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[en] (orig)
Ber¨
ucksichtigung von
Spinpolarisationseffekten in einem
dichtefunktionalbasierten Ansatz
Christof K¨
ohler
Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisationseffekten in
einem dichtefunktionalbasierten Ansatz
Dissertation
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.)
vorgelegt dem
Department Physik der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften an
der Universit¨
at Paderborn
Christof K¨
ohler
Paderborn, 2003
Der Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften der Universit¨
at Paderborn als Dissertation vorgelegt.
Tag der Einreichung: 10. Dezember 2003
Tag der m¨
undlichen Pr¨
ufung: 12. Februar 2004
Promotionskommission
Vorsitzender Prof. Dr. rer. nat. J¨
urgen Mimkes
Erstgutachter Prof. Dr. rer. nat. Thomas Frauenheim
Zweitgutachter Prof. Dr. rer. nat. Gotthard Seifert
Vertreter der wissensch. Mitarbeiter Dr. rer. nat. Christof Hoentzsch
Christof K¨
ohler, Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisationseffekten in einem dichtefunktionalbasierten Ansatz.
Dissertation (in deutscher Sprache), Department Physik, Fakult¨
at f¨
ur Naturwissenschaften, Universit¨
at Paderborn
(2003). 155 Seiten, 36 Abbildungen, 23 Tabellen.
Kurzfassung
In dieser Arbeit wird eine Weiterentwicklung eines dichtefunktionalbasierten Tight-Binding Verfahrens (DFTB) vor-
gestellt. Ausgehend vom Kohn-Sham Ansatz zur Spin-Dichtefunktionaltheorie (KS-DFT) wird ein approximativer,
Tight-Binding artiger Gesamtenergieausdruck erhalten, welcher Ladungsdichte- und Magnetisierungsdichtefluktua-
tionen bis zur zweiten Ordnung enth¨
alt. Tests zur Beschreibung von Geometrien, Gesamtenergien und Einteilchen-
energien kleiner Molek¨
ule zeigen gute qualitative ¨
Ubereinstimmung der Ergebnisse des spinpolarisierten DFTB
Verfahrens (SDFTB) mit KS-DFT Berechnungen in der lokalen Spindichten¨
aherung (LSDA).
Im zweiten Teil dieser Arbeit liegt das Hauptaugenmerk auf einer zentralen Gr¨
oße der Spindichtefunktionaltheo-
rie, n¨
amlich den Spindichten selbst. Es wurden die isoptropen Hyperfeinkopplungskonstanten (hfcc) von Protonen,
Kohlenstoff und Stickstoff in organischen Molek¨
ulen berechnet. Diese werden mit experimentellen sowie mit theo-
retischen Daten im Rahmen der KS-DFT verglichen. F¨
ur die betrachteten 168 Protonen wird eine mit den aus der
KS-DFT gewonnenen Resultaten vergleichbare Genauigkeit beobachtet. Bei den schwereren Kohlenstoff- und Stick-
stoffatomen ist eine etwas niedrigere Genauigkeit verglichen mit KS-DFT Ergebnissen festzustellen, welche dem
Einfluß der core-Elektronen zugeschrieben werden kann. Trotzdem ist insgesamt eine gute qualitative ¨
Ubereinstim-
mung mit den Referenzdaten der KS-DFT festzustellen.
Des weiteren wurden isotrope hfcc’s f¨
ur paramagnetische Defekte in Halbleitern berechnet. F¨
ur die Vakanzen in
Diamant und Silizium sind diese in in sehr guter qualitativer ¨
Ubereinstimmung mit Daten der KS-DFT im Rahmen
der LSDA. Allerdings werden f¨
ur die Kohlenstoff- und die Siliziumvakanz in 3C-SiC qualitative Abweichungen
beobachtet. Diese k¨
onnen Basissatzeffekten und der eingeschr¨
ankten Selbstkonsistenz des SDFTB Verfahrens zuge-
schrieben werden. Die Ergebnisse f¨
ur einen Anti-Site Vakanz Defektkomplex in 6H-SiC sowohl in der unrelaxierten
als auch in der relaxierten Geometrie bei Ber¨
ucksichtigung zweier Ladungszust¨
ande sind wieder in sehr guter ¨
Uber-
einstimmung mit der LSDA. Daher k¨
onnen die Abweichungen f¨
ur die Vakanzen in 3C-SiC als Einzelf¨
alle angesehen
werden.
Sowohl die Ergebnisse f¨
ur die organischen Molek¨
ule als auch f¨
ur die Festk¨
orpersysteme zeigen jedoch, daß die
Spindichten und die Austauschkopplung der ungepaarten Elektronen an die tieferen Orbitale in der SDFTB Methode
in sehr guter qualitativer ¨
Ubereinstimmung mit Ergebnissen der KS-DFT sind. Dies erschließt insbesondere das
Gebiet der paramagnetischen Resonanz als Anwendungsfeld f¨
ur die SDFTB Methode.
Im dritten Teil dieser Arbeit werden Ergebnisse der ersten Anwendung eines selbstkonsistenten DFTB Ansatzes
auf ¨
Ubergangsmetallcluster vorgestellt. Dazu wurde ein neuer Ansatz zur Suche auf Potentialhyperfl¨
achen unter
Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisationseffekten entwickelt. Neue, energetisch g¨
unstige Clusterstrukturen konnten
identifiziert werden. Zus¨
atzlich zu den Geometrien und Bindungsenergien wurden auch die magnetischen Momente
von Eisenclustern bestimmt. Durch Erweiterung der Beschreibung von Ladungstransfereffekten innerhalb der DFTB
Methode wird eine sehr gute qualitative ¨
Ubereinstimmung mit LSDA Referenzdaten bis zu Fe17 erreicht.
Aufbauend darauf wurden die Potentialhyperfl¨
achen von Clustern im Bereich von Fe18 bis Fe32 zum ersten Mal
mit einer der LSDA vergleichbaren Genauigkeit unter Verwendung eines genetischen Algorithmus untersucht. Die
Evolution der Clusterstrukturen in diesem Bereich wurde charakterisiert. Die magnetischen Momente zeigen global
einen Abfall der von zwei Maxima bei Fe25 und Fe31 unterbrochen wird. Diese Daten f¨
ur Cluster mit 2 bis 32
Atomen best¨
atigen, daß der ¨
Ubergang von ikosaedrischen zu nicht-ikosaedrischen Strukturen bei Fe13 mit der damit
verbundenen ¨
Anderung des magnetischen Momentes im betrachteten Gr¨
oßenbereich einzigartig ist.
In ¨
Ubereinstimmung mit der LSDA findet man mit der spinpolarisierten DFTB Methode eine nicht-
ferromagnetische Spinanordnung f¨
ur den Fe13 Ikosaeder. Dies ist auch f¨
ur den Fe55 Mackay Ikosaeder der Fall,
f¨
ur den eine komplexe nicht-ferromagnetische Spinstruktur berechnet wird. W¨
ahrend die berechneten magnetischen
Momente f¨
ur die Cluster bis Fe32 in ¨
Ubereinstimmung mit dem Experiment sind, ergeben sich f¨
ur die Cluster Fe54,
Fe55 und Fe56 in Abh¨
angigkeit von der Spinstruktur kleine magnetische Momente, die nicht in ¨
Ubereinstimmung
mit experimentellen Daten sind. Diese Ergebnisse f¨
ur ikosaedrische Cluster verdeutlichen, daß weitere Untersu-
chungen unter Einbeziehung eines nicht-kollinearer Ansatz f¨
ur die magnetischen Eigenschaften bei zuk¨
unftigen
Anwendungen des SDFTB Verfahrens f¨
ur Cluster in diesem Gr¨
oßenbereich erforderlich sind.
Schlagw¨
orter
Dichtefunktionaltheorie, Tight-Binding, elektronische paramagnetische Resonanz, magnetische Eigenschaften,
¨
Ubergangsmetalle, Cluster, Spinpolarisation
Christof K¨
ohler, Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisationseffekten in einem dichtefunktionalbasierten Ansatz.
PhD Thesis (in german), Department of Physics, Faculty of Science, University of Paderborn, Germany (2003).
155 pages, 36 figures, 23 tables.
Abstract
In this work developments of a density-functional based Tight-Binding approach (DFTB) are presented. Starting
from the Kohn-Sham approach to spin-density-functional theory (KS-DFT) an approximate, Tight-Binding like total
energy expression including charge-density and magnetization-density fluctuations up to second order is obtained.
Tests of the description of total energies, geometries and single-particle energies of selected small molecules show
good qualitative agreement of the spinpolarized DFTB (SDFTB) results to spin-density-functional data in the local
spin-density approximation (LSDA).
The focus of the second part of this work is on a central quantity of KS-DFT, the spin-densities themselves. Isotro-
pic hyperfine coupling constants (hfcc) of protons, carbon and nitrogen in organic molecules are obtained. These are
compared to experimental data as well as to theoretical results within the KS-DFT. For the 168 protons considered
an accuracy comparable to KS-DFT results is found. For the heavier carbon and nitrogen atoms a somewhat lower
accuracy compared to the reference results is apparent which can be attributed to the influence of the core electrons.
However, overall a very good qualitative agreement to spin-density-functional results is observed.
Furthermore isotropic hfcc’s of paramagnetic defects in bulk-semiconductors have been calculated. Very good
qualitative agreement to KS-DFT data within the LSDA can be confirmed for the vacancies in diamond and silicon.
Qualitative differences are observed for the carbon and silicon vacancies in 3C-SiC. However, these can be largely
attributed to basis set effects and the restricted self-consistency of the SDFTB method. Results for an anti-site
vacancy defect complex in 6H-SiC in the unrelaxed and relaxed geometry in two different charge states are again in
good qualitative agreement with the LSDA. Therefore, the discrepancies for the vacancies in 3C-SiC can be regarded
as isolated cases.
Both, the data for the organic molecules and for the defects in semiconductor bulk show that spin-densites and the
exchange couplings of the unpaired electrons to the core molecular orbitals obtained from spinpolarized DFTB are
in good agreement to high level KS-DFT data. This opens the door for further applications of the SDFTB method in
the field of paramagnetic resonance.
In the third part of this work the results of the first application of a self-consistent DFTB approach to transition-
metal clusters are presented. Here, a new approach to search the potential hypersurfaces with inclusion of spinpola-
rization effects has been developed. New energetically favourable cluster structures have been identified. In addition
to geometries and binding energies the magnetic moments of iron clusters have been calculated. After extension of
the description of charge transfer effects within the DFTB method very good qualitative agreement to LSDA results
is observed for clusters up to Fe17.
Building on these results the potential hypersurfaces of clusters from Fe18 to Fe32 have been sampled with an
accuracy comparable to the LSDA using a genetic algorithm for the first time. The structural evolution has been
characterized. The magnetic moments show an overall decrease with two maxima at Fe25 and Fe31. The data for
clusters with 2 to 32 atoms confirms that the transition from icosahedral structures to non-icodahedral ones at Fe13
with its strong effects on the magnetic moments is unique in this size range.
In agreement with LSDA data a non-ferromagnetic spin arrangement has been calculated for the Fe13 icodahedron
with the SDFTB method. This is also the case for the Fe55 Mackay icosahedron, here a complex non-ferromagnetic
spin structure is obtained. While the magnetic moments of the clusters up to Fe32 are in agreement to experimental
data, very small magnetic moments for Fe54, Fe55 and Fe56 are obtained depending on the spin arrangement which
are not in agreement with experimental findings. This makes it clear that further studies with inclusion of a non-
collinear approach to the magnetic properties are necessary in future applications of the SDFTB method to clusters
in this size range.
Keywords
Density-Functional Theory, Tight-Binding, electronic paramagnetic resonance, magnetic properties, transition me-
tals, clusters, spinpolarization
INHALTSVERZEICHNIS
v
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis.......................................... v
Abbildungsverzeichnis ....................................... vii
Tabellenverzeichnis......................................... ix
Einleitung i
1 Theoretische Grundlagen 1
1.1 Das quantenmechanische Vielteilchenproblem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 Grundlagen der Dichtefunktionaltheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.2.1 Die Theoreme von Hohenberg und Kohn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.2.2 Die Kohn-Sham-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.3 Spin-Dichtefunktionaltheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.4 Die spinpolarisierte DFTB Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
1.4.1 Matrixelemente des Hamiltonoperators nullter Ordnung . . . . . . . . . . . . . . 8
1.4.2 Die dichtefluktuationsabh¨
angigenAnteile...................... 10
1.4.3 DasRepulsivpotential ................................ 13
1.4.4 Gesamtenergie .................................... 14
1.4.5 Bestimmung der Konstanten τAl und WAll0...................... 14
1.4.6 Hamiltonoperator und Selbstkonsistenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
1.4.7 Kraftberechnung ................................... 18
2 Ausgew¨
ahlte Beispiele 19
2.1 Sauerstoffmolek¨
ul O2..................................... 20
2.2 Methyl CH3.......................................... 22
2.3 HCO Molek¨
ul......................................... 24
2.4 CH2.............................................. 25
2.5 Zusammenfassung ...................................... 27
3 Elektronische Paramagnetische Resonanz 29
3.1 Berechnung isotroper Hyperfeinkopplungskonstanten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3.1.1 Grundlagen...................................... 29
3.1.2 VorgeheninSDFTB ................................. 31
3.2 Organische Molek¨
ule..................................... 32
3.2.1 Protonen ....................................... 33
3.2.2 SchwerereAtome................................... 39
3.2.3 Zusammenfassung .................................. 44
3.3 Festk¨
orper........................................... 44
3.3.1 Homonukleare Festk¨
orper .............................. 45
3.3.2 Heteronukleare Festk¨
orper.............................. 47
3.4 NumerischeBetrachtungen.................................. 55
3.5 Zusammenfassung ...................................... 59
4¨
Ubergangsmetallcluster 61
4.1 ¨
Uberblick ¨
uber experimentelle Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4.2 ¨
Uberblick ¨
uber theoretische Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
4.3 Slater-Koster Tabelle und Repulsivpotential f¨
urEisen.................... 64
4.4 Suchalgorithmus und Test der Methodik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
4.4.1 Ergebnisse mit einem Hubbard U.......................... 70
4.4.2 Analyse am Beispiel von Fe3............................. 72
4.4.3 Magnetische Eigenschaften mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us........ 76
vi
INHALTSVERZEICHNIS
4.4.4 Elektronische Eigenschaften von Fe15 ........................ 77
4.5 Ergebnisse f¨
ur Cluster bis Fe32 ................................ 83
4.5.1 Clusterstrukturen bis Fe17 .............................. 84
4.5.2 Clusterstrukturen von Fe18 bis Fe32 ......................... 87
4.5.3 Bindungsl¨
angen und Schwingungsspektren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
4.5.4 Bindungsenergien und magnetische Momente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
4.5.5 Vergleich mit Lennard-Jones Clustern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
4.6 Ausblick: Fe55 ......................................... 96
4.7 Zusammenfassung ......................................101
5 Zusammenfassung 103
A Variation und Hamiltonoperator 105
B Ausdruck f¨
ur die Kr¨
afte 109
CUAl und WAll0113
D EPR Daten 117
D.1 Protonendaten.........................................117
D.2 Kohlenstoffdaten .......................................125
E Basisfunktionen und Repulsivpotential f¨
ur Eisen 127
E.1 GesamtenergiedesEisenatoms................................127
E.2 Basisfunktionen des Eisenatoms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127
E.3 Repulsives Paarpotential f¨
urEisen ..............................129
F Beschreibung von Kristallfeldeffekten 131
Literaturverzeichnis 133
Danksagung 141
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
vii
Abbildungsverzeichnis
2.1 Schema der Einteilchenniveaus des O2Molek¨
uls ...................... 21
2.2 Gesamtenergie von O2w¨
ahrendeinerMD.......................... 22
2.3 Schema der Einteilchenniveaus des CH3Molek¨
uls...................... 23
2.4 Gesamtenergie des CH2Molek¨
uls bei Ver¨
anderung des Bindungswinkels . . . . . . . . . 26
3.1 Streuplot der theoretischen zu den experimentellen isotropen Hyperfeinkopplungskon-
stanten f¨
urProtonen. ..................................... 38
3.2 ¨
Anderung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten bei ¨
Anderung des Torsionswin-
kels im C2H+
4Molek¨
ul..................................... 40
3.3 Schematische Darstellung der elektronischen Struktur einer Vakanz in einem Gitter mit
Zinkblendestruktur....................................... 45
3.4 Analyse der isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten der n¨
achsten Nachbarn der Kohlen-
stoffvakanz und der Siliziumvakanz in 3C-SiC. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
3.5 Molek¨
ulmodell f¨
ur den 3C-SiC Idealkristall. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
3.6 Der CSi VCDefektkomplexin6H-SiC............................ 54
4.1 BandstrukturenvonEisen. .................................. 66
4.2 Erste Ableitung des repulsiven Paarpotentials f¨
ur verschiedene Eisencluster nach dem
Atomabstand.......................................... 68
4.3 In der GA Suche gefundene Strukturen aus der DFT/PSP Referenz bis Fe11 ........ 71
4.4 Magnetisches Moment pro Atom f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster bis Fe11 mit ei-
nem Hubbard U. ....................................... 72
4.5 Mulliken-Ladungen im Fe3Molek¨
ul mit einem Hubbard U.................. 73
4.6 Gesamtenergieanteile im Fe3Molek¨
ul bei Verwendung eines Hubbard Us. ........ 74
4.7 Gesamtenergieanteile im Fe3Molek¨
ul bei Verwendung drehimpulsabh¨
angiger HubbardUs. 75
4.8 Mulliken-Ladungen im Fe3Molek¨
ul mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us. . . . . . . . 76
4.9 Magnetisches Moment pro Atom f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster bis Fe11 mit dre-
himpulsabh¨
angigen Hubbard Us. .............................. 77
4.10 Fermi-Niveau eines bcc Gitterausschnitts aus 15 Eisenatomen aufgetragen ¨
uber dem ma-
gnetischenMomentproAtom................................. 79
4.11 Elektronische Zustandsdichten f¨
ur einen bcc Gitterausschnitt mit 15 Eisenatomen. . . . . . 82
4.12 Energieg¨
unstige Clusterstrukturen bis Fe17. ......................... 85
4.13 Energetisch g¨
unstigste gefundene Clusterstrukturen im Gr¨
oßenbereich Fe18 bis Fe32. . . . 87
4.14 Weitere energetisch g¨
unstige Clusterstrukturen im Gr¨
oßenbereich Fe18 bis Fe32....... 88
4.15 Bindungsl¨
angenderStruktur10.1 .............................. 89
4.16 Bindungsenergien f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster von Fe2bis Fe32 ......... 91
4.17 Zweite finite Differenz der Gesamtenergie 2Eder energetisch g¨
unstigsten Cluster. . . . . 92
4.18 Magnetische Momente der energetisch g¨
unstigsten Cluster von Fe2bis Fe32......... 93
4.19 Vergleich der magnetischen Momente der energetisch g¨
unstigsten mit denen der energe-
tischzweitbestenCluster.................................... 94
4.20 Energetisch g¨
unstigste Lennard-Jones Cluster im Bereich Fe12 bis Fe26. .......... 95
4.21 Magnetische Momente der Lennard-Jones Cluster im Bereich Fe12 bis Fe26......... 96
4.22 Clusterstrukturen mit 55 Atomen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98
4.23 Gesamtenergie aufgetragen ¨
uber Clustervolumen und magnetischem Moment f¨
ur den Fe55
Ikosaeder............................................ 99
4.24 Spinpopulationsdifferenzen und Gesamtmullikenpopulationen im Fe55 Ikosaeder. . . . . . 100
E.1 Repulsives Paarpotential U(R)f¨
urEisen............................130
viii
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
F.1 Kristallfeldaufspaltung der d-Zust¨
ande eines ¨
Ubergangsmetallatoms. . . . . . . . . . . . . 132
TABELLENVERZEICHNIS
ix
Tabellenverzeichnis
2.1 Eigenwerte f¨
ur O2: Vergleich L(S)DA mit (S)DFTB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
2.2 Eigenwerte f¨
ur O2: SDFTB Ergebnisse und Gesamtenergien . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.3 Eigenwerte f¨
ur CH3: Vergleich L(S)DA mit (S)DFTB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
2.4 Eigenwerte f¨
ur CH3: SDFTB Ergebnisse und Gesamtenergien . . . . . . . . . . . . . . . 24
2.5 Eigenwerte f¨
ur HCO: Vergleich L(S)DA mit (S)DFTB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
2.6 Eigenwerte f¨
ur HCO: SDFTB Ergebnisse und Gesamtenergien . . . . . . . . . . . . . . . 25
3.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen: Fitsatz . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen: Fitsatz . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.2 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten von Kohlenstoff: Fitsatz . . . . . . . . . . . . . . 41
3.3 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten von Stickstoff: Fitsatz . . . . . . . . . . . . . . . 43
3.4 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten der Vakanzen in Diamant und Silizium . . . . . . 46
3.5 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten der Kohlenstoffvakanz und der Siliziumvakanz
in3C-SiC........................................... 48
3.6 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten und Spinpopulationen f¨
ur das Molek¨
ulmodell der
VC................................................ 52
3.7 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur das Molek¨
ulmodell derVCmit verschiedenen
Basiss¨
atzenundFunktionalen. ................................ 53
3.8 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten desCSiVCDefektes im neutralen Ladungszustand. 54
3.9 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten des CSi VCDefektes im zweifach positiven La-
dungszustand.......................................... 55
3.10 Gesamtenergien von organischen Radikalen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
3.11 Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen in organischen Radikalen . . . . . . . . . . 57
3.12 Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen in organischen Radikalen . . . . . . . . . . 57
3.13 Proportionalit¨
atskonstanten, Standardabweichungen und Korrelationskoeffizienten . . . . 59
4.1 Bindungsl¨
angenvonEisenclustern.............................. 67
4.2 Schwingungsfrequenzen der Clusterstruktur 10.1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................118
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................119
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................120
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................121
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................122
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................123
D.1 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
urProtonen.....................124
D.2 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur Kohlenstoff. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
D.2 Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur Kohlenstoff. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126
x
TABELLENVERZEICHNIS
Einleitung
Die dichtefunktionalbasierte Tight-Binding (density-functional based Tight-Binding, DFTB) Methode
[FWK+95, EPJ+98, FSE+00, FSE+02] erm¨
oglicht die Berechnung struktureller und elektronischer Ei-
genschaften von Molek¨
ulen und Festk¨
orpern. Sie ist eine aus der Dichtefunktionaltheorie [KH64] (density
functional theory, DFT) nach Kohn und Sham (KS-DFT) [KS65] abgeleitete approximative Rechenmetho-
de die oft die Genauigkeit von sogenannten first principles Berechnungen in KS-DFT erreicht, andererseits
jedoch einen großen Teil des Rechenaufwandes dieses Ansatzes vermeidet. Dadurch wird es wiederum
m¨
oglich, Systeme mit einer sehr viel gr¨
oßeren Zahl von Freiheitsgraden, seien dies elektronische oder
geometrische, zu behandeln als es mit KS-DFT m¨
oglich ist.
Die bisherige Formulierung der DFTB Methode schließt allerdings keine Wechselwirkung mit magneti-
schen Feldern ein. Dies ist vor allem f¨
ur die Behandlung der Eigenschaften von Systemen mit ungepaarten
Elektronenspins, welche mit einem ¨
außeren Magnetfeld wechselwirken k¨
onnen, notwendig. Diese Syste-
me sind keineswegs selten. Magnetische Resonanzmethoden zur Messung der Aufspaltung der Energieni-
veaus solcher Systeme (z. B. organische Radikale oder Festk¨
orpern mit paramagnetischen Punktdefekten)
geh¨
oren zu den analytischen Standardmethoden. Auch existiert ein großes technologisches Interesse an
Materialien welche permanenten Magnetismus zeigen. Diese bilden die Grundlage heutiger magnetischer
Massenspeicher wie etwa Computerfestplatten und Magnetb¨
andern.
Es gab schon fr¨
uh Ideen, wie eine Erweiterung der DFTB Methode zur Behandlung von kollinearen
Spinpolarisationseffekten analog zum Vorgehen in den Implementationen der Spindichtefunktionaltheorie
durchzuf¨
uhren sei [FSE+00]. Diese Arbeit soll sich mit der konkreten Implementation, Vervollst¨
andigung
und der Charakterisierung der Leistungsf¨
ahigkeit dieser Ideen besch¨
aftigen. Gerade diese Charakterisie-
rung f¨
uhrt aber auch von der Methodenentwicklung, welche sich mit der Entwicklung der Theorie, der
Programmierung und mit Tests f¨
ur ausgew¨
ahlte Modellsysteme zufrieden geben k¨
onnte, zur Erschließung
erster Anwendungsfelder. Denn erst hier zeigt sich die tats¨
achliche Leistungsf¨
ahigkeit zur Aufkl¨
arung der
physikalischen Eigenschaften von magnetischen Systemen.
Der Aufbau dieser Arbeit folgt diesem Gedankengang. Im Kapitel 1 wird die Theorie der spinpolarisier-
ten DFTB Methode vorgestellt. Im Kapitel 2 folgen Tests an kleinen ausgew¨
ahlten Modellsystemen die
es erm¨
oglichen, die Beschreibung grundlegender physikalischer Tatsachen durch diese Theorie und ihre
Implementierung zu pr¨
ufen. Allerdings ist es im allgemeinen nicht m¨
oglich den Effekt der Spinpolarisa-
tion auf die Energetik und Elektronendichten, der zentralen der Gr¨
oße der Dichtefunktionaltheorie, f¨
ur
diese Systeme in direkte Beziehung zum Experiment zu setzen. Daher bleibt hier nur der Vergleich mit
Dichtefunktionalrechnungen.
Gerade die Elektronendichten der spinpolarisierten Elektronen sind aber eine in der elektronischen para-
magnetischen Resonanz zu einem gewissen Grade direkt experimentell zug¨
angliche Gr¨
oße. Auch ist die
Berechnung der Hyperfeinkopplungskonstanten eine mit DFT Methoden schon lange etablierte Vorge-
hensweise. Die Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation im DFTB Verfahren erm¨
oglicht nun ebenfalls die
Berechnung dieser Gr¨
oßen und somit k¨
onnen direkte Vergleiche mit dem Experiment einerseits und mit
DFT Rechnungen andererseits angestellt werden. Dies erschließt zum einen ein neues Anwendungsfeld
und ist zum anderen ein sehr guter Test f¨
ur die Beschreibung der Spindichten und der ¨
uber elektronische
Austauscheffekte vermittelten Kopplungen. Wie im Kapitel 3 gezeigt werden soll, kann tats¨
achlich die
Genauigkeit sehr viel rechenintensiverer DFT Methoden erreicht werden.
Ein Anwendungsgebiet welches zum einen die Vorteile der DFTB Methode gegen¨
uber voll-
i
ii
EINLEITUNG
selbstkonsistenten DFT Rechnungen voll zur Geltung bringt und gleichzeitig einen H¨
artetest f¨
ur die Me-
thode darstellt sind die Eigenschaften von ¨
Ubergangsmetallclustern auf welche in Kapitel 4 eingegangen
wird. Hier zeigen insbesondere Eisencluster eine Vielzahl von recht ¨
uberraschenden magnetischen Eigen-
schaften. Gerade diese sind aber auch die Ursache daf¨
ur, daß theoretische Untersuchungen schwierig sind.
Zum einen m¨
ussen, wie z. B. auch bei Halbleiterclustern, die Potentialhyperfl¨
achen mit ausreichender
Genauigkeit bekannt sein, da zu vermuten ist das die Struktur die Eigenschaften beeinflußt, zum anderen
kommen auch neue magnetische Freiheitsgrade hinzu. Diese vergr¨
oßern den Rechenaufwand nicht uner-
heblich. Die im Vergleich zu voll-selbstkonsistenten DFT Rechnungen große Geschwindigkeit der DFTB
Methode erm¨
oglicht es hier, die Potentialhyperfl¨
achen sehr weitr¨
aumig zu erfassen und gleichzeitig einen
recht genauen Einblick in die magnetischen Eigenschaften zu gewinnen. Dazu ist es aber notwendig, auch
die Beschreibung von Ladungstransfereffekten in der DFTB Methode im Vergleich zum Vorgehen f¨
ur
organische Molek¨
ule und Halbleiter zu modifizieren. Damit wird dann eine befriedigende Beschreibung
im Vergleich zur DFT erreicht. Trotzdem werden hier die Grenzen der Methode und die Grenzen des
der Theorie zugrundeliegenden Bildes kollinearer Spinsysteme deutlich. Dies weist den Weg f¨
ur weitere,
zuk¨
unftige Entwicklungsschritte.
Kapitel 1
Theoretische Grundlagen
1.1 Das quantenmechanische Vielteilchenproblem
Im station¨
aren Fall kann der Zustand eines Systems aus MAtomkernen in Ortsdarstellung durch eine
Schr¨
odingergleichung der Form
ˆ
Hges({RJ},{ri})Ψges({RJ},{ri}) = E0Ψges (1.1)
beschrieben werden. Darin ist ˆ
Hges der Hamiltonoperator des Gesamtsystems aus Kernen und Elektronen,
Ψges ist die Wellenfunktion und E0der Energieeigenwert. Die Menge der Ortsvektoren der Kerne wird
hier durch {RJ}bezeichnet, die der Elektronen mit {ri}.
In der Born-Oppenheimer-N¨
aherung wird die langsame Bewegung der schweren Kerne von der schnellen
Bewegung der Elektronen getrennt, so daß ihre Schr¨
odingergleichungen nicht simultan gel¨
ost werden
m¨
ussen. Dazu wird die Wellenfunktion Ψges({RJ},{ri})in einem Produktansatz in einen Elektronen-
und einen Kernanteil zerlegt. Die Kernkoordinaten gehen dann als Parameter in die Wellenfunktion der
Elektronen ein. Diese parametrische Abh¨
angigkeit sowie der Index sollen im folgenden jedoch nicht mehr
explizit angegeben werden, d. h.
Ψ({ri}) = ΨElektronen({ri},{RJ}).
Entsprechend dem Produktansatz f¨
ur die Wellenfunktion l¨
aßt sich auch der Hamiltonoperator des Gesamt-
systems in eine elektronischen Anteil ˆ
Hel.und einen Anteil der Atomkerne ˆ
HKerne aufspalten:
ˆ
Hges({RJ},{ri}) = ˆ
TKerne +ˆvKerne
| {z }
ˆ
HKerne({RJ})
+ˆ
Tel.+ˆvel.+ˆvel.Kerne
| {z }
ˆ
Hel.({ri})
.(1.2)
Hier sind ˆ
Tund ˆvdie Operatoren der kinetischen und potentiellen Energie, die Kopplung zwischen Elek-
tronen und Kernen ist im Anteil ˆvel.Kerne ber¨
ucksichtigt. Der elektronische Hamiltonoperator ˆ
Hel.({ri})
enth¨
alt wieder implizit die Kernkoordinaten als Parameter, diese gehen in das Kopplungspotential
ˆvel.Kerne ein.
Durch Einsetzen der Produktans¨
atze f¨
ur Wellenfunktion und Hamiltonoperator in Gleichung 1.1 erh¨
alt
man zwei getrennte Schr¨
odingergleichungen f¨
ur Elektronen
ˆ
Hel.Ψ({ri}) = Eel.Ψ({ri})(1.3)
und Kerne
ˆ
HKerneΨKerne = ( ˆ
TKerne +ˆvKerne +Eel.)ΨKerne =E0ΨKerne.(1.4)
In dieser Arbeit sollen die Kerne als klassische Teilchen behandelt werden welche nur vermittels der
Coulomb-Kraft mit den Elektronen wechselwirken. Die Kerne selbst bewegen sich dann im Potential der
1
2
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Elektronen. Damit reduziert sich das zu l¨
osende quantenmechanische Problem auf die Schr¨
odingerglei-
chung der Elektronen:
ˆ
HΨ({ri}) = EΨ({ri}).(1.5)
Hier wurden alle Indizes die auf die Elektronen hinweisen fallen gelassen. Die Wellenfunktion Ψ, welche
nach dieser Gleichung Eigenfunktion zum Hamiltonoperator ˆ
Hzum Eigenwert E ist, soll auf eins normiert
sein.
Der Hamiltonoperator in obiger Gleichung 1.5 ist immer noch der eines Vielteilchenproblems. ¨
Uber die
Coulomb-Wechselwirkung sind alle Elektronen miteinander verkoppelt. Eine exakte analytische L¨
osung
ist somit nicht m¨
oglich. Es wurden daher unterschiedliche N¨
aherungsverfahren zur L¨
osung entwickelt. Die
bekanntesten sind das Hartree-Fock Verfahren [SO89] und diverse davon abgeleitete sog. Post-Hartree-
Fock Verfahren [SO89] sowie die Dichtefunktionaltheorie, welche die zentrale Grundlage dieser Arbeit
ist.
1.2 Grundlagen der Dichtefunktionaltheorie
Die Dichtefunktionaltheorie in ihrer heutigen Form reiht sich in die Versuche einer statistischen Beschrei-
bung des Atoms ein welche mit der Thomas-Fermi Theorie begannen [Esc96, PY89]. Allerdings sind in
ihr grundlegende Defizite dieser fr¨
uheren Versuche behoben. Gemeinsam ist jedoch allen, daß die Elektro-
nendichte als prim¨
are Gr¨
oße betrachtet wird und nicht, wie in der Hartree-Fock Theorie und verwandten
Ans¨
atzen, die Vielteilchenwellenfunktion. Im folgenden soll ein ¨
Uberblick ¨
uber ihre Grundlagen gegeben
werden1.
1.2.1 Die Theoreme von Hohenberg und Kohn
Im folgenden soll ein Hamiltonoperator der Form
ˆ
H=ˆ
T+ˆv+ˆvext (1.6)
zugrundegelegt werden. Darin ist ˆv=1/|rr0|der Operator der Coulomb-Wechselwirkung zwischen
den Elektronen, das externe Potential ˆvext ist z. B. die Elektron-Kern Wechselwirkung w¨
ahrend ˆ
Tder
Operator der kinetischen Energie ist.
Das externe Potential und die Zahl der Elektronen Ndie sich im System befinden legen den Hamilton-
operator und damit die Vielteilchenwellenfunktionen Ψals L¨
osungen der Schr¨
odingergleichung eindeutig
fest. Die Elektronendichte n(r)ergibt sich dann aus der Einteilchen-Dichtematrix
γ(r,r0) = NZ...ZΨ(r,r2...rn)Ψ(r0,r2...rn)d3r2...d3rN(1.7)
durch die Betrachtung der Diagonalelemente:
n(r) = γ(r,r)(1.8)
Unter Ber¨
ucksichtigung der Normierung von Ψergibt sich aus der Elektronendichte auch wiederum die
Anzahl der Elektronen N:
N=Zn(r)d3r.(1.9)
Grundlage der Dichtefunktionaltheorie sind die Theoreme von Hohenberg und Kohn [KH64] die hier
ohne Beweis angegeben werden. Das erste Theorem rechtfertigt die Verwendung der Elektronendichte als
zentraler Gr¨
oße:
1Im folgenden sollen atomare Einheiten verwendet werden. Die atomare L¨
angeneinheit sind Bohrsche Radien,
1aB=~2/me20.529177×1010 m, und die Energieeinheit ist das Hartree, 1 Hartree=1 H=me4/~227.2114 eV [LL79].
Darin ist mdie Ruhemasse des Elektrons und edie Elementarladung.
1.2. GRUNDLAGEN DER DICHTEFUNKTIONALTHEORIE
3
Theorem 1. Das externe Potential vext ist ein eindeutiges Funktional der elektronischen Grundzustands-
dichte n0.
Somit bestimmt also auch die Grundzustandsdichte zusammen mit der Kenntnis der Elektronenzahl die
Wellenfunktion Ψeindeutig.
F¨
ur die Gesamtenergie ausgedr¨
uckt als Funktional der Elektronendichte gilt:
E[n(r)] = T[n(r)]+V[n(r)]+Vext[n(r)] (1.10)
=T[n(r)]+V[n(r)]+Zvextn(r)d3r,
wobei T[n]das Funktional der kinetischen Energie, V[n(r)] die elektronische potentielle Energie und
Vext[n(r)] der Potentialenergieanteil des externen Potentials sind. Das Dichtefunktional nach Hohenberg
und Kohn FHK[n]wird nun als
FHK[n] = E[n]Zvextn(r)d3r(1.11)
definiert [Esc96]. Das zweite Theorem von Hohenberg und Kohn garantiert dann das folgende Variations-
prinzip:
Theorem 2. Das Funktional E[n] = FHK +Rvextn(r)d3r nimmt sein Minimum E0[n]genau an der Grund-
zustandsdichte n0an.
Die Komplexit¨
at der zu l¨
osenden Gleichungen wird durch den ¨
Ubergang von der Wellenfunktion Ψ({ri}),
welche von 3NElektronenkoordinaten abh¨
angt, zur Elektronendichte n(r), welche nur von 3 Ortskoordi-
naten abh¨
angt, stark vereinfacht. Dies und die formal in der Elektronendichte vorhandenen Vielteilchen-
anteile machen den haupts¨
achlichen Reiz der Dichtefunktionaltheorie aus, da durch die Verringerung der
Freiheitsgrade die Behandlung gr¨
oßerer Systeme m¨
oglich wird.
Die angegeben Theoreme lassen sich sowohl f¨
ur nicht entartete wie auch f¨
ur entartete Grundzust¨
ande
zeigen [Esc96]. Weiterhin ist eine Verallgemeinerung auf angeregte Zust¨
ande m¨
oglich, wenn man sich
auf den Grundzustand einer jeden elektronischen Symmetrie beschr¨
ankt [vB79]. Aus den Definitionsbe-
reichen f¨
ur die Funktionale ergeben sich formale Anforderungen an die zugelassenen Elektronendichten,
eine Diskussion ist z. B. in [Esc96] und [PY89] enthalten.
1.2.2 Die Kohn-Sham-Gleichung
Das im vorhergehenden Abschnitt definierte Funktional FHK =T[n]+V[n]der Elektronendichte ist nicht
bekannt. Insbesondere das Funktional der kinetischen Energie bereitet hier Schwierigkeiten. Es ist daher
notwendig geeignete Approximationen zu finden. Dies wurde zuerst durch die Arbeit von Kohn und Sham
[KS65] erreicht welche zu einer Dichtefunktionaltheorie (Kohn-Sham DFT, KS-DFT)2und zur Kohn-
Sham-Gleichung f¨
uhrte.
Dazu soll im ersten Schritt ein System aus Nwechselwirkungsfreien Elektronen betrachtet werden. Die
Wellenfunktion Ψ({ri})eines solchen Systems ist immer als eine Determinante von Einteilchenorbitalen
ψi(r)mit Besetzungszahlen nidarstellbar. Die Elektronendichte ergibt sich dann als
n(r) =
N
ini|ψi(r)|2.(1.12)
2Im Rahmen dieser Arbeit sind DFT und KS-DFT als ¨
aquivalent anzusehen. Zwar wird sp¨
ater ein Hybridfunktional [Bec93]
verwendet welches aufgrund des orbitalabh¨
angiges Potentials den Rahmen der KS-DFT eigentlich verl¨
aßt, jedoch wird auch
dann die technische Realisierung der KS-DFT, der Ansatz der KS-DFT f¨
ur die kinetische Energie sowie die Darstellung der
Elektronendichte durch eine Eindeterminanten-Wellenfunktion verwendet.
4
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Im wechselwirkungsfreien Fall ist insbesondere der Ausdruck f¨
ur die kinetische Energie in Abh¨
angigkeit
von den Orbitalen ψibekannt:
t=
N
inihψi|ˆ
t|ψii=
N
inihψi|1
2|ψii(1.13)
Definitionsgem¨
nimmt dann FHK die Form
FHK =t=
N
inihψi|1
2|ψii
an, vergleiche Gleichung 1.11.
F¨
ur ein wechselwirkendes System ist obige Situation nicht mehr gegeben, insbesondere ist die Darstellung
von Ψdurch eine Determinante im allgemeinen nicht mehr m¨
oglich. Kohn und Sham schlugen daher vor,
ein Referenzsystem aus nicht-wechselwirkenden Elektronen zu betrachten, welches eine Elektronendichte
besitzt, die exakt der des wechselwirkenden Systems entspricht. Durch Ausnutzung des Variationsprinzips
kann man dann eine effektive Einteilchen Schr¨
odingergleichung f¨
ur die Einteilchenorbitale ψierhalten:
ˆ
hψi= (ˆ
t+vef f )ψi=εiψi.(1.14)
Die Wellenfunktion des Grundzustandes des wechselwirkungsfreien Referenzsystems ergibt sich als De-
terminante ¨
uber die energieniedrigsten Kohn-Sham Orbitale ψi. Diese sind Eigenfunktionen des Hamil-
tonoperators ˆ
hzum Eigenwert εi. Die Eigenwerte werden als Lagrange-Multiplikatoren eingef¨
uhrt und
entsprechen, wie auch die Kohn-Sham Orbitale, in ihrer physikalischen Interpretation im allgemeinen
nicht den Orbitalen und Einteilchen Energien der Hartree-Fock Theorie, welche wiederum direkt den
Wellenfunktionen und Einteilchenniveaus des betrachteten physikalischen Systems entsprechen.
Das effektive Potential vef f enth¨
alt die klassische Elektron-Elektron Coulomb-Wechselwirkung
vee(r) = Zn(r0)
|rr0|d3r0
und das externe Potential vext sowie einen neuen Anteil, das Austausch-Korrelations Potential vxc:
vef f =vee +vext +vxc.(1.15)
Das Austausch-Korrelations Potential ist dabei mit dem sog. Austausch-Korrelations Energiefunktional
Exc[n]¨
uber
vxc(r) = δExc[n(r)]
δn(r)
verkn¨
upft. Dieses steht wiederum in Beziehung zum Hohenberg-Kohn Funktional FHK:
Exc[n] = FHK[n]t[n]Vee[n] = T[n]+V[n]t[n]Vee[n](1.16)
Hier istVee[n] = Rvee(r)n(r)d3rdie elektronische Coulomb-Energie. Das von Kohn und Sham eingef¨
uhr-
te Austausch-Korrelations Funktional Exc enth¨
alt also zum einen die Korrekturen zur kinetischen Energie
des betrachteten wechselwirkungsfreien Referenzsystems, zum anderen aber auch die nichtklassischen
Anteile der Elektron-Elektron Wechselwirkung (beides wird unter dem Begriff Elektronenkorrelation zu-
sammengefaßt) und die Austauschwechselwirkung.
Im Formalismus der Kohn-Sham Dichtefunktionaltheorie k¨
onnen jetzt also kinetische und Coulomb Ener-
gieanteile im nicht-wechselwirkenden Referenzsystem berechnet werden. Da FHK[n]jedoch unbekannt ist,
ist auch Exc[n]nicht bekannt. Allerdings sind approximative Ausdr¨
ucke f¨
ur Exc bekannt sowie einige Ei-
genschaften des exakten Funktionals ¨
uber die sich ein ¨
Uberblick in [DdP85] findet. Im einfachsten Fall
1.3. SPIN-DICHTEFUNKTIONALTHEORIE
5
wird analog zum Coulomb-Wechselwirkungspotential vee der Ladungsverteilung ein mittlerer Austausch-
term
vXα=3
2αµ3
πn(r)1/3(1.17)
zur N¨
aherung des Austausch-Korrelations Potentials verwendet. Dies ist die sogenannte Xα-N¨
aherung
bei der ein großer Anteil der Korrelationseffekte vernachl¨
assigt wird. Der Faktor αwird im allgemeinen
als Parameter angesehen welcher zwischen 2
3und 1 liegen kann. Ausgehend vom homogenen Elektro-
nengas erh¨
alt man die weitergehende Ausdr¨
ucke der lokalen Dichten¨
aherung (local density approxima-
tion, LDA) welche die Austausch-Korrelations Energie dieses Modellsystems an einer Stelle auswerten
und Korrelationseffekte explizit enthalten. Dar¨
uber hinaus gehen approximative Funktionale welche auch
Gradientenkorrekturen zum homogenen Fall enthalten (generalized gradient approximation, GGA). Diese
Funktionale erreichen im allgemeinen recht hohe Genauigkeiten verglichen z. B. mit Xαoder einfachem
Hartree-Fock [Bar96, PY89], jedoch werden auch die analytischen Ausdr¨
ucke komplizierter.
Das effektive Potential in der Kohn-Sham Gleichung 1.14 h¨
angt von der zu berechnenden Elektronen-
dichte des elektronischen Grundzustandes ab. Es ist deshalb notwendig, die Gleichung selbstkonsistent zu
l¨
osen: Ausgehend von einem Startpotential wird die Gleichung gel¨
ost, aus der L¨
osung eine Elektronen-
dichte erhalten und damit ein neues effektives Potential berechnet. Dieser iterative Prozess wird solange
wiederholt bis sich das Potential von einer Iteration zur n¨
achsten nicht mehr ¨
andert.
Die elektronische Gesamtenergie EKS
tot erh¨
alt man nach selbstkonsistenter L¨
osung der Kohn-Sham-
Gleichung als
EKS
tot =
occ.
i=1hψi|
2|ψii+1
2Z Z n(r)n(r0)
|rr0|d3r d3r0+
+Zvext(r)n(r)d3r+Exc[n](1.18)
F¨
ur die in der Kohn-Sham Dichtefunktionaltheorie zugelassenen Grundzustandsdichten gelten die glei-
chen Beschr¨
ankungen wie f¨
ur die in den Hohenberg-Kohn Theoremen zugelassenen Grundzustandsdich-
ten.
1.3 Spin-Dichtefunktionaltheorie
Die obigen Ausf¨
uhrungen lassen sich auf externe Potentiale verallgemeinern die nicht skalar, wie das
Kernpotential, sondern vektoriell, wie z. B. im Fall der Wechselwirkung mit einem ¨
außeren Magnetfel-
des, sind [Esc96]. Insbesondere ist dies f¨
ur spinabh¨
angige Potentiale erfolgt [vBH72]. Dies f¨
uhrt auf die
sogenannte Spin-Dichtefunktionaltheorie in der z. B. Effekte in Systemen mit intrinsischem Magnetfeld
(Ferromagnete, radikalische Molek¨
ule) beschrieben werden.
W¨
ahrend die entscheidende Variable in der bisher vorgestellten Theorie die Elektronendichte n(r)
war m¨
ussen in der einfachsten Form der Spin-Dichtefunktionaltheorie (kollineare Betrachtung, d. h.
die Elektronenspins stehen entweder parallel oder anti-parallel zur Quantisierungsrichtung) die Dich-
ten der Elektronen mit up-spin, n(r), und down-spin, n(r), betrachtet werden. Dabei ist die Spin-
Quantisierungsrichtung als Richtung des ¨
außeren Magnetfeldes fest vorgegeben. Alternativ ist als Va-
riablensatz auch die Wahl Gesamtdichte,
n(r) = n(r)+n(r),(1.19)
und Magnetisierungsdichte,
m(r) = n(r)n(r),(1.20)
m¨
oglich da es sich um Linearkombinationen aus up- und down-Elektronendichte handelt.
6
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Die Kohn-Sham Gleichungen werden dann wie folgt verallgemeinert:
(1
2+vee +vext +v
xc)ψi=εiψi
(1
2+vee +vext +v
xc)ψi=εiψi.(1.21)
Hier sind vσ
xc, mit der im folgenden gebrauchten Notation σ=oder, die jetzt spinabh¨
angigen Austausch-
Korrelations Potentiale:
vσ
xc(r) = δExc[n(r),n(r)]
δnσ(r),(1.22)
welche wiederum aus einem spinabh¨
angigen Exc hervorgehen, siehe z. B. [Esc96, PY89]. Die Kohn-Sham
Spin-Orbitale ψiσzu den Eigenwerten εiσsind auf die ¨
ubliche Weise mit den Spindichten verkn¨
upft:
nσ(r) =
N
iniσ|ψiσ|2.(1.23)
Die r¨
aumlichen Spindichten und damit das r¨
aumliche Verhalten der ψiσk¨
onnen in diesem Ansatz f¨
ur up-
und down-Elektronen unterschiedlich sein.
Wie auch im spinunpolarisierten Fall l¨
aßt sich Janak’s Theorem [Jan78] in einer spinabh¨
angigen Version
gewinnen:
εiσ=EKS
tot
niσ.(1.24)
Durch diese Beziehung werden die Kohn-Sham Eigenwerte mit Ableitungen der Gesamtenergie nach den
Besetzungszahlen niσverkn¨
upft.
1.4 Die spinpolarisierte DFTB Methode
Die Kohn-Sham Gleichungen erfordern eine selbstkonsistente L¨
osung. Dazu m¨
ussen insbesondere die Po-
tentiale aus der Elektronendichte jeweils neu berechnet werden was die Notwendigkeit numerisch recht
aufw¨
andiger Integrationen mit sich bringt. Mit dem Ziel diesen Aufwand zu vermeiden und trotzdem Re-
sultate von einer mit voll-selbstkonsistenten Dichtefunktionalrechnungen vergleichbaren Qualit¨
at zu er-
zielen wurde die dichtefunktionalbasierte Tight-Binding (density-functional based Tight-Binding, DFTB)
Methode entwickelt [FWK+95]. Diese wurde um Ladungsselbstkonsistenz [EPJ+98] und die Behandlung
spinpolarisierter Systeme [FSE+00, FSE+02] erweitert. Sie soll im folgenden dargestellt werden.
Der Gesamtenergieausdruck in der Kohn-Sham Formulierung der Spin-Dichtefunktionaltheorie unter Ein-
beziehung des Beitrages ENN der Kern-Kern Coulomb-Wechselwirkung lautet:
EKS
tot =
σ=,
occ.
iniσ½hψiσ|
2+vext +1
2Zn(r0)
|rr0|d3r0|ψiσi¾+
+Exc[n(r),m(r)]+ 1
2
M
IJ
ZIZJ
|RIRJ|
| {z }
ENN
.(1.25)
Dabei sind den MAtomkernen die Kernladungszahlen ZIzugeordnet. Die Summation ¨
uber die Kohn-
Sham Spin-Orbitale ψiσl¨
auft ¨
uber alle besetzten Orbitale was durch die obere Summationsgrenze occ.
angedeutet wird.
1.4. DIE SPINPOLARISIERTE DFTB METHODE
7
Dem Ansatz von Foulkes und Haydock [FH89] folgend3, wird nun die elektronische Grundzustandsdichte
num eine Referenzdichte n0entwickelt,
n(r) =
σ=,
N
iniσ|ψiσ|2=n0(r)+δn(r).(1.26)
Die Differenz zwischen Grundzustands- und Referenzdichte, die Dichtefluktuation, wird mit δnbezeich-
net. Entsprechend soll auch die Magnetisierungsdichte entwickelt werden, allerdings ist hier die Referenz
ein spinunpolarisierter Zustand4:
m(r) = m0(r)+δm(r)mit m0=0.(1.27)
Aus Gr¨
unden der ¨
Ubersichtlichkeit sollen im folgenden die Ortsvariablen in den Gleichungen nicht mehr
¨
uberall mitgef¨
uhrt werden, d. h. n(r),n0(r),δn(r),m(r),δm(r)sowie n(r0),n0(r0),δn(r0),m(r0),δm(r0)
werden durch n,n0,δn,m,δmund entsprechend n0,n0
0,δn0,m0,δm0ersetzt.
Mit diesen Abk¨
urzungen erh¨
alt man f¨
ur den bis zur zweiten Ordnung in δnentwickelten Gesamtenergie-
ausdruck 1.25 unter vorl¨
aufiger Ausklammerung der Entwicklung von Exc:
Etot =
σ=,
occ.
iniσ½hψiσ|
2+vext +Zn0
0
|rr0|d3r0+vxc[n0,m0]|ψiσi¾
1
2Z Z n0
0(n0+δn)
|rr0|d3rd3r0Zvxc[n0,m0](n0+δn)d3r(1.28)
+1
2Z Z δn0(n0+δn)
|rr0|d3rd3r0+Exc[n0+δn,m0+δm]+ENN.
Hier wurden Nullen eingeschoben und eine Sortierung nach nur von n0und von δnabh¨
angigen Termen
erfolgte.
Entsprechend wird auch das Austausch-Korrelations Funktional formal in eine Taylorreihe bis zur zweiten
Ordnung in δnund δmentwickelt:
Exc[n,m] = Exc[n0,0] +ZδExc
δn¯¯¯¯n0,0δn d3r+ZδExc
δm¯¯¯¯n0,0δm d3r
+Z Z δ2Exc
δn(r)δm(r0)¯¯¯¯n0,0δn(r)δm(r0)d3rd3r0+
+1
2Z Z δ2Exc
δn(r)δn(r0)¯¯¯¯n0,0δn(r)δn(r0)d3rd3r0+
+1
2Z Z δ2Exc
δm(r)δm(r0)¯¯¯¯n0,0δm(r)δm(r0)d3rd3r0.(1.29)
F¨
ur Austausch-Korrelations Funktionale die keine Spin-Bahn-Kopplung beinhalten gilt in den hier
gew¨
ahlten Variablen Exc[n,m] = Exc[n,m]. Somit m¨
ussen der dritte und vierte Term auf der rechten Seite
von 1.29 verschwinden, da die Ableitung an der Stelle m=0 Null werden muß. Weiterhin ist zu beachten
das keine nicht-lokalen, d. h. von rund gleichzeitig von r0abh¨
angigen, Dichtefunktionale bekannt sind.
Daher kann man den sechsten Term in Gleichung 1.29 zu:
1
2Z Z δ2Exc
δm(r)δm(r0)¯¯¯¯n0,0δm(r)δm(r0)d3rd3r0=1
2Zδ2Exc
δm(r)2¯¯¯¯n0,0δm(r)2d3r
3In der Arbeit von Foulkes und Haydock wird gezeigt, daß der resultierende Energieausdruck nicht variational sondern stati-
on¨
ar gegen¨
uber einer ¨
Anderung der Ladungsfluktuation ist. Siehe auch [AP90] zum Harris-Funktional Ansatz.
4Statt des Variablensatzes nund mw¨
are es mathematisch auch m¨
oglich den ¨
aquivalenten Variablensatz nund nf¨
ur die
Entwicklung zu w¨
ahlen. Allerdings w¨
urden sich damit keine Ausdr¨
ucke ergeben, welche direkt die spinunpolarisierte DFTB
Methode reproduzieren. Insbesondere w¨
urden erste Ableitungen nicht prinzipiell verschwinden.
8
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
vereinfachen.
Insgesamt ergibt sich durch Einsetzen von Gleichung 1.29 in Gleichung 1.28 und Zusammenfassen der
folgende gen¨
aherte Ausdruck f¨
ur die Gesamtenergie:
Etot =
σ=,
occ.
iniσhψiσ|
2+vext +Zn0
0
|rr0|d3r0+vxc[n0,0]
| {z }
ˆ
H0[n0,0]
|ψiσi(1.30)
+ENN +Exc[n0,0]Zvxc[n0,0]n0d3r1
2Z Z n0n0
0
|rr0|d3rd3r0
+1
2Z Z Ã1
|rr0|+δExc
δnδn0¯¯¯¯n0,0!δnδn0d3rd3r0+1
2Zδ2Exc
δm2¯¯¯¯n0,0δm2d3r
Der Gesamtenergieausdruck der Gleichung 1.30 besteht nun aus zwei Anteilen. Terme welche nur von
den Referenzdichten abh¨
angen sind im Hamiltonoperator nullter Ordnung ˆ
H0[n0,0]und in der zweiten
Zeile, zusammen mit der Kern-Kern Coulomb-Wechselwirkung, gesammelt. Hingegen sind die beiden
Terme in der dritten Zeile der Gleichung 1.30 explizit von den Dichtefluktuationen δnund δmabh¨
angig.
Im folgenden soll dargestellt werden wie sich die verschiedenen Terme in ein effizientes Tight-Binding-
artiges Schema bringen lassen.
1.4.1 Matrixelemente des Hamiltonoperators nullter Ordnung
Hier soll auf die Bestimmung der Matrixelemente des Hamiltonoperators H0[n0,0]eingegangen werden.
Dazu werden geeignete Basisfunktionen zur Darstellung der ψiσeingef¨
uhrt bevor die Bestimmung der
Referenzdichten beschrieben wird.
Basisfunktionen
Die Kohn-Sham Spin-Orbitale ψiσwerden durch eine Linearkombination von atomaren Orbitalen ϕνvom
Slater-Typ (linear combination of Slater type orbitals, LCSTO) dargestellt:
|ψiσi=
νcνiσ|ϕν(rRA)i,A=A(ν).(1.31)
Dabei tragen die Entwicklungskoeffizienten (Wellenfunktionskoeffizienten) cνiσden Spinindex. Die Ba-
sisfunktion ϕν(rRA)ist am Atomkern mit der Position RAzentriert. Der Index Ades Atoms wird dabei
durch den Index νder Basisfunktion bestimmt.
Die Basisfunktionen ϕν(r)selbst sind wiederum Linearkombinationen aus einzelnen Slater-Orbitalen
rneαr:
ϕν(r) = Ã
j=1Ã
n=0
ajnrlν+n!eαjr!Ylνmν(er)(1.32)
Die Drehimpulsquantenzahl und die magnetische Quantenzahl werden dabei mit lνund mνbezeichnet,
Ylνmν(er)ist die entsprechende reelle Kugelfl¨
achenfunktion. Zur Wahl der Exponenten αjund zur Wahl
der oberen Summationsgrenzen wurden umfangreiche Untersuchungen durchgef¨
uhrt [Esc88].
Die Koeffizienten ajn werden durch voll-selbstkonsistente DFT Rechnungen an neutralen, spinunpolari-
sierten sowie sph¨
arisch symmetrischen sogenannten Pseudoatomen gewonnen.Die Kohn-Sham Gleichung
zur Bestimmung der ajn und damit der ϕν(r)lautet in diesem Fall:
(ˆ
t+vpsat)|ϕν(r)i=εν|ϕν(r)i(1.33)
mit
vpsat =vee +vext +vxc +vadd(r)(1.34)
1.4. DIE SPINPOLARISIERTE DFTB METHODE
9
Im Vergleich zu den Gleichungen 1.14 und 1.15 ist hier ein zus¨
atzlicher Potentialanteil vadd vorhanden
[Esc88, SEB86]:
vadd(r) = µr
r0m
.(1.35)
Durch dieses Zusatzpotential wird eine Kontraktion der im Vergleich zur Situation in Molek¨
ulen ausge-
dehnteren atomaren Elektronendichte, und damit der ϕν, erreicht [Esc88, SEB86]. Hier wird also versucht,
einen Teil des Effektes einer voll-selbstkonsistenten DFT Rechnung vorwegzunehmen. Dies ist im Zusam-
menhang mit der sp¨
ateren Berechnung der Matrixelemente von ˆ
H0sinnvoll da dort keine Selbstkonsistenz
einfließt.
Im Kontext der DFTB Methode wird m=2 gew¨
ahlt. Der Kompressionsradius r0in Gleichung 1.35 wird
gew¨
ohnlich zu r01.85×rcov gew¨
ahlt, rcov ist hier der kovalente Radius des Atoms. Im Zusammenhang
mit 3d- ¨
Ubergangs- und Edelmetallen sind f¨
ur ¨
ahnliche voll-selbstkonsistentes DFT-Verfahren aber auch
andere Werte berichtet worden, siehe Abschnitt 4.3.
Basisfunktionen die an verschiedenen Atomen lokalisiert sind werden sp¨
ater als nicht-orthogonal behan-
delt. Die ¨
Uberlappmatrix eines mehratomigen Systems enth¨
alt also von Null verschiedene Elemente au-
ßerhalb der Hauptdiagonalen.
Referenzdichten und Matrixelemente
Durch die selbstkonsistente L¨
osung von Gleichung 1.33 erh¨
alt man f¨
ur jede Atomsorte die an diesen
Atomen zentrierten Basisfunktionen, sowie eine atomare Elektronendichte nA
0. Einsetzen der Entwicklung
1.31 f¨
ur die |ψiσiergibt f¨
ur die Matrixelemente von ˆ
H0:
hψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi=
µ,νc
µiσcνiσhϕµ|ˆ
H0[n0,0]|ϕνi=
µ,νc
µiσcνiσˆ
H0
µν[n0,0].
Die Referenzladungsdichte n0wird als ¨
Uberlagerung der Matomaren Referenzdichten ausgedr¨
uckt5,
n0=
M
A
nA
0.
Damit ergibt sich f¨
ur die Matrixelemente der Ausdruck
µ,νc
µiσcνiσˆ
H0
µν[n0,0] =
µ,νc
µiσcνiσˆ
H0
µν"M
A
nA
0,0#.
Im Rahmen einer Zweizentren-Approximation werden nun in der Entwicklung der Referenzladungsdichte
alle Terme vernachl¨
assigt, welche nicht von den beiden Atomen stammen an denen ϕνund ϕµzentriert
sind. F¨
ur den Fall das beide Basisfunktionen am gleichen Atom zentriert sind w¨
are damit das Matrix-
element der Eigenwert ενin der pseudoatomaren Kohn-Sham Gleichung 1.33. Um das korrekte Disso-
ziationslimit zu erreichen wird jedoch der Eigenwert εfreies Atom
νdes freien Atoms ohne kontrahierendes
Zusatzpotential verwendet. Die Matrixelemente f¨
ur alle anderen als die erw¨
ahnten F¨
alle sind Null, insge-
samt gilt also mit der Abk¨
urzung Vf¨
ur die Summe der Potentialbeitr¨
age:
ˆ
H0
µν=
εfreies Atom
ν:µ=ν
hϕµ|ˆ
t+V[nA(µ)
0+nB(ν)
0]|ϕνi:µ6=ν,A(µ)6=B(ν)
0 : sonst
(1.36)
5Es ist hier ¨
ublich die Basisfunktionen im ersten Schritt wie im Abschnitt 1.4.1 beschrieben mit einem Kompressionsradius
rBasis
0zu bestimmen. Mit diesen Basisfunktionen wird in einer weiteren atomaren Rechnung mit einem anderen Kompressionsra-
dius rDichte
0die endg¨
ultige atomare Referenzdichte bestimmt. In ersten Ans¨
atzen zum DFTB Verfahren wurden nicht die atomaren
Referenzdichten sondern die atomaren Potentiale ¨
uberlagert um das Potential f¨
ur die Matrixelemente zu erhalten. Dabei wurde
nur eine atomare Rechnung mit einem Kompressionsradius durchgef¨
uhrt. Einen ¨
Uberblick ¨
uber die Entwicklung gibt [Ste01].
10
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Dabei ist zu beachten, das diese Matrixelemente ohne weitere Selbstkonsistenzzyklen aus den pseudoato-
maren Basisfunktionen und Ladungsdichten bestimmt werden.
Durch die oben beschriebene N¨
aherung werden zwei in voll-selbstkonsistenten Rechnungen gew¨
ohnlich
enthaltene Potentialbeitr¨
age vernachl¨
assigt. Dies sind zum einen die sogenannten Kristallfeldterme bei
denen zwei Basisfunktionen die an ein und demselben Atom zentriert sind mit Potentialbeitr¨
agen wech-
selwirken die von einem anderen Atom stammen. Zum anderen sind dies allgemeine Dreizentrenterme
bei denen die beiden Basisfunktionen von zwei verschiedenen Atomen stammen und mit den Potential-
beitr¨
agen eines dritten Atoms wechselwirken.
Mit dem oben angegeben Schema k¨
onnen im Prinzip alle elektronischen Zust¨
ande im System erfaßt wer-
den. Mit der Zahl der Elektronen im System steigt aber auch die Zahl der ben¨
otigten Basisfunktionen ϕν
im System stark an. Daher werden die sogenannten core-Elektronen, z. B. 1s Elektronen bei Elementen
der zweiten Reihe, die kaum zur Bindung beitragen in einem Pseudopotentialansatz [SEB86, FSE+00]
vernachl¨
assigt. Die Matrixelemente werden nur f¨
ur die Valenzelektronen berechnet und nur diese wer-
den in den Rechnungen mitgef¨
uhrt. Aufgrund der Vernachl¨
assigung der Kristallfeld- und Dreizentrenter-
me m¨
ussen die erhaltenen ψiσder Valenzelektronen nicht explizit gegen die Wellenfunktionen der core-
Elektronen orthogonalisiert werden [SEB86].
F¨
ur die obigen Rechnungen wird jeder (l,m)-Kombination, welche in der Valenzschale des Atoms liegt,
genau eine Basisfunktion ϕν, siehe Gleichung 1.32, zugeordnet. Dieses Vorgehen bezeichnet man als
Verwendung einer sogenannten minimalen Basis.
Die Matrixelemente ˆ
H0
µνwie auch die Elemente Sµν=hϕµ|ϕνider ¨
Uberlappmatrix werden dem Schema
von Slater und Koster [SK54] entsprechend tabelliert. Durch die endliche radiale Reichweite der Tabellen
ist die Wechselwirkung zweier Atome ¨
uber den Hamiltonoperator nullter Ordnung beschr¨
ankt. Bei den
hier durchgef¨
uhrten Rechnungen wurden Wechselwirkungsradien von 5 bis 6 ˚
A benutzt.
1.4.2 Die dichtefluktuationsabh¨
angigen Anteile
Die in der dritten Zeile von Gleichung 1.30 gesammelten Anteile sind zum einen von der Fluktuation der
Ladungsdichte δnund zum anderen von der Fluktuation der Magnetisierungsdichte δmabh¨
angig. Hier soll
zuerst auf den von δnabh¨
angigen Anteil eingegangen werden.
Ladungsdichtefluktuation
Die Ladungsdichtefluktuation im Gesamtenergieanteil
Eδn=1
2Z Z Ã1
|rr0|+δ2Exc
δnδn0¯¯¯¯n0,0!δnδn0d3rd3r0(1.37)
wird analog zur Referenzladungsdichte als Summe ¨
uber atomare Anteile geschrieben, allerdings jetzt per
Drehimpuls l:
δn=
M
A
lA
δnAl.(1.38)
Diese atomaren Anteile der Ladungsdichtefluktuation werden weiterhin nach Kugelf¨
achenfuktionen YLM
mit Koeffizienten cLM entwickelt
δnAl(r) =
L,McAl
LMFAl
LM(|rRA|)YLM (1.39)
wobei die Radialteile durch unbekannte Funktionen FAl
LM gegeben sind.
Im Rahmen einer Monopoln¨
aherung werden jetzt alle Summanden mit L>0 in der Entwicklung ver-
nachl¨
assigt6. Unter Ber¨
ucksichtigung der Tatsache, daß eine atomare Drehimpulsschale in einem sph¨
arisch
6Es soll hier die Normierung Y00 =1/4πgelten
1.4. DIE SPINPOLARISIERTE DFTB METHODE
11
symmetrischen Problem, wie etwa f¨
ur die Pseudoatome in Abschnitt 1.4.1, eine sph¨
arisch symmetri-
sche Ladungsverteilung liefert ist die Monopolapproximation gerechtfertigt. Die Entwicklungskoeffizi-
enten cAl
LM werden mit sogenannten Mulliken-Ladungen qAl identifiziert, siehe dazu auch eine alternative
Herleitung in [Els98b]. Diese ergeben sich durch Differenzenbildung zur Valenzelektronenzahl qAl
0des
entsprechenden atomaren Orbitals
qAl =Ã
σ=,
pAlσ!qAl
0(1.40)
aus den spinabh¨
angigen Mulliken-Populationen
pAlσ=1
2
occ.
i=1
niσ
µA,l
ν¡c
µiσcνiσSµν+c
νiσcµiσSνµ¢.(1.41)
Die Summation ¨
uber µerfaßt dabei alle Basisfunktionen am Atom A zum Drehimpuls l. Die Summation
¨
uber νerstreckt sich ¨
uber alle Basisfunktionen.
Einsetzen in Gleichung 1.37 liefert nun den Ausdruck
Eδn=1
2
M
A
M
B
lA
l0BZ Z Ã1
|rr0|+δ2Exc
δnδn0¯¯¯¯n0,0!×
×FAl
00 (|rRA|)FBl0
00 (|r0RB|)
4πqAl qBl0d3rd3r0.(1.42)
Der Integralkern besteht aus zwei Anteilen. Der Anteil proportional zu 1/|rr0|hat langreichweitigen
Charakter. Beim Austausch-Korrelations Anteil muß man hingegen zwei F¨
alle unterscheiden. Die Radi-
alfunktionen FAl
00 und FBl0
00 fallen mit der vom jeweiligen Atom stammenden Elektronendichte ab. Wenn
sie also an zwei verschiedenen Atomen zentriert sind haben sie einen kleinen ¨
Uberlapp und damit ist
auch der entsprechende Austausch-Korrelations Anteil am Integral klein (die Ableitung des Austausch-
Korrelations-Funktionals wird an der Stelle (n0,0) ausgewertet und liefert immer denselben Beitrag). Die
gr¨
oßten Austausch-Korrelations Beitr¨
age zum Gesamtintegral ergeben sich wenn A=Bgilt, d. h. wenn es
sich um einen sogenannte on-site Beitrag handelt, da dann der ¨
Uberlapp maximal ist.
Um das Doppelintegral1.42 berechnen zu k¨
onnen soll also zuerst der langreichweitige Anteil proportional
zu 1/|rr0|unter Vernachl¨
assigung des Austausch-Korrelations Beitrages ausgewertet werden:
γAl,Bl0=Z Z 1
|rr0|
FAl
00 (|rRA|)FBl0
00 (|rRB|)
4πd3rd3r0(1.43)
F¨
ur die Radialfunktionen wird der Ansatz
FAl
00 (|rRA|) = τ3
Al
4πeτAl|rRA|(1.44)
gemacht, wobei τAl ein noch zu bestimmender Parameter ist. Der Exponentialteil f¨
allt hier wie eine
Basisfunktion vom Slater-Typ ab. Ausrechnen des Doppelintegrals f¨
ur R=|RARB|6=0 liefert dann
[Els98a]7:
γAl,Bl0=(1
ReτAlRΓ(τAl,τBl0,R)eτBl0RΓ(τBl0,τAl,R):wenn τAl 6=τBl0
1
ReτAlR³1
R+11τAl
16 +3τ2
AlR
16 +τ3
AlR2
48 ´:wenn τAl =τBl0(1.45)
7In der Referenz wird die Rechnung f¨
ur ein Modell gezeigt, in dem alle Gr¨
oßen vom Atom und nicht zus¨
atzlich vom Drehim-
puls abh¨
angig sind. Die Integralauswertung wird davon jedoch nicht beeinflußt, es handelt sich um eine reine Indexverschiebung.
Das hier erhaltene Endergebnis l¨
aßt sich vollst¨
andig in das in der Referenz erhaltene ¨
uberf¨
uhren wenn der Drehimpulsindex
fallen gelassen wird. Das hier gezeigte Modell wurde in den fr¨
uhesten DFTB Implementationen verwendet und f¨
ur diese Arbeit
re-implementiert.
12
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Hier wurde die Abk¨
urzung
Γ(a,b,R) = µb4a
2(a2b2)2b63b4a2
(a2b2)3R
verwendet.
Im Grenzfall großer Kernabst¨
ande, R, f¨
allt 1.45 wie 1/Rab. Somit kann dieser Fall, unter Ver-
nachl¨
assigung des Austausch-Korrelations Anteils aus Gleichung 1.37, als Coulomb-Wechselwirkung
zwischen den Mulliken-Ladungen qAl der atomaren Drehimpulsschalen interpretiert werden.
Der Grenzwert f¨
ur R0 ist hingegen durch
γAl,Bl0=τAlτBl0
2(τAl +τBl0)3¡(τAl +τBl0)2+τAlτBl0¢+O(R)(1.46)
gegeben [Els98a]. Insbesondere erh¨
alt man f¨
ur den atomaren Fall A=B
γAl,Al0=τAlτAl0
2(τAl +τAl0)µ1+τAlτAl0
(τAl +τAl0)2(1.47)
sowie f¨
ur die gleiche Drehimpulsschale, l=l0,
γAl,Al =5
16τAl.(1.48)
Hier ist γAl,Al also proportional dem Parameter τAl. Dieser ist nach Ansatz eine Konstante spezifisch f¨
ur
eine bestimmte atomare Spezies und Elektronen aus der Drehimpulsschale l. Wie im Abschnitt 1.4.5 ge-
zeigt wird kann im Rahmen der DFTB Methode τAl mit dem entsprechenden HubbardUdes freien Atoms
identifiziert werden. Das Hubbard Uenth¨
alt auch Austausch-Korrelations Beitr¨
age. Geht man davon aus,
daß der Austausch-Korrelations Anteil im Integralkern von 1.37 nicht langreichweitig ist so wird er n¨
ahe-
rungsweise ¨
uber das Hubbard Uber¨
ucksichtigt.
Die Kopplung zwischen verschiedenen Drehimpulsschalen am selben Atom γAl,Al0ist durch Gleichung
1.47 gegeben, h¨
angt also ebenfalls nur von den τAl der einzelnen Schalen ab. Der zweite Term in der
Klammer der Gleichung 1.47 kann in grober N¨
aherung gegen¨
uber 1 vernachl¨
assigt werden. Man erh¨
alt
dann
γAl,Al01
4µ2τAlτAl0
(τAl +τAl0).
Der Term in Klammern hat die Gestalt eines harmonischen Mittels zwischen den τAl.
Insgesamt ergibt sich damit f¨
ur den von der Ladungsdichtefluktuation abh¨
angigen Anteil der Gesamtener-
gie der n¨
aherungsweise Ausdruck
Eδn=1
2
M
A
M
B
lA
l0B
qAl qBl0γAl,Bl0.(1.49)
Dieser enth¨
alt nur noch die algebraische, vom interatomaren Abstand abh¨
angige Funktion γAl,Bl0und
die von den tabellierten ¨
Uberlappmatrixelementen und den Wellenfunktionskoeffizienten abh¨
angigen
Mulliken-Ladungen. Es treten also keine Integrationen mehr auf.
Magnetisierungsdichtefluktuation
Der von der Magnetisierungsdichtefluktuation abh¨
angige Anteil der Gesamtenergie
Eδm=1
2Zδ2Exc
δm2¯¯¯¯n0,0δm2d3r(1.50)
1.4. DIE SPINPOLARISIERTE DFTB METHODE
13
unterscheidet sich dadurch von seinem ladungsdichtefluktuationsabh¨
angigen Gegenst¨
uck 1.37, daß er nur
den Austausch-Korrelations Anteil enth¨
alt. In Abschnitt 1.4.2 wurde angenommen, daß der Austausch-
Korrelations Anteil kurzreichweitig ist. Aufgrund dieser Annahme wurden diese Beitr¨
age in der Auswer-
tung des Integrals zuerst vernachl¨
assigt und fließen dann ¨
uber die atomaren Konstanten τAl wieder ein.
Dies kann so interpretiert werden, daß sie vor allem einen Wechselwirkungsbeitrag liefern wenn die ato-
maren Dichtefluktuationsbeitr¨
age, siehe Entwicklung Gleichung 1.39 und Gleichung 1.42, im Integral von
einem Atom stammen. Sie haben also “on-site” Charakter, auch wenn sie formal von zwei Ortskoordina-
ten, rund r0, abh¨
angen.
F¨
ur den Austausch-Korrelations Beitrag in dem von den Magnetisierungsdichtefluktuationen abh¨
angigen
Energieanteil, Gleichung 1.50, wurde also schon angenommen, daß er lokalen Charakter hat, d. h. nur
von einer Ortskoordinate abh¨
angt. Im Rahmen des on-site Bildes ist es also konsistent anzunehmen, daß
die Spindichten verschiedener Atome nicht ¨
uber das Integral in Gleichung 1.50 miteinander verkoppelt
werden. Wenn man die Magnetisierungsdichtefluktuation δmin einer Monopolapproximation wieder als
Summe ¨
uber atomare Beitr¨
age schreibt,
δm(r) =
M
A
lA
pAl fAl(|rRA|)(1.51)
l¨
aßt sich dies dadurch einbringen, daß die Radialfunktionen fAl im Gegensatz zu den FAl
00 als nicht ¨
uberlap-
pend angenommen werden. Die Koeffizienten pAl und die Radialanteile sind wieder mit dem Atomindex A
und dem Drehimpulsindex lversehen, wobei l¨
uber alle Drehimpulse am Atom Al¨
auft. Die Koeffizienten
pAl werden analog zum Vorgehen im Abschnitt 1.4.2 mit den Differenzen zwischen up- und down-spin
Mulliken-Populationen qAlσ, siehe Gleichung 1.41, identifiziert:
pAl =qAlqAl.(1.52)
Ein Ansatz ¨
ahnlich dem f¨
ur die FAl
00 in Abschnitt 1.4.2 ist f¨
ur die fAl nicht m¨
oglich, da die Magnetisie-
rungsdichte ihr Vorzeichen wechseln kann. Einsetzen in Gleichung 1.50 liefert allerdings unter Ber¨
uck-
sichtigung des verschwindenden ¨
Uberlapps der radialen Funktionen:
Eδm=1
2
A
lA
l0A
pAl pAl0ZfAl δ2Exc
δm2¯¯¯¯n0,0fAl0d3r.(1.53)
In diesem Ausdruck sind alle Gr¨
oßen an einem Atom Azentriert. Es bietet sich somit im Lichte der
vorangegangenen N¨
aherungen an, das Integral mit einer atomaren Konstante WAll0, auf deren Ermittlung
in Abschnitt 1.4.5 eingegangen wird, zu identifizieren. Schlußendlich lautet damit der Energieanteil der
von der Magnetisierungsdichtefluktuation abh¨
angt
Eδm=1
2
A
lA
l0A
pAl pAl0WAll0.(1.54)
Durch diesen Ausdruck werden also im Sinne einer Einzentrenapproximation die Spinpopulationen an
einem Atom miteinander verkn¨
upft. Auch dieser Ausdruck enth¨
alt keine Integrationen.
1.4.3 Das Repulsivpotential
Mit dem bisher gezeigten l¨
aßt sich der Gesamtenergieausdruck im spinpolarisierten DFTB Verfahren als
Etot =
σ=,
occ.
iniσhψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi+Eδn+Eδm+
| {z }
EDFTB
el
(1.55)
+ENN +Exc[n0,0]Zvxc[n0,0]n0d3r1
2Z Z n0n0
0
|rr0|d3rd3r0
14
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
schreiben. Es sind also noch die in der zweiten Zeile enthaltene Kern-Kern-Repulsion und Terme wel-
che nur von der Referenzdichte abh¨
angen zu behandeln. Diese sind bei Kenntnis der Referenzdichten
prinzipiell berechenbar. Wie auch in anderen Tight-Binding Verfahren ¨
ublich [FSE+00] soll dies jedoch
nicht geschehen. Vielmehr werden sie in einem repulsiven PaarpotentialU(|RARB|)zusammengefaßt
[FSE+00], welches nur vom Kern-Kern-Abstand abh¨
angt und sich effektiv berechnen l¨
aßt. Es wird als
U(|RARB|) = EKS
tot (|RARB|)EDFTB
el (|RARB|)
definiert und die Summe ¨
uber alle Atompaare im System liefert den repulsiven Energieanteil
Erep ({RI}) =
M
A,B
U(|RARB|).(1.56)
Zur Bestimmung von Erep ist es daher n¨
otig, die Gesamtenergie eines definierten Referenzsystems in
Kohn-Sham DFT EKS
tot und den elektronischen Energieanteil in SCC-DFTB EDFTB
el , siehe Gleichung 1.55,
f¨
ur einen Bereich interatomarer Paarabst¨
ande |RARB|zu bestimmen. Durch Differenzbildung ergeben
sich dann die repulsiven Paarpotentiale. Diese Berechnung wird f¨
ur jede Kombination atomarer Spezies
durchgef¨
uhrt und ¨
uber deren Abstand tabelliert.
1.4.4 Gesamtenergie
Nachdem Ausdr¨
ucke f¨
ur alle Energieanteile bestimmt sind, ist der Gesamtenergieausdruck in DFTB unter
Einbeziehung der Ladungsdichtefluktuation und der Magnetisierungsdichtefluktuation gegeben durch:
Etot =
σ=,
occ.
iniσhψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi+Eδn+Eδm+Erep =
=
σ=,
occ.
iniσhψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi+1
2
M
A
M
B
lA
l0B
qAl qBl0γAl,Bl0+
1
2
A
lA
l0A
pAl pAl0WAll0+Erep.(1.57)
Hier sind also die Ladungsdichtefluktuationen durch Mulliken-Ladungen und die Magnetisierungsdichte-
fluktuationen durch die Differenz der Mulliken-Spinpopulationen ersetzt worden. Diese lassen sich effizi-
ent bestimmen, da die ¨
Uberlappmatrixelemente in tabellierter Form vorliegen.
Der Gesamtenergieausdruck zerf¨
allt somit in vier Anteile. Der Hamiltonoperator nullter Ordnung ist nur
von den Referenzdichten abh¨
angig. Die Mulliken-Ladungen qAl gehen in den zweiten Term ein, w¨
ahrend
derdritte Term ¨
uberdie Mulliken-Spinpopulationen pAl dieSpinpolarisationsabh¨
angigkeittr¨
agt.Der vierte
Term, das Repulsivpotential Erep, h¨
angt allein von den Kernkoordinaten ab.
Durch Vernachl¨
assigung der beiden fluktuationsabh¨
angigen Anteile erh¨
alt man einen Energieausdruck,
der nur von der Referenzdichte abh¨
angt und dem in traditionellen Tight-Binding Schemata verwendeten
entspricht. Dadurch verliert man allerdings die M¨
oglichkeit Spinpolarisationseffekte explizit zu ber¨
uck-
sichtigen.
1.4.5 Bestimmung der Konstanten τAl und WAll0
Im Gesamtenergieausdruck 1.57 sind die Konstanten τAl die in die algebraische Funktion γAl,Bl0einge-
hen und die Konstanten WAll0der Spinpolarisationsenergie noch nicht festgelegt. Dies kann anhand des
atomaren Falls erfolgen, der Gesamtenergieausdruck lautet dann:
EA
tot =
σ=,
occ.
iniσhψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi+1
2
lA
l0A
qAlqAl0γAl,Al0+
1
2
lA
l0A
pAl pAl0WAll0.(1.58)
1.4. DIE SPINPOLARISIERTE DFTB METHODE
15
Die Konstanten τAl der Ladungsdichtefluktuation
Wie aus den Gleichungen 1.47 und 1.48 hervorgeht m¨
ussen die Konstanten τAl f¨
ur eine Drehimpulsschale
an einem bestimmten Atomtyp bestimmt werden um die Funktion γAl,Bl0insgesamt festzulegen. Zuerst soll
jedoch auf einige Besonderheiten der Mulliken-Ladungen qAl und der Mulliken-Spinpopulationen pAlσim
atomaren Fall eingegangen werden.
Eine Differentiation nach der Variablen qAl kann durch eine Differentiation nach der Variablen (pAl+
pAl), der gesamten Mulliken-Population, ersetzt werden, beide unterscheiden sich nur durch eine ad-
ditive Konstante, siehe Gleichung 1.40. Die ¨
Uberlappmatrix Sµνist eine Diagonalmatrix deren Eintr¨
age
durch δµν, dem Kronecker-Symbol, gegeben sind. Die Basisfunktionen sind fest als Eigenfunktionen des
pseudoatomaren Problems, Gleichung 1.33, gew¨
ahlt und die Eigenl¨
osungen zu festem Drehimpuls lsind
(2l+1)-fach entartet. Da bei der Berechnung der Mulliken-Populationen ¨
uber die entarteten Orbitale
summiert wird spielt die Entartung im folgenden keine Rolle. Daher kann der Index ider Eigenl¨
osung
in Gleichung 1.33 durch den Drehimpulsindex lersetzt werden. Mit dem gerade gesagten ist dann die
Mulliken-Spinpopulation und damit die gesamte Mulliken-Population gleich der entsprechenden Beset-
zungszahl:
pAlσ=niσund (pAl+pAl) = ni+ni=ni(1.59)
Die Spinpolarisation soll im folgenden keine Rolle spielen, es wird vom Bezugspunkt des spinunpolari-
sierten Atoms ausgegangen. Somit sind die niσgleich und ihre Summe kann durch eine Besetzungszahl ni
ersetzt werden.
Differenziert man nun Gleichung 1.58 zweimal nach qAl, so erh¨
alt man unter Ber¨
ucksichtigung von Glei-
chung 1.48
2EA
tot
qAl2=2EA
tot
n2
i
=γAl,Al =5
16τAl.(1.60)
Andererseits liefert die Differentiation der atomaren Gesamtenergie in Kohn-Sham DFT EKS,A
tot nach den
Besetzungszahlen
2EKS,A
tot
ni2=∂εi
ni.(1.61)
Hier wurde in der letzten Umformung Janak’s Theorem [Jan78] ausgenutzt.
Wird jetzt das h¨
ochste besetzte molekulare Orbital (highest occupied molecular orbital, HOMO)8betrach-
tet, so ist
∂εHOMO
nHOMO UA=IAAA(1.62)
gleich dem sogenannten Hubbard UAdes Atoms welches sich mit der Differenz zwischen Ionisations-
potential IAund Elektronenaffinit¨
at AAidentifizieren l¨
aßt, auf die Verbindung zur sogenannten chemical
hardness sei hingewiesen [PY89]. Es ist somit ein Maß f¨
ur die Energie die aufgewendet werden muß um
ein Elektron vom Atom zu entfernen oder es hinzuzuf¨
ugen. Die Bezeichung Hubbard Usoll jetzt auf die
Ableitungen per Drehimpulsschale verallgemeinert werden,
UAl =∂εi
ni
Hier gilt, wie schon oben bemerkt, im atomaren Fall, daß der Index ider Eigenl¨
osung f¨
ur ein sph¨
arisch
symmetrisches Atomproblem mit dem Drehimpulsindex lidentisch ist wenn die Entartungen in der ma-
gnetischen Quantenzahl keine Rolle spielen.
8Nat¨
urlich wird hier ein Atom und kein Molek¨
ul betrachtet. Der Einfachheit halber soll in dieser Arbeit die Bezeichnung
HOMO jedoch auch f¨
ur das h¨
ochste besetzte Orbital in Atomen verwendet werden. Dies hat sich auch in der Literatur durchaus
eingeb¨
urgert, z. B. [FSE+00].
16
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Gleichsetzen der Gleichungen 1.60 und 1.61 liefert jetzt:
γAl,Al =5
16τAl =∂εi
ni=UAl (1.63)
Da f¨
ur die Bestimmung der τAl von der atomaren Gesamtenergie in Kohn-Sham DFT ausgegangen wird,
werden atomare Austausch-Korrelations Beitr¨
age ber¨
ucksichtigt. Damit wird die Vernachl¨
assigung des
Austausch-Korrelations Beitrages in Gleichung 1.42 relativiert.
Die Konstanten WAll0der Magnetisierungsdichtefluktuation
Die Konstanten WAll0k¨
onnen ebenfalls durch Differentiation aus dem atomaren DFTB Gesamtener-
gieausdruck 1.58 isoliert werden. Zuvor soll jedoch eine Variablentransformation von dem Satz un-
abh¨
angiger Variablen Gesamtelektronendichte und Magnetisierungsdichte {n(r),m(r)}zum Satz up- und
down-Elektronendichte ©n(r),n(r)ªvorgenommen werden. Mit dem im vorherigen Abschnitt ¨
uber
den atomaren Fall gesagten hat dies in den Besetzungszahlen die Entsprechung des ¨
Uberganges von
©(ni+ni),(nini)ªzu ©ni,niª. Weiterhin ist zu beachten das alle Elemente und nicht nur die genau
einer atomaren Drehimpulsschale zugeordneten bestimmt werden m¨
ussen. Differentiation liefert:
2EA
tot
pAl pAl0=1
4µ2
nlnl0
+2
nlnl02
nlnl02
nlnl0EA
tot =
=WAll0(1.64)
Analoges vorgehen f¨
ur die atomare Energie in Kohn-Sham DFT liefert unter Ausnutzung der spinpolari-
sierten Version von Janak’s Theorem [Jan78]:
1
4µ2
nlnl0
+2
nlnl02
nlnl02
nlnl0EKS,A
tot =
=1
4µ∂εl
nl0
+∂εl
nl0∂εl
nl0∂εl
nl0=1
2µ∂εl
nl0∂εl
nl0(1.65)
Dieletzte Umformungberuhtauf derSymmetrieder beidenSpinzust¨
andebei Wahl des spinunpolarisierten
Systems als Bezugspunkt.
Gleichsetzen von 1.64 und 1.65 liefert dann den Ausdruck zur Bestimmung derWAll0:
WAll0=1
2µ∂εl
nl0∂εl
nl0(1.66)
1.4.6 Hamiltonoperator und Selbstkonsistenz
Der Gesamtenergieausdruck 1.57 wird nach den Wellenfunktionskoeffizienten c
µiσvariiert. Die Teilchen-
zahlerhaltung wird durch einen Lagrange-Multiplikator εiσber¨
ucksichtigt:
δ
δc
µiσÃEtot εiσÃNσ
occ
i
niσ
2
ζ
η
(c
ζiσcηiσSζη +cζiσc
ηiσSηζ)!!=0(1.67)
Dabei ist die Zahl der Elektronen mit Spin σgleich Nσ.
Daraus erh¨
alt man, siehe Anhang A, eine S¨
akulargleichung
νcνiσ¡ˆ
Hµνσ εiσSµν¢=0(1.68)
f¨
ur die Wellenfunktionskoeffizienten mit den Hamiltonmatrixelementen
ˆ
Hµνσ =ˆ
H0
µν+1
2Sµν
M
C
l00C¡γA(µ)l(µ),Cl00 +γB(ν)l(ν),Cl00¢qCl00 +
δσ1
2SµνÃ
l0B(µ)
WB(µ)l(µ)l0pB(µ)l0+
l0B(ν)
WB(ν)l(ν)l0pB(ν)l0!(1.69)
1.4. DIE SPINPOLARISIERTE DFTB METHODE
17
und den ¨
Uberlappmatrixelementen
Sµν=hϕµ|ϕνi.(1.70)
Hier wurde symbolisch δσ=±1 geschrieben. Das Vorzeichen “+” gilt f¨
ur up-Elektronen, “-” f¨
ur down-
Elektronen.
Die Hamiltonmatrix besteht entsprechend den Anteilen der Gesamtenergie aus drei Anteilen. Die Matrix-
elemente des Hamiltonoperators nullter Ordnung ˆ
H0[n0,0]liegen in tabellierter Form vor. Der zweite Term
auf der rechten Seite von 1.69 ber¨
ucksichtigt den Einfluß der Ladungsdichtefluktuationen. Dabei werden
sowohl inter- wie intra-atomare Matrixelemente beeinflußt. Durch die Summation ¨
uber alle Atome “C”
werden die Coulomb-Wechselwirkungen aller Atome im System mit A(µ)und B(ν)erfaßt und gewichtet
mit dem ¨
Uberlappmatrixelement Sµνals Korrektur auf die Matrixelemente nullter Ordnung addiert.
Der Spinpolarisationsanteil in Gleichung 1.69 koppelt ebenfalls die Magnetisierungsdichten verschiede-
ner Atome miteinander9. Allerdings werden hier nur die Anteile an den beiden Atomen A(µ)und B(ν)
ber¨
ucksichtigt im Unterschied zu den Korrekturen durch die Ladungsdichtefluktuation. Die Korrektur
wird ebenfalls mit der ¨
Uberlappmatrix gewichtet. Dies hat allerdings, da nicht alle Atome ber¨
ucksichtigt
werden, einen die Wechselwirkung sehr viel st¨
arker d¨
ampfenden Einfluß als im Fall der Ladungsdichte10.
In [FSE+00] wurde der durch erneute Anwendung einer Einzentrenn¨
aherung aus Gleichung 1.69 hervor-
gehende Hamiltonoperator
ˆ
Hµνσ =ˆ
H0
µν+1
2Sµν
M
C
l00C¡γA(µ)l(µ),Cl00 +γB(ν)l(ν),Cl00¢qCl00 +
+δσδµν
l00A(µ)
WA(µ)l(µ)l00 pAl00.(1.71)
vorgeschlagen. Dieser hat, insbesondere im Fall periodischer Randbedingungen, den Vorteil sehr viel ein-
facherer Implementierbarkeit, da die Spinkorrektur nur on-site Matrixelemente auf der Hauptdiagonalen
beeinflußt (Durch die Einzentrenn¨
aherung geht die ¨
Uberlappmatrix in das Kronecker Delta δµνzwischen
Basisfunktionen ¨
uber). Der Hamiltonoperator 1.71 folgt auch dem Geiste der Herleitung in Abschnitt
1.4.2. Dort wurde die Annahme gemacht, daß die Spindichten verschiedener Atome nicht ¨
uberlappen und
somit keine Wechselwirkung vermittelt wird.
Im folgenden soll auch gepr¨
uft werden welche Auswirkungen eine solche Einzentren-N¨
aherung hat, ins-
besondere bei delokalisierten Spindichten in Radikalen organischer Molek¨
ule. Es ist anzumerken, daß eine
¨
ahnliche N¨
aherung im semi-empirischen, Hartree-Fock basierten INDO Verfahren [PBD67, PBD68] mit
gutem Erfolg f¨
ur organische Molek¨
ule angewandt wird.
Die Hamiltonmatrixelemente 1.69 h¨
angen ¨
uber die Mulliken-Spinpopulationen, siehe Gleichungen 1.41
und 1.40, von den Wellenfunktionskoeffizienten cµiσab, die eigentlich mit Hilfe der S¨
akulargleichung 1.68
zu bestimmen sind. Daher ist eine selbstkonsistente L¨
osung des Problems erforderlich, d. h. von einem
Ansatz ausgehend wird die S¨
akulargleichung gel¨
ost. Daraus werden neue Mulliken-Spinpopulationen be-
stimmt, welche zum Aufbau einer neuen Hamiltonmatrix verwendet werden. Diese geht wiederum in die
S¨
akulargleichung ein. Das wird solange wiederholt bis sich die L¨
osung nicht mehr ¨
andert, d. h. Selbstkon-
sistenz erreicht wurde.
Wie auch in Spin-Dichtefunktionaltheorie m¨
ussen hier f¨
ur up- und down-Elektronen getrennte S¨
akular-
gleichungssysteme gel¨
ost werden, welche jeweils einen Satz Wellenfunktionskoeffizienten liefern. Dies
hat insbesondere zur Folge, daß die Wellenfunktionen f¨
ur up- und down-Elektronen r¨
aumlich verschieden
sein k¨
onnen. Dies erh¨
oht die Zahl der Freiheitsgrade der Variation und wirkt somit energieerniedrigend.
Weiterhin ergibt sich ein f¨
ur up- und down-Elektronen unterschiedliches Potential, welches zur Aufspal-
tung aller Einteilchenenergien f¨
ur up- und down-Elektronen f¨
uhrt.
9Ich bin Herrn Dr. Sternberg an dieser Stelle f¨
ur den Hinweis auf diese Tatsache und eine kl¨
arende Diskussion zur Herleitung
des zuerst in [FSE+00] angegebenen Hamiltonoperators zu Dank verpflichtet.
10F¨
ur typische ¨
Ubergangsmetallsysteme sind die ¨
Uberlappmatrixelemente mit d-Elektronen, welche das atomare Spinmoment
tragen, am Gleichgewichtsabstand ca. 102. Dies ist um eine Gr¨
oßenordnung kleiner als f¨
ur die s-Elektronen. Weiterhin sind die
Konstanten WAll0um ca. eine Gr¨
oßenordnung kleiner als die τAl.
18
KAPITEL 1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1.4.7 Kraftberechnung
Die auf ein Atom Cwirkende Kraft FCkann analytisch erhalten werden. Dazu wird der Gesamtenergie-
ausdruck 1.57 nach den Kernkoordinaten RCdifferenziert. Da nicht nur die Hamilton- und ¨
Uberlapp-
matrixelemente sondern auch die Wellenfunktionskoeffizienten von den Kernkoordinaten abh¨
angen, muß
als Nebenbedingung Teilchenzahlerhaltung gefordert werden. Dies wird wie in Gleichung 1.67 durch den
Lagrange-Multiplikator εiσerreicht11:
FC=
RCÃEtot
σ=,
occ
i
niσ
2εiσÃ
µ
ν
(c
µiσcνiσSµν+cµiσc
νiσSνµ)1!!
(1.72)
Auswerten des obigen Ausdrucks, siehe Anhang B, liefert dann:
FC=
σ=,
occ
iniσ
µνc
µiσcνiσÃH0
µν
RC+1
2
Sµν
RC
B
l0B¡γA(µ)l(µ),Bl0+γA(ν)l(ν),Bl0¢qBl0
+1
2δσSνµ
RCÃ
lA(µ)
WA(µ)ll0(µ)pA(µ)l+
lA(ν)
WA(ν)ll0(ν)pA(ν)l!εiσSµν
RC
lC
qCl
B
l0
qBl0∂γCl,Bl0
RCErep
RC(1.73)
11Unter Ber¨
ucksichtigung der S¨
akulargleichung 1.68 werden dadurch die Ableitungen der Wellenfunktionskoeffizienten Null.
Man kann dies auch unter dem Gesichtspunkt der Extremaleigenschaft von 1.67 verstehen.
Eine etwaige Abh¨
angigkeit der Besetzungszahlen von den Kernkoordinaten wird dabei außer acht gelassen, was f¨
ur Syste-
me mit nichtverschwindender Bandl¨
ucke (gap) und ohne Fermiverbreiterung der Besetzung durch Kopplung an ein externes
W¨
armebad korrekt ist.
Kapitel 2
Ausgew¨
ahlte Beispiele
Im vorhergehenden Kapitel 1 wurde die theoretische Grundlage des Verfahrens dargestellt. Im folgenden
Kapitel soll nun gezeigt werden, wie sich die verschiedenen Vorgehensweisen innerhalb der spinpola-
risierten DFTB Methode, n¨
amlich die Einzentrenn¨
aherung f¨
ur den Spinpolarisationsanteil des Hamilton-
operators sowie die Verwendung von drehimpulsabh¨
angigen HubbardUs, auf die Ergebnisse f¨
ur einfache
molekulare Systeme im Vergleich zu voll-selbstkonsistenten DFT Resultaten auswirken. Dabei ergibt sich
auch eine Einsch¨
atzung der zu erwartenden Genauigkeit, was die Gesamtenergien und ¨
Anderungen der
Einteilchenniveaus angeht.
In den folgenden Kapiteln sollen allgemein die Elektronen mit up-Spin die Majorit¨
at sein, w¨
ahrend die
down-Elektronen die Minorit¨
at sind, d. h. es gibt immer mehr up- als down-Elektronen in einem spinpo-
larisierten System. Im spinunpolarisierten Fall ist ihre Zahl nat¨
urlich gleich und up- und down-Elektronen
haben im allgemeinen dieselben r¨
aumlichen Dichten, wodurch Entartung auftritt. Dann sollen, soweit
nicht anders angegeben, nur die Eigenschaften der up-Elektronen betrachtet werden.
Aus Gr¨
unden der ¨
Ubersichtlichkeit werden die folgenden Abk¨
urzungen f¨
ur die verschiedenen hier vergli-
chenen Vorgehensvarianten innerhalb der DFTB Methode verwendet:
(S)DFTB I : Hamiltonoperator 1.69 ohne Verwendung drehimpulsabh¨
angiger HubbardUs. Es wird
das Hubbard Udes h¨
ochsten besetzten atomaren Orbitals verwendet.
(S)DFTB II : Hamiltonoperator 1.69 mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us.
(S)DFTB III: Einzentren-Spinhamiltonoperator 1.71 ohne Verwendung drehimpulsabh¨
angiger Hub-
bard Us. Es wird das Hubbard Udes h¨
ochsten besetzten atomaren Orbitals verwendet.
(S)DFTB IV : Einzentren-Spinhamiltonoperator 1.71 mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us.
Das “S” soll zur Kennzeichnung einer spinpolarisierten Rechnung hinzugef¨
ugt werden. Die spinunpolari-
sierten Versionen DFTB I und DFTB III sind untereinander identisch und entsprechen der ¨
ublicherweise
f¨
ur Molek¨
ule und Festk¨
orper verwendeten bisherigen Vorgehensweise [FSE+00], da die Spinpolarisati-
onsanteile im Hamiltonoperator Null sind. Die in dieser Arbeit verwendeten Werte f¨
ur die Konstanten UAl
und WAll0sind in Anhang C angegeben.
Die im folgenden diskutierten Testf¨
alle sind die Molek¨
ule O2, CH3, HCO und CH2. Damit werden die
F¨
alle
entartungsbedingter Triplett-Grundzustand,
Dublett-Grundzustand und
Auftreten einer Entartung bei ¨
Anderung der Molek¨
ulgeometrie
abgedeckt.
19
20
KAPITEL 2. AUSGEW ¨
AHLTE BEISPIELE
2.1 Sauerstoffmolek¨
ul O2
Als erstes Beispiel soll das Sauerstoffmolek¨
ul O2untersucht werden. In spinunpolarisierter Rechnung fin-
det man, daß das energieh¨
ochste besetzte molekulare Orbital (highest occupied molecular orbital, HOMO)
symmetriebedingt zweifach entartet und mit zwei Elektronen statt der m¨
oglichen vier besetzt ist. Der
Grundzustand des Systems ist somit kein Singulett, wie es aufgrund der geraden Zahl von Elektronen im
System zu erwarten w¨
are, sondern ein Triplett. Die beiden Elektronen im HOMO besetzen dabei zwei
π-artige molekulare Orbitale welche orthogonal zueinander sind.
Zuerst werden in Tabelle 2.1 die Kohn-Sham Eigenwerte f¨
ur das spinunpolarisierte und das spinpolari-
sierte Molek¨
ul in L(S)DA1(local spin-density approximation, LSDA) und (S)DFTB I verglichen. Dabei
soll sich die Betrachtung auf das HOMO, in welchem sich die beiden ungepaarten Elektronen befinden,
und das energieniedrigste unbesetzte molekulare Orbital (lowest unoccupied molecular orbital, LUMO)
beschr¨
anken.
DFTB I LDA SDFTB I LSDA
LUMO0.624 0.073 0.612 0.070
LUMO-0.171 -0.179
HOMO-0.200 -0.223 -0.225 -0.255
HOMO-0.407 -0.442
Tabelle 2.1: Eigenwerte f¨
ur das Sauerstoffmolek¨
ul in spinunpolarisierter sowie spinpolarisierter Rechnung im
Triplett-Zustand. Angegeben sind im spinpolarisierten Fall HOMO und LUMO Energien sowohl f¨
ur die up- als
auch die down-Elektronen (Indizes und ). Alle Energien in Hartree.
Wie aus Tabelle 2.1 ersichtlich ist differieren die HOMO Energien in LDA und DFTB I schon in der spi-
nunpolarisierten Rechnung um 0.023 H. Die Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO in DFTB I
wird im Vergleich zum LDA Ergebnis stark ¨
ubersch¨
atzt. Dies ist typisch f¨
ur die Verwendung einer mini-
malen Basis, da diese zu klein f¨
ur eine gute Darstellung der unbesetzten Orbitale ist [Esc88].
Durch die Spinpolarisation ergeben sich unterschiedliche Potentiale f¨
ur up- und down-Elektronen. Da-
durch werden die Eigenwertleitern aufgespalten wie ebenfalls aus Tabelle 2.1 ersichtlich ist. Im System
befinden sich nun sieben up- und f¨
unf down-Elektronen. Das HOMO der spinunpolarisierten Rechnung
wird in zwei, aufgrund der Symmetrie weiterhin entartete, Niveaus f¨
ur up- und down-Elektronen aufge-
spalten, die Schemazeichnung 2.1 liefert eine ¨
Ubersicht der Situation und der Bezeichnungen. Im Fall
der up-Elektronen ist dieses zweifach entartete Spinorbital mit zwei Elektronen voll besetzt und soll als
HOMObezeichnet werden. Hingegen ist es im Fall der down-Elektronen unbesetzt und wird im folgen-
den als LUMObezeichnet. ¨
Ahnliche ¨
Uberlegungen zur Bezeichnungsweise gelten f¨
ur das LUMO und
das zweith¨
ochste besetzte molekulare Orbital (HOMO-1) der spinunpolarisierten Rechnung.
Die Energiedifferenz zwischen HOMOund LUMObetr¨
agt in LSDA 0.076 H w¨
ahrend sie in SDFTB I
mit 0.054 H kleiner ausf¨
allt. Bezogen auf das HOMO der spinunpolarisierten Rechnung betr¨
agt die Ab-
senkung des HOMOin SDFTB I 0.025 H w¨
ahrend sie in LSDA 0.032 H ist, d. h. im Vergleich zu LSDA
wird die Absenkung in SDFTB I untersch¨
atzt, was mit der zu kleinen Gesamtaufspaltung korreliert. Glei-
ches gilt somit auch f¨
ur die Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO, welche in SDFTB I 0.029 H
groß ist w¨
ahrend sie in LSDA 0.044 H erreicht. Absolut gesehen weichen die Energien von HOMO,
HOMOund LUMOin SDFTB I um nicht mehr als ca. 10 % von der entsprechenden Energie in LSDA
ab, was der Abweichung der HOMO Energien im spinunpolarisierten Fall entspricht. Somit bewegt sich in
diesem Beispiel die Differenz der Einteilchenenergien im Bereich der Differenz in der spinunpolarisierten
Rechnung.
Die erh¨
ohte variationale Freiheit durch Ber¨
ucksichtigung der Spinfreiheitsgrade des Systems hat eine Ab-
senkung der Gesamtenergie der spinpolarisierten gegen¨
uber der spinunpolarisierten Rechnung zur Folge.
1Zum in diesem Kapitel verwendeten Programm siehe [PJ90, JP90, PP96], zur Parametrisierung siehe [WP91b, WP91a].
2.1. SAUERSTOFFMOLEK¨
UL O
221
HOMO−1
HOMO
LUMO
LUMO
HOMO
HOMO−1
HOMO
LUMO
spinunpolarisiert spinpolarisiert
Energie
Abbildung 2.1: Durch die Spinpolarisation werden die im spinunpolarisierten Fall entarteten Niveaus der up- und
down-Elektronen (links) in zwei getrennte Eigenwertleitern f¨
ur up-Elektronen (mitte) und down-Elektronen (rechts)
aufgespalten. Besetzte Orbitale werden durch ausgef¨
ullte, unbesetzte durch offene Kreise angezeigt; die energetische
Entartung im Fall des O2Molek¨
uls wurde dabei ber¨
ucksichtigt, siehe Text. Die Pfeile geben an ob es sich um up-
oder down-Elektronen handelt.
Diese ¨
Anderung in der Gesamtenergie betr¨
agt in (S)DFTB I 0.027 H w¨
ahrend sie in voll-selbstkonsistenter
L(S)DA Rechnung mit 0.037 H deutlich gr¨
oßer ausf¨
allt.
In Tabelle 2.2 werden die Ergebnisse der verschiedenen Behandlungsweisen f¨
ur die Hubbard Us und die
Spinpolarisation miteinander verglichen. Allgemein l¨
aßt sich feststellen, daß die Eigenwerte bei Verwen-
DFTB I DFTB II SDFTB I SDFTB II SDFTB III SDFTB IV
LUMO0.624 0.619 0.612 0.607 0.584 0.579
LUMO-0.171 -0.176 -0.167 -0.171
HOMO-0.200 -0.204 -0.225 -0.230 -0.229 -0.234
HOMO-0.407 -0.412 -0.411 -0.415
Etot -6.509 -6.509 -6.536 -6.536 -6.536 -6.536
Tabelle 2.2: Vergleich der Energien von HOMO und LUMO sowie der Gesamtenergien Etot f¨
ur verschiedene
Behandlungen der Hubbard Us und der Spinpolarisation. Alle Energien in Hartree.
dung drehimpulsabh¨
angiger Hubbard Us, hier f¨
ur s und p Elektronen, nach unten verschoben werden.
Dies ist auf den Unterschied von Usund Upzur¨
uckzuf¨
uhren, die Zahlenwerte der Hubbard Us sind im
Anhang C angegeben. Diese Differenz spiegelt sich direkt auf den Hauptdiagonalelementen der Hamil-
tonmatrix wieder. Dies kann am einfachsten am atomaren Hamiltonoperator ohne Ber¨
ucksichtigung von
Spinpolarisationseffekten erkl¨
art werden. Dieser lautet
ˆ
Hµν=δµνεfreies Atom
µ+1
2δµν
l00 ¡γl(µ),l00 +γl(ν),l00¢ql00
wobei hier Sµν=δµνmit dem Kronecker-Symbol δµνgilt. Nimmt man jetzt eine Ladungsfluktuation an,
die dazu f¨
uhrt das die Mulliken-Ladungen nicht mehr Null sind, so erkennt man am obigen Ausdruck
das die Diagonalelemente (und damit die Eigenwerte des atomaren Problems in DFTB) nicht mehr allein
durch die Eigenwerte des freien Atoms εfreies Atom
µbestimmt sind. Vielmehr werden sie um den Betrag
der Mulliken-Ladung mal dem Wert der Funktion γl(µ),l00 (hier wurde der Atomindex fallen gelassen) ver-
schoben. Der Wert der Funktion γl(µ),l00 h¨
angt nach Gleichung 1.47 nur noch von den Hubbard Us der
22
KAPITEL 2. AUSGEW ¨
AHLTE BEISPIELE
spinunpolarisiert
Totalenergie/ Hartree
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000
−6.507270
−6.507269
−6.507268
−6.507267
−6.507266
Zeitschritt/ (80 Attosekunden)
0
spinpolarisiert
Totalenergie/ Hartree
200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000
−6.534350
−6.534349
−6.534348
−6.534347
−6.534346
Zeitschritt/ (80 Attosekunden)
0
Abbildung 2.2: Gesamtenergie w¨
ahrend zwei Molekulardynamiksimulationen eines O2Molek¨
uls. Die Grafik links
zeigt die spinunpolarisierte Rechnung, die Grafik rechts die spinpolarisierte.
atomaren Drehimpulsschalen ab. Geht man jetzt vom Fall drehimpulsunabh¨
angiger Hubbard Us zu dre-
himpulsabh¨
angigen ¨
uber, so ¨
außert sich dies im Wert von γl(µ),l00 welcher nun orbitalabh¨
angig ist. Bei
gleichen angenommenen Mulliken-Ladungen werden die Eigenwerte des atomaren Problems in DFTB al-
so in Abh¨
angigkeit von den Betr¨
agen der Hubbard Us relativ zu den Eigenwerten bei Verwendung eines
Hubbard Us verschoben.
Um den Einfluß der N¨
aherung f¨
ur die Spinpolarisation zu charakterisieren k¨
onnen die, was die Behand-
lung der Hubbard Us betrifft ¨
aquivalenten, Vorgehensweisen SDFTB I und SDFTB III einerseits sowie
SDFTB II und SDFTB IV andererseits miteinander verglichen werden. Die besetzten Orbitale werden
durch die Einzentrenn¨
aherung zu niedrigeren Energien hin verschoben, w¨
ahrend die Verschiebung der
unbesetzten Orbitale uneinheitlich ist. Allgemein kann jedoch festgestellt werden, daß die ¨
Anderungen
in den Einteilchenenergien in Tabelle 2.2 kleiner als ca. 3 % und somit im Vergleich zu der Differenz
zwischen (S)DFTB und L(S)DA, siehe Tabelle 2.1, vernachl¨
assigbar sind. Auch die Gesamtenergie weist
keine signifikante ¨
Anderung zwischen den verschiedenen Vorgehensweisen auf.
Eine f¨
ur die praktische Anwendung ebenfalls wichtige Frage ist die Genauigkeit der Kr¨
afte, welche z.
B. einfach ¨
uber eine Molekulardynamik ohne Ankopplung an ein ¨
außeres W¨
armebad ¨
uberpr¨
uft werden
kann. Dazu wird eine Auslenkung vorgenommen und die Newtonschen Bewegungsgleichungen werden
numerische ¨
uber der Zeit aufintegriert. Die Gesamtenergie w¨
ahrend einer solchen Dynamik, bei einer
Anfangsauslenkung von 0.05 ˚
A aus der Gleichgewichtslage, ist in Abbildung 2.2 gezeigt. Die Fluktuation
der Gesamtenergie, induziert durch die Ungenauigkeit des Integrationsalgorithmus f¨
ur die Bewegungsglei-
chungen, ist f¨
ur die spinpolarisierte Rechnung von derselben Gr¨
ossenordnung wie im spinunpolarisierten
Fall, absolut gesehen unter 105H. Eine Nichterhaltung der Gesamtenergie ist ¨
uber den Zeitraum der
Simulation nicht festzustellen.
Bei Verwendung des Hamiltonoperators mit strikter Einzentrenn¨
aherung sind die Fluktuationen der Ge-
samtenergie kleiner als 104H, die Gesamtenergie bleibt auch hier erhalten. Der Grund f¨
ur die h¨
ohere
Fluktuation ist darin zu suchen, daß die Einzentrenn¨
aherung nicht in den Ausdruck 1.73 f¨
ur die Kr¨
afte ein-
geht. Dennoch zeigt dieses Ergebnis, daß auch im Einzentrenfall mit dem Kraftausdruck 1.73 gen¨
ugende
Genauigkeit f¨
ur Geometrieoptimierungen erreicht werden kann.
2.2 Methyl CH3
Als n¨
achstes System soll das CH3Molek¨
ul behandelt werden. Dieses Molek¨
ul besitzt eine ungerade Zahl
von Elektronen, so daß im HOMO ein ungepaartes Elektron zur¨
uckbleibt. Diese Situation unterscheidet
sich in sofern vom der im O2Molek¨
ul, daß auch ohne explizite Umbesetzung eine von Null verschiedene
Magnetisierungsdichte existiert. Ein solcher Dublett-Zustand liegt oft bei organischen Radikalen vor. Eine
¨
Ubersicht ¨
uber die Situation und die verwendeten Bezeichnungen vermittelt Abbildung 2.3.
2.2. METHYL CH
323
LUMO
LUMO
HOMO
HOMO−1
HOMO
LUMO
spinunpolarisiert spinpolarisiert
HOMO−1
HOMO
Energie
Abbildung 2.3: Durch die Spinpolarisation werden die im spinunpolarisierten Fall entarteten Niveaus der up- und
down-Elektronen (links) in zwei getrennte Eigenwertleitern f¨
ur up-Elektronen (mitte) und down-Elektronen (rechts)
aufgespalten. Besetzte Orbitale werden durch ausgef¨
ullte, unbesetzte durch offene Kreise angezeigt; die energetische
Entartung im Fall des CH3Molek¨
uls wurde dabei ber¨
ucksichtigt, siehe Text. Die Pfeile geben an, ob es sich um up-
oder down Elektronen handelt.
DFTB I LDA SDFTB I LSDA
LUMO0.38 0.012 0.377 0.01
LUMO-0.148 -0.131
HOMO-0.180 -0.172 -0.199 -0.197
HOMO-0.330 -0.364
HOMO-1-0.345 -0.375 -0.352 -0.378
Tabelle 2.3: Eigenwerte f¨
ur das CH3Molek¨
ul in spinunpolarisierter sowie spinpolarisierter Rechnung. Alle Ener-
gien in Hartree.
In Tabelle 2.3 werden die Eigenwerte in DFTB I mit denen in LDA verglichen. Wie auch im Fall des O2
Molek¨
uls wird die Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO im spinunpolarisierten Fall von DFTB
im Vergleich zu LDA stark ¨
ubersch¨
atzt. Die Abweichungen der Energien der besetzten Orbitale in diesem
Fall sind ebenfalls in dem schon vom O2Molek¨
ul her bekannten 10 % Bereich.
Dieses Intervall spiegelt sich dann auch in den Unterschieden der Eigenwerte des spinpolarisierten Sy-
stems wieder. Bei Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation wird das HOMO der spinunpolarisierten Rech-
nung in HOMOund LUMOaufgespalten, siehe Abbildung 2.3. Diese Aufspaltung betr¨
agt in SDFTB I
0.051 H und ist somit geringer als in LSDA mit 0.066 H. Die Absenkung des HOMOin SDFTB I ge-
gen¨
uber dem spinpolarisierten HOMO betr¨
agt 0.019 H, was kleiner als der LSDA Wert von 0.025 H ist.
Gleiches gilt f¨
ur die Anhebung des LUMOwelche in SDFTB I 0.032 H betr¨
agt w¨
ahrend man in LSDA
0.041 H erh¨
alt. Dies ist nat¨
urlich wieder im Lichte der deutlich geringeren Gesamtgr¨
oße der Aufspaltung
zu sehen. Allerdings ist eine qualitative ¨
Ubereinstimmung zwischen SDFTB I und LSDA darin gegeben,
daß die Anhebung des LUMOdeutlich gr¨
oßer ist als die Absenkung des HOMO. Die Ergebnisse hier
entsprechen also in der qualitativen ¨
Ubereinstimmung denen im Fall des O2Molek¨
uls.
Wie auch im vorhergehenden Abschnitt 2.1 sollen in Tabelle 2.4 die verschiedenen Vorgehensweisen in-
nerhalb der DFTB Methode verglichen werden. Man findet, wie schon beim O2Molek¨
ul, eine Absenkung
aller Eigenwerte durch Verwendung von drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us, w¨
ahrend sich die Gesamt-
energie nicht signifikant ¨
andert. Ein Vergleich des Einflusses der N¨
aherung f¨
ur die Spinpolarisation zeigt
auch hier ein uneinheitliches Verhalten der Eigenwerte, die Gesamtenergie wird davon aber kaum beein-
24
KAPITEL 2. AUSGEW ¨
AHLTE BEISPIELE
DFTB I DFTB II SDFTB I SDFTB II SDFTB III SDFTB IV
LUMO0.38 0.372 0.377 0.365 0.347 0.339
LUMO-0.148 -0.164 -0.154 -0.163
HOMO-0.180 -0.19 -0.199 -0.216 -0.207 -0.216
HOMO-0.330 -0.343 -0.339 -0.347
HOMO-1-0.345 -0.352 -0.365 -0.352 -0.360
Etot -2.715 -2.715 -2.727 -2.728 -2.727 -2.728
Tabelle 2.4: Vergleich der Eigenwerte sowie der Gesamtenergien Etot f¨
ur verschiedene Behandlungen der Hubbard
Us und der Spinpolarisation. Alle Energien in Hartree.
flußt (die ¨
Anderung liegt im Bereich des Rundungsfehlers).
Die Energieabsenkung durch die Spinpolarisation ist im SDFTB Fall 0.012 H was mit der Absenkung von
0.016 H in LSDA vergleichbar ist.
2.3 HCO Molek¨
ul
Das neutrale HCO Molek¨
ul besitzt wie auch das CH3Molek¨
ul eine ungerade Anzahl von Elektronen.
Allerdings befinden sich hier zwei unterschiedliche, schwerere Atome, ein Kohlenstoff- und ein Sauer-
stoffatom, im Molek¨
ul. Daher erscheint eine kurze Betrachtung sinnvoll.
Mit den gleichen Bezeichnungen wie in Abbildung 2.3 sind die Eigenwerte im Vergleich zur L(S)DA
in Tabelle 2.5 angegeben. Im Gegensatz zu den vorherigen Beispielen wird hier die Energiedifferenz
DFTB I LDA SDFTB I LSDA
LUMO-0.058 -0.101 -0.066 -0.108
LUMO-0.142 -0.132
HOMO-0.153 -0.161 -0.164 -0.180
HOMO-0.351 -0.366
HOMO-1-0.361 -0.385 -0.371 -0.397
Tabelle 2.5: Eigenwerte f¨
ur das HCO Molek¨
ul in spinunpolarisierter sowie spinpolarisierter Rechnung. Alle Ener-
gien in Hartree.
zwischen HOMO und LUMO in DFTB in guter ¨
Ubereinstimmung mit dem LDA Ergebnisses bestimmt.
Die Eigenwerte der besetzten Molek¨
ulorbitale selber weisen jedoch Abweichungen vom LDA Ergebnis
im schon bekannten Bereich von etwa 0.02 H oder 10 % auf. Die Aufspaltung des spinunpolarisierten
HOMO in HOMOund LUMOwird in SDFTB I im Vergleich zur LSDA wieder zu klein eingesch¨
atzt.
Auch der Vergleich der Daten f¨
ur die verschiedenen Vorgehensweisen f¨
ur Hubbard Us und Spinpolarisa-
tion in Tabelle 2.6 liefert keine von dem Verhalten in den vorherigen Beispielen abweichenden Resultate.
Die Eigenwerte werden durch die Verwendung drehimpulsabh¨
angiger Hubbard Us um ca. 0.01 H nach
unten verschoben. Bei Betrachtung des Einflusses der N¨
aherung f¨
ur die Spinpolarisation durch Vergleich
von SDFTB I und SDFTB III einerseits und SDFTB II und SDFTB IV andererseits f¨
allt auf, daß die ¨
Ande-
rung der Eigenwerte zwar uneinheitlich ist aber mit maximal 0.002 H deutlich geringer als in den beiden
vorhergehenden Beispielen. Dies geht mit der Tatsache einher, daß das HOMO, in welchem sich das unge-
paarte Elektron befindet, hier deutlich delokalisierter ist. Im Fall des CH3Molek¨
uls befindet sich das un-
gepaarte Elektron in einem molekularen Orbital, welches fast ausschließlich aus einer p-Basisfunktionen
des Kohlenstoffs gebildet wird w¨
ahrend die Wasserstoffe kaum beitragen. Daher ist es vor allem am Koh-
lenstoffatom lokalisiert. Beim HCO Molek¨
ul ist es hingegen so, daß Basisfunktionen aller Atome in etwa
gleich stark beitragen. Damit wird das ungepaarte Elektron ¨
uber das gesamte Molek¨
ul delokalisiert.
2.4. CH
225
DFTB I DFTB II SDFTB I SDFTB II SDFTB III SDFTB IV
LUMO-0.058 -0.068 -0.066 -0.076 -0.068 -0.078
LUMO-0.142 -0.152 -0.141 -0.150
HOMO-0.153 -0.163 -0.164 -0.173 -0.166 -0.175
HOMO-0.351 -0.361 -0.353 -0.363
HOMO-1-0.361 -0.371 -0.371 -0.381 -0.370 -0.380
Etot -5.325 -5.325 -5.330 -5.330 -5.330 -5.330
Tabelle 2.6: Vergleich der Eigenwerte sowie der Gesamtenergien Etot f¨
ur verschiedene Behandlungen der Hubbard
Us und der Spinpolarisation. Alle Energien in Hartree.
2.4 CH2
Beim CH2Molek¨
ul liegt eine grunds¨
atzlich andere Situation vor als in den vorherigen Beispielen. For-
mal besitzt dieses Molek¨
ul eine gerade Anzahl von Elektronen. Damit w¨
are ein Singulett-Grundzustand
zu erwarten. Experimentell findet man jedoch einen Triplett-Grundzustand [Hol85] mit einem H-C-H
Bindungswinkel von 134. Dieser Triplett-Zustand hat experimentell eine um ca. 0.01 H niedrigere Ge-
samtenergie als der energieniedrigste Singulett-Zustand, welcher einen H-C-H Bindungswinkel von 102
aufweist [Hol85].
Die Ursache daf¨
ur ist in der ¨
Anderung der Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO bei ¨
Anderung
des Bindungswinkels zu finden. W¨
ahrend die beiden Orbitale bei einem Winkel von 90energetisch ge-
trennt sind, tritt bei einem Winkel von 180eine symmetriebedingte energetische Entartung auf. Durch
diese symmetriebedingte Entartung werden bei linearem Molek¨
ul sowohl ein Triplett-Zustand 3Σgals
auch zwei Singulett-Zust¨
ande 1gund 1Σ+
gals elektronische Grundzust¨
ande m¨
oglich [PBD67]. In einer
spinunpolarisierten Rechnung ohne Konfigurationswechselwirkung (configuration interaction, CI) sind
diese Zust¨
ande energetisch entartet [PBD67]. Durch die Spinpolarisation wird der Triplett-Zustand ge-
gen¨
uber den Singulett-Zust¨
anden energetisch abgesenkt. Diese energetische Bevorzugung des Tripletts
tritt auch schon vor der v¨
olligen Entartung der Zust¨
ande bei einem Bindungswinkel von 180auf. Daher
gibt es schon bei kleineren Bindungswinkeln einen Bereich, in dem der Energiegewinn durch die Spin-
polarisation die zur Umbesetzung eines Elektrons aus dem HOMO in das LUMO (zur Realisierung der
Triplettbesetzung) ben¨
otigte Energie aufwiegt.
Die beiden Singulett-Zust¨
ande sind ohne CI Behandlung nicht zu trennen. Insbesondere sind sie in Kohn-
Sham DFT eigentlich nicht behandelbar. Im folgenden soll jedoch angenommen werden, daß die durch
diese Tatsache induzierten Fehler f¨
ur die voll-selbstkonsistente DFT Rechnung und DFTB in etwa gleich
sind.
In Abbildung 2.4 werden die Verl¨
aufe der Gesamtenergien bei ¨
Anderung des Bindungswinkels angegeben.
F¨
ur die Rechnung wurde ein fester C-H Abstand von 1.1 ˚
A angenommen. Eine Abtastung in einem zwei-
dimensionalen Raster, welches sowohl den Winkel als auch die Bindungsl¨
ange schrittweise variiert, zeigt,
daß die Abweichungen von der tats¨
achlichen Bindungsl¨
ange bei gegebenem Winkel kleiner als 0.05 ˚
A mit
einer Gesamtenergiedifferenz kleiner als 0.002 H ¨
uber den gesamten Bereich ist.
F¨
ur die spinunpolarisierte Singulett-Besetzung betr¨
agt der Bindungswinkel sowohl in LDA als auch in
DFTB etwa 100was in guter ¨
Ubereinstimmung mit dem Experiment ist. Die Gesamtenergiedifferenz
zwischen 100und 180betr¨
agt in DFTB ca. 0.065 H, die Potentialtiefe ist damit gr¨
oßer als in LDA mit
ca. 0.03 H.
In DFTB wurde zus¨
atzlich eine Rechnung durchgef¨
uhrt bei der zwar ein Triplett besetzt wurde, jedoch
die Spinpolarisationskorrekturen zum Hamiltonoperator und zur Gesamtenergie gleich Null gesetzt wur-
den (“spinunpolarisiertes” Triplett in Abbildung 2.4). Man erkennt, wie sich durch die Umbesetzung die
Lage des Minimums auf etwa 128verschiebt. Durch die Vernachl¨
assigung der Spinpolarisation liegt die-
se Kurve jedoch energetisch deutlich h¨
oher als die des Singuletts. Zu erkennen ist auch die bei einem
Bindungswinkel von 180auftretende energetische Entartung des Tripletts und des Singuletts in der spi-
26
KAPITEL 2. AUSGEW ¨
AHLTE BEISPIELE
(S)DFTB
−2.29
−2.26
−2.25
−2.21
90 100 110 120 130 140 150 160 170 180
H−C−H Winkel/ Grad
Triplett, spinunpolarisiert
Triplett, spinpolarisiert
−2.27
−2.2
−2.22
−2.23
−2.24
Totalenergie/ Hartree
Singlett
−2.28
L(S)DA
−38.78
−38.76
−38.75
−38.74
−38.73
−38.72
−38.71
−38.7
−38.69
90 100 110 120 130 140 150 160 170 180
Totalenergie/ Hartree
H−C−H Winkel/ Grad
Triplett
Singlett
−38.77
Abbildung 2.4: Gesamtenergie des CH2Molek¨
uls bei Ver¨
anderung des H-C-H Bindungswinkels in (S)DFTB
(links) und L(S)DA (rechts). Bei der DFTB Rechnung ist zus¨
atzlich zur spinunpolarisierten Singulett Kurve und
der spinpolarisiert berechneten Triplett Kurve der Verlauf der Gesamtenergie mit Triplett Besetzung jedoch ohne
Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisationsbeitr¨
age zu Hamiltonoperator und Gesamtenergie angegeben.
nunpolarisierten Rechnung.
Bei Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisationsanteile wird der Triplett-Zustand energetisch stark abgesenkt,
der Bindungswinkel bei dem das Minimum der Gesamtenergie erreicht wird verschiebt sich auf ca. 134.
Dies stimmt gut mit dem Experiment und der LSDA Rechnung ¨
uberein. Auch die Tiefe der Potentials
zwischen 134und 180von knapp 0.01 H ist mit der LSDA vergleichbar.
Allerdings reicht der Energiegewinn durch die Spinpolarisation in SDFTB nicht aus, um tats¨
achliche einen
Triplett-Grundzustand zu erhalten. Das Minimum der Singulett-Kurve liegt immer noch etwa 0.01 H un-
terhalb des Minimums der spinpolarisierten Triplett-Kurve. In LSDA findet man hingegen eine deutliche
Bevorzugung des Triplett-Zustandes, hier liegt das Minimum etwa 0.02 H niedriger als das Minimum des
Singulett-Zustandes.
Die Ursache daf¨
ur liegt wieder darin, daß in DFTB die Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO
im Vergleich zur LSDA (und basierend auf den Gesamtenergien wohl auch zum Experiment) ¨
ubersch¨
atzt
wird. In erster N¨
aherung ist die f¨
ur die Triplettbesetzung aufzubringende Energie die Differenz der Einteil-
chenenergien von HOMO und LUMO. Diese Energiedifferenz betr¨
agt bei 90Bindungswinkel in DFTB
0.074 H (dies stimmt mit der Gesamtenergiedifferenz des Singulett- und des spinunpolarisiert gerechneten
Triplett-Zustandes in DFTB ¨
uberein), w¨
ahrend sie in LDA nur 0.036 H ist . Damit der Triplett-Zustand
der Grundzustand des Systems wird, m¨
ußte in SDFTB also ein sehr viel gr¨
oßerer Energiegewinn durch
die Spinpolarisation erzielt werden als in LSDA.
Die in DFTB im Vergleich zur LDA ¨
ubersch¨
atzte Energiedifferenz zwischen HOMO und LUMO ist
auch f¨
ur die gr¨
oßere Potentialtiefe im Singulett-Zustand verantwortlich. Bei 90Bindungswinkel liegt der
Triplett-Zustand in spinunpolarisierter Rechnung energetisch sehr viel h¨
oher im Bezug auf die Singulett-
Kurve als es f¨
ur eine vergleichbare Rechnung in LDA aufgrund des geringeren Gaps zu erwarten w¨
are. Bei
einem Winkel von 180muß jedoch in der spinunpolarisierten Rechnung energetische Entartung zwischen
dem Singulett- und dem Triplett-Zustand eintreten. Aufgrund des zu h¨
oheren Energien verschobenen an-
geregten Triplett-Zustandes wird die Potentialmulde des Singulett-Zustandes, die Gesamtenergiedifferenz
zwischen dem Minimum bei 100und 180, damit tiefer.
Die durch die verschiedenen Varianten des DFTB Verfahrens zur Behandlung von HubbardUs und Spin-
polarisation induzierten ¨
Anderungen haben auch hier keine Auswirkungen auf das qualitative Verhalten.
2.5. ZUSAMMENFASSUNG
27
2.5 Zusammenfassung
Die hier vorgestellten Ergebnisse der Anwendung der spinpolarisierten DFTB Methode auf ausgew¨
ahlte
Testsysteme zeigen, daß im Vergleich zur L(S)DA qualitativ richtige Ergebnisse erzielt werden. Allerdings
k¨
onnen, wie am Beispiel CH2demonstriert, Defizite welche schon in der spinunpolarisierten Methode
vorhanden sind nicht kompensiert werden.
Allgemein kann davon ausgegangen werden, daß der Gesamtenergiegewinn durch die Spinpolarisation im
Vergleich zur LSDA untersch¨
atzt wird. Obwohl das qualitative Verhalten der Einteilchenenergien korrekt
ist wird auch hier im Vergleich zur LSDA eine zu geringe Aufspaltung beobachtet. Basierend auf den hier
betrachteten Systemen kann jedoch nicht entschieden werden, ob dies mit der Behandlung der Spinpolari-
sation zusammen h¨
angt oder seine tiefere Ursache in Defiziten des zugrunde liegenden spinunpolarisierten
DFTB Verfahrens hat, siehe [SEB86] f¨
ur eine Diskussion des Einflusses der Integraln¨
aherungen und Ver-
nachl¨
assigung von Selbstkonsistenz auf die Einteilchenenergien.
Die unterschiedlichen Behandlungsweisen der Hubbard Us und die N¨
aherungen bei der Behandlung der
Spinpolarisation f¨
uhren zu keiner qualitativen ¨
Anderung der Resultate f¨
ur die hier betrachteten Eigen-
schaften kleiner organischer Molek¨
ule. Die einfacher zu implementierende Einzentrenn¨
aherung f¨
ur den
Spinanteil des Hamiltonoperators erscheint damit im allgemeinen als gerechtfertigt. Im n¨
achsten Abschnitt
3.4 soll allerdings noch der Einfuß auf die Spindichten selbst untersucht werden.
28
KAPITEL 2. AUSGEW ¨
AHLTE BEISPIELE
Kapitel 3
Elektronische Paramagnetische Resonanz
Im vorhergehenden Kapitel wurde anhand ausgew¨
ahlter Beispiele die Beschreibung von Gesamtenergien
und Eigenwerten durch die spinpolarisierte DFTB Methode untersucht. Beides sind keine dem Experiment
direkt zug¨
anglichen Eigenschaften. Die Kohn-Sham Eigenwerte haben, mit Ausnahme des HOMO, keine
direkte physikalische Interpretation und Gesamtenergien sind nur als Differenzen beobachtbar. Hingegen
kann eine prim¨
are Gr¨
oße der Spindichtefunktionaltheorie, die Magnetisierungsdichte am Kernort, direkt
mit den experimentellen Daten der elektronischen paramagnetischen Resonanz (EPR) verglichen werden.
In diesem Kapitel soll nach Bereitstellung der n¨
otigen theoretischen Werkzeuge gezeigt werden, wie gut
sich die spinpolarisierte DFTB Methode zur Berechnung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten
der EPR in organischen Molek¨
ulen und in Festk¨
orpern eignet. Dies erschließt weiterhin ein neues Anwen-
dungsfeld der Methode, da sich die Messung von Hyperfeinkopplungskonstanten sowohl f¨
ur Molek¨
ule als
auch f¨
ur Festk¨
orper als wichtiges experimentelles Werkzeug etabliert hat.
3.1 Berechnung isotroper Hyperfeinkopplungskonstanten
3.1.1 Grundlagen
Sowohl Elektronen als auch Kerne besitzen einen Spinfreiheitsgrad. W¨
ahrend der Betrag der Komponente
des Elektronenspins in Richtung der Quantisierungsachse (gew¨
ohnlich der z-Achse) mit 1
2fest ist kann
der Kernspin je nach Isotop verschiedene Werte, darunter Null, annehmen. Diesen Spins ist ein magne-
tisches Moment zugeordnet [Sli78]. Befinden sich nun Elektronen und Kerne mit nichtverschwindendem
Kernspin im gleichen System, so k¨
onnen zum einen die magnetischen Momente der Teilchen miteinan-
der koppeln, zum anderen kann eine Kopplung an ein externes magnetisches Feld auftreten1. Weiterhin
kommt im allgemeinen die Kopplung zwischen dem Elektronenspin und dem Bahndrehimpuls der Elek-
tronen (Spin-Bahn-Kopplung) hinzu. Im folgenden soll angenommen werden, daß der Erwartungswert des
Drehimpulsoperators verschwindet (orbital quenching), was in vielen F¨
allen [Ger02] erf¨
ullt ist. Daher soll
die Spin-Bahn-Kopplung, welche z. B. den sogenannten g-Faktor des Elektrons beeinflußt [Bev77], wie
auch die Kopplung zwischen Kernspin und Bahnmoment vernachl¨
assigt werden. F¨
ur die Berechnungen
wird der g-Faktor des freien Elektrons verwendet.
Damit bleiben f¨
ur die elektronische paramagnetische Resonanz2zwei magnetische Wechselwirkungen zu
betrachten:
Kopplung des Elektronenspins und des elektronischen Bahnmomentes an ein externes Magnetfeld
Kopplung des Kernspins an den Elektronenspin
1Die Quantisierungsachse des Elektronenspins soll dann in z-Richtung des ¨
außeren Magnetfeldes liegen.
2Die Kopplung zwischen Elektronen- und Kernspins f¨
uhrt auch zu Effekten, welche Gegenstand der magnetischen Resonanz-
untersuchungen an den Kernen sind (chemical shifts).
29
30
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Die erste Kopplung f¨
uhrt zur Zeeman-Aufspaltung der beteiligten Niveaus. Die Kopplung an die Kernspins
f¨
uhrt zur Hyperfeinaufspaltung der elektronischen Niveaus im Magnetfeld (hyperfine interaction, HFI).
Diese kann quantenmechanisch durch den Hamiltonoperator [Sli78, Bev77]
ˆ
HHFI =γe~2
AγAˆ
IAÃ
iµ8π
3δ(riA)+ 3riA ×riA r2
iA1
r5
iA ·ˆsi!(3.1)
beschrieben werden. Darin ist γedas gyromagnetische Verh¨
altnis des freien Elektrons, γAist das gyroma-
gnetische Verh¨
altnis des Atomkerns Aund riA =|riRA|ist der Abstand zwischen dem Atomkern Aund
dem i-ten Elektron. Der Kernspin-Operator ist ˆ
IAund der Elektronenspinoperator ist ˆsi.
Der Hamiltonoperator 3.1 hat zwei Anteile. Der erste Summand in der innersten Klammer beschreibt
die isotrope Hyperfeinwechselwirkung zwischen einem Atomkern und einem Elektron mit nicht-
verschwindender Aufenthaltswahrscheinlichkeit am Kernort, z. B. f¨
ur s-artige Zust¨
ande. Die anisotrope
Hyperfeinwechselwirkung, welche einer klassischen Dipol-Dipol-Wechselwirkung zwischen Elektronen-
und Kernspins entspricht [Ger02], wird ¨
uber den zweiten Term einbezogen. Dieser hat die Form einer
symmetrischen Matrix. Im folgenden soll es um die isotropen Hyperfeinwechselwirkungen gehen. Die
anisotropen Hyperfeinwechselwirkungen k¨
onnen bei Molek¨
ulen in L¨
osung aufgrund von Mittelungsef-
fekten nicht gemessen werden. Sie sind jedoch im Festk¨
orper wichtig und k¨
onnen auch an Molek¨
ulen
welche in einer Matrix eingefroren oder im Molek¨
ulkristall vorliegen gemessen werden. Hierbei ist aber
anzumerken, daß im Fall der Molek¨
ule eine starke Abh¨
angigkeit der gemessenen anisotropen Hyperfein-
kopplungskonstanten von der Umgebung beobachtet wird [Eri97]. Diese m¨
usste dann in die Berechnung
mit einbezogen werden was zu einer starken Erh¨
ohung des Rechenaufwandes f¨
uhrt.
Die experimentellen Ergebnisse andererseits k¨
onnen im Rahmen eines ph¨
anomenologischen Hamilton-
operators [Sli78, Bev77]
ˆ
Hexp
HFI =
A¡aAˆ
S·ˆ
IA+ˆ
StAˆ
IA¢(3.2)
interpretiert werden. Die skalare Gr¨
oße aAund der 3×3 Tensor tAsind dabei die dem Resonanzexperiment
zug¨
anglichen Gr¨
oßen, ˆ
Sist der Operator des elektronischen Gesamtspins des Systems [PBD68]. Durch
Bildung der Erwartungswerte der Hamiltonoperatoren in den Gleichungen 3.1 und 3.2 l¨
aßt sich aAmit
dem isotropen Anteil in 3.1 identifizieren [Bev77]:
aA=4π
3γeγA~2S1
zhΨ|
i2ˆsizδ(riA)|Ψi.(3.3)
Hier bedeutet S1
zden Kehrwert des Erwartungswertes der z-Komponente des elektronischen Gesamt-
spinoperators ˆ
Sz[PBD68] und i2ˆsizδ(riA)ist, vermittels der Delta-Funktion δ(riA), der Operator der
Spindichte am Kernort A.
F¨
uhrt man nun f¨
ur die elektronische Spindeterminante Ψeine LCAO Entwicklung analog zu 1.31 ein, so
findet man:
hΨ|
i2ˆsizδ(riA)|Ψi=
µ
νρµνϕµ(RA)ϕν(RA).(3.4)
In diesem Ausdruck ist
ρµν=
i¡nicµicνinicµicνi¢(3.5)
ein Element der sogenannten Spindichtematrix3und ϕµ(RA)ist der Wert der Basisfunktion am Kernort.
Daher kann Gleichung 3.4 mit der Magnetisierungsdichte m(r)auch als
hΨ|
i2ˆsizδ(riA)|Ψi=m(RA)
3In Molek¨
ulen und in Festk¨
orpern, bei Beschr¨
ankung auf den sogenannten Γ-Punkt (
~
k=0), sind die Wellenfunktionen und
damit die Wellenfunktionskoeffizienten (bei reellen Basisfunktionen) reell und nicht komplex.
3.1. BERECHNUNG ISOTROPER HYPERFEINKOPPLUNGSKONSTANTEN
31
geschrieben werden.
Insgesamt ergibt sich dann folgender Ausdruck f¨
ur die isotrope Hyperfeinkopplungskonstante:
aA=4π
3γeγA~2S1
z
µ
νρµνϕµ(RA)ϕν(RA) = 4π
3γeγA~2S1
zm(RA).(3.6)
Bei der direkten Berechnung dieses Ausdrucks in DFT muß eine gute Beschreibung der Wellenfunktion
in Kernn¨
ahe gew¨
ahrleistet werden. Gew¨
ohnliche LCAO Basen, wie z. B. die Pople-Basen [SO89] vom
split-valence Typ, sind dazu weniger geeignet, da gerade die core-Elektronen nur schlecht ber¨
ucksichtigt
werden. In dieser Arbeit soll f¨
ur Vergleichsrechnungen ein speziell zur Berechnung von Hyperfeinkopp-
lungskonstanten entwickelter Basissatz [Bar96] eingesetzt werden. Weiterhin hat sich gezeigt, daß die iso-
tropen Hyperfeinkopplungskonstanten auch stark vom Dichtefunktional abh¨
angen k¨
onnen [Bar96]. Dies
ist ein Resultat des Kopplungsmechanismus zwischen den ungepaarten Elektronenspins und den formal
gepaarten core-Elektronen. W¨
ahrend der ungepaarte Spin schon in der LSDA gut beschrieben wird, ist
diese weniger geeignet um die indirekte, ¨
uber Austausch-Wechselwirkungen vermittelte, Kopplung der
core-Elektronen schwererer Atome (bzw. im Fall einer Valenzelektronenbeschreibung wie in SDFTB der
mit zwei Elektronen vollbesetzten Molek¨
ulorbitale) an den ungepaarten Spin zu beschreiben [Bar96]. Die-
se Beschreibung ist aber gerade, neben Effekten der Elektronenkorrelation von h¨
oherer Ordnung, f¨
ur die
genaue ab initio Berechnung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante entscheidend. Bessere Ergebnis-
se liefern GGA Funktionale und vor allem Hybridfunktionale wie das B3LYP Funktional [Bec93] welches
einen Hartree-Fock Austauschterm beinhaltet [Bar96]. Daher soll dieses in den folgenden Untersuchungen
verwendet werden. Funktional und Basis sind im Programm Gaussian98 [Gau98] verf¨
ugbar und sollen,
soweit nicht anders gekennzeichnet, in diesem Abschnitt ¨
uber die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten
von Atomen in organischen Molek¨
ulen einfach als DFT bezeichnet werden.
3.1.2 Vorgehen in SDFTB
Im Prinzip kann der obige Ausdruck 3.6 f¨
ur die isotrope Hyperfeinkopplungskonstante in der spinpolari-
sierten DFTB Methode, wie auch in DFT, komplett berechnet werden. Allerdings d¨
urfen hier zwei wichti-
ge Unterschiede der Behandlung der Spinpolarisation in DFTB zur Behandlung in voll-selbstkonsistenter
DFT nicht außer acht gelassen werden.
Zum einen wird in der DFTB Methode von einer Valenzelektronenbeschreibung ausgegangen. Die core-
Elektronen, z. B. die 1s-Elektronen bei Atomen der zweiten Reihe, werden nicht explizit ber¨
ucksichtigt,
siehe Abschnitt 1.4.1. Daher ist es nur f¨
ur Wasserstoff und Helium m¨
oglich die Elektronendichte am
Kernort tats¨
achlich zu berechnen. Zum anderen wird bei der Formulierung der Spinpolarisation innerhalb
des DFTB Verfahrens von einer Einzentrenn¨
aherung mit nicht-¨
uberlappenden Spindichten der einzelnen
Atome ausgegangen. Im Sinne dieser N¨
aherung sollte also der Beitrag einer am Atom Bzentrierten Ba-
sisfunktion nicht in die Summation in Gleichung 3.6 einfließen um die Spindichte am Ort des Atoms Azu
berechnen.
¨
Ahnliche Beschr¨
ankungen beinhaltet die semi-empirische, aus dem Hartree-Fock Verfahren [SO89] abge-
leitete, INDO Methode [PBD67], welche schon sehr fr¨
uh zur Berechnung von isotropen und, mit geringe-
rer Verbreitung, anisotropen Hyperfeinkopplungskonstanten [BMJ71] eingesetzt wurde. Im Ausdruck 3.6
f¨
ur die isotrope Hyperfeinkopplungskonstante aAwurde im Zusammenhang mit der auch im INDO vor-
handenen Einzentrenn¨
aherung f¨
ur die Spinpolarisation die Summation auf Basisfunktionen beschr¨
ankt,
welche am Atomkern unter Betrachtung zentriert sind:
aA=4π
3γeγA~2S1
z
µA
νAρµνϕµ(RA)ϕν(RA).
Von den an einem Atomkern zentrierten Basisfunktionen weisen jedoch nur s-Funktionen einen nicht
verschwindenden Funktionswert am Kernort auf. Von diesen werden in einer minimalen Basis, siehe Ab-
32
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
schnitt 1.4.1, nur Valenzfunktionen (1s f¨
ur Wasserstoff, 2s f¨
ur Kohlenstoff) ber¨
ucksichtigt. Damit verein-
facht sich die Gleichung 3.6 schlußendlich zu:
aA=S1
z·4π
3γeγA~2|ϕsA(RA)|2¸
| {z }
=CA=const.
ρsAsA.(3.7)
Hier ist nun |ϕsA(RA)|2das Betragsquadrat der am Atomkern Azentrierten s-Valenzbasisfunktion aus-
gewertet am Kernort und ρsAsAist das entsprechende Spindichtematrixelement. Da alle im folgenden be-
trachteten Molek¨
ule einen Dublett Grundzustand haben ist S1
z=2.
Der in eckigen Klammern stehende Vorfaktor CAdes Spindichtematrixelements in Gleichung 3.7 ist eine
Konstante, welche im Prinzip berechenbar ist. Im Zusammenhang mit den im INDO Verfahren benutzten
Basisfunktionen vom Slater-Typ wurde jedoch festgestellt, daß ein berechneter Vorfaktor keine befriedi-
gende ¨
Ubereinstimmung mit dem Experiment ergibt [SK81] 4. Weiterhin wird bei einem solchen Vorgehen
der Einfluß der bei schwereren Kernen eventuell vorhandenen core-Elektronen ignoriert. Beide Defizite
lassen sich aber ausgleichen, wenn man den Vorfaktor CAnicht berechnet sondern durch einen Fit an
einem Satz von Molek¨
ulen bestimmt. Darin geht dann als Voraussetzung ein, daß der Einfluß der core-
Elektronen von der tats¨
achlichen chemischen Umgebung des Kerns weitestgehend unabh¨
angig ist. Dies
ist, wie sp¨
ater gezeigt wird, f¨
ur die in dieser Arbeit betrachteten schwereren Kerne der zweiten Reihe
recht gut erf¨
ullt. Allerdings ist bekannt das der Einfluß der core-Elektronen bei ¨
Ubergangsmetallatomen
in LSDA nur schwer beschrieben werden kann [GO99].
Dieses Vorgehen hat sich in der Vergangenheit f¨
ur die INDO Methode bew¨
ahrt. Aus diesem Grunde und
wegen der dem spinpolarisierten DFTB sehr ¨
ahnlichen Behandlung von Spinpolarisation und Basisfunk-
tionen soll f¨
ur die Berechnung von isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten mit der spinpolarisierten
DFTB Methode derselbe Weg beschritten werden. F¨
ur diese ersten Versuche wird im Einklang mit obigen
N¨
aherungen zur Berechnung der aAund wegen der leichteren Implementierbarkeit f¨
ur den Festk¨
orper der
Hamiltonoperator aus Gleichung 1.71 verwendet. In Kapitel 2 wurde gezeigt, daß die Behandlung der
HubbardUs sowie die gew¨
ahlte N¨
aherung f¨
ur den Spinhamiltonoperator kaum Einfluß auf die Eigenwer-
te und Gesamtenergien haben. Es kann somit davon ausgegangen werden, daß auch der Einfluß auf die
Spindichten klein ist. Dennoch soll dieser Punkt im Abschnitt 3.4 untersucht werden.
3.2 Organische Molek¨
ule
Bei der konkreten Berechnung von Hyperfeinkopplungskonstanten geht ein zus¨
atzlicher Parameter ein
welcher bis jetzt nicht betrachtet wurde und alle theoretischen Ans¨
atze beeinflußt, n¨
amlich die Geome-
trie. Tats¨
achlich reagieren die Hyperfeinkopplungskonstanten oft sehr sensitiv auf die Molek¨
ulgeometrie.
Dies er¨
offnet die M¨
oglichkeit eines Wechselspiels zwischen Theorie und Experiment, bei dem theoretisch
vorgeschlagene Strukturen aufgrund der Hyperfeinkopplungskonstanten verifiziert werden k¨
onnen.
Andererseits bedeutet dies aber auch, daß ein Vergleich allein mit dem Experiment f¨
ur den hier verfolgten
Zweck einer Einsch¨
atzung des Leistungsverm¨
ogens der spinpolarisierten DFTB Methode nicht sinnvoll
ist. Sollten starke Abweichungen zwischen der in SDFTB berechneten Molek¨
ulgeometrie und der experi-
mentellen Geometrie auftreten, so ist es wahrscheinlich, daß zwar die isotropen Hyperfeinkopplungskon-
stanten f¨
ur die SDFTB Geometrie korrekt berechnet werden, diese aber aufgrund der unterschiedlichen
Geometrie nicht mit den experimentellen ¨
ubereinstimmen. Andererseits hat sich gezeigt, daß f¨
ur organi-
sche Molek¨
ule oft Geometrien mit SDFTB berechnet werden welche sehr gut den Voraussagen der DFT
entsprechen [Els98b, EPJ+98, FSE+00]. Deshalb soll zus¨
atzlich zu dem Vergleich mit experimentellen
Werten auch ein Vergleich mit DFT Werten durchgef¨
uhrt werden.
Um die direkte Vergleichbarkeit der beiden theoretischen Methoden zu sichern wird die DFT Rechnung
mit der DFTB Geometrie durchgef¨
uhrt, was aufgrund des oben gesagten gerechtfertigt erscheint. Dies eli-
4In den ¨
ublichen INDO Implementationen weisen auch die Radialteile von s-Funktionen einen Knoten am Kernort auf
[PBD68].
3.2. ORGANISCHE MOLEK ¨
ULE
33
miniert einen m¨
oglichen Unterschied in den theoretischen Geometrien als Unsicherheitsfaktor. Weiterhin
wird dadurch die M¨
oglichkeit er¨
offnet, die Vorhersagegenauigkeit der beiden Methoden im Vergleich zum
Experiment einzusch¨
atzen. Diese Vorhersagegenauigkeit ist allerdings nicht nur von der Reproduktion der
Geometrie in der Rechnung, sondern auch von der korrekten Beschreibung der elektronischen Struktur
durch die theoretische Methode abh¨
angig. F¨
ur den Vergleich der mit der INDO Methode erzielten Ergeb-
nisse mit dem Experiment wurden im ¨
Ubrigen auch Modellgeometrien angenommen [PBD68].
W¨
ahrend die Rechnung auch das Vorzeichen der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten liefert ist dies
in der Messung oft nicht bestimmbar. Es wird hier darauf verzichtet wie in anderen Arbeiten, z. B.
[PBD68], eine Zuordnung des Vorzeichens der experimentellen Konstanten basierend auf den theoreti-
schen Resultaten vorzunehmen. Stattdessen werden nur Absolutwerte verglichen. Die Vorzeichen der aus
der SDFTB und aus der DFT Rechnung erhaltenen Konstanten stimmen ¨
uberein, so daß auch dort ei-
ne Betrachtung des Absolutwertes f¨
ur die hier verfolgten Zwecke ausreichend ist. In Abschnitt 3.2.1 wird
jedoch gezeigt wie auch das Vorzeichen zur Bestimmung einer Molek¨
ulgeometrie eingesetzt werden kann.
Ebenfalls soll hier darauf verzichtet werden, die Genauigkeit der experimentellen Ergebnisse in die Be-
trachtung einfliessen zu lassen was bei einigen der zum Vergleich herangezogenen Molek¨
ule aufgrund
verschiedener Messungen im Prinzip m¨
oglich w¨
are. Stattdessen soll nur einer der eventuell verf¨
ugbaren
Meßwerte herangezogen werden.
Die in diesem Kapitel betrachteten Isotope sind 1H, 13C, 14N, und 29Si. Insbesondere in der Festk¨
orper-
spektroskopie ist die Angabe der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten in MHz ¨
ublich. Die Umrech-
nung ist hier 1 mT=28.025 MHz.
3.2.1 Protonen
Das im Abschnitt 3.1.2 dargestellte Vorgehen wurde f¨
ur Radikale organischer Molek¨
ule entwickelt. Daher
sollen diese zuerst betrachtet werden. Wie oben diskutiert ist der einfachste Fall hier wiederum die Be-
rechnung von isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen, d. h. den im Molek¨
ul vorhandenen
Wasserstoffatomkernen, da keine core-Elektronen eingehen. F¨
ur Protonen in einfach gebundenen Grup-
pen, z. B. CH3Gruppen, wurde eine Mittelung ¨
uber die drei isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten
durchgef¨
uhrt. Dies tr¨
agt der Tatsache Rechnung, daß diese Gruppen bei Messung in L¨
osung sehr leicht
um die Einfachbindung rotieren k¨
onnen. Somit erh¨
alt man ein gemitteltes Signal.
Im ersten Schritt zur Berechnung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten aHder Protonen ist die Be-
stimmung der entsprechenden Proportionalit¨
atskonstanten CHerforderlich. In Tabelle 3.1 sind die experi-
mentellen Werte der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten aexp
Hin ausgew¨
ahlten Molek¨
ulen angegeben
(diese entstammen s¨
amtlich dem in den Arbeiten zum INDO Verfahren verwendeten Satz). Aufgrund von
Gleichung 3.7 ist ein linearer Zusammenhang der Art f(x) = axzwischen dem Spindichtematrixele-
ment ρss, siehe Tabelle 3.1, und dem experimentellen Wert der isotropen Hyperfeinkopplungskonstan-
te zu erwarten. Hier ist xmit ρss,f(x)mit aexp
Hund amit CHzu identifizieren. Ein das mittlere Feh-
lerquadrat minimierender Fit (least-squares fit) von ρss gegen¨
uber den aexp
Haus Tabelle 3.1 liefert dann
CH= (55.0515±1.568)mT.
An dieser Stelle kann recht einfach ¨
uberpr¨
uft werden, ob die Beziehung zwischen ρss und aexp
Hdem
erwarteten Zusammenhang 3.7 folgt oder ob etwa eine konstante Verschiebung entsprechend f(x) =
ax+bmit b6=0 vorliegt. Ein least-squares fit unter Verwendung dieses Zusammenhanges liefert
CH= (55.5443±1.849)mT und b=0.021 mT. Da sich der Wert von CHbei Annahme dieses funk-
tionalen Zusammenhanges nur um etwa 1 % ¨
andert und zudem der Betrag der Konstanten bklein ist
kann davon ausgegangen werden, daß keine systematische konstante Verschiebung zwischen aexp
Hund ρss
vorliegt. In der folgenden Diskussion kann daher von dem einfachen Zusammenhang f(x) = axausge-
gangen werden.
F¨
ur die Einsch¨
atzung der praktischen Einsetzbarkeit des SDFTB Verfahrens zur Berechnung isotro-
per Hyperfeinkopplungskonstanten sind jedoch nicht die aus dem Fit erhaltenen Fehlerbalken der Pro-
portionalit¨
atskonstanten entscheidend, sondern weitere statistische Gr¨
oßen. Dies sind die empirische
Standardabweichung sSDFTB
Hzwischen den theoretischen aSDFTB
Hund den experimentellen aexp
Hund der
34
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
empirische Korrelationskoeffizient kSDFTB
Hdes Zusammenhanges zwischen ρss und aexp
H. Mit den f¨
ur
diesen Fall geltenden Formeln [PBD68] erh¨
alt man bezogen auf die in Tabelle 3.1 angegeben Werte
sSDFTB
H=0.231 mT und kSDFTB
H=0.95. In guter N¨
aherung kann also davon ausgegangen werden, daß bei
Annahme normalverteilter Abweichungen mindestens 68.3 % der berechneten Werte in einem Intervall
von ±sSDFTB
H2=±0.231
2mT =±0.116 mT um den experimentellen Wert liegen5. Tats¨
achlich stellt man fest
das etwa 72 % der Werte in diesem Intervall der Abweichung liegen. Der empirische Korrelationskoeffizi-
ent kann Betr¨
age zwischen 1 und 0 annehmen, wobei ein Wert von 1 auf eine sehr gute ¨
Ubereinstimmung
mit dem angenommenen funktionalen Zusammenhang, hier f(x) = ax, hindeutet w¨
ahrend ein Wert von
0 auf eine schlechte ¨
Ubereinstimmung hinweist. Der hier vorliegende Wert von kSDFTB
H=0.95 zeigt daher
eine rechte gute ¨
Ubereinstimmung an.
Zur Einordnung obiger Ergebnisse kann die gleiche Statistik auf den Vergleich der DFT Werte aDFT
Hmit
dem Experiment angewandt werden. Man erh¨
alt eine Standardabweichung von sDFT
H=0.218 mT und
einen Korrelationskoeffizienten von kDFT
H=0.98. Beide Werte unterscheiden sich kaum von den Ergeb-
nissen im SDFTB Fall. Die Standardabweichung ist um 0.013 mT geringer, w¨
ahrend der Korrelations-
koeffizient mit einem Wert von 0.98 etwas h¨
oher ist. Es kann also davon ausgegangen werden, daß die
isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten der Protonen der Molek¨
ule in Tabelle 3.1 durch SDFTB mit
etwa derselben statistischen Genauigkeit beschrieben werden wie durch voll-selbstkonsistente DFT.
Die f¨
unf betragsm¨
aßig gr¨
oßten Abweichungen der berechneten Werte gegen¨
uber dem Experiment wurden
in Tabelle 3.1 farbig hinterlegt (mit Ausnahme des Nitrobenzen Ions, siehe dazu auch die Diskussion in
Abschnitt 3.2.2, sind alle anderen Abweichungen innerhalb des Intervalls der Standardabweichung). Man
kann erkennen, daß DFT und SDFTB auch im detaillierten Vergleich der Einzelwerte ¨
ahnliches Verhalten
zeigenund somitdie ¨
Ubereinstimmungnicht nurreinstatistischer Naturist. Beide Methodenzeigen f¨
urdie
Molek¨
ule Vinyl, trans-Butadien und m-Dinitrobenzen ¨
ubereinstimmend große Abweichungen vom Expe-
riment. Insbesondere ist auch die Art der Abweichung in beiden F¨
allen ¨
ahnlich. Beim Vinyl Radikal wird
f¨
ur dasselbe Proton ein stark vom Experiment abweichender Wert berechnet, allerdings ist das Vorzeichen
der Differenz zwischen SDFTB und DFT entgegengesetzt. Darauf soll weiter unten noch einmal einge-
gangen werden. Im Fall des trans-Butadien Ions wird mit beiden theoretischen Methoden ein zu großer
Wert f¨
ur die isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten bestimmt. F¨
ur das negativ geladene m-Dinitrobenzen
Molek¨
ul wird f¨
ur zwei Protonen einmal ein zu großer und einmal ein zu kleiner Wert von aHberechnet.
Die 0.3 mT Abweichung in den SDFTB Daten geh¨
ort allerdings nicht zu den f¨
unf gr¨
oßten. Durch die
Abweichung wird bei diesem Molek¨
ul insbesondere die relative Ordnung der Kopplungskonstanten der
drei Protonen ver¨
andert, was bei einem unbekannten Molek¨
ul die Zuordnung der gemessenen zu den be-
rechneten Werten erschweren oder unm¨
oglich machen w¨
urden. Die Abweichungen bei Molek¨
ulen die
Nitrogruppen enthalten sollen auch im Abschnitt 3.2.2 behandelt werden.
F¨
ur das Phenyl Radikal und das o-Benzosemiquinon Ion zeigen die SDFTB Werte starke Abweichungen
vom Experiment welche in den DFT Daten nicht festzustellen sind. Die Differenz zu aexp
Hist im Falle
des Phenyl Radikals jedoch prozentual relativ klein und ¨
andert das Gr¨
oßenverh¨
altniss der Kopplungskon-
stanten der drei Protonen nicht. Im Falle des o-Benzosemiquinons wird f¨
ur die beiden nicht¨
aquivalenten
Protonen des Molek¨
uls mit der SDFTB Methode ein dem Experiment genau entgegengesetztes Verh¨
altnis
der Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten berechnet. Allerdings ist hier zu bemerken, daß
auch mit DFT keine ¨
Ubereinstimmung mit dem Experiment erzielt wird, den beiden Protonen werden
etwa dieselben isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten zugeordnet.
5DerVetrauensbereich des Mittelwertes einer Verteilung ist eigentlichdurch t
Nsgegeben,wobeitderWert der Student’schen
Verteilungsfunktion f¨
ur ein vorbestimmtes Prozentintervall, Ndie Zahl der Freiheitsgrade und sder Wert der Standardabweichung
ist. Legt man ein Intervall von 68.3 % zugrunde, so kann der Wert vontf¨
ur die in dieser Arbeit auftretenden Zahl von Wertepaaren
mit 1 und Nmit 2 abgesch¨
atzt werden, womit sich die Absch¨
atzung im Haupttext ergibt [BS91].
3.2. ORGANISCHE MOLEK ¨
ULE
35
Tabelle 3.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT. Die Werte des Experiments (Spalte Exp.) sowie die in SDFTB, DFT
und INDO [PBD67] berechneten werden verglichen. Der Absolutwert des Spindichtematrixelements ρss in SDFTB wird ebenfalls angegeben. In
der Spalte ist f¨
ur die berechneten Werte von aHjeweils die Differenz zum experimentellen Wert in mT sowie, in Klammern, die prozentuale
Abweichung bezogen auf den experimentellen Wert aufgef¨
uhrt. F¨
ur die Molek¨
ule werden die deutschen Trivialnamen angegeben.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C2H3[Hel65] 1.340 0.0106 0.584 0.756 (56.4)2.454 -1.114 (83.1)1.71
Vinyl 3.700 0.0667 3.672 0.028 (0.8)3.986 -0.286 (7.7)2.12
6.500 0.1164 6.408 0.092 (1.4)6.498 0.002 (0.0)5.51
C4H
6[Hel80a] 0.762 0.0216 1.188 -0.426 (56.0)1.049 -0.287 (37.7)0.980
Transbutadien 0.279 0.0070 0.388 0.109 (38.9)0.279 0.000 (0.0)0.080
C6H5[PBD68] 1.950 0.0205 1.128 0.822 (42.1)1.804 0.146 (7.5)1.870
Phenyl 0.650 0.0082 0.451 0.199 (30.5)0.607 0.043 (6.6)0.610
0.406 0.0067 0.368 0.038 (9.5)0.218 0.188 (46.3)0.690
C10H
8[Hel80a] 0.495 0.0116 0.641 0.146 (29.5)0.603 0.108 (21.8)0.53
Naphthalin 0.187 0.0033 0.181 0.006 (3.1)0.178 0.009 (4.8)0.09
C10H
8[PBD68] 0.882 0.0173 0.953 0.071 (8.0)0.939 0.057 (6.5)0.940
Azulen 0.622 0.0112 0.619 0.003 (0.5)0.658 0.036 (5.8)0.700
0.395 0.0089 0.492 0.097 (24.5)0.473 0.078 (19.7)0.300
0.134 0.0013 0.070 0.064 (48.0)0.156 0.022 (16.4)0.390
0.027 0.0008 0.043 0.016 (60.8)0.051 0.024 (88.9)0.0
C14H+
10 [Hel80b] 0.653 0.0113 0.621 0.032 (4.9)0.662 0.009 (1.4)0.66
Anthracen 0.306 0.0066 0.363 0.057 (18.5)0.344 0.038 (12.4)0.29
0.138 0.0024 0.134 0.004 (2.8)0.121 0.017 (12.3)0.06
C6H4O
2[Hel80a] 0.095 0.0087 0.481 -0.386 (406.7)0.273 0.178 (187.4)0.020
o-Benzosemiqui. 0.365 0.0053 0.290 0.075 (20.6)0.226 0.139 (38.1)0.190
C6H4O
2[Hel80a] 0.235 0.0058 0.320 0.085 (36.0)0.238 0.003 (1.3)0.090
p-Benzosemiqui.
36
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Tabelle 3.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT. Die Werte des Experiments (Spalte Exp.) sowie die in SDFTB, DFT
und INDO [PBD67] berechneten werden verglichen. Der Absolutwert des Spindichtematrixelements ρss in SDFTB wird ebenfalls angegeben. In
der Spalte ist f¨
ur die berechneten Werte von aHjeweils die Differenz zum experimentellen Wert in mT sowie, in Klammern, die prozentuale
Abweichung bezogen auf den experimentellen Wert aufgef¨
uhrt. F¨
ur die Molek¨
ule werden die deutschen Trivialnamen angegeben.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C4H4N
2[Hel65] 0.016 0.0004 0.024 0.008 (52.8)0.086 0.070 (437.5)0.110
Pyridazin 0.647 0.0156 0.860 0.213 (32.9)0.823 0.176 (27.2)0.360
C8H4N
2[Hel65] 0.424 0.0090 0.497 0.073 (17.3)0.487 0.063 (14.9)0.400
Phthalonitril 0.033 0.0008 0.046 0.013 (40.8)0.085 0.052 (157.6)0.150
C8H4N
2[PBD68] 0.829 0.0159 0.876 0.047 (5.7)0.984 0.155 (18.7)0.760
Isophthalonitril 0.144 0.0023 0.124 0.020 (13.7)0.221 0.077 (53.5)0.260
0.008 0.0005 0.029 0.021 (260.2)0.072 0.064 (800.0)0.150
C8H6N
2[Hel65] 0.591 0.0110 0.607 0.016 (2.7)0.638 0.047 (8.0)0.640
Phthalazin 0.464 0.0128 0.703 0.239 (51.6)0.643 0.179 (38.6)0.520
0.214 0.0035 0.193 0.021 (9.6)0.206 0.008 (3.7)0.090
C8H6N
2[PBD68] 0.232 0.0051 0.280 0.048 (20.8)0.289 0.057 (24.6)0.180
1-4- 0.332 0.0101 0.557 0.225 (67.6)0.390 0.058 (17.5)0.200
Diazanaphthalin 0.100 0.0034 0.189 0.089 (89.3)0.167 0.067 (67.0)0.040
C8H6N
2[PBD68] 0.169 0.0041 0.224 0.055 (32.3)0.269 0.100 (59.2)0.060
1-5- 0.295 0.0041 0.228 0.067 (22.7)0.176 0.119 (40.3)0.150
Diazanaphthalin 0.577 0.0125 0.690 0.113 (19.5)0.679 0.102 (17.7)0.380
C6H4N2O
4[Hel80a] 0.310 0.0002 0.010 0.300 (96.8)0.013 0.297 (95.8)0.040
m- 0.420 0.0146 0.804 -0.384 (91.4)0.825 -0.405 (96.4)0.780
Dinitrobenzen 0.110 0.0023 0.126 0.016 (14.1)0.211 0.101 (91.8)0.190
C6H5NO
2[PBD68] 0.339 0.0066 0.362 0.023 (6.8)0.388 0.049 (14.5)0.360
Nitrobenzen 0.397 0.0133 0.730 0.333 (83.8)0.604 0.207 (52.1)0.380
0.109 0.0000 0.003 0.106 (97.7)0.120 0.011 (10.1)0.190
3.2. ORGANISCHE MOLEK ¨
ULE
37
Bei Betrachtung der prozentualen Abweichungen ergibt sich kein klares Bild. Entsprechend der ¨
Uber-
einstimmung zwischen SDFTB und DFT bei den Absolutwerten ergeben sich sehr ¨
ahnliche prozentuale
Abweichungen vom Experiment. Es ist festzustellen, daß die gr¨
oßten prozentualen Abweichungen f¨
ur
Protonen auftreten die im Experiment eine sehr kleine Hyperfeinkopplungskonstante aufweisen. Dies ist
aber nur Ausdruck des verglichen mit dem Wert der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten prozentual
sehr großen Unsicherheitsfaktors der Proportionalit¨
atskonstanten CH.
Die mit der INDO Methode berechneten Werte sind in der letzten Spalte der Tabelle 3.1 angegeben. Da
diese auf der Grundlage einer anderen Modellgeometrie berechnet wurden sind sie nicht direkt mit dem
SDFTB und DFT Werten vergleichbar. Allerdings wurde auch in der Originalarbeit ein direkter Vergleich
mit dem Experiment angestellt, so daß eine Aufnahme dieser Werte in die hier gef¨
uhrten ¨
Uberlegungen
gerechtfertigt erscheint6. Es ist festzustellen, daß die Abweichungen zum Experiment tendenziell etwas
gr¨
oßer sind als in SDFTB. F¨
ur einen Fitsatz von 141 Protonen wird f¨
ur die INDO Methode eine Standard-
abweichung von 0.729 mT und ein Korrelationskoeffizient von 0.88 bestimmt. Diese deuten auf eine sehr
viel gr¨
oßere Vorhersageungenauigkeit als im Falle der SDFTB Methode hin. Der Wert der Proportiona-
lit¨
atskonstante CHder INDO Methode ist mit 53.986 mT dem Wert in SDFTB hingegen sehr ¨
ahnlich.
Es stellt sich somit die Frage, in wie weit die Gr¨
oße und Komposition des Fitsatzes bzw. eines davon
m¨
oglicherweise unabh¨
angigen Vergleichssatzes das Ergebnis der hier versuchten Einsch¨
atzung der Ge-
nauigkeit der SDFTB Methode beeinflußt. Daher wurde der in Tabelle 3.1 angegebene Satz mit 43 Werten
auf 168 Werte erweitert, siehe Tabelle D.1 in Anhang D. Ein Fit an den experimentellen Daten ergibt
dann CH= (53.0651±1.109)mT, dieser wurde zur Berechnung der aSDFTB
Hin der Tabelle D.1 verwen-
det. Die Standardabweichung der SDFTB Daten von aexp
Hliegt damit bei sSDFTB
H=0.200 mT mit einem
Korrelationskoeffizienten von kSDFTB
H=0.96. Somit ¨
andern sich die Proportionalit¨
atskonstante CHund
die Standardabweichung sSDFTB
Hkaum durch eine Vergr¨
oßerung bzw. Ver¨
anderung des Fitsatzes, die Stan-
dardabweichung zum Experiment wird sogar etwas kleiner w¨
ahrend der Korrelationskoeffizient etwas
gr¨
oßer wird.
Ein analoges Ergebnis findet man beim Vergleich der DFT Daten in Tabelle D.1 zum Experiment. Die
Standardabweichung sDFT
Hgeht etwas auf 0.179 mT zur¨
uck, w¨
ahrend der Korrelationskoeffizient kDFT
Hmit
0.98 gleich bleibt. Somit zeigen DFT und SDFTB auch bei diesem großen Wertesatz ¨
ahnliche statistische
Genauigkeiten.
Mit dem Wert CH=55.0515 mT, der an den 43 Werten der Tabelle 3.1 bestimmt wurde, findet man
beim Vergleich mit den experimentellen Werte der 168 Protonen in Tabelle D.1 sSDFTB
H=0.200 mT und
kSDFTB
H=0.96. Das Ausbleiben einer Ver¨
anderung zeigt, daß der genaue Wert der Proportionalit¨
atskon-
stante die statistische ¨
Ubereinstimmung nur wenig beeinflußt.
Die Abweichungen der theoretischen Werte der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten der Protonen zu
den experimentellen Werten sind im Diagramm 3.1 aufgetragen. W¨
ahrend die Abweichungen der SDFTB
Werte zum Experiment auf der waagerechten x-Achse aufgetragen sind, wird die senkrechte y-Koordinate
eines jeden Punktes im Diagramm durch die Abweichung der DFT Kopplungskonstante vom Experiment
bestimmt. Somit bedeutet ein bei Null zentrierter Datenpunkt, daß mit beiden Methoden ein mit dem
Experiment ¨
ubereinstimmender Wert der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten berechnet wird. Man
erkennt deutlich eine starke H¨
aufung um den Nullpunkt des Diagramms innerhalb eines Intervalls wel-
ches etwa der Standardabweichung der beiden Methoden entspricht. Nur etwa 30 von 168 Datenpunkten
befinden sich außerhalb dieses Intervalls. Weiterhin ist eine Elongation der Verteilung entlang der Win-
kelhalbierenden zu sehen. Dies bedeutet, daß die Abweichungen der beiden Rechnungen vom Experiment
oft ¨
ahnliche Vorzeichen und Betr¨
age zeigen.
Das Diagramm 3.1 zeigt jedoch auch einige Datenpunkte mit betragsm¨
aßig großen Abweichungen zum
Experiment, bei denen zudem noch teilweise unterschiedliche Vorzeichen der Abweichungen zwischen
den beiden Rechenmethoden auftreten. Die jeweils drei Datenpunkte mit den betragsm¨
aßig gr¨
oßten Ab-
weichungen sind dabei in der Grafik durch Buchstaben gekennzeichnet. Der Punkt “C” ist in beiden Men-
6Die in [PBD68] verwendeten Molek¨
ule wurden nach dem Kriterium ausgesucht, daß eine gute Kenntnis der Geometrie
aufgrund chemischer ¨
Uberlegungen zu erwarten ist.
38
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
A
B
C
a
b
−0.4 0 0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2
−1.2
−1
−0.8
−0.6
−0.2
0
0.2
0.4
0.6
0.8
1
1.2
−0.4
Abweichung der SDFTB Ergebnisse zum Experiment /mT
Abweichung der DFT Ergebnisse zum Experiment /mT
−1.2 −1 −0.8 −0.6 −0.2
Abbildung 3.1: Abweichungen der SDFTB und der DFT Ergebnisse f¨
ur die isotropen Hyperfeinkopplungskon-
stanten von Protonen zum Experiment. Es wurden die Daten aus Tabelle D.1 verwendet. Ein Intervall von ±0.2 mT
ist zus¨
atzlich eingetragen.
gen enthalten. Im einzelnen stellt man folgendes fest:
ABeim C10H7(2-Naphthyl) Molek¨
ul tritt die gr¨
oßte Abweichung von aSDFTB
Hgegen¨
uber dem Expe-
riment auf. Dadurch und durch die kleineren Abweichungen f¨
ur die anderen Protonen im Molek¨
ul
wird das relative Verh¨
altnis der Kopplungskonstanten der drei Protonen am Molek¨
ul ver¨
andert, sie-
he Tabelle D.1. Die Reihenfolge der Werte stimmt allerdings mit den DFT Ergebnissen ¨
uberein,
auch hier ist eine recht große Abweichung zum Experiment festzustellen.
BDieser Punkt in Abbildung 3.1 ist mit dem auch in Tabelle 3.1 gekennzeichneten Proton des C6H5
Phenyl Radikals verkn¨
upft. Wie schon fr¨
uher bemerkt handelt es sich um eine Abweichung in den
SDFTB Daten vom Experiment die keine Entsprechung in den DFT Daten hat.
CAuch dieser Datenpunkt ist schon aus Tabelle 3.1 bekannt, es handelt sich um ein Proton im C2H3
Vinyl Radikal. Hier zeigen beide Methoden eine sehr große Abweichung vom Experiment.
aDieses Proton befindet sich am C6H8N 1-H-4-Methylpyridinyl Radikal. Der Wert der isotropen Hy-
perfeinkopplungskonstante wird von DFT stark ¨
ubersch¨
atzt und von SDFTB leicht untersch¨
atzt.
Auch f¨
ur ein zweites Proton dieses Molek¨
uls sind die relativen Abweichungen groß, so daß insge-
samt eine schlechte ¨
Ubereinstimmung der Rechnung mit dem Experiment vorliegt. Beide theoreti-
sche Methoden zeigen aber sehr ¨
ahnliche Abweichungen.
3.2. ORGANISCHE MOLEK ¨
ULE
39
bDie zweitgr¨
oßte Abweichung der mit DFT berechneten Kopplungskonstanten vom Experiment tritt
f¨
ur das C6H9O Radikal auf. Auch hier zeigt sich in SDFTB eine relativ große Differenz zum Expe-
riment, allerdings f¨
ur das zweite Proton, siehe Tabelle D.1, f¨
ur das experimentelle Daten vorliegen.
Die genaue Ursache f¨
ur diese Abweichungen kann im Rahmen dieser Arbeit nicht bestimmt werden,
insbesondere da es sich nur um einen Bruchteil der betrachteten 168 Werte handelt welcher auch keine
Systematik erkennen l¨
aßt. Nur f¨
ur das Vinyl Radikal, Punkt C in Abbildung 3.1, ist auch aus der Litera-
tur bekannt, daß die Kopplung des nicht im π- sondern im σ-Elektronensystems befindlichen ungepaarten
Spins an die core-Elektronen nur schwer zu beschreiben ist [Bar96]. Dies ¨
außert sich in einer starken
Abh¨
angigkeit der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten aller Atome des Molek¨
uls von dem in der
DFT Rechnung verwendeten Basissatz und dem Dichtefunktional [Bar96]. Es ist zu erwarten, daß auch
die Kopplung an die gepaarten Valenzelektronen ¨
ahnlich schwer beschreibbar ist was die Abweichun-
gen des SDFTB Ergebnisses vom Experiment erkl¨
aren w¨
urde. In den anderen F¨
allen kann nur vermutet
werden, daß auch dort entweder Probleme mit der Austausch-Kopplung des ungepaarten Spins vorliegen
oder aber das die r¨
aumliche Elektronendichte des ungepaarten Spins nicht in ¨
Ubereinstimmung zum Ex-
periment ist, was ebenfalls zu Unterschieden der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
uhren w¨
urde
(nat¨
urlich kann auch beides der Fall sein). Dabei werden allerdings m¨
ogliche Effekte der Geometrie, siehe
auch Abschnitt 3.2.1, außer acht gelassen.
Insgesamt l¨
aßt sich jedoch feststellen, daß sowohl statistisch wie auch im direkten Vergleich die Genau-
igkeit der spinpolarisierten SDFTB Methode bei der Berechnung von isotropen Hyperfeinkopplungskon-
stanten mit der der voll-selbstkonsistenten DFT vergleichbar ist. Die ¨
Ubereinstimmung mit dem Expe-
riment ist recht gut wie man direkt aus Abbildung 3.1 oder den statistischen Daten dieses Abschnitts
entnehmen kann.
Geometrieabh¨
angigkeit der aH
In der bisherigen Diskussion wurden die Vorzeichen der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten außer
acht gelassen, da zum einen Molek¨
ule in L¨
osung betrachtet wurden bei denen sie nicht meßbar sind und
zum anderen die Rechnungen in den Vorzeichen ¨
ubereinstimmen. Wenn allerdings das Molek¨
ul in einer
Festk¨
orpermatrix eingebettet ist oder als Molek¨
ulkristall vorliegt, ist auch das Vorzeichen der isotropen
Hyperfeinkopplungskonstante bestimmbar. Es zeigt sich, daß das Vorzeichen abh¨
angig vom Molek¨
ul stark
geometrieabh¨
angig sein kann. Dies kann man sich zu nutze machen wenn der Betrag der Hyperfeinkopp-
lungskonstante nicht ausreichend ist.
Zur Demonstration soll kurz auf das C2H+
4Ion eingegangen werden. W¨
ahrend der experimentelle Torsi-
onswinkel 25betr¨
agt wird ein Wert von ±0.3 mT der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante gemessen
[Eri97]. Der Verlauf der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante in der SDFTB Rechnung bei ¨
Anderung
des Torsionswinkels ist in Abbildung 3.2 gezeigt. Man erkennt das sowohl bei einem Winkel von etwa 25
als auch bei einem Winkel von etwa 18aSDFTB
Heinen Betrag von 0.3 mT annimmt. In ¨
Ubereinstimmung
mit der DFT Rechnung [Eri97] ist das Vorzeichen beim experimentellen Torsionswinkel von 25positiv.
3.2.2 Schwerere Atome
Kohlenstoff
Wie schon in Abschnitt 3.1.2 erl¨
autert wurde ist die Existenz von core-Elektronen beim Kohlenstoff eine
zus¨
atzliche Schwierigkeit f¨
ur die Berechnung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten aCdes Koh-
lenstoffs. Zus¨
atzlich kommt hinzu, daß im Vergleich zu den Protonen wesentlich weniger experimentelle
Daten f¨
ur Kohlenstoff leicht und systematisch zug¨
anglich sind. Im vorhergehenden Abschnitt 3.2.1 wurde
jedoch gezeigt, daß f¨
ur die Protonen eine recht gute ¨
Ubereinstimmung zwischen SDFTB, DFT und dem
Experiment herrscht. Daher soll in diesem Kapitel eine etwas andere Vorgehensweise als in Abschnitt
3.2.1 gew¨
ahlt werden. Der konstante FaktorCCzwischen dem Spindichtematrixelement und der isotropen
Hyperfeinkopplungskonstante aSDFTB
Cwird wie zuvor durch einen Fit an experimentellen Daten ermittelt.
40
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
/ mT
SDFTB
a
H−C−C−H Torsionswinkel/ °
H
−1.5 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45
1.0
0.0
−0.5
−1.0
0.5
Abbildung 3.2: ¨
Anderung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten aSDFTB
Hin mT bei ¨
Anderung des Torsions-
winkels im C2H+
4Molek¨
ul.
Hier kann ein direkter Vergleich zwischen DFTB, DFT und dem Experiment erfolgen. Da dieser Fitsatz
nur 17 Wertepaare enth¨
alt soll sp¨
ater ein weiterer Vergleich mit den DFT Werten eines mit 83 Wertepaaren
sehr viel gr¨
oßeren Vergleichssatzes erfolgen.
Die Daten des Fitsatzes sind aus Tabelle 3.2 ersichtlich. Ein Fit unter Annahme des funktionalen Zu-
sammenhangs f(x) = axliefert CC= (73.4526±6.289)mT. Die ¨
Uberpr¨
ufung auf eine konstante Ver-
schiebung durch einen Fit unter der Annahme f(x) = ax+bergibt demgegen¨
uber CC=61.7735 mT und
b=0.102 mT. W¨
ahrend also eine konstante Verschiebung aufgrund der core-Elektronen nicht auszuschlie-
ßen ist, siehe auch Abschnitt 3.3.1 zum Einfluß der core-Elektronen in Festk¨
orpern, deutet der relativ große
Unterschied in den erhaltenen Proportionalit¨
atskonstanten CCauf einen im Vergleich zu den Protonen et-
was schlechteren Zusammenhang zwischen ρss und aexp
Chin. Tats¨
achlich findet man, mitCC=73.4526 mT,
eine Standardabweichung von sSDFTB
C=0.172 mT bei einem Korrelationskoeffizient von kSDFTB
C=0.87
welcher deutlich geringer als der f¨
ur die Protonen ist. Die Standardabweichung ist zwar etwas geringer
als im Fall der Protonen, jedoch findet man f¨
ur den Vergleich der aDFT
Cmit dem Experiment eine noch
deutlich kleinere Standardabweichung sDFT
C=0.123 mT bei einer st¨
arkeren Korrelation von kDFT
C=0.93.
Die Standardabweichung und der empirische Korrelationskoeffizient der DFTB Daten im Vergleich zum
Experiment sind also deutlich schlechter als die entsprechenden Gr¨
oßen im Vergleich der DFT Ergebnisse
zum Experiment.
Andererseits kann man die SDFTB Daten in Tabelle 3.2 mit den DFT Daten des Fitsatzes vergleichen.
Auch bei diesem Vergleich zeigt sich keine bessere ¨
Ubereinstimmung, sSDFTB
C=0.239 mT und kSDFTB
C=
0.74. Auf dem Vergleichssatz, Tabelle D.2, mit 83 Werten findet man eine mit sSDFTB
C=0.267 mT ¨
ahnlich
große Standardabweichung. W¨
ahrend die ¨
Ubereinstimmung der DFT Rechnung mit dem Experiment also
gut ist wird sichtbar, daß die Berechnung isotroper Hyperfeinkopplungskonstanten schwererer Atome mit
der SDFTB Methode mit einem im Vergleich zu den Protonen recht großen Fehler behaftet ist.
In Tabelle 3.2 wurden erneut jeweils die drei Werte mit der gr¨
oßten Abweichung vom Experiment farbig
unterlegt. Entsprechend den Unterschieden in der Standardabweichung zum Experiment findet man, daß
die aSDFTB
Cbei beinahe allen Mokel¨
ulen im Vergleich zu den aDFT
Cf¨
ur mindestens ein Kohlenstoffatom um
eine Gr¨
oßenordnung st¨
arker vom Experiment abweichen. Nur im Falle des C6H4O
2p-Benzosemiquinon
Molek¨
uls zeigen DFT und SDFTB (bei Betrachtung der gr¨
oßten drei Unterschiede) f¨
ur das gleiche Mo-
lek¨
ul eine Abweichung vom Experiment, wenn auch f¨
ur verschiedene Kohlenstoffatome. Bei Betrachtung
der vier betragsm¨
aßig gr¨
oßten Abweichungen ist dies auch noch f¨
ur C7H5NBenzonitril und das C8H4N
2
Terephthalonitril Molek¨
ul der Fall.
3.2. ORGANISCHE MOLEK ¨
ULE
41
Tabelle 3.2: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aCf¨
ur Kohlenstoff in mT. Die Werte des Experiments (Spalte Exp.) sowie die in SDFTB,
DFT und INDO [PBD67] berechneten werden verglichen. Der Absolutwert des Spindichtematrixelements ρss in SDFTB wird ebenfalls ange-
geben. In der Spalte ist f¨
ur die berechneten Werte von aCjeweils die Differenz zum experimentellen Wert in mT sowie, in Klammern, die
prozentuale Abweichung bezogen auf den experimentellen Wert aufgef¨
uhrt. F¨
ur die Molek¨
ule werden die Trivialnamen angegeben.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Cρss aSDFTB
CaDFT
CaINDO
C
C8H
8Cyclooctatetraen [PBD68] 0.30 0.0044 0.32 0.020 (6.6)0.08 -0.224 (74.6)0.128
C10H
8[PBD68] 0.71 0.0119 0.88 0.166 (23.4)0.73 0.020 (2.8)0.93
Naphthalin 0.12 0.0004 0.03 0.092 (76.9)0.16 0.040 (33.3)0.03
C14H
10 [PBD68] 0.46 0.0039 0.29 0.171 (37.2)0.48 0.017 (3.6)0.34
Anthracen 0.03 0.0008 0.06 0.035 (138.1)0.06 0.039 (157.4)0
0.36 0.0066 0.48 0.124 (34.8)0.38 0.025 (7.1)0.46
0.88 0.0125 0.92 0.039 (4.5)0.78 0.097 (11.1)1.24
C14H+
10 [PBD68] 0.45 0.0040 0.29 0.160 (35.5)0.46 0.014 (3.0)0.33
Anthracen 0.85 0.0127 0.93 0.084 (9.9)0.80 0.049 (5.8)1.18
0.04 0.0009 0.07 0.029 (77.6)0.07 0.034 (91.2)0.02
C6H4O
2p- [PBD68] 0.04 0.0038 0.28 0.242 (605.8)0.02 0.024 (59.1)0.1
Benzosemiquinon 0.06 0.0016 0.12 0.060 (100.9)0.37 0.307 (521.1)0.69
C7H5NBenzonitril [Hel65] 0.61 0.0053 0.39 0.220 (36.0)0.83 0.213 (34.8)0.66
C4H4N
2Pyrazin [PBD68] 0.29 0.0006 0.04 -0.246 (85.5)0.38 0.097 (33.6)0.18
C8H4N
2[PBD68] 0.78 0.0055 0.40 -0.380 (48.6)0.86 0.075 (9.6)0.67
Terephthalonitril 0.88 0.0110 0.81 0.070 (8.0)0.75 0.129 (14.6)0.97
0.20 0.0001 0.01 0.192 (96.9)0.24 0.045 (22.9)0.07
42
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Die recht gute ¨
Ubereinstimmung der DFT Werte mit den experimentellen Daten deutet im ¨
ubrigen dar-
auf hin, daß die Geometrien, die ja mit DFTB berechnet wurden, nicht die Ursache f¨
ur die Unterschiede
sind. Bei einer durch unterschiedliche Geometrien induzierten ¨
Anderung der aCim Vergleich zum Experi-
ment w¨
are dann n¨
amlich zu erwarten, daß die Ergebnisse beider Rechenverfahren gleichermaßen betroffen
w¨
aren. Hier kann also nur vermutet werden, daß sich hier die im SDFTB Vorgehen vernachl¨
assigten core-
Elektronen negativ in der Genauigkeit bemerkbar machen.
Die Werte f¨
ur das INDO Verfahren [PBD67] sind wieder in der letzten Tabellenspalte von 3.2 angegeben.
Zwar ist hier kein Unterschied zu der Genauigkeit der SDFTB Methode zu erkenne. F¨
ur den in [PBD68]
betrachteten Satz mit 26 Datenpunkten wurde jedoch eine Standardabweichung von 2.378 mT bei einem
Korrelationskoeffizienten von 0.92 gefunden, was deutlich schlechter als die Werte f¨
ur die SDFTB Me-
thode ist.
Stickstoff
Schließlich sollen die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten von Stickstoffatomen aNbetrachtet wer-
den. Hier sind in Standardtabellen noch weniger experimentelle Werte zug¨
anglich als f¨
ur Kohlenstoff. Wie
f¨
ur Kohlenstoff und auch f¨
ur die Protonen gezeigt wurde reicht jedoch schon ein relativ kleiner Wertesatz
aus, um eine gegen¨
uber der Vergr¨
oßerung des Molek¨
ulsatzes recht stabile Einsch¨
atzung der relativen Ge-
nauigkeiten der theoretischen Verfahren zu erhalten. Daher soll hier nur eine Untermenge des in [PBD68]
benutzten Fit- und Vergleichssatzes benutzt werden, welcher 14 Stickstoffatome in 14 Molek¨
ulen enth¨
alt,
siehe Tabelle 3.3.
Ein Fit an den in Tabelle 3.3 enthaltenen experimentellen Werten aexp
Nliefert f¨
ur die Proportionalit¨
atskon-
stante des SDFTB Verfahrens CN= (95.7916±21.490)mT. Damit erh¨
alt man eine Standardabweichung
von sSDFTB
N=0.309 mT und einen Korrelationskoeffizienten von kSDFTB
N=0.45. Dies scheint die schon f¨
ur
Kohlenstoff beobachtete sehr viel schlechtere Vorhersagegenauigkeit des SDFTB Verfahrens f¨
ur schwe-
rere Atome zu best¨
atigen. Allerdings findet man auch, daß die Standardabweichung der DFT Ergebnisse
zum Experiment mit sDFT
N=0.276 mT und einem Korrelationskoeffizienten vom kDFT
N=0.57 verglichen
mit der ¨
Ubereinstimmung die beim Kohlenstoff erreicht wurde eher schlecht sind. SDFTB und DFT sind
also hier wieder sehr ¨
ahnlich in ihren Genauigkeiten. Dies best¨
atigt sich auch, wenn man die Standardab-
weichung und den Korrelationskoeffizienten der SDFTB Daten gegen¨
uber den berechneten DFT Werten
bestimmt. In diesem Vergleich betr¨
agt die Standardabweichung nur noch 0.076 mT und der Korrelati-
onskoeffizient w¨
achst auf 0.98 was eine sehr gute Korrelation anzeigt. Dabei wurde der am Experiment
bestimmte Proportionalit¨
atsfaktor verwendet und nicht etwa ein neuer Fit durchgef¨
uhrt.
Eine Analyse der Daten in Tabelle 3.3, in der die drei betragsm¨
aßig gr¨
oßten Abweichungen der theo-
retischen Ergebnisse vom Experiment wieder farbig unterlegt wurden, zeigt die Ursache dieses etwas
¨
uberraschenden Ergebnisses der statistischen Analyse. W¨
ahrend eine sehr gute ¨
Ubereinstimmung der be-
rechneten mit den experimentellen aNf¨
ur Molek¨
ule vorliegt in denen nur Kohlenstoff, Wasserstoff und
Stickstoff vorhanden sind ergeben sich f¨
ur die Molek¨
ule die Nitrogruppen enthalten signifikante Abwei-
chungen. Sowohl mit DFT als auch mit SDFTB und auch mit der INDO Methode werden f¨
ur die Stick-
stoffe in den Nitrogruppen sehr viel kleinere aNberechnet als experimentell gefunden werden. Da f¨
ur die
INDO Berechnungen eine andere Modellgeometrie zugrunde gelegt wurde als f¨
ur die DFT und SDFTB
Rechnungen scheidet diese als Ursache aus. Insbesondere zeigt eine Geometrieoptimierung mit DFT, daß
die mit SDFTB erhaltene Geometrie bis auf wenige Prozent mit dieser ¨
ubereinstimmt. Man muß also viel-
mehr davon ausgehen, daß keine der drei theoretischen Methoden ausreichend genau ist um die Spindichte
im Umfeld der Nitrogruppe, welche im neutralen Fall eine partielle Doppelbindung beinhaltet und daher
mit zwei Resonanzstrukturen veranschaulicht werden muß [Mur63], korrekt zu beschreiben.
Bei einer erneuten Analyse der Protonendaten in den Tabellen 3.1 und D.1 stellt man fest, daß auch die,
mit beiden Methoden berechneten, isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten der Protonen in den Nitro-
verbindungen sehr große Abweichungen aufweisen. Allerdings wird dieser Effekt von den noch gr¨
oßeren
Unterschieden zum Experiment f¨
ur kleine Molek¨
ule, wie Phenyl und Vinyl, ¨
uberdeckt.
3.2. ORGANISCHE MOLEK ¨
ULE
43
Tabelle 3.3: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aNf¨
ur Stickstoff in mT. Die Werte des Experiments (Spalte Exp.) sowie die in SDFTB, DFT
und INDO [PBD67] berechneten werden verglichen. Der Absolutwert des Spindichtematrixelements ρss in SDFTB wird ebenfalls angegeben. In
der Spalte ist f¨
ur die berechneten Werte von aNjeweils die Differenz zum experimentellen Wert in mT sowie, in Klammern, die prozentuale
Abweichung bezogen auf den experimentellen Wert aufgef¨
uhrt. F¨
ur die Molek¨
ule werden die Trivialnamen angegeben.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Nρss aSDFTB
NaDFT
NaINDO
N
C2H2N
4s-Tetrazin [PBD68] 0.53 0.0060 0.57 0.045 (8.5)0.48 0.051 (9.7)0.58
C4H4N
2Pyrazin [PBD68] 0.72 0.0092 0.88 0.159 (22.1)0.70 0.019 (2.6)0.83
C4H4N
2Pyridazin [PBD68] 0.59 0.0060 0.57 0.018 (3.0)0.52 0.070 (11.8)0.77
C7H5NBenzonitril [PBD68] 0.21 0.0024 0.23 0.018 (8.2)0.22 0.007 (3.2)0.24
C8H4N
2Phthalonitril [PBD68] 0.18 0.0018 0.17 0.008 (4.7)0.16 0.017 (9.2)0.19
C8H4N
2Isophthalonitril [PBD68] 0.10 0.0013 0.12 0.019 (18.8)0.10 0.001 (1.1)0.13
C8H4N
2Terephthalonitril [PBD68] 0.18 0.0019 0.18 0.004 (2.0)0.18 0.005 (2.8)0.20
C8H6N
21-5-Diazanaphthalin [PBD68] 0.34 0.0045 0.43 0.097 (28.9)0.31 0.025 (7.5)0.49
C8H6N
2Phthalazin [PBD68] 0.09 0.0002 0.02 0.068 (76.7)0.07 0.015 (16.6)0.03
C8H5NO
p-Cyanobenzaldehyd [PBD68] 0.14 0.0016 0.15 0.009 (6.5)0.14 0.000 (0.3)0.1
C6H5NO
2Nitrobenzen [PBD68] 1.03 0.0018 0.17 -0.862 (83.5)0.27 -0.763 (73.9)0.71
C7H5NO
3p-Nitrobenzaldehyd [PBD68] 0.58 0.0002 0.02 -0.560 (96.1)0.06 -0.519 (89.0)0.05
C6H4N2O
4m-Dinitrobenzen [PBD68] 0.47 0.0012 0.12 -0.351 (75.0)0.14 -0.326 (69.7)0.05
C6H4N2O
4p-Dinitrobenzen [PBD68] 0.17 0.0002 0.02 0.153 (88.0)0.02 0.157 (90.1)0.0
44
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
3.2.3 Zusammenfassung
Die obigen Ergebnisse zeigen, daß die SDFTB Methode zur Zuordnung und Vorhersage isotroper Hyper-
feinkopplungskonstanten ¨
ahnliche Beitr¨
age liefern kann wie eine mit sehr viel gr¨
oßerem Aufwand ver-
kn¨
upfte voll-selbstkonsistente DFT Rechnung. F¨
ur Protonen ergibt sich eine sehr gute ¨
Ubereinstimmung
mit dem Experiment, w¨
ahrend f¨
ur schwerere Kerne, wie Aufgrund der N¨
aherungen zu erwarten, gr¨
oßere
Abweichungen zum Experiment sichtbar werden. Das Beispiel der in Nitrogruppen enthaltenen Stickstof-
fatome zeigt jedoch besonders, daß SDFTB auch im Charakter der Abweichungen vom Experiment denen
der DFT entspricht.
Aufgrund der hier pr¨
asentierten Ergebnisse kann davon ausgegangen werden, daß f¨
ur molekulare Systeme
experimentelle Spindichten durch SDFTB befriedigend genau wiedergegeben werden. Insbesondere wird
die Ankopplung der s-Elektronen an den im allgemeinen in einem elektronischen π-System befindlichen
Spin durch die DFTB Methode in sehr verschiedenen molekularen Umgebungen gut beschrieben.
3.3 Festk¨
orper
Ein weiteres Anwendungsfeld der spinpolarisierten SDFTB Methode sind Defekte in Festk¨
orpern. Hier
sollen genauer Halbleiter betrachtet werden. Ein oft auftretender Fall ist dann symmetriebedingte Ent-
artung der Defektniveaus, wobei oft verschiedene Ladungszust¨
ande realisiert werden k¨
onnen. Dadurch
k¨
onnen ungepaarte Elektronenspins im System entstehen.
F¨
urdie BerechnungisotroperHyperfeinkopplungskonstantenmitder SDFTBMethodeergebensich gleich
mehrere Herausforderungen. Die betrachteten Kerne sind im allgemeinen schwerere Kerne mit im SDFTB
nicht ber¨
ucksichtigten core-Elektronen. Wie schon am Beispiel der Molek¨
ule gezeigt, ist eine Berechnung
der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur diese zwar m¨
oglich, es ist aber ein recht großer Fehler-
balken zu erwarten.
Ein implementierungsbedingtes Problem kann auch die Behandlung geladener Defekte innerhalb des
SDFTB Verfahrens sein. Der Festk¨
orper wird hier durch die sogenannte Superzellenmethode beschrie-
ben. Dabei werden periodische Randbedingungen auf eine Anzahl von Elementarzellen des Festk¨
orpers,
der Superzelle, angewandt um den unendlich ausgedehnten Festk¨
orper auf ein endliches System abzubil-
den. Befindet sich nun innerhalb einer solchen Superzelle eine ¨
Uberschußladung, so kommt es durch die
periodischen Randbedingungen zu einer Selbstwechselwirkung welche sich z. B. in den Gesamtenergi-
en niederschl¨
agt. Diese Selbstwechselwirkungen k¨
onnen im Prinzip durch eine kompensierende positive
Hintergrundladung (Jellium) und weitere Korrekturen eliminiert werden [MP95]. Eine solche Vorgehens-
weise wurde f¨
ur alle bisherigen Implementationen des DFTB Verfahrens nicht durchgef¨
uhrt, vielmehr
wird ohne Ladungskompensation gerechnet. Es ist zu pr¨
ufen ob eventuelle Differenzen zu DFT Resultaten
auf das Fehlen dieser Korrektur zur¨
uckzuf¨
uhren sind. Im ¨
Ubrigen gibt es hier noch ¨
uber die Implementie-
rung einer solchen Kompensation innerhalb von DFTB hinausgehende theoretische und technische Fragen
[GDR+03].
Einer der einfachsten denkbaren Defekte im Festk¨
orper ist die Vakanz. Im den folgenden Abschnitten sol-
len ausgehend von Vakanzen in einem homonuklearen Festk¨
orper die Vakanzen in einem heteronuklea-
ren Festk¨
orper untersucht werden, bevor am Schluß auf einen komplizierteren Antisite-Vakanz-Komplex
eingegangen wird. Allerdings sind selbst f¨
ur die Vakanzen in einem homonuklearen Festk¨
orper oft weder
Geometrien noch Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur alle theoretisch vorhergesagten Ladungszust¨
ande be-
kannt. Daher soll auch hier wieder vor allem mit DFT Resultaten verglichen werden. Als Referenz dienen
LSDA Ergebnisse des auf Greenschen Funktionen basierenden LMTO/ASA Verfahrens [GJA83, GAO00].
In diesem Verfahren kann auf eine Superzellenn¨
aherung verzichtet und stattdessen tats¨
achlich ein isolier-
ter Defekt in einem unendlich ausgedehnten Idealkristall betrachtet werden. Es wurde gezeigt, daß sich
mit diesem Verfahren bei der Berechnung isotroper wie auch anisotroper Hyperfeinkopplungskonstanten
sehr gute Ergebnisse erzielen lassen [Ger02].
F¨
ur die SDFTB Rechnungen wurden Superzellen mit 216 Atomen benutzt. Die k-Raum Integration be-
schr¨
ankte sich auf den Γ-Punkt bei k=0.
3.3. FESTK ¨
ORPER
45
3.3.1 Homonukleare Festk¨
orper
Sowohl Vakanzen in Diamant als auch in Silizium, welche beide in der Zinkblendestruktur kristallisieren,
sind experimentell und theoretisch vielfach untersuchte Systeme. Diese Materialien haben weiterhin den
Vorteil das ihre Kombination Siliziumkarbid SiC ein technologisch wichtiger Halbleiter und daher von
großem Interesse ist. Somit bieten sich diese Materialien also an, um das oben dargelegte Programm vom
einfachen zum komplizierten vorgehend zu verfolgen.
Allerdings ist dabei zu beachten, daß in beiden F¨
allen symmetrieerniedrigende Jahn-Teller Verzerrungen
[Ger02] aufgrund der Entartungen zu erwarten sind. Durch den Defekt wird in der Bandl¨
ucke des idealen
Kristalls ein t2Zustand (der Defekt hat lokal Tetraedersymmetrie) erzeugt. Dieser kann sechs Elektronen
aufnehmen, enth¨
alt jedoch im neutralen Ladungszustand nur zwei Elektronen. Dies f¨
uhrt im allgemei-
nen zum Einsetzen einer Jahn-Teller Verzerrung. Um ein gut definiertes Referenzsystem zu erhalten soll
hier der Defekt in der unrelaxierten Geometrie betrachtet werden. Dies vermeidet die sehr komplizierten
elektronischen und geometrischen Verh¨
altnisse die bei dieser Verzerrung auftreten k¨
onnen [Ger02].
Die Kohlenstoff- oder Siliziumatome im Kristallgitter sind sp3hybridisiert. Ein zentrales Atom besitzt
vier Bindungen zu seinen n¨
achsten Nachbarn welche durch diese sp3Hybridorbitale vermittelt werden.
Im Idealkristall sind darin acht Valenzelektronen enthalten (jeweils zwei gepaarte pro Bindung). Nur diese
werden im Defektmolek¨
ulmodell [CK57] betrachtet, welches im folgenden kurz erl¨
autert werden soll und
schon die grundlegenden Effekte qualitativ korrekt beschreibt.
Entfernt man das zentrale Atom samt seiner vier Valenzelektronen, so bleiben vier unges¨
attigte Bindun-
gen (dangling bonds) zur¨
uck. Betrachtet man nur die Wechselwirkung dieser dangling bonds und ver-
nachl¨
assigt die Wechselwirkungen mit dem umgebenden Kristall, so findet man, daß sich zwei linear
unabh¨
angige Linearkombinationen der dangling bonds ergeben. Eine ist gegen¨
uber der Ausgangssituati-
on energetisch abgesenkt und entspricht in der Punktsymmetrie des Defektes einer a1Darstellung, kann
also zwei Elektronen aufnehmen. Die andere Linearkombination entspricht einer t2Darstellung und hat
eine erh¨
ohte Energie. Sie kann mit maximal sechs Elektronen besetzt werden. Ber¨
ucksichtigt man nun
noch Spineffekte so werden die Niveaus, nicht verschwindenden Gesamtspin vorausgesetzt, noch einmal
aufgespalten.
Diese elektronischen Verh¨
altnisse einer solchen Vakanz in einem Kristall mit Zinkblendestruktur sind in
Abbildung 3.3 schematisch veranschaulicht, siehe dazu auch [Ger02]. In der Figur ist die Zahl der up-
Kristallfeldauf−
spaltung der
Defektniveaus
Spinaufspal−
tung der
Defektniveaus
kovalenter
Kristall
t2
a1
Energie
Abbildung 3.3: Schematische Darstellung der elektronischen Struktur einer Vakanz in einem Gitter mit Zink-
blendestruktur. Die Elektronen sind durch Pfeile angedeutet. An der linken Seite ist eine Energieskala angedeutet
w¨
ahrend an der rechten Seite die Symmetriebezeichungen der elektronischen Niveaus angegeben sind. Zur Kristall-
feldaufspaltung siehe auch Anhang F.
und down-Elektronen die das entsprechende Niveau aufnehmen kann durch Pfeile angedeutet. Das a1Ni-
veau befindet sich bei den hier betrachteten Systemen unterhalb des Fermi-Niveaus im Valenzband und
46
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
ist somit immer voll besetzt. Der zur t2Darstellung geh¨
orende Zustand befindet sich jedoch oft, abh¨
angig
von der Besetzung, in der Bandl¨
ucke der Halbleiter. Er ist beim neutralen Defekt mit den zwei nicht im
a1Niveau befindlichen verbliebenen Elektronen aus dem Defektmolek¨
ulmodell nicht voll besetzt. Es ist
also m¨
oglich, zus¨
atzliche Elektronen in diesen Zustand einzubringen (negative Ladung des Defektes) oder
Elektronen zu entfernen (positive Ladung des Defektes). Allerdings kann es sein, daß nicht alle Ladungs-
zust¨
ande realisiert werden k¨
onnen wenn das Niveau bei gegebener Besetzung unter die Valenzbandkante
gedr¨
uckt oder ¨
uber die Leitungsbandkante angehoben wird. Im folgenden sollen die isotropen Hyper-
feinkopplungskonstanten f¨
ur die Ladungszust¨
ande +1 bis -3 der Vakanz berechnet werden. In den beiden
anderen Ladungszust¨
ande +2 und -4 liegen keine ungepaarten Elektronen vor.
Diamant Silizium
LMTO/ASA [Ger] SDFTB LMTO/ASA [Ger] SDFTB
Ladung Pos. mit core ohne core mit core ohne core
(111) 3.82 4.88 4.04 3.65 3.85 3.69
+1 (220) 0.04 0.02 0.13 0.13 0.15 0.11
(331) 0.22 0.28 0.15 0.30 0.32 0.21
(111) 4.01 5.04 4.06 3.85 4.04 3.76
0 (220) 0.04 0.02 0.13 0.14 0.16 0.12
(331) 0.24 0.29 0.15 0.33 0.35 0.22
(111) 4.24 5.24 4.19 4.06 4.24 3.93
-1 (220) 0.03 0.02 0.12 0.16 0.18 0.14
(331) 0.25 0.31 0.16 0.35 0.39 0.23
(111) 4.48 5.44 4.40 4.25 4.42 4.29
-2 (220) 0.02 0.01 0.12 0.17 0.20 0.18
(331) 0.27 0.32 0.16 0.38 0.39 0.26
(111) 4.70 5.62 4.59 4.49 4.66 4.63
-3 (220) 0.02 0.01 0.12 0.19 0.21 0.22
(331) 0.29 0.34 0.16 0.41 0.42 0.28
Tabelle 3.4: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten im Umfeld der Vakanzen in Diamant und Silizium. Die Po-
sitionen der Atome sind in der zweiten Spalte angegeben. Die SDFTB Werte werden mit den Ergebnissen der
LMTO/ASA Rechnungen unter Verwendung der LSDA verglichen. Dabei sind sowohl die Werte unter Ber¨
ucksich-
tigung der core-Elektronen als auch unter alleiniger Ber¨
ucksichtigung der Valenzelektronen angegeben. Alle Werte
in mT.
In Tabelle 3.4 sind die berechneten isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur verschiedene Nachbarn
der Vakanzen in Silizium und Diamant angegeben. Wie schon f¨
ur die Molek¨
ule ist es auch hier notwen-
dig die Proportionalit¨
atskonstanten CCund CSi zur Umrechnung der Spindichten der SDFTB Methode
zu bestimmen. Dazu wurde an den LMTO/ASA Ergebnissen unter Einbeziehung der core-Elektronen
unter Annahme eines lineare Zusammenhangs ohne konstante Verschiebung gefittet. Man erh¨
alt dann
CC=50.28 mT undCSi=68.11 mT. Damit muß im Festk¨
orper f¨
urCC, um die Absolutwerte der LMTO/ASA
Rechnung zu reproduzieren, ein um ca. 30 % kleinerer Wert gew¨
ahlt werden als im molekularen Fall.
Die genaue Ursache konnte in der hier vorgestellten Untersuchung nicht ermittelt werden. Da die neu-
en Konstanten aber an Elementhalbleitern bestimmt wurden kann vermutet werden, daß die Ursache im
Charakter (z. B. Lokalisation der ungepaarten Elektronen, Kopplung von der atomaren 2p- an die atomare
2s-Schale) des Festk¨
orpersystems selbst und nicht etwa in der Materialkombination liegt.
Aufgrund der sehr beschr¨
ankten Zahl der Fitpunkte erscheint eine detaillierte statistische Betrachtung
nicht sinnvoll. Allerdings lassen sich einige qualitative Details direkt aus Tabelle 3.4 ablesen. Zum einen
kann man feststellen, daß die Vernachl¨
assigung der core-Elektronen in der LMTO/ASA Rechnung zu einer
Vergr¨
oßerung der Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten der (111) Nachbarn f¨
uhrt w¨
ahrend
die Werte f¨
ur die weiter entfernten (220) und (331) Nachbarn praktisch gleich bleiben. Die ¨
Anderung der
3.3. FESTK ¨
ORPER
47
Hyperfeinkopplungskonstante f¨
ur den (111) Nachbarn durch die Vernachl¨
assigung der core-Elektronen
bei ¨
Anderung des Ladungszustandes entspricht aber in guter N¨
aherung einer additiven Konstante. Da-
her kann davon ausgegangen werden, daß die Vernachl¨
assigung der core-Elektronen im SDFTB keinen
wesentlichen Einfluß auf das Ergebnis, d. h. die Differenzen zwischen den einzelnen Ladungszust¨
anden,
hat.
Die Variation der Spindichte auf dem (111) Nachbarn mit dem Ladungszustand in SDFTB ist in recht guter
¨
Ubereinstimmung mit den LMTO/ASA Vergleichswerten. Man findet eine Zunahme der isotropen Hyper-
feinkopplungskonstanten, allerdings ist diese verglichen mit den LMTO/ASA Ergebnissen f¨
ur Diamant
vom einfach positiven zum einfach negativen Ladungszustand etwas kleiner. Die isotropen Hyperfein-
kopplungskonstanten auf den (220) Nachbaratomen bleiben wie auch die der (331) Nachbarn praktisch
konstant. Beim Diamant sind die mit SDFTB berechneten Konstanten auf den (220) Nachbarn etwas zu
groß. Alle Abweichungen bewegen sich in dem schon von den Molek¨
ulen bekannten Abweichungsbereich
von rund 0.2 mT und k¨
onnen in sofern nicht als signifikant unterschiedlich vom Molek¨
ulfall oder von der
LMTO/ASA Referenz bezeichnet werden.
Experimentell sind zu den theoretischen Ergebnissen in Tabelle 3.4 nur zwei Werte bekannt. F¨
ur den
(111) n¨
achsten Nachbarn der einfach negative Vakanz in Diamant wurde ein Wert von 3.63 mT gemessen
[IKU+92], f¨
ur die positive Vakanz in Silizium ist dieser Meßwert -3.69 mT [Wat65]. Die Abweichun-
gen lassen sich gr¨
oßtenteils durch den Einfluß der hier nicht ber¨
ucksichtigten Gitterrelaxation erkl¨
aren
[KSG+01].
Zusammenfassend kann also davon ausgegangen werden, daß trotz der leichten Abweichungen im Dia-
mant in homonuklearen Festk¨
orpern eine zufriedenstellende Beschreibung der Spindichten und der Aus-
tauschkopplung der gepaarten an die ungepaarten Elektronen durch die SDFTB Methode m¨
oglich ist. Dies
gilt insbesondere da insgesamt nicht nur eine gute ¨
Ubereinstimmung f¨
ur den n¨
achsten sondern auch f¨
ur
den zweit- und drittn¨
achsten Nachbarn beobachtet wird.
3.3.2 Heteronukleare Festk¨
orper
Vakanzen in 3C-SiC
Als Beispiel f¨
ur einen heteronuklearen Festk¨
oper sollen Vakanzen im kubischen 3C Polymorph von Silizi-
umkarbid, 3C-SiC, betrachtet werden. Dabei ist entweder die Siliziumvakanz VSi oder die Kohlenstoffva-
kanz VCm¨
oglich. In beiden F¨
allen ist die elektronische Struktur des Defektes im Rahmen des Defektmo-
lek¨
ulmodels analog zu den Vakanzen in den homonuklearen Festk¨
orpern des Abschnitts 3.3.1 erkl¨
arbar.
Der einzige Unterschied ist, daß die verbleibenden vier n¨
achsten Nachbaratome der dem fehlenden Atom
entgegengesetzten Atomsorte angeh¨
oren.
In Tabelle 3.5 sind die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur den n¨
achsten und den ¨
ubern¨
achsten
Nachbarn der Vakanzen angegeben. Im Falle der VCist der n¨
achste Nachbar in Richtung (111) ein Silizi-
umatom w¨
ahrend der ¨
ubern¨
achste Nachbar, welcher in (220) Richtung liegt, ein Kohlenstoffatom ist. F¨
ur
die Siliziumvakanz VSi ist dies genau umgekehrt.
Man erkennt aus Tabelle 3.5 deutlich, daß wie auch im Fall der Vakanz in den Elementhalbleitern die
Spindichte vor allem an den n¨
achsten Nachbarn des Defektes lokalisiert ist. In diesem Punkt stimmen die
Ergebnisse beider Rechnungen ¨
uberein. Bei der Betrachtung des Verhaltens des Betrages der Hyperfein-
kopplungskonstanten in Abh¨
angigkeit vom Ladungszustand des Defektes stellt man hingegen qualitative
Unterschiede zwischen den LMTO/ASA und den SDFTB Ergebnissen fest. W¨
ahrend die Spindichte7auf
den (111) Nachbarn derVCbei Erh¨
ohung der Zahl der Elektronen (¨
Anderung der Ladung von +1 nach -2)
in der LMTO/ASA Rechnung erst zu und dann wieder abnimmt, findet man in der spinpolarisierten DFTB
Rechnung eine monotone Zunahme. Im Falle der VSi findet man ein entgegengesetztes Bild. Das Ergebnis
der LMTO/ASA Rechnung zeigt eine monotone Zunahme der Spindichte auf dem (111) n¨
achsten Nach-
barn. Mit der spinpolarisierten DFTB Methode erh¨
alt man zuerst eine Abnahme und dann wieder eine
7Hier wird nat¨
urlich nur der in die Berechnung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante eingehende Teil der Spindichte
erfasst.
48
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
VCVSi
LMTO/ASA [Ger] SDFTB LMTO/ASA [Ger] SDFTB
Ladung S1
zPos. mit core ohne core mit core ohne core
(111) 5.22 5.43 6.78 1.88 2.97 4.07
+1 2 (220) 0.29 0.37 0.21 0.16 0.16 0.41
(111) 5.33 5.53 7.12 2.09 3.06 3.34
0 1 (220) 0.30 0.37 0.21 0.15 0.15 0.34
(111) 5.16 5.35 7.28 2.26 3.21 3.15
-1 2/3 (220) 0.29 0.36 0.22 0.14 0.14 0.31
(111) 5.05 5.23 7.65 2.46 3.35 3.44
-2 1 (220) 0.28 0.35 0.23 0.14 0.14 0.31
(111) 2.69 3.51 3.69
-3 2 (220) 0.13 0.13 0.30
Tabelle 3.5: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten in mT f¨
ur den ersten und zweiten Nachbarn der Kohlenstoff-
vakanz und der Siliziumvakanz in 3C-SiC. In der LMTO/ASA Rechnung existiert der Ladungszustand -3 der VC
nicht, d. h. der t2Zustand liegt unterhalb der Valenzbandkante.
Zunahme der Spindichte. Auch f¨
ur die (220) Nachbarn der Vakanz zeigen sich Unterschiede zwischen
den beiden Rechnungen. Zwar erscheint es aufgrund der Kleinheit der Hyperfeinkopplungskonstanten
(sie sind im Bereich der bei Molek¨
ulen gefundenen Standardabweichung) nicht sinnvoll die ¨
Anderung
mit der Ladung des Defektes zu betrachten, allerdings weichen im Gegensatz zu den (111) Nachbarn die
Vorzeichen der (220) Nachbarn im Falle derVSi voneinander ab. Dies deutet auf eine Verlagerung von po-
sitiver Spindichte an eine andere Stelle, z. B. den (111) Nachbarn, hin, so daß, da die Zahl der ungepaarten
Elektronen konstant ist, negative Spindichte zur¨
uckbleibt.
Die Abweichungen lassen sich mit Hilfe der ebenfalls in Tabelle 3.5 angegebenen Kehrwerte des SzEr-
wartungswertes n¨
aher interpretieren. Dabei soll sich diese Diskussion auf die LMTO/ASA Ergebnisse mit
Ber¨
ucksichtigug der core-Elektronen beschr¨
anken, die LMTO/ASA Werte ohne core-Elektronen weisen
zwar bei der VSi eine quantitative aber in beiden F¨
allen keine qualitative ¨
Anderung auf. Zudem wurden
die Proportionalit¨
atskonstanten der SDFTB Methode an den Elementhalbleitern mit Ber¨
ucksichtigung der
core-Elektronen bestimmt. In der DFTB Methode ergibt sich der Wert der isotropen Hyperfeinkopplungs-
konstanten durch Multiplikation des Spindichtematrixelements mit eben diesen Proportionalit¨
atskonstan-
ten CAund dem Kehrwert von Sz, siehe Gleichung 3.7. W¨
ahrend CAsich f¨
ur die einzelnen Ladungs-
zust¨
ande in Tabelle 3.5 nicht ¨
andert zeigt S1
zeine recht große ¨
Anderung und nimmt insbesondere Werte
gr¨
oßer und kleiner Eins an. Damit werden die Werte f¨
ur die Ladungszust¨
ande +1 und -3 gegen¨
uber 0 und
+2 angehoben w¨
ahrend -1 demgegen¨
uber abgesenkt wird.
Der genaue Verlauf der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten, d. h. ob sie einen monotonen Verlauf
bei ¨
Anderung des Ladungszustandes zeigen oder nicht, h¨
angt damit sowohl vom Absolutwert des Spin-
dichtematrixelements an einer Stelle als auch von der ¨
Anderung desselben mit dem Ladungszustand ab.
In Abbildung 3.4 sind f¨
ur die beiden Vakanzen sowohl die Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskon-
stanten an den n¨
achsten Nachbarn als auch die mit Szmultiplizierten Werte gezeigt. Man erkennt, daß der
Verlauf der mit Szmultiplizierten Werte von SDFTB im Vergleich zur LMTO/ASA Rechnung qualitativ
korrekt wiedergegeben wird. Bei zunehmender Anzahl von Elektronen nimmt der Wert von SzaCbzw.
SzaSi von links nach rechts erst zu und dann wieder ab. Dies entspricht der Zahl der ungepaarten Elektro-
nen im System. Auch das leichte Abknicken zwischen den Ladungszust¨
anden -1 und -3 in den SDFTB
Ergebnissen f¨
ur dieVSi findet man, wenn auch im kleineren Umfang, in den LMTO/ASA Referenzwerten.
3.3. FESTK ¨
ORPER
49
Ladungszustand
a / mT
C
Sz*
a / mT
C
Sz*
Si
V
C
V SiliziumvakanzKohlenstoffvakanz
Ladungszustand
Ladungszustand
/ mT/ mT
Si
aSi
a
Ladungszustand
2
9
10
11
+1 0 −1 −2
+1 0 −1 −2
DFTB
7
6
5
4
3
2
11
10
0
1
2
3
4
5
0
1
2
3
4
5
+1 −1 −2
+1 0 −1 −2 −3
0 −3
DFTB
DFTB
9
8
DFTB
LMTO/ASA LMTO/ASA
LMTO/ASALMTO/ASA
7
6
5
4
3
8
Abbildung 3.4: Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten (unten) und mit Szmultiplizierte Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten (oben) der
n¨
achsten Nachbarn der Kohlenstoffvakanz (links) und der Siliziumvakanz (rechts) in 3C-SiC. Die LMTO/ASA Ergebnisse beinhalten die core-Elektronen.
50
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Festzustellen ist jedoch, daß die SDFTB Werte f¨
ur SzaCbzw. SzaSi gr¨
oßer sind als die LMTO/ASA Werte.
Dies soll weiter unten an einem Molek¨
ulmodell weiter untersucht werden. Diese ¨
Ubersch¨
atzung f¨
uhrt
letztendlich zu dem qualitativ unterschiedlichen Verhalten der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten,
was insbesondere an den Daten f¨
ur VSi deutlich wird. Obwohl die Steigung der beiden Kurven f¨
ur SzaC
im Bereich +1 bis -1 sehr ¨
ahnlich ist ergibt sich ein qualitativ unterschiedlicher Verlauf der isotropen
Hyperfeinkopplungskonstante aC. F¨
ur den Ladungszustand +1 ist S1
z=2, so daß dieser Wert bezogen
auf den neutralen Ladungszustand angehoben wird w¨
ahrend -1 abgesenkt wird da dann S1
z=2/3 ist. F¨
ur
die LMTO/ASA Werte gleicht sich dies gerade so aus, daß sich ein monotoner Anstieg der aCergibt. Die
SDFTB Werte sind aber etwa doppelt so groß was dazu f¨
uhrt, daß aCf¨
ur den neutralen Ladungszustand
kleiner als aCf¨
ur den einfach positiven Ladungszustand ist. Entsprechendes gilt f¨
ur den einfach negativen
Ladungszustand.
Aus Tabelle 3.5 ergibt sich, daß der Einfluß der core-Elektronen nur zum Teil die Abweichungen in den
Betr¨
agen der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante zwischen den beiden Methoden erkl¨
aren kann, da
der Betrag der ¨
Anderung zu klein ist. Außerdem wurden die in der SDFTB Methode ben¨
otigten Propor-
tionalit¨
atskonstanten CCund CSi unter Ber¨
ucksichtigung der core-Elektronen im homonuklearen System
bestimmt. Hier sind also weitere Untersuchungen notwendig. Dies soll im n¨
achsten Abschnitt geschehen.
Vakanzen im Molek¨
ulmodell
Im folgenden soll versucht werden zu kl¨
aren, warum f¨
ur die homonuklearen Festk¨
orper eine sehr gute
qualitative ¨
Ubereinstimmung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten vorliegt w¨
ahrend f¨
ur hetero-
nukleare Systeme offensichtliche Unterschiede erkennbar sind. Die Ursache f¨
ur die im Vergleich zu den
LMTO/ASA Referenzdaten zu großen Absolutwerte vonSzaCbzw. SzaSi, Abschnitt 3.3.2, kann in den Pro-
portionalit¨
atskonstanten CAoder in den Mulliken-Spinpopulationen des SDFTB Verfahrens liegen, siehe
Gleichung 3.7. W¨
ahrend es nicht m¨
oglich ist die CAzu verifizieren, soll versucht werden die Mulliken-
Spinpopulationen zu ¨
uberpr¨
ufen.
Allerdings ist zuerst ein geeigneter Vergleich zu finden, da die einem Atom in einem Festk¨
orper oder Mo-
lek¨
ul zugeordnete Elektronenpopulation eine schlecht definierte Gr¨
oße ist. Das bez¨
uglich der SDFTB Me-
thode intrinsische Maß f¨
ur die einem Atom zugeordnete Population sind die Mulliken-Populationen, siehe
Abschnitt 1.4.2. Diese sind eine, wenn ¨
uberhaupt, nur f¨
ur minimale Basiss¨
atze, wie sie in SDFTB verwen-
det werden, sinnvolle Gr¨
oße. Bei Verwendung gr¨
oßerer Basiss¨
atze mit zus¨
atzlichen Polarisationsfunktio-
nen und vor allem diffusen Funktionen ist seit langem bekannt, daß die Populationsanalyse nach Mulliken
teilweise physikalisch unsinnige Populationen liefert und somit kein geeignetes Maß ist [SK81, RWW85].
Die LMTO/ASA Methode, siehe f¨
ur Details [Ger02], beruht auf einer Zelleinteilung des Raumes. In den
die Atome enthaltenden Zellen werden vollnumerisch bestimmte Basisfunktionen mit im Prinzip beliebig
hohen Drehimpulsen verwendet. Eine der Mulliken-Population ¨
aquivalente Gr¨
oße ist somit nicht definier-
bar. Nur die durch Integration der Elektronendichte in den Zellen erhaltenen Elektronenzahlen zug¨
anglich.
Zwar ist dies auch im SDFTB Verfahren m¨
oglich (die Elektronendichte ergibt sich mit den Wellenfunkti-
onskoeffizienten aus den Basisfunktionen), aber dies ist nicht das Maß f¨
ur die Population welches in den
Hamiltonoperator eingeht. Insofern gibt es keine a priori als gut erkennbare M¨
oglichkeit Populationen
und Populationsdifferenzen zwischen den beiden Verfahren zu vergleichen.
Auch Programme welche auf ebenen Wellen als Basisfunktionen beruhen lassen keinen Vergleich mit
Mulliken-Populationen zu. Daher bleibt nur der Vergleich mit Ergebnissen von Rechnungen welche einen
lokalisierten Basissatz benutzen. Hier kann eine sogenannte STO-3G Basis [SO89] verwendet werden, in
der jedem Atomorbital ein Slaterorbital zugeordnet ist, welches wiederum durch eine Linearkombination
von drei Gaußorbitalen dargestellt wird. Da keine Polarisationsfunktionen oder diffusen Funktionen hin-
zugef¨
ugt wurden handelt es sich um eine minimale Basis. Durch eine solche minimale Basis ergeben sich
zwar Probleme in der Beschreibung von Bandl¨
ucken und Energetiken [SO89], es ist jedoch zu erwarten
das Elektronenverteilungen mit ausreichender Genauigkeit wiedergegeben werden. Dies muß insbesonde-
re unter dem Gesichtspunkt gesehen werden, daß in SDFTB ebenfalls eine minimale Basis ohne Polari-
sationsfunktionen oder diffuse Funktionen benutzt wird (die Vernachl¨
assigung der core-Elektronen spielt
3.3. FESTK ¨
ORPER
51
hier kein Rolle).
Zentralatom
(111)
Nachbar
(111)
Nachbar
Abbildung 3.5: Das verwendete Molek¨
ulmodell f¨
ur den 3C-SiC Idealkristall mit einem Kern aus 71 Atomen
Silizium und Kohlenstoff. Das Zentralatom wird zur Modellierung der Vakanz entfernt. Einer der vier n¨
achsten
Nachbarn in (111) Richtung ist gekennzeichnet, die (220) ¨
ubern¨
achsten Nachbarn schließen sich daran an. Kohlen-
stoffatome sind als kleine dunkle Kugeln und Siliziumatome durch große helle Kugeln dargestellt, die abs¨
attigenden
Wasserstoffatome durch kleine weiße Kugeln.
Als Programm f¨
ur diese Rechnungen soll wieder das schon f¨
ur die Molek¨
ule verwendete Programm Gaus-
sian 98 [Gau98] genutzt werden (in den momentan verf¨
ugbaren Versionen steht kein speziell f¨
ur die Be-
schreibung der core-Elektronen des Siliziums optimierter Basissatz wie im Falle des Kohlenstoffs zur
Verf¨
ugung). Mit diesem Programm ist es allerdings nicht m¨
oglich Rechnungen mit periodischen Rand-
bedingungen durchzuf¨
uhren. Daher muß auf ein Molek¨
ulmodell bestehend aus 71 Atomen Silizium und
Kohlenstoff plus einer Abs¨
attigung der freien Bindungen an der Oberfl¨
ache durch Wasserstoff zur¨
uckge-
griffen werden, siehe Abbildung 3.5. Die Geometrie des SiC Kerns entspricht dabei den experimentellen
Werten f¨
ur den 3C-SiC Idealkristall. Es k¨
onnen dann sowohl Mulliken-Populationen8sowie nach Formel
3.6 berechnete isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten bestimmt werden, wobei hier einschr¨
ankend noch
einmal auf die recht schlechte Beschreibung der core-Elektronen durch die STO-3G Basis hingewiesen
sei. Als Funktional wird hier ein LSDA Funktional benutzt.
Die Einschr¨
ankung auf einen minimalen Basissatz macht eine Behandlung der VSi unm¨
oglich. Im Gegen-
satz zur VCkommt es dort in der DFT Rechnung zu einer symmetriebrechenden Ladungs- und Spinlo-
kalisation auf einem der vier eigentlich ¨
aquivalenten n¨
achsten Nachbarn. Dies hat seine Ursache in der
sehr viel kleineren r¨
aumlichen Ausdehnung der Kohlenstoff 2p Orbitale im Vergleich zu den Silizium 3p
Orbitalen. W¨
ahrend der Erwartungswert des Ortsoperators f¨
ur das 2p Orbital des Kohlenstoffs 1.71 aB
betr¨
agt ist er f¨
ur das Silizium 3p Orbital 2.75 aB[FF77]. Dies f¨
uhrt im Falle der Siliziumvakanz zu einem
sehr viel geringeren ¨
Uberlapp der atomaren Hybridorbitale als im Fall der Kohlenstoffvakanz. Um eine
8Es ist mit diesem Programm im Prinzip auch m¨
oglich eine Natural Population Analysis basierend auf Natural Atomic
Orbitals durchzuf¨
uhren [RWW85, RW85, RCW85]. Dies eliminiert den direkten Einfluß des Basissatzes, jedoch nicht basissat-
zinduzierte Unterschiede in der selbstkonsistenten Elektronendichte, aus der Populationsanalyse. Diese Populationen sind inso-
fern direkt mit Mulliken-Populationen vergleichbar, als das sie bei Verwendung einer minimalen Basis praktisch identisch sind
[RWW85, RW85, RCW85]. Leider ist selbst das hier verwendete vergleichsweise kleine Molek¨
ulmodell f¨
ur eine Berechnung
dieser Art mit der momentanen Programmversion von Gaussian98 zu groß.
52
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
ausreichende numerische Stabilit¨
at zu erzielen w¨
are eine sehr viel gr¨
oßere Basis mit diffusen Funktionen
notwendig. In den SDFTB Rechnungen tritt das Problem nicht auf. Die folgenden Vergleichsrechnungen
beschr¨
anken sich daher auf dieVC.
Ladung S
z1 LMTO/ASA [Ger] LSDA/STO-3G [Gau98] SDFTB
aDFT
Si /mT aDFT
Si /mT pspspspsMol. pspsFK
+1 2 -5.22 -6.29 0.038 0.033 0.032
0 1 -5.33 -6.98 0.085 0.068 0.066
-1 2/3 -5.16 -7.73 0.144 0.107 0.103
-2 1 -5.05 -8.42 0.106 0.075 0.072
Tabelle 3.6: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten sowie Differenzen zwischen den Mulliken-Spinpopulationen
der s-Valenzelektronen (psps) f¨
ur das Molek¨
ulmodell der VCin verschiedenen Ladungszust¨
anden. Im Fall der
SDFTB Ergenisse ist zus¨
atzlich zum Wert im Molek¨
ulmodell, Spalte “Mol.”, noch der Wert im Festk¨
orper, Spalte
“FK”, angegeben.
In Tabelle 3.6 sind f¨
ur die verschiedenen Ladungszust¨
ande der VCsowohl isotrope Hyperfeinkopplungs-
konstanten aus der LMTO/ASA und der Gaussian 98 Rechnung (STO-3G Basissatz, LSDA Funktional)
als auch die Differenzen der Mulliken-Spinpopulationen der s-Valenzorbitale angegeben. F¨
ur die SDFTB
Ergebnisse ist es m¨
oglich die Populationsdifferenzen im Molek¨
ul mit denen im Festk¨
orper zu vergleichen.
Diese sind in hervorragender ¨
Ubereinstimmung was darauf hindeutet, daß das Molek¨
ulmodell eine ausrei-
chende Gr¨
oße f¨
ur die Beschreibung der Vakanz im Rahmen der spinpolarisierten DFTB Methode besitzt.
Damit wird auch deutlich, daß die in der Superzelle vorhandene ¨
Uberschußladung die SDFTB Ergebnisse
f¨
ur die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten nicht beeinflußt.
Der Vergleich zwischen den SDFTB und Gaussian 98 Populationsdifferenzen zeigt eine noch befriedigen-
de ¨
Ubereinstimmung. Es ist festzustellen, daß in der DFT Rechnung mit der minimalen Basis sogar noch
gr¨
oßere Differenzen erhalten werden als mit SDFTB. Bei einer Berechnung der isotropen Hyperfeinkopp-
lungskonstanten aus den Spindichtematrixelementen der Gaussian 98 Rechnung w¨
urde man also auch eine
monotone ¨
Anderung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante im Gegensatz zum LMTO/ASA Ergeb-
nis erhalten. Erstaunlich ist, daß auch die durch Berechnung des Ausdrucks 3.6 direkt aus der r¨
aumlichen
Elektronendichte erhaltene isotrope Hyperfeinkopplungskonstante in dieser Rechnung monoton ansteigt.
Wie schon in Abschnitt 3.1.1 erw¨
ahnt wurde zeigen die in KS-DFT berechneten isotropen Hyperfein-
kopplungskonstanten insbesondere f¨
ur schwerere Atome oft eine starke Abh¨
angigkeit vom Basissatz und
vom verwendeten Dichtefunktional. In Tabelle 3.7 werden daher die Ergebnisse von Gaussian 98 Rech-
nungen mit verschiedenen Dichtefunktionalen und Basis¨
atzen den LMTO/ASA und SDFTB Ergebnissen
f¨
ur den Festk¨
orper gegen¨
ubergestellt. Dabei wurden sowohl LSDA Funktionale als auch das schon f¨
ur
die organischen Molek¨
ule verwendete B3LYP [Bec93] Hybridfunktional mit einbezogen. Die Basiss¨
atze
reichen von der schon erw¨
ahnten minimalen STO-3G Basis ¨
uber eine 6-31G* Basis, bei der jedes core-
Orbital durch eine kontrahierte Linearkombination aus 6 Gaußorbitalen dargestellt wird [SO89], bis zu
der D95 [DJH77] Basis die auch f¨
ur core-Orbitale double-zeta Charakter hat, also die beste Beschreibung
der core-Elektronen liefern sollte.
Man kann aus den Daten in Tabelle 3.7 deutlich erkennen, daß der Einfluß des Dichtefunktionals be-
tr¨
achtlich ist, die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten ¨
andern sich um bis zu 1.48 mT bei der 6-31G*
Basis. Eine Vergr¨
oßerung des Basissatzes ausgehend von der minimalen STO-3G Basis f¨
uhrt nicht in allen
F¨
allen zu einer Abnahme des Betrages der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante, allerdings kommen
die Betr¨
age in den Bereich der LMTO/ASA Referenzrechnung. Es kann also vermutet werden, daß die zu
großen Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten in der SDFTB Rechnung auf Basissatzeffek-
te oder Effekte der nicht-Selbstkonsistenz bei der Berechnung der Matrixelemente des Hamiltonoperators
nullter Ordnung zur¨
uckzuf¨
uhren sind9. Insbesondere findet man in allen Gaussian 98 DFT Rechnungen
9Die Elektronendichte im DFTB Verfahren wird maßgeblich durch den Hamiltonoperator nullter Ordnung bestimmt, die Ef-
3.3. FESTK ¨
ORPER
53
Funktional Ladung LMTO/ASA [Ger] STO-3G 6-31G* D95 SDFTB
+1 -5.22 -6.29 -4.38 -5.32 -6.78
LSDA 0 -5.33 -6.98 -4.5 -5.57 -7.12
-1 -5.16 -7.73 -4.51 -5.63 -7.28
-2 -5.05 -8.42 -7.65
+1 -6.28 -4.70 -5.89 -6.78
B3LYP 0 -6.89 -5.17 -6.55 -7.12
-1 -7.62 -5.53 -7.11 -7.28
-2 -8.46 -7.54 -7.65
Tabelle 3.7: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur das Molek¨
ulmodell der VCin verschiedenen Ladungs-
zust¨
anden in mT. Es wurden verschiedene Dichtefunktionale (LSDA und B3LYP) sowie, in den Gaussian 98 Rech-
nungen, verschiedene Basiss¨
atze (STO-3G [SO89], 6-31G* [SO89] und D95 [DJH77]) verwendet. Beim Ladungs-
zustand -2 konnte teilweise keine Konvergenz der DFT Rechnungen erreicht werden. F¨
ur die LMTO/ASA Rechnung
stand nur ein LSDA Funktional zur Verf¨
ugung. In den Spalten LMTO/ASA und SDFTB sind die Werte des Defektes
im Festk¨
orpers angegeben.
eine Zunahme der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten im Einklang mit dem SDFTB Ergebnis. Dies
steht im Widerspruch zum LMTO/ASA Resultat f¨
ur den Defekt im Festk¨
orper. Dieser Unterschied kann
hier jedoch nicht weiter untersucht werden.
Nach diesen Ergebnissen ist davon auszugehen, daß die SDFTB Methode das im Rahmen der ihr eigenen
N¨
aherungen beste Ergebnis liefert. Die Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten liegen im
Schwankungsbereich der DFT Ergebnisse und auch der Trend mit ¨
Anderung des Ladungszustandes ist im
Einklang mit den DFT Ergebnissen f¨
ur das Molek¨
ulmodell. Ein klarer Grund f¨
ur die Unterschiede zur LM-
TO/ASA Referenzrechnung kann leider nicht angegeben werden. Vielmehr zeigt dieses negative Ergebnis,
daß man die Abweichungen zur LMTO/ASA Methode, welche im allgemeinen isotrope und anisotrope
Hyperfeinkopplungskonstanten mit hoher Pr¨
azision und Vorhersagesicherheit liefert, nicht ¨
uberbewerten
darf.
CSi VCDefektkomplex in 3C-SiC
Im bisherigen Verlauf dieses Abschnitts stellte sich heraus, daß in homonuklearen Festk¨
orpern zwar ei-
ne hohe Genauigkeit erreicht werden kann, in heteronuklearen Systemen aber Abweichungen auftreten
k¨
onnen die das qualitative Ergebnis einer Rechnung stark beeinflussen. Jedoch handelt es sich bei den
Vakanzen, obwohl die Geometrie des Defektes sehr einfach ist, um Systeme deren elektronische Struktur
schwer zu beschreiben ist wie obige Ergebnisse demonstrieren.
Im folgenden soll das Beispiel des CSi VCDefektkomplexes in hexagonalem 6H-SiC Siliziumkarbid
betrachtet werden. Dabei liegt eine Kohlenstoffvakanz vor die einem Kohlenstoffatom auf einem Silizi-
umplatz direkt benachbart ist. Dieser Defekt besitzt also eine relativ komplizierte Geometrie, allerdings ist
auch eine klare Abh¨
angigkeit der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten von der Ladung festzustellen
wie im folgenden gezeigt wird.
Aufgrund experimenteller Ergebnisse und theoretischer ¨
Uberlegungen [LGWS+01] wurde der Defekt im
neutralen und im zweifach positiven Ladungszustand jeweils mit Triplettbesetzung betrachtet. Da diese
angeregten elektronischen Vielteilchenzust¨
ande durch ihre Symmetrie von anderen Vielteilchenzust¨
anden
getrennt sind bleibt die Dichtefunktionaltheorie in der Formulierung nach Kohn und Sham anwendbar
[LGWS+01, vB79].
fekte der Selbstkonsistenz sind formal kleine Korrekturen. Die Referenzdichte ¨
andert sich w¨
ahrend der Rechnung nicht mehr.
Hingegen beeinflußt ein Basissatzwechsel in einer voll-selbstkonsistenten DFT Rechnung sowohl die Darstellung der Elektro-
nendichte als auch die Elektronendichte selbst (aufgrund der Selbstkonsistenz). Dieser Effekt kann im DFTB Verfahren nicht
wiedergegeben werden.
54
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Die Geometrie des Defektkomplexes ohne Ber¨
ucksichtigung der Gitterrelaxation ist in Abbildung 3.6 ge-
zeigt. Diese Geometrie wurde unter Verwendung der SDFTB Methode ohne Ber¨
ucksichtigung der Spin-
Abbildung 3.6: Der CSi VCDefektkomplex in 6H-SiC. Gezeigt ist die unrelaxierte Geometrie, zur relaxierten
Geometrie siehe [LGWS+01]. Die Position der Vakanz ist durch einen offenen Kreis angedeutet, die Atome f¨
ur die
isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten berechnet wurden sind durch Zahlen gekennzeichnet. Kohlenstoffatome
sind dunkel als kleine Kugeln, Siliziumatome hell als große Kugeln dargestellt.
polarisation aber in der korrekten Triplettbesetzung relaxiert [LGWS+01]. Auch f¨
ur diese relaxierte Geo-
metrie wurden isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten berechnet, so daß sich auch die Beschreibung des
Einflußes einer Geometrie¨
anderung auf die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten im Festk¨
orper un-
tersuchen l¨
aßt.
Die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten f¨
ur den neutralen Defekt sind in Tabelle 3.8 wiedergegeben.
Man kann deutlich erkennen, daß der Spin an den n¨
achsten Siliziumnachbarn der Vakanz (Atom Nummer
1) und am auf der Siliziumposition befindlichen Kohlenstoffatom (Atom Nummer 2) lokalisiert ist. Die
Werte f¨
ur die anderen Atome sind um eine Gr¨
oßenordnung geringer. W¨
ahrend die spinpolarisierte DFTB
Rechnung auf dem Siliziumatom Nummer 1 eine leicht h¨
ohere isotrope Hyperfeinkopplungskonstante
ergibt als die LMTO/ASA Rechnung wird f¨
ur das Kohlenstoffatom Nummer 2 eine deutlich kleinere
isotrope Hyperfeinkopplungskonstante berechnet.
unrelaxiert relaxiert
Atom Nummer LMTO/ASA [KSG+01] SDFTB LMTO/ASA [KSG+01] SDFTB
Si 1 4.85 5.32 5.35 5.64
C 2 7.06 5.89 3.10 3.64
C 3 0.25 0.18 0.21 0.25
Si 4 0.01 0.05 0.14 0.05
Si 5 0.34 0.13 0.89 0.86
Tabelle 3.8: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten des CSi VCDefektes im neutralen Ladungszustand. Die
Atomnummern entsprechen denen in Abbildung 3.6.
Die Relaxation (Geometrieoptimierung) des Defektes f¨
uhrt dann zu einer deutlichen Abnahme des Be-
trages der isotropen Hyperfeinkopplungskonstante des Kohlenstoffatom und einer leichten Zunahme der-
selben f¨
ur das Siliziumatom. Diese ¨
Anderung wird von SDFTB qualitativ richtig wiedergegeben, es ist
3.4. NUMERISCHE BETRACHTUNGEN
55
sogar eine etwas bessere quantitative ¨
Ubereinstimmung verglichen mit den Daten der unrelaxierten Struk-
tur festzustellen. Die Werte der weiter entfernten Atome 3 bis 5 weisen keine nennenswerten ¨
Anderungen
auf.
F¨
ur den zweifach positiven Ladungszustand sind die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten in Tabelle
3.9 angegeben. Sowohl f¨
ur die relaxierte als auch f¨
ur die unrelaxiert Defektgeometrie ist zu erkennen,
daß die isotrope Hyperfeinkopplungskonstante des Siliziumatoms in n¨
achster Nachbarschaft zur Vakanz
deutlich abnimmt. Die beiden entfernten Elektronen waren also dort lokalisiert. Hingegen bleibt der Wert
f¨
ur das Kohlenstoffatom mit der Nummer 2 praktisch konstant verglichen mit der entsprechenden Geome-
trie beim neutralen Defekt. Auch hier herrscht eine gute ¨
Ubereinstimmung zwischen den SDFTB und den
LMTO/ASA Resultaten.
unrelaxiert relaxiert
Atom Nummer LMTO/ASA[KSG+01] SDFTB LMTO/ASA[KSG+01] SDFTB
Si 1 0.86 0.41 0.57 0.18
C 2 6.78 5.96 3.21 3.60
C 3 0.11 0.14 0.04 0.25
Si 4 +0.00 0.05 0.07 0.07
Si 5 0.43 0.14 0.79 0.82
Tabelle 3.9: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten desCSi VCDefektes im zweifach positiven Ladungszustand.
Die Atomnummern entsprechen denen in Abbildung 3.6.
Insgesamt ist also festzustellen, daß f¨
ur diesen Defekt eine sehr gute Beschreibung des Verhaltens
der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten durch die SDFTB Methode verglichen mit den voll-
selbstkonsistenten LMTO/ASA Rechnungen gefunden wird obwohl sich f¨
ur die Vakanzen im heteronu-
klearen Fall Abweichungen ergaben. Dies wird durch zwei Faktoren bedingt. Zum einen ist die qualitative
¨
Anderung der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten bei Umladung sehr viel deutlicher als bei den Va-
kanzen. Zum anderen liegt hier in beiden F¨
allen ein Triplettzustand vor, so daß der bei den Vakanzen
vorhandene Einfluß des Vorfaktors S1
zherausf¨
allt.
Zus¨
atzlich wird auch der Einfluß der Geometrie¨
anderung, welcher nicht mit der Ladungs¨
anderung ver-
kn¨
upft ist, korrekt beschrieben. Dies weist auf eine sehr gute Beschreibung der Spindichte und ihrer
Kopplung an die s-Valenzelektronen in der SDFTB Methode bei diesem Defekt hin.
3.4 Numerische Betrachtungen
Im letzten Abschnitt dieses Kapitels soll versucht werden zu kl¨
aren, wie stark die berechneten Eigenschaf-
ten von Molek¨
ulen und Festk¨
orpern vom genauen Wert der Konstanten WAll0abh¨
angen. Abgesehen von
der prinzipiellen Bedeutung dieser Frage vom Standpunkt der Methodenentwicklung aus ergeben sich aus
den vorherigen Kapiteln ganz konkrete Gr¨
unde diese Frage zu stellen.
Im Kapitel 2 wurde gezeigt, daß die qualitativen Effekte der Spinpolarisation auf Eigenwerte und Gesamt-
energien durch die spinpolarisierte DFTB Methode korrekt wiedergegeben werden. Allerdings zeigte sich
insbesondere am Beispiel des CH2Molek¨
uls im Abschnitt 2.4, daß der Energiegewinn durch die Spin-
polarisation in der spinpolarisierten DFTB Methode systematisch untersch¨
atzt wird. Zwar konnte dort
gezeigt werden, daß dies im Falle des CH2Molek¨
uls durch Unterschiede in den Einteilchenniveaus zur
voll-selbstkonsistenten DFT bedingt ist. Dies erkl¨
art aber nicht die Abweichungen beim O2Molek¨
ul wel-
ches einen Triplett Grundzustand besitzt. Hier kann nur vermutet werden, daß in der SDFTB Methode
Austausch-Korrelations Beitr¨
age nicht korrekt ber¨
ucksichtigt werden. Man k¨
onnte jedoch versucht sein,
den Betrag der Konstanten WAll0so weit zu vergr¨
oßern das die ¨
Anderung der Gesamtenergie korrekt be-
schrieben wird. Dies f¨
uhrt dann aber zwangsl¨
aufig auf die Frage, welchen Preis man an anderer Stelle
daf¨
ur zahlt.
56
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Eine ¨
Anderung der WAll0hat immer auch eine ¨
Anderung der Spindichten und Austauschkopplungen und
damit der Spindichtematrixelemente zur Folge. Dies bietet die M¨
oglichkeit direkt durch Vergleich mit
den Referenzergebnissen und dem Experiment herauszufinden, was eine ¨
Anderung tats¨
achlich bewirkt.
Dabei bieten sich als Vergleich insbesondere in¨
aquivalente Protonen an. Das Verh¨
altnis der Betr¨
age der
isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten ist zum einen charakteristisch f¨
ur das System und zum anderen
wird durch die Verh¨
altnisbildung die dem SDFTB Ansatz eigenen Proportionalit¨
atskonstante CA, siehe
Gleichung 3.7, aus der Diskussion entfernt. Diese kann sich dann auf die Spindichtematrixelemente der
s-Valenzelektronen beschr¨
anken. Im Zuge dieser Untersuchung kann auch detailliert darauf eingegangen
werden, wie sich die Einzentrenn¨
aherung im Spinpolarisationsanteil des Hamiltonoperators auf die Spin-
dichtematrixelemente der Molek¨
ule auswirkt.
Die Untersuchung soll sich aber auf den einfachsten denkbaren Ansatz, die Multiplikation aller WAll0mit
demselben Vorfaktor, beschr¨
anken. Hier sollen die Auswirkungen einer ¨
Anderung der WAll0auf Molek¨
ule
untersucht werden. Dabei sollen Phenyl (C6H5), Naphthalin (C10H
8) und Anthrazen (C14H+
10), siehe Ta-
belle 3.1, als konkrete Testsysteme dienen. Beim Phenyl liegen sehr große isotrope Hyperfeinkopplungs-
konstanten vor w¨
ahrend in Naphthalin und Anthrazen das im π-System befindliche ungepaarte Elektron
stark delokalisiert ist. Besonders f¨
ur ein solches delokalisertes System w¨
are ein starker Effekt der Einzen-
trenn¨
aherung im Hamiltonoperator zu erwarten.
In Tabelle 3.10 sind die Gesamtenergien dieser Molek¨
ule in Abh¨
angigkeit vom verwendeten Hamilton-
operator, siehe Kapitel 2, und im Abh¨
angigkeit vom Wert der WAll0angegeben. Dabei bedeutet ein Faktor
1.0, daß die in Anhang C angegebenen Konstanten, wie im gesamten vorherigen Teil dieses Kapitels, Ver-
wendung fanden. Die Spalte “Faktor 2.0” enth¨
alt dann die Werte, welche sich durch Verdoppelung der in
Anhang C enthaltenen Konstanten WAll0ergeben. Entsprechendes gilt f¨
ur die mit “Faktor 0.5” bezeichnete
Spalte. Wie klar zu erkennen ist ergeben sich keine Unterschiede in der Gesamtenergie durch die Einzen-
Faktor 1.0 Faktor 2.0 Faktor 0.5
SDFTB III SDFTB I SDFTB III SDFTB I SDFTB III SDFTB I
C6H5-12.074 -12.074 -12.088 -12.089 -12.070 -12.070
C10H
8-20.189 -20.189 -20.192 -20.192 -20.188 -20.188
C14H+
10 -27.548 -27.548 -27.551 -27.551 -27.547 -27.547
Tabelle 3.10: Gesamtenergien in Hartree von organischen Radikalen bei Verwendung der Ans¨
atze SDFTB III
und SDFTB I, siehe Kapitel 2, f¨
ur den Hamiltonoperator und Multiplikation der WAll0mit dem in der Kopfzeile
angegeben Faktor.
trenn¨
aherung f¨
ur den Spinpolarisationsanteil des Hamiltonoperators. Dies stimmt mit dem Ergebnis des
Kapitels 2 ¨
uberein. Durch die Verdoppelung der Konstanten wird die Gesamtenergie erniedrigt. Der gr¨
oßte
Effekt ergibt sich dabei mit ca. 0.014 H f¨
ur das Phenyl, der Effekt auf die Molek¨
ule mit stark delokali-
siertem ungepaarten Elektron ist mit ca. 0.003 H deutlich geringer. Diese Absenkung zeigt auch, daß eine
Verdoppelung durchaus eine realistische Gr¨
oßenordnung im Hinblick auf die Energetik des in der Einlei-
tung dieses Abschnitts erw¨
ahnten CH2Molek¨
uls darstellt. Um dessen Energetik korrekt zu beschreiben
w¨
are eine Absenkung um mindestens etwa diesen Betrag erforderlich. Die Halbierung der Konstanten hat
hingegen einen sehr viel kleineren Einfluß, der Unterschied zwischen dem Phenyl Molek¨
ul mit seinen
stark lokalisierten Elektronen und den aromatischen Molek¨
ulen ist marginal und die maximale ¨
Anderung
der Gesamtenergie betr¨
agt nur 0.04 H.
3.4. NUMERISCHE BETRACHTUNGEN
57
Tabelle 3.11: Experimentelle sowie mit DFT [Gau98] berechnete isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen in organischen Radika-
len sowie die entsprechenden Spindichtematrixelemente f¨
ur die s-Valenzelektronen in den Ans¨
atzen SDFTB III und SDFTB I, siehe Kapitel 2.
Der Faktor mit dem dieWAll0multipliziert wurden ist jeweils ¨
uber den entsprechenden Spalten mit Spindichtematrixelementen angegeben.
Exp. DFT Faktor 1.0 Faktor 2.0 Faktor 0.5
Name aexp
HaDFT
HSDFTB III SDFTB I SDFTB III SDFTB I SDFTB III SDFTB I
C6H5[PBD68] 1.950 1.804 0.0205 0.0205 0.0602 0.0564 0.0184 0.0184
phenyl 0.650 0.607 0.0082 0.0086 -0.0215 -0.0170 0.0105 0.0106
0.406 0.218 0.0067 0.0064 0.0335 0.0294 0.0054 0.0053
C10H
8[Hel80a] 0.495 0.603 0.0116 0.0113 0.0386 0.0368 0.0048 0.0048
naphthalene 0.187 0.178 0.0033 0.0032 0.0046 0.0044 0.0016 0.0016
C14H+
10 [Hel80b] 0.653 0.662 0.0113 0.0106 0.0397 0.0367 0.0046 0.0043
anthracene 0.306 0.344 0.0066 0.0061 0.0217 0.0198 0.0027 0.0026
0.138 0.121 0.0024 0.0022 0.0035 0.0032 0.0012 0.0011
Tabelle 3.12: Experimentelle sowie mit DFT [Gau98] berechnete isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten von Protonen in organischen Radi-
kalen sowie die entsprechenden Spindichtematrixelemente f¨
ur die s-Valenzelektronen im Ansatz SDFTB III, siehe Kapitel 2. Direkt hinter den
Werten ist, farbig hinterlegt, das Verh¨
altnis zum gr¨
oßten Wert im jeweiligen Molek¨
ul angegeben.
Exp. DFT Faktor 1.0 Faktor 2.0 Faktor 0.5
Name aexp
HaDFT
HSDFTB III SDFTB III SDFTB III
C6H5[PBD68] 1.950 1.804 0.0205 0.0602 0.0184
phenyl 0.650 3.0 0.607 3.0 0.0082 2.5 -0.0215 -2.8 0.0105 1.8
0.406 4.8 0.218 8.3 0.0067 3.1 0.0335 1.8 0.0054 3.4
C10H
8[Hel80a] 0.495 0.603 0.0116 0.0386 0.0048
naphthalene 0.187 2.6 0.178 3.4 0.0033 3.5 0.0046 8.4 0.0016 3.0
C14H+
10 [Hel80b] 0.653 0.662 0.0113 0.0397 0.0046
anthracene 0.306 2.1 0.344 1.9 0.0066 1.7 0.0217 1.8 0.0027 1.7
0.138 4.7 0.121 5.5 0.0024 4.7 0.0035 11.3 0.0012 3.8
58
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
In Tabelle 3.11 sind die zugeh¨
origen isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten in mT (Experiment und
DFT) sowie die Spindichtematrixelemente aus den spinpolarisierten DFTB Rechnungen angegeben. Bei
Betrachtung der Spindichtematrixelemente ist festzustellen, daß praktisch keine Abh¨
angigkeit vom Ha-
miltonoperator vorliegt. Mit Ausnahme des Phenylmolek¨
uls mit verdoppelten WAll0sind die ¨
Anderungen
durch Aufgabe der strikten Einzentrenn¨
aherung im Hamiltonoperator unter 10% des jeweiligen Spindich-
tematrixelements. Bei Multiplikation mit den entsprechenden Proportionalit¨
atskonstante CAist zu erwar-
ten, daß diese ¨
Anderungen im Vergleich zum Experiment durch andere Effekte, z. B. den Ungenauigkeiten
in der Bestimmung der Proportionalit¨
atskonstanten CA,¨
uberdeckt werden.
Die Verh¨
altnisse der Betr¨
age der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten bzw. der Spindichtematrixele-
mente werden in Tabelle 3.12 verglichen. Man kann deutlich erkennen, daß die Ergebnisse der SDFTB
Rechnung mit den Konstanten WAll0aus Anhang C (Tabellenspalte “Faktor 1.0”) in recht guter ¨
Uberein-
stimmung mit den experimentellen und besonders den DFT Ergebnissen sind. Eine Halbierung der WAll0
(Tabellenspalte “Faktor 0.5”) ¨
andert diese ¨
Ubereinstimmung nicht grundlegend. Es ist allerdings festzu-
stellen, daß das Verh¨
altnis zum gr¨
oßten Spindichtematrixelement tendenziell kleiner wird.
Die Verdoppelung der WAll0(Tabellenspalte “Faktor 2.0”) f¨
uhrt hingegen zu qualitativen Ver¨
anderungen.
Der Effekt ist f¨
ur das Phenylmolek¨
ul mit seinem recht lokalisierten ungepaarten Elektron am gr¨
oßten.
Hier wird zum einen bei einem Proton das Vorzeichen des Spindichtematrixelementes, und damit der iso-
tropen Hyperfeinkopplungskonstanten, verglichen mit den anderen theoretischen Ergebnissen ge¨
andert.
Zum anderen werden die Gr¨
oßenverh¨
altnisse der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten verschoben.
Dem Proton mit dem kleinsten experimentellen Wert w¨
urde nach dieser Rechnung ein Wert zugeordnet
der gr¨
oßer ist als der Wert f¨
ur das Proton mit der experimentell zweitgr¨
oßten isotropen Hyperfeinkopp-
lungskonstante. Die Vorzeichenumkehr deutet darauf hin, daß zu viel Spindichte mit positivem Vorzeichen
an anderer Stelle, also auf den anderen beiden Protonen, konzentriert wurde. Bei dieser Wahl der Konstan-
tenWAll0und bei diesem Molek¨
ul treten auch die gr¨
oßten Unterschiede zwischen den beiden Ans¨
atzen f¨
ur
den Hamiltonoperator, SDFTB III und SDFTB I, auf.
¨
Ahnliche qualitative Abweichungen treten bei den beiden anderen Molek¨
ulen auf. Beim Naphthalin ist
festzustellen, daß die Spindichte sehr viel st¨
arker konzentriert wird was dem Experiment widerspricht.
Beim Anthrazen ¨
andert sich zwar das Verh¨
altnis des Spindichtematrixelementesdes Protons mit der zweit-
gr¨
oßten experimentellen isotropen Hyperfeinkopplungskonstante zu dem mit der gr¨
oßten experimentellen
Konstante nicht. Aber f¨
ur das Proton mit der drittgr¨
oßten tritt wieder eine recht große Abweichung auf.
Auch in diesem Fall wird die Spindichte im Vergleich zum Experiment zu stark auf den Protonen mit
großen experimentellen Werten konzentriert.
Dieses Verhalten l¨
aßt sich wie folgt verstehen. Eine Vergr¨
oßerung der WAll0hat eine Vergr¨
oßerung des
Energiegewinns pro an einem Atom (im Bild der Mulliken-Population) lokalisierten ungepaarten Elektron
zur Folge. Daher kann weitere Spindichte an den Orten lokalisiert werden an denen schon viel Spindichte
vorhanden ist. Diese muß dann nat¨
urlich aus anderen Regionen abgezogen werden. Mit der Zwangsbe-
dingung einer vorgegebenen Zahl ungepaarter Elektronen kann dies auch zu dem oben beschriebenen
Vorzeichenwechsel f¨
uhren.
Insgesamt lassen sich also f¨
ur die Molek¨
ule drei Ergebnisse feststellen:
Die Spindichtematrixelemente zeigen insgesamt nur eine kleine Abh¨
angigkeit von der Behandlung
der Spinpolarisation im SDFTB Hamiltonoperator. Damit sind auch die isotropen Hyperfeinkopp-
lungskonstanten kaum beeinflußt. Weiterhin kann damit davon ausgegangen werden, daß auch die
r¨
aumlichen Spindichten sehr ¨
ahnlich sind.
Bei einer Verdoppelung derWAll0treten bei den hier betrachteten Molek¨
ulen qualitative Abweichun-
gen zum Experiment auf. Dies zeigt, daß eine starke Vergr¨
oßerung derWAll0allein keine M¨
oglichkeit
darstellt Energetiken zu verbessern wenn gleichzeitig eine Reproduktion der experimentellen Hy-
perfeinkopplungskonstanten angestrebt wird. Eine Halbierung hat einen deutlich geringeren Einfluß
und f¨
uhrt nicht zu qualitativen Abweichungen.
Es kann angenommen werden, daß die Ergebnisse nicht sehr empfindlich auf den genauen Wert der
3.5. ZUSAMMENFASSUNG
59
WAll0reagieren. Eine starke ¨
Anderung der Ergebnisse dieses Kapitels durch eine leichte ¨
Anderung
der WAll0ist nicht zu erwarten. In sofern kann man von numerischer Stabilit¨
at der hier vorgestellten
spinpolarisierten DFTB Methode sprechen.
3.5 Zusammenfassung
In diesem Kapitel wurde gezeigt, daß sowohl die Spindichten an sich als auch die Kopplung derselben
an die s-Valenzelektronen in organischen Molek¨
ulen und Halbleitern mit der spinpolarisierten SDFTB
Methode in befriedigender ¨
Ubereinstimmung mit experimentellen Daten und voll-selbstkonsistenten DFT
Ergebnissen sind. Insbesondere f¨
ur die organischen Molek¨
ule findet man eine der DFT vergleichbare Lei-
stungsf¨
ahigkeit die eine Einsetzbarkeit der spinpolarisierten DFTB Methode zur quantitativen Vorhersage
von isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten erwarten l¨
aßt. Auch f¨
ur den Festk¨
orper k¨
onnen sehr gute
qualitative Ergebnisse erzielt werden.
Die erhaltenen Proportionalit¨
atskonstantenCAin Molek¨
ulen und Festk¨
orpern sowie die statistischen Daten
sind in Tabelle 3.13 zusammengefaßt. Dabei sind f¨
ur die schwereren Atome in Molek¨
ulen auch die Ver-
gleiche zu theoretischen DFT Werten angegeben. Zu beachten ist dabei, daß die an den experimentellen
Werten bestimmten Proportionalit¨
atskonstanten auch f¨
ur diesen Vergleich verwendet wurden. Die Tabelle
zeigt auch die im Vergleich zum INDO Verfahren deutlich bessere Genauigkeit der DFTB Methode.
Atomsorte A N CA/mT sDFTB
A/mT kDFTB
AsINDO
A/mT [PBD68]
H (exp.) 168 53.0651±1.109 0.200 0.96 0.729
C (exp.) 17 73.4526±6.289 0.172 0.87 2.378
N (exp.) 14 95.7916±21.490 0.309 0.45 0.234
C (theor.) 17 0.239 0.74
N (theor.) 14 0.076 0.98
C (FK) 50.28
Si (FK) 68.11
Tabelle 3.13: Zusammenfassung der Proportionalit¨
atskonstanten CA, empirischen Standardabweichungen sDFTB
A
und empirischen Korrelationskoeffizienten kDFTB
Af¨
ur verschiedene Atomsorten in Molek¨
ulen bezogen auf experi-
mentelle (exp.) und theoretische DFT (theor.) Daten und im Festk¨
orper (FK). Zus¨
atzlich ist die Zahl Nder Daten-
punkte und die empirische Standardabweichung des INDO Verfahrens sINDO
Aangegeben.
Ein nennenswerter Einfluß der Einzentrenn¨
aherung im Hamiltonoperator auf die isotropen Hyperfein-
kopplungskonstanten konnte in den hier vorgestellten Ergebnissen nicht gefunden werden. Auch eine star-
ke Empfindlichkeit der Ergebnisse gegen¨
uber dem genauen Wert der WAll0kann ausgeschlossen werden.
Es wurde aber auch gezeigt, daß die Konstanten WAll0nicht nur Aufgrund der theoretischen Formulierung
sondern auch Aufgrund der Ergebnisse des Abschnitts 3.4 einmal festzulegende Parameter und keine frei
w¨
ahlbaren empirischen Gr¨
oßen sind.
Die in diesem Kapitel auch deutlich gewordenen Einschr¨
ankungen der spinpolarisierten DFTB Methode
sind oft mit denen voll-selbstkonsistenter KS-DFT vergleichbar, wobei auch dort die Wahl der genauen
Implementation und des Basissatzes sehr großen Einfluß haben kann [Bar96].
60
KAPITEL 3. ELEKTRONISCHE PARAMAGNETISCHE RESONANZ
Kapitel 4
¨
Ubergangsmetallcluster
¨
Ubergangsmetallcluster12 sind seit langem ein aktives Forschungsgebiet. Dabei stehen die ¨
uberraschen-
den magnetischen Eigenschaften im Vordergrund die zu einer F¨
ulle von experimentellen Effekten f¨
uhren.
Dar¨
uber soll im Abschnitt 4.1 ein ¨
Uberblick gegeben werden. Nat¨
urlich ergeben sich aus den experimen-
tellen Ergebnissen eine Reihe von Fragen die nur mit den Mitteln der Theorie beantwortet werden k¨
onnen,
da aus den experimentellen Daten z. B. keine eindeutigen atomaren Konfigurationen folgen. In der Ver-
gangenheit wurde dazu eine ganze Reihe von Rechnungen durchgef¨
uhrt, deren Fokus vor allem auf dem
Verst¨
andnis der Abh¨
angigkeit der magnetischen Momente bei konstanter Temperatur von der Clustergr¨
oße
und damit der atomaren Konfiguration lag. Der ¨
Uberblick in folgenden Abschnitt 4.2 macht deutlich,
daß diese Studien gr¨
oßtenteils auf Modellstrukturen oder Cluster mit sehr wenigen Atomen beschr¨
ankt
blieben. Es kann jedoch vermutet werden, daß Korrelationen zwischen Struktur und magnetischen und
elektronischen Eigenschaften auftreten welche mit Modellstrukturen nur schwer beschreibbar sind.
F¨
ur die Entwicklung der spinpolarisierten DFTB Methode ergeben sich mehrere Herausforderungen um
letztendlich zum Verst¨
andnis der Physik großer ¨
Ubergangsmetallcluster beitragen zu k¨
onnen. Es gibt keine
Erfahrungen mit Anwendungen der DFTB Methode in ihrer Formulierung mit Ladungsselbstkonsistenz
auf Metallcluster im allgemeinen. In dieser Arbeit soll zus¨
atzlich noch versucht werden Spinpolarisati-
onseffekte zu beschreiben. Die Frage nach dem Erfolg dieses Ansatzes soll nach den beiden einf¨
uhrenden
Abschnitten dieses Kapitels beantwortet werden.
4.1 ¨
Uberblick ¨
uber experimentelle Ergebnisse
Die ersten Untersuchungen mit einem Stern-Gerlach Versuchsaufbau wurden 1985 von Cox und Mitarbei-
tern f¨
ur Eisencluster durchgef¨
uhrt [CTW+85]. In diesem Experiment wurde gezeigt, daß die magnetischen
Momente kleiner Cluster deutlich gr¨
oßer als das des Festk¨
orpers sind. Dies wurde durch sp¨
atere, genauere
Experimente best¨
atigt und auf Nickel und Kobalt ausgedehnt [BBCdH93, BCdH97, Kni02, BDB91]. F¨
ur
die Eisencluster kann weiterhin festgestellt werden, daß das magnetische Moment pro Atom in einem wei-
ten Gr¨
oßenbereich von mehreren hundert Atomen praktisch konstant ist [CTW+85, BCdH97, BBCdH93].
Dies geht mit einer sehr langsamen Konvergenz gegen den Wert im Festk¨
orper einher, man findet noch
bei Clustern mit etwa 700 Atomen nennenswerte Abweichungen [BCdH97]. Hingegen deuten die Expe-
rimente f¨
ur Nickel und Kobalt darauf hin, daß hier schon bei wenigen hundert Atomen das magnetische
Moment des Festk¨
orpers angenommen wird [BCdH97]. In diesen Messungen konnte weiterhin festgestellt
werden, daß die magnetischen Momente mit steigendem ¨
außeren Magnetfeld gr¨
oßer werden was auf ein
paramagnetisches Verhalten hindeutet [CTW+85, BCdH97].
1In dieser Arbeit soll die Bezeichnung ¨
Ubergangsmetall f¨
ur die 3d ¨
Ubergangsmetalle der Eisenserie (Eisen, Kobalt und
Nickel) reserviert bleiben. In der Literatur werden unter diesem Begriff auch Elemente wie Zn, Sc, Ti und sogar Cu oder auch 4d
und 5d ¨
Ubergangsmetalle verstanden.
2In der chemischen Literatur, siehe z. B. [Hol85], werden auch Komplexe die ein Zentrum aus mehreren Metallatomen
umgeben von organischen Liganden enthalten oder mehrere Metallatome ohne direkten Kontakt als ¨
Ubergangsmetallcluster
bezeichnet. In dieser Arbeit soll unter einem Cluster zun¨
achst ein homonukleares Gebilde verstanden werden.
61
62
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
Messungen des gesamten Ablenkungsspektrums hinter dem Stern-Gerlach Magneten zeigen f¨
ur alle ¨
Uber-
gangsmetallcluster eine Nettoablenkung, d. h. man findet nicht etwa wie beim Atom des klassischen Stern-
Gerlach Versuches [GS22] ein (2S+1)-fach aufgespaltenes symmetrisches Ablenkungsmuster (wenn S der
Spin des Atoms ist) sondern eine unsymmetrische Ablenkung in Richtung gr¨
oßerer St¨
arke des ¨
außeren
Magnetfeldes [dHMC90, BMdH91]. Da f¨
ur ein freies isoliertes Teilchen, als welches der Cluster im Mo-
lekularstrahl angenommen werden kann, Drehimpulserhaltung gelten muß ist dies nur mit Hilfe eines Re-
laxationsmechanismus f¨
ur den Spin erkl¨
arbar [BMdH91]. Dabei kommt hinzu, daß die magnetischen Mo-
mente von ¨
Ubergangsmetallclustern eine komplizierte Temperaturabh¨
angigkeit aufweisen [BBCdH93].
Zur Erkl¨
arung des Relaxationsmechanismus und der Temperaturabh¨
angigkeiten sind in der Literatur zwei
Ans¨
atze, welche verschiedene Bereiche abdecken, zu finden [BBCdH93, BMdH91, KL91]. Im Falle einer
¨
uberschallschnellen Ausdehnung des Tr¨
agergases, und somit effektiver K¨
uhlung der Cluster, findet man
eine nichtlineare Abh¨
angigkeit des magnetischen Momentes vom ¨
außeren Magnetfeld sowie eine Tem-
peraturabh¨
angigkeit welche nicht proportional zur inversen Quelltemperatur ist. In diesem Regime kann
davon ausgegangen werden, daß die Spinrelaxation durch Kopplung des Spinsystems an die Rotations-
freiheitsgrade des Kernger¨
ustes via magnetischer Anisotropie vermittelt wird [BMdH91, BBCdH93].
Das zweite Modell [KL91] beschreibt Magnetismus und Temperaturabh¨
angigkeit im Falle einer langsa-
men Ausdehnung des Tr¨
agergas/Cluster Gemisches sehr erfolgreich [BBCdH93]. Es wird davon ausge-
gangen, daß ein ¨
Ubergangsmetallcluster durch eine magnetische Dom¨
ane beschrieben wird und das die
Spins ferromagnetisch gekoppelt sind. Allerdings soll die magnetische Anisotropieenergie sehr viel klei-
ner als die thermische Energie sein (im Falle langsamer Ausdehnung ist davon auszugehen das die Cluster
eine Temperatur von einigen Hundert Kelvin erreichen [BBCdH93]). Damit kann angenommen werden,
daß thermische Fluktuationen in Abwesenheit eines ¨
außeren Magnetfeldes zu einem Verschwinden des
magnetischen Momentes der Cluster f¨
uhren. Wenn man nun das ¨
außere Feld einschaltet richten sich die
Spins aus was einem paramagnetischen Verhalten, wenn auch mit sehr großen magnetischen Momenten,
entspricht. F¨
ur dieses Modell wurde die Bezeichnung Superparamagnetismus gepr¨
agt [KL91]. Es gilt die
von Langevin entwickelte Theorie des Paramagnetismus [KL91, Jooge]. Danach ist das effektive magne-
tische Moment µef f gegeben durch:
µef f =µ·cothµNµH
kBTkBT
NµH¸.(4.1)
Darin ist Ndie Atomanzahl, µdas magnetische Moment des Atoms, Tdie Temperatur und Hdas ma-
kroskopische magnetische Feld. Im Falle schwacher Felder, d. h. NµH ¿kBT, wird darin eine lineare
Abh¨
angigkeit des magnetischen Momentes vom ¨
außeren Feld und eine inverse Abh¨
angigkeit von der
Temperatur vorhergesagt. Bei großen Feldern tritt S¨
attigung ein. Beides wird im Experiment best¨
atigt
[BBCdH93]. Durch dieses Modell ist es also m¨
oglich von den gemessenen Daten auf die tats¨
achlichen
magnetischen Momente der Cluster zu schließen.
Allerdings k¨
onnen durch diese Modelle nicht alle Temperatureffekte erkl¨
art werden. Insbesondere das
Verhalten der Curie Temperatur mit der Clustergr¨
oße ist unverstanden [BBCdH93, BCdH97]. J¨
ungere
Arbeiten deuten auch insbesondere f¨
ur kleine Cluster mit bis zu etwa 10 Atomen auf große Beitr¨
age des
Bahnmomentes der an der Oberfl¨
ache befindlichen Clusteratome hin [Kni02].
Neben den magnetischen Eigenschaften wurden Photoelektronenspektren gemessen [WCF95, LZW01,
GE96]. Hier konnte insbesondere gezeigt werden, daß sich die elektronische Struktur der Eisencluster bei
16, 19 und 23 Atomen stark ¨
andert [WCF95]. Diese f¨
allt mit beobachteten Gr¨
oßen energetisch außeror-
dentlich stabiler Clusterisomere zusammen [SWSS99] und deckt sich mit den Ergebnissen von Reaktions-
ratenmessungen[WCTK85, RPL+85, Kni02].Allerdings ist es nicht m¨
oglichdie Photoelektronenspektren
im Detail mit Hilfe von berechneten Einteilchenenergien zu verstehen, da vor allem Vielteilcheneffekte
der ungepaarten d-Elektronen dann nicht ber¨
ucksichtigt werden [WCF95].
Auch in den magnetischen Eigenschaften findet man eine Feinstruktur die bestimmte Clustergr¨
oßen aus-
zeichnet [BBCdH93, Kni02], n¨
amlich Cluster mit 13, 55, 110 und ca. 225, 325 und 625 Atomen. Hier gibt
es markante Erh¨
ohungen des magnetischen Momentes. Als Erkl¨
arung wurde das Auftreten von ikosaedri-
schen Strukturen vorgeschlagen, allerdings paßt dies nur f¨
ur die Cluster mit 13 und 55 Atomen gut zu
4.2. ¨
UBERBLICK ¨
UBER THEORETISCHE ERGEBNISSE
63
den experimentellen Daten (Ikosaeder lassen sich f¨
ur 13, 55, 147, 309, 561 und 923 Atome konstruieren)
[BBCdH93].
4.2 ¨
Uberblick ¨
uber theoretische Ergebnisse
Die M¨
oglichkeiten mit theoretischen Methoden Einblick in die verschiedenen Eigenschaften von ¨
Uber-
gangsmetallclustern zu erhalten sind technisch vor allem durch die Rechenzeit begrenzt. Es zeigt sich,
daß schon das Atom und homonukleare Dimere eine sehr komplexe elektronische Struktur aufweisen
[HJ78, HJ79, BRKSI00, NBPT94]. Im atomaren Fall findet man in LDA, daß der spinunpolarisierte
Grundzustand des Eisenatoms einer 3d74s1Besetzung entspricht. Durch die Spinpolarisation verschiebt
sich dies in Richtung der experimentellen 3d64s2Konfiguration. Abh¨
angig von der genauen LSDA Para-
metrisierung ist die Energiedifferenz zwischen den beiden Konfiguration des Eisenatoms praktisch Null
[HJ78], siehe dazu auch Anhang E und die Diskussion nicht-ganzzahliger Besetzungszahlen in [AP92].
Eine ¨
ahnliche Untersch¨
atzung der s d Transferenergien beobachtet man f¨
ur alle Atome von Kalzium
bis Kupfer [HJ78], es handelt sich also um eine systematischen Fehler der LSDA.
F¨
ur die Dimere findet man eine Vielzahl energetisch dicht liegender elektronischer Zust¨
ande [HJ79], wel-
che je nach der verwendeten Parametrisierung des Funktionals unterschiedliche Grundzust¨
ande ergeben
[BRKSI00]. Dies macht zur detaillierten Beschreibung der Elektronik Rechnungen unter Ber¨
ucksichti-
gung von Konfigurationswechselwirkungen notwendig [BRKSI00, NBPT94]. Insgesamt wird in LSDA
die Bindungsenergie f¨
ur das Eisendimer im Vergleich zum Experiment deutlich ¨
ubersch¨
atzt und auch die
Schwingungsfrequenz ist deutlich zu groß [CWJP91, CS94]. Eine Ber¨
ucksichtigung von Gradientenkor-
rekturen im Austausch-Korrelations Funktional zeigt keine klare Verbesserung von Bindungsenergien,
Bindungsl¨
angen und Schwingungsfrequenzen [CS93, BRKSI00, CJS97]. Populationsanalysen [Cas97]
und das Verhalten der Eigenwerte [HJ79] legen es nahe davon auszugehen, daß das Potential im Eisendi-
mer durch eine ¨
Uberlagerung atomarer Potentiale mit 3d74s1Konfiguration recht gut beschrieben wird.
Fr¨
uhere DFT basierte Untersuchungen f¨
ur Eisencluster konzentrierten sich auf kleine Systeme mit bis zu
sieben Atomen [CWJP91, CJS97, Cas97, BJ95, GZ95, CS94, CS93] oder auf hochsymmetrische Struktu-
ren wie kubische Gitterausschnitte [YJS+81, LCD84, PLKJ89]. Zwar wurde f¨
ur die hochsymmetrischen
Strukturen eine schnelle Konvergenz gegen die elektronische und magnetische Struktur des Festk¨
orpers
festgestellt. Jedoch sind im Fall eines Clusters auch atomare Konfigurationen mit sehr viel niedrige-
rer Symmetrie m¨
oglich, f¨
ur die andere elektronische und magnetische Eigenschaften zu erwarten sind.
Tats¨
achlich findet man in einem detaillierten Vergleich, daß hochsymmetrische kubische Strukturen f¨
ur
diese kleinen Cluster energetisch ung¨
unstig sind und stattdessen kompakte Strukturen bevorzugt werden
[CWJP91, CS94]. Diese besitzen im allgemeinen k¨
urzere Bindungsl¨
angen als sie im Festk¨
orper vorkom-
men und weisen deutlich h¨
ohere magnetische Momente pro Atom auf. In allen Studien findet man jedoch
ein von der Koordination des Atoms abh¨
angiges magnetisches Moment.
Erst in j¨
ungster Zeit wurde es m¨
oglich auch die Potentialhyperfl¨
achen gr¨
oßerer Eisencluster bis zu etwa
26 Atomen mit DFT Methoden zu untersuchen [BPJS+02, DAR+01, BPJSH02] und die Spinbeitr¨
age zum
magnetischen Moment zu berechnen. Dabei beschr¨
ankt der hohe Rechenaufwand aber immer noch den
m¨
oglichen Umfang der Suche nach g¨
unstigen Clusterstrukturen und macht Molekulardynamikrechnun-
gen (simulated annealing) oder die Anwendungen von genetischen Algorithmen unm¨
oglich. Stattdessen
wurden f¨
ur diese zwei Arbeiten andere Ans¨
atze gew¨
ahlt. Zum einen kann eine Anzahl von Zufallsstruk-
turen erzeugt werden. Diese Geometrien werden dann optimiert womit man das n¨
achstliegende lokale
Minimum auf der Potentialhyperfl¨
ache findet. Es ist aber bekannt, daß dieser in [DAR+01] verfolgte An-
satz nur bei einer sehr großen Zahl von Startstrukturen gute Ergebnisse liefern kann, welche aufgrund des
Aufwands oft nicht zu erreichen ist [Sie00]. Ein anderer m¨
oglicher Ansatz ist die Generierung von Kan-
didatenstrukturen mit einem anderem Verfahren, etwa einer Tight-Binding Rechnung, und nachfolgender
Untersuchung der Kandidatenstrukturen mit voll-selbstkonsistenter DFT. Dieser, schon f¨
ur Siliziumcluster
bew¨
ahrte [Sie00, SPF+97], Weg wurde in [BPJS+02] und [BPJSH02] gew¨
ahlt und auf die Besonderhei-
ten von Eisenclustern angepaßt, siehe Abschnitt 4.4. Aber auch hier muß man sich darauf beschr¨
anken
64
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
wenige Kandidatenstrukturen f¨
ur das in der Suche gefundene beste Minimum zu ¨
uberpr¨
ufen. Daher ist es
notwendig in der Tight-Binding Rechnung eine ausreichend genaue Vorauswahl zu treffen.
In der Vergangenheit wurde eine große Zahl von Tight-Binding Rechnungen zu ¨
Ubergangsmetallclu-
stern durchgef¨
uhrt. Dabei wurden vor allem zwei Ans¨
atze verfolgt. Zum einen wurden empirische
Tight-Binding Ans¨
atze um die Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisation und Ladungstransfer erweitert
[AM98, MCLA94, MA99]. Der zweite Ansatz geht von einem Hubbard-Modell f¨
ur die d-Elektronen
aus [PDDB89]. Dieser Ansatz wurde sp¨
ater auf 4s und 4p Elektronen erweitert [VDDBP93] und auch
die Spin-Bahn-Kopplung [DDP98] kann ber¨
ucksichtigt werden um Beitr¨
age des Bahndrehimpulses zum
magnetischen Moment oder magnetische Anisotropieenergien zu ermitteln [GLDDP03]. Beiden Ans¨
atzen
gemeinsam ist jedoch, daß nur Modellstrukturen (Kristallgitterausschnitte mit kubischer Symmetrie, Iko-
saeder oder ein- und zweidimensionale Modellstrukturen) in die Untersuchungen mit einbezogen wurden
[FVAG99, RDP98, GL01, GPLW97]. Dies erschwert die quantitative ¨
Ubertragung dieser Ergebnisse auf
das Experiment insbesondere im Hinblick auf magnetische Anisotropieenergien [DDP98] und Beitr¨
age
des Bahndrehimpulses zu den magnetischen Eigenschaften.
Bis jetzt wurde nur ein Versuch gemacht die Temperaturabh¨
angigkeiten der magnetischen Momente aus
quantenmechanischer Sicht zu erkl¨
aren [LUPB00]. In dieser Rechnung wurde ein Hubbard-Modell ba-
sierter Tight-Binding Hamiltonoperator verwendet. Man findet qualitative ¨
Ubereinstimmung mit einigen
experimentellen Daten.
4.3 Slater-Koster Tabelle und Repulsivpotential f¨
ur Eisen
Wie im den beiden vorhergehenden Abschnitten dargestellt wurde konzentriert sich das Hauptinteresse der
Forschung auf Eisencluster aufgrund ihrer unter den ¨
Ubergangsmetallen hervorstechenden Eigenschaften.
Im ersten Schritt zur Behandlung mit der spinpolarisierten DFTB Methode ist es notwendig die Tabel-
le mit den Matrixelementen des Hamiltonoperators nullter Ordnung, sowie dann das Repulsivpotential
zu erzeugen und zu testen. Dieser Schritt bestimmt die erreichbare Genauigkeit in nicht unerheblichem
Maße, da sowohl die Beitr¨
age durch die Ladungsdichtefluktuation als auch die Beitr¨
age der Magnetisie-
rungsdichtefluktuation in der formalen Reihenentwicklung der Gesamtenergie, siehe Abschnitt 1.4 und
Gleichung 1.28, nur von zweiter Ordnung sind.
Zur Erzeugung der Slater-Koster Integraltabelle [SK54] f¨
ur Eisen sind einige Festlegungen zu treffen. F¨
ur
die Bestimmung der Basisfunktionen und der atomaren Dichten, siehe Gleichung 1.33, sind vor allem die
Kompressionsradien, m¨
oglicherweise abh¨
anging von der Drehimpuls- oder von der Hauptquantenzahl,
und die elektronische Konfiguration des Atoms festzulegen. Experimentelle und theoretische Ergebnis-
se deuten darauf hin, daß einem Eisenatom im Festk¨
orper [RPP+02] wie auch im Molek¨
ul [Cas97] eher
eine Konfiguration 3d74s1als die experimentelle 3d64s2Konfiguration des freien Atoms zuzuordnen ist.
Dementsprechend wurde auch diese Konfiguration f¨
ur Berechnungen, z. B. zur Erzeugung von Pseudopo-
tentialen, explizit verwendet [DAR+01, PLKJ89] oder gehen implizit in die Matrixelemente empirischer
Tight-Binding Rechnungen ein.
Als Kriterium f¨
ur die Wahl dieser Parameterbietet sich hier die elektronische Bandstruktur des Festk¨
orpers
(Eisen in der kubisch-raumzentrierten (body centred cubic, bcc) Phase) an. Diese Berechnung kann ohne
Kenntnis des Repulsivpotentials durchgef¨
uhrt werden, wenn man sich auf die experimentelle Gitterkon-
stante beschr¨
ankt. Der Vergleich ist hier entsprechend der Konstruktion des Hamiltonoperators nullter
Ordnung eine spinunpolarisierte Bandstruktur wie sie in [Esc88], berechnet mit einem der DFTB Metho-
de verwandten voll-selbstkonsistenten DFT Ansatz, gefunden werden kann.
Die Literatur liefert einige Hinweise zur Wahl der Kompressionsradien. In sehr fr¨
uhen Ver¨
offentlichungen
mit einem der DFTB Methode verwandten voll-selbstkonsistenten Ansatz wird f¨
ur Kupfer, welches eine
kubisch-fl¨
achenzentrierte (face centred cubic, fcc) Kristallstruktur besitzt, als optimaler Wert r0=0.5a
mit m=2 f¨
ur alle Orbitale angegeben, wobei adie Gitterkonstante ist [EB78]. F¨
ur Eisen w¨
urde dies
einen Kompressionsradius von r0=2.705 aBbedeuten wenn man die experimentelle Gitterkonstante von
5.41 aB[Esc88] zugrunde legt. In neuesten Arbeiten, die auf den Ideen aus [Esc88] aufbauen, wird ein Ex-
4.3. SLATER-KOSTER TABELLE UND REPULSIVPOTENTIAL F ¨
UR EISEN
65
ponent m=4 benutzt (die Ergebnisse sind daher nicht direkt auf die DFTB Methode ¨
ubertragbar) und f¨
ur
Eisen ergeben sich dann Kompressionsradien zwischen (1.05rNN/2)3/2und (1.3rNN/2)3/2in Abh¨
angig-
keit vom Orbital, wobei rNN der n¨
achste Nachbar Abstand ist [KE99]. F¨
ur eine bcc Struktur wie Eisen
ist mit einer Gitterkonstante von 5.41 aBdann rNN =4.68 aBund somit liegen die Kompressionsradien
zwischen 3.85 aBund 5.31 aB. Allerdings ist trotz der gr¨
oßeren Radien die Kompression st¨
arker als nach
der Vorschrift [EB78] da m=4 ist. Daher ist zu erwarten, daß eine st¨
arkere Kompression gew¨
ahlt werden
muß als es bisher f¨
ur die DFTB Methode ¨
ublich war: der bisher benutzte Richtwert r01.85rcov, siehe
Abschnitt 1.4.1, w¨
are hier r04.1aBmit m=2. Diese Werte geben nat¨
urlich nur einen Hinweis darauf
wie die Kompression zur Erzeugung der Basisfunktionen zu w¨
ahlen ist und geben keine M¨
oglichkeit den
Radius f¨
ur die Dichtekompression abzusch¨
atzen.
Um einen ¨
Uberblick ¨
uber den Einfluß verschiedener Parameter zu erhalten werden in Abbildung 4.1 Band-
strukturen f¨
ur Eisen in der bcc Phase an der experimentellen Gitterkonstante von 5.41 aBmiteinander ver-
glichen. Auf der linken Seite sind Bandstrukturen bei der atomaren Konfiguration 3d64s2gezeigt und auf
der rechten Seite mit 3d74s1. Weiterhin wurden die oberen Bandstrukturen (a und c) mit einem Kompres-
sionsradius rDichte
0=10 aBberechnet w¨
ahrend f¨
ur die unteren (b und d) eine Kompressionsradius f¨
ur die
Dichte von rDichte
0=14 aBverwendet wurde. Dies entspricht ¨
ublichen Radien [Ste01]. In jedem Einzel-
bild von Abbildung 4.1 sind weiterhin zwei Bandstrukturen ¨
uberlagert. Die mit durchgezogenen Linien
gezeichnete Bandstruktur wurde mit einem Kompressionsradius rBasis
0=3.2aBf¨
ur die Basisfunktionen
berechnet. Ein Kompressionsradius rBasis
0=4.2aBwurde f¨
ur die Bandstrukturen mit durchbrochenen Li-
nien verwendet.
Man kann klar erkennen, daß die Breite der Valenzb¨
ander3, gemessen vom Fermi-Niveau bis zum ener-
gieniedrigsten Niveau am Γ-Punkt, in den Bandstrukturen auf der linken Seite (atomare Konfiguration
3d64s2) um etwa 2 eV geringer ist als in denen auf der rechten Seite. Die Wahl der Kompressionsradi-
en hat darauf nur geringen Einfluß. Die Referenzbandstruktur [Esc88] zeigte eine Valenzbandbreite von
etwa 9.5 eV, die auch von den Bandstrukturen auf der rechten Seite mit etwa 7.5 eV nicht ganz erreicht
wird. Weiterhin kann man feststellen, daß eine ¨
Anderung des Kompressionsradius f¨
ur die Dichten kaum
¨
Anderungen bewirkt, w¨
ahrend eine ¨
Anderung des Kompressionsradius f¨
ur die Basisfunktionen deutliche
¨
Anderungen der tiefe der parabelf¨
ormigen B¨
ander am Γ-Punkt hervorruft.
Im Teil a der Abbildung 4.1 sind markante Stellen mit den Ziffern 1 bis 4 gekennzeichnet. Diese befinden
sich am N-Punkt und am Γ-Punkt der Bandstruktur und betreffen sowohl Valenz- wie Leitungsb¨
ander.
Beim Vergleich findet man qualitative Differenzen zwischen den beiden Wahlen f¨
ur die atomare Konfi-
guration und bei der 3d74s1Konfiguration auch f¨
ur verschiedene Kompressionen. In den Bandstrukturen
mit der 3d74s1Konfiguration sind die beiden mit “1” bezeichneten B¨
ander entartet, was mit der Refe-
renz in [Esc88] ¨
ubereinstimmt, w¨
ahrend dies in den Bandstrukturen mit 3d64s2Konfiguration nicht der
Fall ist. Hingegen findet man am Punkt “2” eine Entartung f¨
ur die 3d64s2Konfiguration die in den ande-
ren Bandstrukturen weniger stark ausgepr¨
agt ist und bei Wahl einer 3d74s1atomaren Konfiguration mit
rBasis
0=3.2aBund rDichte
0=14 aBgerade aufgehoben wird. Auch diese Aufhebung entspricht der Re-
ferenz [Esc88]. Im Falle der 3d74s1Konfiguration findet man, daß durch eine st¨
arkere Kompression der
Basisfunktionen parabelf¨
ormige Leitungsb¨
ander am Γ-Punkt im Teil c der Abbildung 4.1 (diese Stelle ist
in Teil a mit einer “3” gekennzeichnet) nach oben gedr¨
uckt werden. Einen ¨
ahnlichen Effekt hat die Ver-
ringerung der Kompression der Referenzdichte wie man durch Vergleich der Teile c und d sieht. Zuletzt
findet man deutliche ¨
Anderungen der Bandverl¨
aufe an der mit “4” bezeichneten Stelle. Auch dabei zeigt
sich, daß die Bandstruktur mit den Parametern 3d74s1,rBasis
0=3.2aBund rDichte
0=14 aBzur Erzeugung
der Matrixelemente der Referenz am besten entspricht. Ein ¨
ahnliches Ergebnis findet man beim Vergleich
mit spinpolarisierten Bandstrukturen sowohl in LSDA als auch GGA [HJF85, LCH91].
3Das zur Berechnung der Bandstrukturen verwendete Programm dylax benutzt einen sehr einfachen Algorithmus zur
Brillouin-Zonen Integration. Dadurch k¨
onnen sich relativ große Fehler von bis zu 0.5 eV bei der Bestimmung des Fermi-Niveaus
ergeben.
66
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
−10 −10
−10
−10
−10
−10 −10
−10
−5
−5 −5
−5
−5
−5
−5
−5
0
0
0
00
0
0
0
5
55
5
5 5
5
5
PΓNΓN
H
3d64s274s1
3d
NH
NΓPNHΓ
NΓΓ
Energie/ eV
P
5
0
−5
−10
−10
−5
0
5
Energie/ eV
−5
N P
0
H
Energie/ eV
5
ΓN
−10
Γ
Energie/ eV
5
−10
−5
0
B
a
0B
r0
Basis aB
= 4.2
0
Dichte
r r
0aB
aB
ac) =10=10
b) d) =14=14
a)
r0
Basis aB
= 3.2
rDichte
0rDichte
Dichte
2
3
4
1
Abbildung 4.1: Bandstrukturen von Eisen an der experimentellen Gitterkonstante von 5.41 aBf¨
ur verschiedene elektronische Konfigurationen des Eisenatoms und ver-
schiedene Werte der Kompressionsradien. Die Bandstrukturen wurden so verschoben, daß das Fermi-Niveau bei 0 eV liegt. Die zu den letztendlich gew¨
ahlten Parametern
geh¨
orende Bandstruktur ist zus¨
atzlich farbig gezeichnet.
4.3. SLATER-KOSTER TABELLE UND REPULSIVPOTENTIAL F ¨
UR EISEN
67
Im folgenden soll also ein aus einer atomaren 3d74s1Konfiguration mit den Kompressionsradien rBasis
0=
3.2aBund rDichte
0=14 aBerzeugter Hamiltonoperator nullter Ordnung verwendet werden, andernfalls
wird explizit darauf hingewiesen. Eine Notwendigkeit verschiedene Kompressionsradien f¨
ur die stark lo-
kalisierten 3d und die schwach lokalisierten 4s und 4p Elektronen zu verwenden l¨
aßt sich nicht ableiten,
es wird eine zufriedenstellende ¨
Ubereinstimmung zur voll-selbstkonsistenten DFT Referenz erreicht. Dies
folgt der Pr¨
amisse so wenig ¨
Anderungen wie m¨
oglich im Vergleich zur bisher ¨
ublichen Vorgehensweise
einzuf¨
uhren. Die verwendeten Basisfunktionen sind in Anhang E angegeben.
Nach der Festlegung des Hamiltonoperators nullter Ordnung kann das Repulsivpotential Erep bzw. das
repulsive Paarpotential U, siehe Abschnitt 1.4.3, bestimmt werden. F¨
ur organische Molek¨
ule bietet es
sich aufgrund der Bindungsverh¨
altnisse an, durch Wasserstoffabs¨
attigung von Dimeren die Bindugszahl
zu variieren und f¨
ur jeden Bindungstyp (Einfach-, Doppel- und Dreifachbindung) einen Teil des gesam-
ten Repulsivpotentials zu bestimmen [Ste01]. Diese Vorgehensweise ist f¨
ur ¨
Ubergangsmetallsysteme im
weitesten Sinne nicht offensichtlich geeignet. Daf¨
ur gibt es mehrere Gr¨
unde:
¨
Ubergangsmetalle bilden mit Wasserstoff Komplexe aus. Im Falle zweier ¨
Ubergangsmetallatome
befinden sich bei experimentell nachgewiesenen Strukturen die Wasserstoffatome zwischen den
¨
Ubergangsmetallatomen [Hol85]. Es besteht somit keine direkte Verbindung zwischen den bei-
den ¨
Ubergangsmetallatomen die sich als n-fach Bindung interpretieren ließe und in der n durch
¨
Anderung der Zahl der zur Abs¨
attigung” eingesetzten Wasserstoffatome ver¨
anderlich w¨
are, im Ge-
gensatz zum Verhalten z. B. von Elementen der zweiten Reihe (C, O, N).
Auch mit anderen Liganden werden im allgemeinen Komplexe (auch Koordinationsverbindungen
genannt) ausgebildet. Die Bindungsverh¨
altnisse k¨
onnen z. B. im Rahmen der Ligandenfeld-Theorie
(LF-Theorie) verstanden werden [Hol85, Ket72] und sind Gegenstand der Organometallchemie.
Beide Beschreibungsweisen legen nahe, daß die Bindungsverh¨
altnisse deutlich von denen der ko-
valenten Bindung in organischen Molek¨
ulen verschieden sind. Es macht vor allem keinen Sinn von
n-fach Bindungen wie im Rahmen kovalenter Molek¨
ulorbitaltheorie zu sprechen. Auch damit er-
scheint ein Vorgehen analog zum Fit der Repulsivpotentiale f¨
ur organische Molek¨
ule fraglich.
In diesem Kapitel soll es um die Beschreibung der magnetischen Eigenschaften von reinen ¨
Ubergangsme-
tallclustern gehen. Dazu ist das Repulsivpotential zwischen den ¨
Ubergangsmetallatomen zu bestimmen.
Wie oben dargestellt wurde gibt es Gr¨
unde zu vermuten, daß die Vorgehensweise die f¨
ur organische Mo-
lek¨
ule entwickelt wurde ungeeignet ist. Es soll daher alternativ versucht werden das Repulsivpotential
an Clustern die platonische K¨
orper (Tetraeder, Kubus, Oktaeder, Ikosaeder) bilden zu bestimmen. Hinzu
kommt das Dimer. Dabei kann man hoffen die in den Clustern herrschende Metallbindung zu beschreiben,
die Koordinationszahl eines Atoms variiert mit dem verwendeten K¨
orper. Die Beschr¨
ankung auf die plato-
nischen K¨
orper ergibt sich daraus, daß f¨
ur die Bestimmung des Repulsivpotentials nur ein in¨
aquivalentes
Atom bzw. eine in¨
aquivalente Bindung vorliegen darf. Die Rechnungen werden f¨
ur den spinunpolari-
sierten Referenzzustand der DFTB Methode durchgef¨
uhrt. In Tabelle 4.1 sind die Bindungsl¨
angen dieser
Dimer Tetraeder Kubus Oktaeder Ikosaeder
Bindungsl¨
ange/ ˚
A 1.83 2.17 2.10 2.22 2.28
Tabelle 4.1: Bindungsl¨
angen von Eisenclustern berechnet mit DFT/GGA [PBE96] ohne Ber¨
ucksichtigung der
Spinpolarisation.
Cluster berechnet mit voll-selbstkonsistenter DFT angegeben. Dabei ist festzustellen, daß nur die Bin-
dungsl¨
ange des Dimers signifikant von denen der anderen Cluster abweicht. Bei diesen betr¨
agt die Breite
des Intervalls der Bindungsl¨
angen nicht mehr als etwa 10 % der mittleren Bindungsl¨
ange.
F¨
ur die Bestimmung des repulsiven Paarpotentials ist die Energie¨
anderung bei ¨
Anderung der Bin-
dungsl¨
ange, also die erste Ableitung, von gr¨
oßter Bedeutung da hierdurch der Anteil des Repulsivpoten-
tials an der Kraft festgelegt wird. Demgegen¨
uber ist der Absolutwert an einer bestimmten Stelle von eher
68
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
untergeordneter Bedeutung da er bei einer Parallelverschiebung nur die Bindungsenergie beeinflußt. Die
erste Ableitung des PaarpotentialsU, siehe Abschnitt 1.4.3, wird in Abbildung 4.2 gezeigt. Das Verhalten
Abstand/ a
Abstand/ Å
Fe2Fe8Fe6
Fe4Fe12
(dU/dR)/ (Hartree/a )
B
NN 2 NN
B
Ikosaeder
1.6 1.8 2 2.2 2.4 2.6 2.8
−1.8
−1.6
−1.4
−1.2
−1
−0.8
−0.6
−0.4
−0.2
0
0.2 3.5 4 4.5 5
Tetraeder
Oktaeder
Kubus
Dimer
Abbildung 4.2: Erste Ableitung des repulsiven Paarpotentials f¨
ur verschiedene Eisencluster nach dem Atomab-
stand. Zus¨
atzlich sind die Bindungsl¨
angen aus der DFT/GGA [PBE96] Rechnung, siehe Tabelle 4.1, f¨
ur das Dimer
(Fe2), den Tetraeder (Fe4), den Oktaeder (Fe6), den Kubus (Fe8) und den Ikosaeder (Fe12) sowie der n¨
achste Nach-
bar (NN) und der ¨
ubern¨
achste Nachbar (2 NN) Abstand im Festk¨
orper bei der experimentellen Gitterkonstante
eingezeichnet.
der ersten Ableitungen ist ¨
ahnlich zu dem der Bindungsl¨
angen. W¨
ahrend die Steigung des repulsiven Paar-
potentials f¨
ur das Dimer am Gleichgewichtsabstand relativ groß ist, sind die Kurven f¨
ur die vier anderen
betrachteten Cluster sehr ¨
ahnlich zueinander und am Gleichgewichtsabstand sehr flach. Auch die Kurve
des Dimers wird diesen im Abstandsbereich von mehr als etwa 2.0 ˚
A¨
ahnlich. Die Flachheit der ersten Ab-
leitungen zeigt, daß zum einen ein langreichweitiges Potential vorliegt und das zum anderen sehr kleine
durch das Repulsivpotential bedingte Energiedifferenzen zwischen verschiedenen Strukturen zu erwarten
sind.
Aufgrund der Literatur, z. B. [DAR+01, BPJS+02], sind f¨
ur spinpolarisierte Eisencluster Bindungsl¨
angen
im Bereich 2.2 ˚
A bis 2.6 ˚
A (etwa 4.2 aBbis 4.9 aB) zu erwarten. Dies deckt den Bereich des n¨
achsten
Nachbar Abstandes im Festk¨
orper ab. Somit wird eine Minimall¨
ange f¨
ur das Repulsivpotential definiert.
Die ¨
ubern¨
achsten Nachbarn im bcc Gitter haben einen Abstand der gleich der Gitterkonstanten ist. Dies
definiert einen Maximalwert f¨
ur den Abschneideradius bei dem das repulsive Paarpotential zu Null ge-
bracht wird.
Die der Abbildung 4.2 zugrunde liegenden repulsiven Paarpotentiale k¨
onnen analog dem Vorgehen f¨
ur
organische Molek¨
ule [Ste01] in verschiedener Weise untereinander und mit verschiedenen Werten f¨
ur den
Abschneideradius kombiniert werden um das endg¨
ultige repulsive Paarpotential zu bestimmen. Die Ener-
getik spinunpolarisierter Fe10 Cluster wurde dabei als Auswahlkriterium herangezogen. Die Parameter des
endg¨
ultigen repulsiven Paarpotentials, welches aus Anteilen des Dimers und des Kubus zusammengef¨
ugt
ist, sind in Anhang E angegeben. Die Qualit¨
at eines Repulsivpotentials richtet sich nat¨
urlich nicht danach,
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
69
wie gut die gefitteten Molek¨
ule oder ein anderes w¨
ahrend des Fits herangezogenes Kriterium reproduziert
wird. Vielmehr erkennt man ein gutes Repulsivpotential daran, daß es f¨
ur eine m¨
oglichst große Klasse von
der Fitprozedur unabh¨
angiger Molek¨
ule und Bindungssituationen gute Ergebnisse liefert. Dabei kommt
hier noch hinzu, daß das Repulsivpotential f¨
ur den spinunpolarisierten Referenzzustand der DFTB be-
stimmt wurde, sp¨
ater jedoch auf spinpolarisierte Cluster mit großen magnetischen Momenten angewandt
werden soll. Wie gut dieses Repulsivpotential also tats¨
achlich ist soll in den n¨
achsten Abschnitten gekl¨
art
werden.
4.4 Suchalgorithmus und Test der Methodik
Zur Strukturgenerierung und Bestimmung der magnetischen Momente soll sp¨
ater ein mehrstufiges Ver-
fahren angewandt werden [BPJS+02]:
Die Clusterstrukturen werden mit Hilfe eines genetischen Algorithmus (genetic algorithm, GA)
erzeugt welcher sich schon f¨
ur Siliziumcluster bew¨
ahrt hat [RSH+00].
Der Einfluß der Spinpolarisation wird dabei durch eine Anpassung der Besetzung der Molek¨
ulor-
bitale modelliert. Entsprechend dem erwarteten magnetischen Moment des Clusters wird eine Zahl
von Molek¨
ulorbitalen einfach besetzt. Dies vermittelt den Effekt der Besetzung in einer Rechnung
mit voller Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation, l¨
aßt aber den Effekt der Magnetisierungsdichte-
fluktuation auf die Gesamtenergie und die Kr¨
afte außer acht. Die auf dem genetischen Algorithmus
beruhende Suche auf der Potentialhyperfl¨
ache wird mit einer Wahl f¨
ur die Besetzung durchgef¨
uhrt,
diese richtet sich nach dem magnetischen Moment des energetisch g¨
unstigsten n¨
achstkleineren Clu-
sters. Auch die Ladungsfluktuationsbeitr¨
age zur Gesamtenergie, welche in einem homonuklearen
System als klein angenommen werden k¨
onnen, werden nicht ber¨
ucksichtigt. Die elektronischen
Eigenschaften und der elektronische Anteil der Gesamtenergie werden somit ausschließlich vom
Hamiltonoperator nullter Ordnung bestimmt.
Von diesem Ansatz f¨
ur die Suche kann nicht erwartet werden, daß er eine Aussage ¨
uber das magne-
tische Moment der Elektronenspins des Clusters liefert. Dies ist Aufgabe des folgenden Schrittes.
W¨
ahrend in [BPJS+02] voll-selbstkonsistente KS-DFT Rechnungen durchgef¨
uhrt wurden soll hier
die DFTB Methode unter voller Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisations- und Ladungstransferef-
fekten Verwendung finden. Dazu wird f¨
ur energetisch g¨
unstige Cluster (gew¨
ohnlich die 10 Cluster
mit gr¨
oßter Bindungsenergie) aus der GA Suche die Zahl der ungepaarten Elektronen variiert. Dies
entspricht einer Variation des magnetischen Momentes, siehe Abschnitt 4.4.4. F¨
ur jede Zahl unge-
paarter Elektronen wird eine Geometrieoptimierung durchgef¨
uhrt. Als elektronischer Grundzustand
soll dann jener Zustand in Abh¨
angigkeit von der Zahl der ungepaarten Elektronen bezeichnet wer-
den welcher die gr¨
oßte Bindungsenergie, also die niedrigsten Gesamtenergie, besitzt (eine Verbin-
dung zum Bandmodell des Magnetismus wird in Abschnitt 4.4.4 hergestellt).
Aus der Minimierung der Gesamtenergie in Abh¨
angigkeit von der Zahl der ungepaarten Elektronen
ergibt sich dann die relative Energetik der in der GA Suche gefundenen Cluster zusammen mit ihren
tats¨
achlichen magnetischen Momenten.
Hierbei wird nat¨
urlich von der Annahme ausgegangen, daß die Suche auf der Potentialhyperfl¨
ache mit ei-
ner eingeschr¨
ankten Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation tats¨
achlich Strukturen liefert welche auch bei
Ber¨
ucksichtigung aller Spinpolarisationseffekte energetisch g¨
unstig sind. Im Idealfall sollte auch das glo-
bale Minimum darunter sein, obwohl dies nicht gezeigt werden kann4. Ob diese Annahme in der Realit¨
at
gerechtfertigt ist h¨
angt nicht nur davon ab, ob die elektronischen Effekte n¨
aherungsweise korrekt sind,
4Es l¨
aßt sich zeigen, daß kein Algorithmus existiert der das Auffinden des globale Minimums auf einer beliebigen Potential-
hyperfl¨
ache in endlicher Zeit garantiert [Sie00].
70
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
sondern auch davon, ob das Repulsivpotential transferabel ist. Transferabilit¨
at soll in diesem Zusammen-
hang bedeuten, daß nicht nur die Molek¨
ule f¨
ur die der Fit gemacht wurde beschrieben werden, sondern
das dies auch f¨
ur eine m¨
oglichst große Anzahl anderer Bindungssituationen gilt.
Andererseits muß im letzten Schritt die Energetik der Cluster unter voller Ber¨
ucksichtigung der Spinpola-
risation richtig bewertet werden. Hier w¨
are es a priori als kritisch anzusehen, wenn zwar in der GA Suche
verglichen mit den DFT Referenzen gute Strukturen gefunden w¨
urden, diese aber in der abschliessen-
den Energiebewertung verglichen mit anderen als ung¨
unstig eingestuft w¨
urden. Außerdem muß in diesem
Schritt auch das magnetische Moment korrekt beschrieben werden.
Die Anwendbarkeit des Gesamtalgorithmus ist also mit der Genauigkeit beider Schritte verkn¨
upft, die
beide untrennbar voneinander abh¨
angig sind. Als Test f¨
ur das Repulsivpotential und die Beschreibung der
magnetischen Momente bieten sich kleine Cluster an bei denen nicht zu erwarten ist, daß eine Vielzahl
von energetisch eng benachbarten Isomeren existiert. F¨
ur den Gr¨
oßenbereich bis zu sieben Atomen sind
sehr detaillierte DFT Resultate publiziert worden [CJS97, Cas97, CS94, CWJP91]. Neuere Arbeiten geben
sogar einen sehr detaillierten Einblick in die Eigenschaften gr¨
oßerer Cluster bis Fe17 [DAR+01].
Der Vergleich soll hier generell mit den von der DFTB Methode unabh¨
angigen DFT Resultaten aus
[DAR+01] erfolgen (In [BPJS+02] wurde die DFTB Methode zur Strukturgenerierung benutzt. Diese
Resultate sind also im Sinne des hier verfolgten Vergleichszwecks nicht unabh¨
angig, insbesondere konzen-
triertesichdiese Arbeitaufdie Potentialhyperfl¨
acheneinigerausgew¨
ahlterClustergr¨
oßen.).In [DAR+01]
wurde ein Pseudopotential (pseudo-potential, PSP) benutzt. In diesem Kapitel wird auf diese Arbeit
als DFT/PSP Bezug genommen.
Konkret soll der folgende Weg beschritten werden:
Die Strukturgenerierung mit Hilfe des GA wird f¨
ur Cluster mit mehr als sieben Atomen wie oben
beschrieben durchgef¨
uhrt. F¨
ur die kleineren Cluster wird die in der DFT/PSP Referenz beschriebene
Struktur [DAR+01] benutzt.
Aus den generierten Strukturen werden die in der DFT/PSP Referenz berichteten energetisch g¨
unsti-
gen Strukturen ausgew¨
ahlt wenn sie gefunden wurden. Dies liefert Hinweise auf die Anwendbarkeit
des Vorgehens f¨
ur die GA Suche und die Transferabilit¨
at des Repulsivpotentials.
F¨
urdiese ausgew¨
ahlten Strukturen wird der zweite Schritt, also die Geometrieoptimierung unter vol-
ler Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation und mit verschiedenen magnetischen Momenten, durch-
gef¨
uhrt. Dies liefert erste Hinweise auf die Qualit¨
at der Beschreibung der magnetischen Eigenschaf-
ten mit der spinpolarisierten DFTB Methode.
4.4.1 Ergebnisse mit einem Hubbard U
Im Kapitel 2 und im Abschnitt 3.4 wurde gezeigt, daß f¨
ur organische Molek¨
ule praktisch keine Einfl¨
usse
der Behandlung der Spinpolarisation im Hamiltonoperator (strikte Einzentrenn¨
aherung) oder der Verwen-
dung drehimpulsabh¨
angiger Hubbard Us auf die Ergebnisse festzustellen sind. Daher soll auch hier von
dem Hamiltonoperator 1.69 unter Verwendung des Hubbard Us der 4s-Elektronen ausgegangen werden.
In Abbildung 4.3 sind die mit dem genetischen Algorithmus gefundenen Strukturen gezeigt. Die Kenn-
zeichnung in der Abbildung entspricht der energetischen Abfolge aus der SDFTB Rechnung. Im Bereich
bis zu Clustern mit 11 Atomen wurden alle energetisch g¨
unstigen Strukturen aus der DFT/PSP Referenz-
rechnung gefunden. Im Bereich der h¨
oherenergetischen Isomere treten Abweichungen auf. Im Vergleich
zur Referenzrechnung sind die Strukturen 11.2 und 11.3 vertauscht, wobei 11.3 nur ¨
ahnlich zu Referenz
ist. Es l¨
aßt sich aber trotzdem feststellen, daß die energetisch g¨
unstigsten Cluster der Referenz und auch
die n¨
achst ung¨
unstigeren Cluster gefunden werden. Damit kann angenommen werden, daß die Vorgehens-
weise in der GA Suche die DFT Potentialhyperfl¨
ache in diesem Gr¨
oßenbereich recht genau beschreibt.
Dies gilt insbesondere, da es keine Gr¨
unde gibt eine eins zu eins ¨
Ubereinstimmung zur DFT/PSP Refe-
renz zu erwarten.
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
71
µBµBµBµBµBµB
4.1; 16 (12) 7.1; 22 (22)5.1; 18 (16) 6.1; 20 (20)3.1; 12 (8)2.1; 8 (6)
µBµBµBµBµBµB
10.2; 32 (28)10.1; 34 (28) 10.3; 32 (28) 11.1; 36 (30) 11.2; 36 (30)
µBµBµBµBµBµB
7.2; 22 (22) 8.1; 24 (24) 8.2; 24 (24) 9.1; 26 (26) 9.2; 30 (26) 9.3; 30 (26)
11.3; 36 (32)
Abbildung 4.3: In der GA Suche gefundene Strukturen aus der DFT/PSP Referenz. Jede Struktur ist mit einer
Zahl gekennzeichnet. Die Ziffern vor dem Punkt geben die Anzahl der Atome im Cluster an, die Ziffern hinter dem
Punkt entsprechen der relativen Energetik innerhalb einer Clustergr¨
oße. Dabei kennzeichnet eine “1” den energetisch
g¨
unstigsten Cluster, eine “2” kennzeichnet den energetisch zweitg¨
unstigsten Cluster usw. Hinter dem Semikolon ist
das totale magnetische Moment berechnet mit spinpolarisiertem DFTB angegeben, in Klammern der zugeh¨
orige
Wert aus der DFT/PSP Referenzrechnung.
Die magnetischen Momente der Cluster, die im zweiten Schritt des Gesamtalgorithmus durch Variation der
Zahl der ungepaarten Elektronen bestimmt werden, weisen hingegen sehr deutliche Unterschiede zu den
Referenzergebnissen der DFT/PSP Rechnung auf. In Abbildung 4.4 sind, erg¨
anzend zu den totalen magne-
tischen Momenten aus Abbildung 4.3, die Momente pro Atom aus der SDFTB und der DFT/PSP Rech-
nung gezeigt. Die magnetischen Momente werden in der SDFTB Rechnung mit einem aus einer atomaren
3d74s1Konfiguration hervorgehenden Hamiltonoperator Nullter Ordnung tendenziell stark ¨
ubersch¨
atzt.
Insbesondere f¨
ur die kleinen Cluster mit bis zu vier Atomen findet man mit SDFTB ein konstantes ma-
gnetisches Moment von 4 µB/Atom. Dies ist deutlich h¨
oher als f¨
ur den hier betrachteten Spinanteil am
magnetischen Moment zu erwarten w¨
are. Im atomaren Fall existieren maximal vier ungepaarte Elektro-
nen die ein magnetisches Moment von 4 µB/Atom zur Folge h¨
atten. Da diese ungepaarten Elektronenspins
aufgrund der im Cluster eingegangenen Bindungen teilweise kompensiert werden ist ein kleinerer Wert
f¨
ur das magnetische Moment der Elektronenspins als im Atom zu erwarten. Nimmt man hier weiter an,
daß die Bindung im Cluster haupts¨
achlich durch die 4s Elektronen vermittelt wird und die 3d Elektronen
aufgrund ihrer starken Lokalisation5weitgehend inert bleiben, so ist ein maximales magnetisches Moment
von etwa 3 µB/Atom zu erwarten, was dem maximalen Anteil der 3d Elektronen im Atom entspricht.
Zuerst soll ¨
uberpr¨
uft werden, welchen Einfluß die Wahl der atomaren Konfiguration bei der Erzeugung
der Integraltabellen hat. Um dies absch¨
atzen zu k¨
onnen wurden f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster aus
Abbildung 4.3 eine Gesamtenergieberechnung unter Annahme einer atomaren 3d64s2Konfiguration f¨
ur
den Hamiltonoperator nullter Ordnung durchgef¨
uhrt. Das Ergebnis ist auch in Abbildung 4.4 im Vergleich
zur DFT/PSP Referenz gezeigt. Hier wird das magnetische Moment im Vergleich zur Referenz tenden-
ziell deutlich untersch¨
atzt, im Mittel findet man Werte von 2.5 µB/Atom was deutlich geringer ist als der
5Der Erwartungswert des Ortsoperators ist f¨
ur die 3d Elektronen des Atoms 1.07 aBw¨
ahrend der f¨
ur die 4s Elektronen
3.26 aBbetr¨
agt [FF77]. Die Annahme lokalisierter Spins in einer chemisch inerten 3d Schale entspricht dem Anderson bzw.
Heisenberg-Modell des Magnetismus. Es ist jedoch bekannt, daß dieses f¨
ur ¨
Ubergangsmetalle nicht anwendbar ist [Sla74].
72
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
4s
µB
3d 74s 1
3d 6 2
8 9 10 11
Atomanzahl
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
DFT/PSP
SDFTB
2
2.5
3
3.5
4
2 3 4 5 6 7
SDFTB
Abbildung 4.4: Magnetisches Moment pro Atom f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster aus Abbildung 4.3 mit
einem Hubbard U. In dieser Abbildung sind neben den DFT/PSP Referenzwerten die magnetischen Momente f¨
ur
SDFTB Rechnungen mit aus den atomaren 3d64s2und 3d74s1Konfigurationen bestimmten Hamiltonoperatoren
Nullter Ordnung angegeben.
Richtwert von etwa 3 µB/Atom den man aus den oben dargestellten ¨
Uberlegungen erh¨
alt.
Insgesamt betrachtet f¨
allt hier folgendes auf: Bei einer atomaren 3d74s1Konfiguration betr¨
agt das maxi-
male Moment der 3d Elektronen im Atom 3 µBw¨
ahrend es in der 3d64s2Konfiguration 4 µBbetr¨
agt, also
gr¨
oßer ist. Bei den Clustern findet man hingegen ein entgegengesetztes Verhalten. Die magnetischen Mo-
mente die mit einer 3d64s2Konfiguration zur Erzeugung des Hamiltonoperators f¨
ur die Cluster berechnet
werden sind deutlich kleiner als die DFT/PSP Referenzwerte und auch deutlich kleiner als die mit ei-
ner 3d74s1Konfiguration berechneten Momente, welche wiederum deutlich gr¨
oßer sind als die DFT/PSP
Referenzwerte.
Man findet also, daß unabh¨
angig von der Wahl der atomaren Konfiguration bei der Berechnung der Ma-
trixelemente des Hamiltonoperators nullter Ordnung signifikante Unterschiede zur DFT/PSP Referenz
auftreten. Dies und die Art der Abweichung deutet in beiden F¨
allen darauf hin, daß der Grund in der Ver-
teilung der Elektronen zwischen aus 3d und aus 4s bzw. 4p Atomorbitalen gebildeten Molek¨
ulorbitalen
liegt. Dies soll am Beispiel des Fe3Trimers, welches ein gleichschenkliges Dreieck ist, untersucht werden.
4.4.2 Analyse am Beispiel von Fe3
Die Analyse dieses Abschnitts soll sich auf die elektronischen Energieanteile des Fe3Molek¨
uls konzen-
trieren. Daher wurde die Geometrie festgehalten, so daß f¨
ur jede Zahl ungepaarter Elektronen nur eine
Gesamtenergieberechnung ohne Geometrieoptimierung durchgef¨
uhrt werden mußte. Der Energieanteil
des Repulsivpotentials bleibt also konstant.
Bevor jedoch eine quantitative Analyse versucht wird, soll auf den Annahmen des vorausgehenden Ab-
schnitts aufbauend zuerst eine modellhafte ¨
Uberlegung durchgef¨
uhrt werden. Im Abschnitt 4.4.1 wurde,
um eine Absch¨
atzung f¨
ur das zu erwartende magnetische Moment des Cluster zu erhalten, angenommen,
daß die lokalisierten 3d Elektronen nicht zur Bindung beitragen. Geht man in diesem Modell jetzt von
einem spinunpolarisierten Cluster aus (oder einem kleinen magnetischen Moment von 1 bis 2 µB/Atom),
so bedeutet die Erh¨
ohung des magnetischen Momentes das Umklappen von Spins in der chemisch inerten
3d Elektronenschale. Dem sind jedoch dadurch Grenzen gesetzt, daß die Zahl der d-Zust¨
ande des Atoms
begrenzt ist. Im Falle der atomaren 3d74s1Konfiguration von Eisen kann, wie schon oben bemerkt, das
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
73
Spinmoment durch die 3d Elektronen maximal 3 µB/Atom betragen. Soll das magnetische Moment noch
weiter erh¨
oht werde, so muß entweder ein Elektronentransfer aus der 3d Schale in andere Zust¨
ande (in
diesem Bild also durch die 4s und 4p Funktionen aufgespannte MO’s) stattfinden oder es muß im Bereich
der chemisch aktiven 4s und 4p Orbitalen ein ungepaarter Spin erzeugt werden. Bei einem realen Cluster
ist zu erwarten, daß das maximale Spinmoment der 3d Elektronen kleiner als 3 µB/Atom ist und das daher
eventueller Elektronentransfer fr¨
uher einsetzt.
Bei der Betrachtung der Spinpopulationen der einzelnen Orbitale, die hier nicht gezeigt werden, best¨
atigt
sich das im vorherigen Absatz entwickelte Bild, daß sich zuerst vor allem die Spinpopulationsdifferenz
in der 3d Schale erh¨
oht wenn sich das magnetische Moment vergr¨
oßert. Viel interessanter sind jedoch
die Mulliken-Gesamtpopulationen bzw. die Mulliken-Ladungen. Die Abbildung 4.5 zeigt die Mulliken-
Ladungen per Atom und Orbital im Fe3Molek¨
ul bezogen auf die atomare 3d74s1Konfiguration. Die
B
µ
p
−1
−0.5
0
0.5
1
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
1.5
2 2.67 3.33 4 4.67
Mullikenladung/ Atom
s
d
Abbildung 4.5: Mulliken-Ladungen der verschiedenen Orbitale eines Atoms im Fe3Molek¨
ul. Aufgrund der Sym-
metrie sind alle drei Atome ¨
aquivalent. Die Ladungen wurden als Differenz zwischen den Mulliken-Populationen
und den atomaren Besetzungen in der 3d74s1Konfiguration berechnet.
Population des d-Orbitals ¨
andert sich bei Variation der Zahl der ungepaarten Elektronen, d. h. des magne-
tischen Momentes, um knapp ein Elektron. Dieses wird vor allem dem p-Orbital und zu einem kleineren
Anteil dem s-Orbital hinzugef¨
ugt. Die Gesamtpopulation auf einem Atom bleibt hingegen mit acht Elek-
tronen konstant, da alle Atome ¨
aquivalent sind und es daher keinen Ladungstransfer gibt. Somit kann
man diese Daten tats¨
achlich in dem Bild interpretieren, daß ungepaarte Elektronen aus den lokalisierten
atomaren 3d Schalen heraus verlagert werden.
Dieser intra-atomare Ladungstransfer ¨
außert sich jedoch nicht in der Energetik die in Abbildung 4.6 ge-
zeigt wird. Da die Hubbard Us der 3d, 4s und 4p Orbitale gleich gew¨
ahlt wurden und jedes Atom insge-
samt acht Elektronen tr¨
agt, also neutral ist, sind die Beitr¨
age Eδnder Ladungsdichtefluktuation zur Gesam-
tenergie Null. Die Energetik bei festgehaltener Geometrie wird allein durch die direkt von der Besetzung
abh¨
angigen Beitr¨
age des Hamiltonoperators nullter Ordnung und dem Beitrag Eδmder Spinpolarisation
bestimmt, die einander entgegenwirken. Wie man aus der Gesamtenergiekurve sieht sind diese Beitr¨
age
f¨
ur das Minimum der Gesamtenergie bei einem magnetischen Moment von 4 µB/Atom verantwortlich. Der
Beitrag des Repulsivpotentials ¨
andert dieses Ergebnis auch bei freier Relaxation der Geometrie nicht.
Die Realisierung gr¨
oßerer magnetischer Momente hat also eine Umbesetzung von Elektronen aus loka-
lisierten Zust¨
anden in energetisch h¨
oher liegende Molek¨
ulorbitale zur Folge. Diese Umbesetzung wird
durch den Spinpolarisationsbeitrag energetisch beg¨
unstigt, w¨
ahrend ihr der Beitrag des Hamiltonopera-
tors nullter Ordnung entgegenwirkt. Geht man davon aus, daß die Differenzen zwischen den SDFTB und
74
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
Eδm
δn
E
tot
<
E
>
µB
H0
0.2
0.3
2 2.67 3.33 4
Magnetisches Moment/ ( /Atom) 4.67
Energie/ Hartree
−0.3
−0.2
−0.1
0
0.1
Abbildung 4.6: Die ¨
Anderung der Gesamtenergie des Fe3Molek¨
uls und ihre Anteile aufgetragen ¨
uber dem
magnetischen Moment pro Atom relativ zu den Werten f¨
ur ein magnetisches Moment von 2 µB/Atom. Dabei ist
hˆ
H0i=σ=,occ.
iniσhψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi, siehe Abschnitt 1.4.4. Der repulsive Energieanteil, welcher aufgrund
der festgehaltenen Geometrie mit 0.0594 H konstant ist, wird nicht gezeigt.
DFT/PSP Ergebnissen f¨
ur die magnetischen Momente durch ein Problem in der Beschreibung der Spinpo-
larisation an sich (und nicht etwa durch Probleme im Repulsivpotential oder im Hamiltonoperator nullter
Ordnung, siehe Abschnitt 4.3) bedingt sind, so legt die Energetik nahe, daß bisher ein dem Spinpolarisa-
tionsbeitrag entgegenwirkender Energiebeitrag nicht ber¨
ucksichtigt wurde6.
Der einzige Beitrag der außer dem Repulsivpotential f¨
ur die Energetik in Abbildung 4.6 keine Rolle spielt
ist der Ladungsfluktuationsbeitrag Eδn. Wie schon oben bemerkt ist er mit dem bis jetzt verwendeten
Modell f¨
ur die Elektronik der Cluster Null, obwohl Abbildung 4.5 einen relativ großen intra-atomaren
Ladungstransfer zeigt. Bei der Berechnung der Hubbard Us der verschiedenen atomaren Orbitale findet
man jedoch, daß sich ¨
Ubergangsmetalle qualitativ anders als Elemente der zweiten Reihe verhalten, siehe
AnhangC. W¨
ahrendzum Beispielf¨
urKohlenstoffUnterschiedein denHubbardUsder einzelnenOrbitale
von etwa 10 % findet, zeigt Eisen unabh¨
angig von der atomaren Konfiguration einen Unterschied von
etwa 200 % zwischen dem Hubbard Uder 3d Elektronen einerseits und denen der 4s und 4p Elektronen
andererseits. Dies findet man auch f¨
ur Nickel und ist ein Ausdruck der stark unterschiedlichen Lokalisation
der Elektronen5. Es w¨
are daher zu erwarten, daß bei Ber¨
ucksichtigung der unterschiedlichen HubbardUs
der verschiedenen Orbitale durch den intra-atomaren Ladungstransfer ein Energiebeitrag hervorgerufen
wird.
Dabei sind allerdings zwei Punkte zu beachten. Erstens wurde bisher im Zusammenhang mit der DFTB
Methode nur ein HubbardU, n¨
amlich das des h¨
ochsten besetzten atomaren Orbitals, verwendet. Zweitens
ergeben sich bei der Verwendung erweiterter Basiss¨
atze Probleme wie man z. B. an Silizium und Schwefel,
siehe Anhang C, sieht. F¨
ur die dort unbesetzten 3d Orbitale findet man negative Werte der Hubbard Us.
Um hier Konsistenz zu ¨
alteren Arbeiten zu gew¨
ahrleisten und gleichzeitig numerische Probleme bei der
Verwendung erweiterter Basiss¨
atze zu vermeiden soll f¨
ur Eisen das folgende Vorgehen versucht werden.
F¨
ur die 4s und 4p Elektronen wird das HubbardUder 4s Elektronen verwendet, f¨
ur die 3d Elektronen das
der 3d Elektronen. Dies entspricht der Verwendung des HubbardUs des h¨
ochsten besetzten Orbitals einer
6Nat¨
urlich h¨
angt der Betrag des Energiegewinns durch die Spinpolarisation auch vom Wert der WAll0ab. Allerdings zeigt
Abschnitt 3.4 das dieser nicht willk¨
urlich gew¨
ahlt werden kann. Eine Verwendung der mit LSDA berechneten Konstanten aus
dem Anhang C ergibt keine ¨
Anderung, da sich bei Summation ¨
uber alle Orbitale wieder eine Null ergibt.
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
75
δ
Eδ
n
Em
tot
E
H
B
0
< >
µ4
−0.2
0
Energie/ Hartree
−0.3
0.1
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
−0.1
0.2
0.3
2 2.67 3.33 4.67
Abbildung 4.7: Die ¨
Anderung der Gesamtenergie des Fe3Molek¨
uls und ihre Anteile aufgetragen ¨
uber dem
magnetischen Moment pro Atom relativ zu den Werten f¨
ur ein magnetisches Moment von 2 µB/Atom. Dabei ist
hˆ
H0i=σ=,occ.
iniσhψiσ|ˆ
H0[n0,0]|ψiσi, siehe Abschnitt 1.4.4. Der repulsive Energieanteil, welcher aufgrund
der festgehaltenen Geometrie mit 0.0594 H konstant ist, wird nicht gezeigt. Es wurden drehimpulsabh¨
angige Hub-
bard Us verwendet.
jeden atomaren Schale bzw. Hauptquantenzahl f¨
ur alle Orbitale dieser Schale. Dies ergibt f¨
ur Elemente der
zweiten Reihe das alte Vorgehen bei dem das HubbardUder 2p Elektronen f¨
ur die 2p und die 2s Orbitale
verwendet wurde. F¨
ur Schwefel und Silizium wird dann das Hubbard Uder 3p Elektronen verwendet
da im Atom keine 3d Elektronen existieren. Die Hubbard Us werden damit also letztendlich nicht mehr
abh¨
angig von der Drehimpulsquantenzahl sondern von der Hauptquantenzahl gew¨
ahlt. Trotzdem soll die
Bezeichnung “drehimpulsabh¨
angige Hubbard Us” im folgenden beibehalten werden.
Mit diesem Vorgehen ergibt sich die in Abbildung 4.7 gezeigte Energetik. Im Vergleich zu den Energie-
beitr¨
agen in der Rechnung mit einem Hubbard U, Abbildung 4.6, stellt man kaum ¨
Anderungen im Ver-
halten der Energiebeitr¨
age hˆ
H0iund Eδmfest. Jedoch f¨
uhrt der intra-atomare Ladungstransfer zu einem
nicht verschwindendem Beitrag Eδnder dem Energiegewinn durch die Spinpolarisation entgegenwirkt. In
der Summe dieser Beitr¨
age verschiebt sich das Minimum der Gesamtenergie Etot von 4 µB/Atom nach
2.67 µB/Atom, dem Wert der DFT/PSP Referenz. Allerdings ist der Gesamtenergieunterschied zwischen
2.67 µB/Atom und 3.33 µB/Atom immer noch sehr klein.
Die zugeh¨
origen Mulliken-Ladungen pro Atom werden in Abbildung 4.8 gezeigt. Dabei sind nur kleine
Unterschiede zu den in Abbildung 4.5 gezeigten, mit einem HubbardUberechneten, Mulliken-Ladungen
festzustellen. Die Mulliken-Ladung auf dem 3d Orbital sinkt ¨
uber den gesamten Kurvenverlauf etwas,
wobei die gr¨
oßte ¨
Anderung bei 2 µB/Atom auftritt. Die Besetzung wird also der im atomaren Referenzfall
¨
ahnlicher. Auch f¨
ur das 4s Orbital ergibt sich eine leichte ¨
Anderung in Richtung der atomaren Referenz.
Das 4p Orbital wird hingegen tendenziell etwas st¨
arker mit Elektronen aus dem 3d und dem 4s Orbital
besetzt, was man besonders bei 2 µB/Atom deutlich sehen kann. Entsprechend den Mulliken-Ladungen
zeigen sich auch beim Vergleich der Spinpopulationsdifferenzen kaum Unterschiede.
Zusammenfassend entspricht also die ¨
Anderung des magnetischen Momentes des Clusters im der SDFTB
Methode zugrunde liegenden Bild atomarer Mulliken-Ladungen einem intra-atomarer Ladungstransfer
von den 3d in 4s und 4p Orbitale. Die stark unterschiedliche Lokalisation dieser Orbitale ¨
außert sich in
stark unterschiedlichen HubbardUs. Anders als bei den Elementen der zweiten Reihe ist es hier essentiell,
den dadurch induzierten Energiebeitrag zu ber¨
ucksichtigen. Es wurde gezeigt, daß sich keine qualitativen
¨
Anderungen in den Mulliken-Ladungen selbst feststellen lassen. Allerdings gibt es Auswirkungen auf die
76
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
B
µ
d
−0.5
0
0.5
1
1.5
2 2.67 3.33 4 4.67
Mullikenladung/ Atom
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
s
p
−1
Abbildung 4.8: Mulliken-Ladungen der verschiedenen Orbitale eines Atoms im Fe3Molek¨
ul. Aufgrund der Sym-
metrie sind alle drei Atome ¨
aquivalent. Die Ladungen wurden als Differenz zwischen den Mulliken-Populationen
und den atomaren Besetzungen in der 3d74s1Konfiguration berechnet. Es wurden drehimpulsabh¨
angige Hubbard
Us verwendet.
Eigenwerte welche im Zusammenhang mit einer detaillierten Analyse der elektronischen Zustandsdichte
in Abschnitt 4.4.4 diskutiert werden sollen.
4.4.3 Magnetische Eigenschaften mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us
Die in den vorherigen Abschnitten dargestellte Analyse war auf den einfachen Fall des Fe3Molek¨
uls be-
schr¨
ankt. Es ist also noch zu pr¨
ufen, ob die bei diesem Beispiel gefundene Ursache f¨
ur die Abweichung
zur DFT/PSP Referenz, die Nichtber¨
ucksichtigung des Energiebeitrags des intra-atomaren Ladungstrans-
fers, auch bei anderen Atomanzahlen und geometrischen Konfigurationen die Unterschiede bedingt. Daher
wurde analog zur Vorgehensweise des Abschnitts 4.4.1 eine Berechnung der magnetischen Momente der
energetisch g¨
unstigsten Cluster aus Abbildung 4.3 durchgef¨
uhrt, allerdings unter Verwendung drehimpul-
sabh¨
angiger Hubbard Us nach der Vorschrift des Abschnitts 4.4.2. Die Ergebnisse sind in Abbildung 4.9
gezeigt. Dabei sind die Ergebnisse f¨
ur Hamiltonoperatoren nullter Ordnung, die mit atomaren 3d64s2und
3d74s1Konfigurationen erzeugt wurden, zusammen in das Diagramm eingezeichnet.
Es ist eine deutlich bessere ¨
Ubereinstimmung beider SDFTB Ergebnisse mit der DFT/PSP Referenz als
bei den mit einem Hubbard Uerzielten Ergebnissen, siehe Abbildung 4.4, festzustellen. Dar¨
uber hinaus
findet man eine eins zu eins ¨
Ubereinstimmung zwischen den SDFTB Resultaten. Dies zeigt, daß die Unter-
schiede zur Referenz f¨
ur beide Wahlen der f¨
ur den Hamiltonoperator nullter Ordnung zugrunde gelegten
atomaren Konfiguration die gleiche Ursache haben.
Die einzige Abweichung zu den DFT/PSP Referenzwerten findet man f¨
ur das Fe5Molek¨
ul. Hier findet
man mit der SDFTB Methode einen zu kleinen Wert des magnetischen Momentes. Allerdings betr¨
agt
der Unterschied zur Referenz absolut gesehen nur zwei ungepaarte Elektronen, was die minimale ¨
Ande-
rung des magnetischen Momentes ist wenn nur ganzzahlige ¨
Anderungen zugelassen werden. Da auch die
Energieunterschiede zwischen verschiedenen magnetischen Momenten oft klein sind, ist diese Abwei-
chung vor dem Hintergrund der sehr viel besseren ¨
Ubereinstimmung f¨
ur alle anderen betrachteten Cluster
zun¨
achst nicht als kritisch anzusehen. Sie zeigt aber schon den f¨
ur die SDFTB Ergebnisse mindestens
anzunehmenden m¨
oglichen Abweichungsbalken zu DFT Rechnungen auf.
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
77
7
2
µB
SDFTB, 3d
SDFTB, 3d6
1
4s
4s
2.6
3.3
3.4
2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Atomanzahl
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
3.1
3
2.9
2.8
DFT/PSP
2.7
3.2
Abbildung 4.9: Magnetisches Moment pro Atom f¨
ur die energetisch g¨
unstigen Cluster aus Abbildung 4.3 be-
rechnet mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us. In dieser Abbildung sind neben den DFT/PSP Referenzwerten
die magnetischen Momente f¨
ur SDFTB Rechnungen mit aus den atomaren 3d64s2und 3d74s1Konfigurationen be-
stimmten Hamiltonoperatoren Nullter Ordnung angegeben. Diese beiden Kurven sind nicht zu unterscheiden, die
Ergebnisse sind identisch.
4.4.4 Elektronische Eigenschaften von Fe15
Die Ber¨
ucksichtigung der Drehimpulsabh¨
angigkeit der Hubbard Us f¨
uhrt zu einer deutlichen Verbesse-
rung der Beschreibung der magnetischen Momente, ohne das in den Mulliken-Ladungen eine drastische
¨
Anderung zu erkennen war. Die Beschreibung der magnetischen Momente l¨
aßt jedoch keine zwingenden
R¨
uckschl¨
usse auf die Beschreibung der elektronischen Eigenschaften des Molek¨
uls zu. Im Energieband-
modell des Magnetismus [Sla68, Sla74] ist es vielmehr so, daß die Elektronenstruktur die magnetischen
Eigenschaften bedingt.
Aufgrund der inh¨
arenten N¨
aherungen der SDFTB Methode, wie z. B. der Vernachl¨
assigung von
Dreizentren- und Kristallfeldtermen deren Auswirkungen in Anhang F diskutiert werden, ist auch kei-
ne exakte ¨
Ubereinstimmung mit voll-selbstkonsistenten DFT Resultaten zu erwarten. Allerdings sollte es
m¨
oglich sein die elektronische Zustandsdichte (density of states, DOS) sowie die Lage des Fermi-Niveaus
bei verschiedenen magnetischen Momenten zu vergleichen. Hier k¨
onnen auch die Auswirkungen der Ver-
wendung drehimpulsabh¨
angiger Hubbard Us auf das Eigenwertspektrum diskutiert werden.
Dies soll konkret am Beispiel eines bcc Gitterausschnitts (OhSymmetrie) mit 15 Atomen erfolgen (Struk-
tur 15.3 in Abbildung 4.12). Aufgrund der Nicht-¨
Aquivalenz von Atomen und damit einhergehendem
Transfer von Ladungs- und Spindichte in diesem Cluster ist er f¨
ur die Analyse der magnetischen Ei-
genschaften analog zum Abschnitt 4.4.2 weniger geeignet. Allerdings wurde f¨
ur diese Geometrie eine
detaillierte, auf Xα-Ergebnissen beruhende, Analyse ver¨
offentlicht [YJS+81] die um die Ergebnisse ei-
ner eigenen DFT Rechnung unter Verwendung der LSDA7erg¨
anzt werden soll. Nach der Diskussion in
Abschnitt 4.4.2 soll von nun an nur noch der in Abschnitt 4.3 beschriebene, auf einer 3d74s1atomaren
Konfiguration beruhende Hamiltonoperator nullter Ordnung mit dem dazugeh¨
origen Repulsivpotential
Verwendung finden.
7Zum in diesem Kapitel f¨
ur die DFT/LSDA Vergleichsrechnungen verwendeten Programm siehe [PJ90, JP90, PP96], zur
LSDA Parametrisierung [WP91b, WP91a].
78
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
Magnetische Momente Verbindung zum Bandmodell des Magnetismus
In Abbildung 4.10 ist das Fermi-Niveau in Abh¨
angigkeit vom magnetischen Moment des Clusters, be-
rechnet mit verschiedenen Ans¨
atzen, gezeigt. Entsprechend dem Energiebandmodell [Sla68, Sla74] findet
man den folgenden Zusammenhang im Ergebnis der DFT/LSDA Rechnung, Abbildung 4.10a:
Bei kleinen magnetischen Momenten ist das Fermi-Niveau der Majorit¨
ats-Spintr¨
ager niedriger als
das der Minorit¨
atstr¨
ager.
Damit ist es energetisch g¨
unstig, wenn Minorit¨
ats- in Majorit¨
atstr¨
ager umgewandelt werden (in der
technischen Realisierung durch manuelle ¨
Anderung der Zahl der ungepaarten Elektronen). Dies hat
eine Vergr¨
oßerung des magnetischen Momentes, welches sich als Differenz zwischen der Zahl der
Majorit¨
ats- und Minorit¨
atstr¨
ager ergibt, zur Folge.
Die ¨
Anderung der Besetzung hat eine ¨
Anderung der Potentiale f¨
ur die zu den Majorit¨
ats- wie auch
den Minorit¨
ats-Spintr¨
agern geh¨
orenden Elektronen zur Folge. Dadurch ¨
andern sich auch die jewei-
ligen Fermi-Niveaus.
Im Fall großer magnetischer Momente steigt dadurch schließlich das Fermi-Niveau der Majo-
rit¨
atstr¨
ager ¨
uber das der Minorit¨
atstr¨
ager.
Zwischen diesen beiden Extremen befindet sich ein Punkt bei dem die Fermi-Niveaus beinahe gleich
sind. W¨
urde man nicht-ganzzahlige ¨
Anderungen der Elektronenzahl zulassen, so w¨
urde man zwi-
schen den Datenpunkten der Abbildung einen Punkt finden bei dem beide Fermi-Niveaus exakt
gleich w¨
aren. Dieser Punkt bestimmt nach dem Energiebandmodell das intrinsische magnetische
Moment [Sla68, Sla74].
Im Energiebandmodell folgt also das magnetische Moment allein aus der Betrachtung der elektro-
nischen Eigenschaften ohne Einbeziehung der Gesamtenergie8. Die bisher ver¨
offentlichten, auf voll-
selbstkonsistenten DFT Berechnungen beruhenden Arbeiten zu kleinen Eisenclustern, z. B. [BPJS+02]
und [DAR+01], gehen jedoch implizit von einem anderen Ansatz aus, der auch f¨
ur Abbildung 4.10 Ver-
wendung fand. Dabei handelt es sich um eine Suche nach dem Grundzustand mit externen Zwangsbedin-
gungen. Wie aus Abbildung 4.10a ersichtlich ist, sind die Fermi-Niveaus bei vorgegebenem magnetischen
Moment nicht zwangsl¨
aufig identisch. Dies entspricht der Wirkung eines ¨
außeren Magnetfeldes und stellt
die von außen vorgegebene Zwangsbedingung dar [GLP92]. Identische Fermi-Niveaus zeigen ein ver-
schwindendes ¨
außeres Magnetfeld an.
Rechnungen dieser Art wurden zuerst zur Beschreibung magnetischer Phasen¨
uberg¨
ange durchgef¨
uhrt
[Mor86, MMSM86]. In dieser Vorgehensweise ist der magnetische Grundzustand des Systems bei fester
Geometrie durch den Punkt gegeben, an dem die Gesamtenergie als Funktion des magnetischen Momen-
tes ein Minimum annimmt bzw. genauer die erste Ableitung der Gesamtenergie nach dem magnetischen
Moment Null wird. Hier ist also die Gesamtenergie sowohl von der atomaren Konfiguration als auch vom
¨
außeren Magnetfeld abh¨
angig. Da im Molekularstrahlexperiment allerdings die atomare Konfiguration des
Clusters und damit auch sein Volumen frei ist liefert eine solche Rechnung im Experiment nicht beobacht-
bare Gr¨
oßen. Daher beschr¨
ankt man sich im allgemeinen darauf, bei fest vorgegebenem magnetischem
Moment eine Geometrieoptimierung durchzuf¨
uhren. Aufgetragen ¨
uber dem magnetischen Moment gibt
das Minimum dieser Energien den magnetischen Grundzustand an.
8In Arbeiten die diesem Ansatz folgen wird das gemeinsame Fermi-Niveau selbstkonsistent bestimmt. Dies kann allerdings
zu numerischen Problemen f¨
uhren [Con67, MMSM86].
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
79
µB
d) SDFTB IVc) SDFTB II
b) SDFTB IIIa) DFT/LSDA
B
µ
B
µ
B
µ
−0.08
2.8 3 3.2 3.4
−0.18
−0.17
−0.16
−0.15
−0.14
−0.13
−0.12
−0.11
−0.1
2.4 3.4
Magnetisches Moment/ ( /Atom) 3.23
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
2.82.6
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
2.4 2.6 2.8 3 3.2 3.42.4 2.6 2.8 3 3.2 3.4 −0.27
−0.26
−0.25
−0.24
−0.23
−0.22
−0.21
−0.2
−0.19
−0.18
−0.27
−0.26
−0.25
−0.24
−0.23
−0.22
−0.21
−0.2
−0.19
−0.18
2.4
−0.09
−0.1
−0.11
Majorität
Minorität
Majorität
Minorität
Majorität
−0.12
−0.13
Fermi Niveau /Hartree
Fermi Niveau /Hartree
Fermi Niveau /Hartree
Fermi Niveau/ Hartree
−0.16
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
Minorität
Majorität −0.14
−0.15 Minorität
2.6
Abbildung 4.10: Fermi-Niveau eines bcc Gitterausschnitts aus 15 Eisenatomen aufgetragen ¨
uber dem magnetischen Moment pro Atom. Die mit spinpolarisiertem DFTB
gefundenen Geometrie wurde f¨
ur alle Rechnungen verwendet und festgehalten. Teilfigur a: Ergebnis einer DFT Rechnung in LSDA; die Kurven am Gleichgewichtsabstand in
LSDA sind in schwarz mit kleinen Symbolen gezeichnet. Teilfigur b: Ergebnis einer spinpolarisierten DFTB Rechnung mit einem Hubbard Uunter Verwendung des Hamil-
tonoperators 1.71; Teilfiguren c und d: Ergebnis einer spinpolarisierten DFTB Rechnung mit drehimpulsabh¨
angigen Hubbard Us unter Verwendung des Hamiltonoperators
1.71 (c) bzw. 1.69 (d). Die Abk¨
urzungen SDFTB II, SDFTB III, SDFTB IV entsprechen denen aus Kapitel 2.
80
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
Fermi-Niveau
Zus¨
atzlich zu dem DFT/LSDA Ergebnis sind in Abbildung 4.10 die Fermi-Niveaus der Majorit¨
ats- und
Minorit¨
ats-Spintr¨
ager aus SDFTB Ergebnissen, Teilabbildungen 4.10b bis 4.10d, gezeigt. Die magneti-
schen Momente f¨
ur die das Minimum der Gesamtenergie erreicht wird sind jeweils durch eine gestrichelte
senkrechte Linie im Diagramm angezeigt. Dabei ist zu beachten, daß die Clustergeometrie festgehalten
wurde. Es wurde die in SDFTB erhaltene Geometrie verwendet. Dies macht sich im Falle der DFT/LSDA
Rechnung dadurch bemerkbar, daß das Minimum der Gesamtenergie nicht wie im Falle voller Relaxa-
tion bei 2.93 µB/Atom, sondern bei 3.2 µB/Atom angenommen wird obwohl die Fermi-Niveaus deutlich
verschieden sind. In einer Rechnung mit der voll relaxierten DFT/LSDA Geometrie findet man hingegen
identische Fermi-Niveaus am Minimum der Gesamtenergie bei dann 2.93 µB/Atom, die Kurven werden
verschoben. Die zu dieser optimalen Geometrie in DFT/LSDA geh¨
orenden Fermi-Niveaus sind in Abbil-
dung 4.10a in schwarz eingezeichnet. F¨
ur die folgende Diskussion macht es keinen Unterschied welche
Kurven betrachtet werden da die qualitativen Eigenschaften erhalten bleiben.
Beim Vergleich der mit dem Vorgehen SDFTB III, siehe Kapitel2 zur Bezeichnungsweise, erhaltenen Kur-
ve in Abbildung 4.10b mit dem DFT/LSDA Resultat aus Abbildung 4.10a stellt man qualitative Differen-
zen fest. Im diesem mit einem HubbardUerzielten SDFTB Ergebnis findet man statt einem zwei Schnitt-
punkte der beiden Fermi-Niveaus. Auch der Verlauf der Kurven bei ¨
Anderung des magnetischen Mo-
mentes unterscheidet sich durch seine Flachheit zwischen den Schnittpunkten deutlich vom DFT/LSDA
Ergebnis. Es ist allerdings unwahrscheinlich, daß diese Unterschiede durch die festgehaltene Geometrie
induziert werden. Diese machte sich in der DFT/LSDA Rechnung dadurch bemerkbar, daß das Minimum
der Gesamtenergie bei einem magnetischen Moment mit deutlich unterschiedlichen Fermi-Niveaus ange-
nommen wurde. Das ist hier nicht der Fall. Weiterhin hatte die festgehaltene Geometrie in der DFT/LSDA
Rechnung auch nur eine Verschiebung der Kurven ohne ¨
Anderung ihres Verlaufs zur Folge.
Die Verl¨
aufe der beiden mit drehimpulsabh¨
angigen HubbardUs berechneten Kurven, Abbildungen 4.10c
und 4.10d, sind hingegen in sehr guter qualitativer ¨
Ubereinstimmung mit dem DFT/LSDA Ergebnis. Man
findet genau einen Kreuzungspunkt im betrachteten Bereich und auch die Kr¨
ummungen sind vergleich-
bar. Da sich in der ¨
Anderung des Fermi-Niveaus direkt die ¨
Anderung des elektronischen Potentials wider-
spiegelt ist die qualitative ¨
Ubereinstimmung mit dem DFT/LSDA Ergebnis ein weiterer Hinweis darauf,
daß eine Ber¨
ucksichtigung der unterschiedlichen Hubbard Us f¨
ur die korrekte Beschreibung von ¨
Uber-
gangsmetallsystemen notwendig ist. Hier ist allerdings anzumerken, daß die beiden Datenpunkte im grau
hinterlegten Bereich auf schlechter konvergierten Ergebnissen beruhen als die anderen Datenpunkte9.
Im Gegensatz zum unendlich ausgedehnten Festk¨
orper ist der Absolutwert des Fermi-Niveaus eines Clu-
sters eine im Prinzip experimentell zug¨
angliche Gr¨
oße. Beim Vergleich dieser Absolutwerte in Abbildung
4.10 stellt man eine starke ¨
Anderung durch die Ber¨
ucksichtigung drehimpulsabh¨
angiger HubbardUs fest.
W¨
ahrend das Fermi-Niveau in der DFT/LSDA Rechnung im Bereich von etwa -0.14 H liegt, verschiebt
es sich in den SDFTB Rechnungen, Abbildung 4.10c und 4.10d, auf etwa -0.22 H. Die Erkl¨
arung hierf¨
ur
liegt, wie schon in Kapitel 2 bemerkt, direkt in den Diagonalelementen des Hamiltonoperators. Die zu
den d-Elektronen geh¨
orenden Diagonalelemente werden in erster N¨
aherung um die Differenz zwischen
UdundUs, siehe Anhang C, relativ zum in Abbildung 4.10b gezeigten Fall eines Hubbard Us nach unten
verschoben. Dies ¨
ubertr¨
agt sich direkt auf das Fermi-Niveau.
Diese doch recht starke Verschiebung ist jedoch im Lichte anderer Ergebnisse zu sehen. W¨
ahrend man mit
der XαN¨
aherung ein Fermi-Niveau von etwa -0.2 H erh¨
alt [YJS+81] findet man in neueren DFT Rechnun-
gen mit einem anderen LSDA Funktional ein Fermi-Niveau von etwa -0.15 H [LCD84]. Dies zeigt, daß der
genaue Wert des Fermi-Niveaus durchaus von den numerischen Details und dem Austausch-Korrelations
Funktional der Berechnung abh¨
angt. Aus experimentellen Photoelektronenspektren entnimmt man verti-
kale Elektronenaffinit¨
aten von etwa 1.3 bis 2.2 eV f¨
ur Cluster im Gr¨
oßenbereich von 3 bis 24 Atomen
9F¨
ur die hier pr¨
asentierten Ergebnisse wurde ansonsten eine Konvergenz von mindestens 108Hartree in der Gesamtenergie
und eine Konvergenz von mindestens 103Elektronen in der Ladungs¨
anderung erreicht. Bei den DFT/LSDA und SDFTB Rech-
nungen dieses Kapitels wurde eine Fermi-Verbreiterung verwendet, ohne diese ist bei den auftretenden Mehrfachentartungen am
HOMO keine Konvergenz zu erreichen.
4.4. SUCHALGORITHMUS UND TEST DER METHODIK
81
[WCF95]. Es kann also vermutet werden, daß auch die Fermi-Niveaus aus den DFT Rechnungen relativ
große Abweichungen zum Experiment aufweisen10. Daher kann aus dieser Verschiebung allein nicht auf
ein generelles Defizit der Beschreibung mit der spinpolarisierten DFTB Methode geschlossen werden.
In den Abbildungen 4.10c und 4.10d werden schließlich die Fermi-Niveaus in Abh¨
angigkeit vom magne-
tischen Moment f¨
ur die beiden Hamiltonoperatoren der Gleichungen 1.69 und 1.71, also mit und ohne
strikte Einzentrenn¨
aherung f¨
ur die Spinpolarisationsbeitr¨
age, verglichen. Im Bereich der gut konvergier-
ten Datenpunkte (die Punkte f¨
ur die nur eine weniger guter Konvergenz erreicht werden konnte sind grau
hinterlegt, siehe oben) findet man keine qualitativen Unterschiede zwischen den beiden Kurven, sondern
vielmehr quantitative ¨
Ubereinstimmung. Die ¨
Anderungen der Energien sind kleiner als 0.002 H.
Elektronischen Zustandsdichte
Der Vergleich der Fermi-Niveaus in diesem Abschnitt 4.4.4 lieferte vor allem Aufschluß ¨
uber die Beschrei-
bung der ¨
Anderung der elektronischen Potentiale f¨
ur Majorit¨
ats- und Minorit¨
ats-Spintr¨
ager bei ¨
Anderung
des magnetischen Momentes. Allerdings lassen sich aus diesen Daten keine R¨
uckschl¨
usse ¨
uber die ge-
samte Elektronenstruktur ziehen da das Fermi-Niveau eine skalare Gr¨
oße ist. Ein detaillierterer Einblick,
ohne die r¨
aumliche Elektronenstruktur Orbital f¨
ur Orbital zu analysieren, l¨
aßt sich aus der elektronischen
Zustandsdichte gewinnen.
In Abbildung 4.11 sind f¨
ur den betrachteten Fe15 Cluster die elektronischen Zustandsdichten berechnet
mit DFT/LSDA und SDFTB gezeigt. Diese wurden durch Verbreiterung der Kohn-Sham Einteilchenener-
gien mit einer Gaußfunktion der Breite 0.2 eV, entsprechend 0.007 H, erhalten. Wegen des Unterschiedes
in der absoluten Lage des Fermi-Niveaus wurden die Kurven so verschoben, daß das Fermi-Niveau bei
Null liegt. Wie man am mit “1” bezeichneten Maximum der Zustandsdichte erkennt ist die Gesamttiefe
(Energiedifferenz zwischen “1” und dem Fermi-Niveau) des SDFTB Eigenwertspektrums um etwa 0.5 eV
geringer als die des DFT/LSDA Eigenwertspektrums. Dies korrespondiert damit, daß die Valenzbandbrei-
te der DFTB Bandstruktur des Festk¨
orpers geringer ist als die der DFT Referenz, siehe Abschnitt 4.3. Dies
¨
außert sich weiterhin in einer Stauchung des Spektrums, die bei der gew¨
ahlten Verbreiterung dazu f¨
uhrt,
daß Strukturen die in der DFT/LSDA Zustandsdichte gerade noch unterscheidbar sind in der SDFTB Zu-
standsdichte ununterscheidbar werden, was z. B. an den mit “4” und “9” bezeichneten Maxima erkennbar
wird.
Die Grundlegende Struktur der Zustandsdichte bleibt jedoch erhalten und ist in guter ¨
Ubereinstimmung
mit der DFT/LSDA Vergleichsrechnung. Insbesondere die Lage des Fermi-Niveaus relativ zu den Maxima
“5” und “9” stimmt ¨
uberein. Die Zusammensetzung der molekularen Orbitale aus den atomzentrierten
Basisfunktionen wurde in [YJS+81] ausf¨
uhrlich untersucht. In ¨
Ubereinstimmung mit dieser Analyse findet
man durch Betrachtung der SDFTB Mulliken-Populationen per Eigenzustand:
Die Maxima “1” und “6” resultieren aus einem einzigen Eigenwert. Das zugeh¨
orige molekulare
Orbital ist eine Linearkombination aus der 4s Basisfunktion des Zentralatoms des Clusters und 4s
Basisfunktionen der anderen Atome. Beitr¨
age von Basisfunktionen mit anderen Drehimpulsen gibt
es nur von den ¨
außeren Atomen. Diese sind um eine Gr¨
oßenordnung geringer als die Beitr¨
age der
4s Basisfunktionen. Auch dies stimmt qualitativ mit der Referenz [YJS+81] ¨
uberein.
F¨
ur das mit “2” bezeichnete Maximum in Abbildung 4.11 findet man einen ¨
Ubergang von Mo-
lek¨
ulorbitalen die ausschließlich aus den 4p Basisfunktionen des Zentralatoms und Funktion der
¨
außeren Atome gebildet werden zu Molek¨
ulorbitalen die ausschließlich aus 3d Basisfunktionen des
Zentralatoms und Basisfunktionen der anderen Atome gebildet werden.
Dieses Bild ¨
andert sich f¨
ur die mit “3” und “8” bezeichneten Maxima. Hier findet man einen ver-
nachl¨
assigbaren Beitrag des Zentralatoms zu den entsprechenden Molek¨
ulorbitalen. Sie werden
10Probleme mit der Interpretation der Kohn-Sham Eigenwerte als physikalische Einteilchenenergien sollen hier unber¨
ucksich-
tigt bleiben.
82
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
Energie/ Hartree (E
f
8
7
4
3
2
6
9
8
Energie/ eV (E =0 eV)
5
7
5
4
3
2
6
1
1
SDFTB
=0 H)
DFT/LSDA
f
9
Majorität
20
10
0
20
30
40
50
Zustandsdichte/ willk. Einheiten
10
−0.26 −0.22 −0.18 −0.15 −0.11 −0.07 −0.04 0 0.04
40
50
10
30
Zustandsdichte/ willk. Einheitem
Minorität
Minorität
Majorität
40
30
20
10
0
20
40
210−1−2−3−4−5−6−7
0.07
30
Abbildung 4.11: Elektronische Zustandsdichten f¨
ur einen bcc Gitterausschnitt mit 15 Eisenatomen berechnet mit
DFT/LSDA und SDFTB. Die Zustandsdichte der Minorit¨
atstr¨
ager wurde nach unten gezeichnet. Die Zustandsdich-
ten wurden so verschoben, daß das Fermi-Niveau bei 0 H liegt.
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 83
haupts¨
achlich durch die 3d Basisfunktionen der 14 ¨
außeren Atome aufgespannt. Auch dies ent-
spricht der Referenz und ist durch die Symmetrie des Clusters bedingt [YJS+81].
Die Maxima “4” und “9” enthalten schließlich Molek¨
ulorbitale die durch Linearkombinationen aller
Basisfunktionen gebildet werden.
Auch f¨
ur das mit “5” bezeichnete Maximum in der Zustandsdichte der Majorit¨
ats-Spintr¨
ager l¨
aßt
sich keine klare Zuordnung zu bestimmten Basisfunktionen oder Atomen treffen.
Ein signifikanter Unterschied zur XαVergleichsrechnung [YJS+81] tritt jedoch mit der Existenz des
mit “7” bezeichneten Maximums in der Zustandsdichte der Minorit¨
ats-Spintr¨
ager auf. Dieses wird in
[YJS+81] nicht beschrieben. Das Maximum ist von der Zusammensetzung, die f¨
ur den niederenergeti-
schen Teil von “2” in der Zustandsdichte der Majotit¨
at im SDFTB Ergebnis gefunden wird. In der in
Abbildung 4.11 gezeigten DFT/LSDA Zustandsdichte ist dieses Maximum jedoch in ¨
Ubereinstimmung
mit dem SDFTB Resultat vorhanden, was weiterhin in ¨
Ubereinstimmung mit neueren DFT Rechnungen
f¨
ur das gleiche System ist [LCD84]. Es kann somit davon ausgegangen werden, daß dieser Unterschied
Ausdruck verschiedener Approximationen f¨
ur das Austausch-Korrelations Funktional oder verschiedener
numerischer Behandlung (in [YJS+81] wird eine Atomsph¨
aren-N¨
aherung verwendet w¨
ahrend in [LCD84]
weniger starke Approximationen Verwendung finden) ist.
Das HOMOder Majorit¨
ats-Spintr¨
ager ist in der spinpolarisierten DFTB Rechnung mit einem Elektron
besetzt und dreifach entartet w¨
ahrend HOMOnicht entartet ist. Dies entspricht dem DFT/LSDA Ergeb-
nis f¨
ur das gleiche magnetische Moment sowohl bei der hier verwendeten festgehaltenen als auch bei
freigegebener Geometrie des Clusters.
In der XαRechnung [YJS+81] erh¨
alt man einen magnetisches Moment von nur 2.7 µB/Atom w¨
ahrend
[LCD84] 2.9 µB/Atom ergibt. Dies zeigt noch einmal die starke Empfindlichkeit der Berechnung von
den verwendeten Dichtefunktionalen und eventuellen numerische N¨
aherungen, die nat¨
urlich die Matri-
xelemente des DFT Hamiltonoperators beeinflussen. Auch in [YJS+81] findet man einen metallischen
Grundzustand, HOMOhat egSymmetrie und ist mit einem Elektron besetzt w¨
ahrend HOMOdreifach
entartet (tgSymmetrie) und mit zwei Elektronen besetzt ist.
4.5 Ergebnisse f¨
ur Cluster bis Fe32
Dieser Abschnitt dient zwei Zwecken. Zum einen sollen die SDFTB Ergebnisse bis einschließlich Fe17
pr¨
asentiert werden. Diese k¨
onnen mit den Ergbnissen der DFT/PSP Literaturreferenz sowie mit eigenen
DFT/LSDA Rechnungen verglichen werden, so daß sich ein sehr viel besserer ¨
Uberblick ¨
uber die Lei-
stungsf¨
ahigkeit der spinpolarisierten DFTB Methode ergibt. Insbesondere konnte in dem vorausgehenden
Abschnitt 4.4 an kleinen Clustern noch nicht gezeigt werden, wie gut die Energiebewertung der Cluster
mit der spinpolarisierten DFTB Methode im Vergleich zur DFT ist.
Zum anderen ist aus dem Experiment bekannt, daß in dem Gr¨
oßenbereich bis Fe32 mehrere energetisch
sehr stabile Cluster liegen und das die magnetischen Momente teilweise stark variieren. Hier soll versucht
werden diese Cluster zu identifizieren und wenn m¨
oglich Korrelationen zwischen Struktur und magneti-
schen und elektronischen Eigenschaften aufzuzeigen.
In dem vorhergehenden Abschnitt 4.4 dieses Kapitels wurden verschiedene Vorgehensweisen innerhalb
der spinpolarisierten DFTB Methode im Hinblick auf ihren Einfluß auf die Beschreibung magnetischer
und elektronischer Eigenschaften untersucht. Diese Ergebnisse begr¨
unden folgende Wahl f¨
ur den Rest
dieses Kapitels:
Es wird die im Kapitel 4.3 und im Anhang E beschriebene Integraltabelle f¨
ur den Hamiltonoperator
nullter Ordnung beruhend auf einer 3d74s1Konfiguration des zugrunde liegenden Pseudoatoms mit
den Kompressionsradien rBasis
0=3.2aBund rDichte
0=14 aBverwendet.
Es werden drehimpulsabh¨
angige Hubbard Us verwendet. Dabei ist das HubbardUder 4p Elektro-
nen gleich dem der 4s Elektronen.
84
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
Es wird der Hamiltonoperator aus Gleichung 1.69 verwendet.
Zum Vergleich sollen, wie schon im vorhergehenden Teil dieses Kapitels, die DFT/PSP Literaturreferenz
[DAR+01], auf die im folgenden nur noch als DFT/PSP Bezug genommen werden soll, sowie eine eigene
DFT/LSDA Rechnung unter Ber¨
ucksichtigung aller Elektronen herangezogen werden.
4.5.1 Clusterstrukturen bis Fe17
In Abbildung 4.12 sind in der GA Suche gefundene energetisch g¨
unstige Clusterstrukturen bis zu 17
Eisenatomen gezeigt. Neben den magnetischen Momenten sind auch die Bindungsenergien angegeben,
wobei diese im Falle der SDFTB und der DFT/LSDA Resultate auf das Atom in 3d74s1Konfiguration
bezogen sind (der Energieunterschied zum 3d64s2Atom kann dem Anhang E entnommen werden). Die
Bezeichnung der Cluster entspricht dem schon in Abbildung 4.3 verwendeten Schema, tats¨
achlich sind
die Strukturen und magnetischen Momente bis Fe11 identisch mit den schon in Abschnitt 4.4 pr¨
asentierten
Ergebnissen.
Beim Vergleich zu den voll-selbstkonsistenten KS-DFT Resultaten sind drei Parameter von Interesse: die
gefundenen Strukturen an sich, die ihnen zugeordneten magnetischen Momente und die Bindungsener-
gien bzw. die relative Energetik innerhalb einer Clustergr¨
oße. F¨
ur die in Abbildung 4.12a angegeben,
energetisch g¨
unstigsten in der DFTB basierten GA Suche gefundenen Isomere findet man eine sehr gute
¨
Ubereinstimmung der gefundenen Strukturen zur DFT/PSP Literaturreferenz. Einzig im Falle von Fe14
wird in der DFTB basierten GA Suche eine Struktur gefunden die sich im zweiten Schritt des Suchalgo-
rithmus unter voller Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation, siehe Abschnitt 4.4, als g¨
unstiger als die in
der DFT/PSP Referenz gefundene beste Struktur entpuppt und dort auch nicht beschrieben wird. Diese
Struktur besteht aus zwei Sechsringen, einem Zentralatom zwischen den Ringen auf der Achse und einem
Atom welches eine Kappe bildet. Die energetisch g¨
unstigste Struktur mit 15 Atomen geht aus ihr durch
Hinzuf¨
ugen eines weiteren kappenden Atoms hervor. In sofern ist diese neue Struktur keineswegs außer-
gew¨
ohnlich, sondern reiht sich direkt in das Wachstumsmuster der aus der DFT/PSP Referenz bekannten
Strukturen ein.
Diese neue Struktur muß auch im Zusammenhang mit der Energetik der in Abbildung 4.12b angegebenen
energetisch ung¨
unstigeren Isomere und den DFT/LSDA Ergebnissen gesehen werden. Die DFT/LSDA
Rechnung zeigt, daß die neue Struktur 14.1 auch in voll-selbstkonsistenter DFT energetisch im selben
Bereich wie die beiden in der DFT/PSP Literaturreferenz beschriebenen Strukturen 14.2 und 14.3 liegt.
Weiterhin stimmen auch die beiden DFT Rechnungen nicht in der energetischen Reihenfolge der beiden
Strukturen 14.2 und 14.3 ¨
uberein. Somit ist die Struktur 14.1 auch vom energetischen Standpunkt plausi-
bel. Es wird aber auch deutlich, daß Energieunterschiede im Bereich von 0.01 eV/Atom f¨
ur Eisencluster
im allgemeinen noch nicht signifikant sind.
F¨
ur die energetisch weniger g¨
unstigen Isomere, Abbildung 4.12b, stellt man weitere Unterschiede zwi-
schen den SDFTB und den DFT/PSP Ergebnissen fest. Im Falle der Fe11 Isomere werden statt der energe-
tisch zweitbesten Struktur der Referenz zwei sehr ¨
ahnliche Strukturen gefunden, die in der Abbildung
mit 11.3 und 11.4 bezeichnet werden. Sie liegen energetisch um 0.02 eV/Atom bzw. 0.03 eV/Atom
h¨
oher als die auch in der DFT/PSP Arbeit gefundene Struktur 11.2 der Abbildung. Dies deckt sich
mit der DFT/LSDA Rechnung. Die energetisch beste Struktur 11.1 ist mit einer Energiedifferenz von
0.12 eV/Atom klar von der Struktur 11.2 der Abbildung abgesetzt, was durch die DFT Ergebnisse best¨
atigt
wird.
Die Strukturen 12.2 und 12.3 werden mit spinpolarisiertem DFTB und mit DFT/LSDA als iso-energetisch
eingestuft, w¨
ahrend in der DFT/PSP Referenz ein kleiner Unterschied zugunsten von 12.3 gefunden wird.
Die energetisch g¨
unstigste Struktur 12.1 ist hingegen wieder deutlich von diesen getrennt, mit SDFTB
findet man eine Energiedifferenz von 0.06 eV/Atom was der Gr¨
oßenordnung in den DFT Rechnungen,
0.07 eV/Atom bzw. 0.09 eV/Atom, entspricht.
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 85
SDFTB = fett ; DFT/PSP = kursiv ;
a) Isomere mit größter Bindungsenergie b) Isomere mit kleineren Bindungsenergien
DFT/LSDA = normal ;
B
B
µB
µ4.49 eV/At.; 304.51 eV/At.; 30
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
4.52 eV/At.; 30
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
2.1
2.11 eV/At.; 6
2.37 eV/At.; 6
2.25 eV/At.; 6
2.97 eV/At.; 8
3.1
2.67 eV/At.; 8
2.88 eV/At.; 8
3.63 eV/At.; 12
4.1
3.30 eV/At.; 12
3.13 eV/At.; 12
5.1
3.73 eV/At.; 16
6.1
4.46 eV/At.; 20
3.77 eV/At.; 20
4.69 eV/At.; 22
7.1
3.97 eV/At.; 22
4.86 eV/At.; 24
8.1
4.12 eV/At.; 24
4.35 eV/At.; 24
4.98 eV/At.; 26
9.1
4.19 eV/At.; 26
4.43 eV/At.; 26
5.07 eV/At.; 28
10.1
4.27 eV/At.; 28
4.52 eV/At.; 28
5.13 eV/At.; 30
11.1
4.30 eV/At.; 30
4.58 eV/At.; 30
5.22 eV/At.; 32
12.1
4.37 eV/At.; 32
4.66 eV/At.; 32
5.32 eV/At.; 34
13.1
4.73 eV/At.; 34
4.43 eV/At.; 34
15.1
5.47 eV/At.; 48
4.57 eV/At.; 48
14.1
5.36 eV/At.; 42
4.86 eV/At.; 484.74 eV/At.; 42
5.53 eV/At.; 50
16.1
4.62 eV/At.; 50
4.90 eV/At.; 50
5.57 eV/At.; 52
17.1
4.66 eV/At.; 52
4.96 eV/At.; 52
4.00 eV/At.; 20 4.23 eV/At.; 22
µB
B
µ
12.2
8.2
4.29 eV/At.; 24
9.2
4.43 eV/At.; 26
9.3
4.37 eV/At.; 26
10.2
4.52 eV/At.; 28
10.3
4.46 eV/At.; 28
11.2 11.3 11.4
12.3 13.2 13.3
4.57 eV/At.; 34 4.63 eV/At.; 32
14.2 14.3 14.4 15.2
4.77 eV/At.; 40 4.74 eV/At.; 42 4.71 eV/At.; 42 4.80 eV/At.; 44
16.215.3 16.3 17.2
4.80 eV/At.; 44 4.89 eV/At.; 46 4.85 eV/At.; 46 4.87 eV/At.; 50
µB
B
µ
µB
B
µ
µ
µ
B
µ
4.79 eV/At.; 24
4.05 eV/At.; 24
4.96 eV/At.; 26
4.17 eV/At.; 26
4.89 eV/At.; 26
4.10 eV/At.; 26
5.06 eV/At.; 28
4.25 eV/At.; 28
5.01 eV/At.; 28
4.21 eV/At.; 28
5.11 eV/At.; 30
4.25 eV/At.; 30
5.09 eV/At.; 32 5.08 eV/At.; 30
5.16 eV/At.; 34 5.16 eV/At.; 34 5.25 eV/At.; 38 5.22 eV/At.; 32
4.31 eV/At.; 32
5.36 eV/At.; 40
4.44 eV/At.; 40 4.47 eV/At.; 42 4.43 eV/At.; 42
5.31 eV/At.; 42 5.43 eV/At.; 44
4.51 eV/At.; 44
5.54 eV/At.; 52
4.58 eV/At.; 50
5.49 eV/At.; 50
4.55 eV/At.; 46
5.52 eV/At.; 46
4.59 eV/At.; 46
4.32 eV/At.; 34
5.42 eV/At.; 44
4.52 eV/At.; 44
5.35 eV/At.; 42
4.67 eV/At.; 38
4.07 eV/At.; 14
3.48 eV/At.; 16
4.30 eV/At.; 34
4.57 eV/At.; 34
B
B
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µB
B
µB
µ
µ
Abbildung 4.12: ¨
Ubersicht ¨
uber in der GA Suche gefundenen energieg¨
unstige Clusterstrukturen bis einschließlich Fe17. Die mit der spinpolarisierten DFTB Methode
erzielten Ergebnisse werden mit den Ergebnissen der DFT/PSP Referenz [DAR+01] und eigenen DFT/LSDA Resultaten verglichen. Angegeben sind die Bindungsenergien
und die totalen magnetischen Momente.
86
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
F¨
ur Fe13 wird in der DFTB gest¨
utzten GA Suche, dem ersten Schritt des in Abschnitt 4.4 dargestellten Vor-
gehens, die in der DFT/PSP Referenz erw¨
ahnte energetisch zweitg¨
unstigste Struktur nicht gefunden. Diese
ergibt sich aus der Struktur 13.1 in Abbildung 4.12a durch Verdrehung eines Ringes um die f¨
unfz¨
ahlige
Achse, so daß die Atome beider Ringe direkt ¨
ubereinander stehen. Auch in der spinpolarisierten DFTB
Rechnung ist diese Struktur nicht stabil, sie ist vielmehr ein Sattelpunkt welcher auf die energieg¨
unstigste
Struktur 13.1, den Ikosaeder, zur¨
uckf¨
uhrt.
Auch bei den anderen energetisch ung¨
unstigeren Isomeren mit 13 Atomen ergeben sich Abweichungen.
Die Struktur 13.2 aus der DFTB Suche findet keine Erw¨
ahnung in der DFT/PSP Referenz, allerdings
stimmt die relative Energetik dieser Struktur bezogen auf 13.1 mit der DFT/LSDA Rechnung ¨
uberein.
Der auch in der DFT/PSP Referenz beobachtete Anti-Kuboktaeder ist mit einer Bindungsenergiedifferenz
von 0.1 eV/Atom zum Ikosaeder energetisch deutlich ung¨
unstiger, was wieder im Einklang sowohl mit
der DFT/PSP Literaturreferenz als auch mit der DFT/LSDA Rechnung ist. Allerdings handelt es sich
um ein sehr flaches lokales Minimum. Der bcc Gitterausschnitt aus der DFT/PSP Referenz, welcher dort
0.16 eV/Atom ¨
uber 13.1 liegt, ist in der SDFTB Rechnung nicht stabil.
W¨
ahrend auf die f¨
ur Fe14 gefundenen Clusterstrukturen schon weiter oben eingegangen wurde, werden im
Falle von Fe15 alle in der DFT/PSP Arbeit beschriebenen lokalen Minima gefunden. Dabei sind die Struk-
turen 15.2 und 15.3 wieder als iso-energetisch anzusehen, die energetische Reihenfolge ist im SDFTB
Ergebnis gegen¨
uber DFT/PSP vertauscht, w¨
ahrend die Strukturen in der DFT/LSDA Rechnung in den
gew¨
ahlten Einheiten exakt iso-energetisch sind.
F¨
ur Fe16 stimmt die relative Energetik f¨
ur die drei hier betrachteten energetisch g¨
unstigen Isomere aus der
SDFTB Rechnung mit den beiden DFT Rechnungen ¨
uberein. Im Falle von Fe17 findet man einige ener-
getisch eng benachbarte Isomere, von denen hier nur die beiden auch in der DFT/PSP Literaturreferenz
beschriebenen Strukturen 17.1 und 17.2 in Abbildung 4.12 gezeigt sind.
Bei der Betrachtung der energetisch g¨
unstigsten in der DFTB Suche gefundenen Strukturen der Abbildung
4.12a ist festzustellen, daß sich um Fe13 herum eine klare ¨
Anderung der Clusterstrukturen zeigt. W¨
ahrend
12.1 und 13.1 f¨
unfz¨
ahlige Achsen besitzen, findet man f¨
ur 14.1 und 15.1 sechsz¨
ahlige Achsen. Hier liegt
also ein ¨
Ubergang von ikosaedrischen Strukturen (13.1 ergibt sich durch Kappung eines Ringes aus 12.1)
zu Strukturen mit anderer Symmetrie vor. Allerdings bleibt der Ikosaeder als Bauelement der energetisch
weniger g¨
unstigen Clusterstrukturen 14.3 und 15.2 erhalten. Dabei handelt es sich um die energetisch
g¨
unstigsten Lennard-Jones Strukturen, siehe Abschnitt 4.5.5.
Leistungsf¨
ahigkeit des Suchalgorithmus
Generell kann zum Suchalgorithmus, siehe Abschnitt 4.4, an dieser Stelle folgendes festgestellt werden.
Die energetische Reihenfolge der in der GA Suche gefundenen Strukturen best¨
atigt sich meistens auch
bei voller Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation, siehe auch [BPJS+02]. Im betrachteten Bereich von 2
bis 17 Atomen findet man nur f¨
ur Fe12 eine andere Situation. Im Resultat der GA Suche ist die in Abbil-
dung 4.12 mit 12.3 bezeichnete Struktur die energetisch g¨
unstigste. Die in der voll spinpolarisierten DFTB
Rechnung dann als energetisch g¨
unstigste identifizierte Struktur 12.1 liegt 0.1 eV/Atom ¨
uber dieser. Erst
die Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisationseffekte ergibt dann die im Einklang mit den DFT Resulta-
ten stehende energetische Reihenfolge. Hier f¨
allt allerdings auf, daß die beiden Strukturen ein um 2 µB
unterschiedliches magnetisches Moment aufweisen, welches f¨
ur die ge¨
anderte Energetik verantwortlich
sein k¨
onnte. Das dem nicht so ist kann man aus den Daten f¨
ur 12.2 erkennen. Diese liegt in den voll-
spinpolarisierten Rechnungen iso-energetisch oder beinahe iso-energetisch zu 12.3, im GA Suchresultat
ohne Spinpolarisation ist die Struktur 12.2 aber um 0.15 eV/Atom ung¨
unstiger als 12.3.
Zusammenfassend kann also festgestellt werden, daß der in Abschnitt 4.4 dargestellte Algorithmus zum
Auffinden energetisch g¨
unstiger Kandidatenstrukturen sehr gute Resultate liefert. Die Details der energeti-
schen Reihenfolge k¨
onnen aber teilweise stark von den Spinpolarisationseffekten abh¨
angen. Insbesondere
zeigen die Daten f¨
ur Fe12 auch, daß die relative Energetik starken Verschiebungen unterliegt.
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 87
4.5.2 Clusterstrukturen von Fe18 bis Fe32
In den Abbildungen 4.13 und 4.14 sind die energetisch g¨
unstigsten in der GA Suche gefundenen Struk-
turen im Bereich Fe18 bis Fe32 gezeigt. Im allgemeinen sind die in Abbildung 4.14 gezeigten Strukturen
energetisch etwas ung¨
unstiger als die in Abbildung 4.13 gezeigten. Aufgrund der schon im vorherigen Ab-
schnitt deutlich gewordenen Unsicherheit von mindestens 0.01 eV/Atom in der energetischen Bewertung
sind sie aber oft als iso-energetisch anzusehen.
5.68 eV/Atom
23.1 24.1 25.1 26.1 27.1
µBµBµBµBµB
µBµBµBµBµB
µBµBµBµB
28.1 29.1 30.1
54 56 58 60 62
64 66 70 72 74
76 78 80 8484 µB
5.80 eV/Atom5.79 eV/Atom
5.63 eV/Atom 5.67 eV/Atom 5.73 eV/Atom 5.77 eV/Atom
5.81 eV/Atom 5.85 eV/Atom 5.86 eV/Atom
5.90 eV/Atom 5.92 eV/Atom 5.94 eV/Atom 31.1 32.1
5.99 eV/Atom5.97 eV/Atom
18.1 19.1 20.1 21.1 22.1
Abbildung 4.13: Energetisch g¨
unstigste gefundene Clusterstrukturen im Gr¨
oßenbereich Fe18 bis Fe32. Angegeben
ist die Bindungsenergie und das magnetische Moment.
Aus den beiden Abbildungen sind klare Wachstumspfade f¨
ur die kleineren Cluster zu erkennen. Aus 18.1
entsteht die Struktur 19.1 direkt durch Hinzuf¨
ugen eines Atoms. Bei 20.1 handelt es sich um eine Grund-
struktur mit Ikosaedersymmetrie (Doppelikosaeder, f¨
unfz¨
ahlige Achse horizontal) an die ein Atom angela-
gert ist. Der ikosaedrische Kern entspricht dabei dem energetisch g¨
unstigsten Lennard-Jones (LJ) Cluster
mit 19 Atomen [WD97], diese Struktur ist allerdings im Falle der Eisencluster energetisch ung¨
unstig
[BPJS+02].
Das Hinzuf¨
ugen eines weiteren Atoms zu 19.1 erm¨
oglicht auch die Ausbildung von zwei Sechsringen im
Cluster 20.2. Darin kann man wiederum die Struktur 15.1, siehe Abbildung 4.12, die mit einem ¨
Uber-
bau aus f¨
unf Atomen versehen ist, erkennen. Diese Struktur unterscheidet sich durch die sechsz¨
ahlige
Symmetrie des unteren Teils deutlich von 20.1.
Die beiden Strukturen 21.1 und 21.2 realisieren die beiden offensichtlichen M¨
oglichkeiten ein Atom zu
20.2 hinzuzuf¨
ugen. In 21.1 werden drei Sechsringe gebildet, auf der sechz¨
ahligen Symmetrieachse befin-
den sich drei weitere Atome, von denen eines eine Kappe f¨
ur einen Ring bildet. Diese Struktur 21.1 kann
wiederum als aus einem Sechsring und 15.1 zusammengesetzt gedacht werden. Die Struktur 21.2 reali-
siert die zweite M¨
oglichkeit, die Bildung eines Sechsrings und eines F¨
unfrings mit Kappen. Zwei weitere
Atome befinden sich entlang der Achse, das Bauelement des Clusters 15.1 bleibt erhalten.
88
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
5.98 eV/Atom
BµBµBµBµB
µBµBµBµBµB
µBµBµBµB
µB
54 56 58 60 62
64 68 74
76 78
66 74
88 9080
5.80 eV/Atom5.78 eV/Atom
5.63 eV/Atom 5.65 eV/Atom 5.67 eV/Atom 5.72 eV/Atom
5.81 eV/Atom 5.85 eV/Atom
5.89 eV/Atom 5.91 eV/Atom 5.93 eV/Atom
18.2 19.2 20.2 21.2 22.2
23.2 24.2 25.2 26.2 27.2
28.2 29.2 30.2
5.75 eV/Atom
5.83 eV/Atom
31.2 32.2
5.95 eV/Atom
µ
Abbildung 4.14: Weitere energetisch g¨
unstige Clusterstrukturen im Gr¨
oßenbereich Fe18 bis Fe32. Angegeben
ist die Bindungsenergie und das magnetische Moment. Diese Strukturen sind teilweise iso-energetisch zu den in
Abbildung 4.13 gezeigten.
Entsprechend entstehen die Strukturen 22.1 und 22.2 direkt aus 21.1 und 21.2. Bei 22.1 liegen drei Sechs-
ringe, von denen zwei Kappen tragen, vor. Zwei weitere Atome befinden sich auf der sechsz¨
ahligen Achse.
Diese Struktur kann als aus zwei Clustern des Typs 15.1, unter Ber¨
ucksichtigung gemeinsamer Atome, be-
stehend angesehen werden. In 22.2 wurde dem den Sechsring abdeckenden Atom des Clusters 21.2 ein
weiteres Atom beiseite gestellt was ¨
Ahnlichkeiten zu 16.1 ergibt. W¨
ahrend keine direkte ¨
Ahnlichkeit von
23.1 zu einer der fr¨
uheren Strukturen erkennbar ist, findet man mit 23.2 eine Struktur die sowohl aus 22.1
als auch 22.2 durch Hinzuf¨
ugen eines Atoms entstehen kann. In 23.2 sind drei Sechsringe realisiert, von
denen einer mit einer einfachen und der anderen mit einer zweifachen Kappe versehen ist.
Dieser klare Evolutionspfad geht f¨
ur die gr¨
oßeren Cluster verloren. Zwar ist z. B. in 25.1, 27.1 oder 29.1
ein struktureller Kern auf Basis der Struktur 20.1 erkennbar, jedoch treten mit 28.1 und 29.2 Cluster auf
die deutlich von den anderen verschieden sind. Die Strukturen 28.1, 30.2 und 32.1 zeichnen sich durch
Spiegelebenen aus, w¨
ahrend die anderen Strukturen dieses Gr¨
oßenbereiches keine Symmetrieelemente
erkennen lassen.
4.5.3 Bindungsl¨
angen und Schwingungsspektren
Die mit der spinpolarisierten DFTB Methode berechneten Bindungsl¨
angen entsprechen bis auf etwa 5 %
den DFT Ergebnissen. Einzige Ausnahme ist das Dimer, f¨
ur das man eine etwas gr¨
oßere Differenz zu DFT
Daten findet. Hier wird mit SDFTB eine Bindungsl¨
ange von 2.18 ˚
A berechnet w¨
ahrend DFT Ergebnisse
zwischen 2.02 ˚
A (DFT/LSDA) und 1.96 ˚
A (DFT/PSP) liegen. Alle theoretischen Bindungsl¨
angen sind
allerdings in in einem 10 % Intervall um das Experiment, man findet dort Werte zwischen 1.87 ˚
A [MS80]
und 2.02 ˚
A [PMSM82] f¨
ur das in einer Edelgasmatrix eingebettete Dimer.
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 89
2.37 (2.25)
2.38 (2.26)
2.54 (2.48)
Abbildung 4.15: Bindungsl¨
angen der mit 10.1 bezeichneten Clusterstruktur in ˚
A. In Klammern sind die Werte aus
einer DFT/LSDA Rechnung [BPJS+02] angegeben.
Die Bindungsl¨
angen der Clusterstruktur 10.1 sind exemplarisch in Abbildung 4.15 angegeben. Man fin-
det eine ¨
Ubereinstimmung im oben angegeben 5 % Intervall zu den in Klammern angegeben DFT/LSDA
[BPJS+02] Werten. Die DFT/PSP Literaturreferenz gibt f¨
ur diesen Cluster ein Bindungsl¨
angenintervall
von 2.27 ˚
A bis 2.55 ˚
A an, was ebenfalls mit den in der Abbildung gezeigten Daten kompatibel ist. Insge-
samt kann also davon ausgegangen werden, daß nicht nur die Clusterformen sondern auch die mit SDFTB
erhaltenen Bindungsl¨
angen der Eisencluster denen der DFT Referenz gut entsprechen.
Eine ¨
uber die Bindungsl¨
angen hinausgehende Frage stellen die Schwingungsfrequenzen der Eisencluster
dar. Experimentelle Schwingungsspektren sind nur f¨
ur das Dimer und das Trimer bekannt. Es zeigt sich,
daß DFT Ergebnisse in eher schlechter ¨
Ubereinstimmung mit diesen sind, die Frequenzen sind in der
Rechnung um 150 bis 200 cm1zu groß, die Ber¨
ucksichtigung von Gradientenkorrekturen im Rahmen der
GGA ergibt keine qualitative Verbesserung [CJS97]. Dies findet man auch in den mit der spinpolarisierten
DFTB Methode erzielten Ergebnissen.
Allerdings kann man nat¨
urlich die SDFTB Ergebnisse mit DFT/LSDA Ergebnissen [BPJS+02] verglei-
chen. Auch dies soll wieder exemplarisch f¨
ur die Clusterstruktur 10.1 in Tabelle 4.2 geschehen. Man
erkennt deutlich, daß eine gute qualitative ¨
Ubereinstimmung zwischen den beiden Ergebnissen vorhanden
ist. Die bei weitem gr¨
oßte Infrarotintensit¨
at wird in beiden F¨
allen f¨
ur Frequenzen von ¨
uber 300 cm1
berechnet. Allerdings ist das gesamte mit SDFTB berechnete Spektrum im Vergleich zu den DFT/LSDA
Werten um etwa 10 bis 35 cm1zu h¨
oheren Wellenzahlen verschoben. Es ist also davon auszugehen, daß
die Kr¨
ummung der SDFTB Potentialhyperfl¨
ache der in DFT Rechnungen gefundenen ¨
ahnlich ist, wenn
auch keine genaue ¨
Ubereinstimmung vorliegt.
4.5.4 Bindungsenergien und magnetische Momente
In Abbildung 4.16 sind die Bindungsenergien der energetisch g¨
unstigsten Cluster (d. h. der Cluster mit
den gr¨
oßten Bindungsenergien) aus den Abbildungen 4.12 und 4.13 gezeigt. Die mit der spinpolarisierten
DFTB Methode erhaltenen Bindungsenergien sind im allgemeinen deutlich gr¨
oßer als die mit DFT berech-
neten, allerdings besteht auch zwischen den DFT/PSP und den DFT/LSDA Ergebnissen ein Unterschied
im Bereich 0.2 eV/Atom bis 0.3 eV/Atom. Beim Dimer findet man noch eine recht gute ¨
Ubereinstimmung
der Bindungsenergien. Danach wird die Differenz zu den DFT Ergebnissen schnell gr¨
oßer, bis die Kurven
ab etwa Fe12 wieder parallel verlaufen. Die Bindungsenergie des Festk¨
orpers betr¨
agt mit spinpolarisiertem
DFTB, siehe Abschnitt 4.6 zu Details der Rechnung, 7.5 eV/Atom w¨
ahrend man mit DFT/LSDA [KE99]
(unter Verwendung der atomaren Totalenergie aus Anhang E) einen Wert von 6.6 eV /Atom erh¨
alt.
Hierf¨
ur kann es prinzipiell zwei Ursachen geben. Zum einen kann ein zu niedriger Absolutwert des re-
pulsiven Paarpotentials zu einer ¨
Ubersch¨
atzung der Bindungsenergie (sogenanntes overbinding) f¨
uhren.
Dies ließe sich durch eine Parallelverschiebung des im Anhang E angegebenen Paarpotentials beheben,
die inter-atomaren Kr¨
afte ¨
andern sich durch eine solche nicht. Allerdings erh¨
oht sich dann die Reichweite
90
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
SDFTB DFT/LSDA [BPJS+02]
Frequenz/ cm1Intensit¨
at/ (D/ ˚
A2) Frequenz/ cm1Intensit¨
at/ (D/ ˚
A2)
153 0.01 143 0.00
153 0.01 143 0.00
162 0.00 151 0.00
162 0.00 152 0.00
164 0.00 160 0.00
164 0.00 162 0.00
180 0.00 165 0.00
186 0.00 168 0.00
207 0.00 171 0.00
207 0.00 187 0.00
229 0.02 214 0.00
233 0.00 231 0.00
233 0.00 232 0.00
299 0.00 261 0.00
299 0.00 261 0.00
321 0.00 269 0.04
321 0.00 270 0.04
321 0.00 282 0.00
321 0.00 282 0.00
345 0.00 316 0.08
353 0.30 316 0.08
353 0.30 318 0.01
372 0.32 322 0.08
375 0.00 340 0.00
Tabelle 4.2: Schwingungsfrequenzen und Infrarotintensit¨
aten der Clusterstruktur 10.1 berechnet mit der spinpo-
larisierten DFTB Methode und mit DFT/LSDA [BPJS+02]. F¨
ur die Berechnung der Schwingungsintensit¨
aten in
SDFTB wurde eine Dipoln¨
aherung basierend auf den Mulliken-Populationen benutzt.
des repulsiven Potentials wenn ein, im Hinblick auf Schwingungsspektren, m¨
oglichst glatter ¨
Ubergang
zu Null gew¨
unscht wird. Diese Reichweitenerh¨
ohung kann dann zu Problemen f¨
uhren, wenn nicht nur
n¨
achste Nachbarn sondern auch ¨
ubern¨
achste Nachbarn in den Bereich des Repulsivpotentials geraten.
Weiterhin stellt man fest, daß sich f¨
ur das Dimer im Vergleich zu den DFT Rechnungen im spinpolarisier-
ten DFTB sogar etwas zu niedrige Bindungsenergien ergeben. Dies zeigt das zumindest der Absolutwert
im Bereich der Dimer-Bindungsl¨
ange recht gut ist.
Ein Hinweis auf eine weitere m¨
ogliche Ursache f¨
ur die ¨
Ubersch¨
atzung der Bindungsenergie ergibt sich
aus der Betrachtung der mittleren Koordinationszahl eines Atoms im Cluster. Hier findet man f¨
ur Fe10 eine
mittlere Koordinationszahl von 4.8, f¨
ur Fe12 eine von 6.00 und schließlich f¨
ur Fe17 eine von 6.59, d. h. ab
etwa Fe12 ¨
andert sich die mittlere Koordinationszahl kaum noch mit zunehmender Clustergr¨
oße w¨
ahrend
sie zuvor stark ansteigt. Hier kann also auch ein von der Koordinationszahl abh¨
angiger Effekt, der mit der
Vernachl¨
assigung der Dreizentren- und Kristallfeldtermen in der DFTB Methode oder der Vernachl¨
assi-
gung von Korrelationseffekten durch den approximativen Energieausdruck verbunden ist, vorliegen. Dies
ist mit den verf¨
ugbaren theoretischen Werkzeugen aber nicht abschließend zu kl¨
aren.
In allen drei Kurven der Abbildung 4.16 findet man jedoch, wenn man den Bereich stark zunehmender
Bindungsenergien bis etwa Fe10 aus der Betrachtung ausschließt, bei 15 Atomen eine auff¨
allige ¨
Ande-
rung der Steigung in der ansonsten monoton zunehmenden Bindungsenergiekurve. Diese deutet darauf
hin, daß es sich bei dem energetisch g¨
unstigsten Fe15 Isomer um eine energetisch besonders stabile Struk-
tur handelt. In diesem Zusammenhang wird auch von energetisch magischen Clustergr¨
oßen gesprochen
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 91
13
2
3
27
5.8
5.82
5.84
5.9
5.92
5.94
5.96
5.78
5.88
5.86
24 28 29 30 26 25 23
5
6
6.5
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32
Bindungsenergie/ (eV/Atom)
Atomanzahl
4
DFT/PSP
3.5
3
2.5 DFT/LSDA
2
4.5
SDFTB
5.5
Abbildung 4.16: Bindungsenergien f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster der Abbildungen 4.12 und 4.13 aus den
SDFTB, DFT/PSP und DFT/LSDA Rechnungen. Der Bereich von Fe23 bis Fe30 ist zus¨
atzlich vergr¨
oßert dargestellt.
¨
Anderungen der Steigung die auf besonders stabile Strukturen hindeuten sind gekennzeichnet.
[BPJS+02]. In den mit der spinpolarisierten DFTB Methode berechneten Daten findet man einen solchen
Sprung der Steigung auch bei Fe19 was ebenfalls mit DFT Ergebnissen ¨
ubereinstimmt [BPJS+02]. Im Be-
reich von Fe26 befindet sich ein weiterer Punkt, wie aus dem vergr¨
oßerten Kurvenabschnitt der Abbildung
4.16 hervorgeht.
Diese Identifikation energetisch magischer Cluster wird durch die Betrachtung der zweiten finiten Diffe-
renz der Gesamtenergien 2E, Abbildung 4.17, unterst¨
utzt. Auch hier soll der Bereich bis etwa 10 Atomen
aus der Betrachtung ausgenommen werden, alle drei Kurven zeigen hier keine ¨
Ubereinstimmungen un-
tereinander. F¨
ur die gr¨
oßeren Cluster findet man in allen Kurven bei 13 und 15 Atomen Maxima die
besonders stabile Strukturen anzeigen. Wie schon erw¨
ahnt ist auch Fe19 eine magische Gr¨
oße was sich
ebenfalls in einem Maximum ¨
außert. In der SDFTB Kurve ist weiterhin ein deutliches Maximum bei Fe26
und Fe28 erkennbar, was mit dem Punkt “3” in der Bindungsenergiekurve, Abbildung 4.16, ¨
ubereinstimmt.
Einen schw¨
acher ausgepr¨
agtes Maximum findet man bei Fe23. Hier ist aber, auch aufgrund der umgeben-
den Datenpunkte, nicht klar ob es sich nicht um ein durch Ungenauigkeiten in den berechneten Energien
bedingtes Maximum handelt.
Experimentelle Massenspektra deuten auf magische Strukturen mit 7, 13, 15, 19 und 23 Atomen hin
[SWSS99]. Die theoretischen Daten sind also im allgemeinen in guter ¨
Ubereinstimmung mit den ex-
perimentellen Feststellungen. Dabei ist jedoch zu beachten das die Experimente an geladenen Clustern
durchgef¨
uhrt wurden w¨
ahrend in den theoretischen Literaturreferenzen [DAR+01, BPJS+02] und in die-
ser Arbeit neutrale Cluster behandelt werden. Dies kann nat¨
urlich zu Unterschieden, wie etwa den starken
Maxima bei Fe26 und Fe28 und dem diffusen Maximum bei Fe23 welche nicht in guter ¨
Ubereinstimmung
mit dem Experiment sind, f¨
uhren.
Die durchschnittlichen magnetischen Momente durch den Spinmagnetismus der energetisch g¨
unstigsten
Cluster sind in Abbildung 4.18 gezeigt. Im gesamten Vergleichsbereich von Fe2bis Fe17 findet man eine
gute ¨
Ubereinstimmung der SDFTB mit den DFT/PSP Ergebnissen f¨
ur die magnetischen Momente. Die
einzigen Abweichungen ergeben sich f¨
ur Fe5und Fe14. Bei Fe14 wird die Abweichung durch das Vor-
handensein einer neuen Struktur induziert, siehe Abschnitt 4.5.1. Beide Abweichungen betragen jedoch
absolut gesehen nur 2 µB.
An diesen Differenzen, sowie an den Unterschieden f¨
ur die Cluster 11.3 und 16.3 der Abbildung 4.12 zu
den DFT Referenzen, l¨
aßt sich allerdings ablesen, daß man bei Verwendung der spinpolarisierten DFTB
Methode von einem Fehlerbalken von ±2µBim magnetischen Moment relativ zu DFT Berechnungen aus-
92
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
E/ eV
2
32
SDFTB
−2
−1.5
−1
−0.5
0
0.5
1
1.5
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22
DFT/PSP
24 26 28 30
DFT/LSDA
Atomanzahl
Abbildung 4.17: Zweite finite Differenz der Gesamtenergie 2Eder energetisch g¨
unstigsten Cluster. F¨
ur die
Endpunkte Fe2und Fe32 sind nur links- bzw. rechtsseitige Ableitungen definiert die bei Verwendung einer Drei-
punktformel zur numerischen Differentiation gleich denen an den Stellen Fe3bzw. Fe31 sind. Diese Punkte liefern
also keine Information.
gehen muß. Dies wird auch durch die Flachheit der Potentialhyperfl¨
achen bei ¨
Anderung des magnetischen
Momentes bedingt. So betr¨
agt die Energiedifferenz zwischen den magnetischen Momenten 2.67 µB/Atom
und 3.33 µB/Atom des Fe3Clusters, dessen Energetik bei festgehaltener Geometrie schon in Abschnitt
4.4.2 diskutiert wurde, auch bei voller Relaxation nur 0.01 eV zu Gunsten des kleineren Momentes. Dies
gibt allerdings auch das Intervall des kleinsten energetischen Abstandes im Gr¨
oßenbereich von Fe2bis
Fe32 an.
Der Verlauf des magnetischen Momentes ¨
uber den gesamten Gr¨
oßenbereich von Fe2bis Fe32 zeigt vor
allem einen markanten Bereich. Das magnetische Moment sinkt ausgehend von seinem gr¨
oßten Wert von
3.33 µB/Atom bei Fe6bis auf einen sehr kleinen Wert von 2.62 µB/Atom beim Fe13 Ikosaeder ab, um dann
wieder sprunghaft auf 3.2 µB/Atom bei Fe15 anzusteigen. Dieses Verhalten spiegelt sich in den SDFTB
Daten deutlich wieder und ist der Ausdruck des Auftretens einer nicht-ferromagnetischen Spinanordnung
im Rahmen der DFT/LSDA Rechnungen [BPJSH02] worauf im Abschnitt 4.6 n¨
aher eingegangen werden
soll. F¨
ur die Strukturen 12.1 und 14.3 aus Abbildung 4.12, die beide deutlich ikosaedrische Symmetrie-
elemente enthalten, findet man auf dem Zentralatom sehr kleine, teilweise negative, Spinpopulationen
gepaart mit sehr kleinen Energieunterschieden f¨
ur verschiedene magnetische Momente. F¨
ur andere Clu-
ster in diesem Gr¨
oßenbereich konnte die Ausbildung einer nicht-ferromagnetischen Spinordnung in den
SDFTB Ergebnissen nicht beobachtet werden. Ausgehend vom Maximum bei Fe15 kommt es wieder zu
einem relativ stetigen Abfall des magnetischen Momentes welcher von zwei kleinen Maxima bei Clustern
mit 25 und 31 Atomen durchbrochen wird.
Die starke ¨
Anderung des magnetischen Momentes um Fe13 herum ist mit dem Auftreten zweier ener-
getisch magischer Cluster, n¨
amlich Fe13 bei dem das Minimum und Fe15 bei dem das Maximum des
magnetischen Momentes angenommen wird, verkn¨
upft. Dies ist auch klar mit einer ¨
Anderung der geome-
trischen Struktur verkn¨
upft wie aus Abbildung 4.12 zu erkennen ist: die Struktur 12.1 besitzt eine deutlich
sichtbare f¨
unfz¨
ahlige Achse und ist somit wie auch 13.1 der Ikosaedersymmetrie zuzuordnen, hingegen
hat 14.1 eine sechsz¨
ahlige Achse und geht durch Hinzuf¨
ugen eines Atoms auf der Achse direkt in 15.1
¨
uber. Sechsringe bleiben dann auch in den Isomeren mit 16 und 17 Atomen erhalten und auch bei den
noch gr¨
oßeren Clustern kann die Struktur 15.1 oft als Strukturelement identifiziert werden.
Eine solche klare Verkn¨
upfung von ¨
Anderungen des strukturellen Aufbaus mit ¨
Anderungen der Energetik
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 93
µB
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
3.4
3.6
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32
3
2.8
2.6
2.4
Atomanzahl
DFT/PSP
SDFTB
3.2
Abbildung 4.18: Magnetische Momente der energetisch g¨
unstigsten Cluster aus den Abbildungen 4.12 und 4.13.
Gezeigt sind die Ergebnisse der DFT/PSP Literaturreferenz bis Fe17 sowie die SDFTB Ergebnisse, die DFT/LSDA
Ergebnisse unterscheiden sich nicht von denen der DFT/PSP Rechnung.
und des magnetischen Momentes ist weder f¨
ur die beiden kleinen Maxima in der Kurve des magnetischen
Momentes bei Fe25 und Fe31, noch f¨
ur den energetisch magischen Fe19 Cluster zu erkennen. Bei Fe19
fehlt ein Maximum in der Kurve der magnetischen Momente, vielmehr befindet sich dieser Cluster auf
der abfallenden Flanke. Bei den Clustergr¨
oßen Fe25 und Fe31 findet sich keine eins zu eins Beziehung zu
den energetisch besonders stabilen Clustergr¨
oßen. Die symmetrischen Cluster, d. h. Cluster mit zumindest
einer Spiegelebene, sind ¨
uber den gesamten Gr¨
oßenbereich verteilt, so daß auch hier eine exakte Zuord-
nung fehlschl¨
agt. Das Verhalten um den Fe13 Ikosaeder herum ist also im hier betrachteten Gr¨
oßenbereich
einzigartig.
Wie aus der bisherigen Diskussion ersichtlich ist, weisen die magnetischen Momente der energetisch
g¨
unstigsten gefundenen Clusterstrukturen eine starke Variation mit der Atomanzahl auf. Dies erstreckt
sich auch auf die magnetischen Momente der energetisch ung¨
unstigeren Strukturen wie aus Abbildung
4.19 ersichtlich ist. Dort sind die magnetischen Momente der energetisch g¨
unstigsten Strukturen denen
der energetisch zweitbesten Strukturen einer jeden Gr¨
oße gegen¨
ubergestellt. Man erkennt hier, daß insbe-
sondere im Gr¨
oßenbereich um 13 Atome auch innerhalb einer Clustergr¨
oße eine starke Variation auftritt.
In den Bereichen von 8 bis 11 und 17 bis 24 Atomen stimmen die magnetischen Momente hingegen
¨
uberein. Bei 25 und 31 Atomen findet man wiederum korrespondierend mit den Maxima in den magneti-
schen Momenten der energetisch g¨
unstigsten Isomere kleine Variationen der magnetischen Momente der
energetisch h¨
oher liegenden Cluster. Man kann also im Kehrschluß davon ausgehen, daß das magnetische
Moment des energetisch g¨
unstigsten Clusters einer Gr¨
oße dem magnetischen Moment eines energetisch
h¨
oher liegenden Clusters recht gut entspricht solange man nicht an einer Stelle ist, an der sich auch die
magnetischen Momente der energetisch g¨
unstigsten Cluster sprunghaft ¨
andern. Das magnetische Moment
ist also relativ unempfindlich gegen¨
uber ¨
Anderung der Clustergeometrie. Dies erkl¨
art warum auch mit
Modellclustern eine relativ gute Beschreibung des qualitativen Verhaltens bei Betrachtung eines weiten
Gr¨
oßenbereiches erhalten wird.
Vergleich mit experimentellen Daten
Die Resultate f¨
ur die durchschnittlichen magnetischen Momente des Elektronenspins sind f¨
ur die gr¨
oßeren
Cluster in recht guter ¨
Ubereinstimmung mit experimentellen Daten. F¨
ur Fe25 findet man im Experiment
94
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
µB
energetisch zweitbestes Isomer
3.4
3.6
8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32
3
2.8
2.6
2.4
Atomanzahl
energieniedrigstes Isomer
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
3.2
Abbildung 4.19: Mit der SDFTB Methode berechnete magnetische Momente der Cluster der Abbildungen 4.12a
und 4.13 (energieniedrigste Isomere) sowie 4.12b und 4.14 (energetisch zweitbeste Isomere).
einen Wert von 2.95±0.2µB/Atom [BBCdH93, Kni02] bzw. 2.71±0.06 µB/Atom [Kni02] was gut zum
theoretischen Wert von 2.8 µB/Atom paßt. Das berechnete magnetische Moment des Fe32 Clusters betr¨
agt
2.65 µB/Atom, was innerhalb des experimentellen Fehlerbalkens f¨
ur Cluster dieser Gr¨
oße ist [BBCdH93].
F¨
ur die kleinen Cluster mit bis zu etwa 12 Atomen findet man im Experiment hingegen sehr große magne-
tische Momente von bis zu 5.4±0.4µB/Atom, was bei Fe12 erreicht wird [Kni02]. Der theoretische Wert
f¨
ur das magnetische Spinmoment dieses Clusters betr¨
agt 2.67 µB/Atom. Dies deutet darauf hin, daß der
Beitrag des Bahnmomentes zum gesamten magnetischen Moment des Clusters, welcher bis zu 3 µB/Atom
ausmachen kann, noch nicht v¨
ollig durch die Bindung im Cluster neutralisiert wurde. F¨
ur gr¨
oßere Clu-
ster findet man im Experiment einen schnellen R¨
uckgang des gesamten magnetischen Momentes auf etwa
3µB/Atom oder darunter was auf eine Neutralisation des Bahnbeitrages schließen l¨
asst.
Diese Beitr¨
age des elektronischen Bahnmomentes zum gesamten magnetischen Moment des Clusters wur-
den weder in den hier pr¨
asentierten SDFTB Rechnungen noch in den DFT Referenzrechnungen ber¨
uck-
sichtigt. Dazu w¨
are eine Rechnung unter Einbeziehung der Spin-Bahn-Kopplung (welche ein im Grunde
relativistischer Effekt ist) notwendig, was eine starke Erh¨
ohung des Rechenaufwands zur Folge h¨
atte.
Es wurden jedoch Tight-Binding Rechnungen f¨
ur Modellcluster durchgef¨
uhrt [GLDDP03]. Diese zeigen,
daß die Bahnmomente per Raumrichtung f¨
ur Gitterausschnitte vom bcc oder fcc Typ im allgemeinen
unter 0.3 µB/Atom und ab etwa 20 Atomen sogar unter 0.2 µB/Atom liegen. F¨
ur ikosaedrische Struktu-
ren findet man Bahnmomente die f¨
ur kleine Cluster mit bis zu 20 Atomen deutlich gr¨
oßer sind als die
Bahnmomente f¨
ur die bcc und fcc Strukturen. Bei etwa 10 Atomen betr¨
agt es etwa 0.45 µB/Atom. Aber
auch f¨
ur ikosaedrische Strukturen sinken sie ab 20 Atomen schnell ab und liegen dann f¨
ur gr¨
oßere Clu-
ster auf dem Niveau f¨
ur die bcc oder fcc Modellstrukturen. Daher kann man davon ausgehen, daß trotz
der Vernachl¨
assigung der Bahnmomente in der Rechnung die Resultate f¨
ur die gr¨
oßeren Cluster mit dem
Experiment vergleichbar sind.
4.5.5 Vergleich mit Lennard-Jones Clustern
Wie im vorherigen Abschnitt 4.5.4 gezeigt wurde, sind die magnetischen Momente von Eisenclustern
außerhalb der Bereiche starker Fluktuation (die nat¨
urlich nicht a priori bekannt sind) relativ unempfindlich
gegen¨
uber ¨
Anderungen der Clustergeometrie. Es kann somit auch versucht werden, mit Hilfe einfacher
Modellpotentiale, wie etwa dem Lennard-Jones (LJ) Potential, erzeugte Cluster als Approximation an die
4.5. ERGEBNISSE F ¨
UR CLUSTER BIS FE
32 95
tats¨
achlichen Minimalenergiestrukturen zu verwenden.
Dabeiist nat¨
urlichzuerst vonInteresse,wie dieseLJCluster sichstrukturellund energetischzuden ausden
Abschnitten 4.5.1 und 4.5.2 bekannten Minimalenergiestrukturen der GA Suche verhalten. Die Strukturen
BµBµBµBµB
µBµBµBµBµB
32 34 42 48 50
6058565450
58 66 64 70 72
0.04 eV/Atom0.01 eV/Atom0.09 eV/Atom0.03 eV/Atom0.1 eV/Atom
22 23 24 25 26
17
0.03 eV/Atom 18
0.04 eV/Atom 19 20
0.03 eV/Atom 0.00 eV/Atom 21
0.02 eV/Atom
12 13 14 15
0.00 eV/Atom 0.00 eV/Atom 0.01 eV/Atom 0.04 eV/Atom 16
µ0.04 eV/Atom
BµBµBµBµB
µ
Abbildung 4.20: Die energetisch g¨
unstigsten Lennard-Jones Cluster im Bereich 12 bis 26 Atome nach [WD97].
Angegeben sind die mit der spinpolarisierten DFTB Methode berechneten magnetischen Momente sowie die Bin-
dungsenergiedifferenzen zu den energetisch g¨
unstigsten Clustern der Abschnitte 4.5.1 und 4.5.2.
sowie ihre relativen Bindungsenergien und magnetischen Momente sind in Abbildung 4.20 gezeigt. Die
oberste Reihe in der Abbildung enth¨
alt Strukturen welche schon aus der GA Suche mit der DFTB Methode
bekannt sind. Es handelt sich dabei um die energetisch g¨
unstigsten Strukturen die im Falle der Cluster
mit 12 und 13 Atomen ikosaedrische Symmetrieelemente enthalten. Die Strukturen mit 14, 15 und 16
Atome wurden auch in der GA gefunden, sind aber nicht die energetisch g¨
unstigsten Strukturen der Suche.
Die LJ Strukture mit mehr als 16 Atomen sind im allgemeinen ebenfalls deutlich von den energetisch
g¨
unstigsten Clustern der GA Suche abgesetzt, nur im Fall von Fe20 ist eine LJ Struktur auch wieder
energetisch g¨
unstigste Struktur in der auf DFTB beruhenden GA Suche. Auch der LJ Cluster mit 25
Atomen energetisch recht g¨
unstig. Der Vergleich der SDFTB Energetik f¨
ur den LJ Cluster mit 19 Atomen
(Doppelikosaeder) mit DFT Ergebnissen [BPJS+02] l¨
aßt vermuten, daß LJ Strukturen m¨
oglicherweise in
den SDFTB Ergebnissen energetisch zu g¨
unstig eingestuft werden.
Die strukturelle Evolution der LJ Cluster setzt auf dem Ikosaeder als Bauelement auf. Die Struktur mit
12 Atomen hat ikosaedrische Symmetrie, dann folgt der Fe13 Ikosaeder und dieser bleibt auch in den
Strukturen mit bis zu 18 Atomen erhalten. Es wird nur ein ¨
Uberbau angef¨
ugt. Der LJ Cluster mit 19
Atomen ist ein Doppelikosaeder welcher dann bis zu 26 Atomen als grundlegendes Bauelement erhalten
bleibt. Dies steht im Gegensatz zu dem in der GA Suche gefunden Muster, bei dem ab etwa 15 Atomen
bevorzugt Strukturen mit Sechsringen gefunden werden die keine f¨
unfz¨
ahligen Achsen wie im Ikosaeder
96
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
aufweisen.
Die zu den Strukturen in Abbildung 4.20 geh¨
orenden magnetischen Momente sind im Vergleich zu denen
der energetisch g¨
unstigsten Strukturen aus der GA Suche in Abbildung 4.21 eingetragen. Man erkennt vor
B
µ
SDFTB
2.6
2.8
3
3.2
3.4
3.6
10 12 14 16 18 20 22 24 26
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
Atomanzahl
DFT/LSDA LJ
SDFTB LJ
2.4
Abbildung 4.21: Magnetische Momente der Lennard-Jones Cluster aus der Abbildung 4.20 berechnet mit
der spinpolarisierten DFTB Methode (SDFTB LJ) im Vergleich zu DFT/LSDA Ergebnissen f¨
ur diese Struktu-
ren (DFT/LSDA LJ) [BPJS+02] und den Ergebnissen f¨
ur die energetisch g¨
unstigsten Cluster aus den GA Suche
(SDFTB), Abschnitte 4.5.1 und 4.5.2.
allem, daß die starke ¨
Anderung des magnetischen Momentes um Fe13 herum verwischt wird. Dies ist eine
direkte Konsequenz der Tatsache, daß die Struktur der LJ Cluster, wie schon oben diskutiert wurde, mit
ihren ikosaedrischen Elementen anders ist als die Struktur der in der GA Suche gefundenen Cluster. F¨
ur
den LJ Cluster mit 16 Atomen, Struktur 16.3 aus Abbildung 4.12, findet man mit dem spinpolarisierten
DFTB Verfahren im Vergleich zur DFT Rechnung eine zu großes magnetisches Moment. Zieht man f¨
ur
diese Struktur also nur die DFT Resultate in Betracht, so wird der Unterschied zu den magnetischen
Momenten der in der DFTB basierten GA Suche gefundenen Strukturen noch deutlicher.
F¨
ur die gr¨
oßeren Cluster findet man den schon beschriebenen relativ monotonen Abfall, hier unterschie-
den sich die Resultate nur um Absolutbetr¨
age von 2 µB, was dem den SDFTB Ergebnissen mindestens
zuzurechnenden Fehlerbalken entspricht. Hier ergibt sich also auch kein Hinweis auf starke ¨
Anderungen
des magnetischen Momentes.
Die Abwichungen der mit den LJ Clustern erzielten Ergebnisse von den SDFTB Daten im ¨
Ubergangsbe-
reich um Fe13 herum sind eine direkte Folge der strukturellen Unterschiede der Cluster. Es ist also davon
auszugehen, daß LJ Cluster eher ungeeignet sind um strukturell induzierte ¨
Anderungen des magnetischen
Momentes im Detail zu beschreiben. Es ist aber sicher gerechtfertigt sie zur Bestimmung globaler Verl¨
aufe
heranzuziehen. Man muß allerdings bemerken, daß global gesehen ein Abfall des magnetischen Momen-
tes gegen den Wert im Festk¨
orper stattfinden muß und somit genau die Feinstruktur dieses Abfalls, die im
betrachteten Gr¨
oßenbereich mit LJ Clustern nicht sehr genau beschrieben wird, von Interesse ist.
4.6 Ausblick: Fe55
Aus den bisher pr¨
asentierten Ergebnissen wird deutlich, daß der Fe13 Ikosaeder eine Sonderstellung im
betrachteten Gr¨
oßenbereich von 2 bis 32 Atomen einnimmt. Dies best¨
atigt sich nicht nur bei der Ana-
lyse des totalen magnetischen Momentes, sondern zeigt sich auch bei der Betrachtung der Mulliken-
4.6. AUSBLICK: FE
55 97
Spinpopulationen auf den einzelnen Atomen. F¨
ur das Zentralatom des Ikosaeders findet man eine Dif-
ferenz zwischen den Spinpopulationen von -1.4 Elektronen w¨
ahrend die ¨
außeren Atome Spinpopulations-
differenzen von +2.9 Elektronen aufweisen. Dabei ist außerdem festzustellen, daß die Gesamtpopulation
auf dem Zentralatom 8.6 Elektronen betr¨
agt w¨
ahrend die ¨
außeren Atome 7.95 Elektronen tragen. Das Zen-
tralatom weist also im Vergleich zu den ¨
außeren Atomen ein umgekehrtes Vorzeichen der Spindichte und
eine deutlich negative Ladung auf, was durch DFT/LSDA Ergebnisse best¨
atigt wird. Die Vorzeichenum-
kehr der Spindichten ist in qualitativer ¨
Ubereinstimmung mit den DFT/PSP Resultaten der Literaturre-
ferenz [DAR+01] und mit DFT/LSDA Resultaten. Im Bild kollinearer Spins, d. h. die Elektronenspins
k¨
onnen nur parallel oder anti-parallel zur fest vorgegebenen Richtung des Magnetfeldes stehen, bedeutet
eine Umkehr des Vorzeichens der Spinpopulation das es sich um eine anti-ferromagnetische Spinanord-
nung handelt.
Eine detaillierte Studie der Abh¨
angigkeit des magnetischen Momentes und der Spinanordnung vom Volu-
men des Clusters und dem Dichtefunktional best¨
atigt, daß der Grundzustand des Fe13 Ikosaeders in LSDA
ein nicht-ferromagnetischer Zustand mit einem magnetischen Moment von 34 µBist [BPJSH02]. Bei sym-
metrieerhaltender Vergr¨
osserung des Clustervolumens findet man jedoch, daß einen ferromagnetischen
Zustand mit einem magnetischen Moment von 44 µBzunehmend energetisch g¨
unstiger wird [BPJSH02].
Bei Verwendung eines GGA Funktionals [PBE96] ist dieser ferromagnetische Zustand dann der Grund-
zustand des Systems, der anti-ferromagnetische Zustand ist energetisch deutlich ung¨
unstiger [BPJSH02].
Dies geht damit einher, daß die mit der GGA berechneten Bindungsl¨
angen gr¨
oßer sind als die mit LSDA
berechneten, was also der Volumenvergr¨
oßerung in der LSDA Rechnung entspricht. Dies zeigt Analogien
zum Verhalten von ferromagnetischen Festk¨
orpern bei ¨
Anderung des Volumens bzw. der Gitterkonstanten
[Sla74].
Aus den experimentellen Daten ist bekannt, daß Cluster im Bereich von 55 Atomen ein hohes magne-
tisches Moment von etwa 3.2 µB/Atom aufweisen. F¨
ur kleinere Cluster betr¨
agt das Moment nur etwa
2.6 µB/Atom und auch f¨
ur gr¨
oßere Cluster ist ein Abfall zu erkennen. Tatschlich l¨
aßt sich f¨
ur 55 Atome
der sogenannte Mackay Ikosaeder konstruieren [WD97]. Auch hier nimmt also m¨
oglicherweise eine iko-
saedrische Struktur eine Sonderrolle ein [BBCdH93]. Es ist daher interessant zu untersuchen, ob sich die
experimentellen Daten durch die Theorie diesem Ikosaeder zuordnen lassen und ob es wie beim 13 ato-
migen Ikosaeder Hinweise auf nicht-ferromagnetische Spinausrichtungen gibt. Es muß allerdings betont
werden, daß diese magnetischen Ph¨
anomene m¨
oglicherweise deutlich ¨
uber das hinausgehen, was mit den
hier vorgestellten theoretischen Methoden behandelt werden kann.
Ausgehend vom Ikosaeder wurde eine GA Suche analog dem Vorgehen f¨
ur die kleineren Cluster durch-
gef¨
uhrt. Die vier energetisch g¨
unstigsten Strukturen sind in Abbildung 4.22 gezeigt. Auch in der GA
Suche wird das Lennard-Jones Minimum, der Fe55 Ikosaeder, als energetisch g¨
unstigste Struktur gefun-
den. Die Struktur 55.2 zeigt noch einen ikosaedrischen Kern, w¨
ahrend die Strukturen 55.3 und 55.4 hier
stellvertretend f¨
ur eine ganze Reihe von ungeordneten Clusterstrukturen betrachtet werden sollen welche
energetisch deutlich vom Ikosaeder getrennt sind. Die Struktur 55.2 liegt etwa 0.06 eV/Atom ¨
uber dem
Ikosaeder w¨
ahrend 55.3 und 55.4 etwa 0.1 eV/Atom ung¨
unstiger sind.
Unter den Strukturen sind jeweils die zugeh¨
origen Gesamtenergien aufgetragen ¨
uber dem magnetischen
Moment gezeigt. Die Geometrie zu jedem Datenpunkt wurde optimiert. Dabei treten Konvergenzprobleme
auf, welche vor allem bei den Strukturen 55.3 und 55.4 zu Unstetigkeiten f¨
uhren. Daher wurde auch der
betrachtete Bereich des magnetischen Momentes f¨
ur diese Strukturen eingeschr¨
ankt. Wie man erkennen
kann ist der Verlauf der Gesamtenergie recht abh¨
angig von der Clustergeometrie. W¨
ahrend man f¨
ur den
Ikosaeder 55.1 einen sehr flachen Kurvenverlauf f¨
ur gr¨
oßere Momente und ein deutlich ausgepr¨
agtes Mini-
mum bei etwa 2 µB/Atom findet, erh¨
alt man f¨
ur die weniger symmetrische Struktur 55.2 einen sehr flachen
Verlauf der Gesamtenergiekurve im gesamten Bereich von etwa 2.6 µB/Atom bis etwa 2 µB/Atom. Dies
setzt sich bei den ungeordneten Strukturen 55.3 und 55.4 dahingehend fort, daß bei diesen das Minimum
der Gesamtenergie nach etwa 2.7 µB/Atom verschoben wird.
W¨
ahrend sich aus Abbildung 4.22 nicht klar entnehmen l¨
aßt ob es tats¨
achlich zwei Minima in der Ge-
samtenergiekurve gibt zeigt die Abbildung 4.23, bei der Volumen und magnetisches Moment in Schritten
variiert wurden, dies deutlich. Man erkennt ein deutlich ausgepr¨
agtes Minimum bei etwa 2 µB/Atom und
98
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
B
55.1 55.2
Energiediff./ (eV/Atom)
Energiediff./ (eV/Atom) Energiediff./ (eV/Atom)
Energiediff./ (eV/Atom)
55.455.3
B
µB
µ
B
µ
µ
Gesamtenergie/ Hartree
0.01
0.02
0.03
0.04
0.05
0.06
0.07
0.09
0.08
−81.54
−81.56
1.6 1.8 2 2.2 2.4 2.6 2.8 3
−81.6
−81.58
−81.56
−81.54
−81.52
−81.5
−81.48
0.00
0.01
0.02
0.03
0.04
0.05
0.06
−81.58
−81.6
2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 3
−81.51
−81.505
−81.5
−81.495
−81.49
−81.485
−81.48
−81.475
−81.47
−81.465
0.00
0.01
0.02
−81.62
−81.64
−81.49
−81.485
−81.48
−81.475
−81.47
−81.465
−81.46
−81.455
−81.45
−81.445
−81.435
−81.44
0.01
0.02
0.03
0.00
2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 3
−81.66
−81.68
−81.7
−81.72 2.8 2.6 2.4
Gesamtenergie/ Hartree
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
2.2 2 Magnetisches Moment/ ( /Atom)
3
Gesamtenergie/ Hartree
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
1.8
Gesamtenergie/ Hartree
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
1.6 0.00
Abbildung 4.22: Energetisch g¨
unstigste in der GA Suche gefundene Clusterstrukturen mit 55 Atomen. Bei der
Struktur 55.1 handelt es sich um den Mackay Ikosaeder [WD97]. Unter den Strukturen ist jeweils die Gesamt-
energie aufgetragen ¨
uber dem magnetischen Moment gezeigt. Die Geometrie wurde f¨
ur jedes magnetische Moment
optimiert.
4.6. AUSBLICK: FE
55 99
µB
Gesamtenergie/ H
Magnetisches Moment/ ( /Atom)
rel. Volumen
1.06
1.1
1.11 1.822.22.42.62.8
−81.7
−81.6
−81.5
−81.4
−81.3
1.08
1.07
1.09
Abbildung 4.23: Gesamtenergie aufgetragen ¨
uber Clustervolumen und magnetischem Moment. Bei dem Volumen
1.00 sind die drei unterschiedlichen Abst¨
ande vom Zentralatom aus gesehen 2.25 ˚
A, 3.87 ˚
A und 4.46 ˚
A. Jede
H¨
ohenlinie entspricht einer Energiedifferenz von 0.02 H oder ca. 0.01 eV/Atom.
ein weiteres bei etwa 2.65 µB/Atom. Weiterhin kann festgestellt werden, daß sich die Clustervolumina an
den beiden Minima kaum unterscheiden. Die durch die ¨
Anderung des magnetischen Momentes induzierte
Geometrie¨
anderung ist also, bei der hier gew¨
ahlten symmetrieerhaltenden Volumen¨
anderung, sehr klein.
Insbesondere kann daraus auch der Schluß gezogen werden, daß das Repulsivpotential f¨
ur den Effekt an
sich keine Rolle spielt da es f¨
ur jedes einzelne Volumen konstant ist (in Abbildung 4.23 sieht man also
bei festgehaltenem Volumen den reinen Energiebeitrag der elektronischen Anteile). Bis zu einem magne-
tischen Moment von 3.4 µB/Atom konnte bei einem relativen Volumen von 1.09 kein ferromagnetischer
Zustand wie beim Fe13 Ikosaeder gefunden werden.
Es zeigt sich also, daß in dieser Rechnung eine ¨
ahnliche Sonderrolle des Ikosaeders im Vergleich zu
den h¨
oher energetischen Isomeren festzustellen ist wie sie schon bei Fe13 beobachtet wurde. Allerdings
sind der berechnete Werte des magnetischen Momentes von etwa 2.65 µB/Atom und 2 µB/Atom nicht
im Einklang mit dem experimentellen Daten. Vielmehr bewegt sich der Wert f¨
ur das tiefere Minimum
im Bereich des Wertes des magnetischen Momentes des Festk¨
orpers, welcher mit der spinpolarisierten
DFTB Methode zu 1.98 µB/Atom berechnet11 wird (der experimentelle Wert ist 2.22 µB/Atom, DFT Werte
schwanken zwischen 2.04 µB/Atom und 2.17 µB/Atom [KE99]).
Dieses sehr niedrige magnetische Moment des Ikosaeders deutet wieder auf eine, im Bild kollinearer
Elektronenspins, anti-ferromagnetische Ordnung innerhalb des Clusters hin. In Abbildung 4.24 sind die
aus den Mulliken-Populationen berechneten Spinpopulationsdifferenzen und Gesamtpopulationen f¨
ur die
einzelnen Atome im Cluster an den Minima aus Abbildung 4.23 gezeigt. Die Verteilungen folgen im all-
gemeinen der Ikosaedersymmetrie welche zu vier in¨
aquivalenten Atomen (Zentralatom, den Atomen der
ersten Ikosaederschale und den zweit- und drittn¨
achsten Nachbarn des Zentralatoms, welche die ¨
auße-
re Ikosaederschale bilden) im Cluster f¨
uhrt. Nur bei der Gesamtpopulation zum magnetischen Moment
1.93 µB/Atom ist die Differenz zwischen Zentralatom und ¨
außeren Atomen unterhalb des Rundungsfeh-
lers.
11Hier wurden, wie auch f¨
ur die Cluster, drehimpulsabh¨
angige Hubbard Us verwendet. Die spinunpolarisierte Bandstruktur
¨
andert sich dadurch im Vergleich zu 4.1 nicht, nur das Fermi-Niveau wird verschoben. Das magnetische Moment mit einem
Hubbard Uist 1.93 µB/Atom. Es wurde eine Superzelle mit 250 Atomen unter Ber¨
ucksichtigung des Γ-Punktes zur Brillouin-
Zonen Integration verwendet.
100
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
−0.9
+2.7
+2.9 8.2
8.0
7.7
−0.8
+1.8
+2.9
+3.1 8.3
8.0
7.7
7.6
Gesamtpopulationen
1.93 µ /Atom
B
2.62 µ /Atom
B
Spinpopulationsdiff.
+1.5
Abbildung 4.24: Spinpopulationsdifferenzen und Gesamtmullikenpopulationen im Fe55 Ikosaeder. Die Einheit
der Zahlenwerte sind Elektronen.
Bei einem magnetischen Moment von 2.62 µB/Atom findet man eine negative Spinpopulationsdifferenz
auf dem Zentralatom, eine relativ kleine positive Spinpopulationsdifferenz auf den 12 Atomen der ersten
Ikosaederschale und große positive Spinpopulationsdifferenzen im Bereich von 3 Elektronen, entspre-
chend 3 µB, auf den Atomen der zweiten, ¨
außeren, Ikosaederschale. Die Verkleinerung des magnetischen
Momentes auf 1.93 µB/Atom hat eine Verlagerung der negativen Spinpopulationsdifferenz vom Zentrala-
tom auf die innere Ikosaederschale zur Folge. Das Zentralatom weist dann eine kleine positive Spinpopu-
lationsdifferenz von 1.5 Elektronen auf, w¨
ahrend man auf der ¨
außeren Ikosaederschale keine qualitative
¨
Anderung findet. Weiterhin f¨
allt auf, daß der Betrag der negativen Spinpopulationsdifferenz in beiden
F¨
allen etwa 1 Elektron betr¨
agt.
W¨
ahrend die Betr¨
age also erhalten bleiben ¨
andert sich die Lokalisation der negativen Spinpopulationsdif-
ferenz. Die Gesamt¨
anderung auf einem der 12 Atome der inneren Ikosaederschale betr¨
agt dabei etwa 2.7
Elektronen. Multipliziert mit der Zahl der Atome der inneren Ikosaederschale (12 Atome) und dividiert
durch die Gesamtzahl der Atome im Cluster (55 Atome) bedeutet dies allein eine ¨
Anderung des magneti-
schen Momentes von etwa 0.6 µB/Atom, was beinahe die gesamte ¨
Anderung des magnetischen Momentes
des Clusters von 2.62 µB/Atom auf 1.93 µB/Atom ausmacht.
Bei den Gesamtpopulationen ist hingegen festzustellen, daß sich diese bei ¨
Anderung des magnetischen
Momentes praktisch nicht ¨
andern. Die Ladungsverteilung im Cluster bleibt also trotz der starken Ver-
schiebung der Spinpopulationsdifferenzen erhalten. Dabei tragen die ¨
außeren Atome negative Ladungen
w¨
ahrend die inneren Atome leicht positiv geladen sind. Diese großr¨
aumige Verteilung der ¨
Uberschuß-
elektronen ¨
uber die ¨
außeren Atome minimiert die Abstoßung zwischen den Elektronen und ist damit im
Einklang mit elektrostatischen ¨
Uberlegungen.
Bei den benachbarten Clustergr¨
oßen mit 54 und 56 Atomen findet man ebenfalls vom Ikosaeder abgelei-
tete energieg¨
unstigste Strukturen in der GA Suche. Der energetisch g¨
unstigste Fe54 Cluster entsteht aus
dem Fe55 Ikosaeder durch Entfernung des Zentralatoms, w¨
ahrend beim energetisch g¨
unstigsten Fe56 Clu-
ster ein Atom auf der ¨
außeren Ikosaederschale hinzugef¨
ugt wird. Da hiervon die innere Ikosaederschale
4.7. ZUSAMMENFASSUNG
101
kaum beeinflußt wird ergibt sich f¨
ur diese beiden Cluster ein ¨
ahnliches Bild wie f¨
ur den Fe55 Ikosaeder,
n¨
amlich sehr kleine magnetische Momente die, im kollinearen Bild, von einem anti-ferromagnetischen
Kern herr¨
uhren.
Insgesamt ist also festzustellen, daß mit den hier durchgef¨
uhrten Rechnungen das große magnetische
Moment des Fe55 Clusters im Experiment nicht erkl¨
art werden kann. Vielmehr treten magnetische Ph¨
ano-
mene auf, die ¨
uber das ferromagnetische Verhalten der kleineren Cluster (mit Ausnahme des Fe13 Ikosa-
eders) hinausgehen. Diese deuten im Bild kollinearer Elektronenspins unter Ber¨
ucksichtigung der Mulli-
kenn¨
aherung im SDFTB Verfahren auf das Auftreten nicht-ferromagnetischer Ordnung hin. Da sich die
hier durchgef¨
uhrten Rechnungen auf den Fall kollinearen Spins beschr¨
anken kann aber nicht sicher von
anti-ferromagnetischem Verhalten gesprochen werden, die den Atomen in Abbildung 4.24 zugeordne-
ten Spinvektoren k¨
onnen eine komplexe r¨
aumliche Struktur bilden die durch die kollineare Behandlung
g¨
anzlich ¨
uberdeckt wird. Wie das Beispiel des Fe13 Ikosaeders [BPJSH02] zeigt sind die Ergebnisse in
voll-selbstkonsistenter DFT aber auch zu einem gewissen Grade vom Dichtefunktional abh¨
angig. Somit ist
es auch nicht auszuschließen, daß sich die im SDFTB Verfahren gemachten, die Austausch-Korrelations
Anteile betreffenden, N¨
aherungen bis zu einem gewissen Grade bemerkbar machen. Allerdings werden
die LSDA Ergebnisse f¨
ur den Fe13 Ikosaeder bei freier Relaxation durch SDFTB reproduziert.
Zur Kl¨
arung dieser Frage w¨
aren also extensive SDFTB und DFT Rechnungen unter Verwendung eines
nicht-kollinearen Formalismus notwendig wie sie f¨
ur den Festk¨
orper berichtet wurden [KHSW88]. Hier
w¨
are aber auch ¨
uber eine Einbeziehung der Spin-Bahn-Kopplung nachzudenken, welche letztendlich die
Spinfreiheitsgrade der Elektronen an das Kernger¨
ustes koppelt und zu magnetischen Anisotropien (harte
und weiche magnetische Richtungen in Ferromagneten) f¨
uhrt [KHSW88]. Hierbei handelt es sich letzt-
endlich um einen relativistischen Effekt [Sla68]. Dies geht aber weit ¨
uber den Rahmen dieser Arbeit und
¨
uber den Fokus ¨
ublicher DFT Rechnungen hinaus und muß der Zukunft vorbehalten bleiben.
4.7 Zusammenfassung
In diesem Kapitel wurde zum ersten mal ein selbstkonsistenter DFTB Ansatz zur Berechnung der Eigen-
schaften von Metallclustern eingesetzt. Die Strukturen und magnetischen Eigenschaften von Eisenclustern
im Gr¨
oßenbereich von 2 bis 32 Atomen wurden untersucht. Es konnte gezeigt werden, daß die spinpolari-
sierte DFTB Methode die Ergebnisse sehr viel aufw¨
andigerer DFT Rechnungen mit guter qualitativer Ge-
nauigkeit reproduziert. Dazu ist es allerdings nicht ausreichend die Methode nur um die Beschreibung von
Spinpolarisationseffekten zu erweitern. Vielmehr stellt es sich als notwendig heraus auch eine Erweite-
rung der Beschreibung von Ladungstransfereffekten vorzunehmen. Dies geschieht durch die Verwendung
drehimpulsabh¨
angiger Hubbard Us. Damit fließt letztendlich die unterschiedlich starke Lokalisation der
3d und der 4s und 4p Elektronen der ¨
Ubergangsmetallatome in den Gesamtenergieausdruck der DFTB
Methode ein.
Im Bereich des Fe13 Ikosaeders findet man eine starke ¨
Anderung des magnetischen Spinmomentes, die
mit einem ¨
Ubergang von Strukturen mit ikosaedrischer Symmetrie zu Strukturen mit sechsz¨
ahligen Ach-
sen einhergeht. Dabei konnte f¨
ur Fe14 eine neue, energetisch g¨
unstige Struktur identifiziert werden welche
diesen ¨
Ubergang verdeutlicht. Diese Cluster mit sechsz¨
ahligen Achsen unterscheiden sich strukturell und
in ihren magnetischen Momenten deutlich von Lennard-Jones Strukturen die den Fe13 Ikosaeder als Bau-
element enthalten.
Auch im, hier zum ersten mal mit Hilfe eines genetischen Algorithmus erkundeten, Gr¨
oßenbereich von
18 bis 32 Atomen findet man, daß sich die gefundenen Clusterstrukturen, mit Ausnahme des energetisch
g¨
unstigsten Fe20 Clusters, energetisch deutlich von Lennard-Jones Clustern unterscheiden. Die magneti-
schen Momente zeigen einen Abfall der nur von zwei kleinen Maxima bei Fe25 und Fe31 durchbrochen
wird. Eine klare Korrelation zwischen magnetischen, energetischen und strukturellen Eigenschaften wie
im Bereich des Fe13 Ikosaeders ist jedoch nicht zu erkennen.
Die hier berechneten magnetischen Spinmomente der Cluster ab Fe25 liegen im Bereich der experi-
mentellen Daten [Kni02, BBCdH93]. Es kann daher, im Einklang mit anderen theoretischen Ergebnis-
102
KAPITEL 4. ¨
UBERGANGSMETALLCLUSTER
sen [GLDDP03], davon ausgegangen werden, daß Orbitalbeitr¨
age zum magnetischen Moment in diesem
Gr¨
oßenbereich keine Rolle mehr spielen. Es gibt allerdings experimentelle Hinweise darauf, daß die ma-
gnetischen Bahnmomente f¨
ur kleine Cluster einen Beitrag liefern der zum Vergleich mit dem Experiment
ber¨
ucksichtigt werden muß [Kni02].
Die hier durchgef¨
uhrten Untersuchungen weisen aber auch deutlich auf eine Sonderrolle der Ikosaeder-
symmetrie hin, welche bei Fe13 und Fe55 eine nicht-ferromagnetische Spinordnung und damit verminderte
magnetische Momente bedingt. Insbesondere f¨
ur den Mackay Ikosaeder mit 55 Atomen ergeben sich da-
mit im Vergleich zum Experiment sehr niedrige Beitr¨
age des Elektronenspins zum magnetischen Moment
des Clusters. Aufgrund der Daten f¨
ur Cluster bis zu 32 Atomen kann aber andererseits davon ausgegangen
werden, daß die Beitr¨
age der Bahnmomente zum magnetischen Gesamtmoment des Clusters klein sind.
Hier sind also weitere, zuk¨
unftige Untersuchungen notwendig. Dabei ist es unvermeidlich nicht-kollineare
Spinanordnungen zu ber¨
ucksichtigen. Dies vermeidet die in den hier durchgef¨
uhrten Rechnungen vorhan-
dene Gefahr, durch die technische Beschr¨
ankung auf den kollinearen Fall k¨
unstliche Minima in der Ge-
samtenergie und k¨
unstliche anti-ferromagnetische Spinanordnungen zu erzwingen. Untersuchungen dieser
Art gehen aber ¨
uber den Rahmen dieser Arbeit hinaus.
Kapitel 5
Zusammenfassung
Diese Arbeit hatte die Erweiterung der DFTB Methode zur Behandlung von Spinpolarisationseffekten
zum Ziel. Die hier entwickelte Vorgehensweise entspricht dem Stand der Technik heutiger DFT Program-
me. Dabei wurde gezeigt, wie ausgehend vondem Gesamtenergieausdruck in Kohn-Sham Spindichtefunk-
tionaltheorie ein approximativer Gesamtenergieausdruck f¨
ur die spinpolarisierte DFTB Methode erhalten
werden kann. Dieser geht bei Vernachl¨
assigung von Spinpolarisationseffekten in den Gesamtenergieaus-
druck des spinunpolarisierten DFTB Verfahrens mit Ber¨
ucksichtigung von Ladungsdichtefluktuationen
¨
uber.
In den ersten Ideen zu dieser Erweiterung wurde ein Hamiltonoperator f¨
ur die spinpolarisierte DFTB Me-
thode vorgeschlagen, welcher eine strikte Einzentrenn¨
aherung in seinem Spinpolarisationsanteil enth¨
alt.
Dieser bietet f¨
ur periodische Systeme den Vorteil einfacherer Implemetierbarkeit verglichen mit dem di-
rekt aus dem Gesamtenergieausdruck folgenden Hamiltonoperator, und wurde mit gutem Erfolg zur Be-
rechnung isotroper Hyperfeinkopplungskonstanten in Molek¨
ulen und Festk¨
orpern eingesetzt. Es konnte
in dieser Arbeit demonstriert werden, daß diese beiden Hamiltonoperatoren bei Betrachtung von Gesamt-
energien, Einteilchenniveaus und isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten praktisch identische Ergebnis-
se liefern.
Die Anwendung der spinpolarisierten DFTB Methode zur Berechnung von isotropen Hyperfeinkopp-
lungskonstanten zeigt, daß diese f¨
ur die Protonen organischer Molek¨
ule in einer mit voll-selbstkonsistenter
DFT vergleichbaren Genauigkeit berechnet werden k¨
onnen. F¨
ur die isotropen Hyperfeinkopplungskon-
stanten von Kohlenstoff und Stickstoff in diesen Molek¨
ulen findet man im Vergleich zu DFT Ergebnissen
immer noch eine befriedigende Genauigkeit. Allgemein ist festzustellen, daß die Abweichungen der spin-
polarisierten DFTB von den experimentellen Daten denen der DFT Rechnung folgen. Es kann somit davon
ausgegangen werden, daß die experimentellen Spindichten und Austauschkopplungen in organischen Mo-
lek¨
ule im Rahmen der M¨
oglichkeiten der Theorie befriedigend wiedergeben werden und das die SDFTB
Methode ebensogut wie voll-selbstkonsistente DFT zur Zuordnung experimenteller Daten geeignet ist.
Auch der Vergleich von mit der spinpolarisierten DFTB Methode berechneten isotropen Hyperfeinkopp-
lungskonstanten im Festk¨
orper zu DFT Ergebnissen zeigt eine insgesamt sehr gute qualitative ¨
Uberein-
stimmung. Zwar treten f¨
ur Vakanzen in 3C-SiC qualitative Abweichungen vom DFT Ergebnis auf. Diese
sind aber weniger ein Hinweis auf ein Versagen der DFTB Methode als auf die H¨
arte des Testproblems
wie durch weitere DFT Rechnungen gezeigt wurde. F¨
ur einen Vakanz-Antisite Komplex in 6H-SiC erh¨
alt
man wieder eine befriedigende ¨
Ubereinstimmung zu DFT Referenzwerten.
Weiterhin erlaubt das Studium der isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten auch eine Absch¨
atzung der
numerischen Abh¨
angigkeit der Ergebnisse von den in der spinpolarisierten DFTB Methode verwendeten
und durch eine atomare DFT Rechnung bestimmten Konstanten WAll0. Es wurde an ausgew¨
ahlten Bei-
spielmolek¨
ulen demonstriert, daß kleine ¨
Anderungen der Konstanten nur kleine ¨
Anderungen der isotropen
Hyperfeinkopplungskonstanten zur Folge haben. Von diesen kann erwartet werden, daß sie im der spin-
polarisierten DFTB Methode zuzurechnenden Fehlerbalken untergehen. In sofern ist das hier dargestellte
Verfahren numerisch stabil. Allerdings eignen sich dieWAll0nicht zur Einstellung von z. B. Energiegewin-
nen durch die Ber¨
ucksichtigung der Spinpolarisation. Die dazu notwendigen großen ¨
Anderungen f¨
uhren
103
104
KAPITEL 5. ZUSAMMENFASSUNG
zu qualitativen Differenzen der berechneten zu den experimentellen Werten.
In dieser Arbeit wurde zum ersten mal eine erfolgreiche Anwendung der DFTB Methode zur Berechnung
der Eigenschaften von Metallclustern unter Ber¨
ucksichtigung von Spinpolarisationseffekten demonstriert.
Die Berechnung magnetischer Eigenschaften von Eisenclustern macht eine Modifikation des f¨
ur organi-
sche Molek¨
ule und Halbleiter bew¨
ahrten Vorgehens zur Ber¨
ucksichtigung des Einflußes von Ladungs-
dichtefluktuationen notwendig. Die ¨
Anderung des magnetischen Momentes dr¨
uckt sich im Bild atomarer
Mulliken-Populationen durch einen intra-atomaren Ladungstransfer von der 3d in die 4s und 4p Schale
aus. Die damit zusammenh¨
angende Transferenergie muß im Gesamtenergieausdruck der spinpolarisierten
DFTB Methode durch die Verwendung unterschiedlicher Hubbard Us f¨
ur die atomaren Schalen ber¨
uck-
sichtigt werden. Mit dieser Modifikation erh¨
alt man eine Beschreibung von elektronischen, magnetischen
und strukturellen Eigenschaften die oft in quantitativer ¨
Ubereinstimmung zu DFT Daten ist wie Tests f¨
ur
die Cluster von Fe2bis Fe17 zeigen.
Die Potentialhyperfl¨
achen im gesamten Gr¨
oßenbereich von 2 bis 32 Atomen wurden mit Hilfe eines ge-
netischen Algorithmus abgesucht. F¨
ur die dabei gefundenen Clusterstrukturen wurden die Bindungsener-
gien und die magnetischen Momente berechnet. In ¨
Ubereinstimmung mit DFT Ergebnissen findet man
eine starke ¨
Anderung des durch die Elektronenspins erzeugten magnetischen Momentes der Cluster beim
Fe13 Ikosaeder. Diese ist mit einer klaren ¨
Anderung der Struktur des energetisch g¨
unstigsten Clusters
einer jeden Gr¨
oße verkn¨
upft. W¨
ahrend bis zum Fe13 Ikosaeder Cluster mit ikosaedrischen Symmetrieele-
menten (f¨
unfz¨
ahligen Achsen) energetisch bevorzugt sind werden beginnend mit Fe14 Cluster Strukturen
mit sechsz¨
ahligen Achsen energetisch g¨
unstiger. Diese beiden Strukturelemente stehen dabei in diesem
¨
Ubergangsbereich in Konkurrenz.
F¨
ur die noch gr¨
oßeren Cluster findet man in den DFTB Daten einen relativ stetigen Abfall des magne-
tischen Momentes welcher nur von zwei kleinen Maxima bei Fe25 und Fe31 unterbrochen wird. Es ist
allerdings keine Zuordnung zu ¨
Anderungen in der Clusterstruktur m¨
oglich. In sofern ist der ¨
Ubergangs-
bereich um den Fe13 Ikosaeder herum in diesem Gr¨
oßenbereich einzigartig. Dies zeigt sich auch bei der
Betrachtung der Energetik. Man findet im Einklang mit dem Experiment, daß sowohl Fe13 als auch Fe15
energetisch außerordentlich stabil sind. Dies trifft auch auf Fe19 zu. Hingegen kann der n¨
achste im Experi-
ment gefundene energetisch “magische” Cluster Fe23 in den SDFTB Daten nicht klar identifiziert werden,
stattdessen findet man das Fe26 und Fe28 energetisch ausgezeichnete Strukturen sind. Hier kann nur ver-
mutet werden, daß sich die im Experiment beobachteten geladenen Clusterstrukturen deutlich von den
hier betrachteten neutralen unterscheiden.
Die hier gefundenen Strukturen unterscheiden sich im ¨
ubrigen energetisch deutlich von Lennard-Jones
Clustern, die in der ¨
uberwiegenden Zahl der F¨
alle energetisch deutlich ung¨
unstiger sind. Es wurde ge-
zeigt, daß sich mit Lennard-Jones Clustern zwar globale Trends in den magnetischen Momenten erfassen
lassen, das aber andererseits gerade in ¨
Ubergangsbereichen deutliche Abweichungen zu den magnetischen
Momenten der mit dem spinpolarisierten DFTB Verfahren gefundenen energieniedrigsten Cluster auftre-
ten.
Wie oben bemerkt nimmt der Fe13 Ikosaeder eine Sonderstellung ein. Ein Ikosaeder l¨
aßt sich wieder f¨
ur
Cluster mit 55 Atomen konstruieren. Hier findet man in den experimentellen Daten ein markantes Maxi-
mum des magnetischen Momentes. Die Rechnung zeigt, daß auch hier der Ikosaeder eine energetisch sehr
g¨
unstige Struktur f¨
ur Cluster mit 55 Atomen ist. Auch die gefundenen energetisch g¨
unstigsten Strukturen
mit 54 und 56 Atomen sind vom Ikosaeder abgeleitet.
Allerdings findet man mit der spinpolarisierten DFTB Methode kein großes magnetisches Moment f¨
ur
diesen Cluster, sondern vielmehr zwei Minima in der Gesamtenergie die zu zwei verschiedenen, relativ
kleinen magnetischen Momenten geh¨
oren. Die Analyse der Verteilung der Spinpopulationen im Cluster
zeigt, daß es hier zu einer Fluktuation des Vorzeichens der einem Atom zugeordneten Spinpopulations-
differenz kommt. Dies ist sehr ¨
ahnlich zum Verhalten des Fe13 Ikosaeders. Dieses Ergebnis weist darauf
hin, daß in diesem Gr¨
oßenbereich magnetische Ph¨
anomene auftreten, die ¨
uber die M¨
oglichkeiten des hier
entwickelten Verfahrens, welches auf der Annahme kollinearer Spins beruht, hinausgehen. W¨
ahrend man
also die Eigenschaften kleinerer Eisencluster mit sehr guter Genauigkeit beschreiben kann, sind weitere
methodische Entwicklungen f¨
ur gr¨
oßere Cluster notwendig.
Anhang A
Variation und Hamiltonoperator
Um den mit dem Gesamtenergieausdruck 1.57 verkn¨
upften Hamiltonoperator zu erhalten ist die Variation
in Gleichung 1.67 auszuf¨
uhren. Dies soll im folgenden im Detail gezeigt werden, wobei das Repulsivpo-
tential keine Rolle spielt da es nicht von der Wellenfunktion abh¨
angt.
Es werden die symbolische Schreibweisen A(µ)und l(µ)benutzt. Diese bedeuten das der Atomindex A
bzw. der Drehimpulsindex lentsprechend der Basisfunktion mit dem Index µzu w¨
ahlen sind, die Basis-
funktionen sind in der hier verwendeten Basis eindeutig einem Atom und einem Drehimpuls zugeordnet.
Summation ¨
uber alle Drehimpulse an einem bestimmten Atom Awird durch lAgekennzeichnet, dabei
entspricht AlAζA,l=νeiner Summation ¨
uber alle Basisfunktionen, Index ν, im System.
Zuerts soll die Ableitung des mit dem Lagrange-Multiplikator εiσverkn¨
upften Anteils gezeigt werden:
c
µiσεiσÃNτ
occ
j
njτ
2
ζ
η
(c
ζjτcηjτSζη +cζjτc
ηjτSηζ)!=
=niσεiσ
νcνiσSµν(A.1)
Der Gesamtenergieausdruck 1.57 besteht aus drei Summanden die hier beginnend mit dem Hamiltonope-
rator nullter Ordnung behandelt werden sollen:
c
µiσ
τ=,
occ
jnjτhψjσ|ˆ
H0[n0,0]|ψjσi=
=
c
µiσ
τ=,
occ
jnjτ
ζ
ηc
ζjτcηjτhϕζ|ˆ
H0[n0,0]|ϕηi=
=niσ
νcνiσˆ
H0
µν(A.2)
unter Umbenennung von Indizes.
F¨
ur die beiden Behandlung der Gesamtenergieanteile Eδnund Eδmsoll zuerst die Ableitung der Mulliken-
Spinpopulationen pAlσnach den cµiσzur Verf¨
ugung gestellt werden:
c
µiσpAlτ=
c
µiσ
1
2
jnjτ
ζA,l
ν³c
ζjτcνjτSζν +cζjτc
νjτSνζ´=
=1
2
jnjτ
ζA,l
νÃ
c
µiσc
ζjτcνjτSζν +
c
µiσcζjτc
νjτSνζ!=
=1
2niσÃ
νcνiσ
ζA,l
δζµδAB(µ)Sζν +
ζA,l
cζiσSµζ!(A.3)
Hierbei ist zu beachten das die Ableitung nach cµiσnicht nur ein Kronecker-Delta in den Basisfunktions-
indizes, δζµ, induziert. Da die Summe ¨
uber ζnur Orbitale an einem Atom umfasst wird ein zus¨
atzliches
Kronecker-Delta in den Atomindizes, δAB(µ), erzeugt.
105
106
ANHANG A. VARIATION UND HAMILTONOPERATOR
Mit obiger Neberechnung lassen sich die Ableitungen der fluktuationsabh¨
angigen Anteile recht schnell
berechnen:
c
µiσEδn=
c
µiσ
1
2
A
B
lA
l0B
γAl,Bl0qAlqBl0=
=
c
µiσ
A
B
lA
l0B
γAl,Bl0ÃqAl Ã
c
µiσqBl0+
c
µiσqBl0!!=
=1
2niσ
A
B
lA
l0B
γAl,Bl0qAl Ã
νcνiσ
ζB,l0
δζµδBC(µ)Sζν +
ζB,l0
cζiσSµζ!=
=1
2niσÃ
νcνiσ
A
B
lA
l0B
ζB,l0
δζµδBC(µ)γAl,Bl0qAlSζν+
+
A
B
lA
l0B
ζB,l0
cζiσγAl,Bl0qAlSµζ!=
=1
2niσÃ
νcνiσ
A
lA
γAl,B(µ)l0(µ)qAlSµν+
A
lA
νcνiσγAl,B(ν)l0(ν)qAlSµν!=
=1
2niσÃ
νcνiσSµν
A
lA¡γAl,B(ν)l0(ν)+γAl,B(µ)l0(µ)¢qAl!(A.4)
In der vorletzten Zeile wurden die Summen ¨
uber B,l0und ζzu einer Summe ¨
uber alle Orbitale νzusam-
mengefaßt. Nochmaliges Umbennen von Indizes liefert das Endergebnis:
c
µiσEδn=1
2niσÃ
νcνiσSµν
C
l00C¡γA(µ)l(µ),Cl00 +γB(ν)l0(ν),Cl00¢qCl00!(A.5)
107
F¨
ur den Spinpolarisationsanteil ergibt sich ¨
ahnlich:
c
µiσEδm=
c
µiσ
1
2
A
lA
l0A
pAl pAl0WAll0=
A
lA
l0A
WAll0pAl0
c
µiσpAl =
=
A
lA
l0A
WAll0pAl0Ã
c
µiσpAl
c
µiσpAl!=
=δσ
A
lA
l0A
WAll0pAl0Ã1
2niσÃ
νcνiσ
ζA,l
δζµδAB(µ)Sζν +
ζA,l
cζiσSµζ!!=
=δσ1
2niσÃ
ν
A
lA
l0A
ζA,l
δζµδAB(µ)WAll0pAl0cνiσSζν +
+
A
lA
l0A
ζA,l
WAll0pAl0cζiσSµζ!=
=δσ1
2niσÃ
ν
lB(µ)
l0B(µ)
ζB(µ),l(µ)
δζµWB(µ)l(µ)l0pB(µ)l0cνiσSζν +
+
ν
l0B(ν)
WB(ν)l(ν)l0pB(ν)l0cνiσSµν!=
=δσ1
2niσÃ
ν
l0B(µ)
WB(µ)l(µ)l0pB(µ)l0cνiσSµν+
ν
l0B(ν)
WB(ν)l(ν)l0pB(ν)l0cνiσSµν!=
=δσ1
2niσ
νcνiσSµνÃ
l0B(µ)
WB(µ)l(µ)l0pB(µ)l0+
l0B(ν)
WB(ν)l(ν)l0pB(ν)l0!(A.6)
Wiedereinsetzen der Ausdr¨
ucke f¨
ur die einzelnen Ableitungen liefert das S¨
akulargleichungssystem 1.68
f¨
ur die Koeffizienten und die Hamiltonmatrixelemente 1.69.
108
ANHANG A. VARIATION UND HAMILTONOPERATOR
Anhang B
Ausdruck f¨
ur die Kr¨
afte
Die Ableitungen der Wellenfunktionskoeffizienten cµiσnach den Kernkoordinaten verschwinden Auf-
grund des Lagrange-Multiplikators. Im folgenden sollen sie nicht ber¨
ucksichtigt werden. Die Ableitungen
der Gesamtenergie nach den Komponenten der Kernkoordinaten, s=x,y,zist eine kartesische Raumrich-
tung, lauten damit im einzelnen, beginnend mit dem Hamiltonoperator nullter Ordnung:
Rs
C
σ=,
occ
iniσ
µ
νc
µiσcνiσˆ
H0
µν=
σ=,
occ
iniσ
µ
νc
µiσcνiσ
Rs
C
ˆ
H0
µν(B.1)
F¨
ur die Berechnung der Ableitung der Anteile Eδnund Eδmsoll zuerst folgende Nebenrechnung durch-
gef¨
uhrt werden:
Rs
CpAlσ=
Rs
C
1
2
occ
iniσ
µA,l
ν¡c
µiσcνiσSµν+cµiσc
νiσSνµ¢=
1
2
occ
iniσ
µA,l
νµc
µiσcνiσ
Rs
CSµν+cµiσc
νiσ
Rs
CSνµ(B.2)
Damit erh¨
alt man dann f¨
ur die Ableitung des von der Ladungsdichtefluktuation abh¨
angigen Energieanteils:
Rs
CEδn=
Rs
C
1
2
A
B
lA
l0B
γAl,Bl0qAlqBl0=(B.3)
=1
2
A
B
lA
l0BµqAlqBl0
Rs
CγAl,Bl0+2γAl,Bl0qBl0
Rs
CqAl.
Die beiden Terme in Gleichung B.3 sollen jetzt getrennt ausgewertet werden, beginnend mit dem ersten:
1
2
A
B
lA
l0BµqAlqBl0
Rs
CγAl,Bl0=1
2
A
B
lA
l0BµqAlqBl02δAC
Rs
CγAl,Bl0=
lC
qCl
B
l0
qBl0
Rs
CγCl,Bl0(B.4)
109
110
ANHANG B. AUSDRUCK F ¨
UR DIE KR ¨
AFTE
F¨
ur den zweiten Term in B.3 folgt:
1
2
A
B
lA
l0Bµ2γAl,Bl0qBl0
Rs
CqAl=
A
B
lA
l0BµγAl,Bl0qBl0
Rs
CqAl=
=
A
B
lA
l0BÃγAl,Bl0qBl0
σ=,
1
2
occ
iniσ
µA,l
νc
µiσcνiσ
Rs
CSµν+cµiσc
νiσ
Rs
CSνµ!=
=Ã1
2
σ=,
occ
iniσ
A
B
lA
l0B
µA,l
νγAl,Bl0qBl0c
µiσcνiσ
Rs
CSµν!+
+Ã1
2
σ=,
occ
iniσ
A
B
lA
l0B
µA,l
νγAl,Bl0qBl0cµiσc
νiσ
Rs
CSνµ!=
=Ã1
2
σ=,
occ
iniσ
µ
ν
B
l0B
γA(µ)l(µ),Bl0qBl0c
µiσcνiσ
Rs
CSµν!+
+Ã1
2
σ=,
occ
iniσ
µ
ν
B
l0B
γA(µ)l(µ),Bl0qBl0cµiσc
νiσ
Rs
CSνµ!=
=Ã1
2
σ=,
occ
iniσ
µ
ν
B
l0B
γA(µ)l(µ),Bl0qBl0c
µiσcνiσ
Rs
CSµν!+
+Ã1
2
σ=,
occ
iniσ
µ
ν
B
l0B
γA(ν)l(ν),Bl0qBl0cνiσc
µiσ
Rs
CSµν!=
=1
2
σ=,
occ
iniσ
µ
νc
µiσcνiσ
Rs
CSµν
B
l0B¡γA(µ)l(µ),Bl0+γA(ν)l(ν),Bl0¢qBl0(B.5)
Hier wurden, wie auch bei der Herleitung der Hamiltonmatrixelemente in Anhang A, Summationen ¨
uber
Atome A, Drehimpulse lAund Basisfunktionen µA,lzu einer Summation ¨
uber alle µzusammenge-
fasst. Weiterhin wurden bei der Vertauschung der Indizes µund νim vorletzten Schritt die Symmetrie der
¨
Uberlappmatrix und die Summation ¨
uber alle Basisfunktionen in beiden Indizes ausgenutzt.
Insgesamt lautet damit der von der Ladungsdichtefluktuation abh¨
angige Kraftanteil:
Rs
CEδn=
lC
qCl
B
l0
qBl0
Rs
CγCl,Bl0+(B.6)
+1
2
σ=,
occ
iniσ
µ
νc
µiσcνiσ
Rs
CSµν
B
l0B¡γA(µ)l(µ),Bl0+γA(ν)l(ν),Bl0¢qBl0
F¨
ur den von den Fluktuationen der Magnetisierungsdichte abh¨
angigen Kraftanteil erh¨
alt man mit analo-
111
gem Vorgehen bei der Behandlung der Indizes:
Rs
CEδm=1
2
Rs
C
A
lA
l0A
WAll0pAl pAl0=
=
A
lA
l0A
WAll0pAl
Rs
CpAl0=
=1
2
σ=,
occ
iδσniσ
A
lA
l0A
WAll0pAl
µA,l0
νµc
µiσcνiσ
Rs
CSµν+cµiσc
νiσ
Rs
CSνµ=
=1
2Ã
σ=,
occ
iδσniσ
ν
A
l0A
µA,l0
lA
WAll0pAlc
µiσcνiσ
Rs
CSµν!+
+1
2Ã
σ=,
occ
iδσniσ
ν
A
l0A
µA,l0
lA
WAll0pAlc
νiσcµiσ
Rs
CSνµ!=(B.7)
=1
2
σ=,
occ
iδσniσ
µ
νc
µiσcνiσ
Rs
CSµνÃ
lA(µ)
WA(µ)ll0(µ)pA(µ)l+
lA(ν)
WA(ν)ll0(ν)pA(ν)l!
Schlußendlich liefert die Ableitung der Zwangsbedingung:
Rs
C
σ=,
occ
i
niσ
2εiσÃ
µ
ν
(c
µiσcνiσSµν+cµiσc
νiσSνµ)1!=
=
σ=,
occ
iniσ
µ
νc
µiσcνiσεiσ
Rs
CSµν(B.8)
112
ANHANG B. AUSDRUCK F ¨
UR DIE KR ¨
AFTE
Anhang C
UAl und WAll0
In diesem Kapitel werden die in dieser Arbeit verwendeten Konstanten UAl und WAll0tabellarisch f¨
ur
jede Atomsorte angegeben. Die Konstanten wurden mit dem Programm “scfatom”, welches von dem
Programm “twocnt” f¨
ur die Erzeugung der Integraltabellen abgeleitet ist, berechnet1. Die Konstanten er-
geben sich durch einmaliges numerisches Ableiten der atomaren Eigenwerte nach den Besetzungszahlen,
es wird eine Schrittweite von 0.01 verwendet. Je nach Besetzung (leere oder volle Schalen) wurden ein-
seitige Differenzen verwendet. Alle Rechnungen wurden an spinunpolarisierten Pseudoatomen bzw. mit
dem spinunpolarisierten Pseudoatom als Referenzpunkt durchgef¨
uhrt. Im Falle des Eisens ist die atomare
Elektronenkonfiguration explizit angegeben.
Wie man erkennen kann sind f¨
ur die Elemente der zweiten Reihe (H,C,N und O) die HubbardUs der 2s-
und 2p-Schale nur um einige Prozent unterschiedlich. Dieser Unterschied wurde in der bisherigen Anwen-
dung des DFTB Verfahrens vernachl¨
assigt, das Hubbard Uder 2p-Schale wurde auch f¨
ur die Elektronen
der 2s-Schale verwendet. F¨
ur ¨
Ubergangsmetalle, hier am Beispiel von Eisen und Nickel, ist der Unter-
schied zwischen der 3d-Schale einerseits und den 4s-Elektronen andererseits jedoch betr¨
achtlich. Dies ist
Ausdruck der verschiedenen Lokalisierung dieser Elektronen, die 3d-Elektronen sind verglichen mit 4s
und 4p stark lokalisiert.
Aus Symmetriegr¨
unden ist zu erwarten, daß die KopplungselementeWAll0gegen Vertauschung der Indizes
lund l0symmetrisch sind. Dies wird auch in der numerischen Rechnung bis zur angegebenen Genauigkeit
best¨
atigt.
Im folgenden werden zu Vergleichszwecken Werte f¨
ur die Konstanten WAll0welche mit DFT/L(S)DA
[WP91b, WP91a] und mit DFT/PBE [PBE96], einem GGA Funktional, berechnet wurden angegeben.
Die durch die Wahl der Approximation f¨
ur das Austausch-Korrelations-Funktional bedingten ¨
Anderungen
sind im allgemeinen klein. Sie liegen im Bereich von ca. 1% des Absolutwertes f¨
ur Elemente der zweiten
Reihe. F¨
ur die ¨
Ubergangsmetalle sind sie f¨
ur l=l0ebenfalls von dieser Gr¨
oße. In dieser Arbeit wurden
die PBE Werte verwendet.
F¨
ur die unbesetzten 3d Schalen der Elemente S und Si erh¨
alt man negative Werte f¨
ur die Hubbard Us.
Dies bedeutet, daß es energetisch g¨
unstig ist diese mit Elektronen zu besetzen. In der konkreten DFTB
Rechnung w¨
urde eine Ber¨
ucksichtigung dieser Werte dazu f¨
uhren, daß so viele Elektronen wie m¨
oglich
in Molek¨
ulorbitale besetzt werden welche d-Anteile enthalten. Dies ist als unphysikalisch anzusehen.
1“scfatom” ist tats¨
achlich der Atomteil des “twocnt” Programs.
113
114
ANHANG C.
UAL
UND
WALL0
Atomsorte Konstante DFT/LDA DFT/PBE
HUs0.406 0.419
Wss 0.064 0.072
Us0.397 0.399
Up0.364 0.365
CWss 0.028 0.031
Wsp 0.024 0.025
Wps 0.024 0.025
Wpp 0.022 0.023
Us0.462 0.464
Up0.430 0.431
NWss 0.030 0.033
Wsp 0.026 0.027
Wps 0.026 0.027
Wpp 0.025 0.026
Us0.527 0.529
Up0.495 0.495
OWss 0.032 0.035
Wsp 0.028 0.030
Wps 0.028 0.030
Wpp 0.027 0.028
Us0.374 0.375
Up0.328 0.329
Ud0.972 1.701
Wss 0.019 0.021
Wsp 0.016 0.017
SWsd 0.000 0.000
Wps 0.016 0.017
Wpp 0.014 0.016
Wpd 0.000 0.000
Wds 0.000 0.000
Wdp 0.000 0.000
Wdd 0.010 0.080
Us0.299 0.299
Up0.248 0.248
Ud0.987 1.254
Wss 0.018 0.020
Wsp 0.013 0.015
Si Wsd 0.000 0.000
Wps 0.013 0.015
Wpp 0.012 0.014
Wpd 0.000 0.000
Wds 0.000 0.002
Wdp 0.000 0.002
Wdd 0.019 0.032
115
Atomsorte Konstante DFT/LDA DFT/PBE
Us0.240 0.237
Up0.218 0.214
Ud0.449 0.447
Wss 0.012 0.015
Wsp 0.009 0.012
Fe Wsd 0.003 0.003
3d64s2Wps 0.009 0.012
Wpp 0.010 0.019
Wpd 0.001 0.001
Wds 0.003 0.003
Wdp 0.001 0.001
Wdd 0.016 0.017
Us0.221 0.201
Up0.188 0.156
Ud0.369 0.363
Wss 0.013 0.016
Wsp 0.009 0.012
Fe Wsd 0.003 0.003
3d74s1Wps 0.009 0.012
Wpp 0.011 0.029
Wpd 0.001 0.001
Wds 0.003 0.003
Wdp 0.001 0.001
Wdd 0.015 0.015
Us0.256 0.252
Up0.227 0.222
Ud0.487 0.486
Wss 0.009 0.016
Wsp 0.009 0.012
Ni Wsd 0.003 0.003
Wps 0.009 0.012
Wpp 0.010 0.022
Wpd 0.001 0.001
Wds 0.003 0.003
Wdp 0.001 0.001
Wdd 0.017 0.018
116
ANHANG C.
UAL
UND
WALL0
Anhang D
EPR Daten
D.1 Protonendaten
117
118
ANHANG D. EPR DATEN
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C2H3[Hel65] 1.340 0.0106 0.563 0.777 ( 58.0) 2.454 -1.114 ( -83.1) 1.71
Vinyl 3.700 0.0667 3.539 0.161 ( 4.4) 3.986 -0.286 ( -7.7) 2.12
6.500 0.1164 6.177 0.323 ( 5.0) 6.498 0.002 ( 0.0) 5.51
C4H
6[Hel80a] 0.762 0.0216 1.146 -0.384 ( -50.4) 1.049 -0.287 ( -37.7) 0.980
Transbutadien 0.279 0.0070 0.374 -0.095 ( -34.1) 0.279 0.000 ( 0.0) 0.080
C6H5[PBD68] 1.950 0.0205 1.087 0.863 ( 44.3) 1.804 0.146 ( 7.5) 1.870
Phenyl 0.650 0.0082 0.435 0.215 ( 33.1) 0.607 0.043 ( 6.6) 0.610
0.406 0.0067 0.354 0.052 ( 12.8) 0.218 0.188 ( 46.3) 0.690
C7H7[Hel77] 1.630 0.0344 1.826 -0.196 ( -12.0) 1.693 -0.063 ( -3.9)
Benzyl 0.515 0.0104 0.550 -0.035 ( -6.8) 0.587 -0.072 ( -14.0)
0.179 0.0021 0.114 0.065 ( 36.3) 0.250 -0.071 ( -39.7)
0.617 0.0110 0.582 0.035 ( 5.7) 0.577 0.040 ( 6.5)
C8H9[Hel77] 0.740 0.0132 0.699 0.041 ( 5.5) 0.838 -0.098 ( -13.2)
Cyclooctatrienyl 0.930 0.0121 0.642 0.288 ( 31.0) 0.914 0.016 ( 1.7)
0.990 0.0205 1.087 -0.097 ( -9.8) 1.202 -0.212 ( -21.4)
0.650 0.0044 0.235 0.415 ( 63.8) 0.407 0.243 ( 37.4)
C8H9[Hel77] 1.607 0.0336 1.784 -0.177 ( -11.0) 1.669 -0.062 ( -3.9)
p-Methylbenzyl 0.513 0.0101 0.539 -0.026 ( -5.1) 0.583 -0.070 ( -13.6)
0.175 0.0020 0.108 0.067 ( 38.3) 0.247 -0.072 ( -41.1)
0.670 0.0080 0.424 0.246 ( 36.7) 0.779 -0.109 ( -16.3)
C10H7[Hel77] 1.900 0.0251 1.333 0.567 ( 29.8) 2.022 -0.122 ( -6.4)
1-Naphthyl 0.600 0.0079 0.419 0.181 ( 30.2) 0.561 0.039 ( 6.5)
0.200 0.0081 0.430 -0.230 (-115.0) 0.226 -0.026 ( -13.0)
C10H7[Hel77] 1.570 0.0254 1.345 0.225 ( 14.3) 2.082 -0.512 ( -32.6)
2-Naphthyl 1.970 0.0171 0.906 1.064 ( 54.0) 1.697 0.273 ( 13.9)
0.580 0.0087 0.460 0.120 ( 20.7) 0.547 0.033 ( 5.7)
D.1. PROTONENDATEN
119
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C10H
8[Hel80a] 0.495 0.0116 0.618 -0.123 ( -24.8) 0.603 -0.108 ( -21.8) 0.53
Naphthalin 0.187 0.0033 0.175 0.012 ( 6.4) 0.178 0.009 ( 4.8) 0.09
C10H
8[PBD68] 0.882 0.0173 0.918 -0.036 ( -4.1) 0.939 -0.057 ( -6.5) 0.940
Azulen 0.622 0.0112 0.596 0.026 ( 4.2) 0.658 -0.036 ( -5.8) 0.700
0.395 0.0089 0.474 -0.079 ( -20.0) 0.473 -0.078 ( -19.7) 0.300
0.134 0.0013 0.067 0.067 ( 50.0) 0.156 -0.022 ( -16.4) 0.390
0.027 0.0008 0.042 -0.015 ( -55.6) 0.051 -0.024 ( -88.9) 0.0
C14H9[Hel77] 2.100 0.0267 1.417 0.683 ( 32.5) 2.124 -0.024 ( -1.1)
1-Anthracyl 0.600 0.0077 0.409 0.191 ( 31.8) 0.544 0.056 ( 9.3)
C14H+
10 [Hel80b] 0.653 0.0113 0.598 0.055 ( 8.4) 0.662 -0.009 ( -1.4) 0.66
Anthracen 0.306 0.0066 0.350 -0.044 ( -14.4) 0.344 -0.038 ( -12.4) 0.29
0.138 0.0024 0.129 0.009 ( 6.5) 0.121 0.017 ( 12.3) 0.06
C14H
12 [Eri97] 0.290 0.0043 0.230 0.060 ( 20.7) 0.332 -0.042 ( -14.5)
0.090 0.0004 0.020 0.070 ( 77.8) 0.115 -0.025 ( -27.8)
0.390 0.0070 0.369 0.021 ( 5.4) 0.451 -0.061 ( -15.6)
0.030 0.0003 0.017 0.013 ( 43.3) 0.051 -0.021 ( -70.0)
0.190 0.0043 0.226 -0.036 ( -18.9) 0.222 -0.032 ( -16.8)
0.270 0.0056 0.299 -0.029 ( -10.7) 0.194 0.076 ( 28.1)
C18H+
12 [Hel65] 0.506 0.0088 0.468 0.038 ( 7.5) 0.459 0.047 ( 9.3)
Tetracen 0.169 0.0041 0.218 -0.049 ( -29.0) 0.209 -0.040 ( -23.7)
0.103 0.0018 0.095 0.008 ( 7.8) 0.106 -0.003 ( -2.9)
C22H+
14 [Hel80b] 0.098 0.0028 0.147 -0.049 ( -50.0) 0.134 -0.036 ( -36.7)
Pentacen 0.355 0.0067 0.356 -0.001 ( -0.3) 0.388 -0.033 ( -9.3)
0.076 0.0014 0.072 0.004 ( 5.3) 0.067 0.009 ( 11.8)
0.508 0.0082 0.433 0.075 ( 14.8) 0.512 -0.004 ( -0.8)
120
ANHANG D. EPR DATEN
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C26H+
14 [Eri97] 0.290 0.0045 0.236 0.054 ( 18.6) 0.316 -0.026 ( -9.0)
0.070 0.0004 0.019 0.051 ( 72.9) 0.097 -0.027 ( -38.6)
0.420 0.0072 0.382 0.038 ( 9.0) 0.486 -0.066 ( -15.7)
0.050 0.0004 0.021 0.029 ( 58.0) 0.076 -0.026 ( -52.0)
0.230 0.0045 0.239 -0.009 ( -3.9) 0.266 -0.036 ( -15.7)
0.430 0.0079 0.418 0.012 ( 2.8) 0.536 -0.106 ( -24.7)
C6H9O [Hel77] 2.100 0.0490 2.598 -0.498 ( -23.7) 2.348 -0.248 ( -11.8)
2.720 0.0493 2.616 0.104 ( 3.8) 3.455 -0.735 ( -27.0)
C13H8O[Hel77] 0.227 0.0004 0.023 0.204 ( 89.9) 0.119 0.108 ( 47.6)
Fluorenon 0.032 0.0033 0.178 -0.146 (-456.2) 0.049 -0.017 ( -53.1)
0.369 0.0040 0.212 0.157 ( 42.5) 0.290 0.079 ( 21.4)
0.078 0.0000 0.001 0.077 ( 98.7) 0.077 0.001 ( 1.3)
C13H9O [Hel77] 0.075 0.0045 0.236 -0.161 (-214.7) 0.287 -0.212 (-282.7)
0.294 0.0051 0.273 0.021 ( 7.1) 0.362 -0.068 ( -23.1)
9-Hydroxyfluorenyl 0.060 0.0004 0.019 0.041 ( 68.3) 0.113 -0.053 ( -88.3)
0.350 0.0058 0.305 0.045 ( 12.9) 0.402 -0.052 ( -14.9)
0.076 0.0005 0.029 0.047 ( 61.8) 0.114 -0.038 ( -50.0)
C13H10O [Hel77] 0.278 0.0031 0.163 0.115 ( 41.4) 0.265 0.013 ( 4.7)
Benzophenon 0.095 0.0003 0.017 0.078 ( 82.1) 0.079 0.016 ( 16.8)
0.354 0.0065 0.345 0.009 ( 2.5) 0.388 -0.034 ( -9.6)
C13H11O [Hel77] 0.291 0.0056 0.295 -0.004 ( -1.4) 0.248 0.043 ( 14.8)
0.321 0.0058 0.310 0.011 ( 3.4) 0.394 -0.073 ( -22.7)
0.123 0.0011 0.060 0.063 ( 51.2) 0.161 -0.038 ( -30.9)
0.364 0.0064 0.337 0.027 ( 7.4) 0.437 -0.073 ( -20.1)
C6H4O
2[Hel80a] 0.095 0.0087 0.464 -0.369 (-388.4) 0.273 -0.178 (-187.4) 0.020
o-Benzosemiquinon 0.365 0.0053 0.279 0.086 ( 23.6) 0.226 0.139 ( 38.1) 0.190
C6H4O
2p-Benzosemiquinon [Hel80a] 0.235 0.0058 0.308 -0.073 ( -31.1) 0.238 -0.003 ( -1.3) 0.090
D.1. PROTONENDATEN
121
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C8H6O
2[RF62] 0.381 0.0077 0.407 -0.026 ( -6.8) 0.398 -0.017 ( -4.5)
cis- 0.116 0.0028 0.150 -0.034 ( -29.3) 0.119 -0.003 ( -2.6)
Terephthalaldehyd 0.154 0.0031 0.166 -0.012 ( -7.8) 0.128 0.026 ( 16.9)
C8H6O
2[RF62] 0.389 0.0077 0.407 -0.018 ( -4.6) 0.405 -0.016 ( -4.1)
trans- 0.208 0.0032 0.171 0.037 ( 17.8) 0.182 0.026 ( 12.5)
Terephthalaldehyd 0.070 0.0027 0.145 -0.075 (-107.1) 0.070 0.000 ( 0.0)
C5H6N [Hel77] 0.339 0.0114 0.607 -0.268 ( -79.1) 0.835 -0.496 (-146.3)
1-H-Pyridinyl 0.588 0.0110 0.582 0.006 ( 1.0) 0.744 -0.156 ( -26.5)
0.098 0.0008 0.040 0.058 ( 59.2) 0.169 -0.071 ( -72.4)
1.161 0.0223 1.181 -0.020 ( -1.7) 1.296 -0.135 ( -11.6)
C6H8N [Hel77] 0.269 0.0110 0.582 -0.313 (-116.4) 0.805 -0.536 (-199.3)
1-H-4- 0.598 0.0109 0.580 0.018 ( 3.0) 0.755 -0.157 ( -26.3)
Methylpyridinyl 0.116 0.0011 0.056 0.060 ( 51.7) 0.192 -0.076 ( -65.5)
1.232 0.0156 0.829 0.403 ( 32.7) 2.073 -0.841 ( -68.3)
C4H4N
2[Hel65] 0.016 0.0004 0.024 -0.008 ( -50.0) 0.086 -0.070 (-437.5) 0.110
Pyridazin 0.647 0.0156 0.829 -0.182 ( -28.1) 0.823 -0.176 ( -27.2) 0.360
C8H4N
2[Hel65] 0.424 0.0090 0.479 -0.055 ( -13.0) 0.487 -0.063 ( -14.9) 0.400
Phthalonitril 0.033 0.0008 0.045 -0.012 ( -36.4) 0.085 -0.052 (-157.6) 0.150
C8H4N
2[PBD68] 0.829 0.0159 0.844 -0.015 ( -1.8) 0.984 -0.155 ( -18.7) 0.760
Isophthalonitril 0.144 0.0023 0.120 0.024 ( 16.7) 0.221 -0.077 ( -53.5) 0.260
0.008 0.0005 0.028 -0.020 (-250.0) 0.072 -0.064 (-800.0) 0.150
C8H6N
2[Hel65] 0.591 0.0110 0.585 0.006 ( 1.0) 0.638 -0.047 ( -8.0) 0.640
Phthalazin 0.464 0.0128 0.678 -0.214 ( -46.1) 0.643 -0.179 ( -38.6) 0.520
0.214 0.0035 0.186 0.028 ( 13.1) 0.206 0.008 ( 3.7) 0.090
122
ANHANG D. EPR DATEN
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C8H6N
2[PBD68] 0.232 0.0051 0.270 -0.038 ( -16.4) 0.289 -0.057 ( -24.6) 0.180
Quinoxalin 0.332 0.0101 0.536 -0.204 ( -61.4) 0.390 -0.058 ( -17.5) 0.200
0.100 0.0034 0.182 -0.082 ( -82.0) 0.167 -0.067 ( -67.0) 0.040
C8H6N
2[PBD68] 0.169 0.0041 0.216 -0.047 ( -27.8) 0.269 -0.100 ( -59.2) 0.060
1-5- 0.295 0.0041 0.220 0.075 ( 25.4) 0.176 0.119 ( 40.3) 0.150
Diazanaphthalin 0.577 0.0125 0.665 -0.088 ( -15.3) 0.679 -0.102 ( -17.7) 0.380
C8H6N
2[Hel80a] 0.438 0.0051 0.270 0.168 ( 38.4) 0.348 0.090 ( 20.5)
1-8- 0.050 0.0031 0.164 -0.114 (-228.0) 0.108 -0.058 (-116.0)
Diazanaphthalin 0.669 0.0134 0.712 -0.043 ( -6.4) 0.824 -0.155 ( -23.2)
C8H6N
2[Hel80a] 0.502 0.0127 0.673 -0.171 ( -34.1) 0.644 -0.142 ( -28.3)
2-6- 0.045 0.0013 0.069 -0.024 ( -53.3) 0.015 0.030 ( 66.7)
Diazanaphthalin 0.439 0.0110 0.585 -0.146 ( -33.3) 0.569 -0.130 ( -29.6)
C8H6N
2[Hel80a] 0.737 0.0145 0.770 -0.033 ( -4.5) 0.837 -0.100 ( -13.6)
2-7- 0.197 0.0036 0.193 0.004 ( 2.0) 0.210 -0.013 ( -6.6)
Diazanaphthalin 0.363 0.0097 0.514 -0.151 ( -41.6) 0.472 -0.109 ( -30.0)
C6H4N2O
4[Hel80a] 0.310 0.0002 0.010 0.300 ( 96.8) 0.013 0.297 ( 95.8) 0.040
m- 0.420 0.0146 0.775 -0.355 ( -84.5) 0.825 -0.405 ( -96.4) 0.780
Dinitrobenzen 0.110 0.0023 0.121 -0.011 ( -10.0) 0.211 -0.101 ( -91.8) 0.190
C6H4N2O
4[Hel80a] 0.021 0.0006 0.032 -0.011 ( -52.4) 0.078 -0.057 (-271.4)
o-Dinitrobenzen 0.171 0.0061 0.324 -0.153 ( -89.5) 0.219 -0.048 ( -28.1)
C6H5NO
2[PBD68] 0.339 0.0066 0.349 -0.010 ( -2.9) 0.388 -0.049 ( -14.5) 0.360
Nitrobenzen 0.397 0.0133 0.703 -0.306 ( -77.1) 0.604 -0.207 ( -52.1) 0.380
0.109 0.0000 0.002 0.107 ( 98.2) 0.120 -0.011 ( -10.1) 0.190
D.1. PROTONENDATEN
123
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C6H6NO2[Hel77] 0.051 0.0005 0.027 0.024 ( 47.1) 0.055 -0.004 ( -7.8)
1-H-4- 0.528 0.0099 0.527 0.001 ( 0.2) 0.735 -0.207 ( -39.2)
Carboxylpyridinyl 0.331 0.0075 0.400 -0.069 ( -20.8) 0.482 -0.151 ( -45.6)
0.438 0.0090 0.480 -0.042 ( -9.6) 0.529 -0.091 ( -20.8)
0.048 0.0010 0.052 -0.004 ( -8.3) 0.022 0.026 ( 54.2)
0.134 0.0006 0.030 0.104 ( 77.6) 0.015 0.119 ( 88.8)
C7H4N2O
2[Hel80a] 0.318 0.0029 0.156 0.162 ( 50.9) 0.244 0.074 ( 23.3)
m- 0.454 0.0153 0.811 -0.357 ( -78.6) 0.744 -0.290 ( -63.9)
Nitrobenzonitril 0.099 0.0010 0.056 0.043 ( 43.4) 0.141 -0.042 ( -42.4)
0.358 0.0097 0.515 -0.157 ( -43.9) 0.525 -0.167 ( -46.6)
C7H4N2O
2[Hel80a] 0.130 0.0014 0.074 0.056 ( 43.1) 0.162 -0.032 ( -24.6)
o- 0.395 0.0108 0.572 -0.177 ( -44.8) 0.517 -0.122 ( -30.9)
Nitrobenzonitril 0.080 0.0027 0.145 -0.065 ( -81.2) 0.003 0.077 ( 96.2)
0.300 0.0029 0.152 0.148 ( 49.3) 0.223 0.077 ( 25.7)
C10H6N2O
4[Hel80a] 0.242 0.0046 0.242 0.000 ( 0.0) 0.244 -0.002 ( -0.8)
1-5- 0.044 0.0018 0.094 -0.050 (-113.6) 0.044 0.000 ( 0.0)
Dinitronaphthalin 0.282 0.0079 0.419 -0.137 ( -48.6) 0.350 -0.068 ( -24.1)
C10H6N2O
4[Hel80a] 0.363 0.0065 0.348 0.015 ( 4.1) 0.498 -0.135 ( -37.2)
1-8- 0.095 0.0004 0.020 0.075 ( 78.9) 0.105 -0.010 ( -10.5)
Dinitronaphthalin 0.373 0.0107 0.570 -0.197 ( -52.8) 0.609 -0.236 ( -63.3)
C10H6N2O
4[Hel80a] 0.221 0.0076 0.402 -0.181 ( -81.9) 0.258 -0.037 ( -16.7)
2-6- 0.006 0.0007 0.035 -0.029 (-483.3) 0.035 -0.029 (-483.3)
Dinitronaphthalin 0.094 0.0050 0.268 -0.174 (-185.1) 0.136 -0.042 ( -44.7)
C10H6N2O
4[Hel80a] 0.373 0.0148 0.785 -0.412 (-110.5) 0.804 -0.431 (-115.5)
2-7- 0.176 0.0011 0.056 0.120 ( 68.2) 0.027 0.149 ( 84.7)
Dinitronaphthalin 0.056 0.0049 0.260 -0.204 (-364.3) 0.058 -0.002 ( -3.6)
124
ANHANG D. EPR DATEN
Tabelle D.1: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aHf¨
ur Protonen in mT.
Exp. SDFTB DFT INDO
Name aexp
Hρss aSDFTB
HaDFT
HaINDO
H
C13H9NO[Hel77] 0.120 0.0042 0.221 -0.101 ( -84.2) 0.142 -0.022 ( -18.3)
1- 0.305 0.0037 0.198 0.107 ( 35.1) 0.267 0.038 ( 12.5)
Aminofluorenon 0.064 0.0005 0.024 0.040 ( 62.5) 0.045 0.019 ( 29.7)
0.201 0.0004 0.023 0.178 ( 88.6) 0.102 0.099 ( 49.3)
C13H9NO[Hel77] 0.500 0.0019 0.098 0.402 ( 80.4) 0.214 0.286 ( 57.2)
2- 0.258 0.0032 0.167 0.091 ( 35.3) 0.249 0.009 ( 3.5)
Aminofluorenon 0.049 0.0002 0.008 0.041 ( 83.7) 0.073 -0.024 ( -49.0)
0.066 0.0004 0.024 0.042 ( 63.6) 0.094 -0.028 ( -42.4)
0.049 0.0025 0.133 -0.084 (-171.4) 0.002 0.047 ( 95.9)
0.258 0.0010 0.051 0.207 ( 80.2) 0.168 0.090 ( 34.9)
C13H9NO[Hel77] 0.160 0.0001 0.008 0.152 ( 95.0) 0.088 0.072 ( 45.0)
3- 0.070 0.0025 0.133 -0.063 ( -90.0) 0.009 0.061 ( 87.1)
Aminofluorenon 0.160 0.0012 0.065 0.095 ( 59.4) 0.031 0.129 ( 80.6)
0.070 0.0002 0.009 0.061 ( 87.1) 0.067 0.003 ( 4.3)
0.160 0.0042 0.220 -0.060 ( -37.5) 0.297 -0.137 ( -85.6)
0.060 0.0042 0.224 -0.164 (-273.3) 0.102 -0.042 ( -70.0)
0.160 0.0001 0.007 0.153 ( 95.6) 0.085 0.075 ( 46.9)
D.2. KOHLENSTOFFDATEN
125
D.2 Kohlenstoffdaten
Tabelle D.2: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aCf¨
ur Kohlenstoff in mT.
DFT SDFTB
Name aDFT
Cρss aSDFTB
C
C10H
80.033 0.0029 0.210 -0.176 (-529.8)
Azulen 0.424 0.0041 0.303 0.121 ( 28.5)
0.645 0.0101 0.739 -0.095 ( -14.7)
0.643 0.0101 0.738 -0.095 ( -14.7)
0.547 0.0098 0.719 -0.172 ( -31.4)
0.873 0.0066 0.481 0.392 ( 44.9)
1.246 0.0179 1.315 -0.069 ( -5.6)
C14H+
10 0.464 0.0040 0.290 0.173 ( 37.4)
Anthracen 0.348 0.0068 0.498 -0.150 ( -43.1)
0.799 0.0127 0.932 -0.133 ( -16.7)
0.071 0.0009 0.066 0.005 ( 7.1)
C13H10O 0.211 0.0024 0.173 0.038 ( 18.0)
Benzophenon 0.419 0.0004 0.033 0.386 ( 92.2)
0.224 0.0031 0.225 -0.000 ( -0.1)
0.241 0.0021 0.154 0.087 ( 36.1)
0.369 0.0023 0.169 0.199 ( 54.1)
0.365 0.0015 0.112 0.253 ( 69.3)
0.502 0.0068 0.499 0.003 ( 0.7)
C6H4O
20.097 0.0075 0.549 -0.452 (-468.1)
o-Benzosemiquinon 0.018 0.0026 0.193 -0.175 (-990.6)
0.514 0.0024 0.174 0.340 ( 66.1)
C6H4O
20.016 0.0038 0.282 -0.266 (-1624.7)
p-Benzosemiquinon 0.366 0.0016 0.119 0.248 ( 67.7)
C8H6O
20.189 0.0009 0.068 0.121 ( 64.1)
trans-Terephthalaldehyd 0.023 0.0003 0.025 -0.002 ( -7.3)
0.177 0.0059 0.433 -0.256 (-144.8)
0.122 0.0020 0.144 -0.022 ( -17.9)
C8H6O
20.109 0.0008 0.061 0.048 ( 44.1)
cis-Terephthalaldehyd 0.110 0.0004 0.032 0.078 ( 71.0)
0.190 0.0059 0.434 -0.244 (-128.2)
0.134 0.0019 0.142 -0.008 ( -6.0)
C6H8N 1.116 0.0076 0.557 0.560 ( 50.1)
1-H-4-Methylpyridinyl 1.072 0.0073 0.540 0.533 ( 49.7)
0.647 0.0087 0.640 0.007 ( 1.1)
0.580 0.0082 0.605 -0.025 ( -4.3)
0.744 0.0055 0.404 0.340 ( 45.6)
1.778 0.0212 1.555 0.223 ( 12.5)
C4H4N
20.695 0.0136 1.002 -0.307 ( -44.2)
Pyridazin 0.927 0.0077 0.564 0.364 ( 39.2)
0.927 0.0077 0.565 0.363 ( 39.1)
0.702 0.0137 1.008 -0.307 ( -43.7)
126
ANHANG D. EPR DATEN
Tabelle D.2: Isotrope Hyperfeinkopplungskonstanten aCf¨
ur Kohlenstoff in mT.
DFT SDFTB
Name aDFT
Cρss aSDFTB
C
C8H6N
20.579 0.0047 0.346 0.234 ( 40.3)
Quinoxalin 0.583 0.0048 0.352 0.231 ( 39.7)
0.394 0.0102 0.746 -0.352 ( -89.4)
0.215 0.0013 0.093 0.122 ( 56.6)
0.058 0.0010 0.071 -0.014 ( -23.6)
0.099 0.0004 0.029 0.070 ( 70.3)
0.188 0.0016 0.117 0.071 ( 37.9)
0.406 0.0101 0.742 -0.337 ( -83.1)
C8H4N
20.517 0.0043 0.319 0.197 ( 38.2)
Isophthalonitril 1.107 0.0159 1.170 -0.063 ( -5.7)
0.065 0.0039 0.288 -0.224 (-346.5)
1.113 0.0087 0.636 0.476 ( 42.8)
0.452 0.0029 0.211 0.241 ( 53.4)
0.063 0.0039 0.287 -0.223 (-352.9)
1.104 0.0159 1.167 -0.062 ( -5.6)
0.453 0.0029 0.211 0.241 ( 53.3)
C8H4N
20.589 0.0091 0.669 -0.080 ( -13.5)
Phthalonitril 0.677 0.0055 0.406 0.271 ( 40.0)
0.385 0.0078 0.571 -0.186 ( -48.3)
0.821 0.0052 0.379 0.442 ( 53.9)
C8H6N
20.627 0.0049 0.358 0.270 ( 43.0)
1,5-Diazanaphthalin 0.763 0.0128 0.940 -0.177 ( -23.2)
0.068 0.0009 0.064 0.004 ( 6.4)
0.213 0.0010 0.075 0.138 ( 65.0)
C6H5NO
20.358 0.0051 0.377 -0.019 ( -5.3)
Nitrobenzen 0.560 0.0040 0.291 0.269 ( 48.1)
0.387 0.0032 0.233 0.154 ( 39.7)
0.799 0.0140 1.026 -0.227 ( -28.4)
C7H4N2O
20.505 0.0089 0.653 -0.148 ( -29.3)
m-Nitrobenzonitril 0.689 0.0060 0.439 0.250 ( 36.3)
0.254 0.0033 0.245 0.009 ( 3.5)
0.968 0.0163 1.201 -0.232 ( -24.0)
0.144 0.0009 0.065 0.079 ( 54.7)
0.532 0.0024 0.180 0.353 ( 66.2)
0.077 0.0005 0.038 0.040 ( 51.0)
C7H4N2O
20.059 0.0003 0.024 0.035 ( 58.8)
o-Nitrobenzonitril 0.313 0.0001 0.010 0.304 ( 96.9)
0.124 0.0049 0.363 -0.239 (-192.7)
0.646 0.0110 0.810 -0.163 ( -25.3)
0.513 0.0068 0.501 0.011 ( 2.2)
0.641 0.0056 0.408 0.233 ( 36.3)
0.601 0.0042 0.308 0.293 ( 48.8)
Anhang E
Basisfunktionen und Repulsivpotential f¨
ur
Eisen
F¨
ur die in diesem Anhang enthaltenen Berechnungen wurde sowohl im DFTB als auch in der DFT Refe-
renz ein GGA Funktional [PBE96] verwendet. Dieses enth¨
alt eine L(S)DA [WP91b, WP91a] Parametri-
sierung auf welche die Gradientenkorrekturen aufgesetzt werden. Die L(S)DA Referenzen im Abschnitt
E.1 wurden mit dieser Parametrisierung bestimmt.
E.1 Gesamtenergie des Eisenatoms
Mit ¨
alteren L(S)DA Parametrisierungen, wie sie z. B. in [HJ78] verwendet wurden, findet man, daß die
Energiedifferenz zwischen der 3d64s2und der 3d74s1Konfiguration des Eisenatoms in spinpolarisierter
Rechnung verschwindet. Mit einer neueren Parametrisierung und mit einem Gradientenkorrekturen ent-
haltendem Funktional ergeben sich die folgenden Gesamtenergien:
3d64s23d74s1
spinpolarisiert LDA -1261.17206269 -1261.16642926
spinpolarisiert GGA -1263.39215045 -1263.38372288
spinunpolarisiert LDA -1261.04204130 -1261.08395075
spinunpolarisiert GGA -1263.25545383 -1263.29548831
W¨
ahrend man in spinpolarisierter Rechnung, unter der Annahme ganzzahliger Besetzungszahlen,
tats¨
achlich die 3d64s2Elektronenkonfiguration als atomaren Grundzustand erh¨
alt, ist in der spinunpola-
risierten Atomrechnung die dem Hamiltonoperator nullter Ordnung zugrunde liegt die 3d74s1Besetzung
energetisch g¨
unstiger. Wenn man nicht-ganzzahlige Besetzungen zul¨
aßt findet man als Grundzustand des
Eisenatoms in LSDA hingegen 3d6.44s1.6was in guter ¨
Ubereinstimmung mit der Literatur ist [AP92].
E.2 Basisfunktionen des Eisenatoms
Die Basisfunktionen, siehe Abschnitt 1.4.1, haben die allgemeine Form:
ϕν(r) = Ã
j=1Ã
n=0
ajnrlν+n!eαjr!Ylνmν(er)
Um die Basisfunktionen und damit letztendlich den Hamiltonoperator nullter Ordnung festzulegen ist es
notwendig zu jeder Hauptquantenzahl und jedem Drehimpuls (zwischen Orbitalen mit unterschiedlicher
magnetischer Quantenzahl wird nur durch die Kugelfl¨
achenfunktion unterschieden) die Exponenten αj
und die Polynomkoeffizienten ajn anzugeben.
127
128
ANHANG E. BASISFUNKTIONEN UND REPULSIVPOTENTIAL F¨
UR EISEN
Die verwendeten Exponenten sind f¨
ur alle Basisfuktionen gleich:
α1=26.00000,α2=3.64110,α3=0.50990,α4=0.07140,α5=0.01000
Der Koeffizient α5ist sehr klein was zu einer sehr diffusen Funktion f¨
uhrt. Wie man aus den folgenden am
atomaren Problem optimierten Polynomkoeffizienten sehen kann spielt dieser Exponent praktisch keine
Rolle. Die Basis entspricht somit einer Quadrupel-Zeta Basis.
Die Polynomkoeffzienten werden im folgenden per Hauptquantenzahl und Drehimpuls tabellarisch ange-
geben. Die Zuordnung ist dann wie folgt wobei N die Hauptquantenzahl und L die Drehimpulsquantenzahl
ist:
a50 a51 a52
a53 a54 a40
a41 a42 a43
a44 a30 a31
a32 a33 a34
a20 a21 a22
a23 a24 a10
a11 a12 a13
a14 N L
1.373252553937e-08 -1.237150612033e-10 3.918062261500e-13
-5.164178243963e-16 2.390399410774e-19 -4.674657500297e-06
3.377298757276e-07 -8.772380305864e-09 9.589993912395e-11
-3.925826111656e-13 4.347830657833e-04 -2.411109667686e-04
4.973767039492e-05 -4.303553890679e-06 1.468371515467e-07
-1.670595024282e-02 7.037044161873e-02 -1.145888427648e-01
7.632980539075e-02 -2.093040297053e-02 2.604325416397e+02
-1.648069301919e+01 1.421640144816e+03 -1.830140753421e+03
2.614877903042e+03 1 0
-3.515811243790e-06 3.137422770118e-08 -9.853444303126e-11
1.289373905425e-13 -5.931831755837e-17 1.715468394402e-03
-1.183255808323e-04 2.928965229282e-06 -3.062341437738e-08
1.195243274193e-10 -2.912616628234e-01 1.561910780066e-01
-3.059393087841e-02 2.523505172688e-03 -7.981270144178e-05
5.251510579460e+01 -1.579407311151e+02 1.891783128034e+02
-1.017787349058e+02 2.264861440965e+01 -1.306746482504e+02
-1.015606009365e+03 -3.792006856689e+03 -1.633908583656e+04
2.016490030634e+04 2 0
-4.398629380701e-07 3.916639448854e-09 -1.227703164848e-11
1.603849461280e-14 -7.368229561184e-18 2.378079608889e-04
-1.614752503304e-05 3.937373055424e-07 -4.062156842171e-09
1.564443990234e-11 -4.655065998288e-02 2.576282762853e-02
-5.100319510171e-03 4.198442664405e-04 -1.300610092589e-05
-3.348745973881e+01 1.210444562430e+02 -7.889917917812e+01
3.147734911564e+01 -2.952222454898e+00 6.307236505960e+01
6.182465159099e+02 3.790481358076e+03 7.395414494791e+03
6.073310115832e+04 3 0
E.3. REPULSIVES PAARPOTENTIAL F ¨
UR EISEN
129
1.726147970843e-05 -1.534329462976e-07 4.802158699093e-10
-6.265219111079e-13 2.875097703248e-16 -1.025690626768e-02
6.852228970015e-04 -1.646385763171e-05 1.677299370929e-07
-6.381991956851e-10 5.203438510919e+00 -2.427702379093e+00
4.113942875477e-01 -2.975769874809e-02 8.129287212190e-04
1.230202966601e+01 -8.476336660897e+01 5.285101975391e+01
-5.736298072674e+01 4.378732944488e+00 -2.889291788195e+01
-3.076175354887e+02 -2.416120317490e+03 -1.493459401235e+03
-5.988321833692e+04 4 0
-1.784499355061e-08 1.330504254261e-10 -3.455152182389e-13
3.705789651837e-16 -1.388379635097e-19 7.578811059546e-05
-4.440842637975e-06 9.223241231239e-08 -8.072537608053e-10
2.557944298762e-12 -1.102763120479e-01 5.061317027682e-02
-8.253489082993e-03 5.665657248608e-04 -1.418777317668e-05
8.576720762950e+01 -2.583660051651e+02 2.919594315450e+02
-1.442275470700e+02 2.716904215328e+01 4.703403742290e+02
3.027605915363e+03 7.921001642918e+04 -2.756343749649e+05
1.915066099110e+06 2 1
7.393656367183e-09 -5.504412108182e-11 1.427512933375e-13
-1.529166830886e-16 5.722217042767e-20 -3.458352111268e-05
1.994916486768e-06 -4.085950607697e-08 3.532692032491e-10
-1.106950475259e-12 8.059669119178e-02 -3.552691902723e-02
5.533799243013e-03 -3.620183643301e-04 8.591913860216e-06
-3.403791717943e+01 1.949967254231e+02 -2.173848492495e+02
1.126426655446e+02 -2.084622976405e+01 -1.690042739159e+02
-1.154969652568e+03 -2.954332770268e+04 9.923970192161e+04
-7.315061948615e+05 3 1
-6.870720992610e-13 4.720461335682e-15 -1.131393910044e-17
1.119208990807e-20 -3.852630754448e-24 1.683196155247e-08
-8.427313517096e-10 1.495866527069e-11 -1.120376438339e-13
3.018592911015e-16 -2.516925041254e-04 9.919172710618e-05
-1.366362602363e-05 7.837779877861e-07 -1.599808163253e-08
8.143821955946e+01 -1.335457112334e+02 1.260586081713e+02
-5.244078114873e+01 1.094500769653e+01 1.374374802746e+02
-2.189268326693e+03 5.390691493508e+04 -2.756695134436e+05
8.874697840114e+05 3 2
Die Einteilchenenergien des freien Atoms in der 3d74s1Besetzung sind damit:
3d=0.1445388 H,4s=0.1519555 H,4p=0.0318935 H
E.3 Repulsives Paarpotential f¨
ur Eisen
In Abbildung E.1 ist das repulsive Paarpotential f¨
ur Eisen gezeigt. Der Abschneideradius betr¨
agt hier
x0=4.93593 aB. Mit ihm l¨
aßt sich das repulsive Paarpotential durch folgendes Polynom darstellen:
U(R) = 0.00315656(x0R)8+0.02895269(x0R)6+0.04279070(x0R)2
841.407742
Die Konstante im Polynom dient der Parallelverschiebung der Fitpunkte und wurde auch auf die y-
Koordinate der Fitpunkte in Abbildung E.1 addiert.
130
ANHANG E. BASISFUNKTIONEN UND REPULSIVPOTENTIAL F¨
UR EISEN
Abstand/ Å
Abstand/ a B
8
Fe
Fe2
U(R)
2.6
3.4 3.6 3.8 4 4.2 4.4 4.6 4.8 5
0.7
0.6
0.5
0.4
0.3
0.2
0.1
0
U(R)/ Hartree
2.221.8
Fitpunkte
2.4
Abbildung E.1: Repulsives Paarpotential Uf¨
ur Eisen aufgetragen ¨
uber dem interatomaren Abstand R.
Neben der KurveU(R)sind auch die verwendeten Fitpunkte, die f¨
ur kleine Abst¨
ande vom Fe2Dimer und
f¨
ur große Abst¨
ande vom Fe8Kubus stammen, eingetragen.
Anhang F
Beschreibung von Kristallfeldeffekten
Im Hamiltonoperator nullter Ordnung, siehe Abschnitt 1.4.1, werden die gemeinhin als Kristallfeld- und
Dreizentrenterme bezeichneten Anteile explizit vernachl¨
assigt. Nach der Kristallfeldtheorie, siehe z. B.
[Ket72] f¨
ur eine Einf¨
uhrung, verursachen aber genau diese Wechselwirkungen eine Aufspaltung der d-
Zust¨
ande der ¨
Ubergangsmetallatome die vor allem die Eigenschaften von Organo-¨
Ubergangsmetallver-
bindungen (die Gegenstand der Komplexchemie sind) bestimmt. Auch f¨
ur die hier betrachteten homonu-
klearen ¨
Ubergangsmetallcluster ist eine Einfluß zu erwarten, allerdings spielen hier auch Hybridisierungs-
effekte welche im DFTB beschrieben werden eine Rolle.
Bei der Diskussion der Kristallfeldeffekte wird jedoch oft nicht v¨
ollig ber¨
ucksichtigt, daß hier auch die
Symmetrie an sich eine Aufspaltung verursachen w¨
urde, die auch ohne explizite Ber¨
ucksichtigung von
Kristallfeld- und Dreizentrentermen im Hamiltonoperator sichtbar werden kann. Dies soll am Beispiel
eines Systems aus Wasserstoffen und eine Metallatom mit, der Einfachheit halber, abgeschlossener 3d-
Schale, n¨
amlich Kupfer, durch Vergleich von DFTB Resultaten mit der Kristallfeldtheorie gezeigt werden.
In Abbildung F.1 ist schematisch die Aufspaltung der d-Orbitale eines ¨
Ubergangsmetalls in Kristallfel-
dern verschiedener Symmetrie gezeigt. In oktaedrischen und in tetraedrischen Feldern werden die f¨
unf
d-Niveaus in eine e-Darstellungen, welche das dx2y2und das dx2Orbital enth¨
alt, und eine t2-Darstellung,
welche dxy,dyz und dzx umfaßt, aufgespalten. Die beiden F¨
alle unterscheiden sich in der energetischen
Lage der aufgespaltenen Niveaus relativ zum freien Atom. Der Fall des quadratischen Feldes kann aus
dem Aufspaltungsmuster im oktaedrischen Feld durch Entfernung zweier Wasserstoffe abgeleitet wer-
den, dies ist in der Zeichung des Molek¨
uls oberhalb des Termschemas angedeutet. Beim ¨
Ubergang zum
quadratischen Feld wird die Symmetrie des Problems noch einmal vermindert. Dies f¨
uhrt zu weiteren
Aufspaltungen.
In der tats¨
achlichen DFTB Rechnung findet man eine exakte ¨
Ubereinstimmung der Aufspaltungen zur
Vorhersage der Kristallfeldtheorie im tetraedrischen und im oktaedrischen Fall. Der Fall des quadratischen
Feldes wird hingegen nicht korrekt wiedergegeben. W¨
ahrend die egDarstellung korrekt aufgespalten wird
zeigt sich keine Aufspaltung der Orbitale der t2gDarstellung. Dies ist der einzige f¨
ur die hier betrachte-
ten Symmetrien festzustellende Effekt der Vernachl¨
assigung von Kristallfeld- und Dreizentrentermen im
DFTB Hamiltonoperator nullter Ordnung. Es kann somit davon ausgegangen werden, daß sich dies nur in
speziellen niedrigen Symmetrien zeigt w¨
ahrend hochsymmetrische Umgebungen beschreibbar sind.
131
132
ANHANG F. BESCHREIBUNG VON KRISTALLFELDEFFEKTEN
h
2
eg
t2g
1g
b
a1g
b2g
eg
TdD4h
HH
H
Cu
H
HH
HH
Cu
HH
H
H
Cu
H
H
e
tetraedrisches ungestörtes oktaedrisches quadratisches
Feld Ion Feld Feld
Energie
O
t
Abbildung F.1: Schema der Aufspaltung der d-Zust¨
ande eines ¨
Ubergangsmetallatoms (hier durch waa-
gerechte Striche angedeutet) durch das Kristallfeld von Ligandenatomen in verschiedenen Geometrien.
Das Verh¨
altnis der Aufspaltungen ist nicht maßst¨
ablich eingezeichnet. Die gruppentheoretischen Symbole
sind angegeben. Die im quadratischen Fall relativ zum oktaedrischen Fall entfernten Atome sind im Bild
des Molek¨
uls gestrichelt eingezeichnet.
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Danksagung
Zuerst m¨
ochte ich Herrn Professor Frauenheim f¨
ur die ¨
Uberlassung des Themas, eine stets freundliche
Unterst¨
utzung und vor allem die M¨
oglichkeit danken, dieses Thema frei nach eigenen Ideen zu bearbei-
ten. Mein weiterer Dank gilt auch Herrn Professor Seifert, der mich durch seine Kenntnisse der dem DFTB
Verfahren zugrunde liegenden physikalischen Konzepte und ihrer technischen Umsetzung in vielen detail-
lierten Diskussionen unterst¨
utzt hat. Sein Sachverstand und seine Erfahrung waren bei den Anwendungen
eine stete Hilfe.
Herr Professor Suhai hat mich w¨
ahrend meiner Zeit als Angestellter des Deutschen Krebsforschungs-
zentrums in Heidelberg stets freundlich aufgenommen und f¨
ur eine sehr angenehme Arbeitsatmosph¨
are
gesorgt. Daran hatte auch Frau Anke Retzmann einen großen Anteil.
F¨
ur die ¨
Uberlassung eines sehr gut gewarteten Rechnersystems und wegen des Hinweises auf die Beson-
derheiten des spinpolarisierten DFTB Hamiltonoperators m¨
ochte ich hiermit Herrn Dr. Michael Sternberg
danken. Bei der weiteren Erhaltung und beim Ausbau des Rechnersystems der theoretischen Physik haben
mich Peter K¨
onig, Marc Amkreutz und Zoltan Hajnal unterst¨
utzt, mit denen ich diese Arbeit zusammen
geleistet habe. Auch Michael Hoffmann darf hier wegen seiner steten Hilfsbereitschaft nicht unerw¨
ahnt
bleiben.
Die LMTO/ASA Vergleichsrechnungen f¨
ur die isotropen Hyperfeinkopplungskonstanten im Festk¨
orper
wurden von Uwe Gerstmann durchgef¨
uhrt, der mir auch bei Fragen technischer und physikalischer Art
zur Seite stand. Danke !
Der Anstoß f¨
ur die Arbeiten zu den Eisenclustern geht auch auf eine Zusammenarbeit mit Professor Jack-
son von der Central Michigan University zur¨
uck. Hier wurde es mir erm¨
oglicht, zu einem Forschungsauf-
enthalt in die USA zu reisen. Von dort, und von Mark Pederson am Naval Research Laboratory in Wa-
shington D. C., kommt auch das f¨
ur die DFT/LSDA Vergleichsrechnungen benutzte Programm
NRLMOL
.
Ohne dieses Programm w¨
aren die hier geleisteten methodischen Entwicklungen nahezu unm¨
oglich gewe-
sen.
Die f¨
ur diese Arbeit implementierten Erweiterungen des ladungsselbstkonsistenten DFTB Verfahrens set-
zen auf die von Michael Haugk und Dirk Porezag stammende und auf noch fr¨
uheren Quellen fußende
Programmbasis auf. Die zur Erstellung der Integraltabellen und zur Berechnung der Konstanten im DFTB
Verfahren benutzten Programme
twocnt
und
scfatom
gehen auf Dirk Porezag zur¨
uck. Gerd Jungnickel
ist Verfasser des Programms
dylax
, welches f¨
ur die Bandstrukturrechnungen und f¨
ur die GA Suche ver-
wendet wurde.
Allen diesen Programmautoren, auch denen, die wegen meiner Unkenntnis der Urspr¨
unge der verwende-
ten Programme ungenannt bleiben, geb¨
uhrt f¨
ur ihre technischen und kreativen Leistungen mein Dank und
meine Achtung.
Zu guter letzt ist f¨
ur das Gelingen einer solchen Arbeit ein gutes Arbeitsumfeld unerl¨
aßlich. Daf¨
ur gilt
mein Dank allen Mitgliedern der Arbeitsgruppen der theoretischen Physik, insbesondere auch jenen die
meine unangek¨
undigten Besuche in ihren B¨
uros geduldig ertrugen und sogar noch etwas Zeit aufbrachten,
mir zuzuh¨
oren.
Ich habe beim Lesen der Danksagungen in verschiedene Promotionsschriften festgestellt, daß normaler-
weise die betreuenden Professoren zuerst und die Familienmitglieder, die unter der Promotion zu lei-
den hatten, zuletzt genannt werden. Diese Reihenfolge entbehrt zwar nicht einer gewissen Logik, aller-
dings spiegelt sie nicht unbedingt die Reihenfolge wieder, die eigentlich vorliegen sollte. In diesem Sinne
m¨
ochte ich meiner Mutter f¨
ur ihre Geduld und die M¨
oglichkeit danken, weitgehend frei von famili¨
aren
Pflichten meine Promotion zu betreiben.
141