifferenz dargestellt.
120 Anhang D Abschätzung der Messunsicherheit
D.3 Liste aller Komponenten der Messunsicherheit
Symbol Bezeichnung (Unsicherheit bei/durch...) Größe
uKW Kalibrierung des Wandthermoelements, MM0,06 K
uKW,EKalibrierung des Wandthermoelements, EM∗∗ 0,13 K
... setzt sich zusammen aus
uPt Arbeitsnormal 0,007 K
uEB Verschiebung der Temperatur des Eisbads 0,031 K
uTh Temperaturvarianz im Thermostaten 0,003 K
uMA Messauswertung Netpac 0,087 K
uAAlterung der Thermoelemente vernachl.
uKD Kalibrierung andere Thermoelemente, MM0,15 K
uKD,EKalibrierung andere Thermoelemente, EM∗∗ 0,33 K
... setzt sich zusammen aus
uRef Referenzthermoelement 0,06 K
uMA Messauswertung Netpac 0,087 K
uEB Verschiebung der Temperatur des Eisbads 0,04 K
uIso Nichtisothermie in der Versuchsanlage 0,3 K
uTMessung der Temperaturdifferenz zwischen
Dampf und Wand, MM
0,16 K
uT,EMessung der Temperaturdifferenz zwischen Dampf
und Wand, EM∗∗
0,32 K
... setzt sich zusammen aus
uKal Kalibrierung der Thermoelemente 0,3 K
uMA Messauswertung Netpac 0,087 K
uPH Horizontale Positionierung des Wandthermoelements 0,007 K
uPU Positionierung am Umfang des Wandthermoelements 0,017 K
uLWärmeleitung in der Kupferwand Korr.term
D.3 Liste aller Komponenten der Messunsicherheit 121
Forts.: Liste aller Komponenten der Messunsicherheit
Symbol Bezeichnung (Unsicherheit bei/durch...) Größe
uV
˙
VMessung des Volumenstroms 1,4%
... setzt sich zusammen aus
uZN
tZeitnahme 1%
uVol
VErmittlung des Volumens des Messbehälters 1%
uFH Flüssigkeitshaftung an der Wand des Messbehälters vernachl.
uGA Wärmeausdehnung des Gefäßes vernachl.
uQ
˙
QBerechnung des Wärmestroms 1,5%
... setzt sich zusammen aus
uV
˙
Vs.o. 1,4%
uρ
ρStoffdaten: Dichte 0,4%
uhK
hKStoffdaten: Kondensationsenthalpie 0,4%
uKU Kondensatunterkühlung vernachl.
uA
ABerechnung der Wärmeübertragungsfläche 1,5%
... setzt sich zusammen aus
uD
D0Ermittlung Basisdurchmesser <1%
uL
LErmittlung Messlänge 1,3%
uα
αBerechnung des Wärmeübergangskoeffizienten
für T=2K8%
für T=25K2%
... setzt sich zusammen aus
uQ
˙
Qs.o. 1,5%
uA
As.o. 1,5%
uT
Ts.o. 0,5 ... 8%
=Mehrfachmessung, ∗∗ =Einzelmessung
Die Messunsicherheit hat die Bedeutung einer Standardabweichung, d.h. sie muss
mit einem Faktor entsprechend dem angestrebten Vertrauensniveau multipliziert wer-
den.
122 Anhang D Abschätzung der Messunsicherheit