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[en] (orig)
I
ULTRASCHALL-KOMBINIERTE PROZESSFÜHRUNG BEI
DER PASTEURISIERUNG UND STERILISIERUNG
FLÜSSIGER LEBENSMITTEL
vorgelegt von
Marco Zenker
Von der Fakultät III – Prozeßwissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
genehmigte Dissertation
Berlin 2004
D 83
II
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr. Dr. e. h. F. Meuser
Berichter: Prof. Dr. Dipl.-Ing. D. Knorr
Berichter: Prof. Dr.-Ing. K. Sommer
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 05.07.2004
III
Vorwort
Die vorliegende Arbeit entstand während meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitar-
beiter am Fachgebiet für Lebensmittelbiotechnologie und -prozesstechnik der Techni-
schen Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Dipl.-Ing. Dietrich Knorr. Ihm gilt
mein besonderer Dank für die Überlassung des Themas, die dazugehörige Unterstützung
und Förderung sowie die in großem Maße gewährte wissenschaftliche Freiheit bei der
Bearbeitung.
Mein besonderer Dank gilt weiterhin Herrn Dr.-Ing. Volker Heinz für die zahlreichen
Diskussionen zum Forschungsgegenstand und darüber hinaus für die intensive Unterstüt-
zung im Austausch mit Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland. Seine Ratschläge
sowie die aus den Kontakten gewonnenen Fachinformationen haben wesentlich zu
meinem Verständnis der untersuchten Technologie und zum Gelingen der Arbeit beige-
tragen.
Herrn Prof. Dr. Dr. e. h. F. Meuser danke ich für die Übernahme des Vorsitzes im Promo-
tionsausschuss und Herrn Prof. Dr.-Ing. K. Sommer für seine Bereitschaft als Gutachter
mitzuwirken.
Mein herzlicher Dank gilt den Kollegen und Mitarbeitern Gabi Ehrlich und Irene Hemme-
rich für die Unterstützung bei Problemen mit der Analytik, Stefan Boguslawski und Oliver
Schlüter für die Hilfestellung bei programm- oder messtechnischen Fragestellungen und
Martin Bunzeit für die fachmännische Hilfe bei der Durchführung der mikrobiologischen
Untersuchungen. Allen weiteren Kollegen, studentischen Mitarbeitern und Diplomanten
die am Zustandekommen der Arbeit beteiligt waren danke ich ebenfalls.
Nicht zuletzt gilt der Dank meiner Familie und meinen Freunden, durch die ich steten
Rückhalt erfahren habe. Ich danke Hugo und Hilde Aßmann sowie Heiner und Helga
Jäckel für ihre direkte und indirekte Hilfe, ihre moralische Unterstützung und Anerken-
nung.
Mit der Beihilfe meiner damaligen Lebensgefährtin Grit ist ein wesentlicher Anteil dieser
Arbeit verbunden. Ich danke ihr für ihren Humor, ihre Geduld und für die ertragenen
Entbehrungen.
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
IV
Zusammenfassung
Im Rahmen der Optimierung und Weiterentwicklung existenter Konservierungsprozesse werden
unter anderem Möglichkeiten von Verfahrenskombinationen untersucht. Hierbei steht besonders
die produktschonende und energieeffiziente Verarbeitung im Vordergrund. In diesem Zusammen-
hang wurde die ultraschall-kombinierte Prozessführung bei der Pasteurisierung und Sterilisierung
flüssiger Lebensmittel untersucht. Durch die Nutzung des Synergieeffektes von Ultraschall und
Temperatur können Bakterien aber auch Bakteriensporen mit einer höheren Inaktivierungsrate
abgetötet werden als dies durch die alleinige thermische Behandlung möglich ist. Dadurch besteht
die Möglichkeit, Pasteurisations- oder Sterilisationsprozesse ohne einen Verlust ihrer letalen
Wirkung auf einem niedrigeren Temperaturniveau und/oder bei verkürzter Prozeßzeit durchzufüh-
ren. Die Qualitätsverbesserung behandelter Produkte aber auch die Einsparung an Prozessenergie
könnte dadurch verwirklicht werden.
In der vorliegenden Arbeit sollte die Wirksamkeit der Kombinationsbehandlung in dem für die
Praxis relevanten Durchflussbetrieb untersucht werden. Zur Realisierung des Vorhabens wurde
eine kontinuierlich arbeitende Versuchsanlage gebaut, mit deren Hilfe ultraschall-kombinierte und
zum Vergleich konventionell-thermische Behandlungen durchgeführt werden konnten. Die Anlage
ermöglichte den Schallwelleneinsatz direkt im Anschluss an die Erhitzung, die wahlweise mittels
indirekter oder direkter Wärmeübertragung vorgenommen wurde.
Zur Auslegung wichtiger Anlagenaggregate und zur späteren Auswertung der im kontinuierlichen
System erzielten Ergebnisse wurden für die ausgewählten Testkeime E. coli K12 DH 5
α
, L. acido-
philus und B. stearothermophilus die für die Inaktivierung notwendigen Prozessabhängigkeiten
ermittelt. Die Daten wurden formalkinetisch ausgewertet. Als die bestimmenden Hauptfaktoren
wurde der Einfluss der Temperatur, der Schallwellenamplitude, des Behandlungsdruckes und der
-zeit sowie des umgebenden Mediums untersucht.
Um einen energieeffizienten Ablauf der Kombinationsbehandlung zu gewährleisten, sollte ein,
hinsichtlich des Volumens, optimierter Ultraschallreaktor konstruiert werden. Zu diesem Zweck
wurden zunächst Hydrophonmessungen dazu eingesetzt, die verwendete Schallquelle näher zu
charakterisieren. Neben Aussagen zur Schallabstrahlung und -leitung konnten bei verschiedenen
Leistungseinstellungen des Wandlers die genutzte Ultraschalleistung, die Schalldruckverteilung
und auf indirektem Wege die räumliche Ausdehnung der Kavitationsblasenwolke bestimmt werden.
Darüber hinaus wurde das Verweilzeitverhalten des Reaktors untersucht. Basierend auf den
Ergebnissen zur gemessenen Schalldruck- und Verweilzeitverteilung wurde eine Optimierungs-
rechnung zur erzielbaren Inaktivierungsleistung des Reaktors in Abhängigkeit des Reaktorvolu-
mens sowie der Betriebsparameter Volumenstrom und spezifischer Energieeintrag durchgeführt.
Mit Hilfe der Berechnung konnte die noch fehlende Reaktorlänge, als zweite Randbedingung des
Reaktorvolumens, festgelegt werden. Im Anschluss an die Optimierungsarbeiten wurde die Kombi-
nationsbehandlung exemplarisch für Keimreduktionen in Pufferlösung und Orangensaft getestet.
Schwerpunktmässig konzentrierten sich die Untersuchungen auf den Nachweis der verbesserten
Keiminaktivierung, die sensorische und ernährungsphysiologische Evaluierung des konservierten
Saftes sowie die Klärung der Frage nach der Energiewirtschaftlichkeit. Für den objektiven
Vergleich zwischen thermischer und akustisch-thermischer Behandlung erfolgte die Prozessbe-
wertung entweder auf der Grundlage der aus den reaktionskinetischen Betrachtungen abgeleiteten
Pasteurisations- bzw. Sterilisationswerten (F-Werte) oder aus den experimentell bestimmten
Inaktivierungsresultaten.
In der kontinuierlich durchströmten Versuchsanlage wurde infolge der Kombinationsbehandlung
eine verbesserte Keimabtötung bei allen Testkeimen nachgewiesen. Die Quantifizierung des
eingetretenen Effektes führte zu Aussagen bezüglich der Reduzierbarkeit des Temperaturniveaus
und der Behandlungsdauer. Infolge der thermischen und akustisch-thermischen Verfahrensanwen-
dungen ergaben sich verarbeitungstechnisch bedingt, unterschiedliche Saftqualitäten. Es konnte
nachgewiesen werden, dass die akustisch-thermisch behandelten Säfte mit verbesserten
Lagerungseigenschaften im Hinblick auf einen reduzierten Ascorbinsäureabbau und eine erhöhte
Stabilität der Farbhelligkeit hergestellt werden konnten. In den energiewirtschaftlichen Untersu-
chungen konnte ein geringerer Energieverbrauch für die ultraschall-unterstützte Verfahrensanwen-
dung nicht bestätigt werden. Zwar konnte der Aufwand an Wärmeenergie reduziert werden, jedoch
ergab sich, wegen des hohen Verbrauches an elektrischer Energie zur Ultraschallerzeugung, ein
höherer Gesamtenergieverbrauch.
V
Inhaltsverzeichnis
Symbolverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Theoretische Grundlagen 4
2.1 Ultraschall erzeugendes System
2.2 Schallausbreitung in flüssigen Medien
2.3 Wirkmechanismen im Schallfeld
2.3.1 Kavitation
2.3.2 Radikalbildung
2.4 Bakterielle Schädigung und Inaktivierung
2.4.1 Thermische Zellschädigung
2.4.2 Ultraschall induzierte Zellschädigung
4
4
5
5
10
11
11
13
3 Material und Methoden 16
3.1 Testorganismen
3.2 Behandlungsmedien
3.3 Versuchsdurchführung
3.3.1 Laborexperimente
3.3.2 Anlagenexperimente
3.4 Druckapparat
3.5 Pilotanlage
3.6 Schalleistung und Schalldruckverteilung
3.7 Verweilzeitanalyse
3.8 Keimzahlbestimmung
3.9 Ascorbinsäurenachweis
3.10 ESR Messung
3.11 Radikalbildungsaktivität
3.12 Antioxidative Aktivität
3.13 Sensorik (Dreieckstest)
3.14 Instrumentelle Farbmessung
16
16
17
17
18
20
21
24
25
26
26
26
27
27
29
30
4 Ergebnisse und Diskussion 31
4.1 Ultraschallreaktor
4.1.1 Anforderungen
4.1.2 Auslegung
4.1.3 Reaktorvolumen
4.2 Keiminaktivierung
4.2.1 Laborexperimente
31
31
33
38
49
49
VI
4.2.2 Anlagenexperimente
4.3 Produktanalyse
4.3.1 L-Ascorbinsäure
4.3.2 Radikalbildungsaktivität
4.3.3 Antioxitative Aktivität
4.3.4 Sensorik
4.3.5 Instrumentelle Farbanalyse
4.4 Energieeffizienzanalyse
52
55
55
57
59
62
63
67
5 Zusammenfassung und Schlussfolgerung 69
6 Ausblick 72
Anhang 74
Literaturverzeichnis 86
Veröffentlichungen
Lebenslauf
VII
Symbolverzeichnis
Symbol Bedeutung Einheit
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
A
A0
AA
AK
ATCC
ATP
CCRC
DNA
DSMZ
D-Wert
Ea
ES
ESR
E(t)
E
F-Wert
IS
KBE
L*
N
PA
PE
PG
PL
PS
PBN
Q
RNA
T
TR
TDT
UIP
V
V
Z0
ZKo
Modellparameter
Strahleroberfläche
antioxidative Aktivität
(Radikalmenge, die innerhalb von 10 min von 1 L
Probeflüssigkeit reduziert wird)
antioxidative Kapazität
(Radikalmenge, die innerhalb von 10 min durch 1
Mol Antioxidanz [Einzelsubstanz] reduziert wird)
American Type Culture Collection
Adenosintriphosphat
Culture Collection Research Center
Desoxyribonucleinsäure
Deutsche Stammsammlung für Mikroorganismen
und Zellkulturen
Dezimalreduktionszeit
Aktivierungsenergie
spezifischer Energieeintrag
Elektron-Spin-Resonanz
Verweilzeitverteilungsfunktion
Gesamtfarbabstand
Sterilisationswert
Schallintensität
Koloniebildende Einheiten
Farbhelligkeit
Keimzahl
Generatoraufnahmeleistung unter Last
Effektive Schalleistung
Schalleistung an der Grenze des Kavitationsfeldes
Generatoraufnahmeleistung für Leerlaufbetrieb
Schalleistung
N-tert-Butyl-
α
-phenylnitron
Volumenschnelle
Ribonucleinsäure
Temperatur
Referenztemperatur (60 bzw. 121°C)
Thermal dead time
Ultraschall Industrie Prozessor
Volumen
Volumendurchsatz
Spezifische Schallimpedanz des Mediums
Strahlungsimpedanz des Kolbenstrahlers
[m2]
[mmol Fremys-Salz/L]
[mol Fremys-Salz/mol]
[s]
[J/mol]
[kJ/kg]
[s-1]
[s]
[W/cm²]
[W]
[W]
[W]
[W]
[W]
[m³/s]
[°C]
[°C]
[m3]
[m3/h]
[kg/s·m2]
[kg/s]
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
a*
b*
c
cS
cp
f
h
k
l
m, n
p
Farbton (rot-grün)
Farbton (gelb-blau)
Konzentration, Parameter der Exponentialfunktion
Schallgeschwindigkeit
spezifische Wärmekapazität bei konstantem Druck
Schallfrequenz
spezifische Enthalpie
Geschwindigkeitskonstante, Wellenzahl
Länge
Steigung, Schnittpunkt Ordinate
Druck
[mol/l]/[-]
[m/s]
[J/kg·K]
[Hz]
[J/kg]/[m-1]
[1/s]
[m]
[MPa]
VIII
r2
rKo
t
y
z-Wert
Regressionskoeffizient
Radius Kolbenstrahler
Zeit
Schallwellenamplitude
Dezimalreduktionstemperatur
[m]
[s]
[µm]
[°C]
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
α
λ
η
ν
ρ
θ
σ
τ
Absorptionskoeffizient
Wellenlänge
Änderung
Viskosität
Schallschnelle
Dichte
Normierte Verweilzeit
Oberflächenspannung
Mittlere Verweilzeit
[1/m]
[m]
[Pa·s]
[m/s]
[kg/m3]
[-]
[kg/s2]
[s]
Einleitung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
1
1 Einleitung
Ultraschall kann von Schallprozessoren bedingt durch seine hohen Frequenzen (20-107
kHz) und die sich daraus ergebenden kurzen Wellenlängen in stark gebündelter Form
abgestrahlt werden. Auf diese Weise läßt er sich auf eng begrenzte Bereiche konzentrie-
ren, wodurch in beschallten Medien hohe Energie- bzw. Leistungsdichten (10-1000
W/cm2) erzielt werden können. In Abhängigkeit der angewendeten Intensität und der Art
des Mediums treten hierbei verschiedene mechanische, thermische oder biochemische
Effekte auf, die ihn für eine Vielzahl praktischer Anwendungen interessant machen.
Von besonderer Bedeutung ist der Effekt der ultraschallinduzierten Kavitation. Er beruht
auf den physikalischen Vorgängen, die durch Einwirkung eines zyklischen Wechsel-
druckes in Flüssigkeiten entstehen (Dekompression, Implosion usw.) und ist stets
Ursache von weiteren Wirkungen, die als Begleiterscheinungen auftreten. Neben der
hydrodynamischen Scherung, hervorgerufen durch Mikroströmungen oder Schockwellen,
gehören die Kompressionserhitzung, die freie Radikalbildung und die elektrische Ent-
ladung (Sonolumineszenz) zu den wichtigsten. In Übereinstimmung der genannten sowie
einer Reihe weiterer Ultraschallwirkungen, wie der Schallabsorption, der Grenzflächen-
reibung oder dem Strahlungsdruck ist Ultraschall auch für lebensmitteltechnologische
Anwendungen geprüft worden (Knorr et al., 2002; Knorr, 2003). Er fand Einsatz bei der
Herstellung von Homogenisaten (Gaffney, 1997), von Extrakten (Moulton und Wang,
1982; Zayas, 1986; Kim und Zayas, 1991; Roberts, 1993; Buckow et al., 2001) oder der
Bildung von Emulsionen (Mason et al., 1996, 1998; Abismail et al., 1999; Behrend, 2000;
Behrend 2001). Das Schneiden von gefrorenen oder weichen Lebensmitteln (Rawson,
1989; Schneider et al., 2001), das Schweißen von Verpackungsmitteln, die Inaktivierung
von Enzymen (Gennaro, 1999; Lopez, 1994) und der Aufschluß bzw. die Abtötung von
bakteriellen Zellen (Earnshaw, 1998; Lillard, 1994; Sala, 1995; Wrigley und Llorca, 1992)
stellten weitere zentrale Einsatzgebiete dar. Eine Gesamtübersicht zu den bestehenden
Applikationen unter Angabe der genutzten Frequenz- und Amplitudenbereiche gibt hierzu
Abbildung 1. Die Klassifizierung der Anwendungen erfolgt im Allgemeinen entsprechend
Tabelle 1 unter Bezugnahme auf die erzeugte Schallenergie. Diese wird durch die
Angabe der Schalleistung (W), der Schallintensität (W/cm2) oder der Schallenergiedichte
(W/cm3) charakterisiert.
Die bakterizide Wirkung hochfrequenter Ultraschallwellen wird auf die während der Schall-
behandlung im wässrigen Medium auftretende Kavitation und ihre unmittelbaren Folgeer-
scheinungen wie Scherwirkung, Druckwirkung, lokale Erhitzung und freie Radikalbildung
zurückgeführt (Hyghes und Nyborg, 1962; Save et al., 1994). Sie beruht auf einer Schädi-
gung der Zellwand, der Zellmembran sowie weiterer funktionaler Zelleinheiten deren
Wirkmechanismen aber noch größtenteils unbekannt sind. Bei entsprechendem Energie-
eintrag können so, stammabhängig, bei Bakterien erhebliche Keimzahlreduktionen
erreicht werden.
Bei Ultraschallintensitäten, die die Qualität von behandelten Lebensmitteln nicht oder nur
geringfügig beeinflussen, ist der Effekt zur Keimreduzierung jedoch oft ungenügend. Dies
gilt besonders für die Inaktivierung von Sporen oder von vegetativen Bakterien mit positi-
Einleitung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
2
vem Gramverhalten. Darüber hinaus gestaltet sich die Abtötung von Keimen in inhomoge-
nen und fettreichen Medien als besonders schwierig. Hinreichende Erfolge dagegen sind
bei Ultraschallbehandlungen, die bei erhöhten Temperaturen durchgeführt werden erziel-
bar. Hierbei ergibt sich der besondere Vorteil, daß vegetative aber auch sporenbildende
Keime aufgrund eines auftretenden synergistischen Effektes in deutlich größerem Maße
geschwächt oder inaktiviert werden können, als dies durch eine ausschließlich thermische
oder akustische Behandlung möglich ist (Raso, 1997). Der Ultraschalleinsatz bietet
deshalb die Möglichkeit, thermische Behandlungen zur Erreichung mikrobieller Stabilität
auf einem niedrigeren Temperaturniveau und/oder mit verkürzter Prozeßzeit durchzufüh-
ren (Mason, 1996). Die Qualitätsverbesserung behandelter Produkte, aber auch die
Einsparung an Prozessenergie, könnte dadurch verwirklicht werden.
Veröffentlichte Studien zur Kombinationswirkung von Ultraschall und Temperatur wurden
zum größten Teil im Labormaßstab und dabei überwiegend diskontinuierlich durchgeführt.
In ihnen wurde zunächst der Einfluß wichtiger Prozeßparameter wie z. B. der Schallampli-
tude, dem statischen Druck, der Temperatur oder der Zusammensetzung des
Behandlungsmediums auf den letalen Effekt untersucht (Raso et al., 1998; Pagan et al.,
1999). Später folgten Analysen in kontinuierlich arbeitenden Apparaturen, in denen auch
die Nutzbarkeit zur Optimierung bestehender Erhitzungsprozesse geprüft wurde. Verglei-
chende Studien zwischen konventioneller und ultraschall-kombinierter Erhitzung liegen
hier z. B. von Villamiel (2000) zur Inaktivierung von P. fluorescens und S. thermophilus in
Milch sowie Williams et al. (1999) zur Keimreduktion von L. monozytogenes und Z. bailii in
Orangensaft und Milch vor. Detaillierte Untersuchungen, in denen neben dem letalen
10
0
10
1
10
2
10
3
Amplitude [µm]
10
1
10
2
10
3
10
4
Frequenz [kHz]
Homogenisation
Emulsifikation
Dissolution
Zartmachung
Stimmulation lebender Zellen
Prozesskontrolle
Zerstörungsfreie Prüfung
Schween (Verpackung)
Verbesserung der Wärmeübertragung
Bakterieninaktivierung
Enzyminaktivierung / -aktivierung
Zellaufschluss
Filtration
Extraktion
Trocknung
Entgasung
Hydration
Rehydration
Kristallisation
Reinigung
Sieben
Schneiden
Abb. 1:
Ultraschallanwendungen in der Lebensmittelwissenschaft und –technologie
in Abhängigkeit der genutzten Frequenz- und Amplitudenbereiche.
Einleitung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
3
Effekt auf Keime auch energie- und qualitätsbezogene Daten erfaßt wurden, sind jedoch
rar.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin, die Wirksamkeit der ultraschall-kombi-
nierten Behandlung in dem für die Praxis relevanten Durchflußbetrieb zu untersuchen. Als
Probemedium sollte neben gepufferter Modellösung ein reales Lebensmittelerzeugnis
zum Einsatz kommen. Zur Realisierung des Vorhabens wurde eine kontinuierlich arbei-
tende Versuchsanlage gebaut, mit deren Hilfe konventionell-thermische und zum
Vergleich ultraschall-kombinierte Behandlungen durchgeführt werden konnten. An
ausgewählten Testkeimen wurde zunächst in Laborversuchen, die zur Inaktivierung
notwendigen Prozessabhängigkeiten und hierbei, als die wesentlichen Hauptfaktoren, der
Einfluss der Temperatur, der Schallwellenamplitude, des Behandlungsdruckes und der
Behandlungszeit sowie des umgebenden Mediums ermittelt.
Nach dem Bau der Versuchsanlage sollte neben der Erprobung der verbesserten Keim-
inaktivierung die sensorische und ernährungsphysiologische Evaluierung des konservier-
ten Erzeugnisses vorgenommen und mit dem eines mikrobiologisch vergleichbar, ther-
misch stabilisierten verglichen werden. Als ein weiterer Bestandteil der Arbeit war die
Abschätzung des sich ergebenden energiewirtschaftlichen Einsparungspotentials vor-
gesehen. Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen wurden die Möglichkeiten und
Grenzen der Kombinationsbehandlung mit dem Ziel der Verbesserung der Produktqualität
und der Einsparung an Prozessenergie angegeben.
Anwendung
Niedrig-Energie Hoch-Energie (Leistungsultraschall)
< 10 W/cm² 10-1000 W/cm²
I
Niedrig Frequenz
Niedrig-Amplitude
II
Niedrig-Frequenz
Hoch-Amplitude
III
Hoch-Frequenz
Niedrig-Amplitude
0.1 MHz 0.1 MHz 0.1 – 10 MHz
< 10 µm 10-500 µm < 10 µm
Tab. 1:
Einteilung bestehender Ultraschallanwendungen in der Lebensmittel-
wissenschaft und -technologie (Bibliometrische Analyse).
Theoretische Grundlagen
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
4
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Ultraschallerzeugendes System
Die heute größte technische Bedeutung haben die Verfahren der elektrischen Ultraschall-
erzeugung unter Verwendung piezoelektrischer Schallgeber. Der Schallgeber (auch
Schallwandler, -generator oder -prozessor) stellt dabei das Hauptelement des schwin-
gungserzeugenden Systems dar, zu dessen betriebsfertiger Grundausstattung außerdem
ein Frequenzgenerator, ein Hochfrequenzkabel sowie ein Schnelletransformator (auch
Stufentransformator oder Booster) und eine Arbeitsspitze (auch Schallstrahler oder Reso-
nator) gehören.
Im Frequenzgenerator erfolgt die Umwandlung der aufgenommenen Netzleistung (Wech-
selstrom mit Netzfrequenz von 50 - 60 Hz) in einen hochfrequenten Wechselstrom mittels
verschiedener Halbleiterbauelemente. In den Endstufen des Generators werden im
Allgemeinen steuerbare Halbleiterschalter (Thyristoren) verwendet, um die zur Schaller-
zeugung notwendige Grundwelle zu generieren. Das transformierte elektrische Signal
wird über das HF-Kabel zum Wandler weitergeleitet und über zwei metallische Elektroden
auf die Ferroelektrika übertragen.
Die Erzeugung der Schallwellen erfolgt dort nach dem in der Praxis am weitesten
verbreiteten Prinzip der Elektrostriktion (reziproker piezoelektrischer Effekt). Es basiert auf
der Anwendung der elastischen Verformung ferroelektrischer Stoffe (Quarze) in einem
hochfrequenten elektrischen Feld, die durch die gegenseitige Anziehung der im Feld pola-
risierten Moleküle verursacht wird (Gerthsen und Vogel, 1993; Kuttruff, 1988).
Die Schallerzeugung erfolgt meist mit Hilfe eines Verbundschwingers, der aus mindestens
zwei Ringen aus piezokeramischen Material, typischerweise aus Bleizirkonattitanat sowie
zwei Endmassen, besteht. Durch eine Zugschraube in der Achse des Schwingers werden
die Piezoelemente so stark zusammengepresst, dass sie auch im Zustand maximaler
Schwingdehnung nur in geringem Maß auf Zug beansprucht werden. Sie können dadurch
wesentlich höheren Schwingungsamplituden standhalten, als dies ohne Vorspannung
möglich wäre. Nach Umsetzung wird die generierte mechanische Schwingung zum
Stufentransformator und schließlich zum Behandlungsmedium weitergeleitet.
2.2 Schallabstrahlung in flüssigen Medien
Die Übertragung von Schallenergie in ein flüssiges Medium erfolgt in der Regel über eine
Sonotrode, d. h. über eine feste Oberfläche, die in Richtung ihrer Normalen Wechsel-
bewegungen ausführt. Diese werden auf die umgebenden Fluidteilchen übertragen, die
nach den Gesetzmäßigkeiten der Kinematik aus ihrer Ruhelage ausgelenkt und zu
periodischen Schwingungen angeregt werden. Aufgrund der bestehenden Bindungskrafte
zwischen den Fluidteilchen überträgt sich diese Bewegung auch auf benachbarte schwin-
gungsfähige Elemente deren angeregte Schwingung als Schallwelle im Medium weiter-
geleitet wird.
Theoretische Grundlagen
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
5
In Flüssigkeiten breiten sich Schallwellen bis auf wenige Ausnahmen in Form von Longi-
tudinalwellen, sogenannten Längs-, Dichte- oder Kompressionswellen, aus (Veit, 1996;
Kuttruff, 1988; Gerthsen und Vogel, 1993). Die Schwingungsrichtung der einzelnen Medi-
umsteilchen und die Ausbreitungsrichtung der Welle liegen dabei auf der gleichen
Wirkungslinie. Die genannte Wellenart durchläuft das Medium mit der höchsten Schallge-
schwindigkeit für den betreffenden Stoff (Gerthsen und Vogel, 1993). Sie ist durch die
räumliche und zeitliche Änderungen der Dichte des Mediums, des Druckes innerhalb des
Mediums und der Geschwindigkeit der einzelnen Mediumsteilchen gekennzeichnet (Veit,
1996). Die beschriebenen Änderungen erfolgen in jedem Fluidelement nahezu ohne
Wärmeaustausch mit den Nachbarelementen (Adiabatengesetz) und werden vom periodi-
schen Ablauf der Änderung der Temperatur sowie weiterer physikalischer Kenngrößen
begleitet.
2.3 Wirkmechanismen im Schallfeld
2.3.1 Kavitation
Zu den fundamentalen Wirkmechanismen des Ultraschalls in Flüssigkeiten gehört die
Erscheinung der akustischen Kavitation. Sie beruht auf den physikalischen Vorgängen,
die durch die Einwirkung zyklischer Wechseldrücke hervorgerufen werden und beschreibt
die Entstehung und die Dynamik (stabiles oder transientes Oszillieren) von leeren bzw.
mit Gas- oder Dampf gefüllten Blasen. Im Realfall kommt es zu Mischformen von Gas-
und Dampfblasenkavitation. Die Bildung von Gas- und Dampffreien Blasen ist hingegen in
der Praxis kaum anzutreffen.
Für die Entstehung von Kavitationsblasen ist die Überwindung der Kavitationsschwelle
notwendig (Kuttruff, 1988). Zur Blasenbildung kommt es, wenn der lokale Energieeintrag
bei der Schalleinkoppelung in das Medium einen kritischen, fluidspezifischen Wert über-
schreitet und die zwischen den Molekülen wirkenden Anziehungs- und Kohäsionskräfte
durch die im Medium erzeugten Unterdrücke bzw. Zugspannungen aufgehoben werden.
Um in einer idealen Flüssigkeit einen Hohlraum mit dem Radius r entstehen zu lassen,
muss mindestens die durch ihn erzeugte Oberflächenspannung
σ
0 überwunden werden,
was zu einem benötigten Unterdruck pn von
führt. Zur Überwindung der intermolekularen Kräfte müssen hierbei die Flüssigkeitsteil-
chen mindestens auf den doppelten zwischenmolekularen Abstand auseinandergezogen
werden (
σ
0, H2O 0.073 N/m, rH2O 2 Å), wonach sich für reines Wasser Unterdrücke von
der Größenordnung pn 1000 MPa ergeben. Da sich in der Flüssigkeit infolge der
erreichten Unterdrücke spontan Dampfblasen bilden können, nimmt der theoretische Wert
des Unterdruckes pn bis auf ungefähr 100 MPa ab (Sutilov, 1984; Kuttruff, 1988). Bei
Ultraschallexpositionen in ungereinigtem Wasser erreichten die von Esche (1952) experi-
r
2
p0
n
σ
(1)
Theoretische Grundlagen
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
6
mentell gemessenen Unterdrücke hingegen Maximalwerte von 20 bis 30 MPa, die weit
unterhalb der theoretisch berechneten Werte lagen. Der Grund hierfür ist, dass in prak-
tisch allen realen Flüssigkeiten Stellen mit verminderter Oberflächenspannung existieren,
die als Verteilung in unterschiedlicher Anzahl zu finden sind und als Keime für den Kavita-
tionsbildungsprozess wirken. Sie werden durch eingebundene Fremdstoffe jeder Art, die
in gelöster sowie in ungelöster Form vorliegen können, hervorgerufen. Neben im Medium
suspendierten Feststoffpartikeln sind hier besonders dispergierte hydrophobe Substanzen
(Tenside) und in ungelöster Form auftretende Gase von Bedeutung.
Ungelöste Gase können in stabilisierter Form im Medium existieren. Als Theorien für die
Stabilisierung sind z. B. die Anlagerung der Gasblasen an konischen Spalten (Gasta-
schen) von Festkörperflächen oder die Ummantelung freier Blasen mit monomolekularen
Schichten organischer Moleküle bekannt (Crum, 1982; Young et al., 1984). Weitere sind
die der Wechselwirkung von Ladungsträgern nach elektrostatischer Flächenaufladung in
der Blasenwand oder die der Wechselwirkung von Ionen gelöster Salze auf der Blasen-
oberfläche mit Ionen der Blasenumgebung (Sutilov, 1984; Kuttruff, 1988).
Unabhängig wie ungelöstes Gas in einer Flüssigkeit stabilisiert wird kann man annehmen,
dass eine Gasblase mit einem anfänglichen Radius r0 statisch im Gleichgewicht gehalten
wird. Bei Verringerung des Umgebungsdruckes p0 bis zu einem Druck p wächst die Blase
auf die Größe r an.
Der kritische Schwelldruck pkrit bezeichnet nun den Unterdruck bzw. die maximale Ampli-
tude des akustischen Druckes pak der in der Flüssigkeit herrschen muss, damit eine stabi-
lisierte Blase instabil wird und wächst. Der kritische Radius folgt aus der Ableitung von
Gleichung 2 nach dem Radius r der wachsenden Blase. Mittels Gleichung 3 erhält man
schliesslich, in einfachster Weise, den kritischen Unterdruck, der die Kavitationsschwelle
beschreibt.
Für weitere Abschätzungen der Schwellenwerte bei der Kavitationsbildung wurden
verschiedene empirische sowie auf postulierten Mechanismen basierende Modellglei-
chungen hergeleitet. Die bekanntesten gehen auf Arbeiten von Blake (1970), Apfel
(1970), Lauterborn (1997) und Neppiras (1980) zurück. In ihnen wird versucht neben dem
Umgebungs- und Dampfdruck die Abhängigkeit der Kavitationsschwelle von der Keimbla-
sengröße und der Ultraschallfrequenz zu erklären (Abb. 2). Die für große Spalten abge-
leitete Kavitationsschwelle (Modell Konische Spalte) berücksichtigt neben den genannten
r
2
r
r
r
2
pppp
3
0
0
0ak0
σ
σ
+== (2)
2
1
0
D0
3
0
0krit
r
2
pp
r
2
33
2
pp
σ
+
σ
= (3)
Theoretische Grundlagen
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Parametern noch den Einfluss des in der Flüssigkeit gelösten Gases. Komplexere
Modelle beziehen die Massenträgheit sowie die Kompressibilität und die Viskosität der
Flüssigkeit mit ein. Dadurch wird neben der Radiusänderung entstehender Blasen auch
die Oszillation im Schallfeld und das Stadium des Zusammenbrechens hinreichend
korrekt beschrieben.
Nach der Bildung von Hohlräumen bzw. Blasen an Kavitationskeimen treten verschiedene
Erscheinungsformen von Ultraschallkavitation auf, die im einzelnen von der Art und dem
Reinheitsgrad der Flüssigkeit, von der Stärke, der Frequenz und der Geometrie des
Schallfeldes sowie verschiedenen anderen Bedingungen abhängen (Kuttruff, 1988;
Laborde, 1998). Sie werden meist nach den Kriterien des Blaseninhaltes und der Blasen-
dynamik eingeteilt. Entsprechend des Blaseninhaltes werden unter den Bezeichnungen
Gas- und Dampfblasenkavitation zwei wichtige Grenzfälle unterschieden. Dazwischen
existieren zahlreiche Übergangsformen.
Gasblasenkavitation entsteht bei niedrigen Schallwechseldrücken durch die in der
Flüssigkeit gelösten Gase. Die Blasen führen dabei Schwingungen gemäss ihrer Größe
aus. Die größten Schwingungen führen Blasen aus, die in der Nähe ihrer Resonanz
schwingen (Lauterborn, 1997). Sie kollabieren weniger intensiv, da der Innendruck des
Gases den Kollaps aufhält.
Bei der Dampfkavitation enthalten die gebildeten Blasen nur geringe Konzentrationen an
Gas. Im Wesentlichen sind sie mit dem Dampf der Flüssigkeit gefüllt. Nach einem häufig
angewandten Kriterium liegt Dampfkavitation dann vor, wenn die Geschwindigkeit einer
kollabierenden Blasenwand zu einem bestimmten Zeitpunkt die Schallgeschwindigkeit der
Flüssigkeit überschreitet. Dies kann jedoch experimentell nur schwer nachgewiesen
werden. Bei Kavitationsversuchen in stationären Schallfeldern orientiert man sich am
Auftreten von nichtperiodischen subharmonischen Komponenten im Spektrum der
Blasenschwingung (Kuttruff, 1988).
Beim zweiten Kriterium zur Einteilung der Kavitationserscheinungen, der Blasendynamik,
wird das Verhalten der Blasen während mehrerer Schwingungszyklen verfolgt. Führen die
10-1
100
101
102
103
p [MPa]
100.0 101.0 102.0 103.0 104.0
Frequenz [kHz]
a
b
c
Abb. 2:
A
mplitude des Schallwechseldruckes
(Kavitationsschwelle) in Wasser nach
Lauterborn, berechnet für unterschied-
liche Anfangsradien der Kavitationsbla-
sen. (a) r0=0.1 µm, (b) r0=1.0 µm, (c)
r0=5.0 µm.
Theoretische Grundlagen
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gebildeten Kavitationsblasen annähernd harmonische Radialschwingungen aus, d. h.
schwingen sie über mehrere tausend Perioden im Schallfeld mit, ohne zu implodieren,
wird die Erscheinung stabile Kavitation genannt. Der Blasenradius bleibt hierbei nicht
zwangsläufig konstant (Leighton, 1998). In Abhängigkeit des äußeren Druckes und der
Wechseldruckamplitude können sich die Blasen im Medium auflösen oder darin anwach-
sen. Die Schallfrequenz aber auch andere Parameter, wie die Viskosität der Flüssigkeit
sind für das Blasenverhalten mitverantwortlich. Das stetige Pulsieren der Blasen erzeugt
dabei Fluidströme mit großen Kräften in Blasennähe (Mikrostreaming).
Bei hinreichend hohen Wechseldruckamplituden verliert die Blasenbewegung den
Charakter einer stationären Schwingung. Die Blasen schwingen nichtlinear im Schallfeld
mit und kollabieren bereits nach wenigen Schwingungszyklen. Diese Erscheinung wird
transiente Kavitation genannt. Mit zunehmender Schwingungsdauer wachsen die Blasen
in wenigen Zyklen von Expansion und Kompression stark an. Es überwiegt die Wirkung
der gleichgerichteten Diffusion (Lauterborn, 1997). Über die größere Oberfläche während
der Expansionsphase wird dabei die Diffusion von Gas ins Innere der Blase begünstigt.
Nach Erreichen des kritischen Blasenradius kollabieren die Blasen schließlich durch den
äußeren Druck. Die Blasen können sich dabei in den Kompressionsphasen adiabatisch
aufheizen (Flint, 1991). Dampfblasen kondensieren durch die hohen Drücke einen Groß-
teil ihres Dampfgehaltes an der Blasenwand aus. Gasblasen kollabieren bis der Innen-
druck des Gases den Kollaps aufhält.
Die durch den Kollaps verursachte starke Kompression des Blaseninhaltes erzeugt lokal
Drücke von bis zu 100 MPa und Temperaturen von mehreren 1000 K (Suslick, 1988; Flint,
1991). Während des Kollaps werden dabei große Blasen zu kleineren aufgelöst. Weiterhin
werden chemische, dabei vor allem radikalische Reaktionen entfacht. Ein weiteres
Kavitationsphänomen ist, dass kavitierende Blasen während des Kollaps Stoss- bzw.
Schockwellen emittieren, deren Druckstoß ebenfalls bis zu 100 MPa groß ist (Günther
und Gompf, 2000). Diese bewirken vorwiegend mechanische Effekte wie z. B. Materialer-
rosionen oder das Zerreißen bakterieller Zellwände. Diese werden durch Scherstress in
der Flüssigkeit oder durch den „Wasserhammerdruck“ beim Auftreffen so genannter
Blasenjets auf Grenzflächen oder den hohen Innendruck der Blase hervorgerufen.
Die aufgezählten Phänomene der Blasendynamik (Mikrostreaming) und des Blasenkol-
laps (Druck-, Temperaturentstehung, Radikalbildung, Schockwellemimitierung) gehören
zu den Wirkmechanismen mit Bedeutung für die Keimreduktion. Deren Ausmaß und
Wirkung hängen insbesondere von den Parametern des Ultraschallfeldes ab. Sie können
am stärksten durch die Frequenz und die Schallwellenamplitude reguliert werden. Weiter-
hin sind die technologischen Parameter Betriebsdruck und –temperatur und die Medium-
seigenschaften (z. B. Gasgehalt, Gehalt chemischer Agenzien) von großer Bedeutung
(Neppiras, 1980; Lauterborn, 1997; Leighton, 1998; Niemczewski, 1999).
Bei hohen Ultraschallfrequenzen (> 103 kHz) wird die Kavitationsbildung aufgrund der
Trägheit erschwert bzw. vollständig unterbunden (Earnshaw, 1995). Im niedrigen
Frequenzbereich (ca. 20–500 kHz) werden Kavitationsblasen zu einer geringeren Oszilla-
tion angetrieben, wodurch sich die Blasen auf größere Volumina ausdehnen können und
während der Implosionsphase stärker zusammenfallen. Mit zunehmender Schallwellen-
Theoretische Grundlagen
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amplitude werden die erzeugten Unterdrücke im Medium erhöht, wodurch die Kavitations-
blasen auf größere Endradien auseinandergezogen werden. Im Allgemeinen gilt, je
größer der maximale Radius der kollabierenden Blase ist, umso höher ist ihr Energiein-
halt. Der maximale Blasenradius wird jedoch durch die Kollapszeit eingeschränkt
(Laborde, 1998). Ist die Kollapszeit größer, als die halbe Schwingungszeit T, so kann die
Blase nicht vollständig kollabieren. Ihr Zusammenbruch wird durch den negativen Druck
abgefangen. Der statische Druck wirkt sich in zweifacher Hinsicht auf die Wirkungen des
Ultraschalls aus. Zum einen wird der Gasgehalt der Flüssigkeit mit höherem statischem
Druck größer, wodurch in den Blasen ein höherer Partialdruck auftritt, welcher den
Blasenkollaps schwächt. Zum anderen ist die gespeichrte Energie bei gleichem Blasenra-
dius mit höherem statischem Druck größer, so dass der Kollaps intensiver verläuft (Horst,
1997). Die Temperatur wirkt sich auf alle Schallfeld- und Fluidparameter aus. Die Anwe-
senheit von Gasblasen ist sowohl für die Kavitationsbildung als auch die Kavitationsinten-
sität von Bedeutung. Ihre Menge, mittlere Größe und ihre Verteilung im Behandlungsme-
dium sind entscheidend. Das Verhältnis von maximalem Blasenradius zum Anfangsradius
sollte möglichst klein sein und lässt sich über die Frequenz steuern. Es gilt, dass die kriti-
sche Blasengröße quadratisch mit der Frequenz ansteigt (Kuttruff, 1988).
Durch den Kavitationsvorgang entstehen im Realfall neben nutzbaren transienten Blasen
auch stabil schwingende Blasen, welche dem System durch Oszillation vermehrt Energie
entziehen. Diese besitzen eine geringere mechanische Wirksamkeit. Durch Bjerkneskräfte
werden die Blasen im Schallfeld gehalten und können die Oberfläche nicht erreichen. Sie
bilden ganze Blasenwolken, die zu einer intensiveren Schallabsorption führen und können
so innerhalb von Schallreaktoren aktive Kavitationszonen schwächen. Bei der Entstehung
von Kavitation in einer Flüssigkeit werden ihre akustischen Eigenschaften wesentlich
verändert. Insbesondere die Existenz von Kavitationsblasen führt zu Schallstreuung und
in der Folge zu einer starken Abnahme der Schallenergie im Raum (Sutilov, 1984). Die
Streuung ist jedoch nicht der einzige Grund für die Energieabnahme bei Kavitation. Ein
großer Anteil der eingetragenen Energie geht in die Entwicklung der Kavitationsblasen, d.
h. in die Arbeit zu ihrer Ausdehnung auf den maximalen Blasenradius. Nach der Blasen-
implosion wird ein Teil der Schallenergie in Form von Wärme von der Flüssigkeit absor-
biert.
Um die Kavitationserscheinungen in Schallfeldern verstehen und beeinflussen zu können,
müssen die Wechselwirkungen zwischen Kavitationsblasen und deren Auswirkung auf die
Blasendynamik sowie die Rückwirkung auf das Schallfeld untersucht werden. Die Erfor-
schung der Blasendynamik und der Struktur- bzw. Kavitationsfeldverteilung in Abhängig-
keit der Parameter Frequenz, Schallwellenamplitude usw. ist dabei die Grundlage für die
Optimierung von Schallreaktoren. Eine gute Zusammenfassung über neuartige Reaktoren
sowie die Auslegung eines Reaktors unter Berücksichtigung der schalltechnisch wichtig-
sten Kriterien gibt die Arbeit von Horst (1997).
Die Berechnung von Schalldruck- und Energiedichteverteilungen im Reaktionsvolumen
erlauben erste Vergleiche zwischen verschiedenen Reaktorgeometrien hinsichtlich der
Häufigkeit und Intensität der Kavitationsereignisse. Sie stößt jedoch auf große
Unsicherheiten, so dass bisher nur wenige Reaktoren existieren, die entsprechend ihrer
Theoretische Grundlagen
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erzielbaren Schalldruck- und Energiedichteverteilungen ausgelegt wurden. Vergleichende
Studien zur Modellierung von Schalldruck und Energiedichteverteilungen existieren hierzu
von Dähnke et al. (1999a, 1999b und 1999c). In ihnen wurde ein Algorithmus zur Berech-
nung dreidimensionaler Schallfelder in inhomogenen Medien entwickelt, mit dem sich die
Energiedichteverteilung im Reaktorvolumen errechnen lässt. Man erhält daraus den
Volumenanteil des Gesamtreaktorvolumens, in dem die Energiedichte einen bestimmten
Wert überschreitet. Damit kann der Volumenanteil errechnet werden, in dem Kavitation
auftreten kann, sofern man die Kavitationsschranke kennt.
Mittels theoretischer Beschreibungen des Ultraschallfeldes und den Kenntnissen über die
Blasendynamik und –verteilung kann die tatsächliche Wirkung der Kavitation für die
Mehrzahl der einzelnen technischen Anwendungen oft nicht ausreichend vorhergesagt
werden werden. Um die Wirkung von Kavitation einschätzen zu können, muss deshalb in
vielen Fällen ihre Intensität im technischen System gemessen werden. Dazu wurden
verschiedene indirekte Verfahren entwickelt (Abb. 3).
2.3.2 Radikalbildung
Abhängig von den Parametern des Ultraschalls bewirkt Kavitation in unterschiedlichem
Maße radikalische Effekte. Diese sind sowohl für die mikrobiologische Inaktivierungsreak-
tion als auch die Eigenschaften behandelter Produkte von Bedeutung. Die Bildung der
freien Radikale ist dabei die Folge der energiereichen Blasenimplosionen und hängt im
wesentlichen von der Temperatur ab, die hierbei örtlich erreicht wird (Suslick, 1998). Im
Allgemeinen wächst sie mit kleiner werdenden Frequenzen. Bei sonochemischen Prozes-
sen ist die Bildung von Radikalen in wässrigen Lösungen gut dokumentiert (Riesz, 1991;
Abb. 3: Übersicht an Methoden zur Messung der Schall- bzw. Kavitations-
intensität.
Schallfeldcharakterisierung
Schallfeldcharakterisierung
(Methoden zur Messung der Schall- und Kavitationsintensität)
CHEMISCH PHYSIKALISCH
Lokal Chemische Methoden
Global Chemische Methoden
Erosionsmethoden
Optische Methoden
Elektroakustische Methoden
Kalorimetrische Methoden
Aluminium Folie, Lithium
Weissler Reaktion
Chemolumineszenz
Elektrochemischer Sensor
Model Reaktionen
(Dosimetrie)
Sonolumineszenz
(SBSL, MBSL)
Laser-Doppler-Anemometrie
Radiation Pressure Scale
Optische Schalldruck- und
-geschwindigkeitssensoren
klass. Kalorimeter
Thermoakustischer Sensor
Hydrophon
Elastische Sphäre Radiometrie
Theoretische Grundlagen
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Suslick, 1998, Vercet et al., 1998). Bei deren Beschallung wird das Wasser in extrem
reaktive Wasserstoffatome (H) und Hydroxidradikale (OH) zersetzt. Während der schnel-
len Abkühlphase verbinden sich die Wasserstoffathome dann zu elementarem Wasser-
stoff (H2) und die Hydroxidradikale zu Wasserstoffperoxid (H2O2). Besonders flüchtige
Substanzen dringen in die Gasphase der Kavitationsblasen ein und werden dort durch
radikalische Effekte abgebaut (Peters, 2000). Hydrophobe Substanzen reichern sich in
der hydrophoben Grenzschicht der Kavitationsblasen an. Diese sind besonders durch
eine hohe Konzentration an OH- und H2O2-Radikalen gekennzeichnet. Da innerhalb der
Blasen mehr Radikale entstehen als von dort in die umgebende Flüssigkeit eindiffundie-
ren können, sind Reaktionen von flüchtigen Stoffen oft am umsatzstärksten.
2.4 Bakterielle Schädigung und Inaktivierung
2.4.1 Thermische Zellschädigung
Die thermische Erhitzung gehört zu den verbreitetsten Methoden der Lebensmittelhaltbar-
machung, die thermische Inaktivierung bakterieller Zellen zu den zahlreich untersuchten
Wirkungen auf komplexe biologische Systeme. Dennoch ist mit dem derzeit verfügbaren
Datenmaterial die genaue Ursache bzw. ein universeller Mechanismus für die Herbeifüh-
rung des Zelltotes nicht klar definiert (Ernshaw, 1995).
Die primäre Wirksamkeit hoher Temperaturen liegt in der Initialisierung einer Vielzahl von
Schädigungen und läßt sich nicht auf wenige Angriffspunkte einer Zelle beschränken. Zu
den physiologisch wichtigsten Effekten gehört die partielle oder vollständige, reversible
oder irreversible Änderung der Konformation von Proteinen, die damit verbundene
Umstrukturierung der katalytisch aktiven Zentren von Enzymen sowie die Aufspaltung der
Nukleinsäuren DNA und RNA (Earnshaw et al., 1995; Sala et al., 1995).
Die genannten Veränderungen haben einen erheblichen Einfluß auf die biochemischen
Stoffwechselvorgänge in der Zelle. Sie wurden u. a. von Gould (1983) und Hurst (1983)
für Sporen sowie von Pellon (1984) und Russel (1984) für vegetative Zellen herausge-
stellt. Neben der Verhinderung der Synthese wichtiger Zellsubstanzen während des
Wachstums und der Ruhe, führen sie auch zur Ausschaltung sogenannter homeostati-
scher Mechanismen, worunter die verschiedenen Abwehrreaktionen der Mikroorganismen
(z. B. Bildung von Hitzeschockproteinen) gegenüber Störungen aus der Umgebung
verstanden werden (Gould, 1995).
Die Konformationsänderung von Proteinen erfolgt ohne Lösung kovalenter (Hauptvalenz-)
Bindungen mit Ausnahme von Disulfidbindungen (Belitz et al., 2001). Sie entspricht dem
Übergang von einem hochgeordneten in einen ungeordneten Zustand, bei dem die
Proteinkette unter positiver Entropieänderung verschiedene Anordnungen einnehmen
kann. Der Aufbruch der stabilisierenden Disulfidbindungen sowie das Lösen der verschie-
denen nicht-kovalenten (Nebenvalenz-) Bindungen (Wasserstoffbrücken, hydrophobe
Bindungen) erfolgt, nachdem einzelne Atome eines Proteins oder ganze Moleküle
während des Erhitzungsvorganges in eine ungeordnete Wärmebewegung versetzt
wurden.
Theoretische Grundlagen
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Folgen der anschließenden Umstrukturierung sind Veränderungen der spezifischen
Eigenschaften und der physiologischen Funktionen der Zellproteine. Neben Änderungen
des Löslichkeitsverhaltens oder der Bindungsaffinität (Sauerstoff-, Wasserstoffbeladung
etc.) sind Auswirkungen z. B. auf hormonelle Aktivitäten sowie Stütz- und Transportfunk-
tionen bekannt (Gould, 1989; Gould, 1995; Earnshaw et al., 1995; Sala et al., 1995).
Bei Enzymproteinen führt die Konformationänderung zu Einschränkungen und Ausfällen
der katalytischen Aktivität (Dominguez et al., 1992). Durch die Deformation des Enzym-
moleküls wird im Bindungszentrum die, unter Mitwirkung der funktionellen Gruppen der
Aminosäuren-Seitenketten erfolgende, Substratkopplung gestört (Karlson, 1994). Wich-
tige Regulationsvorgänge werden außer Kraft gesetzt.
Ein Beispiel ist die Aktivitätshemmung von membrangebundenen Enzymsystemen, wie
der ATP-ase. Diese hydrolisiert ca. 50% des zellulären ATP und wird im Besonderen mit
der Hitzeresistenz von Bakterien, hier der vegetativen Form, aber auch anderen Mikroor-
ganismen wie Hefen, Schimmelpilzen usw. in Verbindung gebracht (Weizel, 1987; Vallejo
and Serrano, 1989; Coote et al., 1991). Sie gilt als eines der wesentlichen Angriffsziele
einer thermischen Behandlung.
Durch die Hemmung der ATP-ase-Aktivität wird die ATP-Hydrolyse und der streng an die
ATP- Hydrolyse gekoppelte Transport von Na+/K+-, Ca2+-, H+-Ionen usw. beeinträchtigt
(Vallejo und Serrano, 1989; Schlegel, 1992). In der Folge wird neben einer verringerten
Energiefreisetzung im Zellinneren eine Verschiebung von Dissoziationsgleichgewichten
bewirkt. Durch den verminderten oder vollständig unterbundenen Transport von H+-Ionen
wurde von Weizel (1987) und Vallejo (1989) eine Absenkung des intrazellulären pH beob-
achtet. Die pH-Wert Absenkung wird als mögliche Abtötungsursache auch für andere
Verfahrensanwendungen z. B. hydrostatischem Hochdruck diskutiert (Smelt, 1995).
Die thermisch induzierte Schädigung der Nukleinsäuren DNA und RNA, als eine weitere
mögliche Ursache für die bakterielle Inaktivierung, wurde von Hanlin et al. (1985), Ander-
son et al. (1991), Mackey et al. (1991), Stephens and Jones (1993) u. a. untersucht. Ihre
Bedeutung liegt im wesentlichen darin, dass sämtliche geschädigte, zelluläre Komponen-
ten nur dann durch Neusynthese ersetzt werden können, wenn die DNA und RNA noch
hinreichende Funktionen für die Proteinbiosynthese (z.B. zur Replikation, Translation
usw.) besitzen.
Nucleinsäureschäden entstehen entweder auf direkte Weise durch ungeordnete Wärme-
bewegung oder als indirekte Folge von Oxidationsreaktionen unter Mitwirkung von H2O2
oder davon abgeleiteten freien Radikalen (Ananthaswamy and Eisenstark, 1977; Mackey
and Seymour, 1987). Weiterhin sind indirekte Folgeschäden durch die Aktivierung endo-
gener Nukleasen bekannt (Gomez, 1977; Kadota et al., 1978). Die Schädigung tritt hierbei
erst im Anschluss an die Hitzebehandlung nach einer gewissen Verzögerung ein. Bei der
DNA vegetativer Zellen wurden Einzel- sowie Doppelstrangbrüche (Andrew and Greaves,
1979), bei der DNA von Sporen Einzelstrangbrüche beobachtet (Grecz and Bruszer,
1981). Letztendlich bedeuten sie den Verlust der genetischen Information für den zell-
eigenen Proteinaufbau.
Schädigungen der RNA (m-RNA, t-RNA und r-RNA) führen zur Aufhebung des Translati-
onsmechanismus (Ernshaw, 1995). Sie gehören nach Coote et al. (1991) zu den ersten
Theoretische Grundlagen
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Ereignissen während einer Hitzeschädigung innerhalb der Zelle. Die im Zellplasma von
der t-RNA aufgenommenen Aminosäuren können nicht mehr in die durch die Tripletts der
m-RNA vorgegebene Lage gebracht und miteinander verknüpft werden. Die in der DNA
gespeicherten Informationen werden nicht mehr in die Spezifität von Proteinen übertra-
gen.
Der Abbau der RNA findet auf ganz unterschiedliche Weise statt. In DSC-Studien konnte
bei Vergleichen der aufgenommenen Thermogramme für die isolierten r-RNA Unterein-
heiten 16S und 30S ein schneller und für 23S und 50S ein langsamer Abbau nachgewie-
sen werden (Mackey et al., 1991; Andersen, 1991). Die komplette 70S Einheit hingegen
zeigte die höchste Thermotoleranz.
Hohe Salzkonzentrationen erhöhen die Hitzeresistenz von Bakterien, da diese die
Denaturierungstemperatur der 30S Einheiten erhöhen (Tuncan and Martin, 1990). Die
Stabilisierung der Untereinheit entsteht vermutlich durch zelluläre Dehydratation, die zu
einem Anstieg der Lösungskonzentration an Mg2+-Ionen führt (Stephens and Jones,
1993). In Gegenwart von Mg2+-Ionen entstehen dichtgepacktere 30S Untereinheiten mit
größerer thermischer Stabilität (Anderson, 1991). In Abwesenheit von Mg2+-Ionen hinge-
gen werden die Ribosomen destabilisiert. Bei Erhalt ihrer biologischen Aktivität können sie
zunächst leichter in 30S und 50S Untereinheiten zerlegt werden. Nachfolgend kann dann,
mit höherer Wahrscheinlichkeit, eine Ribonucleaseaktivierung erfolgen, die zu einem
weiteren Abbau der Moleküle führt (Earnshaw, 1995).
Die Thermoresistenz von Bakterien ist eng an die Synthese von Hitzeschockproteinen
(hsp) geknüpft nach deren Bildung sie an die Bedingungen einer subletalen Erhitzung
adaptieren und in der Folge eine anschließende thermische Behandlung bei höheren
Temperaturen überleben können (Schlesinger, 1990; Appleyard, 1993). Ihre Rolle
besteht vornehmlich darin mit denaturierten Proteinen zu reagieren. Während der
sublethalen Erhitzung von bakteriellen Zellen können hsp an Polypeptiden binden und auf
diese Weise Hitzeaggregationen und -fällungen verhindern. Zusätzlich zu dieser Funktion
sind hsp zur Proteolyse irreversibel geschädigter Polypeptide befähigt.
2.4.2 Ultraschall induzierte Zellschädigung
Die bakterizide Wirkung hochfrequenter Ultraschallwellen wird auf die während der
Schallbehandlung im wässrigen Medium auftretende Kavitation und ihre unmittelbaren
Folgeerscheinungen wie Scherwirkung, Druckwirkung, lokale Erhitzung und freie Radikal-
bildung zurückgeführt (Hyghes and Nyborg, 1962, Save et al., 1994, Butz and Tauscher,
2002). Sie beruht auf einer Schädigung der Zellwand, der Zellmembran sowie funktionaler
Zelleinheiten im Inneren der Zelle. Vergleichbar mit der thermischen Behandlung wird
ebenfalls eine Vielzahl von Schädigungen initialisiert, deren Wirkmechanismen größten-
teils noch unbekannt sind.
Zu den bisher aufgestellten Theorien gehören die der Schädigung durch Mikroströmungen
und durch Blasenimplosionen, die zur Deformation, zum Bruch oder zum abrasiven
Verschleiß der Zellwand, zum Ablösen der Zytoplasmamembran von der Zellwand sowie
zur Abspaltung der membrangebundenen ATP-ase von der Zellmembran führen können
Theoretische Grundlagen
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(Kinsloe et al, 1954; Alliger, 1975; Mett, 1988; Scherba, 1991). Eine weitere Theorie ist
die der Schädigung durch entstandene radikalische Moleküle, die zur Aufspaltung der in
der DNA befindlichen Wasserstoffbrückenbindungen befähigt sind (Hyghes and Nyborg,
1962; Earnshaw, 1998).
Nach Kinsloe et al. (1954) verursachen die durch Blasenoszillation hervorgerufenen
Mikroströmungen hydrodynamische Scherwirkungen von solcher Intensität, dass sie den
Abrieb von Membranoberflächen verursachen können. Einigen Autoren zu Folge können
sie auch im Zellinneren, in der Flüssigkeit der Vakuolen und des Zytoplasmas, entstehen
(Mason, 2002). Ein primärer, durch Mikroströmungen hervorgerufener Inaktivierungseffekt
konnte aber bisher noch nicht nachgewiesen werden.
Für die Mehrheit bekannter Autoren kommt der mechanische Zellaufbruch als Hauptursa-
che für die Ultraschallabtötung in Betracht (Sala, 1995). Vor allem die infolge intensiver
Blasenimplosionen erzeugten Schockwellen mit ihren extremen Wechseldrücken werden
dafür verantwortlich gemacht (Doulah, 1977). Die parallel dazu auftretenden Temperatur-
effekte (hot spots) finden ebenfalls Beachtung. Druck und Temperaturwirkung bleiben
jedoch nur auf sehr eng begrenzte Bereiche beschränkt (Suslick, 1988; Scherba et al.,
1991). Die Anzahl der pro Zeiteinheit erfassten Zellen ist daher gering.
Letale Effekte konnten auch ohne sichtbare mechanische Zellzerstörung festgestellt
werden (Kinsloe et al, 1954, Zenker, unveröffentlichte Daten). Neben der mechanischen
Erosion der Zellwand induzieren die starken Druck- und Temperaturwechsel Depolymeri-
sierungsreaktionen im Inneren der Zelle die zum Abbau globulärer Proteine führen (Price,
1990; Pethric, 1991). Diese werden in ihre Untereinheiten aufgespalten, wobei zunächst
ihre Quartärstruktur zerstört wird. In diesem Zusammenhang sind neben der Abtrennung
von niedrigmolekularen Peptiden auch die Aufspaltung von cyclischen Aminosäuren
beobachtet worden.
In Bezug auf die Feststellung letaler Effekte ohne sichtbare mechanische Zellzerstörung
scheint die Schädigung der DNA von besonderer Bedeutung. Eine Reihe von Autoren
beschreibt hierfür Wechselwirkungen während der Sonolyse gebildeter freier Radikalspe-
zies (Hydrogenperoxid-, Sauerstoff-, Hydroxylradikale) mit den struckturerhaltenden
Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Basenpaaren (Hyghes and Nyborg, 1962;
Miller et al., 1995; Vercet, 1998; Earnshaw, 1998). Den Beschreibungen zufolge verur-
sacht die Schallanwendung zunächst einen Doppelstrangbruch der DNA-Kette in dessen
Folge die Bildung von Fragmenten initiiert wird. Die gebildeten Fragmente werden als
hochsensitiv gegenüber weiteren Angriffen freier Radikale beschrieben. Interessant in
diesem Zusammenhang ist die Frage, inwieweit extrazellulär gebildeten Radikale zu intra-
zellulären Radikalschädigungen beitragen können. Aufgrund der Kurzlebigkeit solcher
Radikale in wässriger Lösung ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese Zellmembranen
passieren können. Kavitation tritt somit möglicherweise auch im Inneren der bakteriellen
Zelle auf. Inwiefern die beobachteten Schäden durch intrazelluläre Radikalbildung verur-
sacht worden sind oder aber auf andere Mechanismen zurückzuführen sind, muss noch
genauer untersucht werden.
Die Resistenz der verschiedenen Bakterienarten gegenüber Ultraschallwellen variiert
beträchtlich. Sie hängt nachweislich vom mikrobiellen Stamm, der Zellform und -grösse,
Theoretische Grundlagen
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15
dem Gramverhalten, sowie dem aktuellen Vermehrungsstadium und dem Sauerstoffbe-
darf der Zellen ab (Sala et al., 1995, Earnshaw et al., 1995). Darüber hinaus wird sie von
den physikalischen Eigenschaften des umgebenden Mediums bestimmt. Ein Vergleich der
letalen Effekte ist daher nur bei Übereinstimmung der aufgezählten Faktoren möglich.
Vergleichbar mit der thermischen Behandlung ist ebenfalls die Beeinflussung der Ultra-
schallresistenz durch gebildete Hitzeschockproteine bekannt (Pagán, 1999).
Material und Methoden
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16
3 Material und Methoden
3.1 Testorganismen (Kulturerhaltung, Kultivierung)
Für die Inaktivierungsexperimente wurden zur Bewertung des letalen Effektes Reinkultu-
ren von Escherichia coli K 12 DH 5
α
(Hygiene Institut Hamburg, Typenstamm DSMZ Nr.
6897; CCRC 51731), Lactobacillus acidophilus (Typenstamm DSMZ Nr. 20079; ATCC
4356) und Bacillus stearothermophilus (Merck-Nr. 11499; ATCC7953) eingesetzt. Die
ausgewählten Organismen sollten sich besonders im Gramverhalten und in der Fähigkeit
zur Sporenbildung unterscheiden.
Die als Stichkultur oder im gefriergetrockneten Zustand bezogenen Stämme wurden zur
Kulturerhaltung auf Standard I Schrägagar (Nr. 1.07881; Merck, Darmstadt) ausgestrichen
und bei 4°C gelagert. Nach Keimabnahme und Überimpfung in 30 ml sterilisierte Nähr-
bouillon erfolgte die Kultivierung durch Schütteln mit 140 min-1 unter den in Tabelle 2
angegebenen Inkubationsbedingungen.
0.05 ml dieser Vorzucht wurden in weitere 30 ml Nährbouillon überführt und nochmals bei
gleichen Bedingungen bebrütet. Auf diese Weise konnte die Kultur mit einer vorhersagba-
ren Anzahl Kolonie bildender Einheiten (KBE ml-1), mit vorwiegend aus der stationären
Wachstumsphase stammenden Zellen maximaler Thermoresistenz, hergestellt werden.
Für die Sporenanzucht wurden 0.5 ml der vegetativen Vorzucht in 200 ml Standard I
Nährbouillon überführt und diese ebenfalls durch Schütteln bei 140 min-1 inkubiert. Je 3 ml
dieser Suspension wurden zur Beimpfung des Nutrient-Nährmediums verwendet, dem zur
Induktion der Sporulation 10 mg/l MnSO4 H2O zugesetzt wurde. Die Sporenernte erfolgte
durch Abspühlen der Platten mit steriler Ringer-Lösung (Nr. 15525; Merck, Darmstadt)
und Zentrifugation bei 5000 g für 20 min mit anschließender Entfernung der überstehen-
den Flüssigkeit. Die Reinigung der Sporen erfolgte durch mehrmalige Spülung (aq. dest.,
2x; 70% Ethanol, 1x; aq. dest., 2x) und wiederholte Zentrifugation bei 5000 g. Die Sporen
wurden anschliessend in aq. dest. aufgenommen und bei –23°C gefriergelagert. Für die
Behandlung wurden die Vorkulturen der Testorganismen im Probenmedium bis zur
Endkonzentration von 1 x 107 – 1 x 108 KBE ml-1 suspendiert.
3.2 Behandlungsmedien
Alle Untersuchungen zur thermischen und ultraschallunterstützten Pasteurisa-
tion/Sterilisation wurden zunächst in Phosphatpuffer (3.63 g Di-Natrium-Hydrogenphos-
phat und 1.76 g Kalium-Di-Hydrogenphosphat l-1 aq. dest., pH 7) und anschließend in
einem ausgewählten flüssigen Lebensmittelerzeugnis durchgeführt. Dessen Auswahl
richtete sich im Wesentlichen nach der Zusammensetzung und dem pH Wert. Der einge-
setzte Orangensaft (11.2 °Bx, pH 3.7) wurde durch Rückverdünnung von Orangensaft-
konzentrat (Fa. Eckes Granini, Nieder-Olm) gewonnen.
Material und Methoden
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17
3.3 Versuchsdurchführung
Für den objektiven Vergleich zwischen thermischen und akustisch-thermischen Behand-
lungen erfolgte die Prozessbewertung entweder auf der Grundlage der aus den reaktions-
kinetischen Betrachtungen abgeleiteten Pasteurisations- bzw. Sterilisationswerten oder
den experimentell bestimmten Inaktivierungsresultaten.
3.3.1 Laborexperimente
Zur Inaktivierung der vegetativen Testkeime wurden 9 ml Probeflüssigkeit (Phosphat-
Puffer, Orangensaft) in ein zylindrisches Behandlungsgefäss (Glas; [mm]: 12, h [mm]:
35) überführt und in einem Wasserbad (Haake, Model DC 5, Karlsruhe) temperiert. Nach-
dem stationäre Temperaturbedingungen erreicht wurden, erfolgte die Beimpfung der
Probenflüssigkeit mit 1 ml Keimsuspension. Die Schallwellenbehandlung der Medien
wurde mit dem Ultraschall-Laborgerät Sonopuls HD 2070 (Bandelin Elektronik, Berlin) bei
einer Arbeitsfrequenz von 20 kHz und einer Schallwellenamplitude von 50, 110 und 160
µm bzw. einer equivalenten Schalleistung von 7.2, 15.4 und 17.6 W durchgeführt. Der
Schallgeber war mit dem Stufenhorn SH 70 G und der Sonotrodenspitze KE 76
ausgestattet. Zur genauen Amplitudenangabe wurde das Gerät mit dem Laservibrometer
(Polytech OFV 300, Polytec, Berlin) kallibriert.
Bei den qualitätsbezogenen Analysen wurde der zu untersuchende Saft zunächst
Extrembedingungen ausgesetzt. Vorraussichtlich eintretende Veränderungen konnten so
im Voraus abgeschätzt werden. Die Zeitnahme für die Behandlungen erfolgte ebenfalls
nach Erreichen stationärer Temperaturbedingungen, die Temperaturanstiegszeiten
wurden jedoch vernachlässigt. Versuche in Überdruckatmosphäre wurden in der Druck-
apparatur (3.4) durchgeführt.
VORKULTUR
KEIMZAHLBESTIMMUNG
ORGANISMUS
Dauer
[h]
Temp.
[°C]
Medium
Dauer
[h]
Temp.
[°C]
Medium
Escherichia coli
K12 DH 5
α
48
30
Standard I Nährbouillon
(Nr. 7882; Merck, Darmstadt)
48
37
ENDO-Agar
(Nr. 4044; Merck, Darmstadt)
Lactobacillus
acidophilus
48
30
MRS-Bouillon
(Nr. 288110, DIFCO-Laboratories,
Detroid, USA)
48
40
Rogosa-Selektivnährmedium
(Nr.5413; Merck, Darmstadt)
vegetative Vorzucht
Standard I Nährbouillon
(Nr. 7882; Merck, Darmstadt)
Sporenzucht
Bacillus
stearothermophilus
40
96
55
55
Nutrient-Nährmedium
5g Pepton aus Fleisch (Nr. 7214;
Merck, Darmstadt), 3g Fleischextrakt
(Nr. 3979; Merck, Darmstadt), 13g
Agar Bacteriogical (Code L11, Oxoid,
Basingstoke UK) +10mg/l MnSO4H2O
48
55
Nutrient-Nährmedium
5g Pepton aus Fleisch (Nr. 7214;
Merck, Darmstadt), 3g Fleischex-
trakt (Nr. 3979; Merck, Darmstadt),
13g Agar Bacteriogical (Code L11,
Oxoid, Basingstoke UK)
Tab. 2: Eingesetzte Nährmedien und Inkubationsbedingungen der untersuchten Testorganismen.
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
18
3.3.2 Anlagenexperimente
Die angestrebten Behandlungen wurden in zwei unterschiedlichen Prozeßvarianten
getestet (Tab. 3). Nach Festlegung des Arbeitsbereiches für den Volumenstrom unter-
schieden sich diese nur in der Art der Wärmeübertragung sowie dem angewendeten
Temperaturbereich.
Während die Schallbehandlung der Probemedien bei stets gleicher Leistung der Schall-
quelle durchgeführt wurde, erfolgte die thermische Behandlung bei unterschiedlichen
Übertragerleistungen von PWÜ und Dampfinjektor. Die konventionellen und die ultra-
schall-kombinierten Behandlungen wurden demnach in ihrer thermischen Wirksamkeit
variiert. Um einen systematischen Fehler auszuschließen wurden die Behandlungen in
unterschiedlicher Reihenfolge und abwechselnd mit ansteigenden oder abfallenden
Temperaturen durchgeführt. Hierzu wurden 60 l des zu behandelnden Probemediums mit
konstantem Massenstrom durch die vorgesehenen Anlagenaggregate gefördert. Bei den
Inaktivierungsexperimenten erfolgte die Behandlung nach Beimpfung und anschließender
einstündiger Adaptionszeit bei 20°C. In regelmäßigen Abständen wurden entweder direkt
nach der Entspannung (Variante I) oder nach der Abkühlung im Entspannungsgefäß
(Variante II) behandelte Proben entnommen, wobei jeder Probe das zugehörige
Temperatur-Zeit-Profil zugeordnet wurde. Die Entnahme von jeweils 1 ml beimpftem
Probemedium erfolgte mit einer Eppendorfpipette an speziell konstruierten Entnahme-
stellen. Zur raschen Abkühlung auf Temperaturen außerhalb des Letalbereiches wurde
die Probe sofort in 9 ml Ringerlösung überführt. Thermische Behandlungen wurden zur
Unterstützung der Durchmischung mit pulsweise betriebenen Schallwandler (Tastverhält-
nis zwischen Beschallung und Ruhe 0.1/s, < 300 W) durchgeführt.
Bei den qualitätsbezogenen Untersuchungen erfolgte die Abkühlung in 40 ml Glasfla-
schen im Eisbad. Die Lagerung wurde lichtgeschützt bei 7°C bzw. 20°C vorgenommen.
Zur Vermeidung unerwünschter oxidativer Einflüsse wurden die Glasflaschen nahezu
ohne Kopfraum befüllt.
Temperatureffekt
Jede Schallausbreitung, so auch bei Ultraschallanwendungen in flüssigen Medien, ist von
Schallabsorption begleitet. Als Folge tritt eine Dämpfung der sich fortbewegenden Schall-
wellen auf, bei der mechanische Schallenergie in Wärme dissipiert. Die Umwandlung
Verfahrensvariante I (Pasteurisation) II (Sterilisation)
Art der Wärmeübertragung indirekt direkt
Temperaturbereich [°C] 50 – 80 110 – 150
Systemdruck absolut [MPa] 3 – 5 3 – 5
effektive Schalleistung [W] 700 850
Schallwellenamplitude [µm] 45-55 45-55
Volumenstrom [l/h] 20,25,30,35,40 20,25,30,35,40
Tab. 3: Prozessvarianten
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
19
erfolgt bei homogenen Flüssigkeiten durch innere und bei inhomogenen Flüssigkeiten
durch äußere Reibung (Veit, 1996). Um thermische und kombiniert thermisch-akustische
Verfahrensanwendungen hinsichtlich ihrer letalen Wirkung auf Mikroorganismen oder
ihres Einflusses auf die Qualität eines behandelten Produktes vergleichen zu können,
musste demnach der infolge der Schallwellenausbreitung auftretende Temperatureffekt
berücksichtigt werden.
In den Laborexperimenten konnten nach Ermittlung der schallbedingten Temperaturerhö-
hung relativ einfach thermische und akustisch-thermische Behandlungen mit identischer
thermischer Wirksamkeit realisiert werden. Dies geschah durch eine entsprechende
Vortemperierung der Probemedien, denen erst nach Erreichen stationärer Temperaturbe-
dingungen eine geringe Menge keimhaltiger Suspension injiziert wurde. Da bei den
thermischen und den kombinierten Versuchen in gleicher Weise vorgegangen wurde,
konnten so unterschiedliche Temperaturanstiegszeiten vermieden und die Durchführung
der Behandlung auf nahezu konstantem Temperaturniveau ermöglicht werden.
Im Gegensatz dazu konnten bei der kontinuierlichen Versuchsdurchführung keine
Behandlungen mit gezielt identischer thermischer Wirksamkeit erreicht werden. Da im
Schallraum die während der Schallbehandlung zusätzlich zugeführte Wärmeenergie nicht
durch eine dem Prozeßverlauf angepaßte Kühlung abgeführt wurde, ergaben sich für die
durchgeführten Behandlungen stets unterschiedliche Temperatur-Zeit-Profile. Da diese
unterschiedlich große Abbauraten für die mikrobiologische Abtötungsreaktion zur Folge
haben und um die kontinuierlich durchgeführten Behandlungen dennoch vergleichen zu
können, wurde nach einer einfachen Möglichkeit gesucht, deren Wirkungsanteil zu
bestimmen. Für den hier angestrebten Zweck eignete sich der zur Beurteilung von Sterili-
sationverfahren eingesetzte F-Wert (Sterilisationswert), der aus der Kenntnis des reakti-
onskinetischen Verhaltens der Testkeime in folgender Weise abgeleitet werden kann.
Der F-Wert stellt dabei einen rechnerisch ermittelten Zahlenwert dar, der die Zeit angibt,
die man bei einer konstanten Bezugstemperatur sterilisieren müsste, um den gleichen
thermischen Effekt zu erreichen, wie bei einem beliebig durchgeführten Sterilisationsver-
fahren. Er berücksichtigt dabei das vom Produkt durchlaufene Temperatur-Zeit-Profil und
war als Umrechnung auf eine konstante Bezugstemperatur und eine äquivalente Erhit-
zungszeit geeignet, die unterschiedlich durchgeführten Behandlungen entsprechend ihrer
thermischen Wirksamkeit zu vergleichen.
Für die Auswertung der Versuche in der Pilotanlage wurde der F-Wert auf Basis der im
Zentrum des Rohrquerschnittes gemessenen Temperatur sowie der mittleren gemesse-
nen Verweilzeit (mittlere Temperatur-Verweilzeit-Funktion) bestimmt. Dies geschah mit
Ausnahme für das Beschallungsaggregat, dessen F-Wert mit Gleichung 5 unter Berück-
sichtigung des realen Verweilzeitverhaltens berechnet wurde (siehe auch 4.1.3). Hierbei
wurde davon ausgegangen, daß sich, aufgrund der dort eingeleiteten Schallwellen,
Mischeffekte und somit annähernd konstante Temperaturbedingungen einstellten. Nach
=
1
0
t
t
Rdt
z
TT(t)
10F (4)
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
20
Temperaturmessungen im Schallraum konnte der angenommene Temperaturverlauf
näherungsweise bestimmt und bestätigt werden.
Der F-Wert wurde auch zur Ermittlung des thermischen Wirkungsanteils von Behandlun-
gen, die im Pasteurisationbereich durchgeführt wurden, eingesetzt. Dies war gerechtfer-
tigt, da die Temperaturabhängigkeit des z-Wertes durch die Festlegung des Referenz-
werts innerhalb des jeweiligen Arbeitsgebietes minimiert wurde (Kessler, 1996). In
umfangreichen Untersuchungen wurden deshalb die reaktionskinetischen Kenngrößen für
die eingesetzten Testorganismen selbst bestimmt. Zur Berechnung der aktuellen
thermischen Letalität einer Behandlung wurde die Gleichung 4 in Mathcad für Windows
(Version Plus 6.0, Fa. MathSoft Inc., Cambridge, USA) numerisch gelöst.
3.4 Druckapparat
Der in den Experimenten verwendete Druckapparat (Eigenbau) ermöglichte die Schall-
wellenbehandlung von Probenflüssigkeiten in Überdruckatmosphäre. Eine schematische
Darstellung ist Abbildung 4 zu entnehmen. Er bestand im oberen Teil aus einer Druckluft-
kammer und im unteren Teil aus einer misch- und temperierbaren Behandlungszelle. Die
Wahl des Baumaterials (Al 99.5 %) ermöglichte den kontaktlosen Mischbetrieb durch ein
herkömmliches magnetisches Rührwerk. Zur Temperierung der Behandlungszelle wurde
ein geregelter Thermostat (Typ Polystat cc 3, Fa. Huber Kältemaschinenbau GmbH,
Offenburg) eingesetzt, der im externen Kreislauf mit Silikon-Öl (Typ M 40.165.10) betrie-
ben wurde. Der Apparat-Innendruck wurde über den am Druckregler (1) eingestellten
Vordruck, sowie über ein Sicherheitsventil (7) kontrolliert. Bei Ansprechen des Sicher-
heitsventils trat Dampf gefahrlos in den Abzugraum aus.
Nach dem Befüllen des Behandlungsraumes mit Probenflüssigkeiten wurde die Druckluft-
kammer unter Druck gesetzt (0.1-0.5 MPa) und anschliessend die Behandlungszelle
beheizt. Zur Durchführung der Inaktivierungsexperimente wurde die Probeflüssigkeit, wie
auch in den Versuchen unter atmosphärischen Bedingungen, erst nach Erreichen statio-
närer Temperaturbedingungen beimpft. Die Probennahme (5) erfolgte während des
Betriebes mit Hilfe einer Mikrospritze. Zur Druck- und Temperaturüberwachung wurden in
der Druckluftkammer und in der Behandlungszelle druckdichte Fühlerdurchführungen
positioniert. Die Druckmessung erfolgte mit einem Druckaufnehmer (Typ HKM-375 M, Fa.
Kulite Semi-Konduktor GmbH, Hofheim), die Temperaturüberwachung im Medium mit
einem Temperaturaufnehmer (Thermoelement Typ K, Fa. Phillips IE GmbH, Hamburg).
=
0
60 N
N
logDF (5)
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
21
3.5 Pilotanlage
Die Versuchsanlage (Abb. 5, Tabelle 4) bestand im Wesentlichen aus den Aggregaten für
eine Vorwärmung (W1), Hocherhitzung (W2, I), Beschallung (U) und Rückkühlung (B2,
W3). Der Förderdruck wurde mit einer Zahnradpumpe (P1) erzeugt. Die Vorwärmung
erfolgte mit Hilfe der Übertragerabteilung W1 eines Plattenwärmeübertragers (Typ Varit-
herm 4 CDL C-16, GEA AHLBORN GmbH, Sarstedt), die im Gegenstrom mit Warmwas-
ser (Pasteurisation) oder zur Wärmerückgewinnung mit rücklaufendem, bereits behan-
deltem Produkt (Sterilisation) gespeist wurde. Im Versuchsbetrieb konnte der Produkt-
strom je nach Einsatzfall auf Temperaturen zwischen 35-65°C vorgewärmt werden.
Die Hocherhitzung wurde wahlweise mit Hilfe, der an einen separaten Heißwasserkreis-
lauf angeschlossenen und ebenfalls im Gegenstrom betriebenen Übertragerabteilung W2,
desselben Plattenwärmeübertragers (Pasteurisation) oder durch die zusätzliche Verwen-
dung eines aus einer Eigenentwicklung hervorgegangenen Dampfinjektors (I) (Müller,
1988), durch Nutzung frei werdender Kondensationsenthalpie von direkt eingeleitetem
Sattdampf (Sterilisation), realisiert.
Die Schallwellenbehandlung erfolgte nachdem die Probenflüssigkeit eine Haltestrecke
von variabler Länge (0.2 – 2.8 m) passiert hat und in den Einlass des Ultraschallreaktors
gefördert wurde. Als Schallquelle wurde ein industrieller Ultraschallprozessor (Typ UIP
1000, Fa. Dr. Hielscher GmbH, Teltow) eingesetzt, der eine hochfrequente longitudinale
(1)
(2) (3)
(4)
(5) (6)
(7)
EIN
70
40
80
320 120
Stufenhorn
SH 70 G
Sonotrode
KE 76
Magnetrührer
Anschluss für
Thermofluid
Behandlungsraum
(15.3 cm3)
Druckluftanschluss
(0.1 - 0.5 MPa)
Druckaufnehmer
HKM - 375 M
Thermoelement
Typ K
AUS
Abb. 4: (A) Schemenzeichnung und (B) Fotografie zum Versuchsaufbau für die bat-
chweise Ultraschall-Temperaturbehandlung im Druckapparat. (1) Druckregler, (2) Ultra-
schallwandler (Sonopuls UW 2070), (3) Druckmessanzeige, (4) Autoklav, (5) Probennahme,
(6) Hochfrequenzgenerator, (7) Sicherheitsventil.
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
22
Schwingung von 19.3 kHz bei einer maximalen Amplitude von 45-55 µm erzeugte. Die
Steuerung der Ultraschalleinrichtung erfolgte über die Leistungseinstellung des zugehöri-
gen HF-Generators.
Die Abkühlung des Produktes wurde je nach Behandlungsart (Pasteurisation oder Sterili-
sation) im Entspannungsgefäß B2 und/oder in den Übertragerabteilungen W1 und W3 des
Plattenwärmeübertragers verwirklicht.
Während des Sterilisationsprozesses wurde im Entspannungsgefäß die unter 0.1 bis
maximal 0.6 MPa Druck stehende Produktflüssigkeit auf einen unter dem Umgebungs-
druck liegenden Druck entspannt. Der Unterdruck wurde mit einer Flüssigkeitsringpumpe
erzeugt. Neben der erwünschten, schlagartigen Abkühlung auf die dem Unterdruck
entsprechende Siedetemperatur kam es zu einer Trennung von Produkt und dem zuvor
eingeleiteten Dampf.
Für die Einhaltung konstanter Stoff- bzw. Betriebswerte unterlag der im System vorherr-
schende Betriebsdruck und der im Entspannungsgefäß eingestellte Unterdruck einer
Regelung. Regelgröße für den erforderlichen Betriebsdruck im System war der von den
Drucksensoren gemessene, zwischen Produkt- und Dampfleitung bestehende Differenz-
druck. Der Betriebsdruck wurde so geregelt, daß der Differenzdruck zwischen Produkt-
und Dampfleitung jeweils der optimalen Arbeitseinstellung des Dampfinjektors entsprach.
Die Druckregelung, die hier den Durchsatz des Dampfmassestroms bestimmte, erlaubte
in der ausgeführten Form einen weitestgehend schwankungsfreien Produkt- und Heizme-
dienstrom und ließ gegenüber einer Temperaturregelung ein insgesamt günstigeres
Regelverhalten erwarten.
Im Falle der Unterdruckregelung diente die Differenz der vor der Sattdampfeinleitung V2
und nach der Drosselung B2 erfaßten Produktmasseströme als Regelgröße. Über das
Stellventil V4 konnte schließlich die Abdampfmenge an Entspannungsbrüden und somit
die gewünschte Ausgangskonzentration der Probenflüssigkeit definiert eingestellt werden.
An den erforderlichen Prozessabschnitten der Versuchsanlage wurden Messeinrichtun-
gen zur Bestimmung der Betriebsparameter Massenstrom (Coriolis Massendurchfluss-
messer Typ TRU-Mass, Fa. Bailey Fisher & Porter, Göttingen), Druck (Druckmessfühler
P40, Fa. PMA Prozess- und Maschinen Automation GmbH, Kassel), Temperatur (3-Leiter
Einschraubfühler Pt 100 Klasse A, Fa. NEWPORT OMEGA ELECTRONIC GmbH,
Deckenpfronn) und Ultraschall-Leistungseintrag (Leistungsmesser LVM 210, Fa. Waldsee
Electronic GmbH, Bad Waldsee) installiert. Die Registrierung und Speicherung der Stoff-
und Betriebswerte erfolgte mit der Software Test Point 3.0 (Keithley Instruments Inc.,
München) auf einem portablen PC nachdem die Sensorsignale den entsprechenden
Messwertumformern zugeführt und von einer 24 Kanal Messkarte (CIO-DAS 48-PGA,
PLUG-IN-ELECTRONIC GmbH, Eichenau) eingelesen wurden.
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
23
Abb. 5: Fotografische Aufnahme (A) und R-I-Fließbild (B) der Versuchsanlage zur kombinierten Ultraschall-Temperaturbehandlung flüssiger
Lebensmittel. (B1) Speichertank, (B2) Entspannungsgefäss, (I) Dampfinjektor, (N1) Anzeige Durchflussmesser, (N2) Durch-flussaufnehmer TRU-
Mass, (U) Ultraschallwandler UIP 1000.
B1
Kühlsole
Ein
Kühlsole
Aus
Produkt
Aus
W3
P4
M
V1 P1
TIR
5
Fließlinie für Rohrleitungen
Signalli nie
W2
P2
Heißwasser
el .
M
1
1
W1
TI R
FIRC
PIRC
1
2
TIR
A1
Dampf
2
PIR
C
Produkt
Ein
M
V4
U
I
TIR
3
V2
H
TI R
4
FIRC
2
V3
B2
LC
1
A2
M
P3
Luft
Brüden
A
B
(U)(V3)
(B2)
(N1)
(N2)
(I)
(V2)
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
24
3.6 Schalleistung und Schalldruckverteilung
Für die Bestimmung der von dem Ultraschallwandler (UIP 1000, Fa. Dr. Hielscher GmbH,
Teltow) abgegebenen Leistung und die Untersuchung der räumlichen Verteilung des
erzeugten Schallfeldes wurde eine Hydrophonmessung herangezogen (Messung und
Auswertung, Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig). Die Messung fand
in einem Tank mit 2 m Durchmesser statt, der mit Adsorbern an Rand und Boden zur
Herstellung von Freifeldbedingungen ausgestattet war. In der Mitte des Tanks befand sich
ein Kunststoffbeutel ( 50 cm), der mit 120 l entionisiertem Wasser gefüllt war.
Innerhalb dieses Wasservolumens wurde die Messung durchgeführt. Die Schallquelle
wurde senkrecht zur Wasseroberfläche justiert und 19 mm tief eingetaucht. Diese
Eintauchtiefe entsprach einem Viertel der Wellenlänge der Ultraschallwelle in Wasser mit
einer Nennfrequenz von 19.3 kHz. Die Schallwellen wurden entweder direkt in den Tank
AGGREGAT/GERÄT PARAMETER EINHEIT
Gesamtanlage Durchsatz
Betriebsdruck
max. Behandlungstemperatur
(Pasteurisation)
(Sterilisation)
[kg/h]
[MPa]
[°C]
20 - 200
0.1 - 0.6
90
150
Übertragerfläche
(Pasteurisation)
(Sterilisation)
[m2]
[m2]
0.230
0.782
PWÜ
(VT 4 CDL C-16)
Übertragerfläche
(Pasteurisation)
[m2]0.598
Injektor Querschnittsfläche der
Ringsen
Durchschnittlicher
Dampfverbrauch
[m2]
[kg/h]
1.25610-3
0.1
US-Reaktor Länge
Innendurchmesser
[m]
[m]
0.15
0.03
UIP 1000 Leistung des Schallwandlers
Durchmesser Sonotrode
Frequenz
Schallwellenamplitude
[W]
[m]
[kHz]
m]
1000
0.03
20
55
PWÜ
(VT 4 CDL C-16)
Übertragerfläche [m2]0.322
VORWÄRMUNG
HOCHERHITZUNG
BESCHALLUNG
RÜCKKÜHLUNG
Tab. 4: Betriebskenndaten und Maße der Versuchsanlage sowie einzelner
Anlagenaggregate
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
25
abgestrahlt oder an der Wasseroberfläche mit einem Phasensprung reflektiert. Die
Anordnung kann deshalb als Dipolschallquelle aufgefasst werden.
Das Hydrophon (Keramikhydrophon Typ 8103, Bruel & Kjaer) wurde in eine mechanische
Justiereinrichtung eingesetzt, die die Variation des radialen Abstandes r zwischen dem
Hydrophon und der Schallquelle sowie des Winkels
θ
zwischen radialen Abstandsvektor r
und dem Lot zur Wasseroberfläche erlaubte (Borys et al., 2002). Das vom Hydrophon
erzeugte elekrische Signal, das proportional zum Schalldruck ist, wurde verstärkt und mit
einem Digitaloszilloskop aufgezeichnet. Die Amplitude der Spannung der Grundwelle mit
der Nennfrequenz wurde mit Hilfe einer Fouriertransformation (FFT) aus den Zeitverläufen
ermittelt. Es wurden die Amplituden der Grundwelle ermittelt.
Aus den Kalibrierdaten des Hydrophones wurde der Schalldruck bestimmt und daraus die
Leistung im Schallfeld berechnet (6 und 7). Die Spannungsmessungen zur Untersuchung
der räumlichen Abhängigkeit des Schallfeldes wurden vierhundert Mal gemittelt, um
Fluktuationen durch die Änderungen des Kavitationsblasenfeldes zu vermindern. Für die
Leistungsbestimmung wurden acht unabhängige Einzelmessungen verwendet.
3.7 Verweilzeitanalyse
Die Verweilzeitversuche wurden an einem kontinuierlich betriebenen Versuchsreaktor aus
Acrylglas durchgeführt, wobei die Länge des Reaktors durch Verschiebung des Reaktor-
bodens frei gewählt werden konnte. Die Bestimmung des Verweilzeitverhaltens erfolgte
nach der Einmessstellenmethode in Anlehnung an das methodische Vorgehen von
Pinheiro Torres et al. (1997). Nach Einstellung verschiedener Betriebsbedingungen
(Volumenstrom, Reaktorlänge, Temperatur etc.) wurde der Fluidstrom (Wasser) am
Reaktoreintritt mit 0.5 ml NaCl-Lösung stossweise markiert. Anschliessend wurde am
Reaktorende der zeitliche Konzentrationsverlauf der Tracersubstanz im Intervall von 2 Hz
über eine elektrische Leitfähigkeitsmesszelle vom Typ ERL 16-1 (Gestra AG, Bremen)
gemessen.
Zur Auswertung des Verweilzeitverhaltens wurde die Anpassung des Kaskadenmodells
(21) vorgenommen. Die Modellfunktion und der ermittelte Konzentrationsverlauf der
Tracersubstanz wurde hierzu entsprechend normiert (8) (Pinheiro Torres et al., 1998).
c2
)r(pr
P
2
2
ρ
π
= (6)
f
rpr
Q
=
ρ
)( (7)
=
0
e
e
dt)t(c
)t(c
)t(E (8)
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
26
Der Anpassungsparameter A der Modellgleichung wurde mit der statistischen Software
zur Datenanalyse und Kurvenanpassung Table Curve 2D V4 (AISN Software Inc., Map-
leton) variiert bis das Messsignal der Tracersubstanz mit einer möglichst geringen Abwei-
chung berechnet werden konnte (4.1.3, Abb. 10 und 11).
3.8 Keimzahlbestimmung
Nach der Behandlung wurden je nach Versuchsreihe (Labor- oder Anlagenexperimente)
aus 0.1 oder 1.0 ml Probemedium Dezimalverdünnungen in Ringer-Lösung hergestellt
und diese in Teilmengen von 0.05 ml auf die entsprechenden Nährmedien verteilt. Der
Nachweis der Testkeime erfolgte für E. coli und B. stearothermopilus nach dem konven-
tionellen Drop-Plating Verfahren sowie im Falle der nachgewiesenen Lactobacillen nach
dem Gussplatten-Verfahren (Baumgart, 1986; Baumgart, 1997). Die Inkubationsbedin-
gungen und die für den Nachweis verwendeten Nährmedien können der Tabelle 2
entnommen werden.
3.9 Ascorbinsäurenachweis
Zur Bestimmung der nativen, in Orangensaft vorkommenden L-Ascorbinsäure wurde die
enzymatische Methode nach Boehringer (Fa. Boehringer Mannheim GmbH, Nr. 409 677,
Mannheim) durchgeführt. L-Ascorbinsäure und einige weitere reduzierende Substanzen
reduzieren hierbei das Tetrazoliumsalz MTT[3-(4.5-Dimethylthiazolyl-2)-2.5-diphenyltetra-
zoliumbromid] in Gegenwart des Elektronenüberträgers PMS (5-Methylphenaziniumme-
thylsulfat) bei pH 3.5 zu einem Formazan. Jeweils 0.1 ml für 5 min bei 13000 g zentrifu-
gierte Saftproben (Biofuge Pico, Fa. Heraeus, Hanau) wurden mit 1ml MTT und 1.5 ml
aq. bidest vermischt und nach 6minütiger Inkubation bei 37°C mit 0.1 ml 15 mM PMS
versetzt. Zur spezifischen Bestimmung wurde in einem Probenleerwertansatz von sämtli-
chen reduzierenden Substanzen nur der L-Ascorbat-Anteil in der Probe durch Ascorbat-
Oxidase (AAO) oxidativ entfernt. Nach einer Weiteren 15minütigen Inkubation bei 37°C
wurde die Extinktionsdifferenz der Probe abzüglich der Extinktionsdifferenz des Proben-
leerwertes bei 578 nm vermessen.
3.10 ESR-Messung
Die ESR-Spektroskopie (auch EPR-Spektroskopie) beruht auf Messungen am magneti-
schen Moment eines Elektrons, dem Elektronenspin. Durch Mikrowellen ausgelöst wird
ein Übergang zwischen zwei Energieniveaus einer paramagnetischen Substanz (magne-
tisierbarer Stoff mit ungepaarten Elektronen z. B. organische freie Radikale oder Über-
gangsmetallkomplexe) erzeugt (Weil et al., 1994). Die verschiedenen Energiestufen
entsprechen den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten des Spins eines ungepaarten
Elektrons des Systems in einem Magnetfeld. Die Messung erfolgt dadurch, dass man das
elektromagnetische Feld kontinuierlich oder gepulst auf die Probe einstrahlt. Wenn die
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
27
Energie des Feldes der Energiedifferenz zweier Zustände entspricht, kommt es zur Reso-
nanzabsorption von Energie aus dem Feld. Diese ist radikalspezifisch und von der Umge-
bung des Elektronenspins abhängig. Das gemessene ESR-Spektrum ist die erste Ablei-
tung der absorbierten Mikrowellenenergie gegen die angelegte Magnetfeldstärke.
3.11 Radikalbildungsaktivität
Der Nachweis entstandener freier Radikale erfolgte mit Hilfe der Spin-Trapping-Methode
(Andersen et al., 2000) unter Verwendung des Spin-Traps N-tert-Butyl-
α
-phenylnitron
(PBN, Nr. 7263, Fa. Sigma-Aldrich Chemie GmbH, Taufkirchen). Der Anwendungsvorteil
von PBN bestand in der hohen Reaktionsgeschwindigkeit der Spin-Trapping-Reaktion und
der größeren Stabilität der resultierenden Nitroxyl-Radikale, wodurch das Spin-Trap effek-
tiver d. h. in geringerer Endkonzentrationen einsetzbar war. Zur Bestimmung wurden 4 ml
Probenflüssigkeit (aq. dest, Orangensaft) mit jeweils 1 ml ethanolischer PBN-Stamm-
lösung versetzt und gut vermischt (Tab. 5). Der Saft wurde zuvor 5 min bei 13000 g zentri-
fugiert. Während der Behandlung wurde in geeigneten Zeitabständen Probe entnommen
und diese in eine 50 µl Kapillarpipette (A 761.1, Fa. Roth, Karlsruhe) eingezogen. Die
Pipette wurde in das Spektrometer eingeführt und die Messung 1 min nach Probennahme
begonnen. Die Quantität der gebildeten Radikale wurde als Signalamplitude des PBN-
Spinaddukts (9), die Signalintensität nach Integration des dritten Peaks des Spektrums
bestimmt. Die Wirksamkeit des Adduktbildners und die ESR-Bedingungen wurden über
die Signalform und –intensität nach Ablauf der Fenton Reaktion (10), durch Zugabe von
Eisen(II)-sulfat (Nr. 3965, Fa. Merck, Darmstadt) und 35%iger Wasserstoffperoxidlösung
(Nr. 8600, Fa. Merck, Darmstadt) überprüft.
3.12 Antioxidative Aktivität
Die Untersuchung der antioxitativen Aktivität (11) von thermisch und ultraschall-kombiniert
behandelten Orangensaft erfolgte durch Messungen mit dem wasserlöslichen Spin-label
Fremys-Salz (Kaliumnitrosodisulfonat, Nr. 4511, Fa. Sigma-Aldrich Chemie GmbH, Tauf-
kirchen) nach der Methode von Rösch et al., 2003. Der Saft wurde 5 min bei 13000 g
Fe 2+ + H2O2 + H+ Fe 3+ + H2O + HO
(10)
Reaktion nach Fenton.
CH N
O
CH3
CH3
CH3
++ RO
.
CH .
OR
N
O
CH3
CH3
CH3
-
Reaktionsschema für das Spin-trapping mit N-tert-Butyl-
α
-phenylnitron (PBN).
(9)
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
28
zentrifugiert, 1:5 mit aq. bidest. verdünnt und anschließend behandelt. Jeweils 500 µl der
Saftprobe wurde mit dem gleichen Volumen einer Lösung von Fremys-Salz (1mM in
Phosphat-Puffer pH 7, Nr. 9439, Fa. Merck, Darmstadt) versetzt und mit dem Vortex
vermischt (Tab. 5).
Zur spezifischen Bestimmung der antioxidativen Kapazität der Ascorbinsäure (12) in mol
reduziertes Fremys-Salz pro mol Ascorbinsäure wurde in einem Probenleerwertansatz nur
der L-Ascorbat Anteil der Proben durch Ascorbat-Oxidase (AAO) in Gegenwart von
Sauerstoff oxidativ entfernt. Die Saftproben wurden hierzu ca. 15 min bei ständigem
Mischen behandelt. Zusätzlich wurde ein Blindwert in aq. bidest gemessen. Die Signalin-
tensität der gemessenen ESR-Spektren von Fremys-Salz wurde 10 min nach dem Start
der Abbaureaktion (Injektion der Radikallösung) bestimmt.
Die Aufzeichnung der ESR-Spektren erfolgte bei 23°C mit dem Elektronen-Spin-Reso-
nanz-Spektrometer Miniscope MS 100 (Fa. Magnettech GmbH, Berlin). Die eingestellten
Registrationsparameter können Tabelle 6 entnommen werden.
a = eingesetzte Menge Fremys-Salz [mol]
b = abgebaute Menge Fremys-Salz [%]
c = eingesetzte Menge Standard [mol]
d = eingesetzte Menge Probe (unverdünnt) [L]
Zur Verhinderung der Konzentrationsänderung der Probemedien wurde die thermische
Behandlung bei Temperaturen < 100°C in einem spannungsfreiem Duranglas mit Über-
wurfmutter (Typ H250 u. 500, Fa. C.A.T GmbH & Co. Chromatographie und Analysen-
technik KG, Tübingen) durchgeführt. Bei gleichzeitigem Ultraschalleinsatz erfolgte eine
Korrektur der Füllmenge mit aq. bidest. im Anschluss an die Behandlung. Thermische und
kombiniert thermisch-akustische Behandlungen bei Temperaturen > 100°C wurden im
Druckapparat (3.4) durchgeführt.
c100
ab
Ak
= (12)
d100
ab
AA
= (11)
Reagenz
MW [g/mol]
Konzentration der
Stammlösung [M]
Konzentration der Endlösung
[mM]
PBN
C11H15NO
177.25
1.000
200
Eisen(II)sulfat
FeSO4
278.02
0.020
0.01
Wasserstoff-
peroxid
H2O2
34.01
0.350
5.40
Kaliumnitroso-
disulfonat
(Fremys Salz)
268.34
0.001
0.50
Tab. 5: Reagenzien und eingesetzte Konzentrationen für die Untersuchungen
zur Radikalbildung und zur antioxidativen Aktivität.
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
29
3.13 Sensorik
Zur Beurteilung der sensorischen Produktqualität wurde eine erweiterte Dreiecksprüfung
durchgeführt. Die sensorische Prüfung zielte auf die Eigenschaften Geruch, Farbe und
Geschmack des Prüfgutes und diente der Feststellung von Unterschieden zwischen
thermisch und akustisch-thermisch behandelten Proben. Eine Gruppe von sieben
Prüfpersonen bestimmte hierfür nach Art und Intensität der zuvor genannten Merkmale
abweichende Einzelproben aus Dreierprobensätzen, die stets zwei identische Proben
enthielten. Die Unterschiedsprüfung wurde um die Frage nach der Bevorzugung und um
die Beschreibung der Einzel- bzw. Doppelprobe erweitert, um mögliche auftretende
Produktveränderungen genauer charakterisieren zu können.
Die Vorabsprache mit den Prüfpersonen, die Vorbereitung, das Aufstellen und Darreichen
der Proben erfolgte in Anlehnung an das in der Amtlichen Sammlung von Untersuchungs-
verfahren nach § 35 LMBG bzw. an das in der gleichnamigen Deutschen Norm 10951
beschriebene Verfahren.
Innerhalb der Prüfung untersuchte jede Prüfperson 2 Probensätze bestehend aus einer
Dreierprobengruppe, die nach dem in Anhang A10 aufgeführten Schema thermisch und
akustisch-thermisch behandelte Proben enthielten. Im Falle eines festgestellten Unter-
schiedes hielt jeder Prüfer protokollarisch die Nummer der abweichenden Probe fest.
Weiterhin wurde die Bevorzugung angegeben und eine kurze Beschreibung der Einzel-
bzw. Doppelprobe zur Präzisierung der festgestellten Unterschiede vorgenommen. Die
Beschreibung erfolgte freiwillig mit vorgegebenen Begriffen (Anhang A9) und bezog sich
auf festgestellte Intensitäts- und damit bekannte Unterschiede.
Die Resultate wurden in einem Gruppenprotokoll für jedes der untersuchten Merkmale
zusammengefaßt und statistisch ausgewertet. Die erhaltenen Einzelurteile wurden in
richtig oder falsch umgesetzt und die Anzahl richtiger und falscher Antworten ermittelt.
Unter Beachtung der Gesamtanzahl der erfaßten Einzelurteile ergab sich die Aussage ob
signifikante Unterschiede für die Merkmalsgruppen Geruch, Farbe und Geschmack
zwischen den Prüfmustern festgestellt wurden.
RADIKALBILDUNGSKINETIK
ANTIOXIDATIVE AKTIVITÄT
REGISTRATION
PARAMETER
Einheit
PBN
Fremys Salz
Center field [G] 3397,4 3397,4
Sweep with [G] 70.7 99.7
Sweep time [s] 30 30
Modulationsamplitude [mG] 1500 1500
Power attenuation [dB] 10 10
Receiver gain [-] 900 10
Signal phase [deg] 0 0
Tab. 6: ESR-Parameter für die Untersuchungen zur Radikalbildung und zur antioxitativen
Aktivität.
Material und Methoden
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
30
3.14 Instrumentelle Farbmessung
Die Farbe der unterschiedlich behandelten Proben wurde mit dem Remissions-Farb-
messgerät Chroma-Meter CR 200 (Fa. Minolta GmbH, Ahrensburg) in dem allgemein
anerkannten Farbbewertungssystem der CIELAB (L*, a*, b*) erfaßt. Die Beleuchtung
erfolgte mit der Normlichtart C. Bestimmt wurden die Abweichungen in der spektralen
Zusammensetzung eines remittierten Xennon-Lichtes nach zuvoriger diffuser Ausleuch-
tung der Probemeßfläche. Bestimmte Wellenlängen des zur Ausleuchtung verwendeten
normierten Lichtes werden von der Probe absorbiert, was zu einer geänderten reflektier-
ten Farbreizfunktion gegenüber der Strahlungsfunktion des beleuchteten Lichtes führt. Die
Abweichungen entstehen infolge spezifischer Transmissionseigenschaften der Proben.
Die Messung der Reflexionswerte (Gelbton, Rotton und Helligkeit) erfolgte in Standard-
küvetten an verschiedenen Stellen einer Probeeinheit bei Lagertemperatur. Um farbliche
Schwankungen innerhalb einer Probe zu berücksichtigen wurden aus drei aufeinanderfol-
genden Messungen je Probeneinheit der Mittelwert gebildet und dieser schließlich als
Meßwert angegeben. Mit Hilfe der Farbwerte und der sich daraus ergebenden
Farbwertanteile Helligkeit, Farbton und Sättigung liessen sich die gemessenen Farben in
einem dreidimensionalen Farbraum vollständig kennzeichnen. Der Gesamtfarbabstand
E wurde entsprechend (13) aus den gemessenen Farbparametern (0 = anfänglich
gemessene Werte) ermittelt.
()()()
2
0
2
0
2
0*b*b*a*a*L*LE ++= (13)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
31
4 Ergebnisse und Diskussion
4.1 Ultraschallreaktor
4.1.1 Anforderungen
Bei der ultraschall-kombinierten Keimreduktion handelt es sich im Wesentlichen um eine
Reaktion unter Nutzung thermischer und mechanischer Energie. Die letale Wirksamkeit
der durchzuführenden Behandlung und der zu nutzende Kombinationseffekt hängen dabei
in besonderem Masse von der Größe und den Eigenschaften des im Ultraschallreaktor
erzeugten Kavitationsblasenfeldes ab. Für den Verlauf der Inaktivierungsreaktion sind
hierbei die Frequenz, die Dichte und die Intensität der einzelnen Blasenimplosionen
(energiereicher Blasenzerfall) entscheidend. Die Einflussnahme auf die genannten Eigen-
schaften gelingt über die Beschallungsparameter Frequenz und Schallwellenamplitude,
die technologischen Parameter Betriebsdruck und –temperatur sowie über die Mediums-
eigenschaften (z. B. Gasgehalt).
Weiterhin ist die Geometrie des verwendeten Reaktors von großer Bedeutung. Für die
Auslegung von Schallreaktoren ist sie im Allgemeinen so zu wählen, dass die eingetra-
gene Energie optimal in Schallenergie umgewandelt wird. Bei Einbauten im Reaktor
können Reflexionen und Resonanzen in Erscheinung treten, an denen die Schallenergie
verloren gehen kann. Von Behälterwandungen reflektierte Schallwellen können sich
überlagern, so dass unzureichend berechnete Geometrien zu partiellen Auslöschungen
der Schallfelder oder zu unerwünscht hohen Schalldruckwerten an kritischen Stellen
führen können.
Für einen technischen Ultraschallreaktor zur kontinuierlichen Keimreduktion in Flüssig-
keiten ergeben sich zunächst folgende Grundanforderungen (Tab. 7). Die Wahl der
direkten Schalleinkopplung, durch die eine einfache Schalleinleitung in das Behand-
lungsmedium bewerkstelligt werden kann, garantiert die größtmögliche Schallintensität bei
dessen Durchdringung d. h. höchste Ökonomie bei geringsten Intensitätsverlusten. Die
Möglichkeit der Verunreinigung des Mediums durch Erosion der schwingenden Sonotro-
denfläche wird hierbei in Kauf genommen. Sie ist zunächst für die betrachtete Inaktivie-
rungsreaktion unwesentlich.
Zu den Anforderungen an die Schallquelle gehört, dass das zu nutzende Kavitationsbla-
senfeld mit großer räumlicher Ausdehnung und möglichst homogener Verteilung seines
Energieinhaltes erzeugt wird. Als wichtigste Eigenschaften sollte dieses die bereits
genannten Merkmale der hohen Kollapsfrequenz, -dichte und -intensität der einzelnen
Kavitationsblasen aufweisen. Diese Forderung resultiert aus den vermuteten Hauptursa-
chen für die bakterielle Inaktivierung (2.4.2) und ergibt sich zwangsläufig aus den reakti-
onskinetischen Ergebnissen der im Labormaßstab durchgeführten Inaktivierungsversuche
(4.2.1, Einfluss schalltechnischer und technologischer Parameter auf die Inaktivierungsre-
aktion). Für die Erzeugung eines möglichst großen Kavitationsblasenfeldes mit starker
kavitativer Wirkung sind niedrige Frequenzen um 20 kHz eindeutig zu bevorzugen (2.3.1).
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
32
Nur in diesem Bereich kann auch der angestrebte stationäre Druck auf ein Niveau
gebracht werden, welches den bei höheren Temperaturen auftretenden Dampfdruckeffekt
verhindert. Für den Leistungsultraschall bei 20 kHz bieten sich Sonotroden als Schall-
strahler an. Diese liefern hohe Schallintensitäten (> 100 W/m2) bei gut überwachbaren
Betriebsbedingungen. Außerdem ermöglichen sie die Übertragung hoher Schallwellen-
amplituden, die für das Erreichen hoher Kavitationsintensitäten von Bedeutung sind.
Von den existierenden Reaktorarten mit direkter Schalleinkopplung wurde, zur Durchfüh-
rung der Inaktivierungsreaktion, ein Durchflussreaktor (Horn-Durchflusszelle) gewählt, da
dieser, trotz einiger technischer Einschränkungen, die geeignetste Möglichkeit darstellt,
Ultraschall auch für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen. Die zylindrische
Behälterform berücksichtigt dabei die zu erwartende rotationssymetrische Ausbreitung
des Schallfeldes und ermöglicht den unkomplizierten Einbau des Reaktors in Rohrlei-
tungssyteme vorhandener Anlagen.
Anforderung Begründung Lösung
Schalltechnik
Schallgebertyp Piezoelektrischer
Schallgeber
bester Wirkungsgrad Piezoelektrischer
Schallgeber
Schalleinkopplung
direkt optimale elektrische
Energieausbeute
Sonotrode
Schallfeld große Kavitationszone;
hohe Kollapsfrequenz,
-dichte und -intensität der
Kavitationsblasen
Inaktivierungsreaktion Frequenz [kHz]: 20
Amplitude [µm]: > 50
Behälterwandung schallhart Wandstärke [mm]: 10
Wandmaterial: Edelstahl
V2A, W.-Nr. 1.4301
Behälterform zylindrisch Einbau in Rohrleitungssyst.;
einfache Feldgeometrie
Reaktorvolumen an Kavitationsblasenfeld
angepasst; evtl. variabel
optimale Ausnutzung Schall-
energie; variable Reflexions-
bedingungen
Hydrophonmessung
Verfahrens- und Reaktionstechnik
Bauform Durchflussreaktor
(kontinuierliche Bauweise)
Beschallung grosser Mengen
an Flüssigkeiten
Durchflussreaktor
Temperatur [°C]:
Druck [MPa]:
Massenstrom [kg/h]:
20 – 150
0.1 – 0.5
20 – 200
Inaktivierungsreaktion
Durchsatz
Strömungsführung turbulent Mischeffekt Gegenstromführung von
unten
Werkstoff lebensmittelecht;
druck-, temperaturstabil;
kavitationsbeständig
Wandmaterial: Edelstahl
V2A, W.-Nr. 1.4301
Tab. 7: Anforderungsprofil zur Auslegung des Ultraschallreaktors.
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
33
4.1.2 Auslegung
Die Sonotrode der eingesetzten Schallquelle stellt die einfachste und für die Praxis
bedeutsamste Form eines technisch realisierbaren Strahlers, einen sogenannten Kreis-
kolbenstrahler, dar. Kennzeichnend für ihn ist die kolbenartig schwingende Oberfläche,
die im Freifeld bei niedriger Frequenz (2R << λ) Kugelschallwellen erzeugt. Die von der
Schallquelle abgestrahlte Schallenergie verteilt sich dann auf einer ständig wachsenden
Kugeloberfläche. Im Gegensatz zu ebenen Wellen nimmt die Schallenergie im Kugel-
schallfeld bezogen auf die durchschallte Flächeneinheit mit 1/r2 ab, weshalb Kugelschall-
wellen eine energetisch ungünstige Form der Wellenausbreitung darstellen und daher
vermieden werden sollten.
Die Reaktorgeometrie sollte eine optimale Schallabstrahlung bei günstigsten Reflexions-
bedingungen ermöglichen. Die Bauform musste demnach so gewählt werden, dass eine
annähernd ebene bzw. gerichtete Schallausbreitung ermöglicht wird. Darüber hinaus
musste der seitliche Druckausgleich (akustischer Kurzschluss) vermieden werden.
Besonders bei zeitlich langsam ablaufenden Schallschwingungen ist für einen seitlichen
Druckausgleich genügend Zeit vorhanden, so dass sich trotz Vorhandenseins einer
gewissen Schallschnelle ν keine nennenswerten Schalleistungen ergeben. Bei Kolben-
strahlern verhindert man einen seitlichen Druckausgleich, zumindest zu einem Teil, durch
Anbringung einer Schallwand. Verfahrenstechnische Überlegungen von Horst (1997)
führten für den Anwendungsfall einer heterogenen Flüssig-Feststoffreaktion (Grignard-
synthese) zu einem Trichterreaktor. Die Trichterform war hierbei geeignet, um ein
möglichst großes Volumen an Feststoffen effektiv in der Zone höchster Schallintensität zu
halten.
Die schalltechnisch günstigere Wahl ist jedoch ein schallhartes Rohr (Kundtsches Rohr),
dessen Durchmesser möglichst klein (2R λ/2), aber mindestens dem der radialen
Ausdehnung der Sonotrode oder des erzeugten Kavitationsblasenfeldes angepasst, sein
sollte. Es stellt die einfachste und zugleich exakteste Anordnung zur Ausbreitung von
Schallwellen dar und ermöglicht auch bei ungünstigsten Verhältnissen zwischen der
Wellenlänge des Fluids und dem Radius der schallabstrahlenden Fläche eine nahezu
gerichtete Schallabstrahlung zu erreichen. Das beschallbare Volumen ist zwar klein,
jedoch wird, neben der Verhinderung des seitlichen Druckausgleiches, auch der Strah-
lungswiderstand des Fluids positiv beeinflusst.
Die Verwendung eines schallharten Rohres bietet auch aus verfahrens- bzw. reaktions-
technischer Sicht Vorteile. So kann, im Hinblick auf die durchzuführende Inaktivierungs-
reaktion, eine sichere Reaktionsführung nur dann gewährleistet werden, wenn Totzonen
im Reaktor vermieden werden. Ein variables Reaktionsvolumen (verschiebbarer Reaktor-
boden) wurde favorisiert, da Änderungen der Prozessparameter Abweichungen in der
räumlichen Ausdehnung des Kavitationsblasenfeldes hervorrufen können.
Für die Reaktorkonstruktion stellt der Sonotrodendurchmesser die erste Randbedingung
dar (3.5, Tab. 4). Im Fortgang der Auslegung wurde zunächst eine Analyse der Schall-
quelle vorgenommen. Zur genaueren Charakterisierung wurde der Strahlungswiderstand,
die eingetragene Ultraschallleistung und die Schalldruckverteilung im Medium ermittelt.
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
34
Strahlungswiderstand
Für die Energieeinkopplung in den Reaktor ist zunächst entscheidend, wie die abstrah-
lende Oberfläche der Schallquelle (Sonotrode) belastet wird. Als Maß kann der Strah-
lungswiderstand angegeben werden. Er wird hauptsächlich durch die Geometrie des
Strahlers, die Schallfeldgröße Frequenz und durch die Eigenschaften des Mediums
bestimmt. Als mechanischer Wirkwiderstand beeinflusst er maßgebend die als Wirklei-
stung abgegebene Schalleistung. An der Oberfläche des schallabstrahlenden Senders ist
der Strahlungswiderstand komplexwertig, weshalb er als Strahlungsimpedanz bezeichnet
wird. Die Strahlungsimpedanz des Kreiskolbenstrahlers ist (14).
Dabei sind J1(x) und H1(x) die Besselfunktion und die Neumannfunktion erster Ordnung,
durch deren Entwicklung man folgende Näherungsgleichungen erhält.
Für den verwendeten Kolbenstrahler mit dem Radius r wurden in Abbildung 6 der Strah-
lungswiderstand (Realanteil der Strahlungsimpedanz) und die mitschwingende Medium-
masse (Imaginäranteil) als Funktion von krKo berechnet. Mit zunehmendem Wirkanteil wird
mehr Schall ins Medium abgestrahlt. Der Strahlungswiderstand fällt beim Kolbenstrahler
mit abnehmendem Radius und nach tiefen Frequenzen hin mit ω2 ab. Frequenzbezogen
gilt das gleiche für die abgestrahlte Schalleistung.
Wie in Abbildung 6 erkennbar, wird im vorliegenden Anwendungsfall für kavitierendes
Medium eine gute Schallabstrahlung erzielt. Wegen krKo > 1 (krKo Produkt aus Wellenzahl
k = ω/c0 und dem Radius der Kolbenstrahlerfläche) schwingt unter den gegebenen Bedin-
gungen die Mediummasse nicht ohne Aufwand an Wirkleistung mit. Das Medium wird
komprimiert und die dafür aufgewendete Arbeit als Schallenergie an die entfernter gele-
genen Volumenelemente des Ausbreitungsmediums weitergeleitet.
Bei der Entstehung des Kavitationsblasenfeldes in der Flüssigkeit führt die Existenz von
Kavitationsblasen zu Schallstreuung und in der Folge auch zu einer geänderten Schall-
wellenausbreitung. Aufgrund der komplexen Kavitationsprozesse (Stoss- bzw. Schock-
wellenausstrahlung kavitierender Blasen) wird in der zu nutzenden Nahfeldzone (r < 2λ)
die gerichtete Schallwellenausbreitung und somit die Ausbildung einer stehenden Welle
verhindert. Die Überlagerung einer Vielzahl von Wellen unterschiedlicher Periodizität,
Amplitude usw. führt zum sogenannten Kavitationsrauschen. Die Tatsache der gestörten
(
)
+=
ν
=
Ko
Ko1
Ko
Ko1
0Ko kr2
)kr2(H
2j
kr2
kr2J
21AZ
F
Z(14)
()}{
(
)
2
kr
Z/ZRe
2
Ko
A0Ko
(15)
()}{
23
kr8
Z/ZIm Ko
A0Ko
π
(16)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
35
und nicht genau definierbaren Schallausbreitung führte zur experimentellen Bestimmung
der räumlichen Schalldruckverteilung.
Schalleistung
Die in das Medium eingetragene Ultraschalleistung steht als Wirkleistung für die Inaktivie-
rungsreaktion, d. h. zur Schaffung des Kavitationsblasenfeldes, zur Verfügung. Sie ist
damit ein wichtiges Kriterium für die lokale Wirkungsintensität auf die zu inaktivierenden
Keime. Die eingetragene Schalleistung wurde zunächst nach Gleichung 17 und 18 über-
schlagsweise berechnet. Sie wurde weiterhin durch Messung der HF-Aufnahme- und
Abgabeleistung des Ultraschallgenerators (19) sowie indirekt durch die Messung des
Schalldruckes (6) im Medium experimentell ermittelt.
Abb. 6:
Real- und Imaginärteil der mechanischen Impedanz des Kolbenstrahlers (Kolben-
membran in unendlicher Schallwand). Voraussetzung ist, dass der schwingende
Kolben nur in einen Halbraum Schall abstrahlt. Bei vorliegender Geometrie und
eingestellter Frequenz sind Stellen für Wasser (a), Luft (b) und kavitierendes Wasser (c)
gekennzeichnet.
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
Z /Z *A [-]
010 20 30 40
kr [-]
Ko
Ko 0
Re
Im
a b c
2
00
22
Sy
ˆ
cf2I ρπ= (17)
0SS AIP
=(18)
LAE PPP
=
(19)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
36
Für die indirekte Bestimmung der Schalleistung anhand des Schalldruckes wurden
Messungen bei drei verschiedenen Leistungs- bzw. Amplitudeneinstellungen des Wand-
lers (20%, 60%, 90%) vorgenommen. Tabelle 8 listet die Mittelwerte aus jeweils acht
Messungen auf, die pro Leistungsstufe in Grenznähe zum Kavitationsblasenfeld gemes-
sen wurden. Zusätzlich wurde die Streuung der Werte anhand der mittleren quadratischen
Abweichung angegeben. Die gemessenen Leistungen liegen im Bereich < 100 W. Da die
Absorption im Kavitationsblasenfeld deutlich größer als im umgebenden Wasser war,
wurde das Schallfeld abgeschirmt. Die Werte stiegen nicht mit der Leistungsstufe an,
sondern es zeigte sich ein Sättigungseffekt. Die Ursache hierfür ist, dass eine höhere
Ultraschalleistung auch eine ausgedehntere Blasenwolke erzeugt, die wiederum zu höhe-
rer Absorption führt.
Zu beachten ist, dass nicht in jedem Fall ein erhöhter Leistungseintrag mit einer zuneh-
menden Kavitationsintensität verbunden ist. Mit steigendem Leistungseintrag und größer
werdenden Blasenradien nehmen z. B. die Kollapszeiten zu. Liegen diese Zeiten über
einer halben Schwingungsperiode der sogenannten Kollapsbedingung, so wird der
Kollaps durch den negativen Schalldruck abgebremst (Horst, 1997). In jedem Fall
empfehlen sich daher Messungen zur indirekten Bestimmung der Kavitationsintensität
(2.3.1).
Aus den Differenzen der Werte konnte nun eine Grobabschätzung für die zur Erzeugung
des Kavitationsblasenfeldes genutzte Schallleistung sowie der Verlustleistung vorgenom-
men werden. Den Werten zufolge gehen ca. 13 % der vom Ultraschallgenerator
aufgenommenen Leistung geräteseitig bzw. durch Weiterleitung der Schallwellen am
Reaktorgehäuse verloren. Nur etwa 78 % der insgesamt ins Medium eingetragenen Ultra-
schallenergie wurde letztlich zur Entwicklung von Kavitationsblasen, d. h. für die Arbeit zu
ihrer Ausdehnung auf den maximalen Blasenradius aufgewendet. Die mittlere aus den
Werten für die Schalleistung berechnete Schallintensität beträgt rund 100 W/cm2.
Schalldruckverteilung
Die räumliche Verteilung der Schalldruckamplitude hängt vom Verhältnis der Schallwel-
lenlänge zu den Wandabmessungen und den akustischen Verlusten in der Flüssigkeit ab.
Abbildung 7 zeigt die Amplitude des gemessenen Schalldrucks in Abhängigkeit vom
Abstand l zum Wandler (UIP 1000). Neben den gemessenen experimentellen Daten sind
theoretische Werte für eine ideale Dipolquelle in Wasser eingetragen (7 und 20). Die
absolute Höhe wurde hierzu an die experimentellen Werte angepasst. Zur räumlichen
Tab. 8: In Wasser abgegebene akustische Leistung in Abhängigkeit von der Leistungsstufe.
Leistungsstufe [%] Leistung PA [W] Leistung PE [W] Leistung PG [W] Streuung σP [%]
20
60
90
815
840
860
838
700 64.6 ± 13
730 83.4 ± 17
750 75.3 ± 15
726 74
8.0
10
18
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
37
Charakterisierung des Schallfeldes wurde der Schalldruck zusätzlich in Abhängigkeit vom
Winkel
θ
bestimmt (Abb. 8), wobei eine Messung für 20% und eine für 90% der Maximal-
leistung des Wandlers durchgeführt wurde. Die Messungen des Schalldruckes waren von
einer starken Kavitation begleitet. Auch in entgastem Wasser war ein ausgedehntes
Kavitationsblasenfeld um die Sonotrode zu beobachten.
In Abhängigkeit vom Abstand zur Sonotrode wurden im Bereich l < 0.15 m große Unter-
schiede zwischen gemessenen und theoretisch berechneten Werten für den Schalldruck
in Wasser festgestellt. Die Unterschiede können dadurch erklärt werden, dass die Schall-
wellen im stark absorbierenden Kavitationsfeld stärker als in der blasenfreien Flüssigkeit
abgedämft wurden. Im Bereich l > 0.15 m fand die Schallwellenausbreitung schließlich
wieder in einem kavitationsfreien Medium mit bekannter Dichte des flüssigen Mediums
statt, was die gute Übereinstimmung zwischen den experimentellen und theoretischen
Daten erklärt.
Bei den Messungen in Abhängigkeit des Winkels zeigte sich, dass im Abstand l > 0.15 m
aufgrund der räumlichen Ausdehnung der Kavitationsblasenwolke nicht mehr von einer
Dipolquelle ausgegangen werden konnte. Eine Ausnahme bildeten nur die Schalldruck-
messwerte, die direkt unterhalb der Sonotrode oder an der Wasseroberfläche gemessen
wurden. Den Einfluss des Kavitationsfeldes zeigt hierbei auch der Vergleich zwischen den
Messungen beider Leistungsstufen. Bei höherer Leistung konzentrierte sich das Feld an
der Symetrieachse, was auf eine größere räumliche Ausdehnung der Quelle schließen
lässt. Da die Kavitationsblasen in der Wolke als Streukörper wirken ist auch dieses
Ergebnis verständlich. Für l = 0.2 m wurden unterhalb der Sonotrode bis zum Abstand r
von der Mittelachse nur geringe Änderungen des Schalldruckes (< 2 kPa) festgestellt.
Abb. 7:
Schalldruckamplitude in Abhängigkeit
vom Abstand l (
θ
= 0) zur Sonotro-
denoberfläche. ( ) experimentelle Werte
bei einer Leistungseinstellung des
Wandlers von 90%, (- lang) theoretische
Werte für eine Dipolquelle in Wasser (7
und 20).
0
40
80
120
160
p [kPa]
0.0 0.1 0.2 0.3 0.4
r [m]
l
0epp α
= (20)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
38
Für die im Kavitationsgebiet ermittelte Verteilung der Schalldruckamplitude war mit
Gleichung 7 und 20 ebenfalls eine gute Anpassung an die experimentellen Daten erziel-
bar (Abb. 7). Das Ergebnis bestätigt die von Sutilov (1984) gemachte Aussage, dass die
Abschwächung der Schallwellen auch im kavitierenden Medium durch ein gewöhnliches
Exponentialgesetz beschrieben werden kann. Die hierbei erhaltene Absorptionskoeffi-
ziente αav überstieg erheblich den Wert α0 der nichtkavitierenden Flüssigkeit (Anhang
A12). Infolge der starken Dämpfung fiel die Druckamplitude in den Ultraschallwellen etwa
bei der Entfernung l = 0.15 m zur Schallquelle auf einen Wert, der niedriger als der
Schwellenwert, der zur Kavitationsentstehung notwendig war ab und die Kavitation hörte
auf. In optischen Untersuchungen konnte der festgestellte Grenzbereich des Kavitations-
blasenfeldes bestätigt werden (Abb. 9).
4.1.3 Reaktorvolumen bzw. -länge
Aufgrund der indirekt gemessenen Ausdehnung des Kavitationsblasenfeldes sollte die
Reaktorlänge, als zweite Randbedingung für die Auslegung des Ultraschallreaktors, mit l
0.15 m festgelegt werden. Zur Ermittlung eines Absolutwertes für l wurde basierend auf
den Analysedaten zur Charakterisierung der Schallquelle sowie auf den nachfolgend
beschriebenen Ergebnissen zum Betriebsverhalten eines Versuchsreaktors eine Optimie-
rungsrechnung vorgenommen. In dieser wurde die mögliche dezimale Keimreduktion in
Abhängigkeit des Volumenstromes, des Reaktorvolumens und des spezifischen Gesamt-
energieeintrages ermittelt.
-40
-20
0
20
40
p [kPa]
30
0
150
120
90
60
180
210
240
270
300
330
Abb. 8: Abhängigkeit der Schalldruckamplitude von Winkel
θ
(r = 200 mm)
und der Leistungseinstellung des Ultraschallwandlers. ( ) 20%, ( )
90%, (-) theoretische Werte für eine Dipolquelle in Wasser.
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
39
1. Betriebsverhalten des Versuchsreaktors
Amplitudenverteilung
Für die in den Versuchsreaktor eingebaute Schallquelle charakterisiert der experimentell
bestimmte Dämpfungskoeffizient α0 laut seiner Definition die Amplitudendämpfung der
sich ausbreitenden Ultraschallwellen. Er kann deshalb auch als Amplitudenkoeffizient der
Dämpfung bezeichnet werden. Da die Amplitudencharakteristika der verschiedenen
Schallparameter untereinander durch lineare Beziehungen verbunden sind, ist das expo-
nentielle Dämpfungsgesetz mit dem Koeffizienten α0 für jeden beliebigen akustischen
Parameter, so z. B. auch für die Druckamplitude gültig. Die Ergebnisse aus den Messun-
gen zur Schalldruckverteilung können deshalb auf die Amplitudenverteilung übertragen
werden (Anhang A4). Bei Messungen mit einem Laservibrometer konnte eine homogene
Amplitudenverteilung auf der gesamten Sonotrodenoberfläche nachgewiesen werden
(Ergebnisse nicht dargestellt).
Temperaturverteilung
Bei Temperaturmessungen (60 – 90°C), die im stationären Betrieb des Reaktors für akus-
tisch-thermische Behandlungen durchgeführt wurden, konnten im Volumenstrombereich
10 l/h < V < 60 l/h für Reaktorvolumina zwischen 17 cm³ und 102 cm³ annähernd
konstante Temperaturbedingungen (maximales gemessenes T = 0.3 K) festgestellt
werden (Ergebnisse nicht dargestellt). Dieser Umstand wurde auf die gute Durch-
mischung des Reaktors infolge der Überlagerung der Förderströmung durch akustisch
erzeugte Strömungen (Makro-, Mikroströmungen etc.) zurückgeführt. Das gleiche
Betriebsverhalten konnte auch für thermische Behandlungen, die zur Unterstützung der
Durchmischung mit pulsweise betriebenen Schallwandler (Tastverhältnis zwischen
Beschallung und Ruhe: 0.1 bei < 300 W Leistung) durchgeführt wurden, gemessen wer-
den (Ergebnisse ebenfalls nicht dargestellt). Sprunghafte thermische Instabilitäten z. B.
durch lokale Hot Spots konnten bei den durchgeführten Messungen nicht erfasst werden.
Verweilzeitverteilung
Der kontinuierliche Betrieb des Reaktors war in dem betrachteten Parameterbereich 10 l/h
< V < 60 l/h und 17 cm³ V 102 cm³ von einer starken Streuung der Aufenthaltsdauer
der einzelnen Fluidteilchen gekennzeichnet. Die effektiven Verweilzeiten der einzelnen
Elemente, die gleichzeitig in den Reaktor gefördert wurden, waren aufgrund von Disper-
sionseffekten über ein mehr oder weniger breites Zeitfenster verteilt. Zur allgemeinen
Charakterisierung des Verhaltens wurde die relative Häufigkeit der Elemente gleicher
effektiver Verweilzeit nach einer Stoßmarkierung mit der Einmessstellenmethode
bestimmt.
Um das abweichende Verweilzeitverhalten des Reaktors gegenüber eines idealen Modell-
reaktors zu beschreiben, wurde ein einfaches Strömungsmodell verwendet. Hierbei war
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
40
es ausreichend auf ein Modell zurückzugreifen, dass mit nur einem Parameter den Grad
der auftretenden Rückvermischung erfasst. In Abbildung 10 und 11 sind hierzu
Ergebnisse der Kurvenanpassungen an die experimentellen Resultate aufgeführt. In dem
eingeschränkten Untersuchungsgebiet wurde eine gute Übereinstimmung festgestellt.
Die gemessenen Verweilzeitverteilungen waren denen von Rührkessel-, Blasen oder
Schlaufenreaktoren mit einer hohen axialen Rückvermischung ähnlich. Das Tracersignal
stieg relativ schnell bis zu einem ausgeprägten Maximum und nahm dann vergleichsweise
langsam ab. In Abhängigkeit der variierten Parameter stellte sich eine Strömung mit
einem durch den Modellparameter A beschriebenen Vermischungsgrad zwischen 2.1 und
3.8 ein. Erwartungsgemäß zeigte sich, dass bei ansteigendem Volumenstrom und bei
kleiner werdenden Reaktorvolumen eine stärkere Rückvermischung (A 2) stattgefun-
den hat (Abb. 12).
In einer optischen Verweilzeitstudie wurde bei Reaktorvolumina > 102 cm³ im unteren
Reaktorbereich die Ausbildung von Totzonen festgestellt (Abb. 9). Hingegen war im
oberen Reaktorbereich etwa bis zur Grenze der Ausdehnung des Kavitationsblasenfeldes
ein Bereich guter Durchmischung mit geringen Konzentrationsgradienten beobachtbar.
t [s] = 0 246
70
8
80 10090
16
50
45
40
35
3025
11060
Abb. 9: Optische Verweilzeitstudie im Schallreaktor. (Volumenstrom [l/h]: 20,
Druck [MPa]: 0.2, Schallwellenamplitude [µm]: 55 µm, Reaktorlänge [m]:
0.25)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
41
Abb. 10:
Ergebnisse der Verweilzeitanalyse (E-Typ Verteilungen bzw. Dichtefunktion) für die thermische
Behandlung bei verschiedenen Volumenströmen und eingestellten Reaktorvolumina. (A) 10 l/h, (B)
60 l/h, (C) 17 cm³, (D) 102 cm³. (o) Experimentelle Werte, (-) durch Parametereinschätzung
angepasste Modellgleichung.
0.00
0.20
0.40
0.60
0.80
010 20 30
B
17 cm
81 cm
39 cm
60 cm
102 cm
3
3
3
3
3
0.00
0.20
0.40
0.60
0.80
E(t)
010 20 30
t [s]
C
60 l/h
50 l/h
40 l/h
30 l/h
20 l/h
0.00
0.04
0.08
0.12
0.16
E(t)
020 40 60
A
3
17 cm
102 cm
81 cm
60 cm
39 cm
3
3
3
3
0.00
0.10
0.20
0.30
020 40 60
t [s]
D
50 l/h
40 l/h
30 l/h
20 l/h
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
42
Abb. 11:
Ergebnisse der Verweilzeitanalyse (E-Typ Verteilungen bzw. Dichtefunktion) für die ultraschall-
kombinierte Behandlung bei verschiedenen Volumenströmen und eingestellten Reaktorvolumina.
(A) 10 l/h, (B) 60 l/h, (C) 17 cm³, (D) 102 cm³. (o) Experimentelle Werte, (-) durch Parameterein-
schätzung angepasste Modellgleichung.
0.00
0.20
0.40
0.60
0.80
010 20 30
B
81 cm
60 cm
39 cm
17 cm
102 cm
3
3
3
3
3
0.00
0.04
0.08
0.12
0.16
E(t)
020 40 60
A
3
17 cm
102 cm
81 cm
60 cm
39 cm
3
3
3
3
0.00
0.10
0.20
0.30
020 40 60
t [s]
50 l/h
30 l/h
20 l/h
40 l/h
D
0.00
0.20
0.40
0.60
E(t)
010 20 30
t [s]
C
50 l/h
20 l/h
30 l/h
60 l/h
40 l/h
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
43
2. Modellansatz
Basierend auf den zur Ermittlung des Betriebsverhaltens durchgeführten Messungen
wurde folgende Modellvorstellung entwickelt:
Die Inaktivierungswirkung bzw. -leistung des Versuchsreaktors ergibt sich als Folge einer
überlagerten Amplituden-, Temperatur- und Verweilzeitverteilung. Ausgehend von den
Messungen zur Schalldruckverteilung erfolgt eine exponentielle Abnahme der Schallwel-
lenamplitude gemäß der experimentell bestimmten Dämpfungskonstante. Die Abnahme
tritt dabei näherungsweise nur in axialer Richtung mit zunehmendem Abstand von der
Schallquelle ein. Im Reaktor werden isotherme Bedingungen angenommen.
Die Verteilung der in den Reaktor einströmenden Fluidteilchen wird maßgeblich von der
Förderströmung und der entgegengesetzt gerichteten Schallwellenausbreitung beein-
flusst. Aufgrund des in Richtung der Schallausbreitung wirkenden Strahlungsdruckes
sowie der starken Dämpfung des Ultraschalls in entstandenen Kavitationsblasen entwik-
keln sich kräftige akustische Strömungen. Die in den Reaktor einströmenden Fluidteilchen
werden sofort von den sich ausbreitenden Schallwellen erfasst und nahezu ideal verteilt.
Der Vorgang wird durch den Umstand begünstigt, dass die Schallwellenausbreitung
entgegen der Förderstromrichtung stattfindet. In dem betrachteten Parameterbereich wird
infolge der Variation des Volumenstromes und der Volumenänderung des Reaktors nur
eine geringe Änderung der Strömung hervorgerufen (Abb. 12). Entsprechend der ermittel-
ten Werte für den Modellparameter A (Vermischungsgrad zwischen 2.1 und 3.8) verbleibt
das System in der Nähe des Idealfalles einer vollständig durchmischten Strömung (idealer
Rührkessel).
2.0
2.4
2.8
3.2
3.6
4.0
A [-]
20 40 60 80 100 120
V [cm ]
10 l/h
20 l/h
30 l/h
40 l/h
50 l/h
60 l/h
3
A
2.0
2.4
2.8
3.2
3.6
4.0
20 40 60 80 100 120
V [cm ]
30 l/h
40 l/h
50 l/h
20 l/h
10 l/h
60 l/h
3
B
Abb. 12:
Modellparameter A in Abhängigkeit der Parameter Volumenstrom und Reaktor-
volumen. (A) Thermische Behandlung bei 60°. (B) Ultraschall-kombinierte
Behandlung.
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
44
3. Berechnung
Ausgangspunkt der Berechnung war ein einfaches nicht-ideales Strömungsmodell (21),
dass primär zur Berechnung von Kaskadenreaktoren (Kaskadenmodell) eingesetzt wird
Ramaswamy et al., 1995). Es berücksichtigt die Reihenschaltung von A idealen Rührkes-
seln, wobei die Ausgangsfunktion eines Rührkessels gleichzeitig die Eingangsfunktion
des nachfolgenden ist. Die für das Gesamtsystem resultierende Verweilzeitkurve war
dabei nur von dem Modellparameter A (Anzahl der Rührkessel) abhängig. A = 1 entspricht
dem Fall des idealen Rührkessels (vollständige Durchmischung), während A das
ideale Strömungsrohr, also einen Kolbenfluss ohne Durchmischung beschreibt. θ ist hier-
bei die normierte Verweilzeit (θ = t/τ) und E(θ) die normierte Verweilzeitverteilungsdichte.
Mit Hilfe des Strömungsmodells konnte der Strömungsübergang, d. h. die Änderung des
Vermischungsgrades während des Reaktorbetriebes bei unterschiedlichen Volumenströ-
men und während der Volumenänderung simuliert werden.
Der nicht theoretisch bestimmbare Modellparameter A wurde als Funktion des Volumen-
stromes und des Reaktorvolumens aus den Anpassungen der Modellfunktion an die expe-
rimentellen Verweilzeitverteilungen ermittelt (Abbildung 10 und 11). Um auch Verteilungen
für nicht ganzzahlige Werte von A erhalten zu können, wurde der Term 1/(A-1)! durch eine
Interpolationsfunktion ersetzt (Anhang A5).
Die Berechnung der Verweilzeitverteilung lieferte zunächst die anteiligen Mengen und die
unterschiedliche reale Verweilzeit (effektive Aufenthaltszeit) der Volumenelemente in dem
Reaktor, welche auf turbulenten Transport, molekulare Diffusion und Verwirbelungen
durch Reibung an der Rohrwand zurückgeführt wurden. Sie führte im zweiten Teilschritt
zum mittleren logarithmischen D-Wert der Behandlung (23) unter Zuhilfenahme der sich,
in Abhängigkeit der Reaktorlänge, ergebenden Amplitudenverteilung (Anhang A4) und der
in den reaktionskinetischen Untersuchungen ermittelten D-Wert Gleichung (24). Durch die
Mittelwertbildung (logarithmisches Mittel) wurde die exponentielle Amplitudenabnahme
und die damit verbundene mittlere Intensitätsabschwächung der Behandlung mit
zunehmenden Reaktorvolumen berücksichtigt.
)!1A(
1
eA)(E )A(1AA
θ=θ θ (21)
2
2
V)V(b1
V)V(c)V(a
)V,V(A +
+
=&
&&
&(22)
e
a
ea
D
D
ln
DD
)y
ˆ
(D
=(23)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
45
))10ln(T)y
ˆ
(m)10ln()y
ˆ
(n( R
e)y
ˆ
(D
=(24)
Im dritten Teilschritt wurde mit Hilfe von Gleichung 25 der Anteil der abgetöteten Keime
N/No und daraus die dezimale Reduktion bzw. die Inaktivierungsleistung des Reaktors
bestimmt.
4. Ergebnis
Grenzwerte für den Volumenstrom und das Reaktorvolumen ergeben sich zum einen aus
dem Förderdruck und zum anderen aus der Zunahme der Störempfindlichkeit des Reak-
tors aufgrund einer schlechteren Durchmischung und der damit verbundenen Erhöhung
der Inhomogenität der Behandlung. Wegen des druckbedingten Leistungsabfalls der im
Reaktor verwendeten Schallquelle und der damit verbundenen Abschwächung der Kavi-
tationsintensität sollte der Förderdruck 0.5 MPa nicht überschreiten (Anhang A3). Bei
Reaktorvolumina > 102 cm³ wurde im unteren Reaktorbereich die Ausbildung von Totzo-
nen festgestellt (Abb. 9). Für die untersuchten Bereiche 10 l/h < V < 60 l/h und 17 cm³ < V
< 102 cm³ lieferten die Ergebnisse der Berechnung erste Anhaltspunkte für eine geeig-
nete Parameterwahl zur effektiven Durchführung der angestrebten Inaktivierungsreaktion.
Abbildung 13 enthält beispielhaft Werte für die thermische und ultraschall-kombinierte
Keimreduktion von E. coli bei der Bezugstemperatur von 60°C. Da sich bei höheren
Temperaturen, hierbei auch bei anderen Testorganismen, bezüglich der gesuchten Para-
meter keine Änderungen in den Aussagen ergaben, wurde auf weitere Darstellungen
verzichtet. Erwartungsgemäß wurden für beide Behandlungsvarianten die höchsten
Keimreduktionen bei niedrigen Volumenströmen und bei großen Reaktorvolumina
vorausgesagt. Für die kleinste simulierte Reaktorgröße wurden entsprechend dem vari-
ierten Volumenstrom logarithmisch dezimale Abtötungen im Bereich von -0.01 bis -0.07
(thermisch) bzw. –0.09 bis–0.15 (akustisch-thermisch) ermittelt. Für die größte gewählte
Reaktordimension mit einem Reaktionsvolumen von 102 cm³ hingegen, wurde im
gleichen Volumenstrombereich mit –0.07 bis –0.65 (thermisch) bzw. -0.25 bis –1.10
(akustisch-thermisch) eine 7.0 bis 9.0 fach bzw. 2.7 bis 7.3 fach höhere Gesamtabtötung
berechnet.
Bezüglich der Parameterwahl wurden in Abhängigkeit der zur Keimdezimierung einge-
setzten Energie, d. h. für den Ausnutzungs- bzw. Wirkungsgrad des Reaktors jedoch
andere Gegebenheiten erwartet. Die Erwartungen richteten sich dabei nach dem
Umstand, dass zur Erzielung der höheren Keimzahldezimierung bei niedrigen Volumen-
strömen ein entsprechend höherer spezifischer Energieeintrag aufgewendet werden
muss.
θ=
t
0
)y
ˆ
(D
t
0
dt10)(E
N
N(25)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
46
Um zu ermitteln bei welchen Parameterbedingungen der Versuchsreaktor am effektivsten
betrieben werden kann, wurde das Reduktionsergebnis auf den spezifischen Energieein-
trag bezogen. Zuvor wurde die Differenz aus den Inaktivierungsergebnissen für die
thermische und ultraschall-kombinierte Betriebsweise ermittelt (Abb. 14 A). Die bei der
Berechnung erhaltenen Ergebnisse entsprachen dabei qualitativ denen, die auch mit Hilfe
des definierten Beschleunigungsfaktors EUS ermittelt werden können (Rosenplänter,
1999). Dieser wird bei Vergleichen zwischen thermisch und akustisch-thermisch aktivier-
ten chemischen Synthesen verwendet. Zur Beschreibung des Einflusses des Ultraschalls
werden hierbei üblicherweise die Reaktionsgeschwindigkeitskonstanten ins Verhältnis
gesetzt (26). Die Ergebnisse zeigen dass größtmögliche Behandlungsunterschiede beim
Reaktorbetrieb mit niedrigen Volumenströmen und hierbei sowohl mit großen als auch mit
mittleren Reaktorvolumina erreicht werden können.
Für die Bestimmung des Wirkungsgrades des Reaktors ηR bei verschiedenen Parame-
tereinstellungen wurde, unter Verwendung der in Abbildung 14 A gezeigten Daten, mit
(27) ein dimensionsloser Zusammenhang zwischen der durch den Ultraschall verbesser-
ten Inaktivierungswirkung und dem zusätzlich aufgewendeten Energiebetrag erhalten.
Der Wirkungsgrad von eins bedeutet die größtmögliche Inaktivierungszunahme bei
geringstmöglicher Zunahme des spezifischen Energieeintrages.
k
k
EUS
US =(26)
Abb. 13:
Berechnungsergebnisse zur dezimalen Keimreduktion im Versuchsreaktor in Abhän-
gigkeit des Volumenstromes und des Reaktorvolumens. (A) Thermische Behandlung
bei 60 °C (Pulsbetrieb). (B) Ultraschall-Kombinierte Behandlung bei 60 °C.
10
20
30
40
50
60
20
40
60
80
100
-1.2
-0.9
-0.6
-0.3
0.0
log N/No [-]
V [l/h] V [cm ]
3
10
20
30
40
50
60
20
40
60
80
100
-1.2
-0.9
-0.6
-0.3
0.0
V [l/h] V [cm ]
3
B
A
k
k
EUS
US =(26)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
47
Beim Vergleich der unterschiedlichen Reaktorwirkungsgrade zeigte sich, dass bei niedrig
gewähltem Volumenstrom sowohl der Reaktor mit kleinem als auch der Reaktor mit
großem Behandlungsvolumen etwa bei gleichem Wirkungsgrad betrieben werden konnte
(Abb. 14 B). Bei groß gewähltem Durchsatz waren die höchsten Produktionsleistungen
nur bei der Wahl großer Behandlungsvolumina möglich.
Zur Überprüfung der Berechnungsergebnisse wurden Experimente mit zwei unterschiedli-
chen Reaktorgrößen durchgeführt (Abb. 15 und Anhang A2). Hierbei wurde festgestellt,
dass die Berechnung größtenteils die in den experimentellen Untersuchungen gemes-
senen Keimdezimierungen liefert. Obwohl in der Berechnung die Ortsabhängigkeit der
strömenden Fluidteilchen unberücksichtigt bleibt, wurden ausreichend genaue Ergebnisse
erhalten.
=η
T
UST
US
0
R
E
E
N
N
1
(27)
Abb. 14:
Berechnungsergebnisse der dezimalen Keimreduktion im Versuchsreaktor in
Abhängigkeit der Parameter Volumenstrom und Reaktorvolumen. (A) Größtmögliche
Behandlungsunterschiede. (B) Wirkungsgrad des Schallreaktors beim ultraschall-
kombinierten Betrieb bei 60°C.
10
20
30
40
50
60
20
40
60
80
100
-1.2
-0.9
-0.6
-0.3
0.0
log N/No [-]
V [l/h] V [cm ]
3
10
20
30
40
50
60
20
40
60
80
100
0.00
0.25
0.50
0.75
1.00
η
V [l/h] V [cm ]
3
R
[-]
A B
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
48
Aus den gewonnenen Ergebnissen konnten nun folgende Schlussfolgerungen abgeleitet
werden:
Folgend den Berechnungsergebnissen besitzt der Reaktor, der im Volumen etwa der
Volumenausdehnung des Kavitationsblasenfeldes entspricht, im Volumenstrombereich 10
l/h < V < 60 l/h, den höchsten Wirkungsgrad. Der Grund hierfür ist sicherlich die bestmög-
liche Ausnutzung des Schallfeldes.
Reaktorvolumina < 102 cm³ erscheinen nur beim Betrieb mit niedrigen Volumenströmen
effizient. Neben der geringeren Ausnutzung des Schallfeldes ergeben sich bei hohen
Volumenströmen zu geringe Aufenthaltszeiten. Bei kleinen Reaktorvolumina wurde eine
schlechtere Übereinstimmung im Vergleich der experimentellen und berechneten Inakti-
vierungsresultate festgestellt. Die Reaktorleistung wurde hierbei überschätzt. Es wird
vermutet, dass für den Erfolg der Inaktivierungsreaktion eine bestimmte Mindestaufent-
haltszeit (Induktionszeit) im Schallfeld ausschlaggebend ist. Da sich feststellbare
Zellschäden voraussichtlich erst nach mehreren tausend Druckzyklen einstellen (Piya-
sena et al., 2003) ist deshalb mit einer überpropertional starken Leistungsabnahme bei
Reaktoren im unteren Volumengrenzbereich zu rechnen. In dem Bereich V < 17 cm³
wurde wegen zu großer Unsicherheiten aufgrund fehlender experimenteller Vergleichs-
daten (experimentell abgesicherter Bereich bis 10 s Behandlungszeit) keine Simulation
vorgenommen. Reaktorgrößen bei denen das Reaktorvolumen nicht vollständig vom
Kavitationsblasenfeld ausgefüllt ist, erscheinen wegen der höheren Störanfälligkeit als
Folge einer schlechteren Durchmischung ungeeignet. Für die Reaktorlänge als zweite
Randbedingung zur Auslegung folgt damit l = 0.15 m.
-4.5
-3.0
-1.5
(Experiment)
Log N/No [-]
-4.5-3.0-1.5
Log N/No [-]
(Berechnung)
Abb. 15:
Vergleich experimenteller und
berechneter Ergebnisse für die
Inaktivierung von E. coli für den
Betrieb zweier Reaktorgrößen (V
[cm³]: 24.7, 102.5) bei unterschied-
lichen Volumenströmen (V [l/h]: 10,
20, 30, 40, 50, 60) und Temperatu-
ren (T [°C]: 64, 66, 68). ( ) Reak-
tor 24.7 cm³ T, ( ) Reaktor 24.7
cm³ UST, (Ο) Reaktor 102.5 cm³ T,
() Reaktor 102 cm³ UST.
Ergebnisse und Diskussion
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
49
4.2 Ergebnisse Keiminaktivierung
4.2.1 Laborexperimente
Die ersten keimreduzierenden Experimente wurden im Batch-System unter stationären
Temperaturbedingungen durchgeführt. An den ausgewählten Testkeimen wurde zunächst
untersucht, in welcher Größenordung der zu erwartende synergistische Effekt von Tempe-
ratur und Ultraschall auftritt. Für die Übertragung in den kontinuierlichen Prozess sollte
bestimmt werden, welche Prozessparameter (Temperatur, Behandlungsdruck und -zeit,
Schallwellenamplitude) für die vorzunehmende Keimabtötung realisiert werden müssen.
Zum Vergleich mit Literaturdaten wurde die Inaktivierungsreaktion zuerst in einer Modell-
lösung (Phosphat-Puffer) und später in einem realen Lebensmittelerzeugnis erfasst. Die
bei der Ermittlung des letalen Effektes der Testkeime erhaltenen Kenngrößen (D-Wert, z-
Wert) sollten für die Auswertung der anschließenden, im kontinuierlichen System durch-
geführten Versuche, verwendet werden.
Die Untersuchungen im Batch-System ergaben zunächst die in Abbildung 16 und 17
aufgezeigten Ergebnisse. Darin sind die in Pufferlösung für die thermische und akustisch-
thermische Inaktivierung der Testkeime erhaltenen Abtötungs-Temperatur-Kurven (TDT-
Kurven) gegenübergestellt. Für die akustisch-thermische Behandlung wurden beispielhaft
die mit einer Schallwellenamplitude von 110 µm erzielten Ergebnisse aufgeführt.
Die mikrobielle Inaktivierung folgte bei allen durchgeführten Behandlungen (thermische,
akustische und kombiniert akustisch-thermische) unabhängig vom den angewendeten
Prozessparametern, den eingesetzten Testkeimen und dem Behandlungsmedium nähe-
rungsweise einer Reaktion erster Ordnung (Bsp. Abb. 16 A), was die Auswertung der
Ergebnisse unter Zuhilfenahme eines einfachen Zeitgesetzes (Formalkinetik) erlaubte.
Entsprechend dem Reaktionsablauf sind in den folgenden Abbildungen und im Anhang
A6 die wichtigsten kinetischen Kenndaten sowie die Parameter der Geradenanpassungen
dargestellt.
10
1
10
2
10
3
10
4
D-Wert [s]
-6
-4
-2
0
log N/No [-]
48 52 56 60 64 68
T [°C]
0
240
480
720
960
t [s]
US 28°C
T 60°C
UST 60°C
A
E. coli DH 5
α
(T)
E. coli DH 5
α
(UST)
L. acidophilus (T)
L. acidophilus (UST)
Abb. 16:
Abtötungs-Kurven von E. coli K12 DH 5
α
nach akustischer, thermischer und
kombiniert akustisch-thermischer Be-
handlung (A) sowie Abtötungs-Tempe-
ratur-Kurven (TDT) von E. coli K12 DH 5
α
und L. acidophilus nach thermischer
und kombiniert akustisch-thermischer
Behandlung. (Behandlungsvolumen [ml]:
10, Schallwellenamplitude [µm]: 110,
Medium: Phosphat-Puffer pH7, Absolut-
druck [MPa]: 0.1).
Ergebnisse und Diskussion
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
50
Den Daten zufolge konnte bei Anwendung der ultraschall-kombinierten Behandlung in
Püfferlösung bei allen drei Testorganismen ein signifikannt erhöhter Inaktivierungseffekt
gegenüber der thermischen Verfahrensanwendung nachgewiesen werden. Der gemes-
sene Effekt war dabei stets größer als die Summe der gemessenen Einzeleffekte einer
akustischen und thermischen Behandlung, wodurch der beschriebene Synergismus
zweifelsfrei bestätigt werden konnte. Im untersuchten Experimentalbereich (Medium:
Phosphat-Puffer Temperatur [°C]: 56 – 60 [E. coli K12 DH 5
α
], 52 – 60 [L. acidophilus]
bzw. 115 - 130 [B. stearothermophilus]; Schallwellenamplitude [µm]: 55-110) konnten
hierbei D-Wert-Reduktionen von bis zu 87.4 % (E. coli K12 DH 5
α
), 65.9 % (L. acidophi-
lus) und 68.9 % (B. stearothermophilus) erreicht werden.
Bei den eingesetzten vegetativen Testkeimen konnten einerseits gleiche Temperaturemp-
findlichkeiten andererseits jedoch unterschiedliche Sensitivitäten gegenüber der kombi-
nierten Behandlung festgestellt werden (Abb. 16). Unter Ausschluss einer Reihe von
Faktoren, z. B. Medieneinfluss oder Wachstumsstadium der Zellen, kann diese Beobach-
tung auf das unterschiedliche Gramverhalten der Testkeime (E. coli K12 DH 5
α
= gram-,
L. acidophilus = gram+) und/oder auf die Zellform (E. coli K12 DH 5
α
= stäbchenförmig,
L. acidophilus = kokkoid) und hierbei insbesondere auf das Verhältnis zwischen Zellober-
fläche und Volumen zurückgeführt werden (Earnshaw, 1995; Scherba et al., 1991). Der
Einfluss der Zellform wird mit einer größeren Trefferwahrscheinlichkeit bzw. Scheran-
griffsfläche bei großen stäbchenförmigen Zellen begründet.
Wegen des limitierenden Effektes des Dampfdruckes und der damit verbundenen Reduk-
tion der Bindungskräfte zwischen den Flüssigkeitsmolekülen konnte methodisch bedingt
bei den vegetativen Testkeimen eine Abnahme des synergistischen Effektes mit zuneh-
mender Temperatur beobachtet werden (Abb. 16). Der beschriebene Effektivitätsverlust
trat jedoch nicht bei den Versuchen mit dem sporenbildenden Testkeim sowie bei den im
nächsten Abschnitt beschriebenen Versuchen im kontinuierlichen Durchflussbetrieb auf.
10
1
10
2
10
3
10
4
D-Wert [s]
112 116 120 124 128 132
T [°C]
Bac. stearothermobilus (T)
Bac. stearothermobilus (UST)
Abb. 17:
Abtötungs-Temperatur-Kurven (TDT) von
B. stearothermophilus nach thermischer
und kombiniert akustisch-thermischer
Behandlung. (Behandlungsvolumen [ml]:
15, Schallwellenamplitude [µm]: 110,
Medium: Phosphat-Puffer pH7, Absolut-
druck [MPa]: 0.3).
Ergebnisse und Diskussion
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
51
Diese Experimente wurden bei erhöhtem Systemdruck (0.3 - 0.5 MPa) durchgeführt,
wodurch der Wert für die Kavitationsgrenze und somit die Intensität der erzeugten Kavita-
tion nach oben verschoben wurde.
Die Steigerung der Inaktivierungsrate bei allen Testkeimen ließ weiterführende Untersu-
chungen zu, wonach der Kombinationseffekt für L. acidophilus auch in Orangensaft
bestätigt werden konnte. Abbildung 18 enthält hierzu Versuchsergebnisse zur Inaktivie-
rung von L. acidophilus. Neben der verbesserten Keimreduktion infolge der ultraschall-
kombinierten Behandlung konnten in den Versuchen deutliche Unterschiede zu den in
Modellösung (pH 7) erhaltenen Ergebnissen festgestellt werden. Unerwarteterweise
vollzog sich die Abtötung mit maximalen D-Wert-Reduktionen von 32.9 % (thermisch) und
28.2 % (akustisch-thermisch) in Orangensaft schneller als bei den Versuchen in Pufferlö-
sung.
Die letale Wirksamkeit der ultraschall-unterstützten Behandlung war in großem Maße von
der Schallwellenamplitude abhängig (Abb. 19, Anhang A7). Sie wurde mit zunehmenden
Amplitudenwerten durch die Steigerung der Kollapsintensität (2.3.1) stetig erhöht.
101
102
103
104
D-Wert [s]
48 52 56 60 64 68
Temperatur [°C]
Orangensaft
(T), (UST)
Phosphat-Puffer pH 7
(UST), (T)
Abb. 18:
Einfluss des Behandlungsmediums auf
die thermische (T) und die akustisch-
thermische (UST) Inaktivierung von L.
acidophilus. (Behandlungsvolumen [ml]:
10, Schallwellenamplitude [µm]: 110,
Absolutdruck [MPa]: 0.1).
Ergebnisse und Diskussion
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
52
4.2.2 Anlagenexperimente
Im Anschluss an die bisherigen Versuche wurde nun auch in der kontinuierlich arbeiten-
den Pilotanlage mit der Erprobung der verbesserten Keiminaktivierung begonnen. Tabelle
3 gibt einen Überblick der durchgeführten Behandlungen, die hinsichtlich der Findung des
Arbeitsbereiches der Versuchsanlage durchgeführt wurden.
In der Prozessbewertung zur bakteriellen Inaktivierung, war das Kriterium der gleichen
thermischen Wirksamkeit die Basis für den objektiven Vergleich zwischen den unter-
schiedlichen Behandlungen. Sie beinhaltet die Integration der gemessenen Temperatur-
bzw. Verweilzeitprofile die in der Pilotanlage, unter Annahme einer einheitlichen radialen
Temperatur und Geschwindigkeitsverteilung in den Haltestrecken bzw. isothermer Bedin-
gungen im Schallbehandlungsraum. Die Vorgehensweise stützt sich dabei auf eine Reihe
von Temperaturmessungen, in denen, trotz der niedrigen berechneten Renoldszahlen (Re
zwischen 140 - 890), stets Temperaturgradienten kleiner 0.5 (Haltestrecke) bzw. 0.3 K
(Reaktor) detektiert wurden. Als die Hauptursachen für die günstigen Verteilungen sind
die ultraschallbedingte Durchmischung im Schallreaktor sowie die kleinen Rohrlängen und
die große Anzahl an Querschnittsänderungen, Krümmungen und Umleitungen in den
Haltestrecken zu nennen.
Zunächst konnte abhängig vom Testorganismus, dem Probemedium oder der durchge-
führten Verfahrensvariante festgestellt werden, daß die ultraschall-kombinierte Behand-
lung auch bei kontinuierlicher Durchführung eine verbesserte Abtötung gegenüber der
thermischen Verfahrensanwendung erbrachte. In jedem Fall war eine Reduzierung des
Temperaturniveaus oder der Dauer der Behandlung möglich. Dies zeigte sich, nachdem
10
0
10
1
10
2
10
3
D-Wert [s]
48 52 56 60 64 68
A
0 µm
50 µm
110 µm
160 µm
101
102
103
104
48 52 56 60 64 68
B
0 µm
50 µm
110 µm
T [°C]
Abb. 19:
Einfluss der Schallwellenamplitude auf das Inaktivierungsergebnis der ultraschall-kombi-
nierten Behandlung. (A) E. coli K12 DH 5 α. (B) L. acidophilus. (Behandlungsvolumen [ml]:
10, Schallwellenamplitude [µm]: 0, 50, 110, 160, Medium: Phosphat-Puffer pH 7, Absolut-
druck [MPa]: 0.1).
Ergebnisse und Diskussion
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
53
zum sicheren Nachweis des Kombinationseffektes, die Ergebnisse der Keimzahlbestim-
mungen den thermischen Wirkungsanteilen (F-Wert) der durchgeführten Behandlungen
gegenübergestellt wurden (Abb. 20). Bei gleichem F-Wert waren deutliche Unterschiede
im Ausmaß der Keimreduzierung erkennbar. Eine höhere Keimzahlreduktion gegenüber
der thermischen Behandlung konnte dabei auch im Sterilisationsprozess aufgezeigt
werden, bei dem die Hocherhitzung durch direkte Wärmeübertragung nach Einleitung von
Sattdampf erfolgte. Die Schallwellenbehandlung erfolgte hierbei im Anschluss an die
Kondensationsstrecke.
Abb. 20:
Inaktivierung von E. coli K12 DH 5
α
(a), L. acidophilus (b) und B. stearothermophilus (c) nach
thermischer(O) und akustisch-thermischer Behandlung ( ) in der Pilotanlage. (A) Temperatur-
Verweilzeit-Profile der Behandlungen. (B) Inaktivierungsergebnisse. Der Abszissenwert ent-
spricht der Behandlungszeit, die bei der angegebenen Bezugstemperatur pasteurisiert bzw.
sterilisiert werden müsste um den aufgezeigten Effekt zu erhalten. (Medium: Phosphat-Puffer
pH7, Massenstrom m [kg/h]: 20, Behandlungsdruck [MPa]: 0.5, Mittlere Verweilzeit im Schall-
reaktor tm [s]: = 20, Schallwellenamplitude [µm]: 55).
20
30
40
50
60
70
T [°C]
0
30
60
90
120
150
0 30 60 90 120 150 180 30 60 90 120 150 180 0 30 60 90 120 150 180 210
0
A
t [s]
abc
-5
-4
-3
-2
-1
Log N/No [-]
060 120 180 240 300
60 120 180 240 300
0600 1200 1800 2400 3000
0
B
F-Wert [s]
60°C 60°C 121.1°C
Ergebnisse und Diskussion
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
54
Die Quantifizierung des eingetretenen Effektes war im Hinblick auf die Reduzierung des
Temperaturniveaus oder auf die Verkürzung der Behandlungsdauer in Bezug auf einen
Referenzprozess, der bei einer konstanten Temperatur durchzuführen ist, möglich. Unter
den gegebenen experimentellen Bedingungen wurde festgestellt, daß bei den isothermen
Prozessen bei 60°C (Pasteurisation) und bei 121.1°C (Sterilisation), das Temperaturni-
veau um bis zu 7.3 ± 1.2 % (E. coli K12 DH 5
α
), 3.0 ± 0.7 % (L. acidophilus) bzw. 3.4 ±
0.3 % (B. stearothermophilus) gesenkt oder aber die Prozeßzeiten um 65.0 ± 19.8 % (E.
coli K12 DH 5
α
), 41.6 ± 12.8 % (L. acidophilus) bzw. 47.0 ± 9.1 % (B. stearothermophi-
lus) verkürzt werden konnten.
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
55
4.3 Produktanalyse
Für die qualitätsbezogene Prozessbewertung wurde der thermisch und akustisch-ther-
misch behandelte Orangensaft hinsichtlich seiner sensorischen und ernährungsphysiolo-
gischen Produktqualität geprüft. Erwünschte und unerwünschte verarbeitungstechnische
Veränderungen wurden mittels eines sensorischen und instrumentellen Prüfverfahrens
sowie auf analytischem Wege anhand ausgewählter Leit- bzw. Indikatorsubstanzen unter-
sucht. Beispielhaft werden Ergebnisse für Auswirkungen auf die Qualitätsmerkmale
Geschmack, Farbe und Geruch, die antioxidative Wirksamkeit sowie den nativen L-
Ascorbinsäuregehalt des Saftes vorgestellt. L-Ascorbinsäure wurde neben der ernäh-
rungsphysiologischen Bedeutung besonders wegen ihrer Oxidierbarkeit im Hinblick auf
eine mögliche oxidierende Wirkung des Ultraschalls gewählt. Die Untersuchungen wurden
direkt nach der Behandlung oder im Verlauf einer sich an die Behandlung anschließenden
35tägigen Lagerzeit durchgeführt.
4.3.1 L-Ascorbinsäure
Bei den im Labormaßstab durchgeführten Untersuchungen wurde zunächst der mittlere
Gehalt an L-Ascorbinsäure in frisch hergestellten Saftproben bestimmt. Der mit 265 ± 5.0
mg/L gemessene Wert war mit Literaturdaten vergleichbar und entsprach den orientieren-
den Werten gemäß RSK. Die Proben wurden anschließend thermischen und akustisch-
thermischen Behandlungen ausgesetzt, die unter moderaten und extremen Bedingungen
durchgeführt wurden. Die Gehaltsmessungen zeigten hierbei eine hohe Widerstandsfä-
higkeit der Säure auf, wobei neben der erwarteten hohen thermischen Resistenz auch
eine hohe Stabilität gegenüber der Ultraschallbehandlung festgestellt werden konnte. Das
extreme Abbauverhalten wurde auf den niedrigen pH-Wert des umgebenden Mediums
zurückgeführt, der bereits als wesentlicher Einflussfaktor für die thermische Resistenz der
untersuchten Substanz bekannt ist.
Bei den Messungen in den Laboruntersuchungen, die direkt im Anschluss an die
Behandlungen durchgeführt wurden (Abb. 21 C), betrug die Abnahme des L-Ascorbinsäu-
regehaltes 24.1 ± 0.5 mg/L (9.1± 0.3 %) in den thermisch (130°C, 60min) und 37.6 ± 0.7
mg/L (14.2 ± 0.3 %) in den ultraschall-thermisch behandelten Proben. In den herkömmlich
pasteurisierten Säften (90°C, 120s) konnten im Vergleich zu den unbehandelten keine
messbaren Gehaltsabnahmen festgestellt werden.
Während der 35tägigen Lagerung der Proben wurden stärkere Gehaltsänderungen
gemessen. Die Abnahme des Ascorbinsäuregehaltes betrug hierbei 67.0 ± 1.3 mg/L (25.3
± 0.5 %) in den thermisch (130°C, 60min) und 107.8 ± 2.1 mg/L (40.7 ± 0.8 %) in den
ultraschall-thermisch behandelten Proben. Die Gehaltsabnahme in den herkömmlich
pasteurisierten Säften (90°C, 120s) betrug 45.1 ± 0.8 mg/L (17.0 ± 0.3 %).
Bei den im Technikumsmaßstab durchgeführten Untersuchungen (Abb. 22) wurden
unmittelbar nach der Behandlung keine Unterschiede im L-Ascorbinsäuregehalt gemes-
sen. Sowohl in den thermisch als auch in den akustisch thermisch behandelten Proben
blieb die Ausgangskonzentration weitgehend erhalten. Auch während der ersten
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
56
Lagerungstage nach Abfüllung der Saftproben wurden keine signifikanten Gehaltsabnah-
men festgestellt.
Im Verlauf einer mehrwöchigen Lagerung jedoch wurde, im Vergleich zu den Ausgangs-
daten, eine mittlere bis hohe Abnahme der L-Ascorbinsäurekonzentration gemessen. Wie
in Abbildung 22 erkennbar variierte hierbei der Gehalt in Abhängigkeit der durchgeführten
Behandlung. Nach 35tägiger Lagerung betrug die Senkung des L-Ascorbinsäuregehaltes
rund 39.5 ± 5.0 mg/L bzw. 14.1 ± 3.0 % in den thermisch und 20.0 ± 5.0 mg/L bzw. 7.8 ±
3.0 % in den akustisch-thermisch behandelten Proben nach Behandlungen entsprechend
der Verfahrensvariante I und 58.0 ± 5.0 mg/L bzw. 21.8 ± 3.0 % in den thermisch und
36.2 ± 5.0 mg/L bzw. 13.7 ± 3.0 % in den akustisch-thermisch behandelten Proben nach
Behandlungen entsprechend der Verfahrensvariante II. Die Messung des Gehaltes an L-
Ascorbinsäure ergab somit stets eine geringere Abnahme des Inhaltsstoffes in Folge der
Kombinationsbehandlung.
Die zwischen den Behandlungen gemessenen Unterschiede konnten wegen der methodi-
schen Vorgehensweise nicht auf einen Einfluss des pH-Wertes, des Lichtes oder der
Anwesenheit von Metallionen zurückgeführt werden. Weiterhin können Ursachen infolge
schützender Substanzen ausgeschlossen werden.
Die Gehaltsunterschiede in den Säften wurden auf eine unterschiedliche starke enzym-
katalysierte Autoxidation der Säure zurückgeführt. Der oxidative Abbau führt zu Dehydro-
ascorbinsäure, dann zu 2.3-Diketogulonsäure und schließlich zu kürzerkettigen Abbau-
produkten. Der beschleunigte bzw. verlangsamte Abbau kann hierbei durch den unter-
schiedlichen Temperatureinfluss oder durch die spezifische Wirkung des Ultraschalls
Abb. 21: Analyse der antioxidativen Aktivität unterschiedlich gestresster Orangensäfte.
(A) Einfluss der Behandlungsdauer von ( ) thermisch (90°C) und ( ) akustisch-thermisch
(110 µm, 67°C) behandelten Säften. Die Bestimmung der antioxidativen Aktivität erfolgte direkt
im Anschluss an die Behandlung und wurde zur Kontrolle auch für ( ) herkömmlich pasteuri-
sierten Saft (90°C, 120s) durchgeführt.
(B) Antioxidative Aktivität in gelagerten Saftproben nach ( ) thermischer (130°C, 60 min) und
(, ) akustisch-thermischer (110µm, 10min; 110µm, 60 min) Verfahrensanwendung.
(C) Gehaltsabnahme von L(+) Ascorbinsäure in gelagerten Saftproben nach ( ) thermischer
(130°C, 60 min) und ( ) akustisch-thermischer (110 µm, 130°C, 60 min) Verfahrensanwen-
dung. Die Lagertemperatur der Proben betrug + 7°C.
0 7 14 21 28 35
t [d]
B
0.0
0.5
1.0
1.5
2.0
2.5
A [mmol Fremys-Salz / L Probe]
015 30 45 60
t [min]
A
A
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
C/Co Ascorbinsäure [-]
0 7 14 21 28 35
t [d]
C
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
57
verursacht worden sein. Wegen den vergleichsweise hohen z-Werten für den thermischen
Abbau der Säure oder der am Abbau der Säure beteiligten Enzyme wird der Temperatur-
einfluss jedoch nicht als Hauptursache für die gefundenen Unterschiede angesehen. Eine
durch Ultraschall hervorgerufene verlangsamte bzw. verminderte katalytische Wirkung
von Enzymen (Kuldiloke, 2002) erscheint naheliegender. Die direkte Inaktivierung mikro-
bieller oder safteigener Ascorbatoxidase ist hierbei denkbar. Eine weitere Möglichkeit ist
die Reduktion der, durch Luftsauerstoff bewirkten, Oxidationsprozesse infolge einer
verstärkten, durch Ultraschall hervorgerufenen, Entgasung. Gelöstes Gas in der Flüssig-
keit führt zur Bildung von Kavitationsblasen. Bei hohem Gasgehalt können diese nicht
ohne weiteres kollabieren (Villamiel, 2000c). Mit steigender Zahl an Kompressionszyklen
wachsen diese und steigen schließlich im Medium auf bzw. entweichen bei dem anschlie-
ßenden Entspannungsvorgang.
4.3.2 Radikalbildungsaktivität
Der ESR-spektroskopische Nachweis freier Radikale wird durch deren geringe Lebens-
dauer und, damit verbunden, durch deren niedrige stationäre Konzentration im Probeme-
dium behindert. Zur Stabilisierung wurde deshalb bei der Spin-Trapping-Methode ein
Nitron-Derivat verwendet, welches durch Reaktion mit den kurzlebigen Radikalen eine
stabile Nitroxid-Verbindung ergab. Im Gegensatz zu den, aufgrund ihrer Instabilität, nicht
erfassbaren kurzlebigen Radikalen waren die Nitroxid-Radikale mit Hilfe der ESR mess-
bar.
Abbildung 23 enthält die ersten, bei der Analyse der Radikalbildung in Wasser und Oran-
gensaft, erhaltenen Daten. Erkennbar ist, dass bei Anwendung der Schallwellenbehand-
0
0
0
0 7 14 21 28 35
220
240
260
L (+) Ascorbinsäure [mg/l]
0 7 14 21 28 35
AB
Lagerzeit [Tagen]
Abb. 22:
Abbau nativer L (+) Ascorbinsäure in Orangensaft nach thermischer (Ο) und ultraschall-thermi-
scher Verfahrensanwendung ( ) in der Pilotanlage und anschließender 35tägiger Lagerung. (A)
Behandlung nach der Verfahrensvariante I (Pasteurisation) mit Bezug auf die Inaktivierung von L.
acidophilus; F60 [s]: = 380 (T), F60 [s]: = 230 (UST). (B) Behandlung nach der Verfahrensvariante
II (Sterilisation) mit Bezug auf die Inaktivierung von B. stearothermophilus; F121.1 [s]: = 5400 (T),
F121.1 [s]: = 3000 (UST). (Behandlungsdruck [MPa]: 0.35, Schallwellenamplitude [µm]: 55).
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
58
lung freie Radikale erzeugt wurden. Da in den Bildungskinetiken keine lag-Phase nach-
weisbar war, reagierten die entstandenen Radikale auch vorzugsweise mit dem Addukt-
bildner. Hierbei ist bekannt, dass neu gebildete Radikale auch von anderen Substanzen
(Polyphenole, SO2 etc.), noch vor Reaktion mit dem Adduktbildner, abgefangen werden
können. Dieser Umstand bildet die Grundlage sogenannter lag-time-Messungen in denen
die Länge der lag-Phase mit der antioxidativen Aktivität untersuchter Probemedien korre-
liert wird (Andersen et al., 2000).
Mit zunehmender Dauer der Schallwellenbehandlung stieg die Anzahl der gebildeten
Spin-Addukte linear an und stagnierte schließlich nach ca. acht bis zehn Minuten. In den
beiden Behandlungsmedien Wasser und Orangensaft wurde hierbei etwa eine Konzenta-
tion von 3.3 µmol Radikalen (2 1018 Spins/ml) getrappt. Der genannte Wert wurde durch
Interpolation ermittelt, nachdem ein Anstieg des ESR-Signals durch den Zusatz von
Eisen(II)-sulfat und Wasserstoffperoxid (Fenton-Reaktion) forciert wurde (Anhang A9). Bei
Kontrollmessungen an unbehandelten Wasserproben ist hingegen kein Zuwachs des
ESR-Signals eingetreten. Auch konnte bei Messungen an thermisch bei 95°C behan-
delten Wasserproben kein Zuwachs des ESR-Signals, d. h. keine Radikalbildung, festge-
stellt werden.
Die Quantifizierung der tatsächlich während der Schallwellenbehandlung gebildeten Radi-
kale war mit Hilfe der verwendeten Methode nicht möglich. Der Grund ist, dass die gebil-
deten Addukte nach einer gewissen Zeit weiter oxidiert und abgebaut wurden. So konnte
durch den Zusatz von Eisen(II)-sulfat und Wasserstoffperoxid (Fenton-Reaktion) mehrfach
ein erneuter Signalanstieg z. B. auch nach der Stagnationsphase bewirkt werden. Das
Abb. 23:
Analyse der Radikalbildung. (A) Relative Menge gebildeter Spin-Addukte in ( ) aqua dest.
und ( ) Orangensaft nach einer Schallwellenbehandlung (50 µm, 67°C), in ( ) aqua dest.
nach einer thermischen Behandlung bei 95°C sowie in ( ) unbehandeltem aqua dest.
(Kontrolle). (B) Einfluss der Schallwellenamplitude auf die Radikalbildung in aqua dest.
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
Adduktmenge [-]
04812 16 20
t [min]
0.0
0.2
0.4
0.6
0.8
1.0
04812 16 20
t [min]
A
B
110 µm
50 µm
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
59
heißt, der Endverlauf der Kinetik wurde nicht durch den Verbrauch an PBN, sondern mit
durch eine Gleichgewichtseinstellung zwischen neu gebildeten und wieder abgebautem
Addukt bewirkt.
Wie in Abbildung 23 A erkennbar, erfolgte die Adduktbildung in Wasser und Orangensaft
nahezu kongruent. In den beiden Medien konnten keine Unterschiede im Verlauf der
Bildungsreaktion, z. B. als Folge einer unterschiedlich starken Radikalbildung oder einer
abweichenden antioxidativen Wirkung, festgestellt werden.
Bei der Schallwellenbehandlung von Wasser konnte ein Einfluss der Schallwellenampli-
tude auf die Adduktbildungsrate nachgewiesen werden (Abb. 23 B). Hierbei zeigte sich,
dass mit steigender Amplitude eine Erhöhung der Bildungsrate bewirkt wurde. Das
erzielte Ergebnis wurde als Nachweis dafür gewertet, dass im untersuchten Amplituden-
bereich die Kavitationseffizienz, d. h. die Intensität der Kavitationsblasenimplosionen und
damit die Anzahl der pro Zeiteinheit gebildeten Radikale signifikant beeinflusst werden
kann. Dieses Ergebnis konnte für Orangensaft nicht gezeigt werden, da das Produkt bei
Anwendung sehr hoher Schallwellenamplituden stark aufschäumte.
4.3.3 Antioxidative Aktivität
Im Probemedium entstandene freie Radikale können mit den darin befindlichen Antioxi-
dantien reagieren. Deshalb wurde, zur Bewertung einer oxidativen Schädigung, die anti-
oxidative Aktivität der unterschiedlich hergestellten Säfte bestimmt. Bei der angewendeten
Spin-label-Methode wurde das synthetische freie Radikal Kaliumnitrosodisulfonat
(Fremys-Salz) im Medium vorgelegt. Antioxidative Substanzen des Saftes waren dazu in
der Lage, mit diesem Radikal zu reagieren und somit das ESR-Signal abzubauen.
Literaturdaten zeigen, dass Orangensaft ernährungsphysiologisch als Quelle antioxidativ
wirksamer Substanzen anzusehen ist, wenn auch andere Fruchtsäfte oft sehr viel höhere
Gehalte aufweisen. In unbehandeltem Saft wurde eine antioxidative Aktivität von 2.11 ±
0.2 mmol Fremys-Salz pro Liter gemessen (Tab. 9). Nach Entfernung der Ascorbinsäure
mit Ascorbat Oxidase (AAO) betrug die antioxidative Wirkung noch 0.72 ± 0.3 mmol
Fremys-Salz pro Liter. Die verbliebene antioxidative Aktivität wurde den phenolischen
Inhaltsstoffen des Saftes zugesprochen. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um die
in Zitrusfrüchten vorkommenden Flavanone die meist in glycosidierter Form vorliegen
(Askar et al., 2001).
AA [mmol Fremys-Salz/L Saft] STANDARD [mmol/L] AK [mol Fremys-Salz/mol Standard]
Saft mit AS Saft ohne AS AS
2.11 ± 0.2 0.72 ± 0.3 1.39 ± 0.5 1.47 ± 0.03 0.95 ± 0.3
Saft ohne ASC aq. bidest. Hesperidin
0.72 ± 0.3 0.00 0.72 ± 0.3 1.31 ± 0.03 0.54 ± 0.2 (0.87 – 0.43)
Tab. 9: Berechnete antioxitative Kapazität AK von L(+) Ascorbinsäure und Hesperidin
(zusammengefasster Wert der Flavonoidglycoside nach Davis).
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
60
Die Differenz zwischen der antioxidativen Aktivität des Saftes vor und nach der Entfer-
nung der L(+) Ascorbinsäure konnte auf den Gehalt an L(+) Ascorbinsäure zurückgeführt
werden (Abb. 21). Da ihre Konzentration in den Säften bekannt war (260 ± 5 mg/l) ließ
sich somit ihre antioxidative Kapazität, angegeben in mol Fremys-Salz pro mol L(+)
Ascorbinsäure, berechnen (Tab. 9). Sie betrug 0.95 ± 0.3 mol Fremys-Salz pro mol L(+)
Ascorbinsäure, gemessen in unbehandeltem Saft. Im Vergleich zur theoretischen AK von
L(+) Ascorbinsäure (AK = 2), die aus der Fähigkeit der Ascorbinsäure resultiert über ihre
zwei aromatischen OH-Gruppen mit zwei Radikalen zu reagieren (28), wurde ein deutlich
niedrigerer Wert ermittelt. Als Ursache hierfür wurde das verwendete Lösungsmittelsy-
stem vermutet, dass nach Dangles (1999) und Gardner et al. (1998, 1999) einen großen
Einfluss auf das Redoxpotential der einzelnen Hydroxylgruppen ausüben kann.
Die antioxidative Kapazität der phenolischen Inhaltsstoffe konnte bezogen auf eine
Referenzsubstanz angegeben werden. Sie betrug 0.54 ± 0.2 mol Fremys-Salz pro mol
Standard nachdem für die überschlagsmäßige Berechnung ein mittlerer Richtwert der
mengenmäßig im Vordergrund stehenden Verbindung Hesperidin (nach Davis) eingesetzt
wurde (Tab. 10). Da Flavonoidglycoside (Hesperidin) erwartungsgemäß keine geringere
antioxidative Kapazität als Ascorbinsäure besitzen (Vinson et al., 1995; Burda, 2001) war
eine Konzentration an phenolischen Komponenten im Saft < 750 mg/L zu vermuten.
Der in der Berechnung eingesetzte, für die chemische Analyse von Orangensäften gemäß
RSK (VdF - Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie e.V., Bonn) angegebene Richt-
wert, war damit zu hoch. Das angenommene Ergebnis stimmte hierbei mit Angaben von
Galensa und Hermann (1980) überein, die für Handels-Orangensäfte nach der HPLC-
Analyse nur etwa 300-600 mg Hesperidin pro Liter bestimmten und den von Davis ange-
gebenen Richtwert ebenfalls für zu hoch befanden. In jedem Fall war Ascorbinsäure,
aufgrund der vorliegenden Messwerte, als Hauptkomponente für die antioxidative Aktivität
des Saftes anzusehen. Wegen ihrer hohen Konzentration trug sie rund 64 % zur
gesamten antioxitativen Aktivität bei.
In den ersten Versuchen wurde die antioxidative Aktivität der Säfte direkt im Anschluss an
die Behandlung bestimmt (Abb. 21 A). Hierbei wurde für die bis zu 60 min bei 90°C ther-
misch und die bei 67°C akustisch-thermisch behandelten Proben keine Beeinträchtigung
der antioxidativen Aktivität festgestellt. Die gemessenen Werte schwankten von 2.11 bis
1.50 mmol Fremys-Salz pro Liter untersuchten Saft, ohne jedoch signifikannte Unter-
schiede zwischen den einzelnen Behandlungen aufzuzeigen.
In weiteren Versuchen, in denen die antioxidative Aktivität der gelagerten Saftproben
ermittelt wurde, konnten hingegen verfahrensbedingte Änderungen festgestellt werden
(Abb. 21 B). Nach 21tägiger Lagerung konnte für die 60 min bei 130°C thermisch behan-
INHALTSSTOFF FORMEL FW [g/mol] MENGE [Einheit] MITTELWERT SCHWANKUNG
AS C6H8O6 176.1 mg/l 350 -
Hesperidin C28H34O15 610.6 mg/l 750 500-1000
Tab. 10: Mengenangaben für L(+) Ascorbinsäure und Flavonoidglycoside berechnet als
Hesperidin (nach Davis) im Orangensaft (RSK, VdF - Verband der deutschen
Fruchtsaftindustrie e.V., Bonn)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
61
delten Proben eine 14 ± 11%ige und für die 60 min bei 130°C akustisch-thermisch
behandelten Proben eine 44 ±10 %ige Reduktion gegenüber der Kontrollprobe gemessen
werden. Nach 35tägiger Lagerung war die Verminderung der antioxidativen Aktivität in
einem noch größeren Ausmaß feststellbar. Signifikante Unterschiede gegenüber der
Kontrollprobe konnten hier schon für die 10 min bei 130°C akustisch-thermisch
behandelten Proben festgestellt werden.
Wie aus Abb. 21 C erkennbar, konnte die Abnahme der antioxidativen Aktivität in den
Säften zu einem Großteil auf den Verlust der reduzierenden Wirkung von Ascorbinsäure
zurückgeführt werden. Die gefundenen Ergebnisse korrelierten hierbei mit den bei den
Gehaltsbestimmungen im Batch-System ermittelten Daten. Darin konnte nach 35tägiger
Lagerung in den mit zunehmender Intensität behandelten Proben auch eine zunehmende
Abnahme der Ascorbinsäurekonzentration gegenüber der Ausgangsprobe gemessen
werden. Ein Verlust der reduzierenden Wirkung der phenolischen Saftinhaltsstoffe trat in
vergleichbarer Weise ein (Daten nicht dargestellt).
Eine weiterführende Studie der Reduktion der antioxidativen Aktivität von thermisch und
kombiniert thermisch behandelten Proben wurde nicht durchgeführt, da sämtliche Proben,
die mit weniger als 5 min Behandlungszeit hergestellt wurden, keine signifikannten Unter-
schiede zur antioxitativen Aktivität der Kontrollprobe aufwiesen. Im Verlauf der 35tägigen
Lagerung konnten somit auch keine Unterschiede, bei den zur Keiminaktivierung in der
Versuchsanlage angewendeten Behandlungsintensitäten, festgestellt werden. Die exem-
plarisch vorgestellten Ergebnisse konnten nur zeigen, dass eine massive Abnahme der
antioxidativen Wirksamkeit der Säfte bei extremen Prozessbedingungen prinzipiell
herbeigeführt werden kann.
Reaktionsweg der L(+) Ascorbinsäure mit freien Radikalen R.
O
O
OH OH
OH
OH
RRH
O
O
OOH
OH
OH
O
O
OH O
OH
OH
R
RH
O
O
O O
OH
OH
Ascorbinsäure
Dehydroascorbinsäure
.
.
..
(28)
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
62
4.3.4 Sensorik
Zur Auswertung der in der 1., 3. und 5. Lagerungswoche durchgeführten erweiterten Drei-
ecksprüfung wurden in Abbildung 24 und den Tabellen des Anhang A10 sämtliche Anga-
ben der Prüfpersonen getrennt nach den Merkmalsgruppen Geschmack, Farbe und
Geruch zusammengestellt. Die Tabellen enthalten die Angabe der abweichenden Einzel-
probe, die Angabe zur Bevorzugung und eine Kurzbeschreibung der Einzel- bzw. Doppel-
probe für alle untersuchten Probensätze. Weiterhin sind Anzahl- und Prozentangaben
richtiger und falscher Antworten sowie der Bevorzugung für eine statistische Auswertung
des Gruppenergebnisses aufgeführt.
Im folgenden wird anhand der Daten in Kurzform auf die Frage nach der abweichenden
Einzelprobe, auf die Frage nach der Bevorzugung und auf die Beschreibung der Einzel-
bzw. Doppelprobe zur Herausstellung möglicher Unterschiede zwischen thermisch und
akustisch-thermisch behandelten Proben eingegangen. Die Auswertung der Ergebnisse
auf die Frage nach der abweichenden Probe erfolgte dabei anhand der Signifikanztabelle
für die einfache Dreiecksprüfung.
Abb. 24:
Ergebnisse der Dreiecksprüfung thermisch (T) und akustisch-thermisch (UST) behandelter Oran-
gensaftproben. Angaben der Prüfpersonen zu den Merkmalen Geschmack, Farbe und Geruch.
(A) Behandlung nach der Verfahrensvariante I (Pasteurisation) mit Bezug auf die Inaktivierung
von L. acidophilus; F60 [s]: = 380 (T), F60 [s]: = 230 (UST). (B) Behandlung nach der Verfahrens-
variante II (Sterilisation) mit Bezug auf die Inaktivierung von B. stearothermophilus; F121.1 [s]: =
5400 (T), F121.1 [s]: = 3000 (UST). (Behandlungsdruck [MPa]: 0.35, Schallwellenamplitude [µm]:
55).
0
14
29
43
57
71
86
100
richtige Antworten [%]
Lagerzeit [Wochen]
T - UST (A)
T - UST (B)
Geschmac
k
Farbe Geruc
h
15
31 13
355
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
63
Die Ergebnisse der Prüfung hinsichtlich einer geschmacklich abweichenden Probe waren
bei allen untersuchten Probendreiecken nicht signifikant. Aus keinem der vier dargereich-
ten Probensätze der 1., 3. und 5. Lagerungswoche konnte von mehr als drei Prüfern die
Einzelprobe bestimmt werden.
Für das Qualitätsmerkmal Farbe wurden in der 3. und 5. Lagerungswoche, mit Ausnahme
der im Probensatz 1 untersuchten Proben, sämtliche Einzelproben in den dargereichten
Probensätzen zu 100 % erkannt. Die im Probensatz 1 behandelten Einzelproben wurden
von sechs Prüfern zu 86 % erkannt. Nach der statistischen Auswertung sind somit die
farblich festgestellten Unterschiede im Probensatz 1 der 3. Lagerungswoche signifikant
und den übrigen Probensätzen der 3. und 5. Lagerungswoche sehr hoch signifikant. In
den Probensätzen der ersten Lagerungswoche konnten keine signifikanten Unterschiede
festgestellt werden.
Die festgestellten Unterschiede bei der Beurteilung des Geruches waren bei allen unter-
suchten Probendreiecken nicht signifikant. Aus keinem der vier dargereichten Proben-
sätze der 1., 3. und 5. Lagerungswoche konnte von mehr als drei Prüfern die Einzelprobe
bestimmt werden.
Die Befragung im Hinblick auf die Bevorzugung im Rahmen der erweiterten Dreiecksprü-
fung konnte bei den untersuchten Merkmalen Geschmack und Geruch nicht vorgenom-
men werden, da keine Unterschiede festgestellt wurden. Bei dem Qualitätsmerkmal Farbe
wurden ab der 3. Lagerungswoche von allen Prüfpersonen, die farbliche Unterschiede
zwischen Einzel- und Doppelproben feststellen konnten, die akustisch-thermisch behan-
delten Proben bevorzugt.
Die bloße Feststellung, daß sich die Proben signifikant unterscheiden und aufgrund der
festgestellten Unterschiede eine bevorzugte Auswahl vorgenommen wird, wird häufig als
zu allgemein und in dieser Form für die Praxis als wenig hilfreich erachtet. So sollte die
Beschreibung der Einzel- bzw. Doppelproben im Falle einer deutlichen Behandlungsaus-
wirkung dazu dienen, die aufgetretenen Produktveränderungen zu charakterisieren. Eine
Angabe über die Art der Unterschiede wäre dabei für nachfolgende Untersuchungen
richtungsweisend gewesen. Da es sich bei den Prüfpersonen um eine Laiengruppe
handelte wurden Begriffe vorgegeben.
Die Beschreibung der Einzel- bzw. Doppelproben im Hinblick auf die Merkmale
Geschmack und Geruch entfiel. Bei der Beschreibung des Merkmals Farbe wurden die
Farben der erkannten akustisch-thermisch behandelten Proben mit „heller“ charakterisiert.
Die farblich helleren Proben wurden darüber hinaus von allen Prüfern als natürlicher
empfunden.
4.3.5 Instrumentelle Farbmessung
Bei den im Labormaßstab an Orangensaft durchgeführten Untersuchungen konnten
sowohl in Folge einer thermischen als auch einer akustisch-thermischen Behandlung
quantitativ detektierbare Farbveränderungen festgestellt werden. Die Änderungen wurden
in Abhängigkeit der angewendeten Prozessintensitäten bei allen gemessenen Farbwerten
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
64
(L*, a*, b*) registriert, wobei mit zunehmender Intensität eine Farbentwicklung hin zu
Proben mit größerer Helligkeit und intensiverem Grün- und Gelbton gemessen wurde
(Abb. 25).
Für die höchstmögliche Intensitätsspanne (unbehandelte, maximalbehandelte Proben)
entwickelten sich die Farbwerte von a* = -5.11, b* = 25.43 und L* = 47.15 zu a* = -7.20, b*
= 27.41 und L* = 47.90 in den thermisch und von a* = -5.11, b* = 25.43 und L* = 47.15 zu
a* = -7.00, b* = 27.50 und L* = 49.13 in den akustisch-thermisch behandelten Proben. Die
Gesamtfarbveränderung, E, wurde mit 2.97 für die thermisch und 3.43 für die kombiniert
behandelten Proben berechnet. Die eingetretenen Farbveränderungen wurden einerseits
auf die durch Maillard-Reaktionen und den Strecker-Abbau von Aminosäuren gebildete
Kondensationsprodukte (Hydroxymethylfurfural, α-Dicarbonyl-Verbindungen, Melanoidine)
und die durch Phenoloxidation entstandenen Melanine (Farbtöne) sowie andererseits auf
die Aufspaltung höherpolymerer Pigmente und die partielle Agglomeration und Ausfällung
suspendierter, unlöslicher Saftpartikel (Farbhelligkeit) zurückgeführt. Da sich die intensi-
tätsabhängige Farbentwicklung bei beiden Behandlungsvarianten in gleicher Weise
vollzog konnten keine behandlungsspezifischen Unterschiede festgestellt werden.
Bei den im Technikumsmaßstab durchgeführten Untersuchungen konnten infolge der
thermischen und der akustisch-thermischen Behandlung ebenfalls messbare Farbwertän-
derungen registriert werden. Wie auch in den Laborversuchen wurde gegenüber unbe-
handelten Proben eine Farbentwicklung hin zu Proben mit größerer Helligkeit und inten-
siverem Grün- und Gelbton gemessen (Abb. 26). Die Gesamtfarbveränderung betrug 1.55
(T) und 1.70 (UST) für Proben die nach der Verfahrensvariante I sowie 1.73 (T) und 2.30
(UST) für Proben die nach Verfahrensvariante II behandelt wurden. Im Vergleich
30
15
10
5
2
1
3
1
30
15
10
5
3
2
Abb. 25:
Räumlicher Farbänderungsverlauf (CIE L*, a*, b*) in thermisch (Ο) und akustisch-thermisch
() behandeltem Orangensaft in Abhängigkeit der angewendeten Prozesszeit (t [min]: 1 – 30
min). (Behandlungstemperatur T [°C]: 85, -druck [MPa]: 0.1, Schallwellenamplitude [µm]:
110).
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
65
zwischen thermisch und akustisch-thermisch behandelten Proben konnten zunächst keine
signifikannten Farbunterschiede gemessen werden.
Die Saftproben wurden anschließend während einer 35tägigen Lagerung farbmetrisch
untersucht. Lagerungsbedingt traten hierbei ebenfalls Farbwertänderungen bei allen
gemessenen Farbwerten (L*, a*, b*) auf. Die vollständige numerische Beschreibung der
Farbe ließ nun jedoch eine Verdunkelung der Proben (- L*) und eine Verschiebung der
Farbe hin zu Grün- (- a*) und Blautönen (- b*) erkennen. Als Ursache für die Farbent-
wicklung wurden Restaktivitäten des im Saft enthaltenen Phenolasekomplexes sowie
weiterhin von Aminosäuren, Zuckern und Eiweißen ausgehende Bräunungsreaktionen
vermutet. Die weitere Aufhellung der Proben durch Agglomeration und Ausfällung unlösli-
cher Saftinhaltsstoffe entfiel.
Abb. 26:
Farbänderung von Orangensaft nach thermischer (Ο) und ultraschall-thermischer
Verfahrensanwendung ( ) in der Pilotanlage und anschließender 35tägiger Lagerung. (A)
Behandlung nach der Verfahrensvariante I (Pasteurisation) mit Bezug auf die Inaktivierung
von L. acidophilus; F60 [s]: = 380 (T), F60 [s]: = 280 (UST). (B) Behandlung nach der
Verfahrensvariante II (Sterilisation) mit Bezug auf die Inaktivierung von B. stearothermophilus;
F121.1 [s]: = 5400 (T), F121.1 [s]: = 3000 (UST). (Behandlungsdruck [MPa]: 0.35,
Schallwellenamplitude [µm]: 55).
43.5
45.0
46.5
48.0
[L*]
[a*]
25.5
27.0
28.5
30.0
[b*]
014 28 42 014 28 42 014 28 42
Lagerzeit [Tagen]
-6.5
-5.0
-3.5
-8.0
B
43.
5
45.0
46.5
48.0
[L*]
[a*]
25.5
27.0
28.5
30.0
[b*]
-6.5
-5.0
-3.5
-8.0
A
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
66
Bemerkenswert war, dass sich die Proben bezüglich der Farbtöne a* und b* in vergleich-
barer, im Hinblick auf die Farbhelligkeit jedoch in unterschiedlicher Weise entwickelten. Im
Vergleich zwischen den thermisch und akustisch-thermisch behandelten Proben betrugen
die größten gemessenen Abweichungen L* = 1.92, a* = 1.05, b* = 0.93 (Verfah-
rensvariante I) und L* = 3.92, a* = 0.97, b* = 0.93 (Verfahrensvariante II) gemessen
über den gesamten Lagerungszeitraum. Die Gesamtfarbveränderung betrug jeweils 2.53
(T) und 0.90 (UST) für Proben die nach der Verfahrensvariante I sowie 4.21 (T) und 1.66
(UST) für Proben die nach Verfahrensvariante II behandelt wurden. Die unterschiedlichen
Farbhelligkeitsentwicklungen wurden somit bei beiden Verfahrensanwendungen (Pasteu-
risation und Sterilisation) und dabei in Abhängigkeit der angewendeten Prozessintensität
festgestellt.
Der Vergleich der vorliegenden Messwerte zeigt, dass infolge der akustisch-thermischen
Behandlung nur eine gering wahrnehmbare ( L* < 1.5 ) und infolge der thermischen
Behandlung eine deutlich bis sehr deutlich wahrnehmbare ( L* > 1.5 bzw. 3.0 ) Farbhel-
ligkeitsänderung eintrat.
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
67
4.4 Energieeffizienzanalyse
Zur Abschätzung des energetischen Einsparungspotentials das sich aus der möglichen
Temperaturabsenkung ergibt, wurde ein Vergleich des Gesamtenergieverbrauches von
thermischen und ultraschall-kombinierten Verfahrensanwendungen bei gleichem Inaktivie-
rungsergebnis vorgenommen (Abb. 27 und 28). Dazu wurde der reale Prozess, unter den
gegebenen Operationsbedingungen der Versuchsanlage, gegenüber dem idealen
(verlustfreien) Prozess bewertet.
Für den realen Prozess wurden zu diesem Zweck für die Erhitzungsstufen Enthalpie-
bilanzen aufgestellt und aus den gemessenen Betriebswerten (Temperaturdifferenzen von
Produkt- und Heizmedienstrom, aufgenommene Nennleistung der Schallquelle) die bei
der Erhitzung bzw. Hocherhitzung verbrauchte Wärme- und die bei der Schallwellenan-
wendung verbrauchte Elektroenergie ermittelt. Von Besonderheit war, dass die während
der Schallwellenbehandlung in Wärme dissipierte Schallenergie mit genutzt werden
konnte. Während der Versuche wurde keine Vorwärmung durch rücklaufendes, bereits
behandeltes Produkt vorgenommen, so dass für die Angabe von Verbrauchswerten mit
berücksichtigter Wärmerückgewinnung industrieübliche Prozentzahlen verwendet werden
können.
Die Energiewerte ohne Elektroenergieverbrauch zeigen, dass bei sämtlichen durchge-
führten Behandlungen zunächst Wärmeenergie eingespart werden konnte. Abhängig vom
Abtötungsergebnis wurde die Reduzierung des Verbrauchs bei der kontinuierlichen
Pasteurisationsbehandlung von E. coli DH 5 α um durchschnittlich 50 % festgestellt. Das
Einsparungspotential für die Behandlung von B. stearothermophilus betrug etwa zwischen
Abb. 27:
Spezifischer Gesamtenergieverbrauch zur thermischen (0 µm) und akustisch-
thermischen (55 µm, 110 µm) Inaktivierung von E. coli (1 log). (A) Batch-System
(Beschallungsvolumen 10 ml), (B) Ultraschallreaktor im Durchflussbetrieb. (--)
Thermischer Energieverbrauch.
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
120
240
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
E [kJ/kg]
T [°C] t [s]
s
110 µm
0 µm
55 µm
A
0
40
80
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
40
80
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
40
80
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
40
80
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
0
40
80
40
50
60
70
100
200
300
400
500
600
T [°C] t [s]
0 µm
55 µm
B
Ergebnisse und Diskussion
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
68
10 und 20 %. Der vergleichsweise hohe Elektroenergieaufwand, der aus der Ultraschaller-
zeugung resultiert, führte jedoch bei allen Pasteurisationsversuchen zu einem höheren
Gesamtenergieverbrauch, so dass hier, aus energiewirtschaftlicher Sicht, kein Vorteil aus
der Kombinationsbehandlung gewonnen werden konnte. Für die Behandlung der vegeta-
tiven Testkeime wurde zwischen 15 und 20 % und für die Behandlung der sporen-
bildenden Testkeime zwischen 8 und 15 % mehr Energie aufgewendet.
Abb. 28:
Beispiele für spezifische Energieverbräuche bei der thermischen und akustisch-
thermischen Inaktivierung in der Versuchsanlage. (A) Inaktivierung von E. coli, (B)
Inaktivierung von B. stearothermophilus. Bei den akustisch-thermischen Versuchen
wurde bei maximalem Schallenergieeintrag die zugeführte Wärmemenge variiert. Die
Ergebnisse entstammen Messungen bei optimalen Versuchseintellungen (V [l/h]: 20, V
[cm³]: 102.5).
50
100
150
200
250
300
0
100
200
300
400
500
600
0246 246
Elektroenergie
rmeenergie
Spezifischer Energieverbrauch [kJ/kg]
Log N/No [-]
A
B
KONVENTIONELLE ERHITZUNG KOMBINIERTE ERHITZUN
G
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
69
5 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Unter der Vorgabe der Entwicklung einer produktschonenden und energieeffizienten
Konservierungsmethode wurde die Wirksamkeit der Ultraschall unterstützten Prozessfüh-
rung zur Pasteurisierung und Sterilisierung flüssiger Lebensmittel untersucht. Unter
Vorrausetzung einer kontinuierlichen Arbeitsweise wurde die Kombinationsbehandlung für
Keimreduktionen in Modellösung sowie Orangensaft aus rückverdünntem Konzentrat
getestet. Das Vorhaben stützte sich dabei auf die Möglichkeit der Ausnutzung des syner-
gistischen Effektes von Ultraschall und Temperatur, durch den Bakterien aber auch
Bakteriensporen mit einer höheren Abtötungsrate inaktiviert werden können, als dies
durch die alleinige thermische Behandlung möglich ist.
Als Testkeime wurden Escherichia coli K12 DH 5
α
, Lactobacillus acidophilus und Bacillus
stearothermophilus mit Bezug auf wichtige Infektanten bei Frucht- und Gemüsesäften
aber auch Bier, Milch usw. eingesetzt. Die ausgewählten Organismen sollten sich im
Gramverhalten und in der Fähigkeit zur Sporenbildung unterscheiden.
Für den genannten Zweck wurde eine eigene, speziell für die Saftkonservierung konzi-
pierte Versuchsanlage gebaut. Die Anlage ermöglichte die Schallwellenbehandlung direkt
im Anschluß an die Hocherhitzung, die wahlweise mittels indirekter oder direkter Wärme-
übertragung realisiert werden konnte. Zur Auslegung wichtiger Anlagenaggregate und zur
späteren Auswertung der im kontinuierlichen System erzielten Ergebnisse konnten
zunächst batchweise durchgeführte Voruntersuchungen die zur Abtötung der Testkeime
notwendigen Betriebsdaten liefern. Als die bestimmenden Hauptfaktoren wurde der
Einfluss der Temperatur, der Schallwellenamplitude, des Behandlungsdruckes und der
Behandlungszeit sowie des umgebenden Mediums untersucht.
Die Konzeption und der Bau der Versuchsanlage erfolgte in Anlehnung an die Planungs-
aufgaben zur Planung und Abwicklung verfahrenstechnischer Anlagen (Festlegung des
Produktionsganges, Fliessbildentwurf etc.), unter Berücksichtigung der für die Inaktivie-
rung der Testkeime notwendigen Prozessabhängigkeiten. Die Auslegung wurde für einen
Gesamtvolumenstrom von 20-200 l/h, einen Druck von 0.1 - 0.5 MPa und einer Tempe-
ratur von ca. 50 - 150 °C vorgenommen.
Um einen energieeffizienten Ablauf der Kombinationsbehandlung zu gewährleisten, war
geplant einen, hinsichtlich des Reaktionsvolumens, optimierten Ultraschallreaktor zu
konstruieren. Zu diesem Zweck wurden Hydrophonmessungen dazu eingesetzt, die
verwendete Schallquelle näher zu charakterisieren. Neben Aussagen zur Schallabstrah-
lung und –leitung konnte bei verschiedenen Leistungseinstellungen des Hochleistungs-
wandlers die genutzte Ultraschalleistung, die Schalldruckverteilung und auf indirektem
Wege die räumliche Ausdehnung der erzeugten Kavitationsblasenwolke bestimmt
werden. Weiterhin wurde das Verweilzeitverhalten des Reaktors untersucht. Mit Hilfe der
gemessenen Schalldruck- und Verweilzeitverteilungen wurde eine Optimierungsrechnung
durchgeführt. In dieser wurde die mögliche dezimale Keimreduktion in Abhängigkeit des
Volumenstromes, des Reaktorvolumens und des spezifischen Energieeintrages ermittelt.
Basierend auf den Ergebnissen wurde die Reaktorlänge, als zweite noch fehlende Rand-
bedingung des Reaktorvolumens, festgelegt.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
70
Nach dem Bau der Versuchsanlage wurde mit der Erprobung der verbesserten Keiminak-
tivierung in dem für die Praxis relevanten Durchflussbetrieb begonnen. Die Anwendung
erfolgte in gepufferter Modellösung. Für den Vergleich zwischen konventioneller und
ultraschall-kombinierter Erhitzung wurde neben dem Verfahrenseffekt auf die Testkeime
die thermische Wirksamkeit der durchgeführten Behandlungen bestimmt. Erst hierdurch
konnten Aussagen zur Reduzierbarkeit des Temperaturniveaus oder aber der Behand-
lungsdauer gewonnen werden. Die Bestimmung erfolgte mit Hilfe des zur Beurteilung von
Sterilisationsverfahren eingesetzten F-Wertes, zu dessen Berechnung der in den Vorver-
suchen ermittelte z-Wert der Testorganismen und die gemessene mittlere Temperatur-
Verweilzeit-Funktion der durchgeführten Behandlungen eingesetzt wurden.
Nach der Findung geeigneter Arbeitsbedingungen konnte eine verbesserte Keimabtötung
bei allen Testkeimen auch in der kontinuierlich durchströmten Versuchsanlage festgestellt
werden. Dies zeigte sich, nachdem zum sicheren Nachweis des Kombinationseffektes,
die Ergebnisse der Keimzahlbestimmungen den thermischen Wirkungsanteilen (F-
Werten) der durchgeführten Behandlungen gegenübergestellt wurden. Die Quantifizierung
des eingetretenen Effektes war im Hinblick auf die Reduzierung des Temperaturniveaus
oder auf die Verkürzung der Behandlungsdauer in Bezug auf einen Referenzprozess, der
bei einer konstanten Temperatur durchzuführen ist, möglich. Unter den gegebenen expe-
rimentellen Bedingungen wurde festgestellt, daß bei den isothermen Prozessen bei 60°C
(Pasteurisation) und bei 121.1°C (Sterilisation), das Temperaturniveau um bis zu 7.3 ± 1.2
% (E. coli K12 DH 5
α
), 3.0 ± 0.7 % (L. acidophilus) bzw. 3.4 ± 0.3 % (B. stearothermo-
philus) gesenkt oder aber die Prozeßzeiten um 65.0 ± 19.8 % (E. coli K12 DH 5
α
), 41.6 ±
12.8 % (L. acidophilus) bzw. 47.0 ± 9.1 % (B. stearothermophilus) verkürzt werden
konnten.
Die Kombinationsbehandlung wurde anschließend hinsichtlich der Auswirkung auf wich-
tige sensorische und ernährungsphysiologische Qualitätsmerkmale von behandeltem
Orangensaft geprüft. Erwünschte und unerwünschte verarbeitungstechnologische Verän-
derungen wurden mittels eines sensorischen und instrumentellen Prüfverfahrens sowie
auf analytischem Wege anhand ausgewählter Leit- bzw. Indikatorsubstanzen untersucht.
Neben der Bewertung des Saftes hinsichtlich des Geschmackes, der Farbe und des
Geruches wurden, zum Nachweis einer möglichen oxidativen Schädigung, Untersuchun-
gen zum Einfluss auf den L-Ascorbinsäuregehalt, die verfahrensbedingte Radikalbildung
und schließlich auf die antioxitative Aktivität durchgeführt. Die Untersuchungen fanden
entweder direkt nach der Behandlung oder im Verlauf einer sich an die Behandlung
anschließenden 35tägigen Lagerzeit statt.
Vergleicht man die Ergebnisse aus den verschiedenen Analysen, so zeigt sich, dass sich
infolge der thermischen und akustisch-thermischen Verfahrensanwendungen, verarbei-
tungstechnisch bedingt, unterschiedliche Saftqualitäten ergaben. Diese wurden, abgese-
hen von den im Labormaßstab durchgeführten Untersuchungen, nicht unmittelbar nach
den Behandlungen sondern erst im Verlauf der sich an die Behandlungen anschließenden
Lagerung festgestellt. Es konnte nachgewiesen werden, dass die akustisch-thermisch
behandelten Säfte mit verbesserten Lagerungseigenschaften im Hinblick auf einen redu-
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
71
zierten Ascorbinsäureabbau und eine erhöhte Stabilität der Farbhelligkeit hergestellt
werden konnten.
L-Ascorbinsäure ist in dem Zusammenhang für den Erhalt von wertgebenden Saftinhalts-
stoffen von Bedeutung. Durch die Reduktion primär gebildeter o-Chinone verzögert sie z.
B. Folgereaktionen zu Melanoidinen (enzymatische Bräunung) und übt somit eine
Schutzfunktion auf phenolische Saftkomponenten (Bioflavonoide, z. B. Hesperidin) aus.
Aufgrund derselben Fähigkeit liegt die weitere Bedeutung der Säure auch in der mehr
oder weniger starken Ausfärbung von Säften.
Die verfahrensbedingten Gehaltsunterschiede an L-Ascorbinsäure wurden hauptsächlich
auf die unterschiedliche enzymkatalysierte Autoxidation der Säure zurückgeführt. Der
beschleunigte oder verlangsamte oxidative Abbau kann hierbei, aufgrund der geringen
thermischen Behandlungsunterschiede, auf die spezifische Wirkung des Ultraschalls
zurückgeführt werden. Wegen der festgestellten hohen Resistenz der L-Ascorbinsäure
gegenüber Schallwellen wurde von einer indirekten Einflussnahme, z. B. über das am
Abbau der Säure beteiligte Enzym Ascorbatoxidase, ausgegangen.
Bei der Anwendung der ultraschall-kombinierten Prozessführung können hierbei neben
biologischen, d. h. enzyminaktivierenden Effekten (Kuldiloke, 2002) auch physikalische
Wirkungen eine Rolle gespielt haben. So führte die Beschallung der Saftproben zu einer
messbaren Sauerstoffabnahme etwa in der Größenordnung von 4-5 mg/l und somit
nachweislich zu einer, durch gleichgerichtete Diffusion hervorgerufenen, Entgasung. Als
Folge der Sauerstoffreduktion können in den akustisch-thermisch behandelten Säften, die
unter Beteiligung von Luftsauerstoff verstärkt ablaufenden Oxidationsprozesse gehemmt
bzw. verlangsamt worden sein.
Die gemessenen Farbhelligkeitsunterschiede wurden ebenfalls auf die enzyminaktivie-
rende oder entgasende Wirkung des Ultraschalls zurückgeführt. Im Vergleich zwischen
thermisch und akustisch-thermisch behandelten Säften waren die festgestellten Unter-
schiede in den nach der Verfahrensvariante I (Pasteurisation) konservierten Säften deutli-
cher. Zwar sollten die safteigenen Enzyme bereits bei der Konzentratherstellung weitge-
hend inaktiviert sein, jedoch ist nicht bekannt, welche Restanteile an Enzymen unter den
herrschenden Lagerbedingungen weiter wirksam sind und ob sich diese in den rückver-
dünnten Säften regenerieren. Da die D- und z-Werte bei den daran anschließenden
Pasteurisationsprozessen niedrig sind, ist gerade hier der weiterführende Abbau von
Enzymen unvollständig.
Die bei der instrumentellen Farbanalyse festgestellten Farbveränderungen bestätigten
hierbei die in der sensorischen Prüfung erhaltenen Ergebnisse. Der Farbhelligkeitserhalt
wurde hier als eindeutig positiv bewertet. Gelagerte thermisch behandelte Säfte wurden
hingegen als unnatürlich dunkel und damit als nicht ansprechend bzw. inakzeptabel
eingestuft.
Ein messbarer Einfluss auf die antioxidative Aktivität der Säfte konnte bei den zur
Keiminaktivierung notwendigen Behandlungsintensitäten nicht festgestellt werden.
Für die abschließende Energiebezogene Prozessbewertung wurde ein Vergleich des
Gesamtenergieverbrauches von thermisch und akustisch-thermischen Verfahrensanwen-
dungen mit gleichem Inaktivierungsergebnis vorgenommen.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
72
In den energiewirtschaftlichen Untersuchungen konnte ein geringerer Energieverbrauch
für die ultraschall-unterstützte Verfahrensanwendung nicht bestätigt werden. Zwar konnte
der Aufwand an Wärmeenergie beträchtlich reduziert werden jedoch ergab sich wegen
des hohen Verbrauches an elektrischer Energie zur Ultraschallerzeugung ein deutlich
höherer Gesamtenergieverbrauch.
Mit der Herstellung eines mikrobiell stabileren Saftes ist der Anwendungsbereich der
ultraschallkombinierten Behandlung noch nicht erschöpft. Den Ergebnissen zufolge
ermöglicht die getestete Behandlung weiterhin rückverdünnten Orangensaft mit einem
höheren Genusswert herzustellen. Hierbei können neben der Ausnutzung des synergisti-
schen Effektes, d. h. der Temperaturabsenkung und/oder der Prozesszeitverkürzung auch
spezifische Ultraschallwirkungen, wie z. B. die durch gleichgerichtete Diffussion hervorge-
rufene Entgasung, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.
Die Anwendung kann hierbei ohne aufwendige Umstrukturierung des bisherigen
Betriebsablaufes durch die Integration der Ultraschalltechnik in bereits vorhandene Anla-
gensysteme umgesetzt werden. Für den praktischen Einsatz können die in den Laborver-
suchen und die in der kontinuierlich arbeiteten Versuchsanlage angewendeten Prozess-
parameter als Scale-up bzw. Dimensionierungsempfehlungen verwendet werden. Die
Frage, ob eine Verkürzung der Prozesszeit oder die Erniedrigung des Temperaturniveaus
günstiger ist, kann nicht ohne weiteres beantwortet werden. Beide Strategien finden
gleichsam ihre Berechtigung. Die Entscheidung für eine der beiden hängt dabei von reak-
tionskinetischen Faktoren (Abbaukinetik der zu schützenden wertgebenden Substanz)
sowie von verfahrenstechnischen Faktoren ab.
6 Ausblick
Wegen des grossen Potentials der Ultraschallanwendungen in der Verfahrenstechnik sind
in den vergangenen Jahren Schallgeber entwickelt worden, die sich für zukünftige
Einsätze auch bei Pasteurisations- oder Sterilisationsprozessen sehr gut eignen. Ihre
Verwendung erfordert jedoch in jedem Fall eine Optimierung bei der Auslegung der zuge-
hörigen Ultraschall-Reaktoren. Hierbei müssen Schallgeber und Reaktor in geeigneter
Weise aufeinander abgestimmt sein, um ein Höchstmaß an Wirksamkeit zu erreichen.
Schallreaktoren mit Stabsonotrode, deren vielseitige Verwendungsmöglichkeiten auf
einen weiten nutzbaren Bereich der Schallwellenamplitude basieren, haben für die
genannte Anwendung die größte Bedeutung. Die Berechnung und das Scale-Up dieser
Schallreaktoren ist jedoch nicht zufriedenstellend gelöst. Dies gilt insbesondere für Reak-
toren mit freier Anströmung in denen komplexe Wechselwirkungen zwischen Fluidbewe-
gung und Schallfeld eine Vorausberechnung des Reaktorverhaltens erschweren. Die
Beschaffenheit des Schallfeldes hängt hierbei unter anderem von der Ausbreitungsrich-
tung der Schallwellen in Bezug auf die Strömungsrichtung des Fluids ab. Die Auslegung
der Reaktoren erfolgt deshalb, auch in der industriellen Praxis, meist nur auf der Grund-
lage experimenteller Untersuchungen, d. h. empirischer Korrelationen, oder gegebenfalls
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
73
mittels vereinfachter makroskopischer Modellansätze. Besonders bei diesem Vorgehen ist
das Scale-up, selbst bei vorhandener Erfahrung, mit großen Unsicherheiten verbunden,
da sich das erzeugte Schall- bzw. Kavitationsblasenfeld bei einer Maßstabsvergrößerung
völlig unterschiedlich verhalten kann. Die Auslegung und das Scale-up müssen deshalb in
der Regel über mehrere Zwischenstufen erfolgen.
Die beschriebene Situation legt nahe, dass eine sinnvolle Reaktorauslegung nur auf der
Grundlage fundamentaler Reaktormodelle erfolgen kann. Solche Reaktormodelle sind
derzeit Gegenstand vieler Forschungsanstrengungen. Sie müssen die verschiedensten
Teilphänomene im Kavitationsblasenfeld im jeweils notwendigen Detailierungsgrad
berücksichtigen. Zu den in dieser Arbeit genannten Phänomenen der Kollapsfrequenz, -
dichte und -intensität existieren zwar eine Vielzahl von Untersuchungen, diese wurden
jedoch bisher noch nicht zu geeigneten Gesamtmodellen integriert.
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
74
Anhang A1
Versuchsanlage:
Bilanzgleichungen für Wärmeübertrager und Dampfinjektor
Anhang A2
Versuchsanlage:
Eingesetzte Reaktoren zur akustisch-thermischen Behandlung.
au
f
zu QQ
=
VP1P2PPK1K2KDD h)TT(cm)]TT(cr[m +
=
+
VP1P2PPH1H2HH h)TT(cm)TT(cm +
=
Injektorbilanz:
Wärmeübertragerbilanz:
Abb. 29: Eingesetzte Versuchsreaktoren zur akustisch-
thermischen Behandlung im Durchflussbetrieb.
(A) 24.7 cm³, (B) 102.5 cm³. (1) Mantelrohr, (2)
Sonotrode.
AB
30
30
2
1
145
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
75
Anhang A3
Ultraschallreaktor:
Betriebsverhalten des im Versuchsreaktor eingebauten Schallwandlers.
Anhang A4
Ultraschallreaktor:
Betriebsverhalten des im Versuchsreaktor eingebauten Schallwandlers.
300
400
500
600
700
800
900
UIP-Leistung [W]
0.1 0.2 0.3 0.4 0.5
Systemüberdruck [MPa]
30°C
85°C
A
Abb. 30:
Temperatur und Druck haben einen
entscheidenden Einfluss auf die
Eingekoppelte Schalleistung von
Ultraschallprozessoren und müssen
daher bei Verfahrensanwendungen, bei
denen es auf einen konstanten
Schalleintrag ankommt, berücksichtigt
werden. Dargestellt sind Leistungs-
kurven, die mit dem industriellen
Ultraschallprozessor UIP 1000 bei der
Behandlung von entmineralisiertem
Wasser aufgenommen wurden. (A) gibt
den momentanen Leistungsabfall durch
die Temperierung der beschallten
Flüssigkeit auf 85°C wieder.
10
20
30
40
50
y [µm]
0.00 0.05 0.10 0.15 0.20
r [m]
^
Abb. 31:
Verlauf der Schallwellenamplitude in Ab-
hängigkeit vom Abstand l von der So-
notrodenoberfläche. ( ) Experimentelle
Werte, (-) Werte nach Gleichung 20.
55
45
35
25
15
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
76
Anhang A5
Ultraschallreaktor:
Parameter der Kurvenanpassung aus 4.1.3.
Volumen
V [cm³]
Volumenstrom
V [l/h]
Mittl. Verweilzeit
τ [s]
Parameter
A [-]
Reg.-Koeff.
Ouadr.-Summe
SS [-]
Inak.
log(N/No) [-]
10 6.36 2.36 0.937 0.271 -0.04
20 3.18 2.35 0.951 0.985 -0.02
17
30 2.12 2.34 0.964 1.649 -0.01
10 13.99 2.45 0.968 1.853 -0.21
20 6.99 2.41 - -0.06
30 4.66 2.36 - -0.03
40 3.49 2.34 - -0.02
39
50 2.79 2.32 - -0.01
10 21.63 2.62 0.980 2.465 -0.38
20 10.81 2.56 - -0.15
30 7.21 2.50 - -0.06
40 5.41 2.46 - -0.03
50 4.32 2.42 - -0.02
60
60 3.60 2.39 0.963 1.598 -0.02
10 29.26 2.92 0.975 2.210 -0.53
20 14.63 2.77 - -0.24
30 9.75 2.68 - -0.11
40 7.31 2.60 - -0.06
50 5.85 2.53 - -0.04
81
60 4.87 2.51 0.964 1.649 -0.03
10 36.89 3.32 0.977 2.312 -0.65
20 18.44 3.10 0.961 1.496 -0.33
30 12.29 2.95 0.957 1.292 -0.17
40 9.22 2.87 0.978 2.363 -0.10
50 7.37 2.75 0.941 0.475 -0.06
102
60 6.14 2.72 0.958 1.343 -0.04
Tab. 11:
Parameter und Kenndaten der Anpassung der Modellfunktion 21 (Thermische Behandlung).
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
77
Volumen
V [cm³]
Volumenstrom
V [l/h]
Mittl. Verweilzeit
τ [s]
Parameter
A [-]
Reg.-Koeff.
Ouadr.-Summe
SS [-]
Inak.
log(N/No) [-]
10 6.36 2.31 0.966 1.751 -0.11
20 3.18 2.30 0.967 1.802 -0.03
17
30 2.12 2.26 0.962 1.547 -0.02
10 13.99 2.45 0.968 1.853 -0.47
20 6.99 2.42 - - -0.14
30 4.66 2.39 - - -0.06
40 3.49 2.37 - - -0.04
39
50 2.79 2.30 - - -0.03
10 21.63 2.27 0.976 2.261 -0.69
20 10.81 2.71 - - -0.29
30 7.21 2.65 - - -0.14
40 5.41 2.60 - - -0.09
50 4.32 2.50 - - -0.06
60
60 3.60 2.45 0.965 1.700 -0.04
10 29.26 3.13 0.981 2.516 -0.91
20 14.63 3.03 - - -0.43
30 9.75 2.91 - - -0.25
40 7.31 2.74 - - -0.15
50 5.85 2.69 - - -0.10
81
60 4.87 2.62 0.962 1.547 -0.07
10 36.89 3.84 0.982 2.567 -1.10
20 18.44 3.52 0.965 1.700 -0.61
30 12.29 3.24 0.967 1.802 -0.36
40 9.22 3.10 0.961 1.496 -0.23
50 7.37 2.88 0.955 1.189 -0.15
102
60 6.14 2.80 0.963 1.598 -0.11
Tab. 12:
Parameter und Kenndaten der Anpassung der Modellfunktion 21 (Ultraschall-kombinierte
Behandlung).
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
78
A( 22 V)V(b1/V)V(c)V(a)V,V(A ++= &&&&
Thermische Behandlung
8642 V1eV1dV1cV1b1a)V(a ++++=
&
8642 V2eV2dV2cV2b2a)V(b ++++=
&
8642 V3eV3dV3cV3b3a)V(c ++++=
&
a b c d e
1 2.3182 -1.7e-004 -7.5e-008 -2.8e-0012 -2.4e-015
2 -4.3e-005 6.4e-008 -1.4e-011 -6.1e-015 2.0e-018
3 -9.6e-006 1.8e-007 -6.2e-011 -9.3e-015 4.9e-018
Ultraschall-thermische Behandlung
1b
V1a)V(a =
&
)Vln(V2eV2dV2cV2b2a)V(b 5.05.22 ++++=
&
)Vln(3eV3dV3cV3b3a)V(c 235.1 ++++=
&
a b c d e
1 2.533 -0.042 - - -
2 0 5.7e-004 -6.7e-006 4.5e-007 7.2e-004
3 0 1.3e-003 -1.2e-004 3.3e-008 1.7e-003
)!1A/(11A =
322 )V,V(A4f)V,V(A4d)V,V(A4b1/)V,V(Ag)V,V(A4e)V,V(A4c4a)V,V(1A &&&&&&& ++++++=
a b c d e f g
2.348 0.195 -0.858 -0.195 0.105 0.051 0.004
Tab. 13:
Parametergleichungen und zugehörige Parameter der Kurvenanpassung für die Berechnung
in 4.1.3.
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
79
Anhang A6
Keiminaktivierung:
Tab. 14: Kinetische Kenndaten der Testorganismen und Parameter der Geradenanpas-
sung für thermische und akustisch-thermische Behandlungen (Schallwellenamplitude
[µm]: 110).
Test-
Keim System Prozess / T [ C] k [1/s] E
a
[kJ/mol] r [-] D-Wert [s] D-Wert-Gleichung r [-] z-Wert [ C]
T / 56 0.0031 0.993 323.3
T / 60 0.0182 0.991 84.6
T / 64 0.0452 0.983 22.1
T / 68 0.1724
312.4
0.943 5.8
Log(D) = 10.659 - 0.146 T 1.000 6.9
UST / 48 0.0079 0.990 126.2
UST / 52 0.0139 0.991 71.7
UST / 56 0.0246 0.983 40.7
UST / 60 0.0433
126.0
0.991 23.1
Log(D) = 5.051 - 0.061 T 1.000 16.3
T / 52 0.0007 0.940 1460.0
T / 54 0.0015 0.984 684.6
T / 56 0.0031 0.907 320.9
T / 60 0.0142
464.0
0.918 70.5
Log(D) = 11.719 - 0.164 T 1.000 6.1
UST / 52 0.0020 0.954 498.0
UST / 54 0.0037 0.992 270.4
UST / 56 0.0068 0.951 146.9
UST / 60 0.0231
275.2
0.958 43.3
Log(D) = 9.592 - 0.133 T 1.000 7.5
T / 52 0.0007 0.976 1347.0
T / 54 0.0017 0.971 581.9
T / 56 0.0039 0.993 252.4
T / 60 0.0211
383.1
0.961 47.3
Log(D) = 12.584 - 0.182 T 1.000 5.5
UST / 52 0.0023 0.985 432.0
UST / 54 0.0045 0.992 223.8
UST / 56 0.0087 0.968 115.0
UST / 60 0.0322
296.9
0.964 31.1
Log(D) = 10.063 - 0.143 T 1.000 7.0
T / 115 0.0005 - 2200.0
T / 120 0.0015 - 680.0
T / 125 0.0047 - 213.0
T / 130 0.0179
310.0
-56.0
Log(D) = 15.685 - 0.107 T 0.998 9.3
UST / 115 0.0015 - 685.8
UST / 120 0.0041 - 249.5
UST / 125 - - -
UST / 130 0.0400
284.6
-25
Log(D) = 13.946 - 0.096 T 0.999 10.4
B. stearothermophilus E. coli K12 DH 5
α
L. acidophilus
L. acidophilus
Phosphat-Puffer pH 7 Orangensaft pH 3.7 Phosphat-Puffer pH 7
Phosphat-Puffer pH 7
k/2.303
[1/s]
experimentell
2
2
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
80
Anhang A7
Keiminaktivierung:
Einfluss der Schallwellenamplitude auf die Inaktivierungsreaktion der Testkeime E. coli K
12 DH 5
α
und L. acidophilus. (Behandlungsvolumen [ml]: 10, Absolutdruck [MPa]: 0.1,
Medium: Phosphat-Puffer pH 7).
Keiminaktivierung:
Einfluss der Schallwellenamplitude auf die Inaktivierungsreaktion des Testkeims E. coli K
12 DH 5
α
bei einem Absolutdruck von 0.45 MPa. (Behandlungsvolumen [ml]: 10, Me-
dium: Phosphat-Puffer pH 7).
D-Wert-Gleichung
Log(D)=n-mT
Testkeim Parametergleichung
n m
E. coli K 12 DH 5
α
n1=exp(2.232-4.95610-3y) m1=exp(-2.089-5.68810-3y)
L. acidophilus n2=exp(2.455-1.81410-3y) m2=exp(-1.815-1.89410-3y)
Tab. 15:
D-Wert- und Parametergleichung zum Einfluss der Schallwellenamplitude auf die
Inaktivierun
g
sreaktion der Testkeime E. coli K 12 DH 5
α
und L. acido
p
hilus.
Testkeim Parametergleichung
n m
E. coli K 12 DH 5
α
n1=exp(2.357-1.10610-3y) m1=0.146
Tab. 16:
Parametergleichung zum Einfluss der Schallwellenamplitude auf die Inaktivie-
rungsreaktion des Testkeims E. coli K 12 DH 5 bei 0.45 MPa Absolutdruck.
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
81
Anhang A8
Radikalbildungsaktivität: Zur Abschätzung der getrappten Radikalkonzentration.
Anhang A9
Sensorik: Symbolik in den Gruppenprotokollen
Abb. 32: Eichgerade und Regressionsgleichung zur Bestimmung der getrappten
Radikalkonzentration.
0
4
8
12
16
20
Signalintensität * 10 [-]
0 3 6 9 12 15
c * 10 [mM]
Y = 0.638253 + 1.28026X
EMS = 0.0271947
R
2
= 1.000
3
-3
4
FeSO
Symbol
Bemerkung
+
-
O
X
/
als Einzelprobe richtig erkannt
als Einzelprobe nicht erkannt 1
Bevorzugung
(Geschmack = feiner, Farbe = heller, Geruch = schwach aromatisch)
Bevorzugung
(Geschmack = kräftiger, Farbe = dunkler, Geruch = stark aromatisch)
keine Angabe der Bevorzugung
1 wurde die Probe nicht erkannt, so konnte die Bevorzugung nicht gewertet werden
fehlende Angaben der Prüfpersonen wurden als falsch gewertet
Tab. 17: Verwendete Symbolik in den Gruppenprotokollen der erweiterten
Dreiecksprüfung.
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
82
Anhang A10
Gruppenprotokolle der erweiterten Dreiecksprüfung
Merkmal Geschmack
Probensatz / Proben -Nr. / Behandlung
Lagerzeit
[Wochen]
Prüfer-
Nr. Verfahrensvariante I Verfahrensvariante II
1 2 1 2 Ergebnis
Prüfer
212 473 018 311 810 004 502 671 282 081 724 309 r %
T UST UST UST T T T UST UST UST T T
1
-018
-810
X
+502
-724
1
25
2
-018
-810
-671
-309
0
0
3
-018
-004
-282
-724
0
0
4
-473
/
+311
/ /
-282
1
25
1
5
-473
-004
-671
/
+081
/ /
1
25
6
X
+212
-810
-282
-724
1
25
7
+212
O O
-810
X
+502
-724
2
50
r
+2
-5
+1
-6
+2
-5
+1
6
%
28,6
71,4
14,3
85,7
28,6
85,7
14,3
85,7
O
1
1
0
0
2
0
1
0
%
14,3
14,3
0
0
28,6
0
14,3
0
1
-473
/
+311
/ /
-671
-309
1
25
2
-018
-810
-671
+081
O O
1
25
3
-018
-004
-282
-724
0
0
4
-018
-004
X
+502
-724
1
25
3
5
-473
-810
X
+502
-309
1
25
6
-018
-810
-282
-309
0
0
7
-018
X
+311
-671
-309
1
25
r
0
-7
+2
-5
+2
-5
+1
-6
%
0
100
28,6
71,4
28,6
71,5
14,3
85,7
O
0
0
1
0
2
0
0
1
%
0
0
14,3
0
28,6
0
0
14,3
1
-018
-810
X
+502
-309
1
25
2
-018
O
+311
-309
1
25
3
X
+212
O
+311
O
+081
3
75
4
-018
X
+311
-309
1
25
5
5
X
+212
-004
-724
1
25
6
-473
-810
-724
0
0
7
-473
-004
X
+502
+081
X X
2
50
r
+2
-5
+3
-4
+2
-5
+2
-5
%
28,6
71,4
42,9
57,1
28,6
71,4
28,6
71,4
O
2
0
3
0
2
0
1
1
%
28,6
0
42,9
0
28,6
0
14,3
14,3
Tab. 18: Angaben der Prüfpersonen zum Untersuchungsmerkmal Geschmack
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
83
Merkmal Farbe
Probensatz / Proben -Nr. / Behandlung
Lagerzeit
[Wochen]
Prüfer-
Nr. Verfahrensvariante I Verfahrensvariante II
1 2 1 2 Ergebnis
Prüfer
212 473 018 311 810 004 502 671 282 081 724 309 r %
T UST UST UST T T T UST UST UST T T
1
O
+212
-810
-671
/
+081
/ /
2
50
2
O
+212
-810
-671
-309
1
25
3
-018
-004
-282
O
+081
1
25
4
-018
/
+311
/ / O
+502
-282
-309
2
50
1
5
-473
O
+311
-724
1
25
6
-473
-810
/
+502
/ /
-282
-724
1
25
7
-018
-810
-724
0
0
r
+2
-5
+2
-5
+2
-5
+2
-5
%
28,6
71,4
28,6
71,4
28,6
71,4
28,6
71,4
O
2
0
1
0
1
0
1
0
%
28,6
0
14,3
0
14,3
0
14,3
0
1
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
2
-018
O
+311
O
+502
O
+081
3
75
3
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
0
4
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
3
5
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
6
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
7
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
r
+6
-1
+7
0
+7
0
+7
0
%
85,7
14,3
100
0
100
0
100
0
O
6
0
7
0
7
0
7
0
%
85,7
0
100
0
100
0
100
0
1
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
2
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
3
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
4
O
+212
X
+311
O
+502
O
+081
4
100
5
5
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
6
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
7
O
+212
O
+311
O
+502
O
+081
4
100
r
+7
0
+7
0
+7
0
+7
0
%
100
0
100
0
100
0
100
0
O
7
0
7
0
7
0
7
0
%
100
0
100
0
100
0
100
0
Tab. 19: Angaben der Prüfpersonen zum Untersuchungsmerkmal Farbe
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
84
Merkmal Geruch
Probensatz / Proben -Nr. / Behandlung
Lagerzeit
[Wochen]
Prüfer-
Nr. Verfahrensvariante I Verfahrensvariante II
1 2 1 2 Ergebnis
Prüfer
212 473 018 311 810 004 502 671 282 081 724 309 r %
T UST UST UST T T T UST UST UST T T
1
-473
-004
-282
/
+081
/ /
1
25
2
-018
/
+311
/ /
-282
-309
1
25
3
-018
-004
-282
-309
0
0
4
X
+212
-004
-671
-724
1
25
1
5
-018
-004
-671
-309
0
0
6
-473
-810
X
+502
-724
1
25
7
X
+311
-810
-282
-724
1
25
r
+1
-6
+2
-5
+1
-6
+1
6
%
14,3
85,7
28,6
71,4
14,3
85,7
14,3
85,7
O
1
0
1
0
1
0
0
0
%
14,3
0
14,3
0
14,3
0
0
0
1
-018
-810
-671
-724
0
0
2
-018
-004
-282
-724
0
0
3
-018
/
+311
/ /
-282
-309
1
25
4
/
+212
/ /
-004
-282
-309
1
25
3
5
-473
-004
/
+502
/ /
-309
1
25
6
/
+212
/ /
-004
-282
-309
1
25
7
-473
-810
-671
/
+081
/ /
1
25
r
+2
-5
+1
-6
+1
-5
+1
-6
%
28,6
71,4
14,3
85,7
14,3
85,7
14,3
85,7
O
0
0
0
0
0
0
0
0
%
0
0
0
0
0
0
0
0
1
-018
O
+311
-282
-724
1
25
2
-018
-810
-282
-309
0
0
3
-810
-671
-724
0
0
4
-018
-810
/
+502
/ /
-309
1
25
5
5
-473
-004
-282
-724
0
0
6
-473
-810
-671
-724
0
0
7
-018
-004
-671
-309
0
0
r
0
-7
+1
-6
+1
-5
0
-7
%
0
100
14,3
85,7
14,3
85,7
0
100
O
0
0
1
0
0
0
0
0
%
0
0
14,3
0
0
0
0
0
Tab. 20: Angaben der Prüfpersonen zum Untersuchungsmerkmal Geruch
Anhang
_____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________
85
Anhang A11
Instrumentelle Farbmessung:
Feststellbare Farbunterschiede des CIELAB-Systems
(L*, a*, b*)
0,2
0,2 - 0,5
0,5 -1,5
1,5 - 3,0
3,0 - 6,0
nicht wahrnehmbar
sehr gering
gering
deutlich
sehr deutlich
(L*100 = weiß, a*+ = rot, b*+ = gelb)
Anhang A12
Wichtige schalltechnische Größen
Wasser Luft kavitierendes
Wasser
α0/f2 [s2/m] 2.410-14 2.510-11 1.810-8
k [1/m] 0.08 0.36 2.51
c [m/s] 1483 344 50
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Veröffentlichungen
Artikel
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (1999) Einsatz akustisch erzeugter Wechseldrücke bei
der direkten HTST- und UHT- Erhitzung flüssiger Lebensmittel. Lebensmittel-Verfahrens-
und Verpackungstechnik, 44(4), 189-192.
Zenker, M., V. Heinz, D. Knorr. (2000) Ultraschall-Temperatur-Druck-Kurzzeitbehandlung
unter Einbeziehung der Direktdampfinjektion zur Pasteurisierung/Sterilisierung von
Lebensmitteln. Abschlußbericht. AiF-FV 11395 N.
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2003) Application of ultrasound assisted thermal proc-
essing for preservation and quality retention of liquid foods. Journal of Food Protection,
66(9), 1642-1649.
Knorr, D., Zenker, M., Heinz, V. and Lee, D. (2004) Applications and potential of ultrasonics
in food processing. Journal of Trends in Food Science and Technology, 15(5), 261-266.
Heinz, V., Zenker, M. (2004) Experimentelle Untersuchung und Modellierung des Betriebs-
verhaltens eines Ultraschallreaktors zur akustisch-thermischen Behandlung von Flüssigkei-
ten. Chemie Ingenieur Technik, 76(8), 1189-1197.
Vorträge
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2000) Einsatz mechanischer Schallwellen bei der UHT-
Erhitzung flüssiger Lebensmittel, Arbeitstreffen des Fachausschusses „Lebensmittelverfah-
renstechnik“ der VDI-GVC-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen,
29.03.00, Würzburg.
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2000) Möglichkeiten des Einsatzes der Ultraschalltech-
nik bei thermischen Prozessen in der Lebensmittelindustrie, Fachtagung zu innovativen
Technologien für hochwertige und sichere Lebensmittel – INNO FOOD, 15.-16.09.00,
Köthen.
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2001) Anwendung der Ultraschalltechnik zur Optimie-
rung und Weiterentwicklung thermischer Prozesse in der Lebensmittelverarbeitung, GDL-
Kongreß „Lebensmitteltechnologie 2001“, 08.11.01, Berlin.
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2001) Combined application of ultrasound and
temperature for energy-saving and mild preservation of liquid food. 2nd Joint IFT/EFFoST
Nonthermal Processing Workshop, 09.-11.12.01, Berlin.
Poster
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2001) Combined application of ultrasound and
temperature for energy-saving and mild preservation of liquid food. Poster Presentation. 3rd
European Congress of Chemical Engineering, Nürnberg, Germany.
Zenker, M., Heinz, V. und Knorr, D. (2001) A comparative study between thermal and ultra-
sound combined temperature processing for energy-saving and food quality preservation.
Poster presentation. European Conference on Advanced Technology for Safe and High
Quality Foods - EUROCAFT, Berlin, Germany.
Lebenslauf
Name Marco Zenker
Geburtsdatum 13 Januar 1971
Geburtsort Arnstadt (Thüringen)
Staatsangehörigkeit deutsch
Familienstand ledig
Schulausbildung
09/1977 – 08/1987
09/1987 – 08/1990
09/1990 – 09/1991
Allgemeinbildende Oberschule in Ichtershausen
Berufsausbildung mit Abitur in Staßfurt
Wehrdienst in Erfurt
Hochschulbildung
10/1991 – 09/1993
10/1993 – 03/1998
seit 05/1998
Studium an der TH-Köthen im Studiengang
Lebensmitteltechnik/Biotechnologie
Abschluß Diplom-Vorprüfung
Studium an der TU-Berlin im Studiengang
Lebensmitteltechnologie/Gärungstechnologie
Abschluß Diplom-Hauptprüfung
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet
Lebensmittelbiotechnologie und –verfahrenstechnik
der TU-Berlin