scieee Science in your language
[en] (orig)
Anwendung von Flüssigkristallen für abstimmbare
photonische Kristalle
Von der Fakultät für Naturwissenschaften
der Universität Paderborn genehmigte
Dissertation
zur Erlangung des akademischen Grades
eines Doktors der Naturwissenschaften
- Dr. rer. nat. -
von Diplom–Physiker
Guido Mertens
Paderborn 2004
Die vorliegende Arbeit entstand in der Zeit vom April 2000 bis zum Oktober 2004 im Fach-
gebiet der physikalischen Chemie der Fakultät für Naturwissenschaften (vormals Fachbereich
13, Chemie und Chemietechnik) der Universität Paderborn im Arbeitskreis von Prof. Dr. H.-S.
Kitzerow.
1. Gutachter: Prof. Dr. H.-S. Kitzerow
2. Gutachter: Prof. Dr. R. B. Wehrspohn
2
Danksagung
Ich danke Herrn Prof. Dr. H.-S. Kitzerow für die interessante Aufgabenstellung und die inten-
sive Betreuung, die ich während meiner gesamten Promotionszeit erfahren habe.
Herrn Prof. Dr. R. B. Wehrspohn danke ich für die Übernahme des Korreferats, und für die ex-
zellente Kooperation während seiner Zeit beim Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik
in Halle/Saale.
HerrnProf.Dr. H. C. Marsmann dankeichfürseingroßesEngagementbeidenvielenDeuterium–
NMR Messungen.
Meinem langjährigen Laborpartner Jochen Strauß danke ich für seine große Hilfsbereitschaft
und sein stets offenes Ohr.
Herrn Dr. Röder danke ich für seine Hilfe bei chemischen Fragestellungen und für die Betreu-
ung unserer Auszubildenden, die für mich „die Kugeln gekocht“ haben.
Dr. J. Schilling, Dr. S. Schweizer und S. Matthias vom MPI Halle/Saale danke ich für die
Herstellung von makroporösem Silizium.
Allen Mitarbeitern der physikalischen Chemie danke ich für die problemlose Integration von
„dem Physiker“, und für die hervorragende Atmosphäre im Kollegium während und nach der
Arbeitszeit.
Ich bedanke mich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die finanzielle Förderung
dieses Projekts im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Photonische Kristalle“.
3
4
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 7
2 Grundlagen 9
2.1 PhotonischeKristalle.............................. 9
2.1.1 Grundkonzepte und Dimensionalität . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.1.2 Eigenwertgleichungen und Eigenfunktionen . . . . . . . . . . . . . . 10
2.1.3 Eindimensionale photonische Kristalle . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2.1.4 Zweidimensionale photonische Kristalle . . . . . . . . . . . . . . . . 14
2.1.5 Dreidimensionale photonische Kristalle . . . . . . . . . . . . . . . . 17
2.2 Flüssigkristalle ................................. 21
2.2.1 Allgemeines .............................. 21
2.2.2 Flüssigkristalle in elektrischen und magnetischen Feldern . . . . . . 24
2.2.3 Elastische Eigenschaften von Flüssigkristallen . . . . . . . . . . . . 25
3 Herstellung von Kolloidkristallen 29
3.1 Kolloidkristalle aus Poly(methylmethacrylat) . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.2 Invertierte Kolloidkristalle aus Zinnsulfid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4 Infiltration von Flüssigkristallen in photonische Kristalle 35
4.1 Flüssigkristall in Kolloidkristallen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
4.2 Flüssigkristall in makroporösem Silizium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
5 Verwendete Proben und Substanzen 39
5.1 Kolloidkristalle ................................. 39
5.1.1 Kolloidkristalle aus Polymeren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
5.1.2 Invertierte Kolloidkristalle aus Zinnsulfid . . . . . . . . . . . . . . . 40
5.2 MakroporösesSilizium............................. 40
5.2.1 2DStrukturen............................. 40
5.2.2 3DStrukturen............................. 40
5.3 Flüssigkristalle ................................. 41
5
6Inhaltsverzeichnis
6 Experimente 45
6.1 Beugungsexperimente an photonischen Kristallen . . . . . . . . . . . . . . . 45
6.1.1 Bildung von Kossellinien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
6.2 Untersuchung von Kolloidkristallen im sichtbaren Spektralbereich . . . . . . 48
6.2.1 Temperaturabhängiges Schalten von Kolloidkristallen . . . . . . . . 48
6.2.2 Elektrisches Schalten von Kolloidkristallen . . . . . . . . . . . . . . 48
6.2.3 Spektroskopie im sichtbaren Spektralbereich . . . . . . . . . . . . . 48
6.3 Untersuchung von makroporösem Silizium im infraroten Spektralbereich . . 51
6.3.1 Temperaturabhängiges Schalten von 3D makroporösem Silizium . . . 51
6.3.2 Temperaturabhängiges Schalten von 2D makroporösem Silizium . . . 51
6.3.3 Infrarot–Spektroskopie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
6.4 Deuterium–NMR–Messungen an 2D und 3D makroporösem Silizium . . . . 56
6.4.1 Bestimmung der Orientierungsfernordung von Flüssigkristallen mit
DeuteriumNMR............................ 56
6.4.2 Theoretische Berechnung von Direktorfeldern zur Interpretation der
Deuterium–NMR–Spektren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
7 Ergebnisse 63
7.1 Ergebnisse der Beugungsexperimente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
7.2 Temperaturabhängiges Schalten von Kolloidkristallen . . . . . . . . . . . . . 66
7.2.1 Kolloidkristalle aus PMMA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
7.2.2 Kolloidkristalle aus Zinnsulfid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
7.3 Elektrisches Schalten von Kolloidkristallen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
7.4 Temperaturabhängiges Schalten in 3D makroporösem Silizium . . . . . . . . 78
7.5 Temperaturabhängiges Schalten in 2D makroporösem Silizium . . . . . . . . 86
7.6 Deuterium–NMR–Experimente in makroporösem Silizium . . . . . . . . . . 89
7.6.1 2DStrukturen ............................. 89
7.6.2 3DStrukturen ............................. 96
8 Zusammenfassung und Ausblick 101
9 Anhang 103
9.1 Bestimmung der Brechungsindizes von Flüssigkristallen . . . . . . . . . . . 103
9.2 BraggBeugung................................. 105
9.3 Abkürzungen .................................. 107
9.4 Symbole..................................... 108
9.5 Veröffentlichungen ............................... 109
9.6 Posterpräsentationen .............................. 109
Literaturverzeichnis 111
1 Einleitung
In den vergangenen Jahrhunderten haben Forscher in der Optik, einem elementaren Teilgebiet
der Physik, immer wieder für aufsehenerregende Entdeckungen gesorgt. Beginnend mit der
Beschreibung des Lichts als Welle durch Huygens waren die optischen Technologien nicht
aufzuhalten. Digitalkameras, Compact Discs, Flüssigkristalldisplays und Laserpointer gehö-
ren zu unserem Alltag. Datenübertragungen geschehen nicht mehr mit Hilfe von Kupferdräh-
ten sondern über ein Netz von Glasfaserkabeln, welches die Erde umspannt und gigantische
Datenmengen mit Lichtgeschwindigkeit transportiert. Ausserdem bildet die optische Spektro-
skopie die Basis für die experimentelle Forschung in allen naturwissenschaftlichen Bereichen.
In den letzten 10 Jahren hat sich der Begriff „Photonik“ in der physikalischen Forschung
durchgesetzt. Es handelt sich dabei um einen Komplex von Wissensgebieten, die sich mit
Informationsübertragung und -verarbeitung mittels Licht befassen. Die Forschung an „pho-
tonischen Kristallen“ ist ein wichtiger Bestandteil der Photonik. Bei photonischen Kristallen
handelt sich um periodische Strukturen mit Gitterkonstanten im Bereich der Wellenlänge des
sichtbaren Lichts. Derartige Stukturen, die einen ausreichenden dielektrischen Kontrast auf-
weisen, besitzen photonische Bandlücken, so dass die Ausbreitung von elektromagnetischen
Wellen in einem bestimmten Intervall von Frequenzen verboten ist [1, 2]. Das Auftreten ei-
ner Bandlücke für Photonen in Photonischen Kristallen stellt ein Analogon zur Energielücke
zwischen dem Valenz- und dem Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter dar. Daraus
ergibt sich die Grundlage für potentielle Anwendungen im Bereich der optischen Signalverar-
beitung. Ausserdem eignen sich Photonische Kristalle zum Beispiel sehr gut als Wellenleiter,
Frequenzfilter, Kollimatoren und Superprismen [3].
Für potentielle Anwendungen muss ein photonischer Kristall abstimmbar sein. Für die Her-
stellung eines Frequenzfilters müssen beispielsweise die Strukturen auf wenige Angström ge-
nau gefertigt werden, da sonst die gewünschte ausgekoppelte Wellenlänge um mehrere Mi-
krometer verfehlt wird. Dies ist jedoch mit einem hohen Aufwand verbunden oder bisher
technisch unmöglich. Der photonische Kristall muss daher abstimmbar sein, um die für ihn
bestimmten Anforderungen zu erfüllen. Darüber hinaus ist in aktiven optischen Bauelementen
ein thermisch, elektrisch oder magnetisch induziertes Schalten der dielektrischen Eigenschaf-
ten erforderlich.
7
81 Einleitung
Flüssigkristalle als Teil des photonischen Kristalls sollten sich für diese Aufgabe gut eignen,
da sie eine hohe Anisotropie der Brechungsindizes besitzen. Flüssigkristalle besitzen doppel-
brechende Eigenschaften, welche stark von der Temperatur abhängen. Die optische Achse von
Flüssigkristallen lässt sich durch das Anlegen eines äußeren magnetischen oder elektrischen
Feldes umorientieren. Da die optischen Eigenschaften eines photonischen Kristalls essentiell
von den Brechungsindizes der beteiligten Materialien abhängen, ist es prinzipiell möglich,
diese in einem flüssigkristall–haltigen photonischen Kristall durch die Veränderung der Tem-
peratur [4] oder durch äußere Felder [7] zu beeinflussen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit periodischen, heterogenen Nanostrukturen, de-
ren eine Komponente ein Flüssigkristall ist. Die realen Möglichkeiten und Grenzen dieses
Effektes wurden im Rahmen dieser Arbeit an zwei Systemen untersucht. Einerseits wurden
Kolloidkristalle (künstliche Opale) mit einem Flüssigkristall infiltriert und charakterisiert, an-
dererseits wurden mikrofabrizierte Strukturen aus Silizium verwendet. Neben der spektrosko-
pischen und elektrooptischen Charakterisierung wurden Beugungsexperimente mit konver-
gentem Licht durchgeführt.
2 Grundlagen
2.1 Photonische Kristalle
2.1.1 Grundkonzepte und Dimensionalität
Strukturen, die eine periodische Modulation des Brechungsindexes mit einer Gitterkonstante
in der Größenordnung der Wellenlänge von sichtbarem Licht besitzen, können eine photo-
nische Bandlücke aufweisen, das heißt einen bestimmten Energiebereich in dem die Aus-
breitung von Lichtwellen verboten ist [1, 2]. Dies stellt ein Analogon zur Energielücke zwi-
schen Valenz– und Leitungsband für Elektronen in einem Halbleiter dar. Es ist zweckmäßig,
eindimensionale (1D), zweidimensionale (2D) und dreidimensionale (3D) photonische Kri-
stalle zu unterscheiden (Abb. 2.1). Eine Schichtfolge von zwei Materialien stellt einen 1D
photonischen Kristall dar. Bei 2D photonischen Kristallen existiert eine Brechungsindexmo-
dulation in der Ebene, und bei 3D photonischen Kristallen eine periodische Modulation in
allen drei Raumrichtungen. Treffen elektromagnetische Strahlen auf einen photonischen Kri-
Abbildung 2.1: Beispiele für ein–, zwei– und dreidimensionale photonische Kristalle [12].
stall, werden sie gestreut. Strahlen mit deutlich größeren Wellenlängen als die Gitterkonstante
des photonischen Kristalls spüren nur ein Medium mit einem effektiven Brechungsindex. Ist
die eingestrahlte Wellenlänge jedoch vergleichbar oder kleiner als die Gitterkonstante, so tritt
9
10 2 Grundlagen
Bragg–Beugung auf. Ist der dielektrische Kontrast genügend hoch, so beschränkt sich dieses
Beugungsverhalten nicht nur auf singuläre Frequenzen, sondern dominiert das optische Ver-
halten in Frequenzintervallen (photonische Stopbänder) und noch weitere Phänomene, z.B.
eine ungewöhnliche Dispersion oder eine extrem geringe Gruppengeschwindigkeit treten in
Erscheinung.
2.1.2 Eigenwertgleichungen und Eigenfunktionen
Um die Dispersionsrelation ω(k)zu erhalten, geht man zunächst von den Maxwellgleichungen
aus:
·B(r,t) = 0(2.1)
×E(r,t) + B(r,t)
t=0 (2.2)
·D(r,t) = ρ(2.3)
×H(r,t)D(r,t)
t=J(2.4)
Für künftige Rechnungen werden folgende Vereinfachungen und Zusammenhänge angenom-
men [23]:
1. Wir beschäftigen uns ausschließlich mit optisch nichtmagnetischen Materialien: µ=1
2. Die Materialien sind optisch isotrop: E||D
3. Es existiert keine Absorption. Die Dielektrizitätskonstante εist real, und in dem betrach-
teten Bereich gibt es keine Frequenzabhängigkeit: ε(r,ω)ε(r)
4. Es existieren keine freien Ladungsträger und keine Lichtquellen: ρ=0; J=0
Die Maxwellgleichungen werden zur Berechnung komplexer ebener Wellen mit dem Wellen-
vektor kund der Frequenz ωverwendet:
H(r,t) = H(r)eiωt=heikr ·eiωt(2.5)
E(r,t) = E(r)eiωt=eeikr ·eiωt(2.6)
Hund Estehen senkrecht zur Ausbreitungsrichtung. Es handelt sich demnach um eine Trans-
versalwelle. Die dielektrische Verschiebung Dund das elektrische Feld Estehen in der Bezie-
hung D(r) = ε0ε(r)E(r). Die magnetische Flussdichte und die magnetische Feldstärke stehen
in einer ähnlichen Beziehung, jedoch ist bei den meisten Materialien, die von Interesse sind,
2 Grundlagen 11
die magnetische Permeabilität eins. Daraus folgt B=µ0H. Hierdurch vereinfachen sich die
Maxwellgleichungen (2.2) und (2.4) wie folgt:
×E(r) + iωµ0H(r) = 0(2.7)
×H(r)iωε0ε(r)E(r) = 0(2.8)
Die Rotationsgleichung (2.8) wird durch ε(r)geteilt und man lässt auf die Gleichung eine
Rotation von links wirken, löst Gleichung (2.7) nach ×E(r)auf und setzt diese in Gleichung
(2.8) ein. So erhält man:
×1
ε(r)×H(r)=ω2
c2H(r)(2.9)
Bei Gl (2.9) handelt es sich um ein Eigenwertproblem, welches aus der Quantenmechanik
bekannt ist, und es ist meist günstiger, die Operatorschreibweise zu benutzen:
¯
ΘH(r) = ω2
c2H(r)(2.10)
Der Operator ¯
Θbeschreibt den Kristallaufbau. Nur die Eigenvektoren H, welche die Glei-
chung (2.10) erfüllen, beschreiben elektromagnetische Wellen, die sich im Kristall ausbreiten
können. Alle anderen Vektoren sind verboten. Mit der Lösung der Eigenwertgleichung kann
bestimmt werden, wie die Gesamtwellenform, welche im Kristall erlaubt ist, aussieht. Über
Symmetrieoperatoren können Symmetrieeigenschaften, das heißt das ungefähre Aussehen der
Welle, bestimmt werden.
In einem Kristall existiert eine diskrete Translationssymmetrie:
ε(r) = ε(r+R)(2.11)
Mit R=la, wobei aein primitiver Gittervektor ist. Hieraus folgt für den Ansatz von Gleichung
(2.5)
ω(k) = ω(k+mb)(2.12)
mit bals primitiven reziproken Gittervektor. Daraus ergibt sich, dass man nur die erste Bril-
louinzone betrachten muss. In der Festkörperphysik wird meist das Bloch’sche Theorem be-
nutzt. Es handelt sich dabei eigentlich nur um eine Näherung, aber es erklärt sehr gut die
physikalischen Sachverhalte für periodisch aufgebaute Strukturen:
Hk(r) = eikrun,k(r)(2.13)
mit un,k(r) = un,k(r+la)und nfür den Bandindex. Einsetzen von Gleichung (2.13) in Glei-
chung (2.9) ergibt folgende Gleichung:
×1
ε(r)×eikr un,k(r)=ω(k)2
c2eikr un,k(r)(2.14)
12 2 Grundlagen
Wendet man die Rotationen in Gleichung (2.14) auf eikr an und teilt anschleißend durch eikr
so erhält Gleichung (2.14) die folgende Form:
(ik+)×1
ε(r)(ik+)×un,k(r)=ω(k)2
c2un,k(r)(2.15)
Es gibt nun einen neuen hermitischen Operator ¯
Θkder auf uwirkt:
¯
Θkun,k(r) = ω(k)2
c2un,k(r)(2.16)
Um die Eigenfunktionen eines Kristalls zu berechnen, muss man die passende Blochfunkti-
on für das ausgesuchte System konstruieren und die Eigenwertgleichung lösen. Da ε(r)und
un,k(r)Gitterperiodisch sind, können sie in eine Fourierreihe entwickelt werden:
un,k(r) =
GuGeiG·r(2.17)
1
ε(r)=
GζGeiG·r(2.18)
Gstellt einen reziproken Gittervektor dar, ζGund uGsind die Fourierkoeffizienten für 1
ε(r)
und un,k(r). Streng genommen besitzen Fourierreihen unendlich viele Glieder. Man verwen-
det jedoch nur eine bestimmte Anzahl Nvon Gliedern, und zwar so viele, wie notwendig
sind, um den periodischen Verlauf von ε(r)ausreichend gut darzustellen. Besitzt der photo-
nische Kristall einen hohen Brechungsindexkontrast mit scharfen Stufen, dann benötigt man
relativ viele Glieder der Fourierreihe. Die Ansätze (2.17) und (2.18) werden in Gleichung
(2.16) eingesetzt. Nach einem Koeffizientenvergleich erhält man ein N–dimensionales homo-
genes Gleichungssystem mit NEigenwerten ωn,k(k). Für alle k–Vektoren werden die zugehö-
rigen ωn,k(k)bestimmt. Diese Werte können in ein Diagramm eingetragen werden, wenn man
einen bestimmten Pfad für die k–Werte innerhalb der ersten Brillouinzone wählt. Üblicher-
weise werden diese Diagramme in normierter Form dargestellt. Auf der Ordinate werden die
normierten Frequenzen in ωa
2πcdargestellt. Für ein konstantes nbilden die Eigenwerte ωn,k(k)
Bänder aus, so dass man diese Diagramme mit den Banddiagrammen aus der Halbleiterphysik
vergleichen kann. Hier entspricht dieses Banddiagramm einer Dispersionsrelation für elektro-
magnetische Wellen in der Kristallstruktur. Diese Methode wird auch „Methode der ebenen
Wellen” genannt, da die Glieder der Fourierreihe ebene Wellen beschreiben.
Aufgrund der normierten Darstellung für die Frequenzen in Banddiagrammen muss man auf
eine Besonderheit hinweisen: Die Grundgleichungen sind skalierbar. Das bedeutet, dass es
bei der Berechnung einer Dispersionsrelation nur auf den Brechungsindexkontrast und auf die
Porösität der photonischen Kristalle ankommt. Aufgrund dieser Eigenschaft ist es möglich, ei-
nige physikalische Effekte, die für den Mikrowellenbereich bereits bekannt sind, auf kleinere
photonische Strukturen zu übertragen. Bei einigen Berechnungen funktioniert diese beliebige
2 Grundlagen 13
Skalierbarkeit jedoch nicht. Wenn es beispielsweise um Emitter oder um nichtlinineare Ma-
terialien innerhalb der Struktur geht, muss man die Gitterkonstanten mit einbeziehen. Nur so
können alle Wechselwirkungen berücksichtigt werden.
2.1.3 Eindimensionale photonische Kristalle
1–Dimensionale photonische Kristalle besitzen eine periodische Schichtstruktur und stellen
das einfachste Beispiel für photonische Kristalle dar. Der Brechungsindex verändert sich pe-
riodisch in nur einer Raumrichtung. Derartige Strukturen sind als Bragg–Reflektoren bereits
länger bekannt. Diese können sehr präzise gefertigt werden und sind zum Beispiel in der
Lasertechnik von großem Nutzen. Zur Begründung für die Existenz einer photonischen Band-
lücke kann man die Bragg–Bedingung heranziehen:
m·λ=2dmN(2.19)
Ist die doppelte Gitterperiode 2dein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge λ=λ0/n, so
wird die Lichtwelle innerhalb des photonischen Kristalls reflektiert, und es kommt zur kon-
struktiven Interferenz. Ist die Bragg–Bedingung für m=1 erfüllt (k=π/d), entsteht eine
stehende Welle (Abb. 2.2). Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:
a b
cd
Abbildung 2.2: Darstellung des Prinzips der zwei stehenden Wellen. a) und b) zeigt die elektrische Feldvertei-
lung der beiden Moden an den Bandkanten. c) und d) zeigt die Intensitäten für die Feldverteilungen. Die Farben
rot und blau stellen Bereiche mit unterschiedlichem Brechungsindex dar.
Die Schwingungsbäuche befinden sich entweder in den Schichten mit hohem oder niedrigem
Brechingsindex. Somit ist die Intensität der einen Welle im Bereich des hohen Berechungsin-
dexes höher, und die andere Welle hat eine höhere Intensität in den Bereichen mit niedrigem
Brechungsindex. Daraus folgt, dass diese beiden stehenden Wellen unterschiedliche Frequen-
zen besitzen. Die Welle, die eine größere Intensität im Medium mit dem niedrigen Brechungs-
index besitzt, hat eine höhere Frequenz als die Welle, deren Intensitätsmaxima sich im Gebiet
mit dem hohem Brechungsindex befinden. Zwischen diesen beiden Frequenzen können keine
14 2 Grundlagen
elektromagnetischen Wellen im photonischen Kristall propagieren. Dort existiert eine Band-
lücke.
2.1.4 Zweidimensionale photonische Kristalle
Wenn man mehrere gleichartige Stäbe mit einem Brechungsindex n1parallel zueinander pe-
riodisch anordnet und wenn die Umgebung einen von n1verschiedenen Brechungsindex be-
sitzt, so kann es zu einer photonischen Bandlücke in der Ebene kommen. Dabei muss man die
Polarisationszustände des eingestrahlten Lichts berücksichtigen. Man spricht von einer TE–
Polarisation (transversal elektrisch) oder H–Polarisation, wenn das oszillierende elektrische
Feld senkrecht zur Längsachse der Stäbe liegt, von einer TM–Polaisation (transversal magne-
tisch) oder E–Polarisation, wenn das oszillierende magnetische Feld senkrecht zur Längsachse
der Stäbe liegt. In der Bandstruktur eines photonischen Kristalls werden immer beide Po-
a
r
Abbildung 2.3: Darstellung eines 2D hexagonalen Porengitters und b) k–Vektoren in der 1. Brillouin–Zone.
larisationszustände betrachtet, da sie beide eigene Bandstrukturen besitzen, die Bandlücken
beinhalten können. Eine vollständige Bandlücke tritt nur auf, wenn sich die Bandlücken von
beiden Polarisationszuständen in einem Spektralbereich überlappen.
Nicht nur der Polarisationszustand, sondern auch die Einstrahlrichtung auf den Kristall muss
bei spektral aufgelösten Reflexions– oder Transmissions–Messungen berücksichtigt werden.
In Abbildung 2.3 ist ein hexagonales Porengitter mit der zugehörigen 1. Brillouin–Zone dar-
gestellt. Messungen werden meist in ΓM oder in ΓK–Richtung durchgeführt. Abbildung
2.4 zeigt eine Bandstruktur eines zweidimensionalen photonischen Kristalls mit hexagonaler
Symmetrie. Beispiele für 2–dimensionale photonische Kristalle sind poröses Silizium (Abb.
2 Grundlagen 15
Abbildung 2.4: Bandstruktur eines zweidimensionalen photonischen Kristalls mit hexagonaler Symmetrie. Die
Struktur besteht aus Luftporen in einem Dielektrikum mit einem Brechungsindex von n=3,4. Das r/a–Verhältnis
beträgt 0,4. Die Bandstruktur wurde mit dem Programm MIT Photonic Bands berechnet [40].
2.5) oder poröses Aluminiumoxid. Dabei werden in einen Silizium– oder Aluminium–Wafer
periodisch angeordnete Poren geätzt. Nach einer lithographischen Vorstrukturierung der Ober-
fläche kann dieser Ätzvorgang entweder nasschemisch oder über ein Ionenstrahlätzverfahren
erfolgen. Mit lithographischen Methoden lassen sich in diese Strukturen gut Defekte einfügen,
so dass es möglich ist, Wellenleiterstrukturen und Strahlteiler in die photonischen Kristalle
einzubauen.
16 2 Grundlagen
Abbildung 2.5: REM–Aufnahme eines breitenmodulierten Streifens von makroporösem Silizium. Durch das
Auslassen von einigen Poren wurde hier eine Wellenleiterstruktur eingebaut [13].
2 Grundlagen 17
2.1.5 Dreidimensionale photonische Kristalle
Es gibt unterschiedliche 3–dimensionale photonische Kristalle. Einige davon werden in die-
sem Kapitel vorgestellt.
Yablonovite
Die erste Struktur, für die eine vollständige Bandlücke berechnet wurde, war die Yablonovite–
Struktur [15] (Abb. 2.6). Hierbei werden an definierten Stellen in drei verschiedenen Richtun-
gen Löcher in ein dielektrisches Material gebohrt. Der Winkel zwischen den Bohrrichtungen
beträgt 120. Das Resultat ist eine Diamantstruktur. Yablonovitch stellte diese Struktur her
[16] und konnte eine vollständige photonische Bandlücke nachweisen, welche jedoch im Mi-
krowellenbereich lag, da die Gitterkonstante relativ groß war.
Abbildung 2.6: Schematische Dartellung einer
Yablonovite–Struktur [15]. An ihr wurde erstmals ei-
ne vollständige photonische Bandlücke nachgewiesen
[16].
Abbildung 2.7: REM–Aufnahme von einem Kolloid-
kristall. Der Kristall besitzt eine fcc–Gitterstruktur
[17].
Kolloidkristalle
Kolloidkristalle oder auch „künstliche Opale” (Abb. 2.7) sind einfach herzustellen. Sie be-
stehen aus monodispersen Kugeln, welche einen Durchmesser von ca. 50nm bis 1000nm
Durchmesser haben. Die Kugeln werden in Lösung auf einem glatten Substrat oder einem
dem Kugeldurchmesser entsprechenden strukturierten Substrat (Templat) aufgebracht und ge-
trocknet. Auf einer unbehandelten, glatten Oberfläche bilden die Kugeln durch Selbstorgani-
sation ein kubisch flächenzentriertes Gitter (face centered cubic, fcc) und wachsen senkrecht
18 2 Grundlagen
zur Substratoberfläche in (1,1,1)–Richtung [21, 22]. Kolloidkristalle reflektieren Licht nach
dem Bragg’schen Gesetz:
λvak =2nef f dhkl (2.20)
Gleichung (2.20) entspricht Gleichung (2.19), wobei dhkl die Schichtabstände im Kristall mit
den Miller–Indizes (hkl)bezeichnet. Für einen kubischen Kristall mit der Gitterkonstanten a
gilt:
dhkl =a(h2+k2+l2)1/2(2.21)
Der effektive Brechungsindex nef f berechnet sich näherungsweise wie folgt [18]:
nef f =fin2
i1/2(2.22)
Dabei ist die Summe über alle Materialien des heterogenen Systems zu bilden. Die Größe
fibezeichnet den Füllfaktor des jeweiligen Materials mit dem Brechungsindex ni. Es gibt
unterschiedliche Materialien, aus denen die Kugeln bestehen können. Sehr gebräuchlich sind
Kugeln aus SiO2. Aber auch Polymerkugeln, zum Beispiel aus Poly(methylmethacrylat) (PM-
MA), werden benutzt.
Es ist möglich, Kolloidkristalle zu invertieren. Die Räume zwischen den Kugeln werden mit
einem Material gefüllt und die Kugeln werden anschließend herausgelöst. Invertierte Opale
mit einer fcc–Struktur besitzen bei ausreichend hohem Brechungsindexkontrast neine voll-
ständige Bandlücke in allen Raumrichtungen [19](Abb. 2.8).
Abbildung 2.8: Bandstruktur eines Kolloidkristalls aus Luftkugeln in einer Siliziummatrix [19].
2 Grundlagen 19
Wood–pile–Struktur
Die Wood–pile–Struktur (Abb. 2.9) besteht aus mikroskopisch kleinen Stäben, meist aus Sili-
zium, die in einer Schichtstruktur gestapelt sind. Die Herstellung einer derartigen Struktur ist
bislang sehr aufwändig, wenn auch das Einbringen von Defekten, z.B. durch Weglassen eines
Stäbchens, vergleichsweise einfach ist.
Abbildung 2.9: Elektronenmikroskopische Aufnah-
me eines photonischen Kristalls mit einer Wood–pile–
Struktur [20].
Abbildung 2.10: Elektronenmikroskopische Aufnah-
me eines Schnittes durch einen photonischen Kristall
aus porösem Silizium mit moduliertem Poren [25].
Makroporöses Silizium mit modulierten Poren
Eine weitere 3D–Struktur kann man mit makroporösem Silizium mit periodisch moduliertem
Porendurchmesser realisieren (Abb. 2.10). Die erste Brillouin–Zone wird vom 2D–Kristall
auf den 3D–Kristall erweitert (Abb. 2.11). Diese Strukturen besitzen eine Bandlücke entlang
der ΓA–Richtung, also entlang der Porenachse. Zur Erklärung dieser Bandlücke ist es aus-
reichend, den eindimensionalen Fall zu betrachten: Zerlegt man den photonischen Kristall in
ΓA–Richtung in Schichten, so erhält man für jede Schicht eine effektive Dielektrizitätskon-
stante (εef f ), die sich aus der Maxwell–Garnett Relation berechnen lässt [27]:
εef f εSi
εef f +2εSi =fair(εair εSi)
εair +2εSi (2.23)
Aus dieser Betrachtung heraus resultiert eine eindimensionale periodische Multilayerstruktur
(Abb. 2.12), welche einem Bragg–Reflektor ähnelt. Die Poren in den modulierten Strukturen
besitzen jedoch keinen perfekt kreisförmigen Querschnitt. Es handelt sich vielmehr um Qua-
drate mit abgerundeten Ecken (Abb. 2.13). Dies hat zur Folge, dass die ursprüngliche sechs-
20 2 Grundlagen
Abbildung 2.11: Erste Brillouin–Zone eines hexagonalen Kristallgitters mit seinen Hochsymmetriepunkten
[25].
Abbildung 2.12: Schematische Darstellung ei-
ner Multilayerstruktur, auf die der photonische
Kristall mit Porenmodulation reduziert wurde.
Jeder Farbton symbolisiert ein εef f , welches sich
aus der Maxwell–Garnett Relation berechnet.
Abbildung 2.13: SEM–Aufnahme von makro-
porösem Silizium mit Porenmodulation in der
Aufsicht. Die Poren besitzen einen quadrati-
schen Querschnitt mit abgerundeten Ecken.
zählige Symmetrie auf eine zweizählige Symmtrie reduziert wird. Das bedeutet für spektro-
skopische Untersuchungen, dass die Bandlücke entlang der Porenachse abhängig vom Polari-
sationszustand der einfallenden Strahlung ist [25]. In den noch folgenden Ausführungen be-
zeichnet die „Polarisationrichtung 0 ein oszillierendes elektrisches Feld in ΓK–Richtung
und bei der „Polarisationrichtung 90 liegt das oszillierende elektrische Feld des Lichts in
der ΓM–Richtung.
2 Grundlagen 21
2.2 Flüssigkristalle
2.2.1 Allgemeines
Flüssigkristalle vereinen typische Eigenschaften von Flüssigkeiten und von Festkörperkristal-
len miteinander. Sie besitzen sowohl anisotrope als auch viskose Eigenschaften. Flüssigkri-
stallphasen werden aus Molekülen gebildet, die entweder eine ausgeprägte Stabform (kala-
mitische Flüssigkristalle) oder Scheibenform besitzen (diskotische Flüssigkristalle). Da die
Ordnung der Flüssigkristallphasen zwischen der einer Flüssigkeit und der eines Kristalls liegt,
nennt man die flüssigkristallinen Phasen auch „Mesophasen”. In Abbildung 2.14 ist eine flüs-
a) b) c)
Abbildung 2.14: Schematische Darstellung der Zustände: a) kristallin, b) flüssigkristallin und c) flüssig–isotrop.
sigkristalline Phase im Vergleich zur kristallin–festen und zur isotrop–flüssigen Phase dar-
gestellt. In der flüssigkristallinen Phase besitzen die Moleküle eine bevorzugte Orientierung.
Die Maier–Saupe–Theorie [43, 44] liefert uns Informationen über die Parallelität der Molekü-
le. Diese kann durch den von Tsvetkov [54] eingeführten Ordnungsparameter Sbeschrieben
werden:
S=1
2h3cos2Θ1i(2.24)
Der Klammerausdruck steht für den Mittelwert, der durch gewichtete Aufsummierung über
alle Winkel Θfür die Moleküle entsteht. Bei vollständiger Ordnung ist der Wert S=1 und
im isotropen Fall ist S=0 [43]. Aufgrund thermischer Schwankungen ist S=1 in der Rea-
lität nicht erreichbar. Er wird lediglich bei Extrapolation einer geeigneten Auftragung auf 0K
erreicht. Die experimentellen Werte von Sliegen in der Regel zwischen 0,8 und 0,4, und neh-
men mit der Temperatur ab. Nach Überschreitung einer bestimmten Temperatur TCspringt der
Ordnungsparameter auf den Wert S=0. Oberhalb der Temperatur TCist der Flüssigkristall
22 2 Grundlagen
flüssig–isotrop. Die Temperatur TCwird Klärpunkt genannt.
Die potentielle Energie eines einzelnen Moleküls iin einem nematischen Flüssigkristall mit
dem Ordnungsgrad Sikann nach einer Theorie des mittleren Feldes von Maier und Saupe
durch folgende Gleichung beschrieben werden:
V(ϑ) = A·Si·V2
m·1
2(3cos2ϑ1)(2.25)
Aist ein temperaturunabhängiger Materialparameter undVmdas Molvolumen [44]. Der Ansatz
ist so gewählt, dass die potenzielle Energie minimal wird, wenn sich das Molekül parallel zu
den Molekülen in seiner direkten Umgebung orientiert. Bei senkrechter Orientierung wird
die Energie dagegen maximal. Wenn dem Molekül keine Energie zugeführt wird, so wird es
sich parallel zu seinen Nachbarmolekülen ausrichten. Die Zufuhr von Energie in Form von
Wärme kann diese Vorzugsrichtung verändern. Mit Hilfe der Boltzmann–Statistik erhält man
näherungsweise die Temperaturabhängigkeit des Ordnungsgrades:
S(T) = (10,98·Tred)0,22 (2.26)
Dabei gilt für die reduzierte Temperatur Tred:
Tred =T·V2
m(T)/(TC·V2
m(TC)) T/TC(2.27)
Wie bei den meisten Flüssigkeiten sinkt die Viskosität bei Flüssigkristallen bei steigender der
Temperatur. Am Klärpunkt nimmt die Viskosität sehr stark ab.
Die nematische Phase (N) ist die einfachste Flüssigkristallphase. Bei ihr ist die Orientierungs-
fernordnung das einzige Ordnungsprinzip. Das heißt, dass nur die Orientierung der Moleküle
vorgegeben ist. Sie wird durch den Direktor ngekennzeichnet. Die Schwerpunkte der Molekü-
le sind in der nematischen Phase statistisch verteilt (Abb. 2.17a). Nematische Flüssigkristalle
sind doppelbrechend (Abb. 2.15), und besitzen eine Anisotropie des Brechungsindexes im
Bereich von n0,2. Zur Bestimmung der ordentlichen und außerordentlichen Brechungs-
indizes nound nekann man eine Keilzelle verwenden (Abb. 2.16). In der Keilzelle ist der
Flüssigkristall einheitlich orientiert. Strahlt man polarisiertes Licht ein, werden die Strahlen,
je nach Polarisationsrichtung, verschieden stark gebrochen. Aus den Brechungswinkeln lassen
sich dann die Brechungsindizes berechnen. Dazu nutzt man das Brechungsgesetz nach Sellius
(s. Abschnitt 9.1 ). Im nematischen Zustand kann ein mittlerer Brechungsindex ¯
n aus dem
ordentlichen und dem außerordentlichen Brechungsindex berechnet werden:
¯n=r1
3hn2
e+2n2
oi(2.28)
Der mittlere Brechungsindex in der nematischen Phase liegt am Klärpunkt ein wenig höher
als der Brechungsindex in der isotropen Phase (Abb. 2.15). Dies ist auf die Volumenänderung
bei der Phasenumwandlung zurrückzuführen.
2 Grundlagen 23
no
ne
ni
Temperatur
Brechungsindex
n ~ 0.2
n
Abbildung 2.15: Abhängigkeit der Doppelbrechung eines nematischen Flüssigkristalls von der Temperatur
(schematisch). Am Klärpunkt TCverschwindet die Doppelbrechung, und es existiert nur noch ein isotroper Bre-
chungsindex, welcheram Klärpunkt etwas niedriger ist, als der mittlere Brechungsindex im nematischen Zustand.
Keilzelle
Flüssigkristall
Polarisation
Laser
Abbildung 2.16: Messaufbau zur Bestimmung des ordentlichen und außerordentlichen Brechungsindexes.
Es existieren noch weitere flüssigkristalline Phasen. Die smektischen Phasen besitzen neben
einer Orientierungsfernordnung zusätzlich eine Schichtstruktur. Ist der Direktor nparallel zur
Schichtnormalen orientiert, so spricht man von einer smektischen A Phase. Sind die Moleküle
zur Schichtnormalen verkippt, so erhält man eine smektische C Phase (Abb. 2.17 b-c).
24 2 Grundlagen
a) b) c) d)
Abbildung 2.17: Darstellung von vier unterschiedlichen flüssigkristallinen Phasen: a) nematische Phase, b)
smektische A Phase, c) smektische C Phase, d) cholesterische Phase.
Eine cholesterische Phase kann dann auftreten, wenn der Flüssigkristall aus chiralen Molekü-
len besteht. Es bilden sich ebene nematische Bereiche aus, wobei der Direktor nvon Ebene zu
Ebene verdreht ist (Abb. 2.17 d). Es entsteht eine Helixstruktur. Der Abstand zwischen zwei
gleichartig orientierten Ebenen, zwischen denen sich der Azimutwinkel des Direktors genau
um 360 ändert, wird als Ganghöhe p(engl. „pitch”). bezeichnet. In der cholesterischen Pha-
se existiert eine periodische Variation des Brechungsindexes in einer Raumrichtung. Es ist
daher nicht verwunderlich, dass die cholesterische Phase eine 1D–Bandlücke besitzt, aller-
dings nur für zirkular polarisiertes Licht, dessen Drehsinn dem Drehsinn der Helix entspricht.
Man kann daher diese flüssigkristalline Phase durchaus zur Familie der photonischen Kristalle
hinzuzählen.
2.2.2 Flüssigkristalle in elektrischen und magnetischen Feldern
Die Ausrichtung des Direktors ndurch ein äußeres elektrisches Feld ist die Grundlage aller
elektrooptischen Anwendungen. Die Kopplung des Direktors nan das Feld erfolgt über die
anisotropen dielektrischen Eigenschaften der Mesophase. Diese ist im wesentlichen bestimmt
durch permanente Dipolmomente der Moleküle, sowie durch die unterschiedliche elektroni-
sche Polarisierbarkeit parallel und senkrecht zur Molekülhauptachse. Die meisten kalamiti-
schen Flüssigkristalle weisen eine positive Dielektrizitätsanisotropie auf, d.h. die Dielektrizi-
tätskonstante (DK) längs der Molekülachse ist größer als jene senkrecht dazu.
∆ε =ε||ε>0 (2.29)
Bei ausreichend großer Feldstärke orientiert sich der Direktor nbei diesen Systemen parallel
zur Feldrichtung (Abb. 2.18). Daraus resultiert bei paralleler Verankerung des Direktors an den
Elektroden eine Deformation des Direktorfeldes und eine Änderung des Brechungsindexes
2 Grundlagen 25
in einer Beobachtungsrichtung (Frederickz–Übergang). Entlang des Direktorfeldes sieht man
den ordentlichen Brechungsindex nound senkrecht dazu den außerordentlichen Brechungsin-
dex ne. Die Schwellfeldstärke ist abhängig von der Größe der elastischen Koeffizienten des
Flüssigkristalls, welche die rücktreibende Kraft beschreiben (s. Abschnitt 2.2.3). Im Magnet-
E=0 E>0
E
Abbildung 2.18: Darstellung einer Flüssigkristallzelle, in der sich ein nematischer Flüssigkristall befindet. Der
Flüssigkristall ist planar an den Wänden orientiert. Nach Anlegen eines elektrischen Feldes orientieren sich die
Moleküle um.
feld verhalten sich nematische Flüssigkristalle ähnlich wie in elektrischen Feldern. Für ty-
pische Werte der mgnetischen Anisotropie sind jedoch sehr hohe Magnetfelder notwendig,
um einen nematischen Flüssigkristall im Magnetfeld umorientieren zu können (s. Abschnitt
2.2.3).
2.2.3 Elastische Eigenschaften von Flüssigkristallen
Viele Eigenschaften von Flüssigkristallen lassen sich erklären, indem man den Flüssigkristall
als Kontinuum betrachtet. Aufgrund von Randbedingungen oder durch äußere Felder treten
elastische Deformationen auf. In der Kontinuumstheorie wird vorausgesetzt, dass die elasti-
schen Kräfte gegenüber intermolekularen Kräften klein sind. Die charakteristischen Längen
der elastischen Deformationen sollten groß gegenüber den molekularen Ausdehnungen sein.
Nematische Flüssigkristalle mit einheitlicher Orientierung befinden sich im Gleichgewicht
und besitzen minimale freie Energie. Bei einer Deformation aufgrund von äußeren Feldern
oder veränderten Randbedingungen erhöht sich die freie Energie. Die freie Energie pro Volu-
men hängt von drei voneinander unabhängigen elastischen Konstanten ab, die sich auf Sprei-
zen (K11), Verdrehen (K22) und Verbiegen (K33) des Direktorfeldes beziehen (Abb. 2.19):
F=1
2ZK11(·n)2+K22(n·(×n))2+K33(n×(×n))2dV (2.30)
26 2 Grundlagen
Spreizen Verdrehen Biegen
Abbildung 2.19: Darstellung der drei Deformationsformen von Flüssigkristallen.
Dabei ist nder Direktor. Die molekulare Wechselwirkung befindet sich in einer Größenordung
von 10 kJ/mol. Bei einer Molekülausdehnung von 2 nm bedeutet das, dass die elastischen
Konstanten in der Größenordnung 1011 N liegen [53].
Wenn man ein externes elektrisches Feld an eine mit Flüssigkristall gefüllte Zelle anlegt, so
muss das Feld eine gewisse Schwellfeldstärke überschreiten, um die Rückstellkräfte, die sich
aufgrund der Randbedingungen ausbilden, zu überwinden. Nur dann wird sich der Direktor
nlokal umorientieren. Die Größenordnung der Schwellfeldstärke für eine Deformation des
Direktorfeldes lässt sich näherungsweise mit folgender Formel berechnen:
E0=π
dKii
ε0∆ε1
2(2.31)
Die Schwellfeldstärke hängt demnach von der Schichtdicke der Zelle ab. Bei sehr kleinen
Schichtdicken benötigt man für eine Umorientierung entsprechend hohe Feldstärken. Die hier-
für notwendige elektrische Spannung ist allerdings unabhängig von der Schichtdicke d. Wenn
man mit einem Magnetfeld eine Deformation erreichen will, dann gilt für die magnetische
Schwellfeldstärke:
H0=π
dKii
µ0∆χ1
2(2.32)
Aufgrund der relativ schwachen magnetischen Anisotropie ∆χ 1·107sind in dünnen Flüs-
sigkristallschichten sehr hohe Magnetfelder nötig. Befindet sich beispielsweise ein nemati-
scher Flüssigkristall zwischen zwei Glasplatten mit dem Abstand d=100µm, so erhält man
nach Gleichung (2.32) eine magnetische Schwellfeldstärke von H 280.000 H, was einer
magnetischen Flussdichte von B0,35 T entspricht. Da die Schwellfeldstärke umgekehrt
proportional zur Schichtdicke ist, erhöht sich das benötigte Magnetfeld um eine Zehnerpotenz
wenn man die Schichtdicke um eine Zehnerpotenz vermindert. Möchte man einen Schaltef-
2 Grundlagen 27
fekt in einem photonischen Kristall durch ein Magnetfeld induzieren, so benötigt man extrem
hohe Flussdichten, da es sich um sehr kleine Geometrien handelt, in denen der Flüssigkristall
eingebettet ist.
Es gibt jedoch eine Möglichkeit, die für einen messbaren Schalteffekt benötigten Magnetfel-
der zu verringern, indem man in den Flüssigkristall magnetische Nanopartikel dispergiert. Das
Schaltverhalten verbessert sich dadurch deutlich. Diese Dispersionen nennt man ferronemati-
sche Flüssigkristalle (engl.: Ferronematics) [28]. Die Schwellfeldstärke vermindert sich durch
den Einsatz von ferronematischen Flüssigkristallen um ungefähr eine Größenordnung [29].
28 2 Grundlagen
3 Herstellung von Kolloidkristallen
Kolloidkristalle sind eine Variante von photonischen Materialien, bei der sich mikroskopisch
kleine Kugeln durch Selbstorganisation zu photonischen Kristallen anordnen. Sie sind von
großem Interesse für die Photonik, da mit geringem technologischen Aufwand photonische
Kristalle hergestellt werden können. In diesem Kapitel wird beschrieben, wie Kolloidkristalle
aus Polymerkugeln entstehen und wie man sie mit einem hochbrechenden Material invertiert.
3.1 Kolloidkristalle aus Poly(methylmethacrylat)
Abbildung 3.1: Darstellung einer kubisch flächenzentrierten Gitterstruktur (fcc). Nur jede dritte Kugellage liegt
direkt übereinander.
Die verwendeten Polymerkugeln wurden durch Emulsionspolymerisation hergestellt [30]. Als
Monomer wurde Methylmethacrylat (MMA) benutzt, woraus monodisperse Kugeln aus Po-
ly(methylmethacrylat) (PMMA, Plexiglas) entstehen. PMMA ist eines der wenigen Polymere,
welche sich aufgrund seiner Transparenz gut für optische Anwendungen eignen.
29
30 3 Herstellung von Kolloidkristallen
Bei der Kristallisation von monodispersen Kugeln kann es zu verschiedenen Kristallstrukturen
kommen. Die dichtesten Kugelpackungen sind die wahrscheinlichsten. Man kann sie mit ei-
nem Apfelsinenstapel vergleichen, bei der die Raumausfüllung der Kugeln 74% beträgt. Dass
dieser Wert die maximal mögliche Raumausfüllung für Kugeln darstellt, wurde erst im Jahre
1998 mathematisch bewiesen. Es gibt mehrere Anordungen von Kugellagen, bei der die maxi-
male Raumausfüllung von 74% erreicht wird. Man geht von hexagonal angeordneten ebenen
Kugellagen aus, die sich unterschiedlich übereinander stapeln. Die Abfolge ABAB entspricht
der hexagonal dichtesten Kugelpackung [engl.: hexagonal closed packed (hcp)], und ist da-
durch charakterisiert, dass sich jede zweite Schicht überdeckt. Bei der Abfolge ABCABC
deckt sich erst wieder die vierte Kugellage mit der Ersten. Diese Abfolge entspricht der ku-
bisch dichtesten Kugelpackung. Diese wird in der Kristallographie als kubisch flächenzentriert
[engl.: face centered cubic (fcc)] bezeichnet (Abb. 3.1). Diese Abfolgen können sich außerdem
mischen, so dass es zu willkürlichen Abfolgen kommt und eine willkürliche hexagonal dich-
teste Kugelpackung entsteht (engl: randomly hexagonal closed packed (r–hcp)). Die thermo-
dynamisch günstigste Abfolge ist die kubisch dichteste Packung. Sie ist daher die bevorzugte
Kristallstruktur von selbstorganisierenden Kolloidkristallen. Als Ausgangsmaterial wird eine
Abbildung 3.2: Darstellung des Wachstumsvorgangs eines Kolloidkristalls. Die Verdunstung des Wassers ist an
den Rändern des auf dem Substrat aufgeträufelten Tropfens am stärksten. Dadurch kommt es zu einer gerichteten
Diffusion der kolloidalen Teilchen.
Kolloidkristall
Abbildung 3.3: Profil eines Kolloidkristalls welcher auf einem horizontalem Substrat kristallisiert ist.
3 Herstellung von Kolloidkristallen 31
Suspension aus Wasser und Polymerkugeln verwendet. Die Konzentration der Kugeln beträgt
zwischen 5 bis 20%. Die Suspension wird auf eine Substratoberfläche geträufelt. Das Wasser
verdunstet langsam und kontrolliert in einer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit (98%). Zur
Kontrolle der Luftfeuchtigkeit erfolgt der Wachstumsprozess in einem Exsikkator, in dem ein
Gefäß mit gesättigter KNO3–Lösung steht. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist der Prozess
der Kristallisation sehr langsam und kann mehrere Tage dauern. Dies ist notwendig, damit
große einkristalline Bereiche entstehen können. Aufgrund der Brown’schen Bewegung [34]
finden sich die kolloidalen Teilchen selbstorganisiert zusammen und bilden dadurch große
einkristalline Domänen. Bei schneller Trocknung kann es zu vielen Versetzungen in der Kri-
stallstruktur kommen, bis hin zu Rissen und Gräben, die sich negativ auf die photonischen
Eigenschaften auswirken. Die Brown’sche Bewegung kann mit Ultraschall unterstützt wer-
den, so dass die einkristallinen Bereiche größer werden. Einen dreidimensionalen Einkristall
mit mehreren Millimetern Kantenlänge herzustellen, ist nach bisherigen Erkenntnissen jedoch
nicht möglich.
Abbildung 3.4: Darstellug des Wachs-
tums mit vertikaler Deposition. Die Ge-
schwindigkeit der Zugbewegung des Sub-
strats beträgt nur wenige Millimeter pro
Stunde. Man erhält dadurch einen gleich-
mäßig dünnen Kristallfilm mit wenigen
Monolagen.
Zugbewegung
Kolloidale Suspension
Die Verdunstung des Wassers ist an den Rändern des auf dem Substrat aufgeträufelten Trop-
fens am stärksten (Abb. 3.2), da dort die Oberfläche des Wassers am größten ist. Dadurch
entsteht eine Strömung des Wassers in Richtung Rand. Die Kugeln werden mit dieser Strö-
mung transportiert (gerichtete Diffusion), und setzen sich dann ab. Da die Trocknung in dieser
Weise verläuft, besitzt der resultierende Kolloidkristall ein ungleichmäßiges Profil (Abb. 3.3).
Um diesen Effekt zu minimieren, kann man das Substrat mit einer hydrophilen Oberfläche
versehen. Nach der Behandlung der Substratoberfläche mit NaOH benetzt ein Wassertropfen
einen deutlich größeren Bereich als bei einer unbehandelten Oberfläche. Dadurch wird der
32 3 Herstellung von Kolloidkristallen
Tropfen flacher und das Profil des resultierenden Kolloidkristalls wird gleichmäßiger.
Eine weitere Methode des Kristallwachstums ist die vertikale Deposition:
Das Substrat wird dabei senkrecht in die Suspension eingetaucht und langsam (mm/h) heraus-
gezogen (Abb. 3.4). Dadurch entstehen Einkristalle aus wenigen definierten Monolagen über
die gesamte Substratoberfläche. Diese Methode macht es möglich, Multilayerstrukturen aus
Kugeln mit unterschiedlichem Durchmesser übereinander zu stapeln [31]. Eine vereinfachte
Methode besteht darin, das Substrat in die Suspension einzutauchen und das Wasser im Gefäß
verdunsten zu lassen. Auf dem Substrat entsteht dann ein relativ homogener Kristallfilm.
3 Herstellung von Kolloidkristallen 33
3.2 Invertierte Kolloidkristalle aus Zinnsulfid
Die Kolloidkristalle aus PMMA sind mit anderen Materialien invertierbar. Dazu eignen sich
z.B. SiO2, TiO2und SnS2. In der vorliegendan Arbeit wurde mit SnS2gearbeitet (Abb. 3.5).
SnS2besitzt einen sehr hohen Brechungsindex im sichtbaren Spektralbereich. Für kristallines
Abbildung 3.5: Durch die Invertierung
eines Kolloidkristalls aus PMMA und
Luft wird die Luft durch SnS2ersetzt und
die PMMA Kugeln herausgelöst. Wo vor-
her PMMA war, befindet sich schließlich
Luft.
Invertierung
PMMA Luft
SnS2
Zinnsulfid liegt er bei n = 3,2. Daher ist auch nach der Infiltration mit einem Flüssigkristall ein
hoher Brechungsindexkontrast gewährleistet, was für eine Bandlücke in einem photonischen
Kristall notwendig ist. Die Invertierung geschieht über einen CVD–Prozess (engl.: chemical
vapour deposition) [30]. Die Substrate werden mit den Kolloidkristallen in einen Exsikkator
gelegt, in der eine Schale mit SnCl4liegt. Der Exsikkator wird geschlossen und anschließend
evakuiert. Danach wird er für drei Stunden tiefgekühlt. Nach der Kühlung wird der Exsikkator
mit H2S gefüllt und bei Raumtemperatur einen Tag stehen gelassen. Über einen Kapillarkon-
densationsprozess setzt sich SnS2in den Zwischenräumen des Kolloidkristalls als Feststoff ab
(Abb. 3.6). Als weiteres Produkt entsteht HCl, welches in der Gasphase vorliegt. Die Substra-
te werden danach für eine halbe Stunde in ein Wasserbad gelegt. Anschließend werden die
PMMA Kugeln mit Tetrahydrofuran (THF) herausgelöst. Das resultierende SnS2–Gerüst hat
34 3 Herstellung von Kolloidkristallen
HS
2
HS
2
SnS2
SnS2
SnCl4
SnCl4
PMMAPMMA
HCl
(Fest)
(Gas)
(Gas)
flüssig
Abbildung 3.6: Darstellung des Invertierungsprozesses im Exsikkator: SnCl4+2H2SSnS2+4HCl.
einen Füllfaktor zwischen 10 und 14% statt der theoretisch möglichen 26%. Der Brechungs-
index für SnS2, welches durch CVD abgeschieden wurde, liegt bei n = 2,6. Dies ist deutlich
niedriger als für hochreines, monokristallines SnS2[41].
4 Infiltration von Flüssigkristallen in
photonische Kristalle
4.1 Flüssigkristall in Kolloidkristallen
Die Infiltration von Flüssigkristall in einen Kolloidkristall geschieht über Kapillarkräfte. Es
reicht, einen kleinen Tropfen an den Rand des Kristalls zu bringen. Der Flüssigkristall wird in
die Zwischenräume eingezogen und verdrängt die Luft nahezu vollständig. Der Flüssigkristall
Abbildung 4.1: Foto eines Kolloidkristalls. Der obere Bereich ist nicht mit Flüssigkristall gefüllt. In der linken
unteren Ecke wechselt aufgrund des eindringenden Flüssigkristalls die Reflexion von blau nach grün.
hat einen höheren Brechungsindex als Luft. Der effektive Brechungsindex des Kolloidkri-
stalls, dessen Kugeln vorher noch von Luft umgeben waren, erhöht sich dadurch. Aufgrund
der Braggbedingung verschiebt sich daher die Reflexionswellenlänge zu größeren Wellenlän-
gen. Dies ist mit bloßem Auge erkennbar (Abb. 4.1).
4.2 Flüssigkristall in makroporösem Silizium
Da in porösem Silizium die Poren nicht miteinander verbunden und nur an einem Ende ge-
öffnet sind, kann man allein durch Kapillarkräfte keine gute Füllung mit dem Flüssigkristall
erreichen.
35
36 4 Infiltration von Flüssigkristallen in photonische Kristalle
Abbildung 4.2: Die Infiltration von
makroporösem Silizium im Vaku-
um. Der Flüssigkristall wird mit ei-
ner Spritze durch ein Septum in
einen evakuierten Kolben einge-
spritzt.
Vakuumpumpe
Septum
Spritze mit
Flüssigkristall
Probe
Die Porenoberflächen können zwar benetzt werden, aber eine vollständige Füllung ist nur
durch eine Infiltration im Vakuum erreichbar (Abb. 4.2). Die Probe wird in einen Kolben ge-
legt, der mit einem Saugrohr für die Vakuumpumpe ausgestattet ist. Anschließend wird der
Kolben mit einem Septum verschlossen. Zur Evakuierung wurde eine Ölpumpe (Fa. Schütt)
verwendet, die einen Enddruck von ca. 0,5 mbar erreicht. Der Flüssigkristall wird dann mit
einer Spritze durch das Septum in den evakuierten Kolben eingespritzt, so dass die Probe voll-
ständig benetzt ist. Nach dem Belüften des Kolbens sind die Poren nahezu vollständig gefüllt.
Der restliche Flüssigkristallfilm kann mit einem Skalpell oder einem Tuch abgewischt wer-
den. Aufgrund der hohen Kapillarkräfte bleibt der Flüssigkristall unter Normalbedingungen
dauerhaft in den Poren.
Es gibt Flüssigkristalle, die sich erst bei hohen Temperaturen verflüssigen, und bei anschlie-
ßendem schnellen Abkühlen unter die Glastemperatur ihre Orientierungsfernordnung beibe-
halten. Will man die Poren mit einer solchen Substanz füllen, muss man etwas anders vor-
4 Infiltration von Flüssigkristallen in photonische Kristalle 37
Vakuum
Heatgun
Makroporöses Silizium
Glasartig
erstarrender
Flüssigkristall
Porenseite
Abbildung 4.3: Infiltration eines glasartig erstarrenden Flüssigkristalls.
gehen. Die Substanz wird unter das zu füllende Substrat gelegt, welches mit den Poren nach
unten zeigt. Anschließend wird der Rezipient evakuiert. Der Flüssigkristall wird mit einer
Heatgun erhitzt, damit sich die Substanz verflüssigt. Anschließend wird der Rezipient belüf-
tet, wodurch sich die Poren mit dem Flüssigkristall füllen (Abb. 4.3).
38 4 Infiltration von Flüssigkristallen in photonische Kristalle
5 Verwendete Proben und
Substanzen
5.1 Kolloidkristalle
5.1.1 Kolloidkristalle aus Polymeren
Es gibt bereits einige Arbeiten zu schaltbaren Kolloidkristallen. Jedoch benutzten die Arbeits-
gruppen, die sich damit beschäftigen, ausschließlich Kugeln aus SiO2[7]. Um neue Mate-
rialien zu erschließen, wurden in dieser Arbeit Polymerkugeln aus Poly(methylmethacrylat)
(PMMA) zur Herstellung von Kolloidkristallen verwendet [30], die anschließend mit einem
Flüssigkristall infiltriert wurden. In Abbildung 5.1 ist eine AFM–Aufnahme eines Kolloidkri-
stalls aus PMMA–Teilchen mit Durchmessern von 280 nm zu sehen. Für Beugungsexperi-
Abbildung 5.1: AFM–Aufnahme eines Kolloidkristalls, welcher aus PMMA–Teilchen mit Durchmessern von
280 nm besteht.
39
40 5 Verwendete Proben und Substanzen
mente wurden kommerziell erhältliche Polystyrol–Kugeln mit 500 nm Durchmesser von der
Firma Duke Scientific und PMMA–Kugeln mit 463 nm Durchmesser verwendet.
5.1.2 Invertierte Kolloidkristalle aus Zinnsulfid
Zu invertierten Kolloidkristallen gab es bis zum Jahr 2002 keine Arbeiten, die ein Schaltver-
halten mit Hilfe von Flüssigkristallen beinhalten. Motiviert durch die theoretischen Vorher-
sagen von Busch und John [19], dass sich bei einer invertierten Struktur durch die Verwen-
dung eines Flüssigkristalls die photonische Bandlücke öffnen und vollständig schließen lässt,
wurden in dieser Arbeit invertierte Kolloidkristalle aus SnS2[30] hergestellt und mit einem
Flüssigkristall gefüllt.
5.2 Makroporöses Silizium
5.2.1 2–D Strukturen
In der Nachrichtentechnik werden Wellenlängen von 1,3µm und 1,5µm verwendet, da bei die-
sen Wellenlängen die Dämpfung in der Glasfaser am niedrigsten und dadurch die Transmis-
sion besonders hoch ist. Um die Eigenschaften von photonischen Kristallen dafür nutzen zu
können, benötigt man Bandlücken im infraroten Spektralbereich. In makroporösem Silizium,
mit periodisch hexagonal angeordneten Poren (Abb. 2.5) sind Bandlücken bei beiden Wellen-
längen bereits realisiert worden [25].
Deshalb wurden 2D–Kristalle aus Silizium untersucht, die am Max-Planck-Institut für Mi-
krostrukturphysik in Halle an der Saale von Jörg Schilling und Stefan Schweizer hergestellt
wurden.
5.2.2 3–D Strukturen
Am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik werden auch Proben hergestellt, bei denen
der Porendurchmesser mit der Tiefe periodisch moduliert ist (s. Abb. 2.10). Dadurch entsteht
eine Bandlücke in der dritten Dimension. Desweiteren wurden Proben verwendet, die eine
Störung der Modulationsperiode aufweisen [25]. Es ist bekannt, dass dadurch photonische Zu-
stände innerhalb der Bandlücke entstehen [23, 55], die man mit einer Fabry–Perot–Resonanz
vergleichen kann. Bei spektroskopischen Untersuchungen erhält man einen Resonanzpeak in-
nerhalb der Bandlücke. Diese Struktur wurde von Sven Matthias vom MPI in Halle hergestellt.
5 Verwendete Proben und Substanzen 41
5.3 Flüssigkristalle
EswurdendreinematischeFlüssigkristalleverwendet:Eshandeltsichum4–Cyano–4’–pentyl-
biphenyl (5CB oder auch K15, Abb. 5.2), die nematische Mischung E7 (51% 5CB, 25% 7CB,
16% 8OCB, 8% 5CT) von der Firma Merck und den glasartig erstarrenden Flüssigkristall
ASY10, welcher im Arbeitskreis von Prof. Picken (TU Delft) synthetisiert wurde (Abb. 5.3).
5CB hat einen Klärpunkt bei TC=34,6C. Bei 2HNMR–Messungen wurde 5CB benutzt,
HC
3CN
Abbildung 5.2: Strukturformel von 5CB.
O
OO
OO
*
*
HC
3
Abbildung 5.3: Strukturformel von ASY10.
welches an der ersten Position in der Alkylkette (α–Position) deuteriert ist. Dieser Flüssig-
kristall wurde von Prof. Mary Neubert und Julie Kim von der Kent State University in Ohio
synthetisiert und uns zur Verfügung gestellt. Bei E7 handelt es sich um eine Mischung, in
der 5CB enthalten ist, die aber einen größeren Temperaturbereich der nematischen Phase als
5CB besitzt. E7 wird häufig in Flüssigkristallanzeigen verwendet und hat einen Klärpunkt
bei TC=60,5C. ASY10 besitzt eine Glasübergangstemperatur bei TG=46C und geht bei
TC=137C von der nematischen Phase in die isotrope Phase über. Die Brechungsindizes von
E7 und ASY10 wurden temperaturabhängig mit Hilfe einer Keilzelle bei einer Wellenlänge
von 633 nm bestimmt (Abb. 5.4-5.5, Tab. 5.1-5.2). Unterhalb des Klärpunktes wurde für je-
de Temperatur aus dem ordentlichen und dem außerordentlichen Brechungsindex der mittlere
42 5 Verwendete Proben und Substanzen
Brechungsindex nach folgender Gleichung berechnet:
¯n=r1
3(n2
e+2n2
o)(5.1)
Oberhalb des Klärpunktes ist keine Mittelung notwendig, da der Flüssigkristall in der isotro-
pen Phase keine doppelbrechenden Eigenschaften besitzt.
15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75
1.50
1.55
1.60
1.65
1.70
1.75
n
O
n
e
n
Brechungsindex
Temperatur (°C)
Abbildung 5.4: Experimentell bestimmte Werte der ordentlichen nound außerordentlichen neBrechungsindizes
von E7 in Abhängigkeit von der Temperatur. Die mittleren Brechungsindizes ¯
n unterhalb des Klärpunktes wurden
berechnet.
Tabelle 5.1: Brechungsindizes von E7 bei 633 nm:
Temperatur (C) none¯
n
20 1,522 1,734 1,592
35 1,523 1,719 1,588
45 1,525 1,699 1,583
55 1,533 1,666 1,577
62 1,572
70 1,569
Die Werte für die Brechungsindizes von 5CB wurden der Literatur entnommen [42]. Abbil-
dung 5.6 zeigt die temperaturabhängigen Brechungsindizes von 5CB bei einer Wellenlänge
von 4,45 µm.
5 Verwendete Proben und Substanzen 43
40 60 80
100 120 140
1.55
1.60
1.65
1.70
1.75
n
o
n
e
n
Brechungsindex
Temperatur (°C)
Abbildung 5.5: Experimentell bestimmte Werte der ordentlichen nound außerordentlichen neBrechungsindizes
von ASY10 in Abhängigkeit von der Temperatur.
Tabelle 5.2: Brechungsindizes von ASY10 bei 633 nm:
Temperatur (C) none¯
n
140 1,578
133 1,536 1,673 1,582
130 1,535 1,676 1,583
125 1,534 1,681 1,584
120 1,534 1,687 1,586
115 1,533 1,695 1,588
110 1,533 1,701 1,590
105 1,533 1,706 1,592
100 1,534 1,711 1,595
95 1,534 1,716 1,596
90 1,535 1,720 1,599
85 1,536 1,724 1,601
80 1,537 1,729 1,603
70 1,538 1,736 1,606
60 1,540 1,742 1,610
80 1,541 1,759 1,616
44 5 Verwendete Proben und Substanzen
Abbildung 5.6: Werte der ordentlichen nound außerordentlichen neBrechungsindizes von 5CB in Abhängigkeit
von der Temperatur bei einer Wellenlänge von 4,45 µm [42].
6 Experimente
6.1 Beugungsexperimente an photonischen Kristallen
Kristalle, die aus Atomen zusammengesetzt sind, können mit Röntgenbeugungsexperimenten
untersucht werden, um Informationen über die Symmetrie und den Kristallaufbau zu erhal-
ten. Die Wellenlänge der Röntgenstrahlung liegt im Bereich der Gitterkonstante der zu un-
tersuchenden Kristalle. Meist werden die Bragg’sche Drehkristallmethode, die Laue– und die
Debye-Scherrer-Technik verwendet. Sie alle basieren auf der Bragg–Beugung (Abschnitt 9.2).
Diese Techniken können auch für photonische Kristalle verwendet werden, wenn die Wellen-
länge der elektromagnetischen Strahlung der Gitterkonstanten angepasst wird. Bei photoni-
schen Kristallen ist das demnach Licht mit einer kleineren Wellenlänge als die Gitterkon-
stante. Im folgenden Abschnitt wird die Kossel–Technik beschrieben, mit der photonische
Kristalle aus 2D makroporösem Silizium und getrocknete Kolloidkristalle aus monodispersen
Polystyrol–Kugeln mit einem Durchmesser von 500 nm untersucht wurden.
6.1.1 Bildung von Kossellinien
Bestrahlt man einen photonischen Kristall mit konvergentem monochromatischem Licht, so
kann man in Transmission (sowie in Reflexion) ein interessantes Phänomen beobachten: un-
terschiedlich dunkle (helle) Kreise und Ellipsen entstehen vor einem diffus hellen (dunklen)
Hintergrund. Diese Kreise und Ellipsen nennt man Kossellinien [32]. Sie bilden sich aufgrund
der Bragg-Reflexionsbedingung:
m·λ=2d(hkl)·sinΘmN(6.1)
Die Größe λbezeichnet die Wellenlänge des Lichts, d(hkl)den Netzebenenabstand mit den
Miller–Indizes (hkl) und Θden Reflexionswinkel.
Die Existenz dieser „Gitterquelleninterferenzen“ wurden 1924 von Walter Kossel vorherge-
sagt. Das erste mal wurde sie 1934 beobachtet. Die theoretische Interpretation im Kontext der
dynamischen Röntgeninterferenztheorie wurde 1935 durch Max von Laue [33] gegeben. Die
Anordnung und die Ausdehnung der Kossellinien sind abhängig von der Gitterkonstanten,
45
46 6 Experimente
Abbildung 6.1: Schematische Darstellung zur Bildung von Kossellinien. Konvergentes Licht (grün) trifft auf die
Netzebenen des Kristallgitters. In Reflexion entsteht dann ein Kosselkegel (rot).
Probe
Okular
Bertrand-
Linse
Lichtquelle
Monochromator
Strahlteiler
Immersionsobjektiv
Verschiebetisch
Kamera
Abbildung 6.2: Schematische Zeichnung einer Kosselapparatur. Durch das Einsetzen einer Bertrand–Linse ent-
stehtaus demorthoskopischen einkonoskopischerStrahlengang,bei dem nicht die Bildebene. sondern die Brenn-
ebene des Objektivs auf die Kamera abgebildet wird.
der Symmetrie und der Raumgruppe der photonischen Kristalle. Mit der Kosselmethode ist
es möglich, diese Kristallparameter zu bestimmen. In Abbildung 6.1 ist die Bildung der Kos-
sellinien schematisch dargestellt. Das aus allen Richtungen einfallende Licht wird gemäß der
Bragg-Bedingung gestreut, so dass eine Netzebenenschar einen kreisförmigen Ring bildet. Da
6 Experimente 47
in einem Kristall mehrere Netzebenen existieren, und jede Netzebenenschar, die die Braggbe-
dingung erfüllt, einen Kosselkegel bildet, besteht ein Kosseldiagramm aus einer Vielzahl von
Kreisen und Ellipsen.
Zur Aufnahme der Kosseldiagramme wurde ein Polarisationsmikroskop verwendet (Abb. 6.2),
in das eine Bertrand–Linse eingebaut war, um die Brennebene des Objektivs zu betrachten
(konoskopischer Strahlengang). Als Lichtquelle diente eine Bogenlampe, hinter der ein In-
terferenzfilter als Monochromator positioniert wurde. Da für die Aufnahme von Kossellinien
konvergentes Licht benötigt wird, wurde ein Immersionsobjektiv mit 125–facher Vergröße-
rung benutzt.
48 6 Experimente
6.2 Untersuchung von Kolloidkristallen im sichtbaren
Spektralbereich
6.2.1 Temperaturabhängiges Schalten von Kolloidkristallen
Thermotrope Flüssigkristalle haben die Eigenschaft, dass ihr Brechungsindex von der Tempe-
ratur abhängt (Abschnitt 2.2). Da die Bandlücke eines photonischen Kristalls direkt von den
Brechungsindizes seiner Komponenten abhängt, ist es möglich, die Bandlücke durch Verän-
derung der Temperatur zu schalten, wenn der Kristall einen Flüssigkristall enthält. Es wurden
Versuche an Kolloidkristallen aus Polymethymetacrylat (PMMA) und an invertierten Kolloid-
kristallen aus SnS2durchgeführt. Die Kolloidkristalle aus PMMA und die invertierten Kolloid-
kristalle aus SnS2wurden mit dem nematischen Flüssigkristall E7 infiltriert (s. Abschnitt 4.1).
Beide Systeme zeigten Braggreflexion im Bereich des sichtbaren Lichts, welche mit dem Pho-
tospektrometer Instaspec IV der Firma LOT–Oriel in Reflexion in [111]–Richtung untersucht
wurde. Die Temperatur wurde mit einer Genauigkeit von 0,1C durch einen Mikroskopheiz-
tisch mit einer Kontrolleinheit FP5 (Firma Mettler) eingestellt.
6.2.2 Elektrisches Schalten von Kolloidkristallen
Der mit Flüssigkristall gefüllte Kolloidkristall befindet sich zwischen zwei mit Indiumzinn-
oxid (ITO) beschichteten Glasplatten (Abb. 6.3). Durch das Anlegen eines elektrischen Feldes,
richten sich die Moleküle in Richtung des Feldes aus (s. Abschnitt 2.2). Durch die Änderung
des Brechungsindexes des Flüssigkristalls verändert sich die Bandlücke des photonischen Kri-
stalls. Es wurden Versuche an infiltrierten Kolloidkristallen aus PMMA gemacht, welche mit
E7 gefüllt waren. Messungen an invertiertem SnS2sind nicht möglich, da es sich bei dem
Material um einen polykristallinen Halbleiter handelt, welcher leitfähig ist.
6.2.3 Spektroskopie im sichtbaren Spektralbereich
Im sichtbaren Spektralbereich wurden die Proben in einem Mikroskop untersucht. Dies er-
möglicht die Aufnahme von Reflexionsspektren unter einem Lotwinkel von 0. Ein weiterer
Vorteil des Mikroskops ist die Tatsache, dass man Spektren von sehr kleinen Bereichen im
Kristall aufnehmen kann. Dies kann bei Kolloidkristallen notwendig sein, da die einkristalli-
nen Bereiche meist sehr klein sind. Auf das Mikroskop wurde ein Photospektrometer vom Typ
Oriel Instaspec IV montiert. Das Photospektrometer besteht aus einem Spalt, zwei Hohlspie-
geln und einem Gittermonochromator (Abb. 6.4). Das von der Probe reflektierte Licht geht
6 Experimente 49
E
U
Glas
ITO
Flüssigkristall
Kolloidkristall
Abbildung 6.3: Schematische Darstellung einer Sandwich–Zelle zum Anlegen von elektrischen Feldern. Die
Glasplatten sind mit leitfähigem Indiumzinnoxid beschichtet. In der Zelle sind die Zwischenräume eines Kol-
loidkristalls (grau) mit einem Flüssigkristall (blau) gefüllt.
PC
Spalt
Gitter-
monochromator
Spiegel
CCD-
Array
Abbildung 6.4: Funktionsweise eines Photospektrometers. Das Licht fällt durch den Spalt auf einen Hohlspiegel
und von dort auf einen Monochromator, der das Licht spektral unterteilt. Das Spekral aufgelöste Licht wird von
einem weiteren Hohlspiegel auf ein Array von CCD–Photodioden geworfen, welche die Lichtintensitäten in
elektrische Signale umwandeln.
50 6 Experimente
durch einen Spalt und trifft auf den ersten Hohlspiegel, welcher das Licht auf einen Gittermo-
nochromator reflektiert. Dieser zerlegt das auftreffende Licht in seine spektralen Anteile, die
von dem zweiten Hohlspiegel auf ein Array von Photodioden reflektiert werden. Die Photodi-
oden wandeln die Lichtintensitäten der einzelnen Wellenlängen in elektrische Signale um.
6 Experimente 51
6.3 Untersuchung von makroporösem Silizium im
infraroten Spektralbereich
6.3.1 Temperaturabhängiges Schalten von 3D makroporösem
Silizium
Polarisierte
IR-Strahlung
Poröses Si
Abbildung 6.5: Aufnahme von Transmissionsspektren von makroporösem Silizium mit modulierten Poren. Es
wird polarisationsabhängig entlang der Porenachse gemessen.
Die Spektren wurden in Transmission entlang der Porenachse aufgenommen (Abb. 6.5). Dabei
wurde polarisierte IR–Strahlung verwendet. Zur Temperaturkontolle diente ein Eisenblock, in
dem ein Thermoelement und ein Thermofühler eingebettet waren. Als Kontrolleinheit diente
ein TTK–Heizregler (Firma Paar).
6.3.2 Temperaturabhängiges Schalten von 2D makroporösem
Silizium
Transmissionsmessungen 2D– und 3D–Strukturen entlang der ΓK– und ΓM–Richtung
stellen generell ein Problem dar. Für derartige Messungen muss ein schmaler Steg aus der
Probe herauspräpariert werden, dessen Kanten sehr glatt sein müssen, damit es nicht zu Ober-
flächenstreuungen beim Ein– oder beim Austritt der Lichtstrahlen kommt. Daher wurden Re-
flexionsmessungen an diesen Strukturen durchgeführt. Der photonische Kristall wurde ent-
lang der ΓK Richtung gebrochen und unter Vakuum mit dem nematischen Flüssigkristall 5CB
gefüllt (s. Abschnitt 4.2). Die Messung erfolgte in Reflexion mit einem Infrarot–Mikroskop
52 6 Experimente
90°
Abbildung 6.6: Definition der Polarisationsrichtung bei den dreidimensionalen Strukturen. Die Pfeile geben die
Richtung des elektrischen Feldes an.
Sichtfeld im
IR-Mikroskop
Si-Wafer
Blende
Messfleck
Geätzter Bereich
Abbildung 6.7: Schematische Darstellung des Sichtfeldes in einem IR–Mikroskop. Die schmale hellgraue Flä-
che symbolisiert den Bereich, der mit der IR–Strahlung bestrahlt wurde, um ein Reflexionsspektrum zu erhalten.
6 Experimente 53
senkrecht zur Bruchkante in ΓM–Richtung mit TE–polarisierter Infrarotstrahlung. Mit der Hil-
fe von Blenden im Strahlengang wurde ein Ausschnitt des Sichtfeldes untersucht (Abb. 6.7).
Aufgrund des Cassegrain–Objektives (s. Abschnitt 6.3.3) fällt das Licht unter einem Winkel
von ca. 30auf die Probe. Dies hat zur Folge, dass nicht exakt in ΓM–Richtung gemessen
wird, sondern unter einem Winkel von 30, was der ΓK–Richtung entspricht (Abb. 6.8). Nach
Snellius sollte das Licht nach dem Auftreffen auf der Oberfläche durch Brechung in einem ex-
akt zu berechnenden Winkel zum Lot hin abgelenkt werden. Weil die Bruchkante genau durch
eine Porenreihe führt, und dadurch eine Rauhigkeit im Bereich der betrachteten Wellenlän-
gen besitzt, kommt es zu einer Beugung der einfallenden Lichtstrahlung in einer nicht exakt
bestimmbaren Winkelverteilung. Zusätzlich kommt es im Kristall zu einer Beugung der Licht-
strahlung in Vorwärtsrichtung (Laue-Fall). Bei Erfüllung der Braggbedingung wird das Licht
in der Rückwärtsrichtung gebeugt (Bragg-Fall) und detektiert. Bei einem Lichteinfall von 30
wird demnach keine exakte Kristallrichtung untersucht. Die detektierten Lichtstrahlen wurden
im und am Kristall mehrfach gebeugt.
a
TE-Polarisation
TE-Polarisation
30°
a
Spiegelnde
Reflexion Gebeugte
Strahlung
Abbildung 6.8: Bestrahlung eines 2D Kristalls mit hexagonaler Symmetrie mit TE–Polarisierter IR–Strahlung.
Die Bruchkante liegt in der ΓK–Richtung. Links: In ΓM–Richtung. Im Spektralbereich der fundamentalen Band-
lücken wird das Licht spiegelnd reflektiert. Es treten außerdem Beugungseffekte auf. Rechts: Unter einem Winkel
von 30zur ΓM–Richtung, was der ΓK–Richtung entsprechen würde. Nach Snellius sollte dieser Strahl in der
Probe zum Lot hin abgelenkt werden. Da die Bruchkante keine glatte Oberfläche besitzt, sondern durch eine Po-
renreihe geht, werden diese Strahlen in einer gewissen Winkelverteilung gebeugt, und schließlich bei Erfüllung
der Bragg–Bedingung reflektiert.
Da es sich bei Silizium um einen Halbleiter handelt, der in diesem Fall aufgrund seiner Dotie-
rung leitfähig ist, ist es nicht möglich, elektrische Felder anzulegen, um eine Umorientierung
der Flüssigkristallmoleüle zu erreichen und dadurch die optische Eigenschaften der Struktur
zu verändern.
54 6 Experimente
6.3.3 Infrarot–Spektroskopie
FürUntersuchungeniminfrarotenSpektralbereichwurdeeinFourier-Transformations-Infrarot-
Spektrometer (FTIR–Spektrometer) benutzt. Das Kernstück des FTIR–Spektrometers ist ein
Michelson–Interferometer (Abb. 6.9). Dabei trifft weißes Licht auf einen Strahlteiler. Die bei-
Lichtquelle
Detektor
Probe
Fester Spiegel
X
Beweglicher
Spiegel
Interferierende
Lichtstrahlen
Strahlteiler
Abbildung 6.9: Darstellung eines Michelsoninterferometers als Kernstück eines FTIR–Spektrometers. Licht
(rote Pfeile) wird an einem Strahlteiler geteilt und von zwei Spiegeln reflektiert, so dass der Strahlteiler ein
weiteres Mal passiert wird, und die Strahlen zur Interferenz gelangen. Durch kontinuierliche Verschiebung eines
Spiegels werden immer andere Wellenlängen zu konstruktiver und destruktiver Interferenz gebracht.
den Lichtstrahlen treffen jeweils auf einen Spiegel und werden reflektiert. Der Strahlteiler wird
ein weiteres Mal passiert, und die beiden Strahlen kommen zur Interferenz. In diesem Fall
ist der eine Spiegel fest montiert, während der andere beweglich ist. Bewegt man den Spie-
gel in eine Richtung, so erreicht man eine Weglängendifferenz lder beiden Lichtstrahlen.
Wellenlängen mit l=mλinterferieren konstruktiv und werden verstärkt, wogegen Wellen-
längen mit l= (m+1
2)λdestruktiv interferieren und sich auslöschen. Bei einer ständigen
Bewegung des Spiegels ändert sich lstetig, und damit werden immer andere Wellenlängen
verstärkt oder ausgelöscht. Der Detektor im Spektrometer misst die Intensitäten aller ankom-
menden Wellenlängen integral. Man erhält dann ein Intensitätsspektrum Iin Abhängigkeit
von der Spiegelposition x. Betrachtet man die Interferenz der beiden Lichtstrahlen mathema-
tisch, so ist dieses Spektrum I(x)die Fouriertransformierte des Spektrums im Frequenzraum.
Durch eine Rücktransformation von I(x)mit Hilfe eines Computers erhält man schließlich das
Spektrum im Frequenzraum.
6 Experimente 55
Transmissionsmessungen
Das Infrarotspektrometer ist vom Typ Equinox 55 (Firma Bruker). Für eine Transmissions-
messung wurde die Probe in den Strahlengang gebracht, in dem die Strahlen zur Interferenz
gelangen. Das Probenspektrum wird anschließend durch ein Referenzspektrum, welches oh-
ne Probe aufgenommen wurde, geteilt. Die Messungen fanden in einem Spektralbereich von
1,5µm bis 20µm statt. Als Lichtquelle diente ein Stab aus Siliziumcarbid (SiC), der Strahlteiler
bestand aus Kaliumbromid (KBr) und der Detektor aus deuteriertem Triglycinsulfat (DTGS).
Reflexionsmessungen
Für Reflexionsmessungen wurde ein Infrarot–Mikroskop benutzt. Im infraroten Spektralbe-
reich nutzt man spezielle Cassegrain–Spiegelobjektive (Abb. 6.10). Diese bestehen aus einem
Probe
Hohlspiegel
Lochblende
Konvex-
Spiegel
Abbildung 6.10: Darstellung eines Cassegrain–Objektivs. Das Licht fällt durch das Loch im Hohlspiegel und
wird von einem Konvexspiegel auf den Hohlspiegel reflektiert, von dort aus auf die Probe fokussiert. Von der
Probe wird das Licht reflektiert, nimmt den Weg zurück durch das Objektiv und wird detektiert.
Hohlspiegel mit einem Loch in der Mitte. Durch dieses Loch fällt das Licht und wird von
einem kleinen Konvexspiegel auf den Hohlspiegel reflektiert. Dieser fokussiert das Licht an-
schließend auf die Probe. Das Licht, welches von der Probe reflektiert wird, nimmt den glei-
chen Weg zurück und wird detektiert. Die Lichtstrahlen werden unter einem kleinen Öffnungs-
56 6 Experimente
winkel von 30auf die Probe eingestrahlt. Bei Messungen an photonischen Kristallen kann
es daher zu einer leichten „Verschmierung” der Bandkanten kommen. Als Referenz diente ein
Goldspiegel. Im Unterschied zur Transmissionsmessung wurde ein mit Stickstoff gekühlter
Quecksilber–Cadmium–Tellurid (MCT) Detektor benutzt.
6.4 Deuterium–NMR–Messungen an 2D und 3D
makroporösem Silizium
Um Informationen über die Orientierungsverteilung der Flüssigkristallmoleküle in den Poren
von 2D makroporösem Silizium zu bekommen, wurden die Poren mit α–deuteriertem 5CB
gefüllt. Der Siliziumwafer wurde in 2mm x 2mm quadratische Stücke zerschnitten und in
einem NMR–Röhrchen gestapelt (Abb. 6.11).
Abbildung 6.11: Fotografie eines NMR–Röhrchens gefüllt mit Scheiben aus photonischen Kristallen aus ma-
kroporösem Silizium.
6.4.1 Bestimmung der Orientierungsfernordung von
Flüssigkristallen mit Deuterium–NMR
Für NMR–Experimente können Proben genutzt werden, deren Atomkerne ein magnetisches
Moment besitzen. Die Wechselwirkung mit dem Magnetfeld des NMR–Spektrometers führt
zu äquidistanten Zeemann Energieniveaus. Eine elektromagnetische Welle im Radiofrequenz-
bereich induziert Übergänge zwischen diesen Energieniveaus, wenn die Frequenz identisch
mit der Larmorfrequenz des Atomkerns ist. Bei einer magnetischen Flussdichte von 1 T be-
trägt die Frequenz für Deuterium 6,5 MHz, bei 4,7 T beträgt sie ca. 30 MHz. Für Deuterium
6 Experimente 57
bewirkt die Wechselwirkung des Quadrupolmoments des Kerns mit dem Gradienten des elek-
trischen Feldes eine zusätzliche Verschiebung der Zeeman–Energieniveaus (Abb. 6.12). Das
I =-1
z
I=0
z
I=1
z
E
Abbildung6.12: Zusätzliche Verschiebung der Zeeman–Energieniveaus aufgrund der Wechselwirkung des Qua-
drupolmoments des Kerns mit dem Gradienten des elektrischen Feldes.
NMR–Signal ist deshalb verbreitert oder in mehrere Linien aufgespalten. In starren, völlig
einheitlich orientierten Molekülen spaltet das NMR–Signal in zwei Linien auf mit dem Ab-
stand:
∆ν =3
2
e2qQ
h
1
2(3 cos2ϑ01)(6.2)
Dabei ist e2qQ/hdie statische Quadrupolkopplungskonstante. In einer Alkylkette liegt sie
beispielsweise bei 165 kHz. ϑ0ist der Winkel zwischen der Symmetrieachse des elektrischen
Feldgradiententensors und dem externen Magnetfeld. In deuterierten Flüssigkristallen ist der
elektrische Feldgradiententensor typischerweise parallel zur C–D Bindung. Aufgrund dieser
Umstände ist die 2HNMR–Spektroskopie eine elegante experimentelle Methode zur Be-
stimmung der Orientierungsfernordnung von Flüssigkristallen [35, 36, 37]. Man benötigt für
eine derartige Messung einen Flüssigkristall, der an einer Stelle deuteriert ist. Die Aufspaltung
ist abhängig von dem Winkel ϑder Flüssigkristallmoleküle zum permanenten Magnetfeld des
NMR–Spektrometers:
∆ν =1
2∆ν0(3 cos2ϑ1)(6.3)
Dabei ist ϑder Winkel zwischen dem Direktor nund dem externen Magnetfeld und
∆ν0=3
2
e2qQ
h
1
2Sh1
2(cos2β1)i+1
2(Sxx Syy)hsin2βcos2αi.(6.4)
Die Winkel αund βbezeichnen die Azimut– und Polarwinkel, welche von der Symmetrie-
achse des elektrischen Feldgradiententensors und der Moleküllängsachse geformt werden. Die
58 6 Experimente
0
20 40 60 80
-0.6
-0.4
-0.2
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
90°
~ 35,26°
Magischer Winkel
~ 54,74°
Quadrupolaufspaltung (normiert)
Winkel zum Magnetfeld (°)
Abbildung 6.13: Normierte Quadrupolaufspaltung in Abhängigkeit vom Winkel des Direktors zum Magnetfeld.
Größe Sist der Ordnungsparameter (vgl. 2.24):
S=1
2h3cos2Θ1i(6.5)
Dabei ist Θder Winkel zwischen der Moleküllängsachse und dem Direktor n.(Sxx Syy)
bezeichnet den Ordnungsgrad der molekularen Biaxialität und beschreibt die Abweichung des
Moleküls von einer perfekten zylindrischen Symmetrie. Abbildung 6.13 zeigt die normierte
Quadrupolaufspaltung, die nach der Gleichung
∆νnorm =1
2h3cos2Θ1i(6.6)
berechnet wurde. Bei Θ=0ist die Aufspaltung maximal. Bei Θ=90beträgt sie 1/2.
Diese Aufspaltung ist jedoch nicht unterscheidbar von der Quadrupolaufspaltung +1/2, wel-
che dem Winkel Θ=35,26zuzuordnen ist. Quadrupolaufspaltungen von 0 bis 1/2 lassen
sich daher nicht eindeutig einem Winkel Θzuordnen. Ebenso ist eine einheitliche Orientie-
rung unter dem „magischen Winkel” Θ=54,74nicht von einer isotropen Verteilung über
alle Winkel zu unterscheiden. In beiden Fällen tritt keine Aufspaltung im 2HNMR–Signal
auf.
Abbildung 6.14 zeigt ein 2HNMR–Signal des Flüssigkristalls 5CB, bei dem der Direktor
nder Flüssigkristallmoleküle in Richtung des Magnetfeldes zeigt [37]. Bei 25C beträgt die
6 Experimente 59
Abbildung 6.14: 2HNMR–Spektrum von dem nematischen Flüssigkristall 5CB bei vollständiger Orien-
tierung des Direktors zum Magnetfeld (oben), und die Temperaturabhängigkeit der Quadrupolaufspaltung
(unten)[37]. Bei 25C beträgt die Aufspaltung ∆ν = 53 kHz.
60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz
60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz 60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz60 kHz
planar-radial escaped-radial
n || B
BB
Abbildung 6.15: Beispiele für 2HNMR–Spektren mit schematischen Zeichnungen der zugehörigen Direktor-
felder in zylindrischen Poren [37].
60 6 Experimente
Aufspaltung ∆ν = 53 kHz. Die Quadrupolaufspaltung nimmt mit zunehmender Temperatur
ab. Befindet sich der Flüssigkristall in der isotropen Phase, so verschwindet die Quadrupol-
aufspaltung. Die Intensitätsverteilung des 2HNMR–Signals gibt die Verteilung der Orientie-
rungen f(ϑ)gemittelt über die gesamte Probe an. In Abbildung 6.15 sind einige Beispiele für
Intensitätsverteilungen mit zugehörigen Direktorfeldern dargestellt. In dieser Arbeit wurden
ein Bruker AMX 300 und ein Bruker AMX 500 NMR–Spektrometer mit einem permanenten
Magnetfeld von 7 T bzw. 14 T benutzt. Die Larmorfrequenz von Deuteriumkernen liegt für 7
T bei 46,07 MHz und für 14 T bei 76,77 MHz.
6.4.2 Theoretische Berechnung von Direktorfeldern zur
Interpretation der Deuterium–NMR–Spektren
Um die experimentell gemessenen 2HNMR–Spektren zu interpretieren, wurden die Direk-
torfelder innerhalb der Poren mit einem Computerprogramm berechnet. Für die Berechnung
wird die lokale Orientierung der Flüssigkristallmoleküle durch den Ausrichtungstensor
aµν=hnµnνi 1
3nλnλδµν(6.7)
beschrieben. Die Größen nµ,nνund nλsind die Komponenten des Direktors und δµνist der
Einheitstensor. Im Gegensatz zur Beschreibung der Orientierung durch einen Vektor, den Di-
rektor n, gewährleistet die Beschreibung durch den Tensor 2. Stufe die physikalische Äquiva-
lenz von nund n. Die zugehörige Relaxationsgleichung lautet:
τ(δaµν/δt)ζ0aµν+ΦµνFµν=0 (6.8)
ζ0ist eine Korrellationslänge, die die Länge eines Moleküls beschreibt und Φµν=∂φ/aµνist
die Ableitung eines dimensionslosen Landau–de Gennes Potenzials nach aµν. Der Tensor Fµν
beschreibt den Einfluss eines externen elektrischen oder magnetischen Feldes.
Kilian und Hess haben einen Algorythmus zur numerischen Relaxation eines in Raum (δl) und
Zeit (δt=γ1δl2/2dK) diskretisierten Systems entwickelt [52]. Nach einem Zeitschritt ergibt
sich für den Direktor:
nnew
µ=λ{hnµnνi+ [µ0χaδl2/(2dK)]HµHν}nν(6.9)
Dabei ist λein Normierungsfaktor, γ1die Rotationsviskosität, χadie Anisotropie der ma-
gnetischen Suszeptibilität, ddie Dimension (d=3), Kein effektiver elastischer Koeffizient
und Hµund Hνsind die Komponenten eines externen Magnetfeldes. In diesem Algorythmus
wird nur mit einem effektiven elastischen Koeffizienten gerechnet, anstatt die Unterschiede
der drei elastischen Koeffizienten zu berücksichtigen. Dennoch kann man mit diesem Algo-
rythmus sehr gut das Verhalten von Flüssigkristallen in kleinsten Räumen beschreiben. Zur
6 Experimente 61
Berechnung der Direktorfelder wird eine festgelegte Orientierung für die Randschicht an den
Porenwänden angenommen. An den übrigen Orten ist der Direktor zu Beginn der Rechnung
statistisch verteilt. Nach einer endlichen Anzahl von Zeitschritten erfolgt keine Änderung des
Direktorfeldes mehr. Es befindet sich dann im thermodynamischen Gleichgewicht, oder zu-
mindest in einem metastabilen Zustand.
Aus den simulierten Direktorfeldern werden schließlich 2HNMR–Spektren berechnet, um
sie mit den experimentell gemessenen Spektren zu vergleichen.
62 6 Experimente
7 Ergebnisse
7.1 Ergebnisse der Beugungsexperimente
Es wurden Kosseldiagramme von verschiedenen photonischen Kristallen aufgenommen. In
Abbildung 7.1 ist ein Kosseldiagramm einer 2D Silizium–Probe zu sehen, in der die Poren in
sechszähliger Symmtrie zueinander angeordnet sind. Die Gitterkonstante betrug a = 600 nm.
Abbildung 7.1: Kosseldiagramm von 2D makroporösem Silizium mit hexagonaler Symmetrie.
Die Aufnahme wurde bei einer Wellenlänge von λ=488 nm gemacht. Wie erwartet, ist im
Kosseldiagramm die sechszählige Symmetrie deutlich zu erkennen.
Von Kolloidkristallen wurden ebenfalls Kosseldiagramme beobachtet. Der erste Kolloidkri-
stall bestand aus einem dünnen Film aus Polystyrolkugeln, die einen Durchmesser von 500
nm hatten. Die Kossellinien weisen eine sechszählige Symmetrie auf. Die Schnittpunkte der
Kosselkegel bilden zwei Sechsecke, welche unterschiedlich groß, und um 30zueinander ver-
dreht sind (Abb. 7.2 und 7.3). Es handelt sich hierbei um Beugungsbilder der obersten Schicht
des Kolloidkristalls, ähnlich dem Kosseldiagramm des 2D makroporösen Siliziums. Diese bei-
den Sechsecke entsprechen den Reflexen der ersten und der zweiten Brillouinzone (Abb. 7.4).
63
64 7 Ergebnisse
Abbildung 7.2: Kosseldiagramm eines Kolloid-
kristalls aus Polystyrolkugeln. Der Kugeldurch-
messer betrug 500 nm.
Abbildung 7.3: Die Verbindung der Schnittpunk-
te der Kossellinien ergeben zwei Sechsecke, die
um 30 zueinander verdreht sind.
Abbildung 7.4: Darstellung des reziproken Gitters eines zweidimensionalen hexagonalen Kristalls mit der Kon-
struktion der ersten und zweiten Brillouinzone.
Geht man davon aus, dass es sich bei der beoachteten Schicht um die Oberfläche einer fcc–
Struktur handelt, so wäre die Beobachtungsrichung entlang der [111]–Richtung.
Der zweite Kolloidkristall bestand aus PMMA mit einem Kugeldurchmesser von 463 nm. Die-
ser Kristall lieferte stellenweise ein Kosseldiagramm mit 4–zähliger Symmetrie (Abb. 7.5).
An diesen Stellen ist der Kolloidkristall in [200]–Richtung gewachsen. Es sind die Reflexe der
Kristallebenen (111),(¯
111),(1¯
11)und (11¯
1)zu sehen (vergl. Abb. 7.6).
7 Ergebnisse 65
Die fcc–Struktur besitzt einerseits Flächen mit einer hexagonalen Anordnung der Kugeln, und
andererseits Achsen mit 4–zähliger Symmetrie. Geht man davon aus, dass Kolloidkristalle
tatsächlich fcc–Strukturen bilden (s. Kapitel 3), stehen die Ergebnisse mit dieser Vermutung
im Einklang.
Abbildung 7.5: Kosseldiagramm eines Kolloid-
kristalls aus PMMA–Kugeln. Der Kugeldurchmes-
ser betrug 463 nm.
111 111
11-1
111
Abbildung 7.6: Schematische Darstellung der
Kosselkegelschnitte eines fcc–Kristalls in der
[200]–Richtung.
66 7 Ergebnisse
7.2 Temperaturabhängiges Schalten von
Kolloidkristallen
7.2.1 Kolloidkristalle aus PMMA
Es wurde ein Kolloidkristall aus PMMA–Kugeln mit einem Durchmesser D = 200 nm herge-
stellt. Die Kristalle besaßen eine kubisch flächenzentrierte Kristallstruktur (fcc), deren [1,1,1]–
Richtung senkrecht zur Substratoberfläche orientiert ist. Der Kristall zeigte einen Reflex-
ionspeakbeiλ111 =448nmbeisenkrechtemLichteinfall(Abb. 7.7). Mit der Bragg–Bedingung
420 440 460 480 500 520
70°C
23°C
Reflektivität (willk. Einh.)
Wellenlänge (nm)
Abbildung 7.7: Reflexionsintensitäten eines PMMA Kolloidkristalls gefüllt mit Luft (λ=448 nm) und mit E7
(λ=493 nm) im Vergleich.
berechnet sich das Maximum des Reflexionspeaks wie folgt (s. Abschnitt 2.1.5):
λ=2nef f dhkl (7.1)
Der effektive Brechungsindex wird durch
nef f = (fin2
i)1/2(7.2)
7 Ergebnisse 67
20 30 40 50 60 70
491.0
491.5
492.0
492.5
493.0
493.5
Peak Wellenlänge
Brechungsindex
Temperatur (°C)
Peak Wellenlänge (nm)
1.58
1.59
1.60
1.61
1.62
Brechungsindex
Abbildung 7.8: Temperaturabhängigkeit der Reflexionsmaxima des mit Flüssigkristall gefüllten PMMA Kol-
loidkristalls, und des Brechungsindexes von E7. Beide Werte nehmen mit zunehmender Temperatur ab.
beschrieben. Dabei bezeichnet fiden Volumenanteil der Komponente iin der Heterostruktur.
Der Schichtabstand dkhl von Schichten mit den Miller–Indizes (h,k,l) ist abhängig von der
Gitterkonstanten a:
dhkl =a(h2+k2+l2)1/2(7.3)
MitfPMMA =0,74,nPMMA =1,49,fLuft =0,26,nLuft =1,a=D2und (h,k,l) = (1,1,1)
erhält man einen mittleren Brechungsindex von neff =1,38. Mit λ111 =p8/3neffD und dem
gemessenen Wert für den Reflexionspeak berechnet sich der Kugeldurchmesser zu D = 199nm
was durch AFM–Messungen (D = 195 nm ±10 nm) bestätigt wurde.
Nachdem die Zwischenräume mit Flüssigkristall gefüllt wurden, beobachtet man eine Rot-
verschiebung des (1,1,1)–Reflexionspeaks (Abb. 7.7). Bei 23C war das Maximum des Re-
flexionspeaks bei λ111 =493,4nm. Mit dem mittleren Brechungsindex von E7, nE7 =1,612,
berechnet sich ein effektiver Brechungsindex von neff =1,523 woraus sich eine etwas größe-
re Reflexionswellenlänge bei λ111 =494,3nm ergibt als gemessen wurde. Diese Abweichung
lässt sich durch einen kleinen Volumenanteil Luft von weniger als 1% erklären.
Bei Erhöhung der Temperatur von 23C auf 70C ergibt sich eine leichte Blauverschiebung
des Reflexionspeaks von ungefähr 2 nm (Abb. 7.8).
68 7 Ergebnisse
Tabelle 7.1: Temperaturabhängigkeit der Reflexionswellenlänge und des mittleren Brechungsindexes des Flüs-
sigkristalls E7:
PMMA Kolloidkristall mit E7
T(C)λ(nm)¯
nE7 n0ne
23 493,4 1,612 1,530 1,765
40 492,1 1,605 1,534 1,740
50 491,8 1,600 1,540 1,715
70 491,4 1,589 - -
Abbildung 7.9: Halbwertsbreite der Reflexionsbande und Brechungsindex–Kontrast n=nE7 nPMMA in Ab-
hängigkeit von der Temperatur.
Dies stimmt mit der Annahme überein, dass durch die Abnahme des mittleren Brechungsinde-
xesdes Flüssigkristalls der effektive Brechungsindexdes Gesamtsystems und somit die Bragg-
wellenlänge ebenfalls sinken (Abb. 7.8, Tab. 7.1). Aber nicht nur die Peakposition sondern
auch die Breite des Reflexionspeaks nimmt mit zunehmender Temperatur ab (Abb. 7.9). Am
auffälligsten ist dies oberhalb des Klärpunktes, wo der mittlere Brechungsindex im Vergleich
zur nematischen Phase sprunghaft um einen kleinen Betrag abnimmt (s. Abschnitt 2.2.1). Qua-
litativ ist die Breite der photonischen Bandlücke direkt proportional zum Brechungsindex–
Kontrast der beiden Komponenten, aus denen der photonische Kristall besteht. Demnach steht
7 Ergebnisse 69
die Abnahme der Bandbreite in Übereinstimmung mit der Abnahme der Differenz zwischen
den Brechungsindizes von PMMA und dem Flüssigkristall. Dabei fällt auf, dass sich, so lan-
ge sich der Flüssigkristall im nematischen Zustand befindet, nur die Bandkante, die sich bei
größeren Wellenlängen befindet, verschiebt. Es handelt sich um die Bandkante des niede-
renergetischen Bandes, in der die Intensität der stehenden elektromagnetischen Wellen in den
Bereichen mit hohem Brechungsindex am größten ist. Dieses Band wird üblicherweise di-
elektrisches Band genannt. Da der Flüssigkristall einen höheren Brechungsindex als PMMA
besitzt, kann man diesem Band den Namen „Flüssigkristallband” geben. Da durch die Tem-
peraturänderung der Brechungsindex des Flüssigkristalls verändert wurde, kommt es zu ei-
ner Verschiebung des „Flüssigkristallbandes”. Hingegen verschiebt sich die andere Bandkante
nicht. Diese entspricht dem hochenergetischen Band, und wird üblicherweise Luftband ge-
nannt. Da der hier betrachtete photonische Kristall jedoch keine Luft als einen Bestandteil
besitzt, handelt es sich hier um das „PMMA–Band”.
7.2.2 Kolloidkristalle aus Zinnsulfid
Abbildung 7.10: Mikroskopaufnahmen von
einem PMMA Kolloidkristall aus Kugeln mit
280 nm Durchmesser (oben) und nach der
Invertierung mit SnS2(unten).
70 7 Ergebnisse
400 450 500 550 600 650 700
Kolloidkristall
Invertierter K.
Reflektivität (willk. Einheiten)
Wellenlänge (nm)
Abbildung 7.11: Reflexionsintensität des Templats mit Kugeln aus 280 nm Durchmesser und des invertierten
Kolloidkristalls aus SnS2.
Für die Herstellung der inversen Struktur wurden größere PMMA–Kugeln als Template be-
nutzt. Der Kolloidkristall, welcher als Templat diente, hatte einen Reflexionspeak bei λ111 =
632 nm, woraus sich ein Kugeldurchmesser von D = 280 nm berechnen lässt. Dieser Wert
wurde durch AFM–Messungen bestätigt (D = 278 nm ±10nm). Lichtstreuexperimente in
wässriger Lösung lieferten größere Werte, die sich mit dem Quellen der Kugeln im Lösungs-
mittel erklären lassen. Der Gyrationsradius wurde zu Rg=128nm und der hydrodynamische
Radius zu Rh=161nm bestimmt. Das Verhältnis Rg/Rh=0,79 demonstriert die Kugelform
der kolloidalen Partikel. Für eine ideale Kugel liegt das Verhältnis Rg/Rhbei 0,77. Für ein
Stäbchen ist Rg/Rh=2. Die Zwischenräume wurden mit SnS2gefüllt und das Templat wur-
de herausgelöst (s. Abschnitt 3.2). Die Gitterkonstante des invertierten Kristalls wurde bei
diesem Prozess etwas kleiner als die des Templats. Elektronenmikroskopie lieferte einen Ab-
stand von D = 270 nm zwischen den Zentren benachbarter Löcher. Diese Struktur zeigte einen
Reflexionspeak bei λ111 =536nm (Abb. 7.11), was einem effektiven Brechungsindex von
neff 1,22 entspricht. In Abbildung 7.10 sind Mikroskopaufnahmen vom Templat und von
der invertierten Struktur zu sehen. Der Wechsel der Braggreflexion von Rot zu Grün ist deut-
7 Ergebnisse 71
lich zu erkennen. Mit dem bekannten Brechungsindex von mit CVD abgeschiedenem, kristal-
linem SnS2, nSnS2=2,6 [41], müsste man auf einen Volumenanteil von SnS2von weniger als
10% (statt 26%) schließen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass das SnS2kristallin ist. Es
640 660 680 700 720 740 760 780
Raumtemp.
35°C
50°C
55°C
70°C
Reflektivität (willk. Einh.)
Wellenlänge (nm)
Abbildung 7.12: Reflexionsintensitäten des gefüllten invertierten Kolloidkristalls (E7/SnS2). Die Reflektivität
nimmt mit zunehmender Temperatur zu.
wird vielmehr polykristallin sein, so dass der Brechungsindex des mit CVD abgeschiedenen
SnS2deutlich geringer ist. Ein Volumenanteil von ungefähr 15% ist wahrscheinlicher, da der
invertierte Kolloidkristall mechanisch stabil ist. Bei einem Volumenanteil von nur 10% wür-
de das Gitter in sich zusammenbrechen. Der SnS2–Kolloidkristall blieb sogar stabil, wenn er
mit Flüssigkristall gefüllt wurde. Nach der Infiltration mit E7 kam es zur erwarteten Rotver-
schiebung des Reflexionspeaks auf λ111 =736nm, woraus sich ein effektiver Brechungsindex
von neff =1,67 für das Gesamtsystem ergibt (Abb. 7.12). Der Reflexionspeak der gefüllten
invertierten Kolloidkristalle bewegte sich bei Erhöhung der Temperatur wegen der Verminde-
rung des mittleren Brechungsindexes, ebenfalls zu kleineren Wellenlängen (Abb. 7.13). Wegen
des deutlich größeren Volumenanteils des Flüssigkristalls ist die Verschiebung des Peakma-
ximums ebenfalls deutlich größer. Eine Temperaturänderung von 23C auf 70C ergibt eine
Verschiebung um 14 nm (Abb. 7.13, Tabelle 7.2).
72 7 Ergebnisse
20 30 40 50 60 70
722
724
726
728
730
732
734
736
738
Peak Wellenlänge
Brechungsindex
Temperatur (°C)
Peak Wellenlänge (nm)
1.56
1.57
1.58
1.59
1.60
Brechungsindex
Abbildung 7.13: Temperaturabhängigkeit der Reflexionsmaxima des gefüllten invertierten Kolloidkristalls
(E7/SnS2) und des mittleren Brechungsindexes von E7.
Tabelle 7.2: Temperaturabhängigkeit der Reflexionswellenlänge und des mittleren Brechungsindexes des Flüs-
sigkristalls E7 für die invertierte Struktur:
Invertierter Kolloidkristall mit E7
T(C)λ(nm)nE7
23 736 1,592
35 735 1,588
50 732 1,583
55 731 1,577
62 723 1,572
70 722 1,569
7 Ergebnisse 73
7.3 Elektrisches Schalten von Kolloidkristallen
Es wurden drei Kolloidkristalle aus PMMA mit verschieden Kugelgrößen mit E7 oder 5CB
infiltriert, und die Reflexionsspektren wurden bei verschieden hohen Wechselspannungen mit
einer Frequenz von 100 Hz gemessen. Abbildung 7.14 zeigt die Reflexionsspektren eines
450 475 500 525 550
15
20
25
30
0V
20V
40V
80V
120V
Reflektivität (%)
Wellenlänge (nm)
Abbildung 7.14: Abhängigkeit der Reflektivitäten eines gefüllten Kolloidkristalls (PMMA/E7) von der Wellen-
länge für verschiedene Spannungen. Die Kugelgröße betrug 200 nm.
Kolloidkristalls bestehend aus Kugeln mit 200 nm Durchmesser, gefüllt mit E7. Die Bragg-
wellenlänge liegt bei 491,7 nm. Beim Anlegen einer Spannung verschiebt sich das Maximum
zu kleineren Wellenlängen. Dies liegt daran, dass sich der Direktor ndes Flüssigkristalls ent-
lang des elektrischen Feldes orientiert. Da die Feldrichtung mit der Beobachtungsrichtung
übereinstimmt, beobachten wir eine Verminderung des effektiven Brechungsindexes des Flüs-
sigkristalls, der im Fall vollständiger Orientierung mit dem ordentlichen Brechungsindex von
E7 übereinstimmen sollte. Allerdings verhindern die Anbindung der Flüssigkristallmoleküle
an die Oberfläche der Kugeln und die elastischen Wechselwirkungskräfte der Moleküle unter-
einander eine vollständige Orientierung des Direktors nin Feldrichtung. Zur Kompensation
der elastischen Kräfte kann man die Spannung erhöhen. Da es jedoch bei hohen Spannun-
74 7 Ergebnisse
540 560 580 600 620
8
10
12
14
0V
80V
150V
Reflektivität (%)
Wellenlänge (nm)
Abbildung 7.15: Abhängigkeit der Reflektivitäten eines gefüllten Kolloidkristalls (PMMA/E7) von der Span-
nung. Die Kugelgröße betrug 220 nm.
gen zu einer Zerstörung der Testzelle kommen kann, konnte die Spannung maximal bis auf
150 V erhöht werden, bevor ein elektrischer Durchbruch erfolgte. Man sieht jedoch deutlich
eine Abhängigkeit der Braggwellenlänge von der Spannung. Bei einer Spannung von 120 V
verschiebt sich die Braggwellenlänge um 1,1 nm zu niedrigeren Werten. Dieser Effekt ist ge-
ringer als beim Temperaturschalten (s. Abschnitt 8.2). Ein weiterer Effekt ist in Abbildung
7.14 zu sehen. Mit zunehmender Spannung erhöht sich die Reflektivität. Dies liegt daran, dass
der Flüssigkristall im Mittel isotrop orientiert ist, was an der Randorientierung des Flüssig-
kristalls an den Kugeloberflächen liegt (Abb. 7.17). In diesem Fall wird das einfallende Licht
stark diffus gestreut. Bei einer zunehmenden anisotropen Orientierung im elektrischen Feld
wird das Licht weniger stark diffus gestreut, und es gelangt mehr Licht zur Detektion in das
Spektromenter. Da die Lichtquelle einen geringen Anteil in dem hier untersuchten Teil des
sichtbaren Spektrums besitzt, macht sich der Effekt besonders deutlich bemerkbar. Bei den
folgenden Spektren fällt der Effekt deutlich geringer aus. Das Schaltverhalten im elektrischen
Feld wurde mit zwei weiteren Kolloidkristallen untersucht. Beide Proben zeigten das gleiche
Verhalten (Abb. 7.15 und 7.18). Die Braggreflexion verschob sich geringfügig zu kleineren
Wellenlängen, und die Reflektivität nahm zu. In Abbildung 7.15 wurde ein Kolloidkristall mit
7 Ergebnisse 75
0
20 40 60 80
100 120 140 160
567.8
568.0
568.2
568.4
568.6
568.8
569.0
569.2
569.4
569.6
569.8
Braggwellenlänge (nm)
Spannung (V~)
Abbildung 7.16: Abhängigkeit der Reflexionsmaxima des gefüllten Kolloidkristalls (PMMA(220 nm)/E7) von
der Spannung.
Direktorfeld
bei planarer
Orientierung
Zentrum
Abbildung 7.17: Zweidimensionale Darstellung von einem Direktorfeld eines Flüssigkristalls in den Zwischen-
räumen eines Kolloidkristalls. In diesem Fall handelt es sich um eine planare Randorientierung. Im Zentrum der
Kugelzwischenräume befindet sich eine Disklination, da es keine eindeutige Gleichgewichtslage für die Flüssig-
kristallmoleküle gibt.
76 7 Ergebnisse
675 700 725 750 775
30
40
50
711.5nm710.4nm
0Volt
130Volt
Reflektivität (%)
Wellenlänge (nm)
Abbildung 7.18: Abhängigkeit der Reflektivitäten eines gefüllten Kolloidkristalls (PMMA/5CB) von der Span-
nung. Die Kugelgröße betrug 280 nm.
230 nm Kugeldurchmesser mit E7 gefüllt. Die Spannung wurde schrittweise bis auf 150 Volt
gesteigert. Die Abhängigkeit der Braggwellenlänge von der Spannung ist in Abbildung 7.16
dargestellt. Dort ist abzulesen, dass die maximale Verschiebung 1,5 nm beträgt. Außerdem
wurde ein Kolloidkristall mit einem Kugeldurchmesser von 280 nm mit 5CB gefüllt. Das Er-
gebnis ist in Abbildung 7.18 zu sehen. Die Braggwellenlänge verschiebt sich in diesem Fall
um 1,1 nm bei 130 Volt. Geht man davon aus, dass sich die Flüssigkristallmoleküle vollständig
im elektrischen Feld orientieren, so liegen die Ergebnisse der Messungen unter den Erwartun-
gen. Die Braggwellenlänge sollte sich im Vergleich zum feldfreien Zustand deutlich stärker
verschieben. Tabelle 7.3 zeigt die theoretischen Werte für die Verschiebung im Falle vollstän-
diger Orientierung im Vergleich mit den experimentellen Werten. Es stellt sich nun die Frage,
warum die Verschiebung der Braggwellenlänge so klein ausfällt.
In Abschnitt 2.2.3 wurde die Schwellfeldstärke für eine Deformation des Direktorfeldes in
Abhängigkeit von der Schichtdicke des Flüssigkristalls beschrieben:
E0=π
dKii
ε0∆ε1
2(7.4)
7 Ergebnisse 77
Tabelle 7.3: Theoretisch berechnete Werte für die Verschiebung der Braggwellenlänge im Vergleich zu den
experimentell bestimmten Werten.
Kugeldurchmesser (nm) (Füllung) Theorie (nm) Experiment (nm)
200 (E7) 6,5 1,1
230 (E7) 7,0 1,5
280 (5CB) 7,5 1,1
Betrachtet man die Ausdehnung der Tetraeder– und Oktaederlücken, in denen der Flüssigkri-
stall zwischen den Kugeln im Kolloidkristall eingebettet ist, so kommt man zu dem Schluss,
dass es sich um „Schichtdicken” von ca. 50 nm bis 100 nm handelt. Mit ∆ε = 13,8 und
Kii 1011N für E7 und einer Schichtdicke von 100 nm erhält man für die Schwellfeldstär-
ke E0=9V
µm. Für Testzellen mit einer Dicke von 30µm benötigt man z. B. eine Spannung von
ca. 270 V. Für reine Flüssigkristalle sind 10 V
µmdurchaus akzeptabel, aber in den hier unter-
suchten heterogenen Systemen führte eine derart hohe Spannung zur Zerstörung der Testzelle.
Dass es überhaupt eine Verschiebung der Braggwellenlänge gibt, obwohl die hier angelegten
Spannungen niedriger sind, liegt wahrscheinlich an der Disklination im Zentrum der Kugel-
zwischenräume (Abb. 7.17). In diesem kleinen Bereich ist die Gleichgewichtslage für das
Direktorfeld nicht eindeutig definiert, da sich die elastischen Kräfte, die von der Randorien-
tierung des Flüssigkristalls an den Kugeloberflächen herrühren, gegenseitig aufheben. Daher
ist es möglich, durch relativ kleine äußere Felder das Direktorfeld in diesem Bereich zu be-
einflussen.
78 7 Ergebnisse
7.4 Temperaturabhängiges Schalten in 3D
makroporösem Silizium
8
10 12 14
0.00
0.01
0.02
0.03
1762 nm
144 nm
920 nm
Luftporen
Nematisch
Isotrop
Transmission
Wellenlänge (µm)
Abbildung 7.19: Transmissionsspektrum von porösem Silizium mit modulierten Poren: ohne Flüssigkristall
(schwarz), mit nematischem Flüssigkristall (rot) und mit Flüssigkristall in der isotropen Phase (grün).
Poröses Silizium mit modulierten Poren besitzt eine Bandlücke für Licht, das sich entlang
der Porenachse ausbreitet. Die erste analysierte Probe besitzt eine Modulation der Radien von
Rmin 0,38 ±0,05µm und Rmax 0,63 ±0,05µm bei einer Gitterkonstante von a =1,5µm
und einer Periodizität von p = 2,6 µm. Die Messung der Transmission parallel zur Porenach-
se (s. Abschnitt 5.3.1) weist auf eine Bandlücke hin, die bei λ=10,5 µm zentriert ist. Es
kommt zu einer Rotverschiebung nach der Infiltration der Poren mit dem Flüssigkristall 5CB
um 920 nm an der Bandkante höherer Wellenlängen, und um 1762 nm an der Bandkante
kürzerer Wellenlängen (Abb. 7.19). Die Bandlücke wird demnach schmaler, was sich, auf-
grund des höheren Brechungsindexes des Flüssigkristalls gegenüber Luft, mit dem geringeren
dielektrischen Kontrast der beiden Komponenten des photonischen Kristalls erklären lässt.
Der Grund für die Gesamtverschiebung der Bandlücke ist der größere mittlere Brechungsin-
dex der infiltrierten Probe, der sich aus der Maxwell–Garnett Beziehung (s. Abschnitt 2.1.5
[27]) berechnen lässt.
7 Ergebnisse 79
Heizt man die Probe von der Raumtemperatur 24C auf 40C auf, so dass sich der Flüssigkri-
stall schließlich in der isotropen Phase befindet, verschiebt sich die Bandlücke wiederum zu
größeren Wellenlängen. Dieses Ergebnis überrascht zunächst:
Der mittlere Brechungsindex des Flüssigkristalls, und damit auch der Gesamtbrechungsindex
des Systems, sollten abnehmen. Also müsste sich die Bandlücke zu kleineren Wellenlängen
verschieben. Da das Gegenteil der Fall ist, muss man davon ausgehen, dass die Flüssigkri-
stallmoleküle in der nematischen Phase hauptsächlich parallel zur Porenachse orientiet sind.
Das bedeutet, dass der effektive Brechungsindex für Lichtausbreitung parallel zur Porenachse
näherungsweise dem ordentlichen Brechungsindex entspricht, welcher kleiner als der mittlere
Brechungsindex des Flüssigkristalls ist. Beim Aufheizen in die isotrope Phase steigt daher der
Brechungsindex. Es kommt zu einer Verschiebung der „Flüssigkristallbandkante“ um 144
nm zu größeren Wellenlängen. Der Ausdruck „Flüssigkristallbandkante“ gilt in Anlehnung
an den Ausdruck „Luftbandkante“, wie normalerweise die Bandkante bei niedrigeren Wel-
lenlängen genannt wird. Sie korrespondiert mit den elektromagnetischen Moden, welche ihre
Maxima in den mit Flüssigkristall gefüllten Regionen besitzen. Es verschiebt sich auch die
Bandkante des dielektrischen Bandes. Die Verschiebung beträgt 75 nm. Der Grund hierfür
liegt darin, dass in einer Struktur mit Porenmodulation die Eigenschaften des dielektrischen
Bandes nicht ausschließlich vom Silizium abhängen. Dieser Sachverhalt wurde in Abschnitt
2.1.5 beschrieben. In diesem speziellen Fall kommt es zu einer Verschiebung beider Bandkan-
ten, wenn sich der Brechungsindex einer Komponente ändert.
Es wurden auch polarisationsabhängige Messungen an den 3D Strukturen durchgeführt. Bei
den Poren handelt es sich nicht um Zylinder mit einem exakt kreisfömigen Querschnitt, son-
dern vielmehr um quadratische Säulen mit abgerundeten Kanten. Damit wird die sechszählige
Symmtrie auf eine zweizählige Symmetrie reduziert, und es gibt ein polarisationsabhängiges
Transmissionsverhalten entlang der Porenachse (s. Abschnitt 2.1.5) [25]. Die hierfür genutz-
te Probe wurde vom gleichen Wafer abgebrochen, wie die Probe, die für die unpolarisierten
Messungen genutzt wurde. Es scheint jedoch so, als ob der Siliziumwafer inhomogen geätzt
wurde, so dass die polarisationabhängigen Messungen von den unpolarisierten um 0,5 µm ab-
weichen (Abb. 7.20). Die polarisationsabhängige Verschiebung der Flüssigkristallbandkante
betrug 152 nm, und war demnach größer als der Effekt beim polarisationsunabhängigen Tem-
peraturschalten. Die nächste Messung wurde temperatur und polarisationsabhängig durch-
geführt, und mit theoretischen Berechnungen verglichen, die nach der Methode der ebenen
Wellen berechnet wurden (Abb. 7.21). Als Grundlage für die theoretischen Bandstrukturrech-
nungen dienten die o. g. Werte. Eine Periode der Pore wurde in mehrere Scheiben unterteilt.
Für jede Scheibe wurde nach der Maxwell–Garnett Relation die effektive Dielektrizitätskon-
stante (DK) berechnet. Für Silizium wurde der Wert ε= (3,4)2, für den Flüssigkristall wurden
die ordentliche DK mit εN= (1,5)2und die DK εiso = (1,55)2in der isotropen Phase verwen-
80 7 Ergebnisse
10 11 12 13 14 15
152nm
0° Polarization
90° Polarization
Transmission (willk. Einh.)
Wellenlänge (µm)
Abbildung 7.20: Polarisationsabhängige Transmissionsspektren von makroporösem Silizium mit modulierten
Poren gefüllt mit 5CB bei Raumtemperatur. Die in der Legende dargestellten 0und 90beschreiben die Rich-
tung des oszillierenden elektrischen Feldes.
Tabelle 7.4: Experimentelle und theoretische Werte der Flüssigkristallbandkante für unterschiedliche Polarisa-
tionen der einfallenden IR–Strahlung und unterschiedliche Flüssigkristallphasen.
Polarisation Flüssigkristallphase λ1(Experiment)(cm1)λ1(Theorie)(cm1)
0Nematisch 894 932
0Isotrop 885 918
90Nematisch 882 897
90Isotrop 871 885
det. Theorie und Experiment weichen etwas voneinander ab, was der Wertetabelle 7.4 für die
Positionen der Flüssigkristallbandkanten zu entnehmen ist. Die Abweichungen lassen sich da-
mit erklären, dass bei den Rechnungen der Porenquerschnitt als Quadrat angenommen wurde.
Da es sich jedoch in der Realität um Quadrate mit abgerundeten Ecken handelt, ist der Effekt,
der sich durch die Reduktion der Symmetrie begründen lässt, nicht so stark ausgeprägt. Im
Experiment bewirkt die Drehung der Polarisationsebene um 90 eine Verschiebung von 894
7 Ergebnisse 81
Abbildung 7.21: Temperatur– und polarisationsabhängige Transmissionsspektren von makroporösem Silizium
mit modulierten Poren gefüllt mit 5CB. Die Bandstrukturrechnungen (links) wurden von Heinrich Matthias
durchgeführt.
cm1nach 871 cm1, was einer Wellenlängenverschiebung von 11,185 µm nach 11,481 µm
entspricht. Die Flüssigkristallbandkante wurde demnach um 296 nm verschoben.
Bei der zweiten Probe handelt es sich um 3D makroporöses Silizium mit einer Störung der
Modulationsperiode. Sie besitzt 5 periodisch aufeinander folgende Modulationen des Poren-
durchmessers. Daran angeschlossen ist eine Defektschicht, in der der Porendurchmesser kon-
stant gehalten wird. Darauf folgen wiederum 5 periodische Modulationen (Abb. 7.22). Die An-
ordnung der Poren ist bei dieser Probe quadratisch. Daher ist die Bandlücke in ΓA–Richtung
polarisationsunabhängig.
Die Struktur besitzt eine Resonanz innerhalb der zweiten Bandlücke bei 7,184 µm. Nach dem
Füllen der Probe mit 5CB verschiebt sich der Resonanzpeak bei 24C um 191 nm erwartungs-
gemäß zu größeren Wellenlängen nach 7,375 µm. Durch Erhitzen der Probe auf 40 C kommt
es wiederum zu einer Verschiebung um 20 nm auf 7,395 µm (Abb 7.23). Dieses Ergebnis
korresponiert mit der Annahme, dass sich der Flüssigkristall in der nematischen Phase haupt-
sächlich parallel zur Porenachse orientiert, so dass es durch die Temperaturerhöhung zu einer
Erhöhung des effektiven Brechungsindexes für Lichtausbreitung in ΓA–Richtung kommt. Da-
82 7 Ergebnisse
Abbildung 7.22: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von 3D makroporösem Silizium mit einer Reso-
nanzstruktur (von Sven Matthias).
6.0 6.5 7.0 7.5 8.0 8.5 9.0
0.00
0.02
0.04
0.06
0.08
0.10
0.00
0.01
0.02
0.03
0.04
Luftporen
Wellenlänge (µm)
Nematisch
Isotrop
Transmission
Transmission
Abbildung 7.23: Transmissionsspektren von 3D makroporösem Silizium mit Resonanzstruktur. Die Messun-
gen wurden ohne Flüssigkristall (schwarz), sowie mit Flüssigkristallfüllung bei 24C (rot) und bei 40C (grün)
durchgeführt.
7 Ergebnisse 83
her kommt es nicht nur zu einer Verschiebung der Flüssigkristallbandkante, sondern auch zu
einer Verschiebung des Resonanzsignals. Desweiteren wurde die Temperaturabhängigkeit des
Resonanzsignals genauer überprüft. Dabei wurde festgestellt, dass sich das Resonanzsignal
erst am Klärpunkt verschiebt. Unter und über dem Klärpunkt ist die Position des Resonanz-
peaks im Rahmen der Messgenauigkeit von ±1nm temperaturunabhängig (Abb. 7.24).
20 30 40
7.38
7.40
7.42
7.44
7.46
Peak Maximum (µm)
Temperatur (°C)
Abbildung 7.24: Maxima des Resonanzpeaks in Abhängigkeit von der Temperatur.
Die experimentellen Werte wurden rechnerisch mit dem von W. Theiß entwickelten Programm
„Scout 98” verglichen, welches auf einem 1D Transfer-Matrix-Formalismus basiert. Bei der-
artigen Berechnungen wird für die ΓA–Richtung des photonischen Kristalls das Problem auf
ein 1D Lamellenmodell reduziert. In Abbildung 7.25 wird die Verschiebung der Resonanz-
peaks betrachtet. Der Resonanzpeak für den ungefüllten photonischen Kristall verschiebt sich
um 296 nm, nachdem die Struktur mit einem Dielektrikum mit einem Brechungsindex von n =
1,5 gefüllt wurde, was dem ordentlichen Brechungsindex von 5CB entspricht. Bei Erhöhung
dieses Brechungsindexes auf n = 1,55, was dem Brechungsindex von 5CB in der isotropen
Phase entspricht, kommt es erwartungsgemäß zu einer weiteren Rotverschiebung um 33 nm.
Die dritte Probe wurde mit dem glasartig erstarrenden Flüssigkristall ASY10 gefüllt. Die Po-
84 7 Ergebnisse
-500
0
500
1000
191 nm
Messung
Luft
Nematisch
Isotrop
Intensität (willk. Einh.)
Verschiebung (nm)
296 nm
Rechnung
Abbildung 7.25: Gegenüberstellung des berechneten mit dem experimentell bestimmten Transmissionsspek-
trum. Zum besseren Vergleich wird nur die Verschiebung der Resonanzpeaks betrachtet.
ren besitzen eine Modulationsperiode von 2,9 µm, haben einen minimalen Durchmesser von
0,8 µm und einen maximalen Durchmesser von 1,5 µm. Die Probe wurde drei Tage bei 120
C temperiert, damit sich eine einheitliche nematische Orientierungsfernordnung in den Po-
ren bilden kann. Anschließend wurde die Probe schnell auf einem Metallblock abgekühlt. In
Abbildung 7.26 ist die Bandlücke gut erkennbar. Nach der ersten Messung wurde die Sub-
stanz auf 170 C in die isotrope Phase aufgeheizt und von dieser Temperatur aus mit dem
Metallblock abgekühlt. Im anschließend gemessenen Transmissionsspektrum ist an der Flüs-
sigkristallbandkante eine leichte Verschiebung um 35 nm zu erkennen. Die Verschiebung fällt
deutlich kleiner aus, als bei der Infiltration mit 5CB, obwohl die Doppelbrechung nvon bei-
den Substanzen bei ca. 0,15 liegt. Die Verschiebung der Flüssigkristallbandkante sollte dem-
nach auch ungefähr gleich sein. Die Abweichung der Verbindung vom erwarteten Verhalten
liegt vermutlich daran, dass das ASY10 sich nicht so einheitlich orientiert, wie die deutlich
weniger viskose Verbindung 5CB. Außerdem wurde bei anderen Experimenten gezeigt, dass
ASY10 in den Poren häufig Disklinationen und Defekte (Abb. 7.27) ausbildet [50].
7 Ergebnisse 85
10 11 12 13 14 15 16
35 nm
Temperiert bei 120°C
Temperiert bei 170°C
Transmission (willk. Einh.)
Wellenlänge (µm)
Abbildung 7.26: Reflexionsspektren von 3D makroporösem Silizium gefüllt mit ASY10, welche bei 120 C
und bei 170 C temperiert wurden. Es kommt zu einer Verschiebung der Flüssigkristallbandkante um 35 nm.
Abbildung7.27: Aufnahme vonASY10, welches aus makroporösem Silizium herausgelöstwurde. Die Substanz
wurde mit einem Fluoreszenzfarbstoff versetzt und mit polarisiertem Licht angeregt. Daraus lässt sich lokal die
Vorzugsrichtung der Moleküle bestimmen. In diesem Fall ist die Orientierung sehr uneinheitlich, und es sind
viele Defekte erkennbar [50].
86 7 Ergebnisse
7.5 Temperaturabhängiges Schalten in 2D
makroporösem Silizium
Die in diesem Abschnitt analysierte Probe besitzt eine Gitterkonstante von a = 1,5 µm und
einen konstanten Porendurchmesser von d = 1,2 µm. Daraus ergibt sich ein Verhältnis r/a von
0,4. Die Messungen wurden in ΓM–Richtung in der TE–Polarisation durchgeführt, wo-
2345678
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
0,37µm
1,18µm
Luft
5CB
Reflektivität
Wellenlänge (µm)
Abbildung 7.28: Reflexionsspektren von 2D makroporösem Silizium, welches in ΓM–Richtung mit TE–
Polarisierter IR–Strahlung bestrahlt wurde, vor und nach der Befüllung mit 5CB.
bei zu beachten ist, dass aufgrund der Casségrain–Optik unter einem gewissen Winkel auf
die Probe eingestrahlt wird (s. Abschnitt 6.3.2). Nach der Infiltration mit dem Flüssigkristall
5CB verschob sich die Bandlücke erwartungsgemäß in Richtung größerer Wellenlängen. Die
Luftbandkante verschiebt sich zur Flüssigkristallbandkante um 1,18 µm und die dielektrische
Bandkante um 0,37 µm (Abb. 7.28). Nach Erhöhung der Temperatur von Raumtemperatur
auf 60C wurde ein Verschieben der Flüssigkristallbandkante um 35 nm in Richtung grö-
ßerer Wellenlängen beobachtet. Da es sich genau wie bei den 3D–Systemen um eine Rot-
verschiebung handelt, muss man wieder davon ausgehen, dass die Flüssigkristallmoleküle
hauptsächlich parallel zur Porenachse orientiert sind. Nur so lässt sich erklären, warum in
der TE–Polarisation in der nematischen Phase ein kleinerer effektiver Brechungsindex des
7 Ergebnisse 87
Flüssigkristalls existiert als in der isotropen Phase. Die Messungen wurden mit theoretischen
Berechnungen verglichen, bei denen von einem Brechungsindex von no= 1,5 in der nemati-
schen Phase und von niso = 1,55 in der isotropen Phase ausgegangen wird. Es wurden Refle-
xionsspektren in ΓM– und ΓK–Richtung mit dem Progamm Translight von A. Reynolds [38]
berechnet (Abb. 7.29), das auf einem 2D–Transfermodell basiert, sowie Bandstrukturen mit
dem MIT Photonic Bands–Progamm [40] (Abb. 7.30). Die Werte für die Bandkanten sind der
Tabelle 7.5 zu entnehmen. Die Simulation mit Translight ergab eine Bandkantenverschiebung
Abbildung 7.29: Vergleich der experimentell gemessenen Spektren (mitte) mit den Reflexionssimulationen
(rechts: ΓM, links: ΓK).
um 100nm, also fast dreimal soviel als im Experiment. Die Bandstrukturrechnung kommt mit
97 nm zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Abweichung zu den experimentellen Werten liegt
in der Messmethode begründet. Aufgrund des schrägen Lichteinfalls wegen der Casségrain–
Optik „sieht“ das auftreffende Licht nicht ausschließlich den ordentlichen Brechungsindex no
sondern einen etwas höheren effektiven Brechungsindex. Außerdem kann es sich auch um ei-
ne „escaped radialt’t Orientierungsverteilung des Direktors handeln. Diese bildet sich häufig
bei homöotroper Randorientierung an den Porenwänden aus. In diesem Fall erhält man in der
Gesamtheit einen größeren effektiven Brechungsindex für die TE–Polarisation. Um eine kla-
re Aussage über die Orientierungsverteilung der Flüssigkristallmoleküle zu treffen, wurden
2HNMR–Experimente durchgeführt. Diese sind im folgenden Kapitel dargestellt.
88 7 Ergebnisse
Abbildung 7.30: Vergleich der Bandstrukturrechnung (links) mit den experimentell gemessenen Spektren
(rechts).
Tabelle 7.5: Experimentelle und theoretische Werte für die Flüssigkristallbandkante der 2D–Struktur für unter-
schiedliche Flüssigkristallphasen.
Phase Experiment (cm1) Translight (ΓK/ΓM)(cm1) MIT (ΓK/ΓM)(cm1)
Nematisch 2206 2302 / 2084 2272 / 2117
Isotrop 2189 2250 / 2036 2224 / 2067
7 Ergebnisse 89
7.6 Deuterium–NMR–Experimente in makroporösem
Silizium
Deuterium–NMR–Messungen wurden mit zwei unterschiedlichen 2D–Kristallen und an einer
3D–Struktur mit Porenmodulation durchgeführt.
7.6.1 2D–Strukturen
-30 -20 -10
0
10 20 30
27,677 kHz
-28,314 kHz
2,1µm bei 298K
Intensität (willk. Einh.)
Frequenz (kHz)
Abbildung 7.31: 2HNMR–Messung an 2D Silizium mit 2,1 µm Porendurchmesser.
Die Porendurchmesser der 2D–Strukturen betrugen 0,9 µm bzw. 2,1 µm. Die Probe mit 2,1 µm
Porendurchmesser besaß eine Porentiefe von 200 µm. Bei einer Gitterkonstante von a = 4,2 µm
ergibt sich eine Porösität von 0,227. Es wurden 42 Plättchen mit 2×2mm2Größe herausge-
schnitten und übereinander gestapelt (s. Abschnitt 6.4). Daraus ergibt sich ein Porenvolumen
von ca. 7,6 mm3. Geht man davon aus, dass die Poren vollständig mit deuteriertem 5CB ge-
füllt sind, dann befinden sich nur 7,6 µl Flüssigkristall in dem NMR–Röhrchen. Aufgrund
dieser geringen Menge war eine lange Messzeit von einem Tag nötig, um ein relativ gutes
Signal/Rausch–Verhältnis S/N zu erhalten. Bei der Probe mit nur 0,9 µm betrug die Gitterkon-
90 7 Ergebnisse
-30 -20 -10
0
10 20 30
27,893 kHz
-28,470 kHz
0,9µm bei 298K
Intensität (willk. Einh.)
Frequenz (kHz)
Abbildung 7.32: 2HNMR–Messung an 2D Silizium mit 0,9 µm Porendurchmesser.
stante a = 1,5 µm. Das ergibt eine Porösität von 0,326. Es wurden 36 Plättchen übereinander
gestapelt. Die Porentiefe betrug nur 100 µm. Daraus ergibt sich, dass 4,6 µl Flüssigkristall in
der Probe enthalten sind. Da es sich um weniger Substanz als bei der 2,1 µm–Probe handelt,
war das Verhältnis S/N bei diesen Messungen schlechter, und es war eine Messzeit von drei
Tagen nötig, um ein ausreichend gutes Verhältnis S/N zu erhalten. In Abbildung 7.31 ist das
2HNMR–Spektrum für die 2,1 µm–Probe bei 298 K (25C) zu sehen. Die Quadrupolauf-
spaltung des 2HNMR–Signals beträgt ∆ν = 55,991 kHz. Bei der 0,9 µm–Probe beträgt die
Aufspaltung ∆ν = 56,363 kHz (Abb. 7.32). Die beiden Werte korrespondieren sehr gut mitein-
ander. Die Literatur [37] liefert für eine parallele Orientierung des Direktors nzum Magneteld
eine Quadrupolaufspaltung von ∆ν = 53 kHz bei 298 Kelvin (Abschnitt 5.4). Dieser Wert für
die Quadrupolaufspaltung liegt etwas niedriger, ist aber durchaus mit den hier gemessenen
Werten vergleichbar. Zur Kontrolle wurden einige Milliliter 5CB in ein NMR–Röhrchen ge-
füllt und bei der gleichen Temperatur wurde das 2HNMR–Spektrum gemessen. Es darf an-
genommen werden, dass sich der Direkor des Flüssigkristalls in dieser Probe in Feldrichtung
orientiert, und daher Auskunft über die maximale Quadrupolauspaltung gibt. Das Ergebnis
war ∆ν = 53,210 kHz (Abb. 7.33). Für eine Orientierung senkrecht zum Magnetfeld würde die
Aufspaltung nur die Hälfte betragen. Bei einer Mischung beider Orientierungen wären dann
7 Ergebnisse 91
-26418Hz26729Hz
Abbildung 7.33: 2HNMR–Spektrum von 5CB in einem NMR–Röhrchen. Die Aufspaltung beträgt erwar-
tungsgemäß 53,210 kHz.
-0.5
0.0 0.5
Rechnung
Frequenz (normiert)
Messung
Intensität (willk. Einh.)
Abbildung 7.34: Gegenüberstellung von Abbildung 7.31 und einem rechnerisch ermittelten Spektrum für den
Fall vollständiger Orientierung des Direktors nentlang der Porenachse.
92 7 Ergebnisse
auch beide Aufspaltungen im NMR–Spektrum sichtbar. Abbildung 7.34 zeigt eine Gegen-
überstellung von Abbildung 7.31 und einem theoretisch berechneten Spektrum für den Fall
vollständiger Orientierung des Direktors entlang der Porenachse. Die beiden Spektren passen
sehr gut zusammen. Dies bestätigt, dass sich 5CB in den Poren des 2D–Siliziums hauptsäch-
lich parallel zur Porenachse orientiert.
Die Quadrupolaufspaltung von dem α–deuterierten 5CB in den Poren ist um ca. 3 kHz grö-
ßer als die Aufspaltung, die in dem NMR–Röhrchen gemessen wurde. Bedenkt man, dass die
Aufspaltung nicht nur vom Direktor, sondern auch vom Ordnungsgrad abhängt, kommt man
zu dem Schluss, dass der Ordnungsgrad vom 5CB in den Poren höher sein muss. Um dies zu
quantifizieren, betrachtet man folgende Gleichung (s. Abschnitt 6.4.1):
∆ν0=3
2
e2qQ
h
1
2Sh1
2(cos2β1)i+1
2(Sxx Syy)hsin2βcos2αi.(7.5)
1
2(Sxx Syy)hsin2βcos2αienthält die Biaxialität des Moleküls. Im Fall von 5CB kann man
diesen Term vernachlässigen und gleich null setzen. Wenn man 3/4·e2qQ/h· h1
2(cos2β
1)i=xsetzt, ergibt sich aus Gleichung (7.5) die Proportionalität:
∆ν0=xS (7.6)
Ist die maximale Quadrupolaufspaltung allein aufgrund des Ordnungsgrades unterschiedlich,
so gilt für die relative Änderung der Aufspaltung:
∆ν01 ∆ν02
∆ν01 =S1S2
S1(7.7)
Demnach hat man in den 0,9µm Poren eine relative Änderung des Ordnungsgrades S um
0,059 und bei den 2,1µm Poren eine um 0,052 gegenüber dem Ordnungsgrad, der in dem
NMR–Röhrchen war.
Nach Abschnitt 5.4 sollte es theoretisch zu sehr scharfen Peaks mit geringer Halbwertsbreite
kommen. Aufgrund von Geräteparametern, wie z.B. der Inhomogenität des Magnetfeldes oder
Schwankungen der Magnetfeldstärke, sind NMR–Signale gaussverteilt. Deshalb wurde das
theoretisch berechnete Signal mit einer Gauss–Funktion gefaltet.
Um eine Änderung von der planaren zu einer homöotropen Randorientierung zu erhalten,
kann man die Porenwände chemisch behandeln. Dafür wurde eine 0,1–prozentige Lösung
DMOAP (N,N-dimethyl-N-octadecyl-3-aminopropyltrimethoxisilylchlorid) in die Poren mit
2,1µm Durchmesser gefüllt und bei 110C getrocknet. Dabei entsteht eine kovalente Bindung
des DMOAP mit dem Silizium [75]. 5CB orientiert sich an den mit DMOAP behandelten
Oberflächen homöotrop. Das Ergebnis der Deuterium–NMR–Messung ist in Abbildung 7.35
zu sehen. Man sieht deutlich neben der dominanten Maximalaufspaltung von 54,809 kHz
eine zusätzliche, schwächer ausgeprägte Auspaltung von 24,231 kHz. Außerdem ist in der
7 Ergebnisse 93
-30 -20 -10
0
10 20 30
2,1µm mit DMOAP bei 295K
-11,730 kHz
12,501 kHz
27,734 kHz
-27,075 kHz
Intensität (willk. Einh.)
Frequenz (kHz)
Abbildung 7.35: 2HNMR–Spektrum von 5CB in 2,1µm–Poren, welche mit DMOAP behandelt wurden. Die
maximale Aufspaltung beträgt 54,809 kHz. Die kleinere Aufspaltung beträgt 24,231 kHz. Der schmale Peak in
der Mitte deutet auf isotrope Anteile innerhalb der nematischen Phase hin.
Mitte ein schmaler Peak zu sehen, was auf geringe isotrope Anteile innerhalb der nematischen
Phase deutet. Durch Integration dieses Signals kann man sagen, dass dieser isotrope Anteil bei
ungefähr 4% liegt. Zum Vergleich wurden drei theoretische Spektren für eine „escaped radial”
Orientierungsverteilung berechnet. Die ersten beiden Rechnungen unterscheiden sich nur im
Winkel der Randorientierung. Es wurden Randorientierungen Θ(r=1)von 90und von 80
angenommen. In der Mitte der Poren (r=0) liegt der Direktor nparallel zum Magnetfeld.
Dazwischen wird ein exponenzieller Verlauf der Orientierung des Direktors nin Abhängigkeit
vom normierten Radius rangesetzt:
Θ(r) = Θ(r=1)
e(1r)/0.47 0<r<1 (7.8)
Das dritte Spektrum wurde für ein Direktorfeld berechnet, das durch ein Polynom vierten
Grades beschrieben wird. Für die Randorientierung wurde ein Winkel von 78,5angenommen
und der Verlauf durch ein Polynom vierten Grades beschrieben:
Θ(r) = 39·r+39·r2+0,5·r40r1 (7.9)
94 7 Ergebnisse
r
r
r
B
B
B
80°
78,5°
0
0
0
1
1
1
Abbildung 7.36: Berechnete 2HNMR–Spektren für „escaped radial” Direktorverteilungen mit Randorien-
tierungen von 90(oben), 80(mitte) und 78,5(unten). Die Striche neben den Spektren symbolisieren die
Orientierungen des Direktors zum Magnetfeld in Abhängigkeit vom Radius r.
Abbildung 7.37: Vergleich des experimentell gemessenen Spektrums (schwarz) mit dem theoretisch berechne-
ten Spektrum für eine Randorientierung mit Θ=78,5(rot).
7 Ergebnisse 95
Die berechneten Spektren unterscheiden sich signifikant voneinander (Abb. 7.36). Die kleine
Aufspaltung hängt direkt mit der Randorientierung des Flüssigkristalls an den Porenwänden
zusammen. Je größer der Winkel, desto größer ist die Aufspaltung im mittleren Teil des Spek-
trums. Vergleicht man das experimentell gemessene Spektrum mit den berechneten Spektren,
so entdeckt man eine gute Übereinstimmung für das Polynom mit 78,5Randorientierung
(Abb. 7.37). Es kann daher angenommen werden, dass dieses Modell das Direktorfeld im
Inneren der Pore am besten beschreibt.
96 7 Ergebnisse
7.6.2 3D–Strukturen
Abbildung 7.38: SEM–Aufnahme von 3D makroporösem Silizium, welcher anschließend mit α–deuteriertem
5CB gefüllt wurde.
Die untersuchte 3D–Struktur besitzt eine zweidimensionale quadratische Anordnung der Po-
ren mit einer Gitterkonstante von 2 µm. Für die 2HNMR–Messung ist das jedoch ohne
Belang. Es existieren 30 Modulationen in der Probe, wobei die Länge einer Modulationsperi-
ode 1,82 µm beträgt. Die Poren sind 54,6 µm tief. Der Porendurchmesser variiert von 1,39 µm
bis 1,82 µm (Abb. 7.38).
Es wurden 68 Plättchen mit einer Größe von 2×2mm2herausgeschnitten und gestapelt. Dar-
aus ergibt sich ein Porenvolumen von ca. 9 mm3, und es befinden sich 9 µl Flüssigkristall
in der untersuchten Probe. Abbildung 7.39 zeigt das 2HNMR–Spektrum der 3D–Probe.
Die maximale Aufspaltung der Linien von ∆ν =46,874kHz sind auch in der 3D–Probe do-
minant, woraus sich schließen lässt, dass der Großteil der Flüssigkristallmoleküle entlang der
Porenachse orientiert ist. Die Aufspaltung ist, verglichen mit den Spektren der 2D–Proben,
relativ klein. Daraus kann man schließen, dass der Ordnungsgrad in den 3D–Strukturen deut-
lich geringer ist als in den 2D–Strukturen. Zusätzlich existiert in der Mitte ein relativ schwach
ausgeprägter aber relativ breiter Peak, was auf isotrope Anteile oder Defektorientierungen in-
nerhalb der nematischen Phase hindeutet. Die Poren der gleichen Probe wurden ebenfalls mit
DMOAP behandelt, um eine homöotrope Randorientierung des Flüssigkristalls zu erhalten.
Das Spektrum dieser Messung ist in Abbildung 7.40 zu sehen. Die Messungen unterscheiden
sich deutlich voneinander. Bei der Probe, die mit DMOAP behandelt wurde, ist neben der
maximalen Quadrupolaufspaltung von ∆ν =52,623kHz auch noch eine kleinere Aufspaltung
7 Ergebnisse 97
-30 -20 -10
0
10 20 30
3D Probe bei 295K
23,681 kHz
-23,193 kHz
Intensität (willk. Einh.)
Frequenz (kHz)
Abbildung 7.39: 2HNMR–Messung von deuteriertem 5CB in 3D–makroporösem Silizium.
-30 -20 -10
0
10 20 30
12,501 kHz
-11,730 kHz
26,494 kHz
-26,129 kHz
3D Probe mit DMOAP bei 295K
Intensität (willk. Einh.)
Frequenz (kHz)
Abbildung 7.40: 2HNMR–Messung von deuteriertem 5CB in 3D–makroporösem Silizium bei dem die Po-
renoberflächen mit DMOAP behandelt wurden, um eine homöotrope Randorientierung zu erhalten.
98 7 Ergebnisse
von ∆ν =24,231kHz erkennbar. Sie ist exakt genau so groß, wie die kleine Aufspaltung in
der 2D–Probe. Das lässt auf eine „escaped radial” Orientierungsverteilung des Direktorfel-
des schließen. Der Ordnungsgrad im mittleren Teil der Poren, wo der Direktor nparallel zum
Magnetfeld liegt, ist deutlich höher als in der unbehandelten Probe, was man aus der größe-
ren Aufspaltung schließen kann. Er liegt um 12,2 % höher als bei den unbehandelten Poren.
Bei der unbehandelten 3D–Probe sollte die Randorientierung wie bei den unbehandelten 2D–
Proben planar sein. Zum Vergleich wurden mit einem Computerprogramm Berechnungen von
Direktorfeldern und den zugehörigen 2HNMR–Spektren für die hier betrachtete Struktur
bei planarer und homöotroper Randorientierung durchgeführt (Abb. 7.41 und 7.42).
r
z
Frequenz
Abbildung 7.41: Berechnung eines Direktorfeles mit dem zugehörigen 2HNMR–Spektrum bei planarer
Randorientierung.
r
z
FrequenzFrequenz
Abbildung 7.42: Berechnung eines Direktorfeldes mit dem zugehörigen 2HNMR–Spektrum bei homöotroper
Randorientierung. Die Simulation wurde vor dem Erreichen des Zustands minimaler Energie abgebrochen.
7 Ergebnisse 99
Als Grundlage für die Berechnungen diente ein Algorythmus, der von Kilian und Hess ent-
wickelt wurde und numerisch Relaxationen von Flüssigkristallsystemen berechnet [52]. Dazu
wird eine Raum– und Zeitdiskretisierung durchgeführt. In diesem Fall wurde die Porenform
einer Modulation durch ein Gitter von 13 x 13 x 13 Teilvolumina approximiert, wobei jedem
Teilvolumen ein Direktor nzugeordnet wird. Das berechnete Spektrum für die planare Ran-
dorientierung ist gut mit dem experimentell gemessenen Spektrum der unbehandelten Probe
vergleichbar, und bestätigt die Annahme, dass in unbehandelten Poren eine planare Randori-
entierung existiert (Abb. 7.43). Bei der Rechnung mit homöotroper Randorientierung passt das
Abbildung 7.43: Vergleich des gemessenen mit dem simulierten 2HNMR–Spektrum bei planarer Randorien-
tierung. Die Spektren zeigen eine akzeptable Übereinstimmung.
berechnete Spekrum nur dann gut zu dem experimentell gemessenen Spektrum, wenn man die
Rechnung vor dem Erreichen des Zustands minimaler Energie abbricht (Abb. 7.44). Lässt man
die Rechnung bis zum Erreichen Zustands mit minimaler Energie weiterlaufen, sieht das be-
rechnete Spektrum deutlich anders aus (Abb. 7.45). In beiden Fällen erhält man eine „escaped
radial“ Orientierungsverteilung der Flüssigkristallmoleküle. Der Flüssigkristall scheint sich in
modulierten Poren bei homöotroper Randorientierung nicht in einem Zustand mit minimaler
Energie zu befinden.
100 7 Ergebnisse
Abbildung 7.44: Vergleich des gemessenen mit dem simulierten 2HNMR–Spektrum bei homöotroper Ran-
dorientierung. Die Spektren zeigen unter Berücksichtigung des geringen Signal/Rausch–Verhältnisses eine ak-
zeptable Übereinstimmung. Es scheint so, als ob sich der Flüssigkristall nicht in einem Zustand mit minimaler
Energie befindet.
r
z
FrequenzFrequenz
Abbildung 7.45: Berechnung eines Direktorfeldes mit dem zugehörigen 2HNMR–Spektrum bei homöotroper
Randorientierung. Die Rechnung wurde bis zum Erreichen des Zustands minimaler Energie durchgeführt.
8 Zusammenfassung und Ausblick
In der vorliegenden Arbeit wurden abstimmbare photonische Kristalle erzeugt, indem poröse
Strukturen mit einem Flüssigkristall gefüllt wurden. Es wurden vier Arten von photonischen
Kristallen mit Flüssigkristallen infiltriert und spektroskopisch untersucht. Darunter waren Kol-
loidkristalle aus PMMA, invertierte Kolloidkristalle aus Zinnsulfid und zwei– und dreidimen-
sionale photonische Kristalle aus makroporösem Silizium. Es ist bei allen drei Systemen ge-
lungen, ein Schaltverhalten der Bandlücken durch Temperaturänderung zu erreichen. Bei den
Kolloidkristallen war es sogar möglich, ein Schaltverhalten der Bandlücke bei Anlegen von
relativ kleinen elektrischen Feldern zu beobachten. Bei den anderen photonischen Kristallen
war dies nicht möglich, da es sich bei den Materialien um Halbleiter handelt, die eine zu hohe
Leitfähigkeit besitzen. Bei Anlegen eines elektrischen Feldes bekäme man einen Kurzschluss,
so dass kein Feld existiert, in dem sich der Flüssigkristall orientiert.
Es wurde gezeigt, dass man über die Temperaturänderung in Kolloidkristallen aus einem
Polymer–Flüssigkristall–Gemisch einen Schalteffekt von ∆λ 2 nm erzielen kann. Das glei-
che System sollte bei Anlegen von elektrischen Feldern bei konstanter Temperatur einen grö-
ßeren Schalteffekt erzeugen, was jedoch nicht gezeigt werden konnte. Die Zwischenräume
sind bei den Kolloidkristallen so klein, dass die elastischen Rückstellkräfte zwischen den Mo-
lekülen mit den hier angelegten Spannungen nicht aufgehoben werden konnten. Bei dem Ver-
such, höhere Spannungen anzulegen, kam es zu einer Zerstörung der Testzellen.
Mit den invertierten Strukturen aus Zinnsulfid war ein deutlich größerer Schalteffekt durch
die Temperaturänderung zu erreichen. Die Verschiebung der Wellenlänge lag bei ∆λ =14
nm. Diese deutlich größere Verschiebung der Bragg–Wellenlänge kann auf den höheren Flüs-
sigkristallanteil in der invertierten Struktur zurückgeführt werden.
Das poröse Silizium ist für eventuelle Anwendungen von besonderem Interesse. Gerade hier
ist es notwendig, die optischen Eigenschaften dieser Strukturen schaltbar oder abstimmbar zu
machen. Es ist bei dreidimensionalen Strukturen gelungen, einen Schalteffekt der Flüssigkri-
stallbandkante von 1,23 meV (∆λ =296nm bei 11,2µm) zu erreichen. Bei dreidimensionalen
Strukturen mit Defektstruktur betrug die spektrale Verschiebung der resonanten Defektmode
0,43 meV (∆λ=20nm bei 7,3µm). Beim ersten Versuch, eine 3D–Struktur mit einem glasartig
erstarrenden Flüssigkristall abzustimmen und anschließend zu fixieren, gelang eine Verschie-
101
102 8 Zusammenfassung und Ausblick
bung der Bandkante um 0,34 meV (∆λ =35nm bei 11,3µm). Bei den zweidimensionalen
Strukturen waren es 0,80 meV (∆λ =30nm bei 4,5µm). Die Ergebnisse stehen in guter Über-
einstimmung mit theoretischen Berechnungen.
Die Deuterium–NMR Experimente von α–deuteriertem 5CB in zwei– und dreidimensionalen
photonischen Kristallen aus makroporösem Silizium zeigten, dass sich der Direktor nvorwie-
gend parallel zur Porenachse orientiert. Dieses Ergebnis deckt sich mit den optischen Untersu-
chungen an diesen Strukturen. Außerdem ist es gelungen, die Porenoberflächen chemisch so
zu behandeln, dass sich eine „escaped radial” Orientierungsverteilung in den Poren ausbildet,
und als solche nachgewiesen werden konnte.
In zukünfigen Untersuchungen sollte sich der Schalteffekt in makroporösem Silizium noch
vergrößern lassen. Dies kann durch die Wahl eines anderen Flüssigkristalls mit einer grö-
ßeren Doppelbrechung geschehen. Der Vergleich der in dieser Arbeit untersuchten Systeme
zeigt, dass insbesondere im Bereich der glasartig erstarrenden Polymere noch Verbesserungen
erwartet werden können. Hierzu müsste man eine Substanz verwenden, die sich einheitlich
in den Poren orientieren lässt und wenig Defekte ausbildet. Es sind theoretische Berechnun-
gen für die Direktorfelder in porösen Strukturen unter Berücksichtigung der unterschiedli-
chen Größe der elastischen Koeffizienten nötig, um die Deuterium–NMR Spektren besser zu
quantifizieren. Bei den Kolloidkristallen können theoretische Berechnungen der Direktorfel-
der Aufschluss über das Verhalten in elektrischen Feldern geben.
In der hier vorgelegten Arbeit konnten erste Beiträge zur Entwicklung abstimmbarer photo-
nischer Kristalle geleistet werden. Aufgrund der hohen Bedeutung, die diese Thematik zur
Zeit besitzt, wurde parallel zu den eigenen Arbeiten weltweit auch in anderen Arbeitsgruppen
bemerkenswerte Entwicklungen vorangetrieben. Zu erwähnen sind u.a.:
Abstimmung durch Ladungsträgerinjektion im Halbleiter (Wehrspohn) [5]–[6]
Optimierung von Kolloidkristallen (Yoshino) [7]–[11]
Lasing in Flüssigkristallen (Finkelmann) und Kolloidkristallen (Shkunov) [62]–[65]
Abstimmbare QD–Laser (Reithmaier) [66]
Gemeinsam mit den Ergebnissen dieser Arbeitsgruppen wurde ein Beitrag geleistet, um die
Voraussetzungen, dass in absehbarer Zeit hochwertige abstimmbare photonische Kristalle für
Anwendungen der Photonik hergestellt werden können.
9 Anhang
9.1 Bestimmung der Brechungsindizes von
Flüssigkristallen
Flüssigkristall
Glas
Luft
l
d
45°
Abbildung 9.1: Schematische Darstellung des Strahlengangs in einer Keilzelle zur Messung von Brechungsin-
dizes. In diesem Fall ist der Brechungsindex des Glases höher als der des Flüssigkristalls, da der Strahl zum Lot
hingebrochen wird.
Die Brechungsindizes der Flüssigkristalle wurden mit einer Keilzelle (Jelley’sches Mikro–
Refraktometer) bestimmt (Abb. 9.1). Um die Werte für die Brechungsindizes zu berechnen,
nutzt man das Brechungsgesetz nach Snellius:
sinα
sinβ=n1
n2(9.1)
In Abbildung 9.1 gilt demnach
sinα
sinβ=nglas
nLC (9.2)
103
104 9 Anhang
und
sinγ
sinδ=nluft
nglas (9.3)
Dabei ist nglas der Brechungsindex des Glases, nLC der Brechungsindex des Flüssigkristalls
und nluft der Brechungsindex der Luft. Weiterhin gilt: α=45,β+γ=45und tanδ=d/l.
Daraus folgt:
γ=arcsinnluft
nglas sinδ(9.4)
Ersetzt man δdurch arctan(d/l)
γ=arcsinnluft
nglas sinarctand
l (9.5)
So erhält man einen Ausdruck für den Winkel β:
β=45arcsinnluft
nglas sinarctand
l.(9.6)
Hieraus kann man schließlich den Brechungsindex des Flüssigkristalls berechnen:
nLC =nglas
sin45arcsinnluft
nglas sinarctand
l
sin(45)(9.7)
9 Anhang 105
9.2 Bragg–Beugung
Eine einfache Erklärung zur Beugung elektromagnetischer Wellen in Kristallen hat W. L.
Bragg gegeben. Er hat angenommen, dass die einfallenden Lichtstrahlen an parallelen Teil-
chenebenen in einem Kristall gespiegelt werden. Jede Ebene reflektiert nur einen Bruchteil
der einfallenden Strahlung. Wenn die reflektierten elektomagnetischen Wellen an parallelen
Ebenen konstruktiv interferieren, dann spricht man von Beugung.
d sin
d
Abbildung 9.2: Ableitung der Braggbedingung. d ist der Abstand von benachbarten parallelen Netzebenen.
Man betrachtet eine Schar paralleler Netzebenen mit dem Abstand d. Der einfallende Licht-
strahl bildet mit den Netzebenen den Winkel Θ. Der Wegunterschied zwischen den reflek-
tierten Strahlen zweier aufeinander folgender Netzebenen beträgt dann 2·d·sinΘ. Es tritt
konstruktive Interferenz auf, wenn der Wegunterschied ein ganzzahliges Vielfaches der Wel-
lenlänge λist:
2dhkl ·sinΘ=m·λhkl mN(9.8)
Diese Gleichung nennt man Bragg–Bedingung.
Braggreflexion kann nur bei Wellenlängen auftreten, die kleiner als das doppelte des Netzebe-
nenabstandes sind. Wenn man an photonischen Kristallen spektroskopische Untersuchungen
durchführt, muss man zusätzlich den Brechungsindex n des Materials berücksichtigen, da die
Wellenlänge in dielektrischen Materialien kleiner ist als im Vakuum oder in Luft. Für m = 1
lautet die Bragg–Bedingung
λvak
hkl =n·λhkl =2nd ·sinΘ.(9.9)
Zu demselben Ergebnis wie Gleichung (9.8) führt eine Betrachtung der Impulserhaltung: Sind
kund k‘ mit |k|=|k‘|=2π/λhkl die Wellenvektoren des einfallenden bzw. des gebeugten
106 9 Anhang
Strahls und Gmit |G|=2π/dhkl ein Vektor des reziproken Gitters, der die Netzebenenschar
mit den Millerindizes (h,k,l) beschreibt, so lautet die Bragg–Bedingung:
k‘ k=G.(9.10)
Im Fall elastischer Streuung (|k|=|k‘|) gilt daher
|G|=2π
dhkl =2·2π
λsinΘ=2|k|sinΘ.(9.11)
9 Anhang 107
9.3 Abkürzungen
5CB, K15 4-cyano-4’-pentylbiphenyl
PMMA Poly(methylmethacrylat)
H2S Schwefelwasserstoff
SnCl4Zinnchlorid
HCl Salzsäure
SnS2Zinnsulfid
Si Silizium
THF Tetra-Hydro-Furan
ITO Indium-tin-oxide, Indiumzinnoxid
MCT Mercury Cadmium Telluride
DTGS Deuteriertes Tri-Glycin-Sulfid
CVD Chemical Vapor Deposition
AFM Atomic Force Microscope, Rasterkraftmikroskop
NMR Nuclear Magnetic Resonance
N Nematische Phase
ISO Isotrope Phase
hcp hexagonal closed packing, hexagonal dichteste Packung
r-hcp randomly hcp, willkürliche hcp
fcc faced centered cubic, kubisch flächenzentriert
IR Infrarot
S/N Signal/Noise, Signal/Rausch-Verhältnis
108 9 Anhang
9.4 Symbole
nDirektor
Kii Elastische Konstante
SOrdnungsgrad
BMagnetische Flussdichte
HMagnetische Feldstärke
EElektrische Feldstärke
aGitterkonstante
dhkl Schichtabstand
h,k,lMillerindizes
GReziproker Gittervektor
kWellenvektor
rOrtsvektor
ωKreisfrequenz
cLichtgeschwindigkeit
εDielektrizitätskonstante
λWellenlänge
nBrechungsindex
fFüllfaktor
TTemperatur
TCKlärpunkt
TGGlastemperatur
VmMolvolumen
VPotentielle Energie
µ0Magnetische Feldkonstante
∆χ Magnetische Anisotropie
9 Anhang 109
9.5 Veröffentlichungen
G. Mertens, T. Röder, R. Schweins, K. Huber, H.-S. Kitzerow, Shift of the photonic band gap
in two photonic crystal-liquid crystal composites, Appl. Phys. Lett. 80, 1885 (2002)
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dimensional photonic crystal made of macroporous silicon and a liquid crystal, in Vorberei-
tung
9.6 Posterpräsentationen
T. Röder, G. Mertens, H.-S. Kitzerow, M. Müller, R. Zentel, Investigation of Photonic Crystals
with SNOM and Kossel-method:
6th International Conference on Near-Field Optics, Enschede (27.-31.8.2000)
G. Mertens, T. Röder, H.-S. Kitzerow, Photonic crystals containing liquid crystals:
IFF Ferienkurs, Jülich (4.-15.3.2002)
W. E. Heraeus Summerschool: Photonic Crystals: Optical Materials for the 21st Century (15.-
25.7.2002)
G. Mertens, T. Röder, H.-S. Kitzerow, H. Marsmann, S. L. Schweizer, C. Jamois, R. B. Wehr-
spohn, M. Neubert, Photonic Crystals made of silicon an 4-cyano-4‘-pentyl-biphenyl:
Arbeitstagung Flüssigkristalle, Mainz (19.-21.3.2003)
110 9 Anhang
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