scieee Science in your language
[en] (orig)
Bestimmung von Chlortetracyclinrückständen
in biologischen Proben aus der landwirtschaftlichen
Tierhaltung mit HPLC-UV-MS/MS
- Methodenentwicklung und Anwendung in Medikationsstudien -
Der Fakultät für Naturwissenschaften
Department Chemie
der Universität Paderborn
zur Erlangung des Grades eines
Doktors der Naturwissenschaften
Dr. rer. nat.
genehmigte Dissertation
von Diplom-Chemikerin
Andrea Vockel
aus Detmold
Paderborn 2005
Die vorliegende Arbeit basiert auf Untersuchungen, die in der Zeit von Mai 2000 bis Januar
2004 unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. M. Grote, Universität Paderborn, Fakultät für Na-
turwissenschaften, Department Chemie (Anorganische und Analytische Chemie) überwiegend
am Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt, SVUA Detmold durchgeführt worden sind.
1. Referent: Prof. Dr. M. Grote
2. Referent: Prof. Dr. M. Weiß
Eingereicht am 23.05.2005
Tag der mündlichen Prüfung: 08.07.2005
Veröffentlichungen im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit:
A. Vockel, H.-A. Wagener, W. Klemm, K. Röwer, A. Mehlich, M. Grote; Bestimmung von
Tetracyclinrückständen mit LC-MSMS in lebensmittelliefernden Schweinen; Lebensmittel-
chemie 55 (2001), 67-68
A. Vockel, K. Röwer, A. Mehlich, M. Grote; Bestimmung von Tetracyclinrückständen mit
LC-MSMS in lebensmittelliefernden Schweinen; 5 th International Symposium Extraction for
Sample Preparation - SFE - (X)SE - SPME, 5. – 7. Mai 2001; Siegen (Posterbeitrag)
A. Vockel, K. Röwer, A. Mehlich, M. Grote; Quantifizierung von Chlortetracyclin mit LC-
MSMS in biologischen Proben von lebensmittelliefernden Schweinen; DVG-LChG-
Symposium, "Lebensmittel - Mittel zum Leben", 8. – 10. April 2002; Münster (Posterbeitrag)
A. Vockel, K. Röwer, A. Mehlich, M. Grote; Bedeutung von Umwandlungsprodukten bei der
quantitativen Chlortetracyclinanalytik in biologischen Proben mit LC-MSMS; Analytica, 18.
Internationale Fachmesse und Analytica Conference; 23. – 26. April (2002) München (Pos-
terbeitrag)
A. Mehlich, A. Vockel, M. Grote; Quantitative Analysis of chlortetracycline and its degrada-
tion products in biological samples by LC-MSMS; Euroanalysis-12, European Conference on
Analytical Chemistry, Dortmund, Germany, September 8 - 13, 2002 (Posterbeitrag)
M. Grote, A. Vockel, D. Schwarze, A. Mehlich, M. Freitag; Fate of Antibiotics in food chain
and environment originating from pigfattening (Part 1); Fresenius Envir. Bull.; 13 (11 b)
(2004) 1216-1224
A. Vockel, K. Röwer, K. Vogel, A. Mehlich, M.Stolz, B. Brand, M. Grote; Sonderprogramm
Verbraucherschutz 2000-2002; Abschlußbericht: „Resistenzentwicklung und Rückstände in
der landwirtschaftlichen Tierhaltung“; Hrsg.: Ministerium für Umwelt und Naturschutz,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW, Düsseldorf (2004) www.lej.nrw.de
DANKSAGUNG
Herrn Prof. Dr. M. Grote danke ich sehr herzlich für die interessante Themenstellung, stete
Diskussionsbereitschaft und für die engagierte Unterstützung dieser Arbeit.
Herrn Prof. Dr. M. Weiß (Fakultät für Naturwissenschaften, Department Sport & Gesundheit,
Sportmedizin, Universität Paderborn) danke ich für die freundliche Übernahme des Korrefera-
tes.
Mein weiterer Dank gilt Herrn Dr. M. Stolz (Staatliches Veterinäruntersuchungsamt Det-
mold), Herrn Dr. A. Mehlich sowie allen Mitarbeitern des Staatlichen Veterinäruntersu-
chungsamtes Detmold, die durch ihr Mitwirken und ihr kollegiales Verhalten zum Gelingen
dieser Arbeit beigetragen haben. Besonders möchte ich mich bei Karin Röwer und Kerstin
Tingelhoff bedanken.
Weiterhin möchte ich allen Mitwirkenden des Verbraucherschutzprojektes, die die Durchfüh-
rung der Medikationsstudien begleitet haben, für die gute Zusammenarbeit danken, die damit
zum Erfolg dieser Arbeit beigetragen haben.
Weiterhin gilt mein besonderer Dank all den jetzigen und ehemaligen Mitarbeitern des Ar-
beitskreises Analytische und Anorganische Chemie, insbesondere Rolli Knaup, Dr. Detlef
Schwarze und Dr. Heike Wollersen.
Meinen ganz besonderen Dank möchte ich darüber hinaus all denjenigen aussprechen, die in
fachlicher wie auch privater Hinsicht diese Arbeit auf vielfältige Art und Weise unterstützten.
Ich danke all meinen Freunden, die mir stets zur Seite standen und durch ihre Diskussionsbe-
reitschaft eine große Hilfestellung waren. Besonders danke ich auch meinem Vater, in Erinne-
rung an meine Mutter, für die jahrelange Geduld und Unterstützung.
Für meinen Vater
in Erinnerung an meine Mutter
I
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung..........................................................................................................................................1
2 Problemstellung und Zielsetzung....................................................................................................4
3 Theoretische Grundlagen................................................................................................................6
3.1 Klassifizierung von Antibiotika.............................................................................................6
3.1.1 Definition, Wirkungstypen und Klassifizierungsmöglichkeiten ....................................6
3.1.2 Aufbau von Bakterienzellen...........................................................................................8
3.1.3 Wirkmechanismen, Struktur-Wirkungsbeziehungen und Wirkungsspektren ..............10
3.1.3.1 Einteilung der Antibiotika nach Wirkmechanismen ...............................................10
3.1.3.2 Wirkungsspektrum von Antibiotika........................................................................11
3.1.3.3 Wirkmechanismus der Tetracycline........................................................................12
3.2 Struktureller Aufbau und Struktur-Wirkungsbeziehungen der Tetracycline................12
3.2.1 Struktur und Nomenklatur............................................................................................12
3.2.2 Struktur-Wirkungs-Beziehungen von Tetracyclinen....................................................14
3.3 Pharmakologie der Tetracycline .........................................................................................14
3.4 Resistenzmechanismen, Gefährdung des Verbrauchers und Rechtliche Bewertung.....16
3.4.1 Resistenzmechanismen.................................................................................................16
3.4.1.1 Definition und Möglichkeiten der Resistenzentstehung..........................................16
3.4.1.2 Resistenzeigenschaften gegenüber Tetracyclinen ...................................................17
3.4.2 Gefährdung des Verbrauchers durch den Einsatz von Antibiotika ..............................18
3.4.3 Rechtliche Bewertung von pharmakologisch wirksamen Stoffen in Lebensmitteln
tierischen Ursprungs.....................................................................................................20
3.5 Eigenschaften der Tetracycline ...........................................................................................22
3.5.1 Physikalische und chemische Eigenschaften................................................................22
3.5.2 Komplexbildung...........................................................................................................23
3.5.3 Umwandlungs- und Abbaureaktionen..........................................................................24
3.5.3.1 Epimerisierung ........................................................................................................24
3.5.3.2 Isomerisierung.........................................................................................................25
3.5.3.3 Keto-Enol-Tautomerie.............................................................................................26
3.5.3.4 Dehydratation..........................................................................................................27
4 Stand der Tetracyclin-Analytik ....................................................................................................29
5 Ergebnisse und Diskussion............................................................................................................33
5.1 Untersuchungsmethodik und Projektverlauf.....................................................................33
5.1.1 Haus Düsse-Studie........................................................................................................34
II
5.1.2 FAL-Studie .................................................................................................................. 35
5.2 Methodenentwicklung zur Bestimmung von CTC und Metabolite in biologischen
Proben ................................................................................................................................... 37
5.2.1 Entwicklung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens ....................................................... 37
5.2.1.1 Auswahl der mobilen und stationären Phase.......................................................... 37
5.2.1.2 Entwicklung der MS/MS-Detektion....................................................................... 39
5.2.1.3 Stabilität von CTC und e-CTC in Lösung.............................................................. 41
5.2.2 Entwicklung und Optimierung der Probenvorbereitung.............................................. 44
5.2.2.1 Auswahl des SPE-Materials ................................................................................... 46
5.2.2.2 Einfluß der Zusammensetzung des Extraktionsmittels........................................... 46
5.2.2.3 Wiederfindungsstudien mit CTC und e-CTC......................................................... 47
5.2.2.4 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung................. 48
5.2.2.5 Urin, Plasma und Faeces......................................................................................... 49
5.2.2.6 Muskulatur, Leber und Niere.................................................................................. 52
5.2.2.7 Optimierung der Probenvorbereitung für Muskulatur............................................ 54
5.2.2.8 Knochen.................................................................................................................. 56
5.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse der Verfahrensentwicklung .................................. 58
5.3 Validierung des Analysenverfahrens zur Bestimmung von CTC und e-CTC................ 60
5.3.1 Kalibrierung................................................................................................................. 61
5.3.1.1 Wahl des Arbeitsbereiches ..................................................................................... 61
5.3.1.2 Linearität................................................................................................................. 62
5.3.2 Nachweis- und Bestimmungsgrenze............................................................................ 64
5.3.3 Selektivität des Verfahrens zur Bestimmung von CTC und e-CTC in Muskulatur..... 65
5.3.3.1 Selektivitätstest durch Peaklöschung nach alkalischer Behandlung....................... 66
5.3.3.2 Selektivitätsstest durch Vergleich der Retentionszeiten......................................... 66
5.3.3.3 Selektivitätstest durch Vergleich der UV- und MS-Spektren................................. 67
5.3.4 Systematische und zufällige Fehler ............................................................................. 69
5.3.4.1 Richtigkeit .............................................................................................................. 69
5.3.4.2 Matrixbedingte Signalbeeinflussung bei der ESI-MS/MS-Detektion .................... 72
5.3.4.3 Präzision ................................................................................................................. 74
5.3.5 Zusammenfassung der Validierungsergebnisse für die Bestimmung von CTC und e-
CTC in Muskulatur...................................................................................................... 76
5.3.6 Validierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens für die Bestimmung von CTC und e-
CTC in Urin, Faeces, Plasma, Knochen, Leber und Niere .......................................... 77
5.4 Anwendung des Analysenverfahrens auf Proben der Medikationsstudien.................... 79
5.4.1 Haus Düsse-Studie....................................................................................................... 79
5.4.1.1 Ausscheidungsverhalten von CTC in Urin............................................................. 79
III
5.4.1.2 CTC-Gehalte in Schlachtproben..............................................................................81
5.4.1.3 Resistenzuntersuchungen ........................................................................................82
5.4.1.4 Zusammenfassung...................................................................................................83
5.4.2 FAL-Studie...................................................................................................................83
5.4.2.1 CTC und e-CTC in Urin, Faeces und Plasma..........................................................84
5.4.2.2 Bilanzierung (Applikation-Exkretion) ....................................................................87
5.4.2.3 Schlachtproben........................................................................................................88
5.4.2.4 Zusammenfassung...................................................................................................89
5.4.3 Ergebnisse der Studien und Konsequenzen..................................................................89
5.5 Identifizierung von Tautomeren..........................................................................................90
5.6 In vitro- und in vivo-Bildung von Metaboliten des CTC ...................................................93
5.6.1 In vitro-Bildung............................................................................................................93
5.6.2 In vivo-Bildung.............................................................................................................94
5.7 Antibiotische Aktivitäten .....................................................................................................96
5.7.1 Agar-Diffusionstest ......................................................................................................96
5.7.2 Bildung von Abbauprodukten während des Agar-Diffusionstests...............................98
5.7.3 Zusammenfassung der Ergebnisse und Konsequenzen ..............................................100
5.8 Methodenentwicklung zur quantitativen Bestimmung weiterer CTC-Metabolite.......100
5.8.1 HPLC-UV-MS/MS-Verfahren ...................................................................................101
5.8.1.1 Stabilität der Metabolite in Lösung.......................................................................101
5.8.1.2 Kalibrierung ..........................................................................................................102
5.8.2 Probenvorbereitung ....................................................................................................103
5.8.2.1 Wiederfindung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC .....................103
5.8.2.2 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung................104
5.8.2.3 iso-CTC und e-iso-CTC als Summenparameter....................................................105
5.8.3 Zusammenfassung ......................................................................................................106
5.9 Anwendung des erweiterten Analysenverfahrens auf Proben der FAL-Studie............107
5.9.1 Schlachtproben ...........................................................................................................107
5.9.2 Gebundene CTC-Rückstände in Knochen..................................................................109
5.9.2.1 Freisetzung von CTC aus Knochen.......................................................................111
5.9.2.2 Fluoreszenz-Screening-Test ..................................................................................114
5.9.2.3 Applikation von CTC und Ablagerungsmuster in Knochen .................................114
5.9.3 Bilanzierungsstudie von Tier 95.................................................................................116
5.9.3.1 Urin und Faeces.....................................................................................................116
5.9.3.2 Schlachtproben......................................................................................................118
5.9.3.3 Bilanzierung ..........................................................................................................119
IV
5.9.4 Konsequenzen............................................................................................................ 122
6 Zusammenfassung und Ausblick ............................................................................................... 123
7 Experimenteller Teil.................................................................................................................... 128
7.1 Chemikalien........................................................................................................................ 128
7.2 Geräte.................................................................................................................................. 128
7.2.1 HPLC-UV-MS/MS Triple Quadrupol-System .......................................................... 128
7.2.2 Probenzerkleinerung.................................................................................................. 129
7.2.3 Probenhomogenisierung ............................................................................................ 129
7.2.4 Zentrifugen ................................................................................................................ 129
7.2.5 SPE-Extraktionseinheit.............................................................................................. 129
7.2.6 TurboVap................................................................................................................... 129
7.2.7 pH-Meter.................................................................................................................... 130
7.2.8 UV-Lampe ................................................................................................................. 130
7.3 Lösungen/Reagenzien ........................................................................................................ 130
7.3.1 Mobile Phase ............................................................................................................. 130
7.3.2 McIlvain-Puffer, pH 4 mit 0,1 moL/L EDTA............................................................ 130
7.3.3 Stammlösungen.......................................................................................................... 130
7.3.4 Standardlösungen....................................................................................................... 130
7.3.5 Kalibrierlösungen ...................................................................................................... 131
7.4 Medikationsstudien............................................................................................................ 131
7.4.1 Haus Düsse-Studie..................................................................................................... 131
7.4.2 FAL-Studie ................................................................................................................ 133
7.5 Methodenentwicklung ....................................................................................................... 135
7.5.1 Chromatographische Bestimmung............................................................................. 135
7.5.2 Stabilität von CTC und e-CTC in Lösung ................................................................. 137
7.5.3 Entwicklung und Optimierung der Probenvorbereitung............................................ 137
7.5.3.1 Auswahl der SPE-Materials.................................................................................. 137
7.5.3.2 Einfluß der Zusammensetzung des Extraktionsmittels......................................... 137
7.5.3.3 Wiederfindungsstudien mit CTC und e-CTC....................................................... 138
7.5.3.4 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung von CTC
und e-CTC............................................................................................................................ 138
7.5.3.5 Zusammenfassung des SPE-Verfahrens ............................................................... 138
7.5.4 Probenvorbereitung verschiedener Matrices.............................................................. 138
7.5.4.1 Urin, Plasma und Kot ........................................................................................... 138
7.5.4.2 Muskulatur, Leber und Niere................................................................................ 139
7.5.4.3 Optimierung des Extraktionsverfahrens für Muskulatur ...................................... 140
V
7.5.4.4 Knochen ................................................................................................................140
7.6 Validierung des Analysenverfahrens ................................................................................141
7.6.1 Linearer Bereich .........................................................................................................141
7.6.2 Kalibriergeraden.........................................................................................................141
7.6.3 Nachweis- und Bestimmungsgrenze...........................................................................142
7.6.4 Selektivität..................................................................................................................142
7.6.4.1 Selektivitätstest durch Peaklöschung nach alkalischer Behandlung .....................142
7.6.4.2 Selektivitätstest durch Vergleich der Retentionszeiten .........................................142
7.6.4.3 Selektivitätstest durch Vergleich der UV- und MS-Spektren ...............................142
7.6.5 Richtigkeit ..................................................................................................................142
7.6.6 Matrixbedingte Signalbeeinflussung bei der massenspektrometrischen Detektion....143
7.6.6.1 Matrixkalibrierung.................................................................................................143
7.6.6.2 Kontinuierliche Nachsäulen-Injektion von CTC...................................................143
7.6.7 Präzision .....................................................................................................................143
7.6.7.1 Meßpräzision.........................................................................................................143
7.6.7.2 Methodenpräzision................................................................................................143
7.6.8 Validierungsparameter für Urin, Kot, Plasma, Knochen, Leber und Niere................144
7.7 Identifizierung tautomerer Verbindungen von CTC ......................................................144
7.8 In vitro-Bildung von Metaboliten des CTC ......................................................................144
7.9 Antibiotische Aktivitäten ...................................................................................................145
7.9.1 Agar-Diffusionstest ....................................................................................................145
7.9.2 Abbaureaktionen während des Agar-Diffusionstestes................................................145
7.10 Methodenentwicklung zur quantitativen Bestimmung weiterer CTC-Metabolite.......146
7.10.1 Herstellung einer Standardlösung aus iso-CTC und e-iso-CTC.................................146
7.10.2 Linearer Bereich .........................................................................................................146
7.10.3 iso-CTC und e-iso-CTC als Summenparameter.........................................................147
7.10.4 Wiederfindung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ..........................147
7.10.5 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung von iso-CTC,
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ..........................................................................147
7.11 Gebundene CTC-Rückstände in Knochen .......................................................................147
7.11.1.1 Freisetzung von CTC aus Knochen.......................................................................147
7.11.1.2 Fluoreszenz-Screening-Test ..................................................................................148
8 Literatur........................................................................................................................................149
A Anhang...........................................................................................................................................A 1
VI
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Allgemeine Abkürzungen
AMG Arzneimittelgesetz
APCI atmospheric pressure chemical ionisation
ASE Accelerated Solvent Extraction
AU Absorption Units
β Massenkonzentration
BfR Bundesinstitut für Risikobewertung
BG Bestimmungsgrenze
c0 molare Ausgangskonzentration der Lösung
CI Chemical Ionisation
ci Analyt-Konzentration der Lösung zum Zeitpunkt i
DAD Dioden-Array-Detektor
di Residuen
DIN Deutsche Industrie Norm
DPT Drei-Platten-Test
DS2 Differenz der Varianzen
EDTA Ethylendiamintetraessigsäure
EMEA Europäische Arzneimittelbehörde
ESI Electrospray Ionisation
FAB Fast Atom Bombardment
FAL Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
FDA Food and Drug Administration
FlHG Fleischhygienegesetz
HPLC Hochleistungsflüssigchromatographie (high performance liquid chromatography)
I intermediär
ICH International Conference on the Harmonisation of technical requirements for the
registration of pharmaceuticals for human use
IUPAC International Union of Pure and Applied Chemistry
K Kontrolltier
KG Körpergewicht
LEJ Landesamt für Ernährungswirtschaft und Jagd
LMBG Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz
m/z Masse-zu-Ladung-Verhältnis
MeOH Methanol
VII
MHK Minimale Hemmkonzentration
MRL Maximum Residue Limit
MRPL Minimum Required Performance Limit
MS Massenspektrometrie
MSPD Matrix Solid Phase Extraction
MUNLV Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
n Anzahl der Meßwerte
nn nicht nachweisbar
NWG Nachweisgrenze
P Signifikanzniveau
p.a. pro analysi
PG Prüfgröße
R resistent
r Wiederholdifferenz
R2 Bestimmtheitsmaß
rM statistischer Tabellenwert für den GRUBBS-Test
RP Reversed Phase (Umkehrphase)
Rt Retentionszeit [min]
RT Raumtemperatur
S sensibel
s Standardabweichung
SPE Festphasenextraktion (Solid Phase Extraction)
SPME Festphasenmikroextraktion (Solid Phase Micro Extraction)
srel relative Standardabweichung
Sxo Verfahrensstandardabweichung
t Zeit
TMP Trimethoprim
VB Vertrauensbereich
Vxo relative Verfahrensstandardabweichung
WF Wiederfindung
x Konzentration
y Detektorsignal
VIII
Tetracycline
Anhydro-CTC Anhydrochlortetracyclin
CTC Chlortetracyclin
DMCTC Desmethylchlortetracyclin
DC Doxycyclin
e-Anhydro-CTC epi-Anhydrochlortetracyclin
e-CTC epi-Chlortetracyclin
e-iso-CTC epi-Isochlortetracyclin
iso-CTC Isochlortetracyclin
MC Minocyclin
OTC Oxytetracyclin
RTC Rolitetracyclin
TC Tetracyclin
1 Einleitung 1
1 Einleitung
Antibiotika gehören zu den bedeutendsten und am häufigsten eingesetzten human- und veterinärmedi-
zinischen Therapeutika [1]. In der landwirtschaftlichen Tierhaltung finden Antibiotika zum einen zu
therapeutischen, also medizinischen, Zwecken, zum anderen aber auch zur Leistungsförderung An-
wendung. Der therapeutische Einsatz von Antibiotika erfolgt neben der Behandlung einzelner erkrank-
ter Tiere bei landwirtschaftlichen Nutztieren aufgrund der Haltungsbedingungen in Form von „Mas-
senbehandlungen“, bestandsweise über ganze Lebensabschnitte hinweg, wobei die Medikation meist
über das Futter oder Trinkwasser erfolgt. Leistungsförderer sind dagegen im Sinne des Futtermittelge-
setzes keine Arzneimittel, sondern „Werkstoffe der Tierernährung“, die oral wirksam sind und bei
Nutztieren zu einer Steigerung der Wachstumsrate und der Futterverwertung führen. Die auch als Fut-
terzusatzstoffe bezeichneten Leistungsförderer fallen damit auch nicht unter die Bestimmungen des
Arzneimittelgesetzes [2], obwohl sie eine pharmakologische Wirkung aufweisen können. Zur mastlei-
stungssteigernden Wirkung werden auch therapeutisch wichtige Antibiotika in niedriger, subtherapeu-
tischer Dosis verfüttert. In der Europäischen Union stehen derzeit etwa 650 Wirksubstanzen zur An-
wendung bei Lebensmittel liefernden Tieren zur Verfügung [3]. Daten über die zur Anwendung kom-
menden Mengen dieser Arzneimittel existieren in den Ländern der Europäischen Union nur in be-
grenztem Ausmaß. Die FEDESA (Federation Européenne de la Santé Animale) publizierte für das Jahr
1997 Daten über das europaweite Verkaufsvolumen von Antibiotika. Hiernach beträgt der Einsatz von
Antibiotika in der Humanmedizin mit 5400 t 52 %, in der Veterinärmedizin mit 3494 t 33 % und der
Einsatz als Leistungsförderer in der Landwirtschaft mit 1599 t 12 %. Von den insgesamt EU-weit
5093 t eingesetzten Tierarzneimitteln im Bereich der Veterinärmedizin und der Leistungsförderung
entfallen ca. 80 % auf Nutztiere, wobei die Tierarten Schwein, Rind/Kalb, Geflügel, Schaf und Ziege
eine besonders große Rolle spielen. Aufgrund einer möglichen resistenzfördernden Wirkung wird der
nutritive Einsatz von antibakteriell wirksamen Leistungsförderern stark kritisiert und ist in den letzen
Jahrzehnten erheblich eingeschränkt worden. Der Einsatz von Antibiotika als Leistungsförderer ist
inzwischen bis auf die vier antimikrobiell wirksamen Substanzen Avilamycin, Monensin-Natrium,
Salinomycin-Natrium und Flavophospholipol verboten [2]. Ein kompletter Verzicht auf den Einsatz
von Futtermittelzusatzstoffen zur Leistungsförderung wird angestrebt. Von den 3494 t eingesetzten
Antibiotika in der Veterinärmedizin entfielen nach der Studie der FEDESA im Jahr 1997 EU-weit die
in Abb. 1 dargestellten Mengen [4].
Abb. 1: Mengen der EU-weit in der Tiermedizin eingesetzten Wirkstoffgruppen im Jahre 1997 (in
Tonnen), (FEDESA) [4]
Fluorchinolone
43 t
Sulfonamide/
Trimethoprim
75 t
Sonstige
182 t
Aminoglycoside
154 t
ß-Lactame
322 t
Makrolide
424 t
Tetracycline
2294 t
1 Einleitung
2
Unter den in der Veterinärmedizin gebräuchlichen Antibiotikagruppen machen die Tetracycline mit
einem relativen Gesamtverkaufsvolumen von 66 % (2294 t) weit vor den Makroliden (12 %, 424 t)
und ß-Lactamen (9 %, 322 t) den größten Anteil aus [5, 6]. Für den Einsatz als Leistungsförderer sind
Tetracycline bereits seit über 25 Jahren verboten und dürfen seitdem nur noch zu therapeutischen
Zwecken eingesetzt werden. Dennoch kommt gerade dieser Wirkstoffgruppe eine besondere Bedeu-
tung zu, da es sich um kostengünstige Antibiotika handelt und sie daher vor allem der therapeutischen
Anwendung bei Tieren dienen. In der Veterinärmedizin werden im wesentlichen dieselben Wirkstoff-
gruppen wie in der Humanmedizin angewendet, wobei jedoch einige Vertreter einer Wirkstoffgruppe
weitestgehend der Humanmedizin vorbehalten sind. Während von den Tetracyclin-Derivaten in der
Humanmedizin über 90 % der verordneten Präparate auf den Wirkstoff Doxycyclin entfallen [7], ist in
der veterinämedizinischen und landwirtschaftlichen Anwendung Chlortetracyclin der bedeutendste
Wirkstoff [8-12]. Chlortetracyclin wird oft auch in Kombination mit Sulfonamiden zur Behandlung
von Schweinen eingesetzt.
Die sich anfänglich einstellende Euphorie nach Beginn der breiten Antibiotika-Anwendung in den
30er und 40er Jahren wurde sehr bald durch Beobachtungen einer erhöhten Häufigkeit resistenter Bak-
terienstämme gedämpft. Die rasante zunehmende Verbreitung von Antibiotikaresistenzen hat zu einer
Abnahme des medizinischen Behandlungserfolges geführt. Im Bereich von Kliniken, Landwirtschaft
und Umwelt ist es zunehmend zu multiplen mobilen Resistenzgenen gekommen. Heutzutage besteht
kein Zweifel an der Verbreitung von Resistenzen über Krankenhäuser und in der Umwelt und ist daher
als ein globales Problem zu betrachten [13]. Das BfR, ehemals BgVV, erfaßt seit 1992 Resistenzen als
Risiko einer Arzneimittelwirkung auf der Grundlage der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift in Er-
gänzung des § 56 des AMG. An diesem Erfassungsprogramm sind verschiedene veterinärmedizinische
Untersuchungsinstitute beteiligt, die Bakterienstämme aus diagnostischem Material auf antimikrobiel-
le Resistenz geprüft haben. Diese Untersuchungen zeigen eine deutliche Zunahme von resistenten
pathogenen Erregern, wobei der höchste Anteil resistenter Keime für Sulfonamide und Tetracycline
bei Schweinen zu verzeichnen ist [14-17]. Bemerkenswert ist daher der hohe Verbrauch an Tetracycli-
nen trotz ihrer ungünstigen Resistenzsituation [6, 18]. Für den Anstieg der Resistenzen in der Veteri-
närmedizin wird der breite Einsatz von Arzneimittelvormischungen als Fütterungsarzneimittel verant-
wortlich gemacht. Insbesondere die Behandlung ganzer Tierbestände über Lebensabschnitte hinweg
durch Arzneimittelfütterung birgt ein besonders hohes Risiko der Resistenzentwicklung in sich, da
hierbei eine Vielzahl von Tieren einer Langzeitexposition von häufig zu niedrigen Wirkstoffkonzen-
trationen ausgesetzt ist [4]. Die Bildung von Kreuzresistenzen innerhalb einer Wirkstoffgruppe sowie
das breite Wirkungsspektrum der meisten Antibiotika führt zu einem erhöhten Risiko der Resistenz-
ausbildung. Resistenz ist heute ein generelles klinisches Problem, so daß in vielen nationalen und in-
ternationalen Expertenvereinigungen daher Strategien zum gezielteren Einsatz von Antibiotika in der
Medizin und Landwirtschaft erarbeitet werden [19-22]. Die Entstehung und Verbreitung von Resisten-
zen wird heutzutage zunehmend in einem mikrobiell-ökologischen Zusammenhang gesehen [23-26].
Dies bedeutet, daß pathogene Bakterien, die eine Resistenz erlangen, nicht isoliert in ihrem Lebens-
raum betrachtet werden dürfen, sondern vielmehr als Teil einer Lebensgemeinschaft zwischen
Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt zu verstehen sind. Deshalb gibt es vermehrt Untersuchungen zum
Verbleib der den Tieren applizierten Wirkstoffe unter besonderer Beachtung des Umwelteintrages [27-
36]. Dennoch gibt es noch keine valide Daten hinsichtlich des Antibiotikaeintrages in die Umwelt und
die Nahrungskette. Nach dem derzeitigen Wissensstand kann daher keine klare Einschätzung des Ge-
fährdungspotentials für den Verbraucher durch Antibiotika aus veterinärmedizinischer Anwendung
1 Einleitung 3
und deren Resistenzproblematik gegeben werden.
Im Hinblick auf die rasante Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei Mikroorganismen ergab sich
die Notwendigkeit, immer neue Wirkstoffe entwickeln zu müssen. Dabei sollte die antibakterielle
Wirkung neuer Präparate in Relation zu den bisher wirksamsten Substanzen geprüft werden. Wichtige
Beurteilungskriterien sind dabei die Wirkungsintensität, ausgedrückt im MHK-Wert in µg/mL Sub-
strat, der Wirkungstyp, die Resistenzsituation sowie pharmakokinetische Parameter wie Inaktivierung,
Um- und Abbau und Stabilität in verschiedenen pH- und Temperaturbereichen und gegenüber Meta-
bolisierunsprozessen in vivo [50]. Zwischen 1940 und 1960 sind die meisten Antibiotika, die heute
eine bedeutende therapeutische Rolle spielen, entdeckt worden. Obwohl die Zahl neu entdeckter mi-
krobiell wirksamer Substanzen seitdem nicht abgenommen hat, sind in den letzten Jahrzehnten nur
wenige strukturell neuartige Antibiotika zur Anwendung gekommen. Insbesondere auf dem Tierarz-
neimittelmarkt zeigt sich ein deutlicher Rückgang von Neuentwicklungen für Nutztiere. Der Haupt-
grund liegt darin, daß die Anforderungen an ein neues Antibiotikum ständig gestiegen sind [37]. Die
Zeit und die Kosten für eine Neuentwicklung haben enorm zugenommen. Für viele Präparate im Be-
reich der Tierarzneimittel ist von der pharmazeutischen Industrie aufgrund der hohen Nachzulassungs-
kosten kein Antrag auf Festsetzung einer Rückstandshöchstmenge gestellt worden. Trotz weltweiter
Bestrebungen zur chemischen Modifikation natürlicher Antibiotika zur Optimierung der Eigenschaften
wie ein erweitertes Wirkungsspektrum, bessere pharmakokinetische und toxikologische Eigenschaften
sind bei vielen Infektionskrankheiten die herkömmlichen Ausgangswirkstoffe der Penicilline, Sulfo-
namide und Tetracycline das Mittel der Wahl [2, 48], wodurch die Bedeutung der klassischen Antibio-
tika verdeutlicht wird.
Aus dem unvermindert hohen Einsatz von Chlortetracyclin in der Schweinemast und der ungenügen-
den Datenlage über die hieraus entstehenden möglichen Auswirkungen für den Verbraucher resultiert
Forschungsbedarf hinsichtlich des Eintrages dieses Antibiotikums sowie dessen Metabolite in die Nah-
rungskette. Neben dem direkten Eintrag von Chlortetracyclinrückständen in tierische Lebensmittel
sind auch indirekte Eintragspfade über die Einbringung von Chlortetracyclin in die Umwelt von Be-
deutung.
2 Problemstellung und Zielsetzung
4
2 Problemstellung und Zielsetzung
Während früher zum Schutz des Verbrauchers zur Vermeidung von Tierazneimitteln in Lebensmitteln
lediglich die Einhaltung von Wartezeiten herangezogen worden ist, so dürfen mit Einführung der
Rückstandshöchstmengenregelung im Jahre 1990 in zur Lebensmittelgewinnung dienenden Tieren in
verschiedenen Matrices bestimmte Grenzwerte (MRL maximum residual limit) nicht überschritten
werden. Darüber hinaus weisen aber LANGEWISCHE et al. auf eine resistenzfördernde Wirkung von
Antibiotikarückständen bei lebensmittelliefernden Tieren hin, die unterhalb der gesetzlich festgelegten
Rückstandshöchstmengen, den MRL-Werten, liegen [38]. Bei der Festlegung der MRL-Werte gehen
die mikrobiologischen Eigenschaften eines Antibiotikums nur bedingt mit ein, was dazu führt, daß
viele MRL-Werte unterhalb der MHK-Werte, den minimalen Hemmstoffkonzentrationen, liegen. Der
Konsum tierischer Erzeugnisse kann demzufolge zu einer Resistenzbildung beitragen, da das Wach-
stum der Keime nicht vollständig verhindert wird und damit eine Promotion resistenter Keime erfolgt.
Obwohl es eine Vielzahl von Untersuchungen zur Metabolisierung und zum Verbleib der in der Tier-
mast eingesetzten Tetracycline gibt [39-46], fehlt eine genaue Kenntnis über die daraus resultierende
Gefährdung für den Verbraucher, insbesondere im Hinblick darauf, daß auch geringe unterhalb der
MRL-Werte liegende Arzneimittelgehalte in tierischen Produkten eine Gefährdung für den Verbrau-
cher darstellen können. Bei vielen Veröffentlichungen zur analytischen Bestimmung von Tetracycli-
nen in Muskulatur, Leber und Niere erfolgt die Festlegung der Bestimmungsgrenze unter Zugrundele-
gung der MRL-Werte, so daß mit vielen veröffentlichten Verfahren eine Bestimmung von Antibioti-
kagehalten unterhalb der MRL-Werte nicht zuverlässig möglich ist [185, 210, 239, 310].
Tetracycline besitzen die chemische Eigenschaft, in wäßriger Lösung antibiotisch aktive Epimere,
siehe Abb. 7, zu bilden, weshalb im Rahmen der MRL-Verfahren festgelegt wurde, den Tetracyclin-
Gehalt als Summe von Muttersubsstanz und Epimeren zu ermitteln. Zusätzlich bildet vor allem Chlor-
tetracyclin in Abhängigkeit vom pH-Wert weitere Umwandlungs- und Abbauprodukte wie Isochlorte-
tracyclin und Anhydrochlortetracyclin, die in den meisten Fällen in der Literatur wie auch bei der
Festlegung der MRL-Werte unberücksichtigt bleiben [172, 194, 195]. Weiterhin erfolgte bei den in der
Literatur beschriebenen Analysenverfahren zumeist nur eine ungenügende Überprüfung der Zuverläs-
sigkeit der Verfahren. Es werden zwar teilweise einzelne Validierungsparamter angegeben, jedoch
fehlt eine ausführliche Validierung [170, 173, 210]. Eine weitere charakteristische Eigenschaft von
Tetracyclinen ist ihre Komplexbildung mit verschiedenen Matrixkomponenten wie z.B. Proteine und
Metallkationen, die zu einer Einlagerung von Tetracyclinen in Knochen führt [37, 48]. Es ist umstrit-
ten, ob diese gebundenen Tetracyclinrückstände unbedenklich für den Verbraucher sind. Diese Arbeit
verfolgte daher folgende Ziele:
Um nähere Erkenntnisse über die Aufnahme, die Metabolisierung und den Verbleib von Arzneimitteln
in der Tiermast zu erlangen, wurde vom MUNLV (Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Land-
wirtschaft und Verbraucherschutz NRW) im Jahre 2000 ein Verbraucherschutzprogramm gegründet.
Ein Schwerpunkt dieses Verbraucherschutzprogrammes sollte hierbei auf der Untersuchung von
Chlortetracyclin in der Schweinemast liegen. Ziel dieses Projektes „Resistenzentwicklung und Rück-
stände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung“ war es, den durch die häufige Anwendung von Chlor-
tetracyclin in der Schweinemast resultierenden Eintrag von Chlortetracyclin in die Nahrungskette so-
wie das Ausscheidungsverhalten von Chlortetracyclin bei Schweinen und damit den Umwelteintrag zu
untersuchen. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse sollten dazu dienen, eine Gefährdung für den Ver-
2 Problemstellung und Zielsetzung 5
braucher durch den Einsatz von Chlortetracyclin in der Schweinmast besser beurteilen zu können. Bei
der Ermittlung der Chlortetracyclingehalte galt besonderes Augenmerk möglichen Umwandlungs- und
Abbauprodukten von Chlortetracyclin. (Anmerkung: Zur Vereinfachung werden alle Umwandlungs-
und Abbauprodukte von Chlortetracyclin nachfolgend als „Metabolite“ bezeichnet und für die einzel-
nen Substanzen die im Abkürzungsverzeichnis aufgeführten Abkürzungen verwendet.)
In einer ersten Medikationsstudie sollten in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftszentrum Haus
Düsse (Haus-Düsse-Studie) Schweine, die unter üblichen landwirtschaftlichen Bedingungen in einer
Gruppe von 40 Tieren gehalten wurden, definiert medikamentiert werden und das Ausscheidungsver-
halten von CTC in Urin sowie die verbleibenden Rückstände in den Schlachtproben untersucht wer-
den. Zur besseren Beurteilung, welche Mengen der den Tieren applizierten Wirkstoffe wieder ausge-
schieden werden, erfolgte in einer zweiten Medikationsstudie an der Bundesforschungsanstalt Braun-
scheig-Völkenrode (FAL-Studie) eine individuelle Arzneimittelfütterung von fünf Schweinen in Ein-
zelhaltung und eine individuelle Sammlung von Faeces und Urin. Vier dieser Tiere sind nach Ablauf
der Wartezeit geschlachtet worden, eines zur Durchführung einer Bilanzierung direkt nach Absetzen
der Medikation.
Hieraus ergaben sich im Einzelnen folgende Aufgabenstellungen:
Zur Untersuchung der in den Medikationsstudien entnommenen Proben sollte in einem ersten
Schritt ein HPLC-UV-MS/MS-Verfahren für die Bestimmung von CTC und e-CTC in Urin, Fae-
ces, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen entwickelt werden. Neben der quantitativen
Bestimmung von CTC und e-CTC sollte dieses Verfahren auch die qualitative Bestimmung der
weiteren Metabolite iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ermöglichen.
Ein weiteres Ziel war, das entwickelte Verfahren zur Überprüfung der Zuverlässigkeit des unter
Berücksichtigung der gültigen Normen und Richtlinien, insbesondere der für Tierarzneimittel gül-
tigen Richtlinie 2002/657/EG, einer ausführlichen Validierung zu unterwerfen.
Im Anschluß daran war geplant, den CTC-Gehalt in den bei den Medikationsstudien entnomme-
nen Proben gemäß der EU-Verordnung EWG Nr. 2377/90 als Summe von CTC und e-CTC zu
ermitteln. Neben der Quantifizierung von CTC und e-CTC in den genannten Matrices galt es, zu
prüfen, welche weiteren Metabolite von CTC in diesen Proben noch vorkommen.
Im nächsten Schritt sollte überprüft werden, welche der in den Proben nachgewiesenen Metaboli-
te von CTC bei der Ermittlung des CTC-Totalgehaltes mit einbezogen werden müssen.
Erweiterung des validierten Analysenverfahrens auf die quantitative Bestimmung anderer Meta-
bolite
Quantifizierung von CTC und weiterer Metabolite in Schlachtproben
Bilanzierung von CTC anhand eines Tieres unter Berücksichtigung weiterer Metabolite
Untersuchung gebundener Tetracyclinrückstände in Knochen
3 Theoretische Grundlagen
6
3 Theoretische Grundlagen
3.1 Klassifizierung von Antibiotika
3.1.1 Definition, Wirkungstypen und Klassifizierungsmöglichkeiten
Der Begriff der Chemotherapeutika wurde 1906 von Paul Ehrlich geprägt und umfaßte synthetisch
hergestellte Produkte mit antibiotischer Wirkung, wie die Sulfonamide. Die später entdeckten, von
Pilzen produzierten, antimikrobiell wirkenden Substanzen wurden Antibiotika genannt. Der Begriff
Antibiotika bezeichnet nach seiner ursprünglichen Definition niedermolekulare, mikrobielle Stoff-
wechselprodukte, die das Wachstum anderer Mikroorganismen inhibieren, jedoch auf den Produzenten
selbst nicht wirken [13, 47]. Antibiotika zeichnen sich durch eine geringe erforderliche Wirkstoffkon-
zentration, die Spezifität ihres Wirkmechanismus und eine geringe Toxizität aus [48-50]. Mit der Auf-
klärung der chemischen Struktur und den Möglichkeiten der totalen oder partiellen Synthese der Anti-
biotika und der Darstellung von Derivaten konnte der Begriff der Antibiotika als reine Stoffwechsel-
produkte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Zu den Antibiotika zählen heute alle biosynthetisch,
halb- und vollsynthetisch hergestellten antibiotisch wirksamen Substanzen [50].
Allgemein lassen sich in der antibakteriellen Wirkung der Antibiotika verschiedene Wirkungstypen
unterscheiden, die als Bakteriostase und Bakteriozidie bezeichnet werden. Während bakteriostatische
Antibiotika lediglich das Bakterienwachstum hemmen, führt die Behandlung mit bakteriziden Antibio-
tika zu einer raschen irreversiblen Keimschädigung [48, 50]. Die meisten Antibiotika zeigen eine bak-
teriostatische Wirkung, wobei der Wirkungstyp abhängig vom Stadium des Zellwachstums und der
Konzentration des eingesetzten Antibiotikums ist. Eine Reihe von Antibiotika wirken auf im Wach-
stum befindliche Zellen bakterizid, hingegen bei ruhenden Keimen bakteriostatisch. Ebenso können
primär bakteriostatisch wirksame Präparate mit einem Vielfachen ihrer minimalen Hemmkonzentrati-
on bakterizide Eigenschaften zeigen.
Die unterschiedlichen Wirkungstypen der Chemotherapeutika haben praktische therapeutische Bedeu-
tung. Bakterizide Antibiotika sind bei allen Infektionen indiziert, bei denen die körpereigene Abwehr
geschwächt ist, da bei einer Therapie mit bakteriostatischen Antibiotika körpereigene Abwehrmecha-
nismen zur Elimination der Infektionserreger eine entscheidende Rolle spielen. Eine lang anhaltende
bakteriostatische Wirkung führt bei empfindlichen Keimen zu einer sekundären Keimabtötung. Daher
erfordert die Therapie mit bakteriostatisch wirksamen Substanzen die Aufrechterhaltung eines wirk-
samen Dauerspiegels in Blut und Gewebe. Zur Therapie von Infektionen mit bakteriziden Präparaten
sind oft intermittierende Gaben ausreichend. Körpereigene Abwehrmechanismen sind bei bakteriziden
Substanzen nur zur Elimination sogenannter Persister erforderlich. Das Persistenzphänomen führt zum
Überleben einzelner Keime trotz optimaler, bakterizide Wirkstoffkonzentration am Infektionsort und
trotz unveränderter Empfindlichkeit der Keime [50]. Die Persistenz muß grundsätzlich vom Phänomen
der Resistenz, bei der Keime eine verminderte Empfindlichkeit aufweisen, unterschieden werden.
Eine Klassifizierung von Antibiotika kann unter Berücksichtigung der Herkunft, der biologischen
Wirkung, der therapeutischen Anwendung, der chemischen Struktur, des Biosyntheseweges und des
zellulären Wirkmechanismus erfolgen [47]. Zunächst werden Antibiotika nach ihrer chemischen
Struktur klassifiziert. In Abb. 2 sind die Strukturen der gebräuchlichen Antibiotikaklassen dargestellt
3 Theoretische Grundlagen 7
O
HCHO
OH
H
H3C
H
CH3NH
OH
H
OH
H
H
H
O
CH2OH
H
O
O
H2NCNH
HH
H
OH
H
OH
H
H
NH NHCNH2
NH
HO
NO2
HOCH
HCNHCOCHCl2
CH2OH
SCH3
HO
H
H
OH H
OH
H
H
O
HO
CH3
CH
CH
H
CH3
H
HCONH
HH
H
N
CH3CH2CH2
N
NO2N
CH2CH2N
O
OH O OH O
CONH2
OH
N(CH3)2
H
CH3
HO
OH
Cl
12
3
4
56
7
8
9
10
11
12
ABCD
[2, 13, 48, 49].
Penicilline
(Benzylpenicillin)
Cephalosporine
(Cephalosporin C)
Sulfonamide
(Sulfadiazin)
Trimethoprim
Tetracycline
(Chlortetracyclin)
Ansamycine
(Rifaximin)
Makrolide
(Erythromycin)
Nitrofurane
(Nitrofurantoin)
Nitroimidazole
(Nimorazol)
Aminoglycoside
(Streptomycin)
Lincosamide
(Lincomycin)
Amphenicole
(Chloramphenicol)
Chinolone
(Ciprofloxacin)
Abb. 2: Struktureller Aufbau der Antibiotikasubstanzklassen [2, 13, 48, 49]
Darüberhinaus kann eine weitere Klassifizierung der Antibiotikasubstanzklassen nach dem Wirkme-
chanismus erfolgen. Zur Wachstumshemmung von pathogenen Mikroorganismen muß das Antibioti-
N
NNH
2
NH2
OCH3
H3CO
H3CO
N
S
H
O
CH3
CH3
COOH
H
HN
C
O
CH2
N
S
COOH
O
HH
HN
C
O
(CH2)3
CH
COOH
H2N
CH2OCOCH3
H2NSO
2NH
N
N
N
N
CH3
O
CH3
OH
CH3
O
CH3O
H3C
CH3COO
H3C
HO
CH3
OH
CH3
CH3
O
NH
O
OH O
CH3
OH
CH3
OCH3
O
O
CH3
H3C
OH
OH
H3C
CH2
CH3
O
CH3
H3C
OH
CH3
O
O
O
HO CH3
N
CH3
H3C
CHO2NO NN NH
O
O
NN
HN
COOH
O
F
3 Theoretische Grundlagen
8
kum in die Zelle eindringen, spezifisch an eine für den Erhalt von Lebensprozessen erforderliche Zell-
struktur binden und deren Funktion unterbinden. Zum besseren Verständnis der molekularen Grundla-
gen der antibiotischen Wirkung wird nachfolgend zunächst der Aufbau von Bakterienzellen erläutert.
3.1.2 Aufbau von Bakterienzellen
Unter dem Begriff Mikroorganismen werden einzellige Lebewesen, die aufgrund ihrer geringen Größe
nur mit mikroskopischen Verfahren erkannt werden können, zusammengefaßt. Mikroorganismen las-
sen sich aufgrund ihrer einfachen morphologischen Merkmale weder den Pflanzen noch den Tieren
eindeutig zuordnen. Sie werden in sogenannte höhere und niedere Protisten unterteilt. Zu den höheren
Protisten gehören Pilze und Algen, zu den niederen Bakterien. Der Zellbau der höheren Protisten ist
ähnlich dem der Pflanzen und Tiere. Aufgrund des Vorhandenseins eines Zellkerns gehören sie zu den
Eukaryonten. Bakterien hingegen besitzen einen anderen Zellaufbau. Ihnen fehlt insbesondere ein
typischer, durch eine Zellmembran gegen den übrigen Zellinhalt abgegrenzter, Zellkern sowie Mito-
chondrien und Chloroplasten und daher zählen sie zur Gruppe der Prokaryonten [51]. Der anatomische
Aufbau einer Bakterienzelle ist in Abb. 3 schematisch dargestellt. Bakterien bestehen aus dem Nu-
kleoid als Kernäquivalent, dem Zytoplasma mit Ribosomen, der Zytoplasmamembran und einer relativ
starren Zellwand.
Abb. 3: Schematische Darstellung einer Bakterienzelle [52]
Bakterien besitzen nicht diffus im Zytoplasma verteilte DNA, sondern diese ist in diskreten Bereichen,
dem Nukleoid, lokalisiert [53]. Das Nukleoid enthält ein ringförmig geschlossenes DNA-Molekül als
Genom, dem sogenannten Bakterienchromosom. Es liegt in stark gefalteteter und verdrillter Form
ohne Abgrenzung durch eine Kernmembran frei im Zytoplasma. Das Nukleoid kann einzeln oder in 2-
4 Kopien vor der Zellteilung im Zytoplasma vorliegen. Außer dem Bakterienchromosom können im
Zytoplasma noch extrachromosomale ringförmig geschlossene, kleine Satelliten-DNA-Moleküle vor-
kommen. Diese sogenannten Plasmide können Träger von Genen sein, die den Bakterienzellen zusätz-
liche Eigenschaften verleihen wie z.B. Antibiotikaresistenz. Das von der Zytoplasmamembran um-
schlossene Zytoplasma enthält neben Wasser, Salzen, Enzymen Stoffwechselintermediärprodukte,
3 Theoretische Grundlagen 9
Proteine und Ribonukleinsäure (mRNA, rRNA und tRNA). Zusätzlich findet sich im Zytoplasma eine
große Anzahl von Ribosomen, die Orte der Proteinbiosynthese. Eine Bakterienzelle enthält ungefähr
5000-50000 Ribosomen. Aufgrund ihrer Funktion der Proteinbiosynthese besitzen sie eine komplizier-
te Struktur. Ribosomen bestehen aus etwa 60 % RNA und 40 % Protein, wobei etwa 80-85 % der Bak-
terien-RNA in den Ribosomen enthalten sind. Die intakten Ribosomen sedimentieren in einer Ultra-
zentrifuge mit einer Geschwindigkeit von 70 SVEDBERG-Einheiten (Sedimentationskonstante: 70 S)
und haben daher auch die Bezeichnung 70 S-Ribosomen im Gegensatz den etwas größeren 80 S-
Ribosomen der Eukaryonten. Jedes Ribosom setzt sich aus einer großen und einer kleinen Untereinheit
zusammen, deren Sedimentationskoeffizient bei 50 S und 30 S liegt. Die Aufklärung der strukturellen
Zusammensetzung der Ribosomen aus RNA und Basensequenz der Proteine sowie deren Funktion
ermöglichte weitgehend die Aufdeckung des Wirkmechanismus von Antibiotika, die mit der Protein-
biosynthese interferieren.
Die zytoplasmatische Membran besteht aus einer Lipiddoppelschicht, deren hydrophobe Enden der
Phospholipide und Triglyceride nach innen und die hydrophilen Enden nach außen der Zelle weisen.
In diese Doppelschicht sind Proteine eingelagert, die die Membran ganz durchkreuzen oder nur teil-
weise eintauchen können. Die Zytoplasmamembran hat entscheidende Stoffwechselfunktionen. Sie ist
die Permeabilitäts-Barriere der Zelle und kontrolliert Stoffaufnahme und –abgabe. Enzymsysteme in
der Zytoplasmamembran bewirken z.B. den Elektronentransport, die Atmungsketten-
Phosphorylierung, die Biosynthese von Lipiden und der Zellwand und die Replikation der DNA. Die
Zellwand von Bakterien kann unterschiedlich aufgebaut sein. Es werden nach dem Färbeverfahren von
GRAM grampositive (blau-schwarz gefärbte Zellen) und gramnegative (rot-gefärbte Zellen) Bakterien
unterschieden [51, 53, 54]. Das Grundgerüst sowohl grampositiver als auch gramnegativer Bakterien
basiert auf einer netzartigen Struktur von Polysaccharidketten, dem Glykan, die über kurze Peptidket-
ten miteinander verknüpft sind. Dieses auch als Murein bezeichnete Peptidoglykan bildet auf diese
Weise ein dreidimensionales Makromolekül, das sich über die gesamte Zelloberfläche erstreckt. Da
diese Mureinstruktur der bakteriellen Zelle nicht bei Pflanzen und Tieren anzutreffen ist, können Anti-
biotika, die mit der Biosynthese des Peptidoglykans interferieren, angewendet werden, ohne daß die
Zellen des Makroorganismus geschädigt werden. Der Hauptbestandteil grampositiver Bakterien ist
das Peptidoglykan. Auf der Mureinhülle befindet sich eine Schicht aus sauren Polysacchariden, wo-
durch die Permeabilität durch die Zellwand grampositiver Bakterien sehr gut ist [49]. Die Zellwand
gramnegativer Bakterien enthält weniger Peptidoglykan und ist komlexer in ihrer Struktur. Die zyto-
plasmatische Membran und die Mureinhülle sind durch einen sogenannten periplasmatischen Spalt
getrennt, der Enzyme und andere Proteine enthält. Eine äußere Membran, die aus vielschichtigen Li-
popolysacchariden und Lipoproteinen besteht, umhüllt die Zellwand. Diese äußere Membran ist für
die geringe Permeabilität der gramnegativen Zellwand verantwortlich, da Antibiotika nur über die
engen Porin-Poren in die Zelle eindringen können. Aufgrund der höheren Permeabilität der Zellwand
grampositiver gegenüber der gramnegativer Bakterien haben die meisten Antibiotika gegen gramposi-
tive Bakterien eine höhere Wirksamkeit als gegen gramnegative Bakterien [49, 53].
3 Theoretische Grundlagen
10
3.1.3 Wirkmechanismen, Struktur-Wirkungsbeziehungen und Wirkungs-
spektren
3.1.3.1 Einteilung der Antibiotika nach Wirkmechanismen
Antibiotika wechselwirken in Zellen mit Nucleinsäuren (DNA, messenger-RNA (mRNA), ribosomale
RNA (rRNA), transferRNA (tRNA)), Proteine und Biomembranen. Durch Bindung des Wirkstoffes an
den Wirkort wird die normale Funktion des jeweiligen Biomoleküls inhibiert bzw. qualitativ so verän-
dert, daß es seine Aufgabe innerhalb der Zelle nicht mehr wahrnehmen kann [47].
Die Bindung kann durch chemische Reaktion des Antibiotikums mit reaktionsfähigen Gruppen des
Biomoleküls sowie durch zwischenmolekulare Wechselwirkungen, die den konformativen und energe-
tischen Zustand von Makromolekülen wie z.B. Nucleinsäuren oder Enzymen verändern, erfolgen.
Häufig werden in einem ersten Schritt durch die Wechselwirkungen zwischen Antibiotikum und Bio-
molekül Konformationsveränderungen und Bindungsinstabilitäten ausgelöst, die schließlich zu irre-
versiblen chemischen Strukturveränderungen des Makromoleküls führen, z.B. Strangbrüche der DNA,
Substitution reaktiver Gruppen in Enzymzentren. Die resultierende Hemmung der zellulären Prozesse
kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen [47]:
direkte Unterbrechung des biologischen Informationsflusses von der DNA über die RNA zu
den Proteinen
Inhibierung von Stoffwechselleistungen, die den Informationsfluß indirekt durch Bausteinbe-
reitstellung und Energieversorgung gewährleisten
Veränderung der Wechselwirkungen der Zellen mit ihrer Umgebung: Beeinflussung der
Struktur und Funktion der Zellbegrenzung (Zellwand, biologische Membranen), der Penetrati-
on und des Transportes von Metaboliten
Diese Möglichkeiten des zellulären Eingriffs sind eng miteinander verknüpft, und es ist daher nicht
immer möglich, einen spezifischen Wirkort anzugeben. Häufig erfolgen auf zellulärer Ebene mehrere
verschiedene Veränderungen bei Einwirkung von Antibiotika. Üblicherweise werden Antibiotika über
eine strukturelle Zuordnung hinaus, siehe Kap. 3.1.1, anhand ihrer Wirkmechanismen klassifiziert
[47, 49]. In Abb. 4 sind die einzelnen Wirkmechanismen bzw. Wirkorte aufgeführt.
Die synthetischen Chemotherapeutika mit spezifischen Wirkmechanismen (Folsäurestoffwechsel,
DNA-Replikation) werden aus historischen Gründen zu einer Gruppe zusammengefaßt. Hierzu zählen
Sulfonamide, Trimethoprim, Nitrofurane und Chinolone [2, 49]. Sulfonamide zeigen mit Trimetho-
prim eine synergistische Wirkung, indem sie aufeinanderfolgende Schritte der Folsäuresynthese hem-
men, und deshalb haben sie vor allem in Kombination in der Veterinärmedizin therapeutische Bedeu-
tung [13]. Nitrofurane beeinträchtigen die Protein- und Nucleinsäuresynthese und bewirken eine
Schädigung der DNA in Form von Doppelstrangbrüchen und gestörter Energiebilanz. Nitroimidazole
und Chinolone wirken als Hemmstoffe des bakteriellen Enzyms Gyrase, was eine Zerstörung der su-
perhelikalen Form der DNA-Stränge bewirkt.
Zu den zellwandwirksamen Antibiotika zählen die zu den β-Lactam-Antibiotika gehörenden Penicilli-
ne, Cephalosporine und Glykopeptidantibiotika. Die β-Lactam-Antibiotika stellen heute die wichtigste
Wirkstoffgruppe gegen bakterielle Infektionen im humanmedizinischen Bereich dar, weil sie eine sehr
geringe Toxizität aufweisen. Sie wirken bei wachsenden Keimen bakterizid, bei ruhenden nur bakte-
3 Theoretische Grundlagen 11
riostatisch. Alle β-Lactam-Antibiotika inhibieren das Endstadium der Peptidoglykansynthese und ver-
hindern damit die Schließung der Peptidbrücke zwischen den Glykansträngen, was zu einer mechani-
schen Instabilität der Zellwand führt. Die Zellwand kann demzufolge dem osmotischen Druck des
Zytoplamas nicht standhalten, und es erfolgt der Zelltod durch Plasmolyse.
Abb. 4: Wirkmechanismen oder Wirkorte von Antibiotika [49, 55]
Zur Gruppe der zytoplasmamembranwirksamen Antibiotika gehören Polypeptidantibiotika, die sich in
die Zytoplasmamembran einlagern und mit Phospholipidkomponenten der Zellmembran reagieren. Als
Folge davon wird die Permeabilität der Zellmembran erhöht, was schließlich zum Verlust von essenti-
ellen Plasmabestandteilen führt, und die Zellen sterben ab. Daher sind Polypeptidantibiotika vom Wir-
kungstyp bakterizid.
Eine wichtige Rolle spielen Antibiotika, die auf die Proteinsynthese einwirken. Dies sind die Ansamy-
cine, Tetracycline, Aminoglycoside, Amphenicole, Makrolide und Lincosamide. Bis auf die bakterizid
wirksamen Aminoglycoside zeigen alle anderen Antibiotika einen bakteriostatischen Wirkungstyp.
Alle Antibiotika dieser Gruppe inhibieren letztendlich die Proteinbiosynthese auf unterschiedlichen
Stufen. Ansamycine hemmen die DNA-abhängige RNA-Polymerase. Amphenicole, Makrolide und
Lincosamide binden reversibel an die 50 S-Untereinheit der Ribosomen. Durch eine Hemmung der
Peptidyltransferase wird die Peptidkettenbildung verhindert. Die Wirkung von Tetracyclinen und
Aminoglycosiden beruht auf einer Bindung des Antibiotikums an die 30 S-Untereinheit der Riboso-
men. Tetracycline werden reversibel, Aminoglycoside irreversibel gebunden. Deshalb wirken Tetracy-
cline bakteriostatisch und Aminoglycoside bakterizid.
3.1.3.2 Wirkungsspektrum von Antibiotika
Das Wirkungsspektrum ist für jedes einzelne Antibiotikum individuell sehr verschieden und hängt von
dem Wirkungstyp, der Wirkung in der Vermehrungs-oder Ruhephase, der extra- und intrazellulären
Wirkung und des Resistenztyps ab. Durch total- oder partialsynthetische strukturelle Modifikationen
von Wirkstoffen lassen sich auch innerhalb einer Substanzklasse Antibiotika mit unterschiedlichen
DN
A
-Replikation
Nitrofurane
Nitroimidazole
Chinolone
RNA-Polymerase
Ansamycine
Proteinsynthese
50s-Inhibitoren
Amphenicole
Makrolide
Lincosamide
Proteinsynthese
30s-Inhibitoren
Tetracycline
Aminoglycoside
Zytoplasmamembran
Polypeptide
Folsäurestoffwechsel
Trimethoprim
Sulfonamide
Zellwandsynthese
Penicilline
Cephalosporine
Glycopeptide
3 Theoretische Grundlagen
12
Wirkungsspektrum herstellen [37, 47, 50]. Zur Erzielung eines therapeutischen Erfolges sollten Anti-
biotika gegen möglichst viele Keime wirken, also ein möglichst breites Wirkungsspektrum aufweisen.
Um die Ausbildung resistenter Keime dagegen möglichst gering zu halten, sollten Antibiotika ein
eingeschränktes Wirkungsspektrum besitzen. Antibiotika mit begrenztem Wirkungsbereich vorwie-
gend gegenüber grampositive Keimarten sind die klassischen Penicilline, Cephalosporine und Makro-
lide. Vorwiegend gegen gramnegative Keime wirksam sind die Polypeptidantibiotika. Obwohl das
Wirkungsspektrum von Aminoglycosidantibiotika eine Vielzahl von Erregern umfaßt, spielen sie ins-
besondere aufgrund ihrer bakteriziden Wirkung bei der Bekämpfung von Infektionen mit gramnegati-
ven Erregern ein große Rolle. Zu den klassischen Breitbandantibiotika gehören die Sulfonamide, Te-
tracycline, Amphenicole und einige partialsynthetische Penicilline. Sie wirken gegen zahlreiche gram-
positive und gramnegative sowie aerobe und anaerobe Infektionserreger. Als empfindlich gegenüber
Tetracyclinen gelten Keime mit einer MHK von 0,1-5,0 µg/mL. Die Unterschiede in der Wirkungsin-
tensität der einzelnen Tetracycline spielen in vivo keine wesentliche Rolle. Tetracycline wirken gegen
extra- und intrazelluläre Erreger, allerdings besser auf Keime im Wachstumsstadium als auf ruhende
Keime.
3.1.3.3 Wirkmechanismus der Tetracycline
Tetracycline erreichen passiv über Porin-Proteine den periplasmatischen Raum und passieren an-
schließend durch aktive Transportsysteme die innere Membran. Obwohl mehrwertige Metall-Kationen
die Tetracyclin-Wirkung durch Bildung antibakteriell unwirksamer Chelate antagonisieren, wird ver-
mutet, daß zweiwertige Metall-Ionen, insbesondere Mg2+-Ionen, durch reversible Bildung von Kom-
plexen beim Transport des Antibiotikums durch die Zellmembran in die Bakterienzelle eine Rolle
spielen [2, 37]. Eine Voraussetzung der Wirkung von Tetracyclinen beruht darauf, daß eine Akkumu-
lation von Tetracyclinen im Zellinneren stattfindet. Obwohl Tetracycline bei erstmaligem Kontakt mit
einem Bakterium die äußere Zellwand und die Zytoplasmamembran in beide Richtungen passieren
können, wird nach Eindringen des Tetracyclins ein Mechanismus induziert, wodurch eine Akkumula-
tion hervorgerufen wird, so daß schließlich die Proteinbiosynthese völlig zum Erliegen kommt [47,
48]. In der Bakterienzelle erfolgt dann die reversible Bindung an die ribosomale 30 S-Untereinheit der
70 S-Ribosomen mit einhergehender Hemmung der Anlagerung der Aminoacyl-tRNA an die Akzepto-
region der Ribosomen, was zum Abbruch der Kettenverlängerung führt [49, 53]. Tetracycline wirken
deshalb bakteriostatisch. Bakterielle Ribosomen verfügen über eine deutlich höhere Affinfität zu Te-
tracyclinen als die 80 S-Ribosomen der eukaryontischen Zellen, was die geringe Toxizität für den
Menschen erklärt [48].
3.2 Struktureller Aufbau und Struktur-Wirkungsbeziehungen der
Tetracycline
3.2.1 Struktur und Nomenklatur
Unter dem Begriff Tetracycline wird eine Reihe von antibiotisch wirksamen Verbindungen zusam-
mengefaßt, die sich vom Grundgerüst des Tetracyclins ableiten. Das Tetracyclin besteht aus einem
System aus vier linear anellierten sechsgliedrigen Ringen, dem 4-Dimethylamino-
1,4,4a,5,5a,6,11,12a-oktahydro-3,6,10,12,12a-penta-hydroxy-6-methyl-1,11-dioxo-2-naphthacencarb-
3 Theoretische Grundlagen 13
N
OH O OH O
CONH2
OH
R3
R2N(CH3)2
R4H
OH
R1
12
3
4
56
7
8
9
10
11
12
ABCD 4a
5a6a
10a 11a
12a
BCD-Chromophor A-Chromophor
oxamid. Unterschiedliche Substituenten (R1-R4) an den Positionen 5, 6 und 7 konstituieren die heute
handelsüblichen Präparate. Aufgrund der charakteristischen Anordnung der Doppelbindungen werden
die beiden durch das sp3-Kohlenstoffatom 12a getrennten chromophoren Bereiche A und BCD unter-
schieden. Die Kohlenstoffatome 4, 4a, 5, 5a, 6 und 12a sind bei entsprechender Substitution asymme-
trisch. OTC besitzt sechs, TC, CTC und DMCTC dagegen besitzen fünf chirale Zentren mit (S)-
Konfiguration, die das Molekül optisch aktiv machen. Die absolute Konfiguration des Systems ist
durch Röntgenstrukturuntersuchungen, NMR- sowie CD-Messungen ermittelt worden [49, 57, 56]. In
Abb. 5 sind die wichtigsten Vertreter der Tetracyclin-Antibiotika zusammengefaßt.
Chlortetracyclin war das erste isolierte Antibiotikum der Tetracyclinreihe und wurde 1947 von B.M.
Duggar in den Lederle Laboratories entdeckt. Er erkannte das als Aureomycin bezeichnete Chlortetra-
cyclin als eine neue von Bodenbakterien (Actinomyceten = Strahlenpilze) erzeugte antibiotische Sub-
stanz und isolierte sie daraus [57]. „Terramycin“ wurde 1950 von FINLAY et al. bei der Firma Chas.
Pfizer and Co. aus Streptomyces rimosus isoliert und strukturell als Oxytetracyclin aufgeklärt. Tetra-
cyclin wurde 1953 entdeckt und zunächst partialsynthetisch durch katalytische Hydrierung von dem
als Chlortetracyclin identifizierten Aureomycin hergestellt.
Substanz Abkürzung R1 R2 R3 R4
Tetracyclin TC H OH CH3 H
Oxytetracyclin OTC H OH CH3 OH
Chlortetracyclin CTC Cl OH CH3 H
Desmethyl-
chlortetracyclin DMCTC Cl OH H H
Doxycyclin DC H H CH3 OH
Rolitetracyclin RTC H OH CH3
Minocyclin MC N(CH3)2 H H H
Abb. 5: Struktur der Tetracyclin-Derivate [48, 49]
Die erste Totalsynthese des DL-6-Desmethyl-6-desoxytetracyclin gelang Woodward und einer Arbeit-
gruppe der Firma Chas. Pfizer and Co. im Jahre 1962. Tetracyclin wurde erstmals im Jahre 1968 von
Muxfeldt synthetisiert. Aufgrund des Aufwandes der Totalsynthesen haben diese keinen Eingang in
die industrielle Herstellung finden können. Die meisten modifizierten Tetracyclinderivate werden da-
her partialsynthetisch aus den fermentativ erhältlichen Grundtetracyclinstrukturen gewonnen [58, 59,
3 Theoretische Grundlagen
14
60]. Chemische Modifikation von den klassischen Tetracyclinen dienen dazu, die pharmakologischen
Eigenschaften zu verbessern. Dazu gehören Rolitetracyclin, Doxycyclin und Minocyclin.
3.2.2 Struktur-Wirkungs-Beziehungen von Tetracyclinen
Für die antibiotische Wirkung spielt die Struktur der Tetracycline eine wichtige Rolle. Eine grundle-
gende strukturelle Voraussetzung für eine antibiotische Wirksamkeit ist die lineare Anordnung der
vier Ringe und die beiden chromophoren Keto-Enol-Systeme im Ring A und den Ringen BCD (siehe
Abb. 5). Alle Derivate mit weniger als vier Ringen sind wirkungslos. Der Austausch der Dimethyla-
minogruppe durch eine primäre Aminogruppe beeinflußt die Wirksamkeit nicht, hingegen führen alle
anderen Veränderungen der basischen Dimethylaminofunktion am Ring A zu einem Verlust der anti-
biotischen Wirkung. Während der Amidwasserstoff sich durch eine Methylgruppe ersetzen läßt, wir-
ken sich größere Reste negativ aus. Die Konfiguration an den Asymmetriezentren C4, C4a und C12a
ist essentiell, dagegen kann sie an C5, C5a und C6 variiert werden. Der hydrophobe Teil des Moleküls
von C5 bis C9 ist in vielfältiger Weise modifizierbar, die zu Produkten mit größerer Stabilität, höherer
Wirkungsintensität und günstigeren pharmakokinetischen Eigenschaften führen [37, 48]. Im Gegen-
satz zu den Tetracyclinen selbst zeigen die Anhydrotetracycline als Dehydratationsprodukte, siehe
Kap. 3.5.3.4, einen vollkommen anderen Wirkungsmechanismus. Sie interferieren mit der Cytoplas-
mamembran und verursachen so Zellschäden, die zur Lyse und damit zum Tod der Zelle führen. Ihre
Wirkung ist also bakterizid. Die Verabreicherung von Anhydrotetracyclinen führt zu schweren Ne-
benwirkungen aufgrund ihrer mangelnden Spezifität infolge ihrer Interferenz mit der Cytoplasma-
membran prokaryotischer und eukaryotischer Zellen [61, 62].
3.3 Pharmakologie der Tetracycline
Die verschiedenen Tetracyclin-Derivate unterscheiden sich in ihrer enteralen Resorbierbarkeit, ihrer
Plasmaeiweißbindung, der Eliminationsgeschwindigkeit, dem Ausscheidungsweg und ihrer Neigung
zur Komplexbildung. Während CTC, TC, OTC und DMTC nur unvollständig resorbiert werden, eine
geringe Plasmaproteinbindung und Serumhalbwertzeiten zeigen, ergibt sich für Doxycyclin und Mi-
nocyclin aus ihren vergleichsweise hydrophoberen Eigenschaften eine fast vollständige, enterale Re-
sorption, eine höhere Eiweißbindung, eine bessere Diffusion in die Gewebe und eine längere Wir-
kungsdauer [48, 49, 63]. Das Wirkungsoptimum liegt für TC, OTC, CTC und DC in einem pH-
Bereich von 6,1-6,6, für DMTC zwischen pH 6,6 - 7,3 [2, 50, 337]. Die Komplexbildungseigenschaf-
ten der Tetracycline führen sowohl beim Menschen als auch bei Tieren zur Anreicherung als Calcium-
phosphat-Komplexe in Gewebe, die reich an Ca2+-Ionen sind, wie Knochen und Zähnen. Insbesondere
bei Kindern in der Wachstumsphase können hohe Tetracyclindosen zu Wachstumsverzögerungen und
Schädigungen von Knochen und Zähnen führen [37, 64, 65]. Die Menge der eingelagerten Tetracycli-
ne nimmt mit steigender Dosis zu, wobei als limitierender Faktor die mögliche Resorptionsrate zu
berücksichtigen ist, was insgesamt zu keinem linearen Zusammenhang zwischen verabreichter Dosis
und Tetracyclingehalt in den Knochen führt. Im humanmedizinischen Bereich wird wegen der günsti-
gen pharmakokinetischen Eigenschaften bei gleichwertiger antibiotischen Wirksamkeit Doxycyclin
der Vorzug gegeben [129, 337].
Im veterinärmedizinischen Bereich kommen überwiegend die Tetracyclin-Derivate TC, OTC und CTC
zur Anwendung, wobei aufgrund der Behandlung ganzer Tierbestände in der Massentierhaltung die
3 Theoretische Grundlagen 15
Applikation meist oral über das Futter erfolgt. Nach oraler Gabe werden Serummaxima von TC, OTC
und CTC nach 3-4 Stunden, von DMTC erst nach 5-6 Stunden erreicht. Eine bei oraler Gabe gleich-
zeitige Aufnahme von Metallionen wie Ca2+ und Mg2+ mit der Nahrung führt zu einer Komplexierung
der Tetracycline und verhindert die Resorption. Die Unsicherheit der Resorption aus dem Magen-
Darm-Kanal kann durch parenterale (intravenös, intramuskulär) Gabe vermieden werden, wobei eine
Reduzierung der Dosis auf 25 % der oralen Dosis möglich ist. Es werden schnell und zuverlässig hohe
Serumkonzentrationen erreicht. Zur intravenösen Anwendung eignen sich die in wäßrigen Lösungs-
mittel gut löslichen hydrophilen Wirkstoffe wie Rolitetracyclin und Oxytetracyclin. Von einer intra-
muskulären Gabe ist aufgrund von Entzündungen des Gewebes und daher schmerzhaften Anwendung
abzusehen [48, 337]. Neben der intravenösen Anwendung von Tetracyclinen spielt trotz schlechterer
Resorption die orale Applikation aufgrund der einfach durchführbaren Anwendung die größte Rolle.
Hohe Konzentrationen werden in Leber, Lungen, Niere, Milz und Skelettmuskulatur erreicht, geringe
Konzentrationen in Fettgewebe und Speichel [48]. Während Tetracycline die Placenta passieren und in
die Muttermilch übergehen, können sie die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren [2].
Die pharmakokinetischen Eigenschaften hängen dabei stark vom Tetracyclinderivat ab, siehe Tab. 1
[2, 66-72].
Tab. 1: Pharmakokinetische Kenndaten der Tetracycline bei Tieren [2, 48, 49, 50]
Wirkstoff
Enterale
Resorption
[%]
Eliminations-
halbwertzeit
[h]
Proteinbindung
[%]
Ausscheidung
im Urin [%]
Tetracyclin 50-80 5-10 40-80 50-85
Chlortetracyclin 30 5-9 45-60 20
Oxytetracyclin 60 8-11 30-40 30
Doxycyclin 70-90 8-18 80-90 40
Minocyclin 90 12-18 70-80 10-15
In den veterinärmedizinischen Lehrbüchern gibt es widersprüchliche Angaben über eine mögliche
Metabolisierung von Tetracyclinen. Während in einigen Lehrbüchern kaum von einer Metabolisierung
ausgegangen wird [2], wird in anderen Büchern angegeben, daß Tetracycline in unterschiedlichem
Ausmaß zwischen 30 % und 50 % im tierischen Organismus „metabolisiert“ und inaktiviert werden
[48]. Es erfolgt jedoch keine genaue Angabe über mögliche Metabolisierungsreaktionen. Daher ist
davon auszugehen, daß bei den in veterinärmedizinischen Lehrbüchern angegebenen pharmakokineti-
schen Kenndaten [2, 48, 49, 50] mögliche Metabolite wie Epimere, Isomere und Anhydroverbindun-
gen unberücksichtigt bleiben. In neueren Veröffentlichungen von KENNEDY et al. [143] und
ZURHELLE et al. [178, 229] werden als Hauptmetabolite von Chlortetracyclin neben dem Epimeren
auch iso-CTC und e-iso-CTC beschrieben, wobei jedoch bis heute Uneinigkeit über die Mechanismen
der Metabolisierung herrscht. Während einige Autoren eine rein pH-Wert abhängige Inaktivierung
ohne enzymatischen Einfluß beschreiben [73, 337], gehen andere Arbeitgruppen wie ZURHELLE et al.
von einer tatsächlichen enzymatischen Metabolisierung aus [153].
3 Theoretische Grundlagen
16
Die den Tieren applizierten Tetracycline werden aber auch in hohem Maße unverändert wieder ausge-
schieden [73, 74]. Die Exkretion der Tetracycline erfolgt dabei durch glomuläre Filtration über die
Niere und über die Galle. In der Galle sind die Konzentration hoch und betragen bis zum 10fachen der
Plasmawerte. Die über Faeces ausgeschiedenen Tetracycline stammen aus der Galle und, insbesondere
bei oraler Gabe, aus dem nicht resorbierten Anteil. Die Ausscheidungsquoten für Urin sind unabhän-
gig vom pH-Wert des Urins. Nach intravenöser Injektion werden nur 6 % der applizierten Wirkstoffe
über Faeces und 20-70 % über Urin, dagegen nach oraler Gabe nur 10-25 % über Urin und zwischen
50 % und 70 % über Faeces ausgeschieden [48, 337]. Maximale Urinspiegel werden bei einer Einzel-
dosierung nach 8-9 h erreicht.
3.4 Resistenzmechanismen, Gefährdung des Verbrauchers und
Rechtliche Bewertung
3.4.1 Resistenzmechanismen
3.4.1.1 Definition und Möglichkeiten der Resistenzentstehung
Mikroorganismen entwickeln Antibiotikaresistenzen als Teil ihres genetischen Anpassungsmechanis-
mus an wechselnde Umweltbedingungen unter Dauereinwirkung subletaler Antibiotikakonzentratio-
nen. Ein pathogener Mikroorganismus wird dann als resistent bezeichnet, wenn die in vitro ermittelte
minimale Hemmkonzentration (MHK) höher ist als die in vivo am Infektionsort erreichbare Serum-
bzw. Gewebekonzentration [48]. Ein urprünglich empfindlicher Keim wird also durch den Wirkstoff
in Höhe der MHK nicht mehr inhibiert. Während einer Antibiotikabehandlung erreicht die Wirksub-
stanz die Mikroorganismen in Form eines Konzentrationsgradienten. Nur im sogenannten selektiven
Bereich werden sensitive Bakterien abgetötet bzw. gehemmt [75]. In subinhibitorischen Konzentrati-
onsbereichen finden Mikroorganismen ideale Bedingungen vor, um verschiedene Resistenzstrategien
zu entwickeln. Eine Resistenz entwickelt sich dann, wenn Genkomplexe vorhanden sind, die eine Re-
sistenzsteigerung bewirken oder wenn Organismen Fremdgene aufnehmen und exprimieren. Ist ein
diesbezüglicher Selektionsdruck vorhanden, so erhalten diese resistenten Krankheitserreger Wach-
stumsvorteile und können sich dementsprechend ausprägen. Durch die Anwendung von Chemothera-
peutica bei Mensch oder Tier wird dieser Selektionsdruck ausgeübt, so daß jede Anwendung antibak-
teriell wirksamer Substanzen Resistenzentwicklungen fördert [2]. Ein allgemeines Dogma besagt, daß
Resistenzen solange erhalten bleiben, wie entsprechende Antibiotika einwirken und verloren gehen,
wenn kein Selektionsdruck mehr vorliegt. In vielen Fällen zeigt sich jedoch die Ungültigkeit dieses
Dogmas. So ist heute eine bekannte Tatsache, daß viele Resistenzen auch nach Absetzen des Antibio-
tikums nicht bzw. kaum verschwinden [13].
Der Begriff der Resistenz beschreibt eine graduell variierende Unempfindlichkeit eines Keimes ge-
genüber Antibiotika, wobei das Resistenzniveau abhängig ist vom Bakterium selbst, vom Resistenz-
mechanismus und von der Art des Antibiotikums. Grundsätzlich lassen sich intrinsische und erworbe-
ne Resistenzen unterscheiden. Eine intrinsische, also natürliche Resistenz basiert auf den spezifischen
Eigenschaften eines Antibiotikums selbst. So sind z. B. Penicilline gegen gramnegative Bakterien
kaum wirksam, da sie die äußere Zellmembran nicht passieren können [2]. Durch solche Eigenschaf-
ten entstehen Lücken im Wirkungsspektrum eines Antibiotikums. Im Gegensatz dazu beruhen erwor-
3 Theoretische Grundlagen 17
bene Resistenzen auf Mutationen des chromosomalen oder extrachromosomalen Erbgutes oder dem
Erwerb resistenzvermittelnder mobiler genetischer Elemente [13]. Zu den erworbenen Resistenzen
gehören die Primär- und Sekundäresistenz sowie die infektiöse übertragbare Resistenz. Primärresi-
stent sind Einzelorganismen aus einer Antibiotika-empfindlichen Kultur, die ohne vorherigen Kontakt
mit einem Antibiotikum eine verringerte oder fehlende Empfindlichkeit zeigen. Die sekundäre und
infektiös übertragbare Resistenz tritt durch Selektion und Mutation unter Antibiotikaeinwirkung auf
[48, 50]. Die übertragbare Resistenz basiert auf der Übertragung genetischen Materials von einer Bak-
terienzelle auf eine andere. Diese Resistenz geht von sogenannten Resistenz (R)-Faktoren aus, die
auch als Resistenzplasmide bezeichnet werden. Die größeren dieser Plasmide enthalten neben den r-
Genen (Resistenzgenen) einen Resistenzübertragungsfaktor (RTF, Resistance Transfer Factor). Die
RTF-Region des Plasmids ermöglicht die interzelluläre Übertragung. Auf einem R-Faktor können
mehrere Gene für eine Resistenz gegen verschiedene Antibiotika lokalisiert sein, so daß dann eine
multiple Resistenz vorliegt [76]. Der Transfer eines solchen Plasmids führt dann zur Weitergabe der
multiplen Resistenz. Durch enzymatische Inaktivierung des Antibiotikums können auch Resistenzei-
genschaften vermittelt werden. Hierfür verantwortlich sind ebenfalls die R-Faktoren, da die in diesen
Plasmiden enthaltenen r-Gene Enzyme codieren, die bestimmte Medikamente durch chemische Modi-
fikation inaktivieren, z.B. durch Phosphorylierung, Acetylierung oder hydrolytische Spaltung [77].
Eine weitere Möglichkeit der Resistenzentstehung besteht in einer verminderten intrazellulären Kon-
zentration des Antibiotikums, hervorgerufen durch eine verminderte Wirkstoffaufnahme oder einen
verstärkten Efflux durch die Zytoplasmamembran. Resistenz kann also auf unterschiedliche Art und
Weise vermittelt werden, wobei in der Zelle oft eine Kombination verschiedener Resistenzmechanis-
men vorliegt: Die durch R-Faktoren übertragenen Resistenzeigenschaften können nach mehreren Ge-
nerationen in einer Population durch Austausch von Plasmiden wieder verloren gehen.
Die aus einer Resistenzentwicklung gegenüber einem ersten Antibiotikum resultierende gleichzeitige
Resistenz gegen ein zweites oder mehrere andere Antibiotika wird als Kreuz- oder Parallelresistenz
bezeichnet. Eine Kreuzresistenz zwischen Antibiotika gibt einen Hinweis auf ähnliche chemische
Struktur oder einen ähnlichen Wirkungsmechanismus [48, 50]. Kreuzresistenz zeigen dementspre-
chend verwandte Substanzen einer Antibiotikaklasse. Zwischen den klassischen Tetracyclinen Tetra-
cyclin, Oxytetracyclin, Chlortetracyclin und Demethylchlortetracyclin besteht vollständige Kreuzresi-
stenz [47, 48, 50, 78].
3.4.1.2 Resistenzeigenschaften gegenüber Tetracyclinen
Resistenzeigenschaften gegenüber Tetracyclinen können sowohl chromosomal als auch extrachromo-
somal, auf R-Plasmiden in Form von DNA-Nukleotidsequenzen, bedingt sein. Bezüglich der bakteriel-
len Resistenz gegenüber Tetracyclinen sind bisher drei Mechanismen bekannt.
Das wichtigste Resistenzkriterium ist die Reduktion der intrazellulären Tetracyclinkonzentration, die
entweder durch eine verminderte Permeabilität der Zytoplasmamembran oder durch einen verstärkten
Efflux aus der Zelle verursacht werden kann [79]. Im ersteren selteneren Fall gelangen die Tetracycli-
ne erst gar nicht ins Zellinnere. Auslöser für den wichtigeren zweiten Mechanismus sind membrange-
bundene Resistenzgene, die einen aktiven energieabhängigen Transport aus der Zelle bewirken und
damit den Wirkmechanismus umkehren. Die Wirkung von Tetracyclinen beruht darauf, daß eine Ak-
kumulation von Tetracyclinen im Zellinneren stattfindet, so daß schließlich die Proteinbiosynthese
völlig zum Erliegen kommt, siehe Kap. 3.1.3.3. Entwickelt die Zelle Mechanismen, mit der das Tetra-
3 Theoretische Grundlagen
18
cyclin wieder aus der Zelle heraustransportiert werden kann, so wird die Wirkung der Tetracycline
aufgehoben.
Der Schutz der Ribosomen vor einem Angriff der Tetracycline wurde erstmals von BURDETT et al.
beschrieben [80]. Er entdeckte, daß resistente Streptokokken ein Protein produzieren, welches die
bakteriellen Ribosomen vor der Tetracyclineinwirkung bewahrt. Der genaue Mechanismus ist nicht
bekannt, es wird jedoch vermutet, daß eine Funktion als Tetracyclin-resistenter Verlängerungsfaktor
oder die kompetitive Hemmung der Bindung von Tetracyclin an das Ribosom eine Rolle spielt. Eine
Inaktivierung der Tetracycline durch modifizierende Enzyme ist relativ selten, erscheint aber möglich.
GUINEY et al. übertrugen ein Resistenzgen von Bacteroides fragilis auf Escherichia coli, mit der Fol-
ge, daß diese Stämme Tetracycline inaktivieren können [81]. SPEER et al. zeigten, daß dieses Protein
Tetracyclin in Anwesenheit von Sauerstoff und NADPH chemisch verändert [82].
Untersuchungen von Tetracyclinen und deren Umwandlungs- und Abbauprodukten auf eine Resi-
stenzentwicklung geben Hinweise darauf, daß die Intensität der antibiotischen Aktivität nicht zwangs-
läufig mit dem Ausmaß der Resistenzausbildung konform geht. So ist die Bindungsfähigkeit von epi-
Tetracyclin an den entsprechenden Tet Repressor um den Faktor 300 höher als von Tetracyclin selbst.
Das Anhydrotetracyclin zeigt zwar eine geringere antibiotische Aktivität, aber eine 30-fach höhere
Bindungsfähigkeit an den Tet Repressor [83, 84].
3.4.2 Gefährdung des Verbrauchers durch den Einsatz von Antibiotika
Um das Risiko einer Resistenzentstehung beim Menschen durch den Einsatz von Antibiotika in der
landwirtschaftlichen Tierhaltung abschätzen zu können, ist es notwendig, mögliche Beeinflussungen
und Interaktionen zwischen Mensch, Tier und Umwelt zu berücksichtigen. Obwohl schwer zu beurtei-
len ist, inwieweit die in der Veterinärmedizin eingesetzten Antibiotika zur allgemeinen Resistenzent-
wicklung beitragen, gibt es Untersuchungen, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen resi-
stenten vom Tier stammenden Erregern und Infektionskrankeiten beim Menschen belegen [85, 86].
Eine Resistenzentwicklung beim Menschen durch in der Tiermast eingesetzte Chemotherapeutica ist
auf zwei Wegen möglich. Zum einen kann eine direkte Übertragung resistenter Mikrorganismen statt-
finden, zum anderen ist durch Aufnahme von Antibiotikarückständen die Auslösung einer Resistenz-
bildung möglich. Im letzteren Fall ist das Tier lediglich das Übertragungsmedium von Antibiotika-
rückständen, Ort der Resistenzentstehung ist der Mensch selbst [13]. Die möglichen Gefährdungspo-
tentiale des Menschen durch die in der Tiermast eingesetzten Antibiotika sind in Abb. 6 dargestellt.
Bei der Aufnahme von Antibiotikarückständen ist die Übertragung durch tierische Lebensmittel in
Betracht zu ziehen [87, 88]. GROßKLAUS et al. berichten über die Entstehung plasmidbedingter Resi-
stenz bei sensibilisierten Personen nach dem Genuß penicillinhaltiger Milch [89].WOLTERSDORF et
al. weisen auf mögliche Antibiotikarückstände in Fleisch hin, die nach ungenügender Erhitzung erhal-
ten bleiben [87]. Darüber hinaus können nach veterinärmedizinischer Applikation die verabreichten
Antibiotika in aktiver Form über Urin und Faeces wieder ausgeschieden werden. Die ausgeschiedenen
Wirkstoffe und Metabolite können über den Austrag von Gülle auf landwirtschaftlich genutzte Felder
gelangen und dadurch aquatische und terrestrische Umweltkompartimente belasten. Es wird zuneh-
mend diskutiert, ob Arzneimittelrückstände in güllebeaufschlagten Böden für Nutzpflanzen bioverfüg-
bar sind und auf diesem Wege in die Nahrungskette eingetragen werden können [90-93]. Das Vor-
kommen, die Ausbreitung und der Abbau der in die Umwelt eingebrachten Antibiotika ist abhängig
3 Theoretische Grundlagen 19
von deren chemophysikalischen Eigenschaften [13]. Während bei einigen bisher untersuchten antibio-
tisch wirksamen Substanzen biologische Abbaubarkeit bzw. Photodegradation beobachtet wurde,
scheinen andere biologisch schwer abbaubar zu sein [25, 94]. Zu den schwer abbaubaren Antibiotika
gehören Cefotiam, Ciproflaxin, Sulfamethoxazole und Tetracycline. Über eine mögliche Resistenzent-
stehung hinaus sind durch die dauerhafte Aufnahme von Tetracyclinspuren auch mögliche Risiken wie
Allergien, Lichtdermatosen bzw. Photosensibilisierung, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen sowie
die Unwirksamkeit oraler Kontrazeptiva zu nennen.
Abb. 6: Gefährdungspotentiale des Menschen durch den veterinärmedizinischen Einsatz von
Antibiotika
Eine Übertragung resistenter Mikroorganismen ist wie die Übertragung von Antibiotikarückständen
auch über kontaminierte tierische Lebensmittel sowie nach Gülleausbringung und Umwelteintrag
durch Trinkwasser und Pflanzen möglich [13, 95]. Darüberhinaus können resistente Mikroorganismen
auch über direkten Tierkontakt übertragen werden. Das Vorkommen resistenter Mikroorganismen
auch in aquatischen Systemen konnte bereits mehrfach belegt werden [96-98]. Allerdings ist nichts
über deren Bedeutung hinsichtlich einer Resistenzentwicklung bei Mensch oder Tier bekannt. Entge-
gen der allgemeinen Meinung, daß Resistenzen einzig bei Mensch und Tier gebildet werden können,
beschreiben FARNLEITNER et al. darüberhinaus die Möglichkeit einer in situ Resistenzentwicklung in
aquatischen Systemen [13]. Die im Wasser enthaltenen Antibiotika besitzen in bestimmten Anlagenbe-
reichen, in denen aufgrund des vorhandenen Konzentrationsgradienten subinhibitorische Konzentra-
tionen vorliegen, das Potential, mikrobielle Resistenzbildung im aquatischen Milieu zu fördern. Damit
können auch aquatische Systeme in bestimmten Bereichen zu einer verstärkten Resistenzgenerierung
beitragen.
Ein weiterer Beitrag zur Resistenzbildung wird von KAMPHUES et al. beschrieben [99]. Da im Be-
reich der landwirtschaftlichen Tierhaltung viele Tierarzneimittel über das Futter verabreicht werden,
besteht die Gefahr einer Arzneimittelverschleppung in den Tierbeständen. Die Herstellung von Misch-
Veterinärpharmaka
tierische Lebensmittel
Mensch
Tierkontakt
Antibiotikarückstände
Exkr
e
ti
o
n
ll
e
Umwelt
Schlachtung
resistente Keime
3 Theoretische Grundlagen
20
futter ist aus technischen Gründen (Nutzung desselben Mischers für antibiotikahaltiges und antibioti-
kafreies Mischfutter) ebenfalls eine potentielle Quelle für Wirkstoffverschleppung, wodurch es zu
Arzneimittelrückständen bei unbehandelten Schweinen kommen kann [100, 101]. Diese subtherapeuti-
schen Arzneimittelgehalte leisten in erhöhtem Maße einer Resistenzentwicklung Vorschub.
Aufgrund der dargestellten komplexen Resistenzproblematik und der vielfältigen Risikofaktoren für
den Verbraucher, kann basierend auf dem derzeitigen Wissensstand keine eindeutige Antwort auf die
Frage der Bedeutung des veterinärmedizinischen und landwirtschaftlichen Einsatzes von Antibiotika
und der daraus resultierenden Resistenzentwicklung beim Menschen gegeben werden.
3.4.3 Rechtliche Bewertung von pharmakologisch wirksamen Stoffen in
Lebensmitteln tierischen Ursprungs
Aufgabe des Gesetzgebers und der für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Behörden ist, zu
gewährleisten, daß Lebensmittel keine gesundheitsbeeinträchtigenden Rückstandskonzentrationen
enthalten [102]. Nach § 4 des Fleischhygienegesetzes (FlHG) sind Rückstände Stoffe mit pharmakolo-
gischer Wirkung und deren Umwandlungsprodukte sowie von anderen Stoffen, die in Lebensmittel
übergehen und gesundheitlich bedenklich sein können [103]. Früher sind zur Vermeidung von Tier-
arzneimitteln in Lebensmitteln lediglich die Festsetzung und Einhaltung von Wartezeiten herangezo-
gen worden. Nach § 4 Abs. 12 des Arzneimittelgesetzes (AMG) ist die Wartezeit als die Zeit definiert,
innerhalb der bei bestimmungsgeßer Anwendung von Arzneimitteln bei Tieren mit Rückständen
nach Art und Menge nicht unbedenklicher Stoffe in tierischen Lebensmitteln gerechnet werden m
[104]. Die hieraus resultierende Forderung nach Rückstandsfreiheit tierischer Lebensmittel ließ sich
dabei mit dem schnellen Fortschritt der instrumentellen Analytik, die den Nachweis immer geringerer
Rückstandskonzentrationen ermöglicht, nicht mehr aufrechterhalten. So wurde diese Regelung im
Jahre 1990 durch die Einführung der Höchstmengenregelung innerhalb der EU abgelöst. Anstelle der
Forderung nach Rückstandsfreiheit ist vielmehr eine Rückstandsbewertung getreten. Wartezeiten wer-
den nach der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) durch den Zeitpunkt bestimmt, nach dem die
Rückstandskonzentration unterhalb eines zulässigen Höchstwertes liegt [105, 106].
Für einen wirksamen Verbraucherschutz müssen daher folgende Bedingungen erfüllt sein [102]:
Beurteilung der Rückstände der in Tierarzneimitteln verwendeten pharmakologischen Wirkstoffen
Bestimmung einer zulässigen für den Verbraucher ungefährlichen Aufnahmemenge sowie von
Höchstmengen für zum Verzehr bestimmte Nahrungsmittel
Festlegung von Wartezeiten, um sicherzustellen, daß die von behandelten Tieren gewonnenen
Nahrungsmittel keine über den festgelegten Höchstwerten liegenden Rückstände enthalten
Durchführung von Routinekontrollen, um zu gewährleisten, daß die Rückstandshöchstwerte nicht
überschritten werden und verbotene oder nicht zugelassene Stoffe keine Anwendung finden
Bereits bei der Zulassung eines Tierarzneimittels müssen innerhalb der EG folgende Voraussetzungen
erfüllt sein: Der Antragsteller hat den Nachweis der Qualität, der Unbedenklichkeit und der Wirksam-
keit des Arzneimittels zu erbringen [102]. Insbesondere der Nachweis der Unbedenklichkeit umfaßt
den Menschen als Verbraucher von Lebensmitteln tierischen Ursprungs, die Tierart, den Tierhalter,
den Tierarzt und seit 1992 vor allem auch Umweltaspekte. Darüberhinaus müssen für alle Nahrungs-
mittel tierischen Ursprungs nach der Verordnung Nr. 2377/90 EWG vom 26.06.1990 Höchstmengen
3 Theoretische Grundlagen 21
für Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe, die in Tierarzneimitteln Anwendung finden, fest-
gesetzt werden [107]. Die Festlegung von Rückstandshöchstmengen ist EU-einheitlich geregelt und
wird von der EMEA vorgenommen. Die internationale Fachkommisson für Tierarzneimittel CVMP
(Comittee for Veterinary Medicinal Products) der EMEA beurteilt die meist von der pharmazeutischen
Industrie eingehenden Gutachten [116]. Diese Unbedenklichkeitsprüfung eines Tierarzneimittels er-
folgt in mehreren Stufen. Zunächst werden die durchgeführten pharmakologischen und toxikologi-
schen Studien, die insbesondere Untersuchungen zur Mutagenität, Toxizität, Cancerogenität und Tera-
togenität umfassen, bewertet. In der nächsten Stufe wird die Wirkstoffdosis ermittelt, die keine sub-
stanzspezifische Wirkung mehr hervorruft, also den „no-observed-effect-level“ (NOEL). Der NOEL
wird dann zur Berechnung des ADI-Wertes, der zulässigen täglichen Aufnahmemenge (acceptable
daily intake), herangezogen. Der ADI-Wert ist eine Rückstandsmenge, angegeben in g oder mg pro kg
Körpergewicht, die zeitlebens ohne erkennbares Risiko aufgenommen werden kann [108]. Aus dem
ADI-Wert wird unter Berücksichtigung der relativen Verteilung der Gesamtrückstände auf die eßbaren
Gewebe und die täglich verzehrte Menge dieser Gewebe die Rückstandshöchstwerte, MRLs (MRL =
maximum residue limit), in µg/kg für das jeweilge Zielgewebe abgeleitet. Da die verabreichten Sub-
stanzen im Stoffwechsel der Tiere verändert werden können, bezieht sich der festgesetzte MRL-Wert
immer auf einen geeigneten „Marker“. Dieser kann entweder die Ursprungssubstanz, ein Metabolit
oder auch die Summe aus beiden beinhalten.
Nach den Ergebnissen der MRL-Verfahren werden die pharmakologischen Wirkstoffe in die Anhänge
I bis IV der Verordnung Nr. 2377/90 EWG eingeordnet [109]. Bei Lebensmittel liefernden Tieren
dürfen seit dem 1.1.2000 in der gesamten EU nur noch Arzneimittel angewendet werden, die aus-
schließlich Wirkstoffe enthalten, die in den Anhängen I bis III dieser Verordnung aufgeführt sind
[110]. Für Stoffe in Anhang I ist die Bewertung und Festlegung endgültiger MRL-Werte abgeschlos-
sen. Für Stoffe im Anhang II gelten aufgrund ihrer für den Verbraucher in allen Konzentrationen ein-
gestuften Unbedenklichkeit keine MRL-Werte. Im Anhang III sind Stoffe mit vorläufigen MRL-
Werten mit einer Gültigkeit von maximal fünf Jahren aufgeführt. Gemäß § 15 Abs. 1 des Lebensmit-
tel- und Bedarfsgegenständegesetzes (LMBG) ist es verboten, vom Tier gewonnene Lebensmittel in
den Verkehr zu bringen, wenn Stoffe mit pharmakologischer Wirkung nachweisbar sind, die die fest-
gesetzten Höchstmengen überschreiten [111]. Für Stoffe in Anhang IV können keine für den Verbrau-
cher unbedenklichen Höchstmengen festgelegt werden. Ihre Anwendung bei Lebensmittel liefernden
Tieren ist daher verboten [112, 113]. Um eine einheitliche Beurteilung nachweisbarer Rückstände in
Lebensmitteln zu gewährleisten, wird eine EU-weite Festlegung der minimal zu bestimmenden Wirk-
soffmenge angestrebt, wobei unterhalb dieses Grenzwertes ein Lebensmittel tierischer Herkunft als
rückstandsfrei gilt. Von den Europäischen Gemeinschaften sind für einige Substanzen bereits Richtli-
nien verfaßt worden, in denen minimal zu erreichende Wirkstoffkonzentrationen, auch MRPL-Werte
(minimum required performance limits) angegeben werden, welche als Ergänzung der Richtlinie
2002/657/EC zu verstehen sind [114].
Tetracycline waren bis zum Jahre 1976 nach dem Futtermittelrecht als Leistungsförderer in Form von
Futtermittelzusatzstoffen für Saugferkel zugelassen. Aufgrund mehrfacher Diskussionen über die
Möglichkeit einer Resistenzentwicklung bei humanpathogenen Mikroorganismen wurde die subthera-
peutischer Anwendung von Tetracyclinen über das Futter EU-weit gestoppt. Seitdem werden Tetracy-
cline nur noch nach tierärztlicher Verschreibung auf Grundlage des Arzneimittelrechtes angewendet
[106, 107, 115]. Nach dem Lebensmittelrecht galt in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Jahre
1992 ein „Beurteilungswert“ von 10 µg/kg Muskulatur, der lediglich zur Entscheidung diente, ob die
3 Theoretische Grundlagen
22
nach dem Arzneimittelrecht festgelegten Wartezeiten eingehalten wurden. Diese Regelung wurde
durch die Einführung der strengeren EU-weiten Höchstmengenregelung abgelöst. Basierend auf einem
NOEL von 2 mg/Person/Tag wurde daraus unter Zugrundelegung der gleichen antimikrobiellen Wirk-
intensität ein für alle Tetracycline gültiger ADI-Wert von 0-3 µg/kg/Tag ermittelt [116]. In der Ver-
ordnung (EWG) Nr. 2377/90 sind daraus für die Tetracycline CTC, TC, OTC und DC folgende MRL-
Werte festgelegt worden, die für alle zur Lebensmittelerzeugung genutzten Tiere gelten (Tab. 2)
[109].
Tab. 2: MRL-Werte für die Tetracycline CTC, TC, OTC und DC in unterschiedlichen Matrices
nach VO (EWG) Nr. 2377/90
Zielgewebe Muskulatur Leber Niere Milch Eier
MRL [µg/kg] 100 300 600 100 200
Diese Werte beziehen sich auf die Summe von Muttersubstanz und ihrem 4-Epimeren und gelten für
CTC, TC, OTC und DC allein oder in Kombination. Die WHO schlug aufgrund weitergehender Studi-
en 1999 vor, diese Werte zu verdoppeln [117]. In den USA gelten bereits deutlich höhere von der
FDA festgelegte MRL-Werte für eßbares Gewebe vom Rind, von nicht laktierenden Milchkühen, Käl-
bern, Schweinen, Schafen und Geflügel, die für Muskulatur bei 2000 µg/kg, für Leber bei 6000 µg/kg
und für Niere und Fett bei 12000 µg/kg liegen [118, 170].
3.5 Eigenschaften der Tetracycline
3.5.1 Physikalische und chemische Eigenschaften
Tetracycline sind gelbe, kristalline, geruchlose Substanzen. Die UV-Spektren der Tetracycline sind
charakteristisch und vom pH-Wert anhängig. Der BCD-Chromophor, siehe Abb. 5, absorbiert bei 225,
285, 320 und 360 nm, der A-Chromophor bei 260 nm. Eine Bande bei 275 nm setzt sich aus mehreren
Absorptionen zusammen. OTC und TC haben zusätzlich eine Bande bei 360 nm, CTC bei 370 nm [37,
57], zu dem nur das BCD-Ringsystem beiträgt, wobei dieses Absorptionsmaximum allerdings eine
deutlich geringere Intensität zeigt als das bei 275 nm.
Die freien Basen der Tetracycline sind in wäßriger Lösung im physiologischen pH-Bereich nur sehr
wenig löslich (ca. 1 mg/mL) [49, 37, 57]. Aufgrund der sauren Gruppen und des basischen Dimethy-
lamino-Restes besitzen sie amphotere Eigenschaften und bilden mit Säuren und Basen in Wasser lösli-
che, stabile Salze. Insbesondere die Tetracyclin-Hydrochloride zeigen als Festsubstanz eine hohe Sta-
bilität. Der pH-Wert der rein wäßrigen Lösungen liegt zwischen 2-3 [50, 37, 57]. Die freien Basen
sowie die Hydrochloride sind in Alkoholen gut, in anderen organischen Lösungsmitteln weniger gut
löslich.
Tetracycline sind in wäßrigen Lösungen instabil und verlieren rasch einen Teil oder die gesamte anti-
biotische Wirksamkeit. Die Stabilität in wäßrigen Lösungsmitteln hängt in hohem Maße vom pH-Wert
und der Temperatur ab und ist für die einzelnen Tetracycline sehr unterschiedlich. Im sauren bis neu-
tralen Milieu sind TC und OTC deutlich stabiler als CTC. Während OTC im alkalischen Medium die
höchste Stabilität zeigt, ist CTC besonders alkaliempfindlich. DMTC ist wie auch die anderen 6-
3 Theoretische Grundlagen 23
Desmethyltetracycline im Vergleich zu den anderen Tetracyclinen auch bei extremen pH- und Tempe-
raturverhältnissen am stabilsten [119-122].
Tetracycline reagieren als Säuren mit einem pKa1-Wert von 3,3 aufgrund der OH-Gruppe am C-3-
Atom [49, 123]. Eine zweite Deprotonierung erfolgt an der OH-Gruppe des C-12-Atoms der vinylogen
Carbonsäurestruktur (pKa2-Wert = 7,6). Basische Eigenschaften beruhen auf dem Dimethylamino-
Restes, so daß der dritte pKa3-Wert von 9,7 einem protonierten N-4-Atom zuzuordnen ist [124, 125].
DUARTE et al. ordnen einen weiteren pKa4-Wert von 12 der phenolischen OH-Gruppe am C-10-Atom
zu [126].
In Abhängigkeit von den Substituenten, der Metallkomplexierung und dem Lösungsmittel, insbeson-
dere dem pH-Wert des Lösungsmittels, können Tetracycline in zwei unterschiedlichen Konformatio-
nen vorliegen. In saurem und neutralen Medium nehmen Tetracycline eine „twisted“ Konformation
an, bei der die protonierte Dimethylaminogruppe aus sterischen Gründen oberhalb des BCD-
Ringsystems liegt. In basischem Milieu oder nichtwäßrigen Lösungsmitteln verschiebt sich das
Gleichgewicht zu einer „extended“ Konformation, wobei die Dimethylaminogruppe unterhalb des
planaren BCD-Ringsystems liegt [127]. Möglicherweise beeinflußt die Konformation auch die phar-
makokinetischen Eigenschaften der Tetracycline [124, 128].
3.5.2 Komplexbildung
Tetracycline zeigen eine große Tendenz zur reversiblen Bildung antibiotisch inaktiver Komplexe mit
Kationen und Anionen sowie nieder- und hochmolekularen Stoffen (siehe Tab. 3) [37]. Während die
hydrophoben Tetracycline Doxycyclin und Minocyclin kaum komplexieren, neigen die hydrophileren
Tetracycline OTC, TC und Rolitetracyclin stark, CTC und DMTC sehr stark zur Komplexierung
[129].
Tab. 3: Komplexbildner für Tetracycline
Metall-Kationen Fe2+/3+, Cu2+, Ni2+, Co2+, Zn2+, Mn2+, Mg2+, Ca2+, Be2+, Al3+, Zr3+, Zr4+
Anionen Phosphat, Citrat, Salicylat, ß-Hydroxybenzoat
Neutralstoffe Coffein, Harnstoff, Thioharnstoff, Polyvinylpyrrolidon
Makromolekulare
Substanzen Serumalbumine, Lipoproteine, Globuline, RNA
In Abhängigkeit von der Art und Ladung des Kations und dem pH-Wert der Lösung bilden Tetracy-
cline mit Metall-Kationen Komplexe im stöchiometrischen Metall:Ligand-Verhältnis von 1:1, 2:1 und
1:2 [130-134]. Unterhalb pH 3 komplexieren Tetracycline nicht. Im pH-Bereich zwischen 3 und 7,5
bindet das Phenol-Diketon-System der Ringe BCD ein Kation. Oberhalb von pH 7,5 wird die Di-
methylaminogruppe deprotoniert und es kann so ein weiteres Kation von dieser Gruppe und der dazu
cis-ständigen 12a-Hydroxygruppe gebunden werden. Anhydrotetracycline, 4-epi-Tetracycline, deren
4- und 12a-Substituenten trans-ständig sind, sowie die iso-Tetracycline (zur Bildung von Abbau- und
Umwandlungsprodukten von Tetracyclinen siehe Kap. 3.5.3.1-3.5.3.2) bilden nur 1:1-Komplexe [37,
124, 135]. Oxytetracyclin bildet oberhalb pH 7 aufgrund ihres zusätzlichen Liganden mit Metallkatio-
nen zwischen der 5- und 12a-Hydroxygruppe ein Chelat.
Tetracyclinkomplexe mit Metallkationen zeigen charakteristische UV-Spektren und besitzen Maxima
3 Theoretische Grundlagen
24
bei 275 nm und in Abhängigkeit von der Metallkationenkonzentration zwischen 370-390 nm. Eine
Besonderheit fanden WESSELS et al., die die UV-Spektren von TC-Komplexen mit unterschiedlichen
Ca2+-Konzentrationen untersuchten. Sie fanden zwei isosbestische Punkte, einen bei 366 nm für ein
molares Verhältnis TC: Ca2+ 15,8 und einen zweiten bei 382 nm für TC: Ca2+ < 15,8, d.h. trotz Ver-
änderung der Ca2+-Konzentration blieb der Extinktionskoffizient bei diesen Wellenlängen gleich
[124]. Darüberhinaus zeigen Tetracycline eine Fluoreszenz, die durch Komplexierung mit Kationen
verstärkt wird, was zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Tetracyclinen ausgenutzt wer-
den kann.
Mit Anionen wie Phosphat und Citrat sowie Naturstoffen wie Coffein und Harnstoff bilden Tetracycli-
ne schwache Komplexe, die die Löslichkeit der Tetracycline erhöhen. Die reversible Bindung der Te-
tracycline an makromolekulare Substanzen im Blut und Gewebe ist von großer Bedeutung für die
Phamakokinetik und die Wirksamkeit im Körper. Solche Gleichgewichte sind mit Ausnahme der
Plasmaproteinbindung, die durch Methoden wie Dialyse, Ultrafiltration und Elektrophorese bestimmt
werden können, schwer quantitativ zu erfassen. Tetracycline binden sowohl an Albumin, dem Haupt-
protein des Serums, als auch an Globuline und Lipoproteine. Die Proteinbindung ist pH-Wert- und
Temperaturabhängig. Der Einfluß der Serumbindung auf die chemotherapeutische Wirksamkeit ist bis
heute nicht bekannt [37]. Ein positiver Effekt einer hohen, reversiblen Eiweißbindung an Serumpro-
teine könnte in ihrer Transportfunktion für den Wirkstoff in das Gewebe gesehen werden. Dennoch
gilt nach bisherigem Kenntnisstand, daß nur das ungebundene Antibiotikum in der unmittelbaren Um-
gebung des Bakteriums im infizierten Bereich eine antibiotische Wirkung ausübt [50].
3.5.3 Umwandlungs- und Abbaureaktionen
Tetracycline gehen in Lösung in Abhängigkeit vom Lösungsmittel, von der Temperatur und insbeson-
dere vom pH-Wert eine Reihe von Abbau- und Umwandlungsreaktionen ein, wobei deutliche Unter-
schiede zwischen den einzelnen Vertretern dieser Substanzklasse zu beobachten sind [50, 57]. Unter
den Umwandlungsreaktionen werden Isomerisierungen verstanden, die zu einer Veränderung der Kon-
figuration bei gleicher Summenformel führen. In der Literatur beschränkt sich üblicherweise der Be-
griff Isomerisierung auf die alkalische Umwandlung der Tetracycline zu den iso-Tetracyclinen und
wird so von der Epimerisierung und Keto-Enol-Tautomerie unterschieden. Zum leichteren Verständnis
werden diese in der Literatur konventionell verwendeten Begriffsbestimmungen übernommen. Neben
diesen Umlagerungsreaktionen können Tetracycline einer Dehydratation, also einer Abbaureaktion,
unterliegen.
3.5.3.1 Epimerisierung
In schwach saurer Lösung zwischen pH 2 und 6 unterliegen Tetracycline einer Isomerisierung am
asymmetrischen C-4-Atom (siehe Abb. 7). Derartige Isomerisierungen, bei denen eine Konfigurati-
onsänderung an einem von mehreren asymmetrischen C-Atomen stattfindet, werden als Epimerisie-
rung bezeichnet [49, 57, 136]. Diese Epimerisierung verläuft nach einer Reaktion erster Ordnung, ist
reversibel und wird durch Phosphat, Citrat, mehrwertige Kationen und Neutralstoffe wie Harnstoff
katalysiert [37, 137]. Sowohl die Reaktionsgeschwindigkeit als auch die Gleichgewichtslage hängt in
hohem Maße vom pH-Wert ab. Während unterhalb von pH 1,5 keine Epimerisierung stattfindet, stellt
sich je nach den gewählten Bedingungen das Gleichgewicht bei einer Epimerisierungsrate zwischen
40 % und 68 % ein, wobei die Geschwindigkeit mit steigendem pH-Wert zunimmt [138-140].
3 Theoretische Grundlagen 25
CONH2
OH
OHO
HN
CH3
H3C
H
H
CONH2
OH
OH
HN
CH3
H3C
O
H
H+
OH
H
CONH2
OH
O
H
H
N
CH3
H3C
+ H+
- H+
Abb. 7: Epimerisierung von Chlortetracyclin in schwach saurer Lösung [136, 141]
Die epimeren Verbindungen weisen im Vergleich zu den jeweiligen Muttersubstanzen eine bessere
Löslichkeit in den meisten Lösungsmitteln auf und sind beständiger gegenüber saurer oder alkalischer
Einwirkung [57]. Darüberhinaus wirkt sich die Konfigurationsänderung an der C-4-Position erheblich
auf die antibiotische Aktivität aus. Verschiedene Autoren beschreiben entweder gar keine oder eine
um 90-99 % verminderte antibiotische Wirksamkeit der Epimere in Bezug auf die Muttersubstanz,
wobei unklar ist, ob die Epimere überhaupt antibiotisch wirksam sind oder die antibiotische Aktivität
auf eine Rückepimerisierung zurückzuführen ist [49, 57, 138].
Die Epimere zeigen in dem Wellenlängenbereich, in dem die chromophore Gruppe A ihren Beitrag
leistet, einen signifikanten Unterschied zum Ausgangsprodukt. Während eine Unterscheidung vom
Epimer zum Ausgangsprodukt bei einer Wellenlänge von 275 nm möglich ist, kann eine Quantifizie-
rung des Epimers auch über die Ausgangssubstanz im Wellenlängenbereich von 350-370 nm erfolgen,
da dieser Teil der Absorption trotz Epimerisierung unverändert bleibt [57, 137, 142].
3.5.3.2 Isomerisierung
Die alkalische Behandlung von Tetracyclinen mit einer Hydroxygruppe am C-6-Atom führt durch
Aufbrechen des Ringes C zu decyclisierten Produkten mit einer Lactonen entsprechenden Phthalid-
struktur, den iso-Tetracyclinen, über [37, 57, 122] (siehe Abb. 8). Während TC und OTC erst oberhalb
von pH 9-10 isomerisieren, zeigt sich CTC besonders labil und geht bereits ab pH 7 ins Isochlortetra-
cyclin über. Auch die Isotetracycline können analog den Tetracyclinen im schwach sauren Bereich
zwischen pH 2 und pH 6 zu den 4-epi-Isotetracyclinen epimerisieren. Bei der Isomerisierung der Te-
tracycline spielen mehrere konkurrierende Reaktionen wie Epimerisierung und Isomerisierung eine
Rolle. Bei der Isomerisierung im alkalischen Milieu handelt es sich um eine irreversible Reaktion, die
zu Produkten mit gar keiner oder sehr geringen antibiotischen Aktivität führt [143-146].
OH
CONH2
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN(CH3)2
OH
CONH2
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN(CH3)2
Chlortetracyclin (CTC) 4-e
p
i
-
Chlo
r
tet
r
ac
clin
(
e-CTC
)
pH 2-6
4 4
3 Theoretische Grundlagen
26
OH
Cl CH3
O
OO OH
Cl CH3
O
OO
OH
Cl OCH3
OO
- H2O
+OH-
+ H2O
-OH-
OH
Cl CH3
O
OOH
Abb. 8: Isomerisierung von Chlortetracyclin im alkalischem Milieu [136, 141]
Die Bildung von Isotetracyclinen geht einher mit einer pH-abhängigen Änderung der UV-Absorption
bei 320-380 nm. Isotetracycline besitzen nur im alkalischen Milieu eine UV-Absorption im Bereich
von 320-380 nm [137, 143]. Durch die Isomerisierung von Tetracyclinen wird die natürliche Fluores-
zenz deutlich verstärkt, was zur analytischen Bestimmung der Tetracycline ausgenutzt werden kann
[136, 147, 148].
3.5.3.3 Keto-Enol-Tautomerie
In Abhängigkeit vom pH-Wert und der Polarität des Lösungsmittels können Tetracycline verschiedene
tautomere Formen annehmen. Je nach Dissoziationsgrad sind unter Zugrundelegung von vier den pKa-
Werten entsprechenden Protonierungen bzw. Deprotonierungen 64 tautomere Formen möglich. Für
vollständig protonierte Tetracycline beschreiben DUARTE et al. neun verschiedene Tautomere, wobei
die tatsächliche Struktur als Gleichgewicht aller möglichen Keto-Enol-Tautomeren aufzufassen ist
[126].
Tautomere Umlagerungen können am C1-, C2- und C3-Atom des Ringes A, am C10-, C10a- und C11-
Atom der Ringe CD sowie am C11-, C11a- und C12-Atom der Ringe BC stattfinden. NAIDONG et al.
gelangen erstmals die chromatographische Trennung von Tautomeren des CTC und DC an Polymer-
phasen, wobei mittels NMR nachgewiesen werden konnte, daß diese Tautomerie am C11-, C11a- und
C12-Atom stattfindet (Abb. 9) [149, 150].
Durch Ausbildung der Ketoform kann das H-Atom des C11a-Atoms sowohl cis- als auch trans-ständig
zum H-Atom des C5a-Atoms stehen, woraus sich eine cis-Ketoform und eine trans-Ketoform ableiten
läßt. Grundsätzlich kann die Keto-Enol-Tautomerie durch Säuren oder Basen katalysiert werden, wo-
bei für CTC nur der säurekatalysierte Prozeß eine Rolle spielt, da im alkalischen Milieu Isochlortetra-
cyclin entsteht und somit eine Tautomerie am C11-, C11a- und C12-Atom nicht mehr möglich ist.
OH
CONH2
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN(CH3)2
Chlortetracyclin (CTC)
OH
CONH2
OH
Cl
OHOO
H
CH3N(CH3)2
O
O
Isochlortetracyclin (iso-CTC)
pH > 7
6
6
3 Theoretische Grundlagen 27
O
HO CH3
OH
H
+ H+
O
HO CH3
OH
H
- H+
Carbeniumion
OH
Cl OCH3
OHO
HH
- H2O
OH
Cl
OHO
H3CH
- H+
OH
Cl
OHO
CH3
+ H+
- H+
Abb. 9: Keto-Enol-Tautomerie von Chlortetracyclin [149]
3.5.3.4 Dehydratation
Bei Tetracyclinen mit einer Hydroxygruppe am C-6-Atom wie Chlortetracyclin spaltet sich unterhalb
pH 1,5 leicht Wasser ab und es entstehen unter Aromatisierung von Ring C Anhydrotetracycline (sie-
he Abb. 10).
Abb. 10: Dehydratation von Chlortetracyclin in stark saurem Medium [136, 141]
Diese Eliminierungsreaktion wird durch die trans-Stellung der tertiären Hydroxylgruppe am C-6-
Atom zum Wasserstoffatom des C-5a-Kohlenstoffs ermöglicht und stellt eine irreversible Reaktion
zweiter Ordnung dar [37, 122, 136]. Die Anhydrotetracycline können ihrerseits analog den Tetracycli-
nen im schwach sauren Bereich zwischen pH 2 und 6 zu den 4-epi-Anhydrotetracyclinen epimerisie-
ren. Die Zersetzung der Tetracycline kann durch konkurrierende Abbaureaktionen der primären Zer-
Enolform von CTC bzw. e-CTC Ketoform von CTC bzw. e-CTC
OH
CONH2
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN(CH3)2
OH
CONH2
OH
ClHO CH3
OHOO
HN(CH3)2
O
H
11a
11a
11 11
12
12
OH
CONH2
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN(CH3)2
Chlortetracyclin
(CTC)
OH
CONH2
OH
Cl
OHO
H
CH3N(CH3)2
OOH
Anhydrochlortetracyclin
(Anhydro-CTC)
pH < 1,5
-H2O
6
6
5a 5a
3 Theoretische Grundlagen
28
setzungsprodukte überlagert sein. So verläuft die Epimerisierung der Anhydrotetracycline schneller
und die Dehydrierung der 4-epi-Tetracycline langsamer als die entsprechende Reaktion der unverän-
derten Tetracycline [122].
Die Anhydroverbindungen besitzen eine gegenüber den Ausgangsverbindungen um 70 % reduzierte
antibiotische Aktivität. Trotz ihrer antibiotischen Aktivität finden sie jedoch wegen ihrer deutlich toxi-
scheren Eigenschaften gegenüber den Tetracyclinen keine klinische Anwendung. Anhydrotetracycline
rufen schwere Nebenwirkungen hervor, die auf ihrer nicht selektiven Wirkung auf alle Zellmembra-
nen, also auch auf die von eukaryontischen Zellen, beruhen [151, 124].
Die durch die Dehydratation hervorgerufene Veränderung des BCD-Ringsystems wirkt sich in erheb-
lichem Maße auf die UV-Absorption aus und führt zu einer deutlichen Verminderung der Absorpti-
onsintensität im Wellenlängenbereich zwischen 320-380 nm. Die Quantifizierung der Anhydroverbin-
dungen wird bei unterschiedlichen Wellenlängen durchgeführt, da die Absorptionsprofile von den
gewählten Bedingungen abhängig ist [151-154].
4 Stand der Tetracyclin-Analytik 29
4 Stand der Tetracyclin-Analytik
Zum Nachweis von Tetracyclinen existieren eine Vielzahl von Untersuchungsmethoden und Verfah-
ren, weshalb in diesem Zusammenhang nur ein kurzer Überblick gegeben werden soll. Die Struktur-
aufklärung der Tetracycline erfolgte durch die Aufnahme von Massen-, Kernresonanz-, Infrarot- und
UV-Spektren [47]. Von mehr historischem Interesse sind Verfahren zur Messung des Zirkular-
Dichroismus, volumetrische, kolorimetrische und polarographische Verfahren ebenso wie dünn-
schicht- und papierchromatographische Methoden [122]. Heutzutage werden vor allem mikrobiologi-
sche Verfahren wie der Agardiffusionstest und der PREMI-Test als Screening-Test eingesetzt [155,
156, 157]. Die Vorteile dieser Verfahren liegen in der einfachen und schnellen Durchführung der
Tests, wobei allerdings keine Unterscheidung der einzelnen Tetracyclinderivate möglich ist. Darüber
hinaus werden auch immunologische Verfahren wie ELISA [158] und Rezeptortests wie der Charm®-
Test beschrieben [122].
Chromatographische Methoden
Die gaschromatographische Bestimmung von Tetracyclinen ist zwar nach Derivatisierung zu den Tri-
methylsilyl-Derivaten möglich [159], hat aber wegen der hohen Siedepunkte der Tetracycline keine
praktische Bedeutung. Seit Anfang der 90er Jahre werden außerdem verschiedene kapillarelektropho-
retische [160, 161, 162] und mizellarelektrokinetische chromatographische [163, 164] Methoden, die
zur pharmazeutischen Reinheitsbestimmung eingesetzt werden, beschrieben. Neuere Veröffentlichun-
gen beschreiben die Bestimmung der Tetracycline mittels Chemilumineszenz [165, 166, 167].
Das in den letzten Jahren dominierende Verfahren ist die Hochdruckflüssigkeitschromatographie
(HPLC), welches gegenüber den anderen chromatographischen Methoden den Vorteil einer wesentlich
höheren Trennleistung und Nachweisempfindlichkeit aufweist [122, 168]. In der Literatur werden
zahlreiche Säulenmaterialien und Fließmittelgemische zur chromatographischen Trennung beschrie-
ben, wobei die Reversed-Phase-Verfahren überwiegen und die Fließmittel in der Regel Säuren oder
EDTA-Zusätze enthalten. Als Säulenmaterialien kommen vor allem auf Silicagel basierende Phasen
wie C18- [169, 170, 171], C8- [172, 173] und Phenyl-Materialien [174, 175] sowie organische Poly-
mermaterialien, häufig auf Basis von Polystyrol-Divinylbenzol (PS-DVB), [176, 177, 178] zum Ein-
satz. Als zugrunde liegender Retentionsmechanismus wird für diese Trennverfahren eine Wechselwir-
kung zwischen der stationären Phase und einem Tetracyclin-EDTA-Ionenpaar, entstanden durch
Komplex- bzw. Ionenpaarbildung zwischen dem protonierten Tetracyclin und dem EDTA- bzw. Säu-
reanion, diskutiert. Bei den Phenyl- und organischen Polymermaterialien wird zusätzlich die Bildung
von π-π-Komplexen zwischen den Phenylresten bzw. dem Polystyrol-Divinylbenzol-Copolymer und
den Tetracyclinen angenommen [122, 149]. Die chromatographische Trennung der Tetracycline kann
bei Verwendung von alkyl- oder phenylmodifizierten Umkehrphasen wegen des möglichen Metallio-
nengehaltes durch die ausgeprägten Komplexbildungseigenschaften mit Metallkationen gestört wer-
den. Da Tetracycline nur in einem pH-Wert-Bereich von 3-7,5 komplexieren, kann zur Vermeidung
einer Komplexierung entweder der pH-Wert der Fließmittel kleiner als drei eingestellt werden oder es
können die Metallionen durch den Einsatz von Komplexbildnern wie Oxalsäure, Phosphorsäure und
EDTA-Zusatz abgefangen werden [179]. Da Tetracycline zudem eine hohe Tendenz haben, sich irre-
versibel an die verbleibenden Silanol-Gruppen zu binden, kann es bei Einsatz von silica-basierenden
stationären Phasen durch sekundäre Wechselwirkungen zu einem Peak-Tailing kommen. Diese Wech-
selwirkungen können durch einen Zusatz von Oxalsäure zum Fließmittel unterbunden werden oder
4 Stand der Tetracyclin-Analytik
30
durch den Einsatz von organischen Polymerphasen als stationäre Phase von vornherein vermieden
werden [11].
Detektion
Die Detektion der Tetracycline kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen, wobei die am häu-
figsten verwendete Methode die UV-Detektion mittels Diodenarray-Detektor ist [180-185]. Obwohl
die Tetracycline im Wellenlängenbereich von 270-280 nm ein höheres UV-Absorptionsmaximum
aufweisen, siehe Kap. 3.5.1, bietet die Detektion bei Wellenlängen von 350-370 nm den Vorteil einer
höheren Selektivität. Deutlich empfindlichere Detektionsmethoden stellen die elektrochemische [186]
und die fluorimetrische Detektion dar. Da Tetracycline selbst nur eine geringe Fluoreszenz zeigen, ist
für diese Detektionsart eine Nachsäulenderivatisierung zur Überführung der Tetracycline in die stark
fluoreszierenden Tetracyclin-Metallkation-Komplexe oder iso-Tetracycline notwendig. Hierbei wer-
den die Tetracycline entweder mit Calcium-, Aluminium- oder Zirkoniumsalzlösungen in schwach
saurer Lösung in die entsprechenden Komplexe [187, 188] oder im alkalischen Milieu in die iso-
Tetracycline [189, 190] überführt. Letztgenannte Methode ist besonders für CTC geeignet, da es unter
diesen Bedingungen leicht isomerisiert. Beide Methoden eignen sich nur für die Nachsäulenderivati-
sierung, da zum einen Komplexierungen die chromatographische Trennung negativ beeinflussen und
zum anderen die iso-Tetracycline nur in alkalischem Medium fluoreszieren.
In den letzten Jahren hat sich vor allem die Detektion mittels Massenpektrometrie durchgesetzt [191-
200]. Diese Detektionsart hat gegenüber den anderen Methoden zum einem den Vorteil einer höheren
Selektivität und zum anderen in den meisten Fällen eine höhere Empfindlichkeit. Aufgrund der Mög-
lichkeit, nur bestimmte Massen „isolieren“ zu können, kann hierbei häufig auf eine aufwendige Pro-
benvorbereitung verzichtet werden [201, 202]. Daher ist besonders die Tandemmassenspektrometrie
(LC-MS/MS) im MRM-Mode (Multiple Reaction Monitoring) ein hoch selektives und sensitives Ver-
fahren zum quantitativen Nachweis von Antibiotika in komplexen biologischen Matrices [203, 204].
Vor allem ist mit diesem Verfahren die Bestimmung mehrerer, auch co-eluierender, Substanzen ne-
beneinander mit kurzen Analysenzeiten möglich [205, 206, 207, 208]. Die Ionisation der Tetracycline
ist mit verschiedenen Techniken möglich: Atmospheric pressure chemical ionization (APCI), Particle
Beam Ionization (PB), Fast Atom Bombardment (FAB) und Electrospray Ionization (ESI). Die am
häufigsten eingesetzte Technik ist die Electrospray Ionization, die sowohl im positiven als auch im
negativen Mode betrieben werden kann. Vorwiegend wird die Electrospray-Technik im positiven
Mode (ESI+) genutzt, da die Tetracycline in den meisten Fällen in Abhängigkeit von den gewählten
chromatographischen Bedingungen bei dieser Ionisierung im Vergleich zu den anderen Techniken die
höchste Sensitivität aufweisen [172, 209, 210].
Probenvorbereitung
Für die Aufarbeitung biologischer Proben zur Bestimmung von Tetracyclinen werden in der Literatur
eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden beschrieben: Flüssig-Flüssig-Extraktion [211-213], Festpha-
senextraktion (SPE) [12, 214-221], Festphasenmikroextraktion (SPME) [222, 223] Metall-Chelat-
Affinitäts-Extraktion [224-227], Matrix-Solid-Phase-Dispersion (MSPD) [168, 228] und Extraktion
mit Dialyse [177, 229, 230].
Zunächst ist bei allen Methoden eine Homogenisierung der entnommenen Proben vorzunehmen. Dies
geschieht bei festem Probenmaterial wie Gewebeproben in einem ersten Schritt durch Einsatz einer
Moulinette. Anschließend erfolgt in einem zweiten Schritt, mit Ausnahme der MSPD, eine Fest-
4 Stand der Tetracyclin-Analytik 31
Flüssig-Extraktion der Tetracycline mit einem wäßrigen Lösungsmittel aus der zerkleinerten Probe,
wobei in den meisten Fällen der EDTA-McIlvain-Puffer verwendet wird, der als Chelatisierungsrea-
genzien Citronensäure und EDTA enthält und damit eine Komplexierung der Tetracycline an Kationen
aus der Matrix verhindert [170, 231, 239, 243, 232]. Hierbei wird, um eine vollständige Homogenisie-
rung der Probe zu gewährleisten und eine quantitative Extraktion zu erzielen, ein Ultra-Turrax einge-
setzt. Im Anschluß daran kann eine Aufreinigung dieses so gewonnenen Extraktes mit den oben er-
wähnten Methoden erfolgen. Die klassische Flüssig-Flüssig-Extraktion ist durch verschiedene
Festphasenextraktions-Methoden (SPE, SPME) verdrängt worden, wobei für die Tetracyclinanalytik
als Sorbentien ebenso wie für die chromatographische Bestimmung sowohl Reversed-Phase-Systeme,
basierend auf Silicagel, wie C18-, C8-, die zum Teil speziell zur Tetracyclinbestimmung modifiziert
sind [217], organische Polymermaterialien [192, 233-237] als auch Kationenaustauschersäulen [219,
238] von Bedeutung sind. Genauso wie bei der chromatographischen Trennung können freie Silanol-
gruppen bei alkylmodifizierten Säulenmaterialien die Elution der Analyten verhindern. Bei der Metall-
Chelat-Affinitäts-Extraktion wird die Eigenschaft der Tetracycline, mit verschiedenen Metallionen
Komplexe zu bilden, zur selektiven Aufarbeitung genutzt, beispielsweise setzen FARRINGTON et al.
[224, 225] eine mit Kupfer beladene Chelating-Sepharose-Säule zur Komplexierung der Tetracycline
ein. Häufig werden auch zwei verschiedene Aufreinigungsmethoden, gekoppelt, um saubere Meßpro-
ben zu erhalten. So umfaßt die amtliche Untersuchungsmethode nach § 35 LMBG sowohl eine Metall-
Chelat-Affinitäts-Extraktion als auch eine Festphasenextraktion [226]. Die Aufarbeitung mit MSPD
bietet den Vorteil, daß die zerkleinerte Probe direkt mit dem Festphasenmaterial gemischt wird und
daher keine Fest-Flüssig-Extraktion erforderlich ist, um die Analyten in einem ersten Schritt aus der
Probe herauszuextrahieren. Die Aufreinigung mit Dialyse hat den Nachteil, daß das erhaltene Dialysat
aufgrund des hohen Extraktvolumens zusätzlich aufkonzentriert werden muß, wobei hier meist ein
Festphasenextraktionsschritt nachgeschaltet wird. Eine Automatisierung der Probenvorbereitungsme-
thoden SPE, SPME, Metall-Chelat-Affinitäts-Extraktion und Dialyse in Form einer On-line-Kopplung
mit dem HPLC-System ist zwar grundsätzlich möglich und wird auch von verschiedenen Autoren
beschrieben [177, 225, 229, 239], ist aber bei der Aufarbeitung komplexer biologischer Proben oft
schwer zu realisieren.
Von den beschriebenen Probenvorbereitungstechniken ist die Festphasenextraktion die am häufigsten
eingesetzte Methode, wobei zunehmend organische Polymermaterialien als Sorbentien verwendet
werden [192, 233-235]. Bei den in der Literatur beschriebenen Verfahren, die häufig auch zur Be-
stimmung mehrerer Tetracyclinderivate dienen, umfaßt die Quantifizierung der Tetracycline meist
lediglich die jeweiligen Wirkstoffe. Verfahren, die Abbau- oder Umwandlungsprodukte der Tetracy-
cline berücksichtigen, beschränken sich dabei auf die Epimere. Auf die besondere Bedeutung der
Epimere bei der Bestimmung von Tetracyclinen in Lebensmitteln tierischer Herkunft weisen
verschiedene Autoren wie BERGNER-LANG et al. [240] und KÜHNE et al. [322] hin. Da die Epimere
entweder bereits im Probenmaterial vorhanden sein können oder auch während der
Probenvorbereitung entstehen können, ist die Berücksichtigung der Epimere unbedingt erforderlich.
Vor allem bei der Extraktion mit McIlvain-Puffer, der meist auf pH 4 eingestellt wird, ist von einer
Epimerisierung auszugehen. Aufgrund der besonders großen pH-Instabilität von CTC im Vergleich zu
den anderen Tetracyclinen ist besonders bei der Bestimmung von CTC auf mögliche Abbau- und
Umwandlungsreaktionen zu achten. Neben den epimeren Verbindungen können in Abhängigkeit vom
pH-Wert auch Isomere, Keto-Enol-Tautomere sowie Anhydroverbindungen, siehe Kap. 3.5.3,
auftreten.
4 Stand der Tetracyclin-Analytik
32
Es gibt jedoch nur wenige Untersuchungen zu weiteren Metaboliten von CTC in biologischen Proben.
ZURHELLE et al. und KENNEDY et al., die Hühnereier auf CTC und mögliche Abbau- und Umwand-
lungsprodukte untersuchten, belegen, daß neben den Epimeren auch iso-CTC und e-iso-CTC vor-
kommen [143, 229].
Im Rahmen dieser Arbeit sollte daher ein HPLC-UV-MS/MS-Verfahren zur Bestimmung von CTC in
Urin, Faeces, Plasma, Knochen und Schlachtproben entwickelt und validiert werden, wobei ein beson-
deres Augenmerk den möglichen Metaboliten von CTC galt. Dieses Verfahren sollte die Extraktion
der Proben mit EDTA-McIlvain-Puffer und einen anschließenden Aufreinigungs- und Aufkonzentrie-
rungsschritt durch eine off-line Festphasenextraktion beinhalten. Die Kopplung dieser beiden Detekti-
onsarten hat den Vorteil, einerseits die hohe Selektivität und Empfindlichkeit der Massenspektrometrie
und andererseits die hohe Reproduzierbarkeit und Präzision der UV-Detektion auszunutzen. Insbeson-
dere werden bei der UV-Detektion auch matrixbedingte signalsupressive oder
-verstärkende Detektionseffekte vermieden.
5 Ergebnisse und Diskussion 33
5 Ergebnisse und Diskussion
5.1 Untersuchungsmethodik und Projektverlauf
Die Zielsetzungen des vom MUNLV gegründeten Projektes „Resistenzentwicklung und Rückstände
in der landwirtschaftlichen Tierhaltung“ resultierten aus der ungenügenden Datenlage über die
Aufnahme, der Metabolisierung und Verbleib von Arzneimitteln, die in der Tiermast eingesetzt wer-
den. Zum Zeitpunkt des Projektbeginns war keine sichere Aussage über den durch die in der Tiermast
eingesetzten Arzneimittel verursachten Eintrag in die Nahrungskette und Expositionspfad in die Um-
welt sowie das damit verbundene Verbraucherrisiko möglich. Von zentraler Bedeutung war dabei die
Frage, in welchem Maße neben den Wirkstoffen auch Metabolite sowie Abbau- und Umwandlungs-
produkte vorkommen und inwieweit diese ein Verbraucherrisiko darstellen können. Die besondere
Verbraucherschutzrelevanz dieser Fragestellung wird durch die zunehmende Ausbreitung von Antibio-
tika-Resistenzen verstärkt. Das hier beschriebene Projekt sollte einen Beitrag zur Aufklärung der Ein-
tragspfade antibiotisch wirksamer Pharmakarückstände in die Nahrungskette und zur Abschätzung der
Umweltbelastung liefern, um das Gefährdungspotential für den Verbraucher besser beurteilen zu kön-
nen. In diesem Projekt wurde das Verhalten der auf Grund ihrer Anwendungsbreite bei Schweinen
besonders relevanten Antiinfektiva Chlortetracyclin (CTC) und Sulfadiazin (SFD) kombiniert mit
Trimethoprim (TMP) als potenziertem Sulfonamid untersucht. Auf die Analyse der Sulfadiazin- und
Trimethoprim-Gehalte wird im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter eingegangen.
In einer ersten Medikationsstudie erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftszentrum Haus
Düsse, Bad Sassendorf (Haus Düsse-Studie) die Durchführung eines Mastdurchganges mit definierter
Medikation unter praxisnahen Bedingungen. Es wurden 40 Schweine in einer Gruppe gehalten und
den Tieren über Längströge eine definierte Menge an CTC, SFD und TMP verfüttert. Die Schlachtung
der Tiere erfolgte drei Monate nach der Arzneimittelfütterung. Diese Studie diente dazu, das Auschei-
dungsverhalten der applizierten Antiinfektiva in Urin zu untersuchen und anhand der entnommenen
Schlachtproben festzustellen, mit welchem Eintrag in die Nahrungskette unter landwirtschaftlich übli-
chen Bedingungen zu rechnen ist.
Da unter diesen Bedingungen nicht beurteilt werden kann, wieviel der applizierten Wirkstoffe ausge-
schieden werden und welche Menge im Tierkörper verbleibt, war in einer zweiten Medikationsstudie
in Kooperation mit der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, Braunschweig-Völkenrode (FAL-
Studie) und der Universität Paderborn im Projekt: „Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in
terrestrische und aquatische Kompartimente“, die Durchführung eines Mastdurchganges von fünf
Schweinen unter definierteren Bedingungen in Einzelhaltung geplant. In dieser Studie wurden
Schweine während der Medikation in Stoffwechselkäfigen gehalten, wobei eine individuelle Arznei-
mittelfütterung und eine individuelle Sammlung von Kot und Urin erfolgte. Die Arzneimittelfütterung
erfolgte in zwei Medikationsphasen. Die in diesem Versuch anfallende Gülle wurde für weitergehende
Freilandversuche im Rahmen des „Antiinfektiva“-Projektes der Universität Paderborn [93, 277], ein-
gesetzt. Die Schlachtung der Tiere erfolgte mit Ausnahme eines Tieres nach Ablauf der Wartezeit von
vierzehn Tagen, wobei die Tiere nach der Arzneimittelfütterung ebenfalls in einer Gruppe gehalten
wurden. Anhand dieser Studie sollte beurteilt werden, wieviel des applizierten Wirkstoffes wieder
ausgeschieden wird und wie hoch die Wirkstoffgehalte in den Schlachtproben nach Ablauf der Warte-
zeit sind. Eines dieser Tiere wurde direkt nach der Arzneimittelfütterung geschlachtet, um eine Bilan-
5 Ergebnisse und Diskussion
34
zierung vorzunehmen.
Besonderes Augenmerk galt dem Metabolismus von CTC. In einem ersten Schritt wurde der CTC-
Gehalt in den bei den Medikationsstudien entnommenen Proben, entsprechend der EU-Verordnung
EWG Nr. 2377/90, als Summe von CTC und e-CTC ermittelt. Darüber hinaus sollte geklärt werden,
inwieweit neben dem Epimeren weitere Abbau- und Umwandlungsprodukte in den einzelnen Matrices
nachzuweisen sind und ob diese bei der Ermittlung des CTC-Gehaltes mit berücksichtigt werden müs-
sen. In den Schlachtproben sowie aller entnommen Proben des „Bilanzierungstieres“ der FAL-Studie
sollte eine Quantifzierung weiterer Metabolite von CTC erfolgen.
Die im Rahmen des Projektes gewonnenen Erkenntnisse dienen dazu, den Eintragspfad der den
Schweinen applizierten Wirkstoffe sowie deren Metabolite in die Nahrungskette und die daraus resul-
tierende Gefährdung für den Verbraucher besser abschätzen zu können.
5.1.1 Haus Düsse-Studie
Zu Beginn des Mastdurchganges wurden 80 nicht medikamentiv vorbehandelte Schweine im Alter
von zwei Monaten im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse aus deren eigener Sauenhaltung aufge-
stallt. Die Tiere standen in Ställen mit Spaltenboden und das Stallabteil war mit einer Zwangslüftungs-
anlage versehen. Von diesen Tieren erhielten 40 Tiere (Versuchsgruppe) über einen Zeitraum von
zwei Wochen Antibiotika über das Trockenfutter (Getreide-Sojamischung), wobei den Tieren das
Futter trocken von Hand vorgelegt wurde. Es wurde insgesamt 1 t antibiotikahaltiges Mischfutter her-
gestellt, wovon 852 kg an die Tiere der Versuchsgruppe verfüttert wurde. Die 40 Versuchstiere haben
eine Arzneimittelwirkstoffmenge von 369 g CTC aufgenommen, womit sich pro Versuchstier eine
durchschnittliche Aufnahmemenge über den gesamten Medikationszeitraum von 9,21 g ergeben hat.
Auf die zusätzlich verabreichten Sufadiazin- und Trimethoprim-Mengen wird in dieser Arbeit nicht
eingegangen. Für die 40 medikamentiv unbehandelten Tiere (Kontrollgruppe) wurde ebenfalls 1 t
Mischfutter ohne Antibiotika erstellt und über den gleichen Zeitraum bei gleicher Vorlagesystematik
verfüttert. Die Kontrolltiere hatten hiervon 751 kg aufgenommen. Nach Medikationsende wurden bei-
de Gruppen mit einem Flüssigfutter aus einer zentral steuerbaren Futteranlage weitergefüttert.
Die 40 Tiere wurden mit einer Ohrmarkennummer gekennzeichnet und in Buchten zu je acht Tieren
rechts und links von einem Kontrollgang aufgestallt und an Längströgen gefüttert. Eine Seite erhielt
das Kontrollfutter, die andere das Versuchsfutter. Bei der ersten Urinprobenahme wurden willkürlich
auf jeder Seite Tiere beprobt, bis die Anzahl der am Versuch beteiligten Tiere erreicht war. Anschlie-
ßend wurden die am Versuch beteiligten Tiere zusätzlich gekennzeichnet. Damit ergab sich ein Ver-
suchskollektiv von 24 Tieren, zwölf Kontrolltiere und zwölf Versuchstiere. Vor Beginn der Medikati-
on sowie im Anschluß an die Medikation erfolgten mit Unterstützung des Personals vom LEJ, Düssel-
dorf (Landesamt für Ernährungswirtschaft und Jagd) über einen Zeitraum von drei Monaten in Ab-
ständen von vierzehn Tagen Probenahmen von Urin. Versuchstier 3 ist während des Mastdurchganges
erkrankt und mußte mehrfach zusätzlich medikamentiert werden (s. Kap. 7.4). Im Alter von fünf Mo-
naten erfolgte die Schlachtung der Tiere, wobei den Tieren am Schlachttag außer Urinproben, dies war
allerdings nicht bei allen Tieren möglich, zusätzlich Muskel-, Leber-, Nieren-, Knochen- und Blutpro-
ben entnommen wurden. In Abb. 11 ist die Durchführung der Medikationsstudie schematisch darge-
stellt.
5 Ergebnisse und Diskussion 35
Einstallung medikamentiv unbehandelter Schweine
Schlachtung der Tiere
Probenahme von Urin, Muskulatur, Leber, Niere, Knochen und Blut
12 Versuchstiere
Antibiotikafütterung
Beprobung aller Tiere (Urin) in Abständen von zwei Wochen
nach Medikationsende über einen Zeitraum von drei Monaten
erste Probenahme von Urin bei allen Tieren
zwei Wochen 12 Kontrolltiere
Fütterung mit antibiotika-
freiem Mischfutter
Abb. 11: Schematischer Ablauf des Mastdurchganges im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse
5.1.2 FAL-Studie
Fünf medikamentiv unbehandelte Börgen, also Kastraten, mit einem Gewicht von 71-89 kg wurden in
Stoffwechselkäfigen aufgestallt. Zur Erfassung des Grundstatus wurden am 1. Versuchstag vor Beginn
der Medikation Urin-, Faeces- und Blutproben genommen. Nach der Einstallung der Tiere in Stoff-
wechselkäfigen erfolgten zwei Medikationsphasen von jeweils zehn Tagen (Versuchstag 1-10 und 22-
31), unterbrochen von einer aus Tierschutzgründen notwendigen Pause von elf Tagen (Versuchtag 11-
21). Die Medikation der Tiere erfolgte unter therapieüblichen Bedingungen. Dabei wurden den Tieren
das Arzneimittel Chlortetracyclin 100 (Wirkstoff: Chlortetracyclin, 1000 g Präparat enthalten 100 g
Chlortetracyclin) oral über das Trockenfutter verabreicht. Die Dosierung entsprach der maximal übli-
chen therapeutischen Anwendung. Die Applikationsmenge des Wirkstoffes richtete sich nach dem
Körpergewicht der Tiere, wobei die Dosierung jeden zweiten Tag unter Berücksichtigung der Ge-
wichtszunahme erhöht wurde. Die Dosierung der Arzneimittel ist im einzelnen in Tab. A. 3 und Tab.
A. 4 im Anhang aufgeführt. Neben Chlortetracyclin sind den Tieren noch Sulfadiazin und Trimetho-
prim verabreicht worden, die im Rahmen dieser Arbeit nicht mitberücksichtigt wurden. In Abb. 12 ist
der Ablauf der Studie schematisch dargestellt.
In den Stoffwechselkäfigen wurden Urin und Faeces separat aufgefangen und täglich tierweise zu
Gülle zusammengeführt. Es erfolgten tägliche Probenahmen von Urin und Faeces. Zusätzlich wurden
am Anfang, in der Mitte und am Ende jeder Medikationsphase Blutproben entnommen. Während der
Medikationspause wurden die fünf Tiere in einem separaten Stall in Einzelbuchten gehalten. Der in
5 Ergebnisse und Diskussion
36
Aufzucht von Ferkeln
Haltung der Tiere in der Gruppe
getrennte Sammlung von
Faeces und Urin
Tötung eines Tieres
direkt nach Medikationsende
1. Medikationsphase
Haltung der Tiere
in Stoffwechselkäfigen
Medikationspause von elf Tagen
Haltung der Tiere in der Gruppe
Schlachtung von vier Tieren
nach Ablauf der Wartezeit
Versuchstag 1-10
Versuchstag 11-21
Versuchstag 22-31 2. Medikationsphase
Haltung der Tiere
in Stoffwechselkäfigen
getrennte Sammlung von
Faeces und Urin
dieser Zeit angefallene Kot und Urin wurde verworfen. Am Ende der Studie, also nach der zweiten
Medikationsphase, wurden die täglichen Güllesammlungen der ersten und zweiten Medikationsphase
jeweils zu einem Güllepool zusammengeführt.
Abb. 12: Schematischer Ablauf der Medikationstudie an der FAL
Tier 95 wurde zur Durchführung einer Bilanzierung etwa drei Stunden nach der letzten Antibiotkafüt-
terung der zweiten Medikationsphase am Versuchstag 31 geschlachtet. Bei der Schlachtung wurde
dem Tier Urin-, Faeces-, Blut-, Muskulatur-, Leber-, Niere- und Knochenproben entnommen. Die
übrigen vier Tiere wurden während der Wartezeit von vierzehn Tagen in einem separatem Stall in
Einzelbuchten gehalten und am 46. Versuchstag geschlachtet. Die Tiere wurden entsprechend dem
Tier 95 beprobt.
5 Ergebnisse und Diskussion 37
5.2 Methodenentwicklung zur Bestimmung von CTC und Metabolite
in biologischen Proben
5.2.1 Entwicklung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens
Ziel war es, ein chromatographisches Verfahren mit HPLC-UV-MS/MS für die quantitative Bestim-
mung von CTC und e-CTC in den Matrices Urin, Plasma, Faeces, Muskulatur, Leber, Niere und Kno-
chen zu entwickeln. Neben diesen Verbindungen sollte zusätzlich zunächst nur eine qualitative Be-
stimmung von iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC möglich sein. Die zur Me-
thodenentwicklung eingesetzten Standardsubstanzen wiesen eine minimale Reinheit von 97 % auf.
Außer e-iso-CTC sind die Verbindungen CTC, e-CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
kommerziell erhältlich. Das nicht erhältliche e-iso-CTC wurde durch Epimersierung von iso-CTC in
schwach saurer Lösung hergestellt (siehe Kap. 7.10.1).
Im Rahmen der Methodenentwicklung wurden die nachfolgend aufgeführten Untersuchungen durch-
geführt:
Aufnahme der UV-Spektren von CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC unter den gegebenen chromatographischen Bedingungen (Lösungsmittel:
H2O/CH3CN/0,5 % HCOOH (v/v), pH 2,5): Für CTC und e-CTC wurden zwei UV-
Absorptionsmaxima ermittelt, die bei 275 nm und 370 nm liegen, wobei die erste Bande die
intensivere ist, siehe auch Abb. 29. Bei allen übrigen Verbindungen konnte nur ein Absorpti-
onsmaximum bei 275 nm festgestellt werden, da bei ihnen eine Modifikation des BCD-Ringes
erfolgt ist, die zur Auslöschung der UV-Absorption im Wellenlängenbereich oberhalb von 300
nm führt, siehe Kap. 3.5.1. Die jeweiligen Epimere zeigen weitestgehend identische UV-
Spektren.
Auswahl der mobilen und stationären Phase zur chromatographischen Trennung von CTC und
Metabolite
Entwicklung der MS/MS-Detektion durch Aufnahme von Precursor- und Produkt-Ionen-Scans
aller Verbindungen
Untersuchung der Stabilität der zu quantifizierenden Substanzen CTC und e-CTC in Lösung
im Hinblick auf die Herstellung und Lagerung von Kalibrierlösungen
5.2.1.1 Auswahl der mobilen und stationären Phase
In Abhängigkeit von der Detektionsart sind in der Literatur eine Vielzahl verschiedener mobiler Pha-
sen beschrieben worden. Sowohl für die UV-Detektion als auch für die Fluoreszenzdetektion werden
in den meisten Fällen Gemische aus Acetonitril-Methanol-Oxalsäure pH 2 verwendet, wobei manch-
mal der mobilen Phase EDTA zugesetzt wird [142, 180, 183, 187]. Des weiteren wird auch der Einsatz
von Acetat-Puffer und Phosphat-Puffer beschrieben [186, 188, 189]. Puffer-Lösungen sowie EDTA-
Zusätze eignen sich aufgrund ihrer schweren Verdampfbarkeit und möglichen Clusterbildungen nicht
für die massenspektrometrische Detektion. Zudem kann es zum Auskristallisieren der Puffersalze im
Interface und Ablagerungen im MS-Analysatorteil kommen. Daher kommen für diese Detektionsart
Gemische aus Acetonitril-Methanol-Oxalsäure pH 2 [170], Trifluoressigsäure-Acetonitril [172], Essig-
säure-Acetonitril [209] oder Ameisensäure-Acetonitril [195] in Frage. Für die eigenen Untersuchun-
5 Ergebnisse und Diskussion
38
5 7,5 10 12,5 15 17,5 20
Zeit [min]
YMC-Pack Phenyl
150 x 2,1 mm, 3 µm
Fluß: 0,2 mL/min
RSC-Gel 120 C18L
125 x 4 mm, 5 µm
Fluß: 1 mL/min
RSC-Gel 120 C18Aq
250 x 4 mm, 5 µm
Fluß: 0,8 mL/min
YMC ODS-AM
150 x 3 mm, 5 µm
Fluß: 0,4 mL/min
1) e-iso-CTC, 2) keto-e-CTC. 3) iso-CTC, 4) e-CTC, 5) CTC, 6) e-Anhydro-CTC, 7) Anhydro-CTC
12
3456
7
12
3
45
6
7
1
1
2
2
3
3
4
4
5
5
6
6
7
7
100
[%]
0
100
[%]
0
100
[%]
0
100
[%]
0
5 7,5 10 12,5 15 17,5 20
Zeit [min]
YMC-Pack Phenyl
150 x 2,1 mm, 3 µm
Fluß: 0,2 mL/min
RSC-Gel 120 C18L
125 x 4 mm, 5 µm
Fluß: 1 mL/min
RSC-Gel 120 C18Aq
250 x 4 mm, 5 µm
Fluß: 0,8 mL/min
YMC ODS-AM
150 x 3 mm, 5 µm
Fluß: 0,4 mL/min
1) e-iso-CTC, 2) keto-e-CTC. 3) iso-CTC, 4) e-CTC, 5) CTC, 6) e-Anhydro-CTC, 7) Anhydro-CTC
12
3456
7
12
3
45
6
7
1
1
2
2
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3
4
4
5
5
6
6
7
7
100
[%]
0
100
[%]
0
100
[%]
0
100
[%]
0
gen wurde als mobile Phase das von LOCK et al. [195] beschriebene Gemisch aus Ameisensäure-
Acetonitril (H2O/CH3CN/HCOOH, 0,5 % HCOOH, (v/v), pH 2,8) ausgewählt. Dieses Fließmittelge-
misch hat zum einen den Vorteil einer einfachen Herstellung und zum anderen sind aufgrund des nied-
rigen pH-Wertes (< 3) keine Komplexbildner erforderlich. Die Elution der Tetracycline erfolgt in den
in der Literatur beschriebenen Verfahren je nach Fragestellung entweder isokratisch oder mit einer
Gradientenmethode. Die Elution kann wegen der ähnlichen chromatographischen Eigenschaften von
CTC und seiner Metabolite nicht isokratisch erfolgen. Daher wurde für die Bestimmung von CTC und
seiner Metabolite eine Gradientenmethode entwickelt, mit der eine chromatographische Trennung aller
Verbindungen, insbesondere der schwer trennbaren Verbindungen e-CTC und iso-CTC, möglich ist.
Zur Auswahl einer stationären Phase wurden verschiedene analytische Säulen auf ihre Eignung zur
Trennung von CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC hin überprüft.
Es wurden vier verschiedene analytische Säulen eingesetzt: YMC-ODS-AM (150 x 3 mm, 3 µm),
RSC-Gel C18 Aq (250 x 4 mm, 5 µm), RSC-Gel 120 C18 L (125 x 4 mm, 5 µm), YMC-Phenyl (150 x
2,1 mm, 3 µm). Die mit diesen analytischen Säulen erhaltenen Chromatogramme sind in Abb. 13 ab-
gebildet.
Abb. 13: Trennung von CTC und seiner Metabolite mit verschiedenen analytischen Säulen
(β = 10 mg/L) (HPLC-UV, 275 nm)
Die YMC-ODS-AM-Säule zeichnet sich sowohl durch ein besonders gutes end-capping als auch einen
sehr geringen Metallionen-Gehalt aus und wird zum Einsatz für die Tetracyclinbestimmung bereits
5 Ergebnisse und Diskussion 39
von OKA et al. beschrieben [170]. Da bei der Retention der Tetracycline sekundäre Wechselwirkun-
gen und damit das end-capping eine große Rolle spielt, wurde zum einen die Trennung auf einer Säule
mit hydrophilem end-capping, RSC-Gel C18 Aq, und zum anderen mit hydrophobem end-capping,
RSC-Gel 120 C18 L, untersucht. Während letztgenannte Säule für alle Verbindungen zwar zu einer
Trennung aller Verbindungen, aber zu einem starken Peak-Tailing, besonders für Anhydro-CTC und
e-Anyhdro-CTC, führte, ergab sich mit RSC-Gel C18 Aq eine mit der YMC-ODS-AM-Säule ver-
gleichbar gute Trennung mit basisliniengetrennten, schmalen und symmetrischen Peaks für alle Sub-
stanzen. HELLER et al. und JÜRGENS et al. beschreiben den Einsatz einer Säule mit Alkyl-Phenyl-
Belegung, die vor allem bei Verbindungen mit höherer Retentionszeit wie Anhydro-CTC zu einer
geringeren Bandenverbreiterung führen soll [174, 175]. Der Einsatz der YMC-Phenyl-Säule führte
zwar zu einer Verkürzung der Retentionszeiten um zwei Minuten und schmalen, symmetrischen Peaks
für Anhydro- und e-Anhydro-CTC, jedoch konnte keine Trennung von e-CTC und iso-CTC mehr
erzielt werden. Von den erprobten Säulen erwies sich neben der YMC-ODS-AM-Säule mit einer Di-
mension von 150 x 3 mm, 5 µm nur die RSC-Gel C18 Aq für die Trennung von CTC und seiner Ab-
bau- und Umwandlungsprodukte als geeignet. Da mit der RSC-Gel C18 Aq-Säule keine wesentlich
bessere Trennung als mit der YMC-ODS-AM-Säule erzielt wurde, ist der Einsatz der YMC-Säule
beibehalten worden.
5.2.1.2 Entwicklung der MS/MS-Detektion
Zur Entwicklung der MS/MS-Detektionsmethode mittels Triple-Quadrupol-Massenspektrometer wur-
de zunächst überprüft, welche der Ionisationstechniken APCI oder ESI sich bei den gewählten chroma-
tographischen Bedingungen am besten eignet. In Übereinstimmung mit den Literaturverfahren zeigten
alle Verbindungen bei der Electrospray-Ionisation eine bessere Sensitivität. Die höchste Sensitivität
konnte bei der ESI-Detektion im positiven Mode (ESI+) erzielt werden. CTC und e-CTC bilden mit
einer Molmasse von 478 g/mol das Precursor-Ion [M + H]+ mit m/z 479 (35Cl-Isotop). Das Fragmen-
tierungsmuster dieses Precursor-Ions ist in Abb. 14 a dargestellt, wobei dieser Zerfallsweg, basierend
auf verschiedenen Angaben in der Literatur, postuliert wurde. Der genaue Mechanismus ist nicht be-
kannt. Das Molekülion zerfällt in einem ersten Schritt unter Abspaltung von NH3 in das Produkt-Ion
mit m/z 462 ([M + H - NH3]+), welches dann im nächsten Schritt unter Wasserabspaltung zum Pro-
dukt-Ion mit m/z 444 ([M + H - NH3- H2O]+ fragmentiert [143, 172, 194, 195].
Für das CTC- und e-CTC-Molekül, welches das 37Cl-Isotop enthält, mit m/z 481 als Precursor-Ion
finden sich dieselben Fragmentierungsmuster, denn es entstehen als Produkt-Ionen die Fragmente mit
m/z 464 und m/z 446. Das Isotopenverhältnis des Chlors kann somit zusätzlich zur Identifizierung
herangezogen werden. Neben diesen Hauptfragmenten bilden CTC und e-CTC die Produkt-Ionen mit
m/z 371 und 154 aus dem Precursor-Ion mit m/z 479. Während das Produkt-Ion mit m/z 371 ein Fol-
gefragment des Produkt-Ions 444 ist, stellt die Bildung von m/z 154 über m/z 171 eine eigenständige
Zerfallsreaktion dar [175, 241-243]. Iso-CTC und e-iso-CTC lassen sich nur mit hoher Energie
fragmentieren und bilden aus dem Precursor-Ion mit m/z 479 ([M + H]+) von den für CTC und e-CTC
typischen Fragmenten hauptsächlich nur das Produkt-Ion mit m/z 462 ([M + H - NH3]+), geringfügig
auch m/z 154. Wegen der Phthalidstruktur von Ring C kann das Produkt-Ion m/z 444 ([M + H - NH3-
H2O]+ nicht, dagegen bei höherer Kollisionsenergie ein charakteristisches Fragment mit m/z 197 ge-
bildet werden, dessen Struktur nicht bekannt ist. Das Fehlen des Produkt-Ions mit m/z 444 ist also ein
wesentliches Unterscheidungsmerkmal für iso-CTC und e-iso-CTC [143].
5 Ergebnisse und Diskussion
40
OH
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN
O
NH2
H3CCH
3
H
-NH3
OH
ClHO CH3
OHOOHO
HN
O
O
H3CCH
3
H
-H2O
+
+
OH
Cl
OHOOHO
HN
O
O
H3CCH
3
H
CH3+
m/z 371
OH
Cl
OHOOHO
H
O
O
CH3
-28
-43
H
+
-171
-17
N
CH3
OH
H3C
O
HNH
2
O
+
C7H11N2O3
entweder
C7H8NO3
N
CH3
OH
O
CH2
O
+
H
H
OH
H3C
N(CH3)2
O+
bzw.
oder
C8H12NO2
NO
H3CCH
3
CH3
OH
H
+NO
H3CCH
3
CH3
O
H
+
m/z 479
m/z 462
m/z 444
m/z 401
m/z 171
m/z 154
-17
-43
-30
-308
N
HO
CH2
H3C
+
N
CH3
H3C
H3C
+
bzw.
m/z 154
a)
b)
Abb. 14: a) Fragmentierungsreaktionen von CTC und e-CTC [102, 241, 242], b) Struktur des
Produkt-Ions von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit m/z 98 [242]
Der Zerfall der Abbauprodukte Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit einem Precursor-Ion von m/z
461 ([M + H]+) erfolgt im ersten Schritt in einer NH3-Abspaltung und führt zu dem für CTC und e-
CTC charakteristischen Fragment mit m/z 444 ([M + H - NH3]+). Ebenso entsteht das Produkt-Ion mit
m/z 154, dagegen nicht das Produkt-Ion mit m/z 371. Neben diesen für CTC und e-CTC typischen
Fragmenten bilden Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ein zusätzliches Produkt-Ion mit m/z 98, für
das die in Abb. 14 b dargestellten Strukturen angenommen werden [242].
Zur Identifizierung der Substanzen wurden die Retentionszeiten, die UV-Spektren und die bei der
+
5 Ergebnisse und Diskussion 41
massenspektrometrischen Detektion mittels Triple-Quadrupol-Massenspektrometer im MRM-Modus
erhaltenen Fragmentierungsmuster, insbesondere die relativen Intensitäten der einzelnen Fragmentio-
nen herangezogen. Die Quantifizierung erfolgte für CTC und e-CTC mit der UV-Detektion aus
Gründen der Selektivität bei 370 nm, für alle übrigen Verbindungen bei 275 nm, da diese im Bereich
von 320-380 nm keine UV-Absorption aufweisen. Bei der massenspektrometrischen Detektion erfolg-
te die Quantifizierung über den Totalionenstrom (TIC) der einzelnen Fragmentionen, da der TIC im
Vergleich zur höchsten Massenspur eine höhere Intensität aufwies. Die zur Identifizierung und Quanti-
fizierung herangezogenen Retentionszeiten, UV-Maxima und Fragmentierungsmuster sind für alle
Substanzen in Tab. 4 zusammengefaßt.
Tab. 4: Retentionszeiten, UV-Maxima und Fragmentierungsmuster von CTC und Metabolite
Fragmentierungsmuster (MS/MS-Detektion)
Produkt-Ionen [m/z] Substanz Rt
[min]
UV-
Maxima
[nm] Precursor-Ion
[m/z] Peakintensitäten [%]
462 444 371 154
479 60 100 13 48
464 446 -- --
CTC 9,9 275
370 481 47 100 -- --
462 444 371 154
479 63 100 2 7
446 464 -- --
e-CTC 8,2 275
370 481 52 100 -- --
462 371 197 154
479 100 -- 2 4
464 -- -- --
iso-CTC 7,4 275
481 100 -- -- --
462 371 197 154
479 100 -- 4 2
464 -- -- --
e-iso-CTC 6,2 275
481 100 -- -- --
444 154 98
461 100 55 3
446 -- --
Anhydro-
CTC 18,5 275
463 100 -- --
444 154 98
461 100 5 4
446 -- --
e-Anhydro-
CTC 16,7 275
463 100 -- --
Die dargestellten Fragmentierungsmuster der jeweiligen Epimere lassen erkennen, daß jeweils beide
Substanzen zwar dieselben Produkt-Ionen bilden, sich aber in ihrem Intensitätsverhältnis unterschei-
den, was zur Identifizierung der beiden Epimere genutzt werden kann. Von den in Tab. 4 dargestellten
Substanzen werden nachfolgend CTC und e-CTC quantifiziert, alle übrigen Verbindungen vorerst nur
qualitativ bestimmt.
5.2.1.3 Stabilität von CTC und e-CTC in Lösung
Bei den in der Literatur beschriebenen Verfahren werden häufig keine genauen Angaben darüber ge-
5 Ergebnisse und Diskussion
42
macht, wie die Kalibrierung durchgeführt wurde, vor allem fehlen Angaben über die Bildung mögli-
cher Abbau- und Umwandlungsprodukte in Kalibrierlösungen. Insbesondere ist in wäßrigen Lösungen
bei schwach saurem pH-Wert mit einer Epimerisierung zu rechnen. Ziel war es daher, nach Auswahl
des Lösungsmittels die Stabilität der Analyten in Lösung im Hinblick auf die Kalibrierung zu überprü-
fen. Es wurden die nachfolgend aufgeführten Untersuchungen durchgeführt:
Untersuchung der Epimerisierung von CTC in Lösung bei verschiedenen Temperaturen
Vergleich der Stabilität von CTC in Einzelstandardlösung mit der von CTC in Mischstandard-
lösung zusammen mit e-CTC
Langzeitstabilität von CTC und e-CTC in Kalibrierlösung
Zunächst galt es, das optimale Lösungsmittel zur Herstellung der Kalibrierlösungen für CTC und e-
CTC auszuwählen. Dabei zu berücksichtigen waren die Löslichkeit der Analyten, die chromatographi-
schen Bedingungen im Hinblick auf die Peakform sowie die Stabilität der Substanzen in dem gewähl-
ten Lösungsmitel. Als Lösungsmittel erwies sich MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) (Fließ-
mittel A: H2O/CH3CN/HCOOH (10 % CH3CN (v/v), 0,5 % HCOOH, (v/v)) als geeignet. Aufgrund
einer möglichen Epimerisierung bei diesem pH-Wert wurde vermutet, daß bei Einsatz von Einzelstan-
dardlösungen die Gefahr der Epimerisierung besteht und somit undefinierte Mengen an CTC und e-
CTC in den jeweiligen Kalibrierlösungen vorliegen. Neben der Untersuchung der Stabilität sollte da-
her auch bewußt eine Epimerisierung herbeigeführt werden, um das Massenverhältnis von CTC und e-
CTC zur ermitteln, bei dem sich keine Konzentrationsänderung von CTC und e-CTC ergibt. Ziel war
es, Mischstandardlösungen herzustellen, da CTC und e-CTC in Mischstandardlösungen im Vergleich
zu Einzelstandardlösungen eine höhere Stabilität aufweisen sollten. In Mischstandardlösungen sollten
beide Verbindungen ein deutlich geringeres Bestreben ausfweisen, zu epimerisieren, da sie sich näher
am Gleichgewichtszustand befinden. Daher wurde zunächst die Stabilität von CTC in diesem Lö-
sungsmittelgemisch bei Temperaturen von 5 °C, 25 °C und 40 °C untersucht. In Abb. 15 ist der Kon-
zentrationsverlauf von CTC bei den verschiedenen Temperaturen über einen Zeitraum von 60 h darge-
stellt. In Einzelstandardlösungen zeigt CTC bei allen Temperaturen unter Zugrundelegung der Wie-
derholpräzision [244] nach 60 h eine signifikante Konzentrationsabnahme. Während bei einer Tempe-
ratur von 5 °C CTC über einen Zeitraum von 24 h stabil ist, ist bereits bei einer Temperatur von 25 °C
eine wesentlich höhere Konzentrationsabnahme über einen Zeitraum von 60 h zu beobachten. Bei
einer Temperatur von 25 °C sind CTC-Lösungen nur 12 h stabil, bei 40 °C kommt es schon nach 3 h
zu Umwandlungsreaktionen.
Das Massenverhältnis von CTC und e-CTC, bei dem sich keine Konzentrationsänderung mehr ergibt,
wurde bei einer Temperatur von 40 °C zu 1:1 ermittelt. Erst bei dieser Lagerungstemperatur nimmt die
CTC-Ausgangskonzentration exponentiell ab und nach einem Zeitraum von 50 h ergab sich bei einer
Konzentrationsabnahme von etwa 50 % keine Konzentrationsänderung. Neben der erwarteten Epime-
risierung sind allerdings bei dieser Temperatur noch weitere Umwandlungsreaktionen aufgetreten
(siehe Kap. 5.6.1). Aus diesem Grund und wegen der Temperaturabhängigkeit der Gleichgewichts-
konstanten konnte der Gleichgewichtszustand bei einer Temperatur von 5-25 °C, entsprechend der
Arbeitsbedingungen, nur vermutet werden. In der Literatur wird das Ausmaß der Epimerisierung bei
einem pH-Wert von 3,2 zu 55 % angegeben [138, 139, 140], so daß in guter Übereinstimmung das
Gleichgewicht unter diesen Bedingungen bei einer Epimerisierungsrate von 50 % angenommen wur-
de.
5 Ergebnisse und Diskussion 43
3
4
5
6
7
8
9
10
11
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60
Zeit [h]
Konzentration [mg/L]
CTC in Einzellösung, 5 °C
CTC in Einzellösung, 25 °C
CTC in Einzellösung, 40 °C
CTC in Mischlösung, 5 °C
Nachfolgend wurde die Stabilität von CTC in einer Mischstandardlösung aus CTC und e-CTC in Me-
OH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) über einen Zeitraum von 60 h untersucht und mit der Stabili-
tät von CTC in der Einzelstandardlösung verglichen. In Mischstandardlösungen aus CTC und e-CTC
im Massenverhältnis 1:1 zeigt CTC bei einer Temperatur von 5°C keine Konzentrationsabnahme, ent-
sprechend dem in Abb. 15 dargestellten obersten Kurvenverlauf. Die Stabilitätsuntersuchungen in
diesem Lösungsmittel belegen die Vermutung, daß CTC und e-CTC in Mischstandardlösungen im
Massenverhältnis 1:1 stabiler sind als in den entsprechenden Einzelstandardlösungen. Die Kalibrie-
rung wird daher mit einer Mischstandardlösung aus CTC und e-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50)
(v/v) (pH 2,8) im Massenverhältnis 1:1 durchgeführt.
Abb. 15: Änderung der Konzentration von CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) als Funktion
von Temperatur und Zeit (β = 10 mg/L) (CTC in Mischlösung: CTC: e-CTC = 1:1 (w/w))
(370 nm)
Im Hinblick auf die Lagerung von Kalibrierlösungen wurde abschließend die Langzeitstabilität von
CTC und e-CTC in Mischstandardlösungen in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) im Mas-
senverhältnis 1:1 bei einer Lagerung von -80 °C und Konzentrationen von 1 und 10 mg/L über einen
Zeitraum von sechs Monaten untersucht. Zum Vergleich wurden entsprechende Langzeitstabilitätsun-
tersuchungen mit CTC und e-CTC in Einzelstandardlösungen durchgeführt. Die für diese Untersu-
chungen hergestellten Lösungen wurden aliquotiert, bei -80 °C eingefroren, und in Zeitabständen von
zwei Wochen wurde jeweils ein Aliquot entnommen und chromatographisch vermessen. In Misch-
standardlösungen erwiesen sich CTC und e-CTC mit einer maximalen Konzentrationsabnahme von
2,5 % für CTC und 2 % für e-CTC unter Zugrundelegung der für beide gültigen Wiederholpräzision
(Berechnung siehe Kap. A. 2 im Anhang) von 7,2 % über den untersuchten Zeitraum von sechs Mo-
naten als stabil (siehe Abb. A. 1 und Abb. A. 2 im Anhang). Die Stabilitätsuntersuchungen von CTC
und e-CTC in den Einzelstandardlösungen ergaben, daß für beide Substanzen die maximalen Konzen-
trationsabnahmen nach sechs Monaten mit 3 % für CTC und 3,5 % für e-CTC etwas höher lagen als
bei den entsprechenden Mischstandardlösungen. Es handelt sich jedoch nicht um eine signifikante
Konzentrationsabnahme, so daß CTC und e-CTC auch unter diesen Bedingungen über diesen Zeit-
raum als stabil zu betrachten sind.
5 Ergebnisse und Diskussion
44
5.2.2 Entwicklung und Optimierung der Probenvorbereitung
Ziel der Probenvorbereitung war, CTC und e-CTC aus den Matrices Urin, Plasma, Faeces, Muskula-
tur, Leber, Niere und Knochen möglichst quantitativ zu extrahieren. Da hierbei meist eine Reihe von
Probenbestandteilen mitextrahiert werden, ist sowohl für die UV-Detektion als auch für die MS/MS-
Detektion zur Vermeidung von Matrixeffekten eine Aufreinigung der erhaltenen Extrakte notwendig.
Dazu wurde der Extraktion aus der Matrix ein Festphasenextraktionsschritt nachgeschaltet. Eine Auf-
konzentrierung der Extrakte war erforderlich, um im Rahmen der durchgeführten Medikationsstudien
das Ausscheidungsverhalten von CTC und e-CTC in Urin und Faeces so weit wie möglich verfolgen
zu können sowie auch geringe Gehalte in den Schlachtproben im Hinblick auf eine mögliche Resi-
stenzbildung nachweisen zu können. Das entwickelte Analysenverfahren schließt unter Zugrundele-
gung der Rückstandshöchstmengenverordnung [116] die quantitative Bestimmung von e-CTC mit ein,
da eine Epimerisierung bereits hrend der Probenvorbereitung stattfinden kann. Daher wird bei allen
nachfolgend beschriebenen Wiederfinungsversuchen, bei denen CTC zudotiert wurde, die Wiederfin-
dung als Summe aus CTC und e-CTC angegeben. Da während der Probenvorbereitung neben einer
Epimersierung möglicherweise auch mit einer Isomerisierung zu rechnen war, wie die Stabilitätsunter-
suchungen in Kap. 5.2.1.3 gezeigt haben, war besonders auf mögliche Abbau- bzw. Umwandlungsre-
aktionen zu achten. Des weiteren war die hohe Tendenz zur Komplexbildung sowie in biologischen
Proben eine Protein-Analyt-Bindung zu berücksichtigen.
In der Literatur wird von einigen Autoren der Einsatz eines internen Standards zur Bestimmung der
Tetracycline OTC, TC und CTC in biologischen Proben beschrieben, wobei oft ein anderes Tetracy-
clinderivat, meist Demethylchlortetracyclin (DMCTC), als interner Standard verwendet [245, 246,
247] wird. Dies ist jedoch als kritisch zu betrachten, da sich DMCTC in seinen chemischen Eigen-
schaften bezüglich der Neigung zur Bildung von Metaboliten von den anderen Tetracyclinderivaten
unterscheidet. DMCTC zeigt eine vergleichsweise hohe Stabilität hinsichtlich der Bildung von Epime-
ren und Isomeren, die während der Probenvorbereitung entstehen können. Damit verhält sich DMCTC
nicht wie die anderen Tetracycline und ist daher als interner Standard ungeeignet. Darüber hinaus soll-
te bei der MS/MS-Detektion der interne Standard und der Analyt coeluieren, da die Ionisation im In-
terface durch die Fließmittelzusammensetzung beeinflußt wird [248]. Dies ist jedoch meist nur bei
isotopenmarkierten Standards gegeben. Da isotopenmarkierte Tetracyclin-Standardsubstanzen kom-
merziell nicht erhältlich sind, wurde auf den Einsatz eines internen Standards verzichtet.
Nach Extraktion der Analyten aus der zerkleinerten und homogenisierten Matrix mit McIlvain-Puffer
(pH 4) erfolgte die Aufreinigung und Aufkonzentrierung des Extraktes mit SPE. Das hierbei erhaltene
Eluat wurde zur weiteren Aufkonzentrierung in einem sogenannten „TurboVap“ eingeengt. Hierbei
wurde das in spezielle Reagenzgläser aufgefangene Eluat in einem Wasserbad unter Stickstoff- oder
Luftstrom in Abhängigkeit von der Stabilität der Analyten entfernt. Einengen im Stickstoffstrom ist
nicht notwendig, da festgestellt wurde, daß die Wiederfindung sowohl bei einer Temperatur von 30 °C
als auch 40 °C unabhängig von dem gewählten Gas ist und in beiden Fällen bei ca. 95 % liegt. Die
Temperatur des Wasserbades darf jedoch 40 °C nicht überschreiten, um zu gewährleisten, daß keine
Verluste der Analyten auftreten. Zur Aufnahme des Rückstandes nach Einengen des Eluates erwies
sich eine Mischung aus MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) als geeignet.
In Abb. 16 ist der Analysenablauf zur Bestimmung von CTC und e-CTC in biologischen Proben
schematisch dargestellt.
5 Ergebnisse und Diskussion 45
Abb. 16: Schematische Darstellung der Probenvorbereitung zur Bestimmung von CTC und e-CTC in
biologischen Proben
Bei der Entwicklung und Optimierung der Probenvorbereitung wurden folgende Untersuchungen
durchgeführt:
Auswahl des SPE-Materials ohne biologische Matrix mit dotiertem Extraktionsmittel, dem
EDTA-McIlvain-Puffer
Einfluß des pH-Wertes des Extraktionsmittels und eines EDTA-Zusatzes zum Extraktionsmit-
tel auf die Wiederfindung
Überprüfung der Übertragbarkeit des entwickelten Verfahrens für CTC und e-CTC auf die
Bestimmung der weiteren Abbau- und Umwandlungsprodukten iso-CTC, Anhydro-CTC und
e-Anhydro CTC
Ermittlung des Einflusses einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung
Entwicklung der Probenvorbereitung für Urin, Plasma, Faeces, Muskulatur, Leber, Niere und
Knochen, wobei der Schwerpunkt der Methodenentwicklung auf der zur Lebensmittelgewin-
nung dienenden wichtigsten Matrix Muskulatur liegen sollte.
Zerkleinerung und Homogenisierung der Probe
(Proteinfällung)
Extraktion mit EDTA-McIlvain-Puffer pH 4
Extraktion der Analyten aus der Matrix
Einstellung des pH-Wertes für die SPE
SPE
Aufreinigung und Aufkonzentrierung
mit Festphasenextraktion (SPE)
Herstellung der Meßprobe
Einengen des Eluates bis zur Trockne
Aufnahme des Rückstandes in MeOH/Fließmittel A (50/50)
HPLC-UV-MS/MS
Konzentrationsbestimmung von CTC und e-CTC entweder über
UV (370 nm) oder MS/MS (TIC)
5 Ergebnisse und Diskussion
46
5.2.2.1 Auswahl des SPE-Materials
Es wurden drei verschiedene Sorbentien auf auf ihre Eignung zur Bestimmung von CTC und e-CTC
überprüft: Chromabond Tetracycline, Oasis HLB und Nexus. Bei dem Sorbens der Chromabond Te-
tracyclin-Kartusche handelt es sich um eine für die Tetracyclinanalytik modifizierte C18-
Umkehrphase, das Oasis HLB- und Nexus-Material basiert auf einem Copolymer. Zur Ermittlung der
Wiederfindung von CTC mit diesen SPE-Materialien wurde zu 10 mL EDTA-McIlvain-Puffer (pH 4)
2 µg bzw. 20 µg CTC zudotiert und aufgearbeitet, wobei die Elution in drei Fraktionen von jeweils 2
mL erfolgte und das Endvolumen der Meßproben 200 µL betrug. Die erzielten Wiederfindungen sind
in Tab. 5 zusammengefaßt, wobei sich die Wiederfindungen auf die Summengehalte (Σ CTC + e-
CTC) beziehen.
Tab. 5: Wiederfindungen (Σ CTC + e-CTC) mit verschiedenen SPE-Phasen (dotierter EDTA-
McIlvain-Puffer pH 4, Fraktionsvolumina: 2 mL, 370 nm, n = 3)
SPE-Kartusche stationäre
Phase
Wiederfindung [%]
2 µg (VEnd = 200 µL)
Wiederfindung [%]
20 µg (VEnd = 200 µL)
1. Fraktion 75 1. Fraktion 79
2. Fraktion 7 2. Fraktion 8
3. Fraktion 0 3. Fraktion 0
Chromabond
Tetracycline C 18
Σ 82 Σ 87
1. Fraktion 106 1. Fraktion 103
2. Fraktion 0 2. Fraktion 2
3. Fraktion 0 3. Fraktion 0
Oasis HLB Copolymer
Σ 106 Σ 105
1. Fraktion 89 1. Fraktion 87
2. Fraktion 10 2. Fraktion 15
3. Fraktion 0 3. Fraktion 0
Nexus Copolymer
Σ 99 Σ 102
Während mit dem Chromabond-Tetracycline-Material nur Wiederfindungen zwischen 82 % und 87 %
erreicht wurden, konnten mit den anderen beiden Säulenmaterialien quantitative Werte um 100 %
erzielt werden. Die Untersuchung der einzelnen Fraktionen ergab, daß bei Einsatz der NEXUS-
Kartusche ein größeres Elutionsvolumen notwendig war, so daß die Oasis-HLB-Kartusche am besten
geeignet war. Ein Elutionsvolumen von 2 mL reicht bei dieser SPE-Kartusche aus, um CTC und e-
CTC fast vollständig zu eluieren. Da jedoch bei der höheren Konzentration ein Restgehalt an CTC und
e-CTC in der zweiten Fraktion festgestellt wurde, wurden zur Gewährleistung einer vollständigen
Elution bei den weiteren Analysen 3 mL verwendet.
5.2.2.2 Einfluß der Zusammensetzung des Extraktionsmittels
Bei den in der Literatur beschriebenen Verfahren wird zur Extraktion von Tetracyclinen aus biologi-
schen Materialien meist McIlvain-Puffer pH 4 mit einem EDTA-Zusatz verwendet [170, 172, 180].
Systematische Untersuchungen des Einflusses vom pH-Wert und des EDTA-Zusatzes sind jedoch
nicht bekannt. Da die Wiederfindung der Tetracycline einerseits aufgrund ihres amphoteren Charak-
ters stark pH-Wert-abhängig sein sollte und andererseits wegen einer möglichen Komplexbildung auch
der EDTA-Zusatz einen Einfluß ausüben könnte, wurden McIlvain-Puffer der pH-Werte 2, 3, 4, 5 und
6 ohne und mit einem EDTA-Zusatz (0,01 moL/L) hergestellt, zu 10 mL dieser Lösungen CTC zudo-
tiert und mit SPE aufgearbeitet.
5 Ergebnisse und Diskussion 47
Tab. 6: SPE-Wiederfindung (Σ CTC + e-CTC) mit der Oasis HLB-Kartusche in Abhängigkeit vom pH-
Wert und EDTA-Zusatz des McIlvain-Puffers (dotierter McIlvain-Puffer, 370 nm, n = 3)
Wiederfindung [%]
McIlvain-Puffer CTC-Zusatz [µg]
(VEnd = 200 µL) pH 2 pH 3 pH 4 pH 5 pH 6
ohne EDTA 2 105 92 80 60 0
0,01 moL/L EDTA 2 110 108 101 67 30
Die in Tab. 6 dargestellten Wiederfindungen zeigen, daß die Extraktion mit McIlvain-Puffer im pH-
Bereich von 2-4 mit EDTA-Zusatz zu Wiederfindungen von etwa 100 % führten. Ohne EDTA-Zusatz
zeigte sich jedoch bereits ab pH 3 eine deutlich verringerte Wiederfindung. Maximale Wiederfindun-
gen von 110 % konnten bei der SPE-Extraktion mit McIlvain-Puffer pH 2 mit 0,01 moL/L EDTA
erreicht werden.
Tetracycline liegen, entsprechend der pKs-Werte, siehe Kap. 3.5.1, bei pH 2 als Kation, bei pH 5,5 als
Zwitterion und bei pH 8,7 als Monoanion vor [123, 152, 179]. Eine zunehmende Deprotonierung der
OH-Gruppen am C3- und C12-Atom führt offenbar zu einer Schwächung der Wechselwirkung zwi-
schen der ionisierten Tetracycline und der unpolaren Festphase und damit zu einem geringeren Sorpti-
onsgrad. Die Dimethylaminogruppe liegt dagegen im pH-Bereich von 2-6 weitgehend protoniert vor.
Mit sinkendem pH-Wert und abnehmendem Dissoziationsgrad verschiebt sich die bevorzugte Kon-
formation von der „extended“-Form zur „twisted“-Form. Möglicherweise trägt eine Abschirmung der
positiven Ladung in der „twisted“-Konformation zu einer verstärkten Wechselwirkung zwischen Te-
tracyclinmolekül und unpolarer Festphase bei. Ein EDTA-Zusatz wirkt sich ebenfalls günstig auf die
Wiederfindung aus. Ursächlich hierfür könnte der von JÜRGENS et al. angenommene Retentionsme-
chanismus sein, der auf einer Komplex- bzw. Ionenpaarbildung zwischen dem protonierten Tetracy-
clin und dem anionischen EDTA-Molekül beruht [174]. Es bleibt zu überprüfen, ob sich ähnliche Ab-
hängigkeiten der Wiederfindung auch bei der Aufarbeitung von Realproben ergeben.
5.2.2.3 Wiederfindungsstudien mit CTC und e-CTC
Da während der Probenvorbereitung eine Epimerisierung stattfindet, wurde überprüft, ob sich das
SPE-Verfahren für e-CTC ebenso wie für CTC eignet. Hierzu wurden jeweils 10 mL Puffer mit 2 µg
bzw. 20 µg CTC oder e-CTC dotiert, diese Lösungen mit SPE aufgearbeitet und die Konzentrationen
der zudotierten Substanz und dem jeweiligen Epimeren ermittelt. Die hierbei erhaltenen Wiederfin-
dungen sind in Tab. 7 dargestellt.
Die durchgeführten Untersuchungen haben gezeigt, daß sich sowohl CTC als auch e-CTC mit diesem
SPE-Verfahren quantitativ extrahieren lassen. Unter Berücksichtigung des jeweiligen Epimers wurden
Wiederfindungen zwischen 97 % und 104 % ermittelt. Neben einer Epimerisierung konnten keine
weiteren Abbau- und Umwandlungsreaktionen festgestellt werden. Die Epimerisierungsraten sind
unabhängig von der zugesetzten Konzentration und liegen für CTC bei durchschnittlich 17 % und für
e-CTC bei 20 %, wobei sich die Epimerisierungsrate als Quotient aus dem Gehalt von dem jeweiligen
Epimeren und der Summe von Muttersubstanz und Epimer ergab.
5 Ergebnisse und Diskussion
48
Tab. 7: Wiederfindung von CTC und e-CTC nach der SPE-Aufarbeitung von dotierten EDTA-
McIlvain-Puffern (Oasis HLB, McIlvain-Puffer mit 0,1 moL/L EDTA, 370 nm, n = 6)
dotierte
Substanz
Wiederfindung [%]
Zusatz: 2 µg, VEnd = 200 µL
Wiederfindung [%]
Zusatz: 20 µg, VEnd = 200 µL
CTC e-CTC
Σ (CTC+e-CTC) CTC e-CTC
Σ (CTC+e-CTC)
CTC 83 16 99 80 17 97
e-CTC CTC
Σ (e-CTC+CTC) e-CTC CTC
Σ (e-CTC+CTC)
e-CTC 81 23 104 80 18 98
5.2.2.4 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung
Um zu überprüfen, in welchem Schritt der Probenvorbereitung die Epimerisierung stattfindet, wurden
einzelne Schritte der Probenvorbereitung simuliert und in den hierbei erhaltenen Proben der Gehalt der
zudotierten Substanz und dem entsprechenden Epimeren ermittelt. Aus diesen Gehalten wurden an-
schließend die Epimerisierunsraten berechnet. Die Untersuchungen erfolgten sowohl für CTC als auch
für e-CTC. Die einzelnen Versuchsbedingungen und die ermittelten Epimerisierungsraten sind in Tab.
8 zusammengestellt.
Tab. 8: Epimerisierung von CTC und e-CTC unter verschiedenen simulierten Extraktions- und SPE-
Bedingungen (Oasis HLB, 370 nm, n = 4)
Epimerisierung
[%]
Simulierter Schritt der
Probenvorbereitung Versuch
CTC e-CTC
1 Extraktion aus der
Matrix
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 + 20 µg Substanz,
2 h Stehenlassen bei RT 8 12
2 SPE
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 + 20 µg Substanz,
SPE, Verdünnung des Eluates mit 3 mL Fließmittel A 5 8
3 Weiterverarbeitung
des Eluates
3 mL MeOH + 2 µg Substanz, Einengen des Eluates
durch Lyophilisierung, Aufnahme des Rückstandes in
200 µL MeOH/Fließm. A (50/50) (v/v)
0 0
4 Weiterverarbeitung
des Eluates
3 mL MeOH + 2 µg Substanz, Einengen im TurboVap
(30 °C) (Dauer: 30 min), Aufnahme des Rückstandes in
200 µL MeOH/Fließm. A (50/50) (v/v)
10 8
5 Weiterverarbeitung
des Eluates
3 mL MeOH + 2 µg Substanz, Einengen im TurboVap
(40 °C) (Dauer: 20 min), Aufnahme des Rückstandes in
200 µL MeOH/Fließm. A (50/50) (v/v)
10 8
6
SPE +
Weiterverarbeitung
des Eluates
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 + 2 µg Substanz,
SPE, Einengen des Eluates durch Lyophilisierung, Auf-
nahme des Rückstandes in 200 µL MeOH/Fließm. A
(50/50) (v/v)
5 6
7
SPE +
Weiterverarbeitung
des Eluates
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 + 2 µg Substanz,
SPE, Einengen des Eluates im TurboVap (30 °C), Auf-
nahme des Rückstandes in 200 µL MeOH/Fließm. A
(50/50) (v/v)
12 13
5 Ergebnisse und Diskussion 49
Die Ergebnisse des ersten Versuches zeigen, daß eine Epimerisierung besonders durch die Einwirkung
des schwach sauren McIlvain-Puffers bei der Extraktion aus der Matrix begünstigt wird, da alleine das
Stehenlassen eines dotierten McIlvain-Puffers über einen Zeitraum von 2 h eine Epimerisierung von 8
% für CTC und 12 % für e-CTC verursacht. Ein Vergleich des ersten Versuches mit dem zweiten Ver-
such zeigt, daß offensichtlich die Dauer der Puffer-Einwirkung eine große Rolle spielt. Die Durchfüh-
rung der SPE im zweiten Versuch, bei der McIlvain-Puffer dotiert und sofort weiterverarbeitet wurde,
führt zwar bereits zu einer Epimerisierung, die Werte liegen jedoch mit 5 % für CTC und 8 % für e-
CTC niedriger als die ermittelten Epimerisierungen des ersten Versuches.
Die Simulation der Weiterverarbeitung des Eluates in den Versuchen 3-5 ergab, daß eine Epimerisie-
rung nur durch Lyophilisierung des Eluates vermieden werden kann. Ein Einengen im TurboVap unter
erhöhter Temperatureinwirkung führt unabhängig von der Temperatur (30°C, 40 °C) zu einer Epimeri-
sierung von 8 % bis 10 %. Der fünfte und sechste Versuch umfaßt sowohl die SPE als auch die Wei-
terverarbeitung des Eluates. Die Ergebnisse dieser Versuche verdeutlichen, daß die Epimerisierung
während der Probenvorbereitung dadurch minimiert werden kann, indem die Weiterverarbeitung des
Eluates durch Lyophilisierung anstatt durch Eineengen im TurboVap erfolgt.
Insgesamt kann gesagt werden, daß eine Epimerisierung vor allem durch die Extraktion mit dem
schwach sauren McIlvain-Puffer (pH 4) verursacht wird. Die Durchführung der SPE ohne einen weite-
ren Aufkonzentrierungsschritt führt daher bereits zu einer Epimerisierung. Erfolgt die Weiterverarbei-
tung des Eluates durch Einengen im TurboVap, so erhöht sich die Epimerisierungsrate nochmals. Da-
her kann eine Epimerisierung hrend der Probenvorbereitung nicht vollständig vermieden werden.
Dies bestätigt die Notwendigkeit, den CTC-Gehalt als Summe von CTC und e-CTC zu ermitteln. Wei-
terhin zeigt ein Vergleich der Epimerisierungsraten von CTC und e-CTC in den durchgeführten Ver-
suchen, daß sich beide Verbindungen weitgehend identisch verhalten.
5.2.2.5 Urin, Plasma und Faeces
Urin
In der Literatur werden verschiedene Verfahren für die Bestimmung von Tetracyclinen in Urin be-
schrieben, wobei die Urinproben entweder direkt ohne Aufarbeitung zur HPLC-Analyse eingesetzt
werden, eine Aufreinigung mittels Flüssig-Flüssig-Extraktion oder Festphasenextraktion erfolgt oder
Säulenschaltsysteme verwendet werden [249-252, 257]. Bei der Aufarbeitung von Urin mit Festpha-
senextraktion wird als Festphasenmaterial meist eine herkömmliches C18-Phase eingesetzt.
Das für Urin entwickelte eigene Extraktionsverfahren umfaßt eine pH-Wert-Einstellung der Probe und
eine Festphasenextraktion mit der Oasis HLB-Kartusche, welches als Sorbens ein Copolymer enthält.
Zu 5 mL Urin werden zur Einstellung des pH-Wertes 5 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 gegeben
und mittels SPE weiter aufgearbeitet. Wiederfindungsversuche mit Urinproben, die auf Gehalte von 10
µg/L und 100 µg/L dotiert wurden, haben gezeigt, daß mit diesem Extraktionsverfahren durchschnitt-
liche Wiederfindungen von 97 % für CTC mittels LC-MS/MS erzielt werden. Eine Quantifizierung
von CTC und e-CTC mit UV-Detektion ist aufgrund der geringen Spezifität der UV-Absorption nicht
möglich, da der CTC- und e-CTC-Peak von Peaks anderer störender Substanzen überlagert wird.
Plasma
Bei der Bestimmung von Tetracyclinen in Plasma ist vor allem die Protein-Analyt-Bindung zu be-
rücksichtigen. Plasma-Proteine können durch unspezifische Bindung an der stationären Phase oder
5 Ergebnisse und Diskussion
50
durch organische Lösungsmittel hervorgerufene Ausfällungen zu Störungen sowohl bei der Proben-
vorbereitung als auch bei der chromatographischen Bestimmung führen. Daher war nach Gewinnung
des Plasmas vor der weiteren Aufarbeitung zunächst eine Abtrennung der Proteine notwendig.
Nachteil einer Proteinfällung ist jedoch, daß möglicherweise auch Analyten mit den Proteinen ausge-
fällt werden.
Die Gewinnung des Plasmas erfolgt durch Abzentrifugieren des Vollblutes. Plasma ist dabei der
annähernd zellfreie Überstand des zentrifugierten Vollblutes, dessen Gerinnungsfähigkeit sofort bei
der Blutentnahme durch Zusätze von Na2-EDTA oder Li-Heparin gehemmt wird [253]. Heparin ver-
hindert die Blutgerinnung, indem es die Umwandlung von Prothrombin zu Thrombin und damit des-
sen Wirkung auf Fibrinogen sowie die Aggregation der Thrombozyten hemmt. EDTA komplexiert die
an der Bildung des Thrombins beteiligten Ca2+-Ionen und verhindert so die Koagulation des Blutes
[254]. Bei den in der Literatur beschriebenen Verfahren [152, 258, 259, 262] wird in den meisten Fäl-
len nicht angegeben, wie die Plasmaproben gewonnen wurden und welches Antikoagulantium einge-
setzt wurde. EDTA sollte besser geeignet sein, da es mit Komplexbildungskonstanten in Abhängigkeit
vom Zentralatom zwischen K = 108,7 und K = 1010,7 [255] die im Plasma vorhanden Metallkationen
abfängt und damit eine Komplexierung der Tetracycline, deren Komplexbildungskonstanten mit Wer-
ten zwischen K = 105,8 bis K = 109,4 [130, 131] für das jeweilige Zentralatom niedriger liegen, verhin-
dert. Das in den nachfolgenden Versuchen eingesetzte Plasma stammte aus der Medikationsstudie im
Landwirtschaftszentrum Haus Düsse und wurde aus den genannten Gründen aus EDTA-Vollblut ge-
wonnen.
Zur Abtrennung der Proteine gibt es verschiedene Möglichkeiten. Durch Erhitzen oder Einwirkung
von Säuren, Laugen oder hohen Salzlasten lassen sich Proteine ausfällen. Denaturierende Agentien
wie starke Säuren, z.B. Perchlorsäure und Metaphosphorsäure, oder saure Pufferlösungen, die häufig
zur Entfernung von Proteinen aus biologischen Proben eingesetzt werden, führen zu einer irreversiblen
Ausfällung der Proteine. Durch Anlagerung von Protonen an das Protein bildet sich ein Polykation,
wodurch es zu starken intramolekularen Abstoßungen kommt und die Sekundär-, Tertiär- und Quartär-
struktur der Proteine verloren gehen. Das Säureanion lagert sich zusätzlich an das Protein, so daß ein
unlösliches, nach außen neutrales, Salz entsteht und die Proteine vollständig ausfallen. Schonendere
Ausflockungen ohne Denaturierung werden durch Alkohole, Acetonitril und Ammoniumsalze erreicht.
Bei diesen Ausfällungen erfolgt eine Schwächung der Hydrathülle der Proteine, die zu einer Herabset-
zung der Löslichkeit führt [54, 256]. Während bei einigen Literaturverfahren zur Bestimmung von
Tetracyclinen in Plasma auf eine Proteinabtrennung vollständig verzichtet [257-259] wird, verwenden
andere Autoren zur Proteinfällung saure Pufferlösungen [260-263], Ammoniumsalze [264] oder Ace-
tonitril [265-268]. Bei der Entscheidung, welches Reagenz zur Proteinfällung eingesetzt wird, ist die
Stabilität in dem jeweiligen Fällungsreagenz zu berücksichtigen.
Um zu überprüfen, welches Fällungsreagenz sich für die Bestimmung von CTC und e-CTC in Plasma
am besten eignet, wurden als Fällungsreagenzien Acetonitril, Methanol, 6% HClO4 (w/w) sowie eine
Mischung aus Perchlorsäure und Metaphosphorsäure, 6% HClO4 (w/w)/2% HPO3 (w/w), eingesetzt.
Anhand der SPE-Aufarbeitung von dotierten Acetonitril- bzw. Methanol-McIlvain-Puffer-Gemischen
wurde zunächst nachgewiesen, daß der organische Anteil im McIlvain-Puffer 25 % nicht überschreiten
darf, damit die Analyten vollständig auf der SPE-Phase retardieren. Die Aufarbeitung der Plasmapro-
ben erfolgte, indem zu 5 mL mit CTC dotiertem Plasma 5 mL Fällungsreagenz gegeben, die Proben
geschüttelt, die ausgefällten Proteine abzentrifugiert und zum Überstand zur pH-Wert-Einstellung
5 Ergebnisse und Diskussion 51
EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 gegeben wurde. Der so erhaltene Extrakt wurde durch SPE mit Oasis
HLB aufgereinigt. Die mit den unterschiedlichen Fällungsreagenzien erhaltenen Wiederfindungen sind
in Tab. 9 dargestellt.
Tab. 9: Wiederfindung (Σ CTC + e-CTC) in Plasma nach Proteinabtrennung durch verschiedene Fäl-
lungsreagenzien und anschließender SPE mit Oasis HLB (β = 400 µg CTC/L Plasma,
370 nm, n = 4)
Fällungsreagenz CH3CN MeOH
6% HClO4 (w/w) /
2% HPO3 (w/w) 6% HClO4 (w/w)
Wiederfindung [%] 46 51 61 68
Die mit den untersuchten Fällungsreagenzien erzielten Wiederfindungen lagen für Acetonitril bei 46
% und für Methanol bei 51 %. Die höchsten Wiederfindungen wurden mit 6 % HClO4 als Fällungsrea-
genz erzielt und lagen mit 68 % etwas höher als die mit der Mischung aus 6 % HClO4/2 % HPO3 er-
haltenen Werte. Eine Säurefällung der Proteine ist damit günstiger als die schonende Ausflockung mit
organischen Lösungsmitteln. Da CTC zwischen 45 % und 60 % an Plasma-Proteine gebunden wird,
siehe Kap. 3.3, und die Wiederfindung von CTC nach Säurefällung zwischen 61 % und 68 % liegt,
wird durch den Zusatz von Säure die Bindung der Tetracycline an den Proteinen zumindest teilweise
gelöst. Es kann jedoch nicht beurteilt werden, ob der Säurezusatz eine bessere Lösung der Tetracyclin-
Protein-Bindung als der Zusatz organischer Lösungsmittel bewirkt oder die Bedingungen bei der nach-
folgenden Festphasenextraktion im Falle der Säurefällung bei der Plasmaaufarbeitung günstiger ist.
Als optimales Fällungsreagenz zur Proteinabtrennung hat sich damit 6 % HClO4 ergeben. Mit diesem
Verfahren ist eine Quantifizierung von CTC und e-CTC in Plasma sowohl mit HPLC-UV als auch mit
LC-MS/MS möglich.
Faeces
Es gibt nur wenig Veröffentlichungen über die Bestimmung von Arzneimitteln in Faeces [269-271],
wobei kein LC-MS/MS-Verfahren bekannt ist. SUNDERLAND et al. beispielsweise nutzen zur Be-
stimmung von CTC in Faeces vom Schwein die HPLC-UV [272]. Daneben wird die Quantifizierung
von Tetracyclinen in Gülle bzw. güllegedüngten Böden beschrieben [273-277]. Diese Verfahren zur
Probenvorbereitung umfassen die Extraktion der Gülleproben mit Citrat-Puffer und zur Aufreinigung
die Flüssig-Flüssig-Extraktion. Die chromatographische Bestimmung erfolgt meist durch LC-MS/MS.
Bei dem eigenen entwickelten Verfahren erfolgt die Exktraktion der Analyten, indem zu 0,5 g Faeces
10 mL McIlvain-Puffer zugegeben wurde. Anschließend wurden die Proben geschüttelt und zentrifu-
giert. Nach weiteren zwei Extraktionsschritten wurden die vereinigten Überstände mittels SPE mit
Oasis HLB aufgereinigt. Da die ermittelten Konzentrationen von CTC in Faeces sehr hoch waren,
erfolgte keine weitere Aufkonzentrierung, sondern das bei der SPE erhaltene Eluat wurde mit Fließ-
mittel A im Verhältnis 1:2 verdünnt. Auf diese Art und Weise wurden Meßproben mit sehr geringen
Matrixanteilen erhalten. Daher war eine Auswertung der Chromatogramme sowohl mittels UV- als
auch MS/MS-Detektion möglich.
Zur Ermittlung eines geeigneten Extraktionsmittels wurde überprüft, ob die für Standardlösungen fest-
gestellte Abhängigkeit der Wiederfindung vom pH-Wert des Extraktionsmittels, siehe Kap. 5.2.2.2,
5 Ergebnisse und Diskussion
52
auch bei Realproben auftritt, wurden EDTA-McIlvain-Puffer verschiedener pH-Werte als Extrakti-
onsmittel auf ihre Eignung zur Extraktion von CTC und e-CTC aus Faeces untersucht. Analog Kap.
5.2.2.2 wurde zusätzlich der Einfluß der EDTA-Konzentration im Extraktionsmittel auf die Wieder-
findung bei der Bestimmung von CTC in Faeces überprüft. Dazu wurde Faeces (Nullprobe) aus der
Medikationsstudie an der FAL Braunschweig, in denen kein CTC nachweisbar war, mit einer CTC-
Lösung dotiert, mit dem jeweiligen Extraktionsmittel extrahiert und mittels SPE mit Oasis HLB aufge-
reinigt.
Tab. 10: Wiederfindung von (Σ CTC + e-CTC) in Faeces nach Extraktion mit McIlvain-Puffer unter-
schiedlicher pH-Werte und anschließender SPE mit Oasis HLB (β = 500 mg/kg Faeces, 370
nm, n = 4)
McIlvain-Puffer
pH 2
0,01 moL/L EDTA
pH 3
0,01 moL/L EDTA
pH 4
0,01 moL/L EDTA
pH 4
0,1 moL/L EDTA
Wiederfindung
[%] 85 83 88 92
Die in Tab. 10 aufgeführten Wiederfindungen zeigen, daß sich als optimales Extraktionsmittel für
Faeces der EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 mit einer EDTA Konzentration von 0,1 moL/L ergab.
5.2.2.6 Muskulatur, Leber und Niere
Die Matrices Muskulatur, Leber und Niere werden in der Literatur meist zu Geweben zusammenge-
faßt, da die Aufarbeitung dieser Matrices auf gleiche Art und Weise erfolgt. Bei den in der Literatur
beschriebenen Verfahren wird zur Extraktion von Gewebeproben entweder McIlvain-Puffer, pH 4 mit
einem Zusatz von EDTA (0,1 moL/L) [173, 210, 221, 239], Glycin-HCl-Puffer [210], Succinat-Puffer
[278, 279] oder Oxalsäure [176] als Extraktionsmittel eingesetzt. Einige Autoren verwenden zur Ex-
traktion von Gewebeproben auch Pufferlösungen mit niedrigeren pH-Werten von 2-3 und einem ge-
ringeren oder gar keinem EDTA-Zusatz [280, 281]. Das von OKA et al. mehrfach beschriebene Ex-
traktionsverfahren beinhaltet eine Extraktion mit McIlvain-Puffer, pH 4 und 0,1 moL/L EDTA [170,
172, 180, 221, 282, 283]. Von einigen Autoren wird außerdem ein Gemisch aus MeOH und McIlvain-
Puffer pH 4 zur Extraktion eingesetzt [245, 284].
Zur Wahl des Extraktionsmittels wurde analog zum vorherigen Kapitel überprüft, ob es eine Abhän-
gigkeit der Wiederfindung vom pH-Wert des McIlvain-Puffers gibt und ob die EDTA-Konzentration
im Extraktionsmittel die Wiederfindung bei der Bestimmung von CTC in Gewebeproben beeinflußt.
Zusätzlich wurden Mischungen aus Methanol und McIlvain-Puffer, MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer
(0,01 moL/L) (20/80, v/v), eingesetzt. Diese Wiederfindungsversuche erfolgten durch zweimalige
Extraktion von 5 g CTC-dotiertem Probenmaterial (Muskulatur, Leber oder Niere) mit 15 mL des
jeweiligen Extraktionsmittels und Homogenisierung der Proben mit einem Ultra-Turrax. Die erhalte-
nen vereinigten Überstände wurden mittels SPE mit Oasis HLB aufgereinigt. Die hierbei erzielten
Wiederfindungen sind in Tab. 11 dargestellt.
5 Ergebnisse und Diskussion 53
Tab. 11: Wiederfindung (Σ CTC + e-CTC) in Leber, Niere und Muskulatur nach Extraktion mit
unterschiedlichen McIlvain-Puffer-Gemischen und anschließender SPE mit Oasis HLB
(β = 400 µg CTC/kg Matrix, LC-MS/MS, n = 4)
Extraktionsmittel Wiederfindung [%]
Puffer-Gemisch pH-Wert
EDTA-Zusatz
[moL/L] Muskulatur Leber Niere
McIlvain-Puffer 2 0,01 32 13 35
McIlvain-Puffer 3 0,01 45 26 55
McIlvain-Puffer 4 --- 49 33 64
McIlvain-Puffer 4 0,01 51 35 64
McIlvain-Puffer 4 0,1 55 43 72
MeOH/McIlvain-
Puffer (20/80, v/v) 2 0,01 43 18 35
MeOH/McIlvain-
Puffer (20/80, v/v) 3 0,01 57 27 43
MeOH/McIlvain-
Puffer (20/80, v/v) 4 0,01 86 39 68
Die Ergebnisse lassen erkennen, daß mit steigender EDTA-Konzentration im McIlvain-Puffer die
Wiederfindung geringfügig steigt. Einen wesentlich höheren Einfluß hat der pH-Wert des Extrakti-
onsmittels. Mit steigendem pH-Wert wurden deutlich höhere Wiederfindungen erzielt. Die entspre-
chenden Untersuchungen mit dotierten McIlvain-Puffern verschiedener pH-Werte, siehe Kap. 5.2.2.2,
führte dagegen zu genau gegenteiligen Ergebnissen. Mit steigendem pH-Wert wurde eine Erniedri-
gung der Wiederfindung festgestellt. Als Ursache der sinkenden Wiederfindungen von CTC mit stei-
gendem pH-Wert nach Extraktion dotierter McIlvain-Puffer wurde eine zunehmende Dissoziation und
dadurch bedingte Konformationsänderung angenommen. Faktoren, die die Wiederfindung bei der
Aufarbeitung von Matrixproben beeinflussen, sind sicherlich Proteine, Fette und Metallkationen.
Denkbar ist, daß Matrixkomponenten die Konformation der Tetracycline beeinflussen. Darüber hinaus
könnte es möglich sein, daß mit steigendem pH-Wert die Komplexierungsfähigkeit von EDTA zu-
nimmt und damit die in den Proben vorhandenen Metallkationen besser abgefangen werden, denn
EDTA komplexiert am besten bei pH 10 [255].
Die Extraktion mit Methanol-McIlvain-Puffer-Gemischen führte für Leber und Niere im Vergleich zu
den reinen McIlvain-Puffern zu keiner Verbesserung der Wiederfindung. Als optimales Extraktions-
mittel ergab sich damit für Leber und Niere mit Wiederfindungen von 43 % und 72 % der McIlvain-
Puffer, pH 4 mit einer EDTA-Konzentration von 0,1 moL/L. Für Muskulatur wirkt sich ein Methanol-
Anteil im McIlvain-Puffer günstig auf die Extraktion aus. Es konnten mit dem Methanol-McIlvain-
Puffer-Gemisch maximale Wiederfindungen von 86 % erzielt werden. Damit ergab sich für die Aufar-
beitung von Muskulatur als optimales Extraktionsmittel MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 (0,01
moL/L) (20/80, v/v). Der Einsatz dieses Extraktionsmittels hat gegenüber den Literaturverfahren, die
Methanol-McIlvain-Puffer-Gemische zur Extraktion einsetzen, den Vorteil, daß keine zusätzliche
wäßrige Verdünnung des Extraktes für die SPE erforderlich ist. In der Literatur beschriebenen Verfah-
ren [245, 284] setzen Methanol im Überschuß ein, so daß dieses vor der Festphasenextraktion erst
5 Ergebnisse und Diskussion
54
wieder entfernt werden muß. Allerdings darf der Methanol-Anteil im McIlvain-Puffer 25 % nicht
überschreiten, um eine vollständige Retardation der Analyten auf der SPE-Phase zu gewährleisten.
Um zu klären, ob die Ursache für die niedrige Wiederfindung für Leber an einer mangelnden Extrakti-
onsausbeute oder einer starken Signal-Supression bei der ESI-MS/MS-Detektion liegt, wurden nicht
belastete Leberproben aufgearbeitet und der Endextrakt mit CTC-Standardlösungen auf einen Gehalt
von 20 µg/kg, 100 µg/kg und 800 µg/kg dotiert, analysiert und mit den entsprechenden wäßrigen
Standardlösungen verglichen. Bei allen Gehalten konnte eine starke Signal-Supression von 50 % bis
60 % festgestellt werden, was beweist, daß die tatsächliche Extraktionsausbeute fast bei 100 % liegt
und die Extraktion von CTC und e-CTC aus der Probe somit fast quantitativ erfolgt. Auf eine weitere
Optimierung des Verfahrens für Leber zur Reduktion der Matrixeffekte wurde in diesem Rahmen ver-
zichtet.
Mit der UV-Detektion ist zwar eine Quantifizierung von CTC in Leber und Niere möglich, aber der
e-CTC-Peak ist von Peaks anderer Substanzen überlagert, somit kann eine Quantifizierung nur mit
MS/MS erfolgen. In Muskulatur können CTC und e-CTC sowohl mit den durch UV-Detektion als
auch MS/MS-Detektion erhaltenen Daten quantifiziert werden.
5.2.2.7 Optimierung der Probenvorbereitung für Muskulatur
Für die zur Lebensmittelgewinnung dienende wichtigste Matrix Muskulatur wurde das Extraktionsver-
fahren weiter optimiert.
Extraktion
Einige Autoren wie OKA et al. führen bei der Aufarbeitung von Gewebeproben drei Extraktionsschrit-
te mit McIlvain-Puffer, pH 4 durch [221]. Andere gebräuchliche Verfahren für die Bestimmung von
Tetracyclinen in Muskulatur beschränken sich auf zwei Schritte. Zur Untersuchung, wie viele Extrak-
tionsschritte notwendig sind, um CTC und e-CTC quantitativ aus der Matrix herauszuextrahieren,
wurden Muskulaturproben dreimal mit MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer pH 4 (0,01 moL/L) (20/80, v/v)
extrahiert und die bei den einzelnen Extraktionsschritten erhaltenen Extrakte mit SPE aufgereinigt.
Diese Untersuchung wurde, da es Unterschiede zwischen dotierten Kontrollproben und gewachsenen
Proben geben kann, sowohl mit dotierten unbelasteten Muskulaturproben als auch mit CTC-haltigem
Probenmaterial duchgeführt. In Tab. 12 sind die hierbei erhaltenen Wiederfindungen zusammenge-
faßt.
Tab. 12: Wiederfindung (Σ CTC + e-CTC) in Muskulaturproben nach mehreren Extraktionsschritten,
a) dotierte Kontrollproben (400 µg/kg), b) gewachsene Proben (Extraktionsmittel:
MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer pH 4 (0,01 moL/L) (20/80, v/v), SPE, 370 nm, n = 4)
Extraktionsschritt Wiederfindung [%]
dotierte Muskulaturproben
CTC-Gehalt [µg/kg]
gewachsene Muskulaturproben
1 67 82,3
2 23 54,7
3 6 12,3
Die Ergebnisse zeigen, daß zwei Extraktionsschritte ausreichen, um 90 % der zudotierten CTC-Menge
5 Ergebnisse und Diskussion 55
zu erfassen. Ein weiterer Extraktionsschritt erhöht die Wiederfindung um 6 % auf 94 %. Wird bei den
Ergebnissen der Extraktionen gewachsener Proben als Bezugspunkt die Summe der Gehalte der drei
Extraktionsschritte als 100 % gesetzt, so werden nach zwei Extraktionsschritten bereits 92 % der Ge-
samt-CTC-Menge erfaßt. Ein Unterschied der Extrahierbarkeit zwischen dotierten und gewachsenen
Proben konnte damit nicht festgestellt werden. Da ein dritter Extraktionsschritt die Wiederfindung nur
geringfügig erhöht, wurde aufgrund der ohnehin aufwendigen Probenvorbereitung, der Homogenisie-
rung mit dem Ultra-Turrax, bei den weiteren Analyen darauf verzichtet.
SPE
Zur Erhöhung der Selektivität des SPE-Verfahrens wurde eine Wasch-Elutions-Studie durchgeführt.
Diese Studie diente dazu, den erforderlichen Methanol-Anteil für den Wasch- und Elutionsschritt zu
ermitteln. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, durch einen höheren Anteil an organischem Lö-
sungsmittel während des Waschschrittes störende Interferenzen zu entfernen. Bei der Elution ist der
organische Anteil möglichst gering zu halten, damit Matrixkomponenten auf der SPE-Kartusche retar-
dieren und selektiv der Analyt eluiert wird.
Die Durchführung der Wasch-Elutions-Studie erfolgte, indem CTC-dotierte Muskulaturproben mit
MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 (0,01 moL/L) (20/80, v/v) extrahiert und der hierbei erhaltene
Extrakt auf die Oasis HLB-Kartusche aufgegeben wurde. Anschließend wurde ein erster Wasch-
Elutions-Schritt mit Methanol-Wasser-Gemischen, deren Methanol-Anteil von 0 % bis 100 % stufen-
weise erhöht wurde, durchgeführt. Hierdurch sollte ermittelt werden, wie hoch der Methanol-Anteil in
der Waschlösung sein darf, damit die Analyten noch vollständig auf der Kartusche retardieren und wie
hoch der Methanol-Anteil im Elutionsmittel sein muß, um die Analyten vollständig zu eluieren. Im
Anschluß daran folgte ein zweiter Elutionsschritt mit reinem Methanol. Diese methanolischen Extrak-
te wurden mit HPLC-UV vermessen. Die hierbei erhaltenen Wiederfindungen sind in Tab. 13 darge-
stellt.
Tab. 13: Wiederfindung (Σ CTC + e-CTC) in Muskulatur nach der Festphasenextraktion mit unter-
schiedlichen Wasch-Elutions-Lösungen (β = 400 µg CTC/kg, 370 nm, n = 4)
Anteil an Methanol in der
Wasch-Elutions-Lösung (v/v)
[%]
Wiederfindung
[%]
0 76
5 74
10 79
20 83
30 86
40 58
50 19
60 14
70 7
80 5
90 3
100 2
5 Ergebnisse und Diskussion
56
Die Ergebnisse zeigen, daß mit steigendem Methanol-Anteil in der Waschlösung von 0 % bis 30 %
eine Erhöhung der Wiederfindung erreicht werden konnte. Ein höherer Methanol-Anteil führt jedoch
zu einer deutlichen Verringerung der Wiederfindung. Der Einsatz von reinem Methanol als Waschlö-
sung zeigte mit 2 % nachweisbaren Analyten im zweiten methanolischen Eluat, daß sich CTC und e-
CTC schwer von der SPE-Kartusche eluieren lassen, so daß als Elutionsmittel 100 % Methanol beibe-
halten wurde.
5.2.2.8 Knochen
Die Bestimmung von CTC in Knochen ist schwierig, da Tetracycline im Knochen als Calcium-
Phosphat-Komplex vorliegen, siehe auch Kap. 5.9.2 und diese deshalb erst aufgeschlossen werden
müssen. KÜHNE et al. beschreiben [344, 285, 286] zum Aufschluß der Tetracycline aus dem Knochen
im wesentlichen zwei verschiedene Methoden: Die Extraktion der Analyten erfolgt entweder mit Suc-
cinat-Puffer oder mit Salzsäure. Die anschließende Aufarbeitung der Extrakte ist in beiden Fällen
gleich und umfaßt eine zweifache Aufreinigung mit SPE durch eine chelatisierenden Sepharose-Säule
und eine C18-Säule. Mit steigender Affinität zur Chelatbildung mit Ca2+-Ionen in der Reihenfolge
OTC < TC < CTC [50] wird es schwieriger, die entsprechenden Komplexe aufzuschließen. Dies ist der
Grund, warum KÜHNE et al. in ihren Untersuchungen mit dem Salzsäure-Aufschluß deutlich höhere
CTC-Gehalte ermittelten als mit der Extraktion mit Succinat-Puffer.
Basierend auf dem Verfahren von KÜHNE et al. und dem selbst entwickelten SPE-Verfahren wurde
eine Probenvorbereitung für die Bestimmung von CTC in Knochen entwickelt. Für die nachfolgenden
Versuche wurde CTC-haltiges Probenmaterial der behandelten Versuchstiere aus der Medikationsstu-
die im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse eingesetzt. Auf eine Bestimmung der Wiederfindung wur-
de verzichtet, da durch Dotieren von Knochenproben keine annähernd realen Bedingungen nachge-
stellt werden können. In Anlehnung an die für die anderen Matrices durchgeführten Extraktionsversu-
che wurde überprüft, welchen Einfluß der pH-Wert des McIlvain-Puffers auf die Extraktion ausübt.
Da Tetracycline unterhalb pH 3 nicht mehr komplexieren, siehe Kap. 3.5.2, wurde vermutet, daß die
Extraktionsausbeuten mit sinkendem pH-Wert des McIlvain-Puffers steigen. Zusätzlich wurde über-
prüft, ob ein höherer EDTA-Zusatz zum McIlvain-Puffer die als Komplexe eingelagerten Tetracycline
aus dem Knochen verstärkt herauslöst.
Der Aufschluß der Komplexe erfolgte, indem zu 1 g zerkleinertem Knochenmaterial das Extraktions-
mittel, EDTA-McIlvain-Puffer unterschiedlicher pH-Werte oder 1 moL/L Salzsäure, zugegeben wurde
und die Proben über Nacht stehen gelassen wurden. Im Falle des Salzsäureextraktes wurde der pH-
Wert mit 2 moL/L Natronlauge auf pH 4 eingestellt. Alle Proben wurden nach der Extraktion zentrifu-
giert und die erhaltenen Überstände mittels SPE mit Oasis HLB aufgereinigt. Die Ergebnisse in Tab.
14 entsprechen denen von KÜHNE et al. und belegen, daß maximale CTC-Gehalte durch den Auf-
schluß mit Salzsäure gefunden werden können.
Der Einsatz von McIlvain-Puffer eignet sich nicht zum Aufschluß, da zwar mit sinkendem pH-Wert
höhere CTC-Konzentrationen gefunden wurden, jedoch auch mit McIlvain-Puffer pH 2 keine voll-
ständige Extraktion von CTC aus dem Knochen erfolgt, obwohl unterhalb von pH 3 keine Komplexie-
rung der Tetracycline stattfinden soll [37]. Eine Erhöhung der EDTA-Konzentration im Extraktions-
mittel wirkt sich zwar günstig aus, die ermittelten Gehalte mit dem EDTA-McIlvain-Puffer pH 4 (0,1
moL/L EDTA) liegen aber dennoch deutlich unterhalb der mit dem HCl-Aufschluß erhaltenen Werte.
5 Ergebnisse und Diskussion 57
Damit ergab sich als optimales Extraktionsmittel 1 moL/L Salzsäure zum Aufschluß der in Knochen
eingelagerten Tetracycline. In den Extrakten können CTC und e-CTC sowohl durch UV-Detektion als
auch MS/MS-Detektion quantifiziert werden.
Tab. 14: Ermittelte CTC-Gehalte in Knochenproben nach Aufschluß mit verschiedenen Extraktions-
mitteln (Σ CTC + e-CTC, 370 nm, n = 4)
Extraktionsmittel CTC-Gehalt
[mg/kg]
pH 2 mit 0,01 moL/L EDTA 7,92
pH 3 mit 0,01 moL/L EDTA 5,48
pH 4 mit 0,01 moL/L EDTA 4,59
pH 5 mit 0,01 moL/L EDTA 2,70
McIlvain-Puffer
pH 4 mit 0,1 moL/L EDTA 7,08
1 moL/L HCl 16,32
Da unter den salzsauren Aufschlußbedingungen die Bildung von Anhydro-CTC zu erwarten ist, siehe
Kap. 3.5.3.4, wurde die Stabilität von CTC und e-CTC in salzsaurer Lösung überprüft. Zur Überprü-
fung, ob neben einer Dehydratation auch eine Epimerisierung unter diesen Bedingungen stattfindet,
wurde in einem ersten Schritt die Stabilität von CTC in 1 moL/L salzsaurer Lösung überprüft. Um
zusätzlich die Stabilität von e-CTC zu prüfen, erfolgte anschließend die Stabilitätsuntersuchung von
CTC und e-CTC in einer 1 moL/L salzsaurer Mischlösung. Diese Lösungen wurden bei einer Tempe-
ratur von 5 °C aufbewahrt und über einen Zeitraum von 12 h stündlich mit HPLC-UV vermessen. Die
Stabilitätsuntersuchungen ergaben, daß sich CTC und e-CTC mit Konzentrationsabnahmen nach 12 h
von 4,3 % für CTC und 6,8 % für e-CTC entgegen den Erwartungen unter Zugrundelegung der Wie-
derholpräzision von 7,2 % als stabil erwiesen. Es konnten nur geringe Anteile an Abbau- und Um-
wandlungsprodukten festgestellt werden. Deren Konzentrationsverlauf als Funktion der Zeit ist in
Abb. 17 dargestellt.
Die Stabilitätsuntersuchung von CTC in Einzellösung hat gezeigt, daß nach einem Zeitraum von 12 h
bezogen auf die Ausgangskonzentration von 10 mg/L nur 1 % Anhydro-CTC entstanden ist. Bereits
bei der ersten Messung konnte ein geringer e-CTC-Gehalt in Höhe von 1,8 % der Ausgangskonzentra-
tion festgestellt werden, der jedoch im Laufe der Untersuchung noch um 16 % abgenommen hat. Dies
belegt, daß in 1 moL/L salzsaurer Lösung unterhalb von pH 1,5 keine Epimerisierung stattfindet, siehe
auch Kap. 3.5.3.1.
Ein Vergleich der Stabilität von CTC und e-CTC in 1 moL/L salzsaurer Lösung zeigt, daß die Kur-
venverläufe für die Bildung von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ähnlich sind, sich aber in der
erreichten Endkonzentration nach 12 h unterscheiden. Die Dehydratation von CTC ist nach einem
Zeitraum von 12 h doppelt so hoch wie beim e-CTC. Da keine Epimerisierung bei diesem pH-Wert
stattfindet, kann Anhydro-CTC nur aus CTC und e-Anhydro-CTC nur aus e-CTC entstanden sein.
Während nach 12 h die Anhydro-CTC-Konzentration 1 % der Ausgangs-CTC-Konzentration beträgt,
entstehen aus e-CTC nach diesem Zeitraum nur 0,5 % e-Anhydro-CTC. Neben den Anhydro-
Verbindungen traten geringfügig noch weitere Isomere von CTC und e-CTC auf, auf dessen Identifi-
zierung in Kap. 5.5 eingegangen wird.
5 Ergebnisse und Diskussion
58
Abb. 17: Stabilität salzsaurer Standardlösungen: a) CTC-Standard; b) CTC/e-CTC-Standard -
Bildung der Anhydroverbindungen als Funktion der Zeit (1 moL/L HCl, β = 10 mg/L, 5 °C)
Insgesamt kann festgestellt werden, daß sich CTC und e-CTC trotz der geringfügigen Bildung von
Metaboliten unter Zugrundelegung der Wiederholpräzision in 1 moL/L salzsaurer Lösung als stabil
erwiesen. Da der Dehydratationsanteil maximal nur 1 % betrug, wurde auf eine zusätzliche Quantifi-
zierung der Anhydro-Verbindungen nach der Aufarbeitung von Realproben verzichtet.
5.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse der Verfahrensentwicklung
Es wurde ein HPLC-UV-MS/MS-Verfahren entwickelt und optimiert, welches sich für die quantitative
Bestimmung von CTC und e-CTC sowie den qualitativen Nachweis der Metabolite iso-CTC, e-iso-
CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC eignet. Zur chromatograhischen Bestimmung erwies sich
als analytische Säule die YMC-ODS-AM (150 x 3 mm, 3 µm) unter Einsatz von einem Gemisch aus
Ameisensäure und Acetonitril (H2O/CH3CN/HCOOH, 0,5 % HCOOH, (v/v)), pH 2,8 als mobile Phase
als geeignet. Die zur Kalibrierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens eingesetzten Standardlösungen
wurden als Mischung aus CTC und e-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) im Massen-
verhältnis 1:1 hergestellt. Kalibrierlösungen können bei einer Temperatur von -80 °C sechs Monate
aufbewahrt werden. Bei Temperaturen höher als 5 °C kommt es rasch zu Abbau- und Umwandlungs-
reaktionen. Für die Routineanalytik empfiehlt sich in jedem Fall, Kalbrierlösungen zu aliquotieren und
einzufrieren, um häufiges Auftauen und Einfrieren zu vermeiden. Gegebenenfalls sind Regelkarten zur
Kontrolle der Stabilität von CTC und e-CTC zu führen.
Zur Probenvorbereitung wurde ein Verfahren mittels Festphasenextraktion mit Oasis HLB-Kartuschen
entwickelt. Das zunächst für Standardlösungen entwickelte SPE-Extraktionsverfahren wurde an die
unterschiedlichen Matrices angepaßt. Dieses Verfahren ermöglicht die quantitative Bestimmung von
CTC und e-CTC in Urin, Plasma, Faeces, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen mit hoher Sensitivi-
tät mittels Tandemmassenspektrometrie im MRM-Mode. Während CTC und e-CTC in Muskulatur,
Plasma, Faeces und Knochen zusätzlich in Abhängigkeit von der Höhe des CTC-Gehaltes auch mit
den durch UV-Detektion erhaltenen Daten quantifiziert werden können, wird bei Leber und Niere der
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0123456789101112
Zeit [h]
Konzentration [mg/L]
e-CTC Anhydro-CTC
0
0,02
0,04
0,06
0,08
0,1
0,12
0123456789101112
Zeit [h]
Konzentration [mg/L]
Anhydro-CTC e-Anhydro-CTC
a) b)
(Konz.-Verlauf von CTC nicht dargestellt.) (Konz.-Verlauf von CTC und e-CTC nicht dargestellt.)
5 Ergebnisse und Diskussion 59
e-CTC-Peak grundsätzlich durch andere Substanzen gestört. Die Aufarbeitung von Urin führt zu kei-
ner ausreichenden Aufreinigung, so daß weder CTC noch e-CTC mit Daten der UV-Detektion aus-
wertbar sind. Der schematische Ablauf des Verfahrens ist in Abb. 18 dargestellt.
Abb. 18: Schematische Darstellung des Analysenverfahrens zur Bestimmung von CTC und e-CTC in
biologischen Proben
Das für Urin, Faeces, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen entwickelte Analysenverfahren
wurde im nächsten Schritt - vor Einführung in die Routineanalytik - zum Nachweis der Zuverlässig-
keit einer ausführlichen Validierung unterworfen.
Urin
(
5 mL
)
Herstellung der Meßprobe
Plasma
5 mL
Faeces
0,5 g
Muskulatur
5 g
Leber
5 g
Niere
5 g
Knochen
1 g
Muskulatur:
2 x mit 30 % MeOH in H2O
Extraktion mit
McIlvain-Puffer, pH 4 (0,1 moL/L EDTA)
Proteinfällung mit
6%iger HClO4 (w/w)
Extraktion mit
MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer,
pH 4 (0,01 moL/L) (20/80, v/v)
Aufschluß mit
1 moL/L HCl
pH-Wert-Einstellung
mit 2 moL/L NaOH
Probenextrakt
EDTA-
Vollblut
Zentrifugieren
Konditionierung der Oasis HLB-SPE-Kartusche
Probenaufgabe
Elution mit 3 mL MeOH
HPLC-UV-MS/MS
Einengen des Eluates bis zur Trockne
Aufnahme des Rückstandes in 200 µL
M
e
OH/Fließmittel A (50/50)
a) 3 mL MeOH
b) 3 mL H2O
Quantifizierung:
UV (370 nm) oder MS/MS, ESI+ (TIC)
Waschschritt alle übrigen Matrices:
2 x mit 5 % MeOH in H2O
Chromatographie
Analytische Säule:
YMC-ODS-AM, 150 x 3 mm
Mobile Phase:
A: H2O/CH3CN/HCOOH
(89,5/10/0,5 (v/v/v))
B: H2O/CH3CN/HCOOH
(39,5/60/0,5 (v/v/v))
5 Ergebnisse und Diskussion
60
5.3 Validierung des Analysenverfahrens zur Bestimmung von CTC
und e-CTC
Eine Validierung dient der analytischen Qualitätssicherung eines Analysenverfahrens für den Einsatz
in der Routineanalytik, zu dem die Probenahme, Probenvorbereitung, Analysenmethode, Kalibrierung
sowie die Ergebnisauswertung und -darstellung gehört. Validierung bedeutet durch systematische
Überprüfung und Dokumentation nachzuweisen, daß ein Analysenverfahren für die Erfüllung einer
Aufgabe geeignet ist und den Anforderungen des Anwenders gerecht wird [244, 287, 288]. Die Vali-
dierung eines Analysenverfahrens ist eine fehlertheoretische Systemanalyse der angewendeten chemi-
schen, physikalischen und mathematischen Grundlagen, der verwendeten Meßsysteme, der Datenge-
winnung und Datenverarbeitung einschließlich der notwendigen Kalibrierung. Je nach Anwendungs-
bereich werden an ein Analysenverfahren unterschiedliche Anforderungen gestellt, die in verschiede-
nen Richtlinien dokumentiert sind. Es gibt daher keine allgemeingültige Vorschrift, welche einzelnen
Parameter eine Validierung umfassen muß. Bei den in der Literatur beschriebenen Verfahren für die
Bestimmung von Tetracyclinen [170, 173, 210] erfolgte keine Angabe, welche mathematischen Mo-
delle zur Berechnung der angegebenen Validierungsparameter zugrunde liegen. Zudem werden Vali-
dierungsdaten nur in begrenztem Ausmaß beschrieben, wodurch die Vergleichbarkeit der Analysen-
verfahren erschwert wird. Die heute gültigen Richtlinien beziehen sich im Wesentlichen auf die von
KROMIDAS und FUNK et al. beschriebenen Validierungsmethoden [244, 288, 289, 290]. Die Einfüh-
rung neuer Vorschriften dient dazu, Validierungsmethoden zu vereinheitlichen und damit eine Ver-
gleichbarkeit von Analysenverfahren zu ermöglichen. So ist im Jahre 2000 eine für alle europäischen
Prüf- und Kalibrierlaboratorien international gültige Norm, die DIN EN ISO/IEC 17025 [291], verab-
schiedet worden. Weitere Richtlinien und Normen basieren auf Vorgaben der FDA [292] sowie den
Richtlinien der DIN 32645 [293] und der ICH-Richtlinien Q2A und Q2B der Indurstrie [294, 295].
Darüber hinaus gelten für einzelne Anwendungsbereiche spezielle Richtlinien. Von den Europäischen
Gemeinschaften ist im Jahr 2002 die EU-Richtlinie 2002/657/EG [296, 297] eingeführt worden, nach
der die Durchführung von Analysenmethoden sowie die Auswertung von Ergebnissen für die Bestim-
mung von Tierarzneimitteln geregelt ist.
Eine Validierung besteht im Wesentlichen aus der kritischen Untersuchung der einzelnen Analysen-
schritte auf systematische und zufällige Fehler. Nach Festlegung, in welcher Probenmatrix welche
Komponenten bestimmt werden sollen, erfolgt die Auswahl der Bestimmungsmethode und Erstellung
einer detaillierten Arbeitsvorschrift. Im Anschluß daran werden nachfolgend aufgeführte Validie-
rungsparameter ermittelt [244, 288, 289, 290]:
Wahl des Arbeitsbereiches
Linearität
Nachweis- und Bestimmungsgrenze
Selektivität, Spezifität
Richtigkeit und Präzision
Ziel war es, das für die unterschiedlichen Matrices entwickelte Analysenverfahren für die Bestimmung
von CTC und e-CTC sowohl mit der UV-Detektion als auch MS/MS-Detektion zu validieren, wobei
5 Ergebnisse und Diskussion 61
der Schwerpunkt auf der Matrix Muskulatur lag. Daher ist nachfolgend beispielhaft die Validierung
für die Bestimmung von CTC und e-CTC mit HPLC-UV-MS/MS in Muskulatur dargestellt.
5.3.1 Kalibrierung
5.3.1.1 Wahl des Arbeitsbereiches
Die Wahl des Arbeitsbereiches erfolgte unter Berücksichtigung folgender Parameter:
Es sollte ein möglichst linearer Zusammenhang zwischen der Analyt-Konzentration und dem
Detektorsignal vorliegen.
Die untere Arbeitsbereichsgrenze muß oberhalb der Bestimmungsgrenze liegen.
Die Analysenpräzision muß im gesamten Arbeitsbereich erreichbar im Hinblick auf die Be-
stimmungsgrenze und vor allem konstant sein.
praxisorientiertes Anwendungsziel: Die Arbeitsbereichskonzentrationen sollten den Konzen-
trationen in den Realproben entsprechen.
Zunächst wurde der funktionale Zusammenhang zwischen der Konzentration und der Peakfläche für
CTC und e-CTC ermittelt.
HPLC-UV
Dazu wurden Mischstandardlösungen aus CTC und e-CTC in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v),
künftig nur noch „Kalibrierlösungen“ genannt, mit Konzentrationen von 0,1 mg/L bis 100 mg/L
chromatographisch mittels HPLC-UV vermessen und bei einer Wellenlänge von 370 nm die Peakflä-
chen und ihre relativen Standardabweichungen der Peakflächen bestimmt (s. Tab. A. 12 im Anhang).
Durch Auftragung der Peakflächen y als Funktion von der Konzentration x und linearer Regression
wird eine Geradengleichung mit folgender Formel erhalten:
Gleichung 1: y = a+bx
Für CTC wurden die Konstanten a = -25,57 mAU min und b = 911,20 mAU min/ (mg/L) mit einem
Bestimmtheitsmaß von R2 = 0,9999, für e-CTC die Konstanten a = -21,93 mAU min und b = 910,50
mAU min/ (mg/L) mit einem Bestimmtheitsmaß von R2 = 0,9999 ermittelt. Damit kann für den ge-
wählten Konzentrationsbereich sowohl für CTC als auch für e-CTC von einem linearen Zusammen-
hang zwischen Konzentration und Detektorsignal (Peakfläche) ausgegangen werden.
LC-MS/MS
Zur Feststellung des funktionalen Zusammenhanges zwischen der Konzentration und der Peakfläche
für CTC und e-CTC mit der MS/MS-Detektion wurden Kalibrierlösungen mit Konzentrationen von
0,001 mg/L bis 100 mg/L chromatographisch mittels LC-MS/MS vermessen und die Mittelwerte der
Peakflächen sowie die relativen Standardabweichungen der Peakflächen ermittelt (s. Tab. A. 11 im
Anhang). Die Durchführung einer Regressionsanalyse durch Auftragung der Peakflächen y gegen die
Konzentrationen x ergibt, daß über diesen großen Konzentrationsbereich kein linearer Zusammenhang
zwischen Peakfläche und Konzentration mit einem Bestimmtheitsmaß von R2 = 0,9927 für CTC und
R2 = 0,9832 für e-CTC vorliegt. Der funktionale Zusammenhang zwischen Peakfläche und Kon-
5 Ergebnisse und Diskussion
62
zentration kann vielmehr durch eine polynomische Funktion 2. Grades beschrieben werden, die ein
Bestimmtheitsmaß von R2 = 0,9999 für CTC und R2 = 0,9997 für e-CTC liefert, was visuell bestätigt
werden kann (s. Kap. A. 5.2 im Anhang).
Zur Festlegung der unteren Grenze des Arbeitsbereiches war es erforderlich, die Bestimmungsgren-
ze des Analysenverfahrens zu ermitteln. Die Ermittlung erfolgte als eigener Validierungsparameter
(siehe Kap. 5.3.2). Als Bestimmungsgrenze des Verfahrens und damit untere Grenze des Arbeitsberei-
ches ergab sich für die UV-Detektion für CTC und e-CTC eine Konzentration von 0,18 mg/L, für die
MS/MS-Detektion für beide Verbindungen eine Konzentration von 0,005 mg/L.
Für die Analysenpräzision gilt nach KROMIDAS für medizinische Anwendungen eine maximal zu-
lässige Standardabweichung von 10 % [298]. Nach der EU-Richtlinie 657 gilt für die Mehrfachbe-
stimmung einer Probe sogar ein Grenzwert von 20 % [296]. Da sich dieser Grenzwert aber auf die
Messung von Realproben bezieht, wurde der von KROMIDAS festgelegte Grenzwert von 10 %
zugrunde gelegt. Damit ergab sich eine untere Arbeitsbereichsgrenze für CTC und e-CTC mit der UV-
Detektion von 0,18 mg/L, für die MS/MS-Detektion eine Grenze von 0,005 mg/L. Als obere Grenze
des Arbeitsbereiches wurde für die UV-Detektion eine Konzentration von 100 mg/L festgesetzt, für
die MS/MS-Detektion eine Konzentration von 50 mg/L, da oberhalb dieser Konzentration eine Sätti-
gung bei der massenspektrometrischen Detektion auftritt.
In Bezug auf das praxisorientierte Anwendungsziel sollten die Arbeitsbereichskonzentrationen den
Konzentrationen in den Realproben entsprechen. Da sowohl bei der Ermittlung des Ausscheidungs-
verhaltens von CTC im Urin und Faeces als auch in Knochen mit hohen CTC-Gehalten sowie im Ge-
gensatz dazu in Plasma und den Schlachtproben mit geringen CTC-Gehalten zu rechnen ist, sollte der
Arbeitsbereich möglichst groß gewählt werden. Er wurde für die UV-Detektion von 0,1 mg/L bis 100
mg/l und für die MS/MS-Detektion von 0,005 mg/L bis 50 mg/L festgesetzt.
5.3.1.2 Linearität
HPLC-UV
Zur Erstellung einer Kalibrierfunktion mittels HPLC-UV wurden zehn über den festgelegten Arbeits-
bereich von 0,18 mg/L bis 100 mg/L verteilte Konzentrationen von CTC und e-CTC in Kalibrierlö-
sungen zehnfach chromatographisch vermessen und die Peakflächen ermittelt. Nachdem mittels
GRUBBS-Test [288] (s. Anhang Kap. A. 4) sichergestellt wurde, daß die einzelnen Meßreihen keine
Ausreißer enthalten, wurden die jeweiligen Mittelwerte der Peakflächen und relativen Standardabwei-
chungen ermittelt (s. Tab. A 12 im Anhang). Neben der Überprüfung der Linearität durch einen einfa-
chen Visualitätstest (s. Kap. A. 5.2 im Anhang) ist eine mathematische Prüfung notwendig. Zur stati-
stischen Absicherung der Kalibrierfunktionen wurde der Anpassungstest nach MANDEL (s. Anhang
Kap. A 5.3) die Residualanalyse (s. Anhang Kap. A. 5.4), die Ermittlung der Varianzhomogenität
(s. Anhang Kap. A. 5.5) und die Absicherung der unteren Arbeitsgrenze (s. Anhang Kap. A. 5.6)
herangezogen [244, 288, 290]. Mit den durchgeführten Untersuchungen konnte die Linearität im Kon-
zentrationsbereich von 0,1 mg/L bis 100 mg/L (y = 910,49 x -20,96, R2 = 0,9999) bestätigt werden.
Die Regressionsanalyse liefert die Kalibrierfunktion mit verschiedenen Verfahrenskenndaten [244,
288, 289]. Eine wichtige Kenngröße ist die Reststandardabweichung sy, die die Streuung der Meß-
werte um die Regressionsgerade angibt und somit ein Präzisionsmaß für die Messung ist. Wird nun die
Reststandardabweichung auf die Mitte des Arbeitsbereiches normiert durch Division mit der Steigung,
5 Ergebnisse und Diskussion 63
so kann die Verfahrenstandardabweichung sx0 errechnet werden (s. Anhang Kap. A. 5.7). Die Stei-
gung der Regressionsgeraden entspricht bei linearen Kalibrierfunktionen der Empfindlichkeit, worun-
ter die Änderung des Meßwertes bei einer Änderung der Konzentration verstanden wird. Ein Verfah-
ren ist also um so leistungsfähiger, je größer die Steigung und je kleiner die Reststandardabweichung
ist. Die Verfahrensstandardabweichung sx0 ist somit ein Maß für die Leistungsfähigkeit eines Analy-
senverfahrens. Eine Normierung der Verfahrensstandardabweichung durch Division mit dem Mittel-
wert der Konzentrationen und Multiplikation mit 100 liefert den Verfahrenvariationskoeffizienten
oder relative Verfahrensstandardabweichung Vx0, welche einen Vergleich verschiedener Verfahren
erlaubt. Die maximal zulässige relative Verfahrenstandardabweichung hängt von der Anzahl der Kali-
brierkonzentrationen und der Ausdehnung des Arbeitsbereiches ab. Mit abnehmender Anzahl an Kali-
brierstandards und zunehmender Ausdehnung des Arbeitsbereiches nimmt die maximal zulässige Ver-
fahrensstandardabweichung ab, d.h. die Anforderungen an die Kalibrierfunktion nehmen zu. Für einen
Arbeitsbereich mit einer Ausdehnung vom 20fachen der unteren Arbeitsbereichsgrenze, d.h. die höch-
ste Konzentration beträgt das 20fache der geringsten Konzentration des Arbeitsbereiches, und zehn
Kalibrierkonzentrationen wird von KROMIDAS eine maximal zulässige Verfahrenstandardabweichung
von 1,8 % angegeben [289]. Für größere Arbeitsbereiche werden zwar keine Angaben gemacht, aber
näherungsweise kann dieser Wert als maximal zulässige Verfahrenstandardabweichung gesetzt wer-
den. Die ermittelten Verfahrenskenndaten der Kalibrierfunktionen für CTC und e-CTC sind in Tab. A.
17 im Anhang zusammengefaßt. Die relativen Verfahrensstandardabweichungen für das HPLC-UV-
Verfahren lagen mit 1,7 % für CTC und 1,4 % für e-CTC unterhalb des Grenzwertes von 1,8 %.
LC-MS/MS
Die mit LC-MS/MS erhaltenen Kalibrierfunktionen wurden ebenfalls durch den Anpassungstest nach
MANDEL (s. Anhang Kap. A. 5.3) die Residualanalyse (s. Anhang Kap. A. 5.4), die Ermittlung der
Varianzhomogenität (s. Anhang Kap. A. 5.5) und die Absicherung der unteren Arbeitsgrenze (s.
Anhang Kap. A. 5.6) statistisch abgesichert [244, 288, 290, 299, 300, 301]. Die Durchführung des
Linearitätstests nach MANDEL für die Kalibrierfunktion der MS/MS-Detektion bezogen auf einen
Arbeitsbereich von 0,005 mg/L bis 50 mg/L bestätigte rechnerisch, daß durch eine Kalibrierfunktion 2.
Grades eine signifikant bessere Anpassung erreicht werden kann als mit der 1. Grades. Durch Auftei-
lung des Arbeitsbereiches in drei Teilbereiche konnte ein linearer Zusammenhang zwischen Konzen-
tration und Peakfläche für CTC und e-CTC erzielt werden, was rechnerisch mittels des MANDEL-
Testes bestätigt werden konnte. Damit ergaben sich die in Tab. 15 dargestellten linearen Arbeitsberei-
che.
Für die drei Kalibrierfunktionen der MS/MS-Detektion wurden analog die Verfahrenskenndaten ermit-
telt, die in Tab. A. 18 bis Tab. A. 20 zusammengefaßt sind. Die relativen Verfahrensstandardabwei-
chungen belegen mit Werten zwischen 2,1 % und 6,2 % die gute Leistungsfähigkeit des Analysenver-
fahrens, weil aufgrund der Einschränkung des Arbeitsbereiches in drei Teilbereiche nach KROMIDAS
eine maximal zulässige Verfahrensstandardabweichung von 6,4 % angenommen werden kann [289].
5 Ergebnisse und Diskussion
64
Tab. 15: Ermittelte lineare Bereiche für die Bestimmung von CTC und e-CTC mittels LC-MS/MS
Kalibrierfunktionen/Korrelationskoeffizienten
Linearer
Bereich
[mg/L] CTC e-CTC
0,005-0,08 y = 4158,035 + 1182783,981 x
R2 = 0,9985
y = 13875,111 + 836366,874 x
R2 = 0,9981
0,1-0,5 y = 12247,543 + 1121152,553 x
R2 = 0,9996
y = 19111,349 + 799036,245 x
R2 = 0,9995
1-50 y = 591645,743 + 812434,819 x
R2 = 0,9998
y = 484980,264 + 589292,935 x
R2 = 0,9996
Da ein linearer Zusammenhang zwischen Konzentration und Peakfläche bei der MS/MS-Detektion nur
in einem begrenztem Konzentrationsbereich der in Tab. 15 angegebenen Bereiche gegeben ist, ist bei
der Ermittlung der CTC-Gehalte in Realproben darauf zu achten, daß die Konzentrationen der Kali-
brierstandardlösungen im Bereich der Realprobe liegen.
5.3.2 Nachweis- und Bestimmungsgrenze
Die Nachweisgrenze ist die kleinste quantitativ noch nachweisbare Konzentration ohne Forderung
einer bestimmten Präzision. Die Nachweisgrenze ist damit ein Entscheidungskriterium für das Vor-
handensein eines Analyten. Im Gegensatz dazu wird als Bestimmungsgrenze die kleinste mit einer
vorgegebenen Richtigkeit und Präzision quantifizierbare Konzentration verstanden [244, 288, 293].
Zur Ermittlung der Nachweis- und Bestimmungsgrenze werden in der Literatur verschiedene Verfah-
ren beschrieben, wobei in der Regel die Nachweis- und Bestimmungsgrenze über das Signal-Rausch-
Verhältnis bestimmt werden. Dieses Verfahren entspricht der EU-Richtlinie 2002/657/EG, der IUPAC
zur Nomenklatur in der Chromatographie sowie der FDA [293, 296, 292, 302, 302].
Nach den Definitionen der EU-Richtlinie 2002/657/EG, der IUPAC-Richtlinien zur Nomenklatur in
der Chromatographie und von KROMIDAS [296, 244, 288] ist die Nachweisgrenze definiert ist als
das Dreifache, die Bestimmungsgrenze als das Neunfache des Signal-Rausch-Verhältnisses. Zur Er-
mittlung des Signal-Rausch-Verhältnisses in Standardlösungen wurden Kalibrierlösungen aus CTC
und e-CTC in der Nähe der Nachweisgrenze sechsfach chromatographisch vermessen. Die Bestim-
mung der Nachweis- und Bestimmungsgrenze in Muskulatur erfolgte, indem unbelastete Muskulatur-
proben (Sechsfach-Bestimmung) auf Gehalte in der Nähe der Nachweisgrenze dotiert wurden, nach
der Analysenvorschrift, siehe Kap. A. 9 im Anhang, aufgearbeitet, mit HPLC-UV-MS/MS gemessen
und anschließend das Signal-Rausch-Verhältnis ermittelt wurde. Für die Ermittlung des Grundrau-
schens wurde die zehnfache Peakbreite genommen.
In Standardlösungen lagen die mittels UV-Detektion erhaltenen Nachweisgrenzen für CTC und e-CTC
bei 0,06 mg/L und die Bestimmungsgrenzen bei 0,18 mg/L. Die mit der MS/MS-Detektion ermittelten
Nachweisgrenzen betrugen 0,002 mg/L und die Bestimmungsgrenzen 0,005 mg/L für CTC und
e-CTC. Die in Muskulatur ermittelte Nachweis- und Bestimmungsgrenzen sind in Tab. 16 zusammen-
gefaßt. Diese lagen deutlich unterhalb der in Literaturverfahren angegebenen Werte. Für die Bestim-
mung von CTC in Muskulatur mittels UV-Detektion werden Nachweisgrenzen von 10-24 µg/kg und
Bestimmungsgrenzen von 20-47 µg/kg beschrieben [210, 239], für die MS/MS-Detektion werden in
der Literatur Nachweisgrenzen von 3-4 µg/kg und Bestimmungsgrenzen von 10-15 µg/kg angegeben
5 Ergebnisse und Diskussion 65
[176, 224, 279].
Tab. 16: Nachweis- und Bestimmungsgrenze von CTC und e-CTC in Muskulatur (HPLC-UV-MS/MS)
(n = 7)
Nachweisgrenze [µg/kg] Bestimmungsgrenze [µg/kg]
Substanz UV-Detektion MS/MS-Detektion UV-Detektion MS/MS-Detektion
CTC 3 0,1 8 0,3
e-CTC 3 0,1 8 0,3
5.3.3 Selektivität des Verfahrens zur Bestimmung von CTC und e-CTC in
Muskulatur
Unter der analytischen Spezifität wird die Fähigkeit eines Untersuchungsverfahrens verstanden, nur
den gesuchten Analyten zu erfassen, wobei andere anwesende Bestandteile in der Probe das Analysen-
ergebnis nicht beeinflussen [288, 289, 290, 296]. Die Selektivität beschreibt das Ausmaß, mit dem
mehrere Substanzen in einer komplexen Mischung ohne Interferenzen in Gegenwart weiterer Mi-
schungskomponenzen bestimmt werden können. Grundsätzlich gilt, daß auf eine Prüfung der Selekti-
vität verzichtet werden kann, wenn die Richtigkeit bereits bewiesen wurde, denn wenn ein Vorliegen
systematischer Fehler ausgeschlossen werden kann, so muß das Verfahren auch selektiv sein. Die Ü-
berprüfung der Selektivität eines HPLC-UV-Verfahrens ist besonders wichtig, da die Identifizierung
der Analyten hauptsächlich über die Retentionszeit erfolgt, wobei vor allem bei der Untersuchung
komplexer biologischer Proben die Gefahr von Überlagerungen des Analyt-Peaks durch Begleitkom-
ponenten in der Probe besteht und somit eine Verfälschung des Ergebnisses eintritt. Aber auch bei der
massenspektrometrischen Detektion ist eine Prüfung der Selektivität erfoderlich, da eine Quantifizie-
rung mit Triple-Quadrupol-Geräten ausschließlich im MRM-Mode durch Aufnahme von meist nur
zwei bis maximal vier Massenspuren erfolgt und es somit auch zu Überlagerungen durch Begleitkom-
ponenten kommen kann. Nach der EU-Richtlinie 657 [296] ist die Selektivität von Verfahren im ersten
Schritt durch Retentionszeitvergleich der Analyten in der Probe mit denen in einem entsprechenden
Kalibrierstandard unter den gleichen Versuchsbedingungen zu prüfen, wobei eine Retentionszeitstole-
ranz von 5 % nicht überschritten werden darf. Weiterhin muß bei HPLC-DAD-Verfahren ein UV-
Spektrenvergleich erfolgen. Die Absorptionsmaxima der Analyten müssen unter Berücksichtigung
einer durch das Auflösungsvermögen des Detektionssystems vorgegebenen Toleranz bei denselben
Wellenlängen wie bei den Kalibrierstandards liegen. Beim massenspektrometrischen Nachweis mit
Triple-Quadrupol-Geräten im MRM-Modus müssen die relativen Intensitäten der nachgewiesenen
Produkt-Ionen innerhalb einer Toleranz, ausgedrückt in Prozent der Intensität des intensivsten Ions,
auch Basis-Peak, denjenigen des Kalibrierstandards entsprechen, wobei die Konzentration des Kali-
brierstandards der der Probe entsprechen muß. Die zulässige Höchsttoleranz für die relativen Ionenin-
tensitäten ist nach relativer Intensität des Produkt-Ions bezogen auf den Basis-Peak gestaffelt, darf
aber ± 50 % nicht überschreiten. Weiterhin gilt für alle massenspektrometrische Verfahren, bei denen
Fragmente nicht im Full-Scan-Modus gemessen werden, zur Identifizierung ein Punktesystem, wobei
zur Bestätigung von Analyten mindestens vier Identifizierungspunkte benötigt werden. Ein LC-
MS/MS-Verfahren, mit dem ein Precursor-Ion und zwei Produkt-Ionen gemessen werden, liefert vier
5 Ergebnisse und Diskussion
66
Punkte, zwei Precursur-Ionen mit einem Produkt-Ion fünf Punkte. Bei dem entwickelten HPLC-UV-
MS/MS-Verfahren wird ein Identifizierungspunkt durch die UV-Detektion und vier Identifizierungs-
punkte durch die MS/MS-Detektion erhalten, womit CTC und e-CTC mit einer Gesamtpunktzahl von
fünf eindeutig identifizierbar sind.
Im Rahmen dieser Arbeit erfolgte die Selektivitätsprüfung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens durch
eine für CTC und e-CTC charakteristischen Peaklöschung nach alkalischer Behandlung der Probe
sowie durch einen Vergleich der Retentionszeiten, der UV-Spektren, der MS-Spektren und der Pro-
dukt-Ionen-Intensitäten.
5.3.3.1 Selektivitätstest durch Peaklöschung nach alkalischer Behandlung
Zur Absicherung der Selektivität wurde in einem ersten Schritt eine Muskulaturprobe alkalisch behan-
delt, was die Isomerisierung von CTC und e-CTC zu iso-CTC und e-iso-CTC bewirkt und damit zu
einer Peaklöschung führt. Ist das Verfahren selektiv, so muß es zu einer vollständigen Löschung des
CTC- und e-CTC-Peaks kommen. Wie in Abb. 19 anhand der UV- und MS-Chromatogramme darge-
stellt, kommt es nach alkalischer Behandlung der Muskulaturprobe zu einer vollständigen Auslö-
schung der CTC und e-CTC-Peaks und zur Umwandlung in die isomeren Verbindungen.
Abb. 19: UV- und MS-Chromatogramme einer Muskulaturprobe: Aufarbeitung nach dem allgemeinen
Extraktionsverfahren (unten), Aufarbeitung mit alkalischer Behandlung (oben)
5.3.3.2 Selektivitätsstest durch Vergleich der Retentionszeiten
Die weitere Selektivitätsprüfung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens erfolgte durch einen Vergleich
der Retentionszeiten [295] von CTC und e-CTC in einer Muskulaturprobe mit denen in einer Kali-
brierlösung. Hierzu wurde sowohl eine gewachsene Muskulaturprobe des Tieres 95 der Tierstudie an
der FAL aufgearbeitet als auch eine Mischstandardlösungen aus CTC und e-CTC (β = 1 mg/L) ver-
messen. Die in Abb. 20 dargestellten Chromatogramme für die UV-Detektion und MS/MS-Detektion
zeigen, daß die Retentionszeiten von CTC und e-CTC in der Muskulaturprobe exakt mit denen im
Standard übereinstimmen und damit das Richtigkeitskriterium aufgrund der Retentionszeiten mit einer
maximalen Toleranz von 5 % erfüllt ist. Da der Retentionszeitvergleich als einziges Selektivitätskrite-
51015
min
0
100
%
0
100
%
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
CTC
e-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
51015
min
0
100
%
0
100
%
4: Diode Array
370
4: Diode Array
370
CTC
e-CTC
51015
min
0
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%
0
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%
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
CTC
e-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
51015
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4: Diode Array
370
4: Diode Array
370
CTC
e-CTC
51015
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1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
CTC
e-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
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%
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
1: MRM of 6 Channels ES+
TIC
CTC
e-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
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%
4: Diode Array
370
4: Diode Array
370
CTC
e-CTC
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min
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%
0
100
%
4: Diode Array
370
4: Diode Array
370
CTC
e-CTC
5 Ergebnisse und Diskussion 67
rium nicht ausreicht, wurden weitere Selektivitätstests durchgeführt.
Abb. 20: Selektivitätstest durch Vergleich der Retentionszeiten: HPLC-Chromatogramm eines Kali-
brierstandards und einer Muskulaturprobe mit MS/MS-Detektion (a) und UV-Detektion (b)
5.3.3.3 Selektivitätstest durch Vergleich der UV- und MS-Spektren
Als weiteres Kriterium für die Selektivität eines Verfahrens gilt die Übereinstimmung der Spektren der
Analyt-Peaks in Standardlösungen mit denen in der Probe [288, 290]. Dazu wurden die UV- sowie die
MS-Spektren der Analyten in der Standardlösung mit denen in der Muskulaturprobe verglichen.
Abb. 21: Selektivitätstest durch Vergleich der UV-Spektren von CTC und e-CTC in Standardlösung
(β = 1 mg/L) und in einer Muskulaturprobe (Tier 95, FAL)
Ein Vergleich der normierten UV-Spektren, siehe Abb. 21, zeigt deutlich, daß eine Selektivität dieser
Detektionsart nur in einem Wellenlängenbereich von etwa 350 nm bis 400 nm gegeben ist. Im Wellen-
längenberich von 250 nm bis 350 nm kommt es in Realproben zu Überlagerungen von Störsubstanzen,
100
%
0min
MRM of 6 Channels ES+
9.97
8.23
Retentionszeit
5 7,5 10 12,5 15
Intensität
CTC
e-CTC
Kalibrierstandard
Probe
min
Diode Array
5 7,5 10 12,5 15
Retentionszeit
100
%
0
Intensität
Probe
Kalibrierstandard
CTC
e-CTC
9.97
8.22
a) b)
100
%
0min
MRM of 6 Channels ES+
9.97
8.23
Retentionszeit
5 7,5 10 12,5 15
Intensität
CTC
e-CTC
Kalibrierstandard
Probe
min
Diode Array
5 7,5 10 12,5 15
Retentionszeit
100
%
0
Intensität
Probe
Kalibrierstandard
CTC
e-CTC
9.97
8.22
a) b)
100
%
0min
MRM of 6 Channels ES+
9.97
8.23
Retentionszeit
5 7,5 10 12,5 15
Intensität
CTC
e-CTC
Kalibrierstandard
Probe
100
%
0min
MRM of 6 Channels ES+
100
%
0min
MRM of 6 Channels ES+
9.97
8.23
Retentionszeit
5 7,5 10 12,5 15
Intensität
CTC
e-CTC
Kalibrierstandard
9.97
8.23
Retentionszeit
5 7,5 10 12,5 15
Intensität
CTC
e-CTC
Kalibrierstandard
Probe
min
Diode Array
5 7,5 10 12,5 15
Retentionszeit
100
%
0
Intensität
Probe
Kalibrierstandard
CTC
e-CTC
9.97
8.22
min
Diode Array
min
Diode Array
5 7,5 10 12,5 15
Retentionszeit
100
%
0
Intensität
Probe
Kalibrierstandard
CTC
e-CTC
5 7,5 10 12,5 15
Retentionszeit
100
%
0
Intensität
Probe
Kalibrierstandard
CTC
e-CTC
9.97
8.22
a) b)
250 275 300 325 350 375 400
nm
0
100
%
CTC in Standardlösung
CTC in der Probe
250 275 300 325 350 375 400
nm
0
100
%e-CTC in Standardlösung
e-CTC in der Probe
250 275 300 325 350 375 400
nm
0
100
%
CTC in Standardlösung
CTC in der Probe
250 275 300 325 350 375 400
nm
0
100
%
CTC in Standardlösung
CTC in der Probe
250 275 300 325 350 375 400
nm
0
100
%e-CTC in Standardlösung
e-CTC in der Probe
250 275 300 325 350 375 400
nm
0
100
%e-CTC in Standardlösung
e-CTC in der Probe
5 Ergebnisse und Diskussion
68
die zu einer erheblichen Differenz der UV-Spektren in Standardlösungen im Vergleich zu denen in der
Realprobe führen. Daher darf eine Quantifizierung von CTC und e-CTC nur bei einer Wellenlänge
von 370 nm erfolgen.
Zum Vergleich der MS-Spektren wurden sowohl von einer Mischstandardlösung aus CTC und e-CTC
(β = 1 mg/L) als auch von einer Muskulaturprobe Produkt-Ionen-Scans des Precursor-Ions mit m/z
479 bei einer Kollisionsenergie von 25 eV aufgenommen. Die in Abb. 22 dargestellten MS-Spektren
belegen für beide Substanzen, daß in der Standardlösung als auch in der Muskulaturprobe dieselben
Fragmente entstehen. Das Fragment mit m/z 371 von e-CTC ist als schwächstes Produkt-Ion im Full-
Scan-Modus nicht mehr zu erkennen. Darüberhinaus muß nach der EU-Richtlinie 657 auch das Inten-
sitätsverhältnis der einzelnen Fragmente zueinander identisch sein. Unter Zugrundelegung der gültigen
zulässigen Höchsttoleranz von 50 % sind auch die Fragmentmuster von CTC und e-CTC in der Stan-
dardlösung und in der Muskulaturprobe als gleich zu betrachten.
Abb. 22: Selektivitätstest durch Vergleich der MS-Spektren (Produkt-Ionen-Scan des Precursor-Ions
mit m/z 479) von CTC und e-CTC in Standardlösung (β = 1 mg/L) und in einer Muskulatur-
probe (Tier 95, FAL)
Die durchgeführten Spektren-Vergleiche von CTC und e-CTC zeigen sowohl für die UV-Detektion als
auch für die massenspektrometrische Detektion eine gute Übereinstimmung zwischen Standardlösung
und Muskulaturprobe und geben damit deutliche Hinweise auf die Selektivität des Verfahrens.
Darüberhinaus muß die Peakreinheit über den gesamten Peak gewährleistet sein. Hierzu wurden
Chromatogramme einer Mischstandardlösung aus CTC und e-CTC und einer Muskulaturprobe aufge-
nommen. Die Aufnahme der Spektren erfolgte für die UV-Detektion im Bereich von 250 nm bis 400
nm, für die Produktionen-Spektren im Bereich von m/z 100 bis m/z 500. Zur Bestimmung der Peak-
Reinheit wurden jeweils fünf über den nicht geglätteten Peak verteilte Spektren miteinander vergli-
chen. Die Übereinstimmung der einzelnen Spektren wird prozentual angegeben, wobei eine Peakrein-
heit von 100 % völlig identische und 0 % völlig verschiedene Spektren bedeutet. Die Peak-Reinheiten
wurden für CTC und e-CTC für beide Detektionsarten ermittelt und lagen für beide Substanzen so-
wohl bei der UV-Detektion als auch bei der MS-Detektion zwischen 92 % und 98 %. Damit wurde
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
0
100
%
444
371 462
154
154
444
462
371
CTC in Standardlösung
CTC in der Probe
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
0
100
%
444
154
462
444
154
462
e-CTC in Standardlösung
e-CTC in der Probe
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
0
100
%
444
371 462
154
154
444
462
371
CTC in Standardlösung
CTC in der Probe
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
0
100
%
444
371 462
154
154
444
462
371
CTC in Standardlösung
CTC in der Probe
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
0
100
%
444
154
462
444
154
462
e-CTC in Standardlösung
e-CTC in der Probe
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
0
100
%
444
154
462
444
154
462
e-CTC in Standardlösung
e-CTC in der Probe
5 Ergebnisse und Diskussion 69
eine nahezu völlige Peak-Reinheit ermittelt.
Zusammenfassend kann mit den in Kap. 5.3.3.1 und Kap. 5.3.3.2 erhaltenen Ergebnissen die Selekti-
vität des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens für die Bestimmung von CTC und e-CTC in Mukulatur als
gesichert angesehen werden.
5.3.4 Systematische und zufällige Fehler
Einzelne Verfahrensschritte wie z. B. Probenaufschluß, Probenextraktion und Derivatisierung sowie
Matrixeinflüsse und Reagenzien sind in ihrem Einfluß auf die Präzision und Richtigkeit zu überprüfen
[244, 288, 289]. Dementsprechend ist zwischen systematischen und zufälligen Fehlern zu differenzie-
ren. Die Richtigkeit von Werten bezieht sich auf die Übereinstimmung des Mittelwertes aus vielen
Messungen mit dem wahren Wert. Das Maß für die Richtigkeit ist eine theoretische Größe. Als Maß
für die Richtigkeit wird jedoch im allgemeinen die systematische Ergebnisabweichung verwendet.
Diese Abweichungen können durch Berechnung der Wiederfindungsfunktion ermittelt werden. Wäh-
rend die Richtigkeit das Ausmaß des systematischen Fehlers beschreibt, ist die Präzision eine qualita-
tive Bezeichnung für das Ausmaß der gegenseitigen Annäherung voneinander unabhängiger Ergebnis-
se bei mehrfacher Anwendung eines Verfahrens unter vorgegebenen Bedingungen und somit ein Maß
für den zufälligen Fehler. Der Begriff Genauigkeit beschreibt qualitativ die gesamten systematischen
und zufälligen Abweichungen vom wahren Wert, da jedes Analysenverfahren mit einer gewissen Un-
sicherheit behaftet ist. Die Genauigkeit definiert die Annäherung von einzelnen Meßergenissen an den
wahren Wert. Sie wird bestimmt, indem die Richtigkeit und Präzision ermittelt werden.
Einzelne Verfahrensschritte und Matrixeffekte können sich in einer Erhöhung der Unpräzision
und/oder als konstant- oder proportional-systematische Fehler der Analysenergebnisse von den „wah-
ren“ Werten äußern. Bei konstant-systematischen Fehlern ist der Analysenfehler unabhängig von der
Konzentration der Analyten, was zu einer Parallelverschiebung der Kalibriergeraden in der Matrix
gegenüber der Kalibriergeraden mit reinen Standardlösungen führt. Proportional-systematischen Feh-
ler sind abhängig von der Konzentration der analysierten Komponente. Dies führt zu einer Änderung
der Steigung der Kalibriergeraden in Matrix im Vergleich zu der mit reinen Standardlösungen. Sowohl
zur Überprüfung einzelner Verfahrensschritte als auch zur Feststellung von Matrixbeeinflussung kann
die Berechnung der Wiederfindungsfunktion herangezogen werden, die es erlaubt, systematische Feh-
ler aufzudecken [289, 290]. Neben der Matrixbeeinflussung bei der Probenvorbereitung sind bei LC-
MS/MS-Verfahren vor allem Matrixeffekte bei der ESI-Ionisierung zu berücksichtigen [303, 309].
5.3.4.1 Richtigkeit
Ziel der Wiederfindungsexperimente und der Aufstellung der Wiederfindungsfunktion ist die Ermitt-
lung des Einflusses einzelner Verfahrensschritte auf das Analysenverfahren. Die Untersuchungen er-
folgten über den gesamten Arbeitsbereich. Zur Aufdeckung systematischer Fehler wurden in einem
ersten Schritt jeder einzelne Kalibrierstandard der Probenvorbereitung unterzogen. Hierzu wurde Me-
OH/EDTA-McIlvain-Puffer pH 4 (0,01 mol/L) (20/80) (v/v), das Extraktionsmittel für Muskulatur,
mit 0,005; 0,02; 0,1; 0,2; 0,5; 1 und 2 µg CTC dotiert, mittels SPE aufgearbeitet und mit HPLC-UV-
MS/MS vermessen. In einem zweiten Schritt erfolgte zur Aufdeckung matrixbedingter systematischer
Fehler die Aufarbeitung und Messung CTC dotierter Muskulaturproben der Gehalte 0,001; 0,004;
0,02; 0,04; 0,1; 0,2 und 0,4 mg/kg. Aus den erhaltenen Ergebnissen wurden die Wiederfindungsfunk-
5 Ergebnisse und Diskussion
70
tionen und daraus die Wiederfindungen berechnet. Die CTC-Gehalte in den Meßproben sowie die
Wiederfindungen wurden als Summe von CTC und e-CTC ermittelt.
Aufarbeitung CTC-dotierter Extraktionsmittel
Mit der in Kap. A. 6 im Anhang beschriebenen Berechnung haben sich für die UV- und MS/MS-
Detektion folgende Wiederfindungsfunktionen für die Extraktion mit Standardlösungen ergeben (Abb.
A. 9 im Anhang):
xf = 0,0393 mg/L + 1,0466 xc R2 = 0,9999 (UV-Detektion)
xf = 0,0394 mg/L + 1,0061 xc R2 = 0,9999 (MS/MS-Detektion)
Bei den ermittelten Wiederfindungsfunktionen beziehen sich die xc-Werte auf die zudotierten CTC-
Konzentrationen. Die xf-Werte setzen sich aus den ermittelten CTC- und e-CTC-Gehalten zusammen.
Eine wichtige Voraussetzung für die Aussagefähigkeit der Wiederfindungsfunktion ist die Gleichwer-
tigkeit der Verfahrensstandardabweichungen sx0 der Kalibrierfunktion des analytischen Grundverfah-
rens und der Wiederfindungsfunktion. Einzelne Probenvorbereitungsschritte können zu deutlich höhe-
rer Unpräzision der Kalibrierung führen, so daß eventuell vorliegende systematische Fehler verdeckt
werden. Daher werden die Verfahrensstandardabweichung der Kalibrierfunktion des Grundverfahrens
sx0 und die Reststandardabweichung der Wiederfindungsfunktion syf mittels F-Test auf signifikanten
Unterschied geprüft. Ist PG > F (f1 = f2 = Nc-2, P = 99%), so liegt ein signifikanter Unterschied zwi-
schen den beiden Standardabweichungen vor und es kann keine Aussage über das Nicht-
Vorhandensein systematischer Abweichungen gemacht werden. Die Reststandardabweichungen be-
trugen für die Wiederfindungsfunktion der UV-Detektion syf = 0,280 mg/L und der MS/MS-Detektion
syf = 0,040 mg/L. Die Verfahrensstandardabweichungen der Kalibrierfunktionen wurden für die UV-
Detektion zu sx0c = 0,312 mg/L und für die MS/MS-Detektion zu sx0c = 0,068 mg/L ermittelt. Die er-
mittelten Prüfwerte lagen mit PG = 0,1103 für die UV-Detektion und PG = 0,2052 für die MS/MS-
Detektion unterhalb der Tabellenwerte von F = 29,17 (Nc =5) und F = 10,97 (Nc =7) und damit liegt
kein signifikanter Unterschied der Analysenpräzision von den analytischen Grundverfahren und den
Wiederfindungsfunktionen vor, womit die Gleichwertigkeit der Analysenpräzision der jeweiligen Ka-
librierfunktion und der Wiederfindungsfunktion belegt worden ist.
Aufgrund von zufälligen Fehlern, also einer Streuung der Meßwerte, ergeben sich als Achsenabschnitt
und Steigung der Wiederfindungsfunktion niemals die Idealwerte af = 0 und bf = 1. Zur Beurteilung
des Vorliegens sytematischer Fehler müssen daher die Vertrauensbereiche von af und bf ermittelt wer-
den. Eine konstant-systematische Fehler liegt mit 95%iger statistischer Sicherheit vor, wenn der
Vertrauensbereich VB(af) nicht den Wert af = 0 einschließt. Entsprechend gilt, daß eine proportional-
systematische Fehler mit 95%iger Sicherheit vorliegt, wenn der Vertrauensbereich VB (bf) den Wert
bf = 1 nicht einschließt. Es wurden folgende Vertrauensbereiche für die Steigung bf und den Achsen-
abschnitt af ermittelt:
UV-Detektion: MS/MS-Detektion:
VB (af) = 0,0393 ± 0,2987 mg/L VB (af) = 0,0394 ± 0,0501 mg/L
VB (bf) = 1,0466 ± 0,0580 VB (bf) = 1,0061 ± 0,0115
Für beide Detektionsarten schließen die Vertrauensbereiche für af den Wert Null und für bf den Wert
1 mit ein, weshalb das Vorliegen von konstant-systematischen und proportional-systematischen Feh-
5 Ergebnisse und Diskussion 71
lern ausgeschlossen werden kann. Anhand der Wiederfindungsfunktion läßt sich bei Ausschluß kon-
stant-systematischer Fehlern die Wiederfindung von CTC nach der im Anhang angegebenen Formel,
siehe Kap. A. 6.7, berechnen und sie betrug für die UV-Detektion 104,7 % und für die MS/MS-
Detektion 100,6 %.
Aufarbeitung CTC-dotierter Muskulaturproben
Entsprechend der Vorgehensweise für dotierte Extraktionsmittel wurde für Muskulatur sowohl für
UV-Detektion als auch für MS/MS-Detektion die Wiederfindungsfunktionen ermittelt (Abb. A. 10 im
Anhang), deren Bestimmtheitsmaß R2 = 0,9998 (UV-Detektion) und R2 = 0,9988 (MS/MS-Detektion)
betrugen. Die Reststandardabweichungen betrugen für die UV-Detektion syf = 0,281 mg/L und für die
MS/MS-Detektion syf = 0,0947 mg/L. Um zu überprüfen. ob die erhaltenen Reststandardabweichungen
gleichwertig mit den Verfahrensstandardabweichungen sx0 der Kalibrierfunktionen des analytischen
Grundverfahrens sind, wurden wiederum beide Standardabweichungen mittels F-Test auf signifikan-
ten Unterschied geprüft. Die ermittelten Prüfgrößen lagen mit PG = 0,14 für die UV-Detektion und PG
= 1,33 für die MS/MS-Detektion unterhalb der tabellierten Werte von F = 29,17 (Nc =5) und F = 10,97
(Nc =7), womit kein signifikanter Unterschied der Analysenpräzision von den analytischen Grundver-
fahren und den Wiederfindungsfunktionen vorliegt. Zur Prüfung auf systematische Fehler sind sowohl
für die UV-Detektion als auch für die MS/MS-Detektion die Vertrauensbereiche von dem Achsenab-
schnitt af und der Steigung bf berechnet worden. Es wurden folgende Vertrauensbereiche für die Stei-
gung bf und den Achsenabschnitt af ermittelt:
UV-Detektion: MS/MS-Detektion:
VB (af) = 0,0218 ± 0,2852 mg/L VB (af) = -0,0576 ± 0,1182 mg/L
VB (bf) = 0,8590 ± 0,0554 VB (bf) = 0,6880 ± 0,0272
Für beide Detektionsarten wurde kein konstant-systematischer Fehler festgestellt, jedoch ergaben die
Vertrauensbereiche der Steigung bf im Gegensatz zu den Untersuchungen mit Standardlösungen Hin-
weise auf einen proportional-systematischen Fehler, da die Vertrauensbereiche von bf den Wert 1 nicht
einschließen. Bei Vorliegen von ausschließlich proportional-systematischen Abweichungen ist af 0,
also die Wiederfindung unabhängig von xc und damit allein durch bf bestimmt, so daß die Wiederfin-
dung nach der in Kap. A. 6.7 im Anhang angegebenen Formel berechnet werden kann. Die Wieder-
findungen von CTC liegen für die UV-Detektion bei 86 % und für die MS/MS-Detektion bei 73 %
und unterscheiden sich damit deutlich. Möglicherweise spielen im Gegensatz zu der UV-Detektion bei
der MS/MS-Detektion signalsupressive Effekte eine Rolle.
Bei sehr vielen Analysenverfahren liegt ein proportional-systematischer Fehler vor, da in den meisten
Fällen, insbesondere bei der Aufarbeitung komplexer biologischer Proben, keine vollständige Extrak-
tion der Analyten erfolgt. Nach der EU-Richtlinie sind Meßwerte als richtig zu betrachten, wenn die
Wiederfindung zwischen 70 % und 110 % liegt. Daher können sowohl die Ergebnisse, ermittelt mit
UV-Detektion, als auch mit MS/MS-Detektion unter Berücksichtigung der statistischen Streuung als
richtig angesehen werden. Die Kalibrierung mittels externer Standardmethode kann deshalb beibehal-
ten werden.
Die ermittelten Wiederfindungen liegen im Bereich der in der Literatur beschriebenen Werte. Für
Muskulatur werden Wiederfindungen im Bereich von 55 % bis 83 % angegeben [170, 194, 210, 304],
wobei einerseits die zugrunde liegende Berechnung nicht ersichtlich ist und andererseits bei vielen
5 Ergebnisse und Diskussion
72
Verfahren nur der Wirkstoff, das Epimere nicht bestimmt wird.
Im Rahmen dieser Untersuchungen konnte trotz des Ausschließens eines konstant-systematischen
Fehlers für Muskulaturproben eine Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung von CTC bei der
MS/MS-Detektion, nicht jedoch bei der UV-Detektion, festgestellt werden (siehe Tab. 17), was deut-
liche Hinweise auf signalsupressive Matrixeffekte bei der ESI-MS/MS-Detektion gibt.
Tab. 17: Ermittelte Wiederfindungen (Σ CTC + e-CTC) nach Extraktion von CTC-dotierter
Muskulaturproben (HPLC-UV-MS/MS) (n = 7)
Konzentration
[µg/kg]
Wiederfindung
UV-Detektion
[%]
Wiederfindung
MS/MS-Detektion
[%]
2 --- 97
8 --- 80
40 86 72
80 89 69
200 82 67
400 80 66
800 88 60
Eine Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung bei der MS/MS-Detektion wird in der Literatur
ebenfalls beschrieben. Während bei der Bestimmung von CTC in Gewebeproben mit der UV-
Detektion unabhängig von der Konzentration meist gleiche Wiederfindungen ermittelt werden [176,
224, 279], stellten BLANCHFLOWER et al. für CTC in Muskulatur mit der MS-Detektion ebenfalls
mit zunehmender Konzentration geringere Wiederfindungen fest [210].
Auf supressive Matrixeffekte bei der massenspektrometrischen Detektion während der Ionisierung in
der ESI-Quelle, insbesondere bei komplexen biologischen Proben, weisen verschiedene Autoren hin
[305, 306, 307]. Als Ursache für diese Matrixeffekte können neben einer Co-Elution der Analyten mit
Matrixkomponenten auch eine Überladung der analytischen Säule mit Matrixkomponenten, die zu
einer verschleppten Co-Elution führt, eine Rolle spielen [308]. Daher wurde nachfolgend untersucht,
ob die festgestellte Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung von CTC bei der ESI-MS/MS-
Detektion auf signalsupressive Matrixeffekte zurückzuführen ist.
5.3.4.2 Matrixbedingte Signalbeeinflussung bei der ESI-MS/MS-Detektion
Zur Aufdeckung von Matrixeffekten bei der ESI-MS/MS-Detektion gibt es hauptsächlich zwei Mög-
lichkeiten:
„Post column“-Infusion des Analyten in das HPLC-Eluat
Vergleich von Kalibrierstandards in Matrix mit denen in Solvent
Kontinuierliche „post-column“-Infusion von CTC
Eine Möglichkeit zur Aufdeckung von Matrixeffekten bei der ESI-MS/MS-Detektion ist die kontinu-
ierliche „post column“-Infusion einer Standardlösung zum HPLC-Fluß vor der ESI-MS/MS-
5 Ergebnisse und Diskussion 73
Detektion. Durch Vergleich der Chromatogramme, erhalten durch Nullinjektion, mit den nach Injekti-
on einer aufgearbeiteten unbelasteten Muskulaturprobe können Matrixeinflüsse aufgezeigt werden.
Treten keine Matrixeffekte auf, so sollten die erhaltenen Chromatogramme der Nullinjektion sowie der
Muskulaturextraktinjektion identisch aussehen. In Abb. 23 sind die durch Nullinjektion und Injektion
einer Muskulaturprobe und „post-column“-Infusion von CTC erhaltenen Chromatogramme dargestellt.
Es wurde während des gesamten Chromatographielaufes (Gradientenmethode) kontinuierlich über
eine Spritzenpumpe eine CTC-Standardlösung der Konzentration 10 mg/L „post column“ zum HPLC-
Fluß zugeführt. Die MS/MS-Detektion erfolgte durch Aufnahme eines Produkt-Ionen-Scans des Pre-
cursor-Ions m/z 479.
Abb. 23: MS-Chromatogramme (Produkt-Ionen-Scan des Precursuor-Ions m/z 479), aufgenommmen
durch kontinuierliche post column-Infusion einer CTC-Lösung (β = 10 mg/L) während des
HPLC-Laufes: Nullinjektion (oben) und Injektion eines Muskulaturextrakts (unten)
Die Ergebnisse verdeutlichen, daß es ab einer Retentionszeit von vier Minuten zu einer Signalsupres-
sion kommt, da sich im Falle der Injektion eines Muskulaturextrakts im Gegensatz zur Nullinjektion
ein abfallender Kurvenverlauf ergibt.
Vergleich von Kalibrierstandards in Matrix mit denen in Solvent
Zur Überprüfung einer Signalbeeinflussung durch Matrixkomponenten während der Ionisierung in der
ESI-Quelle bei der MS/MS-Detektion wurden in einem ersten Schritt Matrixstandards hergestellt und
diese mit den entsprechenden Solventstandards verglichen. Zur Herstellung der Matrixstandards wur-
den unbelastete Muskulaturproben aufgearbeitet und die hierbei erhaltenen Extrakte vor der LC-
MS/MS-Analyse mit CTC dotiert. In Tab. 18 sind die Wiederfindungen von CTC in Matrixstandards
bezogen auf CTC in Solventstandards dargestellt.
Die durchgeführten Untersuchungen bestätigen, daß mit der UV-Detektion konstante Wiederfindun-
gen erzielt werden. Es konnte weiterhin gezeigt werden, daß es bei der Detektion mit ESI-MS/MS mit
Zeit [min]
Daughters of 479ES+
TIC
Daughters of 479ES+
TIC
Nullinjektion
Injektion einer unbelasteten Muskulaturprobe
100
[%]
0
100
[%]
02 4 6 8 10 12 14 16 18 20
Anfang der Signalsupression
Zeit [min]
Daughters of 479ES+
TIC
Daughters of 479ES+
TIC
Nullinjektion
Injektion einer unbelasteten Muskulaturprobe
100
[%]
0
100
[%]
02 4 6 8 10 12 14 16 18 20
Anfang der Signalsupression
5 Ergebnisse und Diskussion
74
zunehmender Konzentration zu einer verstärkten Signalsupression kommt.
Tab. 18: Wiederfindung (Σ CTC + e-CTC) in aufgearbeiteten Muskulaturproben, vor der HPLC-UV-
MS/MS-Analyse mit CTC dotiert (n = 5)
Wiederfindung [%]
CTC-Konzentration
[µg/kg] UV MS/MS
20 82 82
80 85 74
800 83 65
Zusammenfassend konnte anhand der „post-column“-Infusion von CTC gezeigt werden, daß es zu
einer Signalsupression kommt. Darüber hinaus verdeutlichte der Vergleich von Matrixstandards mit
Solventstandards, daß mit zunehmender Konzentration eine höhere Signalsupression auftritt, was die
Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung erklärt. Zur Kompensation dieser Matrixeffekte eignet
sich nur die Kalbrierung nach dem Standardadditionsverfahren [309], die jedoch sehr zeitaufwendig
ist. Bei diesem LC-MS/MS-Verfahren sind insgesamt jedoch signalsupressive Effekte für die Bestim-
mung von CTC in Muskulatur mit diesem Verfahren zu vernachlässigen, da die Richtigkeit des Ver-
fahrens bereits in Kap. 5.3.4.1 bewiesen wurde. Diese Untersuchungen zeigen darüber hinaus, daß
auch bei der MS/MS-Detektion ein „clean up“ der Proben sowie eine chromatographische Trennung
der Analyten, insbesondere von Matrixkomponenten, von entscheidender Bedeutung ist.
5.3.4.3 Präzision
Unter der Präzision wird die Übereinstimmung unabhängiger Analysenergebnisse verstanden und gibt
die Streuung einzelner Ergebnisse als Folge von zufälligen Fehlern an. Als Maß für zufällige Fehler
gilt die Meß- und Methodenpräzision, wobei sich die Meßpräzision auf zufällige Fehler, die durch das
Analysengerätes selbst bedingt sind, und die Methodenpräzision auf zufällige Fehler bei der Durch-
führung des gesamten Analysenverfahrens bezieht. Die Präzision wird meist in Form der relativen
Standardabweichung srel ausgedrückt.
Meßpräzision
Die Ermittlung der Meßpräzision in Standardlösungen ist bereits bei der Aufstellung der Kalibrierge-
raden in Kap. 5.3.1.1 erfolgt. Sie liegt für CTC und e-CTC zwischen 1 % und 3 % mit UV-Detektion
und zwischen 2 % und 6 % mit MS/MS-Detektion. Zur Ermittlung der Meßpräzision in Realproben
wurden fünf CTC-haltige Muskulaturproben der Tiere 93-97 aus der Medikationsstudie FAL aufgear-
beitet und mittels HPLC-UV-MS/MS achtfach analysiert. Da die erhaltenen CTC-Gehalte bis auf die
des Tieres 95 unterhalb der Nachweisgrenze der UV-Detektion lagen, erfolgte die Auswertung aus-
schließlich über MS/MS-Daten. Die erhaltenen Mittelwerte der Konzentrationen sowie die relativen
Standardabweichungen für CTC und e-CTC sind in Tab. 19 dargestellt. Mit Werten zwischen 3 % bis
8 % entsprechen die relativen Standardabweichungen der für CTC und e-CTC in Standardlösungen
ermittelten Werten von 2 % bis 6 % und belegen damit die hohe Präzision des LC-MS/MS-
Verfahrens. Die ermittelten Meßpräzisionen liegen damit weit unter den in der EU-Richtlinie 657 ak-
zeptierten Grenze von 20 % für die wiederholte Analyse von Realproben [296].
5 Ergebnisse und Diskussion 75
Tab. 19: Meßpräzision der CTC- und e-CTC-Bestimmung in Muskulatur mit LC-MS/MS
(FAL-Proben, n = 8)
Muskelprobe Tier 93 Tier 94 Tier 95 Tier 96 Tier 97
x
(CTC) [µg/kg] 3,04 2,26 100,80 2,95 3,13
srel (CTC) [%] 5 6 3 5 5
x
(e-CTC) [µg/kg] 1,26 1,23 45,20 1,24 1,35
srel (e-CTC) [%] 6 5 3 8 7
Methodenpräzision
Zur Bestimmung der Methodenpräzision wurden ebenfalls fünf CTC-haltige Muskulaturproben der
Tiere 93-97 aus der Medikationsstudie FAL eingesetzt. Die Muskulaturproben wurden in fünfmal acht
Aliquote aufgeteilt, getrennt aufgearbeitet und der CTC-Gehalt mittels LC-MS/MS bestimmt. Die
berechneten Mittelwerte der Konzentrationen und die relativen Standardabweichungen sind in Tab. 20
aufgeführt.
Tab. 20: Methodenpräzision der CTC- und e-CTC-Bestimmung in Muskulatur mit LC-MS/MS
(FAL-Proben, n = 8)
Muskelprobe
x
(CTC)
[µg/kg]
srel
(CTC)
[%]
x
(e-CTC)
[µg/kg]
srel
(e-CTC)
[%]
x
(Σ CTC + e-CTC)
[µg/kg]
srel
(Σ CTC + e-CTC)
[%]
Tier 93 2,94 7 1,24 9 4,18 9
Tier 94 2,08 8 1,36 9 3,45 8
Tier 95 97,90 7 53,64 6 151,54 6
Tier 96 2,58 6 1,38 8 3,96 7
Tier 97 3,14 7 1,64 9 4,78 8
Die Methodenpräzisionen sind mit Werten zwischen 6 % und 9 % nur geringfügig größer als die Meß-
präzisionen. Damit liegen die Werte weit unterhalb der Angaben in Literaturverfahren, für die Metho-
denpräzisionen bis zu 40 % beschrieben werden [172, 210, 221, 239]. Da die Epimerisierungsrate in
Abhängigkeit von der Temperatur und der Dauer der Probenvorbereitung zwischen 10 % und 20 %
differieren kann, siehe Kap. 5.2.2.4, könnte dies bei der Aufarbeitung der Proben an unterschiedlichen
Tagen beispielsweise zu deutlich schlechteren Methodenpräzisionen führen. Möglicherweise ist das
der Grund, warum OKA et al. für die Bestimmung von CTC in Muskulatur und Niere mit UV-
Detektion deutlich höhere Methodenpräzisionen von bis zu 40 % fanden [172]. Zudem bleiben bei den
meisten in der Literatur beschriebenen Verfahren die Epimere unberücksichtigt.
Dies belegt die Notwendigkeit, einerseits den CTC-Gehalt selbst sowie andererseits auch die Metho-
denpräzision aufgrund der nicht immer konstanten Epimerisierungsrate als Summe von CTC und e-
CTC anzugeben.
5 Ergebnisse und Diskussion
76
5.3.5 Zusammenfassung der Validierungsergebnisse für die Bestimmung
von CTC und e-CTC in Muskulatur
Im Rahmen der für Muskulatur durchgeführten Validierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens ergab
sich für die UV-Detektion ein linearer Bereich von 0,1 mg/L bis 100 mg/L. Für die MS/MS-Detektion
ergab sich im untersuchten Konzentrationsbereich von 0,005 mg/L bis 50 mg/L kein linearer Zusam-
menhang zwischen Analyt-Konzentration und dem Detektorsignal, sondern eine polynomische Funk-
tion 2. Grades. Durch Aufteilung des Arbeitsbereiches in drei Teilbereiche (0,005-0,08 mg/L, 0,1-0,5
mg/L und 1-50 mg/L) konnte eine Linearität erreicht werden. Die relativen Verfahrensstandardabwei-
chungen Vx0 lagen für die UV-Detektion bei 1,7 % für CTC und 1,4 % für e-CTC. Für die MS/MS-
Detektion wurden Werte zwischen 2,1 % und 6,2 % erhalten. Damit konnte die gute Leistungsfähig-
keit des Analysenverfahrens für die Bestimmung von CTC und e-CTC in Muskulatur sowohl für die
UV- als auch MS/MS-Detektion belegt werden.
Als Nachweis- und Bestimmungsgrenzen wurden für CTC und und e-CTC mit der UV-Detektion 3
µg/kg (= 0,08 mg/L) und 8 µg/kg (= 0,2 mg/L), mit der MS/MS-Detektion 0,1 µg/kg (= 0,003 mg/L)
und 0,3 µg/kg (= 0,008 mg/L) ermittelt.
Der Selektivitätsnachweis des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens erfolgte nach den in der EU-Richtlinie
2002/657/EG geforderten Kriterien [296] durch einen Vergleich der Retentionszeiten, der UV-
Spektren, der MS-Spektren, der Produkt-Ionen-Intensitäten der Analyten in einer Standardlösung und
in einer Realprobe sowie durch eine für CTC und e-CTC charakteristische Peaklöschung nach alkali-
scher Behandlung der Probe. Bei der UV-Detektion ist jedoch einschränkend zu erwähnen, daß eine
Quantifizierung von CTC und e-CTC nur bei einer Wellenlänge von 370 nm (zweites Absorptionsma-
ximum) erfolgen darf, da es unterhalb einer Wellenlänge von 350 nm zur Überlagerung von störenden
Begleitkomponenten kommt und damit in diesem Wellenlängenbereich keine Selektivität mehr gege-
ben ist.
Zur Beurteilung der Richtigkeit der Analysenergebnisse wurden die Wiederfindungsfunktionen ermit-
telt. Proportional-systematische Fehler konnten ausgeschlossen werden. Es ergab sich sowohl mit der
UV- als auch mit der MS/MS-Detektion ein Hinweis auf einen proportional-systematischen Fehler.
Die aus den Wiederfindungsfunktionen berechneten Wiederfindungen betrugen für die UV-Detektion
86 % und für die MS/MS-Detektion 73 %. Da die ermittelten Wiederfindungen in dem in der EU-
Richtlinie 2002/657/EG [296] angegebenen akzeptierten Bereich von 70 % bis 110 % liegen, wurde
somit die Richtigkeit des Verfahrens nachgewiesen. Dennoch wurde eine Konzentrationsabhängigkeit
der Wiederfindung festgestellt. Es wurde gezeigt, daß die Ursache hierfür in einer Signalsupression
bei der ESI-MS/MS-Detektion, die mit steigender Konzentration zunimmt, liegt.
Die Charakterisierung der Präzision erfolgte durch Ermittlung der Meß- und Methodenpräzision mit
der MS/MS-Detektion. Dabei wurden für die Meßpräzision Werte um 5 % für CTC und 6 % für e-
CTC ermittelt. Für die Methodenpräzision unter Wiederholbedingungen ergaben sich Werte von 7 %
für CTC und 8 % für e-CTC und sind nur geringfügig höher als die Meßpräzisionen.
Das entwickelte HPLC-UV-MS/MS-Verfahren wurde einer ausführlichen Validierung unterworfen,
wodurch eine qualitative Bewertung der damit erzielten Ergebnisse ermöglicht wird. Erstmalig erfolg-
te hierbei auch eine Berücksichtigung des Epimers. Eine Besonderheit dieses Analysenverfahrens
stellt die Kopplung der UV- mit der MS/MS-Detektion dar. Ein Leistungsvergleich beider Detektion-
5 Ergebnisse und Diskussion 77
sarten zeigt, daß mit der UV-Detektion eine Selektivität nur im begrenztem Ausmaß gegeben ist und
darüber hinaus die erzielten Bestimmungsgrenzen deutlich höher liegen als bei der MS/MS-Detektion.
Aus diesen Gründen werden signalsupressive Effekte bei der MS/MS-Detektion in Kauf genommen
und dieser Detektionsart meist der Vorzug gegeben.
5.3.6 Validierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens für die Bestimmung
von CTC und e-CTC in Urin, Faeces, Plasma, Knochen, Leber und
Niere
Für Urin, Faeces, Plasma, Knochen, Leber und Niere wurden als Validierungsparameter die Wieder-
findung auf zwei Konzentrationsstufen, die Methodenpräzision sowie die Nachweis- und Bestim-
mungsgrenze ermittelt. Als Probenmaterial für diese Validierungsuntersuchungen diente, mit Aus-
nahme von Faeces, die im Rahmen der Haus Düsse-Studie entnommenen Proben der unbehandelten
Kontrolltiere. Die eingesetzten Faecesproben stammten aus der FAL-Studie, wobei als unbelastetes
Probenmaterial die vor Beginn der Medikation entnommenen Nullproben zur Verfügung standen. Die
erhaltenen Validierungsparameter für die verschiedenen Matrices sind in Tab. 21 zusammengefaßt.
Die in Tab. 21 angegebenen Wiederfindungen beziehen sich ausschließlich auf MS/MS-Daten, da
eine Auswertung der durch UV-Detektion erhaltenen Chromatogramme nicht für alle Matrices im
gewählten Konzentrationsbereich aufgrund einer mangelnden Selektivität möglich war.
Tab. 21: Validierungsparameter des Verfahrens für die Bestimmung von CTC und e-CTC in Urin-,
Plasma-, Faeces- und Schlachtproben (LC-MS/MS) (n = 6)
Matrix CTC-Konz.
WF
(Σ CTC + e-CTC)
[%]
Methoden-
präzision
(Σ CTC + e-CTC)
srel [%]
NWG* BG*
10 µg/L 107
Urin 100 µg/L 86 6 0,1 µg/L 0,3 µg/L
10 µg/L 74
Plasma 100 µg/L 62 6 0,1 µg/L 0,3 µg/L
50 mg/kg 93
Faeces 500 mg/kg 91 6 70 µg/kg 140 µg/kg
10 µg/kg 40
Leber 100 µg/kg 36 5 0,3 µg/kg 0,5 µg/kg
10 µg/kg 72
Niere 100 µg/kg 61 7 0,3 µg/kg 0,5 µg/kg
Knochen
(CTC-
haltige Pro-
ben)
-- 19 2,5 µg/kg 5 µg/kg
* Die angegebenen Nachweis- und Bestimmungsgrenzen gelten sowohl für CTC als auch für e-CTC.
Die ermittelten Wiederfindungen lagen mit Werten von 36 % bis 107 % im Bereich der Wiederfin-
dungen, die auch in der Literatur angegeben werden [252, 258, 272, 285, 310]. Die Wiederfindungen
5 Ergebnisse und Diskussion
78
für Leber sind mit Werten von 36 % bis 40 % sehr niedrig, entsprechen aber den Ergebnissen von
CHERLET et al. [310], die in Schweineleber für CTC und e-CTC Wiederfindungen von nur 15 % bis
20 % angeben, hingegen in Muskulatur und Niere 45 % bis 50 % wiederfanden. Hervorzuheben ist die
Aufarbeitung von Urin und Faeces, für die Wiederfindungen zwischen 91 % und 107 % erzielt werden
konnten. Nach der EU-Richtlinie 2002/657/EG sind Analysenergebnisse dann als richtig zu betrach-
ten, wenn die Wiederfindung in Abhängigkeit von der Konzentration zwischen 70 % und 110 % liegt.
Dies ist jedoch insbesondere bei der MS/MS-Detektion aufgrund signalsupressiver Effekte oft nicht
gegeben, so daß auch Wiederfindungen, die darunter liegen, aber reproduzierbar sind, als akzeptabel
zu betrachten sind.
Im Rahmen der durchgeführten Wiederfindungsuntersuchungen wurde ebenso wie für Muskulatur
mit Ausnahme von Faeces eine Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung festgestellt. Für Mus-
kulatur konnte in Kap. 5.3.4.2 gezeigt werden, daß es sich hierbei um signalsupressive Effekte bei der
ESI-MS/MS-Detektion, die mit steigender Konzentration zunehmen, handelt. Möglicherweise treten
bei den anderen Matrices ähnliche Effekte auf. Auf entsprechende Untersuchung der übrigen Matrices
wurde in dieser Arbeit verzichtet. Lediglich für Leber erfolgte aufgrund der geringen Wiederfindung
eine Untersuchung der Signal-Supression bei der MS/MS-Detektion, die zwischen 50 % und 60 % lag.
Eine weitere Aufreinigung der erhaltenen Leberextrakte erfolgte trotz der hohen Supression im Rah-
men dieser Arbeit nicht. Bei der Bestimmung von CTC und e-CTC in Faeces konnte als einzige Ma-
trix keine Konzentrationsabhängigkeit der Wiederfindung festgestellt werden. Grund hierfür könnte
sein, daß das Eluat der SPE verdünnt wird und damit signalsupressive Effekte bei der MS/MS-
Detektion keine Rolle mehr spielen.
Für die Methodenpräzision wurden mit Ausnahme von Knochen Werte von 5 % bis 7 % erhalten, die
nur geringfügig oberhalb der Meßpräzision von 2 % bis 5 % für CTC und e-CTC in Standardlösungen
lagen. Im Vergleich mit den in der Literatur gemachten Angaben für die Methodenpräzision in den
unterschiedlichen Matrices von 4 % bis 18 % zeichnet sich das entwickelte Analysenverfahren durch
eine hohe Präzision aus. Die Methodenpräzision für die Bestimmung von CTC und e-CTC in Knochen
liegt mit 19 % sehr hoch und ist etwa doppelt so hoch wie die von KÜHNE et al. [285] ermittelten
Werte von 8,8 %. Ursache hierfür ist vermutlich der Mahlgrad der Knochen, da mit der eingesetzten
Knochenmühle nur ein geringer Mahlgrad erzielt wurde und damit die Reproduzierbarkeit der Extrak-
tion niedrig war.
Die Bestimmungsgrenzen für Urin, Plasma, Leber und Niere lagen im Bereich von 0,3-0,5 µg/L oder
µg/kg und entsprachen damit Literaturverfahren, bei denen Bestimmungsgrenzen von 10-125 µg/L für
Urin [213, 247, 252], 10-20 µg/L für Plasma [152, 233, 258] und von 2-230 µg/kg für Leber und Niere
[147, 177, 187, 224, 239, 279, 310] angegeben werden. Die für Knochen ermittelte Bestimmungsgren-
ze von 5 µg/kg stimmt gut mit den Angaben von KÜHNE et al. überein, die für die Bestimmungsgren-
ze von CTC in Knochen ebenfalls 5 µg/kg angeben [285]. Die hohe Nachweis- und Bestimmungs-
grenze von 140 µg/kg für CTC und e-CTC in Faeces ist dadurch bedingt, daß das Eluat der Festpha-
senextraktion nicht eingeengt, sondern aufgrund der hohen Gehalte in Realproben verdünnt wurde.
Diese Bestimmungsgrenze liegt aber immer noch unterhalb der von SUNDERLAND et al. für die Be-
stimmung von CTC in Faeces mit HPLC-UV angegebenen Bestimmungsgrenze von 3,5 mg/kg [272].
Das hier vorgestellte HPLC-UV-MS/MS-Verfahren zeichnet sich durch eine umfassende Validierung
unter Berücksichtigung des Epimers aus. Das Analysenverfahren ist gleichermaßen auf die Matrices
Muskulatur, Urin, Plasma, Faeces, Leber, Niere und Knochen anwendbar. Neben einer quantitativen
5 Ergebnisse und Diskussion 79
Bestimmung von CTC und e-CTC ermöglicht dieses Verfahren erstmals den simultanen Nachweis von
iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC in den verschiedenen Probenarten und es
kann daher eine Beurteilung weiterer in Realproben vorkommenden Abbau- und Umwandlungspro-
dukte von CTC erfolgen. Dieses Analysenverfahren wurde nachfolgend auf Proben der durchgeführten
Medikationsstudien angewendet.
5.4 Anwendung des Analysenverfahrens auf Proben der Medikati-
onsstudien
5.4.1 Haus Düsse-Studie
Im Rahmen dieser Medikationstudie wurde ein Mastdurchgang unter praxisüblichen Bedingungen mit
definierter Medikation durchgeführt. Die Versuchdurchführung wurde bereits in Kap. 5.1.1 beschrie-
ben. Ziel dieser Studie war es, anhand der entnommenen Urinproben der Versuchstiere das Auschei-
dungsverhalten von CTC zu untersuchen. Daneben sollten die CTC-Rückstände in den Schlachtproben
ermittelt werden. Zunächst wurde der CTC-Gehalt gemäß der EU-Verordnung EWG Nr. 2377/90 als
Summe von CTC und e-CTC bestimmt. Darüber hinaus sollte geprüft werden, welche weiteren Meta-
bolite von CTC in den Proben nachzuweisen sind.
5.4.1.1 Ausscheidungsverhalten von CTC in Urin
Es erfolgten während des gesamten Mastdurchganges sieben Probennahmen. In den entnommenen
Urinproben wurde mit LC-MS/MS der CTC- und e-CTC-Gehalt sowie die Summe beider Verbindun-
gen ermittelt. Aus den für die einzelnen Tiere ermittelten Gehalten wurde der Mittelwert gebildet
(Einzeldaten siehe Tab. A. 1 im Anhang) und als Funktion der Zeit in Abb. 24 dargestellt.
Abb. 24: Gesamt-CTC-, CTC- und e-CTC-Gehalte in Urin der Versuchstiere (Mittelwert aller Tiere)
(LC-MS/MS) (n = 12)
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Eins tallu ng 0 2 4 6 8 10
CTC
e-CTC
Gesamtgehalt
Konzentration [mg/L]
Anzahl der Wochen nach Absetzen der Medikation
0
100
200
300
400
500
600
246810
Konzentration [µg/L]
Anzahl der Wochen nach
A
bsetzen der Medikation
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Eins tallu ng 0 2 4 6 8 10
CTC
e-CTC
Gesamtgehalt
Konzentration [mg/L]
Anzahl der Wochen nach Absetzen der Medikation
0
100
200
300
400
500
600
246810
Konzentration [µg/L]
Anzahl der Wochen nach
A
bsetzen der Medikation
0
100
200
300
400
500
600
246810
Konzentration [µg/L]
Anzahl der Wochen nach
A
bsetzen der Medikation
5 Ergebnisse und Diskussion
80
Zur Veranschaulichung ist der Konzentrationsverlauf ab der zweiten Woche nach Absetzen der Medi-
kation nochmals in einer kleineren Abbildung dargestellt. Vor der Medikation konnte, wie erwartet,
bei keinem der 24 Tiere CTC oder e-CTC in Urin nachgewiesen werden. Bei den Versuchstieren zeig-
te sich erwartungsgemäß direkt nach Medikationsende der höchste CTC-Gehalt mit durchschnittlich
9,17 mg/L, der bereits zwei Wochen später auf 0,51 mg/L gefallen ist. Bis zur Schlachtung drei Mona-
te später nahm der CTC-Gehalt weiter ab, betrug aber selbst am Tag der Schlachtung noch 66 µg/L
und lag damit im Bereich der MRL-Werte für andere Matrices. Zu ähnlichen Befunden sind
RAMAZZA et al. [43] gekommen, die das Ausscheidungsverhalten von Oxytetracyclin in Urin nach
mehrwöchiger oraler Medikation untersuchten. Sie fanden ebenfalls auch vier Monate nach Absetzen
der Medikation noch Oxytetracyclin in Urin.
Werden die CTC-Gehalte der einzelnen Tiere miteinander verglichen, so sind starke individuelle Un-
terschiede festgestellbar. In Abb. 25 sind die Gehalte der Urinproben nach Medikationsende und vor
der Schlachtung dargestellt.
Abb. 25: CTC-Gehalte (
CTC+e-CTC) in Urin der einzelnen Versuchstiere nach Medikationsende
und vor der Schlachtung (LC-MS/MS, n =2)
Ursache für die unterschiedlichen CTC-Gehalte kann einerseits die unterschiedliche Futteraufnahme-
menge der einzelnen Tiere sein, da die Schweine an Längströgen gefüttert wurden und daher die indi-
viduelle Aufnahmemenge nicht bekannt ist, und andererseits variiert die ausgeschiedene Urinmenge
der Schweine pro Tag individuell. Beim Versuchstier 3 lassen sich sowohl direkt nach Absetzen der
Medikation, Probenahme 0, sowie auch kurz vor der Schlachtung drei Monate später, Probenahme 10,
wesentlich geringere Gehalte feststellen als bei den anderen Tieren. Vermutlich hat dieses Tier eine
geringere Futtermenge aufgenommen, da es während des Mastdurchganges erkrankt ist.
In den Urinproben der als unbehandelte Kontrollgruppe mitgeführten Tiere konnten größtenteils keine
CTC-Gehalte nachgewiesen werden. Es wurden jedoch bei sieben der zwölf Kontrolltiere in einigen
Urinproben CTC oder e-CTC gefunden, wobei die Summe beider Verbindungen etwa 0,03 % bis 1,7
% der CTC-Gehalte in Urin der Versuchstiere bei den jeweiligen Probenahmen entsprachen. Nachge-
0
20
40
60
80
100
120
V1 V2 V3 V4 V5 V6 V7 V8 V9 V10 V11 V12
Versuchstier-Nummer
Konzentration (CTC+e-CTC) in Urin
[mg/L bzw. µg/L]
Probenahme nach
Medikationsende
Probenahme vor der
Schlachtung
5 Ergebnisse und Diskussion 81
wiesenes CTC in den Kontrolltierproben deuten darauf hin, daß auch die unbehandelten Tiere CTC
aufgenommen haben müssen. Mögliche Eintragsquelle könnte eine Verschleppung bei der Herstellung
des Mischfutters in den Mischgefäßen, eine Verschleppung über das Futter im Stall sowie eine Anti-
biotikaübertragung über Stallstaub sein. Auf diese Problematik der Arzneimittelverschleppung haben
bereits verschiedene Autoren wie KAMPHUES et al. und DORN et al. hingewiesen [99, 100, 101].
Darüber hinaus wiesen HAMSCHER et al. im Staub von Ställen, in denen Schweine gehalten wurden,
denen oral über das Futter Antibiotika verabreicht wurde, Tetracycline nach [311].
In allen Urinproben konnten iso-CTC und e-iso-CTC nachgewiesen werden [312], dagegen Anhydro-
CTC und e-Anhydro-CTC nicht. Zudem war in den Proben ein weiteres Produkt mit demselben Pre-
cursor-Ion [M+H]+ von 479 und den Produkt-Ionen m/z 462 und 444 nachweisbar, auf dessen Identifi-
zierung in Kap. 5.5 eingegangen wird.
5.4.1.2 CTC-Gehalte in Schlachtproben
In den bei der Schlachtung entnommenen Proben von Urin, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und
Knochen wurde mit LC-MS/MS der CTC-Gehalt ermittelt. Die erhaltenen Ergebnisse sind in Tab. 22
zusammengefaßt.
Tab. 22: CTC-Gehalte (
CTC und e-CTC) in Urin-, Plasma- und Schlachtproben der Versuchstiere
(Probenahme bei der Schlachtung, LC-MS/MS, n = 2)
Tier Urin
[µg/L]
Plasma
[µg/L]
Muskulatur
[µg/kg]
Niere
[µg/kg]
Leber
[µg/kg]
Knochen
[mg/kg]
V 1 39 0,8 7,9 12,1 5,0 12,1
V 2 47 0,7 4,5 11,1 2,9 11,9
V 3 6 2,7 11,4 5,9 9,5 12,5
V 4 39 0,6 5,6 8,1 2,2 3,9
V 5 96 1,0 6,9 13,8 6,1 13,9
V 6 46 1,9 5,5 11,8 2,5 15,8
V 7 100 0,8 10,1 12,8 6,6 21,2
V 8 105 0,9 6,7 13,5 4,3 11,7
V 9 76 0,7 21,6 10,1 7,9 16,6
V 10 75 0,9 7,2 11,8 5,8 13,6
V 11 97 1,1 9,4 14,9 4,9 10,8
V 12 65 0,8 8,0 10,5 5,4 5,0
In allen Proben der Versuchstiere konnten CTC-Gehalte festgestellt werden, wobei die in Muskulatur,
Leber und Niere ermittelten Gehalte weit unterhalb der MRL-Werte lagen, für die anderen Matrices
existieren keine MRL-Werte. Die ermittelten Gehalte für Muskulatur betrugen durchschnittlich 8,7
µg/kg, für Leber 5,3 µg/kg und für Niere 11,4 µg/kg. Die höchsten CTC-Gehalte wurden in Knochen
mit Werten zwischen 5,0 mg/kg und 21,2 mg/kg gefunden, da sie dort in gebundener Form vorliegen,
siehe Kap. 5.9.2. Aber auch in Urin und Plasma konnte selbst am Schlachttag noch CTC nachgewie-
sen werden.
In den Proben der Kontrolltiere konnten in Urin, Plasma, Muskulatur, Leber und Niere kein CTC ge-
funden werden. Dagegen aber wurden in den Knochenproben der Kontrolltiere CTC-Gehalte ermittelt,
die etwa 1% der Gehalte in Knochen der Versuchstiere entsprachen (s. Tab. A. 2 im Anhang). Die
5 Ergebnisse und Diskussion
82
Knochenproben wurden zusätzlich mit dem Fluoreszenz-Screeningtest (s. Kap. 5.9.2.2) untersucht.
Sie ergaben für die Kontrolltierknochen im Gegensatz zu den Ergebnissen mit der LC-MS/MS-
Untersuchung ausschließlich negative Befunde. Diese Resultate entsprechen den Ergebnissen von
KÖRNER et al., die in Fleischknochenmehlen, die keine Fluoreszenz zeigten, mittels HPLC-UV Tetra-
cycline nachweisen konnten [285]. Die in den Kontrolltierknochenproben nachgewiesenen Gehalte
sind möglicherweise, ebenso wie bereits für die Gehalte in den Urinproben der Kontrolltiere diskutiert,
auf eine Arzneimittelverschleppung im Stall oder während der Mischfutterherstellung zurückzuführen.
Wie in den Urinproben konnten auch in den Schlachtproben sowie den Knochen- und Plasmaproben
iso-CTC und e-iso-CTC nachgewiesen werden, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC spurenweise nur
in Knochen. Ebenso wie in den Urinproben war in den meisten Proben noch ein weiteres Produkt mit
demselben Precursor-Ion [M+H]+ von 479 und den Produkt-Ionen m/z 462 und 444 vorhanden, auf
dessen Identifizierung in Kap. 5.5 eingegangen wird. In Abb. 26 ist beispielhaft ein MS-
Chromatogramm einer Muskulaturprobe von einem Versuchstier dargestellt.
Abb. 26: MS-Chromatogramm (TIC) der Muskulaturprobe von Versuchstier 11 der Haus Düsse-Studie
(*siehe Kap. 5.5)
5.4.1.3 Resistenzuntersuchungen
Ziel des Verbraucherschutzprojektes „Resistenzentwicklung und Rückstände in der landwirtschaftli-
chen Tierhaltung“ war neben der rückstandsanalytischen Bestimmung der CTC-Gehalte die Resistenz-
entwicklung der unter definierten Bedingungen gehaltenen Tiere festzustellen. Aus diesem Grund sind
im Rahmen der Haus Düsse-Studie neben Urinproben auch Faecesproben genommen worden, hieraus
E.-coli-Bakterien isoliert und diese anschließend mittels Breakpoint-Verfahren auf Resistenz geprüft
worden. Eine genaue Beschreibung der Versuchsdurchführung sowie eine detaillierte Darstellung der
Ergebnisse dieser Untersuchungen ist im Abschlußbericht des Projektes erfolgt [313]. An dieser Stelle
soll hier nur eine kurze Zusammenfassung gegeben werden.
Bei der Einstallung wiesen die Schweine bereits eine E.-coli-Population mit hohem Resistenzanteil
gegenüber Tetracyclin, vollständige Kreuzresistenz mit Chlortetracyclin vorausgesetzt, auf. Der Aus-
gangsstand von 80 % steigt bis zum Ende der Behandlung in der Gruppe der Versuchstiere auf 94 %.
Der Anteil resistenter Keime geht auch innerhalb von drei Monaten nach Medikationsende nicht we-
V11
Zeit [min]
0
100
[%]
MRM of 6 Channels ES+
TIC
4 6 8 10 12 14
CTC
e-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
unbekanntes Produkt
V11
Zeit [min]
0
100
[%]
MRM of 6 Channels ES+
TIC
4 6 8 10 12 14
CTC
e-CTC
iso-CTC
e-iso-CTC
unbekanntes Produkt*
5 Ergebnisse und Diskussion 83
sentlich zurück. Dies verdeutlicht die besondere Bedeutung der Tetracycline, deren Ausgangsresi-
stenzsituation unbehandelter Schweine bereits so hoch ist, daß insgesamt gesehen eine Resistenzab-
nahme nach der Medikation kaum zu beobachten ist. Auch bei den unbehandelten Schweinen der
Kontrolltiergruppe zeigten sich im Laufe des Versuches kaum geringere Resistenzen als bei der be-
handelten Versuchstiergruppe. Nach der Medikation der Versuchstiergruppe stieg auch in der Kon-
trolltiergruppe der Anteil tetracyclinresistenter E.-coli-Keime in Faeces erheblich an und blieb bis zur
Schlachtung auf einem hohem Niveau. Die Annahme, daß sich während des Einwirkens von Antibio-
tika Resistenzen ausbilden und über die Dauer der Medikation bestehen bleiben, danach jedoch wieder
verloren gehen, wenn kein Selektionsdruck mehr besteht, siehe Kap. 3.4.1, konnte damit nicht bestä-
tigt werden. Es ist um so bedenklicher, daß alle Tiere des Versuchskollektivs bei Einstallung hohe
Anteile resistenter Keime aufwiesen. Dies verdeutlicht die komplexe Problemdarstellung der Resi-
stenzsituation als Resultat der allgemein häufigen Anwendung von Tetracyclinen.
5.4.1.4 Zusammenfassung
Die durchgeführten Untersuchungen des Ausscheidungsverhaltens zeigen, daß die CTC-Gehalte nach
Medikationsende zunächst abfallen, aber noch drei Monate nach der Medikation im Urin aller Tiere
nachweisbar sind. In den Schlachtproben sind ebenfalls noch CTC und e-CTC nachzuweisen. Die
Gehalte liegen zwar weit unterhalb der entsprechenden MRL-Werte, spielen aber möglicherweise im
Hinblick auf eine Resistenzentwicklung gerade aufgrund der geringen Gehalte eine Rolle. Die festge-
stellten CTC-Gehalte in den Knochenproben sowie einiger Urinproben der Schweine der Kontrolltier-
gruppe sind Indiz dafür, daß die allgemein häufige Anwendung von Tetracyclinen in der Schweine-
mast bei den üblichen landwirtschaftlichen Haltungsbedingungen von Mastschweinen dazu führt, daß
auch unbehandelte Tiere Antibiotikaspuren durch eine Arzneimittelverschleppung im Stall aufnehmen
können, die gerade aufgrund der subtherapeutischen Dosis Resistenzen fördern können. Insbesondere
weisen LANGEWISCHE et al. darauf hin, daß auch Gehalte unterhalb der MRL-Werte Resistenzen
fördern können, weil die MRL-Werte häufig unterhalb der MHK-Wete liegen und damit nicht alle
Bakterien abgetötet werden können, so daß resistente Bakterien entstehen können [38]. Die durchge-
führten mikrobiologischen Resistenzuntersuchungen unterstützen diese Annahme. Es konnte kein
direkter Zusammenhang zwischen der Medikation der Schweine und der Resistenzlage der E.-coli.-
Keime in Faeces der Tiere festgestellt werden. Vielmehr war auch bei unbehandelten Tieren 80 %
resistenter E.-coli.-Keime nachgewiesen worden, zurückzuführen auf die häufige Anwendung von
Tetracyclinen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung.
In allen Proben konnten neben CTC und e-CTC die Umwandlungsprodukte iso-CTC und e-iso-CTC
nachgewiesen werden. Die Knochenproben enthielten zusätzlich Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC.
Weiterhin trat in vielen Proben ein weiteres Produkt mit dem Precursor-Ion [M+H]+ von 479 und den
Produkt-Ionen m/z 462 und 444 auf, siehe Kap. 5.5.
5.4.2 FAL-Studie
Die Einzelhaltung der Tiere in Stoffwechselkäfigen ermöglicht eine Bilanzierung der applizierten und
ausgeschiedenen Wirkstoffe. Die Durchführung dieser Studie ist bereits in Kap. 5.1.2 beschrieben
worden. Darüber hinaus wurde der CTC-Gehalt in den Schlachtproben der Tiere, die nach Ablauf der
Wartezeit von vierzehn Tagen geschlachtet wurden, ermittelt. Die Konzentrationsbestimmung von
CTC und e-CTC in den Urin-, Faeces-, Plasma- und Schlachtproben erfolgte mit LC-MS/MS.
5 Ergebnisse und Diskussion
84
5.4.2.1 CTC und e-CTC in Urin, Faeces und Plasma
Zunächst wurde der CTC-Gehalt in den täglich entnommenen Urin- und Faecesproben untersucht. Aus
den Gehalten wurde mit den ermittelten ausgeschiedenen Urin- und Faecesmengen, siehe Tab. A. 5
und Tab. A. 6 im Anhang, die täglichen CTC-Ausscheidungsmengen berechnet.
Nach einer oralen Gabe von CTC werden maximale Serumkonzentrationen nach 3-4 Stunden und die
höchsten Urinspiegel nach etwa 8-9 Stunden erreicht, siehe Kap. 3.3. Mit einer Dosissteigerung von
CTC läßt sich kein proportionaler Anstieg der Serumkonzentration feststellen, sondern bleibt ab einer
bestimmten Dosis konstant [68, 314]. Daher war zu erwarten, daß nach mehrfacher Medikation die
Ausscheidungsmenge zuerst ansteigt und nach Erreichen eines bestimmten Plasmaspiegels anschlie-
ßend konstant bleibt. Ein derartiges Ausscheidungsverhalten haben BRÜGGEMANN et al. im Rahmen
einer ausführlichen Bilanzierung an Legehennen nach mehrtägiger Fütterungsdosierung gefunden
[319]. Sie stellten bei einer 15-tägigen Medikation von Legehennen mit C14-markiertem CTC einen
Anstieg der Ausscheidungsmenge in den ersten drei Medikationstagen mit anschließenden konstanten
Werten über einen Zeitraum von dreizehn Tagen fest. Für Schweine sind keine entsprechenden Anga-
ben in der Literatur bekannt. Es gibt zwar eine Reihe durchgeführter pharmakokinetischer Studien,
wobei aber meist Ratten, Hunde und Hühner [42, 67, 70, 74, 315, 316], weniger Schweine untersucht
wurden [68]. Diese Studien beschränken sich zudem auf eine einmalige Gabe des Arzneimittels. Die
Verhältnisse der Antibiotikafütterung in der landwirtschaftlichen Tierhaltung fanden bisher wenig
Beachtung. Darüber hinaus erfolgt die Gehaltsbestimmung bei den bereits beschriebenen pharmakoki-
netischen Studien häufig über mikrobiologische Verfahren sowie der Radioaktivitätsmessung [315,
316, 319], so daß Metabolite nur im Falle einer mikrobiologischen Aktivität bzw. einer Radioaktivität
mit erfaßt werden. Eine quantitative Berücksichtigung von Metaboliten ist daher nicht erfolgt.
In Abb. 27 sind die CTC-Ausscheidungsmengen in Urin, angegeben als Summe von CTC und e-CTC,
der einzelnen Tiere über beide Medikationsphasen dargestellt (s. auch Tab. A. 7 im Anhang).
Abb. 27: Ausscheidungsmenge (Σ CTC + e-CTC) in Urin der einzelnen Tiere (LC-MS/MS) (n =2)
0 1 2 3 4 5 6 7 8 910 22232425262728293031
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
55
60
2. Medikationsphase1. Medikationsphase
Tag
Tier 93
Tier 94
Tier 95
Tier 96
Tier 97
Mittelwert (93-97)
Menge (CTC + e-CTC) in Urin [mg]
5 Ergebnisse und Diskussion 85
Bei Einstallung der Tiere in die Stoffwechselkäfige, also bei der ersten Probenahme, konnte erwar-
tungsgemäß kein CTC nachgewiesen werden. Zu Beginn der ersten Medikationsphase steigt die Aus-
scheidungsmenge in Urin zunächst auf 28 mg am vierten Versuchstag und in der zweiten Medikati-
onsphase von 7 mg am 22. Versuchstag bis auf 24 mg am 27. Versuchstag an, nimmt dann aber noch
während der Medikation bis zum Absetzen des Arzneimittels wieder auf Werte von 20 mg am zehnten
Versuchstag und 5 mg am 31. Versuchstag ab, wobei sich ein individuell unterschiedlich stark ausge-
prägtes Maximum ergab. Auffällig ist, daß die maximalen CTC-Ausscheidungsmengen während der
zweiten Medikationsphase geringere Werte erreichten als bei der ersten. Zu bedenken ist, daß sich
aufgrund möglicher Isomerisierungen unter Einbeziehung von iso-CTC und e-iso-CTC ein anderer
Kurvenverlauf ergeben könnte.
Ein Vergleich der Ausscheidungsmengen in Urin der einzelnen Tiere zeigt, daß sich weitestgehend
sehr ähnliche Kurvenverläufe ergaben, da eine individuelle auf das Gewicht des jeweiligen Tieres
abgestimmte Medikation erfolgt ist. Unterschiede im Ausscheidungsverhalten sind aufgrund der indi-
viduellen Fütterung der Tiere auf eine unterschiedliche Verstoffwechselung des Antibiotikums zu-
rückzuführen.
Die Ergebnisse der Faecesuntersuchungen sind in Abb. 28 dargestellt (s. auch Tab. A. 8 im Anhang).
Abb. 28: Ausscheidungsmenge (Σ CTC + e-CTC) in Faeces der einzelnen Tiere (LC-MS/MS, n =2)
Aufgrund der phamakologischen Eigenschaften von CTC sollten die Konzentrationen von CTC in
Faeces deutlich höher liegen als in Urin, siehe Kap. 3.3. Während die resorbierten Anteile von CTC
über Urin wieder ausgeschieden werden, stammt das in Faeces nachweisbare CTC überwiegend aus
dem nicht resorbierten Anteil, weniger aus der Galle, also nach Resorption. Daher lagen die ermittel-
ten CTC-Ausscheidungsmengen in Faeces deutlich höher als in Urin und unterstützen damit frühere
Befunde [74, 317]. Im Unterschied zum Kurvenverlauf der CTC-Ausscheidungsmenge in Urin ergibt
sich in Faeces in beiden Medikationsphasen kein Maximum. In der ersten Medikationsphase stieg die
CTC-Ausscheidungsmenge auf Werte von durchschnittlich 570 mg am dritten Versuchstag an. Wäh-
rend der fortlaufenden Medikation bleibt die CTC-Ausscheidungsmenge nach dem dritten Versuchstag
012345678910 22232425262728293031
0
200
400
600
800
1000
1200
2. Medikationsphase1. Medikationsphase
Tag
Tier 93
Tier 94
Tier 95
Tier 96
Tier 97
Mittelwert (93-97)
Menge (CTC + e-CTC) in Faeces [mg]
5 Ergebnisse und Diskussion
86
annährend konstant, fällt aber nach Absetzen der Medikation stark ab, was früheren Befunden ent-
spricht [318]. In der zweiten Medikationsphase ergab sich ein ähnlicher Kurvenverlauf. Nachdem die
Ausscheidungsmengen bis zum 24. Versuchstag auf Werte von 711 mg stiegen, blieben sie anschlie-
ßend, abgesehen von einer Streuung, annähernd konstant. Ebenso wie für Urin waren für die einzelnen
Tiere sehr ähnliche Kurvenverläufe der CTC-Ausscheidungsmengen in Faeces, jedoch mit individuel-
len Unterschieden, erkennbar.
Da über Faeces überwiegend der nicht resorbierte Anteil wieder ausgeschieden wird, sinkt die Aus-
scheidungsmenge in Faeces schnell von einem Gehalt von 638 mg am zehnten Versuchstag innerhalb
der Medikationspause auf 1 mg am 22. Versuchstag ab. In Urin beträgt die Ausscheidungsmenge am
zehnten Versuchstag 20 mg und am 22. Versuchstag 7 mg. Trotz der insgesamt geringeren Ausschei-
dungsmenge in Urin sind also die nach der elftägigen Medikationspause ermittelten Auscheidungs-
mengen in Urin höher als in Faeces.
Das im Rahmen dieser Studie ermittelte Ausscheidungsverhalten von CTC in Urin und Faeces ent-
sprach damit dem von BRÜGGEMANN et al. [319] an Legehennen nach mehrtägiger Medikation fest-
gestellten Verlauf. Auch sie fanden einen Anstieg der Ausscheidungsmenge in Urin und Faces inner-
halb der ersten zwei Tage. Das festgestellte Verhältnis der Ausscheidungsmengen von CTC in Urin
und Faeces von etwa 1:30 wurde ebenfalls von EISNER et al. [74] nach einmaliger oraler CTC-
Verabreicherung bei Ratten gefunden.
Blut wurde den Tieren lediglich am Anfang und am Ende der ersten und zweiten Medikationsphase
entnommen und analysiert (Tab. 23).
Tab. 23: CTC-Gehalte (Σ CTC + e-CTC) in Plasma der einzelnen Tiere (LC-MS/MS, n = 2)
Tier 93 Tier 94 Tier 95 Tier 96 Tier 97
Medik.-
phase
Versuchs-
tag [µg/L]
0 nn nn nn nn nn
1.
10 132,7 93,96 87,12 89,96 81,24
21 3,44 3,68 4,48 3,08 7,04
2.
31 74,32 89,12 53,12 72,04 94,64
Aufgrund der wenigen Probenahmen läßt sich lediglich ein Anstieg des CTC-Gehaltes auf durch-
schnittlich 97 µg/L am zehnten Versuchtag feststellen. Nach der elftägigen Medikationspause sind
relativ zum CTC-Gehalt am zehnten Versuchstag, noch hohe CTC-Gehalte von 4,4 µg/L nachweisbar.
Am Ende der zweiten Medikationsphase ließen sich mit Werten von durchchnittlich 77 µg/L etwas
geringere CTC-Gehalte feststellen als in der ersten Medikationsphase. Diese Ergebnisse entsprechen
den Ergebnissen der Urinuntersuchungen, bei denen gezeigt wurde, daß die maximale CTC-
Konzentration in der zweiten Medikationsphase niedriger lag als in der ersten. Auch in Plasma lassen
sich individuelle Unterschiede feststellen.
5 Ergebnisse und Diskussion 87
5.4.2.2 Bilanzierung (Applikation-Exkretion)
Um zu beurteilen, wieviel der zugeführten Arzneimittelmenge wieder ausgeschieden wird und wieviel
im Tier verbleibt, wurden die Ausscheidungsraten der einzelnen Tiere berechnet. Die prozentuale
Ausscheidungsrate bezogen auf die täglich zugeführte Wirkstoffmenge liegt für Urin durchschnittlich
bei 1 % bis 3 % und bleibt über beide Medikationsphasen annähernd konstant, entsprechend einem
sich einstellenden Plasmaspiegel. Bei Faeces steigt die Ausscheidungsrate in beiden Medikationspha-
sen mit weitergehender Medikation stark an von 0 % bis 2 % am Anfang der Medikationsphasen über
31 % bis 40 % am zweiten Medikationstag bis auf 90 % bis 100 % nach sieben Medikationstagen.
Nach Einstellung eines bestimmten Plasmaspiegels wird nicht mehr so viel CTC resorbiert, was zu
einer erhöhten Ausscheidung von CTC über Faeces führt. Der ermittelte Verlauf der Ausscheidungsra-
ten entsprach dem, den KELLY et al. [349] an Ratten nach einmaliger oraler Verabreicherung von
C14-markiertem CTC fanden. Sie geben Ausscheidungsraten von 4 % in Urin und 10 % bis 24 % in
Faeces nach 24 h und nach 48 h 4 % in Urin und 72 % bis 79 % in Faeces an. Unterschiede in der
maximalen Ausscheidungsrate in Faeces können methodisch analytisch (Bestimmungsmethode, unge-
nügende Berücksichtigung von Metabolite) und tierphysiologisch (andere Tierarten) bedingt sein.
Über beide Medikationsphasen verteilt haben alle fünf Tiere insgesamt eine CTC-Wirkstoffmenge von
84,6 g aufgenommen, von der 1,7 g über Urin und 58,8 g über Faeces während der Medikationsphasen
wieder ausgeschieden wurden. Durchschnittlich haben die Tiere damit von der insgesamt zugeführten
Wirkstoffmenge bereits noch während der Medikation 2 % über Urin und 70 % über Faeces wieder
ausgeschieden. Es verbleibt eine CTC-Wirkstoffmenge von 24,4 g, entsprechend 28 % der applizierten
Menge, die entweder zwischen den beiden Medikationsphasen, in den zwei Wochen zwischen Abset-
zen der Medikation und Schlachtung der Tiere noch ausgeschieden wurde oder in den Tierkörpern bei
der Schlachtung verblieben ist. Die in diesem Versuch ermittelte Resorptionsrate von 30 % und Aus-
scheidungsrate von 70 % über Faeces stimmt gut mit den Angaben in der Literatur überein [2, 48, 74].
Wird über jedes einzelne Tier bilanziert, siehe Tab. 24, so zeigt sich, daß der Ausscheidungsgrad über
den gesamten Medikationszeitraum von CTC in Urin, ermittelt als Summe von CTC und e-CTC, mit
1 % bis 4 % sehr gering ist und kaum individuelle Unterschiede festzustellen sind.
Tab. 24: Bilanzierung über die zugeführte CTC-Wirkstoffmenge und ausgeschiedene Menge als CTC
und e-CTC bei den einzelnen Tieren
Ausscheidungsgrad
(Σ CTC + e-CTC) [%]
Tier
Applizierte CTC-
Wirkstoffmenge [g]
100 % Urin Faeces
verbleibender
Anteil der zugeführten
CTC-Menge
[%]
93 16,4 2 55 43
94 16,3 2 74 24
95 17,6 1 70 29
96 17,3 2 83 15
97 17,0 4 65 31
Die Ausscheidungsrate von CTC in Faeces liegt zwischen 55 % und 83 % und es lassen sich damit
deutlich stärker ausgeprägte individuelle Unterschiede erkennen als bei der Betrachtung der Ausschei-
dungsmengen, siehe Abb. 28. Während den dargestellten Ergebnissen in Abb. 28 lediglich die absolu-
5 Ergebnisse und Diskussion
88
te ausgeschiedene CTC-Menge zugrunde liegt, geht in die Berechnung des Ausscheidungsgrades die
tägliche zugeführte Arzneimittelmenge und damit auch indirekt das Körpergewicht mit ein.
Während der Medikation wurden zwischen 57 % und 85 % der zugeführten Wirkstoffmenge über Urin
und Faeces ausgeschieden. Die hierbei nicht erfaßten 15 % bis 43 % der zugeführte Wirkstoffmenge
können entweder während der Medikationspause oder der Wartezeit ausgeschieden worden sein oder
tatsächlich im Tier selbst verblieben sein.
In den Urin-, Faeces- und Plasmaproben kamen neben CTC und e-CTC auch iso-CTC und e-iso-CTC
sowie in Faeces zusätzlich Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC vor. Das im Rahmen der Haus Düsse-
Studie festgestellte weitere Produkt ist auch in den meisten Proben dieser Studie aufgetreten, siehe
Kap. 5.5. Es bleibt zu prüfen, inwiefern sich die im Rahmen dieser Bilanzierung erhaltenen Werte
unter Berücksichtigung der Metabolite erhöhen würden.
5.4.2.3 Schlachtproben
Die in den Schlachtproben der nach Ablauf der Wartezeit geschlachteten Tiere ermittelten CTC-
Gehalte als Summe von CTC und e-CTC sind in Tab. 25 dargestellt.
Tab. 25: CTC-Gehalte (
CTC und e-CTC) in Urin-, Faeces-, Plasma- und Schlachtproben der
Versuchstiere (Probenahme bei der Schlachtung, LC-MS/MS, n = 2)
Matrix Einheit Tier 93 Tier 94 Tier 96 Tier 97 MRL
Muskulatur µg/kg 4,2 3,3 3,4 3,8 100
Leber µg/kg 3,2 7,9 6,1 9,5 300
Niere µg/kg 19,6 15,3 16,6 23,0 600
Knochen mg/kg 26,1 24,8 21,3 21,8 --
Urin µg/L 253,4 418,5 70,1 -- --
Faeces mg/kg 0,8 2,2 1,1 0,8 --
Plasma µg/L 3,2 3,0 4,0 26,6 --
In den Knochenproben wurden die höchsten Gehalte gefunden. Mit durchschnittlichen Werten von
23,5 mg/kg liegen diese Knochengehalte höher als bei den Schweinen der Haus Düsse-Studie mit
Durchschnittswerten von 12,4 mg/kg, korrelieren aber mit der applizierten Wirkstoffmenge. Die
Schweine der Haus Düsse-Studie haben durchschnittlich 9,2 g CTC aufgenommen, die der FAL-
Studie 16,9 g.
In Urin, Faeces und Plasma können ebenfalls CTC nachgewiesen werden, wobei die Gehalte in Urin
und Plasma dieser Tiere deutlich höher liegen als bei den Tieren der Haus Düsse-Studie, da die
Schweine der FAL-Studie vierzehn Tage, die der Haus Düsse-Studie erst nach drei Monaten ge-
schlachtet worden sind. Die CTC-Gehalte in Muskulatur, Leber und Niere liegen unterhalb der MRL-
Werte, entsprechend früheren Befunden von MCEVOY et al. [320]. Bemerkenswert ist, daß die in
dieser Studie ermittelten Gehalte in Muskulatur, Leber und Niere sich kaum von den Werten unter-
scheiden, die bei den Proben der Haus Düsse-Studie nachgewiesen wurden, obwohl die Schlachtung
der Schweine in der Haus Düsse-Studie zehn Wochen später, bezogen auf den Zeitpunkt des Medika-
tionsendes, erfolgte.
In Muskulatur, Leber, Niere und Knochen konnten ebenfalls iso-CTC und e-iso-CTC sowie ein weite-
5 Ergebnisse und Diskussion 89
res Produkt, siehe Kap. 5.5, nachgewiesen werden. In Knochen waren darüber hinaus in Spuren auch
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC feststellbar.
5.4.2.4 Zusammenfassung
Die durchgeführten Untersuchungen zum Ausscheidungsverhalten von CTC, Gehalte ermittelt als
Summe von CTC und e-CTC, haben gezeigt, daß innerhalb der ersten drei Medikationstage die Au-
scheidungsmenge in Urin und Faeces steigt. Während die Ausscheidungsmenge in Faeces an den wei-
teren Medikationstagen annähernd konstant bleibt, nimmt sie in Urin wieder ab. Die Bilanzierungser-
gebnisse zeigen, daß von der applizierten Wirkstoffmenge nur 1 % bis 4 % über Urin und 55 % und 83
% über Faeces während der Medikation als CTC und e-CTC wieder ausgeschieden wird. In den
Schlachtproben der Tiere, die nach Ablauf der Wartezeit geschlachtet wurden, ließen sich ebenfalls
CTC-Gehalte feststellen, die jedoch unterhalb der MRL-Werte lagen. In Urin, Faeces, Plasma, Musku-
latur, Leber, Niere und Knochen konnten neben CTC und e-CTC die Metabolite iso-CTC und e-iso-
CTC, in Faeces und Knochen auch Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC nachgewiesen werden.
5.4.3 Ergebnisse der Studien und Konsequenzen
Die im Rahmen der Medikationsstudien durchgeführten Untersuchungen zum Ausscheidungsverhalten
von CTC in Urin haben gezeigt, daß die CTC-Gehalte nach Absetzen einer Medikation stark abfallen,
jedoch noch drei Monate nach der Medikation CTC und e-CTC feststellbar sind. Während über Urin
nur ein geringer Anteil von 1% bis 4 % ausgeschieden wird, erfolgt die hauptsächliche Ausscheidung
über Faeces zu 55 % bis 83 %. Einschränkend zu erwähnen ist, daß der CTC-Gehalt lediglich als
Summe von CTC und e-CTC ermittelt wurde und außerdem die Haltung der Schweine nach der Medi-
kation in der Gruppe ohne weitere Probenahmen bis zur Schlachtung erfolgt ist. Daher ist eine exakte
Bilanzierung unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. Die Untersuchung der Schlachtproben
ergab, daß nach Ablauf der Wartezeit die Gehalte in Muskulatur, Leber und Niere weit unterhalb der
MRL-Werte lagen. Aber auch nach einem dreimonatigen medikationsfreien Zeitraum finden sich in
diesen Matrices nur geringfügig niedrigere CTC-Gehalte. Weiterhin konnte gezeigt werden, daß auch
unbehandelte Schweine, die unter landwirtschaftlich üblichen Bedingungen gehalten werden, Antibio-
tikaspuren durch eine Arzneimittelverschleppung im Stall aufnehmen können. Es sei nochmals darauf
hingewiesen, daß auch Arzneimittelrückstände unterhalb der MRL-Werte Resistenzen fördern können,
wenn diese unterhalb der MHK-Werte liegen.
In Urin, Faeces, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen kamen neben CTC und e-CTC die
Metabolite iso-CTC und e-iso-CTC, in Faeces und Knochen auch in Spuren Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC vor. Weiterhin trat in vielen Proben ein weiteres Produkt mit dem Precursor-Ion
[M+H]+ von 479 und den Produkt-Ionen m/z 462 und 444 auf.
In den nachfolgenden Kapiteln wird eine Identifizierung des weiteren aufgetretenen Produktes ange-
strebt. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob es notwendig ist, bei der Ermittlung des CTC-
Gehaltes über die gesetzlich vorgeschriebene Regelung hinaus, die eine Bestimmung des CTC-
Gehaltes als Summe von CTC und e-CTC vorsieht, auch die weiteren aufgetretenen Metabolite mit
einzubeziehen. Um dies beurteilen zu können, ist zunächst untersucht worden, welche dieser Metaboli-
te in vitro und welche in vivo entstehen. Darüber hinaus spielt neben der Toxizität und der Fähigkeit
zur Resistenzbildung vor allem die antibiotische Wirkung bei der Entscheidung, welche Metabolite in
5 Ergebnisse und Diskussion
90
den CTC-Gehalt mit einbezogen werden müssen, eine große Rolle. Daher ist mittels Dreiplatten-Tests
die antibiotische Aktivität der nachgewiesenen Substanzen CTC, e-CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC
sowie e-Anhydro-CTC untersucht worden.
5.5 Identifizierung von Tautomeren
Die Tatsache, daß das zusätzlich auftretende Produkt genauso wie CTC das Precursor-Ion [M+H]+ mit
m/z 479 und die Produkt-Ionen mit m/z 462 und m/z 444 bildet, gibt deutliche Hinweise darauf, daß es
sich hierbei um ein Umwandlungsprodukt, also einem Strukturisomeren, handelt. Als mögliche Struk-
turisomere kommen bereits in der Literatur beschriebene tautomere Verbindungen von CTC in Be-
tracht.
Von verschiedenen Autoren wird das Auftreten von Keto-Enol-Tautomeren bei Chlortetracyclin be-
schrieben [136, 143, 149, 210, 321]. NAIDONG et al. untersuchten 1990 erstmals den strukturellen
Aufbau der Tautomere mittels HPLC-UV-NMR und bewiesen damit die Existenz derartiger Verbin-
dungen. Sie zeigten, daß eine Keto-Enol-Tautomerie am C11-, C11a- und C12-Atom stattfindet
(Struktur siehe Abb. 9) [149]. Aufgrund der β-Diketon-Struktur liegt CTC bevorzugt in der normaler-
weise weniger begünstigten Enol-Form unter Ausbildung einer vinylogen Carbonsäure vor. Dafür
verantwortlich ist die Ausbildung eines konjugierten Enols sowie eine intramolekulare Wasserstoff-
brücken-Bindung zwischen dem Enol-Wasserstoffatom und dem Sauerstoffatom der verbliebenen
Carbonylgruppe. NAIDONG et al. fanden in salzsaurer Lösung mit steigendem pH-Wert von 2 bis 4
eine Verschiebung des Keto-Enol-Gleichgewichtes in Richtung der Keto-Form, also dem β-Diketon.
Mit abnehmendem pH-Wert nimmt die Geschwindigkeit der Gleichgewichtseinstellung der Keto-
Enol-Tautomerie zu. Sie konnten jedoch nicht feststellen, welche Konfiguration das neu entstandene
asymmetrische Zentrum am C11a-Atom besitzt, so daß davon ausgegangen werden muß, daß mit
Ausbildung der Keto-Form ein Gemisch aus dem cis- und trans- β -Diketon vorliegt. Dieselben Auto-
ren wiesen Keto-Enol-Tautomere nur bei CTC und e-CTC, nicht jedoch bei iso-CTC und Anhydro-
CTC nach. Dies scheint insofern plausibel, da beim iso-CTC durch die Ausbildung des Lactons am
Ring C keine vinyloge Carbonsäure mehr vorliegt, siehe Kap. 3.5.3.2, und damit am C11a- und C12-
Atom die Keto-Form überwiegt. Die Entstehung des Anhydro-CTC ist nach der Eliminierung von
Wasser am C5a- und C6-Atom mit einer Verschiebung der Enolstruktur vom C11a- und C12-Atom
zum C11- und C11a-Atom und damit einer Aromatisierung des Ringes C verbunden, siehe Kap.
3.5.3.4, wodurch die Ausbildung der Keto-Form unterbunden wird. Nach NAIDONG et al. liegen in
verdünnter Salzsäure (0,01 moL/L) 20 % des CTC und 50 % des e-CTC als Keto-Form vor. Bei An-
wesenheit von Methanol im Lösungsmittel verschiebt sich das Gleichgewicht in Richtung Enol-Form,
also vinyloger Carbonsäure. Verschiedene eigene Untersuchungen legen unter Zugrundelegung der
Ergebnisse von NAIDONG et al. die Vermutung nahe, daß es sich bei der in den Proben vielfach fest-
gestellten unbekannten Komponente um die Keto-Form von e-CTC handelt:
5 Ergebnisse und Diskussion 91
Stabilitätsuntersuchungen der einzelnen Verbindungen CTC, e-CTC und iso-CTC in Me-
OH/Fließmittel A (50/50) (v/v) belegen, daß die unbekannte Komponente in schwach saurer me-
thanolischer Lösung nur aus CTC und e-CTC, nicht aber aus iso-CTC entsteht. Dabei ist die Peak-
fläche größer, wenn als Ausgangssubstanz e-CTC anstelle von CTC eingesetzt wird. Allerdings
sind in diesem Lösungmittel die Epimerisierung und Tautomerie konkurrierende Reaktionen. Dies
bedeutet, daß nicht eindeutig festgestellt werden kann, ob die unbekannte Komponente aus CTC
oder aus e-CTC entstanden ist.
Eine alkalische Behandlung von aufgearbeiteten Muskulaturproben, siehe Kap. 5.8.2.3, in denen
die Substanzen CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC und das unbekannte Strukturisomer nachgewie-
sen werden konnten, führt zur Auslöschung von CTC, e-CTC sowie des Peaks der unbekannten
Substanz. Dies deutet ebenfalls auf eine Keto-Form von CTC oder e-CTC hin, die im alkalischen
Milieu ebenfalls isomerisiert.
In salzsaurer Lösung entstehen sowohl aus CTC als auch aus e-CTC neben Spuren von Anhydro-
und e-Anhydro-CTC zusätzliche Substanzen. Unter diesen Bedingungen kann eine Epimerisierung
ausgeschlossen werden, siehe Kap. 5.2.2.8.
Ein Vergleich der relativen Peakflächen läßt erkennen, daß aus e-CTC größere Anteile der neuen
Komponente entstehen als aus CTC. Dies entspricht den Ergebnissen von NAIDONG et al., nach
dem sich e-CTC deutlich stärker in das β-Diketon umwandelt als CTC.
In salzsaurer Lösung ist die Peakfläche der unbekannten Komponente höher als in methanolischer
Lösung, bestehend aus MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v). Auch NAIDONG et al. stellten bei
50%igem Zusatz von Methanol zur Säure eine Verschiebung des Keto-Enol-Gleichgewichtes in
Richtung der Enol-Form, also der vinylogen Carbonsäure, fest.
Abb. 29: a) UV-Chromatogramm von CTC und e-CTC sowie der Keto-Verbindungen in 1 moL/L HCl
(β = 10 mg/L), UV-Spektren von CTC, keto-CTC (b), e-CTC und keto-e-CTC (c); UV-
Spektren von CTC, keto-CTC (d), e-CTC und keto-e-CTC (e) von NAIDONG et al. [149]
250 300 350 400
nm
0
100
%
CTC
250 300 350 400
nm
0
100
%
keto-CTC
e-CTC
keto-e-CTC
Zeit
[min]
468101214
0
100
[%]
CTCe-CTC
keto-CTC
keto-e-CTC
250
250
300
300
350
350
400
400
nm
nm
CTC
keto-CTC
keto-e-CTC
e-CTC
250 300 350 400
nm
0
100
%
CTC
250 300 350 400
nm
0
100
%
keto-CTC
e-CTC
keto-e-CTC
Zeit
[min]
468101214
0
100
[%]
CTCe-CTC
keto-CTC
keto-e-CTC
Zeit
[min]
468101214
0
100
[%]
CTCe-CTC
keto-CTC
keto-e-CTC
468101214
0
100
[%]
CTCe-CTC
keto-CTC
keto-e-CTC
250
250
300
300
350
350
400
400
nm
nm
CTC
keto-CTC
keto-e-CTC
e-CTC
a) b)
c)
d)
e)
5 Ergebnisse und Diskussion
92
Ein Vergleich der normierten UV-Spektren der nachgewiesenen Substanzen mit den UV-Spektren von
NAIDONG et al. gibt jedoch deutliche Hinweise auf die Keto-Form von CTC und e-CTC (siehe Abb.
29) [149]. Die UV-Spektren der Keto-Form von CTC und e-CTC unterscheiden sich erheblich von
denen der Enol-Form. Die durch eigene Untersuchungen ermittelten UV-Spektren der unbekannten
Substanzen entsprechen denen von NAIDONG et al., so daß davon ausgegangen werden kann, daß es
sich bei den zusätzlich auftretenden Strukturisomeren um keto-CTC und keto-e-CTC handelt.
Durchgeführte massenspektrometrische Untersuchungen der unbekannten Komponenten unterstützen
die Annahme einer Keto-Form von CTC oder e-CTC. Die Produkt-Ion-Scans von CTC, e-CTC, iso-
CTC, e-iso-CTC und des unbekannten Stereoisomeres lassen eine Unterscheidung anhand des Frag-
mentierungsmusters zu. In Abb. 30 sind die Produkt-Ionen-Scans von e-CTC, e-iso-CTC und e-keto-
CTC gegenübergestellt. Es wurden die epimeren Verbindungen gewählt, da e-CTC in höherem Aus-
maß zum keto-e-CTC tautomerisiert als CTC zum keto-CTC.
Abb. 30: Produkt-Ion-Scans des Precursor-Ions m/z 479 von e-CTC, e-iso-CTC und keto-e-CTC
(MS/MS-Bedingungen: Kapillar-Spannung: 3,5 kV, Cone-Spannung: 20 V, Kollisionsener-
gie: 30 eV)
Das Fragmentierungsmuster von CTC, e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC wurde bereits in Kap. 5.2.1.2
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
444
[M + H - NH3 -H
2O]+
371
[M + H - NH3-H
2O - 73]+
462
[M + H - NH3]+
e-CTC
154
[M + H - 325]+
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
462
[M + H - NH3]+
197
[M + H - 282]+
OH
Cl
O
O
CH3
CONH2
OH
OHO
HN(CH3)2
O
C13H17N2O5 281.11C9H6O3Cl 197.00
+
e-iso-CTC
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
462
[M + H - NH3]+
444
[M + H - NH3 -H
2O]+
198
[M + H - 281]+
CONH2
OH
OHO
HN(CH3)2
O
OH
ClHO CH3
O
C13H16N2O5 280.11C9H7O3Cl 198.01
+
keto-e-CTC
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
444
[M + H - NH3 -H
2O]+
371
[M + H - NH3-H
2O - 73]+
462
[M + H - NH3]+
e-CTC
154
[M + H - 325]+
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
444
[M + H - NH3 -H
2O]+
371
[M + H - NH3-H
2O - 73]+
462
[M + H - NH3]+
e-CTC
154
[M + H - 325]+
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
462
[M + H - NH3]+
197
[M + H - 282]+
OH
Cl
O
O
CH3
CONH2
OH
OHO
HN(CH3)2
O
C13H17N2O5 281.11C9H6O3Cl 197.00
+
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
462
[M + H - NH3]+
197
[M + H - 282]+
OH
Cl
O
O
CH3
CONH2
OH
OHO
HN(CH3)2
O
C13H17N2O5 281.11C9H6O3Cl 197.00
+
e-iso-CTC
100 200 300 400 500
m/z
0
100
%
462
[M + H - NH3]+
444
[M + H - NH3 -H
2O]+
198
[M + H - 281]+
CONH2
OH
OHO
HN(CH3)2
O
OH
ClHO CH3
O
C13H16N2O5 280.11C9H7O3Cl 198.01
+
keto-e-CTC
5 Ergebnisse und Diskussion 93
erläutert, so daß in diesem Zusammenhang nur die Unterschiede in der Fragmentierung der einzelnen
Verbindungen verdeutlicht werden. Insbesondere ist auf das nur bei iso-CTC und e-iso-CTC auftre-
tende Produkt-Ion mit m/z 197 hinzuweisen. Für dieses Produkt-Ion kann die in Abb. 30 dargestellte
Spaltung der Ausgangsverbindung postuliert werden. Bei der Kollision des unbekannten Sterioisomers
ist ein Produkt-Ion mit m/z 198 entstanden, dessen Bildung aus CTC bzw. e-CTC nur bei Vorliegen
der β-Diketon-Form wahrscheinlich ist, da eine Spaltung der Ringe B und C bei Vorliegen einer viny-
logen Carbonsäure am C11-, C11a- und C12-Atom aufgrund des konjugierten Systems und der Aus-
bildung eines relativ spannungsfreien sechsgliedrigen Ringes über Wasserstoffbrückenbindung als
wenig günstig erscheint. Deshalb kann davon ausgegangen werden, daß es sich bei Auftreten des Pro-
dukt-Ions mit m/z 198 um die Keto-Form von CTC oder e-CTC handelt. Tritt dieses Produkt-Ion nicht
auf, ist auf die Enol-Form zu schließen.
Auf diese Art und Weise ist erstmals auch eine massenspektrometrische Unterscheidung der Keto-
Enol-Tautomere möglich. Die durchgeführten Untersuchungen erlauben jedoch keine Aussage dar-
über, ob bei den Keto-Formen das H-Atom des C11a-Atoms cis- oder trans-ständig zum H-Atom des
C5a-Atoms steht.
5.6 In vitro- und in vivo-Bildung von Metaboliten des CTC
5.6.1 In vitro-Bildung
In der Literatur werden in Abhängigkeit vomsungsmittel und vom pH-Wert, die Bildung verschie-
dener Abbauprodukte von CTC beschrieben (siehe Kap. 3.5.3) [37, 126, 122, 136, 137, 149, 150].
Nach den Angaben in der Literatur entsteht unterhalb pH 1 das Anhydro-CTC und oberhalb pH 8 das
iso-CTC. Im schwach sauren Milieu (pH 2-6) epimerisieren CTC, iso-CTC und Anhydro-CTC. In
salzsaurer Lösung lassen sich die Keto-Enol-Tautomere von CTC chromatographisch nachweisen. Bei
den Epimerisierungsreaktionen sowie den Keto-Enol-Tautomerien handelt es sich um Gleichgewichts-
reaktionen, dagegen ist die Bildung von iso-CTC und Anhydro-CTC aus CTC irreversibel.
Um zu überprüfen, welche Abbauprodukte in saurer methanolischer Lösung, entsprechend der Kali-
brierlösung für CTC und e-CTC, entstehen können, wurden analog Kap. 5.2.1.3 die Abbaureaktionen
einzeln von CTC-, e-CTC-, iso-CTC-, Anhydro-CTC- und e-Anhydro-CTC in MeOH/Fließmittel A
(50/50) (v/v) (pH 2,8) (ß = 10 mg/L) bei einer Temperatur von 40 °C über einen Zeitraum von 60 h
verfolgt. Aus iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC entstehen ausschließlich die jeweiligen
Epimere. Dies entspricht den Angaben in der Literatur, wonach es sich bei der Bildung von iso-CTC
und Anhydro-CTC aus CTC um irreversible Reaktionen handelt.
CTC und e-CTC zeigten neben der bei diesem pH-Wert erwarteten Epimerisierung zusätzlich die Ent-
stehung von iso-CTC, e-iso-CTC und keto-e-CTC (siehe Abb. 31). CTC tendiert deutlich geringer
dazu, Keto-Enol-Tautomere zu bilden, siehe Kap. 5.5, möglicherweise würde aber ein entprechender
Peak mit dem iso-CTC-Peak, siehe Abb. 29 und Abb. 31 koeluieren. Dies könnte der Grund sein,
warum im Produkt-Ion-Scan von iso-CTC in Spuren das Produkt-Ion mit m/z 444 auftritt, welches aus
iso-CTC nicht entstehen kann. Allerdings konnte das für keto-CTC charakteristische, aber auch weni-
ger intensive Produkt-Ion mit m/z 198 nicht mehr nachgewiesen werden. Damit kann eine mögliche
Bildung von keto-CTC als vernachlässigbar eingestuft werden.
Entgegen den Literaturangaben werden also iso-CTC und e-iso-CTC nicht nur im alkalischen Milieu,
5 Ergebnisse und Diskussion
94
sondern auch in saurer methanolischer Lösung bei pH 2,8 gebildet. Darüber hinaus können unter die-
sen Bedingungen auch Tautomere von e-CTC entstehen.
Abb. 31: MS-Chromatogramm (TIC) von CTC und Metabolite nach Lagerung einer CTC-Lösung in
MeOH/Fließmittel A (pH 2,8) (β = 10 mg/L) über 60 h bei einer Temperatur von 40 °C
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß unter den üblichen Bedingungen der Probenvorbereitung
bei Raumtemperatur eine Isomerisierung von CTC in Lösung zwar unwahrscheinlich ist, wie die Wie-
derfindungsversuche mit Standardlösungen in Kap. 5.2.2.3 ergaben, jedoch bei höheren Temperaturen
nicht auszuschließen ist. Die Stabilitätsuntersuchungen von CTC und e-CTC haben gezeigt, daß in
saurer methanolischer Lösung bei einer Temperatur von 40 °C neben den isomeren Verbindungen
auch keto-e-CTC gebildet wird. Die Produkte Anhydro-CTC, e-Anhydro-CTC und keto-CTC entste-
hen in vitro unter diesen Bedingungen nicht.
5.6.2 In vivo-Bildung
Eine in vivo-Bildung von Umwandlungs- und Abbauprodukten des CTC in Muskulatur, Eiern, Plasma
und Niere wurde bereits von verschiedenen Autoren diskutiert [143, 178, 210, 322, 323]. Nach PETZ
et al. beträgt die Epimerisierungsrate während der Aufarbeitung für CTC in Muskulatur im Rahmen
einer Laborvergleichsuntersuchung im Durchschnitt 10-15 %, in Niere bis zu 40 %, wobei die Proben-
vorbereitung auf dem Verfahren von FARRINGTON et al. bzw. auf der § 35 LMBG-Methode basiert
[224, 226] und sowohl eine Metall-Chelat-Affinitäts-Extraktion als auch eine Festphasenextraktion
umfaßt. Nach KÜHNE et al. beträgt die Epimerisierungsrate von CTC in dotierten Muskulaturproben
nach der Probenvorbereitung durch Extraktion mit Phosphat-Puffer und anschließender Festphasenex-
traktion 24,1 %. Im Gegensatz ermittelten sie in gewachsenen Muskulaturproben eine Epimerisie-
rungsrate von 41,6 %, was auf eine zusätzliche in vivo-Bildung von e-CTC schließen läßt [322]. Ähn-
liche Ergebnisse haben ZURHELLE et al. [178] und BLANCHFLOWER et al. [210] erhalten. Letztge-
nannte Arbeitsgruppe beschreibt die in vivo-Bildung von e-CTC sowie der Tautomere in Muskulatur
und schließt eine in vitro-Bildung dieser Produkte aus, wobei die Extraktion mit Glycin-Puffer und
anschließend eine Festphasenextraktion durchgeführt wurde. ZURHELLE et al. wenden eine on-line-
Dialyse und on-line Festphasenextraktion für die Aufarbeitung von Hühnereiern an und schließen
keto-e-CTC
e-iso-CTC
iso-
CTC
CTC
e-CTC
2 4 6 8 10 12 14
Zeit [min]
0
100
[%]
MRM of 6 Channels ES+
TIC
keto-e-CTC
e-iso-CTC
iso-
CTC
CTC
e-CTC
2 4 6 8 10 12 14
Zeit [min]
0
100
[%]
MRM of 6 Channels ES+
TIC
MRM of 6 Channels ES+
TIC
5 Ergebnisse und Diskussion 95
sowohl die Bildung von e-CTC als auch von iso-CTC und e-iso-CTC in vitro aus. Die in den Eierpro-
ben nachgewiesenen e-CTC-, iso-CTC- und e-iso-CTC-Gehalte waren demnach ausschließlich in vivo
entstanden.
Um zu beurteilen, in welchem Maße weitere Metabolite unter dem in dieser Arbeit entwickelten Ana-
lysenverfahren in vitro und in vivo entstanden sind, wird die Epimerisierungrate von dotierten Proben
mit der von gewachsenen Proben für die Matrices Urin, Plasma, Faeces, Muskulatur, Leber und Niere
verglichen (siehe Tab. 26). Die Extraktion CTC dotierter Pufferlösungen, also ohne biologische Ma-
trix, führt zu Epimerisierungsraten von etwa 17 %, siehe Kap. 5.2.2.3.
Tab. 26: Epimerisierungsrate von CTC in CTC-dotierten und gewachsenen biologischen Proben (LC-
MS/MS, n = 12)
% e-CTC
dotierte Proben (n = 6)
Matrix
10 µg/ kg
oder L
100 µg/ kg
oder L
Mittelwert
dotierte Proben
(n = 12)
gewachsene Proben
(n = 12)
Muskulatur 13 17 15 42
Leber 28 26 27 33
Niere 30 26 28 24
Urin 27 31 29 43
Faeces 11 12 12 34
Plasma 30 24 27 35
Knochen nicht bestimmt 22
Den in Tab. 26 angegebenen Epimerisierungsraten für dotierte Matrixproben liegen die Ergebnisse
aus Tab. 21 zu Grunde, die sich auf Wiederfindungsstudien mit auf zwei Konzentrationsstufen dotier-
tem Probenmaterial beziehen. Für die Angaben der gewachsenen Proben wurden die ermittelten Ge-
halte in den Schlachtproben der Haus Düsse-Studie, siehe Tab. 22, herangezogen. Es zeigte sich, daß
die Epimerisierungsrate unabhängig von der Konzentration ist, sondern vielmehr von der Matrix sowie
den äußeren Einflüssen während der Probenvorbereitung wie Zeitdauer der Aufarbeitung und Tempe-
ratur abhängt. PETZ et al. stellten ebenfalls bei einer Laborvergleichsuntersuchung für verschiedene
Tetracyclin-Derivate in Muskulatur und Niere fest, daß die Epimerisierungsrate von den äußeren La-
borbedingungen abhängt [323].
Die Epimerisierungsrate liegt in dotierten Matrixproben mit Werten zwischen 15 bis 29 % bereits hö-
her als in dotierten Pufferlösungen, die 10 % bis 14 % e-CTC enthalten. In gewachsenen Proben wer-
den nochmals höhere Epimerisierungsraten mit Werten zwischen 22 % und 43 % gefunden. Nur bei
der Matrix Niere ergeben sich vergleichbar große Epimerisierungsraten sowohl bei dotiertem als auch
gewachsenem Probenmaterial. Ein Vergleich der Epimerisierungsrate in dotierten Matrixproben mit
denen in gewachsenen Proben deutet auf eine in vivo-Bildung von e-CTC hin, da die relativen Anteile
in gewachsenen Proben größer sind als in dotierten. In Abhängigkeit von den Bedingungen der Pro-
benvorbereitung (z.B. Dauer, Temperatur) enthalten Meßlösungen, wie bereits erwähnt, nach der Pro-
benvorbereitung von mit CTC dotierten Pufferlösungen 10 bis 14 % e-CTC, aber kein keto-e-CTC,
iso-CTC und e-iso-CTC. In dotierten biologischen Proben konnten nur sehr geringe Gehalte an keto-e-
5 Ergebnisse und Diskussion
96
CTC, iso-CTC und e-iso-CTC nachgewiesen werden, so daß davon ausgegangen werden kann, daß
diese Produkte überwiegend in vivo entstehen. In Faeces und Knochen wurden in geringen Mengen
auch Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC nachgewiesen. Dabei handelt es sich in Faeces um in vivo
gebildete Abbauprodukte, da weder bei der Probenvorbereitung mit dotierten Pufferlösungen noch mit
dotierten Matrixproben diese Produkte entstanden sind. In Knochen kann die Bildung von Anhydro-
CTC und e-Anhydro-CTC sowohl in vivo als auch in vitro durch die Extraktion mit Salzsäure erfolgt
sein.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß e-CTC sowohl in vivo als auch in vitro entsteht, aber iso-
CTC und e-iso-CTC hauptsächlich in vivo. Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC spielen als Abbaupro-
dukte eine untergeordnete Rolle, da sie lediglich in Faeces und Knochen in Spuren nachweisbar sind.
In Faeces werden Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC in vivo gebildet, in Knochen sowohl in vitro als
auch in vivo.
5.7 Antibiotische Aktivitäten
5.7.1 Agar-Diffusionstest
Zur Beurteilung der antibiotischen Aktivität von CTC und seinen Umwandlungs- und Abbauproduk-
ten wurden Standardlösungen der Substanzen CTC, e-CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-
CTC mittels Agar-Diffusionstest unter Zugrundelegung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV
Fleischhygiene) [324] und der DIN 58940 [325] untersucht. Bei dem Agar-Diffusionstest handelt es
sich um ein Screening-Verfahren, das in Deutschland als Dreiplattentest (DPT) zur Untersuchung auf
antibakteriell wirksame Stoffe (Hemmstoffe) eingesetzt wird. Neben diesem DPT-Test wird häufig
auch der EG-Vierplatten-Test eingesetzt, bei dem zusätzlich eine weitere Agar-Platte, pH 8, beschickt
mit Micrococcus luteus als Testkeim, verwendet wird. Der DPT kann für die Untersuchung von Ge-
webeproben sowie für flüssige Proben mit Nachweisgrenzen zwischen 30 und 190 µg/L oder µg/kg
eingesetzt werden [145, 324, 325, 326]. Unter dem Agar-Diffusionstest wird eine mikrobiologische
Untersuchungsmethode verstanden, bei der sich durch die Diffusion eines Wirkstoffes in festen be-
impften Kulturmedien wachstumsfreie Hemmhöfe ergeben. Beim DPT werden Agar-Nährboden-
Platten auf die pH-Werte 6, 7.2 und 8 eingestellt und mit Bacillus subtilis BGA als Testkeim be-
schickt. Die zu untersuchende Probe wird auf die Agar-Platten aufgebracht und bei einer Temperatur
von 30 °C 18 bis 24 Stunden bebrütet [324].
Für die Untersuchung von Lösungen mit dem Agar-Diffusions-Test gibt es zwei Möglichkeiten der
Durchführung. Die Lösungen können entweder mittels Testblättchen auf den Agar aufgebracht werden
oder aber in ausgestanzte Löcher hineingegeben werden. Die Nachweisgrenze für den „Agarlochtest“
liegt mit 0,044 mg/L deutlich unterhalb derer für den „Blättchentest“ mit 0,19 mg/L und ist deshalb
vorzuziehen [327]. Während der Bebrütung diffundieren Hemmstoffe in den Nährboden und verursa-
chen in der Umgebung der Probe eine Wachstumshemmung. Diejenige Fläche, die sich aufgrund der
Diffusion des Wirkstoffes in das Kulturmedium als wachstumsfreie Zone zeigt, wird als Hemmhof
bezeichnet. Die Auswertung des Testes erfolgt durch Ausmessen der Hemmzonenbreite zwischen dem
Rand der aufgegebenen Probe und der Wachstumsgrenze des Testkeimes. Der Hemmhof wird angege-
ben als Radius in vollen mm. Je nach Größe des Hemmhofes wird als Beurteilungskriterium die Ein-
stufung: positiv ( 2 mm), zweifelhaft (1-2 mm) oder negativ (< 1mm) vorgenommen. Der Radius
5 Ergebnisse und Diskussion 97
wird bei der Agar-Loch-Methode vom Rand des ausgestanzten Lochs bis zum Beginn der Bakterien-
kolonnie gemessen.
Bei der Auswahl eines geeigneten Lösungsmittels ist zu beachten, daß auch Lösungsmittel eine hem-
mende Wirkung im Hemmstofftest zeigen können, z. B. ist bekannt, daß das Vorhandensein von Des-
infektionsmitteln in der Probe zu falsch positiven Ergebnissen führen kann. Daher wurden zunächst
verschiedene Lösungsmittel mittels der Agar-Loch-Methode auf eine hemmende Wirkung im DPT
untersucht, wobei sich Fließmittel A als ungeeignet erwies, als optimales Lösungsmittel ergab sich
Methanol. Zur Prüfung der hemmenden Wirkung von CTC und seiner Umwandlungs- und Abbaupro-
dukte wurden methanolische Lösungen von CTC, e-CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-
CTC hergestellt und mittels dem DPT und der Agar-Loch-Methode untersucht. Die Konzentrationen
wurden so gewählt, daß sich gut auswertbare Hemmhöfe ergaben. In der Allgemeinen Verwaltungs-
vorschrift [324] werden für eine Aufgabemenge von 0,01 µg ein Hemmhof von 7-9 mm für CTC an-
gegeben. Da erwartungsgemäß die Metabolite von CTC eine geringere hemmende Wirkung zeigen
sollten, siehe Kap. 3.5.3, wurden erheblich höhere Mengen der entsprechenden Substanzen von 2,5 µg
aufgetragen. In Tab. 27 sind die mittels DPT und der Agar-Loch-Methode erhaltenen Hemmhöfe für
die einzelnen Substanzen zusammengefaßt.
Tab. 27: Untersuchung von CTC, e-CTC, Anhydro-CTC, e-Anhydro-CTC und iso-CTC in methanoli-
scher Lösung mittels DPT (Agar-Loch-Methode) (n = 8)
Aufgabemenge: 2,5 µg
pH 6 pH 7,2 pH 8
Substanz
Hemmhof [mm]
CTC 23 20 11
e-CTC 13 10 5
Anhydro-CTC 17 14 8
e-Anhydro-CTC 9 7 3
iso-CTC 0 0 0
Die Ergebnisse belegen, daß außer dem iso-CTC alle Substanzen eine hemmende Wirkung im DPT
zeigen. Anhydro-CTC besitzt im Vergleich zum CTC eine verminderte antibiotische Wirkung um
30 % bis 40 %. Ebenso zeigen die jeweiligen Epimere im Vergleich zu ihren Muttersubstanzen, also
e-CTC und e-Anhydro-CTC im Vergleich zu CTC und Anhydro-CTC, eine um die Hälfte
abgeschwächte antibiotische Aktivität. Diese Untersuchungen widerlegen eindeutig die in der Literatur
häufig getroffene Behauptung der antibiotischen Unwirksamkeit von e-CTC sowie der Anhydro-
Verbindungen [48, 49, 57, 138].
Verschiedene Studien aus neuerer Zeit belegen, ebenso wie die eigenen Untersuchungen, die besonde-
re Bedeutung der Metabolite e-CTC, Anhydro-CTC sowie e-Anhydro-CTC hinsichtlich der antibioti-
schen Wirksamkeit, dagegen ist iso-CTC bezüglich der antibiotischen Wirkung bedeutungslos [124,
143, 145, 328]. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde weiterhin festgestellt, daß mit steigendem
pH-Wert die Hemmzonen abnehmen, entsprechend dem Wirkungsoptimum von CTC bei einem pH-
Wert von 6,1-6,6 (siehe Kap. 3.3), was deutliche Hinweise auf mögliche Abbaureaktionen während
5 Ergebnisse und Diskussion
98
des Agar-Diffusionstestes gibt.
5.7.2 Bildung von Abbauprodukten während des Agar-Diffusionstests
Ziel dieser Untersuchung war es, mögliche Abbaureaktionen der antibiotisch aktiven Substanzen CTC,
e-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC während der Testdauer aufzudecken. Entsprechende Un-
tersuchungen wurden bereits von HALLING-SØRENSEN et al. durchgeführt [328], die feststellten, daß
es während der Durchführung des Toxizitätstestes (Hemmstofftest) nach ISO 15522, bei dem ebenfalls
Agar-Platten eingesetzt werden, zu einem Abbau der Substanzen CTC, e-CTC und e-Anhydro-CTC
kommt und die Wiederfindungen dieser Produkte nach dem Test zwischen 82 % und 91 % liegen,
wobei ein Verlust von Substanzen während des Testes von bis zu 20 % allgemein akzeptiert wird.
Zur Untersuchung von Abbaureaktionen während des DPT wurde der Test mit methanolischen Stan-
dardlösungen von CTC, e-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC und unterschiedliche Bebrü-
tungszeiten von 1, 2, 3, 18, 20, 22 und 24 Stunden durchgeführt, der resultierende Hemmhof gemes-
sen, die Agar-Platten mit Methanol extrahiert und die so erhaltenen methanolischen Extrakte mittels
LC-MS/MS analysiert. Eine vollständige Extraktion der Analyten aus den Agar-Platten nach dem
Test, also nach Diffusion der Substanzen in die Platten, kann hierbei nicht gewährleistet werden, da
nicht die gesamten Agar-Platten mit Methanol extrahiert wurden, sondern nur der Agarbereich, bei
dem ein Hemmhof entstanden ist. Die durchgeführten Untersuchungen mittels DPT ergaben, daß sich
innerhalb der ersten drei Stunden kein Hemmhof ausgebildet hatte. Nach Bebrütungszeiträumen von
18, 20, 22 und 24 Stunden haben sich jeweils identische Hemmhöfe ergeben, die den in Tab. 27 ange-
geben Radien entsprachen. Die LC-MS/MS-Untersuchungen der methanolischen Extrakte zeigten, daß
aus Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC während der gesamten Bebrütungszeit keine Abbauprodukte
entstanden. Aus CTC und e-CTC wurden, wie erwartet, in hohem Maße die isomeren Verbindungen
gebildet. Entgegen den Erwartungen konnte im Falle von e-CTC neben der Bildung von iso-CTC auch
geringfügig eine Epimerisierung zum CTC sowie eine Tautomerisierung zum keto-e-CTC beobachtet
werden. Die schnellere Bildung der antibiotisch inaktiven isomeren Verbindungen während des Testes
kann Ursache für die mit dem DPT festgestellten geringeren Hemmzonen und damit geringere antibio-
tische Aktivität von e-CTC im Vergleich zum CTC sein. Im Gegensatz dazu wurde beim CTC als
Umwandlungsprodukt nur das Isomere, also iso-CTC, nachgewiesen. Da die isomeren Verbindungen
von CTC und e-CTC antibiotisch inaktiv sind, führt dies zu einer verminderten Hemmwirkung im
DPT.
Eine Aussage über das Maß des Abbaus während der Testdauer ist aufgrund der nicht vollständigen
Extraktionsausbeute schwierig. Für die Untersuchung von CTC kann jedoch das Verhältnis der Kon-
zentration von iso-CTC zu CTC als Maß für die Abbaurate herangezogen werden, da ausschließlich
dieses Produkt entstanden ist. Liegt dieser Quotient unterhalb von 0,2, so liegt die Abbaurate in dem
allgemein akzeptierten Rahmen von 20 % [328], oberhalb dessen ist von einer signifikanten Verfäl-
schung des Ergebnisses auszugehen. Beim e-CTC kann diesbezüglich keine Aussage getroffen wer-
den, da eine Quantifizierung aller entstandenen Produkte nicht möglich ist und damit auch kein ent-
sprechender Quotient berechnet werden kann. Die für CTC ermittelten Quotienten belegen, daß es in
Abhängigkeit vom pH-Wert rasch zu einem signifikanten Abbau von CTC während der Durchführung
des DPT kommt, siehe Abb. 32.
5 Ergebnisse und Diskussion 99
0
0,08 0,11 0,14
0,39 0,41 0,43
0,48
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0 1 2 3 18 20 22 24
pH 6
Bebrütungsdauer [h]
Quotient (iso-CTC/CTC)
01,07 2,62 3,54
150,70
166,84 165,55
194,16
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
0 1 2 3 18 20 22 24
pH 8
Bebrütungsdauer [h]
Quotient (iso-CTC/CTC)
00,39 0,90 1,23
11,06
13,40
22,14
23,96
0
5
10
15
20
25
0 1 2 3 18 20 22 24
pH 7,2
Bebrütungsdauer [h]
Quotient (iso-CTC/CTC)
Abb. 32: Berechnete Quotienten (Verhältnis der Konzentration von iso-CTC:CTC) nach Durchfüh-
rung des DPT mit unterschiedlicher Bebrütungsdauer
Bei pH 6 wird nach 18 h der Grenzwert von 0,2 überschritten, bei pH 7,2 und 8 bereits nach einer
Bebrütungsdauer von einer Stunde. Deutlich zu erkennen ist, daß mit steigendem pH-Wert die Um-
wandlung von CTC ins Isomere zunimmt. Bei pH 8 ist CTC fast vollständig umgewandelt worden.
Aus der Umwandlung von CTC in iso-CTC resultiert eine Abnahme der antibiotischen Aktivität, da
die isomeren Verbindungen keine hemmende Wirkung zeigen. Möglicherweise kann diese Tatsache
auch zu falsch negativen Ergebnissen führen. Bemerkenswert ist, daß trotz zunehmender Umwandlung
von CTC in iso-CTC nach einer Bebrütungszeit von 18 h bis 24 h der gemessene Hemmhof nach den
entsprechenden Testzeiträumen identisch ist.
5 Ergebnisse und Diskussion
100
5.7.3 Zusammenfassung der Ergebnisse und Konsequenzen
Das in den Proben der Medikationstudien aufgetretene, zunächst unbekannte Produkt konnte als keto-
e-CTC identifiziert werden. Zur Beurteilung, welche Metabolite in die Ermittlung des CTC-Gehaltes
mit einbezogen werden müssen, wurde nachfolgend untersucht, welche Metabolite in vitro und welche
in vivo entstehen. Weiterhin wurde die antibiotische Aktivität von CTC, e-CTC, Anhydro-CTC, e-
Anhydro-CTC und iso-CTC geprüft. Als wichtigstes Umwandlungsprodukt ist das e-CTC zu nennen,
welches sowohl in vitro zwischen 12 % und 29 % auch in vivo zwischen 6 % und 27 % entsteht. Das
e-CTC zeigt zwar im Vergleich zum CTC eine antibiotische Wirkung von 50 %, aber eine um den
Faktor 300 höhere Fahigkeit, Resistenzen auszubilden (siehe Kap. 3.4.1). Dies verdeutlicht die Wich-
tigkeit, e-CTC bei der Ermittlung des CTC-Gehaltes zu berücksichtigen. Die Umwandlungsprodukte
iso-CTC und e-iso-CTC entstehen nicht unter den üblichen in vitro-Bedingungen der Probenvorberei-
tung. Sie werden in überwiegendem Maße in vivo gebildet. Jedoch können diese Produkte bei bei hö-
heren Temperaturen auch in Lösung vorkommen. Iso-CTC und e-iso-CTC zeigen keine antibiotische
Wirkung und besitzen im Vergleich zum CTC nur eine geringfügige Fähigkeit, Resistenzen auszubil-
den [328]. Über die Toxizität dieser Verbindungen ist wenig bekannt. Da nicht vollständig ausge-
schlossen werden kann, daß diese Verbindungen auch während der Probenvorbereitung, also in vitro,
entstehen, sind diese Substanzen bei der Ermittlung des CTC-Gehaltes mit zu berücksichtigen. Als
weiteres Umwandlungsprodukt tritt das keto-e-CTC auf. Es wurde gezeigt, daß dieses Tautomer ü-
berwiegend in vivo, aber auch in vitro entstehen kann. Ein Vergleich der Peakfläche von keto-e-CTC
und den anderen nachgewiesenen Substanzen (siehe Abb. 26) zeigt, daß dieses Umwandlungsprodukt
eher eine geringe Rolle spielt. Ebenfalls eine untergeordnete Rolle spielen die Abbauprodukte Anhy-
dro-CTC und e-Anhydro-CTC, da diese in biologischen Proben nur in geringer Menge in Faeces und
Knochen vorkommen. Aufgrund ihrer antibiotischen Aktivität, die 60 % bis 70 % der des CTC beträgt
und ihrer hohen Humantoxizität, siehe Kap. 3.5.3.4, sowie der Tatsache, daß Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC in Knochen auch in vitro entstehen können, ist aber eine Quantifizierung dieser Sub-
stanzen trotzdem erforderlich. Dies wird unterstützt durch die Eigenschaft von Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC, in der im Vergleich zum CTC 30-fach ausgeprägteren Fähigkeit, Resistenzen zu för-
dern [83, 84, 328].
Als Resultat dieser Ergebnisse wird die Empfehlung von KENNEDY et al. [143], die Hühnereier unter-
suchten, bestätigt, daß Chlortetracyclinrückstände nicht nur auf die Summe des antibiotisch aktiven
CTC und e-CTC beschränkt bleiben sollten, sondern auch weniger antibiotisch aktive potentiell toxi-
sche sowie resistenzfördernde Metabolite wie iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-
CTC mit einbezogen werden sollten.
Nachfolgend wurden daher auch für diese Verbindungen Quantifizierungsmethoden entwickelt.
5.8 Methodenentwicklung zur quantitativen Bestimmung weiterer
CTC-Metabolite
Ziel war es, ein Verfahren zur quantitativen Bestimmung der Metabolite iso-CTC, e-iso-CTC, Anhy-
dro-CTC und e-Anhydro-CTC zu entwickeln. Das für CTC und e-CTC entwickelte und validierte
Analysenverfahren ermöglicht bisher nur die qualitative Bestimmung der genannten Verbindungen.
Zur quantitativen Bestimmung muß die Stabilität der Analyten in Kalibrierlösungen gewährleistet
sein. Daher erfolgte in einem ersten Schritt die Untersuchung der Stabilität von iso-CTC, e-iso-CTC,
5 Ergebnisse und Diskussion 101
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC in Kalibrierlösungen analog der für CTC durchgeführten Unter-
suchungen, siehe Kap. 5.2.1.3. Die Quantifizierung von e-iso-CTC erweist sich dabei als schwierig,
da es als Standardsubstanz kommerziell nicht erhältlich ist. Dieses Umwandlungsprodukt sollte durch
Epimerisierung in schwach saurer Kalibrierlösung, MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8), herge-
stellt werden. Nach Überprüfung der Linearität des Verfahrens wurde untersucht, ob sich das für CTC
und e-CTC entwickelte Extraktionsverfahren auch für die anderen Metabolite eignet. Darüber hinaus
wurde die Möglichkeit untersucht, iso-CTC und e-iso-CTC als Summenparameter zu nutzen, indem
CTC und e-CTC durch alkalische Behandlung der Proben in die isomeren Verbindungen überführt
werden.
5.8.1 HPLC-UV-MS/MS-Verfahren
5.8.1.1 Stabilität der Metabolite in Lösung
iso-CTC und e-iso-CTC
Von einigen Autoren wie KENNEDY et al. wird auf die Möglichkeit, iso-CTC einer Epimerisierung zu
unterwerfen, um e-iso-CTC zu erhalten, hingewiesen [143]. Sie nutzten jedoch einen epimerisierten
iso-CTC-Standard nur zur qualitativen Bestimmung. Um darüber hinaus eine Quantifizierung mit ei-
nem solchen Standard durchzuführen, muß die Stabilität der Komponenten bekannt sein. Ziel war es,
das sich unter den gewählten Bedingungen einstellende Gleichgewicht von iso-CTC und e-iso-CTC in
Kalibrierlösung zu ermitteln, um eine möglichst hohe Stabilität zu gewährleisten. Hierzu wurde das
Mischungsverhältnis von iso-CTC und e-iso-CTC bestimmt, bei dem sich keine Konzentrationsände-
rung mehr ergibt. Zur Beurteilung der Stabilität von iso-CTC in Kalibrierlösung wurden die Untersu-
chungergebnisse zum Abbauverhalten von iso-CTC, Kap. 5.6.1, ausgenutzt. Es zeigte sich, daß wäh-
rend der Lagerung einer iso-CTC-Standardlösung in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) (β =
10 mg/L) bei einer Temperatur von 40 °C über einen Zeitraum von 60 h schnell eine Epimerisierung
stattfindet. Nach zwölf Stunden war keine Konzentrationsänderung mehr festzustellen. Weitere Ab-
bauprodukte konnten nicht nachgewiesen werden. Um die Einstellung eines äquimolaren Verhältnisses
von iso-CTC und e-iso-CTC zu beschleunigen, wurde eine iso-CTC-Standardlösung in Me-
OH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) (β = 10 mg/L) bei einer Temperatur von 60 °C über einen
Zeitraum von 60 h gelagert und mittels HPLC-UV in Intervallen von 15 Minuten die Konzentrationen
von iso-CTC und e-iso-CTC ermittelt, siehe Abb. 33. Es zeigte sich, daß bereits nach 90 Minuten ein
äquimolares Verhältnis beider Verbindungen erreicht ist.
Die genaue Konzentrationsbestimmung von iso-CTC und e-iso-CTC in der epimerisierten iso-CTC-
Standardlösung erfolgte durch Vergleich der frisch angesetzten iso-CTC-Lösung mit der epimerisier-
ten iso-CTC-Lösung über Differenzbildung. Die so erhaltene Mischstandardlösung aus iso-CTC und
e-iso-CTC kann zur Kalibrierung des Verfahrens eingesetzt werden.
5 Ergebnisse und Diskussion
102
Abb. 33: Epimerisierung von iso-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) bei 60 °C als Funktion von
der Zeit (HPLC-UV, 275 nm, β = 10 mg/L)
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Zur Beurteilung der Stabilität von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC wurde anhand der in Kap.
5.6.1 durchgeführten Untersuchungen zum Abbauverhalten von Anhydro-CTC in MeOH/Fließmittel
A (50/50) (v/v) (pH 2,8) (β = 10 mg/L) bei einer Temperatur von 40 °C über einen Zeitraum von 60 h
das sich unter den gewählten Bedingungen einstellende Gleichgewicht abgeschätzt. Bei der Bildung
der Anhydro-Verbindungen aus CTC handelt es sich ebenfalls um irreversible Reaktionen, so daß
neben der entsprechenden Epimerisierung von Anhydro- bzw. e-Anhydro-CTC keine weiteren Reak-
tionen stattfinden. Das Konzentrationsverhältnis von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC, bei dem
sich keine weitere Konzentrationsveränderung mehr ergab, wurde zu 1:1 ermittelt (siehe Abb. A. 13
im Anhang). Die Kalibrierung von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC kann also mit Mischstandard-
lösungen aus Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) im Konzentra-
tionsverhältnis 1:1 erfolgen.
5.8.1.2 Kalibrierung
iso-CTC und e-iso-CTC
Nach Ermittlung der Bestimmungsgrenzen, die für iso-CTC und e-iso-CTC mit der UV-Detektion bei
0,05 mg/L und mit der MS/MS-Detektion bei 0,01 mg/L lagen, erfolgte die Erstellung einer Kalibrier-
funktion im Konzentrationsbereich von 0,05 mg/L bis 10 mg/L für die UV-Detektion und 0,01 mg/L
bis 10 mg/L für die MS/MS-Detektion.
Die Kalibrierung des UV-Verfahrens ergibt einen linearen Zusammenhang zwischen der Konzentrati-
on und der Peakfläche sowohl für iso-CTC als auch für e-iso-CTC im gewählten Konzentrationsbe-
reich (s. Abb. A. 11 im Anhang). Die ermittelten Konzentrationen, die Peakflächen, relativen Stan-
dardabweichungen und die Flächenverhältnisse sind in Tab. A. 21 im Anhang dargestellt. Bei der
Kalibrierung des MS/MS-Verfahrens im Konzentrationsbereich von 0,01 mg/L bis 10 mg/L liegt kein
linearer Zusammenhang zwischen der Konzentration und der Peakfläche von iso-CTC sowie e-iso-
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
0123
Zeit [h]
Konzentration [mg/L]
iso-CTC
e-iso-CTC
5 Ergebnisse und Diskussion 103
CTC vor. Der funktionale Zusammenhang wird wie bei der Bestimmung von CTC und e-CTC durch
eine polynomische Funktion 2. Grades beschrieben (s. Abb. A. 12 im Anhang). Die ermittelten Kon-
zentrationen, Peakflächen, relativen Standardabweichungen und Flächenverhältnisse für die MS/MS-
Detektion sind in Tab. A. 22 im Anhang dargestellt. Durch Einschränkung des Arbeitsbereiches und
Aufteilung in drei Teilbereiche (0,01-0,1 mg/L; 0,1-0,5 mg/L und 0,5-10 mg/L) konnte eine Linearität
erreicht werden.
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Die Bestimmungsgrenzen wurden für Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit der UV-Detektion zu
0,025 mg/L und mit der MS/MS-Detektion zu 0,01 mg/L ermittelt. Die Erstellung der Kalibrierfunkti-
on erfolgte mit der UV-Detektion im Konzentrationsbereich von 0,025 mg/L bis 10 mg/L und mit der
MS/MS-Detektion von 0,01 mg/L bis 10 mg/L. Sowohl bei der UV-Detektion als auch bei der
MS/MS-Detektion läßt sich im gewählten Konzentrationsbereich der funktionale Zusammenhang zwi-
schen der Konzentration und der Peakfläche durch einen linearen Zusammenhang beschreiben (Abb.
A. 14 und Abb. A. 15 im Anhang ). Im Gegensatz zu der Quantifizierung von CTC, e-CTC, iso-CTC
und e-iso-CTC läßt sich bei der MS/MS-Detektion keine bessere Anpassung der Kalibriergeraden für
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC durch eine polynomische Funktion erreichen. Trotz des großen
Kalbrierbereiches genügt die Kalibriergerade einer linearen Funktion. Die Konzentrationen, ermittel-
ten Peakflächen und relativen Standardabweichungen sind in Tab. A. 23 im Anhang dargestellt.
5.8.2 Probenvorbereitung
5.8.2.1 Wiederfindung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Ziel war es, die Übertragbarkeit des entwickelten SPE-Verfahrens für CTC und e-CTC auf die Meta-
bolite iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro CTC zu überprüfen. Hierzu wurde 10 mL EDTA-
McIlvain-Puffer, pH 4 mit 2 µg bzw. 20 µg CTC, e-CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC oder e-Anhydro-
CTC dotiert, diese Lösungen mit SPE aufgearbeitet und mit HPLC-UV analysiert. Die mit diesem
Verfahren erzielten Wiederfindungen sind in Tab. 28 zusammengefaßt.
Tab. 28: Wiederfindung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC nach der Aufarbeitung mit
SPE von dotierten EDTA-McIlvain-Puffern (Oasis HLB, McIlvain-Puffer mit 0,1 moL/L
EDTA, 275 nm, n = 6)
dotierte
Substanz
Wiederfindung [%]
Zusatz: 2 µg, VEnd = 200 µL
Wiederfindung [%]
Zusatz: 20 µg, VEnd = 200 µL
iso-CTC e-iso-CTC
Σ iso-CTC e-iso-CTC
Σ
iso-CTC 58 44
102 49 48
97
Anhydro-CTC e-Anhydro-
CTC Σ Anhydro-CTC e-Anhydro-
CTC Σ
Anhydro-
CTC 77 19
96 75 24
99
e-Anhydro-
CTC Anhydro-CTC Σ e-Anhydro-
CTC Anhydro-CTC Σ
e-Anhydro-
CTC 75 20
95 70 26
96
Für e-iso-CTC konnten keine Wiederfindungsversuche durchgeführt werden, da diese Substanz kom-
5 Ergebnisse und Diskussion
104
merziell nicht erhältlich ist. Die ermittelten Wiederfindungen belegen, daß während der Arbeitsschritte
zur Festphasenextraktion große Anteile der dotierten Substanz epimerisiert werden. Ein Vergleich der
Epimerisierungsraten von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit denen von CTC und e-CTC, siehe
Tab. 7, zeigt daß Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC in ihrem Epimerisierungsverhalten CTC und e-
CTC sehr ähnlich sind. Die Epimerisierungsrate dieser Verbindungen liegt bei etwa 20 %. Dagegen
epimerisiert iso-CTC mit Epimerisierungsraten von 46 % in deutlich größerem Ausmaß.
Es konnte gezeigt werden, daß unter Berücksichtigung der jeweiligen Epimere mit Wiederfindungen
zwischen 95 % und 102 % eine quantitative Extraktion mit dem SPE-Verfahren für iso-CTC, Anhy-
dro-CTC und e-Anhydro-CTC möglich ist. Zu bemerken ist, daß zur Elution der hydrophoberen Sub-
stanzen Anhydro-CTC und e-Anyhdro-CTC das Elutionsvolumen von 3 mL auf 6 mL erhöht werden
mußte.
5.8.2.2 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung
Analog der für CTC und e-CTC durchgeführten Untersuchungen, wurde überprüft, in welchem Schritt
der Probenvorbereitung eine Epimerisierung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anyhdro-CTC statt-
findet. Hierzu wurden die gleichen Versuche wie für CTC und e-CTC durchgeführt. Es wurden ein-
zelne Schritte der Probenvorbereitung simuliert und in den erhaltenen Proben der Gehalt an zudotierter
Substanz und dem Epimeren ermittelt. Aus den Gehalten wurden die Epimerisierungsraten berechnet,
siehe Tab. 29. Die Ergebnisse dieser Epimerisierungsexperimente führten zu identischen Ergebnissen
wie die Untersuchungen mit CTC und e-CTC.
Es wurde gezeigt, daß eine Epimerisierung besonders durch die Einwirkung des schwach sauren McIl-
vain-Puffers bei der Extraktion aus der Matrix begünstigt wird, wobei die Dauer der Puffer-
Einwirkung eine große Rolle spielt. Das Stehenlassen eines dotierten McIlvain-Puffers über einen
Zeitraum von 2 h führt zu einer Epimerisierung von 30 % für iso-CTC, 12 % für Anhydro-CTC und
14 % für e-Anhydro-CTC (Versuch 1). Bei der Weiterverarbeitung des Eluates kann eine Epimerisie-
rung nur durch Lyophilisierung des Eluates vermieden werden (Versuche 3-5). Einengen im Turbo-
Vap unter erhöhter Temperatur führt für alle Verbindungen (30°C, 40 °C) zu einer erheblichen Epime-
risierung von 6 % bis 8 % für Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC und 19 % bis 24 % für iso-CTC.
Eine Epimerisierung während der Probenvorbereitung kann dadurch minimiert werden kann, indem
die Weiterverarbeitung des Eluates durch Lyophilisierung anstatt durch Einengen im TurboVap erfolgt
(Versuche 6 und 7).
Auch bei diesen Metaboliten kann jedoch eine Epimerisierung während der Probenvorbereitung nicht
vollständig vermieden werden. Dies zeigt, daß auch die iso-CTC- und Anhydro-CTC-Gehalte immer
als Summe aus iso-CTC und Anhydro-CTC und ihrem Epimeren ermittelt werden müssen. Ein Ver-
gleich der Ergebnisse der Epimerisierungsexperimente von CTC, e-CTC, iso-CTC, Anhydro-CTC und
e-Anhydro-CTC belegt, daß CTC, e-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ein ähnliches Epimeri-
sierungsverhalten zeigen. Hingegen epimerisiert iso-CTC deutlich schneller als die anderen Substan-
zen.
5 Ergebnisse und Diskussion 105
Tab. 29: Epimerisierung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC unter verschiedenen simu-
lierten Extraktions- und SPE-Bedingungen (Oasis HLB, 275 nm, n = 4)
Epimerisierung [%]
Simulierter Schritt der
Probenvorbereitung Versuch iso-
CTC
Anhydro-
CTC
e-Anhydro-
CTC
1 Extraktion aus der
Matrix
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 +
20 µg Substanz, 2 h Stehenlassen bei RT 30 12 14
2 SPE
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 +
20 µg Substanz, SPE, Verdünnung des
Eluates mit 3 mL Fließmittel A
24 9 10
3 Weiterverarbeitung
des Eluates
3 mL MeOH + 2 µg Substanz, Einengen
des Eluates durch Lyophilisierung, Auf-
nahme des Rückstandes in 200 µL Me-
OH/Fließm. A (50/50) (v/v)
0 0 0
4 Weiterverarbeitung
des Eluates
3 mL MeOH + 2 µg Substanz, Einengen
im TurboVap (30 °C) (Dauer: 30 min),
Aufnahme des Rückstandes in 200 µL
MeOH/Fließm. A (50/50) (v/v)
19 7 6
5 Weiterverarbeitung
des Eluates
3 mL MeOH + 2 µg Substanz, Einengen
im TurboVap (40 °C) (Dauer: 20 min),
Aufnahme des Rückstandes in 200 µL
MeOH/Fließm. A (50/50) (v/v)
24 8 8
6
SPE +
Weiterverarbeitung
des Eluates
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 + 2
µg Substanz, SPE, Einengen des Eluates
durch Lyophilisierung, Aufnahme des
Rückstandes in 200 µL MeOH/Fließm. A
(50/50) (v/v)
18 6 7
7
SPE +
Weiterverarbeitung
des Eluates
10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 + 2
µg Substanz, SPE, Einengen des Eluates
im TurboVap (30 °C), Aufnahme des
Rückstandes in 200 µL MeOH/Fließm. A
(50/50) (v/v)
29 16
5.8.2.3 iso-CTC und e-iso-CTC als Summenparameter
Ziel der Untersuchung war, die Anzahl der zu quantifizierenden Analyten zu reduzieren, indem CTC
und e-CTC durch alkalische Einwirkung in die entsprechenden Isomere iso-CTC und e-iso-CTC über-
führt werden. Iso-CTC und e-iso-CTC dienen dabei als Summenparameter für die CTC-Komponenten.
Diese Möglichkeit wurde bereits von ZURHELLE et al. vorgeschlagen, die in Hühnereiern neben CTC
und e-CTC auch iso-CTC und e-iso-CTC nachgewiesen hatten [178, 229].
Zur Überführung von CTC und e-CTC in die isomeren Verbindungen wurde der Rückstand des einge-
engten Eluates der Festphasenextraktion in methanolischer Natronlauge, Methanol/1%ige NaOH, w/v
(50/50) (v/v, pH 11,5), aufgenommen und mit LC-UV-MS/MS analysiert. In einem ersten Schritt er-
folgte die Überprüfung der Eignung dieses Verfahrens anhand von Standardlösungen, anschließend
die Übertragung auf Muskulatur.
Die Untersuchung von Mischstandardlösungen aus CTC und e-CTC in MeOH/(1%ige NaOH, w/v)
(50/50) (v/v), die sowohl ohne Erwärmung als auch nach 30-minütiger Erwärmung bei Temperaturen
5 Ergebnisse und Diskussion
106
von 60, 70, 80 und 90 °C analysiert wurden, ergab, daß bereits ohne Erwärmen eine 96%ige Isomeri-
sierung stattgefunden hat. Zur vollständigen Isomerisierung von CTC und e-CTC ist eine Erwärmung
von 60 °C über einen Zeitraum von 30 Minuten ausreichend.
Dieses Verfahren kam anschließend für verschiedene Muskulaturproben zur Anwendung, für Proben
einiger Versuchstiere des Haus Düsse-Versuches, nachfolgend als HD-V (Nummer des Tieres) be-
zeichnet, und für das Tier 95 des FAL-Versuches. Im Gegensatz zu den mit Standardlösungen durch-
geführten Versuchen lassen sich CTC und e-CTC in Muskulatur nicht quantitativ in die Isomere über-
führen, siehe Tab. 30. Nach der Alkalibehandlung ist zwar kein CTC und e-CTC mehr nachweisbar,
jedoch werden nur etwa 30 % des CTC-Gehaltes als iso-CTC und e-iso-CTC, wiedergefunden.
Tab. 30: CTC-, e-CTC-, iso-CTC- und e-iso-CTC-Gehalte in Muskulatur nach Aufarbeitung nach dem
Standardverfahren und mit alkalischer Behandlung (LC-MS/MS, n = 2)
CTC-Gehalt [µg/kg]
Probe CTC e-CTC iso-CTC e-iso-CTC Σ
HD-V1 5,07 5,34 8,12 10,41 28,94
HD-V3 5,68 5,91 8,50 11,59 31,68
HD-V7 6,78 6,73 10,34 11,51 35,36
HD-V9 12,62 10,21 6,24 7,79 36,86
HD-V12 5,79 4,06 10,10 11,85 31,80
Aufarbeitung
nach dem
Standardverfahren
FAL-Tier 95 90,04 55,04 22,60 15,5 183,18
HD-V1 -- -- 5,67 2,83 8,50
HD-V3 -- -- 8,73 4,55 13,28
HD-V7 -- -- 7,28 3,18 10,46
HD-V9 -- -- 8,69 4,79 13,48
HD-V12 -- -- 6,41 3,43 9,84
Aufarbeitung
mit alkalischer
Behandlung
FAL-Tier 95 -- -- 48,32 18,68 67,00
Prinzipiell scheint die Überführung von CTC und e-CTC mittels Alkalibehandlung in die Isomere
durch Aufnahme des eingeengten Eluates nach der Festphasenextraktion mit MeOH/1%ige NaOH,
w/v (50/50) (v/v) zwar möglich, wie die Versuche mit Standardlösungen gezeigt haben. Es bedarf
jedoch für Muskulatur noch weiterer Optimierungen, auf die in diesem Rahmen verzichtet wurde.
5.8.3 Zusammenfassung
Im Gegensatz zu den meisten in der Literatur beschriebenen Verfahren ermöglicht das erweiterte
HPLC-UV-MS/MS-Verfahren neben CTC und e-CTC auch eine quantitative simultane Bestimmung
von iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC.
Es wurde die Möglichkeit aufgezeigt, das kommerziell nicht erhältliche Umwandlungsprodukt e-iso-
CTC durch Epimerisierung einer iso-CTC-Standardlösung in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH
2,8) zu erhalten, wobei das Konzentrationsverhältnis zur Gewährleistung der Stabilität beider Verbin-
dungen 1:1 betragen sollte. Ebenso können Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC durch Kalibrierung
mit einem Mischstandard in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (pH 2,8) aus beiden Verbindungen im
5 Ergebnisse und Diskussion 107
Konzentrationsverhältnis 1:1 quantifiziert werden. Die Kalibrierung kann mit der UV-Detektion in
einem Konzentrationsbereich von 0,05 mg/L bis 10 mg/L für iso-CTC und e-iso-CTC und 0,025 mg/L
bis 10 mg/L für Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC erfolgen. Die Kalibrierung mit der MS/MS-
Detektion ist im Konzentrationsbereich von 0,01 mg/L bis 10 mg/L für iso-CTC und e-iso-CTC und
0,01 mg/L bis 10 mg/L für Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC möglich. Weitergehende Validierung-
suntersuchungen sowie Langzeitstabilitiätsmessungen stehen noch aus.
Es wurde gezeigt, daß das für CTC und e-CTC entwickelte Extraktionsverfahren auch für die Metabo-
lite iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC anwendbar ist, wobei die Gehalte auch als Summe
von iso-CTC und e-iso-CTC sowie Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ermittelt werden müssen.
Das Ziel, die Substanzen CTC, e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC durch alkalische Behandlung als
Summenparameter über iso-CTC und e-iso-CTC zu ermitteln, konnte für Standardlösungen erreicht
werden, für Muskulatur erneut jedoch nicht.
5.9 Anwendung des erweiterten Analysenverfahrens auf Proben der
FAL-Studie
Das erweiterte HPLC-UV-MS/MS-Verfahren, welches sich für die quantitative Bestimmung von CTC,
e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC eignet, wurde auf Proben der FAL-
Studie angewendet. In den Schlachtproben der nach Ablauf der Wartezeit geschlachteten Tiere wurde
der CTC-Total-Gehalt ermittelt sowie anhand eines Tieres eine ausführliche Bilanzierung vorgenom-
men. Darüber hinaus erfolgte die Untersuchung von Knochen mittels Fluoreszenz-Screening-Tests und
eine Überprüfung, ob aus den gebundenen Tetracyclin-Rückständen im Knochen eine Gefährdung für
den Verbraucher resultieren könnte.
5.9.1 Schlachtproben
Die Schlachtproben der Tiere, die bereits auf CTC und e-CTC untersucht wurden, siehe Kap. 5.4.2.3,
wurden nochmals mit dem erweiterten Analysenverfahren auf CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC,
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC (CTC-Total-Gehalt) analysiert. Insbesondere sollte geprüft wer-
den, inwieweit sich die CTC-Gehalte unter Berücksichtigung der weiteren Metabolite erhöhen. In
Tab. 31 sind die mit LC-MS/MS ermittelten Gehalte zusammengefaßt. In Muskulatur, Leber und Nie-
re konnten die Substanzen CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC und in Knochen zusätzlich Anhydro-
CTC und e-Anhydro-CTC nachgewiesen werden. Unter Berücksichtigung von iso-CTC und e-iso-
CTC erhöhen sich die Gesamt-CTC-Gehalte zum Teil erheblich. Im Vergleich des CTC-Gehaltes,
ermittelt als Summe von CTC und e-CTC, zum CTC-Totalgehalt ergibt sich für Muskulatur eine pro-
zentuale Erhöhung von durchschnittlich 71 %. Eine Berücksichtigung von iso-CTC und e-iso-CTC
wirkt sich damit für diese Matrix am stärksten aus. Für Leber erhöhen sich die Gesamt-CTC-Gehalte
prozentual durchschnittlich um 38 %, für Niere um 8 % und Knochen um 6 %. Die Abbauprodukte
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC spielen nur eine untergeordnete Rolle, da diese Verbindungen nur
in Knochen nachweisbar sind und nur 0,1 % des Gesamt-CTC-Gehaltes darstellen.
5 Ergebnisse und Diskussion
108
Tab. 31: CTC-, e-CTC-, iso-CTC-, e-iso-CTC-, Anhydro-CTC- und e-Anhydro-CTC-Gehalte in
Schlachtproben (LC-MS/MS, n =2)
Prozentuale Er-
höhung
(Vergleich CTC-
Gehalt und CTC-
Total-Gehalt)
66 %
55 %
7 %
8 %
63 %
32 %
9 %
5 %
72 %
44 %
6 %
4 %
106 %
28 %
7 %
11 %
CTC-Total-
Gehalt
6,8
7,0
20,9
27,9
5,4
10,4
16,7
26,2
5,9
8,7
17,7
22,2
7,8
12,2
24,6
24,3
e-Anhydro-
CTC
nn
nn
nn
0,01
nn
nn
nn
0,01
nn
nn
nn
0,01
nn
nn
nn
0,01
Anhydro-
CTC
nn
nn
nn
0,01
nn
nn
nn
0,02
nn
nn
nn
0,01
nn
nn
nn
0,01
e-iso-
CTC
1,1
1,0
nn
0,4
1,0
1,2
nn
0,3
1,2
1,2
nn
0,1
1,8
1,2
nn
0,5
iso-CTC
1,6
1,3
1,4
1,5
1,1
1,4
1,4
1,1
1,2
1,5
1,0
0,7
2,2
1,5
1,7
1,9
Summe
CTC + e-CTC
4,1
3,2
19,6
25,9
3,3
7,9
15,3
24,8
3,4
6,1
16,6
21,3
3,8
9,5
22,9
21,8
e-CTC
1,5
1,7
10,8
6,4
1,3
1,5
9,1
4,9
1,4
2,9
9,1
3,4
1,5
4,8
12,5
5,5
CTC
2,6
2,5
8,8
19,6
2,0
6,4
6,2
19,8
2,1
3,2
7,5
17,9
2,3
4,7
10,5
16,4
Einheit
µg/kg
µg/kg
µg/kg
mg/kg
µg/kg
µg/kg
µg/kg
mg/kg
µg/kg
µg/kg
µg/kg
mg/kg
µg/kg
µg/kg
µg/kg
mg/kg
Matrix
Muskulatur
Leber
Niere
Knochen
Muskulatur
Leber
Niere
Knochen
Muskulatur
Leber
Niere
Knochen
Muskulatur
Leber
Niere
Knochen
Tier
93
94
96
97
5 Ergebnisse und Diskussion 109
Die Untersuchung der Schlachtproben zeigt, daß nach Ablauf der Wartezeit von 14 Tagen die CTC-
Total-Gehalte in allen Matrices stark gesunken sind und mit Werten von durchschnittlich 3,65 µg/kg
für Muskulatur, 6,91 µg/kg für Leber und 18,60 µg/kg für Niere lediglich maximal 4 % der MRL-
Werte betragen. Eine Berücksichtigung der isomeren Verbindungen iso-CTC und e-iso-CTC führt
zwar, insbesondere für Muskulatur, zu erheblich höheren Werten von durchschnittlich 6,47 µg/kg für
Muskulatur, 9,45 µg/kg für Leber und 19,98 µg/kg für Niere, die aber immer noch deutlich unterhalb
der MRL-Werte liegen. Dennoch könnte es unter Einbeziehung von iso-CTC und e–iso-CTC, weil
dadurch die Gesamt-CTC-Gehalte bis zu 71 % steigen, deutlich häufiger zu einer Überschreitung der
MRL-Werte kommen.
Ein Vergleich der Verteilung der nachgewiesenen Substanzen bei den einzelnen Tieren zeigt, daß das
Verhältnis der einzelnen Verbindungen zueinander individuell sehr unterschiedlich ist. Die prozentua-
le Erhöhung des CTC-Total-Gehaltes unter Berücksichtigung der Verbindungen iso-CTC, e-iso-CTC,
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC im Vergleich zum CTC-Gehalt, ermittelt als Summe von CTC
und e-CTC, liegt für Muskulatur zwischen 49 % und 106 %, für Leber zwischen 28 % und 55 %, für
Niere zwischen 6 % und 8 % und für Knochen zwischen 3 % und 11 %. Die relative Verteilung der
einzelnen Verbindungen in den unterschiedlichen Matrices bleibt jedoch annähernd konstant. In Mus-
kulatur lassen sich die höchsten Anteile an iso-CTC und e-iso-CTC feststellen, in Leber die zweit-
höchsten, und am niedrigsten sind sie in Niere und Knochen.
5.9.2 Gebundene CTC-Rückstände in Knochen
Tetracycline in Knochen stellen eine Besonderheit dar, weil sie dort gebunden an Matrixbestandteile,
wie z. B. Proteine oder in Form von Calcium-Komplexen vorliegen, was offensichtlich zu einer Ak-
kumulation von Tetracyclinen im Knochen führt [37, 285, 286, 329, 330].
Zum besseren Verständnis wird nachfolgend der Aufbau und die Funktionen von Knochen beschrie-
ben. Der Aufbau des Schweineskeletts ist dem des Menschen sehr ähnlich [331]. Die Knochen des
Schweines bestehen zu 65 % aus anorganischen Bestandteilen und 35 % organischen Bestandteilen.
Die organischen Bestandteile setzen sich wiederum aus 80-95 % Kollagenfasern und 5-20 % Interzel-
lularsubstanz zusammen [332, 333]. Je nach Funktion werden verschiedene Formen von Knochen
unterschieden, wie z. B. lange und kurze Röhrenknochen, platte und breite Knochen, kurze Wurzel-
und unregelmäßige Wirbelknochen [331, 334].
Knochen üben hauptsächlich vier Funktionen aus [334, 335]: Mechanische Stützfunktion des Körpers,
Schutzfunktion für lebenswichtige Körperteile, Blutbildung im Knochenmark, Regulierung des Mine-
ralstoffhaushalts im Körper. Die notwendige Festigkeit gegen Druck, Zug, Biegung und Torsion wird
dem Knochen durch die Einlagerung von anorganischen Calcium-Salzen in Form von Apatit verlie-
hen, wobei es sich hierbei in erster Linie um Hydroxylapatit der Formel Ca10(PO4)6(OH)2 handelt.
Daneben finden sich noch Fluorapatit, Carbonatapatit, Calciumcarbonat und Magnesiumcarbonat. Die
Knochensubstanz in ihrer morphologischen Struktur steht in einem dynamischen Stoffwechselgleich-
gewicht von Synthese und Abbau. Im wachsenden Organismus laufen neben den hormonell gesteuer-
ten Aufbauvorgängen auch Abbauprozesse ab, um eine fortlaufende übermäßige Verdickung der Kno-
chen zu vermeiden. Neben dem Längenwachstum wird das Dickenwachstum, „appositionelles Wach-
stum“, enzymatisch verhindert. Beim adulten Skelett findet nur noch ein hormongesteuertes appositio-
nelles Wachstum statt [332]. Das Knochengewebe stellt aufgrund des hohen Calcium-Gehaltes ein
Speicherorgan dar, aus dem Calcium durch hormonelle Steuerung in das Blut übertreten kann, es fin-
5 Ergebnisse und Diskussion
110
det also eine ständige Regulierung des Blut-Calcium-Spiegels statt, wobei die Knochen je nach Bedarf
Calcium aufnehmen oder abgeben können [336]. Da sowohl Calcium als auch Phosphat, aber auch
andere Ionen wie Magnesium nicht nur wesentliche Bestandteile des Knochens sind, sondern für viele
Funktionsabläufe im Gesamtorganismus eine essentielle Bedeutung haben, sind alle Regulationssy-
steme des Knochenstoffwechsels gleichzeitig eingeschlossen in die Regulation des Gesamtkörpers und
seiner einzelnen Organe und Gewebe. In dieses System ist der Knochen als Mineraldepot einbezogen,
so daß eine Wechselwirkung zwischen den einzelnen Teilkomponenten des gesamten Mineralhaus-
halts besteht [253]. Dies legt die Vermutung nahe, daß mit dem Calcium die als Calcium-Phosphat-
Chelate in Knochen eingelagerten Tetracycline auch aus dem Knochen freigesetzt werden können. Die
Ergebnisse der Medikationsstudie in Haus Düsse unterstützen diese Annahme, da auch drei Monate
nach Absetzen der Medikation in Urin, Plasma sowie in sämtlichen Schlachtproben noch CTC und e-
CTC nachweisbar waren.
Gebundene Tetracyclinrückstände in Knochen wurden bisher als unbedenklich für den Verbraucher
eingestuft, da von einer irreversiblen Tetracyclineinlagerung in Knochen bzw. von einer Zerstörung
der Tetracyclinrückstände bei der Zubereitung durch Braten oder Kochen von knochenhaltigen tieri-
schen Lebensmitteln ausgegangen wurde [48, 87, 337]. Neuere Untersuchungen von KÜHNE et al.
[338] belegen jedoch, daß auch gebundene Tetracyclinrückstände unter bestimmten Bedingungen bio-
verfügbar sein können. Sie wiesen eine in vitro-Freisetzung durch Simulation der Verdauung von te-
tracyclinhaltigen Fleischknochenmehlen nach, indem sie CTC-haltige Hühnerknochen mit 0,3 moL/L
HCl versetzten, die so erhaltenen Proben 30 Minuten schüttelten und den Extrakt chromatographisch
untersuchten. Zum Nachweis einer in vivo-Freisetzung untersuchten KÜHNE et al. Knochen von Hüh-
nern, die CTC-haltiges Knochenmehl mit der Nahrung aufgenommen hatten. Unter den beschriebenen
Versuchsbedingungen wurden offensichtlich Tetracyclin-Calcium-Phosphat-Einlagerungen aufge-
schlossen, da beide Versuche eine saure Behandlung der Knochen beinhalten, entweder in vitro durch
Zugabe von 0,3 moL/L HCl oder in vivo durch die im Magen enthaltene Salzsäure.
Bei der Zubereitung von knochenhaltigen Fleischteilen stellten BRÜGGEMANN et al. [339] fest, daß
nach 60-minütigem Kochen der CTC-Gehalt im Knochen, ermittelt durch die antibiotische Aktivität,
stark abnimmt, wobei sie keine antibiotische Aktivität in den Knochen umgebenden Geweben fest-
stellten. Sie betrachteten daher die gelösten Tetracyclinrückstände als zerstört und damit bedeutungs-
los. KÜHNE et al. [340] zeigten, daß eine Verarbeitung von tetracyclinhaltigen Knochen durch Erhit-
zen nicht zur vollständigen Zerstörung der Tetracycline führt, sondern es zum Abbau der Tetracycline
zu den Anhydroverbindungen kommt, die im Vergleich zur Muttersubstanz zwar eine geringere anti-
biotische Aktivität aufweisen, jedoch eine deutlich höhere Toxizität besitzen.
Die von KÜHNE et al. durchgeführten Untersuchungen zur in vitro- und in vivo-Freisetzung von Te-
tracyclinen aus Knochen beinhalten in jedem Fall eine salzsaure Behandlung der Knochen, wodurch
ein Aufschluß der eingelagerten Tetracyclin-Komplexe erfolgt. Ziel war es daher, zu untersuchen, ob
die mit der Nahrung aufgenommenen und in Knochen eingelagerten Tetracycline auch unter den nicht
sauren Bedingungen im Körper wieder freigesetzt werden können. Der Nachweis einer in vivo-
Freisetzung ist dabei nicht möglich, da den Tieren das Arzneimittel in irgendeiner Form verabreicht
werden muß und damit nicht gewährleistet werden kann, daß die im Gewebe nachweisbaren Rück-
stände tatsächlich aus einer Freisetzung aus dem Knochen stammen. Der Nachweis einer Freisetzung
kann daher nur unter in vitro-Bedingungen anhand von Modellansätzen erfolgen.
5 Ergebnisse und Diskussion 111
5.9.2.1 Freisetzung von CTC aus Knochen
Zur Simulation des physiologischen Effektes einer Freisetzung von CTC aus Knochen in Blut wurde
ein Modell auf der Grundlage der Eluierbarkeit durch Plasma entwickelt.
Hierzu wurde CTC-haltiges gemahlenes Knochenmaterial mit unbelastetem Plasma versetzt und über
einen Zeitraum von neun Tagen aufbewahrt. An den Versuchtagen 1, 2, 3, 4, 5, 8 und 9 wurden diese
„Knochen-Plasma-Gemische“ beprobt und mit LC-MS/MS analysiert. Dieser Versuch wurde zur
Überprüfung eines Temperatureinflusses bei zwei verschiedenen Temperaturen durchgeführt, zum
einen bei 5 °C und zum anderen unter annähernd physiologischen Bedingungen bei 39,5 °C, entspre-
chend der mittleren Körpertemperatur von Schweinen [341]. Zur Beurteilung der Stabilität von CTC
unter diesen Versuchsbedingungen erfolgte die Durchführung des Versuches mit CTC-dotiertem unbe-
lasteten Plasma ohne Knochenmaterial. Das für diese Versuche eingesetzte Plasma wurde aus Voll-
blut, dem zur Gerinnungshemmung Li-Heparin zugesetzt wurde, gewonnen. Das für die sonstige
Plasmagewinnung eingesetzte Antikoagulantium EDTA war für diese Untersuchung ungeeignet, da es
als starker Chelatbildner die im Knochen als Komplex eingelagerten Tetracycline wieder herauslösen
könnte. Als Knochenmaterial diente die Knochenprobe des Tieres 95 aus der Medikationsstudie FAL,
da in dieser Probe die höchsten CTC-Gesamt-Gehalte von 54,27 mg/kg ermittelt wurden (Tab. 32).
Tab. 32: Gehalte [mg/kg] von CTC-Komponenten in Knochen des Tieres 95 (FAL, LC-MS/MS, n = 2)
CTC e-CTC iso-CTC e-iso-CTC
Anhydro-
CTC
e-Anhydro-
CTC
Summe der CTC-
Komponenten
43,6 9,2 1,2 0,2 0,03 0,03 54,27
Die im Rahmen der Stabilitätsuntersuchungen erhaltenen Konzentrationsverläufe der Tetracycline in
den dotierten Plasmaproben sind in Abb. 34 dargestellt.
Abb. 34: Konzentrationsverlauf der CTC-Komponenten in dotierten Plasmaproben als Funktion der
Zeit und Temperatur (LC-MS/MS, n = 2)
0
1
2
3
4
5
6
1234589
Versuchstag
Konzentration im Plasma [µg/mL]
e-iso-CTC
iso-CTC
e-CTC
CTC
0
1
2
3
4
5
6
1234589
Versuchstag
Konzentration im Plasma [µg/mL]
5 °C 39,5 °C
a) b)
5 Ergebnisse und Diskussion
112
Am ersten Versuchtag konnten bezogen auf die Summe von CTC und e-CTC bei einer Lagertempera-
tur von 5 °C Gehalte von 4,51 µg/mL und bei 39,5 °C 4,38 µg/mL ermittelt werden. Unter Berück-
sichtigung der Wiederholpräzision von 16,8 % bezogen auf eine Methodenpräzision für die Bestim-
mung von CTC und e-CTC in Plasma von 6 % ist CTC, ermittelt als Summe von CTC und e-CTC, bei
einer Temperatur von 5 °C nur zwei Tage, bei 39,5 °C nur einen Tag stabil. Ursache hierfür ist die
rasche Isomerisierung von CTC und e-CTC zum iso-CTC und e-iso-CTC, wobei erwartungsgemäß bei
einer Lagertemperatur von 39,5 °C die Geschwindigkeit der Reaktion deutlich höher ist als bei 5 °C.
Die iso-CTC- und e-iso-CTC-Gehalte resultieren überwiegend aus der Umwandlung im Plasma, da
eine Isomerisierung während der Probenvorbereitung weitestgehend ausgeschlossen werden kann.
Bereits am ersten Versuchstag konnten in den Plasmaproben iso-CTC und e-iso-CTC nachgewiesen
werden. Bei einer Temperatur von 39,5 °C ließen sich schon am zweiten Versuchstag überwiegend nur
noch iso-CTC und e-iso-CTC nachweisen. Bis zum Ende des Versuches hatte schließlich eine fast
vollständige Umwandlung in die isomeren Verbindungen stattgefunden. Bezogen auf die Summe aller
CTC-Komponenten konnten am ersten Versuchtag etwa 5 µg/mL festgestellt werden. Unter Berück-
sichtigung von iso-CTC und e-iso-CTC ist CTC über einen Zeitraum von fünf Tagen bei beiden La-
gertemperaturen mit Gesamtgehalten von 4,98 µg/mL (5 °C) und 5,53 µg/mL (39,5 °C) stabil. Am
achten Versuchstag konnte mit einer CTC-Gesamtkonzentration von 4,01 µg/mL (5 °C) und 3,48
µg/mL (39,5 °C) eine signifikante Konzentrationsabnahme festgestellt werden (Abb. 34 a und b).
Die in den Plasmaproben der „Knochen-Plasma-Gemische“ ermittelten CTC-Gehalte sind in Abb.
35 dargestellt.
Abb. 35: Konzentrationsverlauf der CTC-Komponenten in Plasma der „Knochen-Plasma-Gemische“
als Funktion der Zeit und Temperatur (LC-MS/MS, n = 2)
Bereits am ersten Versuchstag konnten im Plasma CTC, e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC nachgewie-
sen werden. Aus dem Gesamt-CTC-Gehalt in Knochen von 54,27 µg/kg, siehe Tab. 32, ergibt sich bei
vollständiger Elution eine maximal zu erwartende CTC-Konzentration von 32,56 µg/ml in Plasma. Mit
Gesamtgehalten von etwa 35 ng/mL wurden am ersten Versuchstag 0,1 % der CTC-Komponenten aus
dem Knochen freigesetzt. Die freigesetzte Gesamtmenge steigt über den Versuchszeitraum kontinuier-
lich an, obwohl nach den Stabilitätsuntersuchungen CTC in Plasma unter diesen Bedingungen nur
0
20
40
60
80
100
120
1234589
Versuchstag
Konzentration im Plasma [ng/mL]
0
20
40
60
80
100
120
1234589
Versuchstag
Konzentration im Plasma [ng/mL]
e-iso-CTC
iso-CTC
e-CTC
CTC
5 °C 39,5 °C
a) b)
5 Ergebnisse und Diskussion 113
über einen Zeitraum von fünf Tagen stabil ist und nach diesem Zeitraum mit einem Abbau von CTC
zu rechnen wäre. Es spielen also zwei gegenläufige Prozesse, zum einen das Herauslösen von CTC aus
dem Knochen und zum anderen der Abbau von CTC eine Rolle. Am letzten Versuchstag wurden mit
Konzentrationen von 101 ng/mL (5 °C) und 120 ng/mL (39,5 °C) 0,4 % (5 °C) und 0,4 % (39,5 °C)
der im Knochen gespeicherten Substanzen freigesetzt (Abb. 35 a und b). Ein Temperatureinfluß auf
die Freisetzung der im Knochen enthaltenen Tetracycline war also gering. Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC konnte in keiner der Plasmaproben festgestellt werden. Die in diesem Versuch ermittel-
ten freigesetzten CTC-Gehalte lagen mit duchschnittlich 0,4 % deutlich unterhalb der Werte, die
KÜHNE et al. [340] bei ihren in vitro-Versuchen ermittelt haben. So eluierte 0,3 moL/L HCl aus Kno-
chen mit einem CTC-Gehalt von 41,80 mg/kg 35,3 % aus dem Knochen, wobei sie den CTC-Gehalt
als Summe von CTC und e-CTC ermittelten.
Über die von KÜHNE et al. gewonnenen Erkenntnisse hinaus konnte durch die eigenen Untersuchun-
gen belegt werden, daß auch unter nicht sauren Bedingungen eine Freisetzung aus dem Knochen in
vitro möglich ist, wenn auch nur mit einem vergleichsweise geringen Freisetzungsgrad von 0,5 % bei
ähnlichen CTC-Gehalten in Knochen. Diese Versuche erlauben jedoch keine Aussage darüber, ob die
im Plasma der „Knochen-Plasma-Gemische“ nachgewiesenen CTC-Komponenten aus einer Freiset-
zung aus dem Knochen resultieren oder auf einer Metabolisierung bei der Lagerung der „Knochen-
Plasma-Gemische“ und Aufarbeitung der Plasmaproben beruhen. Aufgrund der Produktverteilung im
Knochen, siehe Tab. 32, und der Stabilitätsuntersuchungen von CTC in Plasma ist es aber wahr-
scheinlich, daß überwiegend CTC aus dem Knochen freigesetzt wurde, welches anschließend im
Plasma isomeriserte und während der Probenvorbereitung epimerisierte.
Zusammenfassend konnte mit den durchgeführten Versuchen anhand des Modellansatzes eine in vitro-
Freisetzung von CTC und/oder den Umwandlungsprodukten e-CTC und iso-CTC aus dem Knochen
auch unter nicht sauren Bedingungen nachgewiesen werden. Dies gibt deutliche Hinweise darauf, daß
eine Freisetzung von CTC auch in vivo stattfinden kann. Dies bedeutet, daß durch den intensiven Ein-
satz von Tetracyclinen in der Schweinemast auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung mit einem
Eintrag in die Nahrungskette zu rechnen ist. Auch nach einer Medikation ist eine Kontamination von
zur Lebensmittelgewinnung dienenden Matrices wie Muskulatur, Leber und Niere in vivo möglich.
Möglicherweise kann auch bei der Schlachtung, also der Zerteilung von Schweinen, sowie bei der
Aufbewahrung von Fleisch, welches nicht vom Knochen abgetrennt wird, wie Koteletts etc., CTC
freigesetzt werden und in andere Matrices übergehen. Damit ist durch Tetracyclinrückstände in Kno-
chen auch mit einer Kontamination von knochenhaltigen Lebensmitteln zu rechnen. Insbesondere ist
die Verwendung von Separatorenfleisch unter diesen Aspekten als bedenklich einzustufen, da dieses
Fleisch geringe Tetracyclingehalte aufweisen kann und damit durch eine subtherapeutische Aufnahme
beim Menschen zu einer Resistenzausbildung führen könnte. Bei der Verarbeitung von knochenhalti-
gen Lebensmitteln spielen neben CTC vor allem auch die Bildung von Metaboliten eine Rolle.
Bei der Verarbeitung von knochenhaltigen Lebensmitteln reicht eine Erhitzung auch über 100 °C nicht
aus, um sämtliche Tetracyclinrückstände zu zerstören, sondern führt, wie bereits am Anfang des Kapi-
tels erwähnt, zur Bildung der im Vergleich zu den Muttersubstanzen toxischeren und stärker resistenz-
fördernden Anhydroverbindungen. Darüber hinaus werden zunehmend auch sogenannten Sekundär-
kreisläufen Beachtung geschenkt. Von KÜHNE et al. [342] wird darauf hingewiesen, daß nach der
Fleischgewinnung eine Weiterverarbeitung der Knochen zu Fleischknochenmehl erfolgt, welches zu-
nehmend auch Verwendung als Düngemittel für landwirtschaftlich genutzte Flächen findet. Hieraus
5 Ergebnisse und Diskussion
114
resuliert ein indirekter Eintrag in die Nahrungskette.
5.9.2.2 Fluoreszenz-Screening-Test
Neben der quantitativen chromatographischen Bestimmung der Tetracycline in Knochen, kann auch
als Screening-Test die Fluoreszenz der Komplexe herangezogen werden. Die in Knochen eingelager-
ten Tetracycline zeigen bei Bestrahlung mit einer UV-Lampe bei einer Wellenlänge von 366 nm eine
gelbe Fluoreszenz, siehe Abb. 36, was dem qualitativen Nachweis der Tetracycline in Knochen dienen
kann. Dies stellt eine einfache Methode dar, um festzustellen, ob eine Behandlung der Tiere stattge-
funden hat. In der Vergangenheit wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um einen Zusam-
menhang zwischen der Fluoreszenzstärke und dem Tetracyclingehalt herzustellen [285, 343, 344]. In
neuerer Zeit gab es zunehmend Bestrebungen, über diesen qualtitativen Nachweis hinaus, die Fluores-
zenz der Knochen für eine semiquantitative Bestimmung mittels Fluoreszenzspektroskopie zu nutzen
[345]. Die Schwierigkeit einer (semi)-quantitativen Bestimmung der Fluoreszenz liegt vor allem in der
intrinsischen Fluoreszenz durch endogene Fluorphore in biologischen Matrices begründet, die zu Ü-
berlagerungen im Gesamtspektrum führt. So wird durch das im Knochen enthaltene Kollagen eine
bläuliche Fluoreszenz hervorgerufen [346].
Aufgrund der Komplexizität einer semiquantitativen Bestimmung von Tetracyclinen in Knochen sollte
im Rahmen dieser Arbeit nur eine qualitative Fluoreszenzuntersuchung der während der Medikations-
studien entnommenen Knochenproben durch Bestrahlung mit einer UV-Lampe und eine einfache vi-
suelle Beurteilung der Fluoreszenzstärke und ein Vergleich dieser Befunde mit den Ergebnissen der
LC-MS/MS-Untersuchung erfolgen. Eine Beurteilung der Fluoreszenzstärke und der Tetracyclingehal-
te wird vor allem auch dadurch erschwert, daß häufig mehrere Tetracyclin-Derivate gleichzeitig einge-
setzt werden und damit ein Vergleich nicht mehr möglich ist. Daher eignen sich die Proben der Medi-
kationsstudien besonders gut für diesen Vergleich, da sichergestellt werden kann, daß nur CTC zum
Einsatz kam.
Die zu untersuchenden Knochen wurden in Scheiben geschnitten, von Fleischresten befreit und an-
schließend mit einer UV-Lampe bei 366 nm bestrahlt. Die durchgeführten Untersuchungen haben
gezeigt, daß die Knochen der Tiere der FAL-Studie mit Gehalten zwischen 21,3 mg/kg und 54,3
mg/kg am stärksten fluoreszierten. Die Knochenproben der Versuchstiere der Haus Düsse Studie wie-
sen CTC-Gehalte zwischen 3,9 mg/kg und 21,2 mg/kg auf. Anhand der Knochenproben der Haus
Düsse Studie, deren CTC-Gehalte zwischen 3,9 mg/kg und 21,2 mg/kg lagen, konnte belegt werden,
daß mit steigendem CTC-Gehalt auch die Fluoreszenz sichtbar zunimmt. Die Untersuchung der Kno-
chenproben der Kontrolltiere mit dem Fluoreszenz-Screening-Test ergab ausschließlich negative Be-
funde. Obwohl keine Fluoreszenz sichtbar war, konnten mit LC-MS/MS CTC-Gehalte im Bereich von
163 µg/kg bis 219 µg/kg nachgewiesen werden. Diese Befunde entsprechen denen von KÜHNE et al.,
die ebenfalls in nicht fluoreszierenden Knochen mittels HPLC-UV Tetracyclin-Gehalte fanden [285].
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Fluoreszenz-Screening-Test als einfache und schnelle
Methode zum Nachweis einer Tetracyclinbehandlung dienen kann, wobei jedoch Knochen auch ohne
sichtbare Fluoreszenz Tetracycline in geringen Mengen enthalten können.
5.9.2.3 Applikation von CTC und Ablagerungsmuster in Knochen
In der Literatur wird beschrieben, daß über den qualitativen Nachweis von Tetracyclinen hinaus mit
5 Ergebnisse und Diskussion 115
dem Fluoreszenz-Screening-Test anhand des Ablagerungsmusters von Tetracyclinen in Knochen auch
eine Beurteilung des Applikationszeitpunktes möglich sei [339, 343, 344]. Einen großen Einfluß auf
die Menge der eingelagerten Tetracycline hat der Zeitpunkt der Verabreicherung in Bezug auf das
Stadium des Knochenwachstums. Junge Tiere, die sich zum Zeitpunkt der Tetracyclinverabreicherung
im Stadium der Knochenmineralisierung befinden, lagern eine größere Menge des Wirkstoffes im
Knochen ein als ältere Tiere [339]. Hat die letzte Applikation von Tetracyclinen erst kurz vor der
Schlachtung stattgefunden, so zeigt sich eine zunehmende Fluoreszenz auf der Knochenoberfläche.
Eine innere Ringbildung weist dagegen auf eine frühere Behandlung hin. Eigene Untersuchungen
ergaben adäquate Befunde. In Abb. 36 sind Knochenproben der Medikationsstudien bei UV-
Bestrahlung dargestellt.
Abb. 36: Fluoreszenz von Knochenproben bei UV-Bestrahlung (366 nm) (links: Kontrolltier 4 aus
Haus Düsse, Mitte: Versuchstier 7 aus Haus Düsse, rechts: Tier 95 aus der FAL)
Die linke Knochenprobe stammt von einem Kontrolltier aus der Haus Düsse-Studie und zeigte wie
auch alle anderen Kontrollproben keine gelbe Fluoreszenz. Erkennbar ist die durch Kollagen hervor-
gerufene bläuliche Fluoreszenz. Die mittlere Knochenprobe stammt von einem Versuchstier der Haus
Düsse-Studie, bei der Schweine mit CTC medikamentiert und drei Monate später geschlachtet wurden.
Diese Knochenproben zeigten eine innere fluoreszierende Schicht, an der sich nach außen aufgrund
des weiteren Wachstums eine nicht fluoreszierende Schicht anschließt. Die rechte Knochenprobe des
Tieres 95 stammt aus der FAL-Studie. Da dieses Tier bis zur Schlachtung mit CTC medikamentiert
wurde, zeigte sich im gesamten Knochengewebe, insbesondere auf der Knochenaußenseite, eine starke
Fluoreszenz. Vier Tiere der FAL-Studie wurden nach Ablauf der Wartezeit von zwei Wochen ge-
schlachtet. Die Knochenproben dieser Tiere zeigten ebenfalls eine vollständige Fluoreszenz im gesam-
ten Knochen, wobei die Knochenprobe des Tieres 95 stärker fluoreszierte als die der anderen Tiere.
Die durchgeführten Untersuchungen bestätigen, daß das Ablagerungsmuster von Tetracyclinen Rück-
schlüsse auf den Zeitpunkt der letzten Wirkstoffapplikation erlaubt. Eine fluoreszierende Knochenau-
ßenseite deuten auf eine erst kurz vor der Schlachtung stattgefundene Medikation hin, während eine
innere Ringbildung auf eine frühere Behandlung hinweist. Das Ablagerungsmuster kann jedoch nicht
zur Überprüfung der Einhaltung von Wartezeiten herangezogen werden, da auch die Knochenproben
der Tiere, die nach Ablauf der Wartezeit geschlachtet wurden, eine Fluoreszenz im gesamten Knochen
aufwiesen.
5 Ergebnisse und Diskussion
116
5.9.3 Bilanzierungsstudie von Tier 95
Ziel dieser Studie war es, exemplarisch anhand der Proben des Tieres 95, das direkt nach Medikation-
sende geschlachtet wurde, eine Bilanzierung vorzunehmen. Der CTC-Gehalt sollte hierbei über die in
Kap. 5.4 durchgeführten Untersuchungen hinaus nicht nur als Summe von CTC und e-CTC, sondern
als Total-Gehalt aus CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC ermittelt
werden. Diese Ergebnisse sollten dazu dienen, den Eintrag von CTC sowie insbesondere auch der
Metabolite in die Nahrungskette nach praxisüblicher Medikation von Schweinen in der Masttierhal-
tung bessser beurteilen zu können. Neben der Untersuchung der Produktverteilung in den einzelnen
Matrices sollte überprüft werden, ob möglicherweise noch weitere Metabolite eine Rolle spielen.
Das Tier 95 wurde drei Stunden nach der letzten Antibiotikafütterung zur Erreichung einer maximalen
Plasmakonzentration geschlachtet, da nach dieser Zeit die maximalen Plasmaspiegel erreicht werden,
siehe Kap. 3.3. Weil damit die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit von vierzehn Tagen nicht ein-
gehalten wurde, konnte dieses Tier nicht der Lebensmittelgewinnung dienen, so daß diese Studie als
anzeigepflichtiger Tierversuch durchgeführt wurde. Aus tierschutzrechtlichen Gründen blieb diese
Bilanzierungsstudie auf ein Tier beschränkt. Eine statistische Absicherung der Daten kann daher nicht
gewährleistet werden.
5.9.3.1 Urin und Faeces
Die in Urin ermittelten Ausscheidungsmengen während den beiden Medikationsphasen sind in Abb.
37 dargestellt (Einzeldaten siehe Tab. A. 9 im Anhang).
Abb. 37: Ausscheidungsmenge von CTC, e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC in Urin von Tier 95
(LC-MS/MS, n =2)
In den Urinproben konnten CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC sowie in Spuren keto-e-CTC nachge-
wiesen werden. Die Abbauprodukte Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC traten dagegen nicht auf. Die
Ausscheidungsmengen von iso-CTC und e-iso-CTC überschreiten mit Werten von maximal 23,51 mg
und 32,21 mg dabei weit die Ausscheidungsmengen von CTC und e-CTC mit Maximalwerten von
14,05 mg und 9,63 mg. Werden die Ausscheidungsmengen der einzelnen Verbindungen betrachtet, so
0
10
20
30
40
50
60
70
01234567891022232425262728293031Tag
Ausscheidungsmenge [mg]
e-iso-CTC
iso-CTC
e-CTC
CTC
2. Medikationsphase1. Medikationsphase
5 Ergebnisse und Diskussion 117
wird ersichtlich, daß sich das Produktverhältnis während der Medikationsphasen verändert. In Bezug
auf die jeweiligen Epimerenpaare zeigte sich in beiden Medikationsphasen, daß mit steigenden Ge-
samt-CTC-Ausscheidungsmengen zunächst die prozentualen Anteile von CTC/e-CTC (Summe beider
Verbindungen) an der Gesamt-CTC-Ausscheidungsmenge von etwa 30 % am ersten Medikationstag
auf etwa 45 % nach fünf Medikationstagen steigt. Mit weitergehender Medikation nimmt der relative
Anteil von CTC/e-CTC bis auf etwa 15 % stark ab und der Anteil von iso-CTC/e-iso-CTC bis auf
etwa 85 % am jeweils letzten Medikationstag stark zu. Nach der Medikationspause von elf Tagen ist
die Ausscheidungsmenge mit einem Wert von 17 mg immer noch verhältnismäßig hoch, wobei CTC,
e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC nachgewiesen werden konnten.
Die in Kap. Kap. 5.4.2.1 festgestellten Maxima im Kurvenverlauf des CTC-Gehaltes, ermittelt als
Summe von CTC und e-CTC, siehe auch
Abb. 27, lassen sich unter Einbeziehung von iso-CTC und e-iso-CTC nicht mehr erkennen. Die in
Kap. 5.4.2.1 beschriebenen vermeintlichen Maxima resultieren demzufolge aus einer zunehmenden
Isomerisierung von CTC und e-CTC während der Medikation. Ein Vergleich der Gesamt-
Ausscheidungsmenge, ermittelt als CTC-Total-Gehalt, und der Ausscheidungsmenge, bestimmt als
Summe von CTC und e-CTC, zeigt, daß sich die Ausscheidungsmengen unter Berücksichtigung der
isomeren Verbindungen erheblich erhöhen. Während die durchschnittlichen Maximalwerte in Kap.
5.4.2.1 zu 28 mg ermittelt wurden, beträgt die maximale Ausscheidungsmenge unter Berücksichtigung
der Metabolite 67 mg.
Die in Faeces ermittelten Ausscheidungsmengen der CTC-Komponenten sind in Abb. 38 dargestellt
(Einzeldaten siehe Tab. A. 10 im Anhang).
Abb. 38: Ausscheidungsmenge von CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-
CTC in Faeces von Tier 95 (LC-MS/MS, n =2)
In Faeces konnten hauptsächlich CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, in geringen Mengen Anhydro-
CTC und e-Anhydro-CTC sowie in Spuren keto-e-CTC nachgewiesen werden. Die prozentualen An-
teile der Verbindungen CTC, e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC am Total-Gehalt stellen sich in Faeces
völlig anders dar als in Urin. Während Urin bis zu 90 % iso-CTC und e-iso-CTC enthält, lassen sich in
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
01234567891022232425262728293031Tag
Ausscheidungsmenge [mg]
e-Anhydro-CTC
Anhydro-CTC
e-iso-CTC
iso-CTC
e-CTC
CTC
2. Medikationsphase1. Medikationsphase
5 Ergebnisse und Diskussion
118
Faeces maximal 22 % dieser Isomere nachweisen. Der erheblich geringere relative Gehalt an iso-CTC
und e-iso-CTC ist sicherlich darauf zurückzuführen, daß die in Faeces enthaltenen CTC-Gehalte größ-
tenteils aus dem nicht resorbierten Anteil stammen und damit stoffwechselbedingte Umwandlungen
keine so erhebliche Rolle spielen.
Am ersten Versuchstag sind die CTC-Ausscheidungsmengen noch gering und betragen nur 1,2 mg
CTC und 0,35 mg e-CTC. Weitere Produkte waren an diesem Versuchstag nicht feststellbar. In beiden
Medikationsphasen steigt die Gesamt-CTC-Ausscheidungsmenge innerhalb der ersten drei Medikati-
onstage zunächst an und bleibt dann annähernd konstant. Nach der Medikationspause von elf Tagen ist
die Ausscheidungsmenge stark auf 1,75 mg gesunken und es konnten nur noch CTC, e-CTC und iso-
CTC nachgewiesen werden. Innerhalb der ersten drei Medikationstage verschiebt sich die Produktver-
teilung der einzelnen CTC-Komponenten in Richtung der isomeren Verbindungen und bleibt an-
schließend mit gleichbleibenden Gesamtausscheidungsmengen ebenfalls konstant. Die relativen Antei-
le der CTC-Komponenten an der Gesamtausscheidungsmenge betragen dann etwa 55 % für CTC, 25
% für e-CTC, 10 % für iso-CTC, 8 % für e-iso-CTC, 1 % für Anhydro- und 1 % für e-Anhydro-CTC.
Das hier festgestellte Ausscheidungsprofil, ermittelt als CTC-Total-Gehalt, entspricht dem in Kap
5.4.2.1 als Summe von CTC und e-CTC ermittelten Ausscheidungsverhalten. Lediglich die Maximal-
ausscheidungsmengen sind unter Berücksichtigung der Metabolite mit Werten von 1273 mg (CTC-
Totalgehalt) größer als die in Kap 5.4.2.1 festgestellten maximalen Ausscheidungsmengen von durch-
schnittlich 983 mg.
Insgesamt zeigen die durchgeführten Urin- und Faecesuntersuchungen, daß unter Berücksichtigung
der weiteren Metabolite deutlich höhere Ausscheidungsmengen gefunden werden.
5.9.3.2 Schlachtproben
Die in den Schlachtproben ermittelten Gehalte sind in Tab. 33 aufgeführt. In Muskulatur und Leber
lassen sich neben CTC und e-CTC die Metabolite iso-CTC und e-iso-CTC nachweisen, in Niere nur
iso-CTC. In Knochen konnte zusätzlich zu CTC, e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC auch geringfügig die
Dehydratationsprodukte Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC festgestellt werden. Eine Berücksichti-
gung der Metabolite führt zu einer prozentualen Erhöhung des CTC-Gehaltes um 49 % für Muskula-
tur, 30 % für Leber, 8 % für Niere und 3 % für Knochen im Vergleich zum CTC-Gehalt, ermittelt als
Summe von CTC und e-CTC.
Tab. 33: CTC-, e-CTC-, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC-Gehalte in den
Schlacht- und Knochenproben von Tier 95 (LC-MS/MS, n =2)
Matrix Einheit CTC e-
CTC
CTC+
e-CTC
iso-
CTC
e-iso-
CTC
Anhydro-
CTC
e-Anhydro-
CTC
total
CTC
Muskulatur µg/kg 98,0 43,1 141,1 39,7 29,6 nn nn 210,4
Leber µg/kg 210,4 90,5 301,0 53,9 37,3 nn nn 392,2
Niere µg/kg 314,2 294,8 609,0 50,0 nn nn nn 659,0
Knochen mg/kg 43,6 9,2 52,8 1,2 0,2 0,03 0,03 54,3
Die CTC-Gehalte, ermittelt als Summe von CTC und e-CTC, liegen in Höhe der MRL-Werte bzw.
überschreiten diese geringfügig. Eine Berücksichtigung der isomeren Verbindungen führt zu einer
5 Ergebnisse und Diskussion 119
deutlichen Überschreitung der MRL-Werte. Ein Vergleich des Knochengehaltes dieses Tieres mit
denen in den anderen Tieren der FAL-Studie, die vierzehn Tage später geschlachtet wurden, siehe
Tab. 31, zeigt, daß die CTC-Gehalte im Knochen des Tieres 95 deutlich größer sind als in den anderen
Knochenproben. Dies gibt Hinweise darauf, daß nach Medikationsende nicht die vollständige Menge
des adsorbierten CTC im Knochen verbleibt, sondern durch Diffusion an das Blut abgegeben wird.
Auf eine derartige Freisetzung von CTC aus dem Knochen weisen BRÜGGEMANN et al. in verschie-
denen Studien hin [319, 339, 347].
5.9.3.3 Bilanzierung
Wie bereits in Kap. 5.4.2.1 erwähnt, existieren eine Reihe von pharmakokinetischen Studien [42, 67,
68, 70, 74, 315, 316], basierend auf mikrobiologischen Bestimmungsmethoden sowie der Radioaktivi-
tätsmessung nach Verabreicherung von C14-markierten Tetracyclinen. Mit erstgenannter Methode
lassen sich die applizierten Wirkstoffe nur unzureichend wiederfinden, da die entstehenden Metabolite
nur eine geringe oder gar keine antibiotische Aktivität aufweisen. Mit der Radioaktivitätsmessung
wird die zugeführte Wirkstoffmenge zwar quantitativ erfaßt, wobei mit dieser Methode keine Aussage
über die Struktur entstandener Metabolite möglich ist. Es werden vielmehr auch undefinierbare
„Bruchstücke“ des Antibiotikums erfaßt. Daher sollte mit dem entwickelten LC-MS/MS-Verfahren
anhand eines Tieres eine ausführliche Bilanzierung, die auch die quantitative Bestimmung der Meta-
bolite umfaßt, erfolgen. Eine Bestimmung mit HPLC-UV ist nicht möglich, da ihr Absorptionsmaxi-
mum von 275 nm in Realproben durch Begleitkomponenten gestört wird.
Es lassen sich mit den in Kap. 5.9.3.1 aufgeführten Ausscheidungsmengen an CTC, e-CTC, iso-CTC,
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC die insgesamt während beider Mediaktionsphasen ausgeschiede-
nen Mengen an CTC und Metaboliten berechnen, siehe Tab. 34.
Tab. 34: Bilanzierung über die zugeführte CTC-Wirkstoffmenge und ausgeschiedene Menge als CTC
oder Metabolite bei Tier 95
Applizierte CTC-
Menge 17,6 g
CTC e-CTC
iso-
CTC
e-iso-
CTC
Anhydro-
CTC
e-Anhydro-
CTC
total
CTC
Urin 0,14 0,09 0,27 0,32 nn nn 0,82
Ausscheidungsmenge
[g]
Faces 8,3 4,0 1,6 1,4 0,07 0,1
15,5
(Urin+Faeces) 16,32 g 93 %
Tier 95 hat über den gesamten Medikationszeitraum von der aufgenommenen CTC-Menge von 17,6 g
über Urin 0,82 g und über Faeces 15,5 g in Form der oben aufgeführten Verbindungen wieder ausge-
schieden hat. Insgesamt wurden 93 % der applizierten CTC-Wirkstoffmenge bereits während der Me-
dikation über Urin und Faeces wieder ausgeschieden.
Zur Beurteilung der im Tierkörper verbleibenden Arzneimittelmenge können die in Kap. 5.9.1 ermit-
telten Gehalte in den Schlacht- und Knochenproben herangezogen werden. Darüber hinaus wurde der
5 Ergebnisse und Diskussion
120
Gehalt der einzelnen Verbindungen im Plasma der am Schlachttag entnommenen Blutprobe dieses
Tieres bestimmt. Das Plasma enthielt 38,2 µg/L CTC, 15 µg/L e-CTC, 40,8 µg/L iso-CTC und 33,1
µg/L e-iso-CTC. Als Zusammensetzung der Schweine wurden statistische Auswertungen umfangrei-
cher Versuche an der Bundesforschungsanstalt Braunschweig-Völkenrode zugrunde gelegt. Hiernach
bestehen die im Versuch eingesetzten Kastraten aus 71,2 % Fleisch und Fett, 10,5 % Magen, Darm,
Lunge, Leber und Niere, 8,7 % Knochen und 3,5 % Blut [348]. Da zur Analyse kein Vollblut, sondern
Plasma eingesetzt wurde, erfolgte zunächst die Bestimmung des Hämatokrit-Wertes von 0,5 in Anleh-
nung an die Zentrifugationsmethode [253]. Als Blutdichte wurde hierbei näherungsweise ein Wert von
1 g/mL angenommen [253]. Mit den so ermittelten Daten läßt sich in Form einer Hochrechnung eine
Bilanzierung vornehmen, siehe Abb. 39.
Von der als CTC aufgenommenen Arzneimittelmenge von 17,6 g wurden 16,3 g, also 93 %, über Urin
und Faeces als CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC oder e-Anhydro-CTC wieder ausge-
schieden, wobei hauptsächlich die Ausscheidung über Faeces zu 88 % erfolgt ist und nur 5 % über
Urin wieder ausgeschieden wurde. Diese Resultate stimmen gut mit den Ergebnissen von
BRÜGGEMANN et al. [319] und KELLY et al. [349] überein. BRÜGGEMANN et al. fanden bei Lege-
hennen und KELLY et al. bei Ratten und Hunden 90 % bis 95 % der applizierten C14-CTC bzw. C14-
TC-Menge, gemessen an der Radioaktivität, in Urin und Kot wieder. Lediglich 0,5 g, also 3 % der
Arzneimittelmenge verbleiben im Tierkörper, wovon ein Großteil (2,75 %) im Knochen eingelagert
wird. Auch diese Befunde stimmen mit den Angaben der oben genannten Autoren gut überein. Damit
wurden von der zugeführten Arzneimittelmenge 16,81 g, entsprechend 96 %, analytisch erfaßt. Ein
Vergleich dieser Bilanz mit den ermittelten CTC-Gehalten in Urin und Faeces des Tieres 95 in Kap.
5.4.2.1 zeigt, daß sich unter Berücksichtigung von iso-CTC und e-iso-CTC der erfaßbare CTC-Gehalt
erheblich erhöht. Mit den als Summe aus CTC und e-CTC ermittelten CTC-Gehalten wurden nur 70 %
in Faeces und 2 % in Urin wiedergefunden. In den Schlachtproben spielt dagegen die Berücksichti-
gung von iso-CTC und e-iso-CTC für die Bilanzierung keine große Rolle, trotz zum Teil erheblich
höherer Gesamtgehalte in den verschiedenen Matrices, siehe Tab. 31, da ohnehin auch unter Einbe-
ziehung dieser Verbindungen nur ein geringer prozentualer Anteil von 3 % der zugeführten Arzneimit-
tel im Tierkörper verbleibt. Es ist darauf hinzuweisen, daß die im Tier verbleibende Arzneimittelmen-
ge auch aus einer Rückresorption der ausgeschiedenen Wirkstoffe im Darm, dem sogenannten entero-
hepatischen Kreislauf, resultieren kann [350]. Insbesondere können hierdurch auch
Metabolisierungsprodukte wieder rückresorbiert werden.
Unter Berücksichtigung der Analysenpräzision, der Wiederfindung und der Genauigkeit der Hoch-
rechnung bei der Bilanzierung in Bezug auf die Zusammensetzung des Schweines läßt sich sagen, daß
nahezu die gesamte verfütterte Wirkstoffmenge wiedergefunden wurde. Es ist jedoch darauf hinzuwei-
sen, daß zwischen den beiden Medikationsphasen eine Pause von elf Tagen eingehalten wurde, in der
keine Probenahmen von Urin oder Faeces stattgefunden haben. Die in diesem Zeitraum ausgeschiede-
ne Arzneimittelmenge kann demzufolge nicht abgeschätzt werden. Es ist jedoch zu erwarten, daß die
CTC-Gehalte in Faeces schnell abnehmen, da es sich hauptsächlich um nicht resorbiertes CTC han-
delt. Die in Urin vorhandenen CTC-Mengen sind ohnehin deutlich geringer als in Faeces, so daß die
Urinausscheidung während der Medikationspause wahrscheinlich eine vernachlässigbare Rolle spielt.
Mit dieser Bilanzierungsstudie konnte gezeigt werden, daß dieses LC-MS/MS-Verfahren erstmals eine
umfassende Bilanzierung unter Berücksichtigung von Metaboliten ermöglicht. Insbesondere können
mit diesem Verfahren auch die Metabolite quantitativ bestimmt werden.
5 Ergebnisse und Diskussion 121
Abb. 39: CTC-Bilanzierung für Tier 95
ZUGEFÜHRTE ARZNEIMITTELMENGE
(über 1. und 2. Medikationsphase)
17,6 g CTC (100 %)
KG zu Beginn der 1. Medikation: 75 kg
KG zu Be
g
inn der 2. Medikation: 93 k
g
Tier 95
AUSSCHEIDUNG
Urin
1. Med.-Phase: 454,8 mg
2. Med.-Phase: 363,7 mg
Summe Urin: 818,5 mg
5 %
Faeces
1. Med.-Phase: 7,1 g
2. Med.-Phase: 8,4 g
Summe Faeces: 15,5 g
≙88
%
Σ (Urin + Faeces): 16,3 g 93 %
VERBLEIBENDE CTC-KOMPONENTEN IM TIERKÖRPER
Matrix CTC-Total-
Gehalt
Menge
bezogen auf KG
Menge bezogen auf die zuge-
führte Arzneimittelmenge
[%]
Plasma 127 µg/L 0,229 mg 0,0013
Muskulatur 210,4 µg/kg 15,40 mg 0,0875
Leber 392 µg/kg 0,804 mg 0,0046
Niere 659 µg/kg 0,163 mg 0,0009
Knochen 54,3 mg/kg 484,7 mg 2,75
Σ (Plasma+Muskulatur+Leber+Niere+Knochen): 0,5 g 3 %
Schlachtung
Körpergewicht: 102,6 kg
(Lebendmasse nach Nüchterung)
Gewicht (Leber): 1,937 kg
Gewicht (Nieren): 0,248 kg
Zusammensetzung des Schweines
Matrix % Anteile bezogen auf KG
Plasma 1,8
Muskulatur 71,2
Leber 2,0
Niere 0,24
Knochen 8,7
5 Ergebnisse und Diskussion
122
5.9.4 Konsequenzen
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß ohne Berücksichtigung von iso-CTC und e-iso-CTC von der
zugeführten Arzneimittelmenge nur 13 g, also 74 %, entweder als Ausscheidungsprodukte oder als
verbleibende Arzneimittelrückstände im Tierkörper erfaßt werden, unter Einbeziehung dieser Produkte
96 %. Damit ist eine quantitative Erfassung des Verbleibs des zugeführten Wirkstoffes erfolgt. Die bei
der Bilanzierung mit berücksichtigten Abbauprodukte Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC für die
Matrices Knochen und Faeces spielen mit prozentualen Anteilen am Gesamt-CTC-Gehalt von 0,1 %
für Knochen und 0,5 % für Faeces nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch bleibt zu diskutieren, ob
diese Verbindungen aufgrund ihres 30-fach höheren Potentials, Resistenzen auszubilden, siehe Kap.
3.4.1, zur allgemeinen Resistenzsituation beitragen. Nach den Ergebnissen der Bilanzierungstudie ist
davon auszugehen, daß 88 % der applizierten CTC-Menge über Faeces und 5 % über Urin als CTC, e-
CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC oder e-Anhydro-CTC ausgeschieden werden. Damit ist mit
einem hohen Eintrag von CTC-Komponenten in die Umwelt und dadurch auch mit einem indirekten
Eintrag in die Nahrungskette zu rechnen.
Lediglich 3 % der aufgenommenen Wirkstoffmenge verbleiben im Tierkörper. Dennoch überschreiten
die Gehalte in den Schlachtproben des Tieres 95, siehe Tab. 31, die entsprechenden MRL-Werte.
Nach Ablauf der Wartezeit von 14 Tagen ließen sich in den übrigen vier Tieren durchschnittlich noch
1,4 % der applizierten Wirkstoffmenge nachweisen. Innerhalb der Wartezeit sind die Gesamt-CTC-
Gehalte in Muskulatur um den Faktor 30 von 15,4 mg auf 0,5 mg, in Leber um den Faktor 40 von
804,4 µg auf 20,42 µg und in Niere um den Faktor 32 von 163,4 µg auf 5,2 µg gesunken. Nach diesem
Zeitraum betrugen die Gehalte in den Schlachtproben bezogen auf die Summe von CTC, e-CTC, iso-
CTC und e-iso-CTC für Muskulatur 6 %, für Leber und Niere 3 % der jeweiligen MRL-Werte.
Insgesamt zeigen die in Kap. 5.4.2 und Kap. 5.9.3 beschriebenen Bilanzierungsstudien, daß auch bei
bestimmungsgemäßer Anwendung mit einem erheblichen Eintrag von CTC entweder in Form des
ursprünglichen Wirkstoffes oder von Metabolite in die Nahrungskette zu rechnen ist. Als Hauptmeta-
bolite treten hierbei e-CTC, iso-CTC sowie e-iso-CTC auf. Daneben lassen sich zum Teil auch Anhy-
dro-CTC und e-Anhydro-CTC nachweisen. Auch wenn diese Gehalte unterhalb der MRL-Werte lie-
gen, so können sie trotzdem zu einer Resistenzbildung führen. Gerade geringe Gehalte, die unterhalb
der MHK-Werte liegen, tragen zu einer Resistenzbildung bei [38]. Neben dem direkten Eintrag über
tierische Lebensmittel sind auch indirekte Eintragpfade zu nennen. Zu diesen sogenannten Sekundär-
kreisläufen gehört der Eintrag von CTC über Gülleausbringung in die Umwelt sowie die Weiterver-
wendung und Weiterverarbeitung von knochenhaltigen Lebensmitteln z.B. als Düngemittel [342].
Darüber hinaus kann es bei der Zubereitung von tetracyclinhaltigen tierischen Lebensmitteln durch
Braten oder Kochen zur Entstehung von Abbauprodukten mit im Vergleich zum Muttersubstanz toxi-
scheren und stärker resistenzfördernden Eigenschaften kommen [339, 340]. Dies verdeutlicht die
Notwendigkeit, in die Ermittlung des CTC-Gehaltes neben dem Epimeren auch die Metabolite iso-
CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit einzubeziehen. Als Resultat dieser Untersu-
chungen sollten die MRL-Werte unter Berücksichtigung der Metabolite sowie der MHK-Werte noch-
mals überprüft werden.
6 Zusammenfassung und Ausblick 123
6 Zusammenfassung und Ausblick
Chlortetracyclin (CTC) gehört zur Gruppe der Tetracyclin-Antibiotika, die häufig zur therapeutischen
Behandlung in der Schweinemast eingesetzt werden. Das Antibiotikum wird den Tieren meist oral
über das Futter verabreicht. Der hohe Einsatz von CTC in der Schweinemast in Form von Arzneimit-
telvormischungen als Fütterungsarzneimittel führte zu einem signifikanten Anstieg von Resistenzen.
Die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen wird dabei heutzutage zunehmend in einem mikro-
biell-ökologischen Zusammenhang zwischen Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt gesehen. Nach dem
derzeitigen Wissensstand kann jedoch noch keine klare Einschätzung des Gefährdungspotentials für
den Verbraucher durch die veterinärmedizinische Anwendung von Tetracyclinen gegeben werden.
Es ist gesetzlich durch den MRL-Wert vorgeschrieben, den Tetracyclin-Gehalt als Summe der Mutter-
substanz CTC und des Epimeren e-CTC zu ermitteln. Darüber hinaus bildet CTC in Abhängigkeit vom
pH-Wert weitere Umwandlungs- und Abbauprodukte wie Isochlortetracyclin und Anhydrochlortetra-
cyclin, die ebenfalls epimerisieren können. Bei den in der Literatur beschriebenen Analysenverfahren
zur Bestimmung von Tetracyclinen findet nur eine ungenügende Berücksichtigung dieser Metabolite
statt. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist kein vollständig validiertes HPLC-Verfahren zur quantitativen
Bestimmung von Tetracyclinen, welches auch die Metabolite umfaßt, bekannt. Als Ursache hierfür ist
vor allem ein Mangel an kommerziellen Referenzsubstanzen für e-iso-CTC zu sehen. Weiterhin wur-
den diese Metabolite meist als unbedenklich für den Verbraucher eingestuft, da angenommen wurde,
daß sie nur eine geringe oder gar keine antibiotische Wirksamkeit haben. Erst in neuerer Zeit findet
neben der antibiotischen Aktivität auch die Toxizität und die resistenzfördernde Wirkung der Metabo-
lite Beachtung. Der Einfluß der Metabolite auf die zunehmende Resistenzentwicklung ist aber bis
heute nicht umfassend geklärt. Diese Arbeit verfolgte daher folgende Ziele:
Um nähere Erkenntnisse über die Aufnahme und den Verbleib des in der Schweinemast eingesetzten
Antibiotikums Chlortetracyclin zu gewinnen, sollte im Rahmen eines Verbraucherschutzprojektes des
MUNLV NRW in Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungsanstalten anhand von Mastdurch-
gängen unter kontrollierten Bedingungen das Ausscheidungsverhalten und die Rückstände in
Schlachtproben untersucht werden. Im Rahmen einer ersten Medikationsstudie wurden in Zusammen-
arbeit mit dem Landwirtschaftszentrum Haus Düsse, Bad Sassendorf, Schweine unter landwirtschaft-
lich üblichen Bedingungen in einer Gruppe von 40 Tieren gehalten, definiert medikamentiert und das
Ausscheidungsverhalten von CTC in Urin sowie die CTC-Rückstände in den Schlachtproben unter-
sucht. Zur besseren Beurteilung, welche Menge der applizierten Wirkstoffe wieder ausgeschieden
wird, erfolgte in einer zweiten Medikationsstudie an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
(FAL), Braunschweig-Völkenrode, die Haltung von fünf Schweinen in Stoffwechselkäfigen, in denen
die Tiere individuell gefüttert wurden und Urin und Faeces separat gesammelt wurde. Vier Tiere wur-
den nach Ablauf der Wartezeit von vierzehn Tagen geschlachtet. Nach Überprüfung, welche Metaboli-
te in den Proben vorkommen, sollte anhand eines Tieres dieser Studie, das direkt nach Medikationsen-
de geschlachtet wurde, eine Bilanzierung unter Berücksichtigung weiterer Metabolite erfolgen.
Im Einzelnen haben sich hieraus folgende Aufgabenstellungen ergeben:
6 Zusammenfassung und Ausblick
124
Entwicklung eines HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens zur quantitativen Bestimmung von CTC
und e-CTC in Urin, Faeces, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen und qualitativer
Nachweis der Umwandlungs- und Abbauprodukte iso-CTC und Anhydro-CTC sowie deren
Epimere
Umfassende Validierung des Verfahrens unter Zugrundelegung der gültigen Richtlinien und
Normen
Ermittlung des CTC-Gehaltes in den bei den Medikationsstudien entnommenen Urin-, Faeces-
, Plasma-, Muskulatur-, Leber-, Niere- und Knochenproben gemäß der EU-Verordnung EWG
Nr. 2377/90 als Summe von CTC und e-CTC
Feststellung, welche Metabolite neben e-CTC in den Proben zusätzlich vorkommen und Beur-
teilung, ob die in den Proben nachgewiesenen Metabolite in die Ermittlung des CTC-Total-
Gehaltes mit einbezogen werden müssen
Erweiterung des validierten Analysenverfahrens für die quantitative Bestimmung der weiteren
Metabolite
Quantifizierung von CTC und weiterer Metabolite in Schlachtproben
CTC-Bilanzierung anhand eines Tieres unter Berücksichtigung weiterer Metabolite
Untersuchung gebundener Tetracyclinrückstände in Knochen
Zur chromatographischen Bestimmung von CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC mit HPLC-UV-MS/MS erwies sich die YMC-ODS-AM-Trennsäule, basierend auf
einem C 18-Material mit einem sehr geringen Metallionen-Gehalt, als optimal. Zur Trennung dieser
Verbindungen mit einer guten symmetrischen Peakform zeigte sich ein Ameisensäure/Acetonitril-
Gradient als geeignet. Zur Identifizierung der Substanzen wurden die Retentionszeiten, die UV-
Maxima und mittels ESI-Triple-Quadrupol-Massenspektrometrie erhaltenen Fragmentierungsmuster
der einzelnen Verbindungen herangezogen. Die MS/MS-Detektion wurde im MRM-Modus und die
Quantifizierung über den Totalionenstrom (TIC) der aufgenommenen Massenspuren durchgeführt.
Zur Probenvorbereitung von Urin, Faeces, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen wur-
de ein Verfahren entwickelt, welches nach Extraktion der Probe mit McIlvain-Puffer eine Aufreini-
gung mittels Festphasenextraktion umfaßt. Dieses Verfahren eignet sich gleichermaßen für die oben
angegebenen CTC-Komponenten. Als SPE-Sorbens erwies sich die Oasis HLB-Kartusche, basierend
auf einem Copolymer-Material als optimal. Es wurde gezeigt, daß es während der Probenvorbereitung
durch die Extraktion mit dem McIlvain-Puffer im schwach sauren Bereich zu einer erheblichen Epi-
merisierung kommt. Die Quantifizierung von CTC und e-CTC kann in Muskulatur, Plasma, Faeces
und Knochen sowohl mit UV- als auch MS/MS-Detektion erfolgen, für Urin, Leber und Niere ist sie
aufgrund einer mangelnden Selektivität nur mit MS/MS-Detektion möglich.
Die umfassende Validierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens erfolgte nach den gültigen Normen
und Richtlinien der DIN EN ISO/IEC 17025, der FDA sowie der EU-Richtlinie 2002/657/EG. Es
wurden die Validierungsparameter Linearität, Selektivität, Nachweis- und Bestimmungsgrenze, Rich-
tigkeit und Präzision bestimmt. Die Bestimmungsgrenzen für die Bestimmung von CTC und e-CTC
mit der MS/MS-Detektion lagen in Urin und Plasma bei 0,3 µg/L, in Leber und Niere bei 0,5 µg/kg, in
Faeces bei 140 µg/kg und in Knochen bei 5 µg/kg. Für Muskulatur konnten mit der UV-Detektion
Bestimmungsgrenzen von 8 µg/kg und für die MS/MS-Detektion 0,3 µg/kg erzielt werden. Die Über-
6 Zusammenfassung und Ausblick 125
prüfung der Linearität ergab, daß für die Bestimmung von CTC und e-CTC mit der UV-Detektion
die Kalbrierfunktionen auch in einem großen Konzentrationsbereich von 0,1 mg/L bis 100 mg/L einer
linearen Funktion genügen, bei der MS/MS-Detektion eine Linearität aber nur in einem begrenztem
Konzentrationsbeeeich gegeben ist. Für die Bestimmung von CTC und e-CTC mit der MS/MS-
Detektion mußte daher der Arbeitsbereich von 0,005 mg/L bis 50 mg/L in drei Teilbereiche aufgeteilt
werden. Die Selektivität des Verfahrens wurde durch einen Vergleich der Retentionszeiten, der UV-
Spektren, der MS-Spektren, der Produkt-Ionen-Intensitäten sowie durch eine für CTC und e-CTC
charakteristische Peaklöschung bewiesen. Die Bestimmung der Richtigkeit erfolgte über die Ermitt-
lung der Wiederfindung, die aus der Wiederfindungsfunktion berechnet wurde. Die Wiederfindungen
wurden in Abhängigkeit von der Matrix zwischen 36 % und 107 % ermittelt. Sie lagen damit teilweise
unterhalb des akzeptierten Bereiches von 70 % und 110 %, können aber dennoch als akzeptabel be-
trachtet werden, da eine ausreichende Reproduzierbarkeit gegeben ist. Die Meßpräzision für die Be-
stimmung von CTC und e-CTC in Muskulatur mit der MS/MS-Detektion betrug durchschnittlich 5 %
und ist damit deutlich geringer als die geforderten 20 %. Die Methodenpräzision unter Wiederholbe-
dingungen lag mit Werten von 6 % bis 8 % für Muskulatur, Urin, Plasma, Faeces, Leber und Niere nur
geringfügig oberhalb der für Muskulatur ermittelten Meßpräzision. Für Knochen wurde aufgrund der
Schwierigkeit, homogenes Probenmaterial zu gewinnen, eine höhere Methodenpräzision von 19 %
ermittelt.
Im nächsten Schritt wurde das für die verschiedenen Matrices entwickelte und validierte Verfahren im
Rahmen der Medikationsstudien angewendet. In der Medikationsstudie im Landwirtschaftszentrum
Haus Düsse wurden Schweine mit einer definierten Menge Chlortetracyclin medikamentiert und in
regelmäßigen Abständen Urinproben zur Untersuchung des Ausscheidungsverhaltens genommen. Eine
Versuchstiergruppe wurde mit CTC medikamentiert und eine unbehandelte Tiergruppe zur Kontrolle
mitgeführt. Drei Monate nach Absetzen der Medikation erfolgte die Schlachtung aller Tiere, wobei
den Tieren Muskulatur-, Leber-, Niere-, Knochen- und Blutproben entnommen wurden. Die während
des Mastdurchganges durchgeführten Resistenzuntersuchungen haben gezeigt, daß die aus Faeces der
Tiere isolierten E. coli-Bakterien hohe Anteile resistenter Keime aufwiesen. Die Untersuchung der
Urinproben der Versuchstiere ergab, daß nach Absetzen der Medikation der CTC-Gehalt zwar zu-
nächst stark abnahm, aber auch zum Zeitpunkt der Schlachtung im Urin CTC nachweisbar war. In
allen bei der Schlachtung genommenen Proben konnten ebenfalls geringe CTC-Gehalte festgestellt
werden, obwohl die Medikation drei Monate zurücklag. In Knochen konnten aber konnten hohe Ge-
halte von bis zu 21 mg/kg festgestellt werden. In den Knochenproben der Kontrolltiere konnten eben-
falls CTC-Gehalte ermittelt werden, die etwa 1 % der Gehalte in den Versuchstierknochenproben ent-
sprachen, wobei als mögliche Eintragsquelle von CTC bei den Kontrolltieren eine Arzneimittelver-
schleppung im Stall diskutiert wurde. Anhand der Urin- und Faecesuntersuchungen der Proben aus der
Medikationsstudie an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) konnte gezeigt wer-
den, daß über Urin 1% bis 4 % und über Faeces 55 % bis 83 % der applizierten CTC-Menge als CTC
und e-CTC wieder ausgeschieden wird. Die Gehalte in Faeces waren deutlich höher als in Urin, da
CTC nur zu etwa 30 % resorbiert wird und die in Faeces nachgewiesenen CTC-Gehalte daher über-
wiegend aus dem nicht resorbierten Anteil des Arzneimittels stammen. Die ermittelten CTC-Gehalte in
den Schlachtproben der Tiere, die nach Ablauf der Wartezeit geschlachtet wurden, lagen unterhalb der
MRL-Werte. Die Höhe der CTC-Gehalte in Muskulatur, Leber und Niere war in beiden Medikations-
studien vergleichbar, obwohl die Schlachtung der Tiere in der Haus Düsse-Studie drei Monate, in der
FAL-Studie zwei Wochen nach Medikationsende erfolgte.
6 Zusammenfassung und Ausblick
126
Neben CTC und e-CTC wurden in Urin, Faeces, Plasma, Muskulatur, Leber, Niere und Knochen iso-
CTC und e-iso-CTC, in Faeces und Knochen in Spuren auch Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
nachgewiesen. Darüber hinaus konnte in vielen Proben noch ein weiteres zunächst noch unbekanntes
Produkt festgestellt werden.
In guter Übereinstimmung mit Angaben in der Literatur konnte dieses zusätzlich in den Proben auf-
tretende Produkt anhand der UV- und Massenspektren als keto-e-CTC mit cis- oder trans-
Konfiguration identifiziert werden. Es wurde erstmals die Möglichkeit einer massenspektrometrischen
Unterscheidung der Keto-Enol-Tautomere anhand typischer Fragmetierungsreaktionen bzw. charakte-
ristischer Produkt-Ionen aufgezeigt.
Nachfolgend wurde geprüft, ob es notwendig ist, bei der Ermittlung des CTC-Gehaltes über die
gesetzlich vorgeschriebene Regelung hinaus, die eine Bestimmung des CTC-Gehaltes als Summe von
CTC und e-CTC vorsieht, auch die weiteren aufgetretenen Metabolite mit einzubeziehen. Für diese
Beurteilung wurde untersucht, welche Metabolite in vivo oder in vitro entstehen. Darüber hinaus er-
folgte die Prüfung der antibiotische Aktivität. Es wurde gezeigt, daß e-CTC, iso-CTC und e-iso-CTC
in allen Matrices sowohl in vivo als auch in vitro entstehen können. Anhydro-CTC und e-Anhydro-
CTC kommen nur in Faeces und Knochen vor, wobei diese Verbindungen in Faeces ausschließlich in
vivo entstehen, in Knochen ist auch eine in vitro-Bildung aufgrund des salzsauren Aufschlusses bei der
Probenvorbereitung möglich. Die Prüfung der antibiotischen Aktivität ergab eine antibiotische Un-
wirksamkeit von iso-CTC, alle übrigen Verbindungen sind antibiotisch aktiv. Damit wurde verdeut-
licht, daß die Ermittlung des CTC-Gehaltes neben CTC und e-CTC auch die Metabolite iso-CTC, e-
iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit einschließen sollte.
Zur Untersuchung der antibiotischen Aktivität wurde der Dreiplattentest angewendet, wobei eine
abnehmende antibiotische Aktivität in der Reihenfolge CTC, Anhydro-CTC, e-CTC, e-Anhydro-CTC
festgestellt wurde. Es konnte gezeigt werden, daß es während der Durchführung des Testes zu einer
erheblichen Umwandlung von CTC in die antibiotisch inaktive Verbindung iso-CTC kommt, was
möglicherweise zu einer Verfälschung der Ergebnisse führen kann.
Eine weitere Zielsetzung dieser Arbeit lag auf der quantitativen Bestimmung der Metabolite iso-
CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC. Das für CTC und e-CTC validierte Analy-
senverfahren wurde für die Bestimmung dieser Metabolite optimiert. Insbesondere wurde gezeigt, daß
das kommerziell nicht erhältliche e-iso-CTC durch Epimeriserung von iso-CTC in schwach saurer
Lösung hergestellt werden kann. Mit diesem erweiterten HPLC-UV-MS/MS ist erstmals eine simulta-
ne quantitative Bestimmung der genannten CTC-Komponenten möglich.
Das Ziel, CTC und e-CTC durch alkalische Behandlung der Meßprobe in die isomeren Verbindungen
zu überführen und damit über iso-CTC und e-iso-CTC als Summenparameter zu bestimmen, konn-
te für Standardlösungen erreicht werden. Die Übertragung dieser Methode auf Muskulatur erbrachte
keine quantitative Umwandlung von CTC und e-CTC in iso-CTC und e-iso-CTC.
Im Anschluß daran erfolgte die Ermittlung des CTC-Total-Gehaltes in den Schlachtproben der
Tiere der FAL-Studie, die nach Ablauf der Wartezeit geschlachtet wurden. Es wurde gezeigt, daß sich
die CTC-Gehalte unter Einbeziehung von iso-CTC und e-iso-CTC erheblich erhöhen. Vor allem für
Muskulatur konnte eine prozentuale Erhöhung des CTC-Gehaltes um 70 % festgestellt werden. Jedoch
lagen auch die CTC-Total-Gehalte unterhalb der MRL-Werte. Dennoch könnte es unter Einbeziehung
von iso-CTC und e-iso-CTC häufiger zu einer Überschreitung der MRL-Werte kommen. Anhydro-
CTC und e-Anhydro-CTC kommen nur in Knochen vor und spielen mit prozentualen Anteilen von 0,1
6 Zusammenfassung und Ausblick 127
% am CTC-Gesamt-Gehalt nur eine untergeordnete Rolle.
Da die Gehalte in Knochen mit Werten bis zu 28 mg/kg sehr hoch waren, wurde nachfolgend unter-
sucht, ob durch diese gebundenen Tetracyclinrückstände eine Gefährdung für den Verbraucher
resultieren kann. Die Ergebnisse des durchgeführten „Knochen-Plasma-Modellversuches“ belegen,
daß CTC aus Knochen wieder herausgelöst werden und ins Plasma übergehen kann. Als Resultat die-
ses Versuches erscheint auch eine in vivo Freisetzung von CTC aus Knochen als sehr wahrscheinlich.
Mit diesen Untersuchungen konnte die Annahme, daß Tetracycline irreversibel im Knochen eingela-
gert werden, widerlegt werden. Somit kann nicht davon ausgegangen werden, daß Tetracyclinrück-
stände in Knochen unbedenklich sind für den Verbraucher.
Bei der durchgeführten Bilanzierung des Tiere 95 der FAL-Studie wurde festgestellt, daß Urin ne-
ben CTC und e-CTC auch große Mengen an iso-CTC und e-iso-CTC enthält. Der prozentuale Anteil
dieser Metabolite am CTC-Gesamtgehalt betrug in Urin bis zu 90 %. In Faeces war der Anteil dieser
isomeren Verbindungen am Gesamt-Gehalt mit Maximalwerten von 22 % deutlich geringer. Darüber
hinaus ließen sich in dieser Matrix auch Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC nachweisen, die aber nur
einen prozentualen Anteil von 2 % am CTC-Gesamtgehalt darstellen. Die CTC-Gehalte in den
Schlachtproben dieses Tieres überschritten unter Einbeziehung von iso-CTC und e-iso-CTC den
MRL-Wert deutlich, während die CTC-Gehalte, ermittelt als Summe von CTC und e-CTC, etwa in
Höhe der MRL-Werte lagen. Die Bilanzierung ergab, daß von der applizierten Wirkstoffmenge 88 %
über Faeces und 5 % über Urin wieder ausgeschieden wurden. Von der im Tierkörper verbleibenden
Wirkstoffmenge wurde 2,75 % im Knochen eingelagert und nur 0,1 % verteilt in den übrigen Matrices
wiedergefunden. Damit wurde gezeigt, daß von der applizierten Wirkstoffmenge 93 % über Urin und
Faeces wieder ausgeschieden werden und damit mit einem erheblichen Umwelteintrag zu rechnen ist.
Die im Tier verbleibende Arzneimittelmenge ist mit 3 % vergleichsweise gering. Von der applizierten
Wirkstoffmenge wurde unter Einbeziehung von CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC
oder Anhydro-CTC 96 % analytisch erfaßt. Damit konnte unter Berücksichtigung möglicher Fehler-
quellen wie z.B. der Analysenpräzision, der Wiederfindung und der Genauigkeit der Zusammenset-
zung des Schweines die gesamte gefütterte Wirkstoffmenge wiedergefunden werden. Es wurde erst-
mals die Möglichkeit aufgezeigt, eine Bilanzierung, die eine quantitative Bestimmung der Metabolite
von CTC mit einschließt, durchführen zu können. Es konnte somit eine umfassende Abschätzung des
Rückstandsverhaltens des in der Schweinmast häufig eingesetzten Chlortetracyclin erfolgen.
Die durchgeführten Untersuchungen belegen, daß auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung von
CTC bei Schweinen Rückstände in tierischen Lebensmitteln unvermeidbar sind. Die den Schweinen
applizierten Wirkstoffe können als ursprünglicher Wirkstoff oder als Metabolit in antibiotisch wirk-
samer, resistenzfördernder oder sonstiger toxischer Form in die Umwelt und die Nahrungskette gelan-
gen. Die Ermittlung von Chlortetracyclinrückständen sollte daher nicht nur auf die Summe von CTC
und e-CTC beschränkt bleiben, sondern es sollten auch die Metabolite iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-
CTC und e-Anhydro-CTC mit einbezogen werden. Vor dem Hintergrund, daß auch CTC-Gehalte un-
terhalb der MRL-Werte Resistenzen fördern können, sollten die MRL-Werte nochmals überprüft wer-
den. Darüber hinaus ist vor allem ein nachhaltigerer Einsatz von Tetracyclinen in der Schweinemast
anzustreben. Weiterführende Arbeiten sollten dazu dienen, basierend auf diesem HPLC-UV-MS/MS-
Verfahren, die möglichen Einträge in Umweltkompartimente und die Nahrungskette weiter zu verfol-
gen.
7 Experimenteller Teil
128
7 Experimenteller Teil
7.1 Chemikalien
Die im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen eingesetzten Chemikalien sind nachfolgend al-
phabetisch geordnet aufgeführt.
Acetonitril (HPLC Gradient Grade; Roth/Karlsruhe)
Ameisensäure reinst, 98-100 % (Merck/Darmstadt)
Anhydrochlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros/Schwerte)
Chlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros/Schwerte)
Citronensäure (p. a.; Merck /Darmstadt)
Dinatriumhydrogenphosphat, wasserfrei (p. a.; Merck/Darmstadt)
Epianhydrochlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros/Schwerte)
Epichlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros/Schwerte)
Ethylendiamintetraessigsäure Dihydrat, EDTA (extra pure; Riedel-de-Haën /Seelze)
Isochlortetracyclin Hydrochlorid, 97 % (Acros/Schwerte)
Kaliumdihydrogenphosphat (reinst; Merck/Darmstadt)
Methanol (p. a.; Merck/Darmstadt)
Metaphosphorsäure; 40-50 % (w/w; p. a.; Merck/Darmstadt)
Natriumchlorid (reinst; Fluka/Taufkirchen)
Natriumdihydrogenphosphat Dihydrat (reinst; Merck/Darmstadt)
Natriumhydroxid, Plätzchen, 99 % (p. a.; Merck/Darmstadt)
Perchlorsäure; 60 % (w/w; p. a.; Merck/Darmstadt)
Pufferlösungen, pH 2 und pH 7 (gebrauchsfertig; Merck/Darmstadt)
Salzsäure, 37 % (w/w; p. a.; Merck/Darmstadt)
Wasser (bidestilliert über Quarzglas mit Destamat Bidest von Heraeus/Hanau)
7.2 Geräte
7.2.1 HPLC-UV-MS/MS Triple Quadrupol-System
Sämtliche HPLC-UV-MS/MS-Untersuchungen wurden an einem System, bestehend aus einer HPLC-
Anlage, der Alliance 2690, und einem Massenspektrometer, dem Quattro Ultima, der Firma Wa-
ters/Eschborn mit Ion-Spray-Interface und MassLynx-Auswertesoftware durchgeführt. Die Ionisierung
erfolgte durch Electrospray-Ionisation im positiven Meßmodus.
LC-System: Alliance 2690 (Waters)
Chromatographische Bedingungen:
Fließmittel: A: H2O/CH3CN/HCOOH (89,5/10/0,5 (v/v/v)
B: H2O/CH3CN/HCOOH (39,5/60/0,5 (v/v/v)
Flußrate: 0,4 mL/min
Vorsäule: YMC-ODS-AM, 19 x 3 mm, 5 µm (YMC)
7 Experimenteller Teil 129
Säule: YMC-ODS-AM, 150 x 3 mm, 5 µm (YMC)
Autosampler: 4 °C
Injektionsvolumen: 20 µL
Detektion: UV (PDA 996, Waters); Meßbereich: 200-400 nm
MS/MS (Quattro Ultima, Micromass/Waters) (ESI+)
allgemeingültige Tune-Page-Parameter:
Capillary Voltage [kV]: 3,5 Desolvation Gas Flow [L/h]: 500
Cone [V]: 20 Ion Energy [V]: 1
Source Temperature [°C]: 125 Entrance Potential [V]: 50
Desolvation Temperature [°C]: 270 Exit Potential [V]: 50
Cone Gas Flow [L/h]: 100 Multiplier [V]: 650
Kompressor: SF 1 (Atlas Copco/Wilrijk, Belgium)
Stickstoffgenerator: NGM-11 vin (CMC/Eschborn)
Auswertng: MassLynxTM, Version 3.5; Micromass/Eschborn
Die angegebenen Tune-Page-Parameter gelten für alle durchgeführten massenspektrometrischen Un-
tersuchungen. Messungen wurden sowohl im Full-Scan-Modus, Precursor-Ion-Scans und Produkt-Ion-
Scans, als auch im MRM-Modus durchgeführt:
7.2.2 Probenzerkleinerung
Moulinette
Ultra-Turrax T 25; Dispergiergerät (Ika Labortechnik/Staufen)
Schneidmühle , Typ SM 2000 (Retsch/Haan)
7.2.3 Probenhomogenisierung
Horizontalschüttler HS 501 digital (Ika Labortechnik/Staufen)
Vortex-Rüttler, Minishaker MS 2 (Ika Labortechnik/Staufen)
7.2.4 Zentrifugen
Minifuge T (Heraeus Sepatech/Osterode)
Varifuge 3.OR (Heraeus Sepatech/Osterode)
7.2.5 SPE-Extraktionseinheit
Zur Durchführung der Festphasenextraktion wurde ein Vakuumfiltrationsgerät mit 12 Steckplätzen
J.T. Baker spe-12 G (Baker/Gross-Gerau) eingesetzt. Die Durchflußgeschwindigkeit wurde über auf-
gesetzte Kunststoffhähne reguliert und gegebenfalls durch Anlegen eines Vakuums über eine Wasser-
strahl- oder Membranpumpe erhöht.
7.2.6 TurboVap
Zum Einengen von Lösungen wurde ein TurboVap® LV Evaporator, Typ ZW 7001 (Zymark/Idstein)
eingesetzt. Hierzu wurden die Lösungen in spezielle Reagenzgläser (Vap-Gläser) gefüllt, in einen ent-
sprechenden Einsatz in einem Wasserbad temperiert und das Lösungsmittel im Luft- oder Stickstoff-
7 Experimenteller Teil
130
strom abgeblasen.
7.2.7 pH-Meter
Es wurde ein Digital-Mikroprozessor-pH-Meter der Firma Knick/Berlin eingesetzt. Vor jeder Messung
erfolgte eine Kalibrierung des Gerätes mit gebrauchsfertigen Pufferlösungen der pH-Werte 2 und 7.
7.2.8 UV-Lampe
Zur Bestrahlung der Proben mit UV-Licht wurde eine UV-Lampe REPROSTAR II Transilluminator
mit variabler Wellenlänge der Firma Camag/Berlin eingesetzt. Zur Sichtbarmachung der Fluoreszenz
wurde eine Wellenlänge von 366 nm eingestellt.
7.3 Lösungen/Reagenzien
7.3.1 Mobile Phase
Fließmittel A: In einen 1000 mL-Meßkolben wurden etwa 700 mL bidest. H2O vorgelegt und 100 mL
Acetonitril (HPLC Gradient Grade) sowie 5 mL konzentrierte Ameisensäure (reinst) zugegeben. An-
schließend wurde mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt und gut gemischt. Der pH-Wert des Fließmittels
betrug 2,2.
Fließmittel B: In einen 1000 mL-Meßkolben wurden etwa 200 mL bidest. H2O vorgelegt und 600 mL
Acetonitril (HPLC Gradient Grade) sowie 5 mL konzentrierte Ameisensäure (reinst) zugegeben. An-
schließend wurde mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt und gut gemischt. Der pH-Wert des Fließmittels
betrug 2,6.
7.3.2 McIlvain-Puffer, pH 4 mit 0,1 moL/L EDTA
McIlvain-Stammlösung: Es wurden 284 g Na2HPO4 (2 Mol) und 210 g Zitronensäure Monohydrat
(1 Mol) mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt. Die Lösung wurde bei einer Temperatur von 4 °C bis
8 °C im Kühlschrank aufbewahrt.
EDTA-McIlvain-Puffer: 100 ml McIlvain-Stammlösung wurden mit 800 mL bidest. H2O versetzt
und 37,2 g EDTA (0,1 mol/L) darin aufgelöst. Der pH-Wert dieser Lösung wurde mit Salzsäure
(6 mol/L) auf 4 eingestellt und mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt.
7.3.3 Stammlösungen
Die Stammlösungen aller eingesetzten Substanzen wurden als Einzellösungen hergestellt und aliquo-
tiert bei einer Temperatur von -80 °C aufbewahrt. Zur Herstellung der Stammlösung wurden 10 mg
der Festsubstanz in einen 10 mL-Meßkolben eingewogen und mit Methanol (p. a.) auf 10 mL aufge-
füllt. Diese Lösung (β = 1 g/L) wurde dann in Aliquoten von 1 mL aufgeteilt und sofort tiefgefroren.
7.3.4 Standardlösungen
Die für die Versuche eingesetzten Standardlösungen in Form von Einzelstandardlösungen wurden
durch Verdünnung aus den Stammlösungen mit Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v), pH 2,8 herge-
7 Experimenteller Teil 131
stellt, entsprechend der Stammlösung aliquotiert und ebenfalls bei einer Temperatur von -80 °C auf-
bewahrt.
7.3.5 Kalibrierlösungen
Die Kalibrierlösungen der jeweiligen Epimerenpaaren (CTC/e-CTC, Anhydro-CTC/e-Anhydro-CTC,
epimerisiertes iso-CTC) wurden aufgrund der Stabilität, bedingt durch die leichte Epimerisierung in
schwach saurer Lösung, im Verhältnis 1:1 durch Verdünnung der Stammlösungen mit Metha-
nol/Fließmittel A (50/50) (v/v) hergestellt, anschließend entsprechend der Stammlösungen aliquotiert
und bei einer Temperatur von -80 °C eingefroren.
7.4 Medikationsstudien
7.4.1 Haus Düsse-Studie
Der Versuchablauf des Mastdurchganges im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse sowie die entnom-
menen Proben sind in Tab. 35 tabellarisch dargestellt. Versuchstier 3 mußte während der Mastphase
zusätzlich 2 x mit Tardomyocel und 5 x mit Baytril behandelt werden: 6 mL Tardomyocel am
17./19.6. und 5 mL Baytril am 20./21./22./24./28.6.
Tab. 35: Versuchsdurchführung und Beprobungsplan
Datum Bemerkung Matrix Menge
26.05.2000 Einstallung der Tiere - -
29.05.2000 1. Probenahme
(zur Erfassung des Grundstatus) Urin 10-100 mL
30.05.2000 Beginn der Medikation - -
13.06.2000 Ende der Medikation - -
14.06.2000 2. Probenahme (erste Probenahme nach
Medikationsende) Urin 10-100 mL
27.06.2000 3. Probenahme Urin 10-100 mL
11.07.2000 4. Probenahme Urin 10-100 mL
25.07.2000 5. Probenahme Urin 10-100 mL
08.08.2000 6. Probenahme Urin 10-100 mL
22.08.2000 7. Probenahme Urin 10-100 mL
28.08.2000 Probenahme bei
der Schlachtung
Urin
Muskulatur
Knochen
Blut
Leber
Niere
20-50 mL
ca. 200 g
Unterschenkel
ca. 500 mL
150 - 200 g
150 - 200 g
In den nachfolgenden Tabellen sind einzelne Daten zum Alter, Geschlecht und Schlachtgewicht der
am Versuch beteiligten Tiere sowie Angaben zur Versuchsdurchführung wie Buchtnummer des Stalls
und Kennzeichnung der Tiere aufgeführt.
7 Experimenteller Teil
132
Tab. 36: Einzelne Daten zu den Kontrolltieren
Versuchstier
nummer Geschlecht Geburts-
datum
Schlacht-
datum
Bucht-
nummer
Ohr-
marke
Schlachtge-
wicht [kg]
1 Börge 10.03.2000 24.08.2000 49 1194 74.4
2 Börge 10.03.2000 24.08.2000 49 1175 77.2
3 Börge 16.03.2000 24.08.2000 49 1107 76.0
4 Börge 13.03.2000 24.08.2000 49 1217 75.8
5 Sauschwein 13.03.2000 24.08.2000 43 1220 74.0
6 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 43 1204 86.6
7 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 43 1289 79.6
8 Sauschwein 09.03.2000 24.08.2000 43 1082 78.0
9 Börge 10.03.2000 24.08.2000 41 1171 81.8
10 Börge 16.03.2000 24.08.2000 41 1138 87.8
11 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 47 1086 76.8
12 Börge 16.03.2000 24.08.2000 45 1141 88.8
durchschnittliches Schlachtgewicht [kg]: 79,7
Tab. 37: Einzelne Daten zu den Versuchstieren
Versuchstier
nummer Geschlecht Geburts-
datum
Schlacht-
datum
Bucht-
nummer
Ohr-
marke
Schlachtge-
wicht [kg]
1 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 44 1181 87.4
2 Sauschwein 04.03.2000 24.08.2000 44 1046 87.2
3 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 44 1182 33.0
4 Sauschwein 09.03.2000 24.08.2000 44 1079 71.8
5 Sauschwein 13.03.2000 24.08.2000 48 1223 76.6
6 Sauschwein 20.02.2000 24.08.2000 48 1218 82.0
7 Sauschwein 17.03.2000 24.08.2000 48 1123 83.6
8 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 44 1195 88.4
9 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 44 1176 92.4
10 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 44 1206 79.0
11 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 48 1193 84.8
12 Sauschwein 10.03.2000 24.08.2000 48 1089 77.0
durchschnittliches Schlachtgewicht [kg]: 78,6
Die im Rahmen der Medikationsstudie durchgeführten Probenahmen erfolgten mit Unterstützung des
LEJ und fanden an den jeweils angegebenen Tagen vormittags statt. Die Proben wurden nach der Ent-
nahme gekühlt zum SVUA Detmold transportiert und dort mit Ausnahme der Blutproben ohne weitere
Bearbeitung bis zur Analyse tiefgefroren. Die Blutentnahme erfolgte in 500 mL-Gefäßen, die 7,5 mL
einer gesättigten EDTA-Lösung (107 g Ethylendiamintetraessigsäure Dihydrat in 1 L bidest. Wasser)
enthielten. Nach dem Transport zum SVUA Detmold wurden die Blutproben zur Gewinnung des
Plasmas sofort bei 3300 g 15 Minuten ungebremst zentrifugiert und das Plasma als zellfreier Über-
stand abgenommen. Das so gewonnene Plasma wurde ebenfalls bis zur Analyse tiefgefroren. Die zur
7 Experimenteller Teil 133
Analyse notwendige Homogenisierung von Muskulatur, Leber und Niere erfolgte, wie in der Analy-
senvorschrift in Kap. A. 9 im Anhang beschrieben. Die Knochenproben wurden zunächst im SVUA
Detmold in der Sektion in Scheiben geschnitten, von Fleischresten befreit und anschließend im SVUA
Krefeld in einer Knochenmühle (S. Kap. 7.2.2) gemahlen, wobei die Knochenproben beim Transport
gekühlt wurden. Die Analyse der innerhalb der Studie entnommenen und gegebenenfalls homogeni-
serten Proben erfolgte nach der Analysenvorschrift (s. Kap. A. 9 im Anhang) in einer Zweifach-
Bestimmung. Die Konzentrationsbestimmung von CTC und e-CTC erfolgte ausschließlich über die
massenspektrometrische Detektion.
7.4.2 FAL-Studie
Aufzucht der Tiere: Zunächst wurden Ferkel in einer Gruppe auf dem Flatdeck im Institut für Tier-
zucht, FAL Mariensee, ohne Arzneimitteleinsatz aufgezogen. Die Ferkel wurden mit einer Ohrmarke
gekennzeichnet. Fünf Börgen, also Kastraten, wurden in der 18. KW 2001 zur Bundesforschungsan-
stalt für Landwirtschaft in Braunschweig transportiert. Die Haltung in Stoffwechselkäfigen mit einer
separaten Sammlung von Urin und Kot ist nur mit Börgen möglich. In der FAL wurden die Tiere bis
zum Versuchsbeginn am 16.07.01 in einem separaten Stall in Einzelbuchten gehalten, um die Arznei-
mittelfreiheit der Tiere zu gewährleisten. Nachdem die Tiere ein Gewicht von 71-89 kg erreicht hatten,
wurden die Tiere in Stoffwechselkäfigen aufgestallt.
Haltung der Tiere in Stoffwechselkäfigen: Nach der Einstallung in die Stoffwechselkäfige erfolgten
zwei Medikationsphasen von jeweils zehn Tagen, unterbrochen von einer aus Tierschutzgründen not-
wendigen Pause von elf Tagen. Die Medikationen erfolgten vom 16.-26.07.2001 und 06.-16.08.2001.
Urin und Kot wurden separat aufgefangen und täglich tierweise zu Gülle zusammengeführt. Zusätzlich
wurden am Anfang, in der Mitte und am Ende der jeweiligen Medikationsphase Blutproben entnom-
men. Während der Medikationspause wurden die fünf Tiere in einem separaten Stall in Einzelbuchten
gehalten, wobei der hierbei angefallende Kot und Urin verworfen wurde.
Medikation der Tiere: Die Medikation der Tiere, Art und Dauer, erfolgte unter praxisnahen therapie-
üblichen Bedingungen. Den Tieren wurde das Arzneimittel Chlortetracyclin 100 oral über das Trok-
kenfutter (Mischung aus Gerste, Weizen, Sojaschrot, Mineralstoffzusammensetzung, 1% Sojaöl) ver-
abreicht. Die Dosierung entsprach der maximal üblichen therapeutischen Anwendung, wobei sich die
Applikationsmenge des Wirkstoffes nach dem Körpergewicht der Tiere richtete. Chlortetracyclin 100
enthält pro 1000 g Präparat 100 g des Wirkstoffes Chlortetracyclin (Hersteller: BELAPHARM), wobei
nach Vorschrift pro kg Körpergewicht 100 mg des Präparates als Pulver eingesetzt wurden (also tägli-
che Dosis: 7 g Pulver/Tier (70 kg KGW). Unter Berücksichtigung der Gewichtszunahme der Tiere
während des Versuches wurde die Dosierung jeden zweiten Tag erhöht. Die Dosierung der Arzneimit-
tel ist im einzelnen in Tab. A. 2 und Tab. A. 3 im Anhang aufgeführt. Die Fütterung der Tiere mit
Antibiotika fand zweimal täglich, morgens und nachmittags, statt. Die Fütterungen mit Arzneimittel
erfolgten vom 16.07.01 (nachmittags) bis zum 26.07.01 (vormittags) sowie vom 06.08.01 (nachmit-
tags) bis zum 16.08.01 (vormittags).
Einmischung in das Futter: Die Einmischung der Arzneimittel in das Trockenfutter erfolgte in der
FAL Braunschweig. Damit gewährleistet war, daß die Tiere tatsächlich die gesamte Arzneimittelmen-
ge aufnehmen, wurden die Antibiotika täglich neu in das Futter eingemischt: Dazu wurde das Arznei-
mittel bei der täglichen Fütterung in die Mitte des Futters eingemischt, so daß das Tier zuerst das „An-
7 Experimenteller Teil
134
tibiotikafutter“ frißt. Dabei wurde von der Annahme einer durchschnittlichen täglichen Futteraufnah-
me von 2,5 kg pro Tier ausgegangen.
Schlachtung der Tiere: Das Tier mit der Tiernummer 95 wurde mit dem Ziel einer Bilanzierung di-
rekt nach Medikationsende am 16.08.2001 geschlachtet. Da die maximale Serumkonzentration ca. 3-4
h nach einer oralen Verabreichung erreicht wird, erfolgte die Schlachtung ungefähr 3 h nach der letz-
ten Fütterung. Die letzte Fütterung fand um ca. 7.00 Uhr statt, die Schlachtung des Tieres um 10.00
Uhr. Nach der bei der Schlachtung durchgeführten Probenahmen von Leber, Niere, Muskulatur, Kno-
chen, Blut, Urin und Kot erfolgte die Beseitigung des verbleibenden Tierkörpers durch die FAL
Braunschweig-Völkenrode. Die übrigen vier Tiere wurden bis zum Ablauf der Wartezeit von 14 Ta-
gen in einem separatem Stall in Einzelbuchten gehalten. Anschließend erfolgte am 30.08.2001 die
Schlachtung und Beprobung (Leber, Niere, Muskulatur, Knochen, Blut, Urin und Kot) der Tiere.
Probenahmen und Lagerung der Proben: Zur Erfassung des Grundstatus wurden am Montag, den
16.07.01, vor Beginn der ersten Medikation Urin-, Kot- und Blutproben genommen. Die Probennahme
fand am Vormittag statt. Am Montag Nachmittag wurde mit der Medikation der Tiere begonnen. Die
folgenden Probenahmen von Urin und Kot erfolgten täglich nachmittags. Blutproben können bei
Schweinen nicht so häufig entnommen werden, weshalb diese Probenahmen nur am Anfang, in der
Mitte und am Ende einer jeden Medikationsphase durchgeführt wurden. Die Urin- und Kotproben
wurden bis zur Abholung in der FAL tiefgefroren. Blutproben wurden in von der FAL zur Verfügung
gestellten EDTA-Röhrchen entnommen, anschließend in der FAL zentrifugiert und die so erhaltenen
Plasmaproben ebenfalls bis zur Abholung in der FAL tiefgefroren. Die tiefgefrorenen Proben wurden
am Ende der ersten und zweiten Medikationsphase abgeholt. Die bei der Schlachtung des Tieres 95
entnommenen Proben wurden direkt nach Detmold zum SVUA Detmold transportiert. Die Schlacht-
proben der 14 Tage später geschlachteten Tiere wurden zunächst in der FAL bis zur Abholung tiefge-
froren. Alle entnommenen Proben wurden beim Transport gekühlt, homogenisiert und anschließend
bis zur Aufarbeitung wieder tiefgefroren. Die Homogenisierung der Proben erfolgte mit Ausnahme
von Knochen im SVUA Detmold. Die Knochenproben wurden im SVUA Krefeld in einer Knochen-
mühle (s. Kap. 7.2.2) zerkleinert, wobei die Proben während des Transportes gekühlt wurden.
Das Alter und Schlachtgewicht der am Versuch beteiligten Börgen ist in Tab. 38 zusammengefaßt.
Tab. 38: Alter und Schlachtgewicht der Versuchstiere (Börgen)
Versuchstiernummer Geburtsdatum Schlachtdatum Schlachtgewicht [kg]
93 19.02.2001 16.08.2001 105,6
94 16.02.2001 30.08.2001 104,0
95 19.02.2001 30.08.2001 102,6
96 16.02.2001 30.08.2001 110,2
97 19.02.2001 30.08.2001 111,2
Die Analyse der innerhalb der Studie entnommenen und gegebenenfalls homogeniserten Proben er-
folgte nach der allgemeinen Analysenvorschrift (s. Kap. A. 9) in einer Zweifach-Bestimmung. Die
Konzentrationsbestimmung aller Verbindungen erfolgte ausschließlich über die MS/MS-Detektion.
Der Versuchablauf des Mastdurchganges an der FAL sowie die entnommenen Proben sind in Tab. 39
tabellarisch dargestellt.
7 Experimenteller Teil 135
Tab. 39: Versuchsdurchführung und Beprobungsplan
Ver-
suchstag Datum Bemerkung Matrix Menge
0 16.07.2001
Einstallung der Tiere
in Stoffwechselkäfige
(Probenahme zur Erfassung des Grund-
status)
Blut
Urin
Kot
20 30 mL
50-100 mL
20-30 g
1-10 17.07.-
26.07.2001
1. Medikationsphase
(Haltung der Tiere
in Stoffwechselkäfigen)
tägliche Probenahme
Urin
Kot
50-100 mL
20-30 g
4, 10 20./26.07.
2001 Probenahme Blut 20 30 mL
11-21 27.07.-
05.08.2001
Medikationspause
(Haltung der Tiere außerhalb der
Stoffwechselkäfige)
-- --
21 06.08.2001 erneute Einstallung der Tiere
in Stoffwechselkäfige
Blut
Urin
Kot
20 30 mL
50-100 mL
20-30 g
22-31 06.08.-
16.08.2001
2. Medikationsphase
(Haltung der Tiere
in Stoffwechselkäfigen)
tägliche Probenahme
Urin
Kot
50-100 mL
20-30 g
25, 31 10./16.08.
2001 Probenahme Blut 20 30 mL
31 16.08.2001 Schlachtung eines Tieres
direkt nach Medikationsende
Blut
Urin
Kot
Leber
Niere
Muskulatur
Knochen
20 30 mL
50-100 mL
20-30 g
vollständig
vollständig
Oberschenkel
Oberschenkel
31-46 16.08.-
30.08.2001
Haltung von vier Tieren bis zum
Ablauf der Wartezeit
außerhalb der Stoffwechselkäfige
-- --
46 30.08.2001 Schlachtung der Tiere
Blut
Urin
Kot
Leber
Niere
Muskulatur
Knochen
20 30 mL
50-100 mL
20-30 g
vollständig
vollständig
Oberschenkel
Oberschenkel
7.5 Methodenentwicklung
7.5.1 Chromatographische Bestimmung
Zur Entwicklung der Gradientenmethode wurden Standardlösungen aus CTC, e-CTC, iso-CTC und
Anhydro-CTC (β = 10 mg/L) einzeln sowie auch als Mischlösung in Methanol/Fließmittel A (50/50)
(v/v), pH 2,8 mit der in Kap. 7.2.1 beschriebenen Gerätekombination chromatographisch unter Ein-
satz von Ameisensäure und Acetonitril als Fließmittel (Fließmittel A: H
2O/CH3CN/HCOOH
7 Experimenteller Teil
136
(89,5/10/0,5 (v/v/v); B: H2O/CH3CN/HCOOH (39,5/60/0,5 (v/v/v)) untersucht. Der unter Verwendung
der C-18-HPLC-Säule YMC-ODS-AM (150 x 3 mm, 3 µm; RSC Chromatographie/Reinhardshagen)
entwickelte und optimierte Gradientenverlauf ist in Tab. 40 aufgeführt.
Tab. 40: Zeitlicher Verlauf des Ameisensäure-Acetonitril-Gradienten
Zeit [min] Fließmittel A [%] Fließmittel B [%]
0 90 10
1,5 80 20
12 60 40
15 40 60
18 0 100
22 0 100
25 90 10
29 90 10
Zur Auswahl der chromatographischen Trennsäule wurden die in Tab. 41 aufgeführten RP-Säulen auf
ihre Eignung zur Trennung von CTC sowie der Abbau- und Umwandlungsprodukte hin untersucht.
Hierzu wurden Mischstandardlösungen aus CTC, e-CTC, iso-CTC und Anhydro-CTC (β = 10 mg/L)
in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v), pH 2,8 mit der in Tab. 40 dargestellten Gradientenmethode
jeweils dreimal chromatographisch untersucht.
Tab. 41: Eingesetzte Reversed-Phase-HPLC-Säulen
Bezeichnung Phase
End-
capping
Dimension
[mm]
Partikel-/
Porengröße Hersteller
YMC-ODS-AM C 18 unpolar 150 x 3 3 µm, 120 Å YMC Europe/Schermbeck
RSC-Gel C 18 Aq C 18 polar 250 x 4 5 µm, 120 Å RSC/Reinhardshagen
RSC-Gel 120 C 18 L C 18 unpolar 125 x 4 5 µm, 120 Å RSC/Reinhardshagen
YMC-Pack Phenyl Phe-
nyl unpolar 150 x 2,1 3 µm, 120 Å YMC Europe/Schermbeck
Zur Ermittlung der UV-Absorptionsmaxima unter den gegebenen chromatographischen Bedingungen
wurden mittels UV-Detektion der in Kap. 7.2.1 beschriebenen Gerätekombination die UV-Spektren
von CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC, injiziert als Mischlösung
(β = 10 mg/L) in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v), pH 2,8, im Wellenlängenbereich von 200-400
nm aufgenommen.
Zur Ermittlung des Fragmentierungsmusters bei der massenspektrometrischen Detektion mit dem Tri-
ple Quadrupol-System erfolgte die Aufnahme von Precursor- und Produkt-Ionen-Scans im Bereich
von m/z 100-800 und m/z 60-500 durch Direktinjektion von Standardlösungen über eine Spritzen-
pumpe (Havard Apparatus von Applied Biosystems/Darmstadt) mit einer Fließgeschwindigkeit von 10
µL/min. Die hierzu eingesetzten Standardlösungen (10 mg/L) wurden zur Annäherung an die HPLC-
Elutionsbedingungen durch Verdünnung der Stammlösungen mit Fließmittel A/Fließmittel B (50/50)
(v/v) hergestellt. Anschließend erfolgte für die Messung im MRM-Modus die Optimierung der Ein-
stellungen im Interface (Erzeugung des Precursor-Ions) sowie der Kollisionsenergien (Erzeugung der
Produkt-Ionen). Die hierbei erhaltenen optimalen Parameter sind in der Analysenvorschrift in Kap. A.
9 aufgeführt.
7 Experimenteller Teil 137
7.5.2 Stabilität von CTC und e-CTC in Lösung
Zur Untersuchung der Stabilität und der Epimerisierungsrate von CTC wurde zunächst eine Standard-
lösung von CTC in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v) (β = 10 mg/L) bei Temperaturen von 5 °C,
25 °C und 40 °C über einen Zeitraum von 60 h aufbewahrt und die Konzentration mittels HPLC-UV
bei einer Wellenlänge von 275 nm in Zeitintervallen von 3 h bestimmt. Zusätzlich wurde eine Misch-
standardlösung aus CTC und e-CTC im Verhältnis 1:1 in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v) (β = 10
mg/L) bei einer Temperatur von 5 °C über einen Zeitraum von 60 h aufbewahrt und ebenso wie bei
den Einzelstandardlösungen die Konzentrationen mit HPLC-UV in Intervallen von 3 h ermittelt. Zur
Untersuchung der Langzeitstabilität von CTC und e-CTC in Kalibrierlösungen (s. Kap. 7.3.5) wurden
aliquotierte Mischstandardlösungen aus CTC und e-CTC im Verhältnis 1:1 in Methanol/Fließmittel A
(50/50) (v/v) (β = 10 mg/L) bei einer Temperatur von -80 °C über einen Zeitraum von sechs Monaten
gelagert. In Zeitabständen von zwei Wochen wurde ein Aliquot entnommen und die Konzentration
von CTC und e-CTC mit HPLC-UV ermittelt.
7.5.3 Entwicklung und Optimierung der Probenvorbereitung
7.5.3.1 Auswahl der SPE-Materials
Zur Auswahl eines geeigneten SPE-Materials für die Bestimmung von CTC und e-CTC wurden zu 10
mL EDTA-McIlvain-Puffer 200 µL CTC-Standardlösungen der Massenkonzentrationen 10 mg/L und
100 mg/L zudotiert und mit den in Tab. 42 angegebenen SPE-Kartuschen Festphasenextraktionen
durchgeführt. Alle Kartuschen wurden zunächst mit 3 mL Methanol und 3 mL bidest. H2O konditio-
niert. Anschließend erfolgte die Aufgabe der EDTA-McIlvain-Puffer-CTC-Lösung und ein Wasch-
schritt, bestehend aus 2 x 3 mL 5%igem Methanol. Die Elution erfolgte fraktioniert mit 3 x 2 mL Me-
thanol, die Fraktionen wurden im TurboVap bei einer Temperatur von 30 °C eingeengt und der Rück-
stand mit 200 µL MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) wieder aufgenommen.
Tab. 42: Untersuchte SPE-Phasen
Bezeichnung Phase
Festbett-
menge [mg]
Dimension der
Kartusche [mL] Hersteller
Chromabond
Tetracycline C 18 500 6 Macherey &Nagel/
Düren
Oasis HLB Copolymer 200 6 Waters/Eschborn
Nexus Copolymer 200 6 Varian/Darmstadt
7.5.3.2 Einfluß der Zusammensetzung des Extraktionsmittels
Zur Untersuchung des pH-Wert-Einflusses des Extraktionsmittels und des EDTA-Zusatzes auf die
Wiederfindung wurden McIlvain-Puffer der pH-Werte 2, 3, 4, 5 und 6 hergestellt, indem zu 100 mL
McIlvain-Stammlösung 800 mL bidest. H2O gegeben wurde, dem EDTA-McIlvain-Puffer zusätzlich
3,72 g (0,01 moL/L) EDTA. Der pH-Wert der Pufferlösungen wurde mit HCl (6 mol/L) oder NaOH (2
moL/L) eingestellt und die Lösung mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt. Zu 10 mL des jeweiligen Puf-
fers wurden 200 µL einer CTC-Standardlösung (β = 10 mg/L) zudotiert und die SPE wie folgt durch-
geführt: Die Kartuschen wurden mit 3 mL Methanol und 3 mL bidest. H2O konditioniert, anschließend
die dotierten Pufferlösungen auf die Kartuschen aufgegeben und die Kartuschen 2 x mit 3 mL 5%igem
7 Experimenteller Teil
138
Konditionierung der SPE-Kartusche (Oasis HLB)
1. 3 mL MeOH 2. 3 mL bidest H2O
Probenaufgabe
Waschschritt (2 x mit 3 mL 5 % MeOH in bidest. H2O)
Elution mit 3 mL MeOH
Einengen des Eluates im TurboVap (30 °C)
Aufnahme des Rückstandes in 200 µL MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v)
Methanol gewaschen. Die Elution der Analyten erfolgte mit 3 mL Methanol. Das erhaltene Eluat wur-
de im TurboVap (s. Kap. 7.2.6) bei einer Temperatur von 30 °C eingeengt und der Rückstand mit 200
µL MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) wieder aufgenommen.
7.5.3.3 Wiederfindungsstudien mit CTC und e-CTC
Zu 10 mL EDTA-McIlvain-Puffer (0,1 moL/L EDTA) wurden 200 µL von Einzelstandardlösungen
der Substanzen CTC und e-CTC (β = 10 mg/L) zudotiert und die SPE wie unter Kap. 7.5.3.5 be-
schrieben durchgeführt.
7.5.3.4 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisierung
von CTC und e-CTC
Um zu überprüfen, in welchem Schritt der Probenvorbereitung eine Epimerisierung stattfindet, wurden
anhand von Standardlösungen von CTC und e-CTC Teilschritte des SPE-Verfahrens durchgeführt und
die resultierenden Gehalte der jeweiligen Epimerenpaare mittels HPLC-UV (s. Kap. 7.2.1) ermittelt.
Die Durchführung der einzelnen Versuche wurde bereits in Kap. 5.2.2.4 beschrieben (s. Tab. 8).
7.5.3.5 Zusammenfassung des SPE-Verfahrens
Abb. 40: Vorgehensweise bei der Festphasenextraktion
7.5.4 Probenvorbereitung verschiedener Matrices
Für die nachfolgend beschriebenen Wiederfindungsstudien von CTC in Urin, Plasma, Faeces, Musku-
latur, Leber und Niere wurde nicht belastetes Probenmaterial aus den durchgeführten Medikationsstu-
dien verwendet.
7.5.4.1 Urin, Plasma und Kot
Urin: Es wurden 5 mL Urin in ein 10 mL-PP-Röhrchen (Merck/Darmstadt) gegeben. Nach Zugabe
7 Experimenteller Teil 139
von 4 mL EDTA-McIlvain-Puffer wurde 15 Minuten bei 3300 g bei einer Temperatur von 10 °C zen-
trifugiert. Der Überstand wurde zur SPE eingesetzt und wie unter Kap. 7.5.3.5 beschrieben aufgear-
beitet.
Plasma: Das für die nachfolgend beschriebenen Versuche eingesetzte Plasma wurde aus EDTA-
Vollblut der im Rahmen der Medikationsstudie im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse entnommenen
Blutproben der unbehandelten Kontrolltiere gewonnen. Die Gewinnung des Plasmas ist in Kap. 7.4
beschrieben. Zur Ermittlung eines geeigneten Fällungsreagenzes für die Proteinabtrennung wurden zu
5 mL Plasma in einem verschließbaren 10 mL-PP-Röhrchen (Merck/Darmstadt) 200 µL einer CTC-
Lösung (β = 10 mg/L) zudotiert und 5 mL eines Fällungsreagenzes zugegeben. Als Fällungsreagenzien
wurden Acetonitril, Methanol, 6%ige HClO4 (w/w) sowie eine Mischung aus Perchlorsäure und Meta-
phosphorsäure eingesetzt. (6%ige HClO4 (w/w): Zu 50 g bidest H2O werden 10 g 60%ige Perchlorsäu-
re gegeben und mit bidest. H2O auf 100 g aufgefüllt; 6% HClO4 (w/w) / 2% HPO3 (w/w): Zu 50 g bi-
dest H2O werden 4 g Metaphosphorsäure und 10 g 60%ige Perchlorsäure gegeben und mit bidest. H2O
auf 100 g aufgefüllt.) Die Proben wurden 30 min auf einem Horizontalschüttler (s. Kap. 7.2.3) bei 250
Schübe/min geschüttelt und danach 15 Minuten bei 3300 g und einer Temperatur von 10 °C zentrifu-
giert. Der Überstand wurde zur pH-Wert-Einstellung für die SPE mit EDTA-McIlvain-Puffer pH 4
versetzt, indem der Überstand in ein Zentrifugenglas überführt, anschließend das PP-Röhrchen mit 5
mL EDTA-McIlvain-Puffer gespült, ebenfalls in das Zentrifugenglas überführt und schließlich weitere
20 mL EDTA-McIlvain-Puffer zugegeben wurde. Anschließend erfolgte die Festphasenextraktion
nach dem allgemeinen Extraktionsverfahren (s. Kap. 7.5.3.5).
Faeces: Zur Ermittlung eines geeigneten Extraktionsmittels wurden analog Kap. 7.5.3.2 EDTA-
McIlvain-Puffer der pH-Werte 2, 3 und 4 mit 0,01 moL/L EDTA sowie EDTA-McIlvain-Puffer pH 4
mit 0,1 moL/L EDTA hergestellt, jeweils 10 mL zu mit 200 µL einer CTC-Lösung (β = 10 mg/L) do-
tierten Kotproben (Einwaage: 0,5 g) (Nullproben aus der Medikationsstudie an der FAL) in ein ver-
schließbares 10 mL-PP-Röhrchen (Merck/Darmstadt) gegeben und 15 Minuten bei 260 Schübe/min
auf einem Horizontalschüttler (s. Kap. 7.2.3) geschüttelt. Anschließend wurde 15 min bei 3300 g und
10°C zentrifugiert. Der Überstand wurde in ein 30 mL-Zentrifugenglas gegeben. Das Pellet wurde
noch zweimal mit 10 mL McIlvain-Puffer mit 0,1 mol/L EDTA extrahiert. Die Extrakte wurden je-
weils 15 Minuten bei 260 Schübe/min auf dem Schüttler geschüttelt und anschließend 15 min bei 3300
g und 10°C zentrifugiert. Die vereinigten Überstände wurden nochmals 10 min bei 3300 g zentrifu-
giert und der Überstand zur Festphasenextraktion (s. Kap. 7.5.3.5) verwendet.
7.5.4.2 Muskulatur, Leber und Niere
Muskulatur: Zur Wahl des Extraktionsmittels wurden analog Kap. 7.5.3.2 EDTA-McIlvain-Puffer (s.
Kap. 7.3.2) pH 2, 3 und 4 mit 0,01 moL/L und 0,1 moL/L EDTA, McIlvain-Puffer pH 4 ohne EDTA
sowie Mischungen aus Methanol und McIlvain-Puffer pH 2, 3 und 4 mit 0,1 moL/L EDTA im Ver-
hältnis 20/80 (v/v) hergestellt. Muskulatur wurde in einer Moulinette zerkleinert, 5 g dieser zerkleiner-
ten Matrix in ein 80 mL-Zentrifugenglas eingewogen und mit 200 µL einer CTC-Lösung (β = 10
mg/L) dotiert. Zu den Proben wurden 15 mL der oben genannten Extraktionsmittel gegeben und 1 min
(nach Stoppuhr) mit dem Ultraturrax bei 8000 U/min homogenisiert. Die homogenisierte Probe wurde
25 min bei 3300 g zentrifugiert (gekühlte Zentrifuge: 10 °C). Das Pellet wurde mit weiteren 15 mL
Extraktionsmittel erneut 1 min mit dem Ultraturrax bei 8000 U/min homogenisiert und 25 min bei
3300 g zentrifugiert. Die Überstände wurden vereinigt und wiederum 15 min bei 3300 g zentrifugiert.
7 Experimenteller Teil
140
Der so erhaltene Probenextrakt wurde mittels SPE gereinigt und aufkonzentriert (s. Kap. 7.5.3.5).
Leber: Zur Ermittlung eines geeigneten Extraktionsmittels wurden dieselben Extraktionsmittel wie für
die Aufarbeitung von Muskulatur untersucht (s. oben). Die Probenzerkleinerung und weitere Aufarbei-
tung entsprach der von Muskulatur. Die Aufreinigung mittels SPE erfolgte nach dem allgemeinen
Verfahren (s. Kap. 7.5.3.5). Die Überprüfung von Matrixeffekten bei der massenspektrometrischen
Detektion erfolgte durch jeweils dreifache Aufarbeitung nicht belasteter Leberproben nach dem Stan-
dardverfahren (s. Analysenvorschrift in Kap. A. 9 im Anhang). Die Aufnahme des eingeengten Elua-
tes der SPE wurde jedoch nicht in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v), sondern in einer CTC-
Standardlösung in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v) aufgenommen. Die Konzentration in den
Meßproben entsprachen Gehalten von 20 µg/kg, 100 µg/kg und 800 µg/kg. Diese Matrixstandards
wurden mit den Solventstandards verglichen und damit der Matrixeinfluß ermittelt.
Niere: Zur Ermittlung eines geeigneten Extraktionsmittels wurden dieselben Extraktionsmittel wie für
die Aufarbeitung von Muskulatur untersucht (s. vorne). Die Probenzerkleinerung und weitere Aufar-
beitung entsprach der von Muskulatur. Die Aufreinigung mittels SPE erfolgte nach dem allgemeinen
Verfahren (s. Kap. 7.5.3.5).
7.5.4.3 Optimierung des Extraktionsverfahrens für Muskulatur
Extraktion aus der Matrix: Zur Ermittlung der notwendigen Anzahl von Extraktionsschritten erfolg-
te zum einen die Aufarbeitung von mit 200 µL einer CTC-Lösung (β = 10 mg/L) dotierten Muskula-
turproben, zum anderen wurden CTC-haltige Proben untersucht, indem alle Proben dreimal mit 15 mL
des Extraktionsmittels MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer pH 4 (0,01 moL/L) (20/80, v/v) extrahiert wur-
den und die drei einzelnen erhaltenen Extrakte nach dem SPE-Verfahren (s. Kap. 7.5.3.5) weiter bear-
beitet worden sind. Als Probenmaterial für die Dotierungsversuche diente Muskulatur aus der Medika-
tionsstudie in Haus Düsse, als CTC-haltige Proben wurde Muskulatur des Tieres 95 der Medikations-
studie an der FAL Braunschweig eingesetzt.
SPE-Verfahren: Zur Optimierung der SPE-Bedingungen erfolgte die Dotierung von 36 nicht belaste-
ten Muskulaturproben mit 200 µL einer CTC-Standardlösung (β = 10 mg/L). Die Proben wurden wie
oben beschrieben mit Methanol/McIlvain-Puffer pH 4 (20/80) (v/v) als Extraktionsmittel aufgearbeitet
und nach dem SPE-Verfahren (s. Kap. 7.5.3.5) aufgereinigt mit Ausnahme der Waschlösung, für des-
sen Optimierung Methanol/Wasser-Mischungen der Verhältnisse 0, 5, 10, 20, 30, 40, 50, 60, 70, 80,
90 und 100 hergestellt und eine Dreifach-Bestimmung durchgeführt wurde.
7.5.4.4 Knochen
Für die nachfolgend beschriebenen Versuche dienten als Probenmaterial CTC-haltige Knochen aus der
Medikationsstudie in Haus Düsse sowie an der FAL. Zur Zerkleinerung wurden diese zunächst von
Fleischresten befreit, mit einer Knochensäge in der Pathologie des SVUA Detmold in Scheiben gesägt,
und am SVUA Krefeld mit einer Knochenmühle (s. Kap. 7.2.2) gemahlen. Die Proben wurden beim
Transport gekühlt und bis zur Analyse im SVUA Detmold tiefgefroren.
Zur Wahl eines geeigneten Extraktionsmittels wurden EDTA-McIlvain-Puffer pH 2, 3 und 4 mit 0,01
moL/L EDTA analog Kap. 7.5.3.2 hergestellt sowie HCl (1 moL/L) als Extraktionsmittel eingesetzt. 1
g mit einer Knochenmühle (s. Kap. 7.2.2) gemahlene Knochen (Medikationsstudie im Landwirt-
schaftszentrum Haus Düsse) wurden in ein 10 mL verschließbares Reagenzglas aus Polypropylen ge-
7 Experimenteller Teil 141
geben. Nach Zugabe von 15 mL des Extraktionsmittels wurde die Probenlösung über Nacht in den
Kühlschrank gestellt. Am nächsten Tag wurde 45 min bei 260 Schübe/min auf einem Horizontal-
schüttler (s. Kap. 7.2.3) geschüttelt und der Extrakt über einen Faltenfilter (595 ½ von Schleicher &
Schüll/Dassel) in ein 10 mL-Zentrifugenglas filtriert. Das PP-Röhrchen wurde mit 6 mL bidest. H2O
gespült und über den Faltenfilter zum Probenextrakt gegeben. Im Falle des Einsatzes von 1 moL/L
HCl als Extraktionsmittel wurde anschließend der pH-Wert mit 2 mol/L NaOH auf ca. 4 eingestellt.
Der durch 15-minütige Zentrifugation (gekühlte Zentrifuge: 10 °C) bei 3300 g erhaltene Überstand
aller Filtrate wurde zur Festphasenextraktion verwendet.
Die Überprüfung der Stabilität von CTC und e-CTC im salzsauren Extraktionsmittel erfolgte durch
Lagerung einer CTC-Einzelstandardlösung (β = 10 mg/L) und einer Mischstandardlösung aus CTC
und e-CTC (ß = 10 mg/L) in 1 moL/L HCl bei einer Temperatur von 5 °C über einen Zeitraum von 12
h und einer Konzentrationsbestimmung in Intervallen von 1 h mittels HPLC-UV (275 nm).
7.6 Validierung des Analysenverfahrens
Die nachfolgend beschriebenen Validierungsuntersuchungen wurden mit der in Kap. 7.2.1 angegebe-
nen HPLC-Anlage mit der Kopplung aus UV- und massenspektrometrischen Detektion (MS/MS)
durchgeführt. Die beschriebenen Validierungsparameter wurden sowohl für die UV- als auch für die
MS/MS-Detektion ermittelt. Die Aufarbeitung von Muskulaturproben erfolgte nach der Beschreibung
in Kap. 7.5.4.2. Um für die Validierung ausreichend unbelastetes Probenmaterial zu erhalten, wurde
Fleisch von einem Bio-Metzger bezogen und vorab auf nachweisbare CTC-Rückstände geprüft.
7.6.1 Linearer Bereich
Zur Bestimmung des linearen Bereiches für das HPLC-UV-Verfahren wurden Kalibrierlösungen aus
CTC und e-CTC, siehe Kap. 7.3.5, der Konzentrationen 0,1 mg/L; 0,18 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L; 1
mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L; 10 mg/L; 25 mg/L; 50 mg/L und 100 mg/L hergestellt und zehnfach analy-
siert. Für die massenspektrometrische Detektion wurden Konzentrationen von 0,001 mg/L; 0,0025
mg/L; 0,005 mg/L; 0,01 mg/L; 0,02 mg/L; 0,04 mg/L; 0,05 mg/L 0,06 mg/L; 0,08 mg/L; 0,1 mg/L;
0,12 mg/L; 0,14 mg/L; 0,16 mg/L; 0,18 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L; 1 mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L; 10
mg/L; 25 mg/L; 50 mg/L und 100 mg/L ausgewählt.
7.6.2 Kalibriergeraden
Der Arbeitsbereich mit der UV-Detektion wurde nach Überprüfung der Linearität mittels linearer Re-
gression mit einer Massenkonzentration von 0,18 mg/L bis 100 mg/L festgelegt. Zur Ermittlung der
Kalibriergeraden wurde eine Zehnfach-Bestimmung von zehn über den Arbeitsbereich verteilte Kon-
zentrationen von 0,18 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L; 1 mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L; 10 mg/L; 25 mg/L; 50
mg/L und 100 mg/L durchgeführt.
Die Regressionsanalyse ergab für den gewählten vorläufigen Arbeitsbereich mit der massenspektrome-
trisache Detektion keinen linearen Zusammenhang, so daß der Arbeitsbereich in drei Teilbereiche
aufgeteilt wurde. Zur Ermittlung der drei Kalibriergeraden wurden mit jeweils sieben über die Ar-
beitsteilbereiche verteilte Konzentrationen von 0,005 mg/L bis 0,08 mg/L (0,005 mg/L; 0,01 mg/L;
0,02 mg/L; 0,04 mg/L; 0,05 mg/L 0,06 mg/L; 0,08 mg/L), von 0,1 mg/L bis 0,5 mg/L (0,1 mg/L; 0,12
7 Experimenteller Teil
142
mg/L; 0,14 mg/L; 0,16 mg/L; 0,18 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L) und von 1 mg/L bis 50 mg/L (1 mg/L;
2,5 mg/L; 5 mg/L; 7,5 mg/L; 10 mg/L; 25 mg/L; 50 mg/L) zehn Bestimmungen durchgeführt.
7.6.3 Nachweis- und Bestimmungsgrenze
Zur Ermittlung der Nachweis- und Bestimmungsgrenzen wurden Kalibrierlösungen sowie mit CTC
dotierte Muskulaturproben in der Nähe der Nachweisgrenze jeweils sechsfach analysiert. Die Konzen-
trationen der Standardlösungen betrugen 0,0025 mg/L; 0,005 mg/L; 0,075 mg/L; 0,01 mg/L; 0,025
mg/L; 0,05 mg/L; 0,075 mg/L; 0,1 mg/L und 0,2 mg/L, die Muskulaturproben wurden mit 200 µL von
CTC-Standardlösungen der angegebenen Konzentrationen auf Gehalte von 0,1 µg/kg; 0,2 µg/kg; 0,3
µg/kg; 0,4 µg/kg; 0,8 µg/kg; 2 µg/kg; 3 µg/kg; 4 µg/kg und 8 µg/kg dotiert und nach dem im Anhang
in der Analysenvorschrift beschriebenen Verfahren aufgearbeitet.
7.6.4 Selektivität
7.6.4.1 Selektivitätstest durch Peaklöschung nach alkalischer Behandlung
Zur Löschung des CTC- und e-CTC-Peaks wurde Muskulatur (Tier 95, FAL) zunächst nach der im
Anhang beschriebenen Analysenvorschrift aufgearbeitet, wobei der Endrückstand des eingeengten
Eluates der SPE nicht in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v), sondern in 100 µl MeOH + 100 µL
1%ige NaOH (w/w), pH 12 aufgenommen und anschließend 30 Minuten im Wasserbad bei 60°C er-
wärmt wurde. Zum Vergleich wurde dieselbe Muskulaturprobe nach der allgemeinen Analysenvor-
schrift aufgearbeitet und analysiert.
7.6.4.2 Selektivitätstest durch Vergleich der Retentionszeiten
Zum Vergleich der Retentionszeiten des CTC- und e-CTC-Peaks wurde Muskulatur nach der im An-
hang beschriebenen Analysenvorschrift aufgearbeitet und analysiert. Zusätzlich wurde eine Kalibrier-
lösung der Massenkonzentration 1 mg/L und mit der in Kap. 7.2.1 beschriebenen HPLC-UV-MS/MS-
Gerätekombination chromatographiert.
7.6.4.3 Selektivitätstest durch Vergleich der UV- und MS-Spektren
Zuim Vergleich der UV- und MS-Spektren dienten die in Kap. 7.6.4.2 angegebene Probe und Stan-
dardlösung. Die Aufnahme der Spektren erfolgte bei der UV-Detektion in einem Wellenlängenbereich
von 250 nm bis 400 nm, bei der MS/MS-Detektion wurde ein Produkt-Ionen-Scan des Precursor-Ions
mit m/z 479 im Massenbereich von m/z 100 bis m/z 500 aufgenommen.
7.6.5 Richtigkeit
Zur Ermittlung der Wiederfindungsfunktion wurden CTC-Standardlösungen dem kompletten Analy-
senverfahren unterzogen. Dazu wurden zu 9 mL des Extraktionsmittels MeOH/EDTA-McIlvain-
Puffer, pH 4 (0,01 mol/L) (20/80) (v/v) 200 µL von CTC-Lösungen der Konzentrationen 0,025, 0,1,
0,5, 1, 2,5, 5 und 10 mg/L zudotiert, nach der allgemeinen Analysenvorschrift aufgearbeitet und mit
HPLC-UV-MS/MS vermessen. Es wurde jeweils eine siebenfache Bestimmung durchgeführt. Für die
UV-Detektion ergaben sich aufgrund der Bestimmungsgrenze von CTC und e-CTC von 0,18 mg/L
7 Experimenteller Teil 143
fünf Konzentrationstufen von 0,5 mg/L bis 10 mg/L, für die massenspektrometrische Detektion lagen
alle sieben Konzentrationen oberhalb der Bestimmungsgrenze. Anschließend wurde die Wiederfin-
dungsfunktion für Muskulatur aufgestellt, indem zu jeweils 5 g Muskulatur 200 µL von CTC-
Standardlösungen der Konzentrationen 0,025, 0,1, 0,5, 1, 2,5, 5 und 10 mg/L zudotiert, nach der Ana-
lysenvorschrift im Anhang aufgearbeitet und mittels HPLC-UV-MS/MS vermessen wurde.
7.6.6 Matrixbedingte Signalbeeinflussung bei der massenspektrometri-
schen Detektion
7.6.6.1 Matrixkalibrierung
Zur Überprüfung von supressiven Effekten bei der MS/MS-Detektion wurde nicht belastete Muskula-
tur in fünfzehn Aliquote aufgeteilt und nach der im Anhang beschriebenen Vorschrift aufgearbeitet,
wobei der Endrückstand des eingeengten Eluates der SPE nicht in Methanol/Fließmittel A (50/50)
(v/v), sondern in CTC-Standardlösungen in Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v) der Massenkonzen-
trationen 0,25 mg/L; 1 mg/L und 10 mg/L, entsprechend einer Fünf-Fach-Bestimmung, aufgenommen
wurde.
7.6.6.2 Kontinuierliche Nachsäulen-Injektion von CTC
Zur weiteren Aufdeckung von Matrixeffekten erfolgte die kontinuierliche Zuführung einer CTC-
Standardlösung zum HPLC-Fluß während des gesamten Chromatographielaufes nach Injektion einer
unbelasteten Muskulaturprobe. Der Gradientenverlauf sowie die Flußrate entsprachen der allgemeinen
Analysenvorschrift im Anhang. Über ein T-Stück wurde dem HPLC-Fluß „post-column“ eine CTC-
Standardlösung der Massenkonzentration 10 mg/L über eine Spritzenpumpe (Havard Apparatus der
Firma Applied Biosystems/Darmstadt) mit einer Flußrate von 2,5 µL/min zugeführt. Die massenspek-
trometrische Detektion erfolgte durch Aufnahme eines Produktionen-Scans im Massenbereich m/z von
100 bis m/z 500 des Precursor-Ions m/z 479.
7.6.7 Präzision
7.6.7.1 Meßpräzision
Zur Ermittlung der Meßpräzision wurden fünf Muskulaturproben der Tiere 93-97 aus der Medikati-
onsstudie in der FAL in Braunschweig nach der allgemeinen Analysenvorschrift im Anhang aufgear-
beitet und achtfach mittels HPLC-UV-MS/MS chromatographisch vermessen.
7.6.7.2 Methodenpräzision
Zur Ermittlung der Methodenpräzision wurden die Muskulaturproben der Tiere 93-97 aus der Medika-
tionsstudie an der FAL in Braunschweig in jeweils acht Aliquote von 5 g aufgeteilt, nach der allge-
meinen Analysenvorschrift im Anhang aufgearbeitet und mittels HPLC-UV-MS/MS vermessen.
7 Experimenteller Teil
144
7.6.8 Validierungsparameter für Urin, Kot, Plasma, Knochen, Leber und
Niere
Analog der in den vorangehenden Kapiteln beschriebene Vorgehensweise sind für Urin, Kot, Plasma,
Knochen, Leber und Niere einzelne Validierungsparameter für die MS/MS-Detektion ermittelt wor-
den. Als Probenmaterial diente mit Ausnahme von Faeces, wofür die Nullprobe der Medikationsstudie
an der FAL in Braunschweig eingesetzt wurde, die unbelasteten Proben der Kontrolltiere aus der Me-
dikationstudie im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse. Zur Ermittlung der Wiederfindung wurde zu 5
mL Urin, 5 mL Plasma, 5 g Niere und 5 g Leber 200 µL CTC-Standardlösung der Massenkonzentra-
tionen 250 µg/L und 2,5 mg/L auf Gehalte von 10 µg/kg und 100 µg/kg zudotiert und nach dem all-
gemeinen Verfahren analysiert. Im Falle von Faeces wurde zu 0,5 g Probenmaterial 400 µL CTC-
Standardlösung der Konzentrationen 62,5 mg/L und 625 mg/L auf Gehalte von 50 µg/kg und 500
µg/kg zudotiert und entsprechend aufgearbeitet und vermessen. Für alle Matrices erfolgte für jede
Konzentrationsstufe eine sechsfache Bestimmung. Zur Ermittlung der Validierungsparameter für Kno-
chen wurde CTC-haltiges Probenmaterial aus der Medikationsstudie in Haus Düsse eingesetzt, wobei
die Probeneinwaage 1 g betrug. Anhand der hierbei erhaltenen Analysenergebnisse erfolgte die Be-
rechnung der Methodenpräzision als Mittelwert beider Konzentrationsstufen. Der Ermittlung der
Nachweis- und Bestimmungsgrenze lag das Signal-Rausch-Verhältnis zugrunde, wobei analog Kap.
5.3.2 die Nachweisgrenze das dreifache und die Bestimmungsgrenze das neunfache Grundrauschen
beträgt. Die Ermittlung des Signal-Rausch-Verhältnisses erfolgte anhand von jeweils zwölf ausge-
wählten Chromatogrammen der untersuchten Proben der Medikationsstudie im Landwirtschaftszen-
trum Haus Düsse.
7.7 Identifizierung tautomerer Verbindungen von CTC
Zur Überprüfung, aus welchen Substanzen die weitere in Realproben auftretende Verbindung entsteht,
wurden Einzelstandardlösungen aus CTC, e-CTC und iso-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v)
(β = 10 mg/L) bei einer Temperatur von 80 °C zwei Stunden im Wasserbad erwärmt und anschließend
chromatographisch mittels HPLC-UV-MS/MS vermessen. Zur Identifizierung tautomerer Verbindun-
gen mit HPLC-UV wurde eine Mischstandardlösung aus CTC und e-CTC in 1 moL/L HCl (β = 10
mg/L) nach einer Lagerung von 12 Stunden bei einer Temperatur von 5 °C chromatographisch ver-
messen. Zur Identifzierung tautomerer Verbindungen von CTC mittels MS/MS wurde eine Mischstan-
dardlösung aus CTC und e-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (β = 10 mg/L) bei einer Tempe-
ratur von 80 °C zwei Stunden im Wasserbad erwärmt. Die so erhaltene Lösung enthält neben CTC, e-
CTC, iso-CTC und e-iso-CTC auch die zusätzlich in Realproben auftretende isomere Verbindung.
Diese Lösung wurde chromatographisch mit LC-MS/MS durch Aufnahme von Produkt-Ionen-Scans
von m/z 100-500 des Precursor-Ions mit m/z 479 bei verschiedenen Kollisionsenergien von 25 eV, 30
eV, 35 eV und 40 eV vermessen.
7.8 In vitro-Bildung von Metaboliten des CTC
Zur Untersuchung, von Umwandlungsreaktionen wurden analog Kap. 7.5.2 Einzelstandardlösungen
von CTC-, e-CTC-, iso-CTC-, Anhydro-CTC- und e-Anhydro-CTC-Lösungen (β = 10 mg/L) in Me-
OH/Fließmittel A (50/50) (pH 2,8) bei einer Temperatur von 40 °C über einen Zeitraum von 60 h auf-
7 Experimenteller Teil 145
bewahrt und in Zeitintervallen von einer Stunde mit HPLC-UV-MS/MS chromatographisch vermes-
sen.
7.9 Antibiotische Aktivitäten
7.9.1 Agar-Diffusionstest
Nährboden: Zur Nährbodenherstellung wurde ein Trockennährboden der Zusammensetzung: 3,45 g
Fleischpepton; 3,45 g Caseinpepton; 5,1 g NaCl und 13 g Agar verwendet. Der Trockennährboden
wurde in 1 L bidest. H2O aufgelöst und zur Pufferung 0,1 % KH2PO4 hinzugefügt. Anschließend er-
folgte die Einstellung der pH-Werte (6; 7,2; und 8) mit 0,1 moL/L HCl oder 0,1 moL/L NaOH. Der
pH-Wert der Nährböden wurde nach dem zur Sterilisation durchgeführten Autoklavieren (15 Minuten,
T = 121 °C) überprüft. Zur Vorbereitung des Nährbodens auf den DPT wurden 500 mL des so verflüs-
sigten Nährbodens auf eine Temperatur von 50 °C abgekühlt und mit 0,5 mL einer Sporensuspension
unter Schütteln gleichmäßig vermischt und 15 mL Petrischalen gegossen, so daß nach dem Erstarren
eine gleichmäßige Schichtdicke von 2 mm vorhanden war. Nach dem Erstarren des Nährbodens wur-
den die Petrischalen sofort bei einer Temperatur von 3 °C bis 5 °C gekühlt und innerhalb von drei
Tagen verwendet.
Testkeim und Sporensuspension: Als Testkeim wurde Bacillus subtilis BGA (Merck/Darmstadt)
verwendet. (Die Testkeime sind einer Überprüfung der Sensibilität sowie der Resistenzeigenschaften
unterzogen worden.) Zur Herstellung der Sporensuspension wurde ein Nährboden mit der oben ge-
nannten Zusammensetzung auf einen pH-Wert von 7 eingestellt und nach Überschichten mit 1 mL der
bezogenen Keimsuspension zehn Tage bei einer Temperatur von 30 °C bebrütet. Danach wurde der
Testkeim mit steriler physiologischer NaCl-Lösung abgeschwemmt. Die Abschwemmung wurde 10
Minuten bei 2500 g zentrifugiert. Der Überstand wurde abgegossen, dem Sediment nochmals NaCl-
Lösung zugegeben und 10 Minuten bei 2500 g zentrifugiert. Die Überstände wurden vereinigt und die
Suspension 30 Minuten bei einer Temperatur von 70 °C erhitzt. Die so gewonnene Sporensuspension
wurde mit NaCl-Lösung so verdünnt, daß eine Keimdichte von 107/mL resultierte. Die Überprüfung
der Keimdichte erfolgte als kulturelle Keimzählung im Oberflächenverfahren.
Dreiplattentest (DPT): Zur Durchführung des Dreiplattentestes nach der Agar-Loch-Methode wurde
mit einem Probenstanzgerät ein Loch mit einem Durchmesser von 8 mm in die Agarplatten gestanzt
und 25 µL einer methanolischen Standardlösung von CTC, e-CTC, Anhydro-CTC, e-Anhydro-CTC
und iso-CTC (ß = 100 mg/L) in das Loch gegeben. Die mit der Standardlösung beschickten Agarplat-
ten wurden im Brutschrank bei einer Temperatur von 30 °C 18 bis 24 Stunden bebrütet.
Auswertung: Die Hemmzone wurde als Radius in mm angegeben und zwischen dem Lochrand und
der Wachstumsgrenze ausgemessen. Vollständige Wachstumshemmung mit einer Hemmzone von
mindestens 2 mm ist als positiver Befund, eine Hemmzone von 1 mm bis 2 mm als zweifelhafter Be-
fund anzusehen.
7.9.2 Abbaureaktionen während des Agar-Diffusionstestes
Zur zeitabhängigen Untersuchung von Abbaureaktionen während des DPT wurde der Test mit metha-
nolischen Standardlösungen von CTC, e-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC und unterschiedli-
7 Experimenteller Teil
146
che Bebrütungszeiten durchgeführt, indem zu Agar-Platten der pH-Werte 6; 7,2 und 8, siehe Kap.
7.9.1, 25 µL methanolischer Einzellösung von CTC, e-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC einer
Konzentration von 100 mg/L gegeben und die Agar-Platten bei einer Temperatur von 30 °C über Zeit-
räume von 1, 2, 3, 18, 20, 22 und 24 Stunden bebrütet wurden. Nach Ausmessen der Hemmhöfe er-
folgte die Extraktion der Agar-Platten mit Methanol. Es wurden zweimal 50 µL Methanol in die aus-
gestanzten Löcher gegeben und anschließend in ein Eppendorf-Reaktionsgefäß (2 mL) überführt. Da-
nach wurde der Agar, bei dem ein Hemmhof entstanden ist, ausgeschnitten und ebenfalls in das Ep-
pendorf-Reaktionsgefäß gegeben. Nach weiterer Zugabe von 900 µL Methanol wurde die so erhaltene
Agar-Methanol-Mischung gut geschüttelt. Nach Abzentrifugieren des Agars bei 4100 g für 15 min.
wurden die Extrakte ohne weitere Aufarbeitung mittels LC-MS/MS vermessen.
7.10 Methodenentwicklung zur quantitativen Bestimmung weiterer
CTC-Metabolite
7.10.1 Herstellung einer Standardlösung aus iso-CTC und e-iso-CTC
Zur Herstellung einer Mischstandardlösung aus iso-CTC und e-iso-CTC wurde eine Standardlösung
von iso-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (β = 100 mg/L) hergestellt, in verschraubbare PP-
Röhrchen (14 mL, 16 x 100 mm; Merck/Darmstadt) gefüllt, verschraubt und 90 Minuten im Wasser-
bad bei einer Temperatur von 60 °C erwärmt. Die so erhaltene Mischstandardlösung enthielt iso-CTC
und e-iso-CTC in einem Massenverhältnis von etwa 1:1. Ein Teil der iso-CTC-Lösung wurde nicht
erwärmt, um die Konzentration von iso-CTC in dem epimerisierten Standard ermitteln zu können.
Beide Lösungen wurden 1:10 verdünnt und mittels HPLC-UV-MS/MS vermessen. Der Gehalt an e-
iso-CTC im epimerisierten Standard ergibt sich als Differenz des iso-CTC-Gehaltes in beiden Lösun-
gen. Durch Verdünnen dieses epimerisierten Standards kann dann eine Kalibriergerade von iso-CTC
und e-iso-CTC aufgenommen werden.
7.10.2 Linearer Bereich
iso-CTC und e-iso-CTC: Zur Bestimmung des linearen Bereiches für das HPLC-UV-Verfahren wur-
den Kalibrierlösungen aus iso-CTC und e-iso-CTC, siehe Kap. 7.10.1, der Konzentrationen 0,05
mg/L; 0,1 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L; 1 mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L und 10 mg/L hergestellt und acht-
fach analysiert. Für die massenspektrometrische Detektion wurden Konzentrationen von 0,01 mg/L;
0,025 mg/L; 0,05 mg/L; 0,1 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L; 1 mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L und 10 mg/L
ausgewählt.
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC: Zur Bestimmung des linearen Bereiches für das HPLC-UV-
Verfahren wurden Kalibrierlösungen aus Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC im Massenverhältnis 1:1
in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) der Konzentrationen 0,025 mg/L; 0,05 mg/L; 0,1 mg/L; 0,25
mg/L; 0,5 mg/L; 1 mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L und 10 mg/L hergestellt und achtfach analysiert. Für die
massenspektrometrische Detektion wurden Konzentrationen von 0,01 mg/L; 0,025 mg/L; 0,05 mg/L;
0,1 mg/L; 0,25 mg/L; 0,5 mg/L; 1 mg/L; 2,5 mg/L; 5 mg/L und 10 mg/L ausgewählt.
7 Experimenteller Teil 147
7.10.3 iso-CTC und e-iso-CTC als Summenparameter
Standardlösungen: Zur Untersuchung, unter welchen Bedingungen eine vollständige Isomerisierung
von CTC und e-CTC stattfindet, wurden Mischstandardlösungen aus CTC und e-CTC in Me-
OH/(1%ige NaOH, w/v) (50/50) (v/v) (pH 11,5) (jeweils: β = 10 mg/L) über einen Zeitraum von 30
Minuten bei Temperaturen von 60, 70, 80 und 90 °C im Wasserbad erwärmt (n = 5) und chromato-
graphisch vermessen. Zum Vergleich wurde eine entsprechende Mischstandardlösung ohne Erwärmen
(β = 10 mg/L) sowie eine Mischstandardlösung aus CTC und e-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50)
(v/v) (β = 10 mg/L) vermessen (n = 5).
Muskulatur: Die Muskulaturproben der Versuchstiere 1, 3 7, 9 und 12 der Medikationsstudie im
Landwirtschaftszentrum Haus Düsse sowie die des Tieres 95 aus der Medikationsstudie an der FAL
wurden zunächst nach der allgemeinen Analysenvorschrift (siehe Anhang) aufgearbeitet. Das Eluat
der Festphasenextraktion wurde in 200 µL Methanol aufgenommen und der so erhaltene Probenextrakt
halbiert. Zu der einen Hälfte der Probenextrakte wurden 100 µL Fließmittel A, zur anderen Hälfte der
Proben wurden zur alkalischen Behandlung 100 µL 1%ige NaOH (w/v) (pH 11,5) gegeben. Die alka-
lisch behandelten Proben wurden 30 Minuten im Wasserbad bei einer Temperatur von 60 °C erwärmt.
Alle erhaltenen Extrakte wurden mittels HPLC-UV-MS/MS chromatographisch vermessen.
7.10.4 Wiederfindung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Zu 10 mL EDTA-McIlvain-Puffer, pH 4 (0,1 moL/L EDTA) wurden 200 µL von Einzelstandardlö-
sungen der Substanzen iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC (β = 10 mg/L) zudotiert und die
SPE wie unter Kap. 7.5.3.5 beschrieben durchgeführt.
7.10.5 Einfluß einzelner Probenvorbereitungsschritte auf die Epimerisie-
rung von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Um zu überprüfen, in welchem Schritt der Probenvorbereitung eine Epimerisierung stattfindet, wurden
anhand von Standardlösungen von iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC Teilschritte des SPE-
Verfahrens durchgeführt und die resultierenden Gehalte der jeweiligen Epimerenpaare mittels HPLC-
UV (s. Kap. 7.2.1) ermittelt. Die Quantifizierung von e-iso-CTC erfolgte durch externe Kalibrierung
mit einer iso-CTC-Standardlösung bei einer Wellenlänge von 275 nm. Die Durchführung der einzel-
nen Versuche wurde bereits in Kap. 5.8.2.2 beschrieben (s. Tab. 8).
7.11 Gebundene CTC-Rückstände in Knochen
7.11.1.1 Freisetzung von CTC aus Knochen
Zur Überprüfung einer in vitro-Freisetzung von CTC aus Knochen wurde CTC-haltiges gemahlenes
Knochenmaterial mit unbelastetem Plasma gemischt, über mehrere Tage aufbewahrt und in verschie-
denen Zeitabständen der Gehalt an CTC, e-CTC, iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC und e-Anhydro-
CTC ermittelt. Das für den Versuch eingesetzte Plasma wurde aus Heparin-Vollblut gewonnen. Die
Blutproben wurden vom Schlachthof Paderborn (Westfleisch) bezogen, wobei zunächst mehrere Blut-
proben auf nachweisbare Rückstände von CTC mit dem in Kap. A. 9 im Anhang beschriebenen Ver-
fahren untersucht wurden. Die zur Probenahme notwendigen Gefäße mit der Heparin-Lösung wurden
7 Experimenteller Teil
148
uns von der Firma Kabe zur Verfügung gestellt. Die Gefäße enthielten 41 i.U./mL Li-Heparin, gelöst
in bidest. Wasser (5%ig), entsprechend der entnommenen Blutmenge von 1 L. Als Knochenmaterial
dienten die Knochenproben des Tieres 95 aus der Medikationsstudie an der FAL. Die Zerkleinerung
der Knochen erfolgte, wie in Kap. 7.5.4.4 beschrieben. Nach Bestimmung der Gehalte von CTC und
Metabolite im Knochen (siehe Kap. A. 9 im Anhang) und der Gewinnung des Plasmas erfolgte die
Inkubation von vier Knochen-Plasmaproben. Von den durch Versetzen von 15 g Knochen mit 25 mL
Plasma hergestellten Knochen-Plasmaproben wurden zwei bei einer Temperatur von 5 °C und zwei
bei einer Temperatur von 39,5 °C aufbewahrt.
Um die Stabilität von CTC in Plasma unter diesen Bedingungen zu überprüfen, wurden folgende vier
Plasmaproben hergestellt: Zu 20 mL Plasma wurde 200 µg CTC, entsprechend einer Konzentration
von 10 µg CTC/mL Plasma, zudotiert. Zwei dieser Proben wurden entsprechend der Knochen-Plasma-
Proben bei einer Temperatur von 5 °C aufbewahrt, die anderen beiden bei 39,5 °C. Der pH-Wert aller
Proben betrug 7,6. Über einen Versuchszeitraum von neun Tagen wurden den Proben an den Ver-
suchstagen 1, 2, 3, 4, 5, 8 und 9 jeweils 1 mL Plasma entnommen und mit dem in Kap. A. 9 im An-
hang aufgeführten Verfahren analysiert.
7.11.1.2 Fluoreszenz-Screening-Test
Die in Scheiben geschnittenen und von Fleischresten befreiten Knochenproben der Medikationsstudi-
en im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse und an der FAL wurden zur Untersuchung der Fluoreszenz
der in den Knochen eingelagerten Calcium-Tetracyclin-Komplexe mit einer UV-Lampe (s. Kap.
7.2.8) bei einer Wellenlänge von 366 nm bestrahlt.
8 Literatur 149
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Anhang A 1
A Anhang
INHALTSVERZEICHNIS
A.1 Medikationsstudien .........................................................................................................................3
A. 1.1 Haus Düsse-Studie..................................................................................................................3
A. 1.2 FAL-Studie..............................................................................................................................4
A.2 Wiederholpräzision .........................................................................................................................9
A.3 Langzeitstabilität von CTC und e-CTC ........................................................................................9
A.4 Ausreißertest nach GRUBBS .......................................................................................................10
A.5 Linearität des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens zur Bestimmung von CTC und e-CTC.........11
A. 5.1 Kalibrierdaten ......................................................................................................................11
A. 5.2 Kalibriergeraden..................................................................................................................12
A. 5.3 Anpassungstest nach MANDEL .........................................................................................14
A. 5.4 Residualanalyse ....................................................................................................................18
A. 5.5 Varianzhomogenität.............................................................................................................19
A. 5.6 Absicherung der unteren Arbeitsgrenze............................................................................21
A. 5.7 Verfahrenskenndaten...........................................................................................................22
A.6 Wiederfindungsfunktion...............................................................................................................24
A. 6.1 Berechnung der Wiederfindungsfunktion .........................................................................24
A. 6.2 Wiederfindungsfunktionen von CTC dotierter Extraktionsmittel..................................25
A. 6.3 Wiederfindungsfunktionen von CTC dotierter Muskulaturproben ...............................25
A. 6.4 Interpretation der Wiederfindungsfunktion und Kontrolle der Analysenpräzision .....26
A. 6.5 Ermittlung der Vertrauensbereiche für af und bf.............................................................26
A. 6.6 Prüfung auf systematische Abweichungen.........................................................................26
A. 6.7 Wiederfindung......................................................................................................................27
A.7 Kalibrierung des HPLC-UV-Verfahrens zur Bestimmung von iso-CTC und e-iso-CTC ......28
A.8 Kalibrierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens zur Bestimmung von Anhydro-CTC und e-
Anhydro-CTC.................................................................................................................................30
A.9 Analysenvorschrift zur Bestimmung von CTC und Metabolite in Muskulatur, Leber, Niere,
Urin, Plasma, Knochen und Faeces..............................................................................................32
A. 9.1 Zweck und Anwendungsbereich.........................................................................................32
Anhang
A 2
A. 9.2 Liste der erfaßbaren Stoffe................................................................................................. 32
A. 9.3 Prinzip .................................................................................................................................. 32
A. 9.4 Reagenzien............................................................................................................................ 32
A. 9.5 Geräte ................................................................................................................................... 33
A. 9.6 Probenvorbereitung ............................................................................................................ 33
A. 9.7 HPLC-UV-MS/MS-Messung.............................................................................................. 35
Anhang A 3
A.1 Medikationsstudien
A. 1.1 Haus Düsse-Studie
Tab. A. 1: CTC-Gehalt (
CTC + e-CTC) in Urin der Versuchstiere (LC-MS/MS) (n = 2)
CTC-Gehalt ( CTC + e-CTC) [µg/L]
Wochen nach Medikation
Tier
Einst.allung 0 2 4 6 8 10
V 1 0 13530 493 166 122 95 39
V 2 0 18080 401 125 143 51 47
V 3 0 441 63 46 20 10 6
V 4 0 3241 374 125 89 68 39
V 5 0 6551 355 165 313 126 96
V 6 0 11676 743 290 203 116 46
V 7 0 21990 889 503 384 199 100
V 8 0 11618 646 199 442 118 105
V 9 0 8487 397 254 115 112 76
V 10 0 3298 563 - - - 75
V 11 0 3944 430 426 315 283 97
V 12 0 8576 734 146 256 87 65
Tab. A. 2: CTC-Gehalte (
CTC + e-CTC) in Knochen der Kontrolltiere (LC-MS/MS) (n = 2)
Tier Konzentration [µg/kg]
K 1 185
K 2 163
K 3 219
K 4 170
K 5 184
K 6 185
K 7 199
K 8 193
K 9 188
K 10 194
K 11 195
K 12 201
Anhang
A 4
A. 1.2 FAL-Studie
Tab. A. 3: Dosierung des eingesetzten Arzneimittels in der 1. Medikationsphase
Tiernummer 93 94 95 96 97
Körpergewicht am 16.7. [kg] 68,0 68,0 74,6 73,8 72,6
Fütterungszeitpunkt Arzneimittelmenge pro Mahlzeit [g]
16.07.01 Nachmittag 3,40 3,40 3,73 3,69 3,63
Vormittag 3,40 3,40 3,73 3,69 3,63
17.07.01 Nachmittag 3,40 3,40 3,73 3,69 3,63
Vormittag 3,40 3,40 3,73 3,69 3,63
18.07.01 Nachmittag 3,50 3,50 3,83 3,79 3,73
Vormittag 3,50 3,50 3,83 3,79 3,73
19.07.01 Nachmittag 3,50 3,50 3,83 3,79 3,73
Vormittag 3,50 3,50 3,83 3,79 3,73
20.07.01 Nachmittag 3,60 3,60 3,93 3,89 3,83
Vormittag 3,60 3,60 3,93 3,89 3,83
21.07.01 Nachmittag 3,60 3,60 3,93 3,89 3,83
Vormittag 3,60 3,60 3,93 3,89 3,83
22.07.01 Nachmittag 3,70 3,70 4,03 3,99 3,93
Vormittag 3,70 3,70 4,03 3,99 3,93
23.07.01 Nachmittag 3,70 3,70 4,03 3,99 3,93
Vormittag 3,70 3,70 4,03 3,99 3,93
24.07.01 Nachmittag 3,80 3,80 4,13 4,09 4,03
Vormittag 3,80 3,80 4,13 4,09 4,03
25.07.01 Nachmittag 3,80 3,80 4,13 4,09 4,03
26.07.01 Vormittag 3,80 3,80 4,13 4,09 4,03
Arzneimittel: Chlortetracyclin 100 (1000 g des Präparates enthält 100 g des Wirkstoffes CTC)
Tab. A. 4: Dosierung des eingesetzten Arzneimittels in der 2. Medikationsphase
Tiernummer 93 94 95 96 97
Körpergewicht am 06.08. [kg] 88,2 87,0 93,0 91,4 91,2
Fütterungszeitpunkt Arzneimittelmenge pro Mahlzeit [g]
06.08.01 Nachmittag 4,41 4,35 4,65 4,57 4,56
Vormittag 4,41 4,35 4,65 4,57 4,56
07.08.01 Nachmittag 4,41 4,35 4,65 4,57 4,56
Vormittag 4,41 4,35 4,65 4,57 4,56
08.08.01 Nachmittag 4,51 4,45 4,75 4,67 4,66
Vormittag 4,51 4,45 4,75 4,67 4,66
09.08.01 Nachmittag 4,51 4,45 4,75 4,67 4,66
Vormittag 4,51 4,45 4,75 4,67 4,66
10.08.01 Nachmittag 4,61 4,55 4,85 4,77 4,76
Vormittag 4,61 4,55 4,85 4,77 4,76
11.08.01 Nachmittag 4,61 4,55 4,85 4,77 4,76
Vormittag 4,61 4,55 4,85 4,77 4,76
12.08.01 Nachmittag 4,71 4,65 4,95 4,87 4,86
Vormittag 4,71 4,65 4,95 4,87 4,86
13.08.01 Nachmittag 4,71 4,65 4,95 4,87 4,86
Vormittag 4,81 4,75 5,05 4,97 4,96
14.08.01 Nachmittag 4,81 4,75 5,05 4,97 4,96
Vormittag 4,81 4,75 5,05 4,97 4,96
15.08.01 Nachmittag 4,81 4,75 5,05 4,97 4,96
16.08.01 Vormittag 4,81 4,75 5,05 4,97 4,96
Arzneimittel: Chlortetracyclin 100 (1000 g des Präparates enthält 100 g des Wirkstoffes CTC)
Anhang A 5
Tab. A. 5: Zugeführte Futtermengen und ausgeschiedene Mengen an Urin und Faeces der einzelnen
Tiere in der 1. Medikationsphase
Mittel
Pro Tag
2400
1259
1722
2400
1512
2378
2400
1549
1790
2400
1350
3245
2400
1535
3684
26.07.
2400
1405
2466
2400
1628
2289
2400
1589
1702
2400
1320
2749
2400
1306
4008
25.07.
2400
1444
1763
2400
1523
2574
2400
1590
2297
2400
1529
3192
2400
1672
3468
24.07
2400
949
1993
2400
1501
2709
2400
1597
1378
2400
1680
3875
2400
1693
3257
23.07.
2400
1654
1993
2400
1683
1834
2400
1408
1950
2400
1682
4150
2400
1392
4009
22.07.
2400
1517
2089
2400
1553
2520
2400
1683
1479
2400
945
2804
2400
1746
4299
21.07.
2400
1516
963
2400
1470
2097
2400
1270
2149
2400
1414
2900
2400
1303
3734
20.07.
2400
1355
1673
2400
1512
2323
2400
1628
1946
2400
1586
4308
2400
1822
3681
19.07.
2400
712
1096
2400
2145
2042
2400
1990
2200
2400
924
2667
2400
1483
3138
18.07.
2400
1165
2268
2400
1786
2972
2400
1893
1524
2400
1215
3953
2400
1194
3672
17.07.
2400
868
913
2400
323
2416
2400
843
1277
2400
1200
1848
2400
1741
3577
Tier 93
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 94
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 95
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 96
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 97
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Anhang
A 6
Tab. A. 6: Zugeführte Futtermengen und ausgeschiedene Mengen an Urin und Faeces der einzelnen
Tiere in der 2. Medikationsphase
Mittel
Pro Tag
2500
1399
1955
2500
1452
2468
2500
1534
2096
2500
1343
3687
2500
1468
3757
16.08.
2500
1893
1388
2500
2117
1676
2500
1784
1656
2500
1610
2637
2500
1330
2745
15.08.
2500
1375
928
2500
1597
2917
2500
1737
2031
2500
1582
4367
2500
1607
3790
14.08.
2500
1161
2313
2500
1011
2812
2500
1295
2966
2500
1135
4324
2500
966
3965
13.08.
2500
2019
2373
2500
1718
2697
2500
1649
1435
2500
1536
3395
2500
2097
2927
12.08.
2500
1410
2663
2500
1083
3353
2500
1686
2091
2500
1212
4586
2500
1727
3829
11.08.
2500
1124
1391
2500
1634
1944
2500
993
1663
2500
934
4307
2500
1193
3959
10.08.
2500
1852
2770
2500
1296
2952
2500
1504
2665
2500
1724
4657
2500
1579
4103
09.08.
2500
1652
2174
2500
1816
2078
2500
1421
2116
2500
1418
4127
2500
1720
3927
08.08.
2500
880
2395
2500
2120
2527
2500
2013
2804
2500
1899
4099
2500
1328
4673
07.08.
2500
623
1154
2500
127
1719
2500
1254
1531
2500
381
374
2500
1134
3656
Tier 93
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 94
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 95
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 96
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Tier 97
Futter [g]
Faeces [g]
Urin [g]
Anhang A 7
Tab. A. 7: CTC-Gehalt (
CTC + e-CTC) in Urin der in der FAL eingestallten Schweine während der
Medikationsphasen (LC-MS/MS) (n = 2)
CTC-Gehalt ( CTC + e-CTC) [mg]
Versuchstag Tier 93 Tier 94 Tier 95 Tier 96 Tier 97
0 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
1 0,86 5,60 7,79 8,65 21,56
2 15,04 14,57 11,90 11,30 28,74
3 13,78 19,05 20,73 13,09 34,30
4 22,84 21,82 17,55 28,24 49,97
5 11,99 15,65 23,52 16,50 32,49
6 21,54 28,81 21,53 18,33 47,69
7 18,63 23,24 15,81 21,62 47,97
8 14,26 27,09 6,87 18,99 34,43
9 14,59 17,35 4,38 19,94 39,73
10 20,99 19,93 9,49 16,01 35,17
22 3,32 10,38 4,48 0,51 14,89
23 6,00 13,24 6,13 5,21 23,74
24 13,76 12,82 5,43 14,15 29,12
25 26,96 13,72 12,33 16,97 28,24
26 14,27 13,23 13,53 18,24 22,15
27 21,61 15,63 20,45 28,33 38,50
28 23,39 8,35 8,11 10,05 29,45
29 17,97 11,29 8,10 12,03 31,05
30 5,68 1,55 6,31 3,76 12,94
31 8,40 0,33 3,05 5,36 7,60
Tab. A. 8: CTC-Gehalt (
CTC + e-CTC) in Faeces der in der FAL eingestallten Schweine während
der Medikationsphasen (LC-MS/MS) (n = 2)
CTC-Gehalt ( CTC + e-CTC) [mg]
Versuchstag Tier 93 Tier 94 Tier 95 Tier 96 Tier 97
0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
1 0,3 0,0 2,0 0,6 55,5
2 228,9 169,5 221,4 438,0 355,1
3 237,2 670,3 768,1 604,7 569,5
4 367,4 562,2 580,9 644,7 639,3
5 483,8 688,5 542,7 841,4 491,3
6 521,0 544,5 750,5 490,8 678,2
7 561,7 694,5 600,5 1027,5 498,9
8 309,1 547,5 651,8 1082,9 684,3
9 577,4 598,0 878,0 851,0 801,2
10 584,2 675,0 698,2 907,9 322,9
22 0,4 1,5 1,2 1,0 0,6
23 2,6 258,0 589,9 237,0 322,9
24 765,4 979,6 583,0 717,0 509,8
25 873,0 681,6 724,4 732,8 738,5
26 509,7 762,3 500,8 560,8 657,9
27 508,1 694,1 1051,6 932,8 897,5
28 1001,8 1081,3 727,4 1175,9 929,1
29 451,3 743,8 598,8 757,1 543,0
30 664,8 728,3 817,4 1194,1 749,7
31 1011,9 1027,5 989,4 1196,7 535,3
Anhang
A 8
Tab. A. 9: Gehalt von CTC und seinen Umwandlungs- und Abbauprodukten in Urin des Tieres 95
während der Medikationsphasen (LC-MS/MS) (n = 2)
Gehalt [mg]
Versuchstag CTC e-CTC iso-CTC e-iso-CTC
Summe aller
Verbindungen
0 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
1 4,80 2,98 4,90 8,08 20,76
2 7,19 4,71 8,42 11,36 31,67
3 12,00 8,73 13,81 19,61 54,15
4 11,06 6,49 13,35 22,49 53,38
5 13,89 9,63 15,11 28,38 67,01
6 14,05 7,48 11,71 15,66 48,90
7 9,50 6,31 13,23 13,91 42,94
8 3,64 3,23 10,48 11,86 29,21
9 3,14 1,24 23,51 32,21 60,10
10 5,23 4,26 16,58 20,64 46,70
22 2,28 2,20 5,81 7,15 17,43
23 3,29 2,83 17,93 18,79 42,85
24 3,05 2,38 15,44 13,45 34,32
25 6,61 5,72 18,68 19,21 50,22
26 8,63 4,91 9,03 8,08 30,64
27 8,51 6,94 13,79 8,22 37,46
28 5,43 2,69 10,15 8,81 27,07
29 5,09 3,01 23,87 18,92 50,90
30 4,08 2,23 16,89 17,65 40,85
31 1,82 1,24 14,14 14,67 31,86
Tab. A. 10: Gehalt von CTC und seinen Umwandlungs- und Abbauprodukten in Faeces des Tieres 95
während der Medikationsphasen (LC-MS/MS) (n = 2)
Gehalt [mg]
Versuchs-
tag CTC e-CTC iso-CTC e-iso-CTC a-CTC e-a-CTC
Summe aller
Verbindungen
0 0 0 0 0 0 0 0,00
1 1,20 0,35 0,00 0,00 0,00 0,00 1,56
2 153,31 68,08 19,06 9,91 3,84 6,02 260,21
3 547,19 220,94 83,58 52,90 4,39 6,52 915,52
4 411,90 169,01 76,42 51,49 3,93 5,49 718,24
5 385,82 156,85 73,81 57,67 3,20 4,34 681,69
6 519,18 231,30 104,90 74,70 4,00 5,74 939,82
7 404,30 196,20 92,62 70,32 3,35 4,73 771,52
8 441,86 209,94 85,20 57,77 3,76 5,39 803,92
9 589,59 288,43 130,79 109,45 3,84 5,36 1127,46
10 447,55 250,67 107,18 80,87 3,76 5,34 895,36
22 0,78 0,68 0,29 0,00 0,00 0,00 1,75
23 376,86 213,06 51,98 33,42 4,20 6,52 686,04
24 380,57 202,44 60,59 36,81 3,29 4,72 688,42
25 488,56 235,82 92,73 72,40 3,61 5,11 898,22
26 332,10 168,72 74,69 55,62 2,44 3,41 636,98
27 712,43 339,17 121,11 136,30 4,35 6,07 1319,42
28 469,52 257,91 119,46 151,80 4,20 5,80 1008,69
29 383,51 215,31 99,17 120,58 3,12 4,44 826,15
30 534,25 283,17 99,85 116,47 3,54 5,61 1042,89
31 674,41 315,01 118,22 156,25 3,94 5,91 1273,75
Anhang A 9
A.2 Wiederholpräzision
Zur Beurteilung der Stabilität wird die Wiederholpräzision [288, 289] herangezogen. Durch die Be-
rechnung der Wiederholpräzision r erfolgt die Ermittlung der Wiederholgrenze, die zur Beurteilung
benötigt wird, ob es sich bei der Differenz zwischen zwei Einzelmeßwerten um eine signifikante Än-
derung handelt. Für die Wiederholpräzision gilt:
Gleichung A. 1: r = s 2 f
mit: r
=
Wiederholpräzision
s
=
Standardabweichung
f
=
empirisch ermittelter Zahlenwert
Die Variable f hängt von dem gewählten Signifikanzniveau P und der Verteilung der Meßwerte ab.
Für P = 90 % gilt f = 2,3, für P = 99 % gilt f = 3,65 und für ein Signifikanzniveau von P = 95 % ein
Faktor von 1,96. Gemäß KROMIDAS [244, 288] wird ein Signifikanzniveau von P = 95 % angenom-
men, so daß sich für die Wiederholpräzision r95 folgende Formel ergibt:
Gleichung A. 2: r95 = s 8,2 s 77,2 s 2 96,1 =
A.3 Langzeitstabilität von CTC und e-CTC
Abb. A. 1: Konzentrationsverlauf von CTC (β = 1 und 10 mg/L) in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v)
bei einer Lagerung von -80 °C (Mischstandard: CTC: e-CTC = 1:1 (w/w)) (HPLC-UV,
n = 3)
0
2
4
6
8
10
12
024681012141618202224
Zeit [Wochen]
Konzentration CTC [mg/L]
10 mg/L
1 mg/L
Anhang
A 10
Abb. A. 2: Konzentrationsverlauf von e-CTC (β = 1 und 10 mg/L) in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v)
bei einer Lagerung von -80 °C (Mischstandard: CTC: e-CTC = 1:1 (w/w)) (HPLC-UV,
n = 3)
A.4 Ausreißertest nach GRUBBS
Der Ausreißertest nach GRUBBS wird zur Aufdeckung einzelner Ausreißerwerte in einer Analysense-
rie genutzt [288, 290, 296]. Hierzu wird der Mittelwert x der Meßwerte einer Analysenserie gebildet
und die Standardabweichung s der Analysendaten berechnet.
Gleichung 1:
=
= N
1i
i
x
N
1
x
Durch Einsetzen des Mittelwertes x wird für den Analysenwert x* mit der größten Differenz zum
Mittelwert überprüft, ob es sich um einen Ausreißer handelt.
Gleichung 2: s
xx
PW
*
=
Der ermittelte Prüfwert PW wird mit den statistischen Tabellenwerten rM für den GRUBBS-Test ver-
glichen [288, 290]. Das Testergebnis ist wie folgt zu bewerten:
PW rM (f, P = 90 %): kein Ausreißer
rM (f, P = 90 %) < PW rM (f, P = 95 %): wahrscheinlich Ausreißer
PW > rM (f, P = 95 %): Ausreißer
0
2
4
6
8
10
12
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24
Zeit [Wochen]
Konzentration e-CTC [mg/L]
10 mg/L
1 mg/L
Anhang A 11
A.5 Linearität des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens zur Bestim-
mung von CTC und e-CTC
A. 5.1 Kalibrierdaten
Tab. A. 11: Mittelwerte und relative Standardabweichungen der Peakflächen von CTC und e-CTC in
Kalibrierlösungen bei der Bestimmung mittels LC-MS/MS (n = 10)
Konzentration
[mg/L]
Peakfläche CTC
y (n = 10)
[mAU min]
srel, CTC
(n = 10)
[%]
Peakfläche e-CTC
y (n = 10)
[mAU min]
srel, e-CTC
(n = 10)
[%]
0,001 7641 11 13836 16
0,0025 8424 9 14992 11
0,005 10503 7 18098 5
0,01 17966 6 25314 7
0,02 25687 6 29659 5
0,04 51817 5 45730 3
0,05 62980 5 54088 4
0,06 72739 5 61578 4
0,08 100852 4 84296 4
0,1 128725 2 101489 2
0,12 147414 3 113079 4
0,14 164361 4 134837 3
0,16 196902 2 146809 3
0,18 212616 4 157086 3
0,25 286257 2 219958 3
0,5 575129 3 419124 4
1 1024770 2 772677 4
2,5 2408886 3 1861274 2
5 4771595 4 3634713 4
10 9134133 4 6708979 5
25 21171256 3 15097022 2
50 41001890 4 29934106 3
100 69155647 3 45987774 2
Anhang
A 12
Tab. A. 12: Mittelwerte und relative Standardabweichungen der Peakflächen von CTC und e-CTC in
Kalibrierlösungen bei der Bestimmung mittels HPLC-UV (370 nm, n = 10)
Konzentration
[mg/L]
Peakfläche CTC
y (n = 10)
[mAU min]
srel, CTC
(n = 10)
[%]
Peakfläche e-CTC
y (n = 10)
[mAU min]
srel, e-CTC
(n = 10)
[%]
0,10 109 12 104 11
0,18 162 6 163 7
0,25 231 4 225 3
0,50 468 3 464 3
1,00 868 3 864 2
2,50 2234 3 2208 2
5,00 4482 1 4496 3
10,00 8674 3 8714 3
25,00 22751 3 22852 3
50,00 46225 1 46036 2
100,00 90794 2 90774 2
A. 5.2 Kalibriergeraden
Abb. A. 3: Visueller Linearitätstest der Kalibrierfunktion für die Bestimmung von CTC mittels
HPLC-UV (n = 10)
y = 911,18x - 24,901
R
2
= 0,9999
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
70000
80000
90000
100000
0 20406080100
Konzentration [mg/L]
Fläche [mAU min]
Anhang A 13
Abb. A. 4: Visueller Linearitätstest der Kalibrierfunktion für die Bestimmung von e-CTC mittels
HPLC-UV (n = 10)
Abb. A. 5: Visueller Linearitätstest der Kalibrierfunktion für die Bestimmung von CTC mittels
LC-MS/MS (n = 10)
y = 910,49x - 20,963
R
2
= 0,9999
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
70000
80000
90000
100000
0 20406080100
Konzentration [mg/L]
Fläche [mAU min]
y = -2383,8x2 + 930292x + 30502
R2 = 0,9999
0
10000000
20000000
30000000
40000000
50000000
60000000
70000000
80000000
020406080100
Konzentration [mg/L]
Fläche
Anhang
A 14
Abb. A. 6: Visueller Linearitätstest der Kalibrierfunktion für die Bestimmung von e-CTC mittels
LC-MS/MS (n = 10)
A. 5.3 Anpassungstest nach MANDEL
Zur rechnerischen Überprüfung der Linearität kann der Anpassungstest nach MANDEL herangezogen
werden. Zunächst werden aus den erhaltenen Messwerten die Kalibrierfunktionen 1. und 2. Grades
(mit xi = Konzentration und yi = Detektorsignal) sowie die jeweiligen Reststandardabweichungen sy1
und sy2 berechnet. Durch Vergleich der Kalibrierfunktion 1. und 2. Grades wird die Verringerung der
Reststandardabweichung, die sich durch die Wahl des Regressionsmodells 2. Ordnung gegenüber der
1. Ordnung ergibt, mittels F-Tests auf Signifikanz geprüft [244, 288, 290].
Für eine Funktion 1. Grades gilt:
Gleichung A. 3: y = a+bx
Der Ordinatenabschnitt a stellt dabei den errechneten Blindwert dar, die Steigung b ist ein Maß für
die Empfindlichkeit. Die Steigung b wird nach folgender Formel berechnet:
Gleichung A. 4:
()()
[]
()
=
=
=N
1i
2
i
N
1i
ii
xx
yyxx
b
Die hierzu benötigten Mittelwerte des Detektorsignals ( y) werden mit Gleichung 1 und die Mittel-
werte der Konzentration (
x
) mit nachfolgender Formel berechnet:
Gleichung A. 5:
=
= N
1i
i
x
N
1
x
y = -2442,4x2 + 705243x + 14208
R2 = 0,9994
0
5000000
10000000
15000000
20000000
25000000
30000000
35000000
40000000
45000000
50000000
0 20406080100
Konzentration [mg/L]
Fläche
Anhang A 15
Der Schnittpunkt mit der Ordinate a (errechneter Blindwert) ergibt sich dann wie folgt:
Gleichung A. 6: xbya
=
Weiterhin wird für die statistische Beurteilung der Linearität die Reststandardabweichung benötigt.
Diese gibt die Streuung der Meßwerte um die Regressionsgerade an und ist somit ein Maß für die Prä-
zision der Kalibrierung. Für die Reststandardabweichung einer Funktion 1. Grades gilt:
Gleichung A. 7:
()
2N
y
ˆ
y
s
N
1i
2
ii
y1
=
=
mit: ii bxay
ˆ+= (berechnete Peakfläche)
=
i
y Mittelwert der experimentell ermittelten Peakfläche
Für eine Funktion 2. Grades gilt:
Gleichung A. 8: 2
cxbxay ++=
Die Regressionsanalyse liefert die Kalibrierfunktion 2. Grades mit ihren Funktionskoeffizienten a, b
und c. Diese können mit Gleichung A. 9 bis Gleichung A. 11 berechnet werden:
Gleichung A. 9: N
xcxby
a
N
1i
N
1i
N
1i
2
iii
=∑∑∑
===
Gleichung A. 10:
xx
x
xy
Q
QcQ
b3
=
Gleichung A. 11:
43
23
x
xx
2
x
xx
yxx
xy
QQQ
QQQQ
c
=
mit:
=
=
= N
1i
2
N
1i
i
2
ixx N
x
xQ
()
=
==
= N
1i
N
1i
i
N
1i
i
iixy N
yx
yxQ
Anhang
A 16
=
==
= N
1i
N
1i
2
i
N
1i
i
3
i
xN
xx
xQ 3
=
=
= N
1i
2
N
1i
2
i
4
i
xN
x
xQ 4
()
=
==
= N
1i
N
1i
2
i
N
1i
i
i
2
i
yx N
xy
yxQ 2
Für die Reststandardabweichung einer Funktion 2. Grades gilt:
Gleichung A. 12:
()
3N
y
ˆ
y
s
N
1i
2
ii
y2
=
=
mit: 2
iii cxbxay
ˆ++= (berechnete Peakfläche)
=
i
y Mittelwert der experimentell ermittelten Peakfläche
Aus den Reststandardabweichungen sy1 und sy2 wird die Differenz der Varianzen DS2 ermittelt:
Gleichung A. 13:
()
(
)
2
y
2
y
2
21 s 3Ns 2NDS = mit dem Freiheitsgrad f = 1
Anschließend wird die Prüfgröße PG berechnet:
Gleichung A. 14: 2
2y
2
s
DS
PG =
Diese Prüfgröße wird dann mit dem Tabellenwert F(f1 = 1, f2 = N – 3, P = 99 %) verglichen. Dabei
können folgende Fälle eintreten:
:FPG Durch die Kalibrierfunktion 2. Grades wird keine signifikant bessere Anpassung er-
reicht, also ist die Kalibrierfunktion linear.
PG>:F Die Kalibrierfunktion ist im untersuchten Arbeitsbereich nicht linear, entweder kann
durch Einengung des Arbeitsbereiches eine Linearität erreicht werden oder die Kali-
brierfunktion muß nach einem Regressionsmodell höherer Ordnung berechnet werden.
Zur Durchführung des Anpassungstests nach MANDEL werden die Kalibrierfunktionen 1. und 2.
Grades und die dazugehörigen Reststandardabweichungen sy1 und sy2 benötigt. Anschließend wird
Anhang A 17
mittels F-Test überprüft, ob sich bei der Wahl des Regressionsmodells 2. Ordnung gegenüber dem 1.
Ordnung eine signifikante Verringerung der Reststandardabweichung ergibt. Aus den erhaltenen Rest-
standardabweichungen wird die Differenz der Varianzen DS2 und daraus die Prüfgröße PG berechnet
und mit dem Tabellenwert verglichen.
HPLC-UV
Der Vergleich der ermittelten Prüfgrößen 3,953 für CTC und 5,145 für e-CTC mit dem Tabellenwert
F(f1 = 1, f2 = N – 3, P = 99 %) von 12,223 zeigt, daß durch die Kalibrierfunktion 2. Grades gegenüber
der 1. Grades keine signifikant bessere Anpassung erreicht wird, da die berechneten Prüfgrößen klei-
ner sind als der Tabellenwert. Die angenommene lineare Kalibrierfunktion wird somit für CTC und e-
CTC rechnerisch bestätigt. Die ermittelten Kenndaten der Anpassungstests für CTC und e-CTC für die
UV-Detektion sind in Tab. A. 13 zusammengefaßt.
Tab. A. 13: Anpassungstest nach MANDEL: Ermittelte Konstanten der Kalibrierfunktionen 1. und 2.
Grades und Prüfgröße PG für CTC und e-CTC (HPLC-UV)
1. Grades
yabx
=
+
2. Grades
yabxcx=+ + 2
funktionaler Zusammenhang
CTC e-CTC CTC e-CTC
Konstante a [mAU min] -28,356 -23,872 -126,536 -111,379
Konstante b [mAU min/(mg/L) ] 911,241 910,532 930,015 927,265
Konstante c [mAU min/(mg/L)2 ] --- --- -0,2013 -0,179
Korrelationskoeffizient (r) 0,9999 0,9999 0,9999 0,9999
Reststandardabweichung sy [mAU min] 304,758 250,716 260,456 203,486
CTC e-CTC
PG 3,953 5,145
F-Wert (f1 = 1, f2 = N – 3, P = 99 %) 12,223 12,223
LC-MS/MS
Die Durchführung des Linearitätstests nach MANDEL für die Kalibrierfunktionen der MS/MS-
Detektion bezogen auf einen Arbeitsbereich von 0,005 mg/L bis 50 mg/L bestätigte rechnerisch, daß
durch eine Kalibrierfunktion 2. Grades eine signifikant bessere Anpassung erreicht werden kann als
mit der 1. Grades. Die Aufteilung des Arbeitsbereiches in drei Teilbereiche erbrachte einen linearen
Zusammenhang zwischen Konzentration und Peakfläche für CTC und e-CTC, was rechnerisch mittels
des MANDEL-Testes bestätigt werden konnte, siehe Tab. A. 14.
Anhang
A 18
Tab. A. 14: Anpassungstest nach MANDEL: Ermittelte Prüfgrößen PG für CTC und e-CTC
(LC-MS/MS)
PG
Linearer
Bereich
[mg/L] CTC e-CTC
F-Wert (f1 = 1, f2 = N – 3, P = 99 %)
0,005-0,08 2,211 7,648 21,198
0,1-0,5 2,649 0,320 21,198
1-50 7,805 0,255 34,132
A. 5.4 Residualanalyse
Die Residualanalyse ist eine weitere Möglichkeit, zu prüfen, ob der gewählte funktionale Ansatz des
Kalibriermodells die Meßergebnisse hinreichend genau beschreibt. Die Residuen di ergeben sich dabei
als vertikale Abstände der Meßwerte von der Regressionskurve. Für die Residuen gilt:
Gleichung A. 15: iii y
ˆ
yd
=
mit: i = 1 bis N
mit: i
y= Meßwert der Peakfläche
i
y
ˆ= zu i
y gehöriger Schätzwert aus der Regressionsfunktion
Ist der gewählte Modellansatz richtig, weisen die Residuen eine Normalverteilung auf. Läßt sich je-
doch ein Trend feststellen, so ist der zugrunde gelegte Regressionsansatz zu überprüfen und gegebe-
nenfalls gewichtete Regressionsmodelle heranzuziehen [244, 288, 289, 290].
Die in Abb. A. 7 dargestellten Residuen zeigen, daß der gewählte lineare Regressionsansatz für die
UV-Detektion zwar richtig ist, jedoch ansteigende Varianzen zu erkennen sind und damit eine Inho-
mogenität der Varianzen vorliegen könnte.
Abb. A. 7: Graphische Darstellung der Residuen in Abhängigkeit von der Konzentration für die CTC-
Bestimmung (a) und e-CTC-Bestimmung (b) mit HPLC-UV (370 nm)
-600
-400
-200
0
200
400
600
800
0 102030405060708090100
Konzentration [m g/L]
d (CTC) [mAU min]
-600
-400
-200
0
200
400
600
0 102030405060708090100
Konzentration [m g/L]
d (e-CTC) [mAU min]
a
)
b
)
Anhang A 19
Die Residualanalysen für die MS/MS-Detektion ergaben für CTC und e-CTC für die drei aufgeteilten
Arbeitsbereiche eine Normalverteilung, dessen graphische Darstellung in Abb. A. 8 erfolgte.
Arbeitsbereich von 0,005-0,08 mg/L
Arbeitsbereich von 0,1-0,5 mg/L
Arbeitsbereich von 1-50 mg/L
Abb. A. 8: Graphische Darstellung der Residuen in Abhängigkeit von der Konzentration für die CTC-
Bestimmung und e-CTC-Bestimmung mit LC-MS/MS
A. 5.5 Varianzhomogenität
Die lineare Regressionsrechung geht von einer konstanten (homogenen) Varianz der Meßwerte (Un-
präzision) über den Arbeitsbereich aus. Eine Inhomogenität der Varianzen führt über eine höhere Un-
präzision hinaus zu einer möglichen Veränderung der Geradensteigung und damit zu einer höheren
Ungenauigkeit. Zur Überprüfung der Varianzhomogenität werden aus den zehn Meßwerten für die
-3000
-2500
-2000
-1500
-1000
-500
0
500
1000
1500
2000
2500
0,000 0,020 0,040 0,060 0,080 0,100
Konzentration [mg/L]
d [I min]
CTC
-3000
-2000
-1000
0
1000
2000
3000
4000
0,000 0,020 0,040 0,060 0,080 0,100
Konzentration [mg/L]
d [I min]
e-CTC
-8000
-6000
-4000
-2000
0
2000
4000
6000
0,00 0,10 0,20 0,30 0,40 0,50 0,60
Konzentration [mg/L]
d [I min]
CTC
-8000
-6000
-4000
-2000
0
2000
4000
6000
0,00 0,10 0,20 0,30 0,40 0,50 0,60
Konzentration [mg/L]
d [I min]
e-CTC
-500000
-400000
-300000
-200000
-100000
0
100000
200000
300000
400000
500000
0 102030405060
Konzentration [mg/L]
d [I min]
CTC
-400000
-300000
-200000
-100000
0
100000
200000
300000
400000
0 102030405060
Konzentration [mg/L]
d [I min]
e-CTC
Anhang
A 20
niedrigste und die höchste Konzentration des Arbeitsbereiches die Varianzen 2
1
s und 2
10
s gebildet
und einem F-Test unterworfen. Es werden 2·n (n = 10) Meßwerte erhalten. Für die Varianz gilt:
Gleichung A. 16:
()
1n
yy
s
i
10
1n
2
in,i
2
i
=
=
mit:
n
y
y
i
10
1n
n,i
i
=
= für n = 1 bzw. n = 10
Anschließend wird die Prüfgröße PG wie folgt berechnet:
Gleichung A. 17: 2
1
2
10
s
s
PG = für 2
1
2
10 ss >
oder
Gleichung A. 18: 2
10
2
1
s
s
PG = für 2
10
2
1ss >
Die berechnete Prüfgröße wird mit dem tabellierten F-Wert (f1 = f2 = N – 1 = 9) für einen Vertrauens-
bereich von 99 % verglichen. Ist PG < F, so ist kein signifikanter Unterschied zwischen den Varian-
zen 2
1
s und 2
10
s feststellbar und es ist damit eine Homogenität der Varianzen gegeben. Wenn PG > F
ist, besteht ein signifikanter Unterschied der Varianzen und somit eine Inhomogenität der Varianzen,
so daß durch Einschränken des Arbeitsbereiches versucht werden sollte, eine Varianzhomogenität zu
erreichen. Ist dies nicht möglich, müssen gegebenenfalls gewichtete Regressionsmodelle angewendet
werden.
Die Prüfwerte für die UV-Detektion wurden zu 45,55 für CTC und 13,19 für e-CTC ermittelt und la-
gen damit weit oberhalb des Tabellenwertes von 5,35. Damit ist rechnerisch die bereits durch die Re-
sidualanalyse festgestellte Inhomogenität bestätigt worden.
Zur Überprüfung der Varianzhomogenität bei der MS/MS-Detektion wurden entsprechend die Varian-
zen der niedrigsten und höchsten Konzentration für CTC und e-CTC der drei Arbeitsbereiche ermittelt
und die drei Wertepaare einem F-Test unterworfen, siehe Tab. A. 15.
Tab. A. 15: Prüfung auf Varianzhomogenität: Ermittelte Prüfgrößen PG für CTC und e-CTC
(LC-MS/MS)
PG
Linearer
Bereich
[mg/L] CTC e-CTC
F-Wert (f1 = f2 = N – 1 = 9)
0,005-0,08 29,45 14,83 5,35
0,1-0,5 62,96 50,51 5,35
1-50 507,49 943,14 5,35
Anhang A 21
Sowohl für CTC als auch für e-CTC wurde bei allen drei Teilbereichen trotz starker Einschränkung
des Arbeitsbereiches eine Varianzinhomogenität festgestellt, obwohl mittels Residualanalyse eine
Normalverteilung ermittelt wurde. Eine Varianzinhomogenität kann möglicherweise durch weitere
Einschränkung der gewählten Arbeitsbereiche sowie Anwendung gewichteter Regressionsmodelle
vermieden werden ist aber im Rahmen dieser Arbeit nicht durchgeführt worden, zumal auch in der
Routineanalytik oft eine Inhomogenität der Varianzen bei linearem Regressionsansatz in Kauf ge-
nommen wird. Der Test auf Varianzhomogenität ist zudem als kritisch zu betrachten, da nicht die rela-
tiven, sondern die absoluten Standardabweichungen in die Berechnung der Varianzen eingehen, so daß
die absolute Standardabweichung bei hohen Konzentrationen wesentlich höher ist als bei niedrigen,
obwohl die prozentuale Abweichung vom Sollwert mit zunehmender Konzentration meistens kleiner
wird. Aus diesen Gründen wurden weder der Regressionsansatz geändert noch die Arbeitsbereiche
weiter eingeschränkt.
A. 5.6 Absicherung der unteren Arbeitsgrenze
Eine Kalibrierfunktion ist nur dann für quantitative Analysen anwendbar, wenn sich alle später mit ihr
berechneten Analysenergebnisse signifikant von Null unterscheiden. Die untere Arbeitsgrenze muß,
um sich mit einer vorgegebenen Präzision signifikant von Null zu unterscheiden, über der Bestim-
mungsgrenze liegen. Zur Absicherung der unteren Arbeitsgrenze wird zunächst nach FUNK der Prüf-
wert xp mit t (f = N-2, P = 95 %) berechnet [289, 290]. Für diesen gilt:
Gleichung A. 19:
(
)
()
=
++= N
1i
2
i
2
2
p
0xp
xxb
yy
1
N
1
ts2x
mit:
()
=
+++= N
1i
2
i
2
1yp
xx
x
1
N
1
tsay
Ist xp x1, so ist der gesamte gewählte Arbeitsbereich abgesichert, und die untere Arbeitsgrenze un-
terscheidet sich signifikant von Null. Liegt xp oberhalb von x1, so ist der Arbeitsbereich erst für Kon-
zentrationen größer statistisch abgesichert und der Arbeitsbereich muß eingeschränkt werden.
Die Prüfwerte xp ergaben sich für die UV-Detektion zu 2,07 für CTC und 1,70 für e-CTC und liegen
oberhalb der gewählten unteren Arbeitsbereichsgrenze von 0,18 mg/L. Die ermittelten Prüfwerte xp
sind aber als kritisch zu betrachten, weil diese Berechnung eine Varianzhomogenität voraussetzt. Dies
ist notwendig, da bei der Berechnung des Prüfwertes xp die nicht normierten Größen der Verfahrens-
standardabweichung sx0 sowie der Reststandardabweichung sy1 einen großen Einfluß haben. Mit ei-
nem Bestimmtheitsmaß der Regressionsgeraden für CTC und e-CTC von R2 = 0,9999 kann trotzdem
von einer hohen Präzision auch im unteren Konzentrationsbereich ausgegangen werden. Die Arbeits-
grenze von 0,18 mg/L kann außerdem als abgesichert gelten, da dieser Grenzwert zum einen oberhalb
der Bestimmungsgrenze, ermittelt über das Signal-Rausch-Verhältnis, liegt und zusätzlich eine mini-
male Meßpräzision von 10 % ab der gewählten unteren Arbeitsbereichsgrenze von 0,18 mg/L erfüllt
ist. Deshalb erfolgt keine Einschränkung des Arbeitsbereiches.
Anhang
A 22
Zur Absicherung der unteren Arbeitsgrenze der MS/MS-Detektion wurde für CTC und e-CTC der
Prüfwert xp für die jeweiligen Arbeitsteilbereiche berechnet und mit den entsprechenden untersten
Konzentrationen x1 verglichen. Nur für den mittleren Arbeitsteilbereich von 0,1-0,5 mg/L konnten xp-
Werte unterhalb von x1 ermittelt werden, so daß nur dieser Arbeitsteilbereich ab x1, die anderen erst ab
den deutlich höher ermittelten xp-Werten, siehe Tab. A. 16.
Tab. A. 16:Absicherung der unteren Arbeitgrenze: xp-Werte für das LC-MS/MS-Verfahren
xp [mg/L]
Konzentrationsbereich
[mg/L] CTC e-CTC
0,005-0,08 0,013 0,024
0,1-0,5 0,035 0,035
1-50 3,660 3,697
Trotz der fehlenden Absicherung der unteren Arbeitsgrenzen wurden diese Bereiche aus den bereits
oben für die UV-Detektion genannten Gründen beibehalten.
A. 5.7 Verfahrenskenndaten
Aus der Empfindlichkeit läßt sich die Verfahrensstandardabweichung und die relative Verfahrensstan-
dardabweichung ableiten. Unter der Empfindlichkeit wird die Änderung des Meßwertes bei einer Än-
derung der Konzentration verstanden. Bei linearen Kalibrierfunktionen sind die Empfindlichkeiten
konstant und entsprechen der Steigung der Regressionsgeraden.
Gleichung A. 20: Verfahrensstandardabweichung: b
s
s1y
0x =
Gleichung A. 21: relative Verfahrensstandardabweichung: x
%100s
V0x
0x
=
Die ermittelten Verfahrenskenndaten der Kalibrierfunktionen für CTC und e-CTC sind in Tab. A. 17
zusammengefaßt. Die relativen Verfahrensstandardabweichungen für das HPLC-UV-Verfahren lagen
mit 1,7 % für CTC und 1,4 % für e-CTC unterhalb des Grenzwertes von 1,8 %.
Für die drei Kalibrierfunktionen der MS/MS-Detektion wurden analog die Verfahrenskenndaten ermit-
telt, die in Tab. A. 18 bis Tab. A. 20 zusammengefaßt sind. Die relativen Verfahrensstandardabwei-
chungen belegen mit Werten zwischen 2,1 % und 6,2 % die gute Leistungsfähigkeit des Analysenver-
fahrens, weil aufgrund der Einschränkung des Arbeitsbereiches in drei Teilbereiche nach KROMIDAS
eine maximal zulässige Verfahrensstandardabweichung von 6,4 % angenommen werden kann [288].
Da ein linearer Zusammenhang zwischen Konzentration und Peakfläche bei der MS/MS-Detektion nur
in einem begrenztem Konzentrationsbereich der oben aufgeführten Bereiche gegeben ist, ist bei der
Ermittlung der CTC-Gehalte in Realproben darauf zu achten, daß die Konzentrationen der Kalibrier-
standardlösungen im Bereich der Realprobe liegen.
Anhang A 23
Tab. A. 17: Verfahrenskenndaten der Kalibrierfunktionen für CTC und e-CTC (HPLC-UV, 370 nm)
Parameter CTC e-CTC
Empfindlichkeit [mAU min/(mg/L) ] 911,200 910,504
Verfahrensstandardabweichung sx0 [mg/L] 0,335 0,276
rel. Verfahrensstandardabweichung Vx0 [%] 1,72 1,42
Tab. A. 18: Verfahrenskenndaten der Kalibrierfunktionen für CTC und e-CTC im Konzentrations-
bereich 0,005-0,08 mg/L (LC-MS/MS)
Parameter CTC e-CTC
Reststandardabweichung sy [I min] 1940,850 2606,243
Empfindlichkeit [I min/(mg/L) ] 1182783,981 836366,874
Verfahrensstandardabweichung sx0 [mg/L] 0,002 0,003
rel. Verfahrensstandardabweichung Vx0 [%] 4,12 6,23
Tab. A. 19: Verfahrenskenndaten der Kalibrierfunktionen für CTC und e-CTC im Konzentrations-
bereich 0,1-0,5 mg/L (LC-MS/MS)
Parameter CTC e-CTC
Reststandardabweichung sy [I min] 4847,790 3475,410
Empfindlichkeit [I min/(mg/L) ] 1121152,553 799036,245
Verfahrensstandardabweichung sx0 [mg/L] 0,004 0,004
rel. Verfahrensstandardabweichung Vx0 [%] 2,09 2,10
Tab. A. 20: Verfahrenskenndaten der Kalibrierfunktionen für CTC und e-CTC im Konzentrationsbe-
reich 1-50 mg/L (LC-MS/MS)
Parameter CTC e-CTC
Reststandardabweichung sy [I min] 351877,160 257871,467
Empfindlichkeit [I min/(mg/L) ] 812434,819 589292,935
Verfahrensstandardabweichung sx0 [mg/L] 0,433 0,438
rel. Verfahrensstandardabweichung Vx0 [%] 2,78 2,81
Anhang
A 24
A.6 Wiederfindungsfunktion
A. 6.1 Berechnung der Wiederfindungsfunktion
Ziel der Wiederfindungsexperimente und der Aufstellung der Wiederfindungsfunktion ist die Ermitt-
lung des Einflusses einzelner Verfahrensschritte sowie einer Verfahrens- oder Probenmodifikation auf
das Analysenverfahren. Die Untersuchungen erfolgen über den gesamten Arbeitsbereich [290]. Zu-
nächst wird die Kalibrierfunktion des analytischen Grundverfahrens ermittelt, für die gilt:
Gleichung A. 22: y = c
a+ cc xb
Zur Aufdeckung von Fehlern in der Probenvorbereitung wird jeder einzelne Kalibrierstandard der
gesamten Probenvorbereitung unterzogen. Die Analysenergebnisse xf werden mit Hilfe der Analysen-
funktion, nach x aufgelöste Kalibrierfunktion, berechnet:
Gleichung A. 23:
c
cf
fb
ay
x
=
Die Wiederfindungsgerade stellt die Auftragung der „gefundenen“ Konzentrationen (xf) auf der Ordi-
nate gegen die zudotierte Konzentration (xc) auf der Abszisse dar. Die Wiederfindungsfunktion läßt
sich mathematisch folgendermaßen beschreiben:
Gleichung A. 24: cfff xbax
+
=
Im Idealfall ergibt die Wiederfindungsfunktion eine Gerade mit dem Achsenabschnitt af = 0 und der
Steigung bf = 1 sowie einer Reststandardabweichung syf, die der Verfahrensstandardabweichung des
analytischen Grundverfahrens sx0c entspricht. Für die Reststandardabweichung der Wiederfindungs-
funktion gilt:
Gleichung A. 25:
()
[]
2N
xbax
s
f
N
1i
2
icffif
yf
+
=
=
mit: Nf =Anzahl der Konzentrationsniveaus
Anhang A 25
A. 6.2 Wiederfindungsfunktionen von CTC dotierter Extraktionsmittel
Abb. A. 9: Wiederfindungsfunktion von CTC nach Aufarbeitung mit SPE von CTC-dotierter
Lösungsmittel (MeOH/EDTA-McIlvain-Puffer pH 4 (0,01 mol/L) (20/80) (v/v))
A. 6.3 Wiederfindungsfunktionen von CTC dotierter Muskulaturproben
Abb. A. 10: Wiederfindungsfunktion von CTC nach Aufarbeitung von CTC-dotierter Muskulaturpro-
ben
y = 1,0466x + 0,0393
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
012345678910
Kalibrierkonz. xc des CTC-
Dotierstandards [mg/L]
gefundene Konz. xf [mg/L]
(Σ CTC + e-CTC)
UV-Detektion
y = 1,0061x + 0,0394
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
012345678910
Kalibrierkonz. xc des CTC-
Dotierstandards [mg/L]
gefundene Konz. xf [mg/L]
(Σ CTC + e-CTC)
MS/MS-Detektion
y = 0,859x + 0,0219
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
012345678910
Kalibrierkonz. xc des CTC-
Dotierstandards [mg/L]
gefundene Konz. xf [mg/L]
(Σ CTC + e-CTC)
UV-Detektion
y = 0,6884x - 0,0575
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
012345678910
Kalibrierkonz. xc des CTC-
Dotierstandards [mg/L]
gefundene Konz. xf [mg/L]
(Σ CTC + e-CTC)
MS/MS-Detektion
Anhang
A 26
A. 6.4 Interpretation der Wiederfindungsfunktion und Kontrolle der Ana-
lysenpräzision
Eine wichtige Voraussetzung für die Aussagefähigkeit der Wiederfindungsfunktion ist die Gleichwer-
tigkeit der Verfahrensstandardabweichungen sx0 der Kalibrierfunktion des analytischen Grundverfah-
rens und der Kalibrierfunktion für die aufgestockte Matrix bzw. der Kalibrierfunktion. Einzelne Pro-
benvorbereitungsschritte wie z.B. Extraktion. Matrixeffekte und Probenvorbereitungsschritte können
zu deutlich höherer Unpräzision der Kalibrierung führen, so daß eventuell vorliegende systematische
Fehler verdeckt werden. Daher werden die Verfahrensstandardabweichung der Kalibrierfunktion des
Grundverfahrens sx0 und die Reststandardabweichung der Wiederfindungsfunktion syf mittels F-Test
auf signifikanten Unterschied geprüft.
Für die Prüfgröße PG gilt:
Gleichung A. 26:
2
0x
yf
s
s
PG
=
Ist PG > F (f1 = f2 = Nc-2, P = 99%), so liegt ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Stan-
dardabweichungen vor und es kann keine Aussage über das Nicht-Vorhandensein systematischer Ab-
weichungen gemacht werden.
A. 6.5 Ermittlung der Vertrauensbereiche für af und bf
Aufgrund von zufälligen Fehlern, also einer Streuung der Meßwerte ergeben sich als Achsenabschnitt
und Steigung der Wiederfindungsfunktion niemals die Idealwerte af = 0 und bf = 1. Zur Beurteilung
des Vorliegens sytematischer Abweichungen müssen daher zunächst die Vertrauensbereiche von af
und bf ermittelt werden.
Für den Vertrauensbereich von af gilt:
Gleichung A. 27:
()
+±= 2
cc,i
2
c
f
yf)f,P(ff xx
x
N
1
sta)a(VB
mit: t = Student-t-Faktor: P = 95 %, f = Nf-2
Für den Vertrauensbereich von bf gilt:
Gleichung A. 28:
()
±= 2
cc,i
yf)f,P(
ff
xx
st
b)b(VB
A. 6.6 Prüfung auf systematische Abweichungen
Mit Hilfe der berechneten Vertrauensbereiche für af und bf kann das Vorliegen systematischer Abwei-
chungen statistisch überprüft werden. Eine konstant-systematische Abweichung liegt mit 95%iger
statistischer Sicherheit vor, wenn der Vertrauensbereich VB(af) nicht den Wert af = 0 einschließt.
Anhang A 27
Entsprechend gilt, daß eine proportional-systematische Abweichung mit 95%iger Sicherheit vor-
liegt, wenn der Vertrauensbereich VB (bf) den Wert bf = 1 nicht einschließt. Beim Nachweis systema-
tischer Abweichungen hinsichtlich einzelner Verfahrensschritte ist das Analysenverfahren zu optimie-
ren und eine wiederholte Bestimmung der Wiederfindungsfunktion durchzuführen. Lassen sich die
systematischen Abweichungen nicht eliminieren, so ist in der Beschreibung des Verfahrens deutlich
darauf hinzuweisen. Bei proportional-systematischen Abweichungen muß eine Kalibrierung entweder
über das Gesamtverfahren, einschließlich Probenvorbereitung, erfolgen oder es ist das Verfahren der
Standardaddition anzuwenden. Beim Vorliegen konstant-systematischer Abweichungen genügt gege-
benenfalls auch ein Warnvermerk in der Analysenvorschrift.
A. 6.7 Wiederfindung
Die Wiederfindung ist ebenfalls ein Beurteilungskriterium für die Richtigkeit eines Analysenverfah-
rens. Die Wiederfindung läßt sich anhand der Wiederfindungsfunktion nach folgender Formel ermit-
teln:
Gleichung A. 29: 100
x
x
WF
c
f= % mit cfff xbax
+
=
ergibt sich
100b
x
a
f
c
f
+= %
Ist das Analysenverfahren frei von konstant- und/oder proportional-systematischen Abweichungen, so
beträgt af = 0 und bf = 1 und die Wiederfindung ist 100 %. Bei Vorliegen von ausschließlich propor-
tional-systematischen Abweichungen ist af 0, also die Wiederfindung unabhängig von xc und damit
allein durch bf bestimmt. In diesem Fall gilt:
Gleichung A. 30: 100bWF f= %
Bei einer ausschließlich proportional-systematischen Abweichung kann daher ebenfalls eine Wieder-
findung angegeben werden. Wurden jedoch zusätzlich zu proportional-systematischen Abweichungen
oder ausschließlich konstant-proportionale Abweichungen festgestellt, so führt die Beschreibung der
Richtigkeit des Analysenverfahrens allein mit Hilfe der Wiederfindung zu Falschaussagen.
Anhang
A 28
A.7 Kalibrierung des HPLC-UV-Verfahrens zur Bestimmung von
iso-CTC und e-iso-CTC
Abb. A. 11: Funktionaler Zusammenhang zwischen der Konzentration und der Peakfläche für die
Bestimmung von iso-CTC und e-iso-CTC mit HPLC-UV (270 nm) (n = 8)
Abb. A. 12: Funktionaler Zusammenhang zwischen der Konzentration und der Peakfläche für die
Bestimmung von iso-CTC und e-iso-CTC mit LC-MS/MS (n = 8)
e-iso-CTC
y = 1476,4x + 41,247
R
2
= 0,9992
iso-CTC
y = 1475,7x + 35,882
R
2
= 0,9992
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
012345
Konzentration [mg/L]
Fläche [mAU min]
iso-CTC
e-iso-CTC
e-iso-CTC
y = -10486x
2
+ 365818x + 631,3
R
2
= 0,9994
iso-CTC
y = -9873,6x
2
+ 366087x + 3389,4
R
2
= 0,9996
0
200000
400000
600000
800000
1000000
1200000
1400000
1600000
1800000
012345
Konzentration [mg/L]
Fläche [I min]
iso-CTC
e-iso-CTC
Anhang A 29
Tab. A. 21: Konzentrationen, Mittelwerte und relative Standardabweichungen der Peakflächen für die
Bestimmung von iso-CTC und e-iso-CTC mittels HPLC-UV (275 nm) (n = 8)
Konz.
iso-CTC
[mg/L]
Peakfläche iso-
CTC
y (n = 8)
[mAU min]
srel, iso-CTC
(n = 8)
[%]
Konz.
e-iso-CTC
[mg/L]
Peakfläche e-iso-
CTC
y (n = 8)
[mAU min]
srel, e-iso-CTC
(n = 8)
[%]
0,046 76,75 8 0,054 89,75 4
0,11 170,63 3 0,14 211,25 3
0,23 350,38 3 0,27 412,75 2
0,46 686,63 2 0,54 806,25 1
1,16 1794 1 1,34 2076,25 2
2,29 3551 2 2,71 4200,13 1
4,59 6735 1 5,41 7941,13 1
Tab. A. 22: Konzentrationen, Mittelwerte und relative Standardabweichungen der Peakflächen für die
Bestimmung von iso-CTC und e-iso-CTC mittels LC-MS/MS (n = 8)
Konz.
iso-CTC
[mg/L]
Peakfläche iso-
CTC
y (n = 8)
[I min]
srel, iso-CTC
(n = 8)
[%]
Konz.
e-iso-CTC
[mg/L]
Peakfläche e-iso-
CTC
y (n = 8)
[I min]
srel, e-iso-CTC
(n = 8)
[%]
0,011 7052,38 9 0,014 7811,38 7
0,022 12098,38 7 0,028 13306,75 6
0,046 21481,38 9 0,054 23853,25 9
0,11 49179,25 7 0,14 57276,25 9
0,23 93024,38 6 0,27 106031,38 6
0,46 162757,75 5 0,54 182434,25 9
1,16 396051,50 7 1,34 444983,63 6
2,29 804916,38 6 2,71 937561,88 5
4,59 1473231,13 7 5,41 1668910,63 5
Anhang
A 30
A.8 Kalibrierung des HPLC-UV-MS/MS-Verfahrens zur Be-
stimmung von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Abb. A. 13: Epimerisierung von Anhydro-CTC in MeOH/Fließmittel A (50/50) (v/v) (β = 10 mg/L) bei
einer Temperatur von 40 °C: Verlauf der Anhydro-CTC- und e-Anhydro-CTC-Konzen-
tration als Funktion von der Zeit (HPLC-UV, 275 nm)
Abb. A. 14: Funktionaler Zusammenhang zwischen der Konzentration und der Peakfläche für die Be-
stimmung von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit HPLC-UV (275 nm) (n = 8)
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
0 102030405060
Zeit [h]
Konzentration [mg/L]
Anhydro-CTC
e-Anhydro-CTC
Anhydro-CTC
y = 4948,7x - 29,902
R
2
= 0,9999
e-Anhydro-CTC
y = 4876,8x - 142,02
R
2
= 0,9999
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
35000
40000
45000
50000
0246810
Konzentration [mg/L]
Fläche [mAU min]
Anhydro-CTC
e-Anhydro-CTC
Anhang A 31
Abb. A. 15: Funktionaler Zusammenhang zwischen der Konzentration und der Peakfläche für die Be-
stimmung von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mit LC-MS/MS (n = 8)
Tab. A. 23: Konzentrationen, Mittelwerte und relative Standardabweichungen der Peakflächen für die
Bestimmung von Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC mittels HPLC-UV-MS/MS (n = 8)
Peakfläche
Anhydro-CTC
y (n = 8)
srel, Anhydro-CTC
(n = 8)
[%]
Peakfläche
e-Anhydro-CTC
y (n = 8)
srel, e-Anhydro-CTC
(n = 8)
[%]
Konz.
[mg/L]
UV
[mAU min]
MS/MS
[I min] UV MS/MS UV
[mAU min]
MS/MS
[I min] UV MS/MS
0,01 -- 623 -- 9 -- 551 -- 11
0,025 132 2234 7 12 112 1474 5 8
0,05 249 4814 6 10 210 4289 7 7
0,1 466 10189 5 8 424 6701 4 8
0,25 1105 27078 7 6 1025 24136 6 7
0,5 2283 46486 4 7 2177 41142 6 6
1 4775 81486 1 5 4582 72911 1 8
2,5 12486 182849 2 4 11999 161682 2 5
5 25137 381526 1 6 24293 347369 1 6
10 49235 761503 2 5 48634 672679 2 4
Anhydro-CTC
y = 75732x + 2693,1
R
2
= 0,9997
e-Anhydro-CTC
y = 67273x + 2548,7
R
2
= 0,9994
0
100000
200000
300000
400000
500000
600000
700000
800000
0246810
Konzentration [mg/L]
Fläche [I min]
Anhydro-CTC
e-Anhydro-CTC
Anhang
A 32
A.9 Analysenvorschrift zur Bestimmung von CTC und Metabolite
in Muskulatur, Leber, Niere, Urin, Plasma, Knochen und
Faeces
A. 9.1 Zweck und Anwendungsbereich
Die Methode dient der Identifizierung und Quantifizierung von CTC und seiner Umwandlungs- und
Abbauprodukte („Metabolite“) aus Muskulatur, Leber, Niere, Urin, Plasma, Knochen und Faeces. Aus
dem Endextrakt erfolgt die Identifizierung und Quantifizierung mit HPLC-UV und/oder LC-MS/MS.
A. 9.2 Liste der erfaßbaren Stoffe
Chlortetracyclin (CTC), epi-Chlortetracyclin (e-CTC), iso-Chlortetracyclin (iso-CTC), e-iso-
Chlortetracyclin (e-iso-CTC), Anhydrochlortetracyclin (Anhydro-CTC) und e-Anhydro-
chlortetracyclin (e-Anhydro-CTC)
A. 9.3 Prinzip
Nach der Extraktion der Analyten aus der Matrix bzw. Einstellung des pH-Wertes der Probe mit McIl-
vain-Puffer wird der so erhaltene Extrakt über eine Polymerphasen-Kartusche gereinigt und angerei-
chert. Die Konzentrationsbestimmung der Analyten erfolgt mit HPLC-UV-MS/MS.
A. 9.4 Reagenzien
a) Methanol, p. A.
b) Ethylendiamintetraessigsäure Dinatriumsalz-2-hydrat, (EDTA) reinst
c) Dinatriumhydrogenphosphat Dihydrat, p. A. oder reinst
d) Natriumhydroxid, granuliert, p. A.
e) Perchlorsäure, 60%ige (p.a)
f) Salzsäure, 1 mol/L
g) Wasser, bidestilliert über Quarzglas
h) Zitronensäure Monohydrat, p. A.
i) McIlvain-Puffer, pH 4 mit 0,01 mol/L EDTA
McIlvain-Stammlösung (Gefäßbeschriftung: McIlvaine-Stammlösung): Zunächst wird
eine McIlvain-Stammlösung hergestellt, die bei einer Temperatur von 4 °C bis 8 °C im
Kühlschrank aufzubewahren ist. Dazu wurden 284 g Na2HPO4 (2 Mol) und 210 g
Zitronensäure Monohydrat (1 Mol) mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt.
100 ml McIlvain-Stammlösung wird mit 800 mL bidest. H2O versetzt und 3,72 g
EDTA (0,01 mol/L) darin aufgelöst. Der pH-Wert dieser Lösung wird mit HCl (6
mol/L) auf 4 eingestellt. Die resultierende Lösung wird mit bidest. H2O auf 1 L aufge-
füllt. Gefäßbeschriftung: McIlvain-Puffer, pH 4 mit 0,01 mol/L EDTA
j) McIlvain-Puffer, pH 4 mit 0,1 mol/L EDTA
McIlvain-Stammlösung (Gefäßbeschriftung: McIlvain-Stammlösung): Zunächst wird
eine McIlvain-Stammlösung hergestellt, die bei einer Temperatur von 4 °C bis 8 °C im
Kühlschrank aufzubewahren ist. Dazu werden 284 g Na2HPO4 (2 Mol) und 210 g
Zitronensäure Monohydrat (1 Mol) mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt.
Anhang A 33
100 ml McIlvain-Stammlösung werden mit 800 mL bidest. H2O versetzt und 37,2 g
EDTA (0,1 mol/L) darin aufgelöst. Der pH-Wert dieser Lösung wird mit HCl (6
mol/L) auf 4 eingestellt. Die resultierende Lösung wird mit bidest. H2O auf 1 L aufge-
füllt. Gefäßbeschriftung: McIlvain-Puffer, pH 4 mit 0,1 mol/L EDTA
k) Extraktionsmittel M
Methanol/McIlvain-Puffer pH 4 mit 0,01 mol/L EDTA (20/80) (v/v)
l) Perchlorsäure 6% (w/w)
Zu 50 g bidest Wasser werden 10 g 60%ige Perchlorsäure gegeben und mit bidestil-
liertem Wasser auf 100 g aufgefüllt.
m) Fließmittel A
In einen 1000 mL-Meßkolben werden etwa 700 mL bidest. H2O vorgelegt und 100
mL Acetonitril (HPLC Gradient Grade) sowie 5 mL konzentrierte Ameisensäure
(reinst) zugegeben. Anschließend wird mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt und gut ge-
mischt.
n) Fließmittel B
In einen 1000 mL-Meßkolben werden etwa 200 mL bidest. H2O vorgelegt und 600
mL Acetonitril (HPLC Gradient Grade) sowie 5 mL konzentrierte Ameisensäure
(reinst) zugegeben. Anschließend wird mit bidest. H2O auf 1 L aufgefüllt und gut ge-
mischt.
A. 9.5 Geräte
a) Handelsübliche Labor- und Glasgeräte
b) Ultra-Turrax, T 25 (Janke & Kunkel)
c) Zentrifuge, Megafuge 2.0R (Heraeus Sepatech/Osterode)
d) Polymerphasen-Kartuschen: Oasis HLB (Waters, Art.Nr.: WAT106202)
e) Vakuumfiltrationsgerät J.T. Baker spe-12 G (Baker/Gross-Gerau)
f) TurboVap® LV Evaporator, Typ ZW 7001 (Zymark/Idstein)
g) Vortex-Rüttler, Minishaker MS 2 (Ika Labortechnik/Staufen)
h) Moulinette SE (Moulinex)
i) Horizontalschüttler HS 501 digital (Ika Labortechnik/Staufen)
j) Knochenmühle, Typ SM 2000 (Retsch/Haan)
A. 9.6 Probenvorbereitung
A 9.6.1 Herstellung der Probenextrakte
Herstellung des Probenextraktes aus Muskulatur: Muskulatur wird in einer Moulinette zerkleinert.
5 g dieser zerkleinerten Matrix werden in ein 80 mL Zentrifugenglas eingewogen. Zu den Proben wer-
den 15 mL Extraktionsmittel M gegeben. Anschließend wird 1 min (nach Stoppuhr) mit dem Ultratur-
rax bei 8000 U/min homogenisiert. Die so homogenisierte Probe wird 25 min bei 3300 g zentrifugiert.
Der Turraxstab wird mit 15 mL Extraktionsmittel M gespült. Das Pellet wird mit den 15 mL Extrakti-
onsmittel M erneut 1 min mit dem Ultraturrax bei 8000 rpm homogenisiert und 25 min bei 3300 g
zentrifugiert. Die Überstände werden vereinigt, nochmals 15 min bei 3300 g zentrifugiert und der
Überstand zur Festphasenextraktion verwendet.
Herstellung des Probenextraktes aus Leber und Niere: Leber oder Niere wird in einer Moulinette
zerkleinert. 5 g dieser zerkleinerten Matrix werden in ein 80 mL Zentrifugenglas eingewogen. Zu den
Anhang
A 34
Proben werden 15 mL McIlvain-Puffer mit 0,1 mol/L EDTA gegeben. Anschließend wird 1 min (nach
Stoppuhr) mit dem Ultraturrax bei 8000 U/min homogenisiert. Die so homogenisierte Probe wird 25
min bei 3300 g zentrifugiert. Der Turraxstab wird mit 15 mL McIlvain-Puffer mit 0,1 mol/L EDTA
gespült. Das Pellet wird mit den 15 mL McIlvain-Puffer erneut 1 Min mit dem Ultraturrax bei 8000
rpm homogenisiert und 25 min bei 3300 g zentrifugiert. Die Überstände werden vereinigt, nochmals
15 min bei 3300 g zentrifugiert und der Überstand zur Festphasenextraktion verwendet.
Herstellung des Probenextraktes aus Urin: 5 mL Urin werden in ein 10 mL Zentrifugenglas gege-
ben. Nach Zugabe von 4 mL McIlvain-Puffer mit 0,1 mol/L EDTA wird 15 Minuten bei 3300 g bei
Raumtemperatur zentrifugiert und der Überstand zur Festphasenextraktion verwendet.
Herstellung des Probenextraktes aus Plasma: 5 mL Plasma werden in ein 10 mL verschließbares
Reagenzglas aus Kunststoff gefüllt. Es werden zur Proteinfällung 5 mL 6%ige Perchlorsäure zugege-
ben und 30 min auf einer Rüttelmaschine bei 250 Schübe/min geschüttelt. Danach werden die gefäll-
ten Proteine 15 min in einer Zentrifuge bei 3300 g abzentrifugiert (gekühlte Zentrifuge: 10 °C). Der
Überstand wird in ein Zentrifugenglas überführt, anschließend das Reagenzglas mit 5 mL McIlvain-
Puffer mit 0,1 mol/L EDTA gespült, ebenfalls in das Zentrifugenglas überführt und schließlich weitere
20 mL McIlvain-Puffer zugegeben. Danach wird 15 Minuten bei 3300 g zentrifugiert (gekühlte Zentri-
fuge: 10 °C). und der Überstand zur Festphasenextraktion verwendet.
Herstellung des Probenextraktes aus Knochen: 1 g mit einer Knochenmühle gemahlene Knochen
werden in ein 10 mL verschließbares Reagenzglas aus Kunststoff gegeben. Nach Zugabe von 15 mL
1 moL/L HCl wird die Probenlösung über Nacht in den Kühlschrank gestellt. Am nächsten Tag wird
45 min bei 260 Schübe/min auf dem Schüttler geschüttelt und der Extrakt über einen Faltenfilter in ein
10 mL-Zentrifugenglas filtriert. Das Reagenzglas aus Kunststoff wird mit 6 mL bidestilliertem Wasser
ausgespült und zum Probenextrakt gegeben. Anschließend wird der pH-Wert mit 2 mol/L NaOH auf
etwa 4 eingestellt. Die Probenextrakte werden mit bidestilliertem Wasser für die Austarierung der
Zentrifuge auf ein bestimmtes Gewicht aufgefüllt. Danach wird 15 Minuten bei 3300 g zentrifugiert
(gekühlte Zentrifuge: 10 °C). und der Überstand zur Festphasenextraktion verwendet.
Herstellung des Probenextraktes aus Kot: 0,5 g Faeces werden in ein 10 mL verschließbares Rea-
genzglas aus Kunststoff gegeben. Nach Zugabe von 10 mL McIlvain-Puffer mit 0,1 mol/L EDTA wird
15 Minuten bei 260 Schübe/min auf dem Schüttler geschüttelt. Anschließend wird 15 min bei 3300 g
und 10 °C zentrifugiert. Der Überstand wird in ein 30 mL Sammelzentrifugenglas gegeben. Das Pellet
wird noch zweimal mit 10 mL McIlvain-Puffer mit 0,1 mol/L EDTA extrahiert. Die Extrakte werden
jeweils 15 Minuten bei 260 Schübe/min auf dem Schüttler geschüttelt und anschließend 15 min bei
3300 g und 10 °C zentrifugiert. Die vereinigten Überstände im Sammelgefäß werden nochmals 10 min
bei 3300 g zentrifugiert und der Überstand zur Festphasenextraktion verwendet.
A 9.6.2 Aufreinigung durch Festphasenextraktion
Der Probenextrakt wird manuell mittels Festphasenextraktion gereinigt und aufkonzentriert, wozu
Oasis HLB- Festphasenkartuschen verwendet werden.
Konditionierung der Kartuschen:
Die Kartusche wird mit 3 mL Methanol und anschließend mit 3 mL bidest. Wasser konditioniert.
(Nach der Konditionierung darf die Kartusche nicht trockengesaugt werden!)
Anhang A 35
Probenaufgabe:
Der Probenextrakt wird sofort nach der Konditionierung langsam durch die Festphasenkartusche ge-
saugt. Nach der Probenaufgabe wird die Kartusche für Muskulaturextrakt zweimal mit 3 mL Me-
OH/bidest. H2O (30/70) und für die anderen Probenextrakte zweimal mit 3 mL MeOH/bidest. H2O
(5/95) gespült und anschließend kurz trockengezogen.
Elution:
Die langsame, tropfenweise Elution der Analyten erfolgt mit 3 ml Methanol in ein 10 mL Turbovap-
glas. (Bemerkung: Für die Bestimmung von Anhydrochlortetracyclin und e-Anhydrochlortetrayclin
mit 6 mL Methanol eluieren!)
A 9.6.3 Herstellung des Endextraktes
Das Eluat wird im TurboVap bei 30°C Badtemperatur bis zur Trockene eingeengt. Der Rückstand
wird in 200 µL Methanol/ Fließmittel A (50/50) (v/v) aufgenommen. Kann der Extrakt nicht sofort
vermessen werden, wird der Extrakt im Tiefkühlschrank bei -26°C bis zur Messung gelagert.
A. 9.7 HPLC-UV-MS/MS-Messung
A 9.7.1 Standardlösungen
Stammlösungen: Die Stammlösungen aller eingesetzten Substanzen werden als Einzellösungen her-
gestellt und aliquotiert bei einer Temperatur von -80 °C aufbewahrt. Zur Herstellung der Stammlösung
werden 10 mg der Festsubstanz in einen 10 mL-Meßkolben eingewogen und mit Methanol (p. a.) auf
10 mL aufgefüllt. Diese Lösung (β = 1g/L) werden in Aliquoten von 1 mL aufgeteilt und sofort tiefge-
froren.
Kalibrierlösungen: Die Kalibrierlösungen der jeweiligen Epimerenpaaren (CTC/e-CTC, Anhydro-
CTC/e-Anhydro-CTC, epimerisiertes iso-CTC) wurden aufgrund der Stabilität, bedingt durch die
leichte Epimerisierung in schwach saurer Lösung, im Verhältnis 1:1 durch Verdünnung der Stammlö-
sungen mit Methanol/Fließmittel A (50/50) (v/v) hergestellt, anschließend entsprechend der Stammlö-
sungen aliquotiert und bei einer Temperatur von -80 °C eingefroren.
A 9.7.2 Analysengeräte
HPLC-UV-MSMS-Anlage (Alliance 2690, Waters/Quattro Ultima, Micromass) mit Ion-Spray Inter-
face, MassLynx-Auswertesoftware.
A 9.7.3 HPLC-UV-Einstellungen
Flußrate: 0,4 mL/min
Injektionsvolumen: 20 bzw. 40 µL
Fließmittel: A, B
Vorsäule: YMC-ODS-AM, (19 x 3 mm, 5 µm)
Trennsäule YMC ODS-AM (150 x 3 mm, 3 µm)
Anhang
A 36
Detektionswellenlänge: 370 nm (CTC, e-CTC)
275 nm (iso-CTC, e-iso-CTC, Anhydro-CTC, e-Anhydro-CTC)
Gradient:
Zeit [min] Fließmittel A [%] Fließmittel B [%]
0 90 10
1,5 80 20
12 60 40
15 40 60
18 0 100
22 0 100
25 90 10
29 90 10
A 9.7.4 LC-MS/MS-Einstellungen
Die Detektion der Analyten mittels Tandemmassenspektrometer erfolgt mit der Electrospray-
Ionisation im positiven Meßmodus (ESI+). Die MS/MS-Detektion erfolgt dabei im MRM-Modus.
Instrument-Parameter
Polarity ESI+
Calibration Static 2
Capillary (kV) 3.50
Cone (V) 50
Hex 1 (V) 0.0
Aperture (V) 0.0
Hex 2 (V) 0.5
Source Temperature (°C) 125
Desolvation Temperature (°C) 270
Cone Gas Flow (L/h) 100
Desolvation Gas Flow (L/h) 500
LM 1 Resolution 10.0
HM 1 Resolution 10.0
Ion Energy 1 1.0
Entrance 15
Collision 25
Exit 15
LM 2 Resolution 10.0
HM 2 Resolution 10.0
Ion Energy 2 1.0
Multiplier (V) 650
Anhang A 37
MS/MS-Methode
CTC und e-CTC
Precurser-Ion
m/z
Cone
[V]
Produkt-Ion
m/z
Dwell Time
[sec]
Collision
[eV]
154,0 0,4 30
370,5 0,5 30
443,7 0,2 20
478,9
462,0 0,3 20
464,1 0,3 20
480,5
20
446,1 0,3 20
iso-CTC und e-iso-CTC
Precurser-Ion
m/z
Cone
[V]
Produkt-Ion
m/z
Dwell Time
[sec]
Collision
[eV]
154,0 0,4 30
197,0 0,5 40
478,9
462,3 0,3 20
480,6
20
464,2 0,3 20
Anhydro-CTC und e-Anhydro-CTC
Precurser-Ion
m/z
Cone
[V]
Produkt-Ion
m/z
Dwell Time
[sec]
Collision
[eV]
98,0 0,4 30
154,0 0,5 25
461,5
443,9 0,2 25
462,7
20
445,8 0,3 25
A 9.7.5 Identitätsnachweis
Die Identifizierung erfolgt über die UV-Spektren, sowie über die Massenspuren der Fragmentionen,
ihre relativen Intensitäten und Retentionszeiten.
A 9.7.6 Quantifizierung
Die Quantifizierung kann mit HPLC-UV oder mit LC-MS/MS in Plasma, Faeces, Muskulatur und
Knochen erfolgen. Für Urin, Leber und Niere ist eine Auswertung über die UV-Chromatogramme
nicht möglich. Zur Quantifizierung wird mit Hilfe von Standardlösungen eine Kalibriergerade erstellt
(externe Standardmethode) und der Stoffgehalt der Proben in ng pro Probeninjektionsvolumen ermit-
telt. Anschließend erfolgt die Berechnung der Analytmenge in der Probe in µg/L bzw. µg/kg Matrix.