
WIEDERERKENNEN: ZEITBILD UND FILMISCHE
MEMORIA. ZU JAKOB MICHAEL REINHOLD LENZ.
Inaugural - Dissertation
zur
Erlangung der Doktorwürde (Dr. phil.)
des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaften
der
Universität - Geamthochschule Paderborn
vorgelegt von
Heinz Schlieper (Warstein)
im Februar 1996
Erstgutachter: Prof. Dr. Manfred Durzak
Zweitgutachter: Prof. Dr. Gerd Michels
Drittgutachter: Prof. Dr. Götz Großklaus

Meinen Eltern
Roman
und
Gaby

"Die Umstände, in die das Produkt der technischen Reproduktion des
Kunstwerks gebracht werden kann, [...] führen zu einer gewaltigen Er-
schütterung des Tradierten - einer Erschütterung der Tradition, die die
Kehrseite der gegenwärtigen Krise und Erneuerung der Menschheit ist. Sie
stehen im engsten Zusammenhang mit den Massenbewegungen unserer
Tage. Ihr machtvollster Agent ist der Film."
WALTER BENJAMIN: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen
Reproduzierbarkeit. 1935/36
"Er [der Film, H. Sch.] e r z ä h l t in Bildern [...]. [D-]ie Szenerie des
Films ist Natur, wie die reine Phantasieerregung der Erzählung sie dem
Leser einbildet. [...] [D-]ie menschlichen Gestalten des Films [...] sind
lebendige Schatten. Sie sprechen nicht, sie sind nicht, sie w a r e n, aber
genauso waren sie - und das ist Erzählung. Der Film kennt eine Erinne-
rungstechnik, [...] daß kaum der Dramatiker, aber sehr oft der Erzähler
davon lernen kann."
THOMAS MANN: Meine Ansicht über den Film. 1928
"Der Büchnersche Lenz, meine Damen und Herren, ist ein Fragment
geblieben. Sollen wir, um zu erfahren, welche Richtung dieses Dasein
hatte, den historischen Lenz aufsuchen?
'Sein Dasein war ihm eine notwendige Last. - So lebte er hin [...]' Hier
bricht die Erzählung ab.
Aber Dichtung versucht ja, wie Lucile, die Gestalt in ihrer Richtung zu
sehen, Dichtung eilt voraus. Wir wissen, wohin er lebt, wie er hinlebt.
'Der Tod', so liest man in einem 1909 in Leipzig erschienenen Werk über
Jakob Michael Reinhold Lenz - es stammt aus der Feder eines Moskauer
Privatdozenten namens M. N. Rosanow -, 'der Tod als Erlöser ließ nicht
lange auf sich warten. In der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 1792 wurde
Lenz entseelt in einer der Straßen Moskaus aufgefunden. Er wurde auf
Kosten eines Adligen begraben. Seine letzte Ruhestätte ist unbekannt
geblieben.'
So hatte er hingelebt.
Er: der wahre, der Büchnersche Lenz, die Büchnersche Gestalt, die Person,
die wir auf der ersten Seite der Erzählung wahrnehmen konnten, der Lenz,
der 'den 20. Jänner durchs Gebirg ging', er - nicht der Künstler und mit
Fragen der Kunst Beschäftigte, er als ein Ich."
PAUL CELAN: Büchner-Preis-Rede. 1960


INHALT SEITE
SIGLEN- UND ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS.......................................8
VORBEMERKUNGEN..............................................................................12
KAPITEL I..................................................................................................18
ZUR EINFÜHRUNG..................................................................................18
1. GEORG BÜCHNERS LENZ: LENZ-FORSCHUNG ZWISCHEN
BESTAND UND MODIFIKATION ................................................... 19
KAPITEL II.................................................................................................38
MEDIENHERMENEUTISCHE VORÜBERLEGUNGEN ZU EINER
THEORIE DER LITERATURVERFILMUNG.........................................38
1. FUNKTIONSWANDEL, REPRODUKTION UND AISTHESIS...... 39
2. VERGESSEN, ERINNERN UND WIEDERERKENNEN................. 52
3. MEDIENHERMENEUTISCHE ANNAHMEN UND
METHODENGESCHICHTLICHE EXKURSE ZU GILLES
DELEUZE: DAS BEWEGUNGS- UND ZEIT-BILD........................... 59
KAPITEL III ...............................................................................................72
MEDIENÄSTHETISCHE PRINZIPIEN DES WIEDERERKENNENS ..72
TEIL I..........................................................................................................72
ZU EGON GÜNTHERS FILM LENZ........................................................72
1. BIOGRAPHISCHER KONTEXT LENZ'............................................ 73
2. MEDIENÄSTHETISCHES ERINNERN UND WIEDER-
ERKENNEN VERSUS LITERARISCHES VERGESSEN ................ 76
2.1 EGON GÜNTHERS FILMISCHER WERKKONTEXT.................... 76
2.2 WIRKUNGSGESCHICHTLICHE WERKANKLÄNGE UND
FILMISCHE SYNOPSE ...................................................................... 82
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