scieee Science in your language
[en] (orig)
Simulation und Modellierung des Mischverhaltens
von Taylor-Couette-Reaktoren
Von der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften
Department Chemie
der Universit¨
at Paderborn
zur Erlangung des Grades eines
Doktors der Naturwissenschaften
-Dr. rer. nat.-
genehmigte Dissertation
von
Thorsten Grebe
aus
Lippstadt
Paderborn, November 2004
Die vorliegende Arbeit wurde in der Zeit von M¨
arz 2001 bis November 2004 im Fach
Technische Chemie und Chemische Verfahrenstechnik in der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissen-
schaften, Department Chemie, der Universit¨
at Paderborn angefertigt.
Referent: Prof. Dr.-Ing. H.-J. Warnecke
Universit¨
at Paderborn
Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften, Department Chemie
Korreferent: HD Dr. rer. nat. D. Bothe
Universit¨
at Paderborn
Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften, Department Chemie
Datum der Abgabe: 09. November 2004
Datum der m¨
undlichen Pr¨
ufung: 17. Dezember 2004
An dieser Stelle m¨
ochte ich allen danken, die sowohl durch ihre fachliche als auch
moralische Unterst¨
utzung zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben.
Mein besonderer Dank gilt
Prof. Dr.-Ing. H.-J. Warnecke f¨
ur die interessante, fach¨
ubergreifende Themenstellung,
seine stete Diskussionsbereitschaft und insbesondere f¨
ur sein Vertrauen, das mir die
freiheitliche Gestaltung und Umsetzung der wissenschaftlichen Ziele dieser Arbeit
erm¨
oglichte,
HD Dr. rer. nat. D. Bothe f¨
ur die ¨
Ubernahme des Korreferates, seinen großen Einsatz
und seine unverzichtbare Unterst¨
utzung bei der mathematischen Modellierung, der
L¨
osung numerischer Probleme und allgemeinen Fragestellungen,
Marcus Voigt f¨
ur das gute B¨
uroklima,
Nils Lessmann f¨
ur seine stete Diskussionsbereitschaft,
Carsten Stemich f¨
ur die Diskussionen bei einer Tasse Kaffee,
Hermann Post f¨
ur die Unterst¨
utzung bei der Umsetzung des Modells in Matlab,
sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Institutes f¨
ur Technische Chemie
und Chemische Verfahrenstechnik, die durch das hervorragende Arbeitsklima ihren
Beitrag zum erfolgreichen Abschluss dieser Arbeit geleistet haben.
... und nat¨
urlich bei Heike, die immer f¨
ur mich da ist.
Meinen Eltern
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung 1
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens 5
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.1.1 Einfl¨
usse der Geometrie auf die Str¨
omung . . . . . . . . . . . 13
2.1.2 Der Einfluss axialer Str¨
omung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.1.3 H¨
ohere Str¨
omungsmoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
2.1.4 Anwendungen f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren . . . . . . . . . . 16
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren . . . . . . . . . . 18
2.2.1 Modell f¨
ur den Stoff¨
ubergang zwischen benachbarten Wirbeln 18
2.2.2 Das R¨
uhrkesselkaskaden-Modell . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.2.3 Zwei- und Mehrzonenmodelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.2.4 Mehrdimensionales Dispersionsmodell . . . . . . . . . . . . . . 26
2.3 Theoretische Grundlagen des Mischens . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
2.3.1 Skala und Intensit¨
at der Segregation . . . . . . . . . . . . . . 30
2.3.2 Bestimmung der Segregation mittels chemischer Reaktion . . . 32
3 Numerische Simulationen 35
3.1 Geometrie und Diskretisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.2 Numerische Berechnung des Str¨
omungsfelds . . . . . . . . . . . . . . 40
3.3 ¨
Uberpr¨
ufung des numerisch berechneten Str¨
omungsfelds . . . . . . . . 41
3.4 Untersuchung der numerischen Diffusion der Spezies . . . . . . . . . . 43
3.5 Durchf¨
uhrung und Auswertung der numerischen Tracerexperimente . 46
i
Inhaltsverzeichnis
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen 49
4.1 Stofftransport in radialer Richtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
4.2 Stofftransport in Umfangsrichtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
4.3 Stofftransport in axialer Richtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
4.4 Stofftransport ¨
uber Wirbelgrenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
4.5 Stofftransport zwischen Wirbelkern und -schale . . . . . . . . . . . . 70
4.6 Einfluss einer Drehgeschwindigkeitsmodulation auf das Mischverhalten 74
5 Mathematische Modellierung des Stofftransports in TCRs 79
5.1 Modell zur Beschreibung des Stofftransports in TCRs . . . . . . . . . 79
5.2 Modellparameteranpassung und Vergleich mit numerischen Simulations-
ergebnissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
6 Zusammenfassung und Ausblick 87
7 Symbolverzeichnis 91
Literaturverzeichnis 97
ii
1 Einleitung und Problemstellung
Taylor-Couette-Reaktoren (TCRs) bestehen in ihrer Grundform aus zwei konzentrisch
angeordneten, relativ zueinander rotierenden Zylindern. Die Str¨
omung im Ringspalt
zwischen diesen Zylindern wird seit dem Ende des 19. Jahrhunderts untersucht und
geh¨
ort zu den klassischen Problemen der Str¨
omungsmechanik.
Allgemein ist die Rotation beider Zylinder sowohl in gemeinsamer als auch in entge-
gengesetzter Richtung m¨
oglich, wobei die sogenannten Taylor-Wirbel lediglich dann
auftreten, wenn die Drehbewegung des Innenzylinders dominiert. In den meisten An-
wendungen steht dabei der ¨
außere Zylinder still. Die ¨
uber die Spaltbreite variable
Zentrifugalkraft treibt die Fl¨
ussigkeit von innen nach außen, wobei die Viskosit¨
at
des Fluids dieser Bewegung entgegenwirkt. Nach dem ¨
Uberschreiten einer kritischen
Drehzahl wird die klassische Couette-Str¨
omung (Scherstr¨
omung im Ringspalt) in-
stabil und es tritt eine sekund¨
are Wirbelstr¨
omung mit achsensymmetrischen, to-
rusf¨
ormigen, sich entgegengesetzt drehenden Wirbeln auf (Abb. 1.1). Bei einer weite-
ren Erh¨
ohung der Drehfrequenz treten eine Vielzahl zus¨
atzlicher, stabiler Str¨
omungs-
formen abh¨
angig von der Reynoldszahl auf, die zum Verlust von Symmetrien f¨
uhren
und bis hin zu verschiedenen Graden der Turbulenz reichen. Die Str¨
omungszust¨
ande
in Taylor-Couette-Reaktoren sind im Gegensatz zum Mischverhalten ph¨
anomenolo-
gisch zum Teil sehr detailliert untersucht.
Zur Zeit werden die meisten chemischen Reaktionen in kontinuierlichen und diskonti-
nuierlichen R¨
uhrkesseln (CSTR) sowie Str¨
omungsrohren (PFRs) durchgef¨
uhrt. Die-
se experimentell und theoretisch gut untersuchten und verstandenen Systeme sind
bei einigen Anwendungen (zum Beispiel Emulsionspolymerisationen) bez¨
uglich ihres
Verweilzeit- und Temperaturverhaltens sowie der in ihnen auftretenden Scherkr¨
afte
wenig vorteilhaft, werden aber aus Mangel an alternativen Reaktorkonzepten trotz-
dem eingesetzt.
1
1 Einleitung und Problemstellung
Abbildung 1.1: Links: Prinzipienskizze eines TCRs mit rotierendem Innenzylinder.
Rechts: Zweidimensionale Str¨
omungsvektoren in einem Schnitt durch den
Spalt eines Doppelwirbels. Die charakteristische Wirbelstr¨
omung ist da-
bei deutlich zu erkennen. Die Farbe der Vektorpfeile gibt den Betrag der
Geschwindigkeit wieder (Rot: schnell, blau: langsam).
Eine Alternative zu diesen ¨
ublicherweise verwendeten Reaktorbauformen stellen in
der chemischen Verfahrenstechnik neben anderen innovativen Konzepten, wie zum
Beispiel den Mikromischern, die Taylor-Couette-Reaktoren dar. Einfache Tracer-Ex-
perimente deuten darauf hin, dass innerhalb der Wirbel gut gemischt wird und gleich-
zeitig durch die zellulare Struktur der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung die axiale Disper-
sion reduziert wird, da bei ungest¨
orter Taylor-Couette-Str¨
omung Fluidelemente die
Grenzfl¨
ache zwischen zwei benachbarten Wirbeln lediglich diffusiv, nicht aber kon-
vektiv passieren k¨
onnen. G¨
unstig ist auch das große Oberfl¨
achen-Volumen-Verh¨
altnis,
das den im Reaktor ablaufenden Prozess thermisch gut kontrollierbar machen kann.
2
Trotz dieses verfahrenstechnischen Potenzials werden TCRs bisher nur im margina-
len Umfang eingesetzt. Grund hierf¨
ur ist der Mangel an ingenieurtechnischer Erfah-
rung zur praktischen Beherrschbarkeit solcher Anlagen. Da die Herstellung eines sol-
chen technisch anspruchsvollen Apparates kostenaufwendig ist, kann die industrielle
Einf¨
uhrung dieser innovativen Verfahrenstechnik nur gelingen, wenn der experimen-
telle Aufwand zur zuverl¨
assigen Auslegung solcher Reaktoren auf ein ¨
okonomisch
vertretbares Maß reduziert werden kann. Um diesem Ziel n¨
aher zu kommen, ist ein
tiefergehendes Verst¨
andnis der Richtungsabh¨
angigkeit der Mischprozesse innnerhalb
und zwischen Wirbeln auf den relevanten Meso- und Mikroskalen erforderlich.
Eine wesentliche Grundlage zum Verst¨
andnis stellt die Hydrodynamik dar, da das
Str¨
omungsmischen auf Relativbewegungen innerhalb der zu vermischenden Fluidbe-
reiche beruht. Dabei k¨
onnen die n¨
otigen Daten, Ergebnisse und Erfahrungen mittels
praktisch durchgef¨
uhrter Tracerexperimente gesammelt werden. Diese haben aber den
Nachteil, dass die Einbringung des Tracers das Str¨
omungsfeld und somit das Gesamt-
system st¨
ort. Hinzu kommt, dass es sehr aufwendig ist, die so eingestellte Anfangs-
konfiguration genau zu vermessen. Dies ist aber zur detaillierten Interpretation der
Daten zwingend erforderlich, da zumeist eine starke Abh¨
angigkeit vom Anfangszu-
stand besteht. Ein weiteres Problem stellt die m¨
oglichst st¨
orungsfreie Vermessung von
Konzentrations- und Geschwindigkeitsfeldern dar. Hierbei bieten numerische Simula-
tionen und Tracerexperimente eine gute Alternative. Die geometrischen Eigenschaften
und die Stoffdaten der untersuchten Fluide k¨
onnen so relativ einfach modifiziert wer-
den. Der gr¨
oßte Vorteil liegt aber darin, dass eine Tracerzugabe m¨
oglich ist, ohne dass
das Str¨
omungsfeld beeinflusst wird, und auf diese Weise pr¨
azise der untersuchten Fra-
gestellung angepasst werden kann. Die zur Bearbeitung n¨
otigen Daten k¨
onnen ohne
das Gesamtsystem zu beeinflussen aufgenommen werden und liegen sofort digital vor,
was die Weiterverarbeitung erleichtert, sofern diese nicht Online durchgef¨
uhrt wird.
Ziel dieser Arbeit ist es daher, das bisher noch unzureichend verstandene Misch-
verhalten von Taylor-Couette-Reaktoren zu untersuchen, um so das reaktions- und
verfahrenstechnische Potenzial besser Einsch¨
atzen zu k¨
onnen und Ans¨
atze zur verein-
fachenden mathematisch-mechanistischen Modellierung zu erarbeiten. Hierzu werden
die Untersuchungen der Wechselwirkungen zwischen Hydrodynamik und Stofftrans-
port sowie der resultierenden Mischvorg¨
ange in den Taylor-Wirbeln mittels hoch auf-
3
1 Einleitung und Problemstellung
gel¨
oster Simulation durch numerische L¨
osung der kontinuumsmechanischen Bilanz-
gleichungen f¨
ur Masse, Impuls und Spezies durchgef¨
uhrt, wobei vor allem die Rich-
tungsabh¨
angigkeit der Mischvorg¨
ange analysiert wird. Dazu werden die Mischinten-
sit¨
at nach Danckwerts sowie das im DFG-Projekt BO 1879/2-1 erarbeitete Potenzial
des diffusiven Mischens als Berechnungsgrundlage f¨
ur die Skala der Segregation her-
angezogen.
Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse sollen es erm¨
oglichen, die zugrunde liegenden
Mechanismen besser zu beschreiben und diese zur Entwicklung eines vereinfachenden
Modells reduzierter Dimensionalit¨
at zu nutzen, um den numerischen Aufwand zur
Berechnung einer Speziesverteilung in einem TCR zu reduzieren. Dar¨
uber hinaus soll
die M¨
oglichkeit untersucht werden, die Mischprozesse innerhalb der Wirbel mittels ei-
ner Drehgeschwindigkeitsmodulation des Innenzylinders zu verbessern, ohne zugleich
die axiale Dispersion signifikant zu erh¨
ohen.
4
2 Theoretische Grundlagen und Stand des
Wissens
Die Taylor-Couette-Str¨
omung ist ein seit langem bekanntes, hydrodynamisches Ph¨
a-
nomen. Sowohl in der ¨
alteren, wie auch in der aktuellen Literatur finden sich eine
Vielzahl von Publikationen aus verschiedenen Fachrichtungen, die sich direkt oder
mittelbar mit dieser Str¨
omung besch¨
aftigen.
Bereits in Newtons Werk Principia aus dem Jahr 1687 findet sich die erste Erw¨
ahnung
der Couette-Str¨
omung in gekr¨
ummten Geometrien, in dem er Annahmen ¨
uber konzen-
trische Str¨
omungslinien und Symmetrien aufstellt [Donnelly, 1991]. Erst viel sp¨
ater,
1848, beschreibt Stokes das Auftreten von Wirbeln in der Couette-Str¨
omung unter
der Voraussetzung, dass sich der innere Zylinder schneller dreht als der ¨
außere. Dabei
nutzt er Staubpartikel, um die Str¨
omung zu visualisieren. Margules erkennt 1881,
dass es mit Hilfe der Couette-Str¨
omung m¨
oglich sein sollte, Viskosit¨
aten zu messen
und um 1886 entwickelt Mallock ein entsprechendes Viskosimeter [Mallock, 1896]. Er
macht dabei zwei Beobachtungen:
die Couette-Str¨
omung ist immer dann instabil, wenn sich der innere Zylinder
schneller dreht als der ¨
außere,
bewegt sich lediglich der ¨
außere Zylinder, w¨
ahrend der innere stillsteht, ist die
Couette-Str¨
omung bis zu einer kritischen Geschwindigkeit stabil und geht dann
in eine turbulente Str¨
omung ¨
uber.
Ungef¨
ahr zur selben Zeit konstruiert Couette ein ¨
ahnliches Viskosimeter, bei dem sich
lediglich der ¨
außere Zylinder dreht. Er macht ebenfalls die Beobachtung, dass f¨
ur den
¨
Ubergang zur turbulenten Str¨
omung eine kritische Drehgeschwindigkeit ¨
uberschritten
werden muss [Couette, 1890]. Das Hauptaugenmerk von Mallock und Couette lag auf
5
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
der Messung von Viskosit¨
aten, so dass sie die von ihnen beobachteten hydrodyna-
mischen Instabilit¨
aten nicht weiter untersuchten.
Bei sp¨
ater durchgef¨
urten Experimenten konnten Unzul¨
anglichkeiten bei den oben
beschriebenen Untersuchungen und den daraus abgeleiteten Ergebnissen festgestellt
werden. So lag bei den Untersuchungen von Mallock, bei denen sich lediglich der inne-
re der beiden Zylinder drehte, die Drehgeschwindigkeit immer oberhalb des kritischen
Wertes, der f¨
ur das Auftreten der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung ¨
uberschritten werden
muss. Bei den Experimenten, bei denen sich lediglich der ¨
außere Zylinder drehte, war
eine Exzentrizit¨
at in der Anordnung der Zylinder die Ursache f¨
ur das Auftreten einer
turbulenten Str¨
omung bei den untersuchten niedrigen Zylinderdrehzahlen.
Erst die Untersuchungen von Rayleigh zeigen Ans¨
atze zur mathematischen Beschrei-
bung des beobachteten Str¨
omungsph¨
anomens [Rayleigh, 1913]. Der Durchbruch auf
diesem Gebiet aber gelingt erst mit der Ver¨
offentlichung von Taylor, der die erste
vollst¨
andige theoretische und experimentelle Beschreibung des Str¨
omungsproblems
liefert [Taylor, 1923].
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
Rayleigh beschreibt den Grund f¨
ur die Instabilit¨
at der Couette-Str¨
omung in Form
einer Energieanalyse f¨
ur ein nicht viskoses Fluid. F¨
ur eine radial symmetrische, rein
tangentiale, nicht viskose Str¨
omung reduziert sich die Impulserhaltung ohne Ber¨
uck-
sichtigung der Gravitation f¨
ur ein dichtebest¨
andiges Fluid mit ur=uz= 0 zu
D(r2uθ)
Dt=D(ruθ)
Dt= 0.(2.1)
Hierbei bezeichnet rden Radius, uθdie Geschwindigkeit in Umfangsrichtung (Azi-
muth), die Winkelgeschwindigkeit, ρdie Dichte und tdie Zeit. Diese Gleichung
setzt voraus, dass der Impuls in tangentialer Richtung bezogen auf die Masse
ruθ= r2=C(2.2)
konstant ist. Auf ein Fluidelement wirkt somit eine auf die Masse bezogene Radial-
kraft von
~
F=u2
θ
r=L2
r3,(2.3)
6
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
wobei Lden Impuls des Fluidelements bezeichnet. Die potentielle Energie eines Ele-
mentes ist somit
K=Z
r
~
Fdr=Z
r
L2
r3dr=L2
2r2¯¯¯¯
r
=L2
2r2.(2.4)
Diese Energie hat den gleichen Betrag wie die kinetische Energie in tangentialer Rich-
tung. Wird die Str¨
omung in koaxiale Ringe gleichen Volumens unterteilt, so ergibt
sich f¨
ur zwei Ringe eine Energie von
K=1
2µL2
1
r2
1
+L2
2
r2
2.(2.5)
Die beiden Ringe befinden sich an den Stellen r1und r2und haben den Impuls L1
und L2. Wenn r2> r1ist und die Ringe so vertauscht werden, dass sich der erste
Ring an der Stelle r2befindet und umgekehrt, betr¨
agt die Energiedifferenz zwischen
den beiden Zust¨
anden
K=1
2¡L2
2L2
1¢µ1
r2
11
r2
2.(2.6)
Hierbei ist immer E > 0, wenn L1> L2ist. In diesem Fall wird die zweite Konfi-
guration bevorzugt. Daraus folgt, dass die Str¨
omung stabil bleibt, wenn L2monoton
mit rsteigt. F¨
ur die Couette-Str¨
omung kann dieses so genannte Rayleigh-Kriterium
in der Form
d
dr(r2Ω)2=d
dr(ruθ)2>0 (2.7)
beschrieben werden. Dies gilt allerdings streng nur f¨
ur nicht viskose Fluide [Drazin
und Reid, 1981]. In viskosen Fluiden treten D¨
ampfungen auf, so dass dieses Kriterium
lediglich einen Grenzfall darstellt.
Taylor erweiterte diese Theorie Rayleighs auf viskose Fluide [Taylor, 1923; Baier,
1999]. Hierzu wird die Impulsbilanz f¨
ur inkompressible Medien
tu+ (u·)u=1
ρp+νu(2.8)
zusammen mit der Volumenerhaltung
·u= 0 (2.9)
7
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
verwendet, wobei uden Geschwindigkeitsvektor, pden Druck, ρdie Dichte und νdie
kinematische Viskosit¨
at darstellt. steht f¨
ur den Nabla-Operator. Dieser lautet in
Zylinderkoordinaten
=
r +1
r
+
z .(2.10)
steht f¨
ur den Laplace-Operator
= 2
r2+
rr +2
r22+2
z2.(2.11)
Die Basis f¨
ur die Taylor-Couette-Str¨
omung stellt die Couette-Str¨
omung in einem
Ringspalt dar. F¨
ur sie ergibt sich aus 2.8 und 2.9, wobei Haftung an den Zylin-
derw¨
anden als Randbedingung angenommen wird, eine tangentiale Geschwindigkeit
Vf¨
ur das Fluid von
V=Ar +B
r= r(2.12)
mit
A=1(R2
12 21)
R2
12 1,(2.13)
B=1R2
1(Ω21 1)
R2
12 1,(2.14)
R12 =R1
R2
,(2.15)
21 =2
1
.(2.16)
Diese Str¨
omung wird mit einer zeitlich, tangential und axial periodischen St¨
orung
v=
vr
vθ
vz
e(zct+)(2.17)
¨
uberlagert, wobei die Spaltbreite d=R2R1,t=tν/d2,r=r/d und z=z/d
ist. νsteht f¨
ur die kinematische Viskosit¨
at und t, rund zsind dimensionsbehaftete
Gr¨
oßen. F¨
ur achsensymmetrische Str¨
omungszust¨
ande ist die tangentiale Wellenzahl n
8
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
gleich 0. αist die auf die Spaltbreite skalierte axiale Wellenzahl und cdie Geschwin-
digkeit der auferlegten St¨
orung. F¨
ur den Fall, dass der Imagin¨
arteil von cnegativ ist
(Im(c)<0), ist die Grundstr¨
omung linear stabil gegen¨
uber periodischen St¨
orungen.
Im Fall, wenn Im(c)>0 ist, w¨
achst die St¨
orung zur hydrodynamischen Instabilit¨
at
an. Wenn der Imagin¨
arteil von cnull ist (Im(c) = 0), nimmt die St¨
orung weder zu
noch ab und die Str¨
omung befindet sich am ¨
Ubergangspunkt zwischen linear stabil
und instabil. Die daraus resultierende, gest¨
orte Geschwindigkeit
V=Veθ+v(2.18)
wird in die Impuls- und in die Kontinuit¨
atsgleichung (2.8 und 2.9) eingesetzt. Die sich
daraus ergebenden Gleichungen werden linearisiert, indem alle Terme, die bez¨
uglich
der St¨
orung von h¨
oherer Ordnung sind, vernachl¨
assigt werden. Dies ist m¨
oglich, da die
St¨
orung gegen¨
uber der eigentlichen Str¨
omung sehr klein ist. Das linearisierte System
kann auf die beiden Gleichungen
[DDα2+iαc](DDα2)vr=2Ωα2d2
νvθ(2.19)
und
[DDα2+iαc]vθ=2Ad2
νvr(2.20)
mit den Haftungs-Randbedingungen vr=vθ=vz= 0 an den Stellen y= 0 und 1
reduziert werden, wobei
y=RR1
d(2.21)
²=d
R2
,(2.22)
D=
y,(2.23)
und
D=D+1
y+1²
²
(2.24)
ist. Im Grenzfall ergeben sich f¨
ur einen ”unendlich schmalen” Spalt mit
²=d
R2 0,(2.25)
9
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
D D, (2.26)
[1 (1 21)y] (2.27)
die beiden vereinfachten Gleichungen
[D2α2+iαc](D2α2)vr= [1 (1 21)y]vθ(2.28)
und
[D2α2+iαc]vθ=Tα2vr,(2.29)
wobei vrgem¨
vr=2Ω1d2
ν˜vr(2.30)
skaliert wird, sowie
T=4A1d4
ν2=4Ω2
1d4(R2
12 21)
ν2(R2
12 1) =²Re2
θ+O(²2) (2.31)
und
Re =(Ω12)dR1
ν(2.32)
ist. Trepr¨
asentiert dabei das Verh¨
altnis zwischen viskosen und zentrifugalen Kr¨
aften.
Wenn Teinen kritischen Wert Tc¨
uberschreitet, wird die Couette-Str¨
omung instabil
und es bilden sich Taylor-Wirbel. Die Gleichungen 2.28 und 2.29 k¨
onnen zu einer
Differentialgleichung sechster Ordnung
[D2α2+iαc]2(D2α2)vθ=Tα2[1 (1 21)y]vθ(2.33)
mit den no-slip (Haftung) Randbedingungen
vθ= 0 y= 0,1 (2.34)
vr= 0 = (D2α2)vθy= 0,1 (2.35)
vz= 0 = D(D2α2)vθ=Dvry= 0,1 (2.36)
zusammengefasst werden. Am f¨
ur die Couette-Str¨
omung kritischen Punkt (c= 0)
vereinfacht sich Gleichung 2.33 zu
[D2α2]3vθ=Tα2[1 (1 21)y]vθ.(2.37)
10
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
Im Grenzfall 21 1 wird daraus die Differentialgleichung mit konstanten Koeffizi-
enten
[D2α2]3vθ=Tα2vθ.(2.38)
Die L¨
osung hat die Form
vθ=C1cosh q0x+C2sinh q0x+C3cosh qx+C4sinh qx+C5cosh qx+C6sinh qx
(2.39)
wobei iq0, q, qL¨
osungen der Gleichung
(q2α2)3=Tα2(2.40)
sind und x=y1/2 ist. Die Symmetrie der Randbedingungen macht es erfor-
derlich, dass die L¨
osung bezogen auf die den Mittelpunkt des Spalts (y= 0,5) ge-
rade (f(x) = f(x)) oder ungerade (f(x) = f(x)) sein muss. Mittels nume-
rischer Methoden kann aus Gleichung 2.38 der kritische Wert Tcf¨
ur ein festes α
bestimmt werden. Die gerade L¨
osung, die zu ¨
ubereinander angeordneten, achsensym-
metrischen, entgegengesetzt drehenden, laminaren Wirbeln (LTVF - Laminar Taylor
Vortex Flow) f¨
uhrt, tritt bei einem kleineren kritischen Wert f¨
ur Tauf als die unge-
rade L¨
osung.
Hierf¨
ur lautet die Beziehung zwischen Tund αn¨
aherungsweise
T2(π2+α2)3
(1 + 21)α2{116π2αcosh2(α/2)
(π2+α2)2(α+sinh α)}(2.41)
[Chandrasekhar, 1961]. Das Minimum dieser Funktion liegt etwa bei Tc3390. Die
axiale Wellenzahl an dieser Stelle hat einen Wert von α3,12. Dies f¨
uhrt zu n¨
ahe-
rungsweise quadratischen Wirbelzellen mit der Kantenl¨
ange d(Abb. 2.1), da α=π/l
ist, wobei lauf die Spaltbreite dskaliert ist. Taylors ausf¨
uhrliche, experimentelle Un-
tersuchungen best¨
atigen die Ergebnisse bez¨
uglich der geraden L¨
osung [Taylor, 1923].
Dagegen f¨
uhrt die ungerade L¨
osung theoretisch zu zwei im Spalt nebeneinander lie-
genden, sich entgegengesetzt drehenden Wirbeln. Experimentell kann dieser Zustand
nur im Fall zweier nicht molekular mischbarer Fluide unterschiedlicher Dichte beo-
bachtet werden.
F¨
ur den Fall, dass sich die beiden Zylinder in entgegengesetzter Richtung drehen,
11
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
PSfrag replacements
R1R2
Abbildung 2.1: Aus einer Spaltebene projizierte Str¨
omungsvektoren in einem Schnitt
durch den Spalt eines Doppelwirbels. Der Innenzylinder befindet sich links
und der Außenzylinder rechts. Die charakteristische Wirbelstr¨
omung ist
deutlich zu erkennen.
f¨
ullen die Wirbel nicht mehr die gesamte Spaltbreite aus. Sie dehnen sich dann le-
diglich vom inneren Zylinder bis zu einer Stelle r=Rnaus, an der die effektive
Drehgeschwindigkeit ngleich null ist.
12
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
2.1.1 Einfl¨
usse der Geometrie auf die Str¨
omung
Die oben beschriebenen Bedingungen f¨
ur das Auftreten von Taylor-Wirbeln gelten
streng nur f¨
ur exakt konzentrische, unendlich lange Zylinder. Schon eine geringe Ex-
zentrizit¨
at ecc
ecc =e
d(2.42)
mit dem Abstand der beiden Zylinderachsen eund der mittleren Spaltbreite d, hat
Einfluss auf die Str¨
omung. Bei ecc > 0 und ansonsten gleichen Bedingungen ist ein
gr¨
oßerer Wert von Tund somit eine h¨
ohere Drehgeschwindigkeit f¨
ur das Auftreten
von Wirbeln n¨
otig [Koschmieder, 1976].
Außerdem haben bei experimentellen Untersuchungen die Zylinderenden einen großen
Einfluss auf die Str¨
omung, was besonders bei einem kleinen Verh¨
altnis zwischen Zy-
linderl¨
ange und Spaltbreite gilt. Da die Anzahl der Wirbel ganzzahlig sein muss,
kommt es hier oftmals zur Streckung oder Stauchung der Wirbel. Des Weiteren hat
sich in Experimenten gezeigt, dass Taylor-Wirbel zuerst an den oberen und unteren
Begrenzungen entstehen, die dann die weitere Wirbelbildung im Inneren induzieren
[Koschmieder, 1993]. Rotieren die axialen Begrenzungen mit dem ¨
außeren Zylinder, so
sind die jeweils angrenzenden Wirbel weitgehend unabh¨
angig von der Drehgeschwin-
digkeit in ihrer axialen Ausdehnung vergr¨
oßert. F¨
ur den Fall, dass sie sich mit dem
inneren Zylinder bewegen, ist ihre Gr¨
oße proportional zu pT/Tc, wobei die inne-
ren Wirbel bei zunehmender Drehgeschwindigkeit immer st¨
arker gestaucht werden.
Hierbei wird zus¨
atzlich beobachtet, dass die radiale Komponente der Str¨
omung in der
N¨
ahe der axialen Begrenzungen in den meisten F¨
allen nach außen zeigt [Koschmieder,
1993].
Die axiale Reaktorl¨
ange beeinflusst ebenfalls das Bifurkationsverhalten. Allgemein
gilt, dass sich die kritischen Drehgeschwindigkeiten f¨
ur die Bifurkation zur Taylor-
Couette-Str¨
omung bei abnehmender L¨
ange erh¨
ohen. Dies gilt auch f¨
ur den n¨
achsten
¨
Ubergang zur wavy-vortex-Str¨
omung [Cole, 1976].
13
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
2.1.2 Der Einfluss axialer Str¨
omung
Unter Ber¨
ucksichtigung einer kleinen axialen Str¨
omung zwischen den Zylindern wer-
den Gleichungen 2.28 und 2.29 erweitert zu
{[D2α2+i(αc Reaxα)](D2α2)12iReaxα}vr=vθ(2.43)
und
[D2α2+i(αc Reax)]vθ=Tα2vr(2.44)
mit
T=1
2(1 + µ)4A1
ν2d4,(2.45)
der axialen Reynoldszahl
Reax =Wd
ν(2.46)
und der mittleren axialen Geschwindigkeit
W=d2
12ρν µp
z 0
.(2.47)
Analog zum Fall ohne axiale Str¨
omung kann zu einer vorgegebene Wellenzahl αder
kritische Wert Tcf¨
ur das Auftreten von Wirbeln mit Hilfe numerischer Methoden
errechnet werden. Er liegt bei ansonsten gleichen Bedingungen f¨
ur das Fluid und die
Geometrie h¨
oher als im Fall ohne axiale Str¨
omung [Chandrasekhar, 1961]. F¨
ur kleine
axiale Reynoldszahlen bleibt die Str¨
omung achsensymmetrisch, wobei ein Bypass-
effekt auftritt, bei dem die effektive Fluidstr¨
omung ¨
uber die Wirbelschalen erfolgt.
Hierbei kann beobachtet werden, dass sich die Wirbelzentren mit einer gr¨
oßeren Ge-
schwindigkeit in axialer Richtung bewegen, als die mittlere Fluidgeschwindigkeit [Ho-
wes und Rudman, 1998].
Bei h¨
oheren axialen Reynoldszahlen (Reax >20) wird theoretisch und experimen-
tell eine nicht mehr achsensymmetrische Str¨
omung beobachtet [Ng und Turner, 1982;
Takeuchi und Jankowski, 1981].
14
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
2.1.3 H¨
ohere Str¨
omungsmoden
In Taylor-Couette-Geometrien sind eine große Anzahl weiterer Str¨
omungszust¨
ande
m¨
oglich. So sind in der Literatur bis zu 74 verschiedene stabile Zust¨
ande bekannt
[Coles, 1965]. Die weitere Erh¨
ohung der Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders bei
schon vorhandenen Taylor-Wirbeln f¨
uhrt nach ¨
Uberschreiten eines weiteren kritischen
Wertes zu einem Zustand, bei dem die Str¨
omung durch eine zeitabh¨
angige, axiale Wel-
lenbewegung ¨
uberlagert wird und die Rotationssymmetrie der Wirbel verloren geht
(WVF - Wavy Vortex Flow). Die Wellenbewegung ist in Umfangsrichtung periodisch
und kann durch eine Frequenz charakterisiert werden (SPWVF - Single Periodic Wavy
Vortex Flow). Bei weiterer Erh¨
ohung der Drehgeschwindigkeit sind mehr als eine Fre-
quenz zur Beschreibung der Str¨
omung notwendig (QPWVF - Quasi Periodic Wavy
Vortex Flow)[Fenstermacher, 1979]. Eine genaue Vorhersage der Str¨
omungszust¨
ande
ist im Bereich hoher Drehgeschwindigkeiten schwierig, da bei gleicher Reaktorgeo-
metrie und Drehgeschwindigkeit abh¨
angig von dem Weg, ¨
uber welchen diese ein-
gestellt werden, bis zu 25 verschiedene Zust¨
ande experimentell beobachtet werden.
Bei weiterer Erh¨
ohung der Drehgeschwindigkeit treten Turbulenzen unter Erhaltung
der Wirbelstruktur auf (TVF - Turbulent Vortex Flow). Abbildung 2.2 zeigt eine
experimentell ermittelte Teil¨
ubersicht m¨
oglicher Str¨
omungzust¨
ande in Abh¨
angigkeit
von der inneren und der ¨
außeren Reynoldszahl f¨
ur eine Geometrie mit einem Radi-
enverh¨
altnis der beiden Zylinder von 0,883. Eine mathematische Beschreibung der
verschiedenen Str¨
omungsformen findet sich in Chossat und Iooss, 1994. H¨
aufig wird
zur Beschreibung der verschiedenen Str¨
omungsformen die dimensionslose Taylor-Zahl
Ta verwendet. Sie ist eine modifizierte Reynoldszahl und wird in der Literatur nicht
einheitlich verwendet. Neben
Ta =rR1+R2
2
d3
2
ν[Weast, 1985],(2.48)
Ta =R1+R2
2
d
ν[Grohmann, 1985],(2.49)
Ta =2R2
1d3
R1+R2µ
ν2
[Grohmann, 1985],(2.50)
Ta =4R2
1d3
R1+R2µ
ν2
[Hasoon und Martin, 1977],(2.51)
Ta =R2
1
ν[Hasoon und Martin, 1977],(2.52)
15
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
Abbildung 2.2: Experimentell ermitteltes Stabilit¨
atsdiagramm f¨
ur verschiedene Drehge-
schwindigkeiten der beiden Zylinder aus Andereck et al., 1986.
ist die am h¨
aufigsten verwendete Form
Ta =rd
R1
R1d
ν[Kataoka et al., 1975]. (2.53)
Wegen dieser Uneinheitlichkeiten wird in der vorliegenden Arbeit auf die Verwendung
der dimensionslosen Kennzahl Ta verzichtet, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
2.1.4 Anwendungen f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren
Zur Zeit werden die auf der Taylor-Couette-Str¨
omung basierenden Reaktoren noch
nicht f¨
ur großtechnische Prozesse verwendet. Zahlreiche Anwendungsgebiete werden
aber bereits seit einiger Zeit diskutiert. H¨
aufig sollen dabei im kontinuierlichen Be-
trieb die dem idealen Str¨
omungsrohr ¨
ahnlichen Eigenschaften mit dem Ziel ausgenutzt
werden, die axiale Dispersion zu reduzieren [Janes et al., 1987; Cohen und Marom,
1983]. Zahlreiche Untersuchungen beziehen sich in diesem Zusammenhang auf die
kontinuierliche L¨
osungspolymerisation [Kossak, 2000] oder die Emulsionspolymeri-
16
2.1 Die Taylor-Couette-Str¨
omung
sation z.B. von Styrol oder n-Butylmethacrylat in Taylor-Couette-Reaktoren [ICI,
1957; Schmidt, 1998]. Bisher werden diese Prozesse im technischen Maßstab in kon-
tinuierlich betriebenen R¨
uhrkesseln durchgef¨
uhrt. Der Nachteil ist dabei neben der
schlechten W¨
armeabfuhr das Auftreten hoher Scherkr¨
afte am R¨
uhrer, was zur Folge
hat, dass sich ein Polymerkoagulat bildet, welches Leitungssysteme verstopfen kann
[Feast, 1972]. TCRs k¨
onnen daher aufgrund der wesentlich geringeren Scherkr¨
afte
eine gute Alternative darstellen, wobei die Emulsion durch die Wirbelstruktur der
Str¨
omung zus¨
atzlich stabilisiert wird [Schmidt, 1998; Kataoka et al., 1995].
Basierend auf der Taylor-Couette-Str¨
omung mit kleinem axialen Fluss sind zwei kom-
merziell erh¨
altliche Filtrationsanlagen entwickelt worden (MBR-Sulzer: Dynamic Bio
Pressure Filter; Membrex: Benchmark Vortex Flow Filtration System) [Murase et al.,
1991]. Bei den Anlagen ist der Innenzylinder aus einem por¨
osen Material und stellt
den Filter dar. Die Wirbelstr¨
omung reinigt dabei kontinuierlich die Filteroberfl¨
ache
und verhindert so Ablagerungen. Ein weiterer Vorteil ist die Entkopplung von axialem
und transmembranem Druckabfall. Außerdem ist die Filterleistung wesentlich h¨
oher
als in den ¨
ublicherweise verwendeten Kreuzstromfiltrationsanlagen. Allerdings ¨
uber-
steigen die Anlagenkosten der TCRs h¨
aufig die von Anlagen konventioneller Bauweise
[Krohner et al., 1987; Krohner und Nissinen, 1988; Winzeler und Belfort, 1993].
Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet kann die Fl¨
ussig-Fl¨
ussig-Extraktion dar-
stellen. So werden auf der Taylor-Couette-Str¨
omung basierende Methoden im Labor-
maßstab seit ¨
uber 50 Jahren bei verschiedenen Extraktionsproblemen angewendet [Lo
et al., 1983; Davis und Weber, 1960]. In den hierzu verwendeten Ger¨
aten werden die
beiden Fluide durch die Str¨
omung bei hohen Zylinderdrehzahlen emulgiert und haben
so eine große Austauschfl¨
ache zueinander. Ein anderes Extraktionsverfahren, das bei
viel kleineren Zylinderdrehzahlen arbeitet, ist dann von Vorteil, wenn die Fluide nur
schwer wieder deemulgieren [Baier, 1999]. Diese Methode verzichtet auf das Emul-
gieren, vielmehr bilden die beiden Fluide zwei im Ringspalt nebeneinander liegende
Wirbel, wobei sich die Fl¨
ussigkeit mit der h¨
oheren Dichte außen befindet. Durch die
Sekund¨
arstr¨
omung werden die Fluidelemente an der Grenzfl¨
ache stetig ausgetauscht.
In weiteren Forschungsarbeiten werden TCRs als Flockungsreaktor zur Abwasserrei-
nigung [Grohmann, 1985], als Bioreaktor [Huang und Liu, 1994], als photochemischer
Reaktor [Haim und Pismen, 1994] oder zur Dialyse in der Medizintechnik [Ameer
et al., 1999] eingesetzt. Zus¨
atzlich kann der Innenzylinder als Katalysatortr¨
ager [Haim
17
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
und Pismen, 1994; Iosilevski et al., 1993] oder als Elektrode [Legrand et al., 1980] be-
nutzt werden.
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur
Taylor-Couette-Reaktoren
In der Literatur finden sich zahlreiche Modellans¨
atze, mit deren Hilfe versucht wird,
den Stofftranport in Taylor-Couette-Reaktoren vereinfacht zu beschreiben. Experi-
mentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass die axiale Dispersion knapp oberhalb
des ersten Bifurkationspunktes ein Minimum durchl¨
auft und mit steigender Drehzahl
wieder zunimmt [Pudijiono et al., 1992]. Unter Ber¨
ucksichtigung axialer Str¨
omung ist
der Dispersionskoeffizent in dieser Richtung unabh¨
angig vom Diffusionskoeffizienten
[Giordano et al., 2000; Moore und Cooney, 1995] und nimmt mit steigendem Fluss
zu [Enokida et al., 1989]. Zus¨
atzlich existieren experimentelle Untersuchungen in de-
nen das Misch- und Speziestransportverhalten von TCRs mittels einer chemischen
Parallelreaktion bestimmt wird [Marchisio und Barresi, 2003].
2.2.1 Modell f¨
ur den Stoff¨
ubergang zwischen benachbarten
Wirbeln
Ein einfaches Modell, das den axialen Stofftransport bei Wavy-Str¨
omung beschreibt,
fasst zwei nebeneinander liegende Wirbel zu einem Paar zusammen [Kataoka und
Takigawa, 1981]. Diese werden so gew¨
ahlt, dass die Wirbelstr¨
omung in der Grenz-
fl¨
ache zwischen den Paaren in Richtung des Innenzylinders zeigt (Abb.2.3), wobei
jedes als ideal durchmischt angesehen wird. Da ¨
uber die Grenzfl¨
achen zwischen zwei
Paaren Stofftransport m¨
oglich ist, wird zus¨
atzlich ein Stoff¨
ubergangskoeffizient kCB
eingef¨
uhrt, mit dessen Hilfe eine Massenbilanz f¨
ur das nte Wirbelpaar
VdCn
dt=kCBS(Cn12Cn+Cn+1) (2.54)
definiert werden kann. Hierbei ist Vdas Volumen eines Wirbelpaares und Sdie
Grenzfl¨
ache zwischen zwei benachbarten Wirbelpaaren. F¨
ur sie gilt n¨
aherungsweise
S=π(R2
2R2
1) (2.55)
18
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren
PSfrag replacements
kCB
kCB kCB
kCB
kCB
kCB
ideal durchmischtes
Wirbelpaar
Cn2Cn1CnCn+1 Cn+2
Abbildung 2.3: Modell zur Beschreibung des axialen Stofftransports zwischen Wirbelpaa-
ren bei Wavy-Str¨
omung.
und
V=π(R2
2R2
1)2d. (2.56)
Mit Hilfe experimenteller Daten kann per Anpassung hieraus der Wert von kCB nu-
merisch bestimmt werden.
Werden Diffusionsvorg¨
ange ber¨
ucksichtigt, die lediglich in axialer Richtung wirken,
kann ein effektiver axialer Diffusionskoeffizient Dzbestimmt werden. Allgemein kann
der Transport eines Stoffes mit der Konzentration C(z, t) in einem leeren Rohr als
C(z, t)
t +vz
C(z, t)
z =Dz
2C(z, t)
z2,(2.57)
beschrieben werden, wobei vzdie Geschwindigkeit des Fluids in axialer Richtung ist
[vgl. Taylor, 1953; Aris, 1959]. Dies kann auch auf TCRs unter der Voraussetzung
angewendet werden, dass sich die Spezies in radialer und tangentialer Richtung auf
einer Zeitskala vermischen, die deutlich kleiner ist als die f¨
ur den Speziestransport in
axialer Richtung und der beobachtete Bereich viel gr¨
oßer ist als ein Wirbel [Tam und
Swinney, 1987]. Ohne axiale Str¨
omung vereinfacht sich Gleichung 2.57 zu
C(z, t)
t =Dz
2C(z, t)
z2.(2.58)
Unter der Annahme, dass der Reaktor im Verh¨
altnis zum Querschnitt sehr lang ist,
kann er als unendlich lang angesehen werden, da in diesem Fall die Speziesakkumula-
19
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
tion an den axialen Begrenzungen einen vernachl¨
assigbaren Einfluss auf die Spezies-
verteilung hat. F¨
ur eine Tracerzugabe in Form eines Dirac-Impulses δabei x=a
δ(x) = (0x6=a
x=a(2.59)
in einen unendlich langen TCR ergibt sich f¨
ur die analytische L¨
osung
C(z, t) = 1
2πDztez2/4Dzt.(2.60)
Damit gilt f¨
ur das Verh¨
altnis der Konzentrationen an den zwei Punkten z1und z2
ln µC(z1, t)
C(z2, t)=z2
1z2
2
4Dzt.(2.61)
Der effektive Diffussionskoeffizient Dzkann ¨
uber die Steigung von ln(C(z1, t)/C(z2, t))
gegen 1/t bestimmt werden [Ohmura et al., 1997].
Der Nachteil dieses Modellansatzes ist die unzureichende ¨
ortliche Aufl¨
osung, da er
damit die Transportvorg¨
ange innerhalb eines Wirbels beziehungsweise zwischen den
beiden Wirbeln innerhalb eines Paares nicht beschreiben kann und deshalb die real
ablaufenden Prozesse nicht richtig wiedergegeben werden k¨
onnen. Besonders durch
das Zusammenfassen zweier Wirbel zu einem einzigen als ideal durchmischt angenom-
menen Bereich ist die ¨
Ubertragung von der Wavy- auf die Taylor-Couette-Str¨
omung
wenig sinnvoll und nur begrenzt anwendbar. In dieser Arbeit wird gezeigt, dass ein
Wirbel nicht als ideal durchmischter R¨
uhrkessel angesehen werden kann.
2.2.2 Das R¨
uhrkesselkaskaden-Modell
Mit Hilfe eines R¨
uhrkesselkaskaden-Modells kann der Stoff¨
ubergang zwischen zwei
benachbarten Wirbelh¨
ullen und den dazu geh¨
origen Zentren beschrieben werden. In
diesem Modell wird ein Wirbel durch einen idealen R¨
uhrkessel, der die ¨
außeren Wir-
belschichten darstellt, und einem Austauschvolumen, das den Wirbelkern repr¨
asen-
tiert, beschrieben. Zwischen benachbarten R¨
uhrkesseln und dem jeweils dazugeh¨
ori-
gen Austauschvolumen findet der Stofftransport ¨
uber einen Volumenstrom statt. Wird
der Tracer am Reaktorfuß zugef¨
uhrt und am Reaktorkopf abgenommen, ohne dass
ein axialer Fluß entsteht (Abb.2.4), kann die Tracerkonzentration in jeder Wirbelh¨
ulle
20
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren
PSfrag replacements
vtop vtop, Cw,1
Cw,1
Vw
v2, Cw,1
v2, Cd,1
Cd,1
Vd
v0, Cw,1v0, Cw,2
v0, Cw,j1v0, Cw,j
Cw,j
Vw
v2, Cw,j
v0, Cd,j
Cd,j
Vd
v0, Cw,j v0, Cw,j+1
v0, Cw,N1v0, Cw,N
Cw,N
Vw
v2, Cw,N
v2, Cd,N
Cd,N
Vd
vbot, Cw,N vbot, Cbot
Abbildung 2.4: Schematischer Aufbau des R¨
uhrkesselkaskadenmodells mit Austauschvo-
lumen.
(R¨
uhrkessel) mittels der Massenbilanz
dCw,1
dt=Ds(Cw,2Cw,1)µvtop
VwCw,1+µv2
Vw(Cd,1Cw,1),(2.62)
dCw,j
dt=Ds(Cw,j+1 2Cw,j +Cw,j1) + µv2
Vw(Cd,j Cw,j),(j= 2, N 1)
(2.63)
dCw,N
dt=Ds(Cw,N1Cw,N )+µvbot
Vw(CbotCw,j)+µv2
Vw(Cd,N Cw,N ) (2.64)
21
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
beschrieben werden [Campero und Vigil, 1997]. Hierbei beschreiben vbot und vtop
den Volumenzu- und -abstrom am Reaktorfuß und am Reaktorkopf, v0den Volu-
menstrom zwischen zwei benachbarten R¨
uhrkesseln, v2den Volumenstrom zwischen
einem R¨
uhrkessel und dem dazugeh¨
origen Austauschvolumen, VTdas Gesamtvolu-
men eines Wirbels, ϕden Anteil des Austauschvolumens am Volumen eines Wirbels,
Vw= (1 ϕ)VTdas Volumen eines R¨
uhrkessels, Cwdie dazugeh¨
orige Spezieskonzen-
tration, Vddas Austauschvolmen, Cddie entsprechende Spezieskonzentration, τddie
Verweilzeit im Austauschvolumen, Ds=v0/Vw=Deff(N/L)2den skalierten effekti-
ven Diffusionskoeffizienten, Ldie Reaktorl¨
ange und Ndie Anzahl der Wirbel. Mit
Hilfe experimenteller Daten k¨
onnen die Modellparameter Deff ,τdund ϕnumerisch
bestimmt werden.
Der Vorteil dieses Modells besteht darin, dass die Transportvorg¨
ange in einem Wirbel
zumindest ansatzweise ber¨
ucksichtigt werden.
2.2.3 Zwei- und Mehrzonenmodelle
Ein globaler axialer Dispersionskoeffizient beschreibt sowohl den Speziestransport
zwischen zwei benachbarten Wirbeln wie auch den innerhalb der Wirbel, so dass
derartige Modelle (Abschnitt 2.2.1) den Stofftransport in TCRs oftmals nur unzu-
reichend wiedergeben, da die beiden zugrundeliegenden Transportprozesse auf zwei
unterschiedlichen Zeitskalen ablaufen [Desmet et al., 1996]. Zur besseren Beschreibung
der Vorg¨
ange sind deshalb mindestens zwei Parameter notwendig, f¨
ur die das Zwei-
zonenmodell einen m¨
oglichen Ansatz liefert. Bei ihm wird jeder Wirbel in Anlehnung
an seine zellulare Struktur in zwei ideal durchmischte, konzentrische, quadratische
Volumina unterteilt: eine innere Zone, deren Fluidelemente keinen direkten Kontakt
zur Grenzfl¨
ache zwischen zwei benachbarten Wirbeln haben. Dazu erg¨
anzend kommt
eine ¨
außere, deren Fluidelemente sich mit denen der inneren Zone und den ¨
außeren
Zonen der benachbarten Wirbel austauschen k¨
onnen (Abb. 2.5). Der Stofftransport
innerhalb eines Wirbels wird durch den Parameter Kcund der zwischen zwei be-
nachbarten durch den Parameter Kimodelliert. Da die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung
auf einer viel schnelleren Zeitskala abl¨
auft als die Dispersion sowohl zwischen zwei
Wirbeln wie auch innerhalb eines Wirbels, kann innerhalb der jeweiligen Zonen ei-
ne ideale Durchmischung entlang der Str¨
omungslinien angenommen werden. Mit den
22
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren
PSfrag replacements
Vo
Vo
Vo
Vc
Vc
VcKcKc
Kc
Cc,j1
Co,j1Ki
Ki
Ki
Ki
Cc,j
Co,j
d=λ
δδ
ScSi
Cc,j+1
Co,j+1
Abbildung 2.5: Schematischer Aufbau des Zweizonenmodells.
Tracerkonzentrationen Co,j f¨
ur die ¨
außeren und Cc,j f¨
ur die inneren Zonen ergeben
sich folgende Massenbilanzen:
F¨
ur die inneren Zonen:
dCc,j
dt= Ψ(Co,j Cc,j),(j= 1, N) (2.65)
mit
Ψ = KcSc
Vc
=4Kc
d2δ(2.66)
und f¨
ur die ¨
außeren Zonen:
dCo,1
dt=φ(Co,2Co,1) + ϕ(Cc,1Co,1),(2.67)
dCo,j
dt=φ(Co,j12Co,j +Co,j+1) + ϕ(Cc,j Co,j),(j= 2, N 1),(2.68)
dCo,N
dt=φ(Co,N1Co,N ) + ϕ(Cc,N Co,N ) (2.69)
mit
φ=KiSi
Vo
=Kid
4δ(dδ)(2.70)
23
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
und
ϕ=KcSc
Vo
=Kc(d2δ)
δ(dδ).(2.71)
Hierbei sind Vound Vcdie Volumina der ¨
außeren und der inneren Zone, Scdie Grenz-
fl¨
ache zwischen der ¨
außeren und der inneren Zone, Sidie Grenzfl¨
ache zwischen zwei
benachbarten ¨
außeren Zonen, dder Abstand zwischen zwei Grenzfl¨
achen Si(ent-
spricht der Spaltbreite) und δder Abstand zwischen der inneren Zone zur n¨
achsten
Grenzfl¨
ache Si. Mit experimentellen Daten k¨
onnen dann die Modellparameter Kiund
Kcper Anpassung numerisch bestimmt werden [Desmet et al., 1996].
Dieses Modell hat den Vorteil, dass es ansatzweise die Transportvorg¨
ange innerhalb
eines Wirbels beschreiben kann und mit Hilfe mehrerer Parameter die verschiedenen
Zeitskalen ber¨
ucksichtigt, auf denen Stofftransport innerhalb eines TCRs stattfindet.
Dieses Zweizonenmodell kann weiter verbessert werden, indem die Anzahl Nzder ideal
durchmischten Zonen erh¨
oht wird (Abb. 2.6). Dadurch wird eine bessere Wiederga-
PSfrag replacements
V1
K1
K2
Vi
Ki
Ki+1
kNz
Si
Si+1
δS1
λ=d
Abbildung 2.6: Schematischer Aufbau des Mehrzonenmodells in Anlehnung an das Zwei-
zonenmodell.
be der Transportvorg¨
ange innerhalb der Wirbel m¨
oglich. Außerdem ist eine gr¨
oßere
Anzahl von Anfangstracerkonfigurationen beschreibbar. F¨
ur die Massenbilanz erh¨
alt
24
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren
man ein System aus Nzgew¨
ohnlichen Differentialgleichungen f¨
ur jeden der NWirbel.
F¨
ur die ¨
außere Schicht (i= 1) gilt
V1
dC1,j
dt=K1S1Φj+K2S2(C2,j C1,j), j = 1, N (2.72)
mit
Φj=
C1,2C1,1, j = 1
C1,j+1 2C1,j +C1,j1, j = 2, N 1
C1,Nz1C1,Nz, j =N.
(2.73)
F¨
ur die innerste Schicht (i=Nz) gilt
VNz
dCNz,j
dt=KNzSNz(CNz1,j CNz,j), j = 1, N (2.74)
und f¨
ur die dazwischen liegenden Schichten (i= 2, Nz1) gilt
Vi
dCi,j
dt=KiSi(Ci1,j Ci,j) + Ki+1Si+1(Ci+1,j Ci,j), j = 1, N . (2.75)
Auch hier k¨
onnen die Modellparameter numerisch aus experimentellen Daten er-
mittelt werden. Bei der Modellierung k¨
onnen zus¨
atzlich verschiedene Formen der
einzelnen Zonen ber¨
ucksichtigt werden (Abb. 2.7), wobei sich die Formen, die die
PSfrag replacements
A B C
Abbildung 2.7: M¨
ogliche Formen f¨
ur die Zonen des Mehrzonenmodells.
A) den Str¨
omungslinien angepasste Zonen, B) quadratische Zonen,
C) kreisf¨
ormige Zonen.
Str¨
omungslinien der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung m¨
oglichst gut nachbilden, als vor-
teilhaft erwiesen haben [Desmet et al., 1997].
25
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
2.2.4 Mehrdimensionales Dispersionsmodell
Ein anderer Ansatz, mit dem Speziestransport in TCRs beschrieben werden kann, ist
das Dispersionsmodell. Es wird dabei die Annahme gemacht, dass die Dispersion in
Umfangsrichtung (Azimuth) keine Funktion des Winkels ist, so dass sie mit Hilfe eines
Parameters Dtan beschrieben werden kann. Ist die Tracerverteilung bez¨
uglich eines
Schnitts durch die Spaltebene homogen, kann der Stofftransport in radialer Richtung
unber¨
ucksichtigt bleiben. F¨
ur diesen Fall ergibt sich f¨
ur die Massenbilanz
C
t =vtan
Rm
C
θ +Dtan
R2
m
2C
θ2+Dax
2C
x2.(2.76)
Der erste Term auf der rechten Seite der Gleichung beschreibt die Konvektion in tan-
gentialer, der zweite und der dritte Term die Dispersion in tangentialer beziehungs-
weise axialer Richtung. Die Abh¨
angigkeit der Umfangsgeschwindigkeit von der radia-
len Koordinate bleibt unber¨
ucksichtigt, stattdessen wird eine mittlere Geschwindig-
keit vtan und der mittlere Radius Rmverwendet. Bringt man einen Tracerblock in das
System ein, wie in Abbildung 2.8 gezeigt, lauten die Anfangsbedingungen:
t= 0 : C=C0[H(h+x)] H[(hx)][H(θ1+θ)H(θ1θ)] (2.77)
wobei Hdie Heaviside-Funktion
H(x) = (0 : x < 0
1 : x0(2.78)
bezeichnet. Die axiale Ausdehnung des Tracerblocks betr¨
agt 2h, was der Ausdehnung
eines Wirbels entspricht. F¨
ur den Fall, dass der Tracer in der Mitte des TCRs einge-
bracht und keine axiale Str¨
omung ber¨
ucksichtigt wird, lauten die Randbedingungen
an den Reaktorenden
x=±L
2:C
x = 0.(2.79)
Da kein effektiver Fluss in Umfangsrichtung vorhanden ist, kann die Dispersion in
dieser Richtung durch
θ=±π:C
θ = 0 (2.80)
ausgedr¨
uckt werden. Die entsprechenden Randbedingungen lauten mit der Winkelge-
schwindigkeit ¯ω
θ=±π+ ¯ωt :C
θ = 0.(2.81)
26
2.2 Stofftransportmodelle f¨
ur Taylor-Couette-Reaktoren
PSfrag replacements
θ=π
θ=θ1
θ= 0
θ=θ1
θ= +π
r=R2
r=R1
x=hx=h
Tracer
Abbildung 2.8: Schematischer Aufbau eines geeigneten Tracerexperiments f¨
ur das Disper-
sionsmodell.
Die L¨
osung dieser Gleichungen kann als Produkt aus den L¨
osungen zweier eindimen-
sionaler Probleme beschrieben werden [Carslaw und Jaeger, 1959]:
C(x, θ, t) = Cax(x, t)Ctan(θ, t).(2.82)
In dieser Gleichung ist Cax die L¨
osung des axialen Dispersionsproblems
Cax
t =Dax
2Cax
x2(2.83)
mit
t= 0 : Cax =C0[H(x+h)H(xh)] (2.84)
x=±L
2:Cax
x = 0 (2.85)
und Ctan die L¨
osung des tangentialen Dispersionsproblems
Ctan(θ, t)
t =¯
Dtan
Ctan(θ, t)
θ2+ ¯ωCtan(θ, t)
θ (2.86)
27
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
mit
Rm=R1+R2
2,¯
Dtan =Dtan
R2
m
,¯ω=vtan
Rm
(2.87)
und
t= 0 : Ctan =C0[H(θ+θ1)H(θθ1)] (2.88)
θ=±π+ ¯ωt :C
θ = 0.(2.89)
Die L¨
osung des axialen Dispersionsproblems (2.83) erfolgt f¨
ur einen unendlich langen
Reaktor (Cax = 0 an der Stelle x=±∞) unter Zuhilfenahme der Laplace Transfor-
mation und f¨
uhrt zu
Cax(x, t) = C0
2·erf µh+x
2Daxt+ erf µhx
2Daxt¶¸,(2.90)
wobei
erf(z) = 2
πZz
0
et2dt(2.91)
ist. Da keine axiale Str¨
omung ber¨
ucksichtigt wird, kann diese L¨
osung auf einen end-
lichen Reaktor durch Reflektion der L¨
osung des Problems eines unendlich langen
Reaktors an den Stellen der Reaktorenden ¨
ubertragen werden [Carslaw und Jaeger,
1959] und f¨
uhrt zu der L¨
osung
Cax(x, t) = C0
2
+
X
n=−∞ ·erf µhx+nL
2Daxt+ erf µh+xnL
2Daxt¶¸.(2.92)
Das tangentiale Dispersionsproblem wird zun¨
achst f¨
ur unendliche Abmessungen ohne
Zirkulation mit den Randbedingungen
θ=±∞ :Ctan = 0 (2.93)
gel¨
ost. Man erh¨
alt
Ctan(θ, t) = C0
2"erf Ãθ1+θ¯ωt
2p¯
Dtant!+ erf Ãθ1θ+ ¯ωt
2p¯
Dtant!#.(2.94)
Diese L¨
osung wird anschließend ¨
uber eine unendliche Anzahl von Perioden (Tper =
2πRm/vtan) summiert. F¨
ur das tangentiale Dispersionsproblem ergibt sich somit die
L¨
osung
Ctan(θ, t) = C0
2
+
X
n=0 "erf Ãθ1+θ¯ωt
2p¯
Dtant!+ erf Ãθ1θ2 + ¯ωt
2p¯
Dtant!#.(2.95)
28
2.3 Theoretische Grundlagen des Mischens
Das Produkt aus den Gleichungen 2.92 und 2.95 ist somit eine L¨
osung des Disper-
sionproblems in Gleichung 2.76.
Ein Vergleich zwischen diesem Modell und Ergebnissen aus experimentellen Verweil-
zeitmessungen zeigt, dass das Modell den Speziestransport unter Anfangsbedingun-
gen, wie sie in Abbildung 2.8 gezeigt werden, sehr gut beschreiben kann [Desmet et al.,
1996]. Dabei wird der Transport zwischen benachbarten Wirbeln und innerhalb der
Wirbel in Umfangsrichtung wiedergegeben. Der Stofftransport innerhalb eines Wir-
bels wird aber nicht vollst¨
andig aufgel¨
ost, da die radialer Richtung in diesem Modell
nicht ber¨
ucksichtigt wird. Das Modell ist somit in seiner Anwendbarkeit auf geeignete
Anfangstracerkonfigurationen beschr¨
ankt.
2.3 Theoretische Grundlagen des Mischens
Das Mischen geh¨
ort zu den verfahrenstechnischen Grundoperationen. Ziel ist es, ver-
schiedene Stoffe m¨
oglichst gleichm¨
aßig zu verteilen. Dies bedeutet, dass die Zusam-
mensetzung von Proben aus einer Mischung mit der Gesamtzusammensetzung der
Mischung weitgehend ¨
ubereinstimmt [Stieß, 1995]. Der verfahrenstechnische Aufwand
ist dabei umso h¨
oher, je n¨
aher der ideale Mischzustand, und damit die vollst¨
andige
Homogenit¨
at, erreicht werden soll. Um das Ergebnis einer Mischung beurteilen zu
k¨
onnen, muss die Abweichung von diesem idealen Zustand quantitativ erfasst werden
[Zogg, 1987].
Bei technischen Mischprozessen von gegenseitig ineinander l¨
oslichen Komponenten
lassen sich h¨
aufig zwei parallel zueinander ablaufende Teilvorg¨
ange unterscheiden.
Durch den einen wird, meist ¨
uber freie Konvektion oder ¨
außere Krafteinwirkung, die
Oberfl¨
ache zwischen den verschiedenen Fluidelementen unterschiedlicher Spezieskon-
zentration vergr¨
oßert. Beim zweiten Teilvorgang findet molekulare Diffusion ¨
uber die
gemeinsame Oberfl¨
ache zwischen diesen Fluidelementen statt. Der zuletzt beschrie-
bene Vorgang ist sehr langsam, erfolgt aber spontan ohne ¨
außeren Antrieb und l¨
auft
auch nach Beendigung des ersten Teilprozesses solange weiter, bis ein homogener
Zustand erreicht ist.
29
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
2.3.1 Skala und Intensit¨
at der Segregation
In der Literatur finden sich eine Vielzahl Methoden, die Mischintensit¨
at eines Systems
zu beschreiben. Die meisten sind der Intensit¨
at der Segregation sehr ¨
ahnlich; eine
¨
Ubersicht findet sich bei [Boss, 1986]. Oftmals wird zur Beschreibung einer Mischung
die Mischintensit¨
at
M= 1 1 = 1 σ
σmax
(2.96)
verwendet [Rose, 1959]. Sie basiert auf der Intensit¨
at der Segregation
I=σ2
σ2
max
(2.97)
nach Danckwerts [Danckwerts, 1952] mit
σ2=1
|V|ZV
(cc)2dV(2.98)
und
σ2
max =c(cmax c).(2.99)
Hierbei bezeichnet cdie Spezieskonzentration, cdessen Mittelwert und σ2
max die ma-
ximal im Konzentrationsfeld m¨
oglich Varianz. Die Mischintensit¨
at ist nicht sensitiv
gegen¨
uber der L¨
angenskala, auf der Segregation auftritt (Abb. 2.9), so dass diese f¨
ur
eine aussagekr¨
aftige Beschreibung eines Mischzustandes durch ein Maß f¨
ur die Skala
der Segregation erweitert werden muss. In den Teilbildern 2.9 A,B,C sieht man, wie die
Mischintensit¨
at als Folge zunehmender Durchmischung zunimmt. Andererseits wird
in den Teilbildern 2.9 A,D,E,F deutlich, dass die Bestimmung der Mischintensit¨
at als
alleiniges Maß zur Beschreibung der Mischintensit¨
at nicht ausreicht. Obwohl hier die
Segregation von links nach rechts abnimmt, erh¨
alt man f¨
ur die Mischintensit¨
at immer
den gleichen Wert (M= 0), der der vollst¨
andigen Segregation entspricht. Die in [Dan-
ckwerts, 1952] vorgeschlagene Skala der Segregation beruht auf einer Autokorrelation
des Konzentrationsfeldes und ist direkt nur auf eindimensionale Problemstellungen
anwendbar. Die ¨
Ubertragung auf dreidimensionale F¨
alle ist mit einem sehr großen
Rechenaufwand verbunden und hat keine klare anschauliche Bedeutung. Im Rahmen
dieser Arbeit wird deshalb das Potential f¨
ur diffusives Mischen
Φ(V) = 1
|V|ZVk∇fkdV (2.100)
30
2.3 Theoretische Grundlagen des Mischens
PSfrag replacements
M= 0
V= 0,471
M= 0,658
V= 0,332
M= 1
V= 0
M= 0
V= 0,033
M= 0
V= 0,2
M= 0
V= 1
ABC
DEF
Abbildung 2.9: Die Mischintensit¨
aten und das normierte Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
(V= Φ/Φmax) f¨
ur verschiedene Formen der Segregation.
mit
f=c
cmax
(2.101)
als Maß verwendet [Bothe, 2004]. Hierbei bedeutet |V|den Volumeninhalt von V
und k∇k die L¨
ange des Gradienten der normierten Konzentration. Die erhaltene
Gr¨
oße Φ kann mit verschiedenen Ergebnissen anschaulich interpretiert werden. Sie
kann als Maß f¨
ur die im Konzentrationsfeld enthaltene Triebkraft verstanden werden,
um entsprechende Gradienten auszugleichen. Zus¨
atzlich ist sie, zumindest f¨
ur stark
segregierte Zust¨
ande, ein Maß f¨
ur die spezifische Kontaktfl¨
ache zwischen Bereichen
unterschiedlicher Konzentrationen. Das Reziproke dieser Gr¨
oße kann als mittlerer
Abstand zwischen diesen Bereichen verstanden werden und ist damit auch zur Be-
schreibung der L¨
angenskala, auf der Segregation vorherrscht, geeignet. Im Rahmen
dieser Arbeit wird sowohl die Mischg¨
ute Mnach Gleichung 2.96, als auch das Poten-
31
2 Theoretische Grundlagen und Stand des Wissens
zial f¨
ur diffusives Mischen Φ zur Beurteilung der Mischungsqualit¨
at beziehungsweise
der Mischzust¨
ande verwendet.
2.3.2 Bestimmung der Segregation mittels chemischer Reaktion
Um das Mischverhalten eines chemischen Reaktors zu bestimmen, k¨
onnen auch Pa-
rallelreaktionen genutzt werden. Das hierzu n¨
otige Reaktionssystem besteht in der
Regel aus einer quasi-instantanen Reaktion
A+BR(2.102)
und einer zweiten schnellen Reaktion
A+CS. (2.103)
Neben der F¨
allung von Bariumsulfat und anschließender Untersuchung der Kristall-
gr¨
oßenverteilung wird hierzu h¨
aufig die Iodid-Iodat-Reaktion verwendet. Hierbei ist
A=H+,B=H2BO
3,C= 5/6I,R=H3BO3und S= 1/2I2[Fournier et al.,
1996]. Die Menge des entstandenen Iods kann nach der Folgereaktion I2+II
3
photometrisch bei einer Wellenl¨
ange von 353 nm bestimmt werden. Prinzipiell wird
dabei so vorgegangen, dass eine kleine Menge einer L¨
osung, die den limitierenden
Reaktanden Aenth¨
alt, zu einer L¨
osung, die ein Gemisch der Komponenten Bund C
enth¨
alt, gegeben wird. In einem ideal gemischten System ist Asofort ¨
uber das gesamte
Volumen gleichm¨
aßig verteilt, so dass lediglich die erste Reaktion abl¨
auft. Im anderen
Fall kommt es lokal zu einem ¨
Uberschuss der Komponente Aund in Folge dessen l¨
auft
an diesen Stellen auch die zweite Reaktion ab. Die Konzentration der Komponente S
ist somit ein Maß f¨
ur die Segregation im untersuchten Reaktor. Die Selektivit¨
at sder
zweiten Reaktion ist das Verh¨
altnis zwischen der von ihr verbrauchten Stoffmenge
des Stoffes Azu der eingebrachten Stoffmenge von A, also
s=2nI2
nH+
=2VRcS
viCA0
(2.104)
wobei VRdas Reaktorvolumen, vidas Volumen der L¨
osung mit der Komponente
Aund cA0deren Anfangskonzentration ist. Im Fall maximaler Segregation h¨
angt s
lediglich vom Verh¨
altnis der Konzentrationen von Aund B
sTS =cC0/cB0
cC0/cB0+ 1 (2.105)
32
2.3 Theoretische Grundlagen des Mischens
ab. Der Segregationsgrad im Reaktor kann so mit Hilfe der Kennzahl
XS=s
sTS
(2.106)
beschrieben werden. Im Fall idealer Durchmischung nimmt sie den Wert 0 an und im
gegenteiligen Fall 1 [Marchisio und Barresi, 2003]. Der Vorteil dieser Methode liegt
darin, dass die entstandene Stoffmenge der Schl¨
usselkomponente Ssowohl f¨
ur den
gesamten Reaktor wie auch ¨
ortlich aufgel¨
ost, bestimmt werden kann.
33
3 Numerische Simulationen
Die Grundlage der numerischen Simulation der Taylor-Couette-Str¨
omung ist die L¨
o-
sung der Navier-Stokes-Gleichungen f¨
ur dichtebest¨
andige Fluide bestehend aus der
Impulsbilanz
tu+ (u·)u=1
ρp+νu+g(3.1)
und der Volumenerhaltung
·u= 0,(3.2)
wobei uden Geschwindigkeitsvektor, gK¨
orperkr¨
afte (z.B hervorgerufen durch Gra-
vitation), pden Druck, ρdie Dichte und νdie kinematische Viskosit¨
at darstellt.
steht f¨
ur den Nabla-Operator in kartesischen Koordinaten
=
x +
y +
z ,(3.3)
und f¨
ur den Laplace-Operator
= 2
x2+2
y2+2
z2.(3.4)
Durch Einf¨
uhrung der Referenzgr¨
oßen L,U0, und p0in Kombination mit den Fluid-
eigenschaften lauten sie in dimensionsloser Schreibweise
t0u0+ (u0·0)u0=−∇0p0+1
Re0u0(3.5)
und
0·u0= 0.(3.6)
35
3 Numerische Simulationen
Hierbei bedeuten
u0=u
U0
(3.7)
x0
1=x1/L, y0
1=y1/L, z0
1=z1/L, (3.8)
t0=tU0/L (3.9)
p0=pp0ρgh
ρU2
0
(3.10)
Re =LU0
ν.(3.11)
und 0der Nabla-Operator unter Ber¨
ucksichtigung der dimensionslosen Ortsvektoren.
Zus¨
atzlich wird der Speziestransport basierend auf molekularer Fick’scher Diffusion
mit Hilfe der Speziesgleichung
tc+uc=1
ReScc(3.12)
modelliert, wobei Sc =ν/D die Schmidtzahl mit dem Diffusionskoeffizienten Dbe-
zeichnet.
Zur L¨
osung der Gleichungen wird das CFD-Programm Fluent in der Version 6.1.18
verwendet. Die dort verwendete Diskretisierung basiert auf dem Finite Volumen-
Verfahren.
3.1 Geometrie und Diskretisierung
Grunds¨
atzlich sollten zur Validierung der mittels numerischer Simulation untersuch-
ten Geometrie experimentelle Daten zur Verf¨
ugung stehen. Im Idealfall sollte dabei
das gesamte Str¨
omungsfeld im TCR zur ¨
Uberpr¨
ufung der Rechnungen bekannt sein,
um m¨
oglichst gute Aussagen ¨
uber die Genauigkeit der numerischen Simulationen tref-
fen zu k¨
onnen. Allerdings finden sich hierzu in der Literatur nur unzureichend Daten,
da es schwierig ist, die Str¨
omung nicht invasiv zu untersuchen. Hinzu kommt die Viel-
zahl der verschiedenen m¨
oglichen Str¨
omungszust¨
ande, die jeweils einzeln untersucht
werden m¨
ussten. Neuere Meßverfahren wie die PIV (Particle Image Velocimetry)
k¨
onnen m¨
oglicherweise in Zukunft zu neuen experimentellen Erkenntnissen f¨
uhren.
Ersatzweise k¨
onnen Informationen ¨
uber den ersten Bifurkationspunkt zwischen der
36
3.1 Geometrie und Diskretisierung
Couette- und der Taylor-Couette-Str¨
omung herangezogen werden, da hier bereits ex-
perimentelle Daten zu Verf¨
ugung stehen. Im Rahmen dieser Arbeit wird daher das
Mischverhalten in einer Geometrie untersucht, zu der diese Informationen vorliegen.
Dazu wird eine der in Taylors Arbeiten genutzten Geometrien und dem entsprechend
Wasser als Fluid verwendet (Tabelle 3.1) [Taylor, 1923].
Tabelle 3.1: Geometrische Abmessungen des untersuchten TCRs und die physikalischen
Eigenschaften des Fluids (Wasser).
Radius des Innenzylinders R10,0355 m
Radius des Außenzylinders R20,04035 m
Spaltbreite d=R2R10,00485 m
Dichte ρ998,2kg m3
dynamische Viskosit¨
at η0,001003 Pa s
kinematische Viskosit¨
at ν=η 1,004 106m2s1
F¨
ur die numerischen Simulationen besteht hier die M¨
oglichkeit sowohl ein zwei- wie
auch ein dreidimensionales Rechengitter zu verwenden. Ein zweidimensionales rota-
tionssymmetrisches Gitter hat den Vorteil, dass es eine hohe r¨
aumliche Aufl¨
osung bei
verh¨
altnism¨
aßig kurzen Rechenzeiten erm¨
oglichen sollte. Von Nachteil ist, dass es mit
derartigen Gittern aufgrund der erzwungenen Symmetrie nicht m¨
oglich ist, eine Viel-
zahl h¨
oherer Str¨
omungsmoden zu simulieren. Aus demselben Grund sind hier auch
die M¨
oglichkeiten zur Untersuchung der Richtungsabh¨
angigkeit des Speziestransports
eingeschr¨
ankt. Hinzu kommen numerische Probleme, da die Komponente der Ge-
schwindigkeitsvektoren senkrecht zum Gitter ber¨
ucksichtigt werden muss. Außerdem
kann die Kopplung zwischen den Impulserhaltungsgleichungen in der Gitterebene mit
der in Umfangsrichtung zu Instabilit¨
aten w¨
ahrend der L¨
osung f¨
uhren [Fluent Inc.,
2003], was die Simulation deutlich erschwert und die Vorteile somit relativiert.
Ein dreidimensionales Rechengitter hat den Vorteil, dass es eine große Anzahl von
Anfangstracerkonfigurationen zur Untersuchung der Richtungsabh¨
angigkeit des Spe-
ziestransports zul¨
asst. Zus¨
atzlich erm¨
oglicht es die Simulation h¨
oherer Str¨
omungsmo-
den. Nachteile sind eine schlechtere r¨
aumliche Aufl¨
osung des Gitters oder, bei einer
entsprechend hohen Anzahl an Gitterelementen, lange Rechenzeiten und ein großer
Speicherbedarf.
Die Rechengitter k¨
onnen aus verschiedenen Elementen bestehen. Im zweidimensiona-
37
3 Numerische Simulationen
len Fall k¨
onnen drei- und viereckige Elemente gew¨
ahlt werden, im dreidimensionalen
prismaf¨
ormige, pyramidale, tetraedrische und hexaedrische (Abb. 3.1), wobei auch
Kombinationen aus den jeweiligen Typen m¨
oglich sind. Die Anwendung von vier-
PSfrag replacements
A B
CDEF
Abbildung 3.1: ¨
Ubersicht von m¨
oglichen Gitterelementen.
2D: A) dreieckig, B) viereckig,
3D: C) tetraedrisch, D) hexaedrisch, E) prismaf¨
ormig, F) pyramidal.
eckigen und hexaedrischen Elementen, die zu strukturierten Gittern f¨
uhren, gestaltet
sich bei komplexen Geometrien sehr schwierig. Sie haben aber den Vorteil, dass die
numerische Diffusion reduziert wird, wenn die Elemente in Richtung der Str¨
omung
ausgerichtet sind. Desweiteren erleichtern strukturierte Gitter die Datenauswertung,
da die zu einer Zelle benachbarten Elemente leicht zu finden sind.
Im Rahmen dieser Arbeit wird ein dreidimensionales, strukturiertes, aus Hexaedern
bestehendes Gitter verwendet. Die Spaltbreite wird mit 15 Zellen aufgel¨
ost, die axiale
Richtung mit 15 Zellen pro Wirbel und die Umfangsrichtung mit 460 Zellen (Abb.
3.2), was zu ann¨
aherend kubischen Elementen f¨
uhrt. Die verwendeten Gitter wurden
mit dem Programm Gambit, Version 2.0.4, erstellt.
Im Hinblick auf die Leistungsf¨
ahigkeit heutiger Arbeitsplatzcomputer ist es bei ei-
ner derartigen Aufl¨
osung erforderlich, das Rechengebiet in axialer Richtung einzu-
schr¨
anken, um in einem akzeptablen Zeitrahmen von bis zu einigen Tagen Ergebnisse
zu erhalten. Die axiale Ausdehnung wird daher auf die doppelte beziehungsweise die
sechsfache Spaltbreite reduziert. Dies macht die Wahl geeigneter Randbedingungen
an den axialen Begrenzungen des Rechengebiets notwendig, um eine Beeinflussung
38
3.1 Geometrie und Diskretisierung
15 Zellen
460 Zellen
15 Zellen15 Zellen
Abbildung 3.2: Ein Ausschnitt aus dem verwendeten Gitter. Die Spaltbreite sowie die
axiale Wirbelgr¨
oße wird mit jeweils 15 Zellen aufgel¨
ost, die Umfangsrich-
tung mit 460.
der Str¨
omung zu verhindern. Dazu wird die Scherspannung τ
τ=νu
n (3.13)
an den axialen R¨
andern auf den Wert null gesetzt und zus¨
atzlich wird f¨
ur diese Be-
grenzungen die Undurchl¨
assigkeit f¨
ur Spezies vorgegeben. Dies f¨
uhrt dazu, dass bei
vorhandener Taylor-Couette-Str¨
omung eine weitere Erh¨
ohung der Drehgeschwindig-
keit des Innenzylinders zu keiner weiteren Bifurkation f¨
uhrt. In Hinblick auf reale
Systeme kann dies aber sinnvoll sein, da die axiale Reaktorl¨
ange die weitere Bifurka-
tion beeeinflusst und dazu deutlich h¨
ohere Zylinderdrehzahlen ben¨
otigt werden, wenn
es sich um einen relativ kurzen TCR handelt [Cole, 1976].
Der ¨
außere Zylinder stellt eine f¨
ur Spezies undurchl¨
assige station¨
are Wand mit der
39
3 Numerische Simulationen
Haftbedingung
u(R2) = 0 (3.14)
dar. F¨
ur den Innenzylinder gelten die gleichen Bedingungen mit dem einzigen Unter-
schied, dass er eine bewegte Wand mit der Geschwindigkeit 1darstellt und somit
die Haftbedingung
uθ(R1) = 1R1(3.15)
und
ur=uz= 0 (3.16)
lautet.
3.2 Numerische Berechnung des Str¨
omungsfelds
Zur Berechnung des Str¨
omungsfelds stehen eine Vielzahl numerischer Verfahren zur
Verf¨
ugung. Im Rahmen dieser Arbeit wird ein entkoppelter L¨
oser (Segregated Solver)
verwendet. Dies bedeutet, dass f¨
ur die Berechnung einer Variablen der unbekannte
Wert in jeder Zelle unter Einbeziehung der vorhandenen und unbekannten Werte
der benachbarten Zellen erfolgt. Folglich erscheint jeder unbekannter Wert in mehr
als einer Gleichung im System, so dass diese simultan gel¨
ost werden m¨
ussen. Bei
transienten Berechnungen erfolgt die zeitliche Diskretisierung nach einem Verfahren
zweiter Ordnung
F(φ) = 2φn+1 4φn+φn1
2∆t,(3.17)
wobei φkein Skalar zur Zeit n=t,n1 = ttoder n+ 1 = t+ tist. Die
Impuls- und die Speziesgleichung wird nach dem Upwind-Verfahren zweiter Ordnung
diskretisiert. Hierbei wird der Wert eines Skalars φauf einer Gitterzellenfl¨
ache aus
der stromaufw¨
arts gelegenen Zelle ¨
uber
φf=φ+φ·~s (3.18)
40
3.3 ¨
Uberpr¨
ufung des numerisch berechneten Str¨
omungsfelds
berechnet, dabei stellt φden zellenzentrierten Wert in der stromaufw¨
arts gelegenen
Zelle, φdessen Gradient und ~s den Abstandsvektor von Zellmittelpunkt zur Fl¨
ache
dar. Die Bestimmung von φerfolgt in diskreter Form ¨
uber
φ=1
VX
f
˜
φf~
A, (3.19)
wobei Vdas Zellvolumen und ~
Adie Gr¨
oße der Fl¨
ache fbezeichnet. ˜
φfist der Mit-
telwert von φder beiden an die entsprechende Fl¨
ache angrenzenden Zellen. Der
Druck auf einer Zellfl¨
ache wird auf eine ¨
ahnliche Art berechnet [Barth und Jespersen,
1989]. Die Kopplung von Druck und Geschwindigkeit erfolgt ¨
uber den SIMPLEC -
Algorithmus (Semi-Implicit Method for Pressure-Linked Equations - Consistent) [Van-
doormaal und Raithby, 1984], der auf dem SIMPLE-Algorithmus [Patankar, 1980]
basiert. Tabelle 3.2 zeigt eine ¨
Ubersicht der verwendeten Verfahren.
Tabelle 3.2: ¨
Ubersicht der verwendeten numerischen Verfahren.
L¨
oser Segregated
Linearisierung implizit
Genauigkeit doppelt
zeitliche Diskretisierung zweiter Ordnung
Impuls Upwind zweiter Ordnung
Speziestransport Upwind zweiter Ordnung
Druck zweiter Ordnung
Druck-Geschwindigkeitskopplung SIMPLEC
Als Konvergenzkriterium m¨
ussen die Residuen einen Wert von 105unterschreiten.
3.3 ¨
Uberpr¨
ufung des numerisch berechneten
Str¨
omungsfelds
Das numerische Verfahren wird zuerst mit Hilfe des Bifurkationspunkts zwischen der
Couette- und der Taylor-Couette-Str¨
omung ¨
uberpr¨
uft. Hierzu wird erst das station¨
are
Str¨
omungsfeld mit einer festen Drehgeschwindigkeit 1des Innenzylinders berechnet.
Danach wird durch Untersuchung der Geschwindigkeitsvektoren ¨
uberpr¨
uft, welcher
41
3 Numerische Simulationen
der beiden Str¨
omungszust¨
ande vorliegt. Im Fall der Couette-Str¨
omung sind die Ge-
schwindigkeitskomponenten orthogonal zur Drehrichtung des Innenzylinders gleich
Null. Bei der Taylor-Couette-Str¨
omung sind sie außer in den Wirbelzentren und di-
rekt an den Zylinderw¨
anden, das heißt an den Stellen R1und R2, ungleich Null.
Zus¨
atzlich kann am Bifurkationspunkt ein sprunghafter Anstieg der Komponenten
des Wirbelvektors
ξ=×u,(3.20)
die senkrecht zur Drehrichtung des Innenzylinders stehen, um den Faktor 300, sowie
der Helizit¨
at
h= (×u)u(3.21)
um den Faktor 35 beobachtet werden. Durch Variation der Drehgeschwindigkeit kann
der kritische Wert f¨
ur den ¨
Ubergang zwischen den beiden Str¨
omungsformen ermit-
telt werden. Der Vergleich der numerischen Simulationen mit experimentellen und
theoretischen Daten [Taylor, 1923] sowie mit der N¨
aherungsformel
1,krit =ν
R1drR1
dµ41,2 + 24,8d
R1
+2,3d2
R2
1(3.22)
[Haas und B¨
uhler, 1989] zeigt eine gute ¨
Ubereinstimmung (Tabelle 3.3).
Tabelle 3.3: Vergleich verschiedener Wert f¨
ur 1,krit aus der Literatur und der numerischen
Simulation.
Verfahren 1,krit[rad/s]
theoretisch 0,698
experimentell 0,707
nach Gl.3.22 0,704
numerische Simulation 0,70
Zus¨
atzlich wird ¨
uberpr¨
uft, ob das berechnete Str¨
omungsfeld von der Gitteraufl¨
osung
abh¨
angt. Dazu wird das Str¨
omungsfeld mit drei verschiedenen Gitteraufl¨
osungen (Ta-
belle 3.4) berechnet und die Ergebnisse verglichen. Es zeigt sich dabei, dass die Ab-
weichungen zwischen den drei Str¨
omungsfeldern sehr gering sind. In Abbildung 3.3
ist dies exemplarisch f¨
ur die Geschwindigkeitskomponente senkrecht zu einer Schnitt-
ebene durch den Spalt in der axialen H¨
ohe von 0,0021 mf¨
ur die verschiedenen un-
tersuchten Aufl¨
osungen in Abh¨
angigkeit von der radialen Position dargestellt.
42
3.4 Untersuchung der numerischen Diffusion der Spezies
Tabelle 3.4: Verschiedene Gitteraufl¨
osungen zur ¨
Uberpr¨
ufung des Str¨
omungsfelds.
radial axial Umfangsrichtung Zellenanzahl pro Wirbel
grobe Aufl¨
osung 10 10 306 30600
mittlere Aufl¨
osung 15 15 460 103500
feine Aufl¨
osung 24 24 736 423936
0
0,01
0,02
0,03
0,03550,03650,03750,03850,0395
radialePosition[m]
Geschwindigkeitskomponentesenkrecht
zurSchnittebene[m/s]
feineAuflösung
mittlereAuflösung
grobeAuflösung
Abbildung 3.3: Geschwindigkeitskomponete senkrecht zu einer Schnittebene durch den
Spalt in Abh¨
angigkeit von der radialen Position f¨
ur drei unterschiedliche
Gitteraufl¨
osungen (axiale H¨
ohe: 0,0021 m). Die dargestellten Linien ¨
uber-
decken sich teilweise.
3.4 Untersuchung der numerischen Diffusion der
Spezies
Bei der numerischen Berechnung des Speziestransports k¨
onnen die Ergebnisse durch
numerische Diffusion (auch falsche Diffusion genannt) verf¨
alscht werden. Bei ihr han-
delt es sich nicht um ein reales Ph¨
anomen, vielmehr ist sie eine Folge der Approxima-
tion der Transportgleichungen in diskreter Form. Besonders stark wirkt sie sich aus,
wenn die reale Diffusion relativ klein im Vergleich zur Kovektion ist, d.h. der Trans-
port konvektionsdominiert ist. Die Verwendung eines sehr feinen Gitters reduziert die
43
3 Numerische Simulationen
numerische Diffusion, was aber im Gegenzug die zur L¨
osung der untersuchten Frage-
stellung n¨
otige Rechenzeit deutlich erh¨
oht. Oftmals ist es nicht m¨
oglich, das Gitter
gen¨
ugend fein aufzul¨
osen, um einen realen Speziestransport ausreichend genau zu be-
rechnen. Aus diesem Grund werden derartige Berechnungen h¨
aufig mit ver¨
anderten
Parametern durchgef¨
uhrt, um so die numerische Diffusion zu reduzieren. Hierbei wird
die Schmidtzahl herabgesetzt, so dass der Transportprozess weniger stark durch die
Konvektion dominiert wird. Dies kann ¨
uber die Erh¨
ohung des Diffusionskoeffizienten
und ¨
uber die Herabsetzung der kinematischen Viskosit¨
at geschehen. Letzteres f¨
uhrt
gleichzeitig zu einer Ver¨
anderung der Reynoldszahl, so dass sich das Str¨
omungsfeld
ebenfalls ¨
andern, was in der Regel nicht erw¨
unscht ist.
Ein guter Hinweis darauf, inwieweit die numerischen Simulationsergebnisse durch nu-
merische Diffusion beeinflusst werden, liefert ein Vergleich der Ergebnisse, die unter
ansonsten gleichen Parametern mit Hilfe verschieden fein aufgel¨
oster Gitter errechnet
werden. Abbildung 3.4 zeigt die zeitliche Entwicklung der Mischintensit¨
at bei einer
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020406080100120
Zeit[s]
Mischintensität[-]
feineAuflösung
mittlereAuflösung
grobeAuflösung
Abbildung 3.4: Zeitliche Entwicklung der Mischintensit¨
at bei einer Schmidtzahl von 528
f¨
ur verschiedene Gitteraufl¨
osungen.
Schmidtzahl von 528 f¨
ur drei verschieden fein aufgel¨
oste Gitter, wie sie bereits in
Abschnitt 3.3 beschrieben worden sind. Dabei wird eine Anfangstracerkonfiguration
verwendet, bei der das einen Doppelwirbel umfassende Rechengebiet zur H¨
alfte in
44
3.4 Untersuchung der numerischen Diffusion der Spezies
Umfangsrichtung mit Tracer gef¨
ullt ist. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Ergeb-
nisse stark von der Gitteraufl¨
osung abh¨
angen. Um verl¨
asslichere Daten zu erhalten,
wird gepr¨
uft, ob eine Erh¨
ohung des Diffusionskoeffizienten um den Faktor 10, was
zu einer Schmidtzahl von 52,8 f¨
uhrt, den Einfluss der numerischen Diffusion ausrei-
chend reduzieren kann. Abbildung 3.5 zeigt die dazugeh¨
orige zeitliche Entwicklung
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020406080100120
Zeit[s]
Mischintensität[-]
feineAuflösung
mittlereAuflösung
grobeAuflösung
Abbildung 3.5: Zeitliche Entwicklung der Mischintensit¨
at bei einer Schmidtzahl von 52,8
f¨
ur verschiedene Gitteraufl¨
osungen.
der Mischintensit¨
at f¨
ur die drei verschieden fein aufgel¨
osten Gitter bei der gleichen
Anfangstracerkonfiguration. Zwischen den Ergebnissen f¨
ur die feine und die mittlere
Aufl¨
osung ist kaum noch ein Unterschied erkennbar. Bei dem Gitter grober Aufl¨
osung
ist die Mischintensit¨
at aufgrund der numerischen Diffusion deutlich h¨
oher. Um den
Einfluss der numerischen Diffusion auf die Simulationsergebnisse klein zu halten, wer-
den deshalb die meisten Tracerexperimente mit einer Schmidtzahl von 52,8 durch-
gef¨
uhrt. Dabei wird, um die f¨
ur die Rechnungen n¨
otige Zeit zu reduzieren, das Gitter
mittlerer Aufl¨
osung verwendet.
45
3 Numerische Simulationen
3.5 Durchf¨
uhrung und Auswertung der numerischen
Tracerexperimente
Bei den numerischen Tracerexperimenten wird ein Teil des Fluids durch Tracer er-
setzt. Beide besitzen die gleichen physikalischen Eigenschaften (Tabelle 3.1), wobei
die Diffusion des Tracers mit einem Diffusionskoeffizienten Dvon 1,9·108m2s1
ber¨
ucksichtigt wird, was dem 10fachen Wert einer w¨
assrigen Kaliumchloridl¨
osung ent-
spricht. Da das Str¨
omungsfeld im untersuchten Geschwindigkeitsbereich des Innen-
zylinders zeitlich station¨
ar ist, wird nur noch die Speziesgleichung (Gl. 3.12) gel¨
ost.
Um die Datenmengen, die bei den numerischen Tracerexperimenten entstehen, in
einer handhabbaren Gr¨
oßenordnung von ungef¨
ahr 100 Megabyte pro Rechnung zu
halten, werden nicht alle erzeugten Daten gespeichert, sondern wichtige Zielgr¨
oßen
bereits w¨
ahrend der Rechnung aus ihnen bestimmt. Dies erfolgt mittels selbst ge-
schriebener UDFs (User Defined Function) in der Programmiersprache C.
Vor der Rechnung wird jeder Zelle des Gitters ein Wertetriple zugewiesen, das seine re-
lative Position in axialer, radialer und Umfangsrichtung zur Nachbarzelle beschreibt.
Dies erm¨
oglicht Zellen w¨
ahrend der eigentlichen Online-Auswertung entsprechend
ihrer Position zusammenzufassen und auszuwerten. In Schritten von 0,1 Sekunden
werden die Mischintensit¨
at nach Gl. 2.96 sowie die minimale, die maximale Konzen-
tration (cmin, cmax) und die durchschnittliche Konzentration
c=1
n
n
X
1
cn(3.23)
im gesamten Rechengebiet, in jedem Wirbel und f¨
ur alle Zellen gleicher Position
in axialer, radialer und Umfangsrichtung bestimmt. Dies bedeutet bezogen auf die
Gitteraufl¨
osung (Abb. 3.2) 15 Positionen pro Wirbel in axialer, 15 in radialer und
460 in Umfangsrichtung. Hinzu kommt noch das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
(2.3.1) in einer Ebene durch den Spalt, einer Ebene zwischen zwei Wirbeln, einer
Ebene durch die Wirbelmitte sowie dreidimensional f¨
ur das gesamte Rechengebiet
(Abb. 3.6).
46
3.5 Durchf¨
uhrung und Auswertung der numerischen Tracerexperimente
Abbildung 3.6: ¨
Ubersicht ¨
uber die Ebenen in denen das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
bestimmt und die Speziesverteilung visualisiert wird. Zum einen die Ebe-
ne durch den Spalt (grau) und zum anderen die Ebenen zwischen den
Wirbeln bzw durch das Wirbelzentrum (rot gestrichelt).
47
4 Ergebnisse der numerischen
Simulationsrechnungen
Um mit Hilfe der numerischen Simulationsrechnungen die Richtungsabh¨
angigkeit
des Mischverhaltens von TCRs zu untersuchen, werden verschiedene Anfangstracer-
konzentrationen eingesetzt. Die Analyse erfolgt ¨
uber die zeitliche Ver¨
anderung der
Mischintensit¨
at und das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen. Dabei wird zus¨
atzlich die
Abh¨
angigkeit zwischen der Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders und dem Misch-
verhalten durch Variationsrechnungen untersucht und mit dem Verhalten bei der
Couette-Str¨
omung verglichen.
4.1 Stofftransport in radialer Richtung
Um das Mischverhalten des Taylor-Couette-Reaktors bezogen auf den Spalt in ra-
dialer Richtung zu untersuchen, wird der Tracer als Anfangskonfiguration in eine an
der inneren Zylinderwand anliegenden Schicht mit einer Breite von 8 der insgesamt
15 Zellen vorgelegt (Abb. 4.1). In Abbildung 4.2 ist die Tracerverteilung zu verschie-
denen Zeitpunkten in einer Schnittebene durch den Spalt dargestellt. Es ist dabei
deutlich der Einfluss der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung in der zeitlichen Entwicklung
der Tracerverteilung erkennbar. In den beiden Wirbeln wird die Kontaktfl¨
ache zwi-
schen den beiden Komponenten durch Streckung vergr¨
oßert und die L¨
angenskala, auf
denen die Gradienten auftreten, verkleinert (Abb 4.2 B und C). Gleichzeitig erfolgt
ein auf Diffusion beruhender Abbau der Konzentrationsgradienten ¨
uber die große,
neu gebildete Kontaktfl¨
ache in sehr kurzer Zeit. Bereits nach 30 ssind in der Ebene
durch den Spalt nur noch kleine Konzentrationsgradienten vorhanden (Abb. 4.2 E).
In den Teilbildern 4.2 C und 4.2 D ist eine schlecht gemischte Zone an der Stelle zu
erkennen, an der die Grenze zwischen den Wirbeln und der Außenzylinder zusammen-
49
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
Abbildung 4.1: Schematische Darstellung der Anfangstracerkonfiguration zur Untersu-
chung des Mischverhaltens in radialer Richtung bezogen auf den Spalt.
Rot: Tracer, Blau: Wasser.
PSfrag replacements
ABCDE
Abbildung 4.2: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt zu den Zeiten A: 0 s,
B: 2,5s, C: 5 s, D: 10 s, E: 30 sbei einer Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,8rad s1. Rot: Tracer, Blau: Wasser.
treffen. Anhand von Simulationen mit mehreren oder sich in der entgegengesetzten
Richtung drehenden Wirbeln kann gezeigt werden, dass diese Totzone lediglich an
jeder zweiten Wirbelgrenze auftritt und zwar dort, wo die Sekund¨
arstr¨
omung vom
Außen- zum Innenzylinder fließt. Am Innenzylinder werden die entsprechenden Zo-
nen nicht beobachtet, da hier durch die gr¨
oßeren Str¨
omungsgeschwindigkeiten ein
schnellerer Stofftransport erfolgt.
Abbildung 4.3 zeigt die zeitliche Entwicklung des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen
50
4.1 Stofftransport in radialer Richtung
in einer Ebene zwischen den beiden Wirbeln sowie einer Ebene durch das Wirbel-
zentrum. Die zeitliche Ver¨
anderung der spezifischen Kontaktfl¨
ache zwischen den bei-
0
0,2
0,4
0,6
0,8
020406080100120
Zeit[s]
PotenzialfürdiffusivesMischen[m
-1]
EbenedurchdasWirbelzentrum
EbenezwischenzweiWirbeln
Abbildung 4.3: Zeitlicher Verlauf des zweidimensional berechneten Potenzials f¨
ur diffu-
sives Mischen zwischen den Spezies f¨
ur die Ebene zwischen den Wirbeln
(gelb) und f¨
ur eine Ebene durch das Wirbelzentrum (rot) bei einer Dreh-
geschwindigkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1.
den Komponenten ist in den beiden Ebenen sehr verschieden. So entsteht in der
Ebene zwischen den Wirbeln kaum neue Kontaktfl¨
ache. Vielmehr wird die sich aus
der Anfangstracerkonfiguration ergebene Fl¨
ache durch die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung
zun¨
achst lediglich in Richtung des Innenzylinders verschoben. Nach etwa 6 sbildet
sich ein kleines, lokales Minimum aus, das dadurch entsteht, dass diese Kontaktfl¨
ache
die untersuchte Ebene nahe des Innenzylinders verl¨
asst und kurze Zeit sp¨
ater eine
neue, vom Außenzylinder aus betrachtet hinter der Totzone liegend, in diese eintritt
(Abb. 4.2, Abb. 4.4). Im Gegensatz hierzu nimmt in der Ebene, die durch das Wir-
belzentrum verl¨
auft, das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen rasch zu, da hier die von der
Anfangstracerkonfiguration vorgegebene Fl¨
ache schnell entlang der Str¨
omungslinien
durch die senkund¨
are Wirbelstr¨
omung gestreckt wird. Der Mischprozess findet dabei
haupts¨
achlich im inneren Bereich der Wirbel statt (Abb. 4.2, Abb. 4.5). Da die Gradi-
enten hier nur auf sehr kleinen L¨
angenskalen senkrecht zur Kontaktfl¨
ache vorhanden
51
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
PSfrag replacements
A B C
D E F
Abbildung 4.4: Tracerverteilung in einem Ausschnitt aus der Ebene, die zwischen den
beiden Wirbeln verl¨
auft, zu den Zeiten A: 0 s, B: 1 s, C: 3 s, D: 5 s, E: 9 s,
F: 15 sbei einer Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1.
PSfrag replacements
ABC
D E F
Abbildung 4.5: Tracerverteilung in einem Ausschnitt aus der Ebene, die durch die Mitte
eines Wirbels verl¨
auft, zu den Zeiten A: 0 s, B: 1 s, C: 3 s, D: 5 s, E: 9 s,
F: 15 sbei einer Drehgeschwindigkeit von 0,8rad s1.
52
4.1 Stofftransport in radialer Richtung
sind, werden sie schnell per Diffusion abgebaut. Dies wird auch bei einem Vergleich
zwischen der Mischintensit¨
at und des dreidimensional berechneten Potenzials f¨
ur dif-
fusives Mischen deutlich (Abb. 4.6). Die Gr¨
oße dieser Fl¨
ache nimmt zun¨
achst schnell
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
020 40 60 80 100 120 140
Zeit [s]
Mischintensität[-]
0
0.002
0.004
0.006
0.008
0.01
PotentialfürdiffusivesMischen[m
-2]
Mischintensität
Potenzial für diffusives Mischen
Abbildung 4.6: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at und des dreidimensional berechne-
ten Potenzials f¨
ur diffusives Mischen f¨
ur eine Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,8rad s1.
zu und durchl¨
auft ein Maximum, das durch den Diffusionsvorgang schnell wieder ab-
gebaut wird. Parallel dazu ist ein starker Anstieg der Mischintensit¨
at zu beobachten.
Die Geschwindigkeit, mit der der Mischprozess erfolgt, h¨
angt bei dieser Anfangstra-
cerkonfiguration von der Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders ab (Abb. 4.7). Wie
zu erwarten ist, erfolgt der Mischprozess bei h¨
oheren Geschwindigkeiten schneller.
Besonders auff¨
allig ist die langsame Mischgeschwindigkeit bei 0,65 rad s1. Hier liegt
noch die gew¨
ohnliche Couette-Str¨
omung vor. Da keine sekund¨
are Wirbelstr¨
omung
vorhanden ist, wird in diesem Str¨
omungsregime das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
nicht per Konvektion vergr¨
oßert. Die f¨
ur den Ausgleich des Konzentrationsgradienten
sorgende Diffusion kann hier nur ¨
uber eine sehr viel kleinere Fl¨
ache erfolgen (Abb.
4.8), was einen langsamen Mischprozess zur Folge hat.
53
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
Mischintensität[-]
0,65 rad / s
0,70 rad / s
0,72 rad / s
0,75 rad / s
0,80 rad / s
0,85 rad / s
0,90 rad / s
0,95 rad / s
1,00 rad / s
Abbildung 4.7: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at f¨
ur verschiedene Drehgeschwindig-
keiten des Innenzylinders.
PSfrag replacements
ABCDE
Abbildung 4.8: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt zu den Zeiten A: 0 s,
B: 5 s, C: 10 s, D: 20 s, E: 120 sbei einer Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,65 rad s1(Couette-Str¨
omung). Rot: Tracer, Blau:
Wasser.
54
4.2 Stofftransport in Umfangsrichtung
4.2 Stofftransport in Umfangsrichtung
Um das Mischverhalten des Taylor-Couette-Reaktors in Umfangsrichtung zu unter-
suchen, wird als Anfangskonfiguration der Tracer so in das Rechengebiet eingebracht,
dass er das Volumen in tangentialer Richtung zur H¨
alfte f¨
ullt (Abb. 4.9). In Abbildung
Abbildung 4.9: Schematische Darstellung der Anfangstracerkonfiguration zur Untersu-
chung des Mischverhaltens in Umfangsrichtung. Rot: Tracer, Blau: Was-
ser.
4.10 ist die Tracerverteilung zu verschiedenen Zeitpunkten in einem Schnitt durch den
Spalt dargestellt. Er befindet sich an der Stelle, an der sich in der Anfangstracerkonfi-
guration die Grenzfl¨
ache zwischen den beiden Spezies befindet. Aufgrund der Haftung
der Fluide an den Zylinderw¨
anden entsteht im Spalt eine Scherstr¨
omung, so dass die
Fluidelemente in der N¨
ahe der ¨
außeren, stillstehenden Wand in ihrer Ausgangspo-
sition verbleiben. Das Fluid, das sich nahe des Innenzylinders befindet, bewegt sich
aufgrund viskoser Kr¨
afte mit diesem mit. Die ¨
uberlagerte sekund¨
are Wirbelstr¨
omung
sorgt zus¨
atzlich f¨
ur einen Austausch der Fluidelemente nahe der Zylinderw¨
ande (Abb.
4.10 A). In den Teilbildern 4.10 B und C ist eine Totzone an der Stelle zu erken-
nen, an der die Grenze zwischen den Wirbeln an den Außenzylinder st¨
oßt und die
Sekund¨
arstr¨
omung in Richtung Innenzylinder zeigt. Diese schlecht gemischte Zone
55
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
PSfrag replacements
A B C D E
Abbildung 4.10: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt an der Stelle, an
der sich in der Anfangstracerkonfiguration die Grenzfl¨
ache zwischen
den beiden Spezies befindet, nach A: 1,0; B: 1,5; C: 2,0; D: 2,5 und
E: 3,0 Umdrehungen des Innenzylinders bei einer Drehgeschwindigkeit
von 0,8rad s1. Rot: Tracer, Blau: Wasser.
ist bereits im Abschnitt 4.1 n¨
aher beschrieben worden. Aus den Abbildungen 4.10 C
und D wird ersichtlich, dass der ¨
außere Bereich der Wirbel in relativ kurzer Zeit
gut durchmischt wird. Der Mischvorgang in den Wirbelzentren ist hingegen noch
nicht weit fortgeschritten. Abbildung 4.11 zeigt die zeitliche Entwicklung der Kon-
taktfl¨
ache zwischen den beiden Komponenten in einer Ebene zwischen den beiden
Wirbeln und einer Ebene durch das Wirbelzentrum. ¨
Ahnlich wie bei dem Misch-
verhalten in radialer Richtung (Abschnitt 4.1) ist auch hier die zeitliche Ver¨
ande-
rung des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen in den beiden Ebenen sehr verschieden.
In der Ebene zwischen den Wirbeln wird durch die prim¨
are Scherstr¨
omung zun¨
achst
viel neue Kontaktfl¨
ache erzeugt (Abb. 4.12 B), so dass diese auf kleinen L¨
angenska-
len auftretenden Gradienten sehr schnell durch Diffusion abgebaut werden k¨
onnen.
Die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung sorgt daf¨
ur, dass das Fluid, das sich in der Wirbel-
schale befindet, diese Fl¨
ache durchl¨
auft. Dagegen wirkt im Wirbelkern ebenfalls die
prim¨
are Scherstr¨
omung auf die Fluidelemente, die Geschwindigkeitsunterschiede sind
allerdings kleiner, da sich die Wirbelzentren nicht ¨
uber die gesamte Spaltbreite er-
strecken. Einen erg¨
anzenden Einfluss besitzt die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung, durch
die die Fluidelemente ihre radiale Position ¨
andern, woraus sich eine f¨
ur den Wirbel-
kern gemittelte Geschwindigkeit in Umfangsrichtung ergibt (Abb. 4.13). Die beiden
Spezies in den Wirbelzentren bleiben deshalb in Umfangsrichtung lange Zeit in ei-
56
4.2 Stofftransport in Umfangsrichtung
0
0,05
0,1
0,15
0,2
0,25
020406080100120
Zeit[s]
PotenzialfürdiffusivesMischen[m
-1]
EbenedurchdasWirbelzentrum
EbenezwischenzweiWirbeln
Abbildung 4.11: Zeitlicher Verlauf des zweidimensional berechneten Potenzials f¨
ur diffu-
sives Mischen zwischen den Spezies f¨
ur die Ebene zwischen den Wirbeln
(gelb) und einer Ebene durch das Wirbelzentrum (rot) bei einer Dreh-
geschwindigkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1.
PSfrag replacements
AB
C D E
Abbildung 4.12: Tracerverteilung in einem Schnitt zwischen den Wirbeln zu den Zeiten
A: 0 s, B: 5 s, C: 10 s, D: 15 s, E: 120 sbei einer Drehgeschwindigkeit
des Innenzylinders von 0,8rad s1. Rot: Tracer, Blau: Wasser.
57
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
nem stark segregierten Zustand (Abb. 4.13 E). Der diffusive Transport zwischen den
PSfrag replacements
AB
C D E
Abbildung 4.13: Tracerverteilung in einem Schnitt durch die Mitte eines Wirbels zu den
Zeiten A: 0 s, B: 5 s, C: 10 s, D: 15 s, E: 120 sbei einer Drehgeschwin-
digkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1. Rot: Tracer, Blau: Wasser.
Wirbelschalen und den dazu geh¨
origen Zentren ist aufgrund der geringen Gradien-
ten, die durch die gute Durchmischung der Schalen verursacht werden, sehr langsam.
In der zeitlichen Entwicklung des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen in den Ebenen
f¨
allt nach ungef¨
ahr 16 sauf, dass in einem kurzen Zeitraum das Potenzial nur we-
nig abnimmt. Zu diesem Zeitpunkt, der der doppelten Umlaufzeit des Innenzylinders
entspricht, befinden sich die Fluidelemente der Wirbelzentren, die sich aufgrund ihrer
radialen Position im Spalt in Umfangsrichtung mit der H¨
alfte der Geschwindigkeit
des Innenzylinders bewegen, an einer um den Winkel πverschobenen Stelle bezo-
gen auf ihre Anfangsposition. Als Folge der Haftung am Außenzylinder ist in diesem
Moment die andere Spezies an der Außenwand als im Wirbelkern, was zu einem An-
stieg des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen f¨
uhrt. Dem entgegen wirkt der diffusive
Konzentrationsausgleich, so dass das Potenzial in diesem Moment weniger stark ab-
nimmt. Abbildung 4.14 zeigt die zeitliche Entwicklung der Mischintensit¨
at und des
dreidimensional berechneten Potenzials f¨
ur diffusives Mischen. Zun¨
achst nimmt hier
58
4.2 Stofftransport in Umfangsrichtung
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020406080100120
Zeit[s]
Mischintensität[-]
0,0000
0,0006
0,0012
0,0018
0,0024
0,0030
Potenzial für diffusives Mischen [m ]
-2
Abbildung 4.14: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at und des dreidimensional berech-
neten Potenzials f¨
ur diffusives Mischen f¨
ur eine Drehgeschwindigkeiten
des Innenzylinders von 0,8rad s1.
die Kontaktfl¨
ache schnell zu. Unter einem steilen Anstieg der Mischintensit¨
at werden
diese Konzentrationsgradienten, die sich haupts¨
achlich in der Fl¨
ache zwischen den
Wirbeln befinden, per Diffusion abgebaut. Danach sind nur noch die Gradienten in
den Wirbelzentren vorhanden, die aufgrund der großen L¨
angenskala weniger schnell
abgebaut werden und dabei die Mischintensit¨
at langsam erh¨
ohen.
Die Geschwindigkeit des Mischvorgangs h¨
angt bei der hier untersuchten Anfangstra-
cerkonfiguration ebenfalls stark von der Drehgeschwindigkeit des inneren Zylinders ab
(Abb. 4.15). Auff¨
allig ist dabei, dass der Mischprozess bei reiner Couette-Str¨
omung
(0,65 rad s1) am schnellsten erfolgt. Durch die Scherstr¨
omng nimmt die Kontakt-
fl¨
ache sehr schnell zu (Abb. 4.16). Dieser Effekt kommt besonders durch das Fehlen
der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung zum Tragen, da kein konvektiver Transport in ra-
dialer Richtung stattfindet und es somit zu keiner Mittelung der Geschwindigkeiten
kommt. Bereits nach kurzer Zeit ist dabei viel neue Kontaktfl¨
ache gebildet worden.
Da die Konzentrationsgradienten danach nur noch auf kleinen L¨
angenskalen vorhan-
den sind, werden diese schnell durch Diffusionsvorg¨
ange abgebaut (Abb. 4.17). In
Abbildung 4.15 f¨
allt zus¨
atzlich die ungleichm¨
aßige Zunahme der Mischintensit¨
at bei
59
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020406080100120
Zeit[s]
Mischintensität[-]
0,65rad/s
0,70rad/s
0,72rad/s
0,75rad/s
0,80rad/s
0,85rad/s
0,90rad/s
0,95rad/s
1,00rad/s
Abbildung 4.15: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at f¨
ur verschiedene Drehgeschwindig-
keiten des Innenzylinders.
F
PSfrag replacements
ABC
DE
Abbildung 4.16: Tracerverteilung in einem Ausschnitt aus einer Ebene durch den TCR
nach A: 1,0, B: 1,5, C: 2,25, D: 3,0 und E: 4,5 Umdrehungen des
Innenzylinders bei einer Drehgeschwindigkeit von 0,65 rad s1(Couette-
Str¨
omung). Rot: Tracer, Blau: Wasser.
60
4.2 Stofftransport in Umfangsrichtung
PSfrag replacements
ABCD E
Abbildung 4.17: Tracerverteilung in einem Ausschnitt aus einer Ebene durch den TCR
nach A: 0,25, B: 0,5, C: 1,0, D: 2,0, E: 3,0 und F: 4,0 Umdrehungen des
Innenzylinders bei einer Drehgeschwindigkeit von 0,65 rad s1(Couette-
Str¨
omung). Rot: Tracer, Blau: Wasser.
den Drehgeschwindigkeiten von 0,70 rad s1und 0,72 rad s1auf. Die Mischinten-
sit¨
at steigt besonders stark an, wenn sich die Fluidelemente der Wirbelzentren, die
sich aufgrund ihrer radialen Position im Spalt in Umfangsrichtung mit der H¨
alfte der
Geschwindigkeit des Innenzylinders bewegen, an einer um den Winkel πverschobe-
nen Stelle bezogen auf ihre Anfangsposition befinden. Aufgrund der Haftbedingung
an den Zylinderw¨
anden befindet sich zu diesem Zeitpunkt die andere Spezies an den
W¨
anden als im Wirbelkern, was zu einem Anstieg des Potenzials f¨
ur diffusives Mi-
schen f¨
uhrt. Da die Konzentrationsgradienten auf einer kleinen L¨
angenskala vorliegen,
werden diese schnell diffusiv abgebaut, was zu einer starken Zunahme der Mischin-
tensit¨
at f¨
uhrt (Abb. 4.18).
Der Mischprozess erfolgt mit zunehmender Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders
bis zum Erreichen eines Grenzwertes immer langsamer. Dies hat seine Ursache darin,
dass die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung bei kleinen Drehgeschwindigkeiten relativ lang-
sam ist und sich deshalb die radiale Position der Fluidelemente nur langsam ¨
andert, so
dass durch die prim¨
are Scherstr¨
omung ¨
ahnlich wie bei der Couette-Str¨
omung schnell
neue Kontaktfl¨
ache erzeugt wird, ¨
uber die die Konzentrationgradienten schnell diffu-
siv abgebaut werden.
61
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
0
0,1
0,2
0,3
0,4
020406080100120
Zeit[s]
PotenzialfürdiffusivesMischen[m
-1]
EbenedurchdasWirbelzentrum
EbenezwischendenWirbeln
Abbildung 4.18: Zeitlicher Verlauf des zweidimensional berechneten Potenzials f¨
ur diffu-
sives Mischen zwischen den Spezies f¨
ur die Ebene zwischen den Wirbeln
(gelb) und einer Ebene durch das Wirbelzentrum (rot) bei einer Dreh-
geschwindigkeit des Innenzylinder von 0,8rad s1.
4.3 Stofftransport in axialer Richtung
Um das Mischverhalten des Taylor-Couette-Reaktors in axialer Richtung zu untersu-
chen, wird der Tracer in seiner Anfangskonfiguration so in das Rechengebiet einge-
bracht, dass er das Volumen in axialer Richtung zur H¨
alfte f¨
ullt. F¨
ur den Fall des hier
untersuchten Doppelwirbels bedeutet dies, dass genau ein Wirbel mit Tracer gef¨
ullt
ist (Abb. 4.19). In Abbildung 4.20 ist die Tracerverteilung zu verschiedenen Zeitpunk-
ten in einem Schnitt durch den Spalt dargestellt. Auch hier ist, wenn auch weniger
ausgepr¨
agt als in den zuvor beschriebenen F¨
allen, der Einfluss der sekund¨
aren Wirbel-
str¨
omung zu beobachten. Zus¨
atzlich wird deutlich, dass der Mischprozess noch nicht
sehr weit vorangeschritten ist. Dies ist darin begr¨
undet, dass Fluidelemente nicht kon-
vektiv in den benachbarten Wirbel zu gelangen k¨
onnen, da in diesem Str¨
omungszu-
stand die Grenzfl¨
ache zwischen zwei benachbarten Wirbeln aus einer Str¨
omungslinie
besteht. Der Stofftransport kann folglich nur langsam per Diffusion erfolgen. Im Teil-
bild 4.20 B ist eine etwas besser gemischte Zone an der Stelle zu erkennen, an der die
62
4.3 Stofftransport in axialer Richtung
Abbildung 4.19: Schematische Darstellung der Anfangstracerkonfiguration zur Untersu-
chung des Mischverhaltens in axialer Richtung. Rot: Tracer, Blau: Was-
ser.
PSfrag replacements
AB C D E
Abbildung 4.20: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt zu den Zeiten A: 0 s;
B: 10 s; C: 30 s; D: 60 sund E: 120 sbei einer Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,8rad s1. Rot: Tracer, Blau: Wasser.
Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln auf die Wand des inneren Zylinders trifft. Die Ursa-
che hierf¨
ur ist, dass Fluidelemente aus den beiden Wirbeln mit stark unterschiedlicher
Spezieskonzentration durch die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung in der Grenzfl¨
ache parallel
zueinander in Richtung Innenzylinder bewegt werden. Dadurch haben diese Elemente
63
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
relativ lange Zeit, die hohen Konzentrationsgradienten zwischen ihnen per Diffusion
teilweise abzubauen. An der Stelle, an der die Str¨
omungslinien nicht mehr parallel
verlaufen, ist folglich der Ausgleichsprozess am weitesten fortgeschritten. Anhand von
Simulationen mit sich entgegengesetzt drehenden Wirbeln kann gezeigt werden, dass
diese Zone immer dort auftritt, wo die Str¨
omung die Grenzfl¨
ache zwischen den Wir-
beln wieder verl¨
asst. Spezies, die in den benachbarten Wirbel hinein diffundiert ist,
wird konvektiv von der Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln wegtransportiert, verbleibt
aber zun¨
achst in der Wirbelschale, von der sie in den Wirbelkern weiterdiffundieren
kann (Abb. 4.20 C und D).
Abbildung 4.21 zeigt die zeitliche Entwicklung des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen
in einer Ebene zwischen den beiden Wirbeln und einer Ebene durch das Wirbelzen-
trum. Die zeitliche Ver¨
anderung der spezifischen Kontaktfl¨
ache zwischen den beiden
0
0,02
0,04
0,06
0,08
0,1
0,12
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
PotenzialfürdiffusivesMischen[m
-1]
Ebene zwischen den Wirbeln
Ebene durch das Wirbelzentrum
Abbildung 4.21: Zeitlicher Verlauf des zweidimensional berechneten Potenzials f¨
ur diffu-
sives Mischen zwischen den Spezies f¨
ur die Ebene zwischen den Wirbeln
(gelb) und einer Ebene durch das Wirbelzentrum (rot) bei einer Dreh-
geschwindigkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1.
Komponenten ist in den beiden Ebenen sehr verschieden. In der Ebene zwischen
den Wirbeln nimmt sie rasch zu, da hier durch Stoff¨
ubergang zwischen den Wir-
belschalen ein Konzentrationsgradient entlang der Str¨
omungslinie in der Grenzfl¨
ache
entsteht. Nach ungef¨
ahr 18 snimmt die Kontaktfl¨
ache wieder ab, da innerhalb der
64
4.3 Stofftransport in axialer Richtung
Wirbelschalen die Konzentrationen immer weiter durch fortlaufenden Stofftransport
ausgeglichen werden. In der Ebene, die durch das Wirbelzentrum verl¨
auft, nimmt
die Kontaktfl¨
ache dagegen erst zeitverz¨
ogert zu. Spezies, die durch die Grenzfl¨
ache
zwischen den benachbarten Wirbeln diffundiert ist, muss erst durch die sekund¨
are
Wirbelstr¨
omung in diese Ebene transportiert werden, wodurch dann ein Gradient
zwischen Wirbelkern und -schale entsteht, der nur langsam diffusiv abgebaut werden
kann. Durch den diffusiven Weitertransport in den Wirbelkern nimmt das Potenzial
f¨
ur diffusives Mischen nach ungef¨
ahr 40 swieder ab, da die Gradienten in dieser Ebe-
ne abnehmen. Dies wird auch bei einem Vergleich zwischen der Mischintensit¨
at und
dem dreidimensional berechneten Potenzial f¨
ur diffusives Mischen deutlich (4.22). Im
0
0,2
0,4
0,6
0,8
020406080100120
Zeit[s]
Mischintensität[-]
0
0,0005
0,001
0,0015
0,002
Mischintensität
PotenzialfürdiffusivesMischen
Potenzial für diffusives Mischen [m ]
-2
Abbildung 4.22: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at und des dreidimensional berech-
neten Potenzials f¨
ur diffusives Mischen f¨
ur eine Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,8rad s1.
untersuchten Zeitraum nimmt die Mischintensit¨
at nur langsam zu und nach 120 s
ist das untersuche Volumen in Form des Doppelwirbels immer noch sehr schlecht
gemischt. Auch das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen ist viel kleiner als in den zuvor
diskutierten F¨
allen (Abschnitt 4.1 und 4.2). Daher ist noch viel Zeit zum Erreichen
einer guten Mischung n¨
otig.
Bei der Untersuchung der axialen Transportprozesse sind zwei weitere F¨
alle zu unter-
65
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
scheiden, da es f¨
ur die Sekund¨
arstr¨
omung in der Grenzfl¨
ache zwei m¨
ogliche Str¨
omungs-
richtungen gibt (vom Außenzylinder Richtung Innenzylinder und anders herum). Um
zu ¨
uberpr¨
ufen, ob dies einen Einfluss auf den axialen Stofftransport hat, wird das
numerische Tracerexperiment in einem Doppelwirbel wiederholt, wobei sich die Wir-
bel in diesem Fall in entgegengesetzter Richtung drehen. In Abbildung 4.23 ist zu
sehen, dass die Str¨
omungsrichtung lediglich einen geringen Einfluss auf den axialen
Stofftransport hat.
Abbildung 4.23: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at bei unterschiedlicher Drehrichtung
der Sekund¨
arstr¨
omung in der Grenzfl¨
ache zwischen zwei Wirbeln. Rot:
Str¨
omung in Richtung Innenzylinder, Gr¨
un: Str¨
omung in Richtung Au-
ßenzylinder.
Die Geschwindigkeit, mit welcher der Mischprozess erfolgt, h¨
angt auch bei der hier
untersuchten Anfangstracerkonfiguration von der Drehgeschwindigkeit des Innenzy-
linders ab (Abb. 4.24). Wie zu erwarten ist, erfolgt der Mischprozess bei h¨
oheren
Geschwindigkeiten schneller, da so die zirkulierende Wirbelstr¨
omung schneller wird,
ist aber insgesamt sehr langsam. Die Sekund¨
arstr¨
omung f¨
uhrt zu einer k¨
urzeren Ver-
weilzeit der Fluidelemente an der Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln, so dass dort
ein gr¨
oßerer Konzentrationsgradient vorliegt, was den Speziestransport zwischen den
66
4.3 Stofftransport in axialer Richtung
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
Mischintensität[-]
0,65 rad / s
0,70 rad / s
0,72 rad / s
0,75 rad / s
0,80 rad / s
0,85 rad / s
0,90 rad / s
0,95 rad / s
1,00 rad / s
Abbildung 4.24: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at f¨
ur verschiedene Drehgeschwindig-
keiten des Innenzylinders.
Wirbeln beschleunigt. Der deutlich langsamere Mischprozess f¨
allt besonders beim
Mischen ohne Beteiligung der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung auf (0,65 rad s1). Hier
erfolgt der Speziestransport in axialer Richtung lediglich per Diffusion, was zu einem
insgesamt sehr langsamen Mischprozess f¨
uhrt (Abb. 4.25).
PSfrag replacements
ABCDE
Abbildung 4.25: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt zu den Zeiten A: 0 s,
B: 5 s, C: 10 s, D: 15 s, E: 120 sbei einer Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,65 rad s1(Couette-Str¨
omung). Rot: Tracer, Blau:
Wasser.
67
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
4.4 Stofftransport ¨
uber Wirbelgrenzen
Zur genaueren Untersuchung des Mischverhaltens des Taylor-Couette-Reaktors in
axialer Richtung, wird das Rechengebiet in dieser Richtung auf sechs Wirbel aus-
geweitet. Der Tracer wird dabei im untersten Wirbel vorgelegt. Zur Auswertung der
Abbildung 4.26: Schematische Darstellung der Anfangstracerkonfiguration zur weiterge-
henden Untersuchung des Mischverhaltens in axialer Richtung. Rot: Tra-
cer, Blau: Wasser.
Experimente dient die durchschnittliche Tracerkonzentration in den Zellschichten des
numerischen Gitters (Abb. 3.2) in axialer Richtung, wodurch jeder der sechs Wirbel
mit 15 Schichten aufgel¨
ost wird. In Abbildung 4.27 sind die Tracerkonzentrationen
der Schichten zu verschiedenen Zeiten dargestellt. Wie zu erwarten ist, nimmt die
Konzentration in den Schichten, in denen sich zuvor kein Tracer befunden hat, mit
der Zeit zu. In axialer Richtung nimmt der Speziesanteil nach jedem Wirbel ab, da
die Grenzfl¨
achen einen Stofftransportwiderstand darstellen. Innerhalb der Wirbel bil-
det sich ein charakteristisches Konzentrationsprofil aus, wobei die h¨
ochsten Werte in
den Schichten auftreten, die der Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln am n¨
achsten liegen
(Abb. 4.28). Die Ursache hierf¨
ur liegt in der Sekund¨
arstr¨
omung. Nachdem Spezies aus
einer Wirbelschale diffusiv in eine benachbarte Schale ¨
ubergegangen ist, erfolgt ein
68
4.4 Stofftransport ¨
uber Wirbelgrenzen
0,0000001
0,000001
0,00001
0,0001
0,001
0,01
0,1
1
0153045607590
axialeZellschicht[-]
Tracerkonzentration[c/c
max]
10s
20s
40s
60s
Abbildung 4.27: Durchschnittliche Tracerkonzentration in Zellschichten des numerischen
Gitters zu verschiedenen Zeiten.
0
0,1
0,2
0,3
0,4
15202530
axialeZellschicht[-]
Tracerkonzentration[c/c
max]
10s
20s
40s
60s
Abbildung 4.28: Durchschnittliche Tracerkonzentration in den 15 Zellschichten des zwei-
ten Wirbels zu verschiedenen Zeiten.
konvektiver Weitertransport an die n¨
achste Grenzfl¨
ache, der viel schneller ist, als der
diffusive Transport in Richtung Wirbelkern. Es erfolgt ein schneller Speziestransport
69
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
in axialer Richtung ¨
uber die Wirbelh¨
ullen durch Kombination konvektiver und dif-
fusiver Transportmechanismen. Insgesamt ist der Konzentrationsausgleich innerhalb
der einzelnen Wirbel langsam, da der Tracer nur diffusiv in den Wirbelkern gelangen
kann.
4.5 Stofftransport zwischen Wirbelkern und -schale
Die bisher beschriebenen Resultate der numerischen Simulationen geben Anlass dazu,
den Stofftransport zwischen Wirbelkern und -h¨
ulle direkt zu untersuchen. Hierzu wird
der Tracer in der Anfangskonfiguration in die beiden Wirbelkerne eingebracht (Abb.
4.29). In Abbildung 4.30 ist die Tracerverteilung zu verschiedenen Zeitpunkten in ei-
Abbildung 4.29: Schematische Darstellung der Anfangstracerkonfiguration zur Untersu-
chung des Stofftransports zwischen Wirbelkern und -schale. Rot: Tracer,
Blau: Wasser.
ner Schnittebene durch den Spalt dargestellt. Es ist deutlich zu sehen, dass der Tracer
vom Wirbelkern in die Schale transportiert wird, wodurch der sich aus der Anfangs-
konfiguration ergebene Konzentrationgradient immer weiter abflacht. Dieser Vorgang
ist, vom Wirbelzentrum aus betrachtet, in alle Richtungen gleich schnell, so dass kei-
ne Vorzugsrichtung existiert. Nach ungef¨
ahr 60 ssind die Konzentrationsunterschiede
weitestgehend ausgeglichen, und damit der Mischvorgang fast abgeschlossen. Die Un-
70
4.5 Stofftransport zwischen Wirbelkern und -schale
PSfrag replacements
ABCDE
Abbildung 4.30: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt zu den Zeiten A: 0 s,
B: 5 s, C: 10 s, D: 15 s, E: 60 sbei einer Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,8rad s1. Rot: Tracer, Blau: Wasser.
regelm¨
aßigkeiten in den Teilbildern 4.30 B und C sind auf kleine Abweichungen, die
bei der Erstellung der Anfangstracerkonfiguration gemacht wurden, zur¨
uckzuf¨
uhren.
Diese entstehen dadurch, dass der Tracer in Form eines Torus in ein numerisches
Rechengitter, das aus kubischen Elementen besteht, eingebracht wird, so dass dieser
nicht v¨
ollig korrekt wiedergegeben wird. Abbildung 4.31 zeigt die zeitliche Entwick-
lung des Potenzials f¨
ur diffusives Mischen zwischen den beiden Komponenten in einer
Ebene zwischen den beiden Wirbeln und einer Ebene durch das Wirbelzentrum. In
der Ebene zwischen den Wirbeln existiert bei dieser Anfangstracerkonfiguration kei-
ne Kontaktfl¨
ache zwischen den Spezies und im Verlauf des Mischvorgangs wird auch
nur eine geringe Fl¨
ache gebildet. Dagegen ist in der anderen Ebene zu Beginn viel
Kontaktfl¨
ache vorhanden. Im weiteren Verlauf wird aber keine neue gebildet, sondern
diese diffusiv abgebaut. Die Schwankungen in den ersten Sekunden sind auf die bereits
erw¨
ahnten Fehler bei der Erstellung der Anfangstracerkonfiguration zur¨
uckzuf¨
uhren.
Abbildung 4.32 zeigt die zeitliche Entwicklung der Mischintensit¨
at und des dreidi-
mensional berechneten Potenzials f¨
ur diffusives Mischen. Dieses nimmt im zeitlichen
Verlauf langsam ab, wobei die Mischintensit¨
at langsam zunimmt. Am Ende des beo-
bachteten Zeitrahmens ist der Doppelwirbel gut durchmischt, da die Gradienten, die
durch den diffusiven Stofftransport ausgeglichen werden m¨
ussen, auf relativ kleinen
L¨
angenskalen auftreten. Die Anfangstracerkonfiguration gibt in etwa die Str¨
omungs-
linien der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung wieder. Ein Verlassen dieser Linien ist aber
nur diffusiv und nicht konvektiv m¨
oglich.
71
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
PotentialfürdiffusivesMischen[m
-1]
Ebene durch das Wirbelzentrum
Ebene zwischen den Wirbeln
Abbildung 4.31: Zeitlicher Verlauf des zweidimensional berechneten, Potenzials f¨
ur diffu-
sives Mischen zwischen den Spezies f¨
ur die Ebene zwischen den Wirbeln
(gelb) und einer Ebene durch das Wirbelzentrum (rot) bei einer Dreh-
geschwindigkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1.
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020 40 60 80 100 120 140
Zeit [s]
Mischintensität[-]
0
0,001
0,002
0,003
0,004
0,005
Mischintensität
Potential für diffusives Mischen
Potenzial für diffusives Mischen [m ]
-2
Abbildung 4.32: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at (rot) und des dreidimensional be-
rechneten Potenzials f¨
ur diffusives Mischen (gelb) f¨
ur eine Drehgeschwin-
digkeit des Innenzylinders von 0,8rad s1.
72
4.5 Stofftransport zwischen Wirbelkern und -schale
Die Geschwindigkeit des Mischvorgangs h¨
angt auch bei dieser Anfangstracerkonfigu-
ration von der Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders ab (Abb. 4.33). Auch hier ist
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
Mischintensität[-]
0,65 rad / s
0,70 rad / s
0,72 rad / s
0,75 rad / s
0,80 rad / s
0,85 rad / s
0,90 rad / s
0,95 rad / s
1,00 rad / s
Abbildung 4.33: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at f¨
ur verschiedene Drehgeschwindig-
keiten des Innenzylinders.
der Mischprozess bei steigender Drehzahl des inneren Zylinders schneller, die Zunah-
me ist aber gering, da der Speziestransport fast nur diffusiv erfolgt. Der Einfluss der
sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung nur wenig ausgepr¨
agt, wie bei einem Vergleich mit der
Couette-Str¨
omung (0,65 rad s1), bei der der effektive Speziestransport nur diffusiv
erfolgt, deutlich wird. Die Tracerverteilungen in einer Schnittebene durch den Spalt
sind in beiden F¨
allen (Abb. 4.30 und Abb. 4.34) sehr ¨
ahnlich. Die Scherstr¨
omung
¨
ubt dabei keinen Einfluss auf den Mischprozess aus und das Konzentrationsprofil
beh¨
alt seine Rotationssymmetrie bez¨
uglich des Wirbelzentrums bei. In diesem Zu-
stand findet effektiv nur ein diffusiver Transport statt. Bei der hier untersuchten
Anfangstracerkonfiguration wird zwar nach relativ kurzer Zeit eine hohe Mischin-
tensit¨
at beobachtet, aber bezogen auf die große Kontaktfl¨
ache zwischen den beiden
Komponenten, die schon zur Zeit t= 0 vorliegt, langsam.
73
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
PSfrag replacements
ABCD E
Abbildung 4.34: Tracerverteilung in einem Schnitt durch den Spalt zu den Zeiten A: 0 s,
B: 5 s, C: 10 s, D: 20 s, E: 60 sbei einer Drehgeschwindigkeit des
Innenzylinders von 0,65 rad s1(Couette-Str¨
omung). Rot: Tracer, Blau:
Wasser.
4.6 Einfluss einer Drehgeschwindigkeitsmodulation auf
das Mischverhalten
Aus den bisher vorgestellten Ergebnissen ist ersichtlich, dass der axiale Stofftransport
in TCRs ohne zus¨
atzliche, axiale Str¨
omung langsam ist (Abschnitt 4.3 und 4.4), was
in Hinblick auf seine Verwendung als Alternative zu klassischen Reaktorbauformen
vorteilhaft ist. Von Nachteil ist aber der ebenfalls sehr schlechte Stofftransport zwi-
schen Wirbelkern und -schale (Abschnitt 4.5). Deshalb soll untersucht werden, ob der
Stoffaustausch zwischen diesen beiden Teilbereichen eines Wirbels beschleunigt wer-
den kann, ohne gleichzeitig die axiale Dispersion signifikant zu erh¨
ohen. Der Einfluss
einer ¨
uberlagerten axialen Oszillation des inneren Zylinders auf den ¨
Ubergang zwi-
schen h¨
oheren Str¨
omungsmoden ist bereits theoretisch und experimentell untersucht
worden [Sinha et al., 2001; Weisberg et al., 1997; Marques und Lopez, 1997].
Nach der Theorie des chaotischen Mischens ist durch eine zeitlich periodische Modula-
tion des Str¨
omungsfeldes mit chaotischen Partikelbahnen und damit deutlich verbes-
serter Vermischung zu rechnen [Wiggins und Ottino, 2004; Ottino, 1989]. Hierzu wird
die konstante Drehgeschwindigkeit des inneren Zylinders mit einer Sinusschwingung
¨
uberlagert
1(t) = 1(0)(1 + asin(bt)).(4.1)
74
4.6 Einfluss einer Drehgeschwindigkeitsmodulation auf das Mischverhalten
Dabei bezeichnen 1die Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders, tdie Zeit sowie a
und bKonstanten. ¨
Uber eine Ver¨
anderung von al¨
asst sich die Gr¨
oße der Amplitude
und ¨
uber bdie Frequenz der Modulation beeinflussen. Um zu ¨
uberpr¨
ufen, ob diese
Modulation das Mischverhalten zwischen Wirbelkern und -schale verbessert, werden
numerische Simulationen mit der bereits in Abschnitt 4.5 verwendeten Anfangstracer-
konfiguration unter Variation der Konstanten aund bbei 1(0) = 0,8rad s1durch-
gef¨
uhrt und mit Hilfe der zeitlichen Entwicklung der Mischintensit¨
at ausgewertet.
Dabei wird der Diffusionskoeffizient um den Faktor 10 auf D= 1,9·109m2s1er-
niedrigt, was einer w¨
assrigen Kaliumchloridl¨
osung entspricht. Dies f¨
uhrt zwar zu einer
erh¨
ohten numerischen Diffusion, die aber in Kauf genommen werden muss, damit die
Vermischung relativ zur Modulationszeit nicht zu schnell erfolgt, so dass der Einfluss
der Modulation besser beobachtet werden kann. Abbildung 4.35 zeigt die zeitlichen
Verl¨
aufe der Mischintensit¨
at f¨
ur verschiedene Werte von bbei a= 0,125 im Vergleich
zum Verlauf ohne Modulation (a= 0). Es ist deutlich zu erkennen, dass die Frequenz
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
Mischintensität[-]
ohne Modulation
a=0,125; b=0,577
a=0,125; b=0,707
a=0,125; b=1
a=0,125; b=2
Abbildung 4.35: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at nach einer Anfangstracerkonfigu-
ration wie in Abschnitt 4.5 verwendet f¨
ur verschiedene Frequenzen der
Modulation bei einer Amplitude von a= 0,125.
einen Einfluss auf das Mischverhalten aus¨
ubt. Mit steigenden Werten f¨
ur bwird der
Mischprozess zun¨
achst schneller, da so die zeitliche ¨
Anderung der Drehgeschwindig-
75
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
keit zunimmt und damit das Str¨
omungsfeld st¨
arker beeinflusst wird. Eine weitere
Frequenzsteigerung auf b= 2 l¨
asst die Mischgeschwindigkeit wieder abnehmen. Hier-
bei ¨
andert sich aufgrund der Tr¨
agheit des Systems lediglich das Geschwindigkeitsfeld
in der N¨
ahe des Innenzylinders, so dass der Stofftransport zwischen Wirbelkern und
Schale davon kaum beeinflusst wird. Abbildung 4.36 zeigt die zeitlichen Verl¨
aufe der
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
Mischintensität[-]
ohne Modulation
a=0,125; b=1
a=0,1875; b=1
a=0,25; b=1
Abbildung 4.36: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at nach einer Anfangstracerkonfigu-
ration wie in Abschnitt 4.5 verwendet f¨
ur verschiedene Amplituden a
der Modulation bei b= 1.
Mischintensit¨
at f¨
ur verschiedene Werte von abei b= 1 im Vergleich zum Verlauf ohne
Modulation (a= 0). Dabei wird ersichtlich, dass die Amplitude einen starken Einfluss
auf das Mischverhalten hat. Die Geschwindigkeit des Mischprozesses nimmt mit stei-
genden Werten von azu. Bei den beiden h¨
ochsten Werten (a= 0,1875 und a= 0,2)
unterschreitet die Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders den f¨
ur den ¨
Ubergang zwi-
schen Couette- und Taylor-Couette-Str¨
omung in dieser Geometrie kritischen Wert
von 0,70 rad s1(Tabelle 3.3). Anhand des Str¨
omungsfeldes kann aber festgestellt
werden, dass die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung nicht zusammenbricht, sondern durch
die Tr¨
agheit bedingt erhalten bleibt. W¨
ahrend einer Schwingungsperiode ¨
andern sich
lediglich die Betr¨
age der Geschwindigkeitsvektoren in einer Ebene durch den Spalt,
nicht aber ihre Richtung.
76
4.6 Einfluss einer Drehgeschwindigkeitsmodulation auf das Mischverhalten
In beiden zeitlichen Verl¨
aufen (Abb. 4.35 und 4.36) f¨
allt ein ungleichm¨
aßiger Anstieg
der Mischintensit¨
aten auf, wobei diese Unregelm¨
assigkeiten im zeitlichen Abstand von
t=b2π, (4.2)
auftreten, was bedeutet, dass es sich immer um den gleichen Zeitpunkt innerhalb
einer Schwingungsperiode handelt. So nimmt die Mischintensit¨
at immer besonders
stark wenige Sekunden nach dem ¨
Uberschreiten der maximalen Drehgeschwindigkeit
des Innenzylinders zu.
Um zu ¨
uberpr¨
ufen, ob auch die axiale Dispersion durch die Drehzahlmodulation ge-
steigert wird, wird die gleiche Anfangstracerkonfiguration wie in Abschnitt 4.4 ver-
wendet. Abbildung 4.37 zeigt den entsprechenden zeitlichen Verlauf der Mischinten-
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
020 40 60 80 100 120
Zeit [s]
Mischintensität[-]
ohne Modulation
a=1,25; b=1
a=0,1875; b=1
Abbildung 4.37: Zeitlicher Verlauf der Mischintensit¨
at nach einer Anfangstracerkonfigu-
ration wie in Abschnitt 4.4 verwendet f¨
ur verschiedene Amplituden a
der Modulation bei b= 1. Die dargestellten Linien f¨
ur die F¨
alle mit
Modulation ¨
uberdecken sich in großen Teilen.
sit¨
at mit und ohne Modulation bei einer mittleren Drehgeschwindigkeit von 0,8rad
s1. In den beiden numerischen Simulationen mit Modulation ist nur eine leichte Zu-
nahme der Mischintensit¨
at gegen¨
uber der Simulation ohne Modulation erkennbar.
¨
Ahnliches zeigt sich bei der Betrachtung des Stofftransports ¨
uber Wirbelgrenzen mit
77
4 Ergebnisse der numerischen Simulationsrechnungen
0,0000001
0,00001
0,001
0,1
015 30 45 60 75
axiale Zellschicht [-]
Tracerkonzentration[c/c
max]
ohne Modulation
a=0,125; b=1
a=0,1875; b=1
Abbildung 4.38: Durchschnittliche Tracerkonzentration in Zellschichten des numerischen
Gitters nach 70 sbei einer Anfangstracerkonfiguration wie in Abschnitt
4.4 f¨
ur verschiedene Amplituden ader Modulation bei b= 1. Die dar-
gestellten Linien f¨
ur den Fall mit Modulation ¨
uberdecken sich in großen
Teilen.
und ohne Modulation der Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders (Abb. 4.38). Im
Fall mit Modulation wird der Tracer nur unwesentlich schneller ¨
uber Wirbelgrenzen
hinweg transportiert. Die Ursache hierf¨
ur liegt darin, dass die sekund¨
are Wirbel-
str¨
omung auch bei der Modulation w¨
ahrend der gesamten Zeit erhalten bleibt. Auch
die Position der Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln, die von den Spezies lediglich per
Diffusion durchschritten werden kann, ¨
andert sich nicht. In den Schichten 30 bis 60 in
Abbildung 4.38 ist zu sehen, wie die Tracerkonzentrationsunterschiede innerhalb ei-
nes Wirbels bei den Simulationen mit Drehgeschwindigkeitsmodulation geringer sind.
Die Ursachen hierf¨
ur sind die gleichen wie im zuvor untersuchten und sehr ¨
ahnlichen
Fall des Speziestransports zwischen Wirbelkern und -schale. Daraus folgt, dass eine
Modulation der Drehgeschwindigkeit des inneren Zylinders zu einem schnelleren Ab-
bau von Konzentrationsgradienten innerhalb der Wirbel f¨
uhrt, wobei gleichzeitig der
Stofftransport ¨
uber Wirbelgrenzen und dabei die axiale Dispersion nur geringf¨
ugig
erh¨
oht wird.
78
5 Mathematische Modellierung des
Stofftransports in TCRs
In der chemischen Verfahrenstechnik sind mathematische Modelle wichtige Werkzeu-
ge zur Beschreibung und Analyse komplexer Prozesse. Sie dienen der Intensivierung
und Optimierung technischer Umsetzungen und der Erschließung innovativer Verfah-
ren. Die Modellierung eines dynamischen Systems wie des Stofftransportes in Taylor-
Couette-Reaktoren basiert auf einem Kompromiss zwischen dem vertretbaren nume-
rischen Aufwand und der N¨
ahe zur Realit¨
at. Das Verhalten eines gesamten TCRs
kann aufgrund der Mehrskaligkeit der verschiedenen ablaufenden Mischprozesse nur
mit enorm hohem Aufwand numerisch simuliert werden (Abschnitt 4). Aus diesem
Grund wird ein vereinfachendes Modell reduzierter Dimensionalit¨
at erarbeitet, dass
die Mischprozesse in ausreichender Genauigkeit beschreibt und dabei einen deutlich
geringeren Aufwand zur numerischen L¨
osung erfordert.
5.1 Modell zur Beschreibung des Stofftransports in
TCRs
Aus den in Abschnitt 4 gezeigten Ergebnissen der numerischen Tracerexperimente ist
ersichtlich, dass deutliche Konzentrationsunterschiede innerhalb der Wirbel auftreten
k¨
onnen. Ein sehr einfaches Stoff¨
ubergangsmodell, das die einzelnen Wirbel als idealen
R¨
uhrkessel und den Austausch zwischen den Wirbeln mittels eines Koeffizienten be-
schreibt, ist aber nicht in der Lage, Konzentrationsunterschiede innerhalb der Wirbel
zu beschreiben (Abschnitt 2.2.1). Derartige Modelle liefern lediglich ¨
uber den Bereich
eines Wirbels gemittelte Werte. Sie k¨
onnen allerdings aufgrund ihrer Einfachheit zur
groben Absch¨
atzung verwendet werden, da der numerische Aufwand, der n¨
otig ist,
79
5 Mathematische Modellierung des Stofftransports in TCRs
um den Modellparameter zu bestimmen, relativ klein ist.
Der Stofftransport in Umfangsrichtung kann mit Hilfe eines Dispersionsmodells be-
schrieben werden (Abschnitt 2.2.4). Dabei wird allerdings der Transport in axialer
Richtung lediglich mittels eines Parameters beschrieben, so dass die beobachteten
Konzentrationsunterschiede zwischen Wirbelkern und -schale nicht wiedergegeben
werden k¨
onnen. Hinzu kommt, dass die Modellparameter nur mit großem numeri-
schen Aufwand bestimmt werden k¨
onnen.
Im Gegensatz dazu ist ein R¨
uhrkesselkaskaden-Modell (Abschnitt 2.2.2) in der Lage,
unterschiedliche Spezieskonzentrationen in Wirbelkern und -schale wiederzugeben.
Dabei wird ein Wirbel in einen ideal durchmischten R¨
uhrkessel, der die Schale, und
ein Austauschvolumen, das den Kern repr¨
asentiert, unterteilt. Der Stofftransport wird
hier ¨
uber Volumenstr¨
ome modelliert. Die r¨
aumliche Aufl¨
osung dieses Modells ist aber
sehr grob, was eine detaillierte Wiedergabe der beobachteten Vorg¨
ange nicht m¨
oglich
macht. Dies gilt auch f¨
ur das sehr ¨
ahnliche Zweizonenmodell (Abschnitt 2.2.3), bei
dem der Speziestransport mittels zweier ¨
Ubergangskoeffizienten, einen f¨
ur den Aus-
tausch zwischen den Wirbeln und einen f¨
ur den Transport innerhalb eines Wirbels,
beschrieben wird.
Das Mehrzonenmodell (Abschnitt 2.2.3) ist eine Weiterentwicklung des Zweizonen-
modells. Ein Wirbel wird dabei in mehrere ideal durchmischte Bereiche unterteilt,
was eine detaillierte Beschreibung der Konzentrationsverl¨
aufe innerhalb eines Wir-
bels zul¨
asst. Der gr¨
oßte Nachteil dieses Modells ist jedoch, dass bei NTeilbereichen
NStoff¨
ubergangskoeffizienten auftreten, was bei der Parameteranpassung zu Proble-
men f¨
uhren kann und sie außerdem sehr aufwendig macht.
Die Grundlage f¨
ur das hier vorgestellte Modell, bei dem die Umfangsrichtung ver-
nachl¨
assigt wird, ist das bereits in Abschnitt 2.2.3 beschriebene Zwei- beziehungswei-
se Mehrzonenmodell. Der wichtigste Unterschied dazu ist vor allem die Modellierung
des Transportes zwischen den Wirbelkernen und -schalen durch Diffusion statt durch
Stoff¨
ubergang zwischen ideal durchmischten Zonen. Der Vorteil dieses neu entwickel-
ten Modellansatzes ist, dass nur zwei Parameter angepasst werden m¨
ussen, was in
diesem Fall numerisch leicht umzusetzen ist. Der hier beschriebene Ansatz basiert
auf den folgenden Annahmen:
80
5.1 Modell zur Beschreibung des Stofftransports in TCRs
die einzelnen Wirbel werden in Kern und Schale unterteilt,
die Modellierung des Austausches zwischen benachbarten Wirbelschalen erfolgt
durch Stoff¨
ubergangskoeffizienten in Anlehnung an die Filmtheorie,
die Wirbelschale ist ideal durchmischt, da sie sehr d¨
unn ist und deshalb schnell
durch Diffusion homogenisiert wird,
der Transport zwischen den Wirbelkernen und den dazugeh¨
origen -schalen kann
allein durch Diffusion beschrieben werden,
im Wirbelkern wirkt die Diffusion aufgrund einer guten Durchmischung entlang
der Str¨
omungslinien nur radial (bezogen auf das Zentrum),
in Umfangsrichtung liegt einen ideale Durchmischung vor.
So gilt f¨
ur die Konzentration cim Kern Kder Wirbelzelle k
cK
k
t =D2cK
k
r2,(5.1)
wobei Dden Diffusionkoeffizient und rdie radiale Position bez¨
uglich des Wirbelzen-
trums bezeichnet (Abb. 5.1). F¨
ur die dazugeh¨
orige d¨
unne, und deshalb durch Diffusion
homogenisierte Wirbelschale Sgilt
dcS
k
dt=α(cS
k1cS
k)α(cS
k+1 cS
k) (5.2)
mit dem Stoff¨
ubergangskoeffizienten α. Dazu kommen die Randbedingungen
r= 0 : cK
k
r = 0,(5.3)
r=δ:cK
k=cS
k,(5.4)
wobei δdie Stelle ist, an der sich die Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln befindet und
die dynamischen Randbedingungen
A˙cS
1=α(cS
2cS
1)DcK
1
r ,(5.5)
A˙cS
i=α(cS
i1cS
i)α(cS
i+1 cS
i)DcK
i
r mit 0 < i < N, (5.6)
A˙cS
N=α(cS
NcS
N1)DcK
N
r (5.7)
gelten. Dabei beschreibt Adie Gr¨
oße der Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln.
81
5 Mathematische Modellierung des Stofftransports in TCRs
PSfrag replacements
Schale
Kern
Stoff¨
ubergang
Diffusion
r= 0 r=δ
Abbildung 5.1: Schematische Darstellung des untersuchten Modells zur Beschreibung des
Stofftransportes in TCRs.
5.2 Modellparameteranpassung und Vergleich mit
numerischen Simulationsergebnissen
Um zu ¨
uberpr¨
ufen, ob der oben beschriebene Modellansatz den Stofftransport in
Taylor-Couette-Reaktoren ausreichend gut beschreibt und um zus¨
atzlich die beiden
Modellparameter Diffusions- und Stoff¨
ubergangskoeffizient zu bestimmen, wird eine
Modellanpassung mit Ergebnissen, die aus numerischen Tracerexperimenten gewon-
nen werden, durchgef¨
uhrt. Da dieses Modell besonders den Stofftransport in axialer
Richtung und zwischen Wirbelkern und -schale beschreiben soll, wird die gleiche An-
fangstracerkonfiguration wie im Abschnitt 4.4 verwendet. Hier wird der untere der
insgesamt sechs Wirbel mit Tracer gef¨
ullt (Abb. 4.26). Dabei wird in Zeitschritten von
0,1sin jedem Wirbel der Konzentrationsverlauf vom Wirbelzentrum zur Wand des
¨
außeren Zylinder bestimmt, was acht Zellen pro Wirbel entspricht. Wie im Abschnitt
82
5.2 Modellparameteranpassung und Vergleich mit numerischen Simulationsergebnissen
4.6 werden diese Simulationen mit einem Diffusionskoeffzienten von 1,9·109m2s1
durchgef¨
uhrt. Dies f¨
uhrt hier ebenfalls zu einer Zunahme der numerischen Diffusion.
Diese ¨
Anderung ist aber n¨
otig, damit die Zeitskalen, auf denen der konvektive und
diffusive Stofftransport stattfinden, m¨
oglichst verschieden sind. Andernfalls sind die
aus den Simulationen erhaltenen Konzentrationsverl¨
aufe stark von der Drehrichtung
der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung abh¨
angig.
Das Modell ist mit Hilfe der Software Matlab, Version 6.5 programmiert worden.
Die Routine besteht neben Ein- und Ausgabefunktionen im wesentlichen aus zwei
miteinander gekoppelten Unterroutinen, eine f¨
ur das Anpassen der Modellparameter
und eine f¨
ur das L¨
osen des partiellen Differentialgleichungssystems (PDE-System).
Zur Anpassung der Modellparameter wird auf Daten aus den bereits beschriebenen
numerischen Tracerexperimenten nach 20 s, 50 s, 80 s, 100 sund 120 szur¨
uckge-
griffen. Dem im Programm integrierten ODE-L¨
oser ode15s wird dabei zum L¨
osen
des Gleichungssystems die zeitliche Diskretisierung ¨
uberlassen. Dabei wird zu den
oben genannten Zeiten eine L¨
osung errechnet, die dann an die Anpassungsroutine
zur¨
uckgegeben wird. R¨
aumlich wird der Bereich zwischen Wirbelzentrum und -schale
mit 45 Zellen diskretisiert. Die Verwendung anderer ODE-L¨
oser f¨
uhren zu den selben
Ergebnissen, die dazu n¨
otigen Rechenzeiten sind aber zum Teil deutlich h¨
oher. Zur
Anpassung der Modellparameter wird eine nichtlineare Regression mit Hilfe des PCG-
Newton-Verfahrens (Preconditioned Conjugate Gradients - Vorkonditionierte konju-
gierte Gradienten) durchgef¨
uhrt [Coleman und Li, 1994; Coleman und Li, 1996].
In Abbildung 5.2 ist der Konzentrationsverlauf des Tracers f¨
ur die numerische Si-
mulation und f¨
ur das Modell mit den angepassten Parametern dargestellt. Der aus
der Simulation erhaltene Verlauf wird durch das angepasste Modell gut wiedergege-
ben. Es f¨
allt aber auf, dass beim angepassten Modell die Konzentrationen an den
Grenzfl¨
achen der Wirbel, in denen sich gem¨
der Anfangstracerkonzentration kein
Tracer befindet, etwas zu niedrig und im Wirbelzentrum etwas zu hoch sind. Die Ur-
sache hierf¨
ur ist die Annahme, dass an allen Orten, die sich in gleicher Entfernung
vom Wirbelzentrum befinden, die gleiche Konzentration vorherrscht (ideale Durch-
mischung entlang der Str¨
omungslinien). Dies ist aber in der Realit¨
at nicht der Fall,
da aufgrund des Stoff¨
ubergangs zwischen den Wirbeln an den beiden dazugeh¨
origen
Grenzfl¨
achen nicht die gleichen Konzentrationen sind.
Abbildung 5.3 zeigt die beiden Modellparameter Diffusions- und Stoff¨
ubergangsko-
83
5 Mathematische Modellierung des Stofftransports in TCRs
0
0,2
0,4
0,6
0,8
1
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0
axiale Position [k]
Simulation
Anpassung
Tracerkonzentration [c / c ]
max
Abbildung 5.2: Vergleich der axialen Konzentrationsverl¨
aufe nach 120 sbei einer Innenzy-
linderdrehgeschwindigkeit von 0,8rad s1. Rot: numerische Simulation,
Blau: angepasstes Modell.
0
0,001
0,002
0,003
0,65 0,70 0,75 0,80 0,85 0,90 0,95 1,00 1,05
Drehgeschwindigkeit [rad / s]
Koeffizient[m2/s]
Diffusionskoeffizient
Stoffübergangskoeffizient
Abbildung 5.3: Die beiden Modellparameter Diffusions- und Stoff¨
ubergangskoeffizient in
Abh¨
angigkeit von der Drehgeschwindigkeit des inneren Zylinders. Zus¨
atz-
lich ist der 95% Vertrauensbereich dargestellt. Gr¨
un: Diffusionskoeffizient,
Rot: Stoff¨
ubergangskoeffizient.
84
5.2 Modellparameteranpassung und Vergleich mit numerischen Simulationsergebnissen
effizient in Abh¨
angigkeit von der Drehgeschwindigkeit des inneren Zylinders. Dabei
unterliegt der Diffusionskoeffizient nur kleinen ¨
Anderungen, die aber alle innerhalb
des 95% Vertrauensbereichs liegen. Da kein konvektiver Transport senkrecht zu den
Str¨
omungslinien m¨
oglich ist, und die Konvektion keinen Einfluss auf den Diffusions-
koeffizienten hat, ist hierf¨
ur auch ein konstanter Wert zu erwarten. Beim Stoff¨
uber-
gangskoeffizienten ist ein Ansteigen mit zunehmender Zylinderdrehgeschwindigkeit
zu beobachten. Die Ursache hierf¨
ur liegt in der Modellannahme, dass entlang der
Str¨
omungslinien eine ideale Durchmischung vorhanden ist. An der Grenzfl¨
ache zwi-
schen zwei Wirbeln ist dies aber nicht der Fall, da hier der Konzentrationsgradi-
ent in Richtung der Sekund¨
arstr¨
omung aufgrund des Stoff¨
ubergangs abnimmt [Abb.
4.20]. Mit zunehmender Drehgeschwindigkeit des Innenzylinders nimmt auch die Um-
laufgeschwindigkeit der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung zu, so dass die Verweilzeit der
Fluidelemente an der Grenzfl¨
ache zwischen zwei Wirbeln verk¨
urzt ist und so der
Konzentrationsgradient nicht so stark abnimmt. Innerhalb des Modells wird dieser
Effekt durch eine Abnahme des Stoff¨
ubergangskoeffizienten bei verringerter Drehge-
schwindigkeit ausgeglichen, so dass dieses Modell die in der numerischen Simulation
erhaltenen Konzentrationsverl¨
aufe gut wiedergeben kann [Abb. 5.2].
85
6 Zusammenfassung und Ausblick
In der vorliegenden Arbeit wird das Mischverhalten in Taylor-Couette-Reaktoren ein-
gehend untersucht. Dazu werden numerische Tracerexperimente durchgef¨
uhrt, wobei
die kontinuumsmechanischen Bilanzgleichungen f¨
ur Impuls, Masse und Spezies zu
diesem Zweck gel¨
ost werden. Hierbei dienen die Mischintensit¨
at nach Danckwerts
und das Potenzial f¨
ur diffusives Mischen zwischen den Komponenten zur Analyse.
Besonders die Richtungsabh¨
angigkeit der Mischprozesse steht dabei im Mittelpunkt,
bei der große Unterschiede festgestellt werden. Besonders schnell ist der Vorgang
dabei in radialer Richtung bezogen auf den Spalt. Es wird außerdem eine schlecht
durchmischte Zone an denjenigen Stellen am Aussenzylinder beobachtet, wo sich die
Grenzfl¨
ache zwischen den Wirbeln befindet und die sekund¨
are Str¨
omung in Richtung
des inneren Zylinders fließt. Das Mischen in Umfangsrichtung ist deutlich langsamer,
wobei gezeigt wird, dass dieser Prozess im Bereich der Wirbelschale wesentlich schnel-
ler erfolgt als im Wirbelzentrum. Am schlechtesten ist das Mischverhalten in axialer
Richtung, da ein konvektiver Speziestransport durch die Grenzfl¨
ache zwischen zwei
Wirbeln nicht m¨
oglich und ein diffusiver Transport sehr langsam ist. Bei der Quantifi-
zierung des Mischvorgangs ¨
uber Wirbelgrenzen hinweg wird deutlich, dass sich in den
Wirbeln, in denen sich gem¨
der Anfangstracerkonfiguration kein Tracer befunden
hat, die h¨
ochsten Konzentrationen an den Oberfl¨
achen auftreten. Dies wird durch
die sekund¨
are Wirbelstr¨
omung verursacht, die in Kombination mit dem diffusiven
Austausch ¨
uber die Wirbel-Wirbel-Grenzfl¨
achen einen schnellen konvektiven Trans-
port zur n¨
achsten Grenzfl¨
ache bewirkt. Im Gegensatz dazu ist der Austausch von den
¨
außeren Schichten in die inneren Schichten deutlich langsamer. Dies wird explizit mit
Hilfe numerischer Simulationen best¨
atigt, bei denen sich der Tracer anfangs nur im
Wirbelkern befindet. Hierbei wird eine sehr langsame Vermischung beobachtet, da der
Stofftransport senkrecht zu den Str¨
omungslinien nur durch Diffusion erfolgen kann.
Allgemein kann gesagt werden, dass der Mischprozess mit steigender Drehgeschwin-
87
6 Zusammenfassung und Ausblick
digkeit des inneren Zylinders zunimmt, da die Taylor-Wirbel einen immer gr¨
oßeren
Einfluss auf den Prozess bekommen. Einen Sonderfall bildet der Zustand, bei dem die
f¨
ur das Auftreten der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung n¨
otige Geschwindigkeit noch nicht
¨
uberschritten ist und somit lediglich eine Couette-Str¨
omung vorliegt. Hier ist beim
Mischen in Umfangsrichtung der Prozess ohne Taylor-Wirbel deutlich schneller als
mit Wirbeln, da sehr schnell neue Kontaktfl¨
ache zwischen den beiden Komponenten
entsteht, die L¨
angenskalen, auf denen die Konzentrationsgradienten, auftreten sehr
schnell abnehmen und deshalb die Diffusion sehr schnell wirken kann. Ein wesent-
liches Ergebnis dieser Studien ist es, dass ein einzelner Wirbel nicht, wie oftmals in
der ¨
alteren Literatur beschrieben, als ideal durchmischter R¨
uhrkessel angesehen wer-
den kann und die Geschwindigkeit des Mischprozesses stark richtungsabh¨
angig ist.
An den hier beschriebenen Ergebnissen ist deutlich geworden, dass der Stofftransport
in axialer Richtung, aber auch der zwischen Wirbelkern und -h¨
ulle gering ist. Um das
verfahrenstechnische Potenzial des TCRs voll ausnutzen zu k¨
onnen, ist es aber gerade
in Hinblick auf eine gute thermische Kontrollierbarkeit notwendig, die Vermischung
innerhalb der Wirbel zu verbessern. Aus diesem Grund werden geeignete numerische
Tracerexperimente durchgef¨
uhrt, bei denen die Drehgeschwindigkeit des Innenzylin-
ders sinusf¨
ormig moduliert wird. Es wird gezeigt, dass bei sinusf¨
ormigen Modulatio-
nen die erreichbare Mischintensit¨
at gesteigert werden kann. Mit steigender Frequenz
durchl¨
auft sie aufgrund der Tr¨
agheit des Systems ein Maximum. Die Amplitude kann
dabei aus demselben Grund unter Beibehaltung der sekund¨
aren Wirbelstr¨
omung auf
einen Wert erh¨
oht werden, bei dem die f¨
ur den ¨
Ubergang zwischen Couette- und
Taylor-Couette-Str¨
omung n¨
otige Drehgeschwindigkeit unterschritten wird. Besonders
wichtig ist dabei, dass der Stofftransport zwischen Wirbelkern und -schale deutlich
beschleunigt wird, wobei der Transport in axialer Richtung nur geringf¨
ugig zunimmt.
Das Mischverhalten eines gesamten TCRs kann aufgrund der Mehrskaligkeit der ab-
laufenden Prozesse nur mit hohem Aufwand numerisch simuliert werden. Aus diesem
Grund wird ein vereinfachendes Modell reduzierter Dimensionalit¨
at entwickelt, wo-
bei jeder einzelne Wirbel in einen Kernbereich, und eine ideal durchmischte Schale
unterteilt wird. Der Stoffaustausch zwischen den Wirbeln wird mit Hilfe eines ¨
Uber-
gangskoeffizienten beschrieben. Innerhalb der Wirbel erfolgt der Transportvorgang
88
in radialer Richtung bezogen auf das Wirbelzentrum diffusiv. Der Transport in Um-
fangsrichtung wird dabei nicht erfasst. Das hieraus resultierende Modell ist zweidi-
mensional und erfordert nach Anpassung der Parameter keine weitere Simulation der
Str¨
omung. Die Parameteranpassung erfolgt anhand der hochaufgel¨
osten Daten aus
den zuvor durchgef¨
uhrten Simulationen. Anhand eines Vergleichs von Modell und Si-
mulation wird gezeigt, dass dieses in der Lage ist, den Stofftransport in TCRs gut zu
beschreiben und so die in der Literatur bekannten zu erweitern.
Im Rahmen zuk¨
unftiger Arbeiten sollten chemische Reaktionen in Taylor-Couette-
Reaktoren eingehend untersucht werden. Dabei ist besonders der Einfluss der axialen
Durchstr¨
omung, die f¨
ur eine kontinuierliche Prozessf¨
uhrung n¨
otig ist, detailliert zu
untersuchen. Erste experimentelle Erkenntnisse dazu sind bereits in der Literatur
vorhanden. Dagegen ist ¨
uber die Bildung und das Aufl¨
osen von Wirbeln an den Re-
aktorenden und den Einfluss verschiedener Bauformen des Ein- und Auslasses noch
sehr wenig bekannt. In Hinblick auf eine Verwendung f¨
ur Polymerisationen kommt
dem Einfluss von orts-, temperatur- und speziesabh¨
angiger Viskosit¨
at eine besondere
Bedeutung zu. Dabei muss die R¨
uckwirkung auf das Str¨
omungsfeld und das Misch-
verhalten erfasst werden, was bei dem in den Anwendungen sehr h¨
aufig auftretenden
nicht-newtonischen Verhalten sehr schwierig wird. Zus¨
atzlich kommt gerade unter
Sicherheits- und Prozessf¨
uhrungsaspekten dem W¨
armetransport eine besondere Be-
deutung zu. Die m¨
oglichen Viskosit¨
ats¨
anderungen der Fluide entlang der Reaktorach-
se k¨
onnen unter Umst¨
anden modifizierte Geometrien erforderlich machen. Da bei den
meisten vorgeschlagenen Reaktionen die Viskosit¨
at ansteigt, ist es n¨
otig, beide oder
lediglich den ¨
außeren Zylinder konisch aufzuweiten, um den Druckabfall zu reduzieren.
Auch im Bereich der Optimierung des Mischverhaltens mittels Drehzahlmodulation
sind noch weitere Untersuchungen erforderlich. So sind neben der sinusf¨
ormigen Mo-
dulation noch zahlreiche andere Formen (s¨
agezahn-, rechteckf¨
ormig, etc.) m¨
oglich.
Neben der in dieser Arbeit untersuchten Str¨
omungsform sind noch zahlreiche weitere
bekannt, deren Mischverhalten bisher unzureichend untersucht ist. So k¨
onnte da-
mit fortgefahren werden, das Mischen in wavy- oder turbulenten Taylor-Wirbeln auf
seine verfahrenstechnische Tauglichkeit zu ¨
uberpr¨
ufen. Dabei k¨
onnen auch theoreti-
sche Methoden zur Analyse von Geschwindigkeitsfeldern wie Lyaponov-Exponenten
und Dehnungsraten sowie Raten der Energiedissipation, aufgeteilt in ihre Anteile
89
6 Zusammenfassung und Ausblick
bez¨
uglich axialer, radialer und Umfangsrichtung, Anwendung finden. Im Rahmen
dieser Arbeiten k¨
onnen dann mit Hilfe der aus ihnen gewonnenen Erkenntnisse ent-
sprechende Modelle entwickelt werden.
90
7 Symbolverzeichnis
Lateinische Zeichen
a[-] Konstante
A[-] Koeffizient (Couette-Str¨
omung)
A[m2] Fl¨
ache
b[-] Konstante
B[-] Koeffizient (Couette-Str¨
omung)
c[m s1] Steigerungsrate der St¨
orungsgeschwindigkeit
c[kg/kg] Konzentration
C[kg/kg] Konzentration
C[-] Konstante
d[m] Spaltbreite
D[m2s1] Diffusionskoeffizient
e[m] Abstand der Zylinderachsen
ecc [-] Exzentrizit¨
at
g[m s2] Gravitationsvektor
h[J kg1] Helizit¨
at
H[-] Heaviside-Funktion
I[-] Intensit¨
at der Segregation
Im [-] Imagin¨
arteil
k[m2s1] Stoff¨
ubergangskoeffizient
K[m2s1] Stoff¨
ubergangskoeffizient in Abschnitt 2.2.3
K[J] kinetische Energie
L[m] L¨
ange
91
7 Symbolverzeichnis
n[-] Laufzahl
n[-] Normalenvektor
N[-] Wirbelanzahl
M[-] Mischintensit¨
at
p[Pa] Druck
r[m] Radius
R[m] Zylinderradius
R[-] Korrelationskoeffizient
R12 [-] Radienverh¨
altnis
Re [-] Reynoldszahl
s[-] Selektivit¨
at
S[m2] Grenzfl¨
ache zwischen zwei Wirbeln
S[m] Skala der Segregation
Sc [-] Schmidtzahl
t[s] Zeit
Ta [-] Taylor-Zahl
u[m s1] Geschwindigkeitsvektorkomponente
u[m s1] Geschwindigkeitsvektor
v[m s1] Geschwindigkeit
v[m s1] periodischer St¨
orungsvektor
V[m3] Volumen
W[m s1] mittlere axiale Geschwindigkeit
x[m] radiale Koordinate
X[-] Segregationsgrad
y[m] radiale Koordinate
z[m] axiale Koordinate
92
Griechische Symbole
α[-] axiale Wellenzahl
α[m2s1] Stoff¨
ubergangskoeffizient
δ[-] zus¨
atzliche St¨
orung
δ[-] Dirac-Impuls
[-] Laplace-Operator
[-] Differenz
²[-] Schmalheitsparameter des Spalts
η[Pa s] dynamische Viskosit¨
at
[-] Nabla-Operator
µ[Pa s] dynamische Viskosit¨
at
ν[m2s1] kinematische Viskosit¨
at
ρ[kg m3] Dichte
ω[rad s1] Winkelgeschwindigkeit
[rad s1] Winkelgeschwindigkeit
21 [-] Verh¨
altnis der Drehgeschwindigkeiten
φ[-] skalare Gr¨
oße
Φ [m1] Potenzial f¨
ur diffusives Mischen
σ[-] Standardabweichung
τ[s] Verweilzeit
τ[Pa] Scherspannung
θ[rad] Winkel
ϕ[-] Anteil des Austausch- am Gesamtvolumen
ξ[-] Wirbelvektor
Indices
1 innerer Zylinder
2¨
außerer Zylinder
ax axial
93
7 Symbolverzeichnis
bot Reaktorfuß
ckritischer Wert
cWirbelkern
dAustauschvolumen
eff effektiv
iLaufzahl
jLaufzahl
kLaufzahl der Wirbelzellen
KWirbelkern
krit kritisch
mMittelwert
rradiale Richtung
top Reaktorkopf
umf Umfangsrichtung
SWirbelschale
Tgesamt
ts total segregierter Zustand
wWirbel
zaxiale Richtung
θKomponente in Umfangsrichtung
* dimensionsbehaftete Gr¨
oße
Abk¨
urzungen
CSTR - Continuous Stirred Tank Reactor
Kontinuierlicher R¨
uhrkesselreaktor
DNS - Direkte Numerische Simulation
LTVF - Laminar Taylor Vortex Flow
Taylor-Couette-Str¨
omung
ODE - Ordinary Differential Equation
Gew¨
ohnliche Differentialgleichung
PCG - Preconditioned Conjugate Gradients
Vorkonditionierte konjugierte Gradienten
94
PDE - Partial Differential Equation
Partielle Differentialgleichung
PFR - Plug Flow Reactor
Str¨
omungsrohrreaktor
QPWVF - Quasi Periodic Wavy Vortex Flow
Quasi-periodische Wavy-Wirbelstr¨
omung
SIMPLEC - Semi-Implicit Method for Pressure-Linked Equations-Consistent
Semi-implizites Verfahren zur konsistenten
Geschwindigkeits-Druck-Kopplung
SPWVF - Single Periodic Wavy Vortex Flow
Einfach periodische Wavy-Wirbelstr¨
omung
TCR - Taylor-Couette-Reaktor
TVF - Turbulent Vortex Flow
Turbulente Wirbelstr¨
omung
UDF - User Defined Function
benutzerdefinierte Funktion
WVF - Wavy Vortex Flow
Wavy-Wirbelstr¨
omung
95
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