Forschungsberichte
des
Fachbereichs Agrarwirtschaft Soest
Universität - Gesamthochschule Paderborn
Nr. 13
"Umweltschonende Verwertung von Klärschlamm
in der Landwirtschaft
P-Wirkung des Klärschlammes in Abhängigkeit
von der P-Fällung und vom Substrat"
© 2001
Forschungsschwerpunkt
"Umweltverträgliche und standortgerechte Landwirtschaft"
Universität-Gesamthochschule Paderborn, Abteilung Soest
Fachbereich Agrarwirtschaft
Lübecker Ring 2
59494 Soest
Tel.: 02921/378210
Fax.: 02921/378200
ISSN: 1435 - 3032
ISBN: 3 - 935807 - 06 - 6
Druck: Universität-Gesamthochschule Paderborn
Forschungsberichte
des
Fachbereichs Agrarwirtschaft Soest
Universität - Gesamthochschule Paderborn
Nr. 13
"Umweltschonende Verwertung von Klärschlamm
in der Landwirtschaft
P-Wirkung des Klärschlammes in Abhängigkeit
von der P-Fällung und vom Substrat"
Vom Fachbereich Philosophie, Geschichte, Geographie,
Religions- und Gesellschaftswissenschaften der
Universität-Gesamthochschule Paderborn
zur Erlangung des akademischen Grades eines
Doktors der Philosophie
- Dr. phil.-
angenommene Dissertation
von
Dipl.-Ing. agr. Ortrun Onnen
II
1. Gutachter: Prof. Dr. K. Barth, Fachbereich 1 Geographie
Universität-Gesamthochschule Paderborn
2. Gutachter: Prof. Dr. J. Oehmichen, Fachbereich 9 Agrarwirtschaft
Universität-Gesamthochschule Paderborn
Tag der Prüfung: 11.07.2001
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III
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Inhaltsverzeichnis
0 Verzeichnisse III
1 Einleitung und Zielsetzung 1
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm 3
2.1 Entstehung von Klärschlamm 3
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen 8
2.2.1 Abfallgesetze 9
2.2.2 Wasserhaushaltsgesetz 10
2.2.3 Klärschlammverordnung 10
2.2.4 Klärschlamm-Entschädigungsfonds 13
2.2.5 Düngerecht 13
2.2.6 Bundesbodenschutzgesetz 14
2.3 Stoffliche Zusammensetzung von Klärschlamm 15
2.3.1 Stickstoff 17
2.3.2 Phosphor 18
2.3.3 Kalium, Calcium und Magnesium 22
2.3.4 Schwermetalle 23
2.3.5 Organische Schadstoffe 29
2.4 Initiativen zum umweltverträglichen Klärschlammeinsatz 34
3. Material und Methode 40
3.1 Versuchsfaktoren 40
3.1.1 Klärschlamm 40
3.1.2 Standort 43
3.1.2.1 Beschreibung der Böden 44
3.1.2.2 Bodenkundliche Kennzeichnung des Substrates 47
3.2 Anlage des Versuches 49
3.2.1 Das erste Untersuchungsjahr 49
3.2.2 Das zweite Untersuchungsjahr 50
3.2.3 Das dritte Untersuchungsjahr 51
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IV
3.3 Durchführung des Versuches 51
3.4 Witterung 52
3.5 Analysen 55
3.5.1 Pflanzen: Entnahme - Behandlung - Untersuchung 55
3.5.2 Boden: Entnahme - Behandlung - Untersuchungen 56
3.6 Statistische Auswertung 57
4 Ergebnisse 57
4.1 Einfluß der Klärschlamm-Düngung auf das Pflanzenwachstum 57
4.1.1 Erträge und P-Entzüge im ersten Untersuchungsjahr 58
4.1.2 Erträge und P-Entzüge im zweiten Untersuchungsjahr 60
4.1.3 Erträge und P-Entzüge im dritten Untersuchungsjahr 67
4.1.4 Auswirkungen der Klärschlammdüngung auf die Anbaufolge 72
4.2 Einfluß der Klärschlamm-Düngung auf den Boden 78
4.2.1 Veränderungen des pflanzenverfügbaren Phosphates innerhalb
der Anbaufolge 78
4.2.2 Veränderungen des Gesamt-P-Gehaltes innerhalb der Anbaufolge 82
4.2.3 Veränderungen der P-Fraktionen innerhalb der Anbaufolge 85
5 Diskussion 91
5.1 Einfluß der Düngung auf die Erträge 91
5.2 Einfluß der Düngung auf die P-Entzüge 95
5.3 Einfluß der Düngung auf den pflanzenverfügbaren
Phosphat-Gehalt im Boden 105
5.4 Einfluß der Düngung auf die Gesamt-P-Gehalte 108
5.5 Einfluß der P-Fällung auf die P-Fraktionierung im Boden 112
6 Ausblick und abschließende Betrachtung 115
7 Zusammenfassung 122
8 Literaturverzeichnis 127
9 Anhang 135
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V
Abbildungsverzeichnis
Abb. 2-1: Klärschlammanfall in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens (Karte 2) 6
Abb. 2-2: Mögliche Bindungsformen von Phosphat an Eisen- bzw. Aluminium-
Hydroxiden 19
Abb. 2-3: Schematische Darstellung von Phosphatzuständen und deren mögliche
Umwandlungsrichtungen im Boden 20
Abb. 2-4: Schwermetallgehalte im Klärschlamm in mg/kg Trockensubstanz 28
Abb. 2-5: Verteilung der Phosphatgehalte der vorliegenden Bodenuntersuchungs-
ergebnisse 37
Abb. 2-6: Phosphat-Versorgung der Ackerböden Nordrhein-Westfalens 38
Abb. 2-7: Verwertungspotential für Sekundärrohstoffdünger in Nordrhein-Westfalen 39
Abb. 4-1: Erträge des Einjährigen Weidelgrases in Abhängigkeit der Anlagen,
Substrate und Varianten 59
Abb. 4-2: P-Entzug Einjähriges Weidelgras in Abhängigkeit der Anlagen,
Substrate und Varianten. 59
Abb. 4-3-1: Erträge Weizen-Korn in Abhängigkeit der Anlagen und Varianten 61
Abb. 4-3-2: Erträge Weizen-Korn in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 61
Abb. 4-4-1: Erträge Weizen-Stroh in Abhängigkeit der Anlagen und Substrate 63
Abb. 4-4-2: Erträge Weizen-Stroh in Abhängigkeit der Anlagen und Varianten 63
Abb. 4-5: P-Entzug Weizen-Korn in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten 64
Abb. 4-6: P-Entzug Weizen-Stroh in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten 64
Abb. 4-7: Erträge Mais nach Weizen in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 66
Abb. 4-8: P-Entzug Mais in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 66
Abb. 4-9: Erträge Haferkorn in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten 68
Abb. 4-10: Erträge Haferstroh in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten 68
Abb. 4-11: P-Entzug von Haferkorn in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten 70
Abb. 4-12: P-Entzug von Haferstroh in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten 70
Abb. 4-13: Erträge Mais in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 71
Abb. 4-14: P-Entzug von Mais in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 71
Abb. 4-15: Relativerträge (%) in Abhängigkeit der Ernten und Substrate 75
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VI
Abb. 4-16: Relativerträge (%) in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 75
Abb.4-17: Jährlicher P-Entzug der Kulturen in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Substrate 77
Abb. 4-18: Jährlicher P-Entzug der Kulturen in Abhängigkeit der Jahre, Substrate und
Varianten 77
Abb. 4-19: P-CAL-Gehalt des Bodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und Substrate 79
Abb. 4-20: P-CAL-Gehalt des Sandbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten 80
Abb. 4-21: P-CAL-Gehalt des Lößbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten 80
Abb. 4-22: Gesamt P-Gehalt des Bodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Substrate 83
Abb. 4-23: Gesamt-Phosphat-Gehalt des Bodens in Abhängigkeit der Varianten für drei
Jahre 83
Abb. 4-24: P-Fraktionierung des Bodens in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und
Jahre 86
Abb. 4-25: Fe/AL-P-Fraktion des Bodens in Abhängigkeit der Jahre, Substrate und
Varianten 88
Abb. 4-26: Ca-P-Fraktion des Bodens in Abhängigkeit der Jahre und Varianten 88
Abb. 4-27: Org.-P-Fraktion des Sandbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten 90
Abb. 4-28: Org.-P-Fraktion des Lößbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten 90
Abb. 5-1: Prozentuale Düngerausnutzung in Abhängigkeit der Varianten 98
Abb. 5-2: Relative P-Verfügbarkeit des Sandbodens in Abhängigkeit der Jahre und
Varianten 110
Abb. 5-3: Relative P-Verfügbarkeit des Lößbodens in Abhängigkeit der Jahre und
Varianten 111
Abb. 6-1: Kreislaufführung von Nähr- und Schadstoffen, schematische Darstellung 120
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VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 2-1 Klärschlammmengen der Bundesrepublik Deutschland, sowie der Anteil
der landwirtschaftlichen Verwertung 4
Tabelle 2-2: Verbleib der Klärschlämme in Nordrhein-Westfalen (Daten des
Kläranlagenkatasters für 1993) 5
Tabelle 2-3: Ausgewählte EG-Richtlinien sowie nationale Umweltgesetze 8
Tabelle 2-4: Klärschlammwerte der Klärschlammverordnung und der -
EG-Klärschlammrichtlinie 11
Tabelle 2-5: Grenzwerte der organischen Schadstoffe der Klärschlammverordnung 11
Tabelle 2-6: Bodenwerte der Klärschlammverordnung und der EG-Klärschlammrichtlinie 12
Tabelle 2-7: Kenndaten von Klärschlämmen des Zeitraumes 1986 – 1990 (Spannbreite,
die von den Bundesländern (alt) angegeben wurden) 15
Tabelle 2-8: Bodenverbessernde und -schützende Wirkung der Rezyklierung von Sied-
lungsabfällen (Klärschlämmen und Komposte) in der Landwirtschaft 16
Tabelle 2-9: Durchschnittliche Nährstoffgehalte in kg/5t Trockensubstanz verschieden
aufbereiteter Klärschlämme 17
Tabelle 2-10: Schwermetalle in der Umwelt 24
Tabelle 2-11: Jährliche Zufuhr an Schwermetallen durch eine ordnungsgemäße NPK-
Mineraldüngung, sowie vom Gesetzgeber festgelegte oder nach
Richtwerten empfohlene Menge an Gülle, Kompost und Klärschlamm 24
Tabelle 2-12: Transferkoeffizient Boden-Pflanze und kritische Konzentrationen von
Schwermetallen im Pflanzenmaterial 26
Tabelle 2-13: Organische Schadstoffe in Klärschlämmen 29
Tabelle 2-14: Polychlorierte Biphenyl Gehalte verschiedener Böden 32
Tabelle 2-15: Benz[a]pyren in Böden unterschiedlicher Herkunft, Relativzahlen 33
Tabelle 2-16: Einstufung der bewerteten Stoffe, Stoffe der Gruppe I, Stoffe mit
vorrangiger Relevanz 34
Tabelle 2-17 Beispiele unterschiedlicher Regelungen in Schleswig-Holstein und
Sachsen 35
Tabelle 3-1: Ergebnisse der Klärschlammuntersuchungen nach Klärschlammverordnung 41
Tabelle 3-2: Übersicht der Varianten beider Anlagen 42
Tabelle 3-3: Fraktionierung der Klärschlämme [mg P/100 g Boden] und pH-Wert 43
Tabelle 3-4: Allgemeine bodenchemische und -physikalische Eigenschaften des
Standortes Versuchsgut Welver-Merklingsen 46
0 Verzeichnisse
VIII
Tabelle 3-5: Witterungsverlauf im Kreis Soest und Kreis Steinfurt 46
Tabelle 3-6: Allgemeine Bodenkenndaten 47
Tabelle 3-7: Phosphatgehalte der Substrate 48
Tabelle 3-8: P-Fraktionierung der Substrate 49
Tabelle 3-9: Versuchsanlagen 49
Tabelle 3-10: Einwaage Klärschlamm bzw. mineralischer Dünger beider Anlagen 50
Tabelle 3-11: Aussaattermine und -stärken der Kulturen beider Versuchsanlagen 51
Tabelle 3-12: Düngergaben (Angaben in g pro Gefäß) 52
Tabelle 3-13: Pflanzenschutzmaßnahmen in beiden Versuchsanlagen 52
Tabelle 3-14: Wetterdaten für 1995-1998
(Ermittelt auf dem Versuchsgut Merklingsen) 54
Tabelle 4-1: Erträge (%) in Abhängigkeit der Ernten, Substrate und Varianten 73
Tabelle 5-1: Erträge (%) in Abhängigkeit der Varianten (2. Spalte) und der Substrate und
Varianten (3. und 4. Spalte) 92
Tabelle 5-2: P-Entzüge (%) in Abhängigkeit der Ernten, Substrate und Varianten 96
Tabelle 5-3: P-Bilanz [mg P/100 g Boden] sowie Effizienz [%] von Phosphat in
Abhängigkeit der Substrate und Varianten 101
Tabelle 5-4: P-Bilanz [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Substrate und Varianten 109
Tabelle 6-1: Vergleich der Vorsorgewerte für Metalle in Böden, durchschnittliche
Schwermetallgehalte von Bioabfällen und Klärschlämmen, Grenzwerte
für Metalle im Klärschlamm und Boden und Schwermetallgehalte der
eingesetzten Klärschlämme aus dem Kreis Soest. 118
Tabelle 7-1: Versuchsserien zur Überprüfung der P-Wirkung in Klärschlämmen 123
0 Verzeichnisse
IX
Abkürzungsverzeichnis
a Jahr
Abb. Abbildung
AbfKlärV Klärschlammverordnung
ÄD Äquivalentdurchmesser
AG Anfangsgehalt
Ah huminstoffakkumulierter Mineralhorizont im Oberboden
Al Aluminium
AlS lessivierter und sequioxidakkumulierter Mineralhorizont im Oberboden
AOX adsorbierbare organische Halogenverbindungen
Ap gepflügter Mineralhorizont im Oberboden
ATV Abwassertechnische Vereinigung
B[a]p Benz[a]pyren
BBodSchG Bundesbodenschutzgesetz
BBodSchV Bundesbodenschutzverordnung
BGBl Bundesgesetzblatt
BtSd tonakkumulierter und marmorierter Mineralboden im Unterboden
BtSw tonakkumulierter und nassgebleichter Mineralhorizont im Unterboden
C Kohlenstoff
Ca(H2PO4)2 Calciumdihydrogenphosphat
CAL Calcium-Acetat-Lactat-Methode
CaO Calciumoxid, Branntkalk
Ca-P Calcium-Phosphat-Fraktion
Cd Cadmium
CO2 Kohlendioxid
Cr Chrom
Cu Kupfer
D mineralischer Dünger
DE Dunkeinheit
DS Durchschnitt
E Phosphat-Entzug der gedüngten Variante
Eo Phosphat-Entzug der ungedüngten Variante
EG Europäische Gemeinschaft
EW Einjähriges Weidelgras
Fe Eisen
Fe/Al-P Eisen-Aluminium-Phosphat-Fraktion
FeCl3 Eisen-III-Chlorid
g Gramm
GD Grenzdifferenz
GH Gesamthochschule
GW Grenzwert
ha Hektar
HCH Hexachlorcyclohexan
Hg Quecksilber
HK Haferkorn
HPO42- Orthophosphat, sekundäres Phosphat
H2PO4- Orthophosphat, primäres Phosphat, Monophosphat
HS Haferstroh
H2SO4 Schwefelsäure
Kf Keimfähigkeit
kg Kilogramm
K2O Kaliumoxid
KrW-/AbfG Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetz
KS Klärschlamm
0 Verzeichnisse
X
l Liter
LUFA Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt
m3 Kubikmeter
mg Milligramm
MgO Magnesiumoxid
MKS Maul- und Klauenseuche
MW Mais nach Weizen
N Stickstoff
NaAlO2 Natriumaluminat
NaOH Natronlauge
ng Nanogramm
NH4-N Ammoniumstickstoff
NN Normalnull
O Sauerstoff
Org.-P Organische Phosphat-Fraktion
p Irrtumswahrscheinlichkeit
P Phosphor
PAK polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe
P(H2O) Wassermethode zur Bestimmung der Phosphat-Versorgung von Böden
P2O5 Phosphor(V)-oxid, Diphosphorpentoxid
Pb Blei
PCB Polychlorierte Biphenyle
PCDD/PCDF Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane
R Reinheit
S Sand
SZ Szenario
t Tonne
TA Technische Anleitung
TE Toxizitätsäquivalent
TKG Tausendkorngewicht
TS Trockensubstanz
UL Umweltgerechte Landwirtschaft
Ut3 toniger Schluff
VDLUFA Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und
Forschungseinrichtungen
Wdh. Wiederholung
WHG Wasserhaushaltsgesetz
WHK Wasserhaltekapazität
WK Weizenkorn
WS Weizenstroh
Zn Zink
1 Einleitung und Zielsetzung
1
1 Einleitung und Zielsetzung
Durch die veränderten gesetzlichen Bestimmungen und durch den quantitativen Zuwachs von
Klärschlamm gewinnt die ökologisch und ökonomisch sinnvolle Verwertung von
Klärschlamm zunehmend an Bedeutung. Die Deponierung in ihrer bisherigen Form ist durch
die Vorgaben der TA Siedlungsabfall vom 14. Mai 1993 nicht mehr zulässig. Im Jahre 2005
läuft die derzeitig noch geltende Übergangszeit aus, und jeder Klärschlamm muß die gültigen
Gehalte der TA Siedlungsabfall einhalten. Für Klärschlamm ist der Parameter des
Glühverlustes nur einzuhalten, wenn zuvor ein Behandlungsschritt dazwischen geschaltet
wird. Dies könnte u.a. die thermische Verwertung sein.
Neben dieser Entsorgungsalternative steht jedoch weiterhin die landwirtschaftliche
Verwertung zur Verfügung. Die Verwertung der organischen Substanz im Sinne der
Kreislaufführung Boden - Pflanze - Nahrungsmittel - Mensch - Klärschlamm - Boden ist
eindeutig zu bevorzugen, sofern die Sekundärrohstoffdünger aus landwirtschaftlicher Sicht
unbedenklich sind.
Ein Konzept, welches die verschiedenen pflanzenbaulichen Problemfelder verbindet, ist im
Sinne des integrierten Umweltschutzes und der Kreislaufwirtschaft erforderlich. Eine
Förderung des Klärschlammes als Sekundärrohstoffdünger kann jedoch nur sinnvoll erfolgen,
wenn es zu keinen Ertragsausfällen, erkenntlich an Überschuß- bzw. Mangelsymptomen in
Pflanzenbeständen, kommt. Gezielte Dünge- und Anwenderberatungen für die Landwirte, wie
sie vereinzelt erfolgen, sind daher zu begrüßen. Diese Beratungen können jedoch nur sinnvoll
sein, wenn Fragen der Anrechenbarkeit und Pflanzenverfügbarkeit der Nährstoffe des
Klärschlammes geklärt sind.
Der Anbau landwirtschaftlicher Kulturpflanzen muß sowohl ökologischen als auch ökonomi-
schen Kriterien folgen. Ausgeglichene Nährstoffbilanzen und die am Bedarf orientierte Nähr-
stoffversorgung erfordern aber die Beachtung grundsätzlicher Aspekte der umweltorientierten
Landbewirtschaftung (Integrierter Pflanzenbau) durch praxisbezogene Versuchsaktivitäten.
Der limitierende Faktor bei der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm ist das
Phosphat, da die Böden gut bis sehr gut damit versorgt sind. Ein Problem des Phosphates liegt
in der Pflanzenverfügbarkeit. In einen Boden eingebrachtes lösliches Phosphat läßt die
1 Einleitung und Zielsetzung
2
P-Konzentration zunächst stark ansteigen, um dann im Laufe der Zeit wieder stark
abzunehmen. Die Phosphationen werden zunehmend an der Bodenmatrix gebunden und
treten aus der labilen Phase in die stabile Phase über. Dieser Prozess wird als P-Alterung
bezeichnet. Diesem Prozess unterliegt auch Düngerphosphat, das im Jahr der Anwendung nur
selten zu mehr als 20 % ausgenutzt wird [WENDT et al., 1996]. Dies bewahrt Phosphate
weitgehend vor der Auswaschung.
Damit gewinnt die P-Verfügbarkeit und die Anrechenbarkeit bei Düngeempfehlungen mit
Klärschlamm an Bedeutung. Neben der P-Versorgung und dem pH-Wert des Bodens wird die
P-Verfügbarkeit maßgeblich durch die angewandte P-Fällungsmethode im Klärwerk
bestimmt. Bei einer Al- und Fe-Fällung entstehen schwerlösliche Al- bzw. Fe-Phosphate, die
begrenzt pflanzenverfügbar sind.
Ziel dieser Arbeit ist die Überprüfung der Wirksamkeit von Klärschlamm als
Sekundärrohstoffdünger im Vergleich zu mineralischen Phosphatdünger. Dabei soll die
Phosphat-Wirkung des Klärschlammes in Abhängigkeit von unterschiedlichen
Fällungsmethoden der Kläranlagen und unterschiedlicher Böden untersucht werden.
Mit Hilfe von spezifischen Untersuchungen, die im Fachbereich Agrarwirtschaft der
Universität-Gesamthochschule Paderborn in Soest erfolgten, sollten deshalb folgende
Arbeitshypothesen diskutiert werden:
• Die P-Wirkung im Klärschlamm auf den Ertrag ist der Mineraldüngung mit Superphosphat
ebenbürtig.
• Die P-Entzüge der unterschiedlich aufbereiteten Klärschlämme sind vergleichbar mit den
P-Entzügen der Mineraldüngung mit Superphosphat. Eine Anrechnung auf die Düngung
kann erfolgen.
• Die P-Fällung der Klärschlämme mit Eisen, Aluminium und Eisen mit Kalkung hat einen
Einfluß auf den Gehalt an pflanzenverfügbarem Phosphat im Boden.
• Die Entwicklung der P-Gesamt-Gehalte der Klärschlamm-Varianten ist mit der
Mineraldüngung vergleichbar.
• Die eisen- oder aluminiumgefällten Klärschlämme wirken sich im Boden nur auf die
Eisen/Aluminium Fraktion aus, dagegen haben die gekalkten und eisengefällten
Klärschlämme noch zusätzlich einen Einfluß auf die Calcium-Fraktion im Boden.
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
3
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
Die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm wird bereits seit Jahrhunderten praktiziert.
Seit den 70er Jahren mit steigendem Umweltbewußtsein begann die Diskussion der
umweltverträglichen Verwertung von Klärschlamm in der Landwirtschaft. Seitdem sind zum
einen die Anforderungen an die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm gestiegen,
zum anderen änderte sich die Zusammensetzung des Klärschlammes selber. Mit gestiegenem
Klärschlammaufkommen der vergangenen Jahre stellt sich die Frage, ob geeignete
landwirtschaftliche Flächen für eine umweltverträgliche Verwertung zur Verfügung stehen,
die auch die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
2.1 Entstehung von Klärschlamm
Klärschlamm fällt beim Reinigungsprozess von Abwasser in der Kläranlage an. Nach den
verschiedenen Reinigungsstufen, die das Abwasser in der Kläranlage durchläuft, entstehen
drei verschiedene Arten von Rohschlamm. Mit Hilfe der Schwerkraft fällt der Primärschlamm
bei der mechanischen Reinigungsstufe an, nachdem das Abwasser Rechen und Sandfang
durchlaufen hat. Der Sekundärschlamm stammt aus der biologischen Stufe und wird auch als
Überschußschlamm bezeichnet. Durch Stoffwechselprozesse der Mikroorganismen werden
die organischen Stoffe aus dem Abwasser in gelöster oder kolloider Form aufgenommen, von
den Mikroorganismen veratmet und in feste Substanz umgewandelt. [ATV, 1996] Im Nach-
klärbecken setzen sich diese Teile ab und werden als Sekundärschlamm, mit einem hohen
Anteil an organischer Substanz entfernt. Der Tertiärschlamm entsteht vor allem durch chemi-
sche Fällungs- oder Flockungsmaßnahmen, bei denen auch u.a. Phosphate gefällt werden.
Die Rohschlämme werden aufgrund ihres Wassergehaltes in Naß-, Dick- und Preßschlamm
eingeteilt. Der Naßschlamm weist einen Feststoffgehalt von weniger als 5 % auf. Durch
Eindicken erhält man einen Dickschlamm, der mit einem Feststoffgehalt von 5 - 15 % noch
pumpfähig und flüssig ist. Mit Hilfe von Zentrifugen und Pressen kann der Feststoffanteil auf
15 - 40 % angehoben werden, dieser Preßschlamm erhält dadurch eine stichfeste bis krümme-
lige Konsistenz. Er ist ein teils ausgefaulter bzw. stabilisierter Klärschlamm, der mit Kalk
oder Polymeren versetzt worden sein kann. Ein streufähiger bis staubförmiger Klärschlamm
mit einem Feststoffanteil von 40 - 100 % kann nur durch verschiedene Trocknungsverfahren
erreicht werden. [TABARASAN, 1977; AICHBERGER UND TAUBER, 1996]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
4
Die Art und Menge von Klärschlamm ist abhängig von der Abwasserbelastung, von den
unterschiedlichen Prozessen, die entsprechend dem Reinigungsziel gewählt werden. Dies hat
zur Folge, daß Klärschlamm einer großen Vielfalt bezüglich der Schlammmenge und
-beschaffenheit unterliegen. [ATV, 1996] Im Laufe der Jahre stieg daher das
Klärschlammaufkommen stetig an, in den neunziger Jahren blieb es konstant bei ca. 2,7 Mill.
t Trockensubstanz. Anfang der neunziger Jahre wurde für das Jahr 2000 ein Aufkommen von
fast 4 Mill. t Trockensubstanz Klärschlamm geschätzt, die jedoch nach den Werten von 1998
eher unwahrscheinlich sind (vgl. dazu Tabelle 2-1). Die Raten für die landwirtschaftliche
Verwertung haben seit 1957 zunächst langsam, ab Mitte der Achtziger Jahre stärker
abgenommen und pendelten sich auf einem Niveau zwischen 25 - 30 % ein. Das Jahr 1998
liegt mit einer Verwertungsrate von 45 % weit über dem jährlichen Durchschnitt und könnte
der Beginn der Steigerung der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm darstellen.
In Nordrhein-Westfalen fielen im Jahr 1993 582.000 t Klärschlamm an, davon wurden
innerhalb von Nordrhein-Westfalen ca. 98.000 t TS und außerhalb ca. 33.000 t TS land-
wirtschaftlich verwertet (Tabelle 2-2). Fast im gleichen Umfang wie in der Landwirtschaft
Tabelle 2-1 Klärschlammmengen der Bundesrepublik Deutschland, sowie der Anteil der
landwirtschaftlichen Verwertung [ATV, 1996; BMU, 1992; LINDNER, 1995;
N.N., 1998b; BMU in: KLUGE UND EMBERT, 1996; BIRER, ET AL. 1994
in: HENNING 1995]
Jahr Klärschlamm-
menge Landwirtschaftliche
Verwertung
[Mill. t TS] [Mill. t TS] [Prozent]
1957 1 0,6 0,3 50
1963 1 1,17 0,5 43
1969 1 1,56 0,75 48
1975 1 1,9 0,8 42
1983 1 2,2 0,75 34
1986 2 2,00 0,48 24
1987 2 2,10 0,59 28
1988 2 2,09 0,54 26
1989 2 2,21 0,55 25
1990 2 2,45 0,71 29
1991 6 3,0 0,82 27
1992 3 2,7 0,73 27
1998 4 2,7 1,21 45
2000 5 3,8 1,3 34
1 ATV, 1996 4 N,N, 1998b:
2 BMU, 1992 5 BMU in: KLUGE UND EMBERT, 1996 geschätzt
3 LINDNER, 1995 6 BIRER, ET AL. 1994 in: HENNING, 1995
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
5
Tabelle 2-2: Verbleib der Klärschlämme in Nordrhein-Westfalen (Daten des
Kläranlagenkatasters für 1993) [nach WERNER UND BRENK, 1997]
Landwirtschaftliche Verwertung [%] nicht landwirtschaftliche Verwertung
[%]
Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 17 Deponie 25
Landwirtschaft außerhalb von
Nordrhein-Westfalen 6 Verbrennung 31
Landschaftsbau in Nordrhein-Westfalen 15 Zwischenlagerung 4
Landschaftsbau außerhalb von
Nordrhein-Westfalen 2
Summe 40 Summe 60
findet Klärschlamm auch im Landschaftsbau Verwendung. 31 % des anfallenden
Klärschlammes werden in Nordrhein-Westfalen thermisch verwertet und 25 % gelangten im
Jahre 1993 noch zur Deponie. Da der Entsorgungsweg Deponie durch die Vorgaben der
TA-Siedlungsabfall ohne Vorbehandlung des Klärschlammes ab dem Jahre 2005 nicht mehr
beschritten werden kann, besteht ein gewisser Handlungsbedarf für die Gemeinden.
Betrachtet man die Verteilung des Klärschlammanfalles innerhalb von Nordrhein-Westfalen
(Abbildung 2-1), so ist es nicht verwunderlich, daß in den Ballungsgebieten des Rhein- und
Ruhrgebietes das höchste Aufkommen zu finden ist. Dagegen sind in bevölkerungsärmeren
Gegenden, wie z.B. dem Sauerland, geringere Mengen an Klärschlamm zu entsorgen.
Eine Neukonzeption der Klärschlammentsorgung ist aufgrund der geänderten gesetzlichen
Voraussetzungen in vielen Gemeinden notwendig geworden. Alternative Entsorgungswege
wie z.B. die thermische Verwertung, die eine getrennte Verbrennung, Mitverbrennung bzw.
Mitvergasung sein kann, oder auch die industrielle Nutzung in Asphaltmischanlagen bzw. bei
der Zementherstellung wurden eingeschlagen. Aber auch die umweltverträgliche Verwertung
von Klärschlamm in der Landwirtschaft wird neu diskutiert, auch weil sie eine preiswerte
Alternative zu den anderen Entsorgungswegen darstellt.
Die Qualität des Klärschlammes steht in direktem Zusammenhang mit der Qualität des
eingeleiteten Abwassers. Es wird unterschieden in Direkt- und Indirekteinleiter. Die
Direkteinleiter leiten ihr Abwasser nicht in das öffentliche Kanalnetz ein, sondern das
gereinigte Wasser fließt direkt in den Vorfluter. Dagegen wird von den Indirekteinleitern das
Abwasser in das öffentliche Kanalnetz eingeleitet. Der Klärschlamm der öffentlichen
Kläranlagen wird daher maßgeblich durch die Qualität des Abwassers und des Kanalnetzes
beeinflußt. Es gibt zwei Arten von Indirekteinleitungen. Dies ist zum einen die
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
6
Abbildung 2-1:Klärschlammanfall in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens
[nach WERNER UND BRENK, 1997]
Hörstel
Merklingsen
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
7
Punkteinleitung der gewerblichen oder industriellen Betriebe, die ihr Abwasser in das
öffentliche Kanalnetz einleiten. Durch die Indirekteinleitervorschrift, die Grenzwerte für das
einleitende Abwasser festlegt, hat sich die Qualität des Abwassers und damit des
Klärschlammes in den vergangenen Jahren verbessert. Zum anderen gelangt das Abwasser
aus privaten Haushaltungen und Oberflächenwasser in das Abwassersystem. Diese diffusen
Einleitungen können für die Kläranlagen problematisch sein, da Art und Menge an möglichen
Schadstoffen nicht bekannt sind, nicht zurückverfolgt und verhindert werden können.
Dies soll an einigen Beispielen verdeutlicht werden. 1985 betrugen die Bleigehalte der
Kläranlage Düsseldorf - Nord 500 mg Pb/kg TS Klärschamm. Das Blei kam zu ca. 70 %
durch die Entwässerung der Oberflächen in das Abwasser. 1985 fuhren noch 99 % der
Personenkraftwagen mit verbleitem Kraftstoff. Nach Einführung des unverbleiten Kraftstoffes
benötigten 1991 nur noch 30 % der Kraftfahrzeuge verbleiten Kraftstoff. Daraufhin sanken
auch im Abwasser und somit im Klärschlamm der Bleigehalt auf 130 mg Pb/kg TS
Klärschlamm. Die Bleigehalte konnten durch diese gesetzlichen Maßnahme stark reduziert
werden. Eine Reduzierung der Bleigehalte wurde auch durch das Verbot von Bleirohren bei
der Wasserinstallation herbeigeführt. Inzwischen werden überwiegend verkupferte und
verzinkte Wasserleitungen und Dachrinnen eingesetzt. Damit sind jedoch die Kupfer- und
Zinkgehalte im Klärschlamm auf konstanten Niveau geblieben bzw. angestiegen. Eine
Alternative stellt nach heutigem Wissenstand Chromnickelstahl dar, der jedoch aufgrund der
höheren Kosten abgelehnt wird. Eine Änderung könnte nur durch den Gesetzgeber
herbeigeführt werden. [FRIEGE, 1993; WITTE, 1994a] Aufgrund des 1981 in der
Bundesrepublik Deutschland erlassenen Gebrauchsverbotes von Polychlorierten Biphenylen
(PCB) haben sich die PCB-Gehalte im Abwasser reduziert, sind aber weiterhin im
Klärschlamm nachweisbar. [WITTE, 1994a]
Diese Beispiele machen deutlich, das alle Stoffe, die nicht in geschlossenen Systemen ge-
handhabt werden, in die Umwelt und von dort auch in den Klärschlamm gelangen. Einige die-
ser Inhaltsstoffe sorgen bei der späteren Reinigung des Abwassers für Probleme bzw. bei der
Entsorgung der Klärschlämme. Auch nach einem Verbot gefährlicher Stoffe sind diese noch
lange Zeit später im Klärschlamm nachweisbar. Politische Entscheidungen sind daher nötig,
um eine Entlastung des Klärschlammes sowie der Umwelt zu erreichen. [FRIEGE, 1993]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
8
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
Für die Verwertung von Klärschlamm insbesondere auch die landwirtschaftliche Verwertung
sind in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Umweltgesetzen erlassen worden. In
Tabelle 2-3, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sind Umweltgesetze
chronologisch geordnet, bevor anschließend auf einige nationale Gesetze, die bei der
landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm zu beachten sind, eingegangen wird.
Neben den nationalen Umweltgesetzen, sind sowohl die diversen Verwaltungsvorschriften als
auch internationale Gesetze und Vereinbarungen zu beachten.
Tabelle 2-3: Ausgewählte EG-Richtlinien sowie nationale Umweltgesetze
Jahr EG-Richtlinien 1
Gesetz/Verordnung
Bundesrepublik Deutschland
1972 Abfallbeseitigungsgesetz 2
1977 Düngemittelgesetz2
1982 Klärschlammverordnung2
1984 EG-Abfallverbringungs-
Richtlinien (84/631/EWG)
1986 EG-Klärschlamm-Richtlinie
(86/278/EWG) Abfallgesetz2
Wasserhaushaltsgesetz2
1989 Basler Übereinkommen Düngemittelgesetz (Novellierung) 2
1990 Wasserhaushaltsgesetz (Novellierung) 2
1991 EG-Abwasser-Richtlinie
(91/271/EWG)
EG-Nitrat-Richtlinie
(91/676/EWG)
Düngemittelverordnung2
1992 Klärschlammverordnung (Novellierung) 2
1993 EG Abfallverbringungs-
verordnung TA Siedlungsabfall1
1994 Ausführungsgesetz zum Basler
Übereinkommen Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetz1
1995 Düngemittelverordnung3
1996 Düngeverordnung3
1997 Düngeverordnung (Novellierung) 3
Düngemittelverordnung (Novellierung) 3
1999 Klärschlamm-Entschädigungsgesetz4
Bundesbodenschutzgesetz5
1 ATV-HANDBUCH, 1996; 4 N.N., 1998c
2 UMWELT-RECHT, 1992 5 OTTO, 1999
3 KLUGE UND EMBERT, 1996
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
9
2.2.1 Abfallgesetze
Mit dem Abfallbeseitigungsgesetz von 1977 begab sich die Bundesrepublik Deutschland in
eine Vorreiterrolle in Europa. Klärschlamm wurde als "industrielles Nebenprodukt"
klassifiziert und erhielt eine Sonderstellung, wodurch nach § 15 AbfbesG. eine eigene
Verordnung für das Produkt Klärschlamm erfolgen konnte. Die Umsetzung erfolgte durch die
Klärschlamm-Verordnung im Jahre 1982. [GOSSOW, 1992]
Neun Jahre später hatte sich das Umweltbewußtsein soweit verschärft, daß ein neues Gesetz
über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (Abfallgesetz) erlassen wurde. Die neue
Sichtweise wird im Namen des Gesetzes erkennbar, es ging nicht mehr um eine Beseitigung
der Abfälle, sondern die Abfälle sollten gezielt vermieden, vermindert oder verwertet werden.
Erst wenn dies nicht mehr möglich war, konnte eine umweltschonende Beseitigung der
Abfälle erfolgen.
1994 wurde u.a. durch die EG-Richtlinie über Abfälle vom 21. Mai 1991, die EG einheitliche
Abfallbegriffe vorgibt, eine weitere Novellierung des Abfallgesetzes notwendig. Das Gesetz
zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung
von Abfällen (KrW-/AbfG BGBl. I S. 2705) greift die Definition der EG-Richtlinie auf, da-
nach erfolgt eine Differenzierung in Abfälle zur Verwertung und in Abfälle zur Beseitigung.
Im Bezug auf Klärschlamm bedeutet dies, daß Klärschlamm, soweit dies möglich ist, ver-
mieden werden soll. Da aber stets Klärschlamm anfallen wird, ist er möglichst vollständig in
Form einer Rückführung in den Stoffkreislauf der Natur zu verwerten. Klärschlamm ist dann
ein Sekundärrohstoffdünger und unterliegt neben dem Abfallrecht auch dem Düngerecht. Als
weitere Möglichkeit ist eine energetische Verwertung von Klärschlamm zulässig, jedoch nur
dann, wenn der Klärschlamm einen höheren Heizwert als 11.000 kJ pro kg TS Klärschlamm
aufweist. Dies wird jedoch von getrocknetem Klärschlamm nicht immer erreicht.
Von dem Gebot der Verwertung darf nur dann abgewichen werden, wenn die Verwertung
nicht wirtschaftlich zumutbar ist oder wenn die Beseitigung die umweltverträglichste
Handhabung darstellt. Das heißt, erst wenn Klärschlamm weder vermieden noch verwertet
werden kann, ist nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz eine Beseitigung erlaubt.
[N.N., 1998a] Die Beseitigung von Klärschlämmen erfolgte lange Zeit in Monodeponien oder
in Mülldeponien. Die Dritte Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Abfallgesetz (TA Sied-
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
10
lungsabfall), die seit dem 01.06.1993 in Kraft ist, verlangt ab dem Jahre 2005, daß der Glüh-
verlust von Abfällen maximal 5 % nicht übersteigen darf. Um die Ablagerungsbedingungen
der TA Siedlungsabfall einhalten zu können, ist eine thermische Vorbehandlung nötig.
2.2.2 Wasserhaushaltsgesetz
Der Geltungsbereich des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushaltes (BGBl. 1990, I S.205)
besteht für oberirdische Gewässer, Küstengewässer sowie das Grundwasser. Zwei
Paragraphen sind von besonderer Bedeutung. Dies ist zum einen § 7a WHG, der die
Anforderungen an das Einleiten von Abwasser regelt und dazu beitragen soll, daß überhöhte
Nährstoff- und Schadstoffbelastungen nicht in das Wasser gelangen. Zum anderen ist dies §
22 WHG, der die Haftungsfrage bei Änderung der physikalischen, chemischen oder
biologischen Beschaffenheit des Wassers klärt. Landwirte sind verschuldensunabhängig
haftbar für unvorhersehbare Schäden zu machen. Neben dem Wasserhaushaltsgesetz gibt es
weitere Verwaltungsvorschriften, die die Mindestanforderungen an die Reinhaltung des
Wassers regeln und berücksichtigt werden müssen.
2.2.3 Klärschlammverordnung
Die erste Klärschlammverordnung (BGBl. I , S. 734) trat 1982 in Kraft und regelte die
Aufbringung von Klärschlamm in die Landwirtschaft. Es galt u.a. gewisse Grenzwerte für
Schwermetalle im Sinne der Vorsorge einzuhalten. Im Gesetz war gleichzeitig eine
fünfjährige Begrenzung enthalten, damit die Schwermetallgrenzwerte überarbeitet und an die
neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst werden konnten. Die Novellierung
erfolgte 1992 und war u.a. auch notwendig geworden, um die EG-Richtlinie 86/278/EWG des
Rates vom 12. Juni 1986 über den Schutz der Umwelt und insbesondere der Böden bei der
Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft umzusetzen. Diese Richtlinie hatte zum
primären Ziel eine sichere Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft zu
garantieren. Zum anderen beinhaltet sie erste gemeinsame europäische Maßnahmen zum
Schutz des Bodens. Durch die Novellierung erfolgte eine Anpassung der Schwermetallwerte,
wie aus der Tabelle 2-4 zu entnehmen ist. Die Grenzwerte von Blei, Cadmium, Chrom,
Kupfer, Quecksilber und Zink sind in der Klärschlammverordnung von 1992 nach unten
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
11
Tabelle 2-4: Klärschlammwerte der Klärschlammverordnung und der
EG-Klärschlammrichtlinie [ATV, 1996]
Metall AbfKlärV vom
25.06.1982 AbfKlärV vom
15.04.1992 EG-Richtlinie
86/278/EWG
Anhang I B Anhang I C2
[mg/kg mT] [mg/kg mT] [mg/kg mT] [kg/ha·a]
Blei 1200 900 750-1200 15
Cadmium 20 10/5 1 20-40 0,15
Chrom 1200 900 1000-1500 3 3
Kupfer 1200 800 1000-1750 12
Nickel 200 200 300-400 3
Quecksilber 25 8 16-25 0,1
Zink 3000 2500/2000 1 2500-4000 30
1 Wert gilt für Aufbringung auf leichte Böden mit einem Tongehalt von < 5% und auf Böden mit pH-Wert
zwischen 5-6 Leichte Böden: Sande, anlehmiger Sand, lehmiger Sand im Sinne des Schätzrahmens der Boden-
schätzung
2 Frachtgrenzwerte in kg/ha und Jahr (Zehnjahres-Mittelwerte)
3 geplant
korrigiert werden. Für organische Schadstoffe (Tabelle 2-5) wurden erstmalig Grenzwerte
eingeführt. Dabei stand der vorsorgliche Bodenschutz im Vordergrund und nicht die
Annahme, daß ein Transfer vom Boden in die Pflanze erfolgt. [ATV, 1996]
Im Gegensatz zur EG-Richtlinie, die keine Mengenbegrenzung vorgibt, enthält die Klär-
schlammverordnung eine Begrenzung der durch Klärschlamm zugeführten Nährstoff- und
Schadstofffracht pro Hektar und Jahr. Es darf maximal eine Ausbringung von 5 t TS/ha·3a
erfolgen, zudem wird durch die Düngemittelanwenderverordnung die Nährstoffmenge
begrenzt. Durch die Bodengrenzwerte wird sichergestellt, daß vorbelastete Böden von
weiteren Schadstoffzufuhren ausgeschlossen werden. Tabelle 2-6 stellt die nationalen und
EG-Gehalte für den Boden dar. Die Bandbreite der Grenzwerte der EG-Richtlinie ergibt sich
Tabelle 2-5: Grenzwerte der organischen Schadstoffe der Klärschlammverordnung
[UMWELT-RECHT, 1992]
Schadstoffe AbfKlärV vom
15.04.1992
PCB 1
Komponenten 28, 52, 101, 138, 153, 180 0,2 mg/kg mT
PCDD/PCDF 2 100 ng TCDD-T/kg mT 4
AOX 3, Summenparameter 500 mg/kg mT
1 polychlorierte Biphenyle
2 polychlorierte Dibenzodioxine/Dibenzofurane
3 Summe der halogenorganischen Verbindungen
4 T - Toxizitätsäquivalent
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
12
Tabelle 2-6: Bodenwerte der Klärschlammverordnung und der EG-Klärschlammrichtlinie
[ATV, 1996]
Metall AbfKlärV vom
25.06.1982 AbfKlärV vom
15.04.1992 EG-Richtlinie
86/278/EWG
[mg/kg Boden] [mg/kg Boden]
[mg/kg Boden]
Blei 100 100 50-300
Cadmium 3 1,5/1 1 1-3
Chrom 100 100 100-150 2
Kupfer 100 60 50-140
Nickel 50 50 30-75
Quecksilber 2 1 1-1,5
Zink 300 200/150 1 150-300
1 Wert gilt für Aufbringung auf leichte Böden mit einem Tongehalt von < 5% und auf Böden
mit pH-Wert zwischen 5-6 Leichte Böden: Sande, anlehmiger Sand, lehmiger Sand im Sinne
des Schätzrahmens der Bodenschätzung
2 geplant
aus den unterschiedlichen klimatischen und auch geologischen Verhältnissen der
europäischen Böden. Für die Bundesrepublik Deutschland werden die Bodenwerte nur bei
Cadmium und Zink entsprechend dem Ton- und pH-Gehalt im Boden unterschieden.
Um besonders empfindliche landwirtschaftliche Nutzungen zu schonen, wurde in der
Klärschlammverordnung eine Reglementierung bzw. ein Verbot für die
Klärschlammausbringung auf Flächen des Obst- und Gemüsebaues, des Dauergrünlandes, der
Flächen in den Wasserschutzzonen I und II und Uferrandstreifen ausgesprochen.
Zur Einhaltung der Grenzwerte sind Bodenproben und Klärschlammuntersuchungen in
regelmäßigen Abständen vorgegeben (Bodenuntersuchungen im Abstand von 10 Jahren,
Klärschlammuntersuchungen im Abstand von längstens sechs Monaten, bzw. 2 Jahre für PCB
und PCDD/PCDF). Eine Düngeberatung wird vorgeschrieben, um die Nährstoffe des
Klärschlammes optimal in die Düngeplanung einzubeziehen. Ein Nachweis- und
Lieferscheinsystem soll ermöglichen, daß kein mit Schadstoffen belasteter Klärschlamm auf
landwirtschaftliche Flächen aufgebracht wird.
Kritik an der Klärschlammverordnung wird von Seiten des Verbandes Deutscher
landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungseinrichtungen (VDLUFA) geübt. Sie
halten die Grenzwerte bei Schwermetallen für nicht ausreichend an den Bodenarten und
-typen, sowie an den geogenen Ausgangsbedingungen orientiert. So liegen die Gehalte für
Cadmium und Nickel im Jura über denen der Bodengehalte der Klärschlammverordnung, und
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
13
eine Ausbringung von Klärschlamm wäre dadurch nicht möglich. Der Verband schlägt daher
vor, daß der Status Quo der Schadstoffgehalte des Bodens beibehalten werden soll, d.h. es
darf grundsätzlich zu keiner weiteren Überschreitung der regionalen und standorttypischen
Referenzwerte im Boden kommen. [VDLUFA, 1996]
2.2.4 Klärschlamm-Entschädigungsfonds
Der gesetzliche Klärschlamm-Entschädigungsfond (BGBl. I vom 28. Mai 1998) löst den
Klärschlammfonds auf freiwilliger Basis ab, der seit dem 01.01.1990 in Kraft war und eine
Vereinbarung zwischen den Klärschlammabgebern (Kommunen bzw. Kläranlagenbetreibern)
und den Klärschlammabnehmern (Landwirten) darstellte, um das Risiko, das über den
Rahmen der Klärschlammverordnung hinausging, abzudecken. Bei der Beschlußfassung zum
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz hat der Gesetzgeber eine Ermächtigung zum Erlaß
einer Rechtsverordnung über einen Entschädigungsfonds in das Düngemittelgesetz (§ 9)
festgelegt [BERGS, 1998]. Dieser ist seit dem 01.01.1999 in Kraft und wird von der
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung verwaltet. Die Kläranlagenbetreiber zahlen
einen Beitrag von 20 DM/Tonne Trockenmasse für landwirtschaftlich genutzten Klärschlamm
ein, bis die Grundausstattung des Fonds einen Beitrag von 125 Millionen DM erreicht hat. Bei
Bedarf kann dieses Fondvolumen verdoppelt werden. Geschädigte Landwirte können
maximal eine Entschädigung von 5 Millionen DM pro Schadensfall erhalten, wobei ein
Eigenanteil von 1125 DM je Schadensfall selbst zu tragen ist. [ESCH, 1999]
2.2.5 Düngerecht
Im Düngemittelgesetz wurde 1996 der Begriff des Sekundärrohstoffdüngers, zu dem auch
Klärschlamm zählt, eingeführt. Dadurch unterliegen alle Stoffe aus Siedlungsabfällen, die
landwirtschaftlich eingesetzt werden, dem Düngemittelrecht. Durch diese einheitliche Rege-
lung soll die Akzeptanz des Produktes Klärschlamm gefördert werden. Für alle Düngemittel
erfolgt eine Einsortierung als Düngemitteltyp. Im Anhang 1 der Düngemittelverordnung vom
24.07.1997 (BGBl. I S. 1835) finden sich die detaillierten Anforderungsprofile der einzelnen
Düngemitteltypen, die Mindestanforderungen an ihren Nährstoffgehalt aufweisen. Eine Ver-
zahnung zwischen dem Abfall- und Düngemittelrecht ist dadurch gegeben, daß das Abfall-
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
14
recht vor allem die Schadstoffseite bei der Verwertung der Sekundärrohstoffdünger definiert
und das Düngemittelrecht die Anforderungen an die Nährstoffe sowie die Zulassung regelt.
Die landwirtschaftliche Ausbringung von Klärschlamm wird weiter in der Verordnung über
die Grundsätze der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung) geregelt. Die
Verordnung, die seit Juli 1996 in Kraft ist, arbeitet bei der Anwendung von Düngemitteln
nach dem Prinzip der "Guten fachlichen Praxis". Das heißt u.a., daß sich die Düngung zeitlich
und mengenmäßig stets am Nährstoffbedarf der Pflanzen zu orientieren hat um
Nährstoffverluste zu vermeiden. Langfristig sollen die Nährstoffeinträge in die Gewässer und
andere Ökosysteme weitestgehend vermieden werden. Standort- und Anbaubedingungen sind
dabei genauso zu berücksichtigen wie das Nährstoffangebot des Bodens. Um diese Ziele
umzusetzen, sind einige Begrenzungen der Düngung erlassen worden, die ebenfalls für die
Ausbringung von Klärschlamm gelten. Seit dem 01.07.1997 darf auf Ackerland im
Betriebsdurchschnitt nur noch 170 kg N/ha ausgebracht werden. Ammoniakverluste bei der
Ausbringung sind zu minimieren durch u.a. eine unverzügliche Einarbeitung. Bei sehr hohen
Phosphat- und Kalium Gehalten im Boden in der Gehaltsstufe E darf nur noch in Höhe des
Entzuges gedüngt werden, jedoch nur, wenn keine Grundwassergefährdung vorliegt. Eine
Ausbringungssperrfrist besteht zwischen dem 15.11. - 15.01. und es darf erst dann wieder
Dünger ausgebracht werden, wenn die Vegetationsruhe abgeschlossen ist und bei den
Pflanzen ein Nährstoffbedarf besteht. [WERNER, 1996; WERNER UND BRENK, 1998]
Dies hat insbesondere für die Kläranlagen große Auswirkungen, da sie die Stapellager weiter
ausbauen und über eine höhere Schlagkraft verfügen müssen, da die Zeiträume, in denen
Klärschlamm ausgebracht werden kann, kürzer geworden sind.
2.2.6 Bundesbodenschutzgesetz
Das Bundesbodenschutzgesetz (BGBl. 1998 I S. 502) ist seit dem 01. März 1999 in Kraft und
damit das jüngste Umweltgesetz. Die Funktionen des Bodens sollen nachhaltig gesichert bzw.
wiederhergestellt werden. Die Landwirtschaft hat entsprechend der Düngeverordnung nach
der guten fachlichen Praxis die Ziele des Bodenschutzes zu berücksichtigen. Das bedeutet,
daß die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu sichern ist, ebenso wie die Leistungsfähigkeit des
Bodens als natürliche Ressource. Um dies zu erreichen, ist eine standortgemäße Bodenbear-
beitung unter Berücksichtigung der Witterung durchzuführen, damit die Bodenstruktur erhal-
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
15
ten bzw. verbessert werden kann. Das Bundesbodenschutzgesetz ist den anderen Umweltge-
setzes nachgelagert, d.h. die Vorschriften des Düngemittel- und Pflanzenschutzrechtes haben
bei der Umsetzung Vorrang. In Bezug auf die Ausbringung von Klärschlamm haben die
Vorschriften der Klärschlammverordnung Vorrang gegenüber dem Bundesbodenschutzgesetz
(BBodSchG). [FRIELINGHAUS UND SCHÄFER; 1999; OTTO, 1999 ]
2.3 Stoffliche Zusammensetzung von Klärschlamm
Der landwirtschaftlichen Verwertung von Klärschlamm liegt der Gedanke zugrunde,
Stoffkreisläufe zu schließen. Im Klärschlamm sind neben der organischen Substanz eine
Vielzahl von Makro- und Mikronährstoffe, die zum Teil essentiell für das Pflanzenwachstum
benötigt werden (Tabelle 2-7).
Der Boden dient dabei als natürliches Filter- und Puffersystem gegenüber verschiedensten
Umwelteinflüssen. In diesem offenen System finden ständige Wechselwirkungen statt, die für
die Stabilität des Gesamtsytems von großer Bedeutung sind. [JELENIC, 1986] Mögliche
Auswirkungen einer Klärschlammdüngung auf den Boden sind in Tabelle 2-8
zusammengefaßt.
Unbelastete Klärschlämme wirken sich überwiegend positiv auf bodenbiologische Eigen-
schaften aus. Mit steigendem schädlichen Einfluß z.B. infolge steigender Schwermetall-
gehalte sinkt die mikrobielle Leistung der Biomasse aufgrund der toxischen Wirkung der
Schwermetalle im Vergleich zur mineralisch gedüngten Kontrolle [BALZER UND AHRENS,
1990; FLIEßBACH, 1991; LÜBBEN, 1991; BARAKAH ET AL., 1996] Die gestiegene Mi-
kroorganismenaktivität führt durch den verstärkten Abbau der organischen Substanz zu einem
Tabelle 2-7: Kenndaten von Klärschlämmen des Zeitraumes 1986 - 1990
(Spannbreite, die von den Bundesländern (alt) angegeben wurden)
[BMU, 1992]
Trockensubstanz in % vom Gesamtanfall 5,7 - 22,9
Organische Substanz in % von der TS 32,9 - 58,1
pH-Wert 6,9 - 8,3
N in % von TS 1,87 - 6,0
P in % von TS 1,63 - 7,2
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
16
Tabelle 2-8: Bodenverbessernde und -schützende Wirkung der Rezyklierung von
Siedlungsabfällen (Klärschlämmen und Komposte) in der Landwirtschaft
[SAUERBECK, 1994]
• Zufuhr organischer Substanz als Humusquelle
• Förderung der biologischen Aktivität
• Verbesserung des Luft- und Wasserhaushaltes
Durchlüftung Wasserleit- und haltefähigkeit
• Erhöhung der Austauschkapazität (Nährstoffbindevermögen)
• Steigerung der Gefügestabilität (Erosions- und Verschlämmungsschutz)
• Beitrag zur Nährstoffzufuhr
• Zufuhr von Hauptnährstoffen
• Zufuhr von Spurenelementen
• Anhebung des pH-Wertes
• Rückführung dem Boden entnommener Stoffe
• Einsparung von Deponiefläche
• Vermeidung bzw. Entlastung anderer Abfallbeseitigungsverfahren mit
potentiellen Bodenbelastungen
Anstieg der Nährstoffe. In Zeiten von hohem Pflanzenentzug ist dies sehr positiv zu
beurteilen. In Zeiten mit geringem oder keinem Nährstoffentzug durch die Pflanzen, kann es
zu Stickstoff-Verlusten durch Auswaschung kommen. STADELMANN [1982] schließt in
dem Zusammenhang nicht aus, daß es durch die Überdüngung der Böden zu einer
Verringerung des mikrobiellen Artenspektums und somit zu einer Reduktion des biologischen
Potentials für den Abbau von organischen Hilfs- und Fremdstoffen im Boden kommen kann.
TERRY ET AL. [1979, in: STICHLER, 1983] konnte durch 14C-markierten Schlamm zeigen,
daß ungefähr die Hälfte des eingesetzten Kohlenstoffes bereits während der ersten 28 Tage als
CO2 freigesetzt wurde. Der im Boden verbliebene markierte Kohlenstoff wurde als
Huminstoff extrahiert. Dies schließt nicht nur auf eine Mineralisierung, sondern auch auf eine
beträchtliche Humifizierung des Kohlenstoffes. Der Einfluß auf die Humusbilanz ist dann
durch den Anstieg der Umsetzung der organischen Substanz ("priming effect") gering.
[STICHLER, 1983; OLFS ET AL., 1994] In Feldversuchen konnte MEDIAVILLA [1995a] in
langjährig mit sehr hohen Klärschlammgaben (5 t organische Substanz pro ha und Jahr) auf
sandigen Lehm eine Erhöhung der organischen Kohlenstoffgehalte (Humus) des Bodens
feststellen. Die Folge waren positive Auswirkungen auf das Porenvolumen und die
Lagerungsdichte. Bei geringen Klärschlammgaben von nur 2 t organische Substanz pro ha
und Jahr konnte keine signifikante Beeinflussung auf die bodenphysikalischen Eigenschaften
festgestellt werden.
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
17
Tabelle 2-9: Durchschnittliche Nährstoffgehalte in kg/5t Trockensubstanz verschieden
aufbereiteter Klärschlämme [POLTSCHNY UND RIESS, 1992 in:
POLTSCHNY 1994]
N
[kg/5t TS] NH4
[kg/5t TS] P2O5
[kg/5t TS] K2O
[kg/5t TS] MgO
[kg/5t TS] CaO
[kg/5t TS]
Flüssigschlamm 180 70 195 10 40 375
entwässerter Schlamm 140 55 180 10 30 375
kalkstabilisierter Schlamm 70 2,5 170 8 35 1125
Die Zusammensetzung der durchschnittlichen Nährstoffgehalte im Klärschlamm sind von
verschiedenen Variablen abhängig, u.a. vom Klärverfahren, vom eingeleiteten Abwasser und
von der Aufbereitung des Klärschlammes. Insbesondere der Stickstoffgehalt korreliert eng
mit dem Wassergehalt der Klärschlämme (Tabelle 2-9). Im folgenden wird insbesondere auf
die Wirksamkeit der Nährstoffe Stickstoff und Phosphat ausführlicher eingegangen.
2.3.1 Stickstoff
Die Stickstoffgehalte im Klärschlamm liegen zwischen 1,87 - 6,0 % der Trockensubstanz.
Über die Wirksamkeit des Stickstoffes für die Pflanzen sagt dies aber noch nichts aus. Diese
ist abhängig von der Bindungsform des Stickstoffes im Klärschlamm. Zum einen liegt der
Stickstoff in wasserlöslichen Formen vor, hauptsächlich als Ammonium. Diese können von
den Pflanzen leicht aufgenommen werden und haben daher einen vergleichbaren
Wirkungsgrad mit dem Stickstoff in Handelsdüngern. Zum anderen liegt der Stickstoff
organisch gebunden im Klärschlamm vor. Dieser muß, um pflanzenverfügbar zu werden,
zunächst mineralisiert werden, so dass auch in den Folgejahren eine Wirkung besteht. Die
Wirksamkeit schwankt je nach Ansicht der Autoren, KLUGE ET AL. [1997] empfiehlt
anzurechnende Anteile von 5 - 60 % im Anwendungsjahr je nach der Entwässerung des
Klärschlammes. DIEZ [1981] rechnet mit 50 % des Stickstoffgehaltes bei einer Ausbringung
im Frühjahr. Bis zu 25 % des Gesamtstickstoffes bei einer Klärschlammausbringung im
Sommer oder Herbst und bis zu 50 % bei einer Verteilung des Klärschlammes zu
Vegetationsbeginn bzw. in den wachsenden Bestand gibt FISCHER [1994] an. FURRER
[1980] hat die Wirksamkeit des Stickstoffes mit mineralischem Dünger (Ammoniumnitrat)
verglichen und daraus die folgende Formel für die Gegebenheiten der Schweiz abgeleitet:
NW = 0,9 NA + 0,25 NO NW = wirksame Stickstoff
NA = Ammonium-Stickstoff
NO = organisch gebundener Stickstoff
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
18
Die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Augustenberg, Karlsruhe
überprüfte die Wirksamkeit des Stickstoffes an Hand der Formel von FURRER in einem
Gefäßversuch mit Weidelgras. Im Durchschnitt der Versuche konnte die Bestimmung der
N-Verfügbarkeit an Hand der Formel von FURRER [1980] bestätigt werden. Ausnahmen
bestehen bei hohen Ammoniumgehalten, bei denen nur eine geringere N-Wirksamkeit
gefunden wurde. Dies kann durch Stickstoff-Verluste bei der Ausbringung (Verflüchtigung)
oder auch mit Ertragsdepressionen durch ein Stickstoffüberangebot zu Vegetationsbeginn zu
erklären sein. Die Wirksamkeit des Stickstoffes bei Klärschlämmen mit einem Trockengehalt
von ca. 25 % sind nach der Formel von FURRER [1980] unterbewertet. Der Stickstoff wies
eine gute Nachwirkung auf und eignet sich von daher besonders für Kulturen mit einer
längeren Vegetationszeit. [SCHWEIGER UND VÖLKEL, 1980]
Wie bereits aus Tabelle 2-9 hervorgeht, ist der Stickstoffgehalt stark vom Wassergehalt des
Klärschlammes abhängig, da bei der Entwässerung des Klärschlammes der Stickstoff in den
Vorfluter fließt. Es gilt daher, je höher der Wassergehalt im Klärschlamm ist, desto höher
auch der Stickstoffanteil. Der Wirkungsgrad des Stickstoffes ist weiterhin abhängig von den
Verlusten, die bei der Lagerung, beim Transport und Aufbringung des Klärschlammes
entstehen. Chemische Bodeneigenschaften wie der pH-Wert, das C/N-Verhältnis und das
Calciumangebot haben ebenfalls eine Auswirkung auf den Wirkungsgrad. [SAUERBECK,
1979; FURRER UND CANDINAS, 1984; JELENIC, 1986; CANDINAS UND
SIEGENTHALER, 1991] In Abhängigkeit der Mineralisationsrate kann dies eine Stickstoff-
Anreicherung im Boden begünstigen. Diese fördert einerseits die Ertragssicherheit und das
Bodengefüge, lässt andererseits die Gefahr der Nitratauswaschung ansteigen.
[TIMMERMANN ET AL., 1985; GUTSER, 1996]
2.3.2 Phosphor
Die mittleren Gehalte von Klärschlamm ohne eine Phosphat-Fällung liegen im Durchschnitt
bei 2 %, erfolgt eine Phosphat-Fällung, steigen sie auf durchschnittlich 3,9 % an. Obwohl
durch den Rückgang der Waschmittelphosphate die Abwasserkonzentration signifikant
zurückging, ist mit einer weiteren Steigerung der Phosphat-Gehalte im Klärschlamm zu
rechnen, da die Klärtechnik und Schlammbewirtschaftung einer steten Weiterentwicklung
unterliegen. Der Klärschlamm der Abwasserverbände Emschergenossenschaft/Lippeverband
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
19
OH
\
(Al, Fe) O P = O
/
OH
\
Fe O O
/ \
O P
\ / \
Fe O OH
/
a. Monofunktionelle Form b. Sechserring
Abb. 2-2: Mögliche Bindungsformen von Phosphat an Eisen- bzw. Aluminium-
Hydroxiden [WELP ET AL., 1981 in: STICHLER, 1983]
weist im Durchschnitt 54 kg P2O5/t Klärschlamm (24 kg P/t Klärschlamm) auf, davon können
rund 70 % des Phosphates von der Pflanze aufgenommen werden. [MALZ, 1987]
Im Klärschlamm ist das Phosphat nur zu einem geringen Teil an die organische Fraktion
gebunden. Der weitaus größte Teil ist adsorbiert an Eisenhydroxid, Aluminumhydroxid und
Calciumcarbonat. Im Bereich des pH-Wertes von 5 bis 6 liegen die Eisen- und Aluminium-
Hydroxide im stabilen Sechserring (siehe Abbildung 2-2) vor. Steigt der pH-Wert an,
verschiebt sich das Gleichgewicht unter Aufnahme von OH-Ionen zu Gunsten der
monofunktionellen Form. In dieser Form als H2PO4- (Monophosphat) nehmen die Pflanzen
hauptsächlich Phosphor auf, zu einem geringeren Teil als HPO42-. [STICHLER, 1983;
FROSSARD UND STADELMANN, 1987] Unter alkalischen Bedingungen im Boden
kommen dagegen überwiegend Ca-Phosphate vor. Im mittleren pH-Bereich liegen daher
beide Gruppen in wechselnden Verhältnissen vor [MUNK, 1971/1972].
In einen Boden eingebrachtes lösliches Phosphat läßt die P-Konzentration zunächst stark
ansteigen, im Laufe der Zeit nimmt sie jedoch wieder stark ab. Die Phosphationen werden
zunehmend an die Bodenmatrix gebunden und treten aus der labilen Phase in die stabile Phase
über. Dieser Prozess wird als P-Alterung bezeichnet (Abbildung 2-3). Diesem Prozess
unterliegt auch Düngerphosphat, das im Jahr der Anwendung nur selten zu mehr als 20 %
ausgenutzt wird [WENDT ET AL., 1996] und verhindert weitestgehend die Auswaschung
von Phosphaten.
Außer der P-Alterung kann auch zusätzlich eine Festlegung der im Boden vorhandenen
Phosphate erfolgen. Dies ist daran zu erkennen, daß nicht einmal diese Phosphate
ertragswirksam umgesetzt werden können. Diese Effekte treten in der Praxis bei
Klärschlämmen auf und erschweren eine fachgerechte Düngeberatung. [THERING, 1994a]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
20
stabil
metastabil
sorbiert
gelöst
Abb. 2-3: Schematische Darstellung von Phosphatzuständen und deren mögliche Um-
wandlungsrichtungen im Boden [eigene Darstellung nach MUNK, 1971/72]
Wird das gelöste Phosphat von den Pflanzen nicht aufgenommen, wird es im Boden sorbiert
und gelangt in metastabile bzw. stabile Zustände. Der P-Pool im Boden wird dadurch
angereichert, eine Auswaschungsgefahr in den Untergrund bzw. in das Grundwasser ist
relativ unwahrscheinlich. [KIRKHAM, 1982] Die Gefahr der oberflächlichen Erosion des
Bodens in den Vorfluter und damit steigende P-Gehalte in Gewässern besteht jedoch.
Über die Frage in welchem Maße das im Klärschlamm vorliegende Phosphat pflanzenverfüg-
bar ist, gehen die Meinungen weit auseinander. Die Verfügbarkeit ist von einer Vielzahl von
Faktoren abhängig. Diese sind erstens die Bodeneigenschaften wie pH-Wert, Redoxpotential,
Bodenart, Humusgehalt, organische Substanz, P-Versorgungszustand, zweitens die Schlamm-
behandlung und angewandte P-Fällungsmethode in der Kläranlage und drittens das P-Aneig-
nungsvermögen des Pflanzenbestandes. [STICHLER, 1983; TIMMERMANN ET AL., 1980]
Nach SUNTHEIM UND DITTRICH [1996] stellt Klärschlamm keinen wertvollen P-Dünger
dar, da u.a. durch die P-Fällung mit Eisen/Aluminium die P-Verfügbarkeit eingeschränkt ist.
Klärschlämme sind nur langsam fließende Nährstoffquellen, bei denen zum Erreichen des
Höchstertrages stets eine mineralische Düngung zusätzlich erfolgen muß. Sie schlagen daher
vor, den P-Gehalt solcher Sekundärrohstoffdünger bei der Berechnung der
P-Düngeempfehlung nicht zu berücksichtigen [SUNTHEIM UND DITTRICH, 1998].
Im Vergleich zum Monocalciumphosphat werden bei STICHLER (1983) Werte über die
Phosphat-Wirksamkeit zwischen 20 - 100 % angegeben. Frische Klärschlämme sind in ihrer
Wirksamkeit mit Monocalciumphosphat oder basischen Schlacken vergleichbar. Dabei spielt
die Art der P-Elimination in der Kläranlage keine Bedeutung. Eine Trocknung der Schlämme
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
21
führt hingegen zu einer Reduzierung der Wirksamkeit bis 40 %, kommt es zur Veraschung
der Klärschlämme steigt die Abnahme auf 80 % an. [STICHLER, 1983]
TIMMERMANN ET AL. [1980] setzt in den Untersuchungen Klärschlämme aus der
mechanischen bzw. mechanisch-biologischen Reinigung und Fällungsschlämme der dritten
Reinigungsstufe ein. Während erstgenannte eine geringere P-Verfügbarkeit und -Wirksamkeit
im Vergleich zu den Mineraldüngern besitzen, konnte bei den letztgenannten eine
vergleichbare P-Löslichkeit und in Gefäßversuchen eine der Mineraldüngung entsprechende
Wirkung festgestellt werden.
KLUGE ET AL. [1997] und GUTSER [1996] sehen einen wesentlichen Faktor der
schlechteren Wirksamkeit von Klärschlamm-Phosphat im Vergleich zum Mineraldünger-
phosphat in der schlechteren räumlichen Verteilung im Wurzelbereich. Durch eine
gleichmäßigere räumliche Verteilung könnte in Zukunft die Wirksamkeit erhöht werden.
FRITSCH UND WERNER [1988] gehen von einer verminderten Wirksamkeit von
Klärschlamm-P im Vergleich zu Mineraldünger-P aus. Dies wird begründet mit einer
eingeschränkten Mobilität der Bodenphosphate. Durch die mehrjährige Anwendung von
Klärschlamm ist das P-Sorptionsvermögen des Bodens erhöht und dadurch die
P-Konzentration in der Bodenlösung relativ zur P-Anreicherung erniedrigt worden.
Nach WERNER [1976] zeigten alle Klärschlämme eine verzögerte Anfangswirkung im
Vergleich zu Dicalciumphosphat. In ihrer Gesamtwirkung konnten die Klärschlämme auf
sauren Boden befriedigen, während sie auf neutralem Boden eine deutlich schlechtere
Wirkung zeigten. DIEZ UND WEIGELT [1980] beurteilen die Verfügbarkeit des Phosphates
im Klärschlamm auf schwach sauren Böden etwas besser, auf neutralen Böden etwas
schlechter, im Mittel der Böden aber etwa mit dem Mineraldünger-Phosphat vergleichbar.
FISCHER [1994] geht langfristig von einer vollen Anrechenbarkeit der P2O5-Gehalte bei der
Düngeplanung aus.
Neben der Frage der P- Anrechenbarkeit sind in der Literatur unterschiedliche Angaben zu
finden, bei welchem Phosphat-Fällungsmittel die größte P-Verfügbarkeit vorhanden ist. Die
Angaben für die beste Verfügbarkeit reichen von biologischer P-Fällung [SUNTHEIM,
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
22
1996], Kalkhydrat bzw. Kalkhydrat plus Eisenchlorid [BARAN, 1985] bis Al-Fällung
[WERNER, 1976].
Die Verfügbarkeit mit Kalk gefälltem Phosphat ist in der Regel besser als jene mit Eisen bzw.
Aluminium gefälltem Phosphat. Mineraldünger wirkte jedoch im Vergleich zum gefällten
Klärschlamm-Phosphat schneller. Zur Anreicherung des Bodenpools und damit für die
langfristige Wirkung kann Klärschlamm entsprechend anderen pflanzlichen
Ernterückständen, Wirtschaftsdüngern oder Mineraldünger für die P-Bilanzierung zu 100 %
berücksichtigt werden. [GUTSER, 1996] Für spezielle Entwicklungsstadien der Pflanze z.B.
Jugendphase von P-bedürftigen Pflanzen wie Mais kann eine Startdüngung nötig sein.
2.3.3 Kalium, Calcium und Magnesium
Im Klärschlamm ist ein Kaliumgehalt von ca. 0,2 - 0,6 % vorhanden. Da Kalium
wasserlöslich ist, geht es mit dem Abwasser in den Vorfluter. Für die Klärschlamm-Düngung
heißt dies, daß die geringen Mengen an Kalium zwar pflanzenverfügbar sind, den Bedarf der
Pflanzen jedoch nicht decken und somit eine zusätzliche Kalium-Düngung erfolgen muß.
[JELENIC, 1986; ATV, 1996]
Der Kalkgehalt in nicht aufgekalkten Klärschlämmen beträgt ungefähr 8 %. Das Calcium ist
organisch gebunden und daher nicht sofort wirksam. Je nach eingesetzter Klärtechnik erfolgt
bei der Entwässerung eine Zugabe von Kalk in Form von Lösch- oder Branntkalk. Dadurch
steigt der Kalkgehalt auf ca. 40 % an. Eine Verschiebung des Boden-pH-Wertes hat einerseits
positive Auswirkungen auf die verminderte Löslichkeit von Schwermetallen, andererseits
kann es beim Überschreiten des optimalen pH-Wertes zu z.B. Manganmangelerscheinungen
in Sandböden kommen [KÖSTER, 1981].
In Abhängigkeit von der Bodenart werden aufgrund von Kalkauswaschung, Kalkentzug der
Pflanzen, sauren Niederschlägen, Anwendung physiologisch sauren Düngemittel etwa
300 - 500 kg/ha CaO pro Jahr verbraucht. Wird für die Entseuchung eine Kalkmenge von
ungefähr 20 % eingesetzt, gelangen bei einer maximalen Klärschlammmenge von
1,67 t/ha Trockensubstanz pro Jahr etwa 330 kg/ha Kalkhydrat auf die Fläche. Zufuhr und
Entzug stehen dadurch im Gleichgewicht und eine Überkalkung ist ausgeschlossen.
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
23
Übersteigt die Kalkzugabe jedoch stark die 20 %, ist zu prüfen, ob dadurch nicht eine
Überkalkung des Bodens eintreten kann. Gegebenenfalls müssen die aufzubringenden
Klärschlammmengen reduziert werden. [PESCHEN, 1987]
Die Magnesiumgehalte im Klärschlamm sind davon abhängig, welcher Kalk eingesetzt wird.
Bei den Schlämmen, die mit Branntkalk konditioniert worden sind, steigt der Gehalt von
0,1 - 0,5 % MgO auf 5 - 7 % MgO an. Das Magnesium liegt in pflanzenverfügbarer Form vor.
Bei den gekalkten Klärschlämmen reicht das damit zugefügte Magnesium für den Bedarf aus.
Liegen jedoch die Magnesiumgehalte oberhalb von 15 %, wie es durch die Verwendung von
dolomitischem Branntkalk geschehen kann, so kann es zu einer Verschiebung des Ca/Mg-
Verhältnisses kommen. Das Gleichgewicht würde sich zu Gunsten des Magnesiums
verschieben und ein Calciummangel wäre die Folge. [JELENIC, 1986; ATV, 1996]
2.3.4 Schwermetalle
In jedem Boden sind von Natur aus Schwermetalle enthalten, diese werden durch Verwitte-
rung der Gesteine langsam freigesetzt. Durch Niederschläge und Staub-Depositionen gelan-
gen sie auf den Boden und die Pflanze. Ebenfalls können Erosion aber auch Überschwem-
mungen zu Anreicherungen von Schwermetallen in den Boden führen. Das heißt, je nach
Standort und Bodenbeschaffenheit sind die Gehalte im Boden sehr unterschiedlich. In Tabelle
2-10, in der Orientierungsdaten, die im einzelnen stark abweichen können, dargestellt sind, ist
der Normalbereich für Schwermetallgehalte des Bodens im Allgemeinen und für landwirt-
schaftlich genutzten Boden im Besonderen angegeben POLETSCHNY [1993]. Aber auch in
allen anderen Umweltmedien wie Luft und Wasser sind Schwermetalle in verschiedenen
Konzentrationen anzutreffen. Zwischen den Gehalten der städtischen und ländlichen Luft
bestehen zum Teil große Differenzen, insbesondere ist dies bei den Bleiwerten sichtbar, die in
Ballungsgebieten um den Faktor 100 höher liegen als im ländlichen Raum. Da Klärschlamm
einen Schwermetall-Pool darstellt, da dort die Reinigung der Abwasser der Haushalte,
Gewerbe und Oberflächenwasser erfolgt, ist es nicht verwunderlich, daß die Konzentrationen
höher liegen als in den anderen Umweltmedien, jedoch mit abnehmender Tendenz.
Auf landwirtschaftlich genutzten Böden gelangen Schwermetalle neben den bereits erwähnten
Eintragswegen auch über die Düngung von Wirtschafts- und Handelsdüngern (Tabelle 2-11).
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
24
Tabelle 2-10: Schwermetalle in der Umwelt [eigene Darstellung nach POLETSCHNY, 1993;
CRAMER ET AL. 1981 und HASSELBACH, 1992]
Boden
Normal-
bereich 1
[mg/kg TS]
Boden
landwirt-
schaftlich
genutzt 2
[mg/kg TS]
Meer-
wasser 3
[mg/l]
Fluß-
wasser 3
[mg/l]
Luft
Rein/
Stadt 3
[ng/m3]
Staub-
Deposition
(naß und
trocken) 3
[mg/m2 •• a]
Klärschlamm
1993 4 2001 5
[mg/kg TS]
Pb 0,1-20 35 0,000003 0,0003 6/590 14-62 159 63
Cd 0,01-1,0 0,4 0,0001 0,0004 1/10 0,4-2,6 3 1,4
Cr 2-50 24 0,0002 0,001 0,3/15 91 46
Cu 1-20 15 0,0003 0,002 10/27 0,4-11 330 274
Ni 2-50 15 0,0006 0,0003 2/42 0,04-2,6 38 23
Hg 0,01-1,0 0,1 0,00002 0,00007 3/6 2 1
Zn 3-50 67 0,0006 0,0007 100-300 1318 809
1 CRAMER ET AL., 1981
2 POLETSCHNY, 1993, Mittelwert aus 18100 untersuchten Böden
3 HASSELBACH, 1992
4 POLETSCHNY, 1993, Mittlerer Gehalt von 6800 untersuchten Schlämmen
5 BMU, 2001, Königswasseraufschluß
Im Mineraldünger liegen die Schwermetallgehalte überwiegend im unteren Bereich. Eine
Ausnahme stellt das Cadmium dar, das im Rohphosphat enthalten ist. Durch veränderte
Importstrukturen des Rohphosphates und einer geringeren Phosphatdüngungsintensität konnte
der Cadmiumeintrag im Durchschnitt auf 3 g Cd pro Hektar und Jahr reduziert werden.
[SAUERBECK, 1985b] Nach neueren Angaben von LAVES ET AL. [1999] gelangen in
Sachsen durch Mineraldüngung nur noch 1,34 g Cd pro Hektar und Jahr auf landwirtschaft-
lich genutzte Flächen. Die Schwermetalle Kupfer und Zink sind sowohl im Klärschlamm
kritisch zu beurteilen, als auch in der Gülle und dort insbesondere in der Schweinegülle.
Tabelle 2-11: Jährliche Zufuhr an Schwermetallen durch eine ordnungsgemäße NPK-
Mineraldüngung, sowie vom Gesetzgeber festgelegte oder nach Richtwerten
empfohlene Menge an Gülle, Kompost und Klärschlamm [SEVERIN, 1991
in: TRITT, 1994]
NPK-
Mineral-
dünger
[g/ha •• a]
Rinder-
gülle
1,5 DE/ha
[g/ha •• a]
Schweine-
gülle
1,5 DE/ha
[g/ha •• a]
Hühner-
gülle
1,2 DE/ha
[g/ha •• a]
Kompost
100 kg
N/ha
[g/ha •• a]
Klär-
schlamm
1,7 t
[g/ha •• a]
Pb 28 29 12 14 941 148
Cd 6 0,9 0,8 0,5 7 5
Cr 45 15 11 14 166 63
Cu 19 114 374 132 448 540
Ni 17 9 12 12 92 45
Hg 0,2 0,05 0,05 2 4
Zn 132 585 1009 767 2251 1878
DE Dunkeinheit = 80 kg N (Gülleverordnung Niedersachsen)
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
25
Im Boden und auch im Klärschlamm sind Schwermetalle an den funktionellen Gruppen der
Huminstoffe gebunden. Jedes Element weist daher eine unterschiedliche Bindungsstärke auf,
aber auch die Art der funktionellen Gruppen und der pH-Wert üben Einfluß aus. Je mehr
Schwermetalle bereits am Substrat gebunden sind, um so kleiner ist die Bindungsstärke. Die
Metalle untereinander konkurrieren ebenfalls um die Bindungsplätze, so dass ihre
Verfügbarkeit und Aufnahme unterschiedlich ist. Liegt eine geringe Sättigung im Boden vor,
steigt die Konzentration in der Bodenlösung auch bei einer starken Zunahme von
Schwermetallen nur gering an. Ist jedoch die Sättigungsgrenze erreicht, steigt die
Konzentration in der Bodenlösung stark an, da das Substrat keine weiteren Metallionen
aufnehmen kann. [STICHLER ET AL., 1987] Die Metalle mit der höheren Affinität, wie z.B.
Blei, werden bevorzugt gebunden. Metalle wie Zink, Nickel oder Cadmium mit einer
geringen Affinität werden leichter verdrängt und gehen in Lösung. In Versuchen mit Spinat
konnte STICHLER ET AL. [1987] zeigen, dass bei gleichem Angebot von Blei und Cadmium
der Spinat um so mehr Cadmium aufnahm, je höher die Bleigehalte wurden. Da im Boden
und im Klärschlamm eine Vielzahl von Schwermetallen vorliegen, empfiehlt er, nicht nur
Grenzwerte für einzelne Schwermetalle, sondern auch die kompetiven Verhältnisse
ausgedrückt als Sättigungs- bzw. Löslichkeitsgrad anzugeben.
Nach langjähriger Ausbringung von Klärschlamm auf den Boden, ist nur eine sehr geringe
Verlagerung von Schwermetallen in den Untergrund festgestellt worden. LÜBBEN [1993]
fand geringfügig höhere Gehalte unterhalb der Ackerkrume, wobei zwischen den mobilen und
weniger mobilen Elementen kein Unterschied bestand. Es wird angenommen, daß diese Ver-
lagerungen wahrscheinlich von Wurzeleinflüssen und Bioturbationen hervorgerufen werden.
Die Schwermetalle können unterschieden werden in die für die Pflanze essentiellen und nicht
essentiellen. Es gilt wie für alle anderen Nährstoffe auch die Dosis-Wirkungs-Beziehung. Bei
der Zufuhr von den essentiellen Metallen (Eisen, Kupfer, Zinn, Bor und Molybdän) steigt im
Mangelbereich der Ertrag an, im Optimalbereich ist keine Wirkung festzustellen, bevor es bei
einem Überschuß zu Ertragsdepressionen kommt. Diese äußern sich in Form von
Welkeerscheinungen, Nekrosen oder Chlorosen. Bei den nicht essentiellen Metallen wie
Chrom, Cadmium und Blei können geringe Konzentrationen toleriert werden, bevor es zu
Schädigungen an der Pflanze kommt. Bei einigen Pflanzen ist die Schädigung noch nicht zu
erkennen, jedoch würden bereits für Menschen und Tiere Gefahren durch den Verzehr
eintreten (vgl. Tabelle 2-12) [JELENIC, 1986].
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
26
Tabelle 2-12: Transferkoeffizient Boden-Pflanze und kritische Konzentrationen von
Schwermetallen im Pflanzenmaterial [SAUERBECK, 1985a; KLOKE ET AL.
1984 in: SAUERBECK, 1985b]
Transfer-
Koeffizient
Boden-Pflanze 1
Pflanzen
Normalbereich 2
[mg/kg TS]
Pflanzen
kritisch für
Pflanzenwuchs
3 [mg/kg TS]
Pflanzen
kritisch für
Tierfutter 4
[mg/kg TS]
Pb 0,01-0,1 1-5 10-20 10-30
Cd 1-10 < 0,1-1 5-10 0,5-1
Cr 0,01-0,1 < 0,1-1 1-2 50-3000
Cu 0,1-1 3-15 15-20 30-100
Ni 0,1-1 0,1-5 20-30 50-60
Hg 0,01-0,1 < 0,1-0,5 0,5-1 >1
Zn 1-10 15-150 150-200 300-1000
1 Nur Größenordnung; im Einzelfall sind die Werte abhängig von Bodeneigenschaften und Pflanzenart
2 Stark abhängig von Bodentyp, Ausgangsgestein, Pflanzenart, -alter und -organ
3 Schwellenwerte, bei denen die Wachstumshemmung von besonders sensitiven Pflanzenarten beginnt
[SAUERBECK, 1985a]
4 Verschiedene Haustiere
GRÜN UND PUSCH [1990] aber auch SAUERBECK UND LÜBBEN [1991] konnten in
diversen Untersuchungen keinen linearen Anstieg zwischen den Boden- und Pflanzengehalten
feststellen. Jedes Metall weist unterschiedliche Boden-Pflanzen-Verhältnisse auf (siehe
Tabelle 2-12 Transfer-Koeffizient Boden-Pflanze). Blei, Chrom und Quecksilber sind in
normalen Böden sehr fest gebunden und werden von den dort wachsenden Pflanzen nur in
sehr geringen Konzentrationen aufgenommen. Cadmium und Zink werden dagegen im großen
Umfang von den Pflanzen aufgenommen. Die Aufnahme in die Pflanzen ist vergleichbar der
Mobilität der Schwermetalle im Boden entsprechend Cadmium, Zink > Kupfer, Nickel >
Chrom, Blei Quecksilber [SAUERBECK, 1995b].
Innerhalb der Pflanze ist die Verteilung der Schwermetalle nicht homogen. In den Wurzeln
findet eine Akkumulation der Schwermetalle statt, während sie in den oberirdischen Sproßteil
geringer ist. Hier sind sie in physiologisch besonders aktiven Pflanzenteilen transloziert
GRÜN UND PUSCH [1990]. Es besteht daher ein Konzentrationsgradient Wurzel > Blätter >
Sproß > unterirdische Speicherorgane > Früchte. Im Einzelfall können jedoch große
Abweichungen davon bestehen. [DELSCHEN, 1989] Je nach Sorte und Pflanzenalter kommt
es zu einer unterschiedlichen Aufnahmerate der Schwermetalle [SCHENKEL, 1994]
Faustzahlen über den Gehalt der Schwermetalle in Pflanzen sind in Tabelle 2-12 zu finden.
Cadmium und Zink reichern sich stark in den Wurzeln an. Dies könnte wie GRÜN UND
PUSCH [1990] vermuten, auf eine Wurzel-Sproß-Barriere zurückzuführen sein. Cadmium
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
27
und Zink besitzen eine hohe Bioakkumulation, insbesondere Cadmium ist schon in geringen
Konzentrationen für den Menschen toxisch, auch wenn die entsprechenden Futter-, bzw.
Nahrungspflanzen noch keine Ertragsdepressionen zeigen (Tabelle 2-12). Es ist daher bei
vielen Untersuchungen in den Vordergrund gerückt worden, da es über den Weg Boden-
Pflanze-(Tier)-Mensch aufgenommen werden kann und bei dem Menschen zu
gesundheitlichen Schäden führt. Bei den Schwermetallen Zink, Kupfer und Nickel ist es
umgekehrt, hier treten zunächst Pflanzenschäden auf, bevor Konzentrationen erreicht werden,
die für Tiere schädlich sind. In Immissionsgebieten sind daher oftmals Zinküberschüsse für
Pflanzenschäden verantwortlich. [SAUERBECK, 1985b]
Wie bereits oben erwähnt, stellt Klärschlamm ein Spiegelbild der in der Umwelt vorhandenen
Schwermetalle dar. Eine Entwicklung der Schwermetallgehalte im Klärschlamm über 20
Jahre zeigt Abbildung 2-4. Zusammengefaßt sind drei Datenreihen dargestellt, erstens die
Durchschnittswerte unterschiedlicher Erhebungen von Lehr- und Versuchsanstalten in
Deutschland ab dem Jahr 1977, zweitens die Ergebnisse des Lippeverbandgebietes für die
Jahre 1980 bis 1988 und drittens die gewogenen Schadstoffgehalte landwirtschaftlich
verwerteter Klärschlämme in Deutschland für die Jahre 1995 bis 1997. Seit 1977 ist bei allen
Schadstoffen die Konzentration im Klärschlamm gesunken. Bei einigen Schwermetallen ist
eine sehr starke Reduzierung zu beobachten wie z.B. beim Cadmium und Chrom, deren
gewogene Mittel von 1995 - 1997 weniger als 1/10 der Gehalte von 1977 betragen. Bei
anderen Metallen, wie beim Kupfer, konnte hingegen nur eine sehr geringe Reduzierung
erreicht werden, so dass 34 % des Grenzwertes der AbfKlärV ausgeschöpft werden. Eine
Ursache besteht u.a. in der Zunahme von Kupfer in der Installation. Trotz der Reduzierung
der Zinkgehalte in den vergangenen Jahren werden ebenfalls 33 % bzw. 42 % des
Grenzwertes der AbfKlärV erreicht.
Mit dem Erlaß der Klärschlammverordnung 1982 wurden Grenzwerte für die
Schwermetallkonzentrationen für den Klärschlamm und den Boden festgelegt. Gleichzeitig
wurden Forschungsprojekte u.a. das Verbundprojekt des Umweltbundesamtes 'Auswirkungen
von Siedlungsabfällen auf Böden, Bodenorganismen und Pflanzen' ausgeschrieben, in denen
die Grenzwerte auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden sollten. Dies führte 1992 zu einer
Neufassung der Klärschlammverordnung, in der die Grenzwerte mit Ausnahme des Nickels
nach unten korrigiert wurden.
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
28
Schwermetallgehalt [mg/kg Trockensubstanz]
Blei
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
Schwermetallgehalt [mg/kg Trockensubstanz]
Cadmium
0
5
10
15
20
25
1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
Chrom
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
Kupfer
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
Nickel
0
50
100
150
200
250
1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
Quecksilber
0
5
10
15
20
25
30
1977
1979
1981
1983
1985
1987
1989
1991
1993
1995
1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
Zink
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997
LUFA
L
D
GW-82
GW-92
LUFA - Schwermetallgehalte in Klärschlämmen Durchschnittswerte
aus verschiedenen Erhebungen der Lufa Bonn, Münster,
Speyer, Karlsruhe, Kassel [ATV, 1996]
L - Lippeverbandsgebiet Jahresmittelwerte landwirtschaftlich
genutzter
Klärschlämme [BORTLISZ ET AL., 1989a]
D - Landwirtschaftlich verwerteter Klärschlamm in Deutschland
gewogen 1995 - 1997 [LAVES ET AL., 1999]
GW - Grenzwerte der AbfKlärV von 1982 bzw. 1992
Abb. 2-4: Schwermetallgehalte im Klärschlamm in mg/kg Trockensubstanz
[eigene Darstellung nach ATV, 1996; BORTLISZ ET AL.,1989a und LAVES
ET AL., 1999]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
29
2.3.6 Organische Schadstoffe
In den Achtziger Jahren begann die Diskussion über die organischen Schadstoffe im
Klärschlamm. Im Oktober 1984 wurde erstmalig bei einem WHO-Expertentreffen, das sich
schwerpunktmäßig mit der Schwermetallproblematik befaßte, über die Belastung von
Klärschlämmen mit organischen Stoffen und deren gesundheitlichen Folgen diskutiert. Es
erfolgte eine Auflistung der Stoffe, deren Vorkommen im Klärschlamm bekannt waren bzw.
Tabelle 2-13: Organische Schadstoffe in Klärschlämmen
PCDD/PCDF: polychlorierte Dibenzodioxide und -furane, PCB: polychlorierte
Biphenyle, AOX: Summe der adsorbierten organisch gebundenen Halogene,
PAK: polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, B[a]p: Benz[a]pyren,
PCDD/F
[ng TE/kg TS] PCB (6)
[mg /kg TS] AOX
[mg /kg TS] PAK/B[a]p
[mg /kg TS]
Einzugsgebiet Neckar,
bezogen auf techn.
Gemische (n=290)
HAGENMAIER
1981/82 in:
OFFENBÄCHER,
1991
0,8-1,7
Ó6 PAK TrinkwV
Frisch- und Belebt-
schlamm: 2-20
Mittelwert: 9,7
Faulschlamm: 5-66
Mittelwert: 15,9
BRÜNE, 1985 Boden:
0,1 industriefern
100 industrienah
KS: B[a]p: 1,568
(n=30)
Acker: B[a]p: 0,016
(n=21)
Schlämme
verschiedener Herkunft
ALBERTI, 1987 in:
OFFENBÄCHER,
1981
Kommunal K1: 1,1
K2: 0,1
Gemischt IK: 0,7
Industriell I1: 1,2
I2: 4,8
Ó6 PAK TrinkwV
Kommunal K1: 4,3
K2: 4,1
Gemischt IK: 7,2
Industriell I1: 96
I2: 1,1
Untersuchung aus
Niedersachsen 1990-
1991
MERKEL, MATTER,
1994
Kalk > 120 kg
CaO/t (n=26)
Mittelwert: 30,
Median: 18
Kalk < 120 kg
CaO/t (n=103)
Mittelwert: 46
Median: 29
Kalk > 120 kg
CaO/t (n=201)
Mittelwert: 101,
Median: 79
Kalk < 120 kg
CaO/t (n=521)
Mittelwert: 200,
Median: 181
Untersuchungen aus
dem Rheinland
OFFENBÄCHER,
1991 und
POLETSCHNY, 1994
38,6 ± 9,7
(n=47) 0,16 ± 0,14
(n= 47) Mittelwert: 206
Median 192
(n=88)
Untersuchungen aus
Bremen
HÖPER, 1992 in:
POLETSCHNY, 1994
40,6
(n=9) 0,11
(n=22) 170
(n=4)
UBA, LESCHBER,
1993 < 50 (n= 65%)
<100 (n=80%)
> 200 (n=2%)
< 0,1 für die
Einzelkomponenten B[a]p
KS: 0,2-1,1
Boden: 0,03-0,3
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
30
mit deren Vorkommen zu rechnen war. [LESCHBER. 1993] Die erste größere Studie des
Umweltbundesamt über den Gehalt an Dioxinen und Furanen in Klärschlämmen wurde
1986/87 durchgeführt. [BUTZKAMM-ERKER UND MACH, 1990] Bei der Novellierung der
Klärschlammverordnung wurden 1992 erstmalig auch Grenzwerte für organische Schadstoffe
im Klärschlamm jedoch nicht für den Boden aufgenommen (vgl. Tabelle 2-5): Polychlorierte
Dibenzodioxide und -furane (PCDD/PCDF), Summe der adsorbierten organisch gebundenen
Halogene (AOX) und Polychlorierte Biphenyle (PCB). In Tabelle 2-13 sind
Klärschlammbelastungen mit organischen Schadstoffen unterschiedlicher Untersuchungen
dargestellt. Zum einen geben sie einen Eindruck, in welchen Größenordnungen die
verschiedenen organischen Schadstoffe im Klärschlamm anzutreffen sind, zum anderen
können die Ergebnisse unterschiedlicher Herkünfte verglichen werden.
PCDD/PCDF
PCDD und PCDF sind keine industriell hergestellten Chemikalien, sondern entstehen bei
thermischen Prozessen und bei chemischen Syntheseverfahren (Chlorphenole, PCB).
PCDD/PCDF sind ubiquitär in unserer Umwelt vorhanden, da sie weiträumig über den
Luftweg verteilt werden. Dies ist auch der Haupteintragspfad in den Boden, nur auf
Standorten, die mit sehr hohen Klärschlammgaben gedüngt worden sind, ist die Belastung auf
Klärschlamm zurückzuführen. [FÜHR ET AL., 1985; BUTZKAMM-ERKER, 1991] Bei
Untersuchungen des Lippeverbandes in Zusammenhang mit der Landesanstalt für Ökologie in
Nordrhein-Westfalen konnte eindeutig belegt werden, daß es bei einem
Konzentrationsvergleich zwischen beschlammten und unbeschlammten Böden zu keiner
Anreicherung mit PCDD/PCDF in Böden durch die landwirtschaftliche
Klärschlammverwertung gekommen ist. Zusammenfassend heißt es dort, daß die
immissionsbedingte "Grundlast Dioxin/Furan" im Boden ein geringeres Risiko birgt als in den
anderen Kompartimenten Luft und Wasser (Bioverfügbarkeit). [BORTLISZ ET AL., 1989a]
PCDD/PCDF sind im Boden weitgehend immobil. Es erfolgt eine Fixierung an Sedimente
aquatischer Systeme, die nur eine geringe vertikale Verlagerung im Boden aufweisen.
Horizontal wird PCDD/PCDF dagegen bei Erosionsvorgängen verfrachtet. Nur 0,1 % des
2,3,7,8- TCDD (Toxizitätsäquivalent Faktor 1,0), welches in einem kontaminierter Boden
vorlag, konnte in Landpflanzen bestimmt werden. [BORTLISZ ET AL., 1989a] Über den
Weg Klärschlamm - Boden - Pflanze - (Tier) - Mensch ist daher nicht mit einem Transfer von
PCDD/PCDF zu rechnen. [BUTZKAMM-ERKER, 1991]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
31
Erste Untersuchungen bezüglich des PCDD/PCDF-Gehaltes in Klärschlamm wurden von
HAGENMAIER und Mitarbeitern im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt. Es
wurden 26 Kläranlagen untersucht, dabei wurde eine Bannbreite von 28-1560 ng TE/kg
Trockensubstanz ermittelt. Aufgrund dieser Extremwerte veranlaßten mehrere Bundesländer
eigene Untersuchungen, und auch das Umweltbundesamt gab neue Untersuchungen in
Auftrag. Diese Ergebnisse fielen mit Konzentrationen zwischen 30-60 ng TE/kg TS
wesentlich positiver aus, wie aus Tabelle 2-13 hervorgeht. Nach einer Auswertung von ca.
300 Einzel- ergebnissen des Umweltbundesamtes lagen die Gehalte bei 65 % aller Proben
unter 50 ng TE/kg TS, 80 % unter 100 ng TE/kg TS und nur 2 % der Proben enthielten
Konzentrationen, die größer als 200 ng TE/kg TS waren. Dies führte dazu, daß das
Bundesumweltministerium den Grenzwert für PCDD/PCDF auf 100 ng TE/kg TS festlegte.
[LESCHBER, 1993]
PCB
Die Gruppe der polychlorierten Biphenyle sind unterschiedlich persistente niedermolekulare
organische Chemikalien, die ubiquitär im Boden nachweisbar sind. Da schon früh ihre
umweltschädigende Wirkung erkannt wurde, besteht ein Gebrauchsverbot der PCB's seit 1981
in der Bundesrepublik Deutschland und seit 1986 in der Europäischen Gemeinschaft.
Langfristig werden die PCB's an Bedeutung verlieren, trotzdem besteht der Grenzwert von 0,2
mg/kg Trockensubstanz für jede der sechs Verbindungen nach Ballschmiter [BORTLIZS, ET
AL., 1989a]. Der "Gesamt-PCB"-Gehalt ergibt sich aus der Summe der sechs Komponenten
Nr. 28, 52, 101, 138, 153, 180, multipliziert mit dem Faktor 5 [BUTZKAMM-ERKER, 1991].
Das Gebrauchsverbot führte zur Reduzierung der Gehalte im Boden und Nahrungsmitteln.
[FÜHR ET AL. 1985; BRÜNE, 1985] Es besteht jedoch weiter eine Grundbelastung von
weniger als 0,1 mg PCB/kg Boden bei Acker- und Grünland, der in industrienahen Böden auf
100 mg/kg Boden ansteigen kann. Äcker mit Klärschlammgaben können bis zu 1 mg PCB/kg
Boden enthalten, jedoch sind in der Regel die Konzentrationen geringer als 0,5 mg PCB/kg
Boden (vgl. Tabelle 2-14) [BUTZKAMM-ERKER, 1991]. Die Verdampfung aus Gewässern
ist ein Haupteintragsweg in die Umwelt. Die Belastung der kommunalen Klärschlämme liegt
dabei unterhalb derer industrieller Herkunft. Innerhalb einer längeren Periode sind die Gehalte
ziemlich konstant. [ALBERTI UND PLÖGER, 1986]. Für die Bodenbelastung spielt die Be-
lastung der Klärschlämme nur eine geringe Rolle. Die Pflanzenverfügbarkeit ist nach derzei-
tigem Kenntnisstand sehr gering. Nach SAUERBECK [1985a] und KAMPE UND SCHAAF
[1990] besteht keine Signifikanz zwischen den Bodenbelastungen und der Aufnahme der
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
32
Tabelle 2-14: Polychlorierte Biphenyl (PCB) -Gehalte1 verschiedener Böden
[BORTLISZ ET AL., 1989b]
PCB
[µg/kg]
Acker/Grünland
Grundbelastung
(n=25)
[%]
Acker mit
Klärschlammgaben
(n=43)
[%]
Grünland in Über-
schwemmungsbereiche
n (n=25)
[%]
< 100 100 81,4 13,6
100 - 500 14,0 22,7
500 - 1000 4,6 22,7
> 1000 40,0
1 berechnet aus der Summe Nr. 28, 52, 101, 138, 153, 180 multipliziert mit 5
Pflanze an PCB. Innerhalb der Pflanze sind die Gehalte in der Blattmasse im Vergleich zu den
übrigen Pflanzenteilen höher. Dies kann zum einen durch den Lufteintrag verursacht werden,
aber auch durch eine erhöhte Ausgasung des Bodens. [BUTZKAMM-ERKER, 1991]
AOX
Der AOX-Wert dient als Indikator für die Summe der halogenierten, insbesondere chlorierten
Kohlenwasserstoffe. Tabelle 2-13 stellt die Ergebnisse einiger Untersuchungen dar. Im
Durchschnitt liegt der AOX-Wert bei 200 mg/kg TS und erreicht damit nur 40 % des
Grenzwertes von 500 mg/kg Klärschlamm-Trockenmasse. [LESCHBER, 1993]
In die Stoffgruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe gehören z.B. die Insektizide DDT,
seine Abbauprodukte DDE, Methoxychlor, Hexachlorcyclohexan (HCH), Endosulfan. Es sind
in erster Linie Kontakt- und Fraßgifte. Lindan, ein Isomer des HCH stellt aufgrund seines
hohen Dampfdruckes auch ein Atemgift dar. Die Insektizide haben eine große Dauerwirkung
aufgrund der geringen Flüchtigkeit und Wasserlöslichkeit. Da sie sich nur langsam abgebaut
werden, kommt es zu einer Anreicherung in der Nahrungskette. In der Bundesrepublik
Deutschland besteht seit 1972 ein Verbot für die Ein- und Ausfuhr, den Erwerb und die
Anwendung von DDT, aber weiterhin ist es im Boden und Klärschlamm nachweisbar, auch
wenn in den vergangenen Jahren die Konzentrationen weiter rückläufig sind. Da es weltweit
jedoch noch angewendet werden darf, können Lebens- und Futtermittel, die aus diesen
Gebieten importiert werden, weiterhin mit DDT belastet sein, wodurch eine fortlaufende
Belastung des hiesigen Klärschlammes nicht zu vermeiden ist. [HOFFMANN ET AL., 1985;
GELBERT ET AL., 1992]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
33
PAK
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen bei unvollständigen Ver-
brennungen von Kohlenwasserstoffen bei 500 bis 700 °C. Daher liegen die Winterkonzentra-
tionen in Städten höher als die Sommerkonzentrationen. PAK's sind ebenfalls ubiquitär vor-
handen, und einige Verbindungen haben sich in Tierversuchen als eindeutig krebserregend
erwiesen. [BRÜNE, 1985] PAK's werden im Boden insbesondere am Humus stark gebunden,
es findet jedoch im Gegensatz zu den PCB's ein Abbau im Boden statt. [BUTZKAMM-ER-
KER, 1991] In Tabelle 2-15 sind die Konzentrationen von Benz[a]pyren, das als Leitsubstanz
gilt für unterschiedliche Böden, zusammengestellt. Die Gehalte des Klärschlammes liegen
zwischen 0,2 bis 1,1 mg B[a]p/kg Trockensubstanz, wie auch aus der Tabelle 2-13 hervorgeht
[LESCHBER, 1993]. Für die Belastung des Bodens ist jedoch der atmosphärische Eintrag be-
deutender als der durch Klärschlamm. Die Pflanzenverfügbarkeit in Böden ist gering, Es be-
stehen keine signifikanten Zusammenhänge zwischen den Klärschlammgehalten, dem Boden
und der Aufnahme durch die Pflanzen. [BUTZKAMM-ERKER, 1991] Neben den hier vor-
gestellten Schadstoffen gibt es noch eine Vielzahl weiterer organischer Schadstoffe. Eine Ar-
beitsgruppe, die durch die Umwelt-Minister-Konferenz installiert wurde, beschäftigt sich mit
den "relevanten" Schadstoffen. Dazu wurden Datenblätter für einzelne Stoffe sowie für Stoff-
gruppen erstellt und beurteilt. Darin werden säuger- und humantoxische, sowie ökotoxische
Eigenschaften beurteilt. Neben dem allgemeinen chemisch-physikalischen Verhalten im
Boden spielt der Transfer Boden-Grundwasser bzw. Boden-Pflanze eine besondere
Bedeutung. Es werden die Gehalte von Klärschlämmen, die in die landwirtschaftliche
Verwertung gehen, zusammengestellt und die ermittelten Daten auf ihre Zuverlässigkeit
überprüft. Am Ende der Erhebung erfolgt eine Gesamtbewertung in drei Gruppen: vorrangig
relevant, nachrangig relevant und Stoffe mit Informationsbedarf. Die Stoffe, die der
Tabelle 2-15: Benz[a]pyren in Böden unterschiedlicher Herkunft, Relativzahlen
[BRÜNE, 1985]
Anzahl der Proben
Benz[a]pyren
Acker 21
• absolut [mg/kg Boden]
• relativ
0,016
1
Wiese 5 2
Kleingärten 26 4
Waldboden (Humusauflage) 9 7
Kompost 15 95
Klärschlamm 30 98
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
34
Tabelle 2-16: Einstufung der bewerteten Stoffe, Stoffe der Gruppe I, Stoffe mit vorrangiger
Relevanz [LITZ, 1998]
PCDD/PCDF: polychlorierte Dibenzodioxide und -furane, PCB: polychlorierte
Biphenyle, AOX: Summe der adsorbierten organisch gebundenen Halogene,
PAK: polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, B[a]p: Benz[a]pyren,
Stoff Säuger/Human-
Toxizität (akut) Ökotoxizität Wasserlöslich-
keit Persistenz Gehalte
PCDD/F
Einzelsubstanz/
Summenparameter
hoch kanzerogen aquatisch hoch
terrestrisch hoch
Bioakku. hoch
gering hoch gering
AOX
Summenparameter hoch,
Indikator
PCB
Einzelsubstanzen/
Summenparameter
mittel tumor-
promovierend,
immun-toxisch
aquatisch hoch
terrestrisch
mittel Bioakku.
hoch
gering hoch gering und
weiter
rückläufig
B[a]p
Einzelsubstanz
(PAK)
kanzerogen,
mutagen,
teratogen
hoch
Bioakku. hoch gering hoch hoch
LAS
(Lineares Alkyl-
benzolsulfonat)
mittel aquatisch hoch
terrestrisch
mittel Bioakku.
hoch
hoch, Erhöhung
der Mobilität
anderer
Schadstoffe
mittel hoch
Nonylphenol mittel, Verdacht
auf östrogene
Wirkung
aquatisch hoch
terrestrisch
mittel Bioakku.
hoch
hoch mittel hoch
Tributylzinnoxid hoch aquatisch hoch
terrestrisch hoch
endokrine
Wirkung
mittel hoch hoch
DEHP (Di-(2-
ethylhexyl)-
phthalat)
gering, Verdacht
auf östrogene
Wirkung
aquatisch mittel-
hoch
terrestrisch
gering Bioakku.
hoch
gering mittel hoch
Stoffgruppe I vorrangig relevant angehören sind in Tabelle 2-16 dargestellt. Inzwischen sind
bereits 44 verschiedene Stoffe und Stoffgruppen bewertet worden. [LESCHBER, 1998]
2.4 Initiativen zum umweltverträglichen Klärschlammeinsatz in der
Landwirtschaft
Die Umsetzung des umweltverträglichen Klärschlammeinsatzes in der Landwirtschaft kann
unterschiedlich gestaltet werden. Beispielhaft sollen zwei unterschiedliche Ansätze der
Bundesländer Schleswig-Holstein und Sachsen vorgestellt werden. Desweiteren sollen die
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
35
Möglichkeiten des Klärschlammeinsatzes in Nordrhein-Westfalen aufgezeigt werden, die
aufgrund der Bodengehalte noch bestehen, Klärschlamm umweltverträglich auszubringen.
Die Ausgangslage in Schleswig-Holstein war, daß einige große Getreidemühlen in
Norddeutschland kein Getreide von mit Klärschlamm beschlammten Flächen abnahmen.
Ebenso erlaubten Ökoverbände auf den Feldern der Mitgliedsbetriebe sowie Kirchen und
Kommunen auf ihren eigenen Flächen keine Nutzung von Klärschlamm. Daraufhin haben
sich Vertreter des Umweltministeriums, des Landwirtschaftsministeriums, des Institutes für
Toxikologie der Christian-Albrecht-Universität Kiel, der Landwirtschaftskammer und ihrer
LUFA, eines Kreisumweltamtes sowie dem Vorsitzenden des Städtebundes zusammengesetzt
und über diesen Sachverhalt diskutiert. Als Ergebnis wurden einvernehmlich
vorsorgeorientierte Referenzwerte für Boden- und Klärschlammgehalte (Tabelle 2-17)
erarbeitet. Oberhalb dieser Referenzwerte für den Boden sollte keine Ausbringung von
Klärschlämmen und anderen belasteten Düngern erfolgen. Ebenso sollte kein Klärschlamm
landwirtschaftlich verwertet werden, der oberhalb des Referenzwertes für Klärschlamm liegt.
Tabelle 2-17 Beispiele unterschiedlicher Regelungen in Schleswig-Holstein und Sachsen
Grenzwerte
gem. AbfKlärV § 4
Referenzwerte
Schleswig-Holstein 2
Zulässige
Höchst-
konzentration
Sachsen 4
Boden
[mg/kg TS] Klärschlamm
[mg/kg TS] Boden
[mg/kg TS] Klärschlamm
[mg/kg TS] Klärschlamm
[mg/kg TS]
As 4 3 30
Pb 100 900 30 300 200
Cd 1/1,5 1 10/5 1 0,6/0,8 1 3/4 1 1,5
Cr 100 900 30 300 200
Cu 60 800 30 400 200
Ni 50 200 20 50 50
Hg 1 8 0,4 3 2
Zn 150/200 1 2500/2000 1 100 1000 1000
AOX 500 200 250
PCB einzelne: 0,2
Summe: 1,2 einzelne: 0,01
Summe: 0,05 einzelne: 0,08
Summe: 0,4 Summe:0,6
PCCD/F 5 100 4 30 15
PAK/
B[a]p PAK: 1,0
B[a]p: 0,1 PAK: 8
B[a]p: 0,8
1 gem. § 4 Abs. 8, 11 und 12 AbfKlärV
2 HENNING ET AL., 1995
3 bodenartspezifisch abweichende Werte
4 Zulässige Höchstkonzentration des Förderprogrammes "Umweltgerechte Landwirtschaft" (UL) in Sachsen
[LAVES ET AL., 1999]
5 Einheit [ng TE/kg TS]
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
36
Eine Verbesserung der Klärschlammqualität ist aus Gründen der Vorsorge zu veranlassen.
Die Einführung der Referenzwerte wird als erster Schritt dazu gesehen, eine Senkung der
Grenzwerte zu erreichen [HENNING ET AL., 1995].
Einen anderen Weg schlug das Land Sachsen ein, in dem seit 1993/94 das Förderprogramm
"Umweltgerechte Landwirtschaft" (UL) besteht. Eine Bestimmung des Förderprogrammes
besagt, daß kein Klärschlamm ausgebracht werden darf. [LÜTKE ENTRUP ET AL., 1998].
Um jedoch Klärschlämme und Bioabfälle mit verminderten Schadstofffrachten auch
landwirtschaftlich zu nutzen, wurde 1999 ein neues UL-Förderprogramm aufgelegt, in dem
neue Höchstkonzentrationen für Klärschlamm entsprechend Tabelle 2-17 gelten. Neben der
Verringerung der Konzentrationen ist auch die Ausbringungsmenge von 1,7 t TS/ha«a auf
1 t TS/ha«a reduziert worden. Durch diese Maßnahmen erreichen die Höchsteinträge nur noch
9 - 24 % der Höchstmenge der Klärschlammverordnung. Durch die verschärften Regelungen
sollen bei der Nutzung von Sekundärrohstoffdünger Anreize und Garantien für eine hohe
Qualität gegeben werden und eine nachhaltig ökologisch verträgliche Abfallverwertung
umgesetzt werden [LAVES ET AL., 1999].
Um den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Düngung zu entsprechen, sind die vorhandenen
Nährstoffmengen des Bodens bei der Düngeplanung zu berücksichtigen. Für den Nährstoff
Phosphat liegen Untersuchungsergebnisse der Böden in Nordrhein-Westfalen vor. Auf der
Grundlage der Jahre 1991 bis 1994 sind die Ergebnisse der LUFA-Bodenuntersuchungsergeb-
nissen von WERNER UND BRENK [1997] ausgewertet worden. Die Berechnungen erlauben
Aussagen über die aktuelle P-Versorgung der Böden in Nordrhein-Westfalen zu treffen.
Abbildung 2-5 stellt die kumulierte Häufigkeitsverteilung der Phosphatgehalte aller
untersuchten Proben dar, sie sind getrennt für Acker- und Grünland. Beim Grünland liegt das
Maximum in der Gehaltsklasse C (10 - 18 mg P2O5/100 g Boden = 4,4 - 7,9 mg P/100 g
Boden), wogegen beim Ackerland über 80 % der Proben der Gehaltsklasse D (19 - 32 mg
P2O5/100 g Boden = 8,3 - 14,0 mg P/100 g Boden) zuzuordnen sind. Die niedrigen
Gehaltsstufen A und B sind insbesondere beim Ackerland kaum anzutreffen, dem steht eine
erheblich größere Anzahl von Proben der Gehaltsklasse E gegenüber.
Werden die Phosphatgehalte der Ackerflächen gemeindebezogen umgerechnet, erhält man für
Nordrhein-Westfalen die folgende Verteilung der Phosphat-Gehalte (Abbildung 2-6). Durch
die gemeindebezogene Berechnung sind die Gehaltsklassen A, B und E entfallen, alle
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
37
Abb. 2-5: Verteilung der Phosphatgehalte der vorliegenden Bodenuntersuchungs-
ergebnisse [WERNER UND BRENK, 1997]
Ackerböden sind in den Gehaltsklassen C und D wiederzufinden. Die Gehalte zwischen
22 - 28 mg P2O5/100 g Boden (9,6 -12,2 mg P/100 g Boden) sind am häufigsten anzutreffen,
insbesondere in den viehhaltungsintensiven Regionen von Nordrhein-Westfalen wie z.B. im
Münsterland. Dagegen weisen Gemeinden des Rheinlandes, des Sauerlandes und Gemeinden
aus der Region Ostwestfalen/Lippe geringere Gehalte der Klasse C auf. Allgemein kann
jedoch festgestellt werden, daß die Böden gut bis sehr gut mit Phosphat versorgt sind. Daher
ist Phosphat inzwischen bei der Suche nach geeigneten Böden für die landwirtschaftliche
Verwertung von Klärschlamm zum limitierenden Faktor geworden.
Die anfallenden Phosphatmengen der Sekundärrohstoffdünger wurden dem P-Restbedarf
unter Berücksichtigung der aktuelle Phosphat-Versorgung der Böden gegenüber gestellt, um
das Verwertungspotential (Abbildung 2-7) zu bestimmen. Dieses gibt einen Einblick, welche
Gemeinden in Nordrhein-Westfalen noch freie Kapazitäten besitzen um Klärschlamm auf den
landwirtschaftlichen Nutzflächen zu verwerten. Bei einer regionalen Verwertung weisen mehr
als die Hälfte aller Gemeinden in Nordrhein-Westfalen keine weiteren Verwertungsmöglich-
keiten für Sekundärrohstoffdünger auf. Dies gilt insbesondere für die viehstarke Region des
Münsterlandes, aber auch für gemischt landwirtschaftliche Strukturen oder auch für Regionen
mit intensiver Milchviehhaltung, wie das Bergische Land. Dagegen weisen Gemeinden der
Köln-Aachener Bucht und in Ostwestfalen zusätzliche Verwertungpotentiale von Sekundär
rohstoffdüngern auf. Das bedeutet für die umweltverträgliche Klärschlammverwertung, daß
eine Vielzahl von landwirtschaftlichen Flächen von vornherein ausgeschlossen sind.
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
38
Abb. 2-6: Phosphat-Versorgung der Ackerböden Nordrhein-Westfalens
[WERNER UND BRENK, 1997]
Da die Berechnungen jedoch auf Gemeindeebene durchgeführt wurden, wird es möglich sein,
daß auch in Gemeinden, in denen laut Abbildung kein Verwertungspotential besteht,
landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung stehen. Um hier eine umweltverträgliche
Verwertung von Klärschlamm durchzuführen, ist eine gute Planung notwendig. Die
Nährstoffgehalte der Böden sowie des Klärschlammes müssen dazu regelmäßig bestimmt
werden und in der Düngeplanung Berücksichtigung finden. Andererseits wird man auch in
den Regionen mit einem Verwertungspotential von größer als 100 % Flächen vorfinden, auf
2 Landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm
39
Abb. 2-7: Verwertungspotential für Sekundärrohstoffdünger in Nordrhein-Westfalen
(Prozent der lokal anfallenden Mengen - SZ 1 b: bei Berücksichtigung der
Phosphat-Versorgung der Böden [WERNER UND BRENK, 1997]
denen keine umweltverträgliche Ausbringung erfolgen kann, da die Bodengehalte oder
Klärschlammgehalte den Anforderungen nicht genügen.
3 Material und Methode
40
3 Material und Methode
Phosphat ist ein limitierender Faktor für eine umweltverträgliche Klärschlammausbringung in
der Landwirtschaft. Auf vielen Böden von Nordrhein-Westfalen ist daher eine Nutzung nicht
mehr oder nur eingeschränkt möglich. Für die nutzbaren Böden stellt sich die Frage,
inwieweit die Phosphat-Wirkung des Klärschlammes vergleichbar der von mineralischen
Düngern ist.
3.1 Versuchsfaktoren
In einem Gefäßversuch soll die P-Wirkung von Klärschlamm in Abhängigkeit von der
P-Fällung und vom Substrat untersucht werden. Es wird ein Gefäßversuch gewählt, da hier
unter kontrollierten Bedingungen erste Untersuchungen modellhaft durchgeführt werden
können. Im Vergleich zum Freiland steht den Pflanzen in den Gefäßen weniger Boden zur
Verfügung, dies hat zur Folge, daß der Boden eine wesentlich höhere Durchwurzelungsdichte
aufweist und der P-Vorrat stärker ausgeschöpft werden kann. Da alle anderen Nährstoffe
optimal angeboten werden können und mehrere Ernten pro Jahr durchführbar sind, ist in einer
relativ kurzen Zeitspanne eine Bewertung des Konzeptes möglich. BOGUSLAWSKI UND
LACH [1973, in: WENDT, 1991] sind der Meinung, daß vier Ernten im Gefäßversuch zu
einem annähernd gleichen P-Entzug pro Einheit Boden führen wie 16jährige Feldversuche.
3.1.1 Klärschlamm
Für den Gefäßversuch haben drei Klärwerke im Kreis Soest jeweils einen flüssigen und einen
stichfesten Klärschlamm zur Verfügung gestellt. Laut Klärschlammverordnung müssen die
Klärschlämme im regelmäßigen Abständen untersucht werden. Für die Zeiträume Frühjahr
1995 und 1996, in welchen der Klärschlamm bei den Kläranlagen abgeholt worden ist, liegen
die Auszüge aus den Untersuchungsprotokollen von fünf der sechs eingesetzten
Klärschlämme in der Tabelle 3-1 vor. Von der flüssigen Klärschlamm-Variante 3 ist kein
Untersuchungsergebnis beigefügt worden. Die stichfeste Klärschlamm-Variante 5 ist vor der
Kalkung auf dem Schlammstapelplatz für den Gefäßversuch von der Kläranlage abgeholt
3 Material und Methode
41
Tabelle 3-1: Ergebnisse der Klärschlammuntersuchungen nach Klärschlammverordnung
(LIPPEVERBAND, 1995 und 1996; RUHRVERBAND, 1995 und 1996;
INGENIEURBÜRO SOWA, 1995 und 1996)
Varianten Einheit Grenz-
wert 2 4 5 1 6 2 7
Trockensubstanz % 3,0-3,2 2,5-3,4 32,4 18,2-20,1 31,5
pH-Wert 7,5 7,6-7,9 12,0 7,2-7,6 7,4
Basisch wirksame Stoffe
(als CaO) % 8,4-9,3 8,8-12,9 19,4 4,8-6,5 14,0
Nährstoffgehalt in der Frischsubstanz
Organische Substanz % 1,5-1,6 1,0 13 10,4-10,9
Gesamtstickstoff (N) % 0,22 0,10-0,14 0,80 0,72-0,79 0,76
Ammoniumstickstoff
(NH4-N) % 0,12-0,14
(als N) 0,05-0,08 0,10
(als N) 0,13 0,16
Phosphat (P2O5) % 0,15-0,18 0,17-0,20 1,34 1,4-1,5 1,7
Kaliumoxid (K2O) % 0,02 0,01 0,08 0,022-
0,053 0,04
Calciumoxid (CaO) % 0,20-0,26 0,26-0,34 6,00 0,96-1,2 4,3
Magnesiumoxid (MgO) % 0,02 0,03-0,04 0,20 0,048-
0,058 0,32
Nährstoffgehalt in der Trockensubstanz
Organische Substanz % 49,5-50,4 40,5-40,5 40,7 54,2-56,9 34,7
Gesamtstickstoff (N) % 6,99-7,36 4,2 2,47 3,9-4,0 2,5
Ammoniumstickstoff
(NH4-N) % 4,16-4,33
(als N) 1,9-2,3 0,31
(als N) 0,64-0,71 0,54
Phosphat (P2O5) % 4,59-6,00 5,9-6,4 4,14 6,9-8,0 5,4
Kaliumoxid (K2O) % 0,76-0,78 0,39-0,40 0,25 0,11-0,29 0,14
Calciumoxid (CaO) % 6,72-8,16 9,9-10,0 18,5 4,8-6,5 14
Magnesiumoxid (MgO) % 0,69-0,78 1,2 0,62 0,26-0,29 1,0
Schwermetalle
Blei (Pb) mg/kg 900 167-269 <5 209 94-100 <5
Cadmium (Cd) mg/kg 10/5 3 1,4-1,6 1,0 1,6 2,3-4,4 <1
Chrom (Cr) mg/kg 900 47-53 63-70 32 39-66 61
Kupfer (Cu) mg/kg 800 257-272 77-81 244 720 77
Nickel (Ni) mg/kg 200 24-27 27-31 29 30-31 30
Quecksilber (Hg) mg/kg 8 1,0-1,8 0,5-0,6 1,1 0,74-1,3 <0,5
Zink (Zn) mg/kg 2500/
2000 3 818-924 490-500 861 710-740 440
Organische Schadstoffe
AOX 4 mg/kg 500 174-233 95-96 199 190-210 90
PCB Nr. 28 mg/kg 0,2 0,01 0,01-0,02 0,01 <0,01
PCB Nr. 52 mg/kg 0,2 0,01-0,02 <0,01-0,02 0,01 <0,01
PCB Nr. 101 mg/kg 0,2 0,02 <0,01-0,01 0,02 <0,01
PCB Nr. 138 mg/kg 0,2 0,03-0,06 <0,01-0,01 0,03 <0,01
PCB Nr. 153 mg/kg 0,2 0,03-0,06 <0,01-0,01 0,03 <0,01
PCB Nr. 180 mg/kg 0,2 0,02-0,04 <0,01-0,01 0,02 <0,01
PCDD, PCDF ng TE/kg 100 18-30 <0,01-0,01 30 <0,01
1 Untersuchung ist von Faulschlamm, der auf dem Schlammstapelplatz nachgekalkt wurde. Für den Versuch
wurde jedoch ungekalkter Klärschlamm eingesetzt.
2 vom Klärschlamm flüssig P-Fällung mit Natriumaluminat (Variante 3) liegen eine Untersuchungsergebnisse
vor.
3 Hoher Wert gemäß § 4 Abs. 11 und 12 AbfKlärV, niederer Wert gemäß § 4 Abs. 12 Satz 2 AbfKlärV.
4 AOX = Ads. org. geb. Halogene
3 Material und Methode
42
worden. Dies wird an Hand des pH-Wert deutlich, der im eingesetzten Klärschlamm bei
pH = 6,8 und im Untersuchungsprotokoll einen pH-Wert = 12 aufweist.
Die Nährstoffgehalte der drei Kläranlagen liegen überwiegend in der Spannbreite, die auch im
Durchschnitt die Klärschlämme im Zeitraum 1986 - 1990 aufweisen. Die Gesamtstickstoff-
gehalte des flüssigen Klärschlammes (Variante 2) liegen mit ca. 7 % N in der TS verhältnis-
mäßig hoch, bei der stichfesten Variante 5 (ca. 2,5 % N in der TS) ist dann der Stickstoff im
abgepreßten Wasser und nicht mehr im Klärschlamm zu finden. Bei den Ammoniumgehalten
ist der Unterschied zwischen flüssigen und stichfesten Klärschlämmen noch ausgeprägter.
Bei den Schwermetallgehalten sind die größten Unterschiede zwischen den Klärschlämmen
festzustellen. Während bei den Gehalten des Klärwerkes III (Variante 4 und 7) sehr geringe
Konzentrationen vorliegen, die zum Teil unterhalb der Bodengrenzwerte liegen, sind sie bei
den Klärschlämmen der anderen beiden Kläranlagen wesentlich höher. Insbesondere bei der
Klärschlamm-Variante 6 liegt der Kupfer-Gehalt mit 720 mg/kg nahe des Grenzwertes von
Tabelle 3-2: Übersicht der Varianten beider Anlagen
Var. P- P-Fällung in der 1995: Anlage 1 1996: Anlage 2
Angebot Kläranlage TS
[%[
P2O5-
Gehalt
in TS
[%]
P-Ge-
halt
in TS
[%]
TS
[%]
P2O5-
Gehalt
in TS
[%]
P-
Gehalt
in TS
[%]
1 Kontrolle - - - - - -
2 KS I
flüssig P-Fällung mit Eisen
(Fe3+) 3,03
5,02 2,19 3,50
5,20 2,27
3 KS II
flüssig P-Fällung mit
Natriumaluminat 4,46 7,69 3,36 3,65 8,86 3,87
4 KS III
flüssig P-Fällung mit Eisen
(Fe3+), Zugabe von
CaO
3,30 6,27 2,74 3,50 5,13 2,24
5 KS I
stichfest P-Fällung mit Eisen
(Fe3+) 33,80 3,89 1,70 31,30 5,13 2,24
6 KS II
stichfest P-Fällung mit
Natriumaluminat 20,20 7,76 3,39 17,70 9,07 3,96
7 KS III
stichfest P-Fällung mit Eisen
(Fe3+), Zugabe von
CaO
26,00 5,86 2,56 29,20 4,56 1,99
8 D: Super-
phosphat 18,00 7,86 18,00 7,86
9 D: Hyper-
phos 31,00 13,54 31,00 13,54
KS - Klärschlamm, D - Dünger, mineralisch
3 Material und Methode
43
Tabelle 3-3: Fraktionierung der Klärschlämme [mg P/100 g Boden] und pH-Wert
Darstellung der Fraktionen, die pro 100 g Boden den Varianten zu Beginn des
Versuches zugefügt wurde, Mittelwert der 2 Anlagen
Varianten Gesamt-P Fe/AL-P Ca-P Org. P Rest-P pH-Wert
2 4,85 1,6 2,7 0,3 0,25 6,8
3 4,85 1,7 2,3 0,2 0,65 7,0
4 4,85 1,6 1,9 0,3 1,05 8,7
5 4,85 1,6 2,5 0,4 0,35 6,8
6 4,85 1,6 2,0 0,2 1,05 6,8
7 4,85 1,5 2,5 0,2 0,65 8,4
800 mg/kg. Auch bei den Organischen Schadstoffen weist die Kläranlage III die geringsten
Gehalte auf, die für die sechs Einzelsubstanzen der Polychlorierten Biphenyle und der
Dioxine/Furane bei 0,01 mg/kg liegen. Bei der Kläranlage I (Varianten 2 und 5) liegen die
Einzelkomponenten der Polychlorierten Biphenyle im Vergleich leicht erhöht, jedoch sind die
Dioxin/Furan-Gehalte von 18 - 30 ng TE/kg sehr viel höher. Somit entsprechen die
Klärschlämme alle den Vorgaben der Klärschlammverordnung § 4, Abs. 10, 11 und 12
AbfKlärV. Es sind keine Überschreitungen der zulässigen Schadstoffgehalte ermittelt worden,
so dass sie alle für die landwirtschaftliche Verwertung zur Verfügung stehen können.
In den Klärwerken sind verschiedene P-Fällungs-Methoden in den Reinigungsprozess
integriert. Im Klärwerk I erfolgt die P-Fällung mit Eisen-III-Chlorid-Lösung (FeCl3). Im
Klärwerk II war die Phosphorelimination als Simultanfällung installiert. Das Fällmittel
Natriumaluminat (NaAlO2) wurde für die Schwachlastbelebung im Zulauf zur B-Stufe
(AB-Verfahren) zugegeben. In der Kläranlage III erfolgt die Phosphatelimination simultan im
Belebungsbecken unter Zugabe von 40 % Eisen- III-Chlorid-Lösung (FeCl3). Nach der
P-Fällung wird zur Stabilisierung eine Kalkung des Klärschlammes mit Branntkalk (CaO)
durchgeführt (Tabelle 3-2). Da im Boden festgestellt werden sollte, in welchen Fraktionen das
Phosphat im Boden vorliegt, wurde die Fraktionierung nach KURMIES [1971] (vgl. 3.5
Analyse) sowohl für den Boden als auch für den Klärschlamm durchgeführt (Tabelle 3-3).
3.1.2 Standort
Für die Untersuchungen sind zwei Böden unterschiedlicher Bodenarten aus Nordrhein-
Westfalen ausgewählt worden, deren Phosphat-Gehalte im Durchschnitt der Gemeinden von
Nordrhein-Westfalen liegen (vgl. Abbildung 2-6). Der erste Standort liegt in Hörstel, Kreis
3 Material und Methode
44
Steinfurt und wird als Grünland genutzt. Der zweite ackerbaulich genutzte Standort ist
Merklingsen im Kreis Soest. Beide Standorte liegen am nördlichen bzw. südlichen Rand der
Westfälischen Bucht, die mit ca. 9000 km2 der zweitgrößte natürliche Großraum Westfalens
ist (vgl. Abbildung 2-1).
3.1.2.1 Beschreibung der Böden
Die Stadt Hörstel liegt 40 bis 145 m über NN am 52° 16' Breiten- und 7° 36' Längengrad.
Verkehrsgeographisch liegt Hörstel an dem Abzweig des Mittellandkanales vom Dortmund-
Ems-Kanal, der im Süden der Stadt verläuft, im Norden fließt die Hörsteler Aa an der Stadt
vorbei. Für den Kraftfahrzeugverkehr ist Hörstel im Süden an die Bundesautobahn A 30
angeschlossen, die Bundesstraße B 65 kreuzt in Ost-West-Richtung die Stadt.
Der Dortmund-Ems-Kanal verläuft südlich des Höhenrückens des Osning. In Bevergern, ein
Stadtteil von Hörstel, schneidet der Mittellandkanal den Osning und fließt weiter in Richtung
Nordosten. [MUSS UND SCHÜTTLER, 1969] Der Osning-Sandstein entstand in der
Unterkreide als ein marines Küstensediment. Er ist ein heller, gelblich oder braungefärbter
Stein, der oftmals kreuzgeschichtet ist und sowohl tierische als auch pflanzliche Fossilien
enthält. Er erreicht eine Mächtigkeit von 10 m an der südlichen Egge und bis zu 1500 m am
Teutoburger Wald. Bei Bevergern besteht der Osning aus einer schmalen niedrigen, aber
markant ansteigenden Schichtrippe aus steilgestellten, intensiv rotbraunen verwitterten
Sandsteinen (Dörenther Sand) [MUSS UND SCHÜTTLER, 1969, HESEMANN, 1975]
Nach dem Rückzug des Meeres entstand in der Münsterländer Oberkreidebucht ein Tiefland,
das von einem nach Westen entwässernden Flußsystem überzogen war. Es entstand ein
flaches Relief mit breiten Tälern und tiefen Rinnen, die als Ergebnis eiszeitlicher Flüsse
angesehen werden können. Im Nordosten wird die im wesentlichen altpleistozäne
Erosionslandschaft durch den Teutoburger Wald beschränkt. Es bildeten sich jedoch in der
Hügellandschaft verschiedene Durchlässe. Im allgemeinen sind sie 100 - 300 m breit, das
"Tor" von Bevergern erreicht jedoch eine Breite von 2 km [HESEMANN, 1975].
Merklingsen liegt in der Gemeinde Welver im Kreis Soest. Es liegt ca. 2 km nördlich der
Bundesstraße B1, dem Hellweg. Der Kreis Soest liegt zwischen dem 52° 25' und 51° 44'
3 Material und Methode
45
nördlicher Breite und zwischen der 7° 50' und 8° 15' östlichen Länge des Regierungsbezirkes
Arnsberg, wobei Merklingsen im westlichen Teil des Kreises liegt [LUCAS, 1974 in
ADRIAN, 1996] Ein Seitenarm der Ahse, der in die Lippe mündet, fließt durch Merklingsen.
Zu Beginn der Oberkreide erweiterte sich das Großbecken zu einem ausgedehnten
kontinentalen Flachmeer, das Münsterland lag nun unter dem Meeresspiegel, wodurch
Grünsande (Soester Grünsand), Kalke, Plankalke und Mergel entstanden [SCHMIDT, 1990]
Das Leitmineral des Grünsandsteines ist das Glaukonit, ein Kalium-Aluminium-Eisenmineral
(chemisch) bzw. ein Hydroglimmer (mineralogisch). Wahrscheinlich wegen der annähernd
gleichen Atomradien von Aluminium, Silicium und Eisen aus Sedimenten kam es zur
Herauslösung und Ausfällung der Kationen. Der Soester Grünsand ist ein frisch giftgrüner
und kalkiger Sandstein. [HESEMANN, 1975]
Die heutige Morphologie der Münsterschen Bucht entstand aus einer altpleistozänen
Erosionslandschaft mit Schichtstufenentwicklungen sowohl entlang ihres Süd- und Ostrandes
(Haarstrang und Egge-Gebirge) als auch in ihrem Zentrum (Baumberge und Beckumer
Berge). Die Münsterländer Oberkreidemulde ist weitestgehend gekennzeichnet durch
verschieden mächtige Lockerablagerungen des Mittel- und Jungpleistozän.
Den südlichen Rand der Westfälischen Bucht stellt der Haarstrang oder Hellweggebiet dar.
Dieser wird untergliedert in mehrere Klein-Naturräume: südliche Haar, Haarhöhe,
Oberhellweg und Niederhellweg [TIMMERMANN, 1955 in: HOHNVEHLMANN, 1963].
Merklingsen liegt im Niederhellweg oder auch Niederbörde bezeichneten Gebiet, das eben bis
flachwellig mit einer Höhenlage zwischen 80 und 100 m NN liegt. Die Böden der
Niederbörde stehen im Gegensatz zu den Böden der Oberbörde unter Grundwassereinfluß. In
der Niederbörde sind die Schichten der Oberkreide Cenoman, ein fester grauer Kalkmergel,
Turon, braungelben und dunkelgrünen Kalk- und Sandsteinen und Coniac (früher Emscher),
ein wasserundurchlässiger, hellgrauer Tonmergel zu finden. Die Lößauflage im Hellwegtal
erreicht eine Mächtigkeit von 5 - 8 m.
Im Versuchsgut Merklingsen ist die verbreitetste Bodenart eine Pseudogley Parabraunerde
aus Löß. Als Folge der Tondurchschlämmung stehen die Böden unter Einfluß des
Stauwassers. Durch die Einwaschung von Calcium- und Magnesiumcarbonaten tritt eine
Versauerung ein. Die obersten 30 cm des Ap-Horizontes sind geprägt von einem braunen bis
3 Material und Methode
46
Tabelle 3-4: Allgemeine bodenchemische und -physikalische Eigenschaften des
Standortes Versuchsgut Welver-Merklingsen [ADRIAN, 1996]
C/N-Verhältnis
Gesamt N (0-30 cm) 13/1 - 15/1
0,98 - 1,61 %
Luft-und Wasserdurchlässigkeit
Gesamtporenvolumen
"Luftporen" Grobporen
Rohdichte
mittel - gering
43 - 46 Vol. %
9 - 12 Vol. %
1,4 - 1,6 Vol. %
nutzbare Feldkapazität (0 - 100 cm)
Totwasser pf > 4,2 (0 - 100 cm)
Feldkapazität (0 - 100 cm)
220 mm
95 mm
315 mm
grauen, schwach humosen und mittel tonigen Schluff und einem Subpolyedergefüge der zur
Verschlämmung neigt. Die folgenden 15 cm - ein AlS-Horizont - sind gekennzeichnet von
mittel bis stark tonigem Schluff und bereits leichten Staunässeerscheinungen. Ab ca. 45 cm
schließt sich der BtSd und ab ca. 80 cm der BtSw -Horizont an. Die Bodenhorizonte besitzen
ein Polyedergefüge und bestehen aus stark tonigem Schluff, der obere Horizont weist Rost-
und Bleichflecken auf, der untere ist dicht gelagert und staunaß. Der Boden ist durch die
wechselnden Wassergehalte geprägt und gewährleistet in trockenen Jahren eine sichere
Wasserversorgung. Die Böden weisen eine gute Nährstoffversorgung auf und besitzen eine
gute Fruchtbarkeit mit Bodenzahlen um 70. Die Schwermetalluntersuchungen ergaben, daß
alle Schwermetallgehalte unterhalb der Grenzwerte für Böden der Klärschlammverordnung
Tabelle 3-5: Witterungsverlauf im Kreis Soest und Kreis Steinfurt
langjähriges Mittel
Monat Lufttemperatur
[°C] 1 Niederschläge
[mm] 2
Kreis
Steinfurt Kreis
Soest Kreis
Steinfurt Kreis
Soest
Januar 1,2 1,6 58 60
Februar 1,4 1,8 45 46
März 4,2 4,8 51 56
April 8,2 8,2 52 55
Mai 12,4 12,7 50 66
Juni 15,4 15,5 63 80
Juli 17,1 17,4 77 81
August 16,7 16,9 77 73
September 13,4 14,1 81 68
Oktober 9,9 10,1 63 54
November 5,3 5,5 55 63
Dezember 2,4 2,7 54 64
langj. Mittel 9,0 9,1 681 722
1 Erdbodentemperatur, es wird die Temperatur 5 cm über dem Boden gemessen, Durchschnittswert des Monats
2 Summe der Niederschläge eines Monats
3 Material und Methode
47
AbfKlärV 1992 liegen. [ADRIAN, 1996] Weitere Kenndaten bodenchemischer und
-physikalischer Eigenschaften des Standortes Merklingsen sind der Tabelle 3-4 zu entnehmen.
Das Grünland in Hörstel steht aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen der Abfallverordnung
nach AbfKlärV § 4 (4) nicht als Standort für eine Klärschlammverwertung zur Verfügung,
weitere Daten sind daher nicht erhoben worden.
Die langjährigen Mittel sowohl der Niederschläge als auch der Lufttemperaturen sind bei
beiden Standorten mit ca. 9 °C bzw. ca. 700 mm gleich. Auch sind keine großen
Abweichungen bei den Mittelwerten bzw. Summenwerten innerhalb der Monate festzustellen,
wie aus Tabelle 3-5 hervorgeht.
3.1.2.2 Bodenkundliche Kennzeichnung der Substrate
Als Substrat (Tabelle 3-6) wurde Ah-Material des Hörsteler Sandbodens und Material aus dem
Ap-Al-Horizonten einer Pseudogley Parabraunerde aus Löß vom Versuchsgut Merklingsen
eingesetzt. Der Boden aus Hörstel ist ein reiner Sandboden (S), der leicht bearbeitbar ist und
aufgrund seines hohen Sandanteils eine hohe Durchlässigkeit aufweist. Die Korngrößenfrak-
tion Mittelsand (0,2-0,63 mm Äquivalentdurchmesser ÄD), die einen Anteil von größer 50 %
aufweist, ist am stärksten vertreten, gefolgt von der Feinsandfraktion (0,063-0,2 mm ÄD) mit
Tabelle 3-6: Allgemeine Bodenkenndaten
Prüfparameter Einheit Sand, 1995/96 Löß, 1995 Löß, 1996
pH-Wert 5,7 6,4 6,7
Kalium 1 mg K2O/100 g Boden
Gehaltsklasse 3
B 16
C 26
D
Magnesium 2 mg Mg/100 g Boden
Gehaltsklasse 4
C 5
C 7
D
Humus im
Mineralboden 3 % 1,4 2,6 2,6
Ton 4 % 4,3 13,8 12,5
Schluff 4 % 3,8 83,7 84,8
Sand 4 % 91,9 2,5 2,7
Bodenart 5 Sand (S) toniger Schluff
(Ut3) toniger Schluff
(Ut3)
1 Prüfmethode HOFFMANN, 1991 VDLUFA Methodenbuch Band I, A6.2.1.1
2 Prüfmethode HOFFMANN, 1991 VDLUFA Methodenbuch Band I, A6.2.4.1
3 Prüfmethode DIN ISO 10694
4 Prüfmethode DIN 19683-2
5 SCHEFFER und SCHACHTSCHABEL, 1984
3 Material und Methode
48
Tabelle 3-7: Phosphatgehalte der Substrate
Substrat Herkunft Gesamt-P CAL-P rel. P-
[mg P2O5/
100 g
Boden]
[mg P/
100 g
Boden]
[mg P2O5/
100 g
Boden]
[mg P/
100 g
Boden]
P-
Gehalts-
Klasse
Verfüg-
barkeit 1
[%]
Sand,
1995/96 Hörstel, Kreis
Steinfurt 87,97 38,41 13,2 5,8 C 15,0
Löß,
1995 Versuchsgut
Merklingsen 132,32 57,78 14,8 6,5 C 11,3
Löß,
1996 Versuchsgut
Merklingsen 140,46 61,34 22,4 9,8 D 15,9
1 relative P-Verfügbarkeit = CAL-P/Gesamt-P
fast 40 %. Alle anderen Fraktionen weisen Anteile, die geringer als 5 % sind, auf. Die
Kalium- bzw. Magnesiumgehalte liegen in der Gehaltsklassen B bzw. C. Bei dem Boden aus
Merklingsen handelt es um einen tonigen Schluff (Ut3). Die Hauptfraktion stellt der grobe
Schluff (0,02-0,063 mm ÄD) mit einem Anteil von 60 % dar. Daneben ist der Mittelschluff
(0,0063-0,02 mm ÄD) mit 20 % und der Ton (< 0,002 mm ÄD) mit ca. 13 % an den
Korngrößen vertreten. Kalium- und Magnesiumgehalte gehören den Gehaltsgruppen C und D
an. Für den Versuch ist daher maximal eine Erhaltungsdüngung, die die Höhe des Nährstoff-
entzuges durch die einzelnen Kulturen ausgleicht, notwendig [SCHEFFER UND SCHACHT-
SCHABEL, 1984, LANDWIRTSCHAFTSKAMMER WESTFALEN-LIPPE, 2000].
Eine Zusammenstellung der Phosphat-Gehalte für die drei Böden kann der Tabelle 3-7
entnommen werden. Die Gesamt-Phosphat-Gehalte liegen zwischen ca. 40 mg P/100 g Boden
(Sand) und ca. 60 mg P/100 g Boden bei den beiden Lößböden. Einen entsprechenden
Unterschied weisen auch die CAL-P-Gehalte auf, die zwischen 6 - 10 mg P/100 g Boden
liegen und damit den Gehaltsklassen C bzw. D angehören. Die relative P-Verfügbarkeit, die
sich aus dem Verhältnis CAL-P-Gehalt zum Gesamt-P-Gehalt ergibt, reicht von 11 - 16 %.
Die relative Verfügbarkeit des Sandboden ist mit der des Lößbodens, 1996 vergleichbar. Die
relative Verfügbarkeit des Lößbodens, 1995 liegt um ca. ein Viertel darunter.
Um die Veränderungen der Phosphat-Fraktionen des Bodens zu bestimmen, wurde die
P-Fraktionierung nach KURMIES [1971] (vgl. 3.5 Analyse) durchgeführt (Tabelle 3-8). Die
größte Fraktion stellt für alle Böden die Fe/Al-P-Fraktion dar. Die Ca-P und Org. P-Fraktion
sind annähernd gleich groß. Die Rest-P-Fraktion ergibt sich aus der Differenz der drei
P-Fraktionen zur Gesamt-P-Fraktion.
3 Material und Methode
49
Tabelle 3-8: P-Fraktionierung der Substrate [mg P/100 g Boden]
Substrat Gesamt-P Fe/Al-P Ca-P Org. P Rest P
Sand, 1995/96 38,41 25,30 2,73 4,78 5,60
Lößlehm, 1995 57,78 29,86 9,89 6,16 11,87
Lößlehm, 1996 61,34 26,98 12,20 11,95 10,24
3.2 Anlage des Versuchs
Zur Untersuchung der Fragestellung der P-Wirkung des Klärschlammes in Abhängigkeit von
der P-Fällung in der Kläranlage und vom Substrat wurden zwei Versuchsanlagen (Tabelle
3-9) angelegt, die um ein Jahr versetzt durchgeführt wurden. Jeder Gefäßversuch begann mit
126 Gefäßen. Als Gefäße wurden einheitlich Kick-Brauckmann-Gefäße mit einem
Innendurchmesser von 21,3 cm und einer Oberfläche von 356 cm2 verwendet. Es wurde 9 kg
trockener Boden eingewogen. Um Verlusten durch Vogelfraß bei Sommerweizen und Hafer
vorzubeugen, wurden die Gefäße 1996 zur Abreifungsphase des Sommerweizens in ein
unbeheiztes Gewächshaus gestellt. In den Jahren 1997 und 1998 wurden hingegen vor der
Abreife des Getreides Vogelnetze gespannt.
Tabelle 3-9: Versuchsanlagen
Anlage 1 Anlage 2
1995 Einjähriges Weidelgras
1996 Sommerweizen
Mais Einjähriges Weidelgras
1997 Hafer
Mais Sommerweizen
Mais
1998 Hafer
3.2.1 Das erste Untersuchungsjahr
Im ersten Jahr der Versuchsanlagen wurde der Klärschlamm (Tabelle 3-10) mit 7 kg Boden
vermischt und in das Gefäß gegeben. Die restlichen 2 kg Boden wurden locker aufgeschich-
tet, um erhöhte Salzgehalte im Saathorizont zu vermeiden. Es wurden sieben Wiederholungen
angelegt, um bei dem geringen Bodenvolumen aussagefähige Ergebnisse zu erhalten. Über
die Gefäßoberfläche wurden gleichmäßig neun Löcher ca. 10 mm tief gedrückt und Einjähri-
ges Weidelgras 'LIMELLA' in Horstsaat ausgesät. Die Wahl dieser Grasart gewährleistet eine
3 Material und Methode
50
Tabelle 3-10: Einwaage Klärschlamm bzw. mineralischer Dünger beider Anlagen
Variante P-Angebot P-Fällung in der
Kläranlage Anlage 1
Einwaage
KS bzw D
je Gefäß*
[ml bzw. g]
Anlage 2
Einwaage
KS bzw D
je Gefäß*
[ml bzw. g]
1 Kontrolle - -
2 KS I
flüssig P-Fällung mit Eisen (Fe3+) 657,0 549,6
3 KS II
flüssig P-Fällung mit
Natriumaluminat 292,0 309,1
4 KS III
flüssig P-Fällung mit Eisen (Fe3+),
Zugabe von CaO 482,0 557,0
5 KS I
stichfest P-Fällung mit Eisen (Fe3+) 74,3 62,3
6 KS II
stichfest P-Fällung mit
Natriumaluminat 63,7 62,3
7 KS III
stichfest P-Fällung mit Eisen (Fe3+),
Zugabe von CaO 65,6 75,1
8 D: Super-
phosphat 5,6 5,6
9 D: Hyper-
phos 3,2 3,2
*um eine Konz. von 1000 mg P2O5 bzw. 436,7 mg P je Gefäß zu erreichen
intensive Durchwurzelung des Substrates und durch die mehrfache Schnittnutzung hohe
Entzüge. Nach der Saatgutablage wurden die Löcher wieder verschlossen.
3.2.2 Das zweite Untersuchungsjahr
Im zweiten Jahr der Versuchsanlage wurde der Boden der sieben Wiederholungen gemischt,
9 kg trockener Boden abgewogen und in die Gefäße gefüllt. Da aufgrund der Entnahme für
die Bodenproben Boden fehlte, konnten nur noch sechs Wiederholungen angelegt werden. Es
wurden in 25 Saatstellen jeweils zwei Saatkörner des Sommerweizens 'TINOS' abgelegt, nach
dessen Aufgang wurde auf 25 Pflanzen vereinzelt. In der ersten Versuchsanlage 95 kam es
aufgrund extremer Witterungsbedingungen zu einem schlechten Auflauf des Sommerweizens.
Anfang Mai wurde der Boden nochmals gelockert und eine erneute Aussaat durchgeführt.
Nach der Ernte des Sommerweizens wurde der Boden gelockert, bevor in 4 Saatstellen je ein
vorgekeimtes Korn der Maissorte 'HELIX' ausgesät wurde.
3 Material und Methode
51
3.2.3 Das dritte Untersuchungsjahr
Im dritten Jahr der Versuchsanlage wurde der Boden jeder Variante nochmals gemischt und
jeweils 9 kg Boden in die Gefäße der fünf Wiederholungen gefüllt. In 25 Saatstellen wurden
zwei Körner der Hafersorte 'FUCHS' ausgesät, die später auf 25 Pflanzen pro Gefäß vereinzelt
wurden. Bei der Versuchsanlage 95 wurde nach der Ernte des Hafers Mais der Sorte 'HELIX'
ausgesät und nach dem Auflaufen auf vier Pflanzen je Gefäß vereinzelt. Die Aussaattermine
und -stärke der einzelnen Kulturen können der Tabelle 3-11 entnommen werden.
Tabelle 3-11: Aussaattermine und -stärken der Kulturen beider Versuchsanlagen
Kultur Anlage 1 Anlage 2
Termin Aussaatstärke 1 Termin Aussaatstärke 1
Einjähriges Weidelgras
'LIMELLA'
(R 99%, Kf 85%, TKG 2,8 g)
19.05.95 9 Saatstellen/
Gefäß, Horstsaat 22.05.96 9 Saatstellen/
Gefäß, Horstsaat
Sommerweizen
'TINOS'
(Kf 98%, TKG 41 g)
03.05.962 40 Pfl./Gefäß 11.03.97 25 Pfl./Gefäß
Mais 'HELIX' 09.09.96 4 Pfl./Gefäß 28.07.97 4 Pfl./Gefäß
Hafer 'FUCHS'
(Kf 98%, TKG 36,3 g) 10.03.97
25 Pfl./Gefäß 17.03.98 25 Pfl./Gefäß
Mais 'HELIX' 28.07.97 4 Pfl./Gefäß
1 Pflanzenzahl nach Vereinzeln
2 Auflaufprobleme in Folge extremer Witterung, 2. Aussaat
3.3 Durchführung des Versuches
Für die Grunddüngung (Tabelle 3-12) wurde reines Ammoniumnitrat und reines
Kaliumchlorid eingesetzt, wobei der Dünger in den Boden eingearbeitet wurde. Nach jedem
Schnitt des Einjährigen Weidelgrases erfolgte eine Flüssigdüngung mit Ammoniumnitrat. Der
Sommerweizen und der Hafer erhielten eine zweite Stickstoffdüngung, der Sommerweizen
zusätzlich noch eine Magnesiumdüngung in Form von Magnesiumoxid.
Pflanzenschutzmaßnahmen (Tabelle 3-13) wurden an Hand des Schadschwellenprinzips
durchgeführt. In den Jahren 1995, 1996 und 1998 erfolgten die Spritzungen mit Pirimor
Granulat 0,05 %. 1997 erfolgte im Juli jeweils eine Behandlung im Sommerweizen- und
Haferbestand mit Juwel.
3 Material und Methode
52
Tabelle 3-12: Düngergaben (Angaben in g pro Gefäß)
Kultur Termin Dünger
Anlage 1 Anlage 2 N als NH4NO3 K als KCl Mg als MgO
Einjähriges
Weidelgras
'LIMELLA'
15.05.95
11.07.95
28.07.95
25.08.95
13.05.96
06.07.96
30.07.96
21.08.96
3,4
1,2
1,2
1,2
3,4
Sommerweizen
'TINOS' 21.03.96
25.06.96 03.03.97
28.05.97 2,9
1,0 2,9
0,35
Mais 'HELIX' 27.09.96 28.07.97 1,0
Hafer
'FUCHS' 03.03.97
28.05.97 10.03.98
27.05.98 3,4
1,0 1,9
Mais 'HELIX' 28.07.97 1,0
Der Wassergehalt wurde zunächst auf 40% der maximalen Wasserhaltekapazität (WHK),
später auf 50 % WHK eingestellt. Bei sehr hohem Wasserverbrauch wurde der Wassergehalt
kurzfristig bis zu 100 % der maximalen WHK erhöht. Alle Gefäße wurden regelmäßig mit
Wasser auf ihr Sollgewicht eingestellt, wobei das Wasser in den Gefäßmantel gegeben wurde.
Wenn die Wasserhaltekapazität nach sehr starken Niederschlägen überschritten wurde, wurde
das überschüssige Wasser aufgefangen und beim nächsten Gießen verwendet.
Tabelle 3-13: Pflanzenschutzmaßnahmen in beiden Versuchsanlagen
Kultur Anlage 1 Anlage 2
Termin Pflanzenschutzmittel Termin Pflanzenschutzmittel
Einj. Weidelgras
'LIMELLA' 04.08.95 Pirimor Granulat 1 31.07.96 Pirimor Granulat 1
Sommerweizen
'TINOS' 11.06.96
31.07.96 Pirimor Granulat 1
Pirimor Granulat 1 18.06.97 Juwel
Hafer
'FUCHS' 18.06.97 Juwel 05.06.98 Pirimor Granulat 1
1 Pirimor Granulat 0,05%
3.4 Witterung
Die Gefäße der beiden Versuchsanlagen standen während des gesamten Versuchszeitraumes
im Freien und waren primär den natürlichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Über den
Winter standen sie im ersten Jahr in einer ungeheizten Halle und in den folgenden Jahren im
frostfrei gehaltenen Gewächshaus. Aus der Tabelle 3-14 gehen die Wetterdaten
3 Material und Methode
53
Lufttemperatur und Niederschläge für die Vegetationsperiode März - November der Jahre
1995 bis 1998 hervor.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur des Jahres 1995 lag bei 9,8 °C und damit 0,8 °C über
dem langjährigen Mittel. Im Frühjahr fielen die Temperaturabweichungen vom langjährigen
Mittel nur gering aus. Die Monate Juli, August und Oktober waren hingegen deutlich wärmer
als das langjährige Mittel. Erhebliche Niederschläge fielen im März und September des Jahres
1995. Dagegen kam es in den Sommermonaten Juli und August sowie im Oktober zu
Niederschlagsdefiziten.
Die Vegetationsperiode des Jahres 1996 begann kalt und trocken. Noch im Mai kam es zu
Nachtfrösten. Im Juni stieg die durchschnittliche Monatstemperatur auf 15,2 °C, stieg aber in
den folgenden Sommermonaten nur noch geringfügig an, bevor im September die
Temperaturen wieder unter das durchschnittliche Jahresmittel fielen. Zu größeren
Niederschlagsereignissen kam es erst ab dem Monat Mai. Die Monate März, April, Juni und
September lagen unterhalb der zu erwartenden Niederschlagsmengen.
Auch im Jahre 1997 gab es im Mai Nachtfröste. Der August lag mit 20,3 °C über dem
langjährigen Jahresdurchschnitt. Im September traten bereits wieder Temperaturen um den
Gefrierpunkt auf, bevor es im Oktober zu Temperaturen von -6,1 °C kam. In den Monaten
März und April fielen unterdurchschnittliche Niederschläge. Dieses wurde ausgeglichen
durch einen sehr feuchten Juni und Juli, in denen bis zu 38,3 mm Niederschlag an einem
einzelnen Tag fiel. Die folgenden Monate waren durch unterdurchschnittliche
Niederschlagsmengen geprägt.
Im Jahre 1998 kam es zu einem warmen Frühjahr, die Tagestemperaturen kletterten im März
bereits auf 23,9 °C. Die Sommertemperaturen lagen im langjährigen Durchschnitt. Die
Niederschläge fielen hingegen im Frühjahr größer als erwartet aus. Der Mai war ein recht
trockener Monat, bevor es im Juni wieder zu erheblichen Niederschlägen kam. Juli und
August liegen geringfügig unterhalb des Jahresdurchschnittes, jedoch im September kam es
wiederum zu großen Niederschlagsereignissen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß 1995 etwas wärmer war, aber mit
durchschnittlichen Niederschlägen. 1996 war hingegen zu kalt. 1997 und 1998 lagen
3 Material und Methode
54
hinsichtlich ihrer Temperaturverläufe im Durchschnitt. In den Vegetationsperioden (März bis
Oktober) der Jahre 1995 bis 1997 kam es zu Niederschlägen von ca. 410 mm. Das Jahr 1998
war hingegen feuchter, dort fielen in dem gleichen Zeitraum 760 mm Niederschlag.
Tabelle 3-14: Wetterdaten für 1995-1998
(Ermittelt auf dem Versuchsgut Merklingsen)
Jahr
Monat Lufttemperatur
[°C] 1 Niederschläge
[mm]
Min. Max. DS 2 Max. Tag3 Summe4
1995 März -3,4 16,1 4,1 3,1 57,7
April 0,6 25,0 9,4 11,9 45,5
Mai 2,9 31,5 14,3 16,7 51,8
Juni 7,1 37,0 15,7 14,2 49,0
Juli 10,7 38,0 21,8 12,7 47,9
August 9,6 38,3 20,1 10,8 41,8
September 6,8 22,2 14,2 32,9 101,5
Oktober 1,7 28,8 13,4 5,8 14,3
1996 März -5,9 11,0 2,4 8,1 8,3
April -5,4 26,2 8,8 4,7 7,1
Mai -0,3 27,0 10,9 12,0 58,8
Juni 2,6 33,0 15,2 12,0 32,9
Juli 4,7 27,8 15,7 8,6 81,8
August 6,7 29,0 16,9 19,0 98,7
September 2,5 20,0 11,3 17,0 46,3
Oktober 0,1 20,8 10,0 28,0 71,0
1997 März5 -1,6 14,8 6,3 7,8 27,9
April -2,8 16,7 7,4 9,0 38,9
Mai 1,7 28,3 13,0 13,5 50,0
Juni 2,5 28,7 15,9 38,3 102,6
Juli 8,7 29,7 17,4 22,2 98,0
August 9,7 33,9 20,3 10,2 23,7
September 0,0 28,3 14,2 3,4 8,4
Oktober -6,1 24,3 9,1 24,9 63,2
November -3,9 13,7 6,0 6,6 25,7
1998 März 1,1 23,9 6,9 18,4 77,8
April -0,5 23,9 9,5 12,5 72,7
Mai 2,1 30,1 14,4 6,8 30,1
Juni 3,8 32,5 16,3 24,3 135,9
Juli 7,2 33,0 16,2 10,1 74,3
August 8,6 33,7 17,1 27,0 74,5
September 5,3 23,8 14,5 38,2 130,8
1 Erdbodentemperatur, es wird die Temperatur 5 cm über dem Boden gemessen
2 Durchschnittswert des Monats
3 Maximale Niederschlagsmenge eines einzelnen Tages
4 Summe der Niederschläge eines Monats
5 gemessen ab dem 15.03.97
3 Material und Methode
55
Für einen Gefäßversuch ist es wünschenswert, wenn die Niederschlagsereignisse das
Wachstum der Kulturen begünstigen. Größere Niederschlagsereignisse sind für einen
Gefäßversuch ungünstig, da es sehr schnell zu einer Sättigung des Bodens kommt und das
Wasser in dem Gefäß stehen bleibt. Um dies zu vermeiden, wurde überschüssiges
Regenwasser, welches sich nach mehrtägigen Niederschlägen im Außentopf der Kick-
Brauckmann Gefäße sammelt, in spezielle Gefäße abgefüllt.
Im Jahre 1995 trat ein solches Ereignis auch kurz nach der Aussaat auf. Damit sich dies in den
Jahren 1996 - 1998 nicht wiederholte, wurde eine UV-durchlässige Folie über die Gefäße
gelegt. Diese wurde entfernt, sobald der Pflanzenbewuchs soweit entwickelt war, daß die
Wassermengen einzelner Niederschlagsereignisse verwertet werden konnten.
3.5 Analysen
Sowohl die Pflanzen- als auch die Bodenergebnisse werden als Durchschnittswerte der
sieben, sechs bzw. fünf Wiederholungen angegeben.
3.5.1 Pflanzen: Entnahme - Behandlung - Untersuchung
Die Schnitte des Einjährigen Weidelgrases erfolgten bei Silierreife (kurz vor der Blüte). Um
einen zügigen weiteren Aufwuchs zu ermöglichen, wurde das Einjährige Weidelgras 5 cm
über dem Boden abgeschnitten. Beim Sommerweizen und Hafer wurden die Ähren und die
Halme getrennt geerntet. In einem Einzelährendrescher wurden die Ähren ausgedroschen, die
Spindeln und Spelzen wurden der Strohfraktion zugeschlagen. Der Mais wurde als
Gesamtpflanze direkt über dem Boden abgeschnitten.
Die Proben wurden getrocknet, der Ertrag ermittelt und anschließend auf 1 mm gemahlen.
Mit dem gemahlenen Material wurde der Gesamtphosphor-Gehalt der Pflanzen nach der amt-
lichen LUFA-Methode (Methodenbuch III, 10.6.1) [NAUMANN et al., 1976] bestimmt. Die
naß mit Säure aufgeschlossenen Proben wurden mit Hilfe der Vanadatmolybdat-Methode bei
430 nm im Spektralphotometer bestimmt. Der Gesamtphosphor-Gehalt, ausgedrückt in Pro-
zent wurde in Milligramm Phosphor pro Gefäß (mg P/Gefäß) umgerechnet und angegeben.
3 Material und Methode
56
3.5.2 Boden: Entnahme - Behandlung - Untersuchungen
Nach der letzten Ernte jeden Jahres wurden Bodenproben mit jeweils 10 Einstichen pro Gefäß
entnommen. Der luftgetrocknete Boden wurde auf 2 mm gesiebt.
Das pflanzenverfügbare Phosphat wurde als CAL-P nach LUFA-Methodenbuch I A 6.2.1.1
[HOFFMANN, 1991] bestimmt. Dazu wird eine Extraktionslösung mit einer sauren auf
pH 4,1 gepufferten Lösung aus Acetat, Lactat und Essigsäure hergestellt, mit der der Boden
für neunzig Minuten geschüttelt wird. Im Filtrat wird das Phosphat mit Molybdatreagenz
angefärbt und bei 580 nm photometrisch bestimmt.
Die Bestimmung des Gesamt-Phosphat-Gehaltes erfolgte nach der LUFA-Methode A 2.4.2.1
[HOFFMANN, 1991] im Aufschluß mit Schwefelsäure und Perchlorsäure unter Zusatz von
Salpetersäure nach Beendigung der Hauptreaktion. Die photometrische Bestimmung des
Phosphors wurde bei 578 nm als Molybdänblau durchgeführt.
Um festzustellen, in welchen Fraktionen die Phosphate im Boden vor bzw. nach der Düngung
mit Klärschlamm vorliegen, wurde eine P-Fraktionierung nach KURMIES [KURMIES,
1971] durchgeführt. Die Eisen- und Aluminiumphosphate werden nach der Eliminierung des
Calciums (Ca2+) als Summe durch Lösen mit 1 n Natronlauge (NaOH) in einer zweistündigen
Behandlung im Wasserbad erfaßt. Daran schließt sich zur Bestimmung der Calciumphosphate
eine zweistündige Behandlung im Wasserbad mit 1 n Schwefelsäure (H2SO4) an. Die Fraktion
des organisch gebundenen Phosphates, welche mit dem Eisen- und Aluminium-Phosphaten
gelöst wurde, wird mit Hilfe des Säureaufschlusses bestimmt. Diese Methode soll
ermöglichen, Aussagen über die Alterung der Phosphate zu geben. Desweiteren soll gezeigt
werden, in welchen Fraktionen die Phosphate im Boden vorliegen und in welche Fraktion die
zugefügten Phosphate innerhalb des Versuchszeitraumes gelangen.
Die elektrometrische Messung des pH-Wertes erfolgte nach LUFA-Methode A 5.1.1
[HOFFMANN, 1991] in einer Suspension aus Boden und Calciumchlorid im Verhältnis
1+2,5.
Über die drei Jahre werden Phosphat-Bilanzen berechnet, bei denen die Phosphat-Zugänge
(Bodengehalt zu Beginn der Untersuchung, Klärschlamm bzw. Mineraldünger) den Phosphat-
4 Ergebnisse
57
Abgängen (durch die Pflanzenmasse und Bodengehalt am Ende der Untersuchung)
gegenübergestellt werden. Der Saldo einer Bilanz läßt Aussagen über die Effizienz des
Phosphateinsatzes zu.
3.6 Statistische Auswertung
Die statistische Verrechnung der Daten (mehrfaktorielle Varianzanalyse) erfolgte mit SPSS
für Windows 6.0.1. mit der Procedur 'Anova'. Die Auswertung erfolgte zunächst über die drei
Jahre der beiden Versuchsanlagen. Anschließend wurde auch eine Verrechnung über die Jahre
der einzelnen Versuchsanlagen bzw. beider Versuchsanlagen zusammen durchgeführt. Eine
Überprüfung der Varianzen und der Differenzen der Mittelwerte auf ihre Signifikanzen wurde
mit dem F-Test durchgeführt, wobei eine Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % angenommen
wurde.
4 Ergebnisse
Zur Erfassung der Pflanzenerträge und der Phosphatdynamik im Boden nach einer Klär-
schlamm- bzw. Mineraldüngung wurde im Fachbereich Agrarwirtschaft der Universität-GH
Paderborn in Soest Untersuchungen in dem Zeitraum von 1995 - 1998 durchgeführt. Im ersten
Ergebnisteil wird der Einfluß der Klärschlammdüngung auf das Pflanzenwachstum betrachtet,
bevor im zweiten Teil näher auf die Auswirkungen auf den Boden eingegangen wird.
4.1 Einfluß der Klärschlamm-Düngung auf das Pflanzenwachstum
Im folgenden werden die Erträge und die P-Entzüge der drei Versuchsjahre zunächst einzeln
dargestellt. Im ersten Versuchsjahr wurde Einjähriges Weidelgras angebaut, im zweiten Jahr
Sommerweizen und Mais als Nachfrucht, im dritten Jahr Hafer und in der ersten Anlage
zusätzlich Mais. Daran schließen sich die Auswirkungen über die gesamte Fruchtfolge an.
4 Ergebnisse
58
4.1.1 Erträge und P-Entzüge im ersten Untersuchungsjahr
Abbildung 4-1 stellt die Erträge des Einjährigen Weidelgrases der beiden Untersuchungsjahre
dar. Für beide Jahre gilt, daß die Erträge der Sand-Varianten mit ca. 20 g/Gefäß und Schnitt
nur ca. 2/3 der Löß-Varianten (30 g/Gefäß) betragen. Innerhalb der Sand-Variante der ersten
Anlage sind bei den mit Klärschlamm und Mineraldünger gedüngten Varianten im Vergleich
zur Kontrolle keine statistisch gesicherten Mehrerträge erzielt worden. In der zweiten Anlage
sind hingegen höhere Erträge bei den flüssigen und stichfesten Klärschlamm-Varianten mit
dem Fällungsmittel Eisen (2 und 5) und Aluminat (3 und 6) sowie bei der Dünger-Variante
Superphosphat (8) erreicht worden.
Bei den Löß-Varianten der ersten Anlage sind bei den drei flüssigen Klärschlamm-Varianten
(2, 3 und 4) signifikant höhere Erträge im Vergleich zur Kontrolle ermittelt worden. Die
Erträge der zweiten Anlage liegen insgesamt auf einem höheren Niveau. Dort erreichten nur
die beiden Klärschlamm-Varianten mit dem Fällungsmittel Aluminat (3 und 6) noch
statistisch gesicherte Mehrerträge gegenüber der ungedüngten Kontrolle (1).
Das Ergebnis zeigt, daß in der ersten Anlage nur bei den Löß-Varianten der flüssige
Klärschlamm ertragssteigernd wirkte. In der zweiten Anlage kommt es hingegen bei der
Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Aluminat sowohl bei den Sand- als auch bei
den Löß-Varianten zu einer Steigerung des Ertrages.
Abbildung 4-2 stellt den P-Entzug der beiden Jahre für das Einjährige Weidelgras dar. In der
ersten Anlage erzielte bei den Sand-Varianten die mit Eisen gefällte, flüssige Klärschlamm-
Variante (2) und die Dünger-Variante Superphosphat (8) signifikant höhere P-Entzüge als die
Kontrolle. In der 2. Anlage stieg der P-Entzug bei allen signifikant an. Nur bei den beiden
eisengefällten aufgekalkten Klärschlämmen (4 und 7) konnten keine signifikant höheren
P-Entzüge erreicht werden. Der P-Entzug der mit Eisen gefällten Klärschlamm-Variante (2)
und der Dünger-Variante Superphosphat (8) liegen auf einem gleichen Niveau. Bei den Löß-
Varianten lagen die P-Entzüge um ca. 1/3 höher als bei den Sand-Varianten. Bei den zwei
stichfesten mit Eisen gefällten Klärschlamm-Varianten (ungekalkt 5, gekalkt 7) lag der
P-Entzug nicht signifikant höher als die ungedüngte Kontrolle. Im ersten Jahr der 2. Anlage
waren alle P-Entzüge größer als bei der Kontrolle.
4 Ergebnisse
59
0
5
10
15
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30
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123456789 123456789
Varianten
TS [g/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-1: Erträge des Einjährigen Weidelgrases in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate
und Varianten, Mittelwert der 4 Schnitte und 7 Wdh.
Anlage 1 = 1995, Anlage 2 = 1996
GD(5%) Ertrag Anlage/Substrat/Variante = 1,4
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-2: P-Entzug Einjähriges Weidelgras in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und
Varianten, Mittelwerte der 4 Schnitte und 7 Wdh.
Anlage 1 = 1995, Anlage 2 = 1996
GD(5%) P-Entzug Anlage/Substrat/Variante = 8,1
4 Ergebnisse
60
Aus beiden Versuchsjahren und beiden Substraten läßt sich der gleiche Trend herauslesen.
Bei den flüssigen Klärschlamm-Varianten kommt es zu Abstufungen in der Reihenfolge der
Fällungsmittel Eisensalz (2), Aluminat (3) und Eisensalz mit anschließender Kalkung (4). Bei
den Löß-Varianten bestehen diese Unterschiede für das erste Jahr der 2. Anlage nicht.
4.1.2 Erträge und P-Entzüge im zweiten Untersuchungsjahr
Im zweiten Jahr erfolgte vor der Aussaat des Sommerweizens 'TINOS' zunächst innerhalb
einer Variante eine Durchmischung des Bodens. Bei der Ernte wurden die beiden Fraktionen
Korn und Stroh voneinander getrennt und separat untersucht.
Abbildung 4-3 stellt die erzielten Erträge vom Weizen-Korn dar. Die Wechselwirkungen der
Faktoren Jahr-Substrat-Variante sind nicht signifikant, daher werden die beiden Wechselwirk-
ungen Jahr-Variante (Abbildung 4-3-1) und Substrat-Variante (Abbildung 4-3-2) dargestellt.
Letztere liegt mit p = 5,8 % sehr knapp außerhalb der Irrtumswahrscheinlichkeit von 5%.
Die Korn-Erträge der ersten Anlage variieren von 26 g/Gefäß bis 43 g/Gefäß, dagegen sind
die Erträge der zweiten Anlage wesentlich ausgeglichener mit Unterschieden von nur
5 g/Gefäß zwischen der Kontrolle (1) und der flüssigen Klärschlamm-Variante mit dem
Fällungsmittel Eisen (2). Innerhalb der ersten Anlage bestehen signifikante Unterschiede von
allen Varianten zur Kontrolle (1), außer der flüssigen Klärschlamm-Variante mit dem
Fällungsmittel Eisen (2). Bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten mit dem Fällungsmitteln
Eisen (5) und Aluminat (6) konnten zudem höhere Erträge ermittelt werden als bei den
entsprechend flüssigen Klärschlamm-Varianten (2 bzw. 3).
Betrachtet man nun die Korn-Erträge in Abhängigkeit der Substrate und Varianten wird
deutlich, daß die Erträge der Sand-Varianten stets niedriger sind als die der Löß-Varianten.
Am Extremsten ist dies bei den Kontrollen sichtbar, wo ein Unterschied des
Trockensubstanzgehaltes von 14 g/Gefäß erzielt wurde. Bei den Sand-Varianten kommt es
innerhalb der Klärschlamm-Varianten nur bei der stichfesten Variante mit Aluminat (6) als
Fällungsmittel zu einem größeren Anstieg der Korn-Erträge. Bei den Löß-Varianten liegen
die meisten Varianten um die 40 g/Gefäß. Zwischen den flüssigen und stichfesten
4 Ergebnisse
61
0
5
10
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20
25
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35
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45
1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
TS [g/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Abb. 4-3-1: Erträge Weizen-Korn in Abhängigkeit der Anlagen und Varianten
Mittelwert der 6 Wdh.
Anlage 1 = 1996, Anlage 2 = 1997
GD(5%) Ertrag Anlage/Variante = 5,7
0
5
10
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25
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35
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1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
TS [g/Gefäß]
Sand Löß
Abb. 4-3-2: Erträge Weizen-Korn in Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen und 6 Wdh.
p Substrat/Variante = 6 %, GD(5%) P-Entzug Substrat/Variante = 5,7
4 Ergebnisse
62
Klärschlamm-Varianten bestehen nur bei der Variante mit Eisen (2 und 5) als eingesetztem
Fällungsmittel größere Unterschiede.
Auch bei den Erträgen des Weizen-Strohes bestehen keine signifikanten Wechselwirkungen
zwischen den Faktoren Jahr-Substrat-Variante. Es werden signifikante Wechselwirkungen
geringerer Ordnung der Faktoren Jahr und Substrat (Abbildung 4-4-1) und der Faktoren Jahr
und Variante (Abbildung 4-4-2 ) dargestellt.
Werden die Stroh-Erträge in Abhängigkeit der Jahre und Substrate (Abbildung 4-4-1)
dargestellt, so ist zu erkennen, daß zwischen allen vier Varianten signifikante Unterschiede
bestehen. Diese sind zwischen den Sand-Varianten der beiden Anlagen nur sehr gering,
dagegen bei den Löß-Varianten mit 22 g/Gefäß sehr erheblich, dies kann auf die
verschiedenen Ausgangssubstrate zurückgeführt werden.
Bei der Berücksichtigung der Varianten statt der Substrate erhält man folgendes Bild
(Abbildung 4-4-2). In der ersten Anlage kommt es zu signifikanten Mehrerträgen aller
Varianten, außer der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Aluminat als Fällungsmittel (3). Es
bestehen ebenso signifikante Unterschiede zwischen den flüssigen und stichfesten
Klärschlamm-Varianten mit dem Fällungsmittel Eisen (2 und 5) und dem Fällungsmittel
Aluminat (3 und 6). Bei der zweiten Anlage sind hingegen keine signifikanten Mehrerträge
des Weizen-Strohes erzielt worden, sondern die Erträge liegen auf einem einheitlichen Niveau
von 58 g/Gefäß.
Entsprechend den Erträgen weisen die Sand-Varianten geringere P-Entzüge des Weizen-
Korns auf als bei den Löß-Varianten (Abbildung 4-5). Bei den Sand-Varianten liegen sie zwi-
schen 50 - 142 mg P/Gefäß. Besonders geringe P-Entzüge sind bei den Kontrollen (1) mit 50
in der ersten bzw. 87 mg P/Gefäß in der zweiten Anlage festgestellt worden. Die P-Entzüge
der stichfesten Klärschlamm-Varianten (5-7) variieren zwischen den beiden Anlagen am
meisten. Im Durchschnitt der beiden Anlagen können zwischen den behandelten Varianten
keine signifikant höheren Entzüge festgestellt werden. Bei den Löß-Varianten, die in der
Streubreite von 134 und 219 mg P/Gefäß liegen, erreichen in der ersten Anlage die beiden
flüssigen Klärschlämme mit Eisen (2) bzw. Aluminat (3) als Fällungsmittel das gleiche
Niveau wie die Kontrolle (1). Bei den drei festen Klärschlämmen (5, 6 und7) kommt es zu
4 Ergebnisse
63
vergleichbaren P-Entzügen wie bei den beiden Dünger-Varianten (8 und 9). In der zweiten
Anlage liegen hingegen alle Varianten mit der Kontrolle (1) auf einem einheitlichen Niveau.
0
10
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40
50
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70
80
1 2
Anlage
TS [g/Gefäß]
Sand
Löß
Abb. 4-4-1: Erträge Weizen-Stroh in Abhängigkeit der Anlagen und Substrate
Mittelwert der 9 Varianten und 6 Wdh.
GD(5%) Ertrag Anlage/Substrat = 3,7
0
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60
70
123456789
Varianten
TS [g/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Abb. 4-4-2: Erträge Weizen-Stroh in Abhängigkeit der Anlagen und Varianten
Mittelwert der 2 Substrate und 6 Wdh.
Anlage 1 = 1996, Anlage 2 = 1997
GD(5%) Ertrag Anlage/Variante = 6,5
4 Ergebnisse
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150
175
200
225
123456789 123456789
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-5: P-Entzug Weizen-Korn in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und
Varianten, Mittelwert der 6 Wdh.
Anlage 1 = 1996, Anlage 2 = 1997
GD(5%) P-Entzug Anlage/Substrat/Variante = 33
0
25
50
75
100
125
150
175
200
225
123456789 123456789
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-6: P-Entzug Weizen-Stroh in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und
Varianten, Mittelwert der 6 Wdh.
Anlage 1 = 1996, Anlage 2 = 1997
GD(5%) P-Entzug Anlagen/Substrate/Variante = 6,2
4 Ergebnisse
65
Der Anteil des Weizen-Strohes am Gesamt-P-Entzug (Abbildung 4-6) ist gering. Bei den
Sand-Varianten werden nur maximal 23 mg P/Gefäß entzogen und bei den Löß-Varianten
sind es 40 mg P/Gefäß. Dies entspricht ungefähr einem Anteil zwischen 10 - 16 %. Bei den
Sand-Varianten sind keine Unterschiede zwischen den P-Entzügen beider Anlagen festzu-
stellen. Bei den Löß-Varianten sind in der ersten Anlage bis 10 mg P/Gefäß mehr als bei der
Kontrolle entzogen worden und in der zweiten Anlage liegen alle Varianten außer der Dün-
ger-Variante Hyperphos (9) auf dem gleichen Niveau wie die Kontrolle mit 38 mg P/Gefäß.
Nach der Ernte des Weizens wurde der Oberboden gelockert, um Mais auszusäen. Der Mais
wurde als Ganzpflanze geerntet und erzielte die Trockensubstanzerträge, die in der Abbildung
4-7 dargestellt sind. Die Mais-Erträge sind innerhalb der Varianten uneinheitlich, so dass
dieses zu einer relativ großen Grenzdifferenz von 7 g/Gefäß führt.
Bei den Sand-Varianten erzielt nur der stichfeste Klärschlamm mit Eisen als Fällungsmittel
(5) signifikant höhere Mehrerträge. Bei den beiden Dünger-Varianten Superphosphat (8) und
Hyperphos (9) fallen die Erträge noch geringer als bei der Kontrolle (1) aus. Bei den Löß-
Varianten kommt es im Vergleich zu den Sand-Varianten zu einem Anstieg der Erträge, der
jedoch nur bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel (2) und den
beiden Dünger-Varianten (8 und 9) statistisch gesichert ist. Innerhalb der Löß-Varianten
erzielen nur zwei Varianten (2 und 8) statistisch abgesicherte Mehrerträge.
Die P-Entzüge des nach Weizen angebauten Maises (Abbildung 4-8) liegen zwischen 25 und
92 mg P/Gefäß, wobei die meisten Varianten einen P-Entzug um die 50 mg P/Gefäß
aufweisen. Bedeutende Unterschiede zwischen den Dünger-Varianten (Superphosphat 8,
Hyperphos 9) liegen zwischen den beiden Substraten vor. In den Sand-Varianten konnte der
Mais nur noch 30 mg P/Gefäß dem Boden entziehen, hingegen liegen die P-Entzüge der Löß-
Varianten oberhalb aller anderen Varianten bei 73 mg P/Gefäß Superphosphat und
58 mg P/Gefäß Hyperphos.
Zusammenfassend läßt sich für die Erträge der Weizen- und Maisernte sagen, daß in der
ersten Anlage größere Unterschiede zwischen den Varianten vorhanden sind, die sich in der
zweiten Anlage nivellieren. Die Erträge der Löß-Varianten fallen zudem höher aus als die der
Sand-Varianten. Ein einheitliches Bild innerhalb der Erträge aller Varianten ist nicht
festzustellen.
4 Ergebnisse
66
0
5
10
15
20
25
30
35
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
TS [g/Gefäß]
Sand Löß
Abb. 4-7: Erträge Mais nach Weizen in Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen und 6 Wdh.
GD(5%) Ertrag Substrat/Variante = 7,0
0
10
20
30
40
50
60
70
80
1 2 3 4 5
Sand 6 7 8 9 1 2 3 4 5
Löß 6 7 8 9
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Abb. 4-8: P-Entzug Mais in Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen und 6 Wdh.
GD(5%) P-Entzug Variante/Substrat = 11,8
4 Ergebnisse
67
4.1.3 Erträge und P-Entzüge im dritten Untersuchungsjahr
Im dritten Versuchsjahr wurden zunächst die Böden der einzelnen Varianten erneut
miteinander vermischt und 5 Wiederholungen je Variante hergestellt. Danach erfolgte die
Aussaat des Hafers. Bei der Ernte erfolgte die Trennung der beiden Fraktionen Korn und
Stroh, die im weiteren gesondert untersucht wurden. Nur in der ersten Anlage wurde nach der
Ernte des Hafers der Boden gelockert und Mais ausgesät. Dieser wurde als Ganzpflanze
geerntet und analysiert. Abbildung 4-9 stellt die Erträge des Haferkornes der beiden Anlagen
dar und Abbildung 4-10 die Erträge des Haferstrohes. Es zeigt sich, daß das Verhältnis
Haferkorn zu Haferstroh (5:4) wesentlich enger ist als beim Weizen.
Es fällt auf, daß die Kornerträge der Sand-Varianten höher ausgefallen sind als die der
Löß-Varianten. Auch die beiden Anlagen unterscheiden sich relativ stark voneinander. In der
ersten Anlage liegen die Erträge sowohl bei den Sand- als auch bei den Löß-Varianten auf
einem einheitlichen Niveau von ca. 57 g/Gefäß bzw. 50 g/Gefäß. In der zweiten Anlage
kommt es hingegen bei einigen Varianten zu geringeren Erträgen. Innerhalb der drei
KlärschlammVarianten mit den Fällungsmitteln Eisen (2 und 5), Aluminat (3 und 6) und
Eisen mit zusätzlicher Kalkung (4 und 7) erreichen die Varianten mit der Fällung durch
Aluminat die höchsten Erträge, daran schließen sich die Varianten mit einer Eisenfällung an
und die geringsten Erträge liefern die Varianten mit Eisenfällung und zusätzlicher Kalkung.
Die Erträge der flüssigen Klärschlamm-Varianten (2, 3 und 4) liegen bei beiden
Substrat-Varianten oberhalb der Erträge der entsprechenden stichfesten Varianten (5, 6 und
7). Eine Ausnahme stellt lediglich bei den Sand-Varianten die flüssige Klärschlamm-Variante
(4) dar, die geringere Erträge liefert als die entsprechende stichfeste Klärschlamm-Variante
(7). Die Erträge der Dünger-Varianten liegen bei den Sand-Varianten bei ca. 44 g/Gefäß. Bei
den Löß-Varianten erreicht die Dünger-Variante Superphosphat (8) der zweiten Anlage
vergleichbar hohe Erträge wie in der ersten Anlage mit über 50 g/Gefäß, die Variante
Hyperphos (9) kann in der zweiten Anlage jedoch nur noch 20 g/Gefäß erzielen. Für das
Haferstroh gelten weitestgehend die gleichen Aussagen, wobei die Erträge insgesamt
niedriger sind und zwischen 14 und 50 g/Gefäß liegen.
Bei den P-Entzügen (Abbildung 4-11) des Hafer-Kornes ist der Unterschied zwischen den
beiden Anlagen noch deutlicher als bei den Erträgen. Belaufen sich die P-Entzüge in der
ersten Anlage zwischen 130 - 170 mg P/Gefäß, sind es in der zweiten Anlage nur noch
4 Ergebnisse
68
0
10
20
30
40
50
60
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
TS [g/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-9: Erträge Haferkorn in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten,
Mittelwerte der 5 Wdh.,
Anlage 1 = 1997, Anlage 2 = 1998
GD(5%) Ertrag Anlage/Substrat/Variante = 7,1
0
10
20
30
40
50
60
123456789 123456789
Varianten
TS [g/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-10: Erträge Haferstroh in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Varianten,
Mittelwerte der 5 Wdh.,
Anlage 1 = 1997, Anlage 2 = 1998
GD(5%) Ertrag Anlage/Substrat/Variante = 5,8
4 Ergebnisse
69
24 - 82 mg P/Gefäß. Dieser extreme Unterschied kann damit zusammenhängen, daß in der
zweiten Anlage der Hafer vierzehn Tage früher geerntet wurde. Dies mußte erfolgen, um
einem Verlust durch Vogelfraß vorzubeugen. Dadurch konnte Phosphat eventuell nicht in
ausreichendem Maße in das Haferkorn eingelagert werden.
Betrachtet man die Sand-Varianten, so zeigt sich, daß in beiden Anlagen nur die flüssige
Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Aluminat (3) signifikant höhere P-Entzüge als
die Kontrolle aufweist. In der ersten Anlage sind auch bei den drei stichfesten Klärschlamm-
Varianten (5, 6 und 7) statistisch höhere P-Entzüge als bei der Kontrolle ermittelt worden. In
der zweiten Anlage konnten hingegen bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisen als
Fällungsmittel (2) und bei der Dünger-Variante Superphosphat (8) höhere P-Entzüge erzielt
werden. Bei den Löß-Varianten weisen in der ersten Anlage alle Klärschlamm-Varianten
höhere P-Entzüge als die Kontrolle auf. In der zweiten Anlage konnten sowohl bei den Sand-
als auch bei den Löß-Varianten im Vergleich zur Kontrolle höhere P-Entzüge ermittelt
werden. Sowohl bei der Sand-Variante der ersten Anlage als auch bei beiden Löß-Varianten
bestehen statistische Unterschiede zwischen den flüssigen und stichfesten Klärschlamm-
Varianten mit dem Fällungsmittel Eisen (2 und 5). Dies führt in der ersten Anlage zu einer
P-Gehalte von der flüssigen zur stichfesten Klärschlamm-Variante und in der zweiten Anlage
zu einer Verringerung der P-Gehalte.
Für die P-Entzüge des Haferstrohes gelten tendenziell die gleichen Aussagen wie für die
P-Entzüge des Haferkorns nur auf niedrigerem Niveau. Die P-Entzüge liegen zwischen 2 und
31 mg P/Gefäß und erreichen damit max. 1/6 der P-Entzüge des Haferkornes.
Der Mais der ersten Anlage liefert nach dem Anbau von Hafer in seinen Erträgen kein
einheitliches Bild mehr (Abbildung 4-13). Die Unterschiede der Wiederholungen innerhalb
der Varianten waren so groß, daß die Grenzdifferenz mit 11 g/Gefäß recht hoch ausfällt.
Statistisch abgesicherte Ergebnisse liegen daher nicht vor. Auch lassen sich die Ergebnisse
des Hafers nicht auf den Mais übertragen. Die Erträge der Kontrollen liegen sowohl bei den
Sand- als auch bei den Löß-Varianten mit fast 45 g/Gefäß bzw. fast 40 g/Gefäß recht hoch.
Bei der Dünger-Variante Superphosphat (8) konnten nur gering höhere Erträge erzielt werden
und die Variante Hyperphos (9) liegt sogar unterhalb der Kontrolle.
4 Ergebnisse
70
0
25
50
75
100
125
150
175
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-11: P-Entzug von Haferkorn in Abhängigkeit der Anlagen, der Substrate und
Varianten, Mittelwerte der 5 Wdh.
Anlage 1 = 1997, Anlage 2 = 1998
GD(5%) P-Entzug Anlage/Substrat/Variante = 13,5
0
25
50
75
100
125
150
175
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Anlage 1
Anlage 2
Sand Löß
Abb. 4-12: P-Entzug von Haferstroh in Abhängigkeit der Anlagen, der Substrate und
Varianten, Mittelwerte der 5 Wdh.
Anlage 1 = 1997, Anlage 2 = 1998
GD(5%) P-Entzug Anlage/Substrat/Variante = 3,7
4 Ergebnisse
71
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
TS [g/Gefäß]
Sand Löß
Abb. 4-13: Erträge Mais in Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Anlage 1 = 1997, Mittelwerte der 5 Wdh.,
GD(5%) Ertrag Substrat/Variante = 10,8
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
123456789 123456789
Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
Sand Löß
Abb. 4-14: P-Entzug von Mais in Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Anlage 1 = 1997, Mittelwerte der 5 Wdh.
GD(5%) P-Entzug Substrat/Variante = 19,0
4 Ergebnisse
72
Beim Mais, der nur in der ersten Anlage nach Hafer angebaut wurde, ist auffällig, daß die
P-Entzüge der Sand-Varianten mit 62 - 90 mg P/Gefäß größer ausfallen als die der Löß-
Varianten, deren Entzüge zwischen 44 - 57 mg P/Gefäß liegen. Auch wenn dies statistisch
nicht abgesichert ist, besteht dennoch der Trend, daß die Klärschlamm-Varianten (3 und 6),
bei denen Aluminat als Fällungsmitteln eingesetzt wurde, höhere Entzüge aufweisen als die
mit Eisensalzen gefällten Klärschlamm-Varianten (2 und 4, 5 und 7). Die Dünger-Variante
Superphosphat (8) erzielte bei der Sand-Variante mit 90 mg P/Gefäß die höchsten P-Entzüge.
Bei den Löß-Varianten war der P-Entzug der Superphosphat-Variante (8) ebenbürtig mit den
Varianten flüssiger und stichfester Klärschlamm mit Aluminat als Fällungsmittel (3 und 6).
Die P-Entzüge der Dünger-Variante Hyperphos (9) sind bei beiden Substraten gleich denen
der Kontrolle.
Werden beide Anlagen zusammengefaßt, wird deutlich, daß die Haferkornerträge bei den
Sand-Varianten größer als bei den Löß-Varianten ausgefallen sind. Dagegen liegen die
P-Entzüge der Löß-Varianten über denen der Sand-Varianten. Die Varianten mit flüssigem
Klärschlamm weisen höhere Erträge, jedoch keine höheren P-Entzüge als die stichfesten
Klärschlamm-Varianten auf. Eine Kalkung der mit Eisen gefällten Klärschlamm-Varianten
hat keinen positiven Einfluß auf den Ertrag und P-Entzug. Beim Mais bestehen zwischen den
Sand- und Löß-Varianten hinsichtlich der Erträge keine Unterschiede, jedoch bei den
P-Entzügen, die bei den Sand-Varianten höher ausfallen.
4.1.4 Auswirkungen der Klärschlamm-Düngung auf die Anbaufolge
Im folgenden sollen die Auswirkungen der Klärschlammdüngung über die Anbaufolgen der
Früchte betrachtet werden. Da die absoluten Erträge nicht vergleichbar sind, erfolgte die
Umrechnung in Relativerträge. Dazu wurde jeweils der Ertrag der Dünger-Variante
Superphosphat (8) gleich 100 % gesetzt und alle anderen Varianten wurden entsprechend
berechnet. Um die zeitliche Wirkung darstellen zu können, wurden die einzelnen Ernten
unabhängig vom Jahr miteinander verrechnet. Die Maisernte nach Hafer der ersten
Versuchsanlage bleibt bei der Darstellung der Erträge unberücksichtigt.
In der Tabelle 4-1 sind die Relativerträge als Mittelwerte der beiden Versuchsanlagen zu-
sammengefaßt dargestellt. In den Abbildungen 4-15 und 4-16 sind zur besseren Veranschauli-
4 Ergebnisse
73
chung der Ergebnisse die Wechselwirkungen Ernten/Substrat und Substrat/Variante abge-
bildet. Aus Tabelle 4-1 ist zu erkennen, daß bei den Sand-Varianten beim Weidelgras keine
ertragswirksame P-Wirkung zu verzeichnen ist, da keine statistisch gesicherten Mehrerträge
gegenüber der ungedüngten Kontroll-Variante (1) aufgetreten sind. Eine Ausnahme stellt der
erste Schnitt des Einjährigen Weidelgrases der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisen als
Fällungsmittel (2) dar, der signifikant höhere Erträge als die Kontrolle aufweist. Im zweiten
Jahr (WK, WS und MW) erreicht die Kontrolle nicht mehr die hohen Erträge im Vergleich zu
den gedüngten Varianten. Jedoch schon im dritten Jahr bestehen keine signifikanten Unter-
schiede zwischen den Varianten, auch wenn die Kontrolle die geringsten Erträge aufweist.
Bei den Löß-Varianten kommt es erst ab dem Mais nach Weizen im zweiten Jahr zu
gesicherten höheren Relativerträgen der Dünger-Variante Superphosphat (8) gegenüber den
Tabelle 4-1 Erträge (%) in Abhängigkeit der Ernten, Substrate und Varianten
Mittelwerte der 2 Anlagen, Dünger-Variante Superphosphat (8) = 100 %
GD (5%) Ertrag Ernte/Substrat/Variante = 17,8
GD (5%) Ertrag Ernte/Substrat = 5,9
GD (5%) Ertrag Substrat/Variante = 5,9
Varianten
1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 1.-3.
Jahr
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS DS
1 89,92 93,12 85,86 101,66 62,20 75,81 115,23 90,02 88,05 89,10
2 113,07 108,77 96,12 104,00 90,56 91,89 142,47 103,47 103,57 105,99
3 101,59 99,93 96,84 78,62 90,78 88,64 118,57 111,94 99,98 98,54
4 86,71 88,63 91,12 89,93 83,47 85,49 156,18 89,49 79,90 94,55
Sand
5 92,75 91,72 89,37 114,39 88,77 90,15 169,62 98,92 86,13 102,42
6 92,34 99,44 91,19 105,70 104,16 100,95 145,29 104,53 100,80 104,93
7 88,47 94,61 86,83 90,71 87,00 81,16 139,99 92,43 91,38 94,73
8 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00
9 89,23 97,00 84,88 95,08 95,56 95,01 105,74 104,75 90,17 95,27
DS Sand 94,90 97,02 91,36 97,79 89,17 89,90 132,57 99,50 93,33
1 95,24 101,29 94,99 115,06 85,94 85,55 67,94 63,52 59,82 85,48
2 108,80 107,95 104,50 112,64 83,69 86,90 87,70 88,24 91,22 96,85
3 103,41 105,85 107,52 112,85 89,05 91,81 77,51 98,35 95,69 98,00
4 107,26 101,68 98,48 121,77 93,78 94,13 71,30 87,53 92,92 96,54
Löß 5 98,02 101,41 103,43 110,53 98,32 95,94 74,43 80,52 82,50 93,90
6 99,19 100,91 100,22 112,76 93,56 94,07 76,26 83,91 84,45 93,93
7 99,22 102,23 95,49 114,74 96,63 96,80 76,35 78,78 74,55 92,75
8 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00
9 98,06 95,18 97,48 111,00 95,47 96,25 99,58 72,39 68,89 92,70
DS Löß 101,02 101,83 100,23 112,37 92,94 93,49 81,23 83,69 83,34
EW - Einjähriges Weidelgras, WK - Weizenkorn, WS - Weizenstroh,
MW - Mais nach Weizen, HK - Haferkorn, HS - Haferstroh, DS Durchschnitt der neun Ernten
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind unberücksichtigt
4 Ergebnisse
74
gleichen Ertrag wie die Superphosphat-Variante (8). Ebenfalls keine signifikanten
Unterschiede sind bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung (2) festzustellen,
auch wenn diese nur 87,7 % der Superphosphat-Variante erreicht. Im dritten Jahr können die
Kontrolle (1) und die Hyperphos-Variante (9) das hohe Ertragspotential der Superphosphat-
Variante nicht mehr erreichen.
Betrachtet man die Sand-Varianten in der Abbildung 4-15 so erkennt man, daß die
Relativerträge des Einjährigen Weidelgrases und des Weizens im Durchschnitt der Anlagen
und Varianten unter 100 % liegen. Erst beim Mais nach Weizen kommt es zu einem starken
Anstieg der Relativerträge von ca. 130 % und damit zum höchsten Anstieg innerhalb der
Fruchtfolge. Die Relativerträge des Haferkorns erreichen ca. 100 %, die Relativerträge des
Haferstrohs sind mit 93 % geringfügig niedriger.
Auf dem Lößboden ist hingegen eine andere Entwicklung erkennbar. Die Relativerträge
liegen bei den vier Schnitten des Einjährigen Weidelgrases oberhalb von 100 %, besonders
bei dem vierten Schnitt kommt es zu einem Ertragsanstieg. Die Relativerträge vom
Weizenkorn und -stroh fallen im Durchschnitt der Varianten unter 100 %. Ab der Ernte Mais
nach Weizen sinkt das Ertragspotential auf 83 % ab.
Die Unterschiede der Varianten sind für beide Substrate in Abbildung 4-16 zusammengestellt.
Im Vergleich zur Superphosphat-Variante (8) weist die Kontrolle (1) einen signifikanten
Minderertrag und die flüssige Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel (2) einen
signifikanten Mehrertrag auf. Zur Kontrolle sind hingegen alle Varianten, außer den beiden
Klärschlamm-Varianten mit Eisenfällung und zusätzlicher Kalkung (4 und 7), signifikant.
Läßt man bei der Berechnung des Mittelwertes die Maisernte nach Weizen unberücksichtigt,
erhält man ein entsprechendes Ergebnis, jedoch unterscheiden sich Variante 2 und die
Superphosphat-Variante (8) nur sehr geringfügig um 1,4 %.
Bei den Löß-Varianten ergibt sich ein verändertes Bild im Verhältnis der Varianten
zueinander. Die drei flüssigen Klärschlamm-Varianten (2, 3 und 4) erreichen das gleiche
Ertragsniveau wie die Superphosphat-Variante (8). Die drei stichfesten Klärschlamm-
Varianten (5, 6 und 7) liegen auf einem signifikant niedrigeren Niveau und bei der Kontrolle
(1) wurde ein noch geringerer Ertrag ermittelt.
4 Ergebnisse
75
0
20
40
60
80
100
120
140
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS
Ernten
Ertrag [%]
Sand
Löß
Abb. 4-15: Relativerträge (%) in Abhängigkeit der Ernten und Substrate
Mittelwert der 2 Anlagen und 9 Varianten
Dünger-Variante Superphosphat (8) = 100 %
EW - Einjähriges Weidelgras, WK - Weizenkorn, WS - Weizenstroh,
MW - Mais nach Weizen, HK - Haferkorn, HS - Haferstroh
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind unberücksichtigt
GD (5%) Relativertrag Ernte/Substrat = 5,9
0
20
40
60
80
100
120
1 2 3 4 5 6 7 8 9 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Varianten
Ertrag [%]
Sand Löß
Abb. 4-16: Relativerträge (%) in Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen und 9 Ernten
Dünger-Variante Superphosphat (8) = 100 %
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind unberücksichtigt
GD (5%) Relativertrag Ernte/Substrat = 5,9
4 Ergebnisse
76
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Relativerträge der Klärschlamm-Varianten
z.T. nur geringfügig unterhalb der Dünger-Variante Superphosphat liegen. Zwischen den
Substraten werden größere Differenzen erst ab der Kultur Mais nach Weizen erkennbar. Von
da an liegen die Relativerträge der Sand-Varianten oberhalb der Löß-Varianten.
Die P-Entzüge der Anbaufolge können als Absolutwerte dargestellt werden, dabei ist jeweils
der Summenwert für das Jahr berechnet worden. Die Darstellung der Werte als Vierfach-
Wechselwirkung wird so unübersichtlich, daß in diesem Falle in den Abbildungen 4-17 und
4-18 die Dreifach-Wechselwirkungen dargestellt sind, um die Einflüsse der Düngung besser
verdeutlichen zu können.
Abbildung 4-17 stellt die jährlichen P-Entzüge der Kulturen in Abhängigkeit der Anlagen,
Jahre und Substrate dar. Für beide Anlagen und Substrate gilt, daß im ersten Jahr durch das
Einjährige Weidelgras die höchsten P-Entzüge eingetreten sind, dabei sind jeweils in der
zweiten Anlage die Entzüge des Einjährigen Weidelgrases höher ausgefallen als die der ersten
Anlage. Die P-Entzüge des zweiten Jahres durch die Weizen- und Maisernten liegen bei
beiden Anlagen sowohl bei den Sand- als auch bei den Löß-Varianten auf einem gleichen Ni-
veau, jedoch bei den Löß-Varianten um das 1,5-fache höher. Im dritten Jahr liegen die P-Ent-
züge der beiden ersten Anlagen auf einem Niveau von 230 mg P/Gefäß. In der zweiten An-
lage ist eine starke Reduzierung festzustellen, da hier auf den Nachbau von Mais nach Hafer
verzichtet wurde. Trotz dieses "Maiseffektes" liegt die Summe der P-Entzüge beider Anlagen
der Sand-Varianten bei ca. 650 mg P/Gefäß und bei den Löß-Varianten bei 950 mg P/Gefäß.
Da jedoch die Verhältnisse der Varianten zueinander von Interesse sind, sind diese in
Abbildung 4-18 abgebildet. Für beide Substrate gilt, daß die Unterschiede zwischen den
Varianten im ersten Jahr größer sind und es in den folgenden Jahren zu einer Angleichung der
P-Entzüge gekommen ist. Betrachtet man zunächst nur die Sand-Varianten, erreichen im
ersten Jahr alle Varianten, mit Ausnahme der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisen als
Fällungsmittel und Kalkung (4), sowie die stichfesten Varianten mit dem Fällungsmittel Eisen
(5) und Eisen und Kalkung (7) statistisch höhere P-Entzüge als die Kontrolle. Im zweiten Jahr
haben alle Varianten signifikant höhere P-Entzüge. Im dritten Jahr liegen alle Varianten außer
den beiden Varianten flüssiger Klärschlamm mit Aluminatfällung (3) und der Dünger-
Variante Superphosphat (8) auf einem gleichen Niveau.
4 Ergebnisse
77
0
100
200
300
400
500
600
700
Anlage 1 Anlage 2 Anlage 1 Anlage 2
P-Entzug [mg P/Gefäß]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Sand Löß
Abb.4-17: Jährlicher P-Entzug der Kulturen in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Substrate, Mittelwert der 9 Varianten und Wiederholungen,
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind berücksichtigt
GD (5%) P-Entzug Anlage/Jahr/Substrat = 12,1
GD (5%) P-Entzug Anlage/Jahr/Substrat/Variante = 36,3
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Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Sand Löß
Abb. 4-18: Jährlicher P-Entzug der Kulturen in Abhängigkeit der Jahre, Substrate und
Varianten, Mittelwert der 2 Anlagen und Wiederholungen,
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind unberücksichtigt
GD (5%) P-Entzug Jahr/Substrat/Variante = 25,7
GD (5%) P-Entzug Anlage/Jahr/Substrat/Variante = 36,3
4 Ergebnisse
78
Bei den Löß-Varianten ergibt sich ein verändertes Bild. Im ersten Jahr erreichen alle Varian-
ten außer der stichfesten Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel und Kalkung (7)
sowie die Dünger-Variante Hyperphos (9) signifikant höhere P-Entzüge. Im zweiten Jahr
konnten hingegen bei allen Varianten außer den beiden flüssigen Klärschlamm-Varianten mit
Eisen- bzw. Aluminatfällung (2 und 3) erhöhte P-Entzüge jeweils zur Kontrolle festgestellt
werden. Im dritten Jahr weisen im Unterschied zu den Sand-Varianten alle Löß-Varianten
außer der Dünger-Variante Hyperphos (9) höhere P-Entzüge im Vergleich zur Kontrolle auf.
Innerhalb der drei Jahre kommt es zu abnehmenden P-Entzüge. Im ersten Jahr in dem auch
die Unterschiede zwischen den Sand- und Löß-Varianten am ausgeprägtesten sind, liegen die
höchsten P-Entzüge vor. In den beiden folgenden Jahren fallen sowohl zwischen den
Substraten als auch zwischen den Varianten die Unterschiede geringer aus.
4.2 Einfluß der Klärschlamm-Düngung auf den Boden
Bei den Auswirkungen der Klärschlammdüngung im Vergleich zur Mineraldüngung sollen
drei Bodenparameter besprochen werden. Zunächst werden die Veränderungen der
pflanzenverfügbaren Phosphat-Gehalte betrachtet. Im Anschluß erfolgt die Darstellung der
Gesamt-P-Gehalte und zum Schluß wird der Einfluß der Düngung auf die Fraktionen (Fe/Al-
P, Ca-P, Org.-P und Rest-P) vorgestellt. Die Probennahme erfolgte stets am Ende der
Vegetationsperiode, d.h. 6, 18 bzw. 30 Monate nach der Klärschlammausbringung. Zur
Vereinfachung wird im folgenden Text die Bezeichnung 1., 2. bzw. 3. Jahr benutzt.
4.2.1 Veränderungen des pflanzenverfügbaren Phosphates innerhalb der Anbaufolge
Die Bestimmung der P-Versorgung der Böden wird in den meisten Landwirtschaftskammern
mit Hilfe der Lactatmethode (P-CAL) durchgeführt. Das pflanzenlösliche Phosphat stellt
dabei die Phosphatmenge dar, die von den Pflanzen aufgenommen werden kann. In
Abbildung 4-19 ist der P-CAL-Gehalt in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Jahre
dargestellt, zusätzlich wurde der Anfangsgehalt der Substrate mit aufgenommen, um die
zeitliche Entwicklung besser beurteilen zu können.
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Anlage 1 Anlage 2 Anlage 1 Anlage 2
P-CAL-Gehalt [mg P/100 g Boden]
AG
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Sand Löß
Abb. 4-19: P-CAL-Gehalt des Bodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und Substrate
Mittelwert der 9 Varianten und Wiederholungen, AG - Anfangsgehalt
GD (5%) P-CAL Anlage/Jahr/Substrat = 0,16
Bei den Sand-Varianten lag der Anfangsgehalt in beiden Anlagen bei 5,8 mg P/100 g Boden
(13,2 mg P2O5/100 g Boden). Am Vegetationsende des ersten Jahres kommt es in beiden
Anlagen zu einer Reduzierung der Gehalte um ca. 1 mg P/100 g Boden. Nach dem
Vegetationsende des zweiten Jahres entwickeln sich die beiden Anlagen unterschiedlich.
Während sich in der ersten Anlage der P-CAL-Gehalt nicht ändert, steigt in der zweiten
Anlage der P-CAL-Gehalt um 0,7 mg P/100 g Boden an. Im dritten Jahr kommt es dann in
der ersten Anlage zu einer geringen Reduzierung der P-CAL-Gehalte um 0,24 mg P/100 g
Boden, während die P-CAL-Gehalte in der zweiten Anlage unverändert blieben.
Bei den Löß-Varianten findet im ersten Jahr durch den Anbau von Einjährigem Weidelgras
ein starker P-Entzug statt, der wiederum zu einer erheblichen Reduzierung des
P-CAL-Gehaltes führt. Im zweiten Jahr ist die Reduzierung durch die P-Entzüge von Weizen
und Mais nicht so groß, so dass auch der Rückgang des pflanzenverträglichen P-Gehaltes
gering ausfällt. Im dritten Jahr entwickeln sich die beiden Anlagen unterschiedlich. Der
Anbau von Mais nach Hafer der ersten Anlage bedingt eine weitere Reduzierung des
pflanzenverfügbaren P-Gehaltes im Boden. Dagegen steigt der P-Gehalt in der zweiten
Anlage an, dort wurde auf den Anbau von Mais nach Hafer verzichtet.
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Varianten
P-CAL-Gehalt [mg P/100 g Boden]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Anlage 1 Anlage 2
Abb. 4-20: P-CAL-Gehalt des Sandbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten, Mittelwert der Wiederholungen,
Anfangsgehalt P-CAL-Gehalt Sand = 5,8 mg P/100 g Boden
GD (5%) P-CAL Anlage/Jahr/Substrat/Variante = 0,45
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8
123456789 123456789
Varianten
P-CAL-Gehalt [mg P/100 g Boden]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Anlage 1 Anlage 2
Abb. 4-21: P-CAL-Gehalt des Lößbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten, Mittelwert der Wiederholungen,
Anfangsgehalt P-CAL-Gehalt Anlage 1 = 6,46 mg P/100 g Boden
Anfangsgehalt P-CAL-Gehalt Anlage 2 = 9,78 mg P/100 g Boden
GD (5%) P-CAL Anlage/Jahr/Substrat/Variante = 0,45
4 Ergebnisse
81
In den Abbildungen 4-20 und 4-21 sind die P-CAL-Gehalte für Sand- und Lößboden getrennt
dargestellt. Im ersten Jahr sinken bei der Kontrolle (1) der ersten Anlage der Sand-Varianten
die P-CAL-Gehalte (Abbildung 4-20). Die P-Gehalte bleiben in den folgenden zwei Jahren
konstant. Die gleiche Entwicklung ist auch bei den Varianten stichfester Klärschlamm (6) und
den Dünger-Varianten (8 und 9) festzustellen, wobei dort die Abnahme im ersten Jahr
geringer ausfiel als bei der Kontrolle. Bei den anderen Varianten (2, 3, 4, 5, 7) kommt es
innerhalb des ersten Jahres zu einer stärkeren Verringerung und im zweiten bzw. dritten Jahr
überwiegend zu einer geringen Reduzierung der P-Gehalte.
In der zweiten Anlage der Sand-Varianten ist die Entwicklung der Kontrolle weitestgehend
identisch mit der Kontrolle der ersten Anlage, auch wenn es im zweiten Jahr zu einer geringen
Anhebung des P-CAL-Gehaltes kam. Ebenfalls bei den drei flüssigen Klärschlamm-Varianten
(2, 3 und 4) und der Dünger-Variante Superphosphat (8) fällt die Reduzierung der
P-CAL-Gehalte geringer als bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten (5, 6 und 7) und der
Hyperphos-Variante (9) aus. Im zweiten Jahr erfolgt eine Zunahme der P-CAL-Gehalte, die
besonders hoch bei den Klärschlamm-Varianten (2, 5 und 6) ausfallen. Im dritten Jahr liegen
dagegen die P-CAL-Gehalte überwiegend auf dem Vorjahresniveau.
Für die Löß-Varianten sind beide Anlagen in Abbildung 4-21 dargestellt. Bei allen Varianten
der Anlage 1 erfolgt eine Reduzierung des Anfangsgehaltes, der bei 6,5 mg P/100 g Boden
gelegen hat. Diese Abnahme fällt im ersten Jahr am stärksten bei der Kontrolle (1) und der
Dünger-Variante Hyperphos (9) aus. Im zweiten Jahr findet ebenfalls durch den Anbau von
Weizen und Mais eine Verminderung des pflanzenverfügbaren P-Gehaltes im Boden statt, der
im dritten Jahr nur noch bei einigen Varianten statistisch nachweisbar ist.
Der Anfangsgehalt der zweiten Anlage lag mit 9,8 mg P/100 g Boden wesentlich höher als in
der Anlage 1. Wie auch in Anlage 1 ist der Rückgang der P-Gehalte im ersten Jahr bei den
beiden Varianten Kontrolle (1) und Hyperphos (9) am größten (ca. 5 mg P/100 g Boden) und
bei der Variante Superphosphat (8) am geringsten (ca. 3 mg P/100 g Boden) ausgefallen. Im
zweiten Jahr kommt es zu einer weiteren Abnahme der P-Gehalte im Boden außer bei der
flüssigen Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Eisen (2), bei der eine Steigerung der
Bodengehalte festzustellen ist. Im dritten Jahr steigen die Gehalte wieder an. Dieser
Unterschied zur Anlage 1 kann durch den in der zweiten Anlage nicht durchgeführten Anbau
4 Ergebnisse
82
von Mais nach Weizen erklärt werden. Die Kontrolle (1) und die Dünger-Variante Hyperphos
(9) weisen nach den drei Jahren die geringsten P-Gehalte auf.
Ungeachtet einiger Ausnahmen kommt es innerhalb des dreijährigen Versuchszeitraumes
sowohl bei der Sand- als auch bei den Löß-Varianten der ersten Anlage zu einer Abnahme des
pflanzenverfügbaren Phosphates. Bei den Varianten der zweiten Anlage kommt es hingegen
zu einem uneinheitlichen Verlauf.
4.2.2 Veränderungen des Gesamt-P-Gehaltes innerhalb einer Anbaufolge
Neben dem pflanzenverfügbaren Phosphat soll im Kapitel 4.2.2.1 auch der Gesamt-P-Gehalt
des Bodens betrachtet werden. Dazu ist in Abbildung 4-22 der Gesamt-P-Gehalt des Bodens
in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und Substrate dargestellt, da sowohl die
Wechselwirkungen Anlage/Jahr/Substrat/Variante als auch Jahr/Substrat/Variante nicht
signifikant sind. Ebenso ist die Wechselwirkung Jahr/Substrat nicht signifikant, so dass auf
die Darstellung der jährlichen Ergebnisse zurückgegriffen und die Hauptwirkung Variante für
alle drei Jahre gewählt wird (Abbildung 4-23).
Der Sandboden (Abbildung 4-22) weist einen Anfangsgehalt von 38,4 mg P/100 g Boden auf,
hinzu kommt die Düngung der Varianten 2-9 mit 4,9 mg P/100 g Boden, so dass sich ein
rechnerischer Gesamt-P-Gehalt für alle 9 Varianten von 42,7 mg P/100 g Boden ergibt. Nach
dem ersten Jahr ist die Reduzierung der Gesamt-P-Gehalte im Boden durch den Anbau von
Einjährigem Weidelgras am größten, in den beiden folgenden Jahren fallen durch den Anbau
von Getreide die Abnahme des Gesamt-P-Gehaltes geringer aus. Der Gesamt-P-Gehalt nach
drei Jahren liegt für beide Anlagen bei 36 mg P/100 g Boden.
Beim Lößboden liegen die Ausgangsgehalte beider Anlagen geringfügig auseinander. In der
ersten Anlage beträgt der Gehalt 57,8 mg P/100 g Boden und in der zweiten Anlage
61,3 mg P/100 g Boden, addiert man nun für die Varianten 2-9 die Düngung von
4,9 mg P/100 g Boden, erhält man einen durchschnittlichen Anfangsgehalt von 62,1 bzw.
65,7 mg P/100 g Boden. Entsprechend dem Sandboden ist auch beim Lößboden die
Verringerung der Gesamt-P-Gehalte nach dem ersten Jahr am größten. Nach dem dritten Jahr
liegen beide Anlagen bei ca. 52 mg P/100 g Boden.
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Anlage 1 Anlage 2 Anlage 1 Anlage 2
P-Gehalt [mg P/100 g Boden]
AG
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Sand Löß
Abb. 4-22: Gesamt P-Gehalt des Bodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und Sub-
strate Mittelwert der 9 Varianten und Wiederholungen,
AG - Anfangsgehalt und Düngung, GD (5%) Gesamt-P Anlage/Jahr/Substrat = 1,1
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Varianten
P-Gehalt [mg P/100 g Boden]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Abb. 4-23: Gesamt-Phosphat-Gehalt des Bodens in Abhängigkeit der Varianten für drei Jahre
Mittelwerte der Anlagen, Substrate und Wiederholungen des jeweiligen Jahres,
AG: 49,0 mg P/100 g Boden, Düngung der Varianten 2-9: 4,9 mg P/100 g Boden,
1. Jahr, GD (5%) Gesamt-P Variante = 2,1
2. Jahr, GD (5%) Gesamt-P Variante = 1,1
3. Jahr, GD (5%) Gesamt-P Variante = 1,0
4 Ergebnisse
84
In der Abbildung 4-23 sind für jedes Jahr die Gesamt-Phosphat-Gehalte des Bodens in
Abhängigkeit der Varianten dargestellt. Der Anfangsgehalt des Bodens hat für beide Substrate
und Anlagen bei 49 mg P/100 g Boden gelegen. Die Düngung von 4,9 mg P/100 g Boden
erfolgte bei den Varianten 2-9, so dass der dreijährigen Fruchtfolge ein Gesamt-P-Angebot
von 53,9 mg P/100 g Boden zur Verfügung stand. Am Ende der ersten Vegetationsperiode
verringert sich der Gesamt-P-Gehalt der Kontrolle um 5,5 mg P/100 g Boden. Bei den
Dünger-Varianten (8 und 9) erfolgt eine Reduzierung um 6 mg P/100 g Boden und bei den
Klärschlamm-Varianten sinkt der Gehalt in der Spanne von 6,5 mg P/100 g Boden (Variante
6) bis 8,2 mg P/100 g Boden (Variante7).
Im zweiten Jahr sind die Gesamt-P-Gehalte der Kontrolle (1), der drei flüssigen
Klärschlämme (2, 3 und 4) sowie der Dünger-Varianten (8 und 9) konstant geblieben. Bei den
drei stichfesten Klärschlämmen kam es zu einer Abnahme der Gehalte, die signifikant
niedriger im Vergleich zu den entsprechenden flüssigen Klärschlamm-Varianten sind.
Im dritten Jahr kommt es bei allen Varianten zu einer Reduzierung der Gesamt-P-Gehalte.
Alle Varianten haben im Vergleich zur Kontrolle höhere Gesamt-P-Gehalte. Zwischen den
flüssigen und stichfesten Klärschlamm-Varianten besteht nur noch bei den mit Eisen gefällten
und gekalkten Klärschlämmen (4 und 7) ein signifikanter Unterschied. Bei der Hyperphos-
Variante (9) ist der Gesamt-P-Gehalt nicht so stark gesunken, so dass ein signifikanter
Unterschied zur Superphosphat-Variante (8) besteht.
Bei einem Vergleich der Substrate innerhalb der Fruchtfolge sind den Sand-Varianten ca.
7 mg P/100 g Boden und den Löß-Varianten 11 bzw. 13 mg P/100 g Boden entzogen worden.
Betrachtet man nun die Varianten untereinander zeigt sich, daß die geringsten Entzüge
der Gesamt-P-Gehalte mit 7,5 mg P/100 g Boden bei der Kontrolle (1) bzw.
8,0 mg P/100 g Boden bei der Dünger-Variante Hyperphos (9) vorliegen. Die höchsten
Entzüge konnten mit 10,9 mg P/100 g Boden bei der festen Klärschlamm-Variante mit Eisen-
Fällung und Kalkung (7) festgestellt werden. Alle anderen Klärschlamm-Varianten und die
Dünger-Variante Superphosphat (8) weisen einen Entzug von ca. 9 mg P/100 g Boden auf.
4 Ergebnisse
85
4.2.3 Veränderungen der P-Fraktionen innerhalb einer Anbaufolge
Nachdem nun die Entwicklung des Gesamtphosphates im Boden betrachtet wurde, sollen im
folgenden Kapitel die Veränderungen der einzelnen Fraktionen innerhalb der dreijährigen
Fruchtfolge erfolgen. Dazu werden in den Abbildungen 4-24 bis 4-28 die einzelnen
Fraktionen (Fe/Al-P, Ca-P, Org. P und Rest P) zunächst zusammen und dann einzeln
dargestellt. Abbildung 4-24 stellt die Summe der Fraktionen in Abhängigkeit der Anlagen,
Substrate und Jahre dar, die Anfangsgehalte der Substrate (AG) sind ebenfalls aufgenommen
worden. Im Vergleich zur Abbildung 4-22 ist bei den Anfangsgehalten die Düngung nicht
berücksichtigt worden.
Die größte Fraktion bei den Sand-Varianten ist die des Fe/AL-Phosphates mit einem Anteil
am Gesamt-P von 60-70 %. Diese bleibt in der ersten Anlage über die drei Jahre unverändert.
In der zweiten Anlage steigt hingegen der Fe/Al-P-Gehalt im ersten Jahr geringfügig um
0,8 mg Fe/Al-P/100 g Boden an, er bleibt im zweiten Jahr unverändert und sinkt im dritten
Jahr wieder auf 25,1 mg Fe/AL-P/100 g Boden. Die Ca-P-Fraktion mit ca. 10 % am Gesamt-P
beteiligt, steigt im ersten Jahr sehr leicht an (0,6 mg Ca-P/100 g Boden) bleibt in den
folgenden Jahren jedoch auf gleichem Niveau. Die Fraktion, die größeren Veränderungen
unterliegt, ist die Org. P-Fraktion mit einen Anfangsgehalt von 4,8 mg P/100 g Boden. Dies
entspricht einem Anteil am Gesamt-P von 12 %. In der ersten Anlage ist eine geringfügige
Reduzierung der Org. P-Gehalte feststellbar, dann steigt im zweiten Jahr der Gehalt stärker
an. Im dritten Jahr kommt es dann wieder zu einer Reduzierung um 5,2 mg Org.-P/100 g
Boden. Die Org. P-Gehalte der zweiten Anlage steigen bereits im ersten Jahr an, im zweiten
Jahr halbieren sie sich und im dritten Jahr steigen sie erneut an. Der Rest-P-Gehalt, der sich
aus der Differenz des Gesamt-P-Gehaltes minus der drei bereits besprochenen Fraktionen
ergibt, ist die Fraktion mit der größten Fehlerwahrscheinlichkeit. Dadurch ist auch die hohe
Grenzdifferenz von 3,7 zu erklären. Der Anfangsgehalt bei den Sand-Varianten beträgt 5,6
mg Rest-P/100 g Boden, dieser fällt in beiden Anlagen ab, jedoch in der zweiten Anlage
stärker. Es kommt zu keinen statistischen Unterschieden zwischen den Anlagen und Jahren.
Bei den Löß-Varianten bestehen aufgrund unterschiedlicher Ausgangssubstrate auch
Unterschiede in dem Umfang der Fraktionen. Der Anfangsgehalt an Fe/Al-P am Gesamt-P-
Gehalt in den Anlagen 1 und 2 beträgt 29,9 bzw. 27,0 mg Fe/Al-P/100 g Boden und erreicht
damit einen prozentualen Anteil von 52 bzw. 44 % am Gesamt-P-Gehalt. In beiden Anlagen
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AG 1. 2. 3. AG 1. 2. 3. AG 1. 2. 3. AG 1. 2. 3.
P-Gehalt [mg P/100 g Boden]
Rest P
Org. P
Ca-P
Fe/Al-P
Anlage 1 Anlage 2 Anlage 1 Anlage 2
Sand Löß
Jahr
Abb. 4-24: P-Fraktionierung des Bodens in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und Jahre
Mittelwert der 9 Varianten und Wiederholungen,
Anfangsgehalt (AG) der Kontrollen (ohne P-Düngung)
GD (5%) Gesamt-P Anlage/Jahr/Substrat = 1,1
GD (5%) Fe/Al-P-Fraktion Anlage/Jahr/Substrat = 0,5
GD (5%) Ca-P-Fraktion Anlage/Jahr/Substrat = 0,2
GD (5%) Org.-P-Fraktion Anlage/Jahr/Substrat = 0,5
GD (5%) Rest-P-Fraktion Anlage/Jahr/Substrat = 3,7
kommt es zu einer Reduzierung der Fe/Al-P-Gehalte. Während in der ersten Anlage eine
stetige Reduzierung innerhalb der drei Jahre erfolgt, kann sie in der zweiten Anlage nur im
ersten Jahr statistisch nachgewiesen werden. Im dritten Jahr besitzt die Fe/AL-P-Fraktion
einen Anteil von 39 bzw. 41 % am Gesamt-P-Gehalt. Der Gehalt der Ca-P-Fraktion der ersten
Anlage beträgt 9,9 mg Ca-P/100 g Boden, dieser verringert sich in den ersten beiden Jahren
und bleibt im dritten Jahr unverändert. In der zweiten Anlage liegt er bei 12,2 mg Ca-P/100 g
Boden und steigt im Laufe der drei Jahre auf 14,2 mg Ca-P/100 g Boden an. Bei der Org. P-
Fraktion ist der Anfangsgehalt der ersten Anlage bei 6,2 mg Org.-P/100 g Boden und
verdreifacht sich fast innerhalb der Fruchtfolge. Bei dem Boden der zweiten Anlage ist die
Org. P-Fraktion bereits zu Beginn auf einem höheren Niveau von
12,0 mg Org.-P/100 g Boden, in den drei Jahren kommt es zu einer uneinheitlichen
Entwicklung. Der Rest-P-Gehalt der ersten Anlage beträgt 11,9 mg Rest-P/100 g Boden. Er
bleibt über die ersten zwei Jahre unverändert, fällt im dritten Jahr stärker ab und erreicht den
Wert 3,8 mg Rest-P/100 g Boden. In der zweiten Anlage ist der Ausgangsgehalt mit 10,2 mg
4 Ergebnisse
87
Rest-P/100 g Boden etwas geringer. Im zweiten Jahr kommt es hier bereits zu einer größeren
Reduzierung auf 3,8 mg Rest-P/100 g Boden, die statistisch im dritten Jahr unverändert bleibt.
Da jedoch der Einfluß der Klärschlamm-Düngung auf die Fraktionen von Interesse ist,
werden diese im folgenden vorgestellt. In Abbildung 4-25 ist die Fe/Al-P-Fraktion in
Abhängigkeit der Jahre, Substrate und Varianten dargestellt. Der Anfangsgehalt der Sand-
Varianten beträgt 25,3 mg Fe/AL-P/100 g Boden. Bei den drei flüssigen Klärschlamm-
Varianten (2, 3 und 4) kommt es innerhalb des ersten Jahres zu einem Anstieg auf
27,2 - 28,3 mg Fe/AL-P/100 g Boden. Auch bei der Dünger-Variante Superphosphat kommt
es zu einem sehr geringen Anstieg des Fe/Al-P-Anteiles. Die anderen Varianten bleiben auf
dem gleichen Niveau oder sinken ab. In den folgenden Jahren sinken die Gehalte bei der
Kontrolle (1) und den drei flüssigen Klärschlamm-Varianten (2, 3 und 4) entweder im zweiten
bzw. dritten Jahr oder in beiden Jahren. Bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten und den
Dünger-Varianten bleiben die Fe/Al-P-Gehalte konstant.
Bei den Löß-Varianten kommt es innerhalb des ersten Jahres zu einer großen Reduzierung der
Fe/Al-P-Gehalte von 28,4 mg Fe/AL-P/100 g Boden auf bis zu 20,6 mg Fe/AL-P/100 g Bo-
den (Kontrolle 1) bzw. 25,9 mg Fe/Al-P/100 g Boden (stichfester Klärschlamm mit dem Fäl-
lungsmittel Aluminat 6). Im zweiten Jahr sinken bei den stichfesten Klärschlämmen (4, 5 und
6) und bei der Dünger-Variante Superphosphat (8) die Fe/Al-P-Gehalte am stärksten ab. Aber
auch bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Eisen und anschließen-
der Kalkung (4) und der Dünger-Variante Hyperphos (9) kommt es zu einer Reduzierung der
Fe/Al-P-Gehalte. Im dritten Jahr erreichen alle Varianten außer der Kontrolle (1) und der
Hyperphos-Variante (9) ein Niveau von ca. 22 mg Fe/Al-P/100 g Boden.
Da die Wechselwirkung Jahr-Substrat-Variante der Ca-P-Fraktion nicht signifikant ist, ist in
der Abbildung 4-26 die Darstellung Jahr-Variante gewählt worden. Der Anfangsgehalt beider
Substrate hat im Durchschnitt bei 6,9 mg Ca-P/100 g Boden gelegen. Dieser ist im ersten Jahr
aufgrund der Düngereigenschaften - wie zu erwarten war - bei der Dünger-Variante Hyper-
phos (9) stark erhöht und bei der Superphosphat-Variante (8) leicht erhöht. Im zweiten Jahr
tritt eine Steigerung bei den Klärschlamm-Varianten mit Aluminatfällung (3 und 6), bei der
stichfesten Klärschlamm-Variante Eisenfällung und Kalkung (7) und bei den beiden Dünger-
Varianten (8 und 9) ein. Im dritten Jahr erfolgt kein weiterer Anstieg der Ca-P-Gehalte.
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Varianten
Fe/Al-P-Gehalt [mg P/100 g Boden]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Sand Löß
Abb. 4-25: Fe/AL-P-Fraktion des Bodens in Abhängigkeit der Jahre, Substrate und
Varianten, Mittelwert der 2 Anlagen, Wiederholungen,
Anfangsgehalt Fe/AL-P-Fraktion Sand = 25,3 mg P/100 g Boden
Anfangsgehalt Fe/AL-P-Fraktion Löß= 28,4 mg P/100 g Boden
GD (5%) Fe/Al-P-Fraktion Jahr/Substrat/Variante = 1,0
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Varianten
Ca-P-Fraktion [mg P/100 g Boden ]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Abb. 4-26: Ca-P-Fraktion des Bodens in Abhängigkeit der Jahre und Varianten,
Mittelwert der 2 Anlagen, 2 Substrate und Wiederholungen,
Anfangsgehalt Ca-P-Fraktion = 6,9 mg P/100 g Boden
GD (5%) Ca-P-Fraktion Jahr/Variante = 0,3
4 Ergebnisse
89
Die Org. P-Fraktion ist für die beiden Substrate getrennt dargestellt. In der ersten Abbildung
4-27 sind die Gehalte der Sand-Varianten aufgeführt. Der Anfangsgehalt für beide Anlagen
beträgt 4,7 mg Org.-P/100 g Boden. In Anlage 1 kommt es bei den stichfesten Klärschlamm-
Varianten (5, 6 und 7) und der Dünger-Variante Superphosphat (8) zu einem schnellen
Anstieg der Gehalte, bei den fünf übrigen Varianten fällt der Org. P-Gehalt im ersten Jahr ab.
Im zweiten Jahr stellt sich der Gehalt der fünf Varianten auf das höhere Niveau der bereits im
ersten Jahr erhöhten Varianten ein, so dass zwischen den Varianten keine statistischen
Unterschiede mehr vorhanden sind. Im dritten Jahr fallen die Gehalte stark ab. In der zweiten
Anlage kommt es im ersten Jahr wie bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten der ersten
Anlage zu einem Anstieg der Org. P-Fraktion. Die Gehalte nach dem ersten Jahr liegen bei
durchschnittlich 6,1 mg Org.-P/100 g Boden und sinken im zweiten Jahr bei allen Varianten
signifikant ab. Im dritten Jahr steigen sie tendenziell an, statistisch abgesichert sind jedoch
nur die Erhöhungen der Varianten Kontrolle (1), flüssiger und stichfester Klärschlamm mit
Eisen als Fällungsmittel und anschließender Kalkung (4 und 7).
Bei den Löß-Varianten (Abbildung 4-28) wurde für beide Anlagen unterschiedlicher Boden
eingesetzt, der immer direkt vor Versuchsbeginn im Versuchsgut abgegraben worden ist. In
der Anlage 1 beträgt der Gehalt an der Org. P-Fraktion 6,2 mg Org.-P/100 g Boden, dieser
steigt im ersten Jahr bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel (2)
an. Bei den Varianten 4-8 hingegen sinkt der Gehalt und bei den vier übrigen Varianten
(1-3 und 9) verändert er sich nicht signifikant. Im zweiten und dritten Jahr kommt es bei allen
Varianten zu einem Aufbau der Org. P-Fraktion. Die stichfeste Klärschlamm-Variante mit
dem Fällungsmittel Eisen (5) bleibt mit den Org. P-Gehalten in den drei Jahren immer
signifikant niedriger als die Kontrolle. Auch die beiden anderen stichfesten Klärschlamm-
Varianten (6 und 7) liegen im ersten und dritten Jahr signifikant unterhalb der Kontrolle.
In der zweiten Anlage liegt der Anfangsgehalt mit 12,0 mg Org.-P/100 g Boden fast doppelt
so hoch wie in der ersten Anlage. Außer bei der Kontrolle verringern sich die Org. P-Gehalte
bei allen Varianten im ersten Jahr. Im zweiten Jahr verändern sich die Org. P-Gehalte der
Varianten 1-3 und 7 nicht, bei allen anderen Varianten steigen die Org. P-Gehalte an. Im
dritten Jahr erfolgt bei den meisten Varianten wieder eine Verringerung der Org. P-Gehalte
außer bei der stichfesten Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung und Kalkung (7) und den
beiden Dünger-Varianten (8 und 9).
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Sand-Varianten
Org. P-Fraktion [mg p/100 g Boden]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Anlage 1 Anlage 2
Abb. 4-27: Org.-P-Fraktion des Sandbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten, Mittelwert der Wiederholungen,
Anfangsgehalt Org.-P-Fraktion Sand= 4,8 mg P/100 g Boden
GD (5%) Org.-P-Fraktion Anlage/Jahr/Substrat/Variante = 1,6
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
123456789 123456789
Löß-Varianten
Org. P-Fraktion [mg P/100 g Boden]
1. Jahr
2. Jahr
3. Jahr
Anlage 1 Anlage 2
Abb. 4-28: Org.-P-Fraktion des Lößbodens in Abhängigkeit der Anlagen, Jahre und
Varianten, Mittelwert der Wiederholungen,
Anfangsgehalt Org.-P-Fraktion Anlage 1 = 6,2 mg P/100 g Boden
Anfangsgehalt Org.-P-Fraktion Anlage 2 = 12,0 mg P/100 g Boden
GD (5%) Org.-P-Fraktion Anlage/Jahr/Substrat/Variante = 1,6
5 Diskussion
91
Für die P-Fraktionierung der Böden läßt sich zusammenfassend sagen, daß bei den
Sand-Varianten die Fe/Al-P-Fraktionen und die Ca-P-Fraktion weitestgehend konstant
bleiben. Bei der Organischen P-Fraktion sind innerhalb der drei Jahre die größten
Schwankungen zu verzeichnen. Bei dem Lößboden der ersten Anlage ist die hauptsächliche
Entwicklung die Reduzierung der Fe/Al-P-Gehalte und der Anstieg der Org. P-Fraktion. Bei
dem Lößboden der zweiten Anlage reduziert sich zunächst geringfügig der Fe/Al-Gehalt. Bei
der Org. P-Fraktion liegt für die dreijährige Fruchtfolge ein uneinheitlicher Verlauf vor.
5 Diskussion
Im Kapitel 4 ist mit Hilfe von Vegetationsversuchen die P-Düngewirkung verschiedener
Klärschlamm- und Düngemittel-Varianten für die Anbaufolge erfaßt und beschrieben worden.
In diesem Kapitel sollen insbesondere die Auswirkungen über die Zeit diskutiert werden.
5.1 Einfluß der Düngung auf die Erträge
1. Arbeitshypothese:
Die P-Wirkung im Klärschlamm auf den Ertrag ist der Mineraldüngung mit Superphosphat
ebenbürtig.
Die Düngewirkung eines Nährstoffes wird in aller Regel am Ertrag gemessen, da dies die
Größe ist, die zum einen den Landwirt interessiert und zum anderen am einfachsten zu
bestimmen ist. In diesem Kapitel soll betrachtet werden, ob es eine Düngewirkung aufgrund
der Klärschlamm-Düngung gegeben hat und ob diese sich in gleicher Weise wie die
mineralische Düngung mit Superphosphat verhält. Daneben ist zu diskutieren, ob zwischen
den beiden Substraten unterschiedliche P-Wirkungen aufgetreten sind und wie die Art der
P-Fällung sich auf den Ertrag auswirkt.
In Tabelle 5-1 sind die Ergebnisse der Relativerträge sowohl in Abhängigkeit der Varianten
als auch in Abhängigkeit der Substrate und Varianten dargestellt (siehe auch Tabelle 4-1). Bei
der Betrachtung der Relativerträge in Abhängigkeit der Varianten (Spalte 2) wird deutlich,
dass bei der Kontrolle (1), den Klärschlämmen mit dem Fällungsmittel Eisen und Kalkung (4
und 7), sowie die Dünger-Variante Hyperphos (9) geringere Erträge im Vergleich zur Dünger-
5 Diskussion
92
Tabelle 5-1: Erträge (%) in Abhängigkeit der Varianten (2. Spalte) und
der Substrate und Varianten (3. und 4. Spalte)
Mittelwert der 2 Anlagen, 9 Ernten und (2 Substrate)
Dünger-Variante Superphosphat (8) = 100 %
GD (5%) Ertrag Variante = 4,2
GD (5%) Ertrag Substrat/Variante = 5,9
Erträge in Abhängigkeit der
Varianten Varianten Substrate und Varianten
Sand Löß
1 87,29 89,10 85,48
2 101,42 105,99 96,85
3 98,27 98,54 98,00
4 95,54 94,55 96,54
5 98,16 102,42 93,90
6 99,43 104,93 93,93
7 93,74 94,73 92,75
8 100,00 100,00 100,00
9 93,98 95,27 92,70
DS 96,43 98,39 94,46
DS - Durchschnitt der 9 Varianten,
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind unberücksichtigt
Variante Superphosphat (8) erzielt worden sind. Demnach sind die Relativerträge der
flüssigen und stichfesten Klärschlämme mit den Fällungsmitteln Eisen (2 und 5) und
Aluminat (3 und 6) mit der Mineraldüngung mit Superphosphat vergleichbar.
Bei einem Vergleich der Substrate (Spalte 3 und 4) ist jedoch zu erkennen, daß dieses gleiche
Ergebnis dort nicht vorliegt, außer bei den Kontrollen, die sowohl bei der Sand- als auch bei
der Löß-Variante geringere Erträge erzielt haben. Bei den anderen Sand-Varianten erreicht
die flüssige Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Eisen (2) einen signifikant
höheren Mehrertrag im Vergleich zur Dünger-Variante Superphosphat. Bei allen anderen
Klärschlamm-Varianten ist die P-Wirkung vergleichbar der Dünger-Variante Superphosphat.
Bei den Löß-Varianten unterscheiden sich alle drei flüssigen Klärschlamm-Varianten (2, 3
und 4) nicht von der Superphosphat-Variante (8). Die stichfesten Klärschlamm-Varianten (5,
6 und 7) erreichen das gleiche Ertragspotential wie die Dünger-Variante Hyperphos (9). Die
größten Unterschiede zwischen den Sand- und Löß-Varianten bestehen bei der stichfesten
Klärschlamm-Variante mit Aluminatfällung (6). Während bei der Sand-Variante ab dem
vierten Schnitt des Einjährigen Weidelgrases die Erträge oberhalb von 100 % liegen,
erreichen sie bei der Löß-Variante nur bei drei der vier Schnitte des Einjährigen Weidelgrases
die 100 % - Marke.
5 Diskussion
93
Ebenfalls größere Unterschiede zwischen den Sand- und Löß-Varianten bestehen bei den
flüssigen und stichfesten Klärschlamm-Varianten mit dem Fällungsmittel Eisen (2 und 5).
Diese Unterschiede beruhen auf der Tatsache, daß die Relativerträge der Maisernte nach
Weizen bei den Sand-Varianten fast doppelt so hoch wie bei den Löß-Varianten ausgefallen
sind. Wie bereits in Abbildung 4-7 gezeigt, konnte bei der Superphosphat-Variante auf Sand
nur ca. 15 g/Gefäß geerntet werden (= 100 %), während bei der Löß-Variante ein Ertrag von
fast 35 g/Gefäß (= 100 %) erwirtschaftet worden ist.
Der Vergleich der Ergebnisse mit Angaben der Literatur macht deutlich, daß es sehr
verschiedene Angaben über die Ertragswirksamkeit von Klärschlamm im Vergleich zu
Mineraldüngern gibt. Diese reichen von unwirksam [SUNTHEIM, 1996] bis gleichwertig
[BARAN, 1985].
DIEZ UND WEIGELT [1980] weisen nach, daß auf Lößböden der Ertrag durch eine Klär-
schlammdüngung (Naßschlamm) mit einer NPK-Düngung vergleichbar ist. Insbesondere bei
Getreide sind gleiche Erträge erzielt worden. Größere Unterschiede sind bei den Erträgen der
Zuckerrübe aufgetreten, dort aber vorwiegend bei den Blatt- und nicht bei Rüben- und Zuc
kererträgen. Auf einem kiesigen, stark sandigen Lehm sind im Mittel der Früchte Kartoffeln,
W.-Weizen und So.-Gerste niedrigere Erträge im Vergleich zur NPK-Düngung erzielt
worden, wobei auch hier wieder die geringsten Unterschiede beim Getreide aufgetreten sind.
WERNER [1975] setzt in seinen Versuchen überwiegend mit Al-gefällten Klärschlämmen
ein. Die Gesamterträge aus Hafer und Raps der Klärschlamm-Varianten liegen um ca. 5-20 %
unter der Dünger-Variante Dicalciumphosphat. Auf neutralem bis leicht kalkhaltigen Böden
(pH 7,1) waren die Unterschiede, die in der Jugendphase bestanden, auch bei der Ernte
zwischen den Klärschlamm-Varianten und der Dünger-Variante noch sichtbar. Dagegen
konnten zwischen den Varianten auf einem sauren Boden (pH 5,1) diese Differenzierung
nicht mehr festgestellt werden. Es ist ebenfalls festgestellt worden, daß bei Getreide, als einer
weniger P-bedürftigen Kultur, geringere Unterschiede zwischen den Varianten sichtbar waren
als bei stark P-bedürftigen Kulturen.
KERSCHBERGER UND SCHRÖTER [1998] überprüften die Wirkung von 20
verschiedenen Klärschlämmen im Vergleich zu einer mineralischen 0,5 g P-Düngung/Gefäß.
Auf einem Boden aus Buntsandstein (pH 6,0 und P-CAL 4,3 mg/100 g Boden) lag der
5 Diskussion
94
Mehrertrag durch die mineralische Düngung bei 11 %. Von den 20 Klärschlämmen erreichten
nur 12 Klärschlämme einen Mehrertrag, der bei ca. 5 % lag. Dagegen fielen die Mehrerträge
auf einer Schwarzerde (pH 6,4 und P-CAL 3,0 mg/100 g Boden) bei der mineralischen
Düngung mit 78 % wesentlich höher aus. Auch bei den Klärschlämmen erreichten 18
Schlämme einen maximalen Mehrertrag von rund 30 %. Im Vergleich zu den vorliegenden
Versuchen sind die Ausgangsgehalte des P-CAL-Gehaltes und pH-Wertes niedriger und
konnten von daher im ersten Jahr ein differenzierteres Ergebnis liefern. Eine Langzeitwirkung
wird von den Autoren nicht ausgeschlossen.
SUNTHEIM [1996] setzte in seinen Versuchen Klärschlämme mit unterschiedlichen
P-Fällungsmethoden ein. Er vergleicht Fe-, Al- und Bioschlämme mit Superphosphat bei
verschiedenen Düngungsstufen von 0,1-1,0 g P/Gefäß. Bei den Fe-Schlämmen wurde z. T.
nicht einmal der Ertrag der Kontrolle erreicht, bei den Al-Schlämmen liegt der Ertrag ab
0,4 g/Gefäß gering über der Kontrolle. Die Bioschlämme weisen höhere Erträge auf, können
aber auch nicht das Ertragspotential der Superphosphat-Varianten erreichen. Auch hier wies
der sandige Lehm einen niedrigeren Gehalt an pflanzenverfügbaren Phosphat
(P-DL = 2,7 mg P/100 g Boden) auf.
BARAN [1985], der in einem zweijährigen Gefäßversuch unterschiedliche P-haltige
Fällungsprodukte zu Düngungszwecken untersuchte, gibt die Empfehlung, daß das Phosphat
im Klärschlamm mit Kalkhydrat bzw. Kalkhydrat plus Eisenchlorid gefällt werden soll, da sie
eine mit Super- und Thomasphosphat vergleichbare Wirkung zeigen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß eine Klärschlammdüngung mit einer
mineralischen Düngung in der P-Wirkung prinzipiell vergleichbar ist. Im Durchschnitt der
dreijährigen Anbaufolge war die Ertragswirksamkeit der flüssigen und stichfesten
Klärschlämme auf dem Sandboden gleichwertig. Auf dem Lößboden hingegen waren die
flüssigen Klärschlämme den stichfesten Klärschlämmen hinsichtlich des Ertrages überlegen.
Die stichfesten Klärschlämme konnten das Ertragsniveau von Superphosphat nicht erreichen.
Sie sind in der Ertragswirksamkeit vergleichbar mit Hyperphos. Eine zusätzliche Kalkung der
mit Eisen gefällten Klärschlämme zeigte unabhängig von der Bodenart keine Wirksamkeit.
5 Diskussion
95
5.2 Einfluß der Düngung auf die P-Entzüge
2. Arbeitshypothese:
Die P-Entzüge der unterschiedlich aufbereiteten Klärschlämme sind vergleichbar mit den
P-Entzügen der Mineraldüngung mit Superphosphat. Eine Anrechnung auf die Düngung kann
erfolgen.
Neben dem Ertrag zeigt der P-Gehalt an, ob die Pflanzen während der Vegetationsperiode
ausreichend mit Phosphat versorgt waren. Unterhalb der Grenzkonzentration (Ertrag im
Maximum) kann eine weitere Zufuhr von Nährstoffen ertragswirksam umgesetzt werden.
Oberhalb der Grenzkonzentration ist die vermehrte Nährstoffaufnahme wirkungslos
(Luxuskonsum), falls diese zusätzlichen Nährstoffe nicht noch zu einem späteren Zeitpunkt in
Ertrag umgesetzt werden. [MENGEL, 1984] Um die Erträge mit den P-Entzügen besser
vergleichen zu können, sind neben den absoluten Summenwerten (Abb. 4-17 und 4-18) auch
die Relativentzüge jeweils zur Dünger-Variante Superphosphat (8) berechnet worden. Liegen
die Erträge und P-Entzüge der Varianten niedriger als die der Superphosphat-Variante,
könnten sich die Kulturen in einer P-Mangel-Situation vorgefunden haben. Bei gleichen
Erträgen und P-Entzügen wie die Superphosphat-Variante (8) kann davon ausgegangen
werden, daß die Klärschlamm-Düngung der Mineraldüngung gleichwertig ist. Übersteigen die
P-Entzüge der Varianten jedoch die der Superphosphat-Variante (8) bei gleichen Erträgen,
konnte die vermehrte P-Aufnahme nicht in Ertrag umgesetzt werden. In diesem Falle würde
ein Luxuskonsum der Varianten vorliegen.
Bei der Betrachtung der Relativentzüge (Tabelle 5-2) fällt auf, daß im ersten Jahr die Entzüge
der Sand-Varianten niedriger aber in den kommenden Jahren höher als die Entzüge der Löß-
Varianten sind. Bei den Sand-Varianten erreichen innerhalb der drei Jahre einige Varianten
höhere Relativentzüge als die Superphosphat-Variante (8). Bei den Löß-Varianten ist dies
besonders im ersten Jahr beim ersten Schnitt des Einjährigen Weidelgrases ausgeprägt.
Dagegen liegen im dritten Jahr alle Relativentzüge unterhalb der Superphosphat-Variante (8).
Bei den Sand-Varianten Kontrolle (1), flüssiger und stichfester Klärschlamm mit
Fällungsmittel Eisen und Kalkung (4 und 7) sind beim ersten Schnitt des Einjährigen
Weidelgrases niedrige P-Entzüge (67 - 74 %) ermittelt worden. Diese liegen signifikant
unterhalb der Entzüge der Dünger-Variante Superphosphat (8) bei jedoch statistisch gleichem
5 Diskussion
96
Tabelle 5-2: P-Entzüge (%) in Abhängigkeit der Ernten, Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen
Dünger-Variante Superphosphat (8) = 100 %
GD (5%) P-Entzug Ernte/Substrat/Variante = 21,5
GD (5%) P-Entzug Ernte/Substrat = 7,2
Varianten 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS
1 72,18 79,99 70,61 97,40 59,83 82,60 107,42 85,39 75,46
2 107,82 92,63 91,30 108,08 97,29 98,14 156,08 95,27 110,67
3 88,95 91,33 90,52 82,23 95,92 107,71 129,12 105,22 95,08
4 67,02 71,31 73,94 88,37 105,54 99,80 176,15 85,41 65,70
Sand
5 80,83 80,76 78,78 102,34 101,10 99,84 187,62 100,27 72,27
6 85,85 89,38 78,00 97,78 100,16 89,19 152,40 98,89 92,29
7 74,53 85,50 77,83 83,73 107,91 102,39 156,14 91,18 94,83
8 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00
9 83,55 90,62 76,18 90,30 93,83 95,90 108,91 92,53 63,44
DS Sand 84,53 86,83 81,91 94,47 95,73 97,29 141,54 94,91 85,53
1 97,35 86,12 81,69 89,30 84,79 85,30 60,30 60,71 49,47
2 123,66 102,33 100,30 106,22 86,85 89,15 74,53 90,00 95,06
3 116,40 94,74 101,55 103,51 79,14 95,28 70,35 96,99 96,96
4 114,09 86,35 91,57 106,39 95,70 107,44 69,65 88,72 91,18
Löß 5 107,41 87,58 94,85 97,07 97,93 90,00 70,26 87,46 83,45
6 106,25 90,21 93,43 101,36 97,93 103,86 78,80 85,44 84,32
7 99,27 84,32 83,27 96,24 101,99 103,14 74,62 82,77 95,77
8 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00
9 98,78 85,12 87,63 94,41 97,80 94,40 75,87 73,00 70,08
DS Löß 107,02 90,75 92,70 99,39 93,57 96,51 74,93 85,01 85,14
EW - Einjähriges Weidelgras, WK - Weizenkorn, WS - Weizenstroh,
MW - Mais nach Weizen, HK - Haferkorn, HS - Haferstroh
Erträge Mais nach Hafer der 1. Versuchsanlage sind unberücksichtigt
Erträge wie die Superphosphat-Variante. Auch wenn diese tendenziell am unteren Rand der
Signifikanz liegen, weist dies auf einen Luxuskonsum zu Beginn des Versuches bei der
Dünger-Variante Superphosphat hin. Dieses Phänomen ist ebenfalls beim dritten Schnitt des
Einjährigen Weidelgrases zu beobachten, wobei in diesem Falle die Kontrolle (1) und die
Dünger-Variante Hyperphos (9) mit 70 bzw. 76 % des P-Entzuges gegenüber der
Superphosphat-Variante das gleiche Ertragsniveau wie die Superphosphat-Variante erreicht.
Bei den Löß-Varianten sind bei den P-Entzügen statistische Unterschiede erst ab dem
Maisanbau nach Weizen zu beobachten. Ansonsten gibt es zwei Ausnahmen. Im ersten
Schnitt des Einjährigen Weidelgrases entzieht die flüssige Klärschlamm-Variante mit dem
Fällungsmittel Eisen (2) mit 124 % signifikant mehr als die Superphosphat-Variante (8),
erzielt dadurch jedoch keinen statistisch abgesicherten Mehrertrag. Bei dieser Variante kann
zu Beginn des Versuches ein P-Überangebot vorgelegen haben, das bereits nach dem ersten
5 Diskussion
97
Schnitt abgebaut worden ist. Bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Fällungsmittel
Eisen und Kalkung (4) tritt dagegen der entgegengesetzte Fall ein. Für den signifikant
höheren Mehrertrag des vierten Schnittes von 122 % (Tabelle 4-1) gegenüber der
Superphosphat-Variante (8) ist kein höherer P-Entzug benötigt worden.
Bei der Kontrolle der Sand-Variante ist trotz z. T geringerer P-Entzüge im Vergleich zur
Superphosphat-Variante bei den vier Schnitten des Einjährigen Weidelgrases keine Ertrags-
einbuße (Tabelle 4-1) zu erkennen. Ebenso verhält es sich bei der Kontrolle der Löß-Variante,
auch hier ist ohne Düngung beim Einjährigen Weidelgras und beim Weizenkorn und -stroh
der gleiche Ertrag wie bei der Dünger-Variante Superphosphat erreicht worden. Dies weist
darauf hin, daß der P-Anfangsgehalt des Bodens ausreichend für die Kulturen war und die
zusätzliche P-Düngung nicht ertragswirksam umgesetzt werden konnte. Erst ab dem Weizen
beim Sandboden bzw. Mais nach Weizen beim Lößboden erreichen die Kontrollen signifikant
geringere Entzüge im Vergleich zur Superphosphat-Variante.
Bei allen Klärschlamm-Varianten kommt es erst ab dem Mais nach Weizen zu signifikanten
Unterschieden im Vergleich zur Superphosphat-Variante. Bei den Sandböden bei denen die
Superphosphat-Variante (8) nur sehr geringe Erträge und P-Entzüge ermitteln konnte, steigen
die Erträge und P-Entzüge bis auf max. 187 % (Variante 5) an. Bei den Löß-Varianten tritt
hingegen eine Reduzierung der P-Entzüge bis 70 % (Variante 5) ein, die den Ertrag auch auf
74 % reduziert. Bei den P-Entzügen vom Haferkorn und -stroh kommt es nicht zu diesen
Unterschieden zwischen Klärschlamm-Varianten und Superphosphat-Varianten.
Da die Erträge und P-Entzüge der Kontrolle im Vergleich zu den gedüngten Varianten z.T.
keine Signifikanzen aufweisen, ist festzustellen, inwieweit die Dünger von den Kulturen
ausgenutzt werden konnten. Die prozentuale P-Ausnutzung gibt die Wirkungsunterschiede
der entzogenen P-Mengen der einzelnen Varianten im Vegetationsablauf in Beziehung zu den
gedüngten Phosphatmengen an. Mit Hilfe der Differenzmethode wird die aus dem
Klärschlamm- und Dünger-Phosphat entzogene Phosphat-Menge bestimmt und diese relativ
zur gedüngten Phosphat-Menge ins Verhältnis gesetzt.
P-Ausnutzung [%] = ( E - E0) · 100 / D
E = P-Entzug der gedüngten Variante [mg P/Gefäß]
E0 = P-Entzug der ungedüngten Variante [mg P/Gefäß]
D = Düngungshöhe [mg P/Gefäß]
5 Diskussion
98
P-Ausnutzung [%]
Variante 2: flüssiger Klärschlamm Eisenfällung
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
P-Ausnutzung [%]
Variante 5: stichfester Klärschlamm Eisenfällung
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Variante 3: flüssiger Klärschlamm Aluminatfällung
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Variante 6: stichfester Klärschlamm Aluminatfällung
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Variante 4: flüssiger Klärschlamm Eisenfällung und Kalkung
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Variante 7: stichfester Klärschlamm Eisenfällung und Kalkung
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Variante 8: Superphosphat
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Variante 9: Hyperphos
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
40
EW1 EW2 EW3 EW4 WK WS MW HK HS 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr Summe
Abb. 5-1: Prozentuale Düngerausnutzung in Abh. der Varianten, Mittelwert der 2
Anlagen und 2 Substrate, P-Entzüge Mais nach Hafer der 1. Anlage sind
unberücksichtigt, GD (5%) P-Ausnutzung Ernte/Variante = 3,2
GD (5%) P-Ausnutzung Jahr/Variante = 7,8
5 Diskussion
99
Die Darstellung der Varianten hinsichtlich der P-Ausnutzung (%) erfolgt in der
Abbildung 5-1. Um eine bessere Übersicht zu erhalten, sind die Varianten mit dem gleichen
Fällungsmittel nebeneinander, links die flüssigen und rechts die stichfesten Varianten,
dargestellt. In der letzten Zeile sind die beiden Dünger-Varianten abgebildet. Der Mais nach
Hafer der ersten Anlage wurde in die Berechnungen nicht mit einbezogen, die P-Ausnutzung
fällt daher bei allen Varianten etwas geringer aus.
Die Summe der prozentualen Düngerausnutzung der Superphosphat-Variante (8) liegt bei
38 %, dagegen erreicht die Hyperphos-Variante (9) nur 17 %. Nur die Klärschlamm-Variante
mit Eisenfällung (2) erreicht das Niveau der Superphosphat-Variante. Bei den anderen fünf
Klärschlamm-Varianten liegt die Summe der P-Ausnutzung mit 21 - 29 % zwischen den
beiden Dünger-Varianten.
Die zeitliche Entwicklung der Dünger-Variante Superphosphat (8) zeigt, daß die
P-Ausnutzung der ersten drei Schnitte des Einjährigen Weidelgrases bei ca. 5 % liegt und es
beim vierten Schnitt zu einer Reduzierung der P-Ausnutzung kommt. Im zweiten Jahr erfolgt
eine fast 10 % ige Ausnutzung durch das Weizenkorn. Das Weizenstroh spielt bei der
P-Ausnutzung nur eine sehr geringe Rolle. Im dritten Jahr sinkt die P-Ausnutzung des
Haferkornes im Vergleich zu dem des Weizenkornes weiter ab.
Die Hyperphos-Variante (9) verhält sich abweichend dazu. Die Ausnutzung des
P-Düngers ist im ersten Jahr durch die vier Schnitte des Einjährigen Weidelgrases gering. Erst
im zweiten Jahr kommt es durch das Weizenkorn zu einer höheren P-Ausnutzung, die im
dritten Jahr durch den Hafer wieder geringer ist. Bei einem Vergleich der beiden Dünger-
Varianten miteinander wird deutlich, daß das wasserlösliche Superphosphat bereits im ersten
Jahr der Ausbringung eine hohe Ausnutzung erfährt, die im Laufe der Jahre geringer wird
(P-Alterung). Das schwer lösliche Hyperphos ist dagegen im ersten Jahr der Ausbringung nur
zu einem geringen Teil düngerwirksam und erreicht nach drei Jahren nur die Ausnutzung, die
das Superphosphat (8) bereits im ersten Jahr erzielen konnte.
Die flüssige Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel (2) erreicht beim ersten
Schnitt des Einjährigen Weidelgrases bereits 10 % der Düngerausnutzung, danach fallen die
Ausnutzungsraten ab. Das Phosphat im Klärschlamm ist also direkt wirksam, besser noch als
das wasserlösliche Superphosphat. Die stichfeste Variante (5) wirkt hingegen verzögert. Dort
5 Diskussion
100
steigt die P-Ausnutzung erst im zweiten Jahr an. Insgesamt erreicht sie mit 27 % nicht das
Niveau der flüssigen Variante (2).
Bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Aluminat (3) ist auch direkt
im ersten Schnitt eine höhere P-Ausnutzung festzustellen. Im zweiten Jahr ist diese geringer
und im dritten Jahr kann das Haferkorn nochmals zu einer über 5 % igen P-Ausnutzung
beitragen. Bei der entsprechenden stichfesten Variante (6) ist die Situation vergleichbar wie
bei der stichfesten Variante 5. Erst im zweiten Jahr kommt es insbesondere über das
Weizenkorn zu einem größeren Anstieg der Düngerausnutzung. Die jeweiligen Summen der
beiden Varianten 5 und 6 liegen jedoch auf einem gleichen Niveau von 28 %.
Bei der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel und Kalkung erreicht
die Dünger-Ausnutzung im ersten Jahr nicht einmal 5 %. Die Düngerausnutzung ist negativ,
d.h. durch die Düngung ist es zu einer Festlegung von Boden-P gekommen. Erst im zweiten
Jahr wird das gedüngte Phosphat wirksam. Bei der stichfesten Variante zeichnet sich die glei-
che Entwicklung ab. Es wird im ersten Jahr eine geringe P-Menge ausgenutzt, z. T. kommt es
ebenfalls zu einer Festlegung von Boden-P durch die Düngung. Erst im zweiten Jahr erreicht
die P-Ausnutzung 10 %. Insgesamt kommt es bei beiden Varianten zu einer geringen P-Aus-
nutzung von 22 %, die jedoch noch größer ist als die der Dünger-Variante Hyperphos (9).
Die beiden flüssigen Klärschlamm-Varianten (2 und 3) verhalten sich in der P-Ausnutzung
vergleichbar der Superphosphat-Variante, das gedüngte Phosphat wird direkt umgesetzt. Im
Laufe der Zeit kommt es zur Verminderung der Ausnutzung. Dagegen kommt es bei allen
anderen Klärschlamm-Varianten (4, 5, 6 und 7) zu entsprechenden Reaktionen wie bei der
Hyperphos-Variante. Im Boden findet eine verzögerte Umsetzung des gedüngten Phosphates
statt. Daher steigt die P-Ausnutzung erst im zweiten Jahr stärker an.
Da die Verwertung von Sekundärrohstoffdüngern im Sinne der Kreislaufführung zu erfolgen
hat, sind ausgeglichene Nährstoffbilanzen für eine Fruchtfolge anzustreben. Dabei werden die
Nährstoffzugänge den Nährstoffabgängen gegenübergestellt. Der sich daraus ergebende Saldo
läßt Aussagen über die Effizienz des Nährstoffeinsatzes zu. Ein negativer Bilanzsaldo bzw.
eine Effizienz von größer 100 % bedeutet, daß die Summe der Entzüge größer ist als die
Summe der Zufuhren. Langfristig würde dieser Boden an diesem Nährstoff verarmen. Um
den Boden von einem Nährstoff, der im Überschuß vorliegt, abzureichern, kann dies
5 Diskussion
101
kurzzeitig sinnvoll sein, langfristig sollte im Sinne der Nachhaltigkeit jedoch eine
ausgeglichene Bilanz angestrebt werden. Übersteigt jedoch über einen längeren Zeitraum die
Zufuhr die Nährstoffabfuhr, reichert sich dieser Nährstoff im Boden an. Dies ist in der Bilanz
an einem positiven Bilanzsaldo zu erkennen.
In diesem Versuch sind die P-Düngung als einziger P-Zugang und die P-Entzüge der Pflanzen
als P-Abgänge zu betrachten. In Tabelle 5-3 sind die Ergebnisse zusammengefaßt. Wie daraus
entnommen werden kann, sind sowohl bei den Sand- als auch bei den Lößvarianten negative
Bilanzsalden eingetreten. Bei den Lößvarianten trat dies bereits nach dem ersten
Versuchsjahr, bei den Sand-Varianten erst nach dem zweiten Jahr ein. Das hat zur Folge, daß
die Effizienzen bei den Sand-Varianten über 100 % und bei den Löß-Varianten sogar über
200 % liegen. Trotz dieser hohen Effizienzen konnte nur bei der Löß-Variante Anlage 1 eine
Verringerung der P-CAL-Gehalte (Abb. 4-21) festgestellt werden. Die P-Entzüge sind im
dritten Jahr sehr gering, was auf eine Unterversorgung hindeuten würde.
Tabelle 5-3: P-Bilanz [mg P/100 g Boden] sowie Effizienz [%] von Phosphat in
Abhängigkeit der Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen
Substrat Variante
P-Zufluß P-Abfluß P-Saldo 1 P-Effizienz 2
Düngung 1 Entzug im
1. Jahr 1 Entzug im
2. Jahr 1 Entzug im
3. Jahr 1
Entzug im
1. - 3. Jahr
1 - 3,38 1,28 1,55 6,21 -6,21
2 4,85 4,38 1,96 1,72 8,06 -3,21 166,18
3 4,85 3,87 1,91 1,84 7,62 -2,77 157,10
4 4,85 3,15 2,15 1,61 6,90 -2,06 142,43
Sand 5 4,85 3,65 2,15 1,72 7,51 -2,66 154,96
6 4,85 3,79 2,01 1,74 7,54 -2,69 155,51
7 4,85 3,48 2,11 1,65 7,24 -2,39 149,34
8 4,85 4,34 1,84 1,89 8,07 -3,22 166,45
9 4,85 3,70 1,78 1,61 7,09 -2,24 146,22
2-9 4,85 3,79 1,99 1,72 7,50 -2,65 154,77
1 - 5,60 2,51 1,32 9,43 -9,43
2 4,85 6,79 2,67 1,71 11,17 -6,32 230,41
3 4,85 6,59 2,51 1,87 10,96 -6,12 226,21
4 4,85 6,31 2,90 1,72 10,92 -6,08 225,39
Löß 5 4,85 6,14 2,93 1,70 10,77 -5,93 222,25
6 4,85 6,17 3,03 1,71 10,91 -6,06 225,06
7 4,85 5,75 3,09 1,68 10,52 -5,67 217,05
8 4,85 6,28 3,27 1,86 11,42 -6,57 235,61
9 4,85 5,82 3,01 1,45 10,28 -5,43 211,99
2-9 4,85 6,23 2,93 1,71 10,87 -6,02 224,25
1 in mg P/100 g Boden
2 Effizienz [%] = Nährstoffabfluß *100 / Nährstoffzugang
5 Diskussion
102
Die höchste Effizienz ist bei beiden Böden durch die Dünger-Variante Superphosphat (8)
erzielt worden, dagegen weist die Variante Hyperphos (9) bei den Sand-Varianten die
zweitniedrigste und bei den Löß-Varianten die niedrigste Effizienz auf. Die flüssige
Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung (2) erreicht auf dem Sandboden die gleiche und auf
dem Lößboden eine um 5 % verringerte Effizienz als die Superphosphat-Variante (8). Die
Varianten mit Eisenfällung und Kalkung erreichen innerhalb der Klärschlämme die
niedrigsten Effizienzen, eine Ausnahme stellt die flüssige Löß-Variante (4) dar. Die
Klärschlämme mit der Aluminatfällung (3 und 6) liegen stets im mittleren Bereich.
Keiner der drei flüssigen und drei stichfesten Klärschlämme weist höhere P-Ausnutzungsraten
und Effizienzen als die Dünger-Variante Superphosphat auf. Sie schnitten jedoch alle besser
als die Dünger-Variante Hyperphos ab.
Der flüssige Klärschlamm mit Eisen als Fällungsmittel (2) zeigte eine sehr gute Düngewir-
kung im ersten Jahr. Der stichfeste Klärschlamm weist hingegen erst im zweiten Versuchsjahr
deutliche Nachwirkungen der P-Düngung auf. Eine verzögerte Anfangswirkung von
stichfesten Klärschlamm mit Eisenfällung fand auch WERNER [1975] in seinen Versuchen;
ebenso eine bessere Wirkung von Klärschlamm auf sauren Böden als auf neutralen Böden.
WERNER [1975] setzte in seinen Untersuchungen feuchte Schlämme ein, die jedoch bei 120
°C im Labor getrocknet wurden. Eine sehr schlechte Wirksamkeit von mit Eisensulfat
ausgefällten Abwasserphosphaten wies BARAN [1985] nach, der mit fein vermahlenen
Fällungsprodukten gearbeitet hat. Auch SUNTHEIM [1996] stellte bei Eisen-Schlämmen
geringere P-Entzüge fest als durch die Kontrolle (ohne Düngung) entzogen wurden.
Bei den geprüften Klärschlämmen mit Aluminat als Fällungsmittel wirkte die flüssige
Variante schlechter als die flüssige Klärschlamm-Variante mit Eisen als Fällungsmittel. Die
stichfeste Variante erreichte in der Summe die gleiche P-Ausnutzung wie die entsprechende
Variante mit Eisenfällung. Die Nachwirkung ist im zweiten Jahr angestiegen und nahm im
dritten Jahr wieder ab. Auch hier sind in der Literatur unterschiedliche Angaben zur
Bewertung von mit Aluminat gefällten Abwasserphosphaten zu finden. Die Angaben reichen
von guter vergleichbarer Wirkung entsprechend den P-Handelsdüngern [WERNER, 1975] bis
zu einer Unwirksamkeit [SUNTHEIM, 1996].
5 Diskussion
103
Durch eine Kalkung der mit Eisen als Fällungsmittel eingesetzten Klärschlämme konnten
gegenüber den Varianten ohne Kalkung keine besseren Ergebnisse erzielt werden. Die
Aufnahme war im ersten Jahr gering und stieg erst im zweiten Jahr an. Die
P-Ausnutzungsraten der Varianten ohne Kalkung konnten jedoch nicht erreicht werden. Dies
fand auch WERNER [1975] in seinen Untersuchungen, dagegen war eine Kalkung bei
BARAN [1986] der ungekalkten Variante überlegen. In einem Gefäßversuch der Thüringer
Landesanstalt für Landwirtschaft fanden KRAUSE UND ZORN [2000], daß die relativen
P-Entzüge der gekalkten Varianten entsprechend groß wie die der ungekalkten Varianten
waren. Ein weiteres Ergebnis der bisherigen Untersuchungen ist, daß die "biologische"
Verfügbarkeit für die Pflanzenwurzeln alleine nicht durch die chemische Bestimmung der
Löslichkeit vorhergesagt werden kann.
Daher verwundert es nicht, daß unterschiedliche Aussagen über die Düngewirkung der
Phosphate in der Literatur vorliegen. Neben den Fällungsbedingungen in der Kläranlage ist
auch der Boden kein statisches System, sondern es bestehen eine Vielzahl von
Wechselwirkungen zwischen Boden-Dünger-Pflanze. Zudem wird mit dem Klärschlamm
auch immer eine Vielzahl anderer Stoffe in den Boden eingebracht, die ihrerseits einen
Einfluß auf die Bodenverhältnisse ausüben. Es wird z.B. durch kalkstabilisierte Schlämme der
pH-Wert angehoben und damit Einfluß auf die Nährstoffverfügbarkeit ausgeübt. Zudem
spielen Umwandlungsreaktionen der Phosphate im Boden eine erhebliche Rolle, wie durch
die steigende Aufnahmerate im Laufe der Zeit ersichtlich ist. Diese werden jedoch nicht
unabhängig von der gedüngten P-Form im Boden ablaufen.
Wenn die nachlassende Wirksamkeit der gedüngten Phosphate im Laufe der Zeit bei
Superphosphat (8) und der flüssigen Klärschlamm-Variante mit dem Fällungsmittel Eisen (2)
auf eine Alterung hinweist, ist ebenso der entgegengesetzte Effekt zu beobachten, dass es
auch zu einem Anstieg der Verfügbarkeit mit der Zeit kommt. Dies ist bei der flüssigen
Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung und Kalkung (4), bei allen drei stichfesten Varianten
(5, 6 und 7) und bei der Dünger-Variante Hyperphos (9) zu beobachten. Es laufen
Umsetzungsprozesse im Boden ab, die die Phosphate in eine löslichere Form überführen. Das
Ausgangsprodukt ist mithin schlechter verfügbar als die während des dreijährigen
Vegetationsverlaufes im Boden entstandenen Umwandlungsprodukte. Neben der
Sofortwirkung, die z.B. bei P-bedürftigen Pflanzen wie beim Mais von Bedeutung ist, kann
dieser verzögerte Prozess für die mehrjährige Fruchtfolge interessant sein, da eine zu schnelle
5 Diskussion
104
Alterung der Phosphate keine ausreichende Wirkung im zweiten und dritten Jahr nach der
Düngung erzielen würde. So ist die Wirkung einer gleichmäßigen P-Ausnutzungsrate über die
drei Jahre vergleichbar mit einer Depotdüngung.
Im geringen Umfang spielt auch die P-Festlegung von bodeneigenem Phosphat eine Rolle.
Dies ist in der Abbildung 4-29 bei der Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung und Kalkung
(4) festzustellen, bei der die P-Ausnutzungsrate negativ ist. Eine Festlegung von
bodeneigenem Phosphat bei dem Eisenfällungsprodukt hat BARAN [1985] ebenfalls
ermittelt. Eisenhydroxide und -oxidhydrate sind zur spezifischen Adsorption von Phosphat
fähig. So ist anzunehmen, daß die Festlegung durch eine spezifische Adsorption an der
Oberfläche der Sesquioxide erfolgt ist.
In der dreijährigen Anbaufolge waren die P-Entzüge der Klärschlämme in den Kulturen
Einjähriges Weidelgras und Getreide mit denen der Superphosphat-Variante ebenbürtig. Beim
Mais, der im zweiten Jahr als Nachfrucht angebaut wurde, konnten bei den Sand-Varianten
höhere P-Entzüge und bei den Löß-Varianten nur geringere P-Entzüge ermittelt werden.
Zwischen den Klärschlamm-Varianten bestanden statistisch keine Unterschiede. Bei der
P-Ausnutzung und Effizienz des eingesetzten Düngers ist festzustellen, daß der flüssige
Klärschlamm mit Eisenfällung gleichwertig der Superphosphat-Variante ist. Bei allen anderen
Klärschlamm-Varianten ist eine geringere P-Ausnutzung ermittelt worden. Bei den stichfesten
Klärschlamm-Varianten ist die Hauptwirkung erst im zweiten Jahr nach der
Klärschlammdüngung aufgetreten. Die mit Eisen gefällten und gekalkten Klärschlämme (4
und 7) erreichen eine geringe P-Ausnutzung und Effizienz, die jedoch stets über der
Hyperphos-Variante liegt.
Aufgrund des unterschiedlichen P-Ausnutzungraten der Pflanzen in den drei Jahren stellt sich
die Frage, ob sich dieses Verhalten auch im Boden widerspiegelt. Hier ist besonders von
Interesse, wie sich die Gehalte des pflanzenverfügbaren Phosphates aber auch des Gesamt-
Phosphates im Boden verändern.
5 Diskussion
105
5.3 Einfluß der Düngung auf den pflanzenverfügbaren Phosphat-Gehalt im Boden
3. Arbeitshypothese:
Die P-Fällung der Klärschlämme mit Eisen, Aluminium und Eisen mit Kalkung hat einen
Einfluß auf den Gehalt an pflanzenverfügbarem Phosphat im Boden.
Bodenuntersuchungen stellen eine Möglichkeit dar, die Nährstoffbedürftigkeit des
Pflanzenbestandes zu bestimmen. Dazu entwickelten sich im Laufe der Jahre unterschiedliche
Methoden. Die P-CAL-Methode ist eine von ihnen. In einer Vielzahl von Arbeiten wird die
Wirkung der P-Düngung auf den Einfluß des P-Gehaltes im Boden untersucht, die
Zusammenhänge sind jedoch umstritten. BAUMGÄRTEL [1989] konnte nachweisen, daß auf
niedersächsischen Lößböden im Bereich von 5-38 mg P(H2O)/kg Boden (entspricht 2,2 -
16,6 mg P-CAL/100 g Boden) nur eine geringe Wirksamkeit auf die Erträge von Zuckerrüben
und Getreide ausgeübt wird und keine Abhängigkeit zum Ertrag erkennbar ist. MUNK UND
REX [1990] geben einen Wert von 20 mg P2O5/100 g Boden (= 8,7 mg P-CAL/100 g Boden)
an, um das ökonomische Optimum zu erzielen. JUNGK et. al. [1993] weisen nach, daß der
Höchstertrag bereits bei 11 mg P(H2O)/kg Boden (= 4,8 mg P-CAL/100 g Boden) erzielt
werden kann. In den Untersuchungen konnte er zeigen, daß die P(H2O)-Werte bei den
ungedüngten Varianten erst nach etwa vier Jahren mit vorher unklarem Verlauf abnahmen. Es
kam zu konstanten Werten, wenn die P-Düngung etwa die P-Abfuhr ausglich und zu einer
Steigerung, wenn die Abfuhr geringer war als die P-Düngung. Dabei waren jedoch die
Entwicklungen über 15 Jahre nicht gleichmäßig, sondern es wechselten sich immer Phasen
mit einem Anstieg und einer Verringerung der P-Gehalte ab, trotz gleichbleibender
Versuchsdurchführung. Die Angabe "mg P(H2O)/kg Boden" kann im Durchschnitt der Proben
mit "mg P
2O5(CAL, DL)/100 g Boden" verglichen werden [BAUMGÄRTEL, 1988 und
MUNK UND REX, 1990].
In diesem Versuch liegen die P-Anfangsgehalte vom Sand und Löß (Tabelle 4-3) nicht unter-
halb des von JUNGK et. al. [1993] empfohlenen Grenzwertes von 11 mg P(H2O)/kg Boden
(4,8 mg P-CAL/100 g Boden), jedoch noch in dem von BAUMGÄRTEL [1989] angegebenen
Bereich von 5 - 38 mg P(H2O)/kg Boden (2,2 - 16,6 P-CAL/100 g Boden). Demnach kann
nicht mit einer großen Wirksamkeit der Düngung gerechnet werden. Jedoch kann davon
ausgegangen werden, daß diese Richtwerte, die für das Freiland bestimmt wurden, nur
eingeschränkt für Gefäßversuche gelten, da hier eine höhere Ausnutzung des P-Düngers durch
5 Diskussion
106
eine bessere Durchwurzelung des Bodens gegeben ist. Zudem sind im Gefäßversuch mehrere
Ernten pro Jahr möglich, so dass dort die P-Entzüge höher ausfallen können als im Freiland.
Die Ergebnisse der Abbildungen 4-20 und 4-21 zeigen, daß die Reduzierung der P-CAL-Ge-
halte im ersten Jahr unabhängig von der Anlage, den Substraten und der P-Fällung am
größten gewesen sind. In den folgenden Jahren kommt es dann überwiegend zu einer weiteren
Reduzierung der P-CAL-Gehalte, aber es sind auch Steigerungen festzustellen, so dass z. T.
wieder der Anfangsgehalt erreicht wird. Diese starke Reduzierung im ersten Jahr läßt sich auf
die hohen P-Entzüge des Einjährigen Weidelgrases von 3,2 - 6,8 mg P/100 g Boden
zurückführen.
Bei den Kontrollen der Sand-Varianten sind die P-CAL-Gehalte um den Gehalt des
P-Entzuges gesunken. Da kein Düngerphosphat dem Einjährigen Weidelgras zur Verfügung
stand, ist Bodenphosphat genutzt worden und dementsprechend ist der Gehalt an pflanzen-
verfügbarem Phosphat gesunken. Die Nachlieferung aus dem Gesamtvorrat ist gering. Bei der
Superphosphat-Variante liegt der P-CAL-Gehalt nach dem ersten Jahr nur sehr geringfügig
unterhalb des Ausgangsgehaltes. Es müßte durch die Düngung und den Boden genügend
pflanzenlösliches Phosphat vorhanden gewesen sein, so dass sich der Gehalt an
pflanzenverfügbarem Phosphat am Ende der ersten Vegetationszeit nicht geändert hat. Bei
den Klärschlamm-Varianten besteht im Durchschnitt der Anlagen ein Unterschied zwischen
den flüssigen und stichfesten Varianten. Während bei den flüssigen Varianten der gleiche
Effekt eintritt, d.h. nur eine geringe Reduzierung im ersten Jahr zum Ausgangsgehalt besteht,
kommt es bei den stichfesten Varianten sowie der Hyperphos-Variante zur Reduzierung der
P-CAL-Gehalte.
In der zweiten und dritten Vegetationsperiode sind die P-Entzüge bei den Sand-Varianten
gering gewesen und hatten nur einen geringen Einfluß auf den P-CAL-Gehalt. Im
Durchschnitt der Anlagen ist es nur bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten zu einem
Anstieg der P-CAL-Gehalte gekommen, der bei der Variante mit dem Fällungsmittel Eisen
(2) am größten ausfiel. Betrachtet man die P-Ausnutzungsraten, so stiegen diese bei den
stichfesten Varianten erst im zweiten Jahr auf Werte zwischen 10 - 15 % an. Diese
Nachwirkung hat dazu geführt, daß erst im zweiten Jahr durch Umwandlungsprozesse im
Boden pflanzenverfügbares Phosphat vorhanden gewesen ist, wodurch der Gehalt an P-CAL
ansteigen konnte.
5 Diskussion
107
Bei den Löß-Varianten ist ebenfalls im ersten Jahr die größte Reduzierung der
P-CAL-Gehalte festzustellen. Diese fällt wie auch bei den Sand-Varianten bei den Kontrollen
beider Anlagen am größten aus. Eine vergleichbare Reduzierung ist nur bei den
schwerlöslichen Hyperphos-Varianten (9) festzustellen. Dort liegt der Dünger nicht in
pflanzenverfügbarer Form vor, so dass im gleichen Maße wie bei der Kontrolle leicht
verfügbares Bodenphosphat genutzt wurde. Da die Ausgangsgehalte der beiden Löß-Anlagen
unterschiedlich hoch waren, ergeben sich in der zweiten Anlage höhere P-CAL-Gehalte, die
aber im ersten Jahr mit der Abstufung der ersten Anlage übereinstimmen. Im zweiten Jahr
kommt es zu einer weiteren Reduzierung der P-CAL-Gehalte, erst im dritten Jahr erfolgt eine
unterschiedliche Entwicklung zwischen den beiden Anlagen. Während die P-Gehalte der
ersten Anlage weiter absinken (um 2 mg P-CAL/100 g Boden) bzw. konstant bleiben, steigen
sie in der zweiten Anlage auf 6 - 7,5 mg P-CAL/100 g Boden an. Dies kann zum einen durch
die Absenkung der pH-Werte von 7,9 im zweiten Jahr auf 7,4 im dritten Jahr verursacht
worden sein, da die P-Löslichkeit mit sinkendem pH-Wert ansteigt. Ein weiterer Grund
könnte der nicht erfolgte Maisanbau nach Hafer in der zweiten Anlage sein, so dass
pflanzenverfügbares Phosphat im Boden verblieb. Da jedoch die P-Entzüge vom Mais nach
Hafer bei den Sand-Varianten 0,7 - 0,8 mg P/100 g Boden und bei den Löß-Varianten ca.
0,6 mg P/100 g Boden betragen haben, kann dies nur einen Teil des Anstieges erklären.
Die Änderungen des pflanzenverfügbaren Phosphates sind bei den Löß-Varianten größer als
bei den Sand-Varianten. Bei den Sand-Varianten ist die Reduzierung der P-CAL-Gehalte der
flüssigen Klärschlamm-Varianten im Durchschnitt der drei Jahre nicht so ausgeprägt
(0,5 mg P/100 g Boden) wie bei den festen Klärschlamm-Varianten, deren Gehalt sich um
durchschnittlich 1,2 mg P/100 g Boden zum Anfangsgehalt verringerte. Eine parallele
Entwicklung zwischen den flüssigen Klärschlamm-Varianten und der Superphosphat-
Variante sowie den stichfesten Klärschlamm-Varianten und der Hyperphos-Variante zeichnet
sich bei den Sand-Varianten ab. Bei den Löß-Varianten bestehen zwischen den flüssigen und
stichfesten Klärschlamm-Varianten keine Unterschiede. Es ist nur im ersten Jahr ein
Unterschied zwischen den Klärschlamm-Varianten und der Superphosphat-Variante
erkennbar, in den beiden folgenden Jahren liegen die Gehalte auf einem Niveau.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß bei den Sand-Varianten zwischen den flüssigen
und stichfesten Klärschlamm-Varianten Unterschiede bestehen, jedoch nicht bei den
5 Diskussion
108
Löß-Varianten. Zwischen den flüssigen bzw. stichfesten Klärschlamm-Varianten konnte der
Einfluß des Fällungsmittels auf die P-CAL-Gehalte nicht nachgewiesen werden.
5.4 Einfluß der Düngung auf die Gesamt-P-Gehalte
4. Arbeitshypothese:
Die Entwicklung der P-Gesamt-Gehalte der Klärschlamm-Varianten ist mit der Mineraldün-
gung vergleichbar.
Durch den P-Entzug der Pflanzen ist der Gesamt-P-Gehalt innerhalb der dreijährigen
Fruchtfolge im Boden gesunken. Der Gesamt-P-Gehalt (siehe Abbildung 4-22) ist im ersten
Jahr aufgrund der hohen P-Entzüge des Einjährigen Weidelgrases am stärksten abgefallen. In
den beiden folgenden Jahren erreichen die P-Entzüge des Getreides wesentlich geringere
Werte, wodurch auch der Gesamt-P-Gehalt im Boden sich nur geringfügig ändert. In
Abbildung 4-23 sind die Gesamt-P-Gehalte der drei Jahre dargestellt. Das Ergebnis zeigt, daß
die Gesamt-P-Gehalte der Kontrolle aufgrund der fehlenden Düngung am niedrigsten liegen.
Bei der Variante stichfester Klärschlamm mit dem Fällungsmittel Eisen und Kalkung (7) ist
die Differenz zwischen dem Anfangsgehalt und dem Endgehalt nach drei Jahren
Versuchsdauer mit 6 mg P/100 g Boden am größten. Bei den anderen Klärschlamm-Varianten
liegen die Differenzen zwischen 4 - 4,7 mg P/100 g Boden. Die Kontrollen haben 16 % des
ihnen zur Verfügung stehenden Gesamt-P-Gehaltes entzogen. Auch bei den anderen
Varianten fällt der Wert mit 17 % nicht höher aus.
Im Hinblick auf die P-Bilanz und P-Gehaltsänderungen (Tabelle 5-4) innerhalb des
dreijährigen Versuches, die in Abhängigkeit der Substrate und Varianten zusammengestellt
wurden, interessiert die Frage, welche Gesamt-P-Gehalte im Boden zu erreichen gewesen
wären und inwieweit die Gehalte durch die Analysen bestätigt worden sind. Bei den beiden
Kontrollen liegen die Anfangsgehalte, die analytisch bestimmt wurden, bei 38,4 mg P/100 g
Boden (Sand) bzw. 59,6 mg P/100 g Boden (Löß). Die Varianten 2 - 9 erhielten eine
Düngung von 4,9 mg P/100 g Boden, so dass die Gehalte im Boden zu Beginn des Versuches
bei 43,3 mg P/100 g Boden bzw. 64,5 mg P/100 g Boden liegen. Damit beträgt der Anteil der
Düngung am Gesamt-P-Gehalt ca. 11 % beim Sandboden und ca. 7,5 % beim Lößboden. Die
P-Entzüge der drei Jahre werden von dem Bodengehalt substrahiert, so dass ein theoretisch
5 Diskussion
109
Tabelle 5-4: P-Bilanz [mg P/100 g Boden] und P-Gehaltsänderungen in Abhängigkeit der
Substrate und Varianten
Mittelwert der 2 Anlagen (alle Angaben in mg P/100 g Boden)
Substrat Varianten
P-Gehalt zu
Beginn der P-Entzug
Summe der 3
P-Gehalt am Ende der
Fruchtfolge P-Gehaltsänderung
Fruchtfolge Jahre berechnet gefunden berechnet gefunden
1 38,42 6,21 32,20 33,72 -6,21 -4,70
2 43,26 8,06 35,21 37,05 -3,21 -1,37
3 43,26 7,62 35,65 36,43 -2,77 -1,99
4 43,26 6,90 36,36 37,52 -2,06 -0,90
Sand 5 43,26 7,51 35,75 36,73 -2,66 -1,69
6 43,26 7,54 35,73 35,73 -2,69 -2,68
7 43,26 7,24 36,03 34,54 -2,39 -3,88
8 43,26 8,07 35,20 36,38 -3,22 -2,04
9 43,26 7,09 36,18 37,79 -2,24 -0,63
2.-9. 43,26 7,50 35,76 36,52 -2,65 -1,90
1 59,56 9,43 50,13 49,25 -9,43 -10,31
2 64,41 11,17 53,24 52,85 -6,32 -6,71
3 64,41 10,96 53,44 53,42 -6,12 -6,13
Löß 4 64,41 10,92 53,48 51,91 -6,08 -7,65
5 64,41 10,77 53,63 51,88 -5,93 -7,68
6 64,41 10,91 53,50 53,10 -6,06 -6,46
7 64,41 10,52 53,89 51,26 -5,67 -8,30
8 64,41 11,42 52,99 52,98 -6,57 -6,58
9 64,41 10,28 54,13 53,92 -5,43 -5,63
2.-9. 64,41 10,87 53,54 52,67 -6,02 -6,89
errechneter P-Gehalt entsteht. Diesem wird der am Ende der drei Versuchsjahre ermittelte
Gesamt-P-Gehalt gegenübergestellt. Die Differenzen zwischen den berechneten und
analysierten Nährstoffgehalten im Boden schwanken von -1,8 bis 2,6 mg P/100 g Boden. Im
Durchschnitt liegen die Unterschiede bei den Sand-Varianten bei -0,8 mg P/100 g Boden und
bei den Löß-Varianten bei 0,9 mg P/100 g Boden. Dabei sind bei den Sand-Varianten
überwiegend negative Salden, d.h. der analysierte Gesamt-P-Gehalt liegt oberhalb des
berechneten Gesamt-P-Gehaltes und bei den Löß-Varianten nur positive Salden aufgetreten.
Da die Anfangsgehalte ebenfalls analytisch bestimmt sind, muß eine gewisse
Schwankungsbreite der Werte berücksichtigt werden. Die Übereinstimmung ist damit sehr gut
(durchschnittliche Abweichung < 2,5 %).
Um Rückschlüsse auf die relative Verfügbarkeit des Phosphors zu erhalten, werden die
CAL-P-Gehalte zu den Gesamt-P-Gehalten in Beziehung gesetzt (Abb. 5-2 und 5-3) Bei
einem direkten Vergleich beider Böden wird deutlich, daß beim Lößboden der Anfangsgehalt
etwas niedriger ist, über die dreijährige Fruchtfolge jedoch eine stärkere Abnahme als bei den
Sandböden zu beobachten ist.
5 Diskussion
110
Zwischen den Varianten des Sandbodens verhalten sich die flüssigen Klärschlamme
entsprechend der Dünger-Variante Superphosphat. Die relative P-Verfügbarkeit nimmt im
ersten Jahr stärker ab und steigt dann leicht an, ohne jedoch das Ausgangsniveau von 15 % zu
erreichen. Innerhalb der drei flüssigen Klärschlamm-Varianten liegt die relative
P-Verfügbarkeit im ersten und dritten Jahr der Variante mit Eisenfällung und Kalkung (4)
signifikant oberhalb der Variante mit nur Eisenfällung (2). Die drei stichfesten Klärschlamm-
Varianten (5 - 7), die Dünger-Variante Hyperphos (9), sowie die Kontrolle verhalten sich
ebenfalls recht einheitlich. Die relative P-Verfügbarkeit ist im ersten Jahr um ca. 4 %
gesunken und ist in den beiden folgenden Jahren leicht angestiegen. Eine Ausnahme stellt die
Variante mit Eisenfällung (5) dar. Sie fällt zwar zunächst im ersten Jahr auch um 3 % ab,
anschließend kommt es jedoch zu einer Steigerung, so dass im dritten Jahr eine höhere
relative P-Verfügbarkeit vorliegt als zu Beginn der Untersuchungen.
Beim zweiten Substrat Löß ist der Verlauf der Varianten einheitlicher. Die Kontrolle und die
Dünger-Variante Hyperphos (9) liegen über den gesamten Versuchszeitraum im unteren
Bereich. Zwischen den flüssigen und stichfesten Klärschlamm-Varianten kann nicht eine
klare Abgrenzung wie bei den Sand-Varianten gezogen werden. Eine ähnliche
10
11
12
13
14
15
16
AG 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
relative P-Verfügbarkeit [%]
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Varianten
Abb. 5-2: Relative P-Verfügbarkeit des Sandbodens in Abhängigkeit der Jahre und
Varianten, Mittelwert der Anlagen und Wiederholungen
GD (5%) Relative Verfügbarkeit Substrat/Jahr/Variante = 0,8
5 Diskussion
111
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
AG 1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr
relative P-Verfügbarkeit [%]
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Varianten
Abb. 5-3: Relative P-Verfügbarkeit des Lößbodens in Abhängigkeit der Jahre und
Varianten, Mittelwert der Anlagen und Wiederholungen
GD (5%) Relative Verfügbarkeit Substrat/Jahr/Variante = 0,8
P-Sofortwirkung wie für Mineraldünger weisen auch DIEZ UND WEIGELT, 1980 in einer
neunjährigen Fruchtfolge nach. Auf sauren Böden fiel die Verfügbarkeit geringfügig höher
aus als auf neutralen bis alkalischen Böden.
Die Entwicklungen der Gesamt-P-Gehalte der flüssigen Klärschlamm-Varianten sind mit der
Mineraldüngung vergleichbar. Bei den stichfesten Klärschlämmen lag eine gleichmäßigere
Abnahme der Gesamt-P-Gehalte vor. Die Veränderungen der Gesamt-P-Bodengehalte konnte
mit Hilfe der P-Entzüge durch die Pflanzen sehr gut nachvollzogen werden. Für die
Klärschlämme ergibt sich eine vergleichbare P-Verfügbarkeit wie für Superphosphat, wobei
dies beim Sand nur für die flüssigen Klärschlamm-Varianten gilt.
5 Diskussion
112
5.5 Einfluß der P-Fällung auf die Fraktionierung des Bodens
5. Arbeitshypothese:
Die eisen- oder aluminiumgefällten Klärschlämme wirken sich im Boden nur auf die
Eisen/Aluminium-Phosphat-Fraktion aus, dagegen haben die gekalkten und eisengefällten
Klärschlämme noch zusätzlich einen Einfluß auf die Calcium-Phosphat-Fraktion im Boden.
Der Einfluß der bei der P-Fällung unterschiedlich eingesetzten Fällungsmittel auf die
Fraktionen im Boden soll in diesem Kapitel diskutiert werden. Alle Varianten außer der
Kontrolle sind zu Beginn mit 4,9 mg P/100 g Boden gedüngt worden. Trotz der P-Fällung mit
Eisen oder Aluminium besteht bei allen flüssigen und stichfesten Klärschlämmen der
Hauptanteil aus der Ca-P-Fraktion (siehe Tabelle 3-2). Superphosphat enthält hauptsächlich
Ca(H2PO4)2 und Hyperphos besteht aus Apatit und nur zu einem geringen Teil aus Al- und
Fe-Phosphaten [MENGEL, 1984].
Bei den Sand-Varianten hat sich die Fe/Al-P-Fraktion (Abbildung 4-25) durch die Zufuhr der
1,6 mg Fe/Al-P/100 g Boden bei den drei flüssigen Klärschlämmen erhöht. Der Anstieg
variiert von 0,3 mg Fe/Al-P/100 g Boden bei Variante (4) mit Aluminiumfällung bis
1,3 mg Fe/Al-P/100 g Boden bei der Variante mit Eisenfällung (2). Bei den zwei stichfesten
Klärschlamm-Varianten mit Aluminatfällung (6) und Eisenfällung und Kalkung (7) konnte in
der ersten Vegetationsperiode kein Anstieg beobachtet werden, sondern es kam zu einer
Reduzierung um 1,2 bzw. 1,9 mg Fe/Al-P/100 g Boden.
Bei den Löß-Varianten ist dieser gleiche Effekt jedoch nicht vorhanden. Zu dem
Anfangsgehalt von 28,4 mg Fe/Al-P/100 g Boden kommt bei den Klärschlamm-Varianten
1,6 mg Fe/Al-P/100 g Boden hinzu. Bei den Varianten Kontrolle (1), der flüssigen
Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung (2) und der Dünger-Variante Hyperphos (9) kommt
es zu einer stärkeren Reduzierung der Fe/Al-P-Gehalte um ca. 8 mg Fe/Al-P/100 g Boden.
Bei den anderen Varianten liegt der Fe/Al-P-Gehalt am Ende der ersten Vegetationsperiode
bei 23,3 - 25,9 mg Fe/Al-P/100 g Boden. Bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten war der
Fe/Al-P-Entzug nicht so groß wie bei den flüssigen Klärschlamm-Varianten.
MACHOLD, 1963 [in: MENGEL, 1984] zeigte wiederholt mit Hilfe von markiertem
Phosphat (32P), daß Düngerphosphat zunächst in der Al-Phosphatfraktion eintritt. Jedoch wird
5 Diskussion
113
es aus dieser Fraktion auch als erstes dem Boden durch die Pflanzen entzogen [HAGEMANN
UND MÜLLER, 1976 in: MENGEL, 1984]. Da keine Bodenanalysen nach der Ausbringung
des Düngers (Klärschlamm und Mineraldünger) durchgeführt wurden, kann nicht genau
geklärt werden, ob das Phosphat des Düngers zunächst in die Al-Fraktion übergetreten ist.
Durch die Zahlen läßt sich nur darlegen, wie die Verhältnisse nach dem ersten Versuchsjahr
ausgesehen haben.
Bei den flüssigen Klärschlamm-Varianten auf Sand ist es im ersten Jahr zu einem Anstieg von
durchschnittlich 2,6 mg Fe/Al-P/100 g Boden gekommen. Die Fe/Al-P-Fraktion des
Klärschlammes betrug 1,6 mg Fe/Al-P/100 g Boden, so dass es noch zu einer zusätzlichen
Verlagerung von 1 mg Fe/Al-P/100 g Boden aus anderen Fraktionen gekommen sein muß.
Diese müßte noch weiter zunehmen, wenn davon ausgegangen werden kann, daß nach
HAGEMANN UND MÜLLER [1976 in: MENGEL, 1984] zunächst nur Al-P von den
Pflanzen aufgenommen wurde. Bei den stichfesten Klärschlamm-Varianten verringerte sich
im ersten Jahr der Fe/Al-P-Gehalt um 2,6 - 3,5 mg Fe/Al-P/100 g Boden. Würde auch hier
ebenfalls angenommen, daß die Fe/Al-P-Gehalte in Ertrag umgesetzt worden sind, würde das
Fe/Al-P ca. 71 - 100 % der P-Entzüge betragen. Die Ergebnisse relativieren sich, da in den
Untersuchungen stets die Konzentrationen von Fe/Al-P gemessen wurden und nicht nur die
Gehalte von Al-P.
Bei den Löß-Varianten ist es im ersten Jahr bei allen Varianten zu einer Abnahme der
Fe/Al-P-Gehalte gekommen. Unter der Annahme von HAGEMANN UND MÜLLER [1976
in: MENGEL, 1984], daß zunächst von der Pflanze Fe/AL-P aufgenommen wird, sind
67 - 100 % der P-Entzüge als Fe/Al-P entzogen worden. Bei den beiden flüssigen
Klärschlämmen mit Eisen- (2) bzw. Aluminat- (3) fällung, bei denen im ersten Jahr die
Reduzierung des Fe/Al-P-Gehaltes größer als die der P-Entzüge war, erfolgte eine
Verlagerung in eine andere Fraktion. Diese könnte die Org. P-Fraktion sein, da deren Gehalte
insbesondere bei der ersten Anlage angestiegen sind.
Ein weiterer Grund für die unterschiedliche Entwicklung der Fe/Al-P-Fraktion könnte im
pH-Wert liegen. Der pH-Wert spielt im Boden eine wesentliche Rolle dafür, in welcher
Fraktion das Phosphat im Boden vorkommt. Fe/AL-Phosphate liegen fast ausschließlich in
stark sauren Böden vor, Ca-Phosphate in vorwiegend alkalischen Böden. Dazwischen sind
beide Formen in unterschiedlichen Abstufungen anzutreffen. Je höher der pH-Wert, desto
5 Diskussion
114
stärker verschiebt sich das Gleichgewicht zum Ca-Phosphat [BAREKZAI, 1984]. Von daher
ist es zu erklären, daß zu Beginn der Untersuchungen im Sandboden mit einem pH-Wert von
5,7 ein höherer Anteil an Fe/AL-P (65 %) vorgelegen hat als im Lößboden mit einem
pH-Wert > 6 (52 bzw. 44 %). Auch zwischen den beiden Lößböden besteht der Unterschied,
daß der Lößboden der ersten Anlage mit einem pH-Wert von 6,4 einen höheren Fe/Al-P-Ge-
halt aufweist als der Lößlehm der zweiten Anlage mit einem pH-Wert von 6,7. Entsprechend
verhalten sich die Ca-P-Gehalte (Abbildung 5-26), beim Sandboden liegt der geringste Gehalt
vor, beim Lößboden der zweiten Anlage der höchste Ca-P-Gehalt.
Die pH-Werte insbesondere der zweiten Anlage steigen innerhalb der drei Jahre an, wodurch
die Entwicklung der Fe/Al-P- und Ca-P-Gehalte erklärt werden kann. Die Fe/Al-P-Gehalte
sinken im Laufe der drei Vegetationsperioden und die Ca-P-Konzentrationen steigen
geringfügig an. Die Entwicklung ist bei den Löß-Varianten ausgeprägter, da der Anstieg des
pH-Wertes im Durchschnitt der beiden Anlagen größer ist (Änderung des pH-Wertes: Sand
Anlage 1: 0,4; Anlage 2: 0,1; Löß Anlage 1: 0,3 und Anlage 2: 1,0). Der Anstieg der
Ca-P-Fraktion bei der Hyperphos-Variante ist nicht weiter verwunderlich, da hier
feingemahlener Apatit d.h. mit einem Ca-Phosphat gedüngt wurde. Nur in der zweiten Anlage
bei der Löß-Variante wurde dadurch auch der pH-Wert signifikant zu allen anderen Varianten
im ersten Jahr angehoben.
Die Klärschlämme bestehen zu 30-70 % aus organischer Substanz (SCHEFFER UND
SCHACHTSCHABEL, 1984). Bei den hier eingesetzten Klärschlämmen liegt der Gehalt an
organischer Substanz in der Trockenmasse zwischen 30 - 50 %, dies entspricht ca.
10 g organischer Substanz/Gefäß und ca. 110 mg/100 g Boden. Der Gehalt an der
org. P-Fraktion (Tabelle 3-3) beträgt ca. 0,3 mg Org. P/100 g Boden. Dies erhöht bei den mit
Klärschlamm gedüngten Böden den Ausgangsgehalt des Sandbodens um ca. 6,3 %, den
Lößboden der Anlage 1 um 4,9 % und der Anlage 2 um 2,5 %. Nach MUNK [1971/72] bleibt
die Org. P-Fraktion auf gleichem Niveau, soweit nicht frische organische Substanz, die
schnell abbaubar ist, zugefügt wird. Durch die Düngung mit Klärschlamm wurde den Böden
jedoch leicht abbaubares organisches Material zugefügt. Bei den Sand-Varianten ist es im
Durchschnitt der Anlagen und Varianten zu einem Anstieg der Organischen P-Fraktion im
ersten Jahr gekommen. Dieser Anstieg ist jedoch auch bei der Kontrolle und den mineralisch
gedüngten Varianten zu verzeichnen, so dass es durch die Klärschlammdüngung nicht
zufriedenstellend erklärt werden kann. Bei dem Löß-Boden der ersten Anlage ist der Anstieg
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
115
innerhalb der drei Jahre noch größer und nimmt um ca. das zweieinhalbfache zu. Hier kann es
zu einer starken Vermehrung der Bodenmikroorganismen gekommen sein, die innerhalb des
zweiten Jahres wieder abgestorben sind. Bei dem Löß-Boden der zweiten Anlage lag zu
Beginn bereits ein hoher Gehalt an Org. P im Boden vor, so dass keine weitere Mikroben-
Biomasse mehr aufgebaut und später umgesetzt wurde.
Zusammenfassend läßt sich die Arbeitshypothese nicht bestätigen. Nur bei den flüssigen
Klärschlämmen der Sand-Varianten kommt es zu einem Anstieg der Fe/Al-P-Gehalte aber ein
genereller Anstieg bei beiden Substraten und bei dem Einsatz von flüssigem oder stichfestem
Klärschlamm findet nicht statt. Ebenso konnte nicht nachgewiesen werden, daß die
Ca-P-Fraktion bei den gekalkten Varianten ansteigt, sondern alle Klärschlamm-Varianten
verhalten sich gleich. Die Klärschlamm-Fraktions-Anteile sind wahrscheinlich im Vergleich
zu den Fraktionen des Bodens zu gering gewesen, um die vermuteten Effekte sichtbar machen
zu können.
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
Die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm wird bereits seit Jahrhunderten praktiziert.
Mit zunehmender Verstädterung wurde aus dem natürlichen Dünger ein Abfallstoff. Die
umweltverträgliche und gleichzeitig kostengünstige Entsorgung von Klärschlamm ist für viele
Kommunen zur großen Herausforderung geworden. Eine regelmäßige Anpassung der Entsor-
gungspraxis an die gesetzlichen Bestimmungen (Einführung der Klärschlammverordnung
1982, Novellierung 1992) führte zur steten Überarbeitung der Klärschlamm-Konzepte.
Eine Phase der Neubewertung der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung ist nicht
zuletzt durch die jüngsten Ereignisse in der Landwirtschaft (BSE, MKS) hervorgerufen
worden. Viele Bereiche der Landwirtschaft sind dabei in die Kritik geraten u.a. auch die
derzeitige Praxis der landwirtschaftlichen Verwertung von Abfallstoffen. Die jetzige
Neubewertung wird sich an den Anforderungen des Umwelt- und Verbraucherschutzes
orientieren, die aufgrund der Ereignisse in den Vordergrund gerückt worden sind. Neue
Positionen einzelner an der Diskussion Beteiligten sollen im folgenden kurz skizziert werden.
Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen Bärbel Höhn spricht sich für einen
differenzierten Weg der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung aus. Gering belastete
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
116
Klärschlämme aus ländlichen Regionen sollten wie bisher landwirtschaftlich verwertet
werden, jedoch sollte der Klärschlamm aus urbanen Gebieten, der meist auch stärker belastet
ist, in Kraftwerken mitverbrannt werden [VORHOLZ, 2001]. Wie unterschiedlich belastet
auch Klärschlamm aus ländlichen Raum sein können, wird an den in dieser Arbeit
untersuchten Klärschlämmen deutlich. Alle Klärschlämme stammen aus dem Kreis Soest,
aber die Bleiwerte weisen eine Streuung von < 5 bis 269 mg/kg TS auf. Während in der einen
Kläranlage ca. 1/10 des Grenzwertes für Kupfer erreicht wird, ist in der anderen Kläranlage
9/10 des Grenzwertes ausgeschöpft. Dies zeigt, dass nicht nur die Standortfrage der
Kläranlage eine Rolle bei der Bewertung von Klärschlämmen für die landwirtschaftliche
Verwertung spielt, sondern auch die Verunreinigung des eingeleiteten Abwassers in die
Kläranlage und deren Klärtechnik.
Die Europäische Union begrüßt die Transparenz in der Bundesrepublik Deutschland, die bei
der Verwertung von Klärschlämmen eine Minimierung der schädlichen Auswirkungen
vorsieht. Gleichzeitig forciert sie ein Qualitätssicherungssystem auf freiwilliger Basis, um die
Verwertung noch sicherer zu gestalten [ATV-DVWK, 2001]. Diese sieht u.a. eine
Verschärfung der Grenzwerte für organische Schadstoffe vor. Es wird auf europäischer Ebene
auch darüber diskutiert, ob eine Ausweitung der Einsatzgebiete von Klärschlamm erfolgen
soll, wie z.B. auf Weiden und in Forsten [ASMUSSEN, 2001]. Dies ist nach der deutschen
Klärschlammverordnung nicht erlaubt und kann aus hygienischen Gründen auch nicht
empfohlen werden.
Auch der ATV-DVWK empfiehlt ein freiwilliges, privates Gütesicherungssystem, damit die
Transparenz der Qualität der Klärschlammverwertung erhöht und sichergestellt werden kann.
Kriterien im Sinne des vorsorgenden Verbraucherschutzes sollen darin stärker
Berücksichtigung finden. [ATV-DVWK, 2001]
Ebenfalls im März diesen Jahres hat der Freistaat Bayern einen Antrag an den deutschen
Bundestag eingereicht, nachdem die Bundesregierung gebeten werden soll, die Ausbringung
von Klärschlamm auf landwirtschaftlich genutzten Flächen gesetzlich zu verbieten und
ebenfalls bei der Europäischen Union darauf hinzuwirken, dass die Richtlinie über den Schutz
der Umwelt und insbesondere der Böden bei der Verwertung von Klärschlamm in der
Landwirtschaft eine entsprechende Änderung erfährt. Der Antrag wird damit begründet, dass
die Erforschung der organischen Schadstoffe noch nicht ausreichend durchgeführt worden
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
117
sind. Zudem würden Risiken für den Gewässer- und Bodenschutz bestehen, für die
verbraucherorientierte Qualitätssicherung im Lebensmittelbereich und für den Schutz der
Landwirtschaft durch wirtschaftlichen Schaden. Die Auswirkungen der landwirtschaftlichen
Klärschlammverwertung wie die Kreislaufführung von Sekundärrohstoffdüngern und den
damit verbundenen Schutz der Phosphatreserven werden positiv bewertet, jedoch seien die
anderen Argumente gewichtiger zu beurteilen. [BUNDESRAT, 2001] Wenn es zu einer
Umsetzung dieses Antrages kommen würde, würde die gesamte landwirtschaftliche
Verwertung entfallen, in NRW müßten dann ca. 25 % des Klärschlammaufkommens
thermisch verwertet werden. Wenn die Verwertung ebenfalls im Landschaftsbau damit
untersagt wäre, würden zusätzlich noch 15 % thermisch entsorgt werden müssen.
Ein weiterer Aspekt in der Klärschlammdiskussion kommt vom Umweltbundesamt, das im
Juni die 'Grundsätze und Maßnahmen für eine vorsorgeorientierte Begrenzung von
Schadstoffeinträgen in landwirtschaftlich genutzte Böden' herausgegeben hat. Es wird die
besondere Bedeutung der landwirtschaftlich genutzten Böden für die Produktion gesunder
Nahrungsmittel hervorgehoben. Durch Bewirtschaftungsmaßnahmen (Aufbringung von
Klärschlamm, Gülle, mineralische Düngemittel und Komposte) dürfe es zu keiner
langfristigen Erhöhung der Schadstoffkonzentrationen in den Böden kommen. Dabei sind die
Schadstoffe unabhängig vom aufgebrachten Material zu bewerten. Ein Hauptkriterium des
Bundesbodenschutzgesetzes und der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung stelle
der vorsorgende Bodenschutz dar, indem Maßnahmen getroffen werden müssen, die das
Entstehen schädlicher Bodenveränderungen minimiert. Dies führt dazu, dass die Gehalte von
Schadstoffen im Boden auch langfristig nicht ansteigen sollten, um die natürlichen
Bodenfunktionen auf Dauer zu erhalten. Danach darf es zu keiner Verschlechterung der
Standorte durch den irreversiblen Eintrag von Fremdstoffen kommen, die aus der Umwelt
nicht mehr entfernt werden können. Demnach ist zu prüfen, inwieweit das eingebrachte
Material die Standorteigenschaften des Bodens langfristig verändern. Zunächst erfolgte die
Überprüfung für die Schwermetallgehalte (Tabelle 6-1).
Betrachtet man die Schwermetallgehalte von Klärschlamm mit den Vorsorgewerten für Me-
talle im Boden, so wird deutlich, dass das Ziel keine Verschlechterung des Standortes durch
eine Klärschlammdüngung nicht erreicht werden kann. Die Gehalte Kupfer und Zink über-
steigen um das Vierfache die Gehalte der Bodenart Ton. Bei den Schwermetallgehalten für
Cadmium und Quecksilber werden die Vorsorgegehalte für die Bodenart Lehm und Schluff
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
118
Tabelle 6-1: Vergleich der Vorsorgewerte für Metalle in Böden (Anhang 2 Nr. 4
BBodSchV), durchschnittliche Schwermetallgehalte von Bioabfällen und
Klärschlämmen, Grenzwerte für Metalle im Klärschlamm und Boden
(AbfKläV) und Schwermetallgehalte der eingesetzten Klärschlämme aus dem
Kreis Soest [UMWELTBUNDESAMT, 2001, UMWELT-RECHT, 1992,
LIPPEVERBAND, 1995 und 1996, RUHRVERBAND 1995 und 1996,
INGENIEURBÜRO SOWA 1995 und 1996]
Boden Cadmium Blei Chrom Kupfer Queck-
silber Nickel Zink
Bodenart Ton 1 1,5 100 100 60 1 70 200
Bodenart
Lehm/Schluff 1 1 70 60 40 0,5 50 150
Bodenart Sand 1 0,4 40 30 20 0,1 15 60
Klärschlämme 1 1,4 63 46 274 1 23 809
Rindergülle 1 0,28 7,7 7,3 44,5 0,06 5,9 270
Schweinegülle 1 0,40 6,2 9,4 309 0,02 10,3 858
Geflügelkot 1 0,25 7,2 4,4 52,6 0,02 8,1 336
Bioabfälle 1 0,51 52,7 25,6 49,6 0,16 15,9 195
GW der EU-
ÖkolandbauVO 1 0,7 45 70 70 0,4 25 200
GW Klärschlamm
n. AbfKläV 2 10/5 900 900 800 8 200 2500/
2000
GW Boden
n. AbfKläV 2 1,5/1 100 100 60 1 50 200/150
KS 2 3 1,4-1,6 167-269 47-53 257-272 1,0-1,8 24-27 818-924
KS 4 3 1,0 <5 63-70 77-81 0,5-0,6 27-31 490-500
KS 5 3 1,6 209 32 244 1,1 29 861
KS 6 3 2,3-4,4 94-100 39-66 720 0,74-1,3 30-31 710-740
KS 7 3 <1 <5 61 77 <0,5 30 440
1 UMWELTBUNDESAMT, 2001
2 UMWELT-RECHT, 1992
3 LIPPEVERBAND, 1995 und 1996, RUHRVERBAND 1995 und 1996, INGENIEURBÜRO SOWA 1995 und
1996
zusätzlich überschritten und für die Bodenart Sand liegen alle Schwermetallgehalte zu hoch.
Die Vorsorgewerte für die Bodenart Ton und die Bodenwerte der Klärschlammverordnung
sind weitestgehend gleich. Eine Ausnahme stellt der Nickelwert dar, der in der BBodSchV
um 20 mg /kg TM oberhalb des Bodenwertes der Klärschlammverordnung liegt.
Das Umweltbundesamt empfiehlt daher von der praktizierten Form der Klärschlammverwer-
tung nach den gültigen Qualitätsanforderungen Abstand zu nehmen. Die landwirtschaftliche
Klärschlammverwertung ist auf die Ansprüche des vorsorgenden Bodenschutzes abzustim-
men. Mit Hilfe von technischen Verfahren sollte aus dem Klärschlamm schadstoffarmes
Phosphat zurückgewonnen werden, welches als Düngemittel wieder eingesetzt werden kann.
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
119
Dies ist sinnvoll, da die natürlichen Phosphatvorkommen, die weltweit begrenzt vorhanden
sind, geschont werden müssen. [UMWELTBUNDESAMT, 2001]
Wenn sich diese neuen Maßnahmen und Grundsätze des Umweltbundesamtes durchsetzen
würden, wäre die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm stark eingeschränkt. Die
sechs im Versuch eingesetzten Klärschlämme (Tabelle 6-1) liegen oberhalb der
Vorsorgewerte und hätten nicht landwirtschaftlich verwertet werden dürfen. Bei den
Klärschlämmen 4 und 7 sind es jedoch nur die Schwermetalle Kupfer und Zink, wobei der
Wert von Kupfer nur geringfügig oberhalb des Vorsorgewertes liegt. Aus pflanzenbaulicher
Sicht stellen die beiden Schwermetalle jedoch nur ein geringes Problem dar, da Kupfer nur
eine minimale Beweglichkeit in der Pflanze aufweist und überwiegend in der Wurzel
lokalisiert ist [MENGEL, 1984]. Auch für Zink konnte nachgewiesen werden, daß es sich
sehr stark in den Wurzeln anreichert, da vermutlich eine Wurzel-Sproß-Barriere den
Transport in die übrigen Pflanzenteile unterbindet [GRÜN UND PUSCH, 1990].
Aber nicht nur die Klärschlämme könnten nicht mehr für Düngungsmaßnahmen eingesetzt
werden, auch die Rinder- und Schweinegülle, sowie der Geflügelkot weisen zu hohe
Zinkgehalte auf. Einzig alleine die Bioabfälle liegen geringfügig unterhalb der Vorsorgewerte
für die Bodenart Ton und dürften auf anderen Böden ebenfalls nicht ausgebracht werden. Dies
hätte für die Landwirtschaft weitreichende Folgen, da ein wesentlicher Baustein der Düngung
stark eingeschränkt sein würde.
Die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm wäre stark eingeschränkt bzw. gänzlich
verboten, wenn die Grundsätze und Maßnahmen des Bundesumweltamt bzw. der Antrag des
Freistaates Bayerns umgesetzt werden würden. Klärschlamm würde dann zu nahezu 100 %
thermisch verwertet werden müssen, mit allen Folgen für andere Umweltmedien, die durch
eine Verbrennung hervorgerufen werden können. Wie die Arbeit jedoch gezeigt hat, kann
Klärschlamm als P-Dünger mit einer vergleichbaren Wirkung wie Superphosphat eingesetzt
werden. Auf dem Sandboden war im Durchschnitt der dreijährigen Fruchtfolge die
Ertragswirksamkeit der flüssigen und stichfesten Klärschlämme mit der des Superphosphates
vergleichbar. Auf dem Lößboden zeigte sich dagegen eine Überlegenheit der flüssigen im
Gegensatz zu den stichfesten Klärschlämmen. Eine zusätzliche Kalkwirkung der mit Eisen
gefällten Schlämme konnte sowohl bei den Sand- als auch bei den Löß-Varianten zu keiner
Ertragssteigerung führen. Die P-Ausnutzungsrate im besonderen von flüssigen
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
120
Klärschlämmen, in denen das Phosphat mit Eisen- oder Aluminiumsalzen gefällt wurde, weist
eine entsprechende Wirkung wie der Mineraldünger Superphosphat auf. Und auch im Boden
insbesondere im Sandboden verlief die relative P-Verfügbarkeit parallel zur Verfügbarkeit des
Superphosphates.
Der Einsatz von flüssigem Klärschlamm hat zudem den Vorteil, daß Stickstoff zu einem
hohen Anteil als Ammonium in der wäßrigen Phase vorliegt. Da der Ammoniumstickstoff
von den Pflanzen leicht aufgenommen werden kann und wie mineralischer Handelsdünger
wirkt, kann die Nutzung von Klärschlamm ebenfalls Stickstoffdünger einsparen helfen.
Neben den rein pflanzenbaulichen Kriterien für eine umweltverträgliche landwirtschaftliche
Klärschlammausbringung spielen jedoch noch andere Faktoren eine Rolle. In Abbildung 6-1
sind die Zusammenhänge der Kreislaufführung des Klärschlammes schematisch dargestellt.
Für die Reinhaltung des Abwassers sind die Kläranlagen verantwortlich. In der Kläranlage ist
Abb. 6-1: Kreislaufführung von Nähr- und Schadstoffen, schematische Darstellung
Klär-
schlamm
Klär-
anlage
Forschung
Abwasser
landwirtschaftliche
Produkte
Mensch,
Gewerbe,
Industrie
Gesetze
Beratung
Kontrolle
Technik
Landwirt-
schaft
Akzeptanz
6 Ausblick und abschließende Betrachtung
121
dafür zu sorgen, daß der Klärschlamm mit möglichst gleichbleibender Qualität anfällt, um den
Landwirten ein möglichst einheitliches Produkt anbieten zu können. Auf die Einhaltung der
Vorgaben der Klärschlammverordnung, wie Beratung, Erstellung von Düngeplänen,
regelmäßige Klärschlamm- und Bodenuntersuchungen, ist zu achten. Für eine langfristige
Beurteilung der Böden sind Bodenkataster anzulegen. Da die Ausbringung von Klärschlamm
nicht ganzjährig erfolgen kann, sondern überwiegend im Frühjahr und Herbst, sind geeignete
Vorratsbehälter mit ausreichendem Stapelvolumen bereitzustellen. Das Ausbringen des
Klärschlammes sollte mit bodenschonenden Geräten erfolgen, die dem neuesten Stand der
Technik entsprechen. Um das Vertrauen der Landwirte und der Bevölkerung zu erhalten, ist
eine seriöse Vermarktung und stetige Kontrolle notwendig.
Ebenso wie die Kläranlagenbetreiber können auch die Landwirte dazu beitragen, daß das
Vertrauen in das Produkt Klärschlamm wächst. Eine ordnungsgemäße Düngeplanung und
Ausbringung des Klärschlammes sind durchzuführen. In die Düngeplanung sind die Angaben
über die Bodengehalte, wirtschaftseigene Dünger, denen der Vorzug vor Klärschlamm
eingeräumt werden sollte, und die voraussichtliche Ertragshöhe der anzubauenden Kulturen
zu berücksichtigen.
Als Nahrungsmittel oder Rohstoff gelangen die landwirtschaftlichen Produkte zum
Endverbraucher oder in Gewerbe- und Industriebetriebe. Das anfallende Abwasser wird von
privaten und gewerblichen Betrieben wiederum eingeleitet. Alle Einleiter haben darauf zu
achten bzw. sind dazu verpflichtet, keine wassergefährlichen Stoffe einzuleiten, sondern sie
separat zu entsorgen. Innerhalb der Betriebe sollte darauf geachtet werden, daß modernste
Verfahren eingesetzt werden, um die unliebsamen Stoffe nicht in das Abwasser gelangen zu
lassen damit sie anschließend in aufwendigen Verfahren beseitigt werden müssen.
Geschlossene Kreisläufe und abwasserreduzierte Verfahren wären Möglichkeiten, die
Kläranlagen zu entlasten. Es ist jedoch auch zu überlegen, ob Verfahren oder Materialien
verboten werden müßten, wie dies früher bei Bleirohren oder PCB gemacht worden ist. Die
Kupfergehalte ließen sich reduzieren, indem statt Kupfer Chromnickelstahl in der Installation
von Wasserleitungen Verwendung finden würde. Regelmäßige Informationen über den
neusten Stand der Technik sind notwendig. Um die Umsetzung der entsprechenden
Vorschriften zu überprüfen, sind Kontrollen durchzuführen.
7 Zusammenfassung
122
Abschließend kann festgehalten werden, dass bei den Untersuchungen sich keine Hinweise
ergaben, die eine von mineralischen Düngemitteln abweichende Berücksichtigung der
P-Gehalte in Klärschlämmen im Rahmen der Düngeverordnung erfordern. Im Rahmen der
Klärschlammverordnung sind die Grenzwerte für die Schwermetallgehalte für den
Klärschlamm und den Boden einzuhalten. Aus pflanzenbaulicher Sicht besteht nur ein
geringes Risiko bezüglich der Schwermetallgehalte im Boden, da in Untersuchungen
festgestellt werden konnte, daß es keinen direkten Zusammenhang zwischen den
Schwermetallgehalten im Boden und den Schwermetallgehalten in der Pflanze gibt. Durch die
Faktoren Pflanzenart, Pflanzenorgan, Erntezeitpunkt, Bodeneigenschaften und Schwermetall
wird der Transfer vom Boden in die Pflanze bzw. Wurzel in den Sproß modifiziert. Die
Bodeneigenschaften, insbesondere der pH-Wert, aber auch die Konzentration der
Kontamination spielen für die Verfügbarkeit eine wesentliche Rolle.
Unter Abwägung aller diskutierten Fakten kann festgestellt werden, dass die Verwendung von
schadstoffarmen Klärschlämmen in der Landwirtschaft nach wie vor umweltschonend
möglich ist. Ihr sachgerechter Einsatz ist unter ökonomischen und ökologischen
Gesichtspunkten uneingeschränkt zu empfehlen.
7 Zusammenfassung
Im Sinne der Kreislaufführung ist die umweltgerechte Verwertung von Klärschlamm
anzustreben. Ein besonderes Gewicht ist auf das Phosphat zu legen. Laut Düngerverordnung
sind alle Düngungsmaßnahmen generell zu bilanzieren. Dabei müssen die P-Gehalte aller
Dünger und somit auch die des Klärschlammes auf den P-Bedarf der Fruchtfolge voll
angerechnet werden. Viele Böden in Nordrhein-Westfalen weisen bereits heute eine
ausreichende P-Versorgung auf. Insbesondere in den viehstarken Regionen ist der Phosphat-
Gehalt der Böden zum limitierenden Faktor für die Ausbringung von Klärschlamm geworden.
Dennoch ist in manchen Regionen, wie in der Köln-Aachener Bucht oder in Ostwestfalen mit
geringerer Viehdichte oder in Betrieben ohne Vieh eine zusätzliche Verwertung von
Klärschlamm möglich. Andererseits werden in einigen Böden trotz langfristiger
Klärschlammdüngung keine Steigerungen der Gehalte an pflanzenverfügbarem Phosphat
gefunden. Als Ursache wird ein immobilisierender Effekt der zur P-Fällung in den
Klärwerken eingesetzten Chemikalien diskutiert.
7 Zusammenfassung
123
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit war ein Schwerpunkt die P-Wirkung des Klärschlammes
in Abhängigkeit von der P-Fällung und vom Substrat zu untersuchen (Tabelle 7-1). Dazu
wurden drei flüssige und drei stichfeste Klärschlämme aus der laufenden Produktion von drei
Kläranlagen untersucht, bei denen für die Fällung der Phosphate unterschiedliche Fällmittel
eingesetzt werden. Die Fällung erfolgt im ersten Klärwerk mit Eisensalzen (FeCl3), im zwei-
ten Klärwerk werden Aluminate (NaAlO2) eingesetzt und im dritten Klärwerk wird neben der
Fällung mit Eisen eine Kalkung (FeCl3+CaO) durchgeführt. Die Klärschlämme entsprechen
alle den Vorgaben der Klärschlammverordnung § 4, Abs. 10, 11 und 12 AbfKlärV. Es sind
keine Überschreitungen der zulässigen Schadstoffgehalte ermittelt worden, so dass sie alle für
die landwirtschaftliche Verwertung zur Verfügung stehen können. Mit Hilfe eines
Gefäßversuches sollte die Düngewirkung der Klärschlämme und die Auswirkungen auf den
Boden im Vergleich zu mineralischen Düngern beurteilt werden. Als Substrat wurde
Ah-Material eines Sandbodens und Material aus dem A
p-Al-Horizont einer Pseudogley-
Parabraunerde aus Löß eingesetzt. In zwei um ein Jahr versetzten Versuchen wurde jeweils
eine dreijährige Anbaufolge gewählt: Einjähriges Weidelgras, Weizen/Mais, Hafer/Mais.
Tab. 7-1: Versuchsserien zur Prüfung der P-Wirkung in Klärschlämmen
Faktor Stufen
Anlage
1 = 1995 - 1997
2 = 1996 - 1998
Klärschlamm/P-
Düngung
[1000 mg P2O5/Gefäß =
436,68 mg P/Gefäß =
4,85 mg P/100 g Boden]
1 Kontrolle
2 Klärschlamm, flüssig, P-Fällung mit FeCl3
3 Klärschlamm, flüssig, P-Fällung mit NaAlO2
4 Klärschlamm, flüssig, P-Fällung mit FeCl3 + CaO
5 Klärschlamm, stichfest, P-Fällung mit FeCl3
6 Klärschlamm, stichfest, P-Fällung mit NaAlO2
7 Klärschlamm, stichfest, P-Fällung mit FeCl3 + CaO
8 Superphosphat
9 Hyperphos
Bodenart 1 = Sand
2 = Lößlehm
Wiederholung 1. Anlagejahr n = 7
2. Anlagejahr n = 6
3. Anlagejahr n = 5
Fruchtfolge 1. Anlagejahr: Einjähriges Weidelgras (4 Schnitte)
2. Anlagejahr: Sommerweizen, Zwischenfrucht Mais
3. Anlagejahr: Hafer, Zwischenfrucht Mais
(Mais nur in Anlage 1)
7 Zusammenfassung
124
Folgende Ergebnisse sind festzustellen:
• Im ersten Anlagenjahr war weder die Zugabe von Klärschlamm noch von Düngemitteln für
das Einjährige Weidelgras ertragswirksam gegenüber der Kontrolle. Erst ab dem zweiten
Jahr konnten Mehr- oder Mindererträge beobachtet werden. Eine Klärschlammdüngung ist
mit einer mineralischen Düngung in der P-Wirkung prinzipiell vergleichbar. Im Durch-
schnitt der dreijährigen Anbaufolge war die Ertragswirksamkeit der flüssigen und stichfe-
sten Klärschlämme auf Sandboden gleichwertig. Auf dem Lößboden hingegen waren die
flüssigen Klärschlämme den stichfesten Klärschlämmen hinsichtlich des Ertrages überle-
gen. Die stichfesten Klärschlämme konnten das Ertragsniveau von Superphosphat nicht
erreichen. Sie sind in der Ertragswirksamkeit vergleichbar mit Hyperphos. Eine zusätzliche
Kalkung der mit Eisen gefällten Klärschlämme zeigte unabhängig von der Bodenart keine
Wirksamkeit, tendenziell waren die Erträge unabhängig von der Bodenart vermindert.
• In der dreijährigen Fruchtfolge waren die P-Entzüge der Klärschlämme in den Kulturen
Einjähriges Weidelgras und Getreide mit denen der Superphosphat-Variante ebenbürtig.
Nur beim Mais, der im zweiten Jahr als Nachfrucht angebaut wurde, konnten im
Sandboden bei den Klärschlamm-Varianten höhere P-Entzüge als bei mineralischer
P-Düngung festgestellt werden. Bei den Löß-Varianten wurden dagegen die höheren
P-Entzüge nach Superphosphatdüngung ermittelt. Zwischen den Klärschlamm-Varianten
bestanden in beiden Böden statistisch keine Unterschiede.
• Die prozentuale Düngerausnutzung liegt bei der Dünger-Variante Superphosphat - über die
drei Anlagenjahre betrachtet - bei 38 %. Eine vergleichbar hohe Ausnutzung erreichte nur
noch die flüssige Klärschlamm-Variante mit der Eisenfällung. Bei allen anderen
Klärschlämmen war sie geringer, jedoch höher als bei der Dünger-Variante Hyperphos mit
nur 17 % P-Ausnutzung. Bei den beiden Varianten flüssiger Klärschlamm mit Eisen- bzw.
Aluminatfällung war die P-Ausnutzung im ersten Jahr am größten und damit vergleichbar
der Superphosphat-Variante In den folgenden Jahren haben die P-Ausnutzungsraten
abgenommen. Bei allen anderen Varianten kommt es zu einer größeren Nachwirkung im
zweiten Jahr, die sich im dritten Jahr wieder reduziert. Dies ist zum einen mit einer
schnelleren Alterung von Superphosphat zu erklären. Zum anderen dürften aufschließende
Reaktionen im Boden stattgefunden haben, die zu einem Anstieg der Verfügbarkeit in der
dreijährigen Fruchtfolge führten. Bei dem Klärschlamm mit Eisenfällung und Kalkung
kam es bereits im ersten Jahr zu Festlegungsprozessen.
7 Zusammenfassung
125
• Die P-Mobilität nach Düngung mit den drei flüssigen Klärschlämmen, sowie den beiden
stichfesten Klärschlämmen mit Eisen- und Aluminatfällung ist im Durchschnitt der
Anlagen und Substrate vergleichbar der Dünger-Variante Superphosphat. Obwohl hier die
höchsten Erträge mit hohen P-Entzügen erreicht wurden, ist der Rückgang der P-CAL-Ge-
halte im ersten Jahr gering. Die CAL-lösliche P-Fraktion muß somit ständig aus dem
Dünge- bzw. Klärschlammvorrat aufgefüllt worden sein. Im zweiten Jahr stockt diese
Nachlieferung bei den Düngervarianten und den flüssigen bzw. stichfesten Klärschlamm-
Varianten mit Aluminatfällung und Eisenfällung mit anschließender Kalkung, so dass die
P-CAL-Gehalte weiter zurückgehen. Im dritten Jahr erfolgt ein Anstieg der P-CAL-Ge-
halte bei allen Varianten, außer der flüssigen Klärschlamm-Variante mit Eisenfällung.
Aufgrund der Aufnahme von Phosphaten aus dem pflanzenverfügbaren Gehalt im Boden
muß es zu neuerlichen Umsetzungsprozessen im Boden gekommen sein.
• Die erwarteten bzw. berechneten Veränderungen der Gesamt-P-Bodengehalte durch die
Düngung bzw. durch die P-Entzüge konnten analytisch sehr gut nachvollzogen werden.
• Innerhalb der dreijährigen Fruchtfolge verhalten sich die relativen P-Verfügbarkeiten der
flüssigen Klärschlamm-Varianten auf Sandboden entsprechend der Dünger-Variante
Superphosphat. Dagegen verlaufen die relativen P-Verfügbarkeiten der stichfesten
Klärschlamm-Varianten zum Teil mit der Dünger-Variante Hyperphos parallel. Auf dem
Lößboden kann zwischen den flüssigen und stichfesten Klärschlamm-Varianten keine
klare Abgrenzung zwischen den relativen P-Verfügbarkeiten gezogen werden.
• Im Rahmen der Versuchsreihen sind die Veränderungen der Fraktionen Fe/Al-P, Ca-P,
Org. P und Rest-P untersucht worden. In beiden Böden sind die Fe/Al-P- und die
Ca-P- Fraktionen relativ stabil. Nur die Fraktion des organisch gebundenen Phosphates ist
vor allem im Lößboden starken Veränderungen unterworfen. Bei niedrigem
Ausgangsgehalt wie z. B. in der Anlage 1 nimmt der Anteil im Verlauf der drei
Anlagenjahre stark zu, bei höheren Ausgangsgehalten an Org. P ist der Anstieg geringer
aber noch erkennbar. Im Sandboden sind diese Veränderungen kaum noch feststellbar,
einem Anstieg während des ersten und teilweise zweiten Jahres steht ein deutlicher
Rückgang im (zweiten) - dritten Jahr gegenüber. Mögliche Auf- und Abbauprozesse der
mikrobiellen Biomasse werden als Ursache diskutiert. Diese Effekte sind weitgehend
unabhängig von der Klärschlamm- bzw. Düngerform.
7 Zusammenfassung
126
Ein genereller Anstieg der Fe/Al-P-Gehalte bei beiden Substraten und bei dem Einsatz von
flüssigem oder stichfestem Klärschlamm findet durch den Einsatz von eisen- oder
aluminiumgefälltem Klärschlamm nicht statt. Es konnte nicht nachgewiesen werden, daß
die Ca-P-Fraktion bei den gekalkten Varianten ansteigt, sondern alle Klärschlamm-
Varianten verhalten sich diesbezüglich gleich. Die Klärschlamm-Fraktions-Anteile sind
wahrscheinlich im Vergleich zu den Fraktionen des Bodens zu gering gewesen, um die
vermuteten Effekte sichtbar machen zu können.
Aufgrund der Ergebnisse kann eine umweltverträgliche landwirtschaftliche Verwertung
empfohlen werden. Bezüglich der P-Wirkung in Abhängigkeit der Fällung und des Substrates
sollte daher flüssiger Klärschlamm mit einer Phosphat-Fällung durch Eisen bevorzugt
ausgebracht werden. Diese Form erreicht die höchsten Erträge und die beste P-Ausnutzung im
Vergleich zu einer Düngung mit Superphosphat. Die anderen Klärschlämme liegen in der
Ertragswirksamkeit und in der P-Ausnutzung zwischen Superphosphat und Hyperphos. Somit
haben sich keine Hinweise ergeben, die eine von mineralischen Düngemitteln abweichende
Berücksichtigung der P-Gehalte in Klärschlämmen im Rahmen der Düngeverordnung
erfordern. Bezüglich des Bodenschutzes werden aus Vorsorgegründen neue Regelungen
diskutiert, die zu einer Reduzierung der Schwermetallgrenzwerte der Klärschlammverordnung
führen würden. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist dies jedoch nicht erforderlich, da keine lineare
Beziehung zwischen Boden- und Pflanzengehalten besteht. Durch die Faktoren Pflanzenart,
Pflanzenorgan, Erntezeitpunkt, Bodeneigenschaften (z.B. pH-Wert, Konzentration der
Kontamination) und Art des Schwermetalls wird der Transfer vom Boden in die Wurzel bzw.
Wurzel in den Sproß modifiziert. Unter Abwägung aller diskutierten Fakten kann daher
festgestellt werden, daß die Verwendung von schadstoffarmen Klärschlämmen in der
Landwirtschaft nach wie vor umweltschonend möglich ist. Ihr sachgerechter Einsatz ist unter
ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten uneingeschränkt zu empfehlen.
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9 Anhang
135
9 Anhang
Anhang 1: Erträge der Anlage 1 [g/Gefäß] in Abhängigkeit der Ernten, Substrate und
Varianten
TS-Erträge [g/Gefäß] Anlage 1
Substrat Varianten EW195
EW295 EW395 EW495 WK96 WS96 MW96 HK97 HS97 MH97
1 28,03 14,96 19,60 13,25 17,41 29,72 8,87 52,15 39,95 44,15
2 31,00 17,04 18,58 13,01 30,55 40,11 9,75 57,04 46,91 45,21
3 29,92 14,86 19,12 9,27 31,19 36,17 8,29 58,05 41,84 41,74
4 26,18 13,09 18,66 11,28 30,23 42,30 12,36 57,67 41,22 38,67
Sand 5 27,52 14,04 18,34 15,47 34,86 45,07 14,04 57,49 42,34 35,87
6 26,91 15,47 18,70 13,61 45,40 52,85 13,54 58,02 50,19 32,43
7 27,57 13,85 17,26 11,33 29,78 37,60 12,00 53,32 41,76 43,61
8 29,74 14,98 21,96 10,97 39,11 47,71 10,18 54,77 48,83 46,75
9 28,09 14,73 18,80 10,93 37,51 43,61 11,27 57,98 38,72 37,36
1 39,89 25,54 25,86 20,71 34,80 40,19 10,63 50,82 39,64 39,35
2 47,20 29,23 30,18 19,77 31,22 43,75 13,70 47,81 42,06 40,85
3 42,50 28,10 29,73 19,69 36,10 45,90 13,42 51,29 44,03 48,95
4 41,39 26,44 28,66 23,80 41,70 51,59 11,88 49,11 46,08 43,12
Löß 5 41,55 25,62 27,57 20,54 46,31 53,95 10,28 51,37 47,22 46,03
6 39,47 25,30 27,28 19,56 40,11 52,57 11,71 50,70 43,89 45,32
7 39,22 26,58 27,31 21,24 44,81 54,31 12,82 51,59 38,95 44,30
8 41,11 25,29 27,35 16,81 47,08 55,27 16,62 50,49 45,90 44,79
9 38,49 22,82 26,80 19,37 43,92 53,89 19,60 52,22 39,31 37,02
Anhang 2: Erträge der Anlage 2 [g/Gefäß] in Abhängigkeit der Ernten, Substrate und
Varianten
TS-
Erträge [g/Gefäß]
Anlage 2
Substrat Varianten EW196 EW296 EW396 EW496 WK97 WS97 MW97 HK98 HS98
1 23,47 27,99 10,31 18,75 28,50 44,69 27,43 37,20 34,34
2 33,43 33,62 13,45 20,31 36,75 49,88 36,23 45,08 40,45
3 28,13 32,61 13,33 16,52 36,33 50,77 29,82 51,71 41,62
4 23,41 29,12 12,16 17,49 31,99 41,18 36,54 32,32 27,46
Sand 5 25,49 29,07 11,90 19,93 31,54 42,94 38,51 40,73 31,16
6 25,83 30,98 12,15 19,83 32,91 45,60 30,11 45,23 35,99
7 23,10 31,35 11,88 17,75 34,92 41,79 31,00 38,38 35,42
8 27,42 32,40 12,50 22,71 35,68 50,03 19,22 43,86 36,42
9 23,03 31,00 10,52 20,56 33,97 49,34 19,22 45,46 36,80
1 34,62 40,74 18,33 34,49 38,94 73,63 37,84 13,55 13,98
2 38,07 40,23 18,95 34,73 40,18 70,83 48,91 42,01 38,14
3 38,31 40,34 20,43 35,02 40,32 75,27 39,08 48,85 40,09
4 42,16 39,62 17,70 32,89 39,35 71,04 37,42 39,95 35,89
Löß 5 35,17 40,70 20,37 31,90 39,07 70,55 45,77 30,45 26,09
6 37,92 40,81 19,34 35,22 40,51 69,63 43,17 34,62 30,78
7 38,16 39,84 17,51 33,27 38,99 71,35 39,75 28,44 26,98
8 37,04 40,10 19,21 32,26 39,75 74,84 52,61 51,36 42,00
9 37,96 40,15 18,63 34,44 38,82 71,10 42,73 21,24 21,90
9 Anhang
136
Anhang 3: P-Entzüge der Anlage 1 [mg P/Gefäß] in Abhängigkeit der Ernten, Substrate
und Varianten
P-Gehalt [mg P/Gefäß] Anlage 1
Substrat Varianten EW195 EW295 EW395 EW495 WK96 WS96 MW96 HK97 HS97 MH97
1 116,49 54,73 45,27 56,89 49,93 16,77 25,12 130,89 15,90 65,55
2 132,50 64,04 56,45 63,01 102,38 18,89 31,23 133,66 21,66 70,09
3 130,35 64,51 59,05 46,09 108,14 21,74 33,24 150,94 16,34 74,89
4 97,31 53,16 47,75 52,36 117,21 18,57 44,49 143,69 17,12 69,82
Sand 5 111,74 56,57 47,31 59,91 142,46 22,64 52,88 162,19 15,91 58,58
6 113,94 62,97 48,11 57,19 136,09 19,75 48,02 153,32 21,87 62,03
7 106,98 56,89 49,83 47,11 108,38 19,77 43,02 145,64 18,41 62,54
8 138,61 72,87 68,54 52,35 124,20 18,79 30,82 143,24 22,03 90,34
9 117,31 63,85 51,64 45,22 114,72 17,33 35,58 137,07 13,63 64,54
1 155,20 106,98 77,33 73,29 141,67 18,00 35,90 145,81 19,25 45,86
2 217,12 141,00 108,63 85,86 138,85 20,38 42,14 153,91 27,43 47,72
3 192,73 121,60 100,38 79,44 134,06 23,32 39,58 161,75 31,39 57,71
4 171,59 102,97 94,61 86,19 177,14 26,87 39,96 162,00 27,37 49,66
Löß 5 168,43 102,85 89,88 77,45 202,63 22,82 41,12 170,52 27,51 46,44
6 163,91 110,22 92,97 80,97 198,06 28,07 46,73 161,74 24,82 56,94
7 146,85 99,68 81,62 76,23 218,15 26,31 45,00 165,41 23,45 54,38
8 166,94 127,93 98,53 71,52 219,26 23,63 54,93 155,85 27,16 57,27
9 147,17 96,91 86,51 70,26 215,14 27,79 48,47 153,04 18,79 44,78
Anhang 4: P-Entzug der Anlage 2 [mg P/Gefäß] in Abhängigkeit der Ernten, Substrate
und Varianten
P-Entzug [mg P/Gefäß] Anlage 2
Substrat Varianten EW196 EW296 EW396 EW496
WK97
WS97
MW97
HK98
HS98
1 88,60 117,36 73,67 56,15 86,82 15,72 36,86 62,33 4,73
2 176,31 134,63 98,26 62,45 122,55
19,82 58,28 76,33 7,39
3 123,16 130,16 93,00 49,82 114,49
20,65 41,57 82,47 6,97
4 93,76 96,33 76,65 50,02 127,53
20,86 57,47 55,36 3,23
Sand 5 119,05 116,00 86,78 58,82 95,62 16,40 56,29 68,53 4,35
6 131,44 127,68 84,10 56,27 99,17 15,17 41,18 71,24 5,13
7 105,56 128,49 81,30 50,51 140,49
20,61 47,73 63,34 6,38
8 146,87 138,27 98,01 65,19 109,28
20,70 27,64 78,51 6,01
9 121,13 129,43 75,50 61,41 104,15
20,61 28,30 70,16 3,91
1 224,29 131,10 128,69 111,44 166,86
37,82 55,39 24,46 2,09
2 258,53 139,71 136,94 135,22 175,44
36,86 66,62 71,32 6,63
3 258,73 139,68 153,42 140,43 154,41
36,78 63,21 79,18 5,83
4 276,44 136,42 132,04 135,04 175,81
40,50 61,28 64,52 6,07
Löß 5 251,17 140,19 149,24 125,63 164,45
33,40 60,48 57,51 4,88
6 252,05 139,47 140,19 131,00 167,75
35,60 66,80 58,91 5,75
7 243,80 134,21 126,87 125,71 166,10
38,01 62,00 52,15 7,83
8 220,47 147,94 151,56 146,36 158,96
40,04 92,09 87,79 7,44
9 241,21 139,79 132,55 132,57 154,96
28,50 58,48 41,96 5,28
9 Anhang
137
Anhang 5: P-CAL-Gehalt [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate
und Varianten
P-Gehalt [mg P/ 100 g Boden]
Anlage1 Anlage 2
Substrat Variante EW95 WM96 HM97 EW96 WM97 HA98
1 3,93 3,65 3,60 3,91 4,37 4,10
2 5,15 4,94 4,27 5,18 6,02 5,69
3 5,15 5,48 4,71 5,20 5,42 5,25
4 5,63 5,05 4,86 5,43 5,71 5,86
Sand 5 5,09 4,88 5,38 4,06 5,31 5,96
6 4,28 4,37 4,45 3,83 4,97 5,13
7 4,45 4,95 4,13 3,74 4,02 4,43
8 5,30 4,99 4,70 5,12 5,75 5,97
9 4,58 4,32 4,39 3,71 5,33 5,21
1 2,39 1,58 1,97 4,76 4,28 5,97
2 3,19 2,13 1,99 5,45 6,05 7,48
3 3,54 2,15 1,81 6,29 5,11 7,21
4 3,79 2,33 1,78 5,78 4,46 6,58
Löß 5 3,21 2,67 2,27 6,12 4,31 6,68
6 3,51 2,78 2,33 6,14 5,28 7,12
7 2,94 1,75 1,45 5,70 5,36 7,42
8 3,96 2,24 1,92 6,83 5,68 7,37
9 2,58 1,65 1,61 4,82 3,72 5,86
Anhang 6: Gesamt-P-Gehalt [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate
und Varianten
Gesamt P mg P/100 g Boden
Anlage 1 Anlage 2
Substrat Varianten
EW95 WM96 HM97 EW96 WM97 HA98
1 36,38 36,47 34,09 35,81 33,18 33,35
2 39,72 39,00 36,19 40,70 38,48 37,91
3 40,03 41,02 35,76 38,84 36,83 37,10
4 40,58 41,56 37,58 39,75 36,71 37,46
Sand 5 38,62 38,52 36,13 38,17 35,22 37,33
6 39,97 40,23 36,13 38,02 36,30 35,33
7 36,80 37,94 35,25 37,71 33,92 33,83
8 37,83 40,83 34,71 40,11 38,28 38,05
9 39,36 41,04 37,62 40,17 37,28 37,96
1 49,95 52,80 48,96 51,56 50,19 49,55
2 50,18 55,45 51,96 53,89 54,29 53,74
3 50,13 55,89 53,50 57,13 53,54 53,35
4 51,91 56,94 51,60 54,85 52,55 52,22
Löß 5 51,79 54,76 51,76 58,42 52,24 52,00
6 53,06 53,22 53,06 58,15 52,83 53,14
7 50,34 53,75 49,13 57,72 52,57 53,39
8 51,87 56,80 51,56 61,06 54,22 54,39
9 53,80 57,12 52,25 58,18 54,44 55,60
9 Anhang
138
Anhang 7: Fe/Al-P-Gehalt [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate
und Varianten
Fe/Al-P mg P/100 g Boden
Anlage 1 Anlage 2
Substrat Varianten
EW95 WM96 HM97 EW96 WM97 HA98
1 24,22 24,40 23,86 24,64 24,51 22,77
2 28,34 25,22 24,49 28,15 28,04 26,43
3 27,84 26,88 26,01 26,59 27,43 25,48
4 29,34 26,71 26,37 26,97 26,44 26,26
Sand 5 23,22 24,66 24,48 25,42 25,93 25,14
6 23,02 24,68 24,98 25,11 24,84 24,90
7 22,00 24,57 24,76 24,86 23,85 23,78
8 24,96 25,44 24,69 27,11 27,17 27,10
9 24,42 25,03 24,58 26,24 25,01 23,66
1 23,59 20,75 18,94 17,53 20,29 19,87
2 25,05 21,36 20,71 18,29 22,97 22,54
3 25,49 22,99 21,15 21,06 23,19 22,45
4 26,92 23,09 21,02 20,94 22,01 21,34
Löß 5 26,28 22,53 21,08 23,27 21,82 21,82
6 28,06 23,44 21,58 23,67 22,90 21,97
7 25,34 21,81 20,49 24,02 22,89 22,75
8 26,32 21,03 21,18 24,84 23,54 22,63
9 24,37 21,29 20,19 21,21 19,36 20,00
Anhang 8: Ca-P-Gehalt [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und
Varianten
Ca-P mg P/100 g Boden
Anlage 1 Anlage 2
Substrat Varianten
EW95 WM96 HM97 EW96 WM97 HA98
1 3,20 3,18 3,40 3,28 3,16 3,09
2 3,36 3,18 3,37 3,36 3,53 3,15
3 3,10 3,14 3,25 3,14 3,32 2,91
4 3,36 3,19 2,96 3,07 3,25 3,09
Sand 5 3,07 3,35 3,70 3,27 3,59 3,11
6 2,60 3,13 3,32 3,19 3,06 3,09
7 2,64 3,18 3,46 3,53 3,12 3,10
8 3,00 3,75 3,91 3,53 4,22 3,96
9 5,72 5,51 5,58 4,76 5,33 5,10
1 8,80 8,44 8,68 11,44 12,29 12,28
2 9,18 8,78 8,89 11,71 13,39 12,85
3 9,19 9,32 9,08 12,66 13,86 13,62
4 9,76 9,11 8,97 12,54 13,41 13,22
Löß 5 9,54 8,95 9,18 13,18 13,66 13,31
6 9,61 8,99 8,90 12,20 14,04 13,74
7 9,02 8,73 8,97 12,59 14,33 14,59
8 9,49 9,66 9,82 13,82 16,06 15,73
9 12,07 11,20 11,77 16,75 18,88 18,95
9 Anhang
139
Anhang 9: Org. P-Gehalt [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate und
Varianten
Org. P mg P/100 g Boden
Anlage 1 Anlage 2
Substrat Varianten
EW95 WM96 HM97 EW96 WM97 HA98
1 3,27 6,21 1,89 6,24 14,90 18,98
2 3,03 6,54 0,98 8,43 14,68 18,42
3 2,66 7,41 1,33 7,45 13,89 17,44
4 2,47 6,55 0,64 3,37 13,29 17,29
Sand 5 5,84 5,66 0,79 3,75 12,84 16,95
6 7,25 5,99 0,69 2,48 14,48 16,89
7 6,64 5,65 0,64 3,80 16,32 17,37
8 5,15 5,80 0,72 3,85 16,13 17,55
9 3,76 5,36 0,52 5,89 13,12 18,29
1 5,83 2,77 4,54 13,89 13,49 11,82
2 6,50 4,58 4,53 12,79 13,12 11,07
3 6,06 2,95 3,93 11,90 12,79 10,92
4 6,40 3,25 5,17 8,49 12,51 9,00
Löß 5 5,43 2,94 4,39 7,34 11,78 9,79
6 5,51 3,02 4,50 8,89 11,68 9,94
7 6,46 2,47 4,72 10,85 12,10 11,11
8 6,39 3,71 4,82 8,39 13,09 12,10
9 5,86 4,18 4,71 7,75 13,68 12,25
Anhang 10: Rest-P-Gehalt [mg P/100 g Boden] in Abhängigkeit der Anlagen, Substrate
und Varianten
Rest-P mg P/100 g Boden
Anlage 1 Anlage 2
Substrat Varianten
EW95 WM96 HM97 EW96 WM97 HA98
1 5,70 2,69 4,92 2,06 2,73 2,95
2 4,99 4,06 7,35 2,68 2,32 3,79
3 6,45 3,60 5,18 3,05 3,13 4,78
4 5,41 5,10 7,60 3,32 3,77 2,95
Sand 5 6,49 4,85 7,15 4,05 2,75 4,69
6 7,09 6,42 7,15 4,21 5,38 2,85
7 5,52 4,54 6,39 2,85 4,48 2,23
8 4,71 5,84 5,39 3,08 3,19 2,17
9 5,47 5,14 6,93 3,32 2,77 4,49
1 12,54 8,72 2,37 8,70 4,12 5,58
2 8,95 10,62 3,94 11,10 4,81 7,29
3 9,34 9,68 5,83 11,50 3,70 6,36
4 11,86 11,45 4,31 12,87 4,62 8,65
Löß 5 12,23 10,45 4,54 14,63 4,97 7,08
6 12,91 6,31 5,69 13,39 4,21 7,50
7 12,19 6,89 2,30 10,26 3,25 4,94
8 12,21 9,98 3,01 14,00 1,54 3,93
9 11,48 11,51 2,00 12,46 2,51 4,40
140
Danksagung
Herrn Prof. Dr. H. K. Barth gilt mein besonderer Dank für die Themenstellung und die
Möglichkeit im Fachbereich Philosophie, Geschichte, Geographie, Religions- und
Gesellschaftswissenschaften der Universität-GH-Paderborn promovieren zu können. Für die
vielfältigen Hinweise und Ratschläge bei der Bearbeitung dieses Themas und der Abfassung
der Dissertation möchte ich mich recht herzlich bedanken.
Herrn Prof. Dr. J. Oehmichen danke ich sehr für die Möglichkeit der Durchführung dieser
Arbeit im Fachbereich Agrarwirtschaft der Universität-GH-Paderborn. Durch die zahlreichen
Hinweise und Hilfestellung hat er sehr zum Gelingen der Arbeit beigetragen.
Herrn Prof. Dr. N. Lütke Entrup danke ich für die vielseitigen Anregungen und Diskussionen
bei der Bearbeitung des Themas. Sein Engagement über die fachlichen Hinweise hinaus,
waren mir eine große Hilfe.
Herrn Dr. F.-F. Gröblinghoff danke ich sehr für die Diskussions- und Hilfsbereitschaft bei der
Durchführung der vorliegenden Arbeit.
Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereichs Agrarwirtschaft danke ich für
Ratschläge und Hinweise sowie für die tatkräftige Unterstützung bei der praktischen
Versuchsdurchführung.
Dem Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft des Landes Nordrhein-
Westfalen, Düsseldorf, sei für die finanzielle Unterstützung dieser Arbeit gedankt.
Mein besonderer Dank geht an meine Familie und Freunde, die immer wieder neu
Verständnis für mich zeigten und mich über die Jahre hindurch unterstützten.
141
Forschungsberichte des Fachbereichs Agrarwirtschaft Soest
Universität-Gesamthochschule Paderborn
Band 1 Norbert Lütke-Entrup, Hans-Ulrich Hensche, Nils Brodowski und Dirk Kerstin:
Umweltrelevante Verhaltensmuster der Landwirte – Umsetzungsstrategien und Transferdefizite für den
integrierten Pflanzenbau in Nordrhein-Westfalen. 1995, 178 Seiten, ISBN3-00-000194-8
Band 2 Hans-Ulrich Hensche und Harald Vogt:
Marktorientierte Kooperation im Agrarbereich. 1995, 138 Seiten, ISBN 3-00-000224-3
Band 3 Hans-Ulrich Hensche, Christiane Wildraut, Norbert Lütke-Entrup und Harald Vogt:
Die Kooperation Landwirtschaft und Wasserwirtschaft im Einzugsgebiet der Stevertalsperre – Eine
Zwischenbilanz. 1995, 95 Seiten, ISBN 3-00-000397-5
Band 4 Qualitätsmanagement-Systeme und Ökobilanzen in der Landwirtschaft
Teil A: Norbert Lütke-Entrup, Ortrun Onnen und Hans-Ulrich Hensche:
Einführung der DIN EN ISO Norm 9000 ff. (Qualitätsmanagement-Systeme) in die Landwirtschaft.
Teil B: Norbert Lütke-Entrup, Britta Teichgräber und Petra Zerhusen-Blecher:
Energie- und Kohlendioxidbilanzen (Ökobilanzen) landwirtschaftlicher Betriebe.
1996, 110 Seiten, ISBN 3-00-000760-1
Band 5 Hans-Ulrich Hensche und Else Herwing-Hujer
Landbau-Studium in Soest – Ergebnisse einer Befragung. 1996, 59 Seiten, ISBN 3-00-000904-3
Band 6 Hans-Ulrich Hensche, Martin Spielhoff und Harald Vogt:
Analyse der Schweinfleischproduktion seit 1980 – Ein inter- und intraregionaler Vergleich.
1996, 252 Seiten, ISBN- 3-00-000923-X
Band 7 Hans-Ulrich Hensche, Martin Spielhoff und Harald Vogt:
Schweinefleischproduktion in 2000 und 2010 – Szenarien und zukunftsrobuste Strategien.
1998, 164 Seiten, ISBN 3-00-002487-5
Band 8 Mechthild Freitag, Hans-Ulrich Hensche, Heinrich Schulte-Sienbeck, Brigitte Reichelt:
Kritische Betrachtung des Einsatzes von Leistungsförderern in der Tierernährung.
1998, 199 Seiten, ISBN 3-00-003331-9
Band 9 Norbert Lütke-Entrup, Jobst Oehmichen, Hubertus Wieker, Franz-Ferdinand Gröblinghoff:
Stickstoffmineralisation des Bodens und Stickstoffbedarf im Maisanbau und Berücksichtigung
zeitabhängiger N-Sollwerte und verschiedener Standorte. 2001, 118 Seiten, ISBN 3-00-007307-8
Band 10 Norbert Lütke-Entrup, Reinhard Schüttert, Franz-Ferdinand Gröblinghoff, Hubert Kivelitz:
Langzeitwirkung integrierter Pflanzenbausysteme bei praxisgerechter Bewirtschaftung sowie
ökologischer und ökonomischer Bewertung. 2001, 174 Seiten, ISBN 3-935807-00-7
Band 11 Hans-Ulrich Hensche, Hubert Kivelitz:
Nachfragepotenzial für Öko-Produkte in Nordrhein-Westfalen.
2001, 153 Seiten, ISBN 3-935807-01-5
Band 12 Nils Brodowski, Norbert Lütke Entrup:
Untersaaten in Winterweizen in Abhängigkeit von Sortenwahl und Herbizideinsatz. 2001, 106 Seiten,
ISBN 3-935807-05-8
Band 13 Ortrun Onnen
Umweltschonende Verwertung von Klärschlamm in der Landwirtschaft, P-Wirkung des Klärschlammes
in Abhängigkeit von der P-Fällung und vom Substrat. 2001, 141 Seiten, ISBN 3-935807-06-6