Entwurf eines Rotationssensors in
dreischichtiger, CMOS-kompatibler
Silizium-Oberflächen-Mikromechanik
Dem Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnologie
der Universität Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades eines
Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.)
vorgelegte Dissertation
von
Dipl.-Ing. Philipp Wilhelm Sasse
aus Aachen
Paderborn, November 2002
As we go down in size, there are a number of interesting problems that arise.
(Richard P. Feynman, 1959)
Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Motivation der Arbeit .............................. 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau ............................. 2
2 Stand der Technik 7
2.1 Detektionskonzept ................................ 7
2.2 Prozeßtechnik der Oberflächenmikromechanik ................ 10
2.3 Antriebsprinzip .................................. 12
2.4 Meßprinzip .................................... 17
3 Problemanalyse für das Sensorkonzept 23
3.1 Vorgehensweise .................................. 23
3.2 Hilfsmittel ..................................... 23
3.2.1 Simulationen ............................... 23
3.2.2 Analytische Berechnungen ....................... 25
3.2.3 Messungen ................................ 26
3.3 Störeinflüsse .................................... 27
3.3.1 Mechanische Störeinflüsse ........................ 27
3.3.2 Elektrische und elektromechanische Kopplung ............ 31
3.3.3 Störeinflüsse innerhalb der Auswertung ................ 32
II Inhaltsverzeichnis
4 Entwicklung des mechanischen Designs 35
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren ............. 35
4.1.1 Antriebsmoment ............................. 35
4.1.2 Driveschwingung ............................. 41
4.1.3 Senseschwingung ............................. 43
4.1.4 Detektionsladung ............................. 46
4.1.5 Verhältnis von Sense- zu Driveresonanzfrequenz .......... 48
4.2 Dimensionierung des mechanischen Designs ................. 55
5 Regelungstechnisches Konzept des Sensors 61
5.1 Durchführung der Simulationen des Gesamtsystems ............ 61
5.2 Funktionsblöcke .................................. 64
5.2.1 Eingangsstufen .............................. 64
5.2.2 Antriebsregelung ............................. 66
5.2.3 Regelung der Senseresonanzfrequenz ................. 69
5.2.4 Gegenkopplung .............................. 71
6 Zusammenfassung 83
7 Ausblick 87
A Anhang 89
A.1 Verwendete Formelzeichen ........................... 89
A.2 Herleitung des Coriolismomentes ........................ 90
1
1 Einleitung
1.1 Motivation der Arbeit
Am 21. Oktober 1997 vollzog der schwedische Automobiltester Robert Collin – wie
schon oft zuvor – die typische Reaktion eines Autofahrers nach, der plötzlich einen Elch
auf der Fahrbahn vor sich sieht: ruckartiges Ausweichen und ebenso rasches Gegenlen-
ken. Doch statt wenigstens einigermaßen beherrschbar zu bleiben, kippte der Testkan-
didat an jenem Tag um: die A-Klasse von Mercedes-Benz. Den zuständigen Ingenieuren
waren zur Behebung des peinlichen Zustandes enge Grenzen gesetzt: ein etwas härteres
Fahrwerk, leicht verbreiterte Spur, doch der kurze Radstand und der hohe Schwerpunkt
waren durch das Fahrzeugkonzept vorgegeben. Daher wurde auf aktive Fahrwerksta-
bilisierung gesetzt: das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP) von Bosch vergleicht den
Lenkeinschlag und die Geschwindigkeit der Räder mit der Fahrzeugdrehung und kann
einem darüber detektierten Schleudern durch Einzelradabbremsung entgegenwirken.
So bescherte der sogenannte “Elchtest” der A-Klasse der Welt nicht nur viele spöttische
Witze, sondern verwandelte auch einen Nischenmarkt in einen Massenmarkt, denn ESP
war zunächst für Fahrzeuge der Oberklasse gedacht, erhielt durch die unfreiwillige Ein-
führung in der A-Klasse aber zunehmend Einzug in die Mittelklasse und gehört heute
beispielsweise zur Serienausstattung des VW Golf. Möglich wurde das unter anderem
dadurch, daß der Rotationssensor1, der die Fahrzeugdrehung detektiert, in kostengün-
stig produzierbarer Mikromechanik hergestellt wird2.
1auch Drehratensensor oder Gyroskop genannt. In dieser Arbeit wird – wie in der Literatur üblich –
einfach von einem Sensor gesprochen, obwohl es sich im Sinne von DIN 16086 um ein Sensorsystem
handelt, da eine aktive Signalaufbereitung stattfindet.
2Das ESP benutzte bis 1998 einen 210 g schweren und 120 cm3großen Rotationssensor mit einem
schwingenden Stahlzylinder. Obwohl keine veröffentlichten Angaben über die Fertigungskosten vor-
liegen, ist der Kostennachteil dieser herkömmlich montierten Struktur offensichtlich (vgl. [Sch98]).
2 Kapitel 1: Einleitung
Bei der Mikromechanik, genauer bei der Silizium-Oberflächen-Mikromechanik3,wird der
Entwicklungsprozeß eines Mikrochips modifiziert, um mechanische Strukturen an des-
sen Oberfläche zu realisieren. Beispielsweise lassen sich aus einer Siliziumschicht, die
auf einer später wegzuätzenden Opferschicht abgeschieden wird, bewegliche Struktu-
ren wie Federn und Membranen herstellen. Der Ablauf eines Herstellungsprozesses
der Oberflächenmikromechanik wird in Abschnitt 2.2 dargestellt.
Ein etabliertes Beispiel für ein mikromechanisches Element ist der Beschleunigungssen-
sor, bei dem die Auslenkung einer freigeätzten Feder-Masse-Struktur kapazitiv gemes-
sen und von der auf demselben Chip untergebrachten Schaltung ausgewertet wird, um
beispielsweise ab einer bestimmten detektierten Beschleunigung einen Airbag auszulö-
sen. Die ersten derartigen, in einem BiCMOS-kompatiblen Prozeß hergestellten Senso-
ren wurden bereits 1992 von Analog Devices auf den Markt gebracht (vgl. [CTS93]).
Mittlerweile gelang auch die Produktion von Rotationssensoren in Mikromechanik, wie
sie auch im ESP eingesetzt werden. Der sprunghaft ansteigende Bedarf für Fahrdy-
namikregelungen übt jedoch gemeinsam mit wachsender Nachfrage nach Rotations-
sensoren in anderen Bereichen der Automobilelektronik (z. B. Navigationssysteme und
Überschlagsairbags) oder auch in der Unterhaltungselektronik (z. B. für Verwacklungs-
korrekturen von Videokameras) einen gesteigerten Kostendruck aus.
Die Bemühungen um reduzierte Herstellungskosten bei möglichst weiter sinkendem
Gewicht und Volumen sowie gesteigerter Meßgenauigkeit und Zuverlässigkeit hat in
den letzten Jahren eine Reihe konkurrierender Ansätze und Konzepte unterschiedlicher
Forschungseinrichtungen und Hersteller hervorgebracht, die sich teilweise schon als
Prototypen bewährt haben. Dieser Hintergrund bildet die Basis, um einen neuartigen,
weitergehenden Entwicklungsschritt zu wagen.
1.2 Zielsetzung und Aufbau
In dieser Arbeit soll auf der Grundlage einer im Entwicklungsstadium befindlichen neu-
en mikromechanischen Prozeßtechnologie der Infineon Technologies AG ein optimiertes
3Bei der teureren und weniger flexiblen Volumenmikromechanik (oder Bulk-Mikromechanik) wird der Sili-
ziumwafer von beiden Seiten geätzt, bis nur die mechanische Schicht übrig bleibt. Dieses Verfahren
ist also nicht CMOS-kompatibel, benötigt lange Ätzzeiten und spätere Montage der Mechanik auf
einen anderen Chip. Für eine Gegenüberstellung von Oberflächen- und Volumenmikromechanik und
deren Kombination siehe [GDH+00, Seite 214 ff].
1.2 Zielsetzung und Aufbau 3
Sensorkonzept entwickelt werden, das den folgenden, für den typischen Einsatzbereich
relevanten Anforderungen entspricht:
–preisgünstige Massenproduktion durch Vermeidung kostenintensiver Fertigungs-
schritte
–eine Auflösung von 0,1 ◦/s bei 10 Hz Bandbreite und ±100 ◦/s Betriebsbereich
(vgl. [BB98, 1.5.2], [YAN98, III.A])
–Betriebsbereitschaft innerhalb einer Sekunde
–Toleranz gegenüber Fertigungsschwankungen ohne individuellen Abgleich
–Robustheit gegenüber praxisrelevanten Einflüssen wie Erschütterungen, Tempe-
raturschwankungen oder Alterung
Der erste Punkt entspricht einer grundsätzlichen Zielsetzung der Forschung und Ent-
wicklung im Bereich der Mikromechanik: bei der Herstellung sollen möglichst viele
aufwendige mechanische Fertigungsschritte durch prozeßtechnische Verfahren ersetzt
werden, wie sie in der Halbleitertechnologie seit vielen Jahren bewährt sind.
Einige typische Fragestellungen für ein kostenoptimiertes Konzept, die in dieser Arbeit
beachtet werden, seien hier genannt:
–Befinden sich Mechanik und Auswertungsschaltung auf demselben Chip oder
sind zusätzliche Schritte erforderlich, bei denen die nötigen Verbindungen zweier
getrennter Chips hergestellt werden müssen, z. B. durch Bonden oder Flip-Chip-
Technologie?
–Wie viele zusätzliche Prozeßschritte werden gegenüber einem herkömmlichen
CMOS-Prozeß benötigt und wie aufwendig sind diese in die bewährten Prozes-
se zu integrieren?
–Wie dick sind die mechanischen Schichten und wie zeit- und kostenaufwendig
damit ihr Freiätzen?
–Wie groß ist die mechanische Struktur, d. h. ist sie gegenüber der Schaltungstech-
nik flächenbestimmend?
–Muß der Chip im Anschluß an die Herstellung unter Unterdruck gekapselt wer-
den, damit die Dämpfung der mechanischen Schwingung reduziert wird?
–Ist die Mechanik hinreichend robust gegenüber Fertigungsschwankungen, damit
die Ausbeute pro Wafer hoch bleibt?
–Bedarf der Chip eines individuellen Abgleichs nach der Herstellung, um Ferti-
gungsschwankungen zu kompensieren?
4 Kapitel 1: Einleitung
Unter diesen Gesichtspunkten soll die Eignung der neuen Prozeßtechnologie für einen
fortgeschrittenen Rotationssensor überprüft und ein Konzept entwickelt werden, wie
diese Technologie optimal genutzt werden kann. Dabei ist direkt von in der Praxis
anzutreffenden Gegebenheiten auszugehen, etwa nichtidealer Spannungsversorgung,
mechanischen Störungen des Gesamtsystems oder Materialalterung.
Ziel ist die Entwicklung eines Sensors für Drehungen um eine in der Chipebene lie-
gende Achse, im Gegensatz zu sogenannten z-Rotationssensoren, die Drehungen um
eine senkrecht auf der Chipebene stehende Achse detektieren. Letztere stellen gemäß
[BOH+99] einen einfacher zu entwickelnden Spezialfall dar, da sie sich auch ganz mit
„klassischen“ mikromechanischen Strukturen realisieren lassen, bei denen alle Bewe-
gungen innerhalb derselben Schicht stattfinden (vgl. [PLOC98,BOH+99,CHH96]).
Die Arbeit beginnt mit einem Überblick über den Stand der Technik bei den wichtigsten
grundsätzlichen Teilaspekten der Entwicklung eines Rotationssensors:
–mit welchem Konzept soll die Rotation detektiert werden,
–welche Prozeßtechnologie soll zum Einsatz kommen,
–wie soll der Antrieb realisiert werden und
–wie soll die Messung erfolgen?
Dabei wird jeweils auf die prinzipiellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der ein-
zelnen Ansätze eingegangen, die den hier konzipierten Sensor auszeichnen.
Das dritte Kapitel untersucht einerseits die Hilfsmittel, die für die Entwicklung zur Ver-
fügung stehen, und beschäftigt sich andererseits mit den Störeinflüssen, die in Betracht
gezogen werden müssen. Aufgrund dieser Störeinflüsse werden dann Kriterien aufge-
stellt, die beim Entwurf des Sensorelementes sowie der Schaltungstechnik zu berück-
sichtigen sind.
Basierend auf den in Kapitel 2 dargestellten Voraussetzungen und den im dritten Kapi-
tel untersuchten Kriterien wird im vierten Kapitel zunächst ein mechanisches Konzept
für das Sensorelement entwickelt. Dabei werden die konzeptionellen Überlegungen
sowohl durch analytische Berechnungen als auch durch FEM-Simulationen gestützt.
Das fünfte Kapitel widmet sich dem regelungstechnischen Konzept und der Schaltungs-
technik des Rotationssensors. Dabei wird vor allem auf Simulationen zurückgegriffen,
die auch Abschätzungen über die Leistungsfähigkeit des Gesamtkonzeptes erlauben.
Darüber hinaus wird ein Plan für die Durchführungen von Messungen als wichtige Er-
gänzung zu den Simulationen vorgestellt.
1.2 Zielsetzung und Aufbau 5
Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung im sechsten Kapitel, die den erreichten
Stand des Projektes bewertet, und einem Ausblick im siebten Kapitel, der die Aufgaben
für die weitere Entwicklung aufzeigt sowie den Projektstatus in den wissenschaftlichen
und wirtschaftlichen Kontext anderer Entwicklungsprojekte einordnet.
6 Kapitel 1: Einleitung
7
2 Stand der Technik
2.1 Detektionskonzept
Es gibt prinzipiell zwei mechanisch realisierbare Ansätze, aus einem bewegten System
heraus dessen Rotation um eine Achse zu messen: zum einen durch Messung der Ra-
dialbeschleunigung, zum anderen über den Corioliseffekt.
Die einfachste Anordnung zur Messung der Radialbeschleunigung wäre die Messung
der Beschleunigung in x-Richtung in zwei Punkten auf der x-Achse. Da sich die gemes-
sene Beschleunigung ax,n =ax+ω2
yzxnjeweils aus der Transversalbeschleunigung und
der Zentrifugalbeschleunigung zusammensetzt, ergibt sich die Rotation dann aus der
Differenz der gemessenen Beschleunigungen: ωyz =qax,1−ax,2
x1−x2; über solche Beschleu-
nigungsaufnehmer in den drei Raumachsen ließen sich die Anteile der Rotationen um
die einzelnen Drehachsen separieren. Da auf einem Mikrochip der Abstand x1−x2
der Beschleunigungssensoren allenfalls wenige Millimeter betragen kann, wäre es dazu
nötig, die bei Anwendungen im Automobilbereich sehr kleine Differenz relativ großer
Beschleunigungswerte zu messen. Eine für diese Anwendungen ausreichende Meß-
genauigkeit der Sensoren ließe sich auf diese Art nach heutigem Kenntnisstand nicht
erreichen.
Daher benutzen die veröffentlichten Konzepte von Rotationssensoren den Coriolisef-
fekt zur Detektion: eine bewegte Masse behält bei Drehung ihres Inertialsystems ihre
absolute Bewegung bei, ändert also relativ zum System die Bewegungsrichtung. Die
wohl bekannteste Form dieser Detektion stellt das Pendel dar, mit dem Foucault 1861
die Erddrehung demonstrierte: ein auf der Erdoberfläche schwingendes Pendel ändert
seine Schwingungsrichtung gegenüber dem Inertialsystem unter dem Einfluß der Erd-
drehung.
8 Kapitel 2: Stand der Technik
Es ist also notwendig, eine Masse in Bewegung zu versetzen; eine Rotation, Schwin-
gung oder Drehschwingung kommt dafür in Frage1. Die Rotation wird im klassischen
Kreiselkompaß eingesetzt, weil sie den höchsten Impuls und damit das stärkste Meßsi-
gnal liefert. Ein frei drehendes Element läßt sich im mikromechanischen Prozeß jedoch
(noch) nicht realisieren2.
Gegen eine Translationsschwingung spricht die störende Überlagerung translatori-
scher Beschleunigungen, wie sie gerade im automobilen Anwendungsbereich auftre-
ten. Prinzipiell können solche Störungen zwar durch die Detektionsschaltung ausge-
filtert werden, soweit sie außerhalb der Arbeitsfrequenz liegen, doch durch die Nicht-
linearitäten der Federaufhängung und der möglichen Detektionsmethoden hätte eine
solche Überlagerung auch Einfluß auf die gemessene Amplitude der zu detektieren-
den Schwingung. Eine schaltungstechnische Kompensation dieses Effektes erscheint
u. a. angesichts der Exemplarstreuungen mikromechanischer Federn nicht erfolgver-
sprechend. In Publikationen zu Rotationssensoren mit Translationsschwingern (z. B.
[BOH+99,OLB+98,PLOC98,TKFS00]) finden sich auch keine Angaben bezüglich Er-
schütterungsfestigkeit.
Es gibt zwei Ansätze, solche Störungen bereits auf der mechanischen Ebene zu kom-
pensieren: entweder durch einen Drehschwinger oder durch ein Paar von spiegelsym-
metrischen Translationsschwingern, die gegenphasig angeregt werden. Letzteres Prin-
zip wird bei Rotationssensoren nach dem Stimmgabelprinzip angewandt: typischerweise
werden dabei die beiden Hälften der stimmgabelartigen Struktur in eine Schwingung
aufeinander zu versetzt, die bei einer Drehung über die Corioliskraft dazu senkrech-
te Schwingungen anregt, die wiederum gegenphasig sind; bei einer Messung des Dif-
ferenzsignals würden sich translatorische Störungen also kompensieren. Das Prinzip
zeigt Abbildung 2.1.
Bei einem Rotationsschwinger würde durch den Corioliseffekt ebenfalls eine Rotations-
schwingung angeregt, womit auch in diesem Fall überlagerte Translationsbeschleuni-
gungen aus geometrischen Gründen kompensiert werden. Obwohl das Funktionsprin-
1Außergewöhnliche Ansätze wie Oberflächenwellen zur Detektion bei [KFTH98] sind letztlich nur Spe-
zialfälle, bei denen ebenfalls die Corioliskraft auf schwingende Partikel wirkt.
2Mechanisch und schaltungstechnisch wäre es durchaus denkbar, einen ladungsbehafteten Rotor elek-
trostatisch gegen Erdbeschleunigung und Erschütterungen zu stabilisieren und durch bewegte elek-
trische Felder in Rotation zu versetzen. Der Ätzprozeß wird jedoch in absehbarer Zeit keine Struk-
turen ohne jede Aufhängung erlauben. Einen Ansatz für einen frei drehenden mikromechanischen
Rotor aus Aluminium beschreibt [YWSM96].
2.1 Detektionskonzept 9
Abbildung 2.1: Funktionsprinzip der Rotationsdetektion nach dem Stimmgabelprinzip
zip beider Varianten verwandt ist, sind im Detail doch sehr unterschiedliche Probleme
zu lösen, weshalb sich diese Arbeit auf einen der beiden Ansätze beschränken muß.
Für die Entscheidung zugunsten des Drehschwingers war es ausschlaggebend, daß
bisherige Ansätze nach dem Stimmgabelprinzip stets piezoresistive Detektion mit ih-
rer problematischen Temperaturabhängigkeit verlangten (z. B. [VBF+97] und [GGR99])
oder auf aufwendige Produktionsverfahren angewiesen waren (z. B. [BCK+93] mit ei-
nem Silizium-auf-Glas-Prozeß oder [LGG+97] mit einem externen Permanentmagneten
für eine besonders große, elektromagnetisch angeregte Antriebsschwingung).
Daher verfolgt diese Arbeit den Ansatz eines Drehschwingers, dessen beide Rotationen
durch den Corioliseffekt gekoppelt sind. Diese Kopplung ist proportional zur Drehung,
aus der Amplitude der zweiten Drehschwingung läßt sich also direkt das Meßsignal
gewinnen.
Abbildung 2.2: Funktionsprinzip der Rotationsdetektion mit einem Drehschwinger
Abbildung 2.2 zeigt den schematischen Aufbau; die angetriebene Schwingung ϕDwird
im folgenden, entsprechend der üblichen Nomenklatur (vgl. [YAN98, III.B]), Drive-
10 Kapitel 2: Stand der Technik
schwingung genannt, die z-Achse entsprechend Driveachse. Durch die zu messende Win-
kelgeschwindigkeit Ωydes Inertialsystems um die y-Achse bildet sich eine Senseschwin-
gung ϕSum die x-Achse (Senseachse) aus.
2.2 Prozeßtechnik der Oberflächenmikromechanik
In der Mikromechanik werden sehr unterschiedliche Prozeßtechnologien eingesetzt, die
in den Schichtdicken, den erreichbaren Strukturgrößen, den Materialien und Ätzver-
fahren erheblich voneinander abweichen; einen Überblick über die Verfahren bietet z.B.
[BB98, Kapitel 1.4].
Das im vorausgehenden Abschnitt beschriebene Konzept beruht auf der Detektion ei-
ner Schwingung aus der Chipebene heraus und erfordert für die angestrebte Kompen-
sation translatorischer Störbeschleunigungen einen symmetrischen Aufbau mit einer
Boden- und einer Deckelelektrode, also eine dreischichtige Mikromechanik. Nach die-
sem Prinzip wurde schon 1997 an der Universität Tohoku (Japan) ein Rotationssensor
gebaut, allerdings in einem aufwendigen Verfahren, bei dem eine in Volumenmikro-
mechanik hergestellte Polysiliziumschicht zwischen zwei mit Elektroden versehenen
Glasplatten montiert wird (siehe [OMK00, Seite 98]).
[TKFS00] nutzt einen Prozeß mit drei dünnen Polysiliziumschichten für einen Rotati-
onssensor mit Transversalschwinger, allerdings ohne die Möglichkeit, die Deckelschicht
in mehrere Elektroden aufzuteilen. Dies wäre aber für einen Drehschwinger sowie für
den Betrieb in einem geschlossenen Regelkreis nötig.
Die hier betrachtete Prozeßtechnologie soll eine bereits im mikromechanischen Prozeß
gedeckelte Struktur mit mehreren isolierten Elektroden ermöglichen, mit der erstmals
die Vorteile eines Rotationsschwingers, einer Kapselung im mikromechanischen Prozeß
sowie der Detektion in einem geschlossenen Regelkreis kombiniert werden können.
Abbildung 2.3 zeigt die einzelnen Schritte der beabsichtigten Prozeßtechnologie. Eine
Polysiliziumschicht aus dem gewöhnlichen CMOS-Prozeß, die im Schaltungstechnik-
teil des ICs z. B. zur Realisierung von Kapazitäten und Widerständen genutzt wird,
dient gleichzeitig als unterste Schicht für die Mikromechanik (a). Darauf wird eine
Oxidschicht aus Tetraethylorthosilikat (TEOS) abgeschieden und eben abgeschliffen (b),
die als Opferschicht dient, also die darauffolgende Polysiliziumschicht bei deren Ab-
scheidung trägt, gegen Ende des Prozesses aber unter ihr wieder entfernt wird. Unter-
halb der nichtbeweglichen Strukturen und unter den Stützen, die den Deckel über den
2.2 Prozeßtechnik der Oberflächenmikromechanik 11
Abbildung 2.3: Die wesentlichen Schritte des mikromechanischen Prozesses
12 Kapitel 2: Stand der Technik
beweglichen Strukturen tragen müssen, ist eine Unterätzung nicht gewünscht. Dort
werden Löcher und Kanäle in die Opferschicht geätzt (c), die bei der Abscheidung der
nächsten Polysiliziumschicht aufgefüllt werden, so daß in der Ebene der Opferschicht
bleibende Stützen entstehen (d).
Anschließend wird auch diese Schicht durch ein Trockenätzverfahren strukturiert (e),
wobei in größeren Flächen der beweglichen Struktur auch Ätzlöcher vorgesehen wer-
den müssen, durch die später die darunterliegende Opferschicht weggeätzt werden
kann. Die entstandenen Löcher werden beim Abscheiden einer weiteren Opferschicht
aufgefüllt (f); in diese Schicht werden wiederum Löcher geätzt (g), in denen schließlich
Polysilizium für die Stützen abgeschieden wird, die die oberste mechanische Schicht
tragen (h).
In die Deckelschicht werden dann Löcher geätzt (i)3, durch die in einem isotropen
Naßätzverfahren alle Opferschichtstrukturen entfernt werden können, wodurch in der
mittleren Polysiliziumschicht bewegliche Strukturen zurückbleiben (j). Im letzten mi-
kromechanischen Prozeßschritt werden die Ätzlöcher oberflächlich verschlossen (k), so
daß die beweglichen Strukturen relativ gasdicht gekapselt sind und sich die aufwen-
dige, in der Mikromechanik aber bisher notwendige Vakuumkapselung des fertigen
Chips erübrigt. Zum Verschließen von Ätzlöchern und Gräben in der obersten Schicht
wird isolierendes Oxid verwendet, so daß sich auch mehrere, von einander isolierte
Elektroden innerhalb des Deckels realisieren lassen.
2.3 Antriebsprinzip
Das Sensorelement stellt ein gedämpftes, mechanisches Resonanzsystem dar. Als Fe-
dern dienen dabei einfache Siliziumstege, die innerhalb der mittleren mechanischen
Schicht die beweglichen Strukturen mit den unbeweglichen verbinden. Je nach Dreh-
achse können sie als Biegebalken oder Torsionsbalken funktionieren und verhalten sich
in erster Näherung als lineare Federn mit einer Momentensteifigkeit K=M
ϕ. Für das
3An dieser Stelle wird zugunsten der Übersichtlichkeit auf die Darstellung weiterer Prozeßschritte ver-
zichtet, die das sogenannte Sticking vermeiden sollen. Bei der Trocknung der Ätzflüssigkeit im An-
schluß an das Entfernen der Opferschicht können die beweglichen Teile der Mechanik ausgelenkt
werden und durch Adhäsion so stark an den unbeweglichen Strukturen anhaften, daß sie später nicht
mehr in die Ausgangslage zurückkehren. Zur Vermeidung dieses Sticking genannten Effektes werden
bewegliche Teile vor dem vollständigen Entfernen der Opferschicht an einigen Stellen mit Stöpseln
aus Photolack fixiert, die im Anschluß an das Naßätzverfahren entfernt werden können. Ausführlich
behandelt wird das Stickingproblem z. B. bei [Rum01].
2.3 Antriebsprinzip 13
System gilt das Momentengleichgewicht
MD=KDϕD+DDjωϕD+JD(jω)2ϕD
mit dem effektiven Antriebsmoment MD, dem Reibungsmoment DDund dem Massen-
trägheitsmoment JD. Es bildet sich also eine Driveschwingung
ϕD=MD
KD+jωDD−ω2JD
(2.1)
aus. Es liegt nahe, die Amplitude zu maximieren, indem als Antriebsfrequenz
ω=rKD
JD
=ωD
gewählt wird, der Antrieb also resonant erfolgt. Aufgrund der nicht hinreichend repro-
duzierbaren Resonanzfrequenz (vgl. [OLB+98], [YAN98, III.B]) ist dazu eine Frequenz-
regelung für den Antrieb nötig, die in Abschnitt 5.2.2 besprochen wird.
Zur Erzeugung des Antriebsmoments kommen theoretisch elektrostatische, elektroma-
gnetische (z. B. [GGR99]), thermische (z. B. [FMK+97], vgl. auch [Hil95, Seite 72]) oder
piezoelektrische Kräfte in Frage.
Elektrostatische Anregung erfordert kleine Strukturabstände, um hohe Kräfte zu erzeu-
gen. Die beabsichtigte Prozeßtechnologie ermöglicht Ätzkanäle von etwa einem Mikro-
meter Breite, was bereits sehr große Kräfte ermöglicht. Allerdings führen die kleinen
Abstände auch zu einer erhöhten Dämpfung (vgl. [BB98, Kapitel 1.3.2]).
Bekannte Ansätze für Rotationssensoren mit elektromagnetischer Anregung
(z. B. [GGR99,LGG+97]) sind auf ein externes Magnetfeld angewiesen, das einen
erheblichen Kostenfaktor darstellt und deshalb für ein kostenoptimiertes Konzept
ausscheidet.
Thermische Anregung erreicht zwar auch hohe Frequenzen, produziert aber eine erheb-
liche Verlustleistung. Eine Erwärmung verursacht allerdings zusätzliches unerwünsch-
tes Rauschen in der Mechanik und der Auswertungsschaltung.
Piezoelektrische Anregung erfordert bei der siliziumbasierten Oberflächenmikrome-
chanik aufwendige Änderungen am CMOS-Prozeß, um die notwendigen piezoelek-
trischen Schichten abzuscheiden, und findet deshalb gemäß [BB98, Kapitel 1.3.2] vor
allem bei quarzbasierter Mikromechanik Anwendung.
14 Kapitel 2: Stand der Technik
[GDH+00, Seite 213] hält fest, daß elektrostatische Wandler eine besondere Verbreitung
gefunden haben, weil sie sowohl zum Antrieb als auch zur Detektion verwendet wer-
den können, einen weiten Frequenzbereich abdecken und eine geringe Temperaturab-
hängigkeit besitzen.
In der Siliziumoberflächen-Mikromechanik können sie mit geringem technologischen
Aufwand große Kräfte erzeugen: eine Spannung, die zwischen dem Drehschwinger
und umgebenden, festen Strukturen angelegt wird, beschleunigt den Schwinger in
Richtung der statischen Gegenelektrode; durch Aufschalten eines Wechselsignals läßt
sich so eine Schwingung erzwingen. Im folgenden soll diese Methode gemäß [Bos97]
kapazitive Anregung genannt werden, da die Kraftwirkung des elektrischen Feldes der
Kapazität zwischen beweglichen und festen Strukturen ausgenutzt wird, der teilwei-
se benutzte Ausdruck “elektrostatisch” im Zusammenhang mit einer Schwingung aber
eher irritierend wirkt.
Drei Methoden sind denkbar, um kapazitiv eine Schwingung in der Chipebene anzure-
gen:
–Eine Plattenanordnung: wie bei einem Plattenkondensator liegen sich feste und
bewegliche Elektrode gegenüber; auf die bewegliche Elektrode wirkt eine Kraft
in Richtung der festen Elektrode. Abb. 2.4a zeigt den Ausschnitt einer Realisie-
rung: an die beiden Strukturen im Hintergrund wird abwechselnd eine Spannung
gegenüber der beweglichen Struktur im Vordergrund angelegt, um eine Kraftwir-
kung in die eine oder andere Richtung zu erreichen.
Der Nachteil dieser Anordnung ist, daß die Kraft bei zunehmender Auslenkung
wächst. Das ist nicht nur für die Erzeugung einer harmonischen Schwingung un-
günstig (maximaler Antrieb am Wendepunkt des Antriebes), sondern erfordert
auch eine sehr empfindliche Regelung, da ab einer bestimmten Annäherung der
beiden Platten die Anziehungskraft die Rückstellkraft der Feder übersteigt, das
System also nicht mehr in die Ruhelage zurückkehrt. Dieser Punkt des pull in –
der bei anderen mikromechanischen Anwendungen wie Schaltern auch beabsich-
tigt sein kann – darf im Betrieb des Rotationssensors nicht erreicht werden.
–Eine Kammstruktur: mehrere Zinken der beweglichen Struktur tauchen in kom-
plementäre feste Kammstrukturen ein; bei Anlegen einer Spannung werden die
Kämme ineinander gezogen. Abb. 2.4b zeigt eine solche Anordnung; entsprechen-
de Kämme für die Auslenkung in Gegenrichtung werden natürlich auch benötigt.
Bei typischen technologischen Randbedingungen kann man mit dieser Methode
2.3 Antriebsprinzip 15
die höchste Antriebsamplitude für die relevanten Dimensionierungen erzielen; sie
ist auch die bevorzugte Methode bei aktuellen Ansätzen (z. B. [AOP+99,BOH+99,
MTO00,OLB+98]).
Abbildung 2.4: Kapazitive Antriebsgeometrien; die Pfeile markieren die beweglichen Struk-
turen und die Richtung der Antriebsschwingung
–Die Prozeßtechnologie mit Boden- und Deckelelektrode erlaubt außerdem eine
Anordnung, bei der an diese Elektroden eine Spannung gegenüber der beweg-
lichen Struktur angelegt wird, welche wiederum eine eintauchende Elektrode in
das Feld hineinzieht, wie in Abb. 2.4c dargestellt.
Auch hier liegt eine etwa konstante Kraftwirkung vor, allerdings entsteht gleich-
zeitig ein elektrisches Feld, das eine unerwünschte vertikale Verkippung begün-
stigt (vgl. die Federaufweichung durch Detektionselektroden im folgenden Ab-
schnitt). Diese Methode kann auch mit der Kammstruktur verbunden werden,
indem die statischen Kammzinken, in die die beweglichen Kämme eintauchen, zu
oben und unten geschlossenen Kanälen ergänzt werden.
In Abschnitt 4.1.1 wird gezeigt, warum in der vorliegenden Arbeit dem üblichen Ver-
fahren mit Kammantrieben der Vorzug gegeben wurde, und es wird eine Formel für
das resultierende Antriebsmoment hergeleitet.
Die Amplitude der Antriebsschwingung hängt von einer Reihe von Parametern ab, die
teilweise erheblichen Exemplarstreuungen unterworfen sind oder in Abhängigkeit von
den Betriebsbedingungen variieren. Insbesondere Herstellungstoleranzen beim Ätzen
der Feder sowie Schwankungen der Güte (letztere ist z. B. dadurch zu erwarten, daß
der Unterdruck in der Sensorkapselung im Laufe der Zeit durch Diffusion nachläßt,
vgl. [TKFS01]) können die Amplitude erheblich beeinflussen. Außerdem liegen noch
wenige Erfahrungen über den Alterungsvorgang mikromechanischer Strukturen vor.
16 Kapitel 2: Stand der Technik
Da die Antriebsamplitude als linearer Faktor in die Amplitude der Meßschwingung
und damit in das Meßsignal eingeht, ist es nötig, sie zu messen und entweder auf einen
vorgegebenen Wert zu regeln oder die eigentliche Meßgröße durch die Antriebsampli-
tude zu dividieren. Letztere Möglichkeit wirkt auf den ersten Blick umständlicher, läßt
sich aber praktisch ohne Signalverluste realisieren, wenn beide Signale digital vorlie-
gen, und hat zwei wichtige Vorteile:
–Eine feste Sollgröße für die Antriebsamplitude müßte aufgrund der vielen ge-
nannten Unsicherheiten sehr vorsichtig gewählt werden, weil bei Nichterreichen
der Sollamplitude das Meßsignal einen Skalenfehler enthalten würde. Mit einem
derart konservativ gewählten Wert würde man aber auch bei Chips, die eine hö-
here Amplitude vertragen würden, auf die mit einer Amplitudenerhöhung ver-
bundenen Empfindlichkeitsverbesserung verzichten.
Wird dagegen die Amplitude nicht (oder erst im Bereich des mechanischen Maxi-
malwertes) geregelt, könnte jeweils mit der maximal erreichbaren Empfindlichkeit
gemessen werden, so daß auch solche Exemplare des Sensors die Spezifikationen
einhalten können, die aufgrund von Exemplarstreuungen in anderen Teilen des
Sensors mit einer konservativ gewählten Amplitude die Spezifikationen nicht ein-
halten könnten (vgl. Abb. 2.5).
Abbildung 2.5: Ausbeute an Sensoren, die die Spezifikation erfüllen, wenn die Antriebsam-
plitude auf den Maximalwert geregelt wird (a), auf einen niedrigen Wert geregelt wird (b)
oder gar nicht geregelt wird (c). Die abstrakten Größen auf den Achsen bezeichnen den Bei-
trag der Antriebsamplitude zur Sensorempfindlichkeit (x) und sämtliche übrigen Beiträge
(y). Die horizontale Schraffur kennzeichnet Sensoren, die den Sollwert der Antriebsam-
plitude nicht erreichen, die diagonale Schraffur jene, die die geforderte Meßempfindlichkeit
nicht erreichen.
–Es ist zu erwarten, daß die Schwingung nicht rein linear sein wird: bei hoher
Auslenkung versteifen sich die Federn, so daß die Resonanzfrequenz steigt – die
2.4 Meßprinzip 17
Resonanzkurve wird asymmetrisch, bei höherer Nichtlinearität sogar „überhän-
gend“ (vgl. [Hag78, Kapitel 1.3.2]). Dabei rückt der angestrebte Arbeitspunkt in
die Nähe des Kippunktes, bei dem die Amplitude zusammenbricht. [Hof97] stell-
te fest, daß im Falle einer solchen Nichtlinearität eine gleichzeitige Regelung von
Frequenz und Amplitude durch gegenseitige Beeinflussung dazu neigt, bei äuße-
ren Störungen den Kippunkt zu erreichen. Man müßte entweder die Regelung
so langsam auslegen, daß die in der Spezifikation geforderte Betriebsbereitschaft
nach einer Sekunde nicht erreicht werden kann, oder einen deutlichen Sicherheits-
abstand von der Resonanzfrequenz einhalten, womit wiederum ein nennenswer-
ter Teil der erreichbaren Amplitude und damit der erreichbaren Meßempfindlich-
keit ungenutzt bliebe.
Ein vollständiger Verzicht auf eine Antriebsregelung könnte bedeuten, daß im Extrem-
fall sehr hoher Auslenkungen mechanische Strukturen aneinanderstoßen, was nicht nur
eine besonders obenwellenreiche Schwingung ergibt, sondern auch eine Zerstörung
oder zumindest beschleunigte Alterung der Strukturen bedeuten könnte. Für diesen
Fall muß also eine Regelung vorgesehen werden, die den Antrieb ab einem erlaubten
Maximalausschlag reduziert. Um das Erreichen des Maximalausschlags unabhängig
von variablen Skalenfaktoren der Detektion festzustellen, empfiehlt sich eine nichtlinea-
re Wandlerkennlinie für die Detektion, die nur im Bereich des Maximalausschlages eine
hohe Steigung aufweist. Dafür käme also eine Elektrodenanordnung gemäß Abb. 2.4a
in Frage, deren Kapazität erst im Bereich des Maximalausschlages stark ansteigt. Damit
wäre der Einfluß eines veränderlichen Skalenfaktors sehr beschränkt, und die Regelung
wird im Normalbetrieb ohne Einfluß bleiben.
2.4 Meßprinzip
Innerhalb des mit einer Winkelgeschwindigkeit Ωyum die y-Achse gedrehten Inertial-
systems wirkt sich die Trägheit des Oszillators auf bewegte Massepunkte als Coriolis-
beschleunigung −→
aC= 2 −→
v×−→
Ωaus. Durch Integration über das Sensorelement erhält
man – wie in Anhang A.2 gezeigt – das Coriolismoment
MC= 2JSΩyjωDϕD,(2.2)
das linear von der zu detektierenden y-Rotation Ωy, der Frequenz der Antriebsschwin-
gung ωDund deren Amplitude ϕDabhängt. Das Moment ruft eine Drehschwingung um
18 Kapitel 2: Stand der Technik
die x-Achse hervor, also aus der Chipebene heraus. Die Amplitude dieser Schwingung
errechnet sich analog zu Gleichung 2.1 zu
ϕS=MC
KS+jωDS−ω2JS
(2.3)
Diese Bewegung kann kapazitiv, optisch (z. B. [DSS+98]), piezoelektrisch, piezoresistiv
(z. B. [GGR99]) oder durch Tunnelströme (z. B. [KVJS99]) gemessen werden. [Bos97]
argumentiert, daß keine der Methoden fundamental bessere Ergebnisse liefere als die
anderen und die Wahl weniger durch die erreichbare Empfindlichkeit als durch andere
Faktoren bestimmt werde. Unter diesen Faktoren spreche für die kapazitive Messung
ihre Unempfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen sowie ihre einfache Inte-
gration in den CMOS-kompatiblen Prozeß.
Die kapazitive Detektion profitiert auch in besonderem Maße von der dreischichtigen
Prozeßtechnologie: zwar wird sich bei einseitigen Detektionselektroden durch die elek-
trostatischen Kräfte die Ruheposition des Drehschwingers in Richtung auf die Detek-
tionselektroden verschieben und damit größere Meßkapazitäten erlauben, allerdings
steigt dabei einerseits die Nichtlinearität der Kennlinie, andererseits reduziert diese Ver-
schiebung die Effektivität des Antriebs. Vor allem aber wird die verschobene Ruhepo-
sition von der Federkonstante der Aufhängung des jeweiligen Exemplares abhängen.
Damit würde auch die Wandlerkonstante einer kapazitiven Rückkopplung von diesem
unbekannten Faktor abhängen, der damit auf einen individuellen Abgleich angewiesen
wäre, der nach Möglichkeit vermieden werden sollte.
Bei der dreischichtigen Detektion mit Boden- und Deckelelektrode ist dagegen zu be-
rücksichtigen, daß das elektrische Feld der Detektionselektroden ein auslenkungsab-
hängiges Moment auf das Sensorelement ausübt, wie es etwa von [Cla97, Kapitel 2.3.1]
erwähnt wird. Solange die Senseelektroden nicht ausgelenkt sind, heben sich aus Sym-
metriegründen alle Momente auf, doch im Falle einer Auslenkung dominiert je nach
Anordnung das auslenkende oder das rückstellende Moment, die Steifigkeit der me-
chanischen Feder wird also reduziert bzw. erhöht.
Für eine kapazitive Detektion gibt es – ähnlich wie beim Antrieb – drei prinzipielle
Methoden:
–jeweils eine Boden- und eine Deckelelektrode unter und über der Sensorelektro-
de gemäß Abb. 2.6a. Da die Technologie kleine Abstände von weniger als einem
2.4 Meßprinzip 19
Mikrometer zwischen den einzelnen Polysiliziumschichten erlaubt, wären die Ka-
pazitätsänderungen ausreichend groß und die Nichtlinearität der Kennlinie ließe
sich durch Betrieb in einem geschlossenen Regelkreis unterdrücken. Negativ wä-
re vor allen Dingen die oben beschriebene Aufweichung der mechanischen Feder
durch das elektrische Feld der Meßkapazitäten: die Summe der Kapazitätsbeläge
gegenüber der Deckel- und der Bodenelektrode ist im Abstand rvon der Sense-
achse bei einer Auslenkung ϕS
C0=ε0
d0+r ϕS
+ε0
d0−r ϕS
= 2 ε0d0
d2
0−r2ϕ2
S≈2ε0(d3
0+d0r2ϕ2
S)
d4
0
mit d0r ϕS
mit dem Ruheabstand d0. Pro Fläche ergibt sich damit ein Beitrag zu einer elektri-
schen Drehfedersteifigkeit
K0
S,el =−∂M0
∂ϕS
=−∂
∂ϕSU2
2
∂C0
∂ϕS≈ −2ε0U2r2
d3
0
.(2.4)
Abbildung 2.6: Querschnitte möglicher Geometrien von Meßkapazitäten
–Kammstrukturen innerhalb der beweglichen Schicht gemäß Abb. 2.6b. Die Kapa-
zität der ineinandergreifenden Kämme nimmt bei Verkippungen ab, allerdings
auch bei vertikalen Beschleunigungen, der kompensierende Effekt des Dreh-
schwingers kann so also nicht genutzt werden. Außerdem läßt sich aufgrund der
Symmetrie nur die Amplitude der zu messenden Drehung bestimmen, nicht aber
die Drehrichtung.
Diese Methode wäre also allenfalls als Ergänzung zu einer der anderen zu ge-
brauchen; diese Möglichkeit sollte allerdings bei zukünftigen Optimierungen des
Designs in Betracht gezogen werden, da das elektrische Feld einer solchen Kamm-
struktur als elektrische Feder die Aufweichung der mechanischen Feder bei den
anderen Methoden ausgleichen könnte – [TKFS00] benutzt eine solche Geometrie
gezielt zur Erhöhung der Federsteifigkeit. Beim Entwurf der Kammstrukturen
20 Kapitel 2: Stand der Technik
müßte allerdings berücksichtigt werden, daß sich die Kapazität nicht durch die
relativ großen Auslenkungen in Driverichtung ändern darf.
–Kammstrukturen über und unter der beweglichen Schicht gemäß Abb. 2.6c. Prin-
zipiell bietet die vorliegende Technologie die Möglichkeit, innerhalb der beiden
Opferschichten auch an solchen Stellen Polysilizium abzuscheiden, an denen sich
im Gegensatz zu den Deckelstützen kein Polysilizium in der mittleren Mechanik-
schicht befindet. So würde man Kammstrukturen erhalten, die bei Auslenkung in-
einandergreifen. Allerdings liefert der heute verfügbare Ätzprozeß gerade inner-
halb der Opferschicht keine sauberen Ätzflanken, die Kennlinie wäre also undefi-
niert und durch lokale Schwankungen noch nicht einmal zwingend symmetrisch.
Solange eine Weiterentwicklung der Prozeßtechnik noch keine reproduzierbaren
Ätzflanken in den Opferschichten ermöglicht, ist diese Variante also nicht nutzbar.
Als Ergebnis dieser Gegenüberstellung wird in dieser Arbeit einer Anordnung gemäß
Abb. 2.6a der Vorzug gegeben, bei der die durch Auslenkung veränderlichen Kapazi-
täten zwischen dem Rotationsschwinger und einer Boden- und einer Deckelelektrode
gemessen werden.
Für die Messung der zu erwartenden minimalen Kapazitätsänderungen könnte man
entsprechend Abb. 2.7a das Potential der Sensorelektrode abgreifen, das die Spannung
zwischen Boden- und Deckelelektrode gemäß ihrer Auslenkung teilt. Allerdings soll
neben der Senseamplitude auch die Driveamplitude gemessen werden, so daß eine Un-
terteilung des Sensorelementes in elektrisch getrennte Bereiche notwendig wäre, doch
dazu müßte der Mikromechanikprozeß eine gute elektrische Isolation innerhalb der
mittleren mechanischen Schicht ermöglichen; diese ist aber in absehbarer Zeit nicht rea-
lisierbar.
Abbildung 2.7: Zwei mögliche Meßbrücken zur kapazitiven Detektion der Senseauslen-
kung: entweder wird das Sensorelement als kapazitiver Spannungsteiler angezapft (a), oder
Referenzkapazitäten ergänzen die Brückenschaltung; das Rotorpotential bleibt dabei kon-
stant (b).
2.4 Meßprinzip 21
Also muß der Sensor auf einem konstanten Potential gehalten werden, und zur Mes-
sung wird eine Brückenschaltung gemäß Abb. 2.7b benutzt.
Die Schwingungsamplitude des Meßsignals, die Kennlinie der kapazitiven Messung
und die Verstärkerstufen enthalten jeweils Nichtlinearitäten, wie sie in der Rege-
lungstechnik üblicherweise durch einen geschlossenen Regelkreis reduziert werden.
[GDH+00] hält darum den Betrieb im geschlossenen Regelkreis bei kapazitiven Wand-
lern in der Mikrosensorik für sinnvoll..
Es ist also nötig, nicht nur die Messung der Senseauslenkung vorzusehen, sondern auch
die Möglichkeit, das Meßsignal in ein mechanisches Gegenkopplungsmoment umzu-
wandeln. Prinzipiell ließen sich für diesen Zweck auch die zur Messung verwendeten
Elektroden benutzen, die dann in einzelnen Takten zur Rückkopplung genutzt werden,
während die Messung aussetzt. Allerdings würde ein einziger Rückkoppelimpuls pro
Schwingungsperiode bei einer Spannung im Bereich der Meßspannung ein deutlich hö-
heres Moment erzeugen als selbst das maximal zu erwartende Coriolismoment über die
gesamte Schwingungsperiode.
Damit erscheint es günstiger, sehr kleine, getrennte Elektroden eigens für die Rück-
kopplung anzubringen. Die dazu notwendige Fläche wird man so berechnen, daß
das maximal mögliche Coriolismoment durch einseitiges Anlegen der Rückkopplungs-
spannung gerade kompensiert werden kann. In Abschnitt 5.2.4 wird näher auf die
Rückkopplung eingegangen.
22 Kapitel 2: Stand der Technik
23
3 Problemanalyse für das
Sensorkonzept
3.1 Vorgehensweise
In Kapitel 2 wurde anhand der Betrachtung unterschiedlicher prinzipieller Möglich-
keiten und publizierter Ansätze die Entscheidung für ein Sensorkonzept begründet,
das einen Drehschwinger mit kapazitivem Antrieb und ebenfalls kapazitiver Detektion
vorsieht. Abbildung 3.1 zeigt ein Prinzipschaltbild des gesamten Sensors.
In diesem Kapitel werden zunächst die Hilfsmittel vorgestellt, die für die Ausarbeitung
des Konzeptes zur Verfügung stehen, und deren Einsatzbereiche und Grenzen aufge-
zeigt.
Anschließend werden alle Störeinflüsse und ihre Relevanz für das gewählte Konzept
betrachtet, und es wird diskutiert, wie sich der Einfluß der jeweiligen Störungen be-
seitigen oder zumindest ausreichend minimieren läßt. So werden Kriterien aufgestellt
für den Entwurf des mechanisches Designs sowie des regelungs- und schaltungstech-
nischen Konzeptes.
3.2 Hilfsmittel
3.2.1 Simulationen
Bei [TN00] werden die Abstraktionsebenen für die Simulation mikromechanischer Sen-
soren in System-, Netzwerk- und Geometrieebene unterteilt. Auf Geometrieebene las-
24 Kapitel 3: Problemanalyse für das Sensorkonzept
Abbildung 3.1: Prinzipschaltbild des gesamten Sensorsystems: in der Mitte ist der mecha-
nische Teil in einem grauen Kasten markiert, außerhalb befinden sich die schaltungstechnisch
realisierten Funktionsblöcke. Nur die grundlegenden Vorgänge sind berücksichtigt; so be-
schränkt sich das mechanische Modell auf die Driveschwingung (unten) und Senseschwin-
gung (oben) und deren wechselseitige Kopplung durch die Coriolisbeschleunigung. In der
Simulation werden weitergehende Effekte wie mechanische Störeinflüsse berücksichtigt.
3.2 Hilfsmittel 25
sen sich z. B. mit der Finite-Elemente-Methode1die mechanischen Eigenschaften des
Drehschwingers oder die Kapazitäten zwischen den teilweise kompliziert geformten
Elektroden bestimmen.
Auf Netzwerkebene wurden die analogen Schaltungsteile simuliert. Bei Bedarf wurden
angrenzende mechanische Elemente durch Umwandlung in elektrische Ersatzschaltbil-
der in das Modell mit einbezogen. [VSH+99] beschreibt, wie auch komplexere mikro-
mechanische Systeme in Netzwerksimulatoren einbezogen werden können.
Auf Systemebene lassen sich die rechenintensiven Simulationen der Geometrie- und
Netzwerkebene nicht detailliert integrieren (vgl. [TLN98]). Daher müssen sie helfen,
abstraktere Modelle zu entwickeln, die sich makroskopisch quasi-identisch verhalten,
aber von der Berechnung einfach genug sind, um eine Simulation des Gesamtsystems
zu ermöglichen.
Das Modell des Gesamtsystems besteht dabei aus einem blockschaltbildartigen Netz
aus Zustandsgrößen und den Funktionsblöcken, die eine Größe in eine andere über-
führen.
3.2.2 Analytische Berechnungen
Vor allem die Mechanik des Drehschwingers stellt ein sehr komplexes System mit einer
Vielzahl von Randbedingungen und sich gegenseitig beeinflussenden Parametern dar.
Dabei hängt die Wirkung einer Parameteränderung von der Wahl weiterer Parameter
ab, so daß sie nicht mehr vorhersagbar ist. Ein solches System wird bevorzugt mit einer
Monte-Carlo-Methode optimiert, also durch zufällige Parametervariation, bei der Ergeb-
nisverschlechterungen unterhalb eines Toleranzwertes verworfen werden und mit Ver-
besserungen iterativ weiteroptimiert wird. Der Zielwert, auf den hin optimiert werden
soll, ist hier die zu detektierende Ladungsdifferenz an den Senseelektroden.
Diese Methoden verlangen aber tausende Iterationsschritte, die sich bei detaillierter Si-
mulation auf Geometrieebene nicht durchführen ließen. Daher wird für die wesentli-
chen mechanischen und elektromechanischen Eigenschaften des Drehschwingers auf
analytische Berechnungen oder Näherungen zurückgegriffen. Die so gewonnene For-
melsammlung läßt zwar auch noch keine direkten Rückschlüsse auf die optimale Wahl
der Parameter zu, ermöglicht jedoch eine hochiterative Optimierung, da die Einzel-
1FEM; zur FEM-Modellierung von Mikrosystemen vgl. [KB96, Kapitel 6.3.1.2]
26 Kapitel 3: Problemanalyse für das Sensorkonzept
berechnungen von modernen Rechnern in Sekundenbruchteilen durchgeführt werden
können.
Dazu wurde in einer gewöhnlichen Tabellenkalkulation (StarCalc) pro Zeile ein kom-
pletter Parametersatz mitsamt den zugehörigen Formeln eingetragen. Von einer Zei-
le zur nächsten wurden die veränderlichen Parameter zufällig geändert. Wenn diese
Parameteränderung eine Verbesserung des Ergebnisses erbrachte und dabei sämtliche
Randbedingungen einhielt, wurde mit diesem Parametersatz weiteroptimiert, anderen-
falls weiter mit der bisherigen Zeile. Der Spielraum, innerhalb dessen die Zufallsvaria-
tion stattfand, wurde dabei kontinuierlich verkleinert.
Kapitel 4 enthält die wesentlichen für das Modell wichtigen analytischen Berechnun-
gen.
3.2.3 Messungen
Zum Zeitpunkt des Abschlusses dieser Arbeit konnte das hier vorgestellte Sensorkon-
zept noch nicht vollständig mikromechanisch prozessiert werden. Insbesondere die
Herstellung gedeckelter Strukturen mit kontaktierbaren Deckelelektroden war noch
nicht realisierbar, wodurch man den Hauptdesignvorteil des angestrebten Entwurfs ge-
genüber früheren Ansätzen einbüßt.
Auch die Integration von Mikromechanik und CMOS-Schaltungen auf demselben Chip
war noch nicht verfügbar, so daß erhebliche Störungsquellen und parasitäre Kapazitä-
ten an den Leitungen zwischen Mechanik und Elektronik zu erwarten sind. Angesichts
von zu messenden Ladungsdifferenzen im Bereich weniger Elementarladungen wird
unter solchen Bedingungen gar keine Detektion von Corioliskräften möglich sein.
Trotzdem sollten als wichtige Ergänzung zu analytischen Berechnungen und Simulatio-
nen möglichst bald auch Messungen an solchen vereinfachten Strukturen durchgeführt
werden, da sie immerhin geeignet sind, entscheidende Systemparameter zumindest ab-
zuschätzen, von denen zukünftige Entwicklungen abhängen werden:
Die Resonanzgüte der mechanischen Schwingungen um die Drive- und Senseach-
se in Abhängigkeit vom umgebenden Gasdruck kann wegen der komplexen strö-
mungsmechanischen Vorgänge weder analytisch noch simulativ ausreichend ge-
nau abgeschätzt werden. Die Angaben über erreichte Gütefaktoren in vergleich-
baren Prozessen schwanken zwischen 30 und 50.000 (vgl. [BB98, Seite 25]). Der
3.3 Störeinflüsse 27
Meßchip sollte also die kapazitive Anregung und Messung um beide Achsen bei
variablem Umgebungsdruck erlauben. Insbesondere bei der Messung der Güte
der Schwingung aus der Chipebene heraus muß berücksichtigt werden, daß ein
Deckel die Dämpfung gegenüber der ungedeckelten Struktur weiter erhöhen wür-
de.
Die Resonanzfrequenzen der Schwingungen um die Hauptachsen können zwar so-
wohl durch analytische Berechnung als auch durch FEM-Analyse bestimmt wer-
den, und beide Verfahren bringen Ergebnisse mit hoher Übereinstimmung hervor,
doch beide Verfahren gehen auch von ähnlichen Vereinfachungen aus, z. B. wer-
den Ätzlöcher nur auf eine homogen geringere Dichte und Festigkeit umgerech-
net, und Nichtlinearitäten bei größeren Auslenkungen werden nicht berücksich-
tigt.
Die Amplitude in Abhängigkeit der anregenden Spannung hängt maßgeblich von der
Güte und dem Grad an Nichtlinearität ab, der ebenfalls eine nur grob abschätzbare
Größe darstellt. Da die kapazitive Messung der Schwingungen einen unbekann-
ten Skalenfaktor enthält, muß dieser über die einzig bekannte Amplitude ermittelt
werden: den mechanischen Maximalanschlag. Bei der Messung muß also die Am-
plitude ermittelt werden, ab der auch bei höherer Spannung oder größerer Güte
keine weitere Erhöhung mehr stattfindet.
Die Resonanzfrequenzen könnten gemeinsam mit den Güten durch Aufnahme von
Übertragungskennlinien im relevanten Frequenzbereich bei unterschiedlichem Druck
gemessen werden. Außerdem sollten die Kurven bei unterschiedlicher Anregungsspan-
nung aufgenommen werden, um Nichtlinearitäten nachzuweisen und Rückschlüsse auf
den Skalenfaktor der Amplitudenmessung zu erhalten.
Leider standen vor Abschluß dieser Arbeit auch noch keine Testchips zur Verfügung,
die diese reduzierten Meßmöglichkeiten geboten hätten.
3.3 Störeinflüsse
3.3.1 Mechanische Störeinflüsse
Mechanische Störgrößen können neben äußeren Einflüssen (Erschütterungen) auch in-
nere Ursachen haben: einerseits mechanische Spannungen im Silizium, die sich nach
28 Kapitel 3: Problemanalyse für das Sensorkonzept
dem Freiätzen als Verkippungen entladen können, andererseits Fertigungstoleranzen
des Herstellungsprozesses, die zu asymmetrischen Geometrien des Sensorelementes
führen. Dabei ist jeweils zu betrachten, ob das Störsignal durch Frequenz oder Phase
vom Meßsignal unterschieden werden und ausgefiltert werden kann und ob es außer-
dem durch eine Regelung kompensiert werden muß, weil seine Amplitude z. B. die des
Meßsignals deutlich übersteigt und den linearen Bereich der Auswertung verläßt.
Die wichtigsten mechanischen Störeinflüsse sind im folgenden aufgelistet:
–Die mechanische Wärmebewegung stellt laut [Gab97] bei mikromechanischen
Sensoren oft die Rauschquelle dar, die die Empfindlichkeit des Gesamtsystems be-
stimmt. Aufgrund der geringen Auslenkungsamplituden und des relativ hohen
Gasdrucks in diesem Konzept ist besonderes Augenmerk auf diesen Störeinfluß
zu richten. [HG88] leitet die Spektraldichte dieses Wärmerauschens her; übertra-
gen auf einen Drehschwinger ergibt sich für das auf ihn wirkende Moment mit
der Boltzmannkonstante kBund der absoluten Temperatur T
SMS=4kBTωS
JSQS
(3.1)
für die Senseschwingung. SMDwird analog berechnet, spielt dort aber wegen
der höheren Güte und der erheblich höheren Antriebsamplitude eine untergeord-
nete Rolle. Für die Senseschwingung stellt die Störung jedoch eine physikalische
Empfindlichkeitsschwelle dar, die schaltungstechnisch nicht überwunden werden
kann. Dieses Rauschmoment muß also auf jeden Fall soweit reduziert werden,
daß es klein wird gegen das vom kleinsten zu detektierenden Meßsignal Ωy,min
verursachte Coriolismoment.
– Translatorische Störungen in jeder Richtung werden aufgrund der Symmetrien
unterdrückt, solange sie im linearen Kennlinienbereich bleiben. Dazu wird der
Drehschwinger an hinreichend steifen Federn aufgehängt. Von Seiten der Prozeß-
technik wird zur Vermeidung von Sticking bereits verlangt, daß die Resonanzfre-
quenzen aller Moden oberhalb von 10 kHz liegen müssen. Darüber hinaus müs-
sen sämtliche Störungen mit großer Amplitude durch Rückkopplung unterdrückt
werden.
–Eine statische Verkippung des Drehschwingers um die Senseachse verursacht
einen konstanten Offset im Meßsignal. Der wird bei der Demodulation ohnehin
3.3 Störeinflüsse 29
herausgefiltert, darf aber die Detektionsschaltung nicht in Sättigung bringen. An-
dernfalls müßte er durch eine Tiefpaßrückkopplung unterdrückt werden.
–Eine Verkippung des Drehschwingers um die y-Achse verursacht ein Störsignal
mit der Frequenz und Phase der Antriebsschwingung, wenn der durch die Ver-
kippung angehobene Rand der Senseelektroden den Bereich der Detektionselek-
troden verläßt und auf der anderen Seite dafür der abgesenkte Rand hineinrückt
(vgl. Abb. 3.2a.
Abbildung 3.2: Kapazitätsänderung durch Auslenkung einer verkippten Senseelektrode
und Vermeidung einer Änderung durch eine modifizierte Elektrodengeometrie
Dieser Effekt könnte unterdrückt werden, indem das Meßsignal in Quadratur zur
Antriebsschwingung demoduliert wird, allerdings müßte man dazu abseits der
Resonanzfrequenz der Senseschwingung arbeiten, damit der Quadraturanteil des
Meßsignals nicht verschwindet. Um nicht auf einen Teil der Resonanzüberhöhung
verzichten zu müssen, empfiehlt sich eine Geometrie, bei der die Senseelektroden
auch bei Auslenkung im Bereich der Detektionselektroden bleiben, die Verkip-
pung also keine Kapazitätsänderung bewirkt, wie in Abb. 3.2b gezeigt.
– Asymmetrien der Federquerschnitte lassen sich in der Herstellung kaum ver-
meiden. Die Ätzflanken stehen nicht wirklich senkrecht auf der Waferoberfläche,
sondern mit einer gewissen Neigung. Während eine symmetrische Abweichung
– also ein trapezförmiger Querschnitt – ohne Einfluß bleibt, führt ein parallelo-
grammförmiger Querschnitt der Federn dazu, daß sie auch aus der Chipebene
heraus ausgelenkt werden.
Aus den Flächenträgheitsmomenten eines Biegebalkens der Höhe hund Dicke dF
mit der Parallelverschiebung cin y-Richtung
Iy=dFh3
12 , Iz=dFh(d2
F+c2)
12 und Iyz =−h2dFc
12
30 Kapitel 3: Problemanalyse für das Sensorkonzept
ergeben sich mit der Hauptachsentransformation
I1=1
2Iy+Iz+q(Iy−Iz)2+ 4I2
yz, I2=1
2Iy+Iz+q(Iy−Iz)2+ 4I2
yz
und tan ϕHA =1
2tan 2Iyz
Iy−Iz
die Kräfte
F1=Fzcos ϕHA +Fysin ϕHA und F2=−Fzsin ϕHA +Fycos ϕHA .
Für die am Federende in z-Richtung aufzubringende Kraft Fz, die eine durch die
dort wirkende Kraft in y-Richtung Fyhervorgerufene Auslenkung wzgerade kom-
pensiert
wZ=F1
I1
cos ϕHA −F2
I2
sin ϕHA
!
= 0
gilt für übliche Aspektverhältnisse mit h6 dFdie Näherungslösung
Fz=c h
c2+d2
F
Fy.
Eine Balkenfeder im Winkel ϕFgegenüber der Senseachse mit einem Parallelo-
grammfehler c=htan ϕparverursacht damit ein Moment um die Senseachse
MS,par = sin ϕFMD
h2tan ϕpar
h2tan ϕpar +d2
F
=MDsin ϕFtan ϕpar
tan2ϕpar +dF
h2.
[TKFS00] erwähnt diesen Effekt, dessen Störsignal sich in Frequenz und Phase
nicht vom Detektionssignal unterscheidet, also nach Demodulation als konstanter
Offset in die Meßgröße eingeht, und kompensiert ihn durch individuellen Ab-
gleich.
Die einzige Möglichkeit, die Auswirkungen bereits auf mechanischer Ebene zu
unterdrücken, besteht darin, die Federn in der Senseachse zu plazieren (sinF= 0).
Dadurch wird die z-Auslenkung der Federenden aus Symmetriegründen lediglich
eine y-Verkippung erzeugen, die bei der im vorigen Punkt modifizierten Elektro-
denanordnung gemäß Abb. 3.2b) kein Sensesignal erzeugt.
–Durch Unebenheiten des Sensorelementes können höherfrequente Störungen
auftreten, die keine Auswirkungen haben, solange sie den Aussteuerungsbereich
3.3 Störeinflüsse 31
der Detektionsschaltung nicht verlassen. Zu erwarten sind vor allem Durchbie-
gungen des Sensors durch mechanische Spannungen, die im Falle einer einfachen
Krümmung Signalanteile mit geraden Vielfachen der Arbeitsfrequenz verursa-
chen. Falls sich bei Messungen an realen Strukturen herausstellen sollte, daß diese
Signalanteile eine kritische Größenordnung erreichen, müßten sie gezielt ausgefil-
tert werden.
– Verklemmen des beweglichen Mechanikteils hat [LS00, 5: Experimental obser-
vation] in Fallversuchen als die Hauptursache von Sensordefekten durch star-
ke Erschütterungen identifiziert. Dabei schiebt sich infolge starker Beschleuni-
gungen die bewegliche Struktur über die statische Struktur derselben Ebene und
klemmt dort fest. Wenn die Schichtdicke der beweglichen Struktur allerdings grö-
ßer ist als die Opferschichtdicke darüber und darunter (wie es ohnehin anzustre-
ben ist, um hohe Kapazitäten zwischen den Schichten zu erzielen), kann dieser
Fall nicht auftreten.
3.3.2 Elektrische und elektromechanische Kopplung
Neben direktem elektrischen Übersprechen, bei dem etwa ein Antriebssignal das emp-
findliche Potential auf einer benachbarten Detektionsleitung beeinflußt, kann es auch
eine elektromechanische Kopplung geben, bei der Asymmetrien im elektrischen Feld
unbeabsichtigte mechanische Auslenkungen hervorrufen, die wiederum ein Detekti-
onssignal erzeugen:
– Kapazitive Kopplungen zwischen Antriebs- und Detektionselektroden las-
sen sich durch abschirmende Maßnahmen reduzieren. Wenn für eine An-
triebsregelung die Driveschwingung gemessen werden soll, müssen zwischen
den antreibenden und den messenden Kammzinken abschirmende Zinken auf
konstantem Potential vorgesehen werden. Selbiges gilt zwischen den Sense-
Detektionselektroden und eventuell benötigten Antriebselektroden um die Sen-
seachse für eine Rückkopplung.
– Kapazitive Kopplungen an den Kreuzungspunkten von Antriebs- und Detekti-
onszuleitungen müssen ebenfalls durch Abschirmung reduziert werden, da sich
solche Kreuzungspunkte aufgrund der kreuzweisen Verschaltung nicht völlig ver-
meiden lassen. Dazu sollten Leitungen an solchen Punkten z. B. als Polysilizium1-
32 Kapitel 3: Problemanalyse für das Sensorkonzept
und Aluminium2-Bahn ausgeführt werden, zwischen denen eine Aluminium1-
Schicht auf festem Potential liegt.
–Der von [TLH92] beschriebene Levitationseffekt durch Kammantriebe beruht
auf der Asymmetrie des elektrischen Feldes in z-Richtung: die Antriebskämme
bilden zusätzlich zu den antreibenden Feldlinien innerhalb der Chipebene auch
solche zwischen den Oberseiten und Unterseiten der Kammzinken aus. Wird ein
Teil dieser Feldlinien auf der Unterseite durch das konstante Potential des Wa-
fersubstrats gebunden, resultiert eine Kraft, die die beweglichen Kämme anhebt.
Dank der dreischichtigen Prozeßtechnologie läßt sich dieser Effekt mit einem sym-
metrischen Feld vermeiden, indem über und unter den Kammstrukturen Elektro-
den mit dem gleichem Potential vorgesehen werden.
– Rückwirkungen der Senseschwingung auf die Driveschwingung finden einer-
seits durch den Corioliseffekt statt, sind aber zu vernachlässigen, wenn die Ampli-
tude der Senseschwingung durch Rückkopplung reduziert wird. Außerdem ver-
ursacht eine Senseverkippung eine vertikale Verschiebung komplementärer An-
triebskämme, doch auch dieser Effekt liegt deutlich unterhalb dem anderer Stö-
rungen.
3.3.3 Störeinflüsse innerhalb der Auswertung
– Elektronenrauschen tritt an den Detektionselektroden durch die Quantisierung
der Ladungsträger auf. Bei den kleinsten zu detektierenden Signalen liegen die
meßbaren Ladungen auf den Senseelektroden in der Größenordnung weniger Ele-
mentarladungen. Der Einfluß des daraus resultierenden Meßfehlers wird durch
Überabtastung reduziert, der Rauschabstand steigt mit der Quadratwurzel der
Überabtastung.
– Quantisierungsrauschen entsteht bei der notwendigen Analog-Digital-
Wandlung im Chip durch die begrenzte Stellenanzahl des digitalen Signals.
Bei einer Meßwertrate am Ausgang von 100 Hz und Ausnutzung der maximal
prozeßtechnisch realisierbaren Abtastung im MHz-Bereich würde bereits eine
1-Bit-Quantisierung mittels eines Sigma-Delta-Modulators einen ausreichend
großen Meßbereich ermöglichen.
3.3 Störeinflüsse 33
– kT/C-Rauschen ist eine Variante des thermischen Rauschens, die bei geschalteten
Kondensatoren (switched capacitors, SC) auftritt: im Augenblick des Auftrennens
eines Schalters an der geschalteten Kapazität kann die Ladungsmenge des Kon-
densators durch thermische Bewegung der Ladungsträger vom idealen Wert ab-
weichen.
Beim Entwurf aktiver Filter in integrierten Schaltkreisen ist man aber vielfach auf
SC-Schaltungen angewiesen, um aktive Filter zu realisieren, die als konventionel-
le RC-Filter auf sehr hohe Widerstands- und Kapazitätswerte angewiesen wären,
und deren Integration deshalb zuviel Chipfläche in Anspruch nehmen würde. Da-
her gelten SC-Schaltungen als unverzichtbar, wenn man ohne externe Widerstän-
de oder Kondensatoren auskommen will (vgl. [Soc91, Kapitel 6.2])
Insbesondere im Bereich der Eingangsstufen muß kT/C-Rauschen reduziert wer-
den, teils durch Verwendung großer Kapazitäten, teils durch Vermeidung von
Schaltvorgängen, indem das „Driften“ eines Knotens in Kauf genommen wird,
der nur gelegentlich auf ein festes Potential geschaltet wird.
– Leckströme der Kapazitäten verfälschen die Funktion von SC-Filtern, deren Kno-
ten zu selten geschaltet werden, um kT/C-Rauschen zu vermeiden; die Zeit-
konstanten der Entladungsvorgänge liegen im Bereich mehrerer Millisekunden.
Durch geeignete differentielle Auswertung müssen ggf. systematische Fehler
durch Leckströme verhindert werden.
– Rauschen der Spannungsversorgung kann das Meßsignal erheblich beeinträch-
tigen, wenn der Chip außerhalb des Labors von einer nichtidealen Spannungs-
quelle versorgt wird. Insbesondere die vielen digitalen Gatter, die im Takt der
Antriebsfrequenz oder eines Vielfachen davon schalten, verursachen dabei mit ih-
ren Schaltlasten Schwankungen der Versorgungsspannung. Damit diese Schwan-
kungen nicht die analogen Schaltungsteile beeinflussen und dabei als Versor-
gungsspannungsrauschen die Messung verfälschen, müssen analoger und digi-
taler Schaltungsteil getrennt versorgt werden. Da die externe Spannungsquelle
ebenfalls nicht völlig frei von Rauschen sein wird, sollte auf dem Chip eine interne
Stabilisierung der Versorgungsspannung vorgesehen werden, die den empfindli-
chen Analogschaltungsteilen eine weitgehend rauschfreie Versorgung ermöglicht.
Dabei wird allerdings der für die Auswertung zur Verfügung stehende Span-
nungsbereich reduziert.
Da innerhalb des analogen Schaltungsteils ebenfalls Schaltvorgänge stattfinden
34 Kapitel 3: Problemanalyse für das Sensorkonzept
(SC-Filter, Demodulation), sollten insbesondere die empfindlichen Eingangsver-
stärker eine erhebliche Gleichtaktunterdrückung aufweisen.
35
4 Entwicklung des mechanischen
Designs
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren
4.1.1 Antriebsmoment
Eine der grundsätzlichen Konsequenzen aus der Betrachtung der Störeinflüsse ist die
Forderung nach einem hohen Coriolismoment, um den relativen Einfluß der mechani-
schen Wärmebewegung zu verringern; gleichzeitig werden auch andere Einflüsse wie
der Quantisierungsfehler durch die Elementarladung reduziert. Zu den Einflußgrößen
für das Coriolismoment gehört laut Gleichung 2.2 die Amplitude der Driveschwingung,
in die gemäß Gleichung 2.1 wiederum das Antriebsmoment linear eingeht.
Das Antriebsmoment beruht bei elektrostatischen Aktuatoren auf der Anziehungskraft
zwischen den Elektroden eines Kondensators. Wird die Kapazität Ceines Kondensa-
tors an einer Konstantspannungsquelle der Spannung Udurch Annäherung der Elek-
trodenflächen oder durch Erhöhung der Überlappungsfläche vergrößert, steigt zwar die
gespeicherte elektrische Energie um
∆WC=1
2(C+ ∆C)U2−1
2CU2=1
2∆C U2,
doch gleichzeitig speist die Spannungsquelle eine Ladung
∆Q= (C+ ∆C)U−CU = ∆C U
36 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
mit einem Energiegehalt von
∆Wel = ∆Q U = ∆C U2,
also dem doppelten Energiegewinn des Kondensators, ein. Damit wirkt, wenn sich die
Kapazität in Abhängigkeit einer Auslenkung ϕdes Drehschwingers ändert, ein Mo-
ment
M=∆Wel −∆WC
∆ϕ=1
2U2∆C
∆ϕ.
Dabei wird davon ausgegangen, daß die Spannung während einer Halbperiode kon-
stant bleibt, also mit einer Rechteckspannung angetrieben wird. Das bedeutet die ein-
fachste schaltungstechnische Realisierung bei gleichzeitig maximaler Antriebsleistung.
Da für die Erzeugung der Antriebsschwingung aber nur die harmonische Grundwelle
der Schwingung zählt und außerdem das Moment eine Winkelabhängigkeit enthalten
kann, empfiehlt es sich, eine Konstante µDfür die effektive Antriebsgeometrie einzu-
führen, für die im eingeschwungenen Zustand MD=µDU2
Dgilt. Damit bleiben zwei zu
optimierende Faktoren:
Antriebsspannung UD
Für die üblichen Anwendungen in der Automobil- und Unterhaltungselektronik wer-
den normalerweise Versorgungsspannung von 3 oder 5 V zur Verfügung stehen; die
Mikromechanik des Chips verträgt dagegen erheblich höhere Spannungen, die man für
ein höheres Antriebsmoment ausnutzen könnte, sofern zur Erzeugung und Schaltung
so hoher Spannungen geeignete Elemente zur Verfügung stehen.
Das Sensorkonzept sieht eine Versorgungsspannung von 5 V vor, während die dem
Konzept zugrundeliegende Prozeßtechnologie Spannungen von knapp 12 V verträgt.
Ein vernünftiger Kompromiß zwischen einem höheren Antriebsmoment und der Ver-
lustleistung einer Spannungsvervielfacherschaltung, die mit einer Ladungspumpe ar-
beitet, dürfte bei etwa 10 V liegen. Die für den Antrieb zur Verfügung stehende Span-
nung könnte damit verdoppelt, die erreichbare Amplitude also sogar vervierfacht wer-
den.
Eine solche Schaltung wurde für diese Prozeßtechnologie von [Hof99] realisiert.
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 37
Antriebsgeometrie µD
Die Fläche, die für die Antriebsstrukturen genutzt werden kann, ist begrenzt. Die Aus-
dehnung der Strukturen in y-Richtung wird begrenzt durch das Bestreben, ein mög-
lichst geringes Massenträgheitsmoment um die x-Achse zu erreichen; Abschnitt 4.1.5
befaßt sich ausführlicher mit dieser Problematik. Eine beliebige Ausdehnung in x-
Richtung verbietet sich ebenfalls, da eine leichte Verkippung des Sensorelementes durch
mechanische Spannungen zu erwarten ist, die bei zu großer maximaler Entfernung der
äußersten Strukturränder vom Aufhängungpunkt dazu führen könnte, daß diese Rän-
der den Deckel oder Boden berühren.
Beim Vergleich der in Abschnitt 2.3 vorgestellten Geometrievarianten ist also zu unter-
suchen, welche das größte Antriebsmoment pro Fläche erzeugen kann. Aufgrund der
unterschiedlichen Kennlinien M(ϕ)und des Rechteckantriebs werden dabei die Effek-
tivwerte der harmonischen Grundwelle betrachtet:
µD=1
4√2ϕmax Zϕmax
−ϕmax
dC
dϕ cos ϕπ
2ϕmax dϕ
Abbildung 4.1: Vergleich der flächenbezogenen Antriebsleistung von einem Kammantrieb
(a) und einer plattenkondensatorartigen Anordnung (b). Bei Vernachlässigung der Träger-
struktur und Betrachtung einer geradlinigen Bewegung kann man den Vergleich auf die
Leistung der hervorgehobenen Flächen jeweils in der Mitte beschränken; dabei ist zu berück-
sichtigen, daß bei (b) im Gegensatz zu (a) schon beide Antriebsrichtungen enthalten sind.
Im Falle einer einfachen plattenkondensatorartigen Anordnung (Abb. 4.1b) gilt für die
Kapazität eines Kondensators der Höhe hund Breite bin Abhängigkeit von der Auslen-
38 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
kung xgegenüber dem mechanischen Ruheabstand x0
C=ε0h b
x0−x.
Solange bklein bleibt gegen die Entfernung Rvom Rotationsmittelpunkt, läßt sich mit
x=R ϕ berechnen:
µD,k=1
4√2ϕmax Zϕmax
−ϕmax
R ε0h b
(x0−R ϕ)2cos ϕπ
2ϕmax dϕ .
Dabei fällt für eine Struktur, die Statorelektroden für beide Richtungen einschließt,
zweimal der Ruheabstand x0, dreimal die minimal mögliche Elektrodenbreite dZsowie
zwischen den beiden Statorelektroden einmal der minimale Strukturabstand dAan.
Beim Kammantrieb haben wir es dagegen mit einer weitestgehend konstanten Kraft-
wirkung zu tun, da die Kapazität ungefähr proportional zur Eintauchung ansteigt. Es
gilt also pro Zinke
dC
δϕ = 2Rε0h
2dA
mit dem technologisch vorgegebenen Minimalabstand dAzwischen Zinken und Gegen-
zinken. An den Stirnflächen der Zinken liegt wiederum eine Plattenkondensatoranord-
nung vor; damit ergibt sich für den Kammantrieb
µD,Kamm =1
4√2ϕmax Zϕmax
−ϕmax 2Rε0h
2dA
+−R ε0h dZ
2 (x0−R ϕ)2cos ϕπ
2ϕmax dϕ
Für das flächenbezogene Verhältnis ergibt sich damit zu
ηKV =
µD,Kamm
3x02(dA+dZ)
2µD,k
(2x0+dA+3dZ)b
=2x0+dA+ 3dZ
3x02 (dA+dZ)
8ϕmax
π dARϕmax
−ϕmax
1
(x0−R ϕ)2cos ϕπ
2ϕmax dϕ
+dZ
Ein Vorteil für die Plattenanordnung ergibt sich nur bei kleinen Ruheabständen x0,
die von der Auslenkung R ϕmax möglichst weit ausgereizt werden. Geht man von ei-
ner Auslenkung aus, die von der Gegenelektrode nur dA
4Sicherheitsabstand (für Fer-
tigungstoleranzen und Ätzwinkel) läßt, und nimmt außerdem das in der Praxis nähe-
rungsweise gültige dA=dZan, ergibt sich ein Anhaltpunkt, aber welcher Auslenkung
eine Kammstruktur Vorteile bietet. Während bei x0=dAdie Plattenanordnung noch
ein doppelt so starkes Antriebsmoment erzeugt, sind beide Varianten bei etwa x0= 3dA
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 39
gleich effektiv (vgl. Abb. 4.2). Da die Auslenkungen in der Praxis oberhalb des dreifa-
chen Minimalabstandes liegen werden, ist dem Kammantrieb der Vorzug zu geben.
Abbildung 4.2: Abhängigkeit des Verhältnisses der spezifischen Antriebsleistung von der
angestrebten Auslenkung: bis zu einer Auslenkung vom dreifachen Minimalabstand der
Prozeßtechnologie erreicht die Plattenanordnung gemäß Abb. 4.1b ein höheres Antriebsmo-
ment pro Fläche; je größer die Maximalauslenkung wird, desto größer der Vorteil für die
Kammanordnung gemäß Abb. 4.1a.
Die erreichbare Antriebsenergie durch die Kammstrukturen läßt sich weiter erhöhen,
wenn man die Kammzinken gemäß Abb. 4.3 verbreitert. Im ausgelenkten Zustand er-
geben sich dabei kleinere Elektrodenabstände als sie von der Prozeßtechnologie eigent-
lich ermöglicht werden. Die ungleichmäßige Antriebskraft führt zu Oberschwingun-
gen, die durch die Resonanzcharakteristik der Driveschwingung aber erheblich unter-
drückt werden, teilweise werden durch diese Oberwellen sogar die Nichtlinearitäten
der Federn ausgeglichen. [YMM98] entwickelt u. a. speziell zum Ausgleich solcher
Nichtlinearitäten veränderliche Kammprofile.
Die Kapazität, die eine Zinke des Antriebskamms mit den benachbarten statischen Zin-
ken bildet, steigt also für positive Eintauchungen durch die Zinkenverbreiterung über-
proportional (Ruheeintauchung xK):
C=(2ε0hxK+x
dAmitx≤0
2ε0hxK
dA+x
dA1mitx > 0
Daraus läßt sich wiederum der relevante Anteil der Antriebsenergie pro Periode errech-
nen:
40 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
Abbildung 4.3: Erhöhung des Antriebsmomentes durch verbreiterte Zinken der Antriebs-
kämme: links die veränderte Zinkengeometrie, rechts die veränderte Kennlinie des Momen-
tes über der Auslenkung. Bei dieser Darstellung ist außerdem berücksichtigt, daß es im
Gegensatz zum vereinfachten rechnerischen Ansatz sanfte Übergänge zwischen den beiden
Abstandsbereichen sowie beim völligen Auseinandergehen der Zinken gibt und daß bei ma-
ximaler Eintauchung die Kapazität der Stirnflächen das Moment weiter erhöht.
∆W= 2 Z0
−xmax
ε0h U2
dA
cos πx
2xmax dx + 2 Zxmax
0
ε0h U2
dA1
cos πx
2xmax dx
= 4ε0h U2xmax
π1
dA
+1
dA1.
Erst Experimente mit realen Strukturen können zeigen, wie weit man den verbleiben-
den Zinkenabstand durch Zinkenverbreiterung reduzieren kann, ohne daß es durch
das Zusammenspiel von nichtidealem Ätzflankenwinkel, Fertigungstoleranzen, Tem-
peraturausdehnung und elastischer Verbiegung der Kammstrukturen unter den elek-
trostatischen Kräften zu einer Berührung der Zinken kommt.
Für die Modellierung ist es günstiger, ein effektives harmonisches Antriebsmoment zu
verwenden, das sich aus der Energie berechnen läßt. Betrachtet sei nun ein Paar Kämme
gemäß Abb. 4.4, die ab dem Radius Rabeidseitig nZZinken im mittleren Abstand bZ
besitzen, wobei in bZneben dem Zinkenabstand dAund der Zinkenbreite dZauch noch
anteilig die nach einigen Zinken notwendigen Deckelstützen berücksichtigt werden.
Dann ergibt sich für das effektive Gesamtmoment
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 41
MD= 4
nZ
X
i=1
∆Wi
4ϕmax
= 4
nZ
X
i=1
ε0h U2
π1
dA
+1
dA1(Rb+i bZ)
= 4ε0hU2
π1
dA
+1
dA1nZRb+n2
Z+nZ
2bZ.
Abbildung 4.4: Geometrie der Antriebskämme. Das Zinkenintervall bzstellt dabei den mitt-
leren Zinkenabstand dar, der anteilig auch den zusätzlichen Abstand durch Deckelstützen
enthält (vgl. Abb. 4.9).
Die Anzahl der Zinken der Antriebskämme ist durch die Geometrie begrenzt. Sowohl
die minimale Breite der mechanischen Strukturen als auch der kleinste zulässige Ab-
stand zwischen beweglicher und fester Struktur dürfen nicht unterschritten werden.
4.1.2 Driveschwingung
Gleichung 2.1 läßt sich mit der Resonanzfrequenz ωD=qKD
JDund der Güte QD=
√KDJD
DDin der Form
ϕD=1
JD
MD
ω2
D+jωωD
QD−ω2
=1
JD
MDQD
ω2
Djω
ωD+QD1−ω2
ω2
D (4.1)
42 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
darstellen. Die Maximierung von MDwar bereits Gegenstand des vorausgehenden Ab-
schnittes; das Optimierungspotential der weiteren Faktoren soll im folgenden betrachtet
werden:
Mechanische Güte der Driveschwingung QD
Die Dämpfung der Schwingungen wird fast ausschließlich durch das Gas verursacht, in
dem die Bewegung des Sensors stattfindet. Bei bisherigen Entwürfen wird die Mikro-
mechanik daher grundsätzlich unter teils erheblichem Unterdruck gekapselt; typisch
sind Resonanzüberhöhungen im vierstelligen Bereich bei einem Druck unterhalb 1 mPa.
Die Erzeugung eines derart starken Unterdrucks während der Verschließung der Ätz-
löcher im Deckel wäre ein erheblicher Kostenfaktor; auch die Anforderung an die Dich-
tigkeit des Verschlusses steigt, wenn sehr hohe Güten für den Betrieb verlangt werden.
Daher sollte der Druck nur so weit gesenkt werden, wie es zur Einhaltung der Sen-
sorspezifikationen notwendig ist. Realistischerweise sollte von einer Güte der Drive-
schwingung von nicht mehr als 30–50 ausgegangen werden. Dies ist eine der wichtig-
sten Einschränkungen des Technologiekonzeptes gegenüber aufwendigeren Ansätzen,
die dank einer um über zwei Größenordnungen höheren Güte nicht nur eine entspre-
chend höhere Antriebsamplitude (und damit eine höhere Coriolisbeschleunigung) er-
reichen, sondern auch eine bessere Filterung des Nutzfrequenzbandes.
Antriebsverstimmung ω
ωD
Um die Resonanzüberhöhung der Antriebsschwingung nutzen zu können, muß der
Driveantrieb in der Nähe der Resonanzfrequenz erfolgen. Da diese deutlichen Ferti-
gungsschwankungen unterliegt und sich durch Alterung1und Temperaturschwankun-
gen ändern kann, ist eine Frequenzregelung für den Antrieb notwendig. Bei Resonanz
vereinfacht sich Gleichung 2.1 zu
ϕD=MDQD
jJDω2
D
Die Anforderung an eine Frequenzregelung bei nichtlinearer Federkennlinie und damit
asymmetrischer Resonanzkurve beschreibt [Hof97]: eine Näherungslösung der nicht-
1Die Verschiebung der Resonanzfrequenz bei alterungsbedingter Druckzunahme dokumentiert z. B.
[AOP+99].
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 43
linearen Schwingungsdifferenzialgleichung zeigt, daß die Resonanzfrequenz bei stei-
gender Amplitude zunimmt (Abb. 4.5). Je nach Grad der Nichtlinearität, Güte und
Anregungsamplitude kann es dabei zu einer Instabilität kommen: wird im resonan-
ten Betriebspunkt A in Abb. 4.5 dem System Energie entzogen – das ist etwa der Fall,
wenn durch die Coriolisbeschleunigung Energie von der Drive- auf die Senseschwin-
gung übertragen wird –, wird im Gegensatz zu linearen Systemen kein Betriebspunkt
geringerer Energie erreicht (dünne Linie in Abb. 4.5). Damit gerät das System in einen
nichtperiodischen Schwingungszustand, in dem es weiter an Amplitude verliert, bis am
Punkt B wieder ein stabiler Zustand erreicht wird. Ein Frequenzregler würde dann die
Antriebsfrequenz wieder herunterregeln, bis am Punkt C wiederum ein nichtperiodi-
scher Übergang stattfindet.
Um dieses instabile Reglerverhalten zu vermeiden, könnte der Frequenzregler so aus-
gelegt werden, daß er einen gewissen Phasenabstand von der Resonanz hält, etwa in
der Umgebung von Punkt D in Abb. 4.5. Da die tatsächliche Nichtlinearität u. a. von
schwer analytisch quantifizierbaren Faktoren wie der bei Annäherung zweier Flächen
ansteigenden Dämpfung abhängt, muß im Verlaufe der Sensorentwicklung durch prak-
tische Versuche ein Kompromiß zwischen der dadurch reduzierten Amplitude und der
Stabilität der Antriebsamplitude gefunden werden.
Das Massenträgheitsmoment um die Driveachse JD
Der Reduzierung von JDsind enge Grenzen gesetzt, da sie zum einen der Forderung
nach großen Antriebskämmen für ein großes µD(und ebenso der nach großen Sense-
elektroden für ein großes µS, s. u.) entgegensteht, zum anderen wirkt sie ungünstig
auf das in Abschnitt 4.1.5 beschriebene und für die Detektion wichtige mechanische
Resonanzfrequenzverhältnis.
4.1.3 Senseschwingung
Die Amplitude der durch MCverursachten Schwingung aus Gleichung 2.3 läßt sich
analog zur Schreibweise für die Driveschwingung in Gleichung 4.1 ausdrücken, so daß
sich zusammen mit Gleichung 2.2 die Übertragungsfunktion ergibt:
G(jω) = ϕS
Ωy
=2QS
ω2
Sjω
ωS+QS1−ω2
ω2
SωDϕD.
44 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
Abbildung 4.5: Resonanzkurve eines nichtlinearen Systems: durch eine überlineare Fe-
derkennlinie verkleinert sich die Resonanzüberhöhung, während die Resonanzfrequenz mit
wachsender Anregungsamplitude steigt. Liegt bei sehr kleiner Anregung die Resonanzfre-
quenz noch bei 1, ist im dargestellten Fall die Resonanzkurve bereits teilweise nicht mehr
eindeutig; das Resonanzverhalten ist also unterschiedlich, je nachdem ob eine quasistatio-
näre Annäherung von kleinen oder von großen Frequenzen her stattfindet. Im gestrichelten
Bereich der (rechnerisch angenäherten) Resonanzkurve ist kein stabiler Betrieb möglich. Bei
einer Frequenzerhöhung über den Punkt A hinaus folgt ein nichtperiodischer Übergang zu
Punkt B, ebenso bei Frequenzreduktion ein Übergang von C nach D.
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 45
Auch hier ist wieder der Optimierungsspielraum der einzelnen Faktoren zu untersu-
chen.
Die mechanische Güte der Senseschwingung QS
Eine hohe Güte der Senseschwingung verstärkt nicht nur das Nutzsignal bei resonan-
tem Betrieb, sondern reduziert auch die Spektraldichte des mechanischen Wärmerau-
schens, wie Gleichung 3.1 zeigt. Bei fehlender Frequenzregelung für die Senseresonanz
kann es allerdings auch von Vorteil sein, zugunsten einer größeren Bandbreite der Re-
sonanzkurve auf eine möglichst hohe Güte zu verzichten, damit die ungeregelte Reso-
nanzfrequenz trotz möglicher Schwankungen immerhin eine mäßige Resonanzüberhö-
hung erfährt.
Bei der Dämpfung um die Senseachse spielt der Strömungswiderstand der großen Sen-
seelektroden die wichtigste Rolle. Die ohnehin nötigen Ätzlöcher innerhalb dieser
großen Flächen können helfen, diesen Widerstand zu reduzieren; eine Abschätzung
der komplexen Strömungsmechanik ist aber weder analytisch noch durch Simulation
aussichtsreich.
[OLB+98] untersucht den Einfluß des Gasdruckes auf die Güte der Senseschwingung
eines Rotationssensors experimentell und beobachtet eine erhebliche Dämpfung durch
den Luftwiderstand oberhalb eines Drucks von ca. 1 Pa. Bei mehr als etwa 70 Pa konnte
keine Schwingung mehr detektiert und damit keine Güte mehr bestimmt werden. Eine
Extrapolation der Meßergebnisse bis hin zum atmosphärischen Druck ist mit großen
Unsicherheiten versehen und legt eine Güte von etwa 4–8 nahe. Aufgrund der von
[OLB+98] abweichenden Geometrie und der Unsicherheit der Extrapolation empfiehlt
es sich, bis zum Vorliegen zuverlässiger Meßergebnisse für die Auslegung von einer
Güte von 5 bis 50 für einen leichten Unterdruck auszugehen.
Einer Erhöhung der Güte durch gleichzeitige Erhöhung von Massenträgheitsmoment
und Federsteifigkeit sind durch die in Abschnitt 4.1.5 beschriebene Problematik Gren-
zen gesetzt.
Die Senseresonanzfrequenz ωS
Die Resonanzüberhöhung der Senseschwingung fällt zwar gegenüber der Driveschwin-
gung niedriger aus, kann aber einen nennenswerten Beitrag zur Verbesserung des
46 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
Rauschabstandes liefern, wenn es gelingt, die Resonanzfrequenz zu regeln, so daß sie
mit der Driveresonanzfrequenz – also mit der Arbeitsfrequenz – zusammenfällt.
Da beide Resonanzfrequenzen starken Exemplarstreuungen unterworfen sind, wäre
es dazu nötig, einen Regler vorzusehen, der die Resonanzfrequenz der Senseschwin-
gung auf die Antriebsfrequenz regelt, die ihrerseits auf die Driveresonanzfrequenz ab-
gestimmt wird2.
[OLB+98] beschreibt die Wirkung symmetrischer Felder als negative Federkonstante,
wie sie auch an den Senseelektroden dieses Designs auftritt: in Ruhelage heben sich
die elektrostatischen Kräfte von Boden- und Deckelelektrode auf die Senseelektroden
gerade auf, bei steigender Auslenkung überwiegt zunehmend die aus der Ruhelage
herauswirkende Kraft. Mit dieser negativen Federkonstante läßt sich eine zu steife me-
chanische Federkonstante durch Variation der Meßspannung soweit aufweichen, bis
die Resonanzfrequenzen übereinstimmen.
Im folgenden Abschnitt wird in Gleichung 4.3 die Sensemeßspannung hergeleitet, die
angelegt werden muß, um die Resonanz herzustellen.
Da sich die mechanische Federsteifigkeit auch im Betrieb ändern kann, muß die Fre-
quenzregelung kontinuierlich erfolgen, ohne allerdings die Messung zu beeinflussen.
Abschnitt 5.2.3 beschreibt die Realisierung einer solchen Regelung.
4.1.4 Detektionsladung
Entscheidend für die Meßgenauigkeit ist die Differenz der Ladungen, die sich bei An-
liegen einer Meßspannung auf den Elektroden über und unter der ausgelenkten Sense-
elektroden ausbilden. Neben der Amplitude der Auslenkung gehen die Meßspannung
und die Elektrodengeometrie in die Ladungsmenge ein:
2Einen alternativen Ansatz nutzt [SEQ+00]: die Antriebsfrequenz wird auf die Senseresonanzfrequenz
abgestimmt, während dafür gesorgt wird, daß die Driveschwingung im zu erwartenden Frequenzbe-
reich durch eine gezielt nichtlineare Federkennlinie (vgl. Abschnitt 8) eine kaum frequenzabhängige
Amplitude besitzt. Eine so starke Resonanzfrequenzverschiebung, daß die in Abb. 4.5 gezeigte Kur-
ve ein „Plateau“ im Bereich der maximalen Amplitude entwickelt, ist allerdings nur bei sehr hohen
Güten zu realisieren. Bei der starken Dämpfung des hier untersuchten Konzeptes besteht diese Alter-
native also nicht.
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 47
Die Meßspannung US
Die Detektionsladung steigt mit der an die Meßbrücke mit den Elektroden angelegten
Spannung. Der Maximalwert für die Spannung ergibt sich dabei aus der im voraus-
gehenden Abschnitt beschriebenen Federaufweichung, die die Senseresonanzfrequenz
nicht unter einen aus Gründen der Erschütterungsfestigkeit zu wählenden Mindestwert
drücken darf. Angesichts von Fertigungsschwankungen muß der Spannungswert also
konservativ festgelegt werden.
In Abschnitt 4.1.3 wird die Möglichkeit vorgestellt, über Regelung der Sensemeßspan-
nung die Senseresonanzfrequenz auf die Antriebsfrequenz, also auf die Driveresonanz-
frequenz abzustimmen. Dazu muß gelten:
rKD
JD
!
=rKS+KS,el
JS
Mit dem in Gleichung 2.4 hergeleiteten elektrischen Federbelag erhält man bei Integra-
tion über die gesamte Senseelektrodenfläche KS,el =RFSK0
S,el dF für zwei Senseelektro-
den in der Form eines Ringsegmentes des Winkels βSzwischen den Radien RS,i und
RS,a
KS,el =−∂MS
∂ϕS
=−ε0U2
d3
0R4
S,a −R4
S,i(βS+ sin βS). (4.2)
Damit gilt für die Sensemeßspannung US, die an den Elektroden anliegen muß, um die
Senseschwingung in Resonanz zur Driveschwingung zu bringen,
US=sd3
0
ε0R4
S,a −R4
S,i(βS+ sin βS)DS−DD
JS
JD. (4.3)
Die Detektionsgeometrie µS
Analog zur Kopplungskonstante µDzwischen Antriebsspannung und Antriebsmoment
geht auch in die elektromechanische Kopplungskonstante die Geometrie der Elektro-
den ein. Bei der in Abschnitt 2.4 getroffenen Entscheidung zugunsten einer Anordnung
mit Boden- und Deckelelektroden steigt die erreichbare Ladung, je größer und je weiter
außen die Senseelektroden liegen. Da sich hierdurch – ebenso wie durch ein Erhöhen
der Meßspannung – die negative elektrische Federkonstante der Elektrodenanordnung
48 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
erhöht, wird im folgenden Abschnitt untersucht, wie die mechanische Federkonstante
der Senseschwingung erhöht werden kann.
4.1.5 Verhältnis von Sense- zu Driveresonanzfrequenz
Die in Abschnitt 2.4 beschriebene „negative Federkonstante“ durch die Senseelektroden
führt dazu, daß die resultierende Federkonstante im Betrieb aus der mechanischen und
der elektrischen Federkonstante zusammensetzt, also auch die resultierende Resonanz-
frequenz erheblich niedriger liegt als die mechanische. Da die resultierende Resonanz-
frequenz mit der Driveresonanzfrequenz zusammenfallen soll, stellt das Verhältnis der
mechanischen Sense- zur Driveresonanzfrequenz einen zentralen begrenzenden Faktor
für die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems dar. Je höher dieses Verhältnis ist, desto
mehr Spielraum bleibt für eine hohe Sensekapazität und eine hohe Meßspannung, die
die resultierende Resonanzfrequenz soweit senken, bis beide Resonanzen aufeinander-
fallen. Im folgenden soll daher untersucht werden, wie ein möglichst hoher Betrag der
negativen elektrischen Federkonstanten erreicht werden kann:
−KS,el =KS−KD
JS
JD
.
Das Sense-Massenträgheitsmoment JS
Das Massenträgheitsmoment um die Senseachse wird dominiert von den Senseelektro-
den, die einerseits groß sein sollen, um eine große Kapazität zu haben, andererseits eine
desto größere Abstands- und damit Kapazitätsänderung bei einer Drehung aufweisen,
je weiter sie von der Senseachse entfernt liegen. Da allerdings der Abstand von der
Senseachse nur linear in die Kapazitätsänderung, aber quadratisch in das Massenträg-
heitsmoment eingeht, sollte auch die senseachsennahe Fläche ausgenutzt werden.
Eine Möglichkeit, das Massenträgheitsmoment ohne große Verluste an Kapazität zu
reduzieren, besteht darin, die Elektroden mit einem dichten Muster von Löchern zu
versehen. Solche Löcher sind ohnehin notwendig, um die Opferschicht unterhalb der
Mechanik ätzen zu können, nehmen dabei aber typischerweise nur wenige Prozent der
Elektrodenfläche ein. Dieser Flächenanteil läßt sich durch eine höhere Lochdichte auf
ein Viertel der Elektrodenfläche steigern.
Solange die Löcher größer sind als der Elektrodenabstand, wird dabei zwar die Kapa-
zität in gleichem Maße wie die Masse reduziert, mit schrumpfender Lochgröße und
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 49
-dichte nimmt der Kapazitätsverlust aber ab. Bei der zur Verfügung stehenden Pro-
zeßtechnologie liegen der Elektrodenabstand d0und die kleinste Strukturabstand dAin
der gleichen Größenordnung, man befindet sich also gerade im Übergangsbereich zwi-
schen unreduzierter und entsprechend dem Dichteverhältnis reduzierter Kapazität. In
diesem Bereich ist allerdings durch den Übergang die relevante Kapazitätsänderung ∂C
∂d
besonders vermindert: falls sich die Kapazität Cλeiner gelochten Elektrode mit Dichte
λim Verhältnis zur Kapazität ohne Lochung Cnäherungsweise als
Cλ=Cd0+λ dA
d0+dA
beschreiben ließe, ergäbe sich für die Kapazitätsänderung
∂Cλ
∂d0
=d02+ 2λ d0dA+λ dA2
(d0+dA)2
∂C
∂d0
;
für d0=dAergäbe sich also fast dieselbe Reduktion der Kapazitätsänderung wie des
Gewichts. Eine maximale Durchlochung ist aber trotzdem anzustreben, um die mecha-
nische Dämpfung der Senseschwingung zu reduzieren.
Das Drive-Massenträgheitsmoment JD
Das Massenträgheitsmoment um die Driveachse wird außer durch die Senseelektroden
durch die Antriebskämme dominiert. Da die Ausdehnung derselben – wie in Abschnitt
4.1.1 erwähnt – wegen möglicher Verkippungen begrenzt ist, könnten am äußersten
Ende des Balkens, der die Kämme trägt, Antriebszinken durch eine massive Struktur
mit höherem Trägheitsmoment ersetzt werden. Im Optimierungsvorgang zeigte sich
jedoch, daß der damit verbundene Verlust an Antriebsleistung durch die Vergrößerung
des Drive-Massenträgheitsmomentes nicht ausgeglichen wird.
Die Drive-Federsteifigkeit KD
Durch die in Abschnitt 3.3.1 getroffene Einschränkung, daß die Federn in der Sense-
achse verlaufen müssen, ist man darauf festgelegt, daß die Feder in Driverichtung als
Biegebalken wirkt, in Senserichtung als Torsionsbalken. Durch die Prozeßtechnologie
ist man auf einen rechteckigen Querschnitt festgelegt. Die Biegelinie einer Balkenfeder
ergibt sich durch zweifache Integration der Krümmungsgleichung w00(x) = F(lF−x)+ME
E I
50 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
mit der am Federende ansetzenden Kraft Fund dem Einspannmoment MEzu
w(x) = 3F lFx2+ 3MEx2−F x3+C1x+C2
6E I .
Mit den durch die Einspannung an beiden Enden gegebenen Randbedingungen w(0) !
=
0,w0(0) !
= 0 und w(lF)!
=R w0(lF)folgt für das Einspannmoment
ME=2l2
F−3R lF
6R−3lF
F . (4.4)
Das Antriebsmoment muß sowohl die Auslenkungskraft als auch das Einspannmoment
aufbringen (vgl. Abb. 4.6) und errechnet sich zu
M=R F +ME=6R2−6R lF+ 2l2
F
6R−3lF
F.
Damit ergibt sich für ein Paar dieser Federn mit dem von Strukturhöhe hund Feder-
breite dFabhängigen Flächentragheitsmoment I=d3
Fh
12 ein Drive-Steifigkeitsmoment
von
KD=M
w(lF)
R
= 26R2−6R lF+ 2l2
F
l3
F
E I =R2−R lF+1
3l2
F
l3
F
E d3
Fh. (4.5)
Von außen ansetzende Federn würden nicht nur den Platzbedarf der Mikromechanik
erhöhen, sondern auch durch die in Abb. 4.6d gezeigte extreme S-Krümmung eine
unerwünschte Versteifung von KDverursachen.
Weicher wird die Feder gemäß 4.5 also, indem sie schmaler oder länger gemacht wird
oder die Schichtdicke reduziert wird. Eine dünnere mechanische Schicht würde über-
proportional die Torsionssteifigkeit der Balkenfeder reduzieren, also entgegen der Ab-
sicht die Sensesteifigkeit mehr reduzieren als die Drivesteifigkeit. Der Mindestbreite der
Feder sind technologische Grenzen durch den mikromechanischen Prozeß gesetzt. Au-
ßerdem muß berücksichtigt werden, daß bei sinkender Balkenbreite der Fehler durch
Fertigungstoleranzen steigt: bereits bei 2 µm Balkenbreite verursacht eine Abweichung
von 0,1 µm etwa 7% Fehler gegenüber der beabsichtigten Drive-Resonanzfrequenz.
Besonders vielversprechend ist es, die Feder zu verlängern, die mit bis zu dritter Po-
tenz in die Federsteifigkeit eingeht, wobei mit größerer Federlänge der Fehler durch
Prozeßtoleranz noch abnimmt.
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 51
Abbildung 4.6: Biegelinie der Drivefeder für verschiedene Federlängen; gestrichelt ist die
Achse zum Rotationsmittelpunkt dargestellt, der Bügel, der die Feder mit den übrigen Tei-
len des Rotationsschwingers verbindet, ist grau angedeutet. Eine kurze Feder muß eine
S-Krümmung annehmen (a), bei einem Verhältnis von 2:3 verschwindet das Einspannmo-
ment (b), bei noch längerer Feder wirken Kraft und Moment schließlich gegeneinander (c).
Von außen ansetzende Federn haben eine besonders ungünstige S-Krümmung (d).
52 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
Die Sense-Federsteifigkeit KS
Das Torsionsflächenmoment eines rechteckigen Balkens der Höhe hund der Dicke dF
ist für h > dF
IT=C h3dF;
dabei ist Ceine Konstante, die vom Verhältnis h/dFabhängt und von ca. 0,14 für einen
quadratischen Querschnitt bis zu 0,33 für sehr große Seitenverhältnisse steigt . Für die
Drillung ϕ0
T(x)einer Feder unter dem Torsionsmoment MTgilt mit dem Schubmodul G
ϕ0
T(x) = MT
G IT(x),
damit erhält man als Steifigkeit eines Federpaares der Länge lF
KS= 2 ∂MS
∂ϕT(lF)=2G C h3dF
MTlF
.(4.6)
Die Schichtdicke der Struktur geht somit, wenn sie größer als die Federbreite ist, über-
proportional in die Sensesteifigkeit ein, also stärker als in die Drivesteifigkeit. Der
Schichtdicke ist eine obere Grenze durch die Prozeßtechnologie gesetzt, da eine hohe
Topologiestufe die Schärfe der Fokussierung bei der Belichtung beeinträchtigt. Zum
Zeitpunkt des Abschlusses dieser Arbeit darf die Schichtdicke höchstens 4 µm betra-
gen. Da auch die Herstellungskosten mit steigender Schichtdicke anwachsen, ist sogar
ein noch geringerer Wert anzustreben, soweit die Spezifikationen trotzdem erfüllbar
sind.
Die Breite des Federbalkens geht wiederum in die Federkonstante der Torsion weniger
stark ein als in die des Biegebalkens, sollte also gering gehalten werden mit der bereits
genannten Einschränkung, daß der Toleranzbereich für die Resonanzfrequenz nicht zu
groß sein darf: eine zu geringe Resonanzfrequenz würde keine ausreichende Erschütte-
rungsfestigkeit bieten, eine zu hohe Resonanzfrequenz dagegen den Abstand der Reso-
nanzfrequenzen zu sehr verkleinern, da die Torsionssteifigkeit nicht in gleichem Maße
durch eine mit zu großer Breite prozessierte Feder ansteigt wie die Driveresonanz.
Die Federlänge geht nur proportional in die Torsionssteifigkeit ein, eine möglichst lan-
ge Feder verbessert also das Verhältnis der Resonanzfrequenzen, insbesondere in dem
Bereich, in dem der Biegebalken infolge der Einspannung eine S-Krümmung aufweist,
die durch eine längere Feder entspannt wird (vgl. Abb. 4.6a).
4.1 Strategien für die Maximierung von Einzelfaktoren 53
Aus Gleichungen 4.5 und 4.6 ergibt sich, daß das Verhältnis von KDund KS
KD
KS
=2E I MT
G C h3dF
6R2−6R lF+ 2l2
F
l2
F∼3R
lF2
−3R
lF+ 2
maximal wird für lF= 2R; allerdings ist zu bedenken, daß – wie in Abschnitt 3.3.1
dargelegt – die Driveresonanzfrequenz 10 kHz nicht unterschreiten sollte. Wenn die-
se Bedingung nur noch eingehalten werden kann, indem die Breite des Biegebalkens
erhöht wird, ist eine Verlängerung der Feder nicht mehr sinnvoll.
Eine Federlänge von mehr als dem Radius der Aufhängung ist mit einem symmetri-
schen Federpaar in der Senseachse nicht realisierbar. Wenn man nicht auf die ungünsti-
gere Aufhängung von außen ausweichen oder die Asymmetrieeffekte einer einseitigen
Aufhängung in Kauf nehmen will, müssen die Federn gemäß Abb. 4.7 im mittleren
Teil um den Aufhängungspunkt der jeweils anderen Feder herumgeführt sein. Nach
den Überlegungen aus Abschnitt 3.3.1 würde jedoch auf die Federabschnitte, die die
Senseachse verlassen, der beschriebene Effekt durch den Parallelogrammfehler des Fe-
derquerschnitts wirken. Dieses Problem läßt sich vermeiden, indem die Breite dFM des
mittleren Federabschnittes deutlich größer gewählt wird, so daß seine Federwirkung
zu vernachlässigen ist.
Abbildung 4.7: Durch einen starren Mittelteil entsteht eine Doppelgelenkfeder
Eine solche Doppelgelenkfeder hat gleichzeitig den Vorteil, daß der Mittelteil die wirk-
same Federlänge für die Torsion verkürzt, während er für Biegungen eine relativ ge-
ringe Bedeutung hat. Zur Berechnung der veränderten Biegesteifigkeit muß die Krüm-
54 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
mung abschnittweise definiert werden3
w00
1(x) = F(lF−x) + ME
E I1
für 0≤x < α lF
w00
2(x) = F(lF−x) + ME
E I2
für α lF≤x < (α+γ)lF,
w00
3(x) = F(lF−x) + ME
E I1
für (α+γ)lF≤x<lF
und diese Krümmungen müssen bereichsweise integriert werden:
w0
1(x) = Zx
0
w00
1(ξ)dξ
w0
2(x) = Zα lF
0
w00
1(ξ)dξ +Zx
α lF
w00
2(ξ)dξ
w0
3(x) = Zα lF
0
w00
1(ξ)dξ +Z(α+γ)lF
α lF
w00
2(ξ)dξ +Zx
(α+γ)lF
w00
3(ξ)dξ .
So erhält man schließlich für die Auslenkungen
w1(x) = Zx
0
w0
1(ξ)dξ
w2(x) = Zα lF
0
w0
1(ξ)dξ +Zx
α lF
w0
2(ξ)dξ
w3(x) = Zα lF
0
w0
1(ξ)dξ +Z(α+γ)lF
α lF
w0
2(ξ)dξ +Zx
(α+γ)lF
w0
3(ξ)dξ .
Mit den unveränderten Randbedingungen und den Abkürzungen L= (1 −α)lFund
κ=I1
I2−1 = dF
dF M 3
−1ergibt sich für die Momentensteifigkeit der Doppelgelenkfeder
gegenüber Driveauslenkungen:
KD=MD
ϕD
=M
w3(lF)/R
=E d3
Fh
3l3
F
l2
Fγ3+ 3 (R−L)lFγ2+ 3 lFL2−2RlF+ 2RlFα+R2γ+l2
F−3RlF+ 3R2κ−1
κγ4+ 4γ3+ (12α−6) γ2+ (12α2−12α+ 4) γ+κ−1(4.7)
3Der mittlere Federabschnitt wird für die Rechnung nicht als völlig steif angenommen, sondern mit
einem Flächenträgheitsmoment I2angesetzt. Damit läßt sich später aus der Gleichung der Biegelinie
eine Breite des Mittelteils dF M ermitteln, für die tatsächlich näherungsweise Steifheit gilt.
4.2 Dimensionierung des mechanischen Designs 55
Die Torsionssteifigkeit ändert sich für die Doppelgelenkfeder über einfache Addition
der Teilverwindungen zu
KS=2G
lF1−γ
C1h3dF+γ
C2h d3
F M .(4.8)
Mit einem sehr langen starren Mittelteil und kurzen weichen Federn an der Veranke-
rung und dem Bügel, der die einzelnen Teile des Sensorelementes verbindet, kann man
das Verhältnis der Resonanzfrequenzen fast beliebig einstellen. Grenzen sind dem Ein-
stellungsbereich vor allem durch zwei Effekte gesetzt:
–je kürzer die „weichen“ Federstücke sind, desto stärker müssen sie gebogen wer-
den, um dieselbe Auslenkung zu erreichen; dabei besteht – insbesondere beim
inneren Federstück – die Gefahr, daß das Silizium über den elastischen Bereich
hinaus gedehnt wird;
–bei extrem kurzen Federstücken haben bereits kleine Herstellungstoleranzen er-
hebliche Auswirkungen auf die Resonanzfrequenz; gerade bei einem sehr kurzen
äußeren Federstück kann eine minimale Dickenänderung der Federn die Reso-
nanzfrequenz deutlich aus dem Toleranzbereich hinaus verschieben.
4.2 Dimensionierung des mechanischen Designs
Das vorgestellte Designkonzept eines Rotationsschwingers mit Doppelgelenkfedern,
Antriebskämmen und Sensedetektionselektroden enthält zahlreiche Parameter, die zur
Optimierung der Funktion variiert werden können: Längen der einzelnen Federab-
schnitte, Radien und Winkel der Senseelektroden, Anzahl der Zinken an den Antriebs-
kämmen usw.
Die Wahl dieser Parameter wird durch eine Reihe von Randbedingungen bestimmt. Die
Einhaltung einer kleinsten Resonanzfrequenz als Forderung der Erschütterungsfestig-
keit wurde bereits genannt und ihre Berechnung hergeleitet. Auch muß kontrolliert
werden, ob der Mittelteil der Federn tatsächlich näherungsweise als starr angenommen
werden kann. Daneben gibt es noch eine Reihe geometrischer Bedingungen, die etwa
überprüfen, ob zwischen äußeren Antriebskämmen und dem Rand der Senseelektroden
noch genug Platz für die notwendigen Deckelstützen bleibt.
56 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
Drei weitere relevante Bedingungen sollen im folgenden noch untersucht werden:
–ruft eine extreme Dimensionierung der Doppelgelenkfeder keine kritischen Deh-
nungen im Silizium hervor,
–liegt die resultierende Resonanzfrequenz für Schwingungen um die y-Achse deut-
lich oberhalb der beabsichtigten Arbeitsfrequenz und
–werden die Antriebskämme durch die elektrostatischen Kräfte nicht so weit ver-
formt, daß die Kammzinken von Schwinger und Stator einander berühren?
Maximale Dehnung bei der Doppelgelenkfeder
In den “weichen” Teilen der Doppelgelenkfeder treten bei gleicher Auslenkung erheb-
lich höhere Spannungen auf als bei durchgängigen Federn. Es ist sicherzustellen, daß
die maximal auftretende Dehnung εmax einen ausreichenden Sicherheitsabstand zur
Bruchgrenze aufweist, um eine beschleunigte Materialalterung auszuschließen.
Es wird eine gleichmäßige Spannungsverteilung im Federquerschnitt angenommen:
σ(y) = E ε(y) = Eεmax
dF/2y
Die maximale Spannung tritt bei der größten Krümmung, also bei der inneren Veran-
kerung auf. Dort gilt das Momentengleichgewicht:
F lF+M!
=ZdF/2
−dF/2
σ h y dy =ZdF/2
−dF/2
2E εmax
h
dF
y2dy =1
6Eεmaxd2
Fh
Wenn man nun auf der linken Seite die Kraft und das Moment für einen gegebenen
Driveauslenkungswinkel ϕDeinsetzt, läßt sich εmax in Abhängigkeit dieses Winkels an-
geben:
εmax(ϕD) = ϕDdF
l2
F
2lFγ3+ 3 (R+ 2lFα−lF)γ2+ 6α(R+lFα−lF)γ+ 3R−lFκ−1
κγ4+ 4γ3+ 6 (2α−1) γ2+ 4 (3α2−3α+ 1) γ+κ−1
(4.9)
Bei [BHJ] wird die mittlere Bruchdehnung mit 1,81% angegeben, mit einer recht ho-
hen Standardabweichung der Meßwerte von 0,42%. Als maximale Auslegungsdehnung
wird daher die mittlere Bruchdehnung abzüglich der dreifachen Standardabweichung,
4.2 Dimensionierung des mechanischen Designs 57
also eine Dehnung von 0,55% empfohlen. Für das optimierte Design ergibt nach Gl. 4.9
ein εmax von etwa 0,36%, das also noch im empfohlenen Bereich liegt.
Federsteifigkeit für y-Verkippungen
In Abschnitt 2.3 wurde die Möglichkeit angedacht, auch die Deckel- und Bodenelektro-
den über und unter den Zinken der Antriebskämme zu nutzen, um die Kapazitätsände-
rung und damit das Antriebsmoment zu vergrößern. Als Nachteil wurde die Aufwei-
chung der mechanischen Feder genannt, die ein Verkippen der Struktur aus der Ebene
heraus, in diesem Fall besonders um die y-Achse, begünstigt. An den beiden äußeren
Paaren der Antriebskämme würde außerdem eine besonders unerwünschte Aufwei-
chung der Sense-Federsteifigkeit auftreten.
Um negative Effekte auszuschließen, sollte diese Antriebsverstärkung also einerseits
auf das mittlere Paar von Antriebskämen beschränkt werden, andererseits muß auch
die resultierende Resonanzfrequenz für Verkippungen um die y-Achse deutlich höher
liegen als die Arbeitsfrequenz.
Für die mechanische Federsteifigkeit bei y-Auslenkungen erhält man mit κy=dF
dF M −1
analog zur Herleitung von KD(Gl. 4.7)
Ky=E dFh3
3l3
F
l2
Fγ3+ 3 (R−L)lFγ2+ 3 lFL2−2RlF+ 2RlFα+R2γ+l2
F−3RlF+ 3R2κ−1
κγ4+ 4γ3+ (12α−6) γ2+ (12α2−12α+ 4) γ+κ−1.
Falls zur Erhöhung des Antriebsmomentes auch die Deckel- und Bodenelektroden über
und unter den Zinken der mittleren Antriebskämme mitbenutzt werden sollen, ergibt
sich entsprechend Gleichung 2.4 durch diese Aufweichung eine resultierende Federstei-
figkeit von etwa
KY,res ≈KY−ε0ϕmaxdZU2
D
d3
03R2nZ+ 6R2n2
ZbZ+ 3Rn3
Zb2
Z+n4
Zb3
Z.
Dabei ist berücksichtigt, daß die Zinken im Mittel halb eingetaucht sind und durch den
wechselseitigen Antrieb jede Zinke nur die Hälfte der Zeit innerhalb des aufweichenden
elektrischen Feldes liegt.
Für die optimierte Geometrie ergibt sich eine mechanische Resonanzfrequenz für
Schwingungen um die y-Achse, die beim 1,8-fachen der Driveresonanzfrequenz liegt.
Der geringere Anteil der schweren Senseelektroden am Massenträgheitsmoment um
die y-Achse und das Aspektverhältnis der dominanten „weichen“ Federstücke ließe ein
58 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
höheres Verhältnis erwarten, doch für diese Verkippung kann das mittlere Federstück
nicht mehr als starr angesehen werden, da die Verbreiterung nur linear in die Steifigkeit
eingeht statt kubisch wie bei der Driveauslenkung.
Die Federsteifigkeit wäre damit nicht einmal groß genug, die Antriebsverstärkung nur
des mittleren Kammpaares durch Boden- und Deckelelektroden zu ermöglichen. Zu-
mindest für Teststrukturen sollte also ganz auf diese Antriebsverstärkung verzichtet
werden. Wenn sich der Abstand der y-Resonanzfrequenz von der Antriebsfrequenz in
Versuchen als ausreichend auch für große Erschütterungen herausstellen sollte, könn-
te ein Teil der Antriebszinken dann doch mit Boden- und Deckelelektroden versehen
werden. Dabei ist der weiter innen liegende Teil zu bevorzugen, da der Abstand zum
Rotationsmittelpunkt mit höherer Potenz in die Federaufweichung eingeht als in der
Antriebsleistung.
Maximale Durchbiegung der Antriebszinken
Unter der einseitigen Kraftwirkung des Antriebs werden sich die Mittelstreben der
Kämme etwas biegen. Dadurch verlaufen auch die Zinken nicht mehr genau in der
Mitte zwischen den komplementären Statorzinken, erfahren also ebenfalls eine asym-
metrische Kraft, die sie verbiegt. Es muß sichergestellt werden, daß die Zinken nicht so
nahe aneinanderkommen, daß die Gefahr einer Berührung besteht.
Die größte Durchbiegung ist an den äußersten Zinken zu erwarten, die bereits an der
Aufhängung durch die Biegung der Mittelstrebe den größten Winkel gegenüber der
Mittellage aufweisen und außerdem am längsten und damit am anfälligsten für eine
Durchbiegung sind. Damit genügt es, die Durchbiegung an den Enden der äußersten
Zinken bei maximaler Eintauchung zu betrachten, um insgesamt die Gefahr von Berüh-
rungen abschätzen zu können.
Die folgende Gleichung für die Auslenkung ∆dZ,max des äußersten Zinkenendes aus
der Ruhelage geht vereinfachend von einer gleichmäßigen Kraftwirkung über die ganze
Länge des Kammes aus und vernachlässigt die durch die Krümmung der Zinke selbst
noch weiter erhöhte Kraft:
∆dZ,max =ϕG(R+ 2nZbZ)ε0U2(2nZbZ)3
dAbZE d3
G 1 + 11
5U2ε0
(ϕG(R+ 2nZbZ))4
E d3
Z!
4.2 Dimensionierung des mechanischen Designs 59
Wie bereits in Abschnitt 3.2.2 beschrieben, wurde zur Optimierung der Designparame-
ter ein Zufallsverfahren angewendet, bei dem die skalierbaren Parameter zufällig ver-
ändert werden, bis eine Anordnung alle Randbedingungen erfüllt und den zu optimie-
renden Wert der Ausgangsanordnung übertrifft. Die Parameter der neuen Anordnung
dienten dann als Ausgangswert für weitere Optimierungen.
Abb. 4.8 zeigt die resultierende Geometrie; der dort markierte Bereich ist in Abb. 4.9 als
mikrokopische Aufnahme zu sehen.
Abbildung 4.8: Gesamtbild des Rotationsschwingers. Die durchkreuzten Quadrate an den
inneren Federenden markieren die Einspannungspunkte, an denen die bewegliche Struktur
mit der (nicht dargestellten) starren Struktur verbunden ist, die praktischen den gesam-
ten inneren Bereich (abzüglich des Auslenkungsbereiches für den Rotationsschwinger) ein-
nimmt und mit Boden und Deckel verbunden ist. Die Senseelektroden bestehen aus den
großen äußeren Flächen für die Detektion und den kleinen inneren für den Antrieb der Re-
ferenzschwingung für die Sensefrequenzregelung und für die Rückkopplung.
60 Kapitel 4: Entwicklung des mechanischen Designs
Abbildung 4.9: Mikroskopaufnahme eines Ausschnittes aus einem teilprozessierten Senso-
relement. Man sieht ein äußeres Federstück, die ineinandergreifenden Antriebskämme, die
Stützen für den Deckel und die Ätzlöcher in den breiteren Strukturen. Der Pfeil deutet die
Richtung der Driveschwingung an.
61
5 Regelungstechnisches Konzept des
Sensors
5.1 Durchführung der Simulationen des
Gesamtsystems
Die Simulation auf Systemebene wurde mit dem Matlab-Modul Simulink durchgeführt.
Dabei werden die Zusammenhänge zwischen den mechanischen und elektrischen Zu-
standsgrößen durch Funktionsblöcke dargestellt. So wandelt beispielsweise ein Block
das in Senserichtung auf das Sensorelement wirkende Moment – in Abhängigkeit von
der aktuellen Drivegeschwindigkeit und der Drehung des Inertialsystems – in die re-
sultierende Auslenkung um. Andere Blöcke wandeln diese Senseauslenkung in die
Kapazität des Kondensators zwischen Rotationsschwinger und Elektroden um oder re-
präsentieren ein digitales Filter in der Auswertungsschaltung.
Die Formeln für die Blöcke des mechanischen Schaltungsteiles entstammen dabei der
analytischen Betrachtung aus Kapitel 4, die Übertragungskennlinien der Analogschal-
tung sind der Simulation auf Netzwerkebene entnommen. Die Logik der digitalen Bau-
elemente läßt sich unmittelbar in das Blockschaltbild übertragen.
Das Gesamtsystem ist zu komplex, um es anhand einer einfachen Größe wie z. B.
der Antwort des Ausgangssignals auf einen Sprung der Eingangsgröße, also der Dre-
hung des Inertialsystems, beurteilen zu können. Deshalb wurde als Eingangssignal ein
“Parcours” gewählt, der die für die Funktion des Sensors charakteristischen Zustände
durchfährt:
–das für typische Einsatzgebiete geforderte niedrigste Eingangssignal als Test für
den Rauschabstand,
62 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
–das üblicherweise maximal auftretende Eingangssignal als Test für Übersteue-
rung,
–ein rampenförmiges Signal als Test für die Linearität,
–ein schnell veränderliches Signal als Test für die Bandbreite und
–am Ende des Parcours ein Nullsignal als Test für Nullpunktverschiebung.
Abbildung 5.1: Testeingangssignal und typisches Fehlersignal (nichtmaßstäbliche Veran-
schauung). Das Eingangssignal in Höhe der Meßempfindlichkeit erzeugt ein vom Rauschen
dominiertes Fehlersignal, das spektral untersucht werden kann; das anschließende maxi-
male Eingangssignal liefert Aufschlüsse über das Verhalten bei Übersteuerungen und die
Rückkehr aus Zuständen mit gesättigten Akkumulatoren; das Rampensignal macht Linea-
ritätsprobleme sichtbar; das Eingangssignal mit steigender Frequenz führt bei mangelnder
Meßbandbreite zu Fehlern durch Verzögerungen; das Fehlersignal bei fehlendem Eingangs-
signal ermöglicht die Messung des Offset am Ende des Parcours.
Um den Einfluß numerischer Effekte bei bestimmten Meßgrößen zu verringern, werden
(bis auf das Rampensignal) sinusförmige Signale benutzt, deren Frequenz außerdem
langsam geändert wird, um auch hier einer Musterbildung vorzubeugen.
Für die einzelnen Abschnitte wird dann jeweils das Signal-Rausch-Verhältnis (signal to
noise ratio, SNR) ermittelt. Als weiterer Anhaltspunkt für das Systemverhalten wird die
Verteilung der Aussteuerungen kritischer Systemteile für jeden Parcoursabschnitt mit-
protokolliert, um Übersteuerung oder mangelnde Aussteuerung sichtbar zu machen.
5.1 Durchführung der Simulationen des Gesamtsystems 63
Außerdem kann es bei der Untersuchung des Systemverhaltens hilfreich sein, das Spek-
tralbild des Fehlersignals eines gefensterten Parcoursabschnittes zu betrachten.
Die durchgeführten Simulationen gehen von einer Abtastrate von 1 MHz und rund 10
kHz Resonanzfrequenz aus; eine leichte Verstimmung wird angenommen, um den Spe-
zialfall eines glatten Teilungsverhältnisses zu vermeiden. Als Drivegüte wird, wenn
nicht anders angegeben, 30 angenommen, als Sensegüte 5. Im Einzelfall werden zu-
sätzliche Simulationen mit höheren Güten durchgeführt, da die geringste Güte nicht
zwingend das ungünstigste SNR verursachen muß.
Das schaltungstechnische Konzept muß eine Reihe von Forderungen erfüllen:
–die Antriebsfrequenz muß geregelt werden, damit der Antrieb in Resonanz er-
folgt,
–die Spannung der Meßelektroden muß geregelt werden, damit die effektive Sen-
seresonanzfrequenz auf die Antriebsfrequenz fällt,
–um die Senseachse muß eine Schwingung angeregt werden, um die Sensereso-
nanzfrequenz regeln zu können, ohne das Nutzsignal dabei zu stören,
–das Nutzsignal soll für eine Gegenkopplung genutzt werden, die die mechanische
Auslenkung unterdrückt, und
–eine mögliche statische Verkippung um die Senseachse muß ausgeglichen werden.
All diese Forderungen sollen für einen weiten Toleranzbereich variierender Parame-
ter erfüllt werden. Dabei darf allerdings auch der schaltungstechnische Aufwand und
damit die von der Regelung eingenommene Chipfläche nicht zu groß werden. Ein ad-
aptives Regelungskonzept scheidet wegen des zu erwartenden Aufwandes bereits aus;
stattdessen muß eine robuste Reglerauslegung dafür sorgen, Übersteuerungen, Insta-
bilitäten oder mangelnde Empfindlichkeit für jede mögliche Parameterkombination zu
erreichen.
Im folgenden werden die Funktionsblöcke des Konzeptes diskutiert.
64 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
5.2 Funktionsblöcke
5.2.1 Eingangsstufen
Aufgrund der extrem kurzen Zeitkonstanten, die sich mit den kleinen, in CMOS-
Technik realisierbaren Widerständen und Kapazitäten erreichen lassen1, werden zur
Realisierung von Filtern SC-Schaltungen eingesetzt, bei denen geschaltete Kapazitäten
die Funktion von Widerständen übernehmen. Doch auch die damit erreichbaren Zeit-
konstanten sind durch die Leckströme der Kapazitäten in der zur Verfügung stehenden
Technologie auf einige Millisekunden begrenzt. Für die gewünschte Meßbandbreite
von 10 Hz erreicht man die bestmögliche Rauschunterdrückung also nur durch digitale
Filter. Da in den beabsichtigten Anwendungsbereichen ohnehin eine digitale Ausgabe
des Meßsignals gewünscht wird, empfiehlt sich ein frühzeitiger Übergang von analoger
auf digitale Signalverarbeitung; als Analog-Digital-Wandler kommen dabei aufgrund
ihrer Linearität und der einfachen Realisierung Sigma-Delta-Modulatoren erster Ord-
nung zum Einsatz.
Da der Drehschwinger selbst auf einem festen Potential liegen soll, um eine Signal-
kopplung mit dem Antrieb zu vermeiden (vgl. Abschnitt 2.4), wird zur Messung eine
Brückenschaltung gemäß Abb. 2.7b benutzt. Für eine gegebene Ruhekapazität von je-
weils C0für beide Elektrodenpaare des nicht ausgelenkten Rotationsschwingers wird
die Spannungsdifferenz an der Meßbrücke maximal für Referenzkapazitäten Cref =C0.
Da außerdem an den Rotorelektroden parasitäre Kapazitäten, z. B. gegenüber dem Sub-
strat, zu erwarten sind, muß Cref =C0+Cpar gewählt werden. Solange keine ver-
läßlichen Daten über die Größe der parasitären Kapazitäten vorliegen, sollte auf den
Testchips eine Abgleichmöglichkeit für Cref vorgesehen werden.
Durch Leckströme und Schalterrauschen ist eine Drift des Potentials an den Verstär-
kereingängen zu erwarten. Da ein ausreichend hochohmiger Widerstand zur Fixierung
des Potentials nicht realisierbar ist, schlägt [Cla97] eine Ersatzschaltung vor, bei der ein
MOS-Transistor die Aufgabe des Widerstandes übernimmt.
Eine Alternative bestünde darin, das Potential von Zeit zu Zeit wieder auf das Mit-
tenpotential zu schalten, was jedoch selten erfolgen sollte, da einerseits für diesen Vor-
1Um eine Zeitkonstante von einer Millisekunde zu erreichen, müßte man eine Fläche von fast der halben
Größe des gesamten Sensorelementes für einen Widerstand und Kondensator aufwenden. Für Zeit-
konstanten, wie sie zur effektiven Filterung realisiert werden müßten, würde also zu viel Chipfläche
benötigt.
5.2 Funktionsblöcke 65
gang jeweils ein Abtastwert geopfert werden muß und andererseits jeder Schaltvorgang
einen Rauschbeitrag in Form von kT/C-Rauschen liefert. Abb. 5.2 zeigt links oben die
um die Schalter Tz erweiterte Meßbrücke. Um möglichst wenig Nutzsignal einzubü-
ßen, sollte der Schaltvorgang von Tz bevorzugt in den bekannten Nulldurchgängen der
Senseschwingung stattfinden. Ein zeitweiliges Driften des Mittelwertes kann toleriert
werden, wenn statt einer konstanten Meßspannung Vref eine alternierende Spannung
verwendet wird, man sich also die mittelwertfreie Verstärkung des Trägerfrequenzver-
fahrens zunutze macht.
Abbildung 5.2: Die Meßbrücke mit den Detektionskapazitäten und nachgeschaltetem Vor-
verstärker sowie Demodulator und Integrationsstufe. Unten links wird die Ansteuerung
gezeigt: nach dem Entladen der Kapazitäten durch die Schalter Tz wird die Meßbrücke mit
einer alternierenden Spannung beschaltet. Mit der vorverstärkten Differenzspannung wer-
den bei Schaltern Ta in Mittelstellung die Kondensatoren Cageladen, deren Ladung dann je
nach Vorzeichen von USauf den passenden Kondensator Ciübertragen wird.
Bei den geringen Auslenkungen ist die Kapazitätsänderung der Detektionselektroden
symmetrisch: C1=C0+ ∆Cund C2=C0−∆C. In Abb. 5.2 ist eine Verstärkerstufe an
die Meßbrücke angeschlossen, die ein
∆Uv=US
∆C
Ca
liefert.
66 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
Die Integration der vorverstärkten Spannung übernimmt ein Differenzverstärker mit
SC-Beschaltung gemäß Abb. 5.2: die Ladung eines mit der vorverstärkten Spannung
geladenen Kondensators wird dabei auf den Kondensatoren Ciaufsummiert. Im Takt
der Spannung USwerden dabei die Kondensatoren gewechselt, so daß die Gleichtakt-
aussteuerung unterdrückt und nur das Differenzsignal summiert wird. Durch Modula-
tion der Ansteuerung von Tz kann gleichzeitig die Demodulation der Antriebsfrequenz
durchgeführt werden.
Über die Schalter Ti kann außerdem der Rückkopplungszweig des Sigma-Delta-
Modulators realisiert werden: ein nachfolgender Entscheider lädt Kapazitäten, deren
Ladung wieder von der auf den Integrationskondensatoren Ciabgezogen werden. Das
Ausgangssignal des Entscheiders dient dann als Eingang des digitalen Schaltungsteils.
Da das Nutzsignal linear mit der Abtastrate steigt, der zufällige Fehler durch verschie-
dene Rauschgrößen aber nur mit der Quadratwurzel aus der Abtastrate, sollte die
maximale Abtastrate gewählt werden, die bei der zur Verfügung stehenden CMOS-
Technologie realisierbar ist; hier wird zunächst von einer Größenordnung von einem
Megahertz ausgegangen.
Gleichzeitig mit der Demodulation des Abtastsignales kann man nun die Demodulation
mit der mechanischen Trägerfrequenz vornehmen; dazu wird das um 270◦2phasenver-
schobene Antriebssignal verwendet. Soweit es zum Senken des störenden Oberwel-
lenanteils einer gewöhnlichen Rechteckdemodulation vorteilhaft erscheint, kann auf
Kosten des Nutzsignales eine aussetzende Demodulation gemäß Abb. 5.3 verwendet
werden.
5.2.2 Antriebsregelung
Da sich die relevanten Systemeigenschaften wie Schwingungsgüten und Resonanzfre-
quenzen nur langsam ändern (im Bereich von Sekunden durch die Temperatur bis im
Bereich von Jahren durch veränderten Gasdruck infolge von Diffusion), ist die bestim-
mende Forderung für die Dimensionierung der Regler, daß nach spätestens einer Se-
kunde das System betriebsbereit sein muß. Das läßt Spielraum für sehr langsame und
stabile Regler, die nur digital ausgeführt werden können.
2Die 270◦setzen sich aus
–90◦Phasenverschiebung der resonanten Driveschwingung,
–90◦für die in das Coriolismoment eingehende zeitliche Ableitung der Driveschwingung und
–90◦Phasennacheilung durch die Senseresonanz
zusammen.
5.2 Funktionsblöcke 67
Abbildung 5.3: Aussetzende Demodulation: Gegenüber einer Rechteckdemodulation (oben
links, schwarz) verliert eine Demodulation, die im Bereich des Nulldurchgangs die Messung
aussetzt (links unten, grau) nur wenig an Amplitude beim Nutzsignal, unterdrückt aber
deutlich die dritte und fünfte Oberwelle, die durch die Rückkopplung störende Signalanteile
enthalten können, die bei schwach ausgeprägter Resonanz unzureichend durch die Mechanik
reduziert werden.
Für die Regelung der Antriebsfrequenz wird daher ein numerisch gesteuerter Oszil-
lator (numerically controlled oszillator, NCO) benutzt, d. h. ein digitaler Zähler, der ein
periodisches Ausgangssignal liefert, dessen Frequenz durch ein ebenfalls digitales Ein-
gangssignal gesteuert wird. Als Eingangsgröße dient also ein digitaler Frequenzwert,
der im NCO in einem Akkumulator aufsummiert wird, der bei Erreichen eines Schwel-
lenwertes die Richtung des Antriebssignales umkehrt. Zweckmäßigerweise wird man
den Schwellenwert auf eine Zweierpotenz legen, so daß sich das Antriebssignal und
andere für die Gesamtschaltung relevante Signale wie das Quadratursignal durch ein-
fache Bitoperationen erzeugen lassen und der Aufwand minimiert wird. Abbildung 5.4
zeigt eine Realisierung.
Wenn die Frequenz mit nBit repräsentiert wird, kann die Antriebsfrequenz durch den
Quantisierungsfehler um bis zu
∆ω=ω02−n−1
von der exakten Resonanzfrequenz abweichen (wenn man annimmt, daß die Resonanz-
frequenz näherungsweise bei 2nliegt). Die Amplitude sinkt dabei auf
x
x0
=Q22−2n+ 2−3n−1+ 2−4n−4+ 1 + 2−n+ 2−2n−2−1
2,
für höhere Bitzahlen gilt also die Näherung
x
x0≈2−2nQ2+ 1−1
2.
68 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
Mit 6 Bit Breite läge man mit dem Quantisierungsfehler also selbst bei hoher Güte (Q=
100) noch innerhalb der Halbwertsbreite der Resonanz, mit 8 Bit würden bei gleicher
Güte nur noch maximal ca. 7% an Amplitude eingebüßt.
Die notwendige Zählerbreite des NCO muß die k-malige Addition der Frequenz ermög-
lichen, wobei kdas Verhältnis von Zählerarbeits- zu Antriebsfrequenz ist. Bei dem an-
gestrebten Verhältnis von etwa 100 Additionen pro Periode muß der 8 Bit-Frequenzwert
also mindestens 100 im Zähler des NCO Platz finden. Mit 27= 128 >100 ergibt sich
eine interne Bitzahl von 8 + 7 = 15 Bit.
Abbildung 5.4: Realisierung des numerisch gesteuerten Oszillators zur Erzeugung von
Antriebs- und Demodulationssignal
Die Regelung selbst beruht auf der Detektion der Phasenabweichung zwischen dem
Antriebssignal und der gemessenen Driveschwingung. Einige Zinken der Antriebs-
kämme können für die Messung des Drivesignals benutzt werden; die Signalgewin-
nung kann mit der gleichen Schaltung erfolgen wie bei der Sensesignalgewinnung;
auch hier erfolgt die Messung mit einer Kapazitätsmeßbrücke und ein Sigma-Delta-
Modulator übernimmt die Analog-Digital-Wandlung.
Demoduliert wird mit dem Antriebssignal selbst, so daß das über eine halbe Schwin-
gungsperiode aufsummierte Signal bei Resonanz (90◦Phasenverschiebung) gerade ver-
schwindet. Ein digitaler PI-Regler wird so eingestellt, daß die Regelung gerade schnell
genug ist, um im Einschwingvorgang des Antriebs innerhalb einer Sekunde Betriebsbe-
reitschaft zu erreichen, dann wird die verbleibende Regelabweichung durch Meßfehler
und numerische Effekte minimal.
5.2 Funktionsblöcke 69
5.2.3 Regelung der Senseresonanzfrequenz
Für die Sensefrequenzregelung kann nicht auf die Phasenbeziehung des eigentlichen
Nutzsignales zurückgegriffen werden, da dieses nur vorliegt, solange eine Drehung des
Inertialsystems stattfindet, die Frequenzregelung aber kontinuierlich erfolgen sollte. Es
muß also eine zusätzliche Schwingung um die Senseachse angeregt werden, die aber
aus dem eigentlichen Nutzsignal vollständig wieder ausgekoppelt werden kann.
Diese Referenzschwingung kann angeregt werden, indem für einzelne Abtastwerte die
Messung unterbrochen wird, während derer eine Anregungsspannung an die Haupt-
elektroden angelegt wird, oder über separate Elektroden, über die dann auch die Rück-
kopplung erfolgt. Im einen Fall geht ein gewisser Anteil der Abtastwerte für die Mes-
sung verloren, im anderen Fall ein entsprechender Anteil an Meßkapazität. Der zweiten
Variante wird der Vorzug gegeben, da bereits ein einziger Impuls pro Halbwelle durch
die Detektionselektroden eine Schwingung erzeugt, deren Amplitude deutlich größer
ist als es für die Frequenzregelung erforderlich wäre.
Die Referenzschwingung wird gemessen und – genau wie bei der Antriebsregelung –
in Phase mit dem anregenden Signal demoduliert, so daß das Signal bei Resonanz ver-
schwindet. Dieses Signal steuert als Regelgröße über einen PID-Regler, die Meßspan-
nung an den Senseelektroden, deren elektrisches Feld die mechanische Feder aufweicht
und damit die Resonanzfrequenz beeinflußt (vgl. Abschnitt 2.4). Dadurch erhält man
zwar zunächst eine Abhängigkeit des Skalenfaktors von einer unbekannten Größe; die-
se Abhängigkeit wird jedoch durch Rückkopplung unterdrückt.
Die Umwandlung des digitalen Ausgangssignals des PID-Reglers in die analoge Meß-
spannung kann mit einem Sigma-Delta-Modulator erfolgen, der es zunächst in eine
1-Bit-Folge umwandelt, die dann durch geschaltete Kapazitäten geglättet werden kann:
ein Kondensator wird entsprechend dem jeweiligen Bitwert geladen und anschließend
parallel zu einem Kondensator mit n-facher Kapazität geschaltet, so daß ein Tiefpaßfil-
ter der Grenzfrequenz 1
n T mit der Abtastfrequenz Tentsteht. Abb. 5.5 zeigt die Reali-
sierung der Sensefrequenzregelung einschließlich der Glättung.
Das Referenzsignal läßt sich in Phase oder in Quadratur zum Nutzsignal anregen. Eine
Anregung in Quadratur hat zwar den Vorteil, daß das Nutzsignal nicht gestört wird,
doch dafür liegt es genau im Meßsignal für die Sensefrequenzregelung, das eigentlich
auf Null geregelt werden soll. Eine Anregung in Phase vermeidet dieses Problem, ver-
ursacht aber einen störenden Offset im Nutzsignal.
70 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
Abbildung 5.5: Regelung der Senseresonanzfrequenz: mit Einzelimpulsen auf die kleinen
Rückkopplungselektroden wird eine Referenzschwingung angeregt, die zur Entkopplung
vom Nutzsignal noch einmal moduliert wird (hier mit einem Achtel der Nutzfrequenz darge-
stellt, in Realität deutlich langsamer). Das Signal wird mit dem Antriebs- und dem Modula-
tionssignal demoduliert, wobei das Demodulationssignal jeweils nach dem Umschalten der
Antriebsrichtung eine Totzeit vorsieht, damit der Einschwingvorgang nicht die Messung
verfälscht. Durch einen Sigma-Delta-Modulator und anschließende SC-Tiefpaßfilterung
wird aus dem vielstelligen Digitalsignal des PID-Reglers eine analoge Spannung gewonnen,
die als Meßspannung benutzt wird und darüber das Resonanzverhalten beeinflußt (gestri-
chelt angedeutet).
5.2 Funktionsblöcke 71
Eine Entkopplung von Nutzsignal und Referenzsignal kann durch eine zusätzliche Mo-
dulation des Referenzsignals erreicht werden. Mit einer Phasenumtastung des Refe-
renzsignals würde es aus der Summe über ein Vielfaches der Taktlänge unterdrückt;
entsprechend würde die Summe über ein erneut umgetastetes Signal nur das Refernz-
signal durchlassen. Die Taktlänge dieser Modulation muß allerdings groß sein gegen
die Einschwingzeit der Senseresonanz, da eine Messung der Phasenverzögerung nur
im eingeschwungenen Zustand möglich ist.
Andererseits muß auch gewährleistet sein, daß die Entkopplung vollständig ist. Wenn
die Taktlänge der Referenzmodulation ein Vielfaches der Antriebsfrequenz ist, wird die
Aufsummierung des Nutzsignales, die sich am festen externen Takt orientiert, aufgrund
des in der Regel nicht ganzzahligen Taktverhältnisses Reste des Referenzsignals enthal-
ten, die das Ergebnis verfälschen. Wählt man stattdessen die Modulationsfrequenz als
ein Vielfaches der Ausgangsfrequenz des Meßsignals, kann das Referenzsignal fast voll-
ständig unterdrückt werden.
Um die Regelung von kurzfristigen Schwankungen frei zu halten, sollte jeweils zu-
nächst über eine gesamte Periode des Modulationstaktes integriert werden, bevor das
Ergebnis dieser Integration dem Regler zugeführt wird. Die Integrationsperiode wird
dabei phasenverschoben zum Modulationstakt gelegt, um Fehler durch lineare Ände-
rungen des Nutzsignales zu unterdrücken. Abb. 5.6 verdeutlicht das Prinzip.
5.2.4 Gegenkopplung
Die Übertragungskennlinie des Meßsignals enthält viele Nichtlinearitäten wie die Aus-
lenkungsabhängigkeit der Detektionskapazitäten und veränderliche Faktoren wie die
Resonanzgüte der Senseschwingung. Wie in Abschnitt 2.4 angekündigt, sollen beide
Effekte durch Betrieb in einem geschlossenen Regelkreis reduziert werden.
Analoge Signalrückkopplung
Wichtig ist dabei, Nichtlinearitäten im Rückkopplungszweig zu vermeiden, da diese al-
lenfalls mit erheblichem Aufwand kompensiert werden können. Bei kapazitiver Rück-
kopplung wird eine Abhängigkeit des Rückkopplungsmomentes von der Amplitude
der Detektionsschwingung vorliegen, die allerdings zu vernachlässigen ist, wenn der
geschlossene Regelkreis jede Auslenkung deutlich unterdrücken kann. Problematischer
72 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
Abbildung 5.6: Unterdrückung des Nutzsignales in der Regelgröße der Frequenzregelung:
in a) ist die demodulierte Regelgröße zu sehen. Die gestrichelten Linien geben die Amplitude
des im Beispiel zunächst ansteigenden und später wieder abfallenden Nutzsignales an; das
für die Regelung benötigte Signal durch die Referenzfrequenz tritt nur als kleiner Offset auf.
Starke Störungen des Reglers durch das Nutzsignal werden in b) unterdrückt, indem je-
weils eine Periode über das Signal integriert und nur der Integrationswert am Periodenende
(gestrichelt) an den Regler weitergeleitet wird. Die Änderung des Nutzsignales verfälscht
trotzdem den Wert, nur bei konstantem Nutzsignal in der Mitte des Ausschnittes wird der
korrekte Wert weitergegeben. Der Fehler wird in c) weiter unterdrückt, indem der Integra-
tionsausschnitt versetzt wird. Lineare Nutzsignaländerungen beeinflussen nun nicht mehr
den Integrationswert, lediglich an den Knickstellen tritt noch ein geringer Fehler auf.
ist die quadratische Abhängigkeit des Moments von der Spannung, die eine analoge
Rückkopplung erschwert.
Eine quadratwurzelförmige Kennlinie, die die quadratische Abhängigkeit kompensie-
ren würde, ist kaum mit vertretbarem Aufwand realisierbar. Eine Möglichkeit bestünde
darin, die rückzukoppelnde Spannung positiv und negativ mit einer Vorspannung ge-
genüber dem Rotationsschwingerpotential zu belegen und damit die mit- und die ge-
genkoppelnden Elektroden zu beschalten, wodurch sich im resultierenden Moment die
quadratischen Anteile gerade kompensieren würden:
MRK ∼(UV+URK)2−(UV+URK)2= 4UVURK
Die unerwünschte zusätzliche Federaufweichung, die die gleichzeitige Beschaltung bei-
der Elektroden bedeutet, fällt durch den insgesamt geringen Anteil der kleinen Elektro-
denflächen am Gesamtmoment kaum ins Gewicht. Abb. 5.7 zeigt oben eine mögliche
Realisierung. Dabei dient das Meßsignal der Drivedetektion als Vorspannung, die auf
diese Art aus der Übertragungsfunktion des Gesamtsystems entfernt wird: sie geht li-
near in die Senseamplitude ein, bestimmt aber gleichzeitig im Rückkopplungszweig,
wie stark die Senseschwingung unterdrückt wird.
5.2 Funktionsblöcke 73
Abbildung 5.7: Realisierung eines geschlossenen Regelkreises durch eine analoge Span-
nung, die mit einer Vorspannung zurückgekoppelt wird, um die quadratische Abhängigkeit
von der Spannung zu umgehen. Rechts ist die Senseebene dargestellt mit einer großen Meß-
und einer kleinen Rückkopplungselektrode. Links ist die Driveebene angedeutet, wo ein Teil
der Kämme zur Messung genutzt wird; wenn dieses Signal für die Sensegegenkopplung
verwendet wird, wird gleichzeitig die Abhängigkeit des Nutzsignals von der Driveamplitu-
de aufgehoben.
Der Hauptnachteil einer solchen analogen Rückkopplung besteht in der nicht völlig zu
vermeidenden Phasenverzögerung bei der Detektion der Driveschwingung. Eine pha-
senverschobene Rückkopplung führt aber bei starker Rückkopplung zu Instabilitäten.
Digitale Signalrückkopplung
Die Alternative stellt eine digitale Rückkopplung dar, die jedoch die Gefahr einer Nicht-
linearität durch Fertigungsschwankungen enthält, wenn die Kennlinie durch mehrere
Elektroden unterschiedlicher Geometrie zusammengesetzt werden soll. Außerdem wä-
re eine starke Fragmentierung der Elektroden vor allem im Deckel durch notwendige
Deckelstützen und zusätzliche Gasdiffusion fördernde Spalten technologisch proble-
matisch.
Abbildung 5.8: Digitale Rückkopplung über abgestufte Einzelelektroden, hier für 4 Bit dar-
gestellt. Die Unterteilung ist technologisch aufwendig und führt durch Fertigungstoleran-
zen leicht zu Nichtlinearitäten in der Rückkopplung.
74 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
Eine andere Variante zur digitalen Rückkopplung würde über diskrete Spannungsstu-
fen funktionieren. Die quadratische Abhängigkeit von der Spannung kann genauso
erfolgen, wie bei der analogen Rückkopplung vorgeschlagen. Allerdings würden bei
einem Verhältnis von 1:1000 zwischen Empfindlichkeit und Meßbereich ebensoviele
äquidistante Spannungen benötigt, was wiederum mit einem erheblichen Aufwand ver-
bunden wäre, insbesondere der Flächenbedarf wäre erheblich, wenn man weitgehende
Linearität gewährleisten möchte.
Bisherige Ansätze von Sensorschaltungen mit geschlossenem Regelkreis in CMOS-
Technologie (vgl. [BH95,LB99] bei Beschleunigungssensoren) lösen diese Probleme
durch eine 1-Bit-Rückkopplung, deren Kennlinie inhärent linear ist. Die Amplitude der
Rückkopplung muß dabei im Zeitmultiplex dargestellt werden. Abbildung 5.9a zeigt
eine mögliche Realisierung für den Rotationssensor.
Abbildung 5.9: Digitale Rückkopplung im Zeitmultiplex: oben wird das Prinzip gezeigt;
dabei stellt die Winkelgeschwindigkeit der Driveschwingung ˙ϕDeine Modulation für die zu
messende Eingangsgröße Ωydar. Nach Demodulation erzeugt der Sigma-Delta-Modulator
rechts aus dem Signal einen Bitstrom, der wieder moduliert zurückgeführt wird. Unten wird
der Signalweg für das Nutzsignal gezeigt: der Resonator wirkt als Tiefpaß; für die schnelle
Bitfolge wirkt er wie in Integrator, wodurch das Gesamtsystem als Sigma-Delta-Modulator
zweiter Ordnung aufgefaßt werden kann.
5.2 Funktionsblöcke 75
Für die Meßgröße wirkt die Übertragungsfunktion des mechanischen Resonators im
wesentlichen wie ein Integrator, insgesamt stellt die Schaltung also einen Sigma-Delta-
Modulator zweiter Ordnung dar (vgl. Abb. 5.9b); für tieffrequente Eingangssignale
wird das Quantisierungsrauschen also sehr gering.
Gegenüber dem Einsatz in Beschleunigungssensoren stellt sich allerdings das Problem,
daß kein gleichförmiges Signal, sondern eine Schwingung zurückgekoppelt werden
muß. Würde man das zeitdiskrete Rückkopplungssignal einfach in Phase mit dem
Nutzsignal modulieren, dann würden Rückkopplungsimpulse mit einen unterschied-
lichen Beitrag in die Stärke des rückgekoppelten Momentes eingehen, je nachdem, zu
welchem Zeitpunkt sie erfolgen.
Bei der Realisierung des Zeitmultiplex stellt sich also die Aufgabe, phasenrichtig den
Effektivwert der gemessenen Nutzsignalamplitude zurückzukoppeln. Bei den anderen
Varianten digitaler Rückkopplung (mehrere Elektroden, unterschiedliche Spannungs-
werte) läßt sich das einfach dadurch erreichen, daß jeweils eine ganze Halbwelle der
Antriebsschwingung die Rückkopplung konstant gehalten wird. Für eine Rückkopp-
lung im Zeitmultiplex wären diese Zeitschlitze aber zu lang: selbst bei idealer Aus-
steuerung – wenn also das maximale Eingangssignal durch ein permanentes Gegen-
kopplungssignal gerade kompensiert wird – würde ein minimales Eingangssignal, drei
Größenordnungen unter dem maximalen, nur bei jeder 500sten Antriebsperiode gegen-
gekoppelt, also mit Intervallen, die deutlich länger sind als die Einschwingzeit selbst bei
hoher Sensegüte. Statt also die Amplitude zu senken, wird die größtenteils unkompen-
sierte Schwingung gelegentlich durch einzelne Gegenkopplungsimpulse unterbrochen,
die dann wiederum eine wesentlich höhere Amplitude erzeugen, als es bei maximalem
Eingangssignal bei gleichzeitiger Gegenkopplung der Fall ist. Die Eingangstufe wird
dabei erheblich übersteuert.
Wünschenswert wäre eine Rückkopplung mit dem maximal in der Prozeßtechnologie
realisierbaren Takt, der auch für die Abtastung benutzt wird. Selbst dann läßt sich in-
nerhalb eines Taktes nur ein Verhältnis zwischen minimaler und maximaler Rückkopp-
lung von etwa 1:100 erreichen – bei niedrig ausfallender Güte (im Extremfall nur 5) noch
immer zu wenig, um das angestrebte Verhältnis von 1:1000 zu erreichen.
Einen Ausweg bietet die Kombination von Zeit- und Amplitudenmultiplex: ein Sigma-
Delta-Modulator wird erweitert, daß er nicht nur die Ausgangswerte ±Ukennt, son-
dern beispielsweise −U2,−U1,+U1und +U2. Unterhalb eines Eingangswertes −σwür-
de der Entscheider die Spannung U2auf das eine Elektrodenpaar schalten, oberhalb von
76 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
+σauf das andere Paar. Im Intervall zwischen −σund 0bzw. zwischen 0und σwürde
entsprechend U1auf das eine bzw. andere Elektrodenpaar geschaltet.
Bereits bei diesem Beispiel mit nur einem zusätzlichen Spannungswert ließe sich ein
ausreichender Maximalwert mit einer feinen Auflösung realisieren; der zusätzliche
Schaltungsaufwand für die Modifikation des Sigma-Delta-Modulators und für die Er-
zeugung einer zweiten Spannung mit hoher Linearität hält sich dabei in Grenzen. Zu
bevorzugen ist für die Realisierung der Digitalschaltung eine Zweierpotenz als Verhält-
nis der beiden Spannungen. Bei einem Verhältnis von 1:8 der beiden Spannungen er-
gibt sich wegen der quadratischen Amplitudenabhängigkeit einen Verhältnis der Rück-
kopplungsstärke von 1:64.
Wenn bei einer solchen zweistufigen Rückkopplung ein einzelner Rückkopplungsim-
puls mit der niedrigen Spannung gerade das kleinste zu detektierende Eingangssignal
kompensiert, könnte das maximale, also 1000-fach stärkere Eingangssignal z. B. durch
16 „starke“ Rückkoppelimpulse und anschließende 24 negative Impulse mit der nied-
rigen Spannung (16 (8) 2−24 = 1000) kompensiert werden. Innerhalb einer halben
Schwingungsperiode ließe sich damit theoretisch jede Schwingungsamplitude kompen-
sieren.
Der 1-Bit-Wandler läßt sich ohne großen Aufwand auf den zweiten Spannungswert er-
weitern, wenn das Verhältnis beider Werte, wie in diesem Beispiel, eine Zweierpotenz
ist. Der Entscheider wird zu einem vierstufigen Entscheider erweitert und der zum
Integrator zurückgeführte Wert wird einfach um die entsprechende Anzahl Binärstel-
len verschoben. Die Dimensionierung des Sigma-Delta-Modulators orientiert sich am
höheren Spannungswert.
Allerdings stellt sich noch ein anderes Problem: jeder Rückkopplungsimpuls liefert
einen unterschiedlichen Beitrag zur In-Phase-Schwingung des Nutzsignales, je nach-
dem, in welcher Phase er stattfindet. Man würde diese Abhängigkeitdurch einen Faktor
sin−1ϕausgleichen, der sich aber nicht mit befriedigendem Ergebnis realisieren ließe.
Das gleiche Verhalten erzielt man aber, indem man stattdessen einen Faktor sin ϕin der
inneren Rückführung vorsieht.
Der (nunmehr 2-Bit3-)Wandler wird damit dahingehend modifiziert werden, daß die
Impulse in der Rückführung entsprechend ihrem Beitrag zum In-Phase-Signal gewich-
tet werden. Anstatt also den jeweiligen Wert direkt zum Integrator zu addieren, wird
3Bei der Bezeichnung „2-Bit-Wandler“ darf man allerdings nicht an einen klassischen 2-Bit-Wert mit
aufeinanderfolgenden Binärstellen denken. Die darstellbaren Werte lauten ja −64,−1,1,64.
5.2 Funktionsblöcke 77
er erst mit einem Faktor multipliziert, der dem Sinuswert der Phase zum jeweiligen
Zeitpunkt entspricht.
Dafür wird ein digital nachgebildetes Sinussignal benötigt, das allerdings möglichst
einfach realisierbar sein muß, um den Flächenverbrauch für die digitale Schaltungstech-
nik gering zu halten. Es bietet sich eine Näherung an, die den Sinusbogen in mehrere
Abschnitte möglichst glattzahliger Steigung aufteilt. Eine Tabelle speichert dann diese
Steigung und einen dazugehörigen Offset. Der interne Zähler des NCO bestimmt mit
seinen höchstwertigen Bits den aktuellen Tabelleneintrag, die niederwertigen werden
mit dem Steigungswert aus der Tabelle multipliziert, der Offset wird dann dazuaddiert
und das Ergebnis schließlich zum Wandler der Rückkopplung geführt. Wenn die bei-
den Spannungswerte dort eine Zweierpotenz als Teilungsverhältnis besitzen, stellt die
Multiplikation einfach eine Bitverschiebung dar.
Abbildung 5.10: Abschnittsweise lineare Näherungen an einen Sinusbogen. Die Tabelle
zeigt die Steigung dreier möglicher Näherungen in vier Abschnitten des Bereichs zwischen
0◦und 90◦sowie den jeweiligen (absoluten) Fehler der Näherung. Kürzere Abschnitte und
eine feinere Quantisierung der Werte kann den Fehler zwar reduzieren, erhöht aber erheblich
den Schaltungsaufwand.
Im einfachsten Fall unterteilt man den Sinusbogen in acht Abschnitte mit den Steigun-
gen 2 (zwischen 0 und π/4), 1 (zwischen π/4und π/2), -1, -2, -2, -1, 1 und 2 (linke grau
78 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
hinterlegte Spalte der Tabelle von Abb. 5.10). Normiert man die so entstehende Kurve
mit einem Faktor N, daß kein systematischer Fehler vorliegt4
N=Rπ/2
0sin x dx
Rπ/4
02x dx +Rπ/2
π/4x−π
4+ 2π
4dx =1
7
32 π2,
ergibt sich ein auf den Maximalwert bezogener mittlerer Fehler von 2,2 %.
Die weiteren beiden Näherungen in Abb. 5.10 senken den Fehler weiter, indem sie kür-
zere Abschnitte einteilen (Mitte) und eine feinere Quantisierung der Steigungen zulas-
sen (rechte Spalte). Dabei steigt der Aufwand für die Realisierung der Tabelle und der
Multiplikation von Steigung und Zähler: solange man sich auf glatte Zweierpotenzen
beschränkt, kommt man mit einer einfachen Verschiebung aus.
Abb. 5.11 zeigt die Realisierung der mittleren Näherung (4-4-2-1) in digitaler Schal-
tungstechnik und veranschaulicht, daß mit relativ wenig schaltungstechnischem Auf-
wand bereits eine brauchbare Näherung erzeugt werden kann, wenn man sich bei den
Steigungen auf glatte Zweierexponenten beschränkt.
Ein verbleibendes Problem besteht darin, daß im Bereich des Nulldurchgangs die Rück-
führung fast keinen Einfluß auf das In-Phase-Signal hat, wodurch häufig in diesem Be-
reich sehr viele Impulse in gleicher Richtung aufeinanderfolgen, die zwar zunächst das
Nutzsignal nicht verfälschen, aber ein großes, zufälliges Quadratursignal erzeugen, das
auch die Eingangsstufe des In-Phase-Signals in die Übersteuerung treiben kann.
Das Problem läßt sich reduzieren, indem die Rückkopplung im Bereich des Nulldurch-
gangs ausgesetzt wird. Der Anteil am gesamten Rückkopplungsbeitrag zum Nutzsi-
gnal ist in dem Bereich ohnehin gering und die Übersteuerungen im Quadratursignal
können so vermieden werden. Allerdings macht sich ein anderer Effekt bemerkbar:
ein gleichmäßiges Eingangssignal, also auch das Referenzsignal für die Sensefrequenz-
regelung, produziert neben dem beabsichtigten In-Phase-Signal auch ein regelmäßiges
Quadratursignal. Da dieses auch der Modulation des Referenzsignals folgt, täuscht es
eine Phasenverschiebung vor, so daß der Sensefrequenzregler einen falschen Wert an-
nimmt.
4Diese Normierung ergibt sich im modifizierten Sigma-Delta-Modulator von selbst; lediglich der Aus-
steuerungsbereich verschiebt sich durch den Faktor, ebenso wie es beim Rückführungsfaktor eines
gewöhnlichen Sigma-Delta-Modulators der Fall ist. Da die zweistufige Rückführung für den Aus-
steuerungsbereich einen Spielraum läßt, kann der Faktor einfach durch die nächste glatte Zweierpo-
tenz berücksichtigt werden, wodurch kein zusätzlicher schaltungstechnischer Aufwand entsteht.
5.2 Funktionsblöcke 79
Abbildung 5.11: Realisierung eines digitalen Sinusgenerators: oben links werden mit nur
fünf Gattern die drei möglichen Steigungen identifiziert; rechts daneben findet die Multi-
plikation von Steigung und Zähler statt, indem die Wertigkeit der Zählerbits xn−4bis xn−7
entsprechend der Steigung verschoben wird . Anschließend wird der so gewonnene Vier-
Bit-Wert für Abschnitte mit negativer Steigung negiert (Zweierkomplement). Unten links
werden die fünf Bit für den Offset aus den höherwertigen Bits gewonnen und mit den Ad-
dierern rechts zu dem Steigungswert oben addiert.
80 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
Um auch dieses Problem zu vermeiden, wird eine separate Regelung benötigt, die auch
das Quadratursignal unterdrückt. Jeder der Zweige bestimmt das Rückführungssignal,
während das gewichtende Signal des anderen gerade den Nulldurchgang hat; so ist ge-
währleistet, daß der Einfluß auf das jeweils andere Signal gering bleibt und das System
stabil ist. Abb. 5.12 zeigt diese doppelte Rückführung.
Abbildung 5.12: Kombinierte Rückkopplung für InPhase- und Quadratursignal mit pha-
sengewichtetem 2-Bit-Quantisierer. Der Entscheider aus Abb. 5.9 ist einem vierstufigen
Quantisierer gewichen, InPhase- und Quadratursignal werden getrennt verarbeitet. Um die
Phase des rückgekoppelten Signales zu gewichten, wird für die innere Rückführung jeweils
mit einem digital erzeugten Sinussignal multipliziert. Der Schalter wird von einem NCO-
generierten Takt mit doppelter Arbeitsfrequenz gesteuert und schaltet jeweils das Signal für
die Rückkopplung durch, dessen Gewichtung gerade höher ist, also z. B. die Quadraturrück-
kopplung während des Nutzsignalnulldurchganges.
Damit ergibt sich ein Gesamtkonzept, daß in der Simulation mit ungünstigen Parame-
tern (Sensegüte 5 und Drivegüte 30) eine minimale Drehung noch mit einem Rauschab-
stand von 6 dB messen kann; das maximale Signal erreicht ein SNR von 48 dB, erreicht
also ebenfalls die geforderte Empfindlichkeit. Bei höherer mechanischer Resonanzgüte
steigt das SNR zunächst an, fällt dann aber übersteuerungsbedingt wieder ab. Für ei-
ne endgültige Auslegung der Schaltung wäre es damit nötig, den Schwankungsbereich
der Schwingungsgüten genauer zu kennen.
Abb. 5.13 zeigt das soweit entwickelte Gesamtschaltbild.
5.2 Funktionsblöcke 81
Abbildung 5.13: Das Gesamtschaltbild gemäß den vorgestellten Überlegungen: links in
der Mitte grau unterlegt ist die vorgegebene mechanische Regelstrecke; die einzelnen Ele-
mente wie A/D- und D/A-Wandler, NCO und der kombinierte Gegenkopplungsregler aus
Abb. 5.12 sind zugunsten der Übersicht nicht detailliert aufgeführt; im NCO sind zur Ver-
deutlichung die wichtigsten Signale dargestellt, die darin generiert werden. Alle Meßsignale
werden nach der Demodulation sofort in 1-Bitströme umgewandelt, die in einem zurück-
setzbaren Summierer über eine halbe Periode aufsummiert werden. Dieses abgetastete Sum-
mensignal wird dann jeweils weiterverarbeitet. Der externe Takt liefert ein Vielfaches der
Ausgangsabtastfrequenz sowie ein versetztes Demodulationssignal gemäß Abb. 5.6.
82 Kapitel 5: Regelungstechnisches Konzept des Sensors
83
6 Zusammenfassung
Ein Konzept für einen Rotationssensor auf Grundlage einer neuartigen, dreischichti-
gen mikromechanischen Prozeßtechnologie wurde vorgestellt. Das Konzept konzen-
triert sich nach prinzipiellen Vorüberlegungen im zweiten Kapitel auf den vielverspre-
chenden Ansatz eines Rotationsschwingers, der kapazitiv zu einer Schwingung in der
Chipebene angeregt wird, die unter Einwirkung der zu messenden Rotation durch Co-
riolisbeschleunigung eine Schwingung aus der Chipebene heraus induziert, die sich
wiederum kapazitiv messen läßt.
Gegenüber früheren Arbeiten besteht eine grundsätzliche Besonderheit in dem drei-
schichtigen Aufbau, der es ermöglicht, neben Bodenelektroden auch Deckelelektroden
für die Detektion der Schwingung aus der Chipebene heraus zu nutzen. Dieses neue
Design bietet gleich mehrere Vorteile:
–lineare Beschleunigungen, die auf den Rotationsschwinger wirken, werden durch
Symmetrien kompensiert;
–bereits als Ergebnis des Ätzprozesses erhält man eine gekapselte Struktur und
erspart sich einen separaten Deckelungsvorgang;
–die Meßspannung an den Elektroden über und unter dem Drehschwinger er-
zeugt ein symmetrisches elektrisches Feld, das die mechanische Federaufhängung
aufweicht und damit die Resonanzfrequenz regeln kann, während die einseitige
Kraftwirkung bei fehlender Deckelelektrode den Drehschwinger aus der Ebene
mit den Statoren zieht und damit den Antrieb beeinträchtigt;
–die Detektionsschwingung sowie Störschwingungen können durch ein angepaß-
tes Feld kompensiert werden, so daß die Messung in einem geschlossenen Re-
gelkreis erfolgen kann. Damit können die Kennlinie des Systems linearisiert und
84 Kapitel 6: Zusammenfassung
unbekannte Skalarfaktoren unterdrückt werden, wodurch auf einen individuellen
Abgleich jedes Chips verzichtet werden kann;
–wenn die Schichtdicke der beweglichen Struktur größer ist als die Opferschicht-
dicke darüber und darunter, kann die Hauptursache von erschütterungsbeding-
ten Sensordefekten ausgeschlossen werden, nämlich das Festklemmen der beweg-
lichen Struktur, wenn sie sich unter der Aufprallbeschleunigung über die statische
Struktur geschoben hat.
Gleichzeitig bringt dieses Design aber auch Nachteile mit sich, die besondere Anfor-
derungen an das Konzept stellen. Vor allem kann die Kapselung durch Abscheiden
einer Deckelschicht Gasdiffusion nur in geringerem Umfang verhindern als bei einer
externen Kapselung. Damit läßt sich nicht das sonst in der Oberflächenmikromechanik
übliche Hochvakuum erzeugen. Die höhere Dämpfung der Schwingungen resultiert in
geringeren Resonanzgüten, reduziert also die erreichbaren mechanischen Auslenkun-
gen und erhöht gleichzeitig die störende Wärmebewegung des Sensorelementes.
Zu den Maßnahmen, trotz dieser Einschränkung eine gute Sensorempfindlichkeit zu
erreichen, gehören
–eine optimierte Antriebsgeometrie und eine Spannungsvervielfacherschaltung,
um das Antriebsmoment zu erhöhen,
–eine Regelung sowohl für die Antriebsfrequenz als auch für die Resonanzfrequenz
der Senseschwingung, so daß beide Schwingungen resonant sind,
–ein fehlertolerantes Konzept, das es erlaubt, ungünstige Parameter in Teilberei-
chen durch überdurchschnittliche Parameter anderer Teilbereiche zu kompensie-
ren.
Eine weitere wichtige Beschränkung durch die Prozeßtechnologie stellt die Begrenzung
der Schichtdicke des Sensorelementes dar. Dadurch bleibt das Aspektverhältnis der Bal-
kenfedern, an denen das Sensorelement aufgehängt ist, geringer als es wünschenswert
wäre, um die Mechanik für Bewegungen aus der Chipebene heraus steif zu machen.
Insbesondere das neuartige, patentierte Federdesign mit Doppelgelenkfedern hilft,
trotz der dünnen Schichten ein attraktives Verhältnis von Federsteifigkeiten zu erhal-
ten. Bei diesem Federdesign können die Federn in der Senseachse liegen, so daß sich
85
das Störsignal einer Schwingung, die durch asymmetrische Ätzflanken in den Balkenfe-
dern hervorgerufen werden kann, durch Symmetrie fast vollständig unterdrücken läßt.
Damit wird ein individueller Abgleich dieses Störsignals eingespart, das sich als kon-
stanter Offset im Meßsignal bemerkbar macht.
Der Abgleich weiterer exemplarspezifischer Parameter wird durch den Betrieb in ei-
nem geschlossenen Regelkreis eingespart; gleichzeitig kann dadurch die Nichtlinearität
der kapazitiven Detektion reduziert werden. Die Rückkopplung findet ebenfalls ka-
pazitiv, über separate Elektroden statt. Mit einer Kombination von Zeitmultiplex und
zwei Spannungsstufen läßt sich mit relativ geringem Schaltungsaufwand eine feinstufi-
ge Rückkopplung realisieren. Um die Phasenabhängigkeit der Rückkopplung im Zeit-
multiplex zu berücksichtigen, wird ein Sigma-Delta-Modulator um eine Gewichtung
mit einer digital erzeugten Sinusnäherung der Rückführung erweitert.
Bei der Schaltungstechnik wurde auf platzsparende Realisierbarkeit geachtet; so wur-
den durch frühzeitigen Analog-Digital-Übergang großflächige Glättungskondensato-
ren vermieden und die digitale Signalverarbeitung wurde unter Ausnutzung von Ver-
einfachungen in ihrem Umfang beschränkt, wie am Beispiel des Sinusgenerators vorge-
führt wurde.
Während der Entwurf mikromechanischer Sensoren üblicherweise in vielen Entwick-
lungszyklen verläuft, die jeweils die Messung an Prototypen beinhalten (vgl. [TLN98,
S. 67]), stützte sich diese Arbeit ausschließlich auf Berechnungen und Simulationen.
Die dafür entwickelten Methoden könnten sich dafür eignen, die Entwicklungszeit zu-
künftiger Projekte durch Einsparung einzelner Entwicklungszyklen mit zeitaufwendi-
ger Prozessierung und Messung zu verkürzen.
Gemäß den Berechnungen und Simulationen dieser Arbeit ermöglicht dieses Konzept
eine Meßgenauigkeit von 0,1◦/s (zum Vergleich: das entspricht gerade der Rotationsge-
schwindigkeit des Minutenzeigers einer Uhr) bei einer Bandbreite von 10 Hz und einem
Meßbereich von ±100 ◦/s; würde also die typischen Anforderungen an Rotationssenso-
ren für die Automobil- und Unterhaltungsindustrie erfüllen.
86 Kapitel 6: Zusammenfassung
87
7 Ausblick
Für eine Fortführung des Projektes müssen zunächst die Probleme der Prozeßtechno-
logie überwunden werden. In einem ersten Schritt hieße das, eine bewegliche Struktur
herzustellen, mit deren Hilfe man verläßlichere Aussagen vor allem für die Dämpfung
der Schwingungen in Drive- und Senserichtung gewinnen kann.
Für diese ersten Pilotmessungen ist es noch nicht zwingend notwendig, Mechanik und
Schaltungstechnik auf demselben Chip integrieren zu können, da die Reduzierung der
Meßgenauigkeit durch die parasitären Kapazitäten an den Leitungen zu einer externen
Auswertungsschaltung durch eine entsprechend lange Meßdauer ausgeglichen werden
können.
Dabei hat man den Vorteil, höhere Spannungen für den Antrieb verwenden zu können,
als dies auf einem Chip mit Prozessierter Schaltungstechnik möglich wäre. So ließe sich
bei der Charakterisierung der Driveresonanz der Drehschwinger über die wenigen, ei-
gentlich für die Detektion vorgesehenen Kammzinken antreiben, so daß der Großteil
der Zinken für die Detektion zur Verfügung stünde. Ebenso ließe sich über die zur
Rückkopplung vorgesehenen „kleinen“ Senseelektroden eine Senseschwingung kapa-
zitiv anregen, die eine deutlich höhere Schwingungsamplitude ermöglicht, als es durch
das Coriolismoment möglich wäre.
Es ließe sich also für beide Hauptachsen die Schwingungsamplitude für verschiede-
ne Anregungsamplituden und -frequenzen aufnehmen, um für den nächsten Entwick-
lungsschritt Daten für die Exemplarstreuung der Resonanzfrequenzen, der Dämpfung
und der Nichtlinearität zu gewinnen.
Das schaltungstechnische Konzept für das endgültige Sensorsystem mit geschlossenem
Regelkreis beruht zwingend auf einer auf demselben Chip mit dem Sensorsystem inte-
grierten Auswertungsschaltung. Hauptproblem bei der Realisierung wird die Topolo-
giestufe durch die mittlere mikromechanische Schicht sein. Falls die bei den Pilotmes-
88 Kapitel 7: Ausblick
sungen ermittelten Parameter günstiger als angenommen liegen, wäre es möglich und
sinnvoll, das Konzept auf eine geringere Schichtdicke anzupassen, um Technologiepro-
bleme zu reduzieren.
Erst anhand eines solchen Chips mit integrierter Schaltungstechnik werden sich dann
auch Probleme identifizieren lassen, die in den durchgeführten Simulationen mögli-
cherweise nicht aufgefallen sind und anhand derer das Konzept modifiziert werden
kann. Diese Unsicherheit verhindert zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch einen verläß-
lichen Zeitplan für die weitere Entwicklung bis zur Marktreife.
Auf der anderen Seite ist auch keine Konkurrenzentwicklung bekannt, die eine ver-
gleichbar günstige Fertigung ermöglichen würde. Der Markt dafür wäre angesichts
der prognostizierten Wachstumszahlen für Rotationssensoren im angepeilten Anwen-
dungsbereich aber zweifellos vorhanden.
Die erfolgversprechenden Simulationen sprechen damit dafür, die Anstrengungen fort-
zuführen und zu intensivieren, um rechtzeitig auf dem Markt präsent zu sein.
89
A Anhang
A.1 Verwendete Formelzeichen
bZdurchschnittlicher Zinkenabstand an den Antriebskämmen, der antei-
lig die Lücken durch Deckelstützen mitbetrachtet
d0Zwischenraum zwischen der beweglichen und den unbeweglichen
mechanischen Schichten; Opferschichtdicke
dAprozeßtechnischer Mindestabstand zwischen zwei Strukturen der be-
weglichen Mechanikschicht
dFBreite einer Balkenfeder
dZprozeßtechnische Mindestbreite einer mechanischen Struktur
DD/DSDämpfungskonstante der Drive-/Senseschwingung
EElastizitätsmodul von Polysilizium
GSchubmodul von Polysilizium
hHöhe der beweglichen Mechanikschicht
JD/JSMassenträgheitsmoment um die Drive-/Senseachse
KD/KSDrehfedersteifigkeit der Drive-/Senseschwingung
lFLänge der Balkenfeder, an der der Rotationsschwinger aufgehängt ist
MCCoriolismoment um die Senseachse durch Ωy
nZZahl der Zinken pro Antriebskamm
QD/QSResonanzgüte der Drive-/Senseschwingung
RbRadius des Drehschwingerbügels, wo Federn und Antriebskämme
einander berühren
UDAntriebsspannung zwischen beweglichen und statischen Antriebs-
kämmen
USSensemeßspannung
90 Kapitel A: Anhang
αrelativer Anteil des inneren „weichen“ Federstücks an der Gesamt-
länge der Doppelgelenkfeder
γrelativer Anteil des mittleren „steifen“ Federstücks an der Gesamtlän-
ge der Doppelgelenkfeder
λDichtefaktor für gelochte Strukturen; für eine ungelochte Fläche ist
λ= 1
µDeffektive Antriebsgeometrie
µSeffektive Detektionsgeometrie
ϕD/ϕSAmplitude der Drive-/Senseschwingung
ρSi spezifische Dichte von Polysilizium
ωD/ωSResonanzfrequenz der Drive-/Senseschwingung
ΩyWinkelgeschwindigkeit des Inertialsystems, also die zu messende
Größe
A.2 Herleitung des Coriolismomentes
Allgemein wird die Coriolisbeschleunigung geschrieben als
~aC= 2~v ×~
Ωy.
Jeder infinitesimale Massenpunkt ∂m steuert darüber einen Beitrag ∂~
MCzum Coriolis-
moment bei:
∂~
MC=~
∂m r ×~aC= 2∂m~r ×~v ×~
Ωy= 2∂m ~v ~r ~
Ωy−~
Ωy(~r~v)
Da bei einer Drehschwingung Geschwindigkeit und Radius immer senkrecht aufeinan-
der stehen, ist ~r~v = 0. In dem übrig bleibenden Term setzt man ~v =−→
˙ϕD×~r mit der
momentanen Kreisfrequenz −→
˙ϕD, die nicht mit −→
ωD, der Frequenz der Driveschwingung
verwechselt werden darf:
∂~
MC= 2∂m −→
˙ϕD×~r~r ~
Ωy
= 2∂m (( ˙ϕD~ez×r~er) (r~erΩy~ey))
= 2∂mr2˙ϕDΩy(~ez×~er) sin ρ
= 2∂mr2˙ϕDΩy(cos ρ~ey−sin ρ~ex) sin ρ
A.2 Herleitung des Coriolismomentes 91
Dabei ist ρder Winkel von ~r gegenüber der x-Achse. Integriert man nun über alle Mas-
sepunkte des Drehschwingers, so werden sich aus Symmetriegründen die y-Anteile des
Momentes gegenseitig auslöschen, und es bleibt:
∂~
MC=−2∂m (rsin ρ)2˙ϕDΩy~ex.
Für das gesamte Coriolismoment gilt damit mit dem Sense-Trägheitsmoment JS=
Rm(rsin ρ)2dm
~
MC=−2JS˙ϕDΩy~ex
und schließlich mit ˙ϕD=jωϕD
MC=−j2JSωϕDΩy(A.1)
92 Kapitel A: Anhang
Literaturverzeichnis 93
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Danksagungen
Mein Dank gilt vor allem Herrn Prof. Dr.-Ing. Reinhold Noé für die Betreuung dieser
Arbeit, für die Freiheiten, die er meiner Forschung gewährt hat und dabei doch jederzeit
für wichtige Ratschläge und Anregungen ansprechbar blieb.
Meinem Kollegen Sebastian Hoffmann danke ich für zahllose Fachgespräche, die neue
Ideen und Ansätze für diese Arbeit angestoßen haben, sowie für seine schaltungstech-
nischen Beiträge zum Sensorkonzept. Auch meinen anderen wissenschaftlichen und
nichtwissenschaftlichen Kollegen möchte ich für ihre fachliche und nichtfachliche Un-
terstützung herzlich danken.
Der Firma Infineon Technologies, vor allem Robert Aigner und seinem Team, danke ich
für die Arbeit an der Prozeßtechnik und die Herstellung von Testchips. Insbesondere
möchte ich mich bedanken bei
–Hergen Kapels, der mir stets für Fragen zu den Möglichkeiten und Grenzen des
Prozesses zur Verfügung stand,
–Torsten Reimann, der viele Frustrationen und Rückschläge bei den Bemühungen
um meßbare Strukturen auf sich genommen hat,
–Birgit Holzapfl für die Unterstützung bei technischen Problemen mit der Cadence
Software,
–Holger Wende, Hans-Jörg Timme und Marc Chapuis für die Bemühungen um
ASCIA,
–Uwe Feldmann, Marc Tiebout und Carsten Hammer für ihre Arbeit am Simulator
Titan bzw. für die Unterstützung bei Problemen mit dessen Zusammenarbeit mit
Cadence.
100 Literaturverzeichnis
Peter Voigt von der TU München danke ich für die Zusammenarbeit bei der Mechanik-
Modellierung in Cadence. Bei Bettina Prillwitz und Bernd Folkmer vom IMIT möchte
ich mich für die FEM-Analysen des Mechaniklayouts bedanken.
Herrn Prof. Dr. Hilleringmann vom Fachgebiet Sensorik an der Universität Paderborn
und seinem Mitarbeiter Heinz Funke bin ich zu Dank verpflichtet für die Benutzung
des Nadelmeßplatzes und des Elektronenmikroskopes sowie für die Zeit, die die Ein-
weisung in beides verschlungen hat.
Den Programmierern etlicher freier Software – insbesondere von LYX–, die mir beim
Verfassen dieser Arbeit gute Dienste getan hat, danke ich für diese geschenkten, rei-
bungslos funktionierenden Werkzeuge, die ihren Teil dazu beigetragen haben, daß ich
mich ganz auf die Wissenschaft konzentrieren konnte.
Ein besonders herzlicher Dank gilt meinen Eltern, deren unschätzbare Unterstützung
mir in solchen Momenten erst wieder richtig bewußt wird, und meiner Frau Michaela
und meinen Kindern für all die Aufmunterung und moralische Unterstützung während
quälender Phasen der Arbeit sowie für das Verständnis, das sie für meinen raren Anteil
am Familienleben aufgebracht haben.