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MODUS-COVID Bericht vom 20.01.2022
Sebastian Alexander Müller1, William Charlton1, Natasa Djurdjevac Conrad2, Ricardo
Ewert1, Sydney Paltra1, Christian Rakow1, Hanna Wulkow2, Tim Conrad2, Christof Schütte2,
Kai Nagel1
1Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik (“VSP”), TU Berlin
2Zuse-Inst. Berlin (“ZIB”)
Available via TU Berlin repository: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-14951
Date of this version: 20-january-2022
This work is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Website: https://covid-sim.info
1 Zusammenfassung
Die Mobilität ist über die Weihnachtsferien sowohl in Berlin als auch in Köln deutlich
zurückgegangen. Im Januar hat sich die aushäusig verbrachte Zeit wieder erhöht; das aktuelle
Niveau ist jedoch immer noch unter dem Niveau vor den Ferien (vgl. Abschnitt 2, S.1).
Die Omikron-Variante ist bekanntlich in den meisten Bundesländern inzwischen dominant, und
führt zu stark ansteigenden Inzidenzen, initial oft eine Verdoppelung pro Woche. Die noch
vorhandenen Schutzmaßnahmen, zusammen mit den zahlreichen noch nicht weit zurückliegenden
Boosterungen, verhindern einen noch schnelleren Anstieg (vgl. Abschnitt 3, S. 2).
Unsere Simulationen zeigen, dass freiwillige Verhaltensänderungen seitens der Bevölkerung,
welche über die formal angeordneten Maßnahmen hinaus gehen, deutliche Beiträge zur
Abflachung der Welle leisten würden. Dies betrifft insbesondere diejenigen Personenkreise, die
derzeit von vielen Maßnahmen ausgenommen sind, also insbesondere auch geboosterte
Personen (vgl. Abschnitt 4, S. 3).
2 Mobilitätsdaten
Die Entwicklung der aushäusigen Aktivitätendauern für Berlin und Köln sind in den beiden
folgenden Abbildungen dargestellt (Abb. 1). Im Vergleich lassen sich in beiden Regionen ähnliche
Entwicklungen erkennen. Die durchschnittlichen aushäusigen Aktivitätendauern sind seit dem
Ende der Herbstferien Mitte Oktober 2021 relativ gleichmäßig und kontinuierlich gesunken.
Während der Weihnachtsferien bzw. über den Jahreswechsel ist eine deutliche Reduzierung der
Dauern in beiden Regionen erkennbar. Anfang Januar sind die Dauern wieder angestiegen, wobei
die aushäusigen Aktivitätendauern etwas geringer sind als vor Weihnachten. In Köln ist dabei
insgesamt ein höheres Niveau zu erkennen als in Berlin. Auswertungen für alle Landkreise und
Bundesländer sind auf unserer Webseite https://covid-sim.info/mobility-counties/ abrufbar.
1
Abbildung 1: Im Mittel aushäusig verbrachte Zeit pro Person und Tag in Berlin (oben) und Köln
(unten); ermittelt aus anonymisierten Mobilfunkdaten. Rot: Mittelwerte über die Wochentage der
jeweiligen Woche. Gelb: Mittelwerte über die Wochenend- und Feiertage (einschl. Samstag) der
jeweiligen Woche. Eigene Darstellung; Datenquelle: Senozon (2020).
3 Derzeitige Situation aus Sicht unserer Modelle
In NRW hat sich der Anteil von Omikron ausgehend von sehr niedrigen Prozentzahlen (0,006%)
über mehrere Wochen jede Woche ca. vervierfacht. Ungefähr zum Jahreswechsel hat Omikron
die 50%-Schwelle überschritten, und seither dominiert es auch die Inzidenzen.
Auf der anderen Seite haben sich die absoluten Inzidenzen verursacht von der Delta-Variante
verringert. Unser Modell zeigt, dass dies mit einer Halbierung pro Woche passiert ist und dieser
Trend anhält.
Nun kann man beide Zahlen ins Verhältnis setzen: Die wöchentliche Vervierfachung des Anteils
der Omikron-Variante zusammen mit der wöchentlichen Halbierung der (Delta-)Inzidenzen lässt
insgesamt eine wöchentliche Verdoppelung der Omikron-Inzidenzen erwarten. In vielen
Bundesländern entsprach dies dem initialen Anstieg der Omikron-Inzidenzen. Inzwischen liegen
die wöchentlichen Wachstumsraten etwas niedriger, wobei unklar ist, ob dies vielleicht an einer
zunehmenden Untererfassung aufgrund hierfür nicht ausreichender Laborkapazitäten liegt.
2
Da in den unterschiedlichen Bundesländern Omikron zu unterschiedlichen Zeitpunkten dominant
wurde bzw. werden wird, unterscheiden sich dementsprechend auch die Zeitpunkte, ab welchen
dieser sehr starke Anstieg beginnt. Z.B. sind Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen gegenüber NRW ca. 2-3 Wochen verzögert. Entsprechend früher war dies in
Ländern wie Dänemark und dem Vereinigten Königreich zu beobachten gewesen, und auch in
Bremen.
Eine konstantes prozentuales Wachstum pro Woche ist aus Modell-Sicht ein konstanter Zustand.
In einem logarithmischen Plot zeigt sich dies als gerade Linie. Im üblicherweise verwendeten
linearen Plot steigen die Inzidenzen hingegen immer stärker an.
Aus politischer und gesellschaftlicher Sicht ist ein solches Wachstum über einen längeren Zeitraum
nicht tragbar, da die Anzahl der zusätzlichen Erkrankungen, Quarantäne-Fälle, Hospitalisierungen,
usw. jede Woche größer ist als in der Vorwoche. In absoluten Zahlen kann dieses multiplikative
oder exponentielle Wachstum sehr schnell sehr hohe Werte erreichen.
Die Booster-Kampagne hat in unserem Modell eine hohe Wirkung, da sie die Übertragung
reduziert. Unsere Simulationen zeigen, dass dies bereits ein wesentlicher Beitrag zur
Eindämmung der Delta-Welle war. In Bezug auf die Omikron-Welle reduziert z.B. die Boosterung
von 30% der Bevölkerung innerhalb eines Monats den R-Wert um ca. 20%. Die Immunisierung
durch durchgemachte Infektionen, vor allem in den Bundesländern mit niedriger Impfquote, hat
auch einen erheblichen dämpfenden Effekt auf das Infektionsgeschehen.
Wenn das Infektionswachstum nicht durch Schutzmaßnahmen reduziert wird, dann reduziert es
sich irgendwann dadurch, dass genügend Personen bereits infiziert waren und darum (zunächst)
immun sind. Bei den jetzt sehr hohen Inzidenzen sieht man erste Anzeichen dafür schon recht
früh, was sich in einer Abnahme der prozentualen wöchentlichen Inzidenzsteigerung ausdrückt (im
logarithmischen Plot sichtbar als Rechtskrümmung der ursprünglich geraden Inzidenzlinie). Dies
scheint in vielen Bundesländern bereits der Fall zu sein. Allerdings kann auch eine
Untererfassung, z.B. weil nicht mehr Testkapazitäten verfügbar sind, zu diesem Effekt führen.
Die Zeitpunkte und die Höhe der Scheitelpunkte von Viruswellen sind schwer vorherzusagen, weil
hier neben der nicht genau bekannten Immunisierung der Bevölkerung auch politische
Maßnahmen sowie zukünftige Verhaltensreaktionen der Bevölkerung starke Auswirkungen haben.
In den meisten unserer Szenarien sehen wir den Scheitelpunkt der Omikron-Welle aber im Februar
(siehe Abb. 2 unten).
4 Beiträge der Bevölkerung zum Abbremsen der
Infektionsdynamik
Die offiziellen Corona-Regeln sind teilweise recht kleinteilig. Dies liegt zum einen daran, dass sie
historisch gewachsen sind. Zum anderen liegt es daran, dass mit ihnen verschiedene Ziele
verfolgt werden, wie z.B. kurzfristige Verringerung der Infektionsdynamik, Setzen von
Impfanreizen, sowie die Vermeidung von Schließungen, etwa bei Restaurants oder Schulen. Wir
sehen die folgenden grundsätzlichen Beiträge, die jeder Mensch zum Abbremsen der
Infektionsdynamik leisten kann:
Immer:
Möglichst kein gleichzeitiger Aufenthalt in Innenräumen mit anderen Personen
abgesehen von Mitgliedern des eigenen Haushalts.
Wenn gleichzeitiger Aufenthalt nicht vermeidbar, dann möglichst viele der folgenden
Schutzmaßnahmen: gut sitzende FFP2-Maske; viel Lüften; möglichst geringe
Personendichte; kein lautes Singen/Sprechen; kurz vorher Schnelltest machen;
geboostert sein; möglichst kurz im Raum bleiben.
Wichtig: Dies alles gilt auch für private Besuche, und für die Arbeit.
3
Wenn infiziert: Nach einem positiven PCR- oder Schnelltest sollten die Regeln zur
häuslichen Isolation unbedingt eingehalten werden.
Kontaktpersonen: Als Kontaktperson einer infizierten Person sollte man ebenfalls in
Quarantäne gehen und ein tägliches Selbst-Monitoring inklusive täglichen Schnelltests
durchführen (nach Möglichkeit auch dann, wenn man frisch geimpft bzw. geboostert ist,
auch wenn dies über die aktuell geltenden Regeln hinausgeht). Dies gilt auch dann, wenn
man sich nur für einen kurzen Zeitraum mit einer infizierten Person in geschlossenen
Räumen aufgehalten hat. Zwar besteht möglicherweise kein Anspruch gegenüber dem
Arbeitgeber; in vielen Fällen sollte es allerdings trotzdem möglich sein, eine
einvernehmliche (Homeoffice-)Regelung zu finden. Schlussendlich ist es ja auch im
Interesse des Arbeitgebers, dass keine Infektionen in den Betrieb mitgebracht werden.
Die Boosterung reduziert zwar die Wahrscheinlichkeit von Ansteckungen, aber bei Omikron nur auf
ca. 50% des ursprünglichen Wertes ohne Impfung. Zudem nimmt der Schutz vor Infektion mit der
1
Zeit ab. Außerdem gibt es sogenannte virus-reiche Infektionskontexte, in denen man sich trotz
Schutzvorkehrungen (wie bspw. Masken oder Impfung) nahezu sicher ansteckt (Cheng et al.
2021). Schlussendlich reduzieren alle Impfungen, wenn bereits Symptome vorliegen, die
2
Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufes ebenfalls nur auf ca. 50% des Wertes ohne Impfung
(UK Health Security Agency 2021). Insgesamt hat dies zur Folge, dass die Boosterung zwar einen
großen Beitrag leistet zum Infektionsschutz und zur Reduzierung der Krankenhausbelastung, dass
der Schutz aber gleichzeitig nicht vollständig ist.
Nicht alle Personen werden obigen Empfehlungen in jeder Situation befolgen können oder wollen.
Aber je mehr Menschen dabei mitmachen, desto schneller wird die Infektionskurve abflachen, und
damit die Belastung (durch gleichzeitige Personalausfälle) des Systems verringern.
5 Mögliche Verläufe in den nächsten Wochen
Zur Orientierung zeigen wir im Folgenden mögliche Inzidenzverläufe für Köln. Die Kurven sind auf
andere Regionen mit ähnlicher Impfquote übertragbar, auch wenn die Kurven je nach Zeitpunkt
des Eintrags der Omikron-Variante früher oder später liegen.
Die drei Szenarien ergeben sich in unserem Modell aus dem Grad der (weitgehend freiwilligen)
Beteiligung der Bevölkerung an den im letzten Abschnitt angesprochenen Maßnahmen; für Details
siehe weiter unten. Wichtig ist auch, dass es sich um Inzidenzen unseres Modells handelt, und
nicht um Meldeinzidenzen. Letztere können z.B. wegen Dunkelziffer oder wegen
Laborüberlastungen deutlich niedriger ausfallen, und diese Verfälschungen sind bei insgesamt
hoher Inzidenz gravierender als bei insgesamt niedriger Inzidenz.
Folgende Punkte sind wichtig:
Der Scheitelpunkt der Omikron-Welle liegt bei allen Szenarien im Februar.
Eine breite freiwillige Beteiligung der Bevölkerung an den Maßnahmen kann die maximale
Höhe der Welle, und damit die maximale Belastung des Systems durch Krankschreibungen
und Quarantäne, sehr deutlich reduzieren.
2In bestimmten Kontexten (hohe Viruslast pro Kubikmeter Luft, langer Aufenthalt, etc.) kann eine
Ansteckung hingegen bereits lange vor Beendigung der Aktivität mit einer Wahrscheinlichkeit nahe eins
erfolgt sein. Eine Schutzmaßnahme verschiebt hier diesen Zeitpunkt nach hinten, verändert aber nicht das
endgültige Resultat. Typische Beispiele sind Infektionen im eigenen Haushalt, Aufenthalte in
Clubs/Bars/Restaurants, private Besuche mit mehrstündigen Dauern.
1Aus britischen Daten (UK Health Security Agency 2021) ergibt sich ein initialer Schutz vor
symptomatischer Erkrankung durch Omikron nach Biontech-Boosterung von ca. 70%. Der Schutz gegen
Infektion also einschl. asymptomatischer Verläufe muss noch niedriger liegen. Laut unserem auf dem
Antikörperlevel aufbauenden Modell ist eine frisch geboosterte Person zu ca. 55% vor einer
Omikron-Infektion geschützt.
4
Die verschiedenen Verläufe in Abb. 2 zeigen deutlich, dass eine Verhaltensanpassung der
Bevölkerung einen starken Effekt haben kann. Insbesondere eine Reduktion der privaten Besuche
und der öffentlichen Freizeitaktivitäten (wie z.B. Restaurantbesuche) hätten laut unserem Modell
einen großen Einfluss auf den Scheitelpunkt der Welle.
Abbildung 2: Simulierte 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 EinwohnerInnen für 3 verschiedene
Szenarien. Das blaue Szenario wird sehr wahrscheinlich nicht eintreten, da bei solch hohen
Infektionszahlen mit einer Verhaltensanpassung der Bevölkerung zu rechnen ist. Dargestellt sind
die simulierten Inzidenzen ohne Dunkelziffer und ohne Überlastung der Labore.
Szenario 1: Beibehaltung des aktuellen Aktivitätsniveaus, keine Quarantäne für geboosterte
Kontaktpersonen, nur sehr eingeschränkt funktionierende Kontaktnachverfolgung.
Szenario 2: Reduktion der Freizeitaktivitäten (inkl. Gastronomie und private Besuche) auf 75% des
jetzigen Niveaus, verbesserte Kontaktnachverfolgung (auch durch Eigenverantwortung in der
Bevölkerung), Quarantäne auch für geboosterte Kontaktpersonen.
Szenario 3: Reduktion der Freizeitaktivitäten auf 50% des jetzigen Niveaus, sonst wie Szenario 2.
Die Resultate basieren auf den folgenden Simulationen: Szenario 1,Szenario 2,Szenario 3
6 Kontaktreduzierende Maßnahmen
Wir haben mit unserem Modell verschiedene Maßnahmen im Bereich der Kontaktreduktion sowie
Maßnahmen im Bereich des Quarantäne-Verhaltens simuliert. Letztere finden sich in einem
Abschnitt weiter unten. Im Bereich der Kontaktreduktion ergeben sich folgende relevante Punkte:
Zusätzliche Kontaktreduktionen im Freizeitbereich nur für Personen ohne Immunstatus
haben laut unserem Modell keinen wesentlichen Effekt auf die Gesamtdynamik.
Zusätzliche Kontaktreduktionen im Freizeitbereich für Personen mit Immunstatus bremsen
die Dynamik deutlich ab. Dieser Effekt ist zu erwarten, da einerseits Personen mit
Immunstatus deutlich in der Mehrheit sind (auch bei den Infektionen) und andererseits für
diese Personengruppe schwächere Maßnahmen gelten. Laut Modell ist hier mit einer
Reduktion des R-Wertes von ca. 15% 25% zu rechnen (je nachdem wie stark die
Kontakte reduziert werden).
Wenn der Immunstatus bereits nach 3 Monaten seine Gültigkeit verliert, reduziert dies den
R-Wert deutlich um ca. 10%. Das liegt daran, dass dann Personen, die den Status
verlieren, von den 2G-Regeln im Freizeitbereich und von den 3G-Regeln am Arbeitsplatz
betroffen sind.
Zusätzliche Maßnahmen in Schulen reduzieren laut Modell den R-Wert insgesamt um ca.
5%.
Kombinationen der oben beschriebenen Maßnahmen bzw. Verhaltensänderungen wirken
stärker als die Einzelmaßnahmen. Je nach Umsetzung ist hier eine Reduktion des
R-Wertes um bis zu 35% möglich.
5
Gültigkeit
Immunstatus
Freizeit f. Personen
ohne Immunstatus
Freizeit f. Personen mit
Immunstatus
Schule
Reduktion des
R-Wertes
9 Monate
75%
100%
0%
9 Monate
75%
100%
geschützt
-5%
9 Monate
50%
100%
-5%
9 Monate
50%
100%
geschützt
-5%
3 Monate
75%
100%
-10%
3 Monate
75%
100%
geschützt
-10%
9 Monate
75%
75%
-15%
3 Monate
50%
100%
-15%
9 Monate
50%
75%
-15%
3 Monate
75%
75%
-20%
3 Monate
50%
100%
geschützt
-20%
9 Monate
75%
75%
geschützt
-20%
9 Monate
50%
75%
geschützt
-20%
3 Monate
75%
75%
geschützt
-20%
3 Monate
50%
75%
-25%
9 Monate
75%
50%
-25%
3 Monate
75%
50%
-25%
9 Monate
50%
50%
-25%
3 Monate
50%
75%
geschützt
-30%
3 Monate
50%
50%
-30%
3 Monate
75%
50%
geschützt
-30%
9 Monate
75%
50%
geschützt
-30%
3 Monate
50%
50%
geschützt
-35%
3 Monate
50%
50%
geschützt
-35%
Tabelle 1: Darstellung der mithilfe des Modells berechneten relativen Reduktionen des R-Wertes
für die verschiedene Maßnahmenkombinationen. Die in grün gekennzeichneten Felder
verdeutlichen, dass sich die Wirkung dieser Maßnahme im Vergleich zum Basisszenario
verbessert hat. Die Beschreibungen der einzelnen Maßnahmen sind im Anschluss an die Tabelle
beschrieben. Die Resultate basieren auf den folgenden Simulationen:
https://covid-sim.info/cologne/2022-01-18/2?leis=1.0&leisUnv=0.75&daysImmuneQ=current
Immunstatus: Personen verlieren 3 oder 9 Monate nach der letzten Impfung oder Infektion den
Immunstatus (das bedeutet, dass sie vor Arbeitsaktivitäten einen Test machen und bzgl.
Freizeitniveau von der 3. Spalte in die 2. Spalte wechseln). Dies ist nicht genau analog zu den
aktuell geltenden Regeln, zeigt jedoch den Effekt, wenn Personen sich vorsichtig verhalten, deren
letzte Impfung oder Infektion bereits länger in der Vergangenheit liegt.3
Freizeit für Personen ohne Immunstatus: Personen ohne Immunstatus führen 75% oder 50%
der aktuell stattfindenden Aktivitäten durch. 75% entsprechen in etwa 2G im öffentlichen
Freizeitbereich für Personen ohne Immunstatus; 50% entsprechen darüber hinausgehenden
Einschränkungen, z.B. bei privaten Besuchen.
Freizeit für Personen mit Immunstatus: Personen mit Immunstatus führen 100%, 75% oder 50%
der aktuell stattfindenden Aktivitäten durch. “50% der derzeitigen (bereits reduzierten) Aktivitäten”
wäre eine unrealistisch starke Reduktion; selbst in der ersten Welle wurden immer mindestens
60% der (normalen) Aktivitäten durchgeführt.
3Dies ist als Maßnahme für die Zukunft gerechnet; in der Vergangenheit verlieren
Geimpfte/Geboosterte ihren Status nicht.
6
Schule: Geschützt bedeutet, dass die Schulen durch eine Kombination aus häufigem Testen,
FFP2-Maskenpflicht und verbesserter Belüftung so sehr geschützt werden, dass dort kein
nennenswerter Anteil an Infektionen mehr stattfindet.
Generell gehen wir davon aus, dass alle Personen sich vor 20% der Freizeitaktivitäten testen
lassen. Nach den geltenden Regeln wäre dies für Geboosterte nicht notwendig. Wir gehen jedoch
davon aus, dass dies auf freiwilliger Basis bspw. mit Selbsttests passiert.
7 Quarantänemaßnahmen für Kontaktpersonen
Als zweiten Block von Maßnahmen haben wir Veränderungen bei der Quarantäne von
Kontaktpersonen gerechnet. Hier ergeben sich folgende relevante Punkte:
Die Verkürzung der Quarantänezeit von Kontaktpersonen von 14 auf 10 Tagen macht im
Modell keinen wahrnehmbaren Unterschied. Das Modell setzt allerdings voraus, dass
infizierte Fälle nach 10 Tagen sicher erkannt werden.
Mit einer Kontaktnachverfolgungskapazität von ca. 50 neuen Fällen innerhalb von einer
Woche pro 100k Einwohner haben Änderungen der Quarantäneregeln bei den aktuell
hohen Infektionszahlen keinen wahrnehmbaren Einfluss.
Mit einer erhöhten Kontaktnachverfolgungskapazität, welche mit den aktuellen und
zukünftigen Infektionszahlen zurechtkommt, sowie deutlich beschleunigter Bearbeitung
(Quarantäne-Beginn bereits ein Tag nach Symptombeginn des Index-Falles) ergeben sich
hingegen deutliche Effekte. Diese beiden Elemente können auch durch freiwillige
Beteiligung der Bevölkerung erreicht werden. Unter dieser Basisvoraussetzung gilt:
Derzeit verlieren Geimpfte/Genesene 3 Monate nach Impfung/Infektion sowie
Geboosterte nie ihren Immunstatus, und müssen nicht in Quarantäne. Wenn alle
Kontaktpersonen sofort in Quarantäne gehen, dann reduziert sich der R-Wert um
10%. Auch hier macht sich sehr deutlich die Beteiligung geimpfter und geboosterter
Personen am Infektionsgeschehen bemerkbar.
Ein Ersetzen der Quarantäne durch tägliches (Antigen-)Testen reduziert
hinwiederum die Wirkung der Maßnahmen. Eine Absenkung des R-Wertes um 10%
kann hiermit in keiner Konfiguration erreicht werden.
Quarantäneregel
Quarantänedauer
Strategie
Reduktion des
R-Wertes
3 Monate / nie
10 Tage
Zu Hause
0%
3 Monate / nie
10 Tage
Testen statt
Quarantäne
0%
3 Monate / nie
10 Tage
Zu Hause
-5%
1,5 Monate / 3 Monate
10 Tage
Testen statt
Quarantäne
-5%
1,5 Monate / 3 Monate
10 Tage
Zu Hause
-5%
sofort / sofort
10 Tage
Testen statt
Quarantäne
-5%
sofort / sofort
10 Tage
Zu Hause
-10%
Tabelle 2: Darstellung der mithilfe des Modells berechneten relativen Reduktionen des R-Wertes
für die verschiedene Maßnahmenkombinationen. Die in grün gekennzeichneten Felder
verdeutlichen, dass sich die Wirkung dieser Maßnahme im Vergleich zum Basisszenario
verbessert hat. Die in gelb gekennzeichneten Felder verdeutlichen hingegen eine
Verschlechterung. Die Beschreibungen der einzelnen Maßnahmen sind im Anschluss an die
Tabelle beschrieben. Die Resultate basieren auf den folgenden Simulationen:
https://covid-sim.info/cologne/2022-01-18/2?leis=1.0&leisUnv=0.75&daysImmuneQ=current
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Quarantäneregel: Personen müssen nach einer bestimmten Zeit nach Impfung/Genesung in
Quarantäne, wenn sie Kontaktperson einer infektiösen Person sind. Der erste Wert ist die Zeit für
Geimpfte/Genesene und der zweite Wert für Geboosterte und Personen die sowohl geimpft als
auch genesen sind.
Quarantänedauer: Alle Personen, die in Quarantäne gehen, machen dies für 10 Tage, außer sie
erkranken innerhalb der 10 Tage.
Strategie: “Zu Hause”: Personen gehen in häusliche Quarantäne, “Testen statt Quarantäne”:
Personen gehen nicht in häusliche Quarantäne und führen stattdessen 10 Tage lang tägliche
Schnelltests durch.
Kontaktnachverfolgung: Im Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Kontaktnachverfolgung
nur für wenige Infektionen zu leisten ist. In den anderen Szenarien ist sie verbessert, hat also
ausreichende Kapazitäten für die aktuellen und die zukünftigen Infektionszahlen. Die
Benachrichtigung der Kontakte erfolgt innerhalb eines Tages nach Symptombeginn der
Index-Person.
8 Schlussfolgerungen
In der öffentlichen Kommunikation sollte klargestellt werden, dass sich auch Geboosterte
am Infektionsgeschehen mit deutlicher Wirkung beteiligen.
Als Konsequenz sollten auch Geboosterte ungeschützte Aufenthalte in Innenräumen
reduzieren und möglichst vermeiden.
Als weitere Konsequenz sollten alle Kontaktpersonen von Infizierten möglichst 10 Tage
zu Hause bleiben. Nur in denjenigen Fällen, in denen dies nicht möglich ist, sollte die
Quarantäne erleichtert werden. Dabei sollte auf regelmäßiges Testen der Personen nicht
verzichtet werden.
Beide Maßnahmen zusammen, wenn breit durchgeführt, senken den R-Wert um ca.
30%, ziehen den Scheitelpunkt der Welle um ca. 10 Tage vor, und senken die maximalen
Inzidenzen um ca. ein Drittel.
Alle diese Maßnahmen können auch auf Freiwilligkeit beruhend durchgeführt werden.
Quellen
Cheng, Yafang, Nan Ma, Christian Witt, Steffen Rapp, Philipp S. Wild, Meinrat O. Andreae, Ulrich
Pöschl, and Hang Su. 2021. “Face Masks Effectively Limit the Probability of SARS-CoV-2
Transmission.” Science, May. https://doi.org/10.1126/science.abg6296.
Senozon. 2020. “The Senozon Mobility Model.” The Senozon Mobility Model. 2020.
https://senozon.com/en/model/.
UK Health Security Agency. 2021. “Investigation of SARS-CoV-2 Variants: Technical Briefing 34.”
GOV.UK. October 1, 2021.
https://www.gov.uk/government/publications/investigation-of-sars-cov-2-variants-technical-brief
ings.
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