scieee Science in your language
[en] (orig)
Vor- und nachgeschaltete Signalwege der Go2α
αα
α-vermittelten
Regulation der vesikulären Monoaminspeicherung
Vorgelegt von
Diplom Ingenieur
Christian Blex
aus Berlin
von der Fakultät III Prozesswissenschaften
der Technischen Universität Berlin
zur Erlangung des akademischen Grades
Doktor der Ingenieurwissenschaften
- Dr.-Ing. -
genehmigte Dissertation
Promotionsausschuss:
Vorsitzender: Prof. Dr. U. Stahl
Berichter: Prof. Dr. R. Lauster
Berichterin: Prof. Dr. G. Ahnert-Hilger
Tag der wissenschaftlichen Aussprache: 21. Juli 2008
Berlin 2008
D83
Inhaltsverzeichnis
I
1 Zusammenfassung 1
2 Abstract 2
3 Einleitung 3
3.1 Neuronale Kommunikation an Synapsen 3
3.2 Die Variabilität der vesikulären Neurotransmitterspeicherung
beeinflusst die synaptische Übertragung 4
3.3 Neurotransmittertransport in synaptische Vesikel 5
3.4 Transport und Speicherung von Monoaminen in
synaptischen Vesikeln 7
3.4.1 Monoaminerge Neurotransmitter 7
3.4.2 Speicherung monoaminerger Neurotransmitter 8
3.5 Heterotrimere G-Proteine beeinflussen den
Neurotransmittertransport in synaptische Vesikel 11
3.5.1 Eigenschaften heterotrimerer G-Proteine 11
3.5.2 Goα - eine in Neuronen und neuroendokrinen Zellen exprimierte
Untereinheit heterotrimerer G-Proteine 12
3.5.3 Lokalisation heterotrimerer G-Proteine auf synaptischen Vesikeln -
Regulation der vesikulären Neurotransmitterspeicherung 14
3.6 Fragestellung 16
4 Materialien und Methoden 17
4.1 Chemikalien 17
4.2 Geräte und Apparaturen 19
4.3 Puffer und Lösungen 21
4.4 Medien 24
4.4.1 Mikrobielle Medien 24
4.4.2 Zellkulturmedien 25
4.5 Antikörper 26
4.5.1 primäre Antikörper 26
4.5.2 sekundäre Antikörper 26
4.6 Nukleinsäuren 26
4.6.1 Oligonukleotide 26
4.6.2 Vektoren 28
4.6.3 cDNA 29
4.7 Methoden 29
4.7.1 DNA-Techniken 29
4.7.2 Yeast-Two-Hybrid-Methoden 33
Inhaltsverzeichnis
II
4.7.3 Protein-Techniken 35
4.7.4 Zellkulturarbeiten 38
4.7.5 Neurotransmitteraufnahmetests 39
4.7.6 Versuchstiere 42
4.7.7 HPLC-Analytik 42
4.7.8 Versuchsdurchführung und -auswertung 45
5 Ergebnisse 46
5.1 Modellsysteme zur Untersuchung der Regulation von VMAT1 und
VMAT2 durch heterotrimere G-Proteine 46
5.2 Einfluss der ersten intravesikulären Schleife des VMAT2 auf die
G-Protein-vermittelte Regulation der Monoaminspeicherung 48
5.2.1 Die Deletion der ersten intravesikulären Schleife beeinflusst
die Expression der VMAT2-Konstrukte in CHO-Zellen nicht 49
5.2.2 Die Deletion der ersten intravesikulären Schleife verändert
den Monoamintransport in transfizierten CHO-Zellen nicht 50
5.2.3 Die Deletion der ersten intravesikulären Schleife des VMAT2
führt in CHO-Zellen zu einem Verlust der Regulation durch G-Proteine 51
5.3 Die intravesikuläre Erkennungsstruktur des VMAT1 52
5.3.1 Eine α1-Rezeptor-ähnliche Struktur reguliert die Monoaminspeicherung
durch den VMAT1 52
5.3.2 Auch in VMAT1-transfizierten Zellen ist die erste intravesikuläre Schleife an
der G-Protein-vermittelten Regulation beteiligt 53
5.4 Zytoplasmatische Strukturen des VMAT2 die an der
Signaltransduktion beteiligt sein könnten 55
5.4.1 Die Substitution der Aminosäuren P273-D292 durch 5 Glyzinreste
führt zum Verlust der Transportaktivität des VMAT2 56
5.4.2 Deletionen im C-terminalen Bereich des VMAT2 beeinflussen die
G-Protein-vermittelte Regulation des VMAT2 nicht 57
5.5 Nachgeschaltete Signaltransduktionswege der G-Protein-
vermittelten Regulation der VMAT 58
5.5.1 Einfluss von DbcAMP auf die G-Proteinregulation der VMAT 58
5.5.2 Die Überexpression von CAPS1 und CAPS2 steigert die
Monoaminaufnahme in CHO-VMAT-Zellen 59
5.6 Bedeutung der Regulation des vesikulären Monoamintransports
durch heterotrimere G-Proteine 61
5.6.1 Die Inaktivierung von Go2α durch Pertussistoxin führt zu einer
Verminderung der Monoaminaufnahme in PC12 Zellen 61
5.6.2 Die Inaktivierung von Go2α durch Pertussis Toxin führt in BON-Zellen
zu einem verminderten Monoamingehalt 62
5.6.3 Go2α-Deletionsmutanten haben gegenüber Wildtyptieren einen
verminderten striatalen Dopaminspiegel 63
5.6.4 Verhaltensveränderungen bestätigen den veränderten
Dopaminmetabolismus in Go2α-Deletionsmutanten 64
Inhaltsverzeichnis
III
5.7 Identifizierung von möglichen Zielen der Go2α
αα
α -vermittelten
Signaltransduktion durch das Yeast-two-Hybrid-System 68
5.7.1 Vorgehensweise bei der cDNA-Durchmusterung mittels
Yeast-two-Hybrid-System 68
5.7.2 Vorbereitende Arbeiten 72
5.7.3 Sequenzielle Transformation von bait- und prey-Vektoren 73
5.7.4 Charakterisierung der Interaktionspartner 75
5.7.5 Überprüfung der Spezifität der Interaktionspartner 78
6 Diskussion 81
6.1 Faktoren die den vesikulären Neurotransmittertransport
beeinflussen 82
6.2 Domänen der VMAT sind an der Regulation der Monoamin-
speicherung durch Go2α
αα
α beteiligt 84
6.3 Nachgeschaltete Signalwege der Regulation des Monoamin-
transports durch Go2α
α α
α 89
6.3.1 Die Adenylylzyklase kann den vesikulären Monoamintransport
beeinflussen 89
6.3.2 Die Überexpression von CAPS erhöht die Speicherfähigkeit vesikulärer
Strukturen in CHO-Zellen 90
6.4 Physiologische Funktion der Regulation der vesikulären
Monoaminaufnahme durch Go2α
αα
α 91
6.5 Direkte Interaktionspartner von Go2α
αα
α 94
6.5.1 Spezifische Go2α-Interaktionspartner 95
6.5.2 Interaktionspartner, die mit beiden Goα-Isoformen interagieren 98
6.5.3 Proteine die mit beiden Goα-Isoformen und mit Gqα interagieren 99
6.5.4 Zusammenfassung Yeast-two-Hybrid-Screening 100
6.6 Ausblick 102
7 Abkürzungen 104
8 Literaturverzeichnis 106
Zusammenfassung
1
1 Zusammenfassung
Die Grundlage der neuronalen Signalübertragung ist die regulierte Freisetzung vesikulärer
Neurotransmitter in den synaptischen Spalt. Die synaptische Signalübertragung unterliegt
dabei einer Vielzahl regulatorischer prä- und postsynaptischer Prozesse. Die Beeinflussung
des vesikulären Füllungszustandes stellt dabei eine Möglichkeit dar, die synaptische Über-
tragung präsynaptisch zu modulieren. Vorangegangene Arbeiten konnten zeigen, dass der
Füllungszustand monoaminerger Vesikel durch die Go2α-Untereinheit heterotrimerer G-
Proteine reguliert wird. Der vesikuläre Füllungszustand ist dabei das auslösende Signal der
G-Proteinregulation. Die daran beteiligten zellulären Prozesse und Signaltransduktionswege
sowie die Bedeutung dieser Regulation in vivo sind aber bisher unverstanden.
Ziel dieser Arbeit war es daher, vor- und nachgeschaltete Signalwege zu identifizieren und
physiologische Effekte der Inaktivierung von Go2α zu analysieren.
Monoamine werden durch zwei Isoformen des vesikulären Monoamintransporters (VMAT) in
Vesikeln gespeichert. In Neurotransmitteraufnahmeexperimenten mit CHO-Zellen, die mit
verschiedenen mutierten Konstrukten des VMAT2 transfiziert, als stark vereinfachtes Mo-
dellsystem dienten, konnte gezeigt werden, dass die erste intraluminale Schleife des
VMAT2 an der Signaltransduktion aus dem Vesikellumen beteiligt ist. Ähnliche Untersu-
chungen mit dem VMAT1 legen eine vergleichbare Bedeutung der ersten intraluminalen
Schleife als intravesikuläre Rezeptorstruktur nahe.
Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit bildete die Identifikation potentieller nachgeschalte-
ter Signalproteine. Dabei stellte sich heraus, dass die Proteine CAPS1 und CAPS2 in der
Lage sind, den vesikulären Monoamintransport und die Speicherfähigkeit für Monoamine zu
erhöhen. Durch systematisches Durchmustern einer cDNA-Bibliothek mit konstitutiv aktivem
Go2α in einem Yeast-two-Hybrid-System wurden 15 Proteine identifiziert, die als potentielle
Zielproteine an der G-Proteinregulation der VMAT beteiligt sind. Darüber hinaus konnten
verschiedene, dabei identifizierte Go2α-bindende Proteine bereits im Zellkern lokalisiert
bzw. assoziiert mit dem Zytoskelett nachgewiesen werden und deuten auf eine Funktion von
Go2α an diesen Strukturen hin.
In genetisch veränderten Mäusen, die nicht in der Lage sind, Go2α zu exprimieren, konnten
im Striatum, einer Gehirnregion die besonders an der motorischen Feinregulation beteiligt
ist, verminderte Dopaminspiegel festgestellt werden. Diese verminderten Monoaminspiegel
korrelieren mit einer verminderten Bewegungsaktivität der Go2α-defizienten Mäuse nach
Stimulation des dopaminergen Systems mittels Amphetamin und Kokain. Zusätzlich bleibt
nach mehrfacher Behandlung mit Kokain die in Wildtyptieren einsetzende substanzvermittel-
te Sensibilisierung aus, die auf zusätzliche Störungen des dopaminergen Systems hinweist.
Abstract
2
2 Abstract
The basic principle of neural communication involves regulated exocytosis of neurotransmit-
ter molecules into the synaptic cleft. Neuronal communication at the synapse depends on
several regulatory mechanisms which are localized pre- or postsynaptically. Vesicular filling
represents one possibility of influencing synaptic transmission presynaptically. Previous ex-
periments showed that activation of Go2α, a brain and neuroendocrine cell specific subunit
of heterotrimeric G-proteins, modulates filling of synaptic vesicles with monoamines. Vesicu-
lar filling itself was shown to be the preceding step of the Go2α-regulation. Further evidence
of participating intracellular signalling cascades was missing.
Therefore the aim of the project was to identify possible upstream and downstream signal-
ling molecules as well as to determine the impact of Go2α inactivation in vitro and in vivo.
Monoamine storage in vesicles is mediated by the activity of two isoforms of the vesicular
monoamine transporter (VMAT). Neurotransmitter uptake experiments using CHO-cells
transfected with wildtype and mutant VMAT2-cDNA proved that the first intravesicular loop
of VMAT2 is required for Go2α-activation. Similar experiments using VMAT1-cDNA-
constructs also indicated that the first intralumenal loop of the VMAT shows receptor like
properties.
The investigation of potential downstream targets revealed the proteins CAPS1 and CAPS2
to enhance vesicular transport and storage capacity for monoamines. Furthermore a yeast
two hybrid screening of a mouse brain cDNA-library using GTPase deficient Go2α as bait
identified 15 potential downstream effectors. Besides a possible role in regulating vesicular
filling, some of the identified proteins are localized in the nucleus or associated with the cy-
toskeleton. These observations point to further functions of Go2α at other subcellular struc-
tures.
Analysis of Go2α-knockout mice revealed reduced dopamine-amounts in the striatum, a
brain region involved in movement control. Decreased striatal dopamine levels correlate with
reduced locomotor-activity of the knockout mice compared to wildtype animals after chal-
lenging the monoaminergic system using amphetamine and cocaine. Additionally knockout
mice lack drug-induced sensitization after repeated application of cocaine indicating further
disturbances of the dopaminergic system.
Einleitung
3
3 Einleitung
3.1 Neuronale Kommunikation an Synapsen
Die Grundlage jeglicher Funktionen eines Organismus bildet die Abstimmung zwischen ver-
schiedenen spezialisierten Zellen und Geweben, um in geeigneter Weise auf Umweltreize
zu reagieren. Das kann durch direkte Zell-Zellinteraktion oder indirekt über die Freisetzung
von Botenstoffen aus signalauslösenden Zellen einerseits und die Erkennung dieser Boten-
stoffe durch Zielzellen andererseits erfolgen. Beide Prozesse sind auch an der Informati-
onsverarbeitung im zentralen Nervensystem beteiligt und kontrollieren dadurch eine Vielzahl
von Körperfunktionen, wie z.B. die Wahrnehmung und Verarbeitung äußerer Reize, die Aus-
führung von Bewegungen, aber auch die Entstehung von Emotionen, Lernvorgänge und
Gedächtnisleistungen. Die indirekte Signalübertragung zwischen Neuronen, die im mensch-
lichen Gehirn auf mehr als sieben Billionen beziffert werden (Webster, 2001), erfolgt dabei
über die Freisetzung von Neurotransmittern an spezialisierte Strukturen zwischen Neuronen
- den Synapsen.
Grundprinzip dieser chemischen Signalübertragung ist zunächst ein ankommender elektri-
scher Impuls, das Aktionspotential, der an der präsynaptischen Membran zur Öffnung span-
nungsabhängiger Kalziumkanäle führt. Ausgelöst durch den Einstrom extrazellulärer Kalzi-
umionen in das Zytoplasma, kommt es zur regulierten Freisetzung von Neurotransmittern
aus sekretorischen Vesikeln in den synaptischen Spalt. Die dabei von einem einzelnen sy-
naptischen Vesikel abgegebene Menge wird auch als Neurotransmitterquantum bezeichnet.
Die Weitergabe der Information erfolgt an der postsynaptischen Membran durch Aktivierung
membranständiger Rezeptoren, bei denen es sich um Ionenkanäle (ionotroper Rezeptor)
handeln kann, die eine schnelle Signalleitung ermöglichen (1-10 ms). Alternativ können Re-
zeptoren beteiligt sein, die intrazelluläre Signalwege aktivieren (metabotroper Rezeptor), um
so den Ionentransport an der Plasmamembran zu beeinflussen. Letztgenannte Prozesse
laufen deutlich langsamer ab (100 ms - min). Durch Aktivierung dieser postsynaptischen
Rezeptoren kann dann entweder ein erregendes oder ein inhibitorisches Signal in der
postsynaptischen Zelle durch De- oder Hyperpolarisierung der Plasmamembran ausgelöst
werden. Eine Depolarisation wird dabei durch eine Erhöhung der Ionenleitfähigkeit für Natri-
um-, Kalium- und Kalziumionen erreicht. Eine Verminderung der Erregbarkeit einer Zelle
durch Hyperpolarisation wird hingegen durch eine erhöhte Ionenleitfähigkeit für Chloridionen
bewirkt. Ob ein inhibitorisches oder exzitatorisches Signal ausgelöst wird, hängt von der Art
des Neurotransmitters und dem Rezeptortyp ab.
Neurotransmitter können aufgrund ihrer Struktur eingeteilt werden. Die häufigsten Neu-
rotransmitter im ZNS sind die Aminosäuren Glutamat, Glyzin sowie γ-Aminobuttersäure
(GABA). Daneben sind auch noch Azetylcholin, die Monoamine Dopamin, Noradrenalin,
Einleitung
4
Adrenalin, Serotonin und Histamin sowie die Purine ATP und Adenosin bekannte Neu-
rotransmitter. Neben diesen klassischen Neurotransmittern gibt es auch Neuropeptide, dar-
unter Enkephaline, Endorphine, Cholezystokinin und die Substanz P, die eher neuromodula-
torisch wirken.
Um nach der Aktivierung postsynaptischer Rezeptoren die Signalübertragung zu beenden,
müssen die Neurotransmitter wieder aus dem synaptischen Spalt entfernt werden. Azetyl-
cholin wird dazu durch die Azetylcholinesterase gespalten. Das Cholin wird dann über
Plasmamembranrezeptoren wieder aufgenommen. Für die anderen klassischen Neu-
rotransmitter existieren ebenfalls Plasmamembranrezeptoren, die die freigesetzten Neu-
rotransmitter wieder in das Zytoplasma transportieren. Dabei zeichnen sich die Plasma-
membrantransporter für Serotonin (SERT), Dopamin (DAT), Noradrenalin (NET), GABA
(GAT1-GAT4) und Glyzin (GLYT1-GLYT2) dadurch aus, dass sie die Neurotransmitter über
einen Natrium- und Chloridkotransport in die Zelle transportieren. Der Glutamattransport aus
dem synaptischen Spalt erfolgt durch die exzitatorischen Aminosäuretransporter (EAAT1-
EAAT5), die durch Kotransport von Natriumionen und Protonen sowie einen Antiport von
Kaliumionen angetrieben werden. Für Neuropeptide sind keine Plasmamembrantransporter
bekannt, sie werden durch membrangebundene Peptidasen gespalten.
3.2 Die Variabilität der vesikulären Neurotransmitterspeicherung
beeinflusst die synaptische Übertragung
Untersuchungen an der neuromuskulären Endplatte führten zur Definition der kleinsten Ein-
heit der synaptischen Übertragung - des Neurotransmitterquantums - worunter ein einzelnes
mit Neurotransmittern gefülltes Vesikel verstanden wird (Katz, 1971). Obwohl davon ausge-
gangen wurde, dass diese Neurotransmitterquanta invariabel sind, stellte sich heraus, dass
nicht nur postsynaptische Parameter einen Einfluss auf die synaptische Übertragung haben
können, sondern auch, dass die Menge des vesikulären Neurotransmitters variiert und somit
ebenfalls die synaptische Übertragung verändern kann.
Voraussetzung für die Beeinflussung der synaptischen Übertragung durch unterschiedliche
vesikuläre Neurotransmittermengen ist, dass die postsynaptischen Rezeptoren einer Sy-
napse unter physiologischen Bedingungen nicht mit Neurotransmittern gesättigt sind. Das
konnte neben metabotropen Rezeptoren, die teilweise auch durch Neurotransmitterfreiset-
zung benachbarter Synapsen aktiviert werden, auch für ionotrope Rezeptoren gezeigt wer-
den (Forti et al., 1997; Liu et al., 1999). Neben der vesikulären Neurotransmittermenge ha-
ben auch die Wahrscheinlichkeit von Exozytoseprozessen, die Größe der Synapsen und die
Anzahl postsynaptischer Rezeptoren einen Einfluss auf die synaptische Übertragung
(Murthy et al., 1997; Nusser et al., 1997).
Einleitung
5
Parameter, die den vesikulären Neurotransmittergehalt, also das Neurotransmitterquantum,
beeinflussen, sind die Neurotransmitterkonzentration im Zytoplasma sowie der Transport
und unspezifischer Verlust über die Vesikelmembran.
Auf die intrazelluläre Neurotransmitterkonzentration haben sowohl der Transport über die
Plasma- und Vesikelmembran als auch die Biosynthese und der Abbau der Neurotransmit-
ter einen Einfluss. So zeigen Deletionsmutanten des DAT schwerwiegende Veränderungen
im Dopaminstoffwechsel. Homozygote Deletionsmutanten zeigen einen fünffach erhöhten
extrazellulären Dopaminspiegel und eine um 75 % reduzierte Freisetzung von Dopamin
nach elektrischer Stimulation. Insgesamt war der Gesamtdopamingehalt dieser Tiere in der
Gehirnregion des Striatums, die ca. 80 % aller dopaminergen Endknöpfe des Mäusegehirns
enthält, um 95 % reduziert (Jones et al., 1998). Dies zeigt, dass die vesikuläre Neurotrans-
mitterkonzentration in starkem Maße von der Wiederaufnahme durch Plasmamembranre-
zeptoren aus dem synaptischen Spalt abhängt.
Auch Veränderungen des Neurotransmitterstoffwechsels, wie z.B. nach Aktivierung des
Schlüsselenzyms der Dopaminbiosynthese, der Tyrosinhydroxylase, führen in Zellen zu
einer verstärkten Produktion von Dopamin (Chang et al., 2002). Die Beeinflussung der vesi-
kulären Neurotransmittermenge durch die Applikation des Dopaminsynthesevorläufers L-
DOPA führte sowohl in PC12-Zellen (Pothos et al., 1998a) als auch in dopaminergen Neu-
ronen (Pothos et al., 1998b) zu einer Erhöhung der freigesetzten Neurotransmitterquanten,
die mit Hilfe der amperometrischen Detektion an Karbonfaserelektroden bestimmt werden
konnten (Mosharov & Sulzer, 2005). Hingegen führt eine verminderte Aktivität der Tyrosin-
hydroxylase zu einer Verminderung der freigesetzten Neurotransmitterquanten. Auch die
Verringerung der vesikulären Transporterzahl beeinflusst die Speicherung und Freisetzung
von Neurotransmittern. So führt, z.B., die Überexpression der vesikulären Transporter für
Monoamine und Azetylcholin zu einer Erhöhung der Neurotransmitterquanten (Pothos et al.,
2000; Song et al., 1997). Im Gegensatz dazu führt die Reduktion dieser Transporter zu einer
verminderten Neurotransmitterfreisetzung (Fon et al., 1997; Travis et al., 2000; Prado et
al.,2006).
Wie die vorangegangenen Ausführungen und Beispiele zeigen, ist der vesikuläre Neu-
rotransmittergehalt variabel und wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Einer die-
ser Faktoren ist auch der vesikuläre Neurotransmittertransport, dessen grundlegende Me-
chanismen im folgenden Abschnitt näher beschrieben werden sollen.
3.3 Neurotransmittertransport in synaptische Vesikel
Nach der synaptischen Signalübertragung werden die Neurotransmitter aus dem Extrazellu-
lärraum ins Zytosol transportiert und anschließend über vesikuläre Neurotransmit-
tertransporter in sekretorischen Vesikeln gespeichert. Die sekretorischen Vesikel lassen sich
Einleitung
6
in zwei Klassen unterteilen: Kleine synaptische Vesikel in Neuronen (small synaptic vesic-
les; SSV) und ihre Analoge in neuroendokrinen Zellen (small synaptic-like microvesicles;
SLMV) sowie die großen elektronendichten Vesikel (large dense-core vesicles; LDCV). SSV
und SLMV speichern niedermolekulare Neurotransmitter, LDCV enthalten zusätzlich ver-
schiedene Neuropeptide als Kotransmitter. Unabhängig vom Vesikeltyp erfolgt die Neu-
rotransmitterspeicherung über die vesikulären Neurotransmittertransporter. Dabei werden
Monoamine durch die vesikulären Monoamintransporter (VMAT), Azetylcholin über den ve-
sikulären Azetylcholintransporter (VAChT), Glutamat über vesikuläre Glutamattransporter
sowie GABA und Glyzin über den vesikulären inhibitorischen Aminosäuretransporter (VIAAT
bzw. VGAT) in das Vesikellumen transportiert. Wie auch der Plasmamembrantransport ist
dieser Transport energieabhängig und wird durch einen Antiport von Protonen aus dem Ve-
sikellumen ins Zytoplasma angetrieben. Der dafür notwendige Protonengradient über die
Vesikelmembran wird durch die Aktivität der vakuolären ATP-abhängigen Protonenpumpe
(vATPase) erzeugt. Neben dem Protonengradient (pH) ergibt sich durch Anreicherung po-
sitiver Ladungen im Vesikellumen zusätzlich auch ein elektrischer Gradient (Ψ). Beide
werden als elektrochemischer Gradient zusammengefasst (µH
+
) und bilden gemeinsam
die Triebkraft für den Neurotransmittertransport entgegen dem Konzentrationsgradienten
(Johnson, 1988). Die Aktivität verschiedener vesikulärer Neurotransmittertransporter hängt
in unterschiedlichem Maße von pH und ∆Ψ ab. Die Aktivität der VMAT und VAChT hängt
stärker vom pH ab und die der vesikulären Glutamattransporter stärker von ∆Ψ (Johnson,
1988; Maycox et al., 1988; Carlson et al., 1989). Der vesikuläre GABA-Transport hängt von
beiden Anteilen gleichermaßen ab.
Neben der Aktivität der vakuolären ATPase wird der elektrochemische Gradient über die
Vesikelmembran zusätzlich durch die Anwesenheit von Chloridionen beeinflusst. Isolierte
synaptische Vesikel zeigen nach Inkubation mit ATP nur eine geringe Ansäuerung. Fügt
man zusätzlich Chloridionen zu, steigt die Ansäuerung stark an. Ursache hierfür ist wahr-
scheinlich die Tatsache, dass in die Vesikel aufgenommenes Chlorid den elektrischen Anteil
des elektrochemischen Potentials ∆Ψ reduziert und die Protonenpumpe dadurch einen grö-
ßeren pH-Gradienten aufbauen kann. Somit können beide Anteile des elektrochemischen
Gradienten unabhängig von einander reguliert werden (Johnson, 1988). Intrazelluläre Io-
nenkanäle, die die vesikuläre Ansäuerung beeinflussen, sind in der Literatur beschrieben
(Jentsch et al., 2005).
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen der vesikuläre Transport und die Speicherung von Mo-
noaminen. Die zugrunde liegenden Prozesse werden im nächsten Abschnitt eingehend be-
schrieben.
Einleitung
7
3.4 Transport und Speicherung von Monoaminen in synaptischen
Vesikeln
3.4.1 Monoaminerge Neurotransmitter
Zu den monoaminergen Neurotransmittern gehören Histamin und Serotonin sowie die Kate-
cholamine Adrenalin, Dopamin und Noradrenalin. Kennzeichen dieser Neurotransmitter ist
eine namengebende primäre Aminogruppe, die über eine Ethylgruppe mit einer aromati-
schen Ringstruktur verbunden ist. Die Grundgerüste dieser Neurotransmitter sind die Ami-
nosäuren Tyrosin, Tryptophan und Histidin, aus denen sie nach verschiedenen Biosynthe-
seschritten gebildet werden. Die Zellkörper der monoaminergen Neuronen sind hauptsäch-
lich in den Regionen des Hirnstamms und des Hypothalamus lokalisiert, von wo aus sie wei-
te Bereiche des Gehirns innervieren und dadurch viele Gehirnfunktionen beeinflussen. Im
Folgenden soll kurz auf die Lokalisation und Bedeutung der genannten Neurotransmitter
eingegangen werden.
Dopamin ist an vielen Gehirnfunktionen beteiligt und entfaltet seine Wirkung über fünf be-
kannte Dopaminrezeptoren (D1-D5), bei denen es sich um metabotrope Rezeptoren han-
delt. Ausgehend von ihren Ursprungsgebieten in der Substantia nigra pars compacta und
Formatio reticularis innervieren dopaminerge Neurone ein Hauptzielgebiet, das Striatum, wo
ca. 80% des gesamten Dopamins des Gehirns lokalisiert sind. Dopamin hat in dieser Regi-
on einen starken Einfluss auf die Motorik. So führt ein Dopaminmangel, wie er z.B. bei Mor-
bus Parkinson auftritt, zu einem Bewegungsmangel und zu Muskelsteifheit. Eine weitere
wichtige Funktion im Belohnungssystem des Gehirns wird der dopaminergen Innervation
des Nucleus accumbens aus der Area tegmentalis ventralis zugeschrieben, in denen beloh-
nende Stimuli zur Dopaminfreisetzung führen. Zusätzliche innervieren dopaminerge Fasern
den Cortex, wo sie den Informationsfluss aus anderen Gehirnarealen modulieren und Moti-
vation, Emotionen, Gedächtnis und Aufmerksamkeit beeinflussen. Ebenfalls hemmt Dopa-
min - ausgehend vom Nucleus infundibularis - die Freisetzung des Hypophysenhormons
Prolaktin.
Noradrenalin, das neben seiner Funktion als Neurotransmitter im ZNS und Neuronen des
sympathischen Nervensystems auch durch chromaffine Zellen der Nebenniere als Hormon
gebildet und freigesetzt wird, entsteht intravesikulär durch die Hydroxylierung von Dopamin
durch die Dopamin-β-hydroxylase. Durch Noradrenalin werden drei Familien adrenerger
Rezeptoren - α1, α2 bzw. β-Rezeptoren - aktiviert. Der prädominante Rezeptor im Nerven-
system ist der α2
A/D
-Rezeptor, der die neuronale Erregbarkeit reduziert. Hauptlokalisation-
sorte noradrenerger Neurone ist der Locus coeruleus, von dem, wie auch von anderen no-
radrenergen Kerngebieten, zahlreiche Gehirnregionen innerviert werden. Aktiviert durch
sensorische Stimuli, besitzt das Noradrenalinsystem eine große Bedeutung für Aufmerk-
Einleitung
8
samkeit und Wachheit, ist aber ist auch für die Ausbildung des Langzeitgedächtnisses wich-
tig.
Neurone des ZNS, die Adrenalin als Neurotransmitter sezernieren, sind im verlängerten
Rückenmark lokalisiert. Projektionen aus diesen Kerngebieten ziehen ins Rückenmark, wo
sympathische Neurone beeinflusst, aber auch verschiedene Gehirnregionen innerviert wer-
den. Das Adrenalinsystem ist mit der Kontrolle autonomer Funktionen wie Blutdruck und
Atmung verbunden.
Wie die zuvor beschriebenen Katecholamine innervieren serotonerge Neurone viele Ge-
hirnareale und sind daher an der Regulation verschiedener physiologischer Funktionen und
Verhaltensweisen, darunter Essen, Schlafen, zirkadiane Rhythmik und Hormonsekretion der
Hypophyse beteiligt. Dabei sind die serotonergen Neurone hauptsächlich in den Rapheker-
nen des Mittelhirns und des verlängerten Rückenmarks lokalisiert. Bisher sind sieben Re-
zeptorfamilien für Serotonin bekannt (5-HT1-7), die - mit Ausnahme des 5-HT3-Rezeptors -
metabotrope Rezeptoren sind. Viele dieser Rezeptoren und der Serotoninplasma-
membrantransporter (SERT) sind die pharmakologischen Zielstrukturen zur Behandlung von
Depressionen, Angstzuständen, Psychosen, Migräne sowie Übelkeit und Erbrechen und
unterstreichen die Bedeutung von Serotonin im ZNS.
Neben dem Vorkommen von Histamin in den Mastzellen, ist Histamin auch ein Neurotrans-
mitter. Histaminerge Neurone finden sich hauptsächlich im Hypothalamus, von wo aus sie in
die Großhirnrinde, weitere hypothalamische Areale und in den Hirnstamm projizieren. Aber
auch andere Gehirnareale zeigen in unterschiedlichem Meine histaminerge Innervation.
Bisher sind vier verschiedene metabotrope Histaminrezeptoren (H1-H4) bekannt. Generell
scheint Histamin die Erregbarkeit von Neuronen im ZNS zu steigern und die Aktivierung
histaminerger Neurone die Wachheit und Erregbarkeit zu steigern. Bestätigt werden diese
Beobachtungen durch die, durch Histaminrezeptorantagonisten (Antihistaminika) ausgelöste
Müdigkeit. Zusätzlich ist Histamin an der Hypophysenregulation und an der Kontrolle vege-
tativer Funktionen, wie z.B. der Thermoregulation und dem Glukose- und Lipidstoffwechsel,
beteiligt.
3.4.2 Speicherung monoaminerger Neurotransmitter
Der Monoamintransport in Vesikel erfolgt durch zwei strukturell ähnliche vesikuläre Monoa-
mintransporter (VMAT), die aus PC12-Zellen (VMAT1, Liu et al., 1992) und dem Rattenge-
hirn isoliert wurden (VMAT2, Liu et al., 1992; Liu et al., 1994; Erickson et al., 1992). Für bei-
de Transporter wird von einer Topologie aus 12-Transmembrandomänen mit zytoplasmati-
scher Lokalisation von N- und C-Terminus ausgegangen. Entsprechend dieser Topologie
besitzen VMAT1 und VMAT2 eine große intravesikuläre Schleife zwischen den Trans-
membrandomänen 1 und 2, die in das Vesikellumen ragt. Diese luminale Schleife enthält
Einleitung
9
drei (VMAT1) bzw. vier (VMAT2) Glykosylierungsstellen (Henry et al., 1994). Der Sequenz-
vergleich zwischen VMAT1 und VMAT2 ergab eine 78-prozentige Homologie der beiden
Transporter auf Aminosäureebene (Schuldiner et al., 1995). Die größte Divergenz existiert
dabei in der luminalen Schleife. Beide Transporter unterscheiden sich hinsichtlich ihres Vor-
kommens und ihrer pharmakologischen Eigenschaften.
VMAT2 wird hauptsächlich im Gehirn exprimiert, tritt aber auch in einer Vielzahl peripherer
Zellen, darunter Neuronen des symphatischen Nervensystems, enterochromaffinen Zellen
(Peter et al., 1995; Erickson et al., 1996) und Thrombozyten (Lesch et al., 1993; Höltje et al.,
2003) auf. Die VMAT1-Expression ist im Gegensatz dazu überwiegend auf periphere Zellen
beschränkt und kommt im Gehirn nur in Neuronen der Epiphyse (Zirbeldrüse) vor (Hayashi
et al., 1999). Während der ZNS-Entwicklung in Ratten konnte in einigen Gehirnarealen vo-
rübergehend eine Koexpression beider VMAT-Isoformen beobachtet werden (Hansson et
al., 1998).
Die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin werden von beiden
VMAT-Isoformen transportiert. Beide Transporter unterscheiden sich dabei bezüglich ihrer
Affinität gegnüber den beschriebenen Substraten. Die K
M
-Werte des VMAT1 liegen im mik-
romolaren Bereich, die Affinität des VMAT2 ist mit K
M
-Werten im submikromolaren Bereich
in Ratten (Peter et al., 1994) und Menschen (Erickson et al., 1996) höher. Ein zusätzliches
Unterscheidungsmerkmal beider VMAT ist der Transport von Histamin, der durch VMAT2
mit 30-100-fach höherer Affinität erfolgt. Beide Transporter können durch Inhibitoren blo-
ckiert werden. Ein gemeinsamer Inhibitor der VMAT ist Reserpin, der durch Bindung auf
zytoplasmatischer Seite der Transporter die Monoaminaufnahme blockiert (Darchen et al.,
1989; Scherman & Henry, 1984). Ein weiterer Inhibitor, Tetrabenazin, ist je nach Spezies
zehn- (Ratte) bzw. hunderfach (Mensch) effektiver in der Wirkung auf VMAT2 als VMAT1
(Peter et al., 1994; Erickson et al., 1996).
Der Monoamintransport durch die VMAT erfolgt im Austausch gegen zwei Protonen aus
dem vesikulären Lumen (Johnson et al., 1981; Knoth et al., 1981). Da die Monoamine intra-
zellulär ausschließlich im protonierten Zustand transportiert werden, reduziert sich dadurch
die intravesikuläre Ladung nur um eine positive Ladung, wodurch die stärkere Abhängigkeit
von pH gegenüber ∆Ψ erklärt werden kann. Durch den Transport und die Speicherung im
Vesikel werden die Monoamine um den Faktor 10
4
-10
6
gegenüber dem Zytosol angerei-
chert. In den LDCV und SSV einer Synapse des Blutegels konnten Serotoninkonzentratio-
nen von 270 mM gemessen werden (Bruns et al., 2000). In chromaffinen Granula kann von
einer noch höheren Konzentration bis in den molaren Bereich ausgegangen werden (Ed-
wards, 2007).
Die hohe Substrataffinität der VMAT und die damit verbundene Speicherung von Monoami-
nen im Vesikel ist aufgrund der hohen intrazellulären Toxizität der Monoamine und ihrer
Einleitung
10
Oxidationsprodukte physiologisch sinnvoll (Chaudry et al., 2008). Es bestehen starke struk-
turelle Ähnlichkeiten zwischen VMAT und bakteriellen Transportern, die für die Vermittlung
von Antibiotikaresistenzen verantwortlich sind (Schuldiner et al., 1995). Somit kommt den
VMAT zusätzlich zur Neurotransmitterspeicherung eine Entgiftungsfunktion für Zellen zu.
Belege für eine Schutzfunktion in Zellen lieferten Mausdeletionsmutanten des VMAT2. Ho-
mozygote VMAT2-Deletionsmutanten starben direkt nach der Geburt und heterozygote Tie-
re zeigten eine stärkere Anfälligkeit gegenüber MPTP (1-Methyl-4-Phenyl-1,2,3,6-
Tetrahydropyridin). Dabei handelt es sich um eine Substanz, die zum Auslösen von Parkin-
sonsymptomen in Nagetieren genutzt wird. Sie wird nach der Oxidation zu MPP
+
durch den
VMAT in die Vesikel transportiert, wodurch ihre toxische Wirkung reduziert wird (Takahashi
et al., 1997, Gainetdinov et al., 1998).
Einleitung
11
Abbildung 1: Dargestellt sind die vorhergesagte Struktur der VMAT mit Hilfe des Programmes TOPO2
(http://www.sacs.ucsf.edu/TOPO2/) sowie die Strukturformeln bekannter Substrate und
Inhibitoren mit ihren K
M
- bzw. IC
50
-Werten (Peter et al., 1994; Partilla et al., 2006).
3.5 Heterotrimere G-Proteine beeinflussen den Neurotransmitter-
transport in synaptische Vesikel
3.5.1 Eigenschaften heterotrimerer G-Proteine
Heterotrimere Guaninnukleotid-bindende-Proteine bilden eine Unterfamilie der Enzyme, die
GTP hydrolysieren können (Bourne et al., 1990). Sie bestehen aus einer α-, β- und γ-
Untereinheit und sind als molekulare Schalter der Plasmamembran bekannt, die extrazellu-
läre, heptahelikale Rezeptoren der Plasmamembranen aktivierende Stimuli an intrazelluläre
Effektorsysteme weiterleiten. Durch die Kombination aus 23 α-, 5 β- und 12 γ-Untereinheiten
ergeben sich mehr als 1000 mögliche Heterotrimere, wodurch verschiedene vor- und nach-
geschaltete Signaltransduktionswege miteinander verknüpft werden können. Eingeschränkt
Einleitung
12
werden diese Kombinationsmöglichkeiten durch die Expressionsmuster der Untereinheiten
in verschiedenen Geweben. Anhand ihrer Untereinheiten können G-Proteine in vier Familien
- Gsα, Gi/oα, Gq/11α bzw. G12/13α - eingeteilt werden. Im Grundzustand liegt der Komplex
aus β- und γ-Untereinheit und einer GDP-bindenden α-Untereinheit vor. Bindet dieser Kom-
plex an einen aktivierten heptahelikalen Rezeptor, kommt es zum Austausch von GDP ge-
gen GTP in der α-Untereinheit. Diese dissoziiert daraufhin vom βγ-Komplex. Sowohl α-
Untereinheit als auch βγ-Komplex können die Aktivität vieler Effektoren, wie z.B. Enzyme
oder Ionenkanäle, beeinflussen. Beendet wird dieses Signal durch die intrinsische GTPase
Aktivität der Gα-Untereinheit. Dadurch kommt es zu einer Reassoziation mit dem βγ-
Komplex und der Signalzyklus kann erneut beginnen. Die intrinsische GTPase-Aktivität der
α-Untereinheit kann durch Effektoren (Arshavsky and Bownds, 1992; Berstein et al., 1992;
Kozasa et al., 1998) aber auch durch Proteine der RGS-Familie (regulators of G-Protein
signalling) verstärkt werden (Ross & Wilkie, 2000; Hollinger & Hepler 2002; Neubig & Side-
rovski, 2002). In Experimenten können durch den Einsatz von GTP-Analoga wie z.B. GTPγS
oder GMP-P(NH)P, die durch die GTPase-Aktivität der Gα-Untereinheit nur schwer hydroly-
siert werden können, Gα-Proteine in aktiviertem Zustand fixiert werden.
Neben der klassischen“ Aktivierung durch heptahelikale Rezeptoren der Plasmamembran
weisen Untersuchungen darauf hin, dass auch andere Proteine ohne Beteiligung eines Re-
zeptors heterotrimere G-Proteine aktivieren können. Dazu gehören GAP-43 (Strittmatter et
al., 1991), Ric8A (Synembryn, Tall et al., 2003), PBP (Phosphatidylethanolamin bindendes
Protein, Kroslak et al., 2001), Presenilin (Smine et al., 1998), Cystein String Protein (Nato-
chin et al., 2005) und ein partiell gereinigtes Protein aus der NG108-15 Zelllinie (Sato et al.,
1996; Ribas et al., 2002). Funktionelle Durchmusterungen in Hefen identifizierten zusätzlich
eine Reihe weiterer Proteine, die als AGS-Proteine (Activators of G-Protein Signalling) be-
zeichnet werden und sich in ihrem Aktivierungsmechanismus unterscheiden (Cismowski
2006).
3.5.2 Goα
αα
α - eine in Neuronen und neuroendokrinen Zellen exprimierte
Untereinheit heterotrimerer G-Proteine
Goα wurde von zwei unabhängigen Forschergruppen identifiziert (Neer et al.1984; Stern-
weis & Robishaw, 1984). Goα gehört zur Gi/o-Familie. Diese ist dadurch gekennzeichnet,
Substrat für die ADP-Ribosylierung durch Pertussistoxin aus Bordetella pertussis zu sein,
wodurch das Goα in seiner inaktiven Konformation fixiert wird. Gemeinsam mit Giα macht
Goα in Membranpräparationen des Gehirns bis zu 1,5 % des Proteingehaltes aus (Stern-
weis & Robishaw, 1984). Neben seinem Vorkommen in Neuronen wird Goα in endokrinen
Zellen sowie im Herzen exprimiert. Wie in Kapitel 3.5.1 beschrieben, lässt sich Goα nicht
nur durch heptahelikale Rezeptoren aktivieren, sondern auch durch mindestens zwei Prote-
Einleitung
13
ine, GAP43 und das Alzheimer amyloid precursor-Protein (Strittmatter et al., 1991; Nishimo-
to et al., 1993). Neben der Inhibierung von neuronalen Ca
2+
-Kanälen sind nur wenige direkte
Effektoren der Goα-Untereinheit bekannt (Qin et al., 1997, Kinoshita M et al., 2001). Bin-
dungsstudien an Hirnschnitten von Goα-Deletionsmutanten belegen, dass Dopamin D
2
-
Rezeptoren mit Goα verknüpft sind (Jiang et al., 2001). In Neuroblastomazellen scheint Goα
aktivierende und hemmende Effekte von D
2L
-Rezeptoren auf die Adenylatzyklase zu vermit-
teln (Watts et al., 1998). Die Überexpression von konstitutiv aktivem Goα (GoαQ205L) führt
zu einer Interaktion mit der src-Kinase (Ram & Iyengar, 2001), transformiert NIH-3T3-
Fibroblasten (Kroll et al., 1992), aktiviert die MAP-Kinase-Kaskade in CHO-Zellen (van Bie-
sen et al., 1996), die Phospholipase C in Xenopus Oozyten (Moriarty et al., 1990) und auch
Kalium-Kanäle in Neuronen (van Dongen et al., 1988). Wie diese Effekte ausgelöst werden
bzw. welche Effektoren durch Goα angesprochen werden ist dabei aber unklar. Erschwert
wird diese Tatsache dadurch, dass zwei verschiedene Spleißvarianten von Goα existieren -
Go1α und Go2α - und in Untersuchungen häufig nur von Goα die Rede ist, wobei aber
Go1α gemeint ist. Darüber hinaus existiert eine dritte Isoform, Go3α, die durch posttransla-
tionale Deamidierung des Asparagins an Position 346 zu Asparaginsäure aus Go1α hervor-
geht (Exner et al., 1999).
Abbildung 2: Sequenzvergleich der C-Termini beider Goα
αα
α-Isoformen der Maus. Orange markiert sind
die 25 in den beiden Isoformen unterschiedlichen Aminosäuren.
Trotz der hohen Homologie beider Goα-Isoformen, interagieren beide Spleißvarianten mit verschiedenen Rezep-
toren und Effektoren.
Um direkte Interaktionspartner der Goα-Untereinheiten zu identifizieren, wurden zahlreiche
Yeast-two-hybrid-Untersuchungen und Koimmunopräzipitationen durchgeführt. Für Goα
bzw. Go1α konnten die direkten Interaktionen mit RGS14 (Traver et al., 2000), RGS17,
Rap1Gap, IP6 (KIAA 0514; Jordan et al., 1999), Purkinje cell protein2 (Pcp2, Luo & Denker,
1999), G-Protein-Induced-Protein-of-Neurite-outgrowth 1&2 (GRIN1&2; Chen et al., 1999;
Nakata & Kozasa 2005) nachgewiesen werden. Isoformspezifische Untersuchungen für
Goα2 fehlen bisher komplett, obwohl gezeigt werden konnte, dass beide Spleißvarianten
von Goα mit verschiedenen Rezeptoren (Kleuss et al., 1991; Dhingra et al., 2002) oder Ef-
fektoren (Man-Son-Hing et al., 1992) interagieren.
Die Bedeutung von Goα im Nervensystem
wird durch ausgeprägte Defizite von Goα-
defizienten Mäusen deutlich. Sie weisen neben verschiedenen neurologischen Symptomen
Einleitung
14
wie Tremor, Krampfanfällen, auffälligen Bewegungsmustern und Hyperalgesie eine hohe
postnatale Sterblichkeit auf (Jiang et al., 1998). Morphologisch zeigt das Gehirn jedoch kei-
ne Veränderungen (Valenzula et al., 1997).
3.5.3 Lokalisation heterotrimerer G-Proteine auf synaptischen Vesikeln -
Regulation der vesikulären Neurotransmitterspeicherung
Neben der Vermittlung der Signale von heptahelikalen Rezeptoren und der damit verbunde-
nen Lokalisation an der Plasmamembran ist bekannt, dass Untereinheiten heterotrimerer G-
Proteine auch intrazellulär vorkommen. Untereinheiten heterotrimerer G-Proteine der Gi/o-
Familie sind mit dem Golgi-Apparat (Ercolani et al., 1990; Stow et al., 1991; Wilson et al.,
1994; Montmayeur & Borrelli, 1994; Denker et al., 1996), dem endoplasmatischen Retiku-
lum (Audigier et al., 1988), Endosomen (Ali et al., 1989; Zheng et al., 2004), dem Zytoskelett
(Rasenick et al., 1990; Roychowdhury et al., 1999; Chen et al., 2003) und dem Zellkern as-
soziiert (Willard & Crouch, 2000).
Gleichermaßen lassen sich auf sekretorischen Granula und Vesikeln (Toutant et al., 1987;
Aronin & DiFiglia, 1992) α-Untereinheiten heterotrimerer G-Proteine finden. Dabei hat sich
gezeigt, dass verschiedene synaptische Vesikel Unterschiede in ihrer G-Proteinverteilung
aufweisen (Ahnert-Hilger et al., 1994). Über die Bedeutung und Funktionsweise sowie vor-
und nachgeschaltete Signalwege existieren nur wenige Informationen.
Von Bedeutung sind vesikel-assoziierte heterotrimere G-Proteine bei Neurotransmitterauf-
nahme und -speicherung in sekretorischen Vesikeln. Erste Hinweise auf die Beteiligung von
G-Proteinen an diesen Prozessen zeigten Experimente an PC12-Zellen, einer Zelllinie, die
aus einem Phaeochromozytom der Ratte hervorgegangen ist. In permeabilisierten PC-12-
Zellen, die ausschließlich VMAT1 exprimieren, konnte der Transport markierter Monoamine
in Vesikel durch Zugabe der schwer hydrolysierbaren GTP-Analoga GTPγS bzw. GMP-
P(NH)P vermindert werden.
Bei der Charakterisierung des für die Reduktion verantwortlichen G-Proteins stellte sich her-
aus, dass Go2α aber nicht Go1α, Gi1α und Gi2α die vesikuläre Serotoninaufnahme in
PC12-Zellen vermindert (Ahnert-Hilger et al., 1998). Gleiche Beobachtungen konnten an
einer Pankreaskarzinoidzelllinie (BON-Zellen), die sowohl VMAT1 als auch VMAT2 expri-
miert, gemacht werden. Beide VMAT-Isoformen werden durch Go2α reguliert. Exozyto-
seprozesse spielen bei dieser Regulation keine Rolle. Dies zeigten Experimente mit Teta-
nustoxin, das die Vesikelfusion mit der Plasmamembran verhindert (Höltje et al., 2000).
Auch in Vesikelpräparationen und permeabilisierten Raphe-Neuronen kann die vesikuläre
Serotoninaufnahme durch Zugabe von GMP-P(NH)P bzw. rekombinantem Go2α gehemmt
werden (Höltje et al., 2000). Elektronenmikroskopisch werden diese Daten durch die Lokali-
sation von Go2α auf VMAT2-haltigen SSV serotonerger Nervenendigungen untermauert
Einleitung
15
(Höltje et al., 2000). Neuere Untersuchungen des Proteoms Clathrin-ummantelter Vesikel
(Blondeau et al., 2004) und synaptischer Vesikel (Burrè et al., 2006, Takamori et al., 2006)
bestätigen ebenfalls das Vorkommen von Go2α bzw. Goα auf synaptischen Vesikeln.
Neben dem Vorkommen im Gehirn wird VMAT2 auch in Thrombozyten exprimiert. In den
Thrombozyten ist VMAT2 gemeinsam mit dem Plasmamembrantransporter SERT an der
Speicherung von Serotonin beteiligt. Das Serotonin wird durch enterochromaffine Zellen
freigesetzt und bei der Passage durch die Kapillaren des Magen-Darm-Traktes in die
Thrombozyten aufgenommen, wo es in den vesikulären Strukturen, sogenannten dense
bodies, gespeichert wird. Die Synthese von Serotonin aus Tryptophan ist in Blutplättchen
nicht möglich. Auch in Thrombozyten führt die G-Proteinaktivierung durch GMP-P(NH)P zu
einer verminderten Neurotransmitterspeicherung. In diesen Organellen wird dieser Prozess
durch Gqα reguliert, wie Versuche an permeabilisierten Thrombozyten aus Gqα-
Deletionsmutanten zeigen (Höltje et al., 2003). Experimente an Thrombozyten aus Tryp-
tophanhydroxylase1(Tph1)-Deletionsmutanten, deren Thrombozyten weniger als 10 % Se-
rotonin gegenüber Wildtypthrombozyten enthalten, ließen erstmals die Schlussfolgerung zu,
dass der vesikuläre Füllungszustand ein vorgeschaltetes Signal der G-Protein vermittelten
Regulation der Neurotransmitteraufnahme ist. In den nahezu leeren Thrombozyten aus
Tph1-Deletionsmutanten fehlt die Gqα-vermittelte Verminderung der Serotoninspeicherung,
kann aber durch Vorinkubation mit Serotonin wiederhergestellt werden (Höltje et al., 2003).
Ähnliche Beobachtungen wurden an mit VMAT transfizierten CHO-Zellen gemacht. Diese
Zellen enthalten keine für Serotoninsynthese und -speicherung nötigen Enzyme und Trans-
porter. Nach Transfektion mit VMAT2 bzw. VMAT1 und Permeabilisierung der Zellen - sie
enthalten keinen Plasmamembrantransporter - kann der Monoamintransport in intrazelluläre
Kompartimente gemessen werden (Brunk et al., 2006). In diesem zellulären Testsystem
kann eine G-Protein-vermittelte Hemmung der Monoaminaufnahme erst nach Vorbeladung
der intrazellulären Kompartimente mit Monoaminen beobachtet werden (Brunk et al., 2006).
Dabei eignen sich für VMAT1 und VMAT2 nicht alle Monoamine gleichermaßen. So führt
z.B. die Vorbeladung mit Adrenalin in permeabilisierten VMAT1-transfizierten Zellen in nach-
folgenden Neurtotransmitteraufnahmetests zur Auslösung einer G-Protein-vermittelten
Hemmung. Im Gegensatz dazu fehlt in VMAT2-transfizierten Zellen diese Adrenalinwirkung
(Brunk et al., 2006).
Die zuletzt beschriebenen Ergebnisse belegen, dass eine Signaltransduktionskaskade, die
im Vesikellumen beginnt, an der G-Proteinaktivierung beteiligt ist. Eine Erkennungsstruktur,
die an der Bestimmung der intravesikulären Monoaminkonzentration beteiligt ist, unter-
scheidet sich in VMAT1- und VMAT2-transfizierten CHO-Zellen. Da diese Zellen nicht die
Enzymausstattung für Synthese und Speicherung von Monoaminen haben, scheinen die
VMAT Bestandteil der intravesikulären Rezeptorstruktur zu sein.
Einleitung
16
3.6 Fragestellung
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollten deshalb folgende Fragestellungen untersucht
werden:
Sind die VMAT Bestandteil einer intravesikulären Rezeptorstruktur? Wenn ja, welche Do-
mänen der Transporter sind an einer Signaltransduktion aus dem Lumen ins Zytoplasma
beteiligt?
Welche weiteren Signalmoleküle beeinflussen die Monoaminspeicherung in Vesikeln und
welche nachgeschalteten Signaltransduktionsmoleküle interagieren direkt mit aktiviertem
Go2α?
Welche Bedeutung hat die durch Go2α -Protein-vermittelte Regulation für den Organismus
bzw. welche Folgen hat die Inaktivierung von Go2α?
Materialien und Methoden
17
4 Materialien und Methoden
4.1 Chemikalien
40% Acrylamid/Bisacrylamid-Stammlösung (40,19:1) Roth (Karlsruhe)
L-Adeninhemisulfatsalz Sigma (Schnelldorf)
Adrenalin Sigma (Schnelldorf)
Agar-Agar Sigma (Schnelldorf)
Agarose Roth (Karlsruhe)
Aluminiumoxid Sigma (Schnelldorf)
3-Aminotriazol (3-AT) Sigma (Schnelldorf)
Ammoniumpersulfat (APS) Sigma (München)
Ampicillin Roth (Karlsruhe)
AmpliTaq DNA Polymerase Applied Biosystems
(Darmstadt)
Ascorbinsäure Sigma (München)
Bafilomycin Sigma (Schnelldorf)
Bicinchoninsäure (BCA) Sigma (Schnelldorf)
Bromphenolblau Roth (Karlsruhe)
Bovines Serum Albumin, Fraktion V (BSA) Roth (Karlsruhe)
Dibutyryl-cAMP (DbcAMP) Sigma (Schnelldorf)
Dibutyryl-cGMP (DbcGMP) Sigma (Schnelldorf)
Kollagen Typ VII Sigma (Schnelldorf)
1,4-Diazabizyklo[2.2.2]oktan (DABCO) Sigma (Schnelldorf)
3,4-Dihydroxybenzylaminhydrobromid (DHBA) Sigma (Schnelldorf)
3,4-Dihydroxyphenylessigsäure Sigma (Schnelldorf)
Dimethylsulfoxid (DMSO) Sigma (Schnelldorf)
Dithiothreitol (DTT) Sigma (Schnelldorf)
[7,8-
3
H]Dopamin GE Healthcare (München)
3,4-Dihydroxyphenethylamin-hydrochlorid (Dopamin) Sigma (Schnelldorf)
Enhanced-Chemiluminescence-Reagenzien (ECL) GE Healthcare (München)
Ethylendiamintetraacetat (EDTA) Roth (Karlsruhe)
Ethylenglykolbis(2-aminoethyl-)tetraacetat (EGTA) Roth (Karlsruhe)
Essigsäure Roth (Karlsruhe)
Ethanol Merck (Darmstadt)
Ethidiumbromid Roth (Karlsruhe)
Geneticin Invitrogen (Karlsruhe)
Glukose Sigma (Schnelldorf)
Materialien und Methoden
18
Glyzerin Merck (Darmstadt)
Glyzin Sigma (Schnelldorf)
5´-Guanolylimidodiphosphat (GMP-P(NH)P) Sigma (Schnelldorf)
Hefeextrakt Roth (Karlsruhe)
Heptansulfonsäure Sigma (Schnelldorf)
N-2-Hydroxyethylpiperazin-N´-2-ethansulfonsäure (HEPES) Sigma (Schnelldorf)
5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA) Sigma (Schnelldorf)
5-Hydroxytryptamin-Hydrochlorid Sigma (Schnelldorf)
5-Hydroxy-[
3
H]-tryptamintrifluoracetat ([
3
H]-Serotonin) GE Healthcare (München)
Kaliumchlorid Sigma (Schnelldorf)
Kaliumhydroxid Roth (Karlsruhe)
Kaliumglutamat Sigma (Schnelldorf)
Kanamycin Sigma (Schnelldorf)
Kupfersulfat Sigma (Schnelldorf)
Lipofectamin Invitrogen (Karlsruhe)
Lithiumazetat Sigma (Schnelldorf)
Low Molecular Weight-Marker (LMW) GE Healthcare (München)
Magermilchpulver Molkerei Heideblume
(Elsorf)
Magnesiumchlorid Sigma (Schnelldorf)
Mass-Ruler-DNA-Marker Fermentas (St. Leonrot)
Methanol Merck (Darmstadt)
Mowiol 4-88 Sigma (Schnelldorf)
Di-Natrium-Adenosin-5´-Triphosphat (Na
2
-ATP) Sigma (München)
Natriumazetat Sigma (Schnelldorf)
Natriumbicarbonat Sigma (Schnelldorf)
Natriumcarbonat Sigma (Schnelldorf)
Natriumchlorid Sigma (Schnelldorf)
Natriumdodecylsulfat (SDS) Sigma (Schnelldorf)
Natriumhydrogenphosphat Roth (Karlsruhe)
Natriumhydroxid Sigma (Schnelldorf)
Di-Natriumtartrat Sigma (Schnelldorf)
Nigericin Sigma (Schnelldorf)
Noradrenalinbitartrat Sigma (Schnelldorf)
Oktansulfonsäure Sigma (Schnelldorf)
Optiphase HighSafe 3 Szintillationsflüssigkeit Beckman Coulter (Krefeld)
PageRuler - Protein Marker Fermentas (St. Leonrot)
Materialien und Methoden
19
Perchlorsäure Sigma (Schnelldorf)
Pertussistoxin (Ptx) List Biological Laboratories
Piperazin-N,N´-bis-(2-ethansulfonsäure) (Pipes) Sigma (Schnelldorf)
Phenylmethylsulfonylfluorid (PMSF) Sigma (Schnelldorf)
Polyethylenglykol (PEG 3350) Sigma (Schnelldorf)
Ponceau S Sigma (Schnelldorf)
Porablot Macherey & Nagel (Düren)
Protease-Inhibitor-Cocktail Sigma (Schnelldorf)
Restriktionsenzyme Fermentas (St. Leonrot)
Reserpin Sigma (Schnelldorf)
RNAse A Roth (Karlsruhe)
Synthetic Dropout(SD)-Pulver (Medienzusatz) Clontech (Saint-Germain-
en-Laye, Frankreich)
Saccharose Roth (Karlsruhe)
Salzsäure Sigma (Schnelldorf)
Sulfosalicylsäure Sigma (Schnelldorf)
N,N,N´,N´-Tetramethylethylendiamin (TEMED) Sigma (Schnelldorf)
Tetrabenazin Sigma (Schnelldorf)
Trichloressigsäure Sigma (Schnelldorf)
Tris(hydroxymethyl)aminomethan (Tris) Merck (Darmstadt)
Triton X-100 Roth (Karlsruhe)
Trypsin Sigma (Schnelldorf)
Trypton Roth (Karlsruhe)
Tween 20 Merck (Darmstadt)
5-Bromo-4-chloro-3-indolyl-ß-D-galaktopyranosid (X-Gal) Roth (Karlsruhe)
5-Bromo-4-chloro-3-indolyl-α-D-galaktopyranosid (X-α-Gal) Neolab (Heidelberg)
Yeast Nitrogen Base (YNB) Sigma (Schnelldorf)
zyklisches Adenosin 3´,5´-monophosphat (cAMP) Sigma (Schnelldorf)
zyklisches Guanosin 3´,5´-monophosphat (cGMP) Sigma (Schnelldorf)
4.2 Geräte und Apparaturen
Elektrophorese
Alle Geräte für die Elektrophorese stammen von BioRad (München).
Power/Pac 200/300 Spannungsgerät
TransBlot SD Semidry Elektrophorese Transferzelle
Mini Protean II Elektrophorese-Kammer
Mini-Sub Cell GT/ Wide Mini-Sub Cell GT
Materialien und Methoden
20
Mikroskope
Leica DMIL Kontrastiermikroskop
Leica DMLB Epifluoreszenz-Mikroskop mit Durchlichteinrichtung
Homogenisierung von Gewebe
Heidolph Rührer RZR 2021
Wheaton Homogenisator
Photometer
GeneQuant II (Pharmacia Biotech)
Anthos Labtec HT-2 Mehrzweck-Mikrotiterplattenlesegerät
Dynatech MR 500 Mikrotiterplattenlesegerät
Zentrifugen
Beckman J2-HS Kühlzentrifuge
Rotoren: JA-14, JA-20
Beckmann Optima Max Ultrazentrifuge
Rotoren: TLS 55, TLA 100.4, TLA 100.1
Beckmann Optima L-90K Ultrazentrifuge
Rotoren: Ti 70, SW 40
Eppendorf Kühlzentrifuge 5417 R
HPLC
Beckman Coulter LC 118 Pumpenmodul
Beckman Coulter LC 508NM Autosampler
Chromsystems Elektrochemischer Detektor CLC 100
Säulenthermostat Jetstream (FlowSpek AG)
Sonstige
Beckman LS 6500, Liquid Szintillation Counter
BioDoc Analyse (Video Dokumentationssystem)
Sterilarbeitsbänke Heraeus HeraSafe 18 / 2 bzw. Heto-Holten Safe 2010
Zellkulturbrutschränke bzw. Inkubatoren: Heraeus BB16CU / BBD 6220 bzw. T 6120
Materialien und Methoden
21
4.3 Puffer und Lösungen
Kollagenlösung
1 ml Kollagenlösung (1 mg / ml in 0,1% Eisessig)
32 ml 30 % Ethanol
Einfrierlösung
28 ml Dulbecco's Modified Eagle Medium (DMEM)
12 ml DMSO
10 mM HEPES
Homogenisierungslösung für HPLC-Proben
100 mM Perchlorsäure (HClO
4
)
0,4 mM Na
2
SO
3
PBS (Phosphate Buffered Saline)
140 mM NaCl
10 mM KCl
6,4 mM Na
2
HPO
4
2 mM KH
2
PO
4
pH 7,4
PEG/LiAc-Lösung
Diese Lösung wurde vor jeder Transformation frisch aus folgenden sterilen Stammlösungen
hergestellt:
8 ml 50 % (w/v) Polyethylenglykol 3350
1 ml 10 x Tris-EDTA-Puffer
1 ml 1 M Lithiumazetat
1,1 x TE/LiAc-Lösung
1,1 ml 10 x Tris-EDTA-Puffer
1,1 ml 1M Lithiumazetat
7,8 ml steriles ddH
2
O
Trypsinlösung
0,25 % Trypsin
1 mM EDTA
in PBS
Lösungen für die Proteinbestimmung
Lösung A
1 % (w/v) BCA
17 % (w/v) Na
2
CO
3
0,16 % (w/v) 2,3-Na
2
C
4
H
4
O
6
(Dinatriumtartrat)
0,4 % (w/v) NaOH
0,95 % (w/v) NaHCO
3
Lösung B
4 % (w/v) CuSO
4
in ddH
2
O
Materialien und Methoden
22
Lösungen für Immunoblots
TS-(Tris-Saline) Puffer
20 mM Tris
150 mM NaCl
pH 7,5 (HCl)
TS-Tween-Puffer
20 mM Tris
150 mM NaCl
0,1 % (v/v) Tween 20
pH 7,5 (HCl)
Antikörperlösung
1,5 % (w/v) BSA
in TS-Puffer
Magermilchlösung
5 % (w/v) Magermilchpulver
0,1 % (v/v) Tween 20
in TS Puffer
Lösungen für Elektrophorese
Probenpuffer
200 mM Tris
400 mM DTT
8 % (w/v) SDS
0,4 % (w/v) Bromphenolblau
40 % (v/v) Glyzerin
Elektrophoresepuffer
25 mM Tris
200 mM Glyzin
3,5 mM SDS
Ponceau S-Färbelösung
0,3 % (w/v) Ponceau S
3 % (w/v) Trichloressigsäure
3 % (w/v) Sulfosalizylsäure
in ddH
2
O
Proteintransferpuffer
200 mM Glyzin
25 mM Tris
1,3 mM SDS
20 % (v/v) Methanol
Tris I-Puffer (4x)
500 mM Tris
0,4 % (w/v) SDS
pH 6,8 (HCl)
Tris II-Puffer (4x)
1,5 M Tris
0,4 % (w/v) SDS
pH 8,8 (HCl)
Materialien und Methoden
23
Sammelgel
0,5 ml Acrylamid/Bisacrylamid (40,19:1)
2,5 µl TEMED
25 µl 10% APS
1,25 ml Tris I-Puffer
3,25 ml ddH
2
O
Trenngele
% Acrylamid/Bisacrylamid 5% 8% 10% 12% 15%
Tris II -Puffer 2,5 ml
Acrylamid/Bisacrylamid (40%;19:1) 1,25 ml 2 ml 2,5 ml 3 ml 3,75 ml
ddH
2
O 6,25 ml 5,5 ml 5 ml 4,5 ml 3,75 ml
TEMED 5 µl
10% APS 50 µl
Lösungen für Polymerase Kettenreaktion (PCR)
TAE (Tris-Azetat-EDTA)-Puffer
40 mM Tris
2 mM EDTA
pH 8,5 (Essigsäure)
TE (Tris-EDTA)-Puffer
10 mM Tris
1 mM EDTA
pH 8,0 (HCl)
Probenpuffer
20 % (w/v) Ficoll 400
100 mM EDTA
1,0 % (w/v) SDS
0,25 % (w/v) Bromphenolblau
Lösungen für Vesikelpräparationen und Neurotransmitteraufnahme
Homogenisierungspuffer
320 mM Saccharose
4 mM HEPES
pH 7,4 (NaOH)
KG (Kaliumglutamat)-Puffer (1x)
150 mM Kaliumglutamat
20 mM Pipes
4 mM EGTA
2,8 mM MgCl
2
(durch Komplexbildung ca. 1mM freies Mg
2+
)
pH 7,0 (KOH)
KG (Kaliumglutamat)-ATP-Puffer
KG-Puffer
2 mM Na
2
-ATP
Materialien und Methoden
24
Natrium-Puffer
10 mM Glukose
5 mM KCl
140 mM NaCl
5 mM NaHCO
3
1 mM MgCl
2
1,2 mM Na
2
HPO
4
20 mM HEPES
pH 7,4 (NaOH)
Tyrode HEPES (TH)-Puffer
134 mM NaCl
0,34 mM Na
2
HPO
4
2,9 mM KCl
12 mM NaHCO
3
10 mM HEPES
5 mM Glukose
1 mM MgCl
2
pH 7,3 (HCl)
Lösungen für die Immunfluoreszenz
Blocklösung
0,1 % (v/v) Triton X-100
5,0 % (v/v) NGS (normal goat serum)
2,0 % (w/v) BSA (bovine serum albumine)
in PBS
Mowiol
2,4 g Mowiol 4-88
6,0 g Glyzerol
6,0 ml ddH
2
O
12 ml 0,2 M Tris(HCl) pH 8,5
0,6 g DABCO
Paraformaldehydlösung
4 % (w/v) Paraformaldehyd
0,1 M Phosphatpuffer
(pH 7,4)
4.4 Medien
4.4.1 Mikrobielle Medien
Alle hier aufgeführten Medien wurden für 20 Minuten bei 121 °C autoklaviert. Bei Medien,
die Glukose enthielten, wurde diese als 20-fache Stammlösung separat sterilisiert und nach
dem Autoklavieren zugegeben. Für die Herstellung von festen Medienplatten wurde vor dem
Autoklavieren Agar-Agar mit einer Konzentration von 20 g / l zugegeben.
Luria Bertani (LB)-Medium
10 g / l Trypton
5 g / l Hefeextrakt
5 g / l NaCl
pH 7,0
Materialien und Methoden
25
YPD-Medium
20 g / l Pepton
10 g / l Hefeextrakt
20 g / l Glukose
pH 6,5
YPDA-Medium
wie YPD-Medium, jedoch mit dem Zusatz von 30 mg / l L-Adeninhemisulfatsalz
Minimalmedium
6,7 g / l YNB (Yeast Nitrogen Base)
20 g / l Glukose
0,6 g / l SD-Pulver-Zusatz (Menge variierend entsprechend Herstellerangaben)
Einfrier-Medien
wie LB, YPDA- oder Minimalmedium, jedoch mit Zusatz von Glyzerin, so dass die Endkon-
zentration 15 % (v/v) betrug
Medienzusätze
Die hier aufgeführten Medienzusätze wurden nach dem Autoklavieren und Abkühlen des
Mediums auf ca. 55°C zugegeben.
Medienzusatz Stammlösung Konzentration im Medium
Ampicillin 100 mg / ml 100 µg / ml
Kanamycin 25 mg / ml 25 µg / ml
X-Gal 20 mg / ml 40 µg / ml
X-α-Gal 20 mg / ml 2 mg / ml
3-AT 1 M 1 mM
4.4.2 Zellkulturmedien
Alle für die Zellkultur angegebenen Medienbestandteile wurden von der Firma Biochrom AG
(Berlin) bezogen. Bei Transfektionen kam zusätzlich das Medium Optimem (Invitrogen,
Karlsruhe) zum Einsatz.
Medium für BON- und CHO-Zellen
180 ml DMEM/HAM’s F12
20 ml Kälberserum (FBS)
2 ml L-Alanylglutamin (200 mM)
2 ml Penicillin (10.000 U) / Streptomycin 10.000 µg / ml)
Medium für PC12-Zellen
170 ml RPMI 1640
20 ml Pferdeserum (HS)
10 ml Kälberserum (FBS)
2 ml L-Alanylglutamin (200 mM)
2 ml Penicillin (10.000 U) / Streptomycin 10.000 µg / ml)
Einfriermedium
60 ml DMEM
40 ml Kälberserum (FBS)
Materialien und Methoden
26
4.5 Antikörper
4.5.1 primäre Antikörper
Anti-Gqα
Calbiochem, La Jolla,Ca ,USA
polyklonal, Kaninchen
Anti-Goα
(Klon 101.1, 101.4) freundlicherweise von Prof. Jahn,
monoklonal, Maus MPI für biophysikalische Chemie zur Ver-
fügung gestellt, Göttingen, Deutschland
Anti-GAL4-DNA-Bindungsdomäne Clontech
monoklonal, Maus Saint-Germain-en-Laye
,
Frankreich
Anti-GAL4-Aktivierungsdomäne Clontech
monoklonal, Maus Saint-Germain-en-Laye
,
Frankreich
Anti-Synaptophysin (Klon 7.2) Synaptic Systems
monoklonal, Maus Göttingen, Deutschland
Anti-VMAT1 Chemicon International
polyklonal, Kaninchen Schwalbach, Deutschland
Anti-VMAT2 Synaptic Systems
polyklonal, Kaninchen Göttingen, Deutschland
4.5.2 sekundäre Antikörper
Ziege-Anti-Kaninchen IgG Vector Laboratories
Peroxidase gekoppelt Burlingham, USA
Ziege-Anti-Maus IgG Vector Laboratories
Peroxidase gekoppelt Burlingham, USA
Ziege-Anti-Kaninchen IgG MoBiTec GmbH,
MFP488 gekoppelt Göttingen, Deutschland
Ziege-Anti-Maus IgG MoBiTec GmbH
MFP590 gekoppelt Göttingen, Deutschland
4.6 Nukleinsäuren
4.6.1 Oligonukleotide
Alle verwendeten Oligonukleotide wurden von TIB-MOLBIOL (Berlin) synthetisiert und sind
in 5’-3’-Orientierung angegeben.
Primerpaar für die ortsspezifische Mutagenese einer EcoR1-Schnittstelle in Gqα (Ratte):
EcorGQ-fwd: AGG CAG CCC GAG AGT TTA TTC TGA AGA TGT TC
EcorGQ-rev: GAA CAT CTT CAG AAT AAA CTC TCG GGC TGC CTG
Materialien und Methoden
27
Primerpaar für die ortsspezifische Mutagenese von Q205L in Go2α:
Go2Q205L-f: TTG ACG TTG GGG GCT TAC GTA GTG AAC GTA AGA AGT GG
Go2Q205L-R: ACT TCT TAC GTT CAC TAC GTA AGC CCC CAA CGT CA
Primerpaar für die Klonierung von Go1/2α (EcoRI/SalI):
GOfw: ACC GAA TTC ATG GGA TGT ACT CTG AGC
GO1rev: AAT GTC GAC TCA GTA CAA GCC ACA GC
GO2rev: AAT GTC GAC TCA GTA CAA GCC ACA GCC CCG CAG A
Primerpaar für die Klonierung von Gqα (EcoRI/XhoI):
Gqfw: AGC GAA TTC ATG ACT CTG GAG TCC
Gqrev: AGC CTC GAG TTA GAC CAG ATT GTA CTC C
Primerpaar für die Amplifikation von pACT2-Bibliotheksfragmenten:
pACT25091f: CTA TTC GAT GAT GAA GAT ACC CCA CCA AAC C
pACT24978: AGT GAA CTT GCG GGG TTT TTC AGT ATC TAC G
Primer für die Klonierung von mutiertem VMAT2 im Bereich der ersten luminalen Schleife:
VMAT2-1: AAG CTT GCC GCC ATG GCC CTG AGC GAT CTG G
VMAT2-2: GAA TTC GCC GCC GCC GCC GCC AAC CAC GAC GGT GAG
CAG CAT G
VMAT2-3: GAA TTC GAT TTC CGT AGA GTT TTT CTC ATG C
VMAT2-4: GAA TTC GTC CCT TCG GAC TGT CCC AG
VMAT2-5: GAA TTC CAA GTT GGG CTG CTG TTT GCC
VMAT2-6: ACG CTC GAG TCA GTC ACT TTC AGA TTC TTC
Primer für die Klonierung von mutiertem VMAT1 im Bereich der ersten luminalen Schleife:
VMAT1-1: ATC GGA TCC GCC GCC ATG CTC CAG GTT GTT CTG
VMAT1-2: ATC GAA TTC GCC GCC GCC GCC GCC CAC CAC CAC AGT GAG
CAG CAT
VMAT1-3: CTC GAA TTC CAG AGA AGA GTT GCT GTC TTT G
VMAT1-4: CAG AAT TCC CAA AAA ACA ACT GCT TGC AAG G
VMAT1-5: CTG AAT TCC GGA TTG GGA TTC TAT TTG C
VMAT1-6: ACA CTC GAG TTA CTC CCC GCT GCT AGG ATC
Primer für die Klonierung von C-terminal mutierter VMAT2-cDNA:
VMAT2-1: AAG CTT GCC GCC ATG GCC CTG AGC GAT CTG G
VMAT2
Crev: GCG CCT CGA GTC AAA GGA AAA AGC AGA GAG GAG C
VMAT2
Cmed: GCG CCT CGA GTC AGT CAC TTT CAG ATT CTT CAT CAT CAC
CGA TGG GAA GGA AAA AGC AGA GAG GAG C
Primer für die Klonierung mutierter VMAT2 mit Deletion der Schleife zwischen TMD VI & VII:
VMAT2-1: AAG CTT GCC GCC ATG GCC CTG AGC GAT CTG G
VMAT2TM6re: ATG GGC CGC CGC CGC CGC CGC CCT GGA GCA CAA AGA
GCT G
VMAT2TM7fw: CAG GGC GGC GGC GGC GGC GGC CCA TAC ATC CTC ATC
GCT G
VMAT2-6: ACG CTC GAG TCA GTC ACT TTC AGA TTC TTC
Materialien und Methoden
28
4.6.2 Vektoren
pACT2 (Clontech): Dieser Vektor kodiert die in die Multiple Cloning Site (MCS) klonierten
Fragmente als Fusion mit der GAL4-Aktivierungsdomäne. Für die Selektion in E.coli trägt
der Vektor das β-Laktamase-Gen, für die Selektion in S.cerevisiae zusätzlich das LEU2-
Gen.
pcDNA3.1 (Invitrogen): Dieser Vektor ermöglicht die Expression einer gewünschten cDNA
in Säugerzellen. Für die Selektion in Säugerzellen dient das Neomycinresistenz-Gen, für die
Selektion in E.coli enthält der Vektor außerdem das β-Laktamase-Gen.
pEGFP-(del2)-C3: Dieser Vektor wurde freundlicherweise von Herrn Dr. Christian Derst
(Charité, Institut für Integrative Neuroanatomie, Berlin) zur Verfügung gestellt. Dieser modifi-
zierte Vektor ist durch Deletion der Basen 1341 (A) und 1342 (T) des Vektors pEGFP-C1
(Clontech) entstanden. Der Vektor kodiert das enhanced green fluorescent protein (EGFP)
gefolgt von der MCS. Für die Generierung stabiler Zelllinien dient das Neomycinresistenz-
Gen. Für die Selektion in E. coli ist dem Neomycinresistenz-Gen ein bakterieller Promotor
vorgeschaltet, der die Selektion mittels Kanamycin ermöglicht.
pGBKT7 (Clontech): Dieser Vektor ermöglicht die Expression von Proteinen als Fusionspro-
teine mit der GAL4-DNA-Bindungsdomäne. Der Vektor enthält das Kanamycinresistenz-Gen
für die Selektion in E.coli und das TRP1-Gen für die Selektion in S.cerevisiae.
pGBKT7lam (Clontech): Dieser Vektor kodiert ein Fusionsprotein der GAL4-DNA-
Bindungsdomäne mit humanem Lamin C. Es ist bekannt, dass Lamin C kaum mit anderen
Proteinen interagiert (Bartel et al., 1993; Ye & Worman, 1995). Der Vektor dient hrend
eines Yeast-Two-Hybrid-Screenings als Negativkontrolle.
pGBKT7p53 (Clontech): Dieser Vektor kodiert ein Fusionsprotein der GAL4-DNA-
Bindungsdomäne mit murinem p53. Es ist bekannt, dass murines p53 mit dem großen SV40
T-Antigen interagiert (Li & Fields, 1993; Iwabuchi et al., 1993). In Kombination mit pGADT7T
dient dieser Vektor als Positivkontrolle für ein Yeast-Two-Hybrid-Screening.
pGADT7 (Clontech): Dieser Vektor kodiert Fusionsproteine mit der GAL4-Aktivierungs-
domäne. Der Vektor enthält das β-Laktamase-Gen für die Selektion in E.coli und das LEU2-
Gen für die Selektion in S.cerevisiae.
Materialien und Methoden
29
pGADT7T (Clontech): Dieser Vektor kodiert für das Fusionsprotein aus GAL4-
Aktivierungsdomäne und dem großen SV40 T-Antigen. Es ist bekannt, dass das SV40 T-
Antigen mit murinem p53 interagiert. Gemeinsam mit pGBKT7p53 dient dieser Vektor als
Positivkontrolle in einem Yeast-Two-Hybrid-Screening.
4.6.3 cDNA
4.6.3.1 cDNA-Bibliothek
Für das Yeast-Two-Hybrid-Screening wurde eine Mouse Brain MATCHMAKER cDNA Libra-
ry (Clontech, Lot#: 4030478), die im E.coli Stamm BNN132 vorlag, verwendet. Als mRNA-
Quelle dieser Bibliothek dienten 200 Gehirne von 200 männlichen BALB/c Mäusen im Alter
von 9-12 Wochen. Die cDNA lag in die Xho I und EcoR I Restriktionsschnittstellen des Vek-
tors pACT2 kloniert vor. Die Anzahl unabhängiger Klone betrug 3,5x10
6
. Die klonierte cDNA
lag in einem Größenbereich von 400-4000 bp vor.
4.6.3.2 cDNA von α
αα
α-Untereinheiten heterotrimerer G-Proteine
Die cDNA für die Gα-Untereinheiten Go1α
(Ratte), Go2α (Hamster) und Gqα (Maus) wur-
den freundlicherweise von Prof. Dr. Lutz Birnbaumer, National Institute of Environmental
Health Sciences, Research Triangle Park, North Carolina, in pAGA2 zur Verfügung gestellt.
4.7 Methoden
4.7.1 DNA-Techniken
4.7.1.1 Herstellung und Transformation kompetenter E. coli
Um E.coli Zellen kompetent für die DNA-Aufnahme zu machen, wurde der Z-Competent E.
coli Transformation Kit & Buffer Set der Firma Zymo Research eingesetzt. Dafür wurde zu-
nächst eine Übernacht(ÜN)-Kultur mit 50 µl Zellen aus der Glyzerinstammlösung des ent-
sprechenden Stammes (DH5α) in LB-Medium bei 240 rpm und 30°C angesetzt. Von dieser
ÜN-Kultur wurden dann 500 µl abgenommen, um 50 ml LB-Medium zu beimpfen. Dann er-
folgte eine Weiterkultivierung bei 240 rpm und Raumtemperatur (RT) bis eine OD
600
von 0,4-
0,6 errreicht wurde (ca. 3 h). Anschließend wurden die Bakterien entsprechend den Herstel-
lervorschriften gewaschen und in Puffer resuspendiert und als 100 µl Aliquots bei -80 °C
eingefroren oder direkt für Transformationen eingesetzt.
Für die Transformation wurden 1-5 µl DNA (ca. 10 ng) mit 100 µl kompetenten Zellen ge-
mischt und für 30 Minuten auf Eis inkubiert. Danach wurden 400 µl LB-Medium zugegeben
und der gesamte Ansatz für 1 h bei 240 rpm und 37 °C inkubiert. Schließlich wurden 2 x 250
µl der transformierten Zellen auf LB-Agar-Platten mit entsprechendem Selektionsantibioti-
kum ausplattiert.
Materialien und Methoden
30
4.7.1.2 Isolation von Plasmid-DNA aus E.coli
Ausgewählte E.coli Kolonien wurden in 2 ml LB-Medium mit geeignetem Selektions-
antibiotikum über Nacht bei 37°C angezogen. Am nächsten Tag wurden die Bakterien in
einer Tischzentrifuge bei 6000 x g sedimentiert und die Plasmid-DNA mit Hilfe des Quantum
Prep Plasmid Miniprep-Kits der Firma Biorad gemäß Herstellerangaben präpariert.
Um Plasmidmengen im größeren Maßstab zu gewinnen, erfolgte das Animpfen von 50 ml
LB-Medium mit Selektionsantibiotikum und Kultivierung bei 37°C und 220 rpm in sterilen
Erlenmeyerkolben über Nacht. Die Plasmid-DNA wurde nach Zentrifugation bei 6000 x g mit
Hilfe des Quantum Prep Plasmid Midiprep Kit der Firma Biorad gemäß Herstellerangaben
aufgearbeitet.
Für die Isolation der cDNA-Bibliothek nach der Amplifikation wurde der Qiagen Plasmid Gi-
ga Kit verwendet.
4.7.1.3 Konzentrationsbestimmung von DNA-Lösungen
Die Konzentration von DNA-Lösungen wurde über die Absorption bei einer Wellenlänge von
260 nm bestimmt. Der Konzentrationsberechnung basiert dabei auf folgender Gleichung:
c = OD
260
x 50 µg / ml x VF
c : Konzentration der DNA-Lösung [µg / ml]
OD
260
: Optische Dichte bei einer Wellenlänge von 260 nm
VF : zu berücksichtigender Verdünnungsfaktor der untersuchten DNA-Lösung
4.7.1.4 Konzentration von DNA durch Fällung
Mittels Ethanolpräzipitation wurde die Plasmid-DNA aus einer wässrigen Lösung gefällt.
Dazu wurde die wässrige Phase mit 1/10 Volumen 3 M Natriumazetat pH 4,5 versetzt und
anschließend das zwei- bzw. zweieinhalbfache Volumen Isopropanol bzw. eiskalter Ethanol
zugegeben. Dieser Ansatz wurde danach bei 20.000 x g und C für 15 Minuten zentrifu-
giert. Der Überstand wurde verworfen, das Pellet einmal mit 70 % Ethanol gewaschen und
nach wiederholter Zentrifugation in einem gewünschten Volumen TE-Puffer resuspendiert.
4.7.1.5 Restriktion von DNA mit Endonukleasen
Der Restriktionsansatz wurde in einem Volumen von 15 µl durchgeführt, bestehend aus 1,5
µl eines geeigneten 10-fach Puffers (je nach Enzym), ca. 3 µg DNA sowie 1,5 U Restrikti-
onsenzym / µg DNA. Die Restriktion erfolgte für zwei Stunden bei dem für das Restriktions-
enzym spezifischen Temperaturoptimum. Anschließend wurde der Restriktionsansatz mit
Materialien und Methoden
31
Probenpuffer gemischt und durch Agarose-Gelelektrophorese analysiert. Für präparative
Zwecke wurden die dreifachen Mengen des beschriebenen Ansatzes verwandt.
4.7.1.6 Agarose-Gelelektrophorese
Die Auftrennung von DNA-Fragmenten unterschiedlicher Größe erfolgte mittels Agarose-
Gelelektrophorese. Dazu wurden je nach untersuchtem Größenbereich der Fragmente un-
terschiedlich konzentrierte Agarosegele verwandt. Für kleine Fragmente von 0,2 kbp bis 3
kbp wurden 2-prozentige Agarosegele bzw. für Fragmente von 0,5 10 kbp 1-prozentige
Agarosegele benutzt. Dazu wurde die Agarose mit TAE-Puffer in eine 250 ml Schraubfla-
sche gegeben und in einer Mikrowelle aufgekocht, bis die Agarose vollständig gelöst war.
Die Agaroselösung wurde dann mit 1 µg / ml Ethidiumbromid versetzt und in den vorbereite-
ten Rahmen (Biorad) gegossen. Die Elektrophorese wurde bei 60-100 V in 1x TAE-Puffer
durchgeführt, wobei als Größenstandard 5 µl Mass-Ruler-DNA-Ladder-Marker (Fermentas)
verwendet wurde. Abschließend wurde die DNA unter UV-Licht (254 nm) sichtbar gemacht
und fotografiert.
4.7.1.7 Gelelution
Das gewünschte DNA-Fragment wurde nach der Auftrennung im Agarosegel mit einem
Skalpell ausgeschnitten und mit Hilfe des NucleoSpin Extract II Kit der Firma Macherey-
Nagel (Düren) gemäß Herstellerangaben aufgereinigt.
4.7.1.8 Ligation von DNA-Fragmenten
Die Ligation von DNA-Fragmenten, wurde mit Hilfe der T4-DNA-Ligase durchgeführt, die
sowohl in der Lage ist, zwei glatte (blunt-) oder zwei überstehende, komplementäre (sticky-)
Enden durch Knüpfung kovalenter Phosphodiesterbindungen zwischen der 3’-
Hydroxylgruppe eines Nukleotids und der 5’-Phosphatgruppe eines weiteren Nukleotids in
doppelsträngiger DNA miteinander zu verknüpfen. Für die Ligation wurden Vektoren mit
DNA-Fragmenten im Verhältnis von 1:3 (Vektor : DNA-Fragment) eingesetzt. Im Ligations-
ansatz von 10 µl wurden 1 µl 10-fach Ligasepuffer (Fermentas), 1 µl T4-Ligase (1U / µl) so-
wie ca. 100 ng Vektor-DNA mit entsprechender Menge Fragment-DNA gemischt und 1
Stunde bei Raumtemperatur oder über Nacht bei 16°C inkubiert. Anschließend wurde das
Enzym für 10 Minuten bei 75°C hitzeinaktiviert.
4.7.1.9 Polymerasekettenreaktion
Die Polymerasekettenreaktion (PCR) wurde zur Amplifikation von DNA-Sequenzen unter
Einsatz spezifischer Primer verwandt. Die so erhaltenen DNA-Fragmente dienten einerseits
analytischen Zwecken, wurden aber auch zur Generierung spezifischer DNA-Fragmente,
z.B. für die Klonierung, eingesetzt. Für analytische Zwecke wurde die AmpliTaq-DNA Poly-
Materialien und Methoden
32
merase (Applied Biosystems) verwendet, für präparative Zwecke die Pfu-Polymerase (Fer-
mentas), die sich durch Ihre proofreading-Aktivität (3’-5’-Exonukleaseaktivität) von der Taq-
Polymerase unterscheidet. In einem initialen Denaturierungsschritt wurde die doppelsträngi-
ge DNA-Matrize für 3 Minuten bei 95°C denaturiert. Anschließend folgten je nach Verwen-
dungszweck mehrere Zyklen (25 - 40) aus Denaturierung (95°C), Anlagerung (58-65°C, je
nach Schmelztemperatur des verwendeten Primerpaares) und Verlängerung (72°C, Tempe-
raturoptimum der DNA-Polymerasen) des gewünschten DNA Abschnitts. Danach wurde ein
abschließender Elongationsschritt durchgeführt, um zu gewährleisten, dass alle Amplifikati-
onen abgeschlossen waren. Danach wurden die PCR-Produkte bei 4°C gekühlt und schließ-
lich bei -20°C eingefroren. Zur Kontrolle der PCR-Bedingungen, und um Verunreinigungen
auszuschließen, wurden immer Positiv- und Negativkontrollen (keine DNA-Matrize) mitge-
führt. Der folgende PCR-Ansatz stellt einen Standardablauf dar, der gegebenenfalls an den
Parametern Hybridisierungstemperatur bzw. Anzahl der Zyklen modifiziert wurde.
Ansatz Temperaturzyklus
50 µl Gesamtvolumen T in °C Dauer Zyklen
5,0 µl 10 x PCR Puffer 95 3 min
1,0 µl dNTP Mix (10 µM) 95 30 s
1,0 µl 5’-Primer (10 µM) 58 30 s 25-40
1,0 µl 3’-Primer (10 µM) 72 1 min / kbp DNA
0,15 µl Taq Polymerase (5 U / µl) 72 10 min
5,0 µl DNA-Matrize (wenn möglich, 3 ng / µl) 4 bis zum Einfrieren
36,85 µl ddH2O
4.7.1.10 Ortsspezifische Mutagenese
Die ortsspezifische Mutagenese wurde genutzt, um aus der cDNA, die die G-Protein
α−Untereinheiten Go1α, Go2α, Gqα kodiert, jeweils die konstitutiv aktiven Untereinheiten
herzustellen. Diese konstitutiv aktiven Mutanten können einmal gebundenes GTP nicht
mehr hydrolysieren. Die Wildtyp cDNA wurde freundlicherweise durch Prof. Lutz Birnbau-
mer, National Institute of Environmental Health Sciences, Research Triangle Park, North
Carolina, zur Verfügung gestellt.
Das Prinzip des verwendeten QuikChange II-Kits (Stratagene) basiert auf der Verlängerung
an spezifischer Stelle mutierter, komplementärer Primerpaare, wodurch Punktmutationen in
die neusynthetisierte doppelsträngige DNA eingebaut wurden. Die nichtmutierte, dop-
pelsträngige und durch die Dam-Methylierung gekennzeichnete Ursprungs-DNA wurde an-
schließend durch Behandlung mit DpnI, einer Restriktionsendonuklease, die nur die methy-
lierte Erkennungssequenz 5’-GA
m6
TC-3’ identifiziert, abgebaut. Nach Transformation der
mutierten DNA in kompetente E.coli Zellen wurden die verbliebenen nicks der neusyntheti-
Materialien und Methoden
33
sierten doppelsträngigen DNA durch die bakterieneigene Ligase verknüpft. Dadurch konnte
die Plasmid-DNA normal repliziert werden.
4.7.1.11 DNA-Sequenzierung
Soweit nicht anders angegeben, wurden alle Klonierungsarbeiten mit einer folgenden Se-
quenzierung auf ihre Richtigkeit überprüft. Sowohl diese Sequenzierungen als auch Se-
quenzierungen von Vektoren aus identifizierten Klonen des Yeast-Two-Hybrid-Screenings
wurden mit Hilfe der ABI BigDye-Terminator-Chemie durch die Firma SMB Services in Mo-
lecular Biology (Berlin) analysiert.
4.7.1.12 Amplifizierung der cDNA-Bibliothek
Um ausreichend Plasmid-DNA für ein Screening der cDNA-Bibliothek zu erhalten, musste
die vorhandene Mouse Brain Matchmaker cDNA Bibliothek, die als Flüssigkultur im E. coli
Stamm BNN132 vorlag, vervielfältigt werden. Zuerst musste der Titer der cDNA-Bibliothek
bestimmt werden, um bei der folgenden Amplifikation die nötige Anzahl unabhängiger Klone
zu gewährleisten. Dazu wurden 10 µl eines Aliquots der cDNA-Bibliothek in 1 ml LB Medium
resuspendiert und verschiedene Verdünnungen vorbereitet. Von diesen Verdünnungen wur-
den 50 bzw. 100 µl auf LB / Amp-Agarplatten verteilt und für 48 h bei 30°C inkubiert und
anschließend unter Berücksichtigung der Verdünnungsfaktoren der Titer bestimmt. An-
schließend wurden 265 150-mm-Platten mit je ca. 40000 cfu (colony forming unit) beimpft,
um so die Anzahl der unabhängigen Klone von 3,5 x 10
6
der cDNA-Bibliothek mit einem
zusätzlichen Sicherheitsfaktor von drei beizubehalten. Feste Nährmedien gewährleisten
dabei besser ein gleichmäßigeres Wachstum unterschiedlicher Klone, als eine Flüssigkultur.
Die Platten wurden anschließend für 48 Stunden bei 30°C inkubiert. Danach wurden je Plat-
te 5 ml LB-Medium zugegeben und die Kolonien mit einem Drigalski-Spatel abgelöst und in
einer sterilen 1l-Flasche vermischt. Anschließend wurde die Zellsuspension für 4 Stunden
bei 30°C und 200 rpm inkubiert. Zwei Drittel der Zellsuspension wurden mit Glyzerin bis zu
einer Endkonzentration von 25 % versetzt und als 50 ml Aliquots bei –80°C gelagert. Das
verbleibende Drittel wurde für die Plasmidpräparation verwandt
.
4.7.2 Yeast-Two-Hybrid-Methoden
Als Grundlage zur Identifikation von Proteininteraktionspartnern diente der Matchmaker
GAL4 Two-Hybrid System 3 - Kit der Firma Clontech. Das zugrunde liegende Prinzip war,
dass ein Köderprotein (bait) als Fusionsprotein mit der DNA-Bindungsdomäne des GAL4-
Transkriptionsfaktors in Hefe exprimiert wird. Wurde eine cDNA-Bibliothek als Fusionsprote-
in (Beute oder prey) mit der Aktivierungsdomäne des GAL4-Transkriptionsfaktors in der
gleichen Hefezelle exprimiert und kam es zu einer Bindung zwischen bait und prey, wurde
Materialien und Methoden
34
dadurch der GAL4-Transkriptionsfaktor rekonstituiert und die Expression verschiedener Re-
portergene ermöglicht. Die für das Screening verwendeten Hefestämme Y187 und AH109
sind auxotroph bezüglich verschiedener Aminosäuren bzw. Nukleinbasen. Erst durch die
Expression des Reportergens wurde das Wachstum auf bestimmten Minimalmedien und
somit die Selektion nach Interaktionspartnern möglich.
4.7.2.1 Herstellung kompetenter Hefezellen
Um Hefezellen kompetent für die DNA-Aufnahme zu machen, wurden 3 ml YPDA-Medium
mit einer frisch gewachsenen Hefekolonie inokuliert. Die Hefezellsuspension wurde bei
30°C über Nacht für 8-12 Stunden inkubiert. Danach wurden 50 ml YPDA-medium mit 5 µl
dieser Übernachtkultur beimpft und bei 30°C und 250 rpm inkubiert, bis eine OD
600
von
0,15-0,3 erreicht war. Anschließend wurden die Zellen für 5 Minuten bei Raumtemperatur
und 700 x g zentrifugiert, in 100 ml YPDA Medium resuspendiert und bei 30°C und 250 rpm
bis zu einer OD
600
von 0,4-0,5 kultiviert. Dann wurden die Hefezellen bei 700 x g und Raum-
temperatur zentrifugiert und das Pellet dann in 60 ml sterilem ddH
2
O gewaschen. Nach er-
neuter Zentrifugation bei gleichen Bedingungen wurden die Zellen in 3 ml 1,1 x TE/LiAc-
Lösung resuspendiert und zu gleichen Teilen auf zwei 1,5 ml Eppis verteilt. Die Zellen wur-
den danach in einer Tischzentrifuge bei maximaler Umdrehungszahl für 15 Sekunden zentri-
fugiert und in 600 µl 1,1 x TE/LiAc-Lösung resuspendiert.
Für Transformationen in kleinerem Maßstab wurde alternativ der Frozen-EZ Yeast Trans-
formation II-Kit der Firma Zymo Research gemäß Herstellerangaben eingesetzt.
4.7.2.2 Transformation kompetenter Hefezellen
Je nachdem, ob die Hefezellen mit einzelner Vektor-DNA oder einer gesamten cDNA-
Bibliothek transformiert werden sollten, wurden unterschiedliche Mengen der benötigten
Reagenzien verwendet. Die im Folgenden angegebenen Werte wurden für die Transforma-
tion mit der cDNA-Bibliothek verwendet. Die Angaben in Klammern entsprechen den Trans-
formationen mit einzelner Vektor-DNA, bei denen alternativ auch der Frozen-EZ Yeast
Transformation II–Kit der Firma Zymo Research gemäß Herstellerangaben verwendet wur-
de.
In einem sterilen, vorgekühlten 15 ml Zentrifugenröhrchen wurden 10 µg (1 µg) Vektor-DNA
mit 20 µl (5 µl) frisch denaturierter Heringssperma-DNA gemischt und mit 600 µl (50 µl)
kompetenten Hefezellen versetzt. Anschließend wurden 2,5 ml (0,5 ml) einer PEG/LiAc Lö-
sung zugegeben und der Ansatz für 45 (30) Minuten bei 30°C schüttelnd inkubiert. Danach
wurden 160 µl (20µl) DMSO zugegeben und bei 42°C in einem Wasserbad inkubiert. Der
Ansatz wurde dabei im Abstand von 5 Minuten vorsichtig gemischt. Für die Transformation
mit der cDNA-Bibliothek folgte nach Zentrifugation der Zellen bei 700 x g für 5 Minuten eine
Materialien und Methoden
35
90-minütige Inkubation bei 30°C in YPD-Plus Spezialmedium (Yeastmaker Yeast Transfor-
mation System 2). Bei Transformationen im kleinen Maßstab wurde dieser Schritt ausgelas-
sen. Nach erneuter Zentrifugation der Hefezellen bei 700 x g (20.000 x g) für 5 Minuten (15
Sekunden), wurde der Überstand abgesaugt und das Pellet in 15 ml (1ml) 0,9% NaCl-
Lösung resuspendiert. Je 150 µl (100 µl) des Transformationsansatzes wurden auf 150 mm
(100 mm) Selektionsnährmedien ausplattiert. Parallel wurde eine dekadische Verdünnungs-
reihe des Transformationsansatzes angelegt und zur Bestimmung der Transformationseffi-
zienz ebenfalls auf geeigneten Selektionsnährmedien ausplattiert.
Die Medienplatten wurden dann bei 30°C inkubiert, bis ein Koloniewachstum beobachtet
werden konnte (7-14 Tage).
4.7.2.3 Isolation von Plasmid-DNA aus S.cerevisiae
Um die Plasmid-DNA aus den gewachsenen Hefekolonien wieder zu isolieren, wurden zu-
nächst Flüssigkulturen (3ml) der verschiedenen Hefekolonien in SD-QDO (quadruple-
dropout
)-
Medium mit 1 mM 3AT angesetzt. Nach Kultivierung über 2 Tage bei 30°C wurde
ein Aliquot der Zellen zum Anlegen von Glyzerinstammkulturen verwendet. Die restlichen
Zellen wurden bei 20.000 x g in einer Tischzentrifuge sedimentiert. Danach wurden mit Hilfe
des Zymoprep II Yeast Plasmid Minipreparation Kit (Zymo Research) die Plasmide isoliert
und lagen abschließend in 10 µl ddH
2
0 gelöst vor. Da Plasmide in Hefen nur in geringerer
Kopiezahl je Zelle vorliegen, konnte die so isolierte DNA nicht mit den gängigen Methoden
untersucht werden. Deshalb musste sie zunächst wieder in den Stamm E.coli (DH5α) trans-
formiert und amplifiziert werden, damit eine angemessene Menge für Agarosegelelektropho-
rese, Restriktonsverdau und schließlich Sequenzierung zur Verfügung stand.
4.7.2.4 Verpaarung von Hefezellen
Die Verpaarung der unterschiedliche Vektoren tragenden Hefestämme AH109 und Y187
erfolgte im Mikrotiterplattenformat. Dazu wurde je gewünschter Verpaarung 160 µl YPD-
Medium in die Vertiefungen der Mikrotiterplatten gefüllt und 20 µl einer frischen Hefezell-
suspension beider Stämme zupipettiert. Die frische Hefezellsuspension wurde durch Lösen
einer Hefekolonie in 1 ml YPD-Medium hergestellt. Die Mikrotiterplatten wurden danach bei
30 °C für 16 Stunden auf einem Plattformschüttler b ei 200 rpm inkubiert. Anschließend wur-
den je 100 µl der verschiedenen Kulturen auf geeigneten Selektionsmedien ausplattiert.
4.7.3 Protein-Techniken
4.7.3.1 Proteinbestimmung
Zur Bestimmung der Proteinkonzentration wurde die BCA Methode (Smith et al., 1985) ver-
wandt. Die Bestimmung wurde in 96-Loch-Mikrotiterplatten mit je 20 µl Probenvolumen /
Materialien und Methoden
36
Vertiefung durchgeführt. Neben den untersuchten Proben wurden bei jeder Bestimmung der
Leerwert sowie verschiedene Verdünnungen einer BSA-Standardlösung (50 – 800 µg/ml) in
0,4% Triton X-100-Lösung mitgeführt, um die jeweilige Standardgerade zu ermitteln. An-
schließend wurden je Vertiefung 200 µl einer Mischung der Lösungen A und B im Verhältnis
50:1 zugegeben und für 30 Minuten bei 60°C inkubiert. Die Mikrotiterplatten wurden an-
schließend für 10 Minuten gekühlt und die Extinktion bei 550 nm in einem Mikrotiterplatten-
lesegerät bestimmt. Anhand der mitgeführten BSA-Konzentration wurde eine Standardgera-
de ermittelt und durch lineare Regression die Proteinkonzentrationen der Proben bestimmt.
4.7.3.2 SDS-PAGE
Die SDS-PAGE (sodiumdodecylsulfate polyacrylamide gel electrophoresis) ist ein Verfahren
zur Auftrennung von Proteinen und Peptiden nach Ihrem Molekulargewicht (Laemmli, 1970).
Dazu wurden die Proben nach Ermittlung der Proteinkonzentration mit 4x Probenpuffer ver-
setzt und für 5 Minuten bei 95°C inkubiert. Anschließend wurden die Proben auf Eis gekühlt
und auf vorbereitete, 0,75 mm dicke Gele, bestehend aus einem 3,75 %igem Sammelgel
und einem 8-12%igem Trenngel, aufgetragen. Als Größenstandard diente entweder der
LMW-Marker (GE-Healthcare) oder die PageRuler Prestained Protein Ladder (Fermentas).
Die Elektrophorese erfolgte in der Mini Protean II Elektrophorese-Kammer (BioRad) mit 1-
fach Laufpuffer zunächst bei 80V. Nachdem die Proben das Trenngel erreicht hatten, wurde
die Spannung auf 160 V erhöht, bis die Lauffront das Gelende erreicht hatte.
4.7.3.3 Western-Blot und Chemolumineszenzdetektion
Mittels Western Blot wurden die elektrophoretisch aufgetrennten Proteine aus der SDS-
PAGE im Semi-Dry-Verfahren auf Nitrozellulosemembranen übertragen. Dazu wurde das
Trenngel vom Sammelgel getrennt und in Transferpuffer gelagert. Gleichzeitig wurden vier
Schichten vorbereitetes Filterpapier (Whatman) in Transferpuffer getränkt und auf der Ano-
denfläche einer TransBlot SD-Kammer (Biorad) luftblasenfrei aufgelegt. Anschließend wur-
den die Nitrozellulosemembran und das Trenngel in definierter Orientierung aufgelegt und
zum Abschluss wieder vier Lagen Filterpapier darüber geschichtet. Nach Auflage der Ka-
thode wurde mit einer konstanten Stromstärke von 0,3 A / Gel für 45 Minuten geblottet. Ab-
schließend wurde die Nitrozellulosemembran für 2 Minuten in Ponceau S-Lösung angefärbt
und dann mehrfach mit destilliertem Wasser gewaschen, um die Übertragung der Proteine
zu überprüfen. Gegebenenfalls wurde die Nitrozellulosemembran zerschnitten, um eine In-
kubation mit verschiedenen Antikörpern zu ermöglichen. Im Anschluss daran wurde die
Membran, um unspezifische Bindungsstellen zu blockieren, für eine Stunde in Magermilch-
lösung inkubiert. Die Behandlung mit dem jeweiligen Erstantikörper erfolgte in Antikörperlö-
sung über Nacht bei C. Am nächsten Tag wurde je viermal 15 Minuten mit Magermilchlö-
Materialien und Methoden
37
sung gewaschen und die Membran mit Meerrettichperoxidase-gekoppeltem Zweitantikörper
in Antikörperlösung für 1 h bei Raumtemperatur inkubiert. Anschließend wurde fünfmal 10
Minuten mit TS-T-Puffer und abschließend zweimal 5 Minuten mit TS-Puffer gewaschen.
Die Detektion der Proteine erfolgte durch Inkubation des Blots mit ECL-Lösung und an-
schließender Exposition eines Fotofilms (GE Healthcare) in einer Filmkassette. Die Entwick-
lung des Fotofilms erfolgte vollautomatisch in der Cura 60 (AGFA).
4.7.3.4 Gewinnung von Proteinproben aus Hefezellen
Für die Aufarbeitung von Hefeproteinen wurde der Yeast Protein Kit der Firma Zymo Re-
search eingesetzt. Dazu wurden 500 µl einer frisch gewachsenen Hefekultur bei 5.000 x g in
einer Tischzentrifuge abzentrifugiert und gemäß Herstellerangaben mit Zymolyase und Ly-
sepuffer inkubiert. Für die SDS-PAGE wurden die Proben abschließend direkt mit 4x-
Probenpuffer versetzt.
4.7.3.5 Gewinnung von Proteinproben aus Zelllinien
Zur Gewinnung von Proteinproben aus Zelllinien wurden fünf 100 mm Schalen der ge-
nschten Zelllinien bis zur Konfluenz kultiviert. Danach wurden die Zellen geerntet (siehe
4.7.4.1) und in 1 ml Homogenisierungspuffer mit Proteaseinhibitoren resuspendiert und in
einem Kugelhomogenisator (EMBL) aufgeschlossen. Das so gewonnene Lysat wurde direkt
mit dem SDS-Ladepuffer vermischt. Alternativ wurde das Zelllysat bei 1.000 x g zentrifugiert
um größere Zellbruchstücke zu entfernen, der verbliebene Überstand für 30 Minuten bei
360.000 x g und 4 °C. Das gewonnene Pellet wurde in Homogenisierungspuffer resuspen-
diert und mit entsprechendder Menge 4x-SDS-Probenpuffer gemischt. Für die SDS-PAGE
wurden 5-15 µl aufgetragen.
4.7.3.6 Fluoreszenznachweis von Proteinen
Zum Anfärben intrazellulärer Proteine mittels fluoreszenzmarkierter Antikörper bzw. zum
Nachweis GFP-markierter Proteine, wurde wie folgt vorgegangen. Die Zellen wurden wie
üblich in 100 mm Zellkulturschalen, denen Deckgläschen zugegeben wurden, ausgesät.
Nach Erreichen der Konfluenz wurden die bewachsenen Deckgläschen herausgenommen
und zweimal mit je 2 ml PBS gewaschen. Anschließend erfolgte die Fixierung in 4 % Para-
formaldehydlösung für 20 Minuten. Nach der Fixierung wurden die Zellen zweimal mit je 2
ml PBS gewaschen.
Zum Nachweis GFP-markierter Proteine wurden die Deckgläschen dann für 5 Sekunden in
ddH
2
O gespült und nach gründlicher Entfernung des Wassers auf Objektträger verbracht.
Dazu wurden kurz vorher für jedes Deckgläschen 10 µl Mowiol auf den Objektträger pipet-
tiert und die Deckgläschen luftblasenfrei aufgelegt.
Materialien und Methoden
38
Für den Nachweis durch fluoreszenzmarkierte Antikörper wurden die Deckgläschen nach
dem Waschen für 60 Minuten in Blocklösung inkubiert und danach mit dem Erstantikörper in
Blocklösung enweder für 90 Minuten bei 37 °C oder über Nacht bei 4 °C inkubiert. Danach
wurde zweimal für 10 Minuten mit PBS gewaschen und die Deckgläschen für 90 Minuten
mit fluoreszenzmarkiertem Zweitantikörper bei Raumtemperatur im Dunkeln inkubiert. Ab-
schließend wurde zweimal mit 2 ml PBS gewaschen, 5 Sekunden in ddH
2
O gespült und die
Deckgläschen mit Mowiol auf einem Objektträger befestigt. Bis zur mikroskopischen Analy-
se wurden die Objektträger bei 4 °C und vor Licht geschützt aufbewahrt.
4.7.4 Zellkulturarbeiten
4.7.4.1 BON und CHO-Zellen
BON- und CHO-Zellen wurden auf 100 mm Schalen bzw. in Mikrotiterplatten ausgesät und
bis zur Semikonfluenz bei 37°C und 5% CO
2
kultiviert.
Zum Umsetzen wurde das Medium entfernt und die Zellen mit 5 ml PBS gespült. Anschlie-
ßend wurden die Zellen mit 1 ml (1:10) Trypsin-Lösung behandelt. Diese wurde sofort abge-
saugt und die Zellen für 2 min in den Brutschrank gestellt. Danach wurden die Zellen mit 1
ml PBS von der Platte gespült und bei 1300 x g für 2 min zentrifugiert. Die sedimentierten
Zellen wurden in 1 ml Medium aufgenommen und entsprechend der gewünschten Dichte
ausgesät.
4.7.4.2 PC12-Zellen
PC12-Zellen wurden auf 100 mm Schalen, die zuvor mit Kollagen beschichtet wurden aus-
gesät und bis zur Konfluenz bei 37°C und 10% CO
2
kultiviert.
Die Kollagenbeschichtung der 100 mm Zellkulturschalen erfolgte über Nacht mit 3 ml einer
Kollagenlösung unter der Sterilbank.
Zum Umsetzen wurde das Medium entfernt und die Zellen mit 5 ml PBS gespült. Anschlie-
ßend wurden die Zellen mit 1 ml (1:10) Trypsin-Lösung behandelt. Diese wurde sofort abge-
saugt und die Zellen für 2 Minuten in den Brutschrank gestellt. Danach wurden die Zellen
mit 1 ml PBS von der Platte gespült und bei 1.300 x g für 2 min zentrifugiert. Die sedimen-
tierten Zellen wurden in 1 ml Medium aufgenommen und entsprechend der gewünschten
Dichte ausgesät.
4.7.4.3 Einfrieren von Zellen
Zum Einfrieren adhärent wachsender Zellen wurde das Medium entfernt und mit 5 ml PBS
gewaschen. Anschließend wurden die Zellen mit 1 ml (1:10) Trypsin-Lösung behandelt.
Diese wurde sofort abgesaugt und die Zellen für 2 min in den Brutschrank gestellt. Danach
Materialien und Methoden
39
wurden die Zellen mit 1 ml PBS von der Platte gespült und bei 1.300 x g für 2 min zentrifu-
giert.
Das Zellpellet wurde dann in 1 ml Einfriermedium resuspendiert und zu je 500 µl in Kryo-
röhrchen gefüllt. Die Zellsuspension wurde dann mit 500 µl einer Einfrierlösung versetzt, die
tropfenweise und unter Schwenken des Kryoröhrchens zugegeben wurde. Die Kryoröhrchen
wurden über Nacht in Isopropanol bei -80°C gelagert und am darauffolgenden Tag in flüssi-
gen Stickstoff überführt.
4.7.4.4 Auftauen von Zellen
Die Zellen wurden schnell im Wasserbad bei 37°C aufgetaut und in 10 ml Kulturmedium
resuspendiert. Danach wurden die Zellen bei 80 x g für 4 Minuten abzentrifugiert und in ei-
ner 100 mm Kulturschale ausgesät.
4.7.4.5 Generierung stabil transfizierter CHO-Zelllinien
CHO-Zellen wurden unter Standardbedingungen in 6-Loch-Mikrotiterplatten bis zur Semi-
konfluenz kultiviert. Anschließend wurde das Medium abgesaugt, einmal mit 2 ml PBS ge-
waschen und die Zellen mit 400 µl Optimem für 1 h bei 37°C und 5 % CO
2
kultiviert.
Gleichzeitig wurden 0 µg, 1 µg bzw. 2 µg Vektor-DNA mit 100 µl Optimem versetzt und mit
100 µl einer Lipofectamin/Optimem Lösung (50 µl Lipofectamin / ml Optimem) für 45 min bei
Raumtemperatur inkubiert. Danach wurden weitere 200 µl Optimem zugegeben und jeweils
der Gesamtansatz von 400 µl zu den Vertiefungen der Mikrotiterplatte gegeben.
Die CHO-Zellen wurden dann für 4 Stunden bei 37°C und 5% CO
2
weiterkultiviert. Danach
wurde je Vertiefung 800 µl Standard CHO-Medium zugegeben und unter gleichbleibenden
Bedingungen inkubiert.
Nach 48 Stunden wurde das Medium gegen ein Standard-CHO-Medium mit 400 µg / ml
Geneticin ausgetauscht und die Zellen ca. 1 Woche mit täglichem Mediumwechsel weiter-
kultiviert, bis alle nicht-transfizierten Zellen abgestorben waren. Die verbliebenen Zellen wur-
den dann vereint, auf eine Zellkonzentration von ca. 1-2 Zellen / 100 µl Medium eingestellt
und in einer 96-Loch-Mikrotiterplatte (100 µl / Vertiefung) ausgesät. Wachsende Zellklone
wurden bis zur Konfluenz kultiviert und mittels größerer Mikrotiterplatten (48-Loch und 24-
Loch Mikrotiterplatten) expandiert, bis ausreichend Zellen für weitere Untersuchungen und
zum Einfrieren zur Verfügung standen
.
4.7.5 Neurotransmitteraufnahmetests
4.7.5.1 Subzelluläre Fraktionierungen
Zur Präparation von Synaptosomen und synaptischen Vesikeln wurde die Methode von Hell
und Jahn (Hell & Jahn, 1998) in modifizierter Form angewandt. Zunächst wurden die Mäuse
Materialien und Methoden
40
mit Ether betäubt und anschließend dekapitiert. Das Gehirn wurde nach Öffnung des Schä-
deldaches entnommen und sofort in 4 °C kalten Homogenisierungspuffer (5 ml / g Gewebe),
der mit Proteaseinhibitorcocktail versetzt wurde, überführt. Anschließend wurde das Gehirn
in einem Wheaton-Homogenisator zehnmal bei 900 rpm homogenisiert (Homogenat) und
dann bei 1.400 x g
max
für 10 Minuten zentrifugiert. Danach wurde der so gewonnene Über-
stand (Supernatant 1; S1) bei 14.000 x g
max
für 15 Minuten zentrifugiert und das Pellet (P2),
das die Synaptosomen enthält, gewonnen. Diese Synaptosomenpräparation wurde für Ver-
suche in 1 ml Natriumpuffer aufgenommen oder durch Zugabe eines zehnfachen Volumens
Wasser, das mit Proteaseinhibitoren und 10 mM HEPES (pH 7,4) versetzt war, durch drei-
maliges Homogenisieren im Wheaton-Homogenisator bei 2.000 rpm lysiert. Das Lysat wur-
de danach bei 29.000 x g
max
für 20 Minuten zentrifugiert, um größere Membranfragmente
und verbliebene Synaptosomen (LP1) von der im Überstand (LS1) befindlichen Vesikelfrak-
tion zu trennen. Der LS1 wurde dann in einem letzten Zentrifugationsschritt bei 350.000 x
g
max
für 30 Minuten zentrifugiert. Das so gewonnene klare Pellet (LP2) enthält synaptische
Vesikel. Es wurde mit einer 27G-Kanüle in geeignetem Puffer resuspendiert und für Versu-
che verwendet.
4.7.5.2 Permeabilisierung von Zellen und Synaptosomen
Die Untersuchung der Neurotransmitteraufnahme an Vesikeln von Zellen und Synaptoso-
men war auch ohne Vesikelpräparation möglich. Dafür mussten die Zellen bzw. Synapto-
somen jedoch mit Hilfe des aus Streptococcus pyogenes stammenden porenformenden
Toxins Streptolysin O (SLO) permeabilisiert werden. Das ermöglichte die direkte Messung
der Neurotransmitteraufnahme ohne Beeinflussung durch die Neurotransmittertransporter
der Plasmamembran.
Das Prinzip der Permeabilisierung beruht darauf, dass SLO bei 4 °C in seiner monomeren
Form an das Cholesterol der Plasmamembran bindet und durch Erwärmung auf mindestens
Raumtemperatur eine Porenbildung (ca. 12 nm) induziert wird. Zuvor wurde zur Reduktion
von Disulfidbrücken 1 mM Dithiothreitol (DTT) zugegeben. Die Bestimmung der hämolyti-
schen Aktivität des Toxins (HE / ml) erfolgte nach der Methode von Ahnert-Hilger (Ahnert-
Hilger et al., 2000).
Die Zellen wurden nach dem Ablösen von den 100 mm Schalen (siehe 4.7.4.1 bzw. 4.7.4.2)
in 1 ml PBS gewaschen und dann bei 1.300 x g für 2 Minuten zentrifugiert. Der Überstand
wurde verworfen und das Pellet in einem zehnfachen Volumen KG-Puffer resuspendiert.
Danach wurde die Zellsuspension mit ~ 50 HE/ml SLO versetzt und der Ansatz für 10 Minu-
ten auf Eis inkubiert. Anschließend wurden die Zellen bei 1.300 x g für 2 Minuten bei C
zentrifugiert und in einem geeigneten Volumen KG-ATP-Puffer resuspendiert. Die mit SLO
Materialien und Methoden
41
versetzten Zellen konnten nun für die Neurotransmitteraufnahme bei 37°C verwendet wer-
den. Dadurch wurde gleichzeitig die Porenbildung induziert.
Mit den in Natrium-Puffer resuspendierten Synaptosomen wurde analog verfahren. Zu-
nächst erfolgte eine Zentrifugation bei 16.000 x g für 2 Minuten. Der Überstand wurde ent-
fernt und das Pellet mit zehnfachem Volumen KG-Puffer resuspendiert und ~5000 HE/ml
SLO zugesetzt. Danach wurde bei 16.000 x g und C für 2 Minuten zentrifugiert und die
Synaptosomen in KG-ATP-Puffer aufgenommen. Die so präparierten Synaptosomen wur-
den für die Neurotransmitteraufnahmeexperimente genutzt.
4.7.5.3 Monoaminaufnahme in Synaptosomen und Zellen
Die wie unter 4.7.5.2 beschrieben vorbereiteten Zellen oder Synaptosomen wurden in KG-
ATP-Puffer resuspendiert und entweder mit verschiedenen Substanzen (Substrate, Inhibito-
ren, Aktivatoren) bei 37 °C vorinkubiert und dann zu je 25 µl in Reaktionsgefäße überführt
oder direkt zu je 25 µl in verschiedene Reaktionsgefäße pipettiert. Soweit nicht anders an-
gegeben, wurde die Monoaminaufnahme durch Zugabe von je 25 µl KG-ATP-Puffer mit 80
nM [
3
H]-Serotonin bzw 100 nM [
3
H]-Dopamin, 2 µM Ascorbinsäure ohne bzw. mit Zusätzen
(wie z.B. Aktivatoren, Inhibitoren oder unmarkiertem Substrat) für 10 Minuten bei 37°C
durchgeführt. Die unspezifische Aufnahme bzw. Bindung des [
3
H]-Monoamins wurde in Ge-
genwart von 6 µM Reserpin ermittelt, das irreversibel an den vesikulären Monoa-
mintransporter (VMAT) bindet und so die spezifische Aufnahme von Serotonin in das Vesi-
kel verhindert. Die Monoaminaufnahme wurde durch Lagern der Proben auf Eis sowie die
Zugabe von 500 µl eiskaltem KG-Puffer gestoppt. Anschließend wurden die Proben bei
16.000 x g zentrifugiert. Der Überstand wurde abgesaugt und verworfen und die individuel-
len Pellets für 20 Minuten mit 0,4% Triton-X100 in H
2
O bei 42°C lysiert. Von dem so erhal-
tenen Lysat wurde eine definierte Menge abgenommen, mit 4 ml Szintillationsflüssigkeit
versetzt und im Beckman Coulter LS 6500 vermessen. Das übrige Lysat jeder Probe wurde
für eine Proteinbestimmung verwendet. Die von den Zellen bzw. Synaptosomen aufgenom-
mene Monoaminmenge wurde wie folgt berechnet:
MA
Monoamin
= 1/60 Bq x dpm x 1/(m
Protein
x 1/1000 x A
S
)
MA
Monoamin
: Monoaminaufnahme, bezogen auf die Proteinmenge der Probe [pmol / mg]
m
Protein
: Proteinmenge der untersuchten Probe [mg]
dpm
: Zerfälle pro Minute (1 dpm = 1/60 Bq)
A
S
: spezifische Aktivität des tritiierten Monoamins [TBq / mmol]
Die durch Zugabe von Reserpin ermittelte unspezifische Aufnahme wurde von den ermittel-
ten Werten der Neurotransmitteraufnahme subtrahiert. Alle Versuche wurden in Dreifachbe-
stimmungen durchgeführt. Die Angaben stellen Mittelwerte und Standardabweichung dar.
Materialien und Methoden
42
4.7.5.4 Monoaminaufnahme in synaptische Vesikel
Für die Messung der Monoaminaufnahme in synaptische Vesikel wurden von den re-
suspendierten Pellets (LP2) aus der subzellulären Fraktionierung (siehe 4.7.5.1) je 25 µl in
individuelle Reaktionsgefäße (Beckman) überführt. Anschließend wurde die Monoaminauf-
nahme durch Zugabe eines gleichen Volumens KG-ATP-Puffer mit 80 nM [
3
H] Serotonin
bzw. 100 nM [
3
H] Dopamin und 2 µM Ascorbinsäure ohne bzw. mit Zusätzen gestartet. Wie
unter Punkt 4.7.5.3 beschrieben, wurde auch hier die unspezifische Aufnahme durch Zuga-
be von 6 µM Reserpin ermittelt. Die Inkubation erfolgte für 10 Minuten bei 25°C. Pro Bedin-
gung wurden jeweils Dreifachbestimmungen durchgeführt. Die Monoaminaufnahme wurde
ebenfalls durch Lagern der Proben auf Eis und die Zugabe von 400 µl eiskaltem KG-Puffer
gestoppt. Anschließend wurden die Proben bei 540.000 x g
max
für 10 Minuten zentrifugiert.
Danach wurde der Überstand abgenommen und verworfen. Die Pellets wurden dann 20
Minuten mit 0,4% TritonX-100 bei 42°C inkubiert. Von dieser Suspension wurde ein definier-
ter Teil im Beckman Coulter LS 6500 vermessen. Der andere Teil wurde für die Proteinbe-
stimmung verwendet. Die Berechnung der aufgenommenen Monoaminmenge erfolgte wie
unter 4.7.5.3 beschrieben.
4.7.6 Versuchstiere
Sowohl der Wildtypstamm 129/SvxC57/BL als auch die isoformspezifischen Go2α-
Deletionsmutanten (Dhingra et al., 2002) wurden freundlicherweise von Prof. Lutz Birnbau-
mer, National Institute of Environmental Health Sciences, Research Triangle Park, North
Carolina, zur Verfügung gestellt. Alle Tiere wurden sowohl im MPI für Molekulare Genetik,
Berlin-Dahlem als auch in den Tierställen der Charité (Philippstr.; Hessische Str.) gezüchtet.
Die Go2α-Deletionsmutanten ließen sich untereinander verpaaren. Für Versuche mit hete-
rozygoten Tieren wurden die Deletionsmutanten mit Wildtyp-Mäusen gekreuzt und die
Nachkommen (heterozygote Tiere) nach dem Erreichen der Geschlechtsreife untereinander
verpaart. Die so generierten Würfe enthielten sowohl Wildtyp- und heterozygote Tiere als
auch Go2α-Deletionsmutanten. Für alle Versuche wurden vier bis zwölf Wochen alte Mäuse
verwendet. Wurden mehrere Stämme in einem Experiment benötigt, so wurden Tiere glei-
chen Geschlechts und Alters verwendet.
4.7.7 HPLC-Analytik
4.7.7.1 Aufarbeitung von Zellen
Wie unter Punkt 4.7.4.1 beschrieben, wurden die Zellen nach Wachstum bis zur Konfluenz
bzw. Inkubation mit Verbindungen, wie Toxinen, Substraten, Inhibitoren oder Aktivatoren,
von den Kulturschalen abgelöst, jedoch fünfmal mit 0,5 ml PBS gewaschen. Danach wurden
Materialien und Methoden
43
die Zellen in einem Gesamtvolumen von 800 µl resuspendiert und je 200 µl Aliquots direkt
verwendet oder in flüssigem Stickstoff schockgefroren und bei -80 °C aufbewahrt.
4.7.7.2 Präparation von Gehirnregionen
Zur Präparation der verschiedenen Gehirnareale wurden die Mäuse getötet und dekapitiert.
Die Gehirne wurden entnommen und auf einer mit Trockeneis gekühlten Aluminiumfolie
derart gelagert, dass die Hemisphären auf ihrer Dorsalseite liegen. Die Gehirne wurden ei-
nige Minuten auf der Folie gelagert, bis sie durchgefroren waren, und dann bis zur Präpara-
tion der verschiedenen Gehirnteile bei –80°C in 50 ml Falcon-Tubes aufbewahrt. Für jede
Gehirnregion wurde nach der Präparation das Gewicht bestimmt. Die Präparation der Ge-
hirnregionen erfolgte auf einer Kühlplatte bei –20°C durch Frau Dr. Irene Brunk. Folgende
Gehirnregionen konnten präpariert werden: Bulbus olfactorius, Frontalcortex, Septum, Stria-
tum, Hypothalamus, Cerebellum, Corpus amygdaloideum, Parietalcortex, Hippocampus und
Hirnstamm. Nach der Präparation wurden die Gehirnareale entweder bei –80°C gelagert
oder für die Messung mittels HPLC (high performance liquid chromatography) vorbereitet.
4.7.7.3 Probenvorbereitung für die HPLC
Vor der HPLC-Analyse wurden die Zellen mit dem gleichen Volumen kalter Homogenisie-
rungslösung versetzt. Für Gewebe wurde 10 µl / mg Gewebe der eiskalten Homogenisie-
rungslösung verwandt. Nach Zugabe der Homogenisierungslösung wurde die Probe mit
einem Ultraschallstab für 30 Sekunden homogenisiert. Anschließend wurde das Homogenat
bei 16.000 x g bei C für 20 Minuten zentrifugiert und der Überstand in neue Reaktionsge-
fäße überführt. Für die Bestimmung von Serotonin konnte die vorliegende Probe jetzt direkt
für die HPLC-Analyse verwendet oder musste noch verdünnt werden. Das Probenvolumen
betrug 20 µl.
Für die Bestimmung von Katecholaminen war es nötig, vor der Injektion noch eine Extrakti-
on an Aluminiumoxid durchzuführen. Dazu wurde die Probe, je nach geplanter Verdünnung,
vor der HPLC-Analyse mit 1/10 Volumen internen Standards Dihydroxybenzylamin (DHBA)
gemischt (Endkonzentration während der HPLC-Messung 250 nM bzw. 500 nM) und mit 1
ml 1 % Al
2
O
3
(in 1M Tris, pH 8,6) versetzt und für 10 Minuten bei C geschüttelt. Danach
wurde das Aluminiumoxid bei maximaler Geschwindigkeit in einer Tischzentrifuge sedimen-
tiert und die Pellets zweimal mit 1 ml ddH
2
O gewaschen. Nach erneuter Zentrifugation wur-
de der Überstand verworfen, das Pellet in einem geeigneten Volumen 0,2 M Perchorsäure
resuspendiert und für 10 Minuten bei 4 °C schüttelnd inkubiert. Abschließend wurde zentri-
fugiert und der Überstand in neue Eppendorfreaktionsgefäße überführt. Der Überstand wur-
de dann für die HPLC-Messung verwendet oder zuvor in geeignetem Maße verdünnt. Für
die Analyse wurden 20 µl appliziert.
Materialien und Methoden
44
4.7.7.4 Bestimmung von Monoaminen sowie deren Abbauprodukten mittels
HPLC-EC
Der Monoamingehalt der Proben wurde mittels HPLC und elektrochemischer Detektion
bestimmt. Die Messungen wurden unter den folgenden Bedingungen durchgeführt. Als Säu-
le diente eine 125 mm ( 4mm) LiChroCART-Kartusche (Merck), die mit dem Material Pu-
rospher STAR (RP-18 endcapped; 5 µm) gefüllt war. Die Säulentemperatur während der
Messung betrug 37°C, es wurde eine Flussrate von 1 ml / min eingestellt und für 20 Minuten
gemessen. Das am Detektor angelegte Potential betrug + 0,65 V.
Für die Bestimmung von Serotonin (5-HT) und 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA) wurde
eine mobile Phase, bestehend aus 0,1 M Natriumacetat; 0,1 mM EDTA; 0,35 mM Heptan-
sulfonsäure und 5% (v/v) Methanol (pH 4,5) verwandt. Als Standard wurde nach jedem drit-
ten Probenlauf 20 µl eines Gemisches definierter Konzentrationen von 5-HT und 5-HIAA
injiziert.
Für die Bestimmung der Katecholamine wurde eine mobile Phase, bestehend aus 0,1 M
Natriumphosphat; 0,1 mM EDTA; 0,75 mM Oktansulfonsäure und 5 % (v/v) Methanol (pH
5,0) verwandt. Als Standard wurde nach jedem dritten Probenlauf ein Gemisch von No-
radrenalin, Adrenalin, Dopamin, Dihydroxyphenylessigsäure sowie DHBA definierter Kon-
zentration injiziert.
Bei der Bestimmung von Serotonin wurde vor jeder Messung eine Kalibriergerade durch
Applikation definierter Konzentrationen einer Standardlösung sowie Applikation von Stan-
dardlösungen zwischen den Proben erstellt. Durch lineare Regression wurde dann für die
jeweiligen Proben die Konzentration an 5-HT bzw. 5-HIAA berechnet.
Bei der Bestimmung der Katecholamine wurde bei allen Proben der interne Standard Di-
hydroxybenzylamin mitgeführt. Durch Ermittlung des Kalibrierfaktors von DHBA und den
analysierten Katecholaminen konnte so die Konzentration in den einzelnen Proben be-
stimmt werden. Die dabei genutzten Gleichungen lauten wie folgt:
KF
KA
= (m
KA
x A
DHBA
) / ( m
DHBA
x A
KA
)
m
KAProbe
= KF
KA
x A
DHBAProbe
KF
KA
: Kalibrierfaktor des jeweiligen Katecholamins
m
KA
: Masse des Katecholamins in der Kalibrierlösung
A
KA
: Fläche des Katecholamin-Peaks der Kalibrierlösung
m
DHBA
: Masse von DHBA in der Kalibrierlösung
A
DHBA
: Fläche des DHBA-Peaks der Kalibrierlösung
m
KAProbe
: Masse des Katecholamins der untersuchten Probe
A
DHBAProbe
: Fläche des DHBA-Peaks der Probenlösung
Materialien und Methoden
45
Die ermittelte Masse des jeweiligen Monoamins wurde bei der Vermessung von Gehirnarea-
len auf die Masse des untersuchten Gewebes, bei Zellen auf die Proteinmenge der jeweili-
gen Probe bezogen.
4.7.8 Versuchsdurchführung und -auswertung
Alle biochemischen Experimente wurden, falls nicht anders angegeben, dreimal wiederholt.
Für einzelne Meßwerte wurden dabei jeweils Dreifachbestimmungen durchgeführt. Die in
Kapitel 5 angegebenen Daten zeigen die Mittelwerte repräsentativer Einzelexperimente. Die
Fehlerbalken der ermittelten Messwerte stellen die ermittelte Standardabweichung dar. Die
Ausnahme bilden hierbei die HPLC- und Verhaltensexperimente, in denen die Fehlerbalken
den mittleren Standardfehler widerspiegeln. Signifikante Unterschiede mit einer Fehlerwahr-
scheinlichkeit von p 0,05 sind mit einem Stern markiert. Für die Untersuchung ob die ge-
messenen Unterschiede signifikant sind, wurde in allen biochemischen Untersuchungen der
Student’sche t-Test für unabhängige Proben verwendet. Die Verhaltensexperimente wurden
mittels ANOVA und falls notwendig, mit Duncan’s post-hoc-Test analysiert.
Ergebnisse
46
5 Ergebnisse
5.1 Modellsysteme zur Untersuchung der Regulation von VMAT1
und VMAT2 durch heterotrimere G-Proteine
Der Ausgangspunkt für die durchgeführten Untersuchungen war die Beobachtung, dass die
Aktivierung heterotrimerer, vesikelassoziierter G-Proteine in Neurotransmitteraufnahmeex-
perimenten zu einem verminderten Transport von Monoaminen durch VMAT1 und VMAT2
führt. Es stellte sich heraus, dass in neuroendokrinen Zellen und Neuronen die aktivierte
Gα-Untereinheit Go2α (Ahnert-Hilger et al., 1998; Höltje et al., 2000) und in Thrombozyten
aktiviertes Gqα (Höltje et al., 2003) für die Regulation der Neurotransmitteraufnahme ver-
antwortlich ist. Die G-Protein-vermittelte Regulation der Neurotransmitteraufnahme stellt
einen in zahlreichen Modellsystemen beobachtbaren Effekt dar, dessen genaue
Signaltransduktionsmechanismen aber noch nicht verstanden sind. Wie Untersuchungen an
Thrombozyten von Tryptophanhydroxylase-Deletionsmutanten und in mit VMAT2 transfizier-
ten CHO-Zellen zeigten, ist die G-Proteinregulation von der Füllung der Vesikel mit Neu-
rotransmitter abhängig (Höltje et al., 2003; Brunk et al., 2006). Einen Überblick der Modell-
systeme und repräsentative Ergebnisse von Neurotransmitteraufnahmeversuchen in den
jeweiligen Systemen, zeigt Abbildung 3.
In allen Modellsystemen konnte in Neurotransmitteraufnahmeversuchen durch Zugabe des
schwer hydrolysierbaren GTP-Analogons GMP-P(NH)P eine Verminderung der Neu-
rotransmitteraufnahme beobachtet werden. GMP-P(NH)P fixiert Gα-Untereinheiten in ihrem
aktivierten Zustand und bestätigt dadurch die Bedeutung von G-Proteinen bei der Neu-
rotransmitterspeicherung. Die ermittelten Daten sind nach Abzug der unspezifischen Bin-
dung des tritiierten Neurotransmitters in der Gegenwart von Reserpin zusätzlich als GMP-
P(NH)P vermittelte Hemmung in Prozent dargestellt. Dadurch werden die aufgeführten Ab-
bildungen vereinfacht und ein Vergleich verschiedener Proben erleichtert.
Neben der Untersuchung frisch präparierter Vesikel aus dem Gehirn der Maus wurden auch
die neuroendokrinen Zelllinien PC12 und BON verwendet, die die für die Synthese und
Speicherung von Monoaminen nötigen Enzyme und Transporter exprimieren. PC12-Zellen
entstammen einem Phäochromozytom der Ratte (Greene & Tischler, 1976), BON-Zellen
stammen aus einem humanen Karzinoid des Pankreas (Evers et al., 1991). Beide Zelllinien
exprimieren den VMAT1, BON-Zellen, die in einer Mischpopulation vorliegen, zusätzlich
auch den VMAT2.
Auch Thrombozyten besitzen alle für die Monoaminspeicherung nötigen Transporter, nicht
jedoch die für den Monoaminstoffwechsel nötigen Enzyme. Die Neurotransmitterspeiche-
rung in Vesikeln wird in Thrombozyten durch Gqα reguliert.
Ergebnisse
47
Abbildung 3: Modelle zur Untersuchung der Neurotransmitteraufnahme.
Ergebnisse
48
Nach Austausch von GDP gegen das schwer hydrolysierbare GTP-Analogon GMP-P(NH)P werden durch vesi-
kelassoziierte G-Proteine bislang unbekannte Signaltransduktionswege aktiviert, durch die es zu einer vermin-
derten Neurotransmitteraufnahme kommt. In vitro kann man diese Effekte durch Neurotransmitteraufnahmeex-
perimente an synaptischen Vesikelpräparationen der Maus, aber auch an einfacheren Systemen wie neuroen-
dokrinen Zelllinien, transfizierten CHO-Zellen und Thrombozyten untersuchen. Für alle Modellsysteme sind die
Ergebnisse von [
3
H]-Serotoninaufnahmeversuchen dargestellt. Je Modell wurden dabei drei Ansätze, bestehend
aus je drei Messwerten, eine Kontrolle (ohne Zusätze), eine Probe mit 20 µM GMP-P(NH)P und eine Probe mit 6
µM Reserpin aufgeführt. In allen Modellsystemen kann durch die Zugabe von GMP-P(NH)P eine Reduktion der
[
3
H]-Serotoninaufnahme gegenüber der Kontrollbedingung beobachtet werden. Mit der Zugabe von 6 µM Reser-
pin kann die unspezifische Aufnahme von [
3
H]-Serotonin bestimmt werden. Zieht man diese unspezifische Auf-
nahme jeweils von den Ergebnissen der Kontrollbedingung und der Aufnahme in Gegenwart von GMP-P(NH)P
ab, können diese Ergebnisse auch vereinfacht als GMP-P(NH)P-vermittelte Hemmung dargestellt werden. Dabei
setzt man den Wert der [
3
H]-Serotoninaufnahme als 100 % und berechnet die prozentuale Hemmung durch
GMP-P(NH)P.
Neben den Diagrammen der repräsentativen Versuchsergebnisse der verschiedenen Modelle werden deren
Besonderheiten erläutert.
NT: Neurotransmitter, K: Kontrolle, G: 20 µM GMP-P(NH)P, R: 6 µM Reserpin
Der Einsatz von CHO-Zellen, die auch Go2α exprimieren, ermöglicht durch gezielte Muta-
genese und Transfektion die Untersuchung rekombinanter VMAT. Zu berücksichtigen ist
dabei, dass eine G-Protein-vermittelte Hemmung der Neurotransmitteraufnahme erst nach
Vorbeladung der intrazellulären Kompartimente zu beobachten ist.
5.2 Einfluss der ersten intravesikulären Schleife des VMAT2 auf
die G-Protein-vermittelte Regulation der Monoamin-
speicherung
Wie Untersuchungen an Thrombozyten von Tph1-Deletionsmutanten gezeigt haben, ist die
Voraussetzung für die G-Protein-vermittelte Hemmung des Monoamintransports der Fül-
lungszustand der Vesikel (Höltje et al. 2003). Es muss also ein vesikulärer Rezeptor existie-
ren, der den intravesikulären Monoaminspiegel detektiert. Es konnte gezeigt werden, dass,
im Gegensatz zum VMAT1, die für die VMAT2-Regulation verantwortliche Struktur durch
5HT1B-Agonisten aktiviert und durch 5HT1B-Antagonisten inhibiert werden kann (Brunk et
al. 2006). Diese Beobachtungen bestätigten sich auch in CHO-Zellen die mit rVMAT2 trans-
fiziert wurden.
Da CHO-Zellen nicht über die Enzymausstattung verfügen, um Monoamine zu synthetisie-
ren und zu speichern, sst das die Hypothese zu, dass der VMAT2 selbst an der Messung
der intravesikulären Monoaminkonzentration beteiligt ist. Da zwischen VMAT1 und VMAT2
Unterschiede bezüglich der pharmakologischen Charakterisierung der vesikulären Erken-
nungsstruktur vorliegen, wie die pharmakologische Charakterisierung mit 5HT1B-Agonisten-
und Antagonisten gezeigt hat, sollte sich diese rezeptorähnliche Struktur zwischen VMAT1
und VMAT2 unterscheiden.
Ein Proteinsequenzvergleich von VMAT1 und VMAT2 zeigt, dass die am stärksten variablen
Regionen im Bereich der ersten großen intravesikulären Schleife zu finden sind. Der Se-
quenzvergleich dieser Region ist gemeinsam mit einem Modell des VMAT2 in Abbildung 4
dargestellt. Über die Funktion und Bedeutung dieser Schleife für die Transporteraktivität gibt
es keine Informationen, sie enthält jedoch fünf potentielle Glykosylierungsstellen.
Ergebnisse
49
Abbildung 4: Schematische Darstellung des rVMAT2 sowie eines Sequenzalignements von rVMAT1
und rVMAT2 im Bereich vor und nach der ersten luminalen Schleife.
Die farblich markierten Bereiche der ersten intravesikulären Schleife zeigen eine starke Variabilität zwischen
VMAT1 und VMAT2. Der am stärksten variable Bereich ist rot markiert. Für die schematische Darstellung des
VMAT2 wurde die Transmembranprotein-Display-Software TOPO2 verwendet
(http://www.sacs.ucsf.edu/TOPO2/). Das Sequenzalignment wurde mit der Software Clustal W
(http://www.ebi.ac.uk/Tools/clustalw/index.html; Chenna et al., 2003) erstellt.
5.2.1 Die Deletion der ersten intravesikulären Schleife beeinflusst die
Expression der VMAT2-Konstrukte in CHO-Zellen nicht
Um zu untersuchen, ob Teile der ersten intravesikulären Schleife an der intravesikulären
Bestimmung der Monoaminkonzentration beteiligt sind, wurden cDNA’s für rekombinante
Transportermoleküle hergestellt. Ausgehend von der VMAT2-cDNA der Ratte, die im Vektor
pcDNA3.1 vorlag, wurden mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) und Religation der gene-
rierten cDNA-Fragmente mutierte cDNA’s des VMAT2 erzeugt. Es wurden zwei verschiede-
ne cDNA-Konstrukte hergestellt. Bei einem wurde die gesamte erste intravesikuläre Schleife
(P42-V130) durch 5 Glyzinreste substituiert. Da nicht bekannt war, ob komplette Deletio-
nen dieser Schleife mit einem Funktionsverlust verbunden sind, wurde zusätzlich nur der
zwischen VMAT1 und VMAT2 am stärksten variable, zentrale Bereich (Q61-T113) der ers-
ten intravesikulären Schleife deletiert. Die so erzeugten cDNA’s wurden nach Klonierung in
den Vektor pcDNA3.1 sequenziert und anschließend in CHO-Zellen transfiziert. Nach Selek-
tion und Vereinzelung wurden die transfizierten Zellklone herangezogen und durch Immun-
fluoreszenz auf die Expression der VMAT2-Konstrukte überprüft. Ein Schema der erzeugten
Ergebnisse
50
VMAT2-Konstrukte sowie die Immunfärbung mit Anti-VMAT2-Antikörper ist in Abbildung 5
dargestellt. Dabei zeigte sich, dass die verschiedenen, mutierten VMAT-Konstrukte, wie
auch die unveränderten VMAT2, durch den Antikörper erkannt werden und in den stabil
transfizierten CHO-Zellen vorliegen.
Abbildung 5: Schematische Darstellung der ersten luminalen Schleife des rVMAT2 und der mutierten
rVMAT2-Konstrukte sowie Nachweis der Proteinexpression in stabil transfizierten CHO-
Zellen.
Ausgehend von der cDNA des rVMAT2 wurden VMAT2-Konstrukte hergestellt, denen der zentrale Teil der lumi-
nalen Schleife (rot; Aminosäuren Q61-T113) entfernt wurde bzw. bei denen die gesamte luminale Schleife durch
fünf Glyzinreste (blau) ersetzt wurde. Mit diesen Konstrukten wurden CHO-Zellen stabil transfiziert. Die Überprü-
fung der Expression der transfizierten Transportermoleküle erfolgte durch Immunfärbung und ist jeweils darunter
dargestellt. Alle diese Arbeiten erfolgten in Zusammenarbeit mit Dr. S. Rachakonda.
5.2.2 Die Deletion der ersten intravesikulären Schleife verändert den
Monoamintransport in transfizierten CHO-Zellen nicht
Nach Überprüfung der Expression der verschiedenen VMAT2-Konstrukte wurde anschlie-
ßend deren Funktionalität in Neurotransmitteraufnahmetests untersucht. In Versuchen mit
permeabilisierten CHO-Zellen, die mit Wildtyp- oder mutiertem VMAT2 transfiziert waren,
zeigte sich unter identischen Reaktionsbedingungen eine gleichmäßige [
3
H]-
Serotoninaufnahmerate von 4-5 pmol / mg Protein (Abbildung 6). Weitere [
3
H]-
Serotoninaufnahmeexperimente mit ansteigenden Konzentrationen nichtmarkierten Seroto-
nins wurden zur Ermittlung der K
M
-Werte der verschiedenen Transporterkonstrukte durchge-
führt. Die Kinetiken dafür sind in Abbildung 6 aufgeführt. Aus den Kinetiken wurde mittels-
nichtlinearer Regression durch Einsatz der Software GraphPadPrism der K
M
-Wert berech-
Ergebnisse
51
net. Für den VMAT2 und VMAT2P42-V130 wurden vergleichbare K
M
-Werte von 13 bzw.
12 µM ermittelt. Der K
M
-Wert für VMAT2Q61-T113 war mit 6 µM leicht erniedrigt.
Abbildung 6: Kinetik des Serotonintransports von CHO-Zellen die mit VMAT2-cDNA bzw. mutierten
VMAT2-cDNA-Konstrukten transfiziert sind.
Stabil transfizierte CHO-Zellen wurden permeabilisiert und die Serotoninaufnahme für 10 Minuten bei 37°C un-
tersucht. Für die verschiedenen transfizierten Zelllinien war eine gleichmäßige [
3
H]-Serotoninaufnahme zu beo-
bachten. In Folgeexperimenten wurden bei der [
3
H]-Serotoninaufnahme steigende Mengen nichtmarkierten Se-
rotonins zugesetzt, um die für die Kinetiken höheren Konzentrationen einzustellen. Die Kinetiken wurden mit der
GraphPadPrism Software ausgewertet. Die dabei bestimmten K
M
-Werte lagen im Bereich von 6 - 13 µM.
5.2.3 Die Deletion der ersten intravesikulären Schleife des VMAT2 führt
in CHO-Zellen zu einem Verlust der Regulation durch G-Proteine
Um zu überprüfen, ob sich die Deletion der ersten intravesikulären Schleife auf die G-
Protein-vermittelte Regulation des Monoamintransports auswirkt, wurden die verschiedenen
transfizierten VMAT-Zelllinien nach Permeabilisierung der Plasmamembran mit 1 mM No-
radrenalin vorinkubiert, um die intrazellulären Strukturen mit Monoaminen zu füllen. Alterna-
tiv erfolgte die Inkubation mit 500 nM Anpirtolin, einem 5HT1B-Rezeptoragonisten. Für bei-
de Substanzen war bekannt, dass sie in CHO-Zellen die G-Protein-vermittelte Hemmung
induzieren. Anschließend wurde die vesikuläre Serotoninaufnahme in An- und Abwesenheit
von GMP-P(NH)P bestimmt. Die induzierte Hemmung ist in Abbildung 7 auch bei CHO-
Zellen zu beobachten, die mit der Wildtyp VMAT2 cDNA transfiziert waren. Hingegen ist in
Ergebnisse
52
Zellen, die mit VMAT2Q61-T113 bzw. VMAT2P42-V130 transfiziert waren, diese G-
Protein-vermittelte Regulation nicht mehr oder nur sehr schwach ausgeprägt.
Abbildung 7: GMP-P(NH)P-vermittelte Hemmung der Serotoninaufnahme in permeabilisierten CHO-
Zellen, die mit verschiedenen rVMAT2-Konstrukten transfiziert sind.
Stabil transfizierte CHO-Zellen wurden permeabilisiert und für 10 Minuten bei 37°C mit 1 mM Noradrenalin bzw.
500 nM des 5HT1B-Agonisten Anpirtolin inkubiert. Anschließend wurde die Serotoninaufnahme mit und ohne
100 µM GMP-P(NH)-P durchgeführt. Die Serotoninaufnahme ohne GMP-P(NH)P wurde als 100 % festgelegt, die
durch GMP-P(NH)P verursachte prozentuale Hemmung ist dargestellt.
Die durch eine GMP-P(NH)P vermittelte Hemmung nach Vorinkubation mit 1 mM Noradrenalin bzw. 500 nM
Anpirtolin ist in mit Wildtyp-VMAT2-DNA transfizierten Zellen deutlich. CHO-Zellen, die mit mutierter VMAT2-
cDNA transfiziert sind, zeigen nach der Vorinkubation keine bzw. nur eine geringe GMP-P(NH)P vermittelte
Hemmung.
5.3 Die intravesikuläre Erkennungsstruktur des VMAT1
5.3.1 Eine α
αα
α1-Rezeptor-ähnliche Struktur reguliert die Monoamin-
speicherung durch den VMAT1
In Anlehnung an die Beobachtung, dass eine 5HT1B-Rezeptor-ähnliche Struktur für die Be-
stimmung des intravesikulären Monoamingehalts im VMAT2-System verantwortlich ist, wur-
den die zur Verfügung stehenden Systeme CHO-VMAT1-Zellen sowie PC12-Zellen, für die
Charkterisierung des VMAT1 untersucht. Untersuchungen in CHO-VMAT1-Zellen, die von
Frau Dr. Irene Brunk ausgeführt wurden, zeigten, dass im Gegensatz zu CHO-VMAT2-
Zellen nicht eine 5-HT1B-ähnliche, sondern eine α1-Rezeptor-ähnliche Struktur an der Be-
stimmung der intravesikulären Monoaminspiegel beteiligt ist (Brunk et al., 2006). Um die
Ergebnisse
53
dabei erzielten Beobachtungen in einem weiteren System zu untersuchen, wurden PC12-
Zellen, die ausschließlich den VMAT1 exprimieren, untersucht. Nach der Permeabilisierung
wurden die PC12-Zellen mit 500 nM des α1-Rezeptorantagonisten Prazosin vorinkubiert. Im
darauffolgenden [
3
H]-Serotoninaufnahmetest mit und ohne GMP-P(NH)P konnte nach Pra-
zosin-Vorbehandlung im Gegensatz zu unbehandelten Zellen und solchen, die mit dem
5HT1B-Rezeptorantagonisten Isamoltan behandelt wurden, keine G-Protein-vermittelte
Hemmung mehr beobachtet werden (Abbildung 8).
Abbildung 8: Effekte des α
αα
α1-Rezeptorantagonisten Prazosin und des 5HT1B-Rezeptorantagonisten
Isamoltan auf die GMP-P(NH)P-vermittelte Hemmung der [
3
H]-Serotoninaufnahme in
permeabilisierten PC-12 Zellen.
Nach einer Vorinkubation permeabilisierter PC12-Zellen mit 500 nM Prazosin ist im Gegensatz zur Vorinkubation
mit 500 nM Isamoltan und zu Kontrollbedingungen keine durch GMP-P(NH)P verursachte Hemmung zu beo-
bachten.
Die Neurotransmitteraufnahme wurde nach zehnminütiger Vorinkubation der permeabilisierten Zellen mit Prazo-
sin bzw. Isamoltan durchgeführt. Die Serotoninaufnahme ohne GMP-P(NH)P wurde als 100% festgelegt, die
durch das GTP-Analogon verursachte Hemmung der Neurotransmitteraufnahme in Prozent ist dargestellt.
5.3.2 Auch in VMAT1-transfizierten Zellen ist die erste intravesikuläre
Schleife an der G-Protein-vermittelten Regulation beteiligt
Um zu überprüfen, ob an der α1-Rezeptor-ähnlichen Struktur des VMAT1 auch die erste
intravesikuläre Schleife beteiligt ist, wurden wie bei der Untersuchung des VMAT2 (5.2.1),
cDNA-Konstrukte des VMAT1 hergestellt, denen Teile der ersten intravesikulären Schleife
Ergebnisse
54
fehlen. Für das Konstrukt VMAT1H62-V117 wurden CHO-Zellen transfiziert und nach der
Selektion und Vereinzelung stabil transfizierte Zelllinien erzeugt. Mittels Immunfluoreszenz
konnte die Expression des Konstruktes nachgewiesen werden. Auch in funktionellen Tests
der Transporteraktivität konnte eine reserpinsensitive [
3
H]-Serotoninaufnahme beobachtet
werden, die allerdings um den Faktor vier kleiner war, als bei vergleichbaren Wildtyp-
konstrukten. Nach Vorbeladung permeabilisierter Zellen und Vorinkubation mit 1 mM Adre-
nalin bzw. 500 nM des α1-Rezeptoragonisten Cirazolin war in mit VMAT1 transfizierten
Zellen eine G-Protein-vermittelte Hemmung zu beobachten. Das war auch bei den
VMAT1H62-V117-Konstrukten zu erkennen, im Vergleich mit CHO-VMAT1-Zellen aller-
dings in einem signifikant geringeren Ausmaß (Abbildung 9). Diese Beobachtung deutet
darauf hin, dass auch bei VMAT1 die erste intravesikuläre Schleife an der G-Protein-
vermittelten Regulation beteiligt ist.
Abbildung 9: GMP-P(NH)P-vermittelte Hemmung der Serotoninaufnahme in permeabilisierten CHO-
Zellen, die mit verschiedenen rVMAT1-Konstrukten transfiziert sind.
Mit rVMAT1 und mutierter VMAT1-cDNA stabil transfizierte CHO-Zellen wurden permeabilisiert und für 10 Minu-
ten mit 1 mM Adrenalin bzw. 500 nM des α1-Agonisten Cirazolin inkubiert. Anschließend wurde die Serotoni-
naufnahme mit und ohne GMP-P(NH)P gemessen. Die Serotoninaufnahme ohne GMP-P(NH)P wurde als 100 %
festgelegt, die durch GMP-P(NH)P vermittelte Hemmung in Prozent ist dargestellt.
Die durch GMP-P(NH)P vermittelte Hemmung in CHO-Zellen mit mutierten VMAT1-Konstrukten ist nach der
beschriebenen Vorbehandlung gegenüber Wildtyp rVMAT1-Zellen deutlich reduziert. Die Expression der Trans-
portermoleküle wurde durch Immunfärbung nachgewiesen.
Ergebnisse
55
5.4 Zytoplasmatische Strukturen des VMAT2 die an der
Signaltransduktion beteiligt sein könnten
Wie die vorangegangenen Untersuchungen zeigten, besitzen der VMAT2 und auch der
VMAT1 eine rezeptorähnliche Struktur, die in das Vesikellumen ragt und nach Aktivierung
durch intravesikuläre Monoamine zu einer Aktivierung der Go2α-Untereinheit führt. Ob diese
Aktivierung direkt durch den VMAT ausgelöst wird oder andere Signalmoleküle dazwi-
schengeschaltet oder zusätzlich daran beteiligt sind, ist unklar. In einem nächsten Schritt
sollte deshalb überprüft werden, ob zytoplasmatische Anteile des VMAT2 an dieser Signal-
weiterleitung beteiligt sind. Da VMAT-regulierende Signale beider VMAT-Isoformen durch
die gleiche G-Proteinuntereinheit Go2α vermittelt werden, sollten homologe Bereiche an der
Signalweiterleitung ins Zytosol beteiligt sein. Zytoplasmatische Bereiche die einen hohen
Grad an Homologie aufweisen sind der N- und C-terminale Anteil der Transporter und die
Region zwischen den Transmembrandomänen VI und VII. In einem ersten Ansatz wurden
deshalb mutierte cDNA des VMAT2 hergestellt, bei der die Region zwischen den Trans-
membrandomänen VI und VII durch fünf Glyzinreste ausgetauscht wurde. Bei zwei weiteren
Konstrukten wurde der C-terminale Bereich nach der Transmembrandomäne XII (Aminosäu-
ren R472-D515) entfernt oder der mittlere Teil des C-Terminus, die Aminosäuren R472
Y504 (hellblau, siehe Abbildung 10), deletiert.
Abbildung 10: Schematische Darstellung des rVMAT2 sowie verschiedener Sequenzvergleiche von
rVMAT1 und rVMAT2 im N-terminalen Bereich, zwischen Transmembrandomäne 6 und 7
sowie im C-terminalen Bereich.
Da sowohl VMAT1 und VMAT2 an der Signalübermittlung aus dem Vesikellumen beteiligt sind, galt es herauszu-
finden, welche zytoplasmatischen Bereiche an der Signalweiterleitung beteiligt sein könnten. Die Neurotransmit-
terspeicherung wird bei beiden Transportern durch Go2α reguliert. Daher sollten homologe Bereiche für die
Signaltransduktion ins Zytoplasma eher in Betracht kommen. Die farblich markierten Bereiche kennzeichnen
Ergebnisse
56
stärker homologe zytoplasmatische Transporterregionen des VMAT2, die mittels Mutagenese ganz oder teilwei-
se entfernt wurden. Die Region zwischen Transmembrandomäne VI und VII (dunkelblau) wurde gegen 5 Glyzin-
reste substituiert. Der mittlere Teil des C-Terminus (hellblau) wurde einzeln oder in Kombination mit der unmit-
telbar C-terminalen Region (lila) deletiert. r die Darstellung des rVMAT2 wurde das Programm TOPO2 ver-
wendet. Der Sequenzvergleich wurde mit der Software Clustal W erstellt; A: N-Terminus; B: Region zwischen
Transmembrandomäne VI und VII; C: C-Terminus.
5.4.1 Die Substitution der Aminosäuren P273-D292 durch 5 Glyzinreste
führt zum Verlust der Transportaktivität des VMAT2
Wie unter Punkt 5.4 gezeigt, wurden VMAT2 cDNA-Konstrukte hergestellt, bei denen die
Aminosäuren P273-D292 der zytoplasmatischen Region zwischen Transmembrandomäne
VI und VII gegen 5 Glyzinreste ausgetauscht wurden. Die Konstrukte wurden in CHO-Zellen
transfiziert, und nach Vereinzelung wurden stabil transfizierte CHO-Zelllinien selektiert. Die
Expression des mutierten VMAT2 konnte mittels Immunfluoreszenz überprüft werden. Im
Gegensatz dazu konnte in keinem der 23 untersuchten CHO-Zellklone in [
3
H]-Serotonin-
aufnahmeexperimenten eine Neurotransmitteraufnahme und -speicherung nachgewiesen
werden (Abbildung 11). Gemeinsam mit den Fluoreszenzdaten deutet das darauf hin, dass
die Deletion der Aminosäuren P273-D292 zu einem Verlust der Transportaktivität des VMAT
führt.
Abbildung 11: Serotoninaufnahme in permeabilisierten CHO-Zellen, die mit rVMAT2 und rVMAT2-
Konstrukten transfiziert sind. Bei den veränderten VMAT-Konstrukten wurde der zy-
toplasmatische Bereich zwischen den Transmembrandomänen 6/7 gegen 5 Glyzinreste
substituiert.
Mit rVMAT2 und mutierter VMAT2-cDNA stabil transfizierte CHO-Zellen wurden permeabilisiert und für 10 Minu-
ten die Serotoninaufnahme gemessen. Von den mutierten rVMAT2-Konstrukten sind 4 Klone (von 24) mit der
höchsten Neurotransmitteraufnahme abgebildet. Die Expression der Transportermoleküle wurde durch Immun-
färbung nachgewiesen.
Ergebnisse
57
5.4.2 Deletionen im C-terminalen Bereich des VMAT2 beeinflussen die
G-Protein-vermittelte Regulation des VMAT2 nicht
Für die Untersuchung C-terminaler Sequenzen wurden mittels PCR und zwei unterschiedli-
cher Rückwärtsprimer zwei verschiedene cDNAs hergestellt. Mit diesen cDNA-Konstrukten
wurden CHO-Zellen stabil transfiziert und durch Immunfluoreszenz und [
3
H]-Neurotrans-
mitteraufnahmetests charakterisiert. Sowohl für CHO-VMAT2R472-D515, als auch für
CHO-VMAT2R472-Y504 konnten Klone identifiziert werden, die in Neurotransmitterauf-
nahmetests vergleichbare Neurotransmitteraufnahmeraten zeigten wie CHO-VMAT2-Zellen.
Wurden C-terminal mutierte VMAT exprimierende Zelllinien permeabilisiert und mit No-
radrenalin vorbeladen, so zeigten sie in [
3
H]-Serotoninaufnahmetests nach Zugabe von
GMP-P(NH)P - wie auch der VMAT2-Wildtyp - eine G-Protein-vermittelte Verminderung der
Neurotransmitteraufnahme, die in Abbildung 12 dargestellt ist. Eine Beteiligung des C-
Terminus an einer Signaltransduktion aus dem Vesikellumen ist daher unwahrscheinlich.
Abbildung 12: GMP-P(NH)P- vermittelte Hemmung der Serotoninaufnahme in permeabilisierten CHO-
Zellen, die mit verschiedenen C-terminal veränderten rVMAT2-Konstrukten transfiziert
sind.
Mit rVMAT2 und mutierter rVMAT2-cDNA stabil transfizierte CHO-Zellen wurden permeabilisiert und für 10 Minu-
ten mit 1 mM Noradrenalin inkubiert. Anschließend wurde die Serotoninaufnahme mit und ohne GMP-P(NH)P
gemessen. Die Serotoninaufnahme ohne GMP-P(NH)P wurde als 100 % festgelegt, die durch GMP-P(NH)P
vermittelte Hemmung in Prozent ist dargestellt.
Ergebnisse
58
Zwischen C-terminal mutierten und Wildtyp-rVMAT2-Konstrukten konnte kein Unterschied in der durch GMP-
P(NH)P vermittelten Hemmung beobachtet werden. Die Expression der Transportermoleküle wurde durch Im-
munfärbung nachgewiesen.
5.5 Nachgeschaltete Signaltransduktionswege der G-Protein-
vermittelten Regulation der VMAT
5.5.1 Einfluss von DbcAMP auf die G-Proteinregulation der VMAT
Durch Untersuchungen an permeabilisierten PC12-Zellen konnten Nakanishi und Kollegen
(Nakanishi et al., 1995a, Nakanishi et al., 1995b) zeigen, dass cAMP die vesikuläre Neu-
rotransmitteraufnahme konzentrationsabhängig vermindert. In ersten Versuchen zur Aufklä-
rung der beteiligten nachgeschalteten Signaltransduktionswege sollte deshalb der Einfluss
von DbcAMP auf die Serotoninaufnahme sowohl in permeabilisierten BON-Zellen, als auch
in permeabilisierten PC12-Zellen, untersucht werden. Gleichzeitig sollte der Einfluss der
cAMP-Behandlung auf die G-Protein-vermittelte Regulation der VMAT überprüft werden.
Dazu wurden BON bzw. PC12-Zellen für zwei Stunden mit dem membrangängigen cAMP-
Analogon DbcAMP (300 µM) inkubiert, danach permeabilisiert und ein [
3
H]-
Serotoninaufnahmetest durchgeführt.
In beiden neuroendokrinen Zelllinien zeigte sich, dass durch die Vorbehandlung mit
DbcAMP die Neurotransmitteraufnahme reduziert wurde. Wie in Abbildung 13 dargestellt ist,
konnte die G-Protein-vermittelte Reduktion der Neurotransmitteraufnahme auch nach der
DbcAMP-Vorbehandlung beobachtet werden. In neuroendokrinen Zellen scheinen daher
cAMP und GMP-P(NH)P die Monoaminaufnahme auf unterschiedliche Weise zu beeinflus-
sen, wodurch ein alleiniger Einfluss des aktivierten G-Proteins auf die Adenylylzyklase aus-
geschlossen werden kann.
Ergebnisse
59
Abbildung 13: GMP-P(NH)P- vermittelte Hemmung der Serotoninaufnahme in permeabilisierten BON
und PC12-Zellen mit und ohne Vorinkubation mit DbcAMP.
BON und PC12-Zellen wurden 2 h mit und ohne 300 µM DbcAMP in serumfreien Medium inkubiert. Anschlie-
ßend wurde die Serotoninaufnahme bestimmt.
In BON und PC12-Zellen führte eine Vorinkubation mit DbcAMP zu einer Reduktion der Neurotransmitterauf-
nahme. Die durch GMP-P(NH)P vermittelte Hemmung bleibt nach DbcAMP-Vorbehandlung bestehen und be-
trägt wie bei unbehandelten Zellen ca. 75 % (BON-Zellen) und ca. 40 % (PC12-Zellen).
5.5.2 Die Überexpression von CAPS1 und CAPS2 steigert die
Monoaminaufnahme in CHO-VMAT-Zellen
Ein weiteres Protein, von dem erst kürzlich ein Einfluss auf die Monoaminspeicherung ge-
zeigt werden konnte, ist CAPS1 (calcium-dependent activator protein for secretion). Speidel
und Mitarbeiter (Speidel et al., 2005) konnten in CAPS1-Deletionsmutanten zeigen, dass die
Granula chromaffiner Zellen weniger gefüllt waren. Das ist auf eine verminderte Speiche-
rungsfähigkeit zurückzuführen. Daher sollte CAPS1 und eine zweite Isoform CAPS2 in
CHO-VMAT1- und CHO-VMAT2-Zellen exprimiert und die Neurotransmitteraufnahme in
permeabilisierten Zellen untersucht werden. Dazu wurden CHO-VMAT1 und CHO-VMAT2
Zellen transient mit pcDNA3.1CAPS1IRESEGFP bzw. pcDNA3.1CAPS2IRESEGFP (freund-
licherweise zur Verfügung gestellt von Prof. Nils Brose, MPI für experimentelle Medizin, Göt-
tingen) transfiziert. Die Expression von CAPS1 und CAPS2 wurde mittels EGFP-
Fluoreszenz nachgewiesen. Die Zellen wurden dann mit SLO permeabilisiert und [
3
H]-
Serotoninaufnahmetests mit steigenden Konzentrationen nicht-markierten Serotonins unter-
zogen. Dabei zeigte sich nach transienter Transfektion beider CAPS-Isoformen eine gestei-
gerte Serotoninaufnahme über einen weiten Konzentrationsbereich - sowohl in CHO-
Ergebnisse
60
VMAT1, als auch in CHO-VMAT2-Zellen (Abbildung 14). CAPS-Proteine sind daher ein Fak-
tor, der die Neurotransmitteraufnahme steigern kann.
Abbildung 14: Einfluss der transienten Expression von CAPS1 bzw. CAPS2 auf die Neurotransmitter-
aufnahme in CHO-VMAT1 und CHO-VMAT2-Zellen.
Ergebnisse
61
Stabil transfizierte CHO-VMAT-Zellen wurden transient mit CAPS1 bzw. CAPS2 oder zur Kontrolle nur mit EGFP
transfiziert. Für die Neurotransmitteraufnahme wurden die Zellen permeabilisiert und die Serotoninaufnahme für
10 Minuten bei 37°C untersucht. [
3
H]-Serotonin wurde mit steigenden Mengen nichtmarkiertem Serotonin ge-
mischt, um die für die Kinetiken höheren Konzentrationen einzustellen.
Die Kontrolle der CAPS1- bzw. CAPS2-Expression erfolgte durch Nachweis der EGFP-Färbung.
5.6 Bedeutung der Regulation des vesikulären Monoamin-
transports durch heterotrimere G-Proteine
5.6.1 Die Inaktivierung von Go2α
αα
α durch Pertussistoxin führt zu einer
Verminderung der Monoaminaufnahme in PC12 Zellen
Neben der Untersuchung der Signaltransduktionswege, die die Monoaminspeicherung in
synaptischen Vesikeln beeinflussen, war ein weiterer zentraler Untersuchungsschwerpunkt,
Hinweise für die Relevanz der G-Protein vermittelten Regulation zu finden.
In einem ersten Ansatz sollte daher analysiert werden, inwiefern eine Inaktivierung von
Go2α die Serotoninaufnahme in PC12-Zellen beeinflusst. Die G-Proteinuntereinheit Go2α
sollte durch Behandlung mit Pertussistoxin inaktiviert werden. Bei diesem Toxin handelt es
sich um ein Toxin des Bakteriums Bordetella pertussis, das durch seine ADP-
Ribosyltransferaseaktivität spezifisch die Gα-Untereinheiten heterotrimerer G-Proteine der
Gi/o Klasse inaktiviert, indem sie in ihrer GDP-gebundenen Form fixiert werden.
Da nach G-Protein-Aktivierung eine Verminderung der Neurotransmitterspeicherung auftritt,
wurde erwartet, dass bei der Inaktivierung des G-Proteins eine gesteigerte Neurotransmitte-
raufnahme beobachtet werden kann. Wie in Abbildung 15 dargestellt, konnte nach 24-
stündiger Vorinkubation von PC12-Zellen mit Pertussis-Toxin das Gegenteil - eine vermin-
derte [
3
H]-Serotoninaufnahme - beobachtet werden.
Ergebnisse
62
Abbildung 15: Serotoninaufnahme in permeabilisierten PC12-Zellen nach Vorinkubation mit Pertussis
Toxin (Ptx).
Die Zellen wurden für 24 h in serumfreien Medium mit bzw. ohne 300 nM Ptx inkubiert. Danach wurden die Zel-
len permeabilisiert und die Serotoninaufnahme gemessen.
Nach einer Inaktivierung der Gi/o-α-Proteine durch Ptx-Behandlung war eine Reduktion der Neurotransmit-
teraufnahme zu beobachten.
5.6.2 Die Inaktivierung von Go2α
αα
α durch Pertussis Toxin führt in BON-
Zellen zu einem verminderten Monoamingehalt
In einem nächsten Schritt sollte überprüft werden, inwiefern die Serotoninspeicherung in
intrazellulären Speicherorganellen durch die Inaktivierung von Go2α beeinflusst wird. Dazu
sollten einerseits unter normalen Bedingungen kultivierte BON-Zellen sowie BON-Zellen, die
in Gegenwart erhöhter Serotoninkonzentrationen kultiviert wurden, untersucht werden. Wie
unter Punkt 5.6.1 beschrieben, wurden Zellen dazu für 24 Stunden mit bzw. ohne Pertus-
sistoxin kultiviert. Nach der Zellernte wurden die Zellen durch mehrfache Passage durch
eine 27G-Kanüle aufgeschlossen und in einem ersten Zentrifugationschritt der postnukleäre
Überstand gewonnen. In einem zweiten hochtourigen Zentrifugationsschritt wurden Memb-
ranfraktion (MF) und Zytosol voneinander getrennt. Die gesammelten Fraktionen wurden
dann mittels HPLC-EC und Proteinbestimmung analysiert und der Serotoningehalt be-
stimmt. Dabei zeigte sich nach Ptx-Behandlung sowohl bei BON-Zellen, die unverändert
bzw. zusätzlich in Gegenwart von 30 µM Serotonin kultiviert wurden, in der Membranfraktion
und in der zytosolischen Fraktion ein verminderter Serotoningehalt (siehe Abbildung 16).
Ergebnisse
63
Abbildung 16: Serotoningehalt in Membranfraktion (MF) und Zytosol von mit und ohne Pertussis Toxin
(Ptx) behandelten BON Zellen nach 24-stündiger Inkubation mit und ohne 30 µM Seroto-
nin.
Die Zellen wurden nach der Inkubation von den Zellkulturschalen gelöst und in Homogenisierungspuffer re-
suspendiert. Anschließend erfolgte der Aufschluss durch 40-faches Resuspendieren mit einer 27G-Nadel. Nach
der Zentrifugation bei 3000 x g wurde der postnukleare Überstand bei 350.000 x g sedimentiert (MF). Der ver-
bliebene Überstand (Zytosol) wurde ebenfalls mittels HPLC-EC vermessen.
Nach Behandlung mit 300 nM Ptx ist in allen Fraktionen eine signifikante Reduktion des Serotoningehalts zu
verzeichnen. Auch nach Vorinkubation in der Gegenwart mit 30 µM Serotonin, wodurch der Serotoningehalt
insgesamt erhöht ist, ist eine Abnahme des Serotoningehaltes nach Vorinkubation mit Ptx zu beobachten.
5.6.3 Go2α
αα
α-Deletionsmutanten haben gegenüber Wildtyptieren einen
verminderten striatalen Dopaminspiegel
Da in den vorangegangenen Experimenten mit PC12 und BON-Zellen die Beeinflussung
des Monoaminspiegels durch Inaktivierung von Go2α gezeigt werden konnte, sollte nach-
folgend der Einfluss der Deletion von Go2α auch in vivo im Mausmodell untersucht werden.
Die Deletionsmutanten (Dhingra et al., 2002) wurden freundlicherwiese durch Prof. Lutz
Birnbaumer, National Institute of Environmental Health Sciences, Research Triangle Park,
North Carolina, zur Verfügung gestellt. Bei den folgenden Untersuchungen wurden die Ge-
hirnregionen Frontalkortex, Hippocampus, Bulbus olfactorius, Hypothalamus und Cerebel-
lum präpariert und ausgewogen. Der jeweilige Monoamingehalt wurde mittels HPLC-EC
bestimmt und auf die untersuchte Menge Feuchtgewicht bezogen (pg / mg Feuchtgewicht).
Die Analysen wurden in Kooperation mit Frau Prof. Dr. Hörtnagl durchgeführt. In Untersu-
chungen des Gesamthirns von zwei (P2), vier (P4) und acht (P8) Tage alten Wildtypmäusen
und Go2α-Deletionsmutanten konnten keine Unterschiede des Gehalts an Serotonin, Do-
pamin und Noradrenalin und deren Metaboliten beobachtet werden. Bei zwölf Tage alten
Ergebnisse
64
Tieren war es erstmals möglich, die Gehirnregionen Hippocampus, Hypothalamus, Frontal-
cortex sowie Striatum zu präparieren und getrennt zu untersuchen. Dabei zeigte sich ein
verminderter Dopamingehalt des Striatums, der auch in adulten Tieren beobachtet werden
konnte (Abbildung 17). In allen anderen Regionen konnte keine signifikante Veränderung
des Monoamingehalts beobachtet werden.
Abbildung 17: HPLC-EC-Analyse des Striatums von Wildtyp und Go2α
αα
α-Deletionsmutanten von P12-
und adulten Mäusen.
Das Striatum wurde aus tiefgefrorenem Gehirn auf einer Kühlplatte (-20°C) präpariert und dann mittels HPL C-EC
vermessen. Pro Versuchsgruppe wurden die Gehirnareale von sechs Tieren analysiert. Angegeben sind Mittel-
wert +/- SEM.
Sowohl P12 als auch adulte Tiere zeigen eine Verminderung des Dopamingehalts im Striatum von Go2α-
Deletionsmutanten gegenüber Wildtypmäusen.
Die Bestimmung der Monoamine erfolgte in Zusammenarbeit mit Frau Professor Dr. Heide Hörtnagl, Institut für
Pharmakologie der Charitè.
5.6.4 Verhaltensveränderungen bestätigen den veränderten
Dopaminmetabolismus in Go2α
αα
α-Deletionsmutanten
Da eine Vielzahl von Gehirnfunktionen über Dopamin reguliert wird, (u.a. Bewegung, Kogni-
tion sowie Emotionen) und das dopaminerge System leicht durch verschiedene Substanzen
beeinflussbar ist, sollte in Versuchen überprüft werden, ob sich der im Striatum veränderte
Dopamingehalt auch auf Verhaltensebene wiederspiegelt. Das war insbesondere von Inte-
resse, da Go2α-Deletonsmutanten scheinbar keine offensichtlichen Veränderungen aufwei-
sen (Jiang et al., 1998; Dhingra et al., 2000; 2002). Bei Kooperationspartnern, der Arbeits-
gruppe von Prof. Dr. Rainer Spanagel am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mann-
heim, wurden Wildtyptiere und Go2α-Deletionsmutanten einer repetitiven Behandlung mit
den Psychostimulantien Kokain bzw. Amphetamin unterzogen. Die durch Substanzgabe
Ergebnisse
65
induzierte Bewegung wurde nach jeder Applikation zur Ermittlung der substanzinduzierten
Sensitivierung gemessen. Nach der vierten Applikation wurden die Mäuse einem Conditio-
ned Place Preference Test (CPP-Test) unterzogen. Dabei zeigten sich im CPP-Test, der ein
Mfür die substanzvermittelten Belohnungseffekte und damit den Einsatz von Suchtver-
halten ist, keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen (nicht gezeigt). Im Gegensatz dazu
traten Unterschiede in der substanzinduzierten Bewegung zwischen Wildtyptieren und
Go2α-Deletionsmutanten bei einzelner und wiederholter Substanzapplikation auf. Bei der
Einzelapplikation konnte beobachtet werden, dass die Go2α-Deletionsmutanten eine gerin-
gere Bewegungsaktivität aufweisen. Diese ergibt aber nur nach Gabe von Amphetamin ei-
nen signifikanten Unterschied. Bei wiederholter Substanzgabe war bei Wildtyptieren zu be-
obachten, dass sowohl bei Amphetamin, als auch bei Kokain, eine mit jeder Injektion zu-
nehmende Bewegungsrate - die substanzvermittelte Sensibilisierung - auftritt. Hingegen ist
diese substanzvermittelte Sensibilisierung bei den Go2α-Deletionsmutanten nur nach Am-
phetamininjektion, allerdings auf einem verminderten Niveau, zu beobachten. Nach wieder-
holter Injektion von Kokain war keine Sensibilisierung in Go2α-Deletionsmutanten zu erken-
nen (Abbildung 18).
Ergebnisse
66
Abbildung 18: Einfluss der akuten und wiederholten Injektion von Kokain bzw. Amphetamin auf die
Bewegungsaktivität von Wildtyp und Go2α
αα
α-Deletionsmutanten.
Nach Adaption an die Umgebung erhielten die Mäuse entweder eine Salz-, Kokain- (10 mg/kg; i.p.)
oder Am-
phetamininjektion (2 mg/kg; i.p.). Einzelapplikationen erhöhten die Bewegungsaktivität in Wildtypmäusen und
auch in Go2α-Deletionsmutanten. Dabei ist die Bewegungsaktivität in Go2α-Deletionsmutanten etwas geringer
als in Wildtypmäusen.
Mehrfachinjektionen von Kokain und Amphetamin führen bei Wildtyptieren zu einer Sensibilisierung (Erhöhung
der Bewegungsaktivität) nach wiederholter Substanzapplikation. Bei Go2α-Deletionsmutanten ist das nur nach
Injektionen mit Amphetamin zu beobachten, nicht aber nach Injektionen mit Kokain.
Diese Experimente wurden durch die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. R. Spanagel am Zentralinstitut für seelische
Gesundheit in Mannheim durchgeführt.
Um zu untersuchen, ob die beobachteten Verhaltensunterschiede durch unterschiedliche
Effekte von Kokain und Amphetamin bei der Neurotransmitteraufnahme und -speicherung in
beiden Genotypen beruhen, wurden abschließend Kontrollexperimente an Synaptosomen
durchgeführt. Dabei dienten intakte Synaptosomen als System für die zelluläre Aufnahme
und Speicherung und permeabilisierte Synaptosomen als System für die vesikuläre Auf-
Ergebnisse
67
nahme und Speicherung. An intakten Synaptosomen konnte gezeigt werden, dass sowohl 5
µM Kokain als auch 10 µM Amphetamin die zelluläre Dopaminaufnahme komplett hemmen
(Abbildung 19A). In permeabilisierten Synaptosomen ist bei beiden Genotypen in Gegen-
wart von 10 µM Amphetamin eine signifikant verminderte Aufnahme von Dopamin zu erken-
nen (19B). Die Behandlung mit 5 µM Kokain führt in den Go2α-Deletionsmutanten zu einer
leichten Verminderung der Neurotransmitteraufnahme. An intakten, mit
3
H-Dopamin vorbe-
ladenen Synaptosomen des Gesamthirns und des Striatums konnte verifiziert werden, dass
Amphetamin im Gegensatz zu Kokain in der Lage ist, nicht nur die Dopaminaufnahme zu
blockieren, sondern zusätzlich auch Dopamin in den Extrazellulärraum freizusetzen. Wie
Abbildung 19 C und D zu entnehmen ist, erfolgt die Freisetzung in Wildtyptieren und Go2α-
Deletionsmutanten gleichermaßen.
Abbildung 19: Einfluss von Kokain und Amphetamin auf die Neurotransmitteraufnahme und deren
Freisetzung in bzw. aus Synaptosomen von Wildtyptieren und Go2α
αα
α-
Deletionsmutanten.
A:Die Neurotransmitteraufnahme in intakte Synaptosomen wurde mit 100 nM [
3
H]-Dopamin sowie zusätzlich mit
und ohne 5 µM Kokain (Kok.) bzw. 10 µM Amphetamin (Amph.) für 10 Minuten bei 3C gemessen. Die unspezi-
fische Aufnahme wurde in Gegenwart von 20 µM GBR-12909 gemessen und vom Ergebnis der jeweiligen Mes-
Ergebnisse
68
sungen abgezogen. Sowohl Kokain als auch Amphetamin blockieren die [
3
H]-Dopaminaufnahme in die Synapto-
somen komplett.
B:Um den Einfluss auf die vesikuläre Neurotransmitteraufnahme zu untersuchen, wurden Synaptosomen beider
Stämme permeabilisiert und die reserpinsensitive [
3
H]-Dopaminaufnahme mit und ohne Kokain bzw. Ampheta-
min (Konzentrationen siehe A) bestimmt. Nur Amphetamin ist in der Lage, auch die vesikuläre [
3
H]-
Dopaminaufnahme zu reduzieren. In Go2α-Deletionsmutanten ist auch eine leichte Verminderung zu beobach-
ten.
C+D: Untersucht wurde auch der Einfluss von Kokain und Amphetamin auf die Freisetzung von [
3
H]-Dopamin
aus zuvor vorbeladenen Synaptosomen des Gesamthirns bzw. des Striatums. In beiden Fällen ist eine Freiset-
zung durch Amphetamin zu beobachten, die im Striatum erwartungsgemäß deutlicher ist.
5.7 Identifizierung von möglichen Zielen der Go2α
αα
α -vermittelten
Signaltransduktion durch das Yeast-two-Hybrid-System
Trotz der unter 5.5 identifizierten Faktoren cAMP und CAPS, die die Neurotransmitterauf-
nahme beeinflussen, bleibt der Zusammenhang mit der durch Go2αvermittelten Reduktion
der Neurotransmitteraufnahme und -speicherung ungeklärt. Zusätzlich belegen die unter 5.6
durchgeführten Untersuchungen, dass Go2α offensichtlich für die Regulation des Dopa-
minmetabolismus von Bedeutung ist, wobei möglicherweise beteiligte Signalkaskaden aber
unbekannt sind. Deshalb sollte in einem weiteren Ansatz durch Verwendung des Yeast-two-
Hybrid-Systems (Y2H) gezielt nach möglichen Effektoren der Go2α-Untereinheit gesucht
werden. Obwohl die Isoformen von Goα einen großen Anteil am Gehirngesamtprotein aus-
machen - gemeinsam mit Giα mehr als 1,5 % des Membranproteins (Sternweis & Robis-
haw, 1984) - wurde bisher nur nach Interaktionspartnern der Go1α-Isoform gesucht. Diese
unterscheidet sich aber in der GTPase-Domäne, die für die Interaktion mit Effektoren ver-
antwortlich ist, von Go2α.
Als Köderprotein (bait) für das Y2H-System wurde daher Go2αQ205L verwendet. Es han-
delt sich dabei um eine mutierte Gα-Untereinheit, die noch in der Lage ist, GTP zu binden,
der aber die GTPase Aktivität fehlt. Dadurch bleibt die G-Protein-Untereinheit konstitutiv
aktiv (Kroll et al., 1992). Mit diesem bait wurde eine cDNA-Bibliothek aus dem Mäusegehirn
durchgemustert.
5.7.1 Vorgehensweise bei der cDNA-Durchmusterung mittels Yeast-two-
Hybrid-System
Im Folgenden wird zunächst kurz die Vorgehensweise bei der Durchmusterung der cDNA-
Bibliothek beschrieben. Diese ist in Form eines Fließschemas auch in Abbildung 20 darge-
stellt. In den folgenden Abschnitten wird dann genauer auf die dabei beobachteten Ergeb-
nisse eingegangen.
Zu Beginn der Untersuchungen wurden, durch das Wachstum auf verschiedenen Minimal-
medien, die verwendeten Hefestämme AH109 und Y187 bezüglich ihres Phänotypes cha-
rakterisiert. Beide Stämme wuchsen nicht auf Minimalmedien ohne Tryptophan bzw. Leuzin.
Das war die Voraussetzung für die Selektion transformierter Hefezellen nach Einbringen der
Yeast-two-Hybrid-Vektoren für die Durchmusterung. Für die Selektion von transformierten
Ergebnisse
69
Hefezellen mit prey-Vektoren (pACT2), in denen die cDNA-Bibliothek vorlag, diente Leuzin
als Wachstumsmarker. Für die Selektion von transformierten Hefezellen mit bait-Vektoren
(pGBKT7), diente die Tryptophanauxotrophie der verwendeten Stämme. Um auszuschlie-
ßen, dass während der Durchmusterung ein Wachstum auch ohne Reportergenaktivierung
erfolgen konnte, durften beide Hefestämme ebenso nicht auf Minimalmedien ohne Adenin
bzw. Histidin wachsen. Sowohl Adenin als auch Histidin dienen im Stamm AH109 durch die
Reportergenprodukte ADE2 und HIS3 als Nachweis der Proteininteraktion. Beide Hefe-
stämme, AH109 und Y187, zeigten die gewünschten Wachstumseigenschaften. Allerdings
wies der Stamm AH109 ein leichtes Hintergrundwachstum auf Medium ohne Histidin auf.
Deshalb wurde dem Minimalmedium 1 mM 3-AT zugesetzt, wodurch das Hintergrundwachs-
tum, das vermutlich durch eine leichte konstitutive Expression des His3-Proteins verursacht
wird, unterbunden wurde. Bei 3-AT handelt es sich um einen Inhibitor des His3-Proteins.
Anschließend wurde der Hefestamm AH109 mit dem Vektor pGBKT7-GO2Q205L transfor-
miert, der das Fusionsprotein der Gal4-DNA-Bindungsdomäne mit dem konstitutiv aktiven
G-Protein Go2α, im Folgenden als
Gal4-DNABD-GO2QL bezeichnet, kodiert. Danach wur-
de die Expression dieses Fusionsproteins überprüft und getestet, ob das Protein Gal4-
DNABD-GO2QL allein einen Einfluss auf die Aktivierung der Reportergene (Wachstums-
marker) hat. Zur selben Zeit wurde der Titer der cDNA-Bibliothek aus dem Gehirn der Maus
bestimmt. Die cDNA-Bibliothek lag im Vektor pACT2, mit dem der Stamm E.coli BNN1202
transformiert wurde, vor. Die cDNA-Bibliothek wurde durch Wachstum auf LB-Medienplatten
amplifiziert. Danach wurde die cDNA mittels Plasmidpräparation isoliert und für die an-
schließende Transformation verwendet. Der mit dem bait-Vektor transformierte Hefestamm
AH109 wurde in Selektionsmedium ohne Tryptophan (SD-Trp) angezogen und kompetent
für die DNA-Aufnahme gemacht. Dann stand er für die Transformation zur Verfügung. Wäh-
rend einer ersten Transformation in kleinerem Maßstab wurde dann die bei der Transforma-
tion benötigte Menge der cDNA-Bibliothek optimiert, um eine möglichst große Anzahl unab-
hängiger Klone der cDNA-Bibliothek zu untersuchen. Ausgehend von der Transformations-
effizienz der Testtransformation wurde dann eine Durchmusterung im großen Maßstab
durchgeführt. Nach der Transformation wurden die Hefezellen auf QDO-Medium mit 3-AT
und X-α-Gal für 14-Tage inkubiert. Die gewachsenen Hefeklone wurden dann noch dreimal
nacheinander auf Selektionsmedium rekultiviert. Einerseits sollte das Wachstum überprüft
und andererseits die Anzahl unrelevanter cDNA-Plasmide in den Hefezellen für die nachfol-
gende Analytik reduziert werden. Anschließend wurde die Plasmid-DNA aus den Hefezellen
isoliert. Durch eine PCR mit dem pACT2 spezifischen Primerpaar wurde dann das cDNA-
Insert aller Klone amplifiziert und die Größe durch Agarosegelelektrophorese bestimmt.
Ähnlich große Fragmente wurden dann in einem weiteren Schritt mit einem häufig schnei-
denden Restriktionsenzym verdaut und in einem weiteren Elektrophoreseschritt analysiert,
Ergebnisse
70
um mögliche Dopplungen bei der Sequenzierung auszuschließen. Abschließend wurden die
Klone in dem E.coli Stamm DH5α amplifiziert, um ausreichend Material für die nachfolgende
Sequenzierung zu gewinnen. Nach Erhalt der Sequenzen wurden diese mittels BLAST (Ba-
sicLogicalAlignmentSearchTool)-Suche des European Bioinformatics Institute (EBI) mit Da-
tenbanken verglichen und in einem nächsten Schritt mit dem Program ClustalW (ebenfalls
EBI) Sequenzvergleiche ausgewertet. Bereits nach der Sequenzanalyse erkennbar falsch
positive Klone wurden durch Abgleich mit Datenbanken bekannter, falsch positiver Interakti-
onspartner ausgeschlossen (van Criekinge & Beyaert, 1999). Ebenso ausgeschlossen wur-
den Klone, die keine Protein-kodierenden Sequenzen enthielten. Auch der einheitliche Le-
serahmen von Gal4-DNA-AD mit dem jeweiligen Insert wurde geprüft und bei weiteren Un-
tersuchungen berücksichtigt, auch wenn bekannt ist, dass in Hefezellen translationelle Le-
serahmenverschiebungen auftreten können. Abschließend wurde der Hefestamm AH109
erneut mit den cDNAs der identifizierten Interaktionspartner transformiert, um danach eine
Verpaarung mit dem Hefestamm Y187 durchzuführen. Dieser lag neben dem bait-Vektor
auch mit verschiedenen Kontrollvektoren transformiert vor. So sollte die Interaktion der Klo-
ne mit Go2α
sowie die Spezifiät für diese Gα-Isoform überprüft werden.
Ergebnisse
71
Abbildung 20: Schematischer Ablauf des durchgeführten Yeast-two-hybrid-Screenings.
Eine ausführliche Beschreibung erfolgt im Text unter Punkt 5.7.1.
Ergebnisse
72
5.7.2 Vorbereitende Arbeiten
Zuerst wurde das Wachstum der beiden Hefestämme AH109 und Y187 auf Minimalmedien
jeweils ohne Tryptophan oder Leuzin (Vektormarker) bzw. Adenin oder Histidin (Reporter-
genmarker) überprüft. Bis auf den Stamm AH109, der auf Histidinmangelmedien ein leichtes
Hintergrundwachstum zeigte, wuchs keiner der beiden Stämme auf den Einzelselektions-
nährmedien. Um das Hintergrundwachstum zu verhindern, genügte es, dem Medium 1 mM
3-AT zuzusetzen.
Danach wurden beide Stämme mit den Vektoren pGBKT7Go2αWT, pGBKT7Go2αQ205L,
pGBKT7-lam und pGADT7T transformiert. Nach Wachstum auf den Selektionsmedien SD-
Trp bzw. SD-Leu wurden je 3ml-Flüssigkulturen angesetzt und nach 24 Stunden die Zellen
abzentrifugiert und das Hefegesamtprotein isoliert. Das Gesamtprotein wurde dann durch
SDS-PAGE aufgetrennt und auf Nitrozellulose geblottet. Die Proteine wurden dann mit anti-
Gal4-DNA-BD-Antikörper (Clontech) inkubiert (siehe Abbildung 21). Dabei zeigte sich, dass
in beiden Hefestämmen ein Fusionsprotein von ca. 62 kDa gebildet wird, das der erwarteten
Größe aus Go2α (40 kDa) und der Gal4-DNA-BD (22 kDa) entspricht. Auch für das Kon-
trollprotein Lamin C kann in beiden Hefestämmen die Expression eines ca. 40 kDa großen
Proteins beobachtet werden. Im Gegensatz dazu kann im Proteinextrakt aus Hefezellen, die
mit pGADT7T transformiert wurden und keine Gal4-DNA-BD enthalten, keine Proteinex-
pression nachgewiesen werden.
Für die Vervielfältigung der cDNA-Bibliothek musste zunächst der Titer der vorhanden
E.coli-Suspension bestimmt werden. Der Titer der verwendeten cDNA Bibliothek betrug
4,875 x 10
7
cfu / ml. Um die Anzahl unabhängiger Klone der cDNA-Bibliothek von 3,5 x 10
6
bei der Amplifikation aufrechtzuerhalten, wurde sicherheitshalber die dreifache Menge an
Klonen der cDNA-Bibliothek ausplattiert. Dazu wurden 215 µl der cDNA-Bibliothek à ca.
40000 cfu / 150 mm Medienplatte auf insgesamt 263 Medienplatten verteilt und für 48 h bei
30°C kultiviert. Abschließend wurden die Zellen in LB-Medium resuspendiert und von der
Hälfte der geernteten Zellen die Plasmid-DNA isoliert.
Ergebnisse
73
Abbildung 21: Western-Blot mit einem Anti-Gal4-DNA-BD Antikörper. Aufgetragen sind verschiedene
Hefeproteinaufarbeitungen der Stämme Y187 und AH109, die mit verschiedenen Kon-
troll- und bait-Vektoren transformiert sind.
Die Expression des Fusionsproteins aus Go2α-Untereinheit und Gal4-DNA-BD mit einer Größe von ca. 63 kDa
kann in beiden Hefestämmen nachgewiesen werden. Auch mit dem Kontrollvektor pGBKT7-lam transformierte
Zellen zeigen die Expression eines Fusionsproteins von ca. 40 kDa. Als Negativkontrolle konnte in Hefezellen,
die mit dem Fusionsprotein aus Gal4-Aktivierungsdomäne und dem SV40T-Antigen transformiert wurden, mit
dem Antikörper gegen die Gal4-DNA-BD kein Protein nachgewiesen werden.
5.7.3 Sequenzielle Transformation von bait- und prey-Vektoren
Bei der sequenziellen Transformation wurden die Hefezellen, nach Transformation des He-
festammes AH109 mit dem bait-Vektor (siehe 5.7.1), erneut kompetent zur DNA-Aufnahme
gemacht und mit der zuvor gewonnen cDNA der cDNA-Bibliothek transformiert. Um dabei
einerseits eine hohe Transformationsrate zu erzielen und gleichzeitig abschätzen zu kön-
nen, wie groß der Transformationsansatz gewählt werden muss, um eine größtmögliche
Anzahl an Klonen der cDNA-Bibliothek zu untersuchen, wurde zunächst eine Testtransfor-
mation mit verschiedenen Konzentrationen der cDNA-Bibliothek durchgeführt. Dabei stellte
sich nach Bestimmung der Transformationseffizienz auf SD-Leu-Trp-Medium heraus, dass
die Konzentration von 10 µg / Transformationsansatz am besten war. Die für Testzwecke
generierten Transformanten wurden neben der Bestimmung der Transformationseffizienz
unter stringentesten Bedingungen auf QDO-Medium ausplattiert und für 14 Tage bei 30°C
inkubiert. Gewachsene Kolonien wurden wie die, der nachfolgend beschriebenen Biblio-
theks-Durchmusterung behandelt. Nach der Optimierung der zu verwendenden cDNA-
Konzentration wurde eine sequenzielle Transformation (siehe Abbildung 22) im Biblio-
Ergebnisse
74
theksmaßstab durchgeführt. Dazu wurden 4 x 50 ml YPDA-Medium mittels einer Vorkultur
des bait-tragenden Hefestammes AH109 angezogen, kompetent für die DNA-Aufnahme
gemacht und bei einer Konzentration von 10 µg / 600 µl kompetenter Zellen mit der cDNA
transformiert. Die Transformanten wurden auf 100 150 mm QDO-Medienplatten verteilt und
gleichzeitig eine dekadische Verdünnungsreihe zur Bestimmung der Transformationseffi-
zienz und der Anzahl der durchgemusterten Klone auf SD-Leu-Trp-Medium angelegt. Nach
14-tägiger Inkubation bei 30°C waren 246 Kolonien g ewachsen, wobei insgesamt 3,24x10
6
Klone durchgemustert wurden. Gemeinsam mit der Testtransformation, bei der ca. 5x10
5
Klone durchgemustert wurden, entsprach die Anzahl der durchgemusterten Klone ungefähr
der Anzahl unabhängiger Klone der cDNA-Bibliothek. Der empfohlene Sicherheitsfaktor von
drei, um auch seltene Interaktionspartner sicher zu identifizieren und insgesamt 1,05 x 10
7
Klone durchmustern zu können, konnte vermutlich aufgrund ungünstigerer Transformati-
onsbedingungen nicht erreicht werden. Da jedoch unter den stringentesten Bedingungen
246 Klone zu analysieren waren, wurde von zusätzlichen Transformationen abgesehen.
Abbildung 22: Schematische Darstellung der Vorgehensweise bei der Durchführung der sequenziellen
Transformation.
Zu Beginn wurden 4x 200 ml YPDA-Medium mittels einer Vorkultur des mit dem bait-Vektor transformierten
Stammes AH109 auf 5x10
6
Zellen / ml eingestellt. Nach Erreichen der Zelldichte von 2x10
7
Zellen / ml wurden
die Hefezellen kompetent zur DNA-Aufnahme gemacht und mit der cDNA-Bibliothek, die im Vektor pACT2 vor-
lag, transformiert. Danach wurden die Hefezellen auf 100 QDO-Platten ausplattiert. Gleichzeitig wurden je 100 µl
einer dekadischen Verdünnungsreihe auf SD-Trp-Leu-Platten verteilt, um die Anzahl der durchgemusterten Klo-
ne zu bestimmen.
Nach 14 Tagen konnte das Wachstum von 246 Kolonien beobachtet werden, wobei 3,24 x 10
6
Klone untersucht
worden sind.
Ergebnisse
75
5.7.4 Charakterisierung der Interaktionspartner
Die 246 gewachsenen Klone wurden dann noch dreimal nacheinander auf QDO-Medium
reselektiert, um das Wachstum zu überprüfen. Zusätzlich sollten überzählig transformierte
Vektor-DNA der cDNA-Bibliothek in den gewachsenen Kolonien reduziert werden, um da-
durch die nachfolgende Charakterisierung der Interaktionspartner zu erleichtern. Da unter
den 246 gewachsenen Kolonien auch Dopplungen einzelner Klone auftraten und es zu auf-
wendig gewesen wäre, die cDNA von 246 Klonen zu sequenzieren und auszuwerten, wurde
die Anzahl der zu analysierenden Klone wie im Folgenden beschrieben und in Abbildung 23
dargestellt, reduziert. Zunächst wurde die komplette Vektor-DNA der Hefezellen isoliert und
das cDNA-Fragment durch pACT2-spezifische Primer amplifiziert. Auf diese Weise konnten
Rückschlüsse auf die Größe des enthaltenen cDNA-Fragments gezogen werden. Die cDNA-
Fragmentgröße aller 246 Klone wurde ermittelt und es wurden Gruppen von cDNA-
Fragmenten ähnlicher Größe gebildet, deren Identität in einem weiteren Restriktionsschritt
mit dem häufig schneidenden Restriktionsenzym, BsuRI, untersucht wurde. Abschließend
wurde der E. coli -Stamm DH5α jeweils mit allen einzigartigen Klonen (Größe, Fragment-
muster) transformiert und auf LB-Amp-Platten nach Klonen die den jeweiligen prey-Plasmid
enthalten, selektiert. Dadurch konnte die gewöhnlich in Hefen vorliegende niedrige Vektor-
zahl durch Vermehrung in E.coli erhöht werden, um nach der Isolation aus E.coli ausrei-
chend Material für eine Sequenzierung zur Verfügung zu haben. Abschließend wurden die
cDNA-Fragmente von 78 Klonen sequenziert.
Abbildung 23: Analyse der cDNA-Inserts der gewachsenen Klone zum Auffinden identischer Klone.
Die gewachsenen Klone wurden für die weitere Analytik in QDO-Medium angezogen. Anschließend wurde die
Plasmid-DNA isoliert. Durch Amplifikation der Insert-DNA mittels Polymerasekettenreaktion wurden die Klone
nach Fragmentgrößenbereichen sortiert. Durch anschließende Restriktion der PCR-Fragmente mit BsuRI, einem
häufig schneidenden Restriktionsenzym, konnten Klone mit gleichem Insert identifiziert werden. In der gewählten
Abbildung zeigen z.B. die Klone 1,2,4 und 5 eine ähnliche Fragmentgröße. Nach dem Verdau mit BsuRI können
die identischen Klone 1,2 und 4 identifiziert werden. Klon 5 weist ein anderes Bandenmuster auf.
5.7.4.1 Sequenzanalyse der identifizierten Interaktionspartner
Von den ermittelten Sequenzen wurden Regionen des Vektors und die Linkerregion entfernt
und mit dem Programm BLAST des EBI homologe Sequenzen identifiziert. Danach wurde in
Ergebnisse
76
Sequenzvergleichen mit dem Programm ClustalW überprüft, in welchen Bereichen die se-
quenzierten Klone mit den Sequenzen der Datenbank übereinstimmen. Nur wenn es sich
dabei um proteinkodierende Bereiche handelte, wurden die Klone als potentielle Interakti-
onspartner in Erwägung gezogen. Ebenso wurden Klone nicht weiter analysiert, von denen
aus Datenbanken bzw. Literatur (van Criekinge & Beyaert, 1999) bekannt war, in Y2H-
Durchmusterungen falsch positive Signale zu liefern. Darunter waren während der durchge-
führten Durchmusterung PCNA (proliferating cell nuclear antigen), Ribosomales Protein
L17, die mitochondrial kodierten Proteine ATPsynthase Protein 6, Ubiquinol Cytochrom C
Reduktase und Propionyl-CoA-Carboxylase. Abschließend wurde überprüft, ob der Lese-
rahmen der identifizierten Interaktionspartner in der richtigen Abfolge zur Gal4-DNA-AD vor-
lag. Leserahmenverschiebungen zwischen beiden Domänen konnten als Hinweis darauf
herangezogen werden, dass der Interaktionspartner möglicherweise ein falsch positives
Signal liefert. Allerdings ist von Hefen auch bekannt, dass sie translationale Leserahmen-
verschiebungen zulassen. Daher wurden diese Klone nicht aussortiert. Eine Liste der identi-
fizierten Interaktionspartner zeigt Tabelle 1. Neben der Bezeichnung der identifizierten In-
teraktionspartner sind dort zusätzlich der Genname, die Uniprot-Zugangsnummer, die Län-
ge der Proteinsequenz, falls möglich die Länge der vom Klon kodierten Sequenz, mit etwai-
gen zusätzlichen Aminosäuren, angegeben.
Ergebnisse
77
Ergebnisse
78
Tabelle 1: Ergebnis der Sequenzierung der Plasmid-DNA aus den untersuchten Klonen des Yeast-
two-hybrid-Screenings.
Angegeben sind der Name der jeweiligen Proteine sowie etwaige abweichende Bezeichnungen. Für jedes Prote-
in ist die Uniprot-Zugangsnummer sowie die Länge der zugehörigen Proteinsequenz angegeben. Unter Sequen-
zen ist die tatsächlich kodierte Aminosäuresequenz aller Klone eines Proteins mit exakter Positionsangabe ver-
zeichnet (fettgedruckt). Etwaige zusätzliche Aminosäuren sind angegeben.
Nicht fettgedruckte Kandidatenproteine stellten sich in späteren Tests als falsch positiv heraus.
5.7.5 Überprüfung der Spezifität der Interaktionspartner
Um einerseits die Interaktion der identifizierten prey-Proteine mit dem Fusionsprotein Gal4-
DNA-BD-GO2QL zu kontrollieren, und darüber hinaus die Spezifität für Go2α gegenüber
anderen Gα-Untereinheiten zu testen, wurden verschiedene Hefeverpaarungen der unter-
schiedlich transformierten Stämme AH109 und Y187 durchgeführt. Die während der Durch-
musterung identifizierten potentiellen Interaktionspartner wurden genutzt, um den Hefe-
stamm AH 109 zu transformieren, wodurch sichergestellt ist, dass wirklich nur der jeweilige
prey-Vektor in den jeweiligen Transformanten vorliegt. Der Stamm Y187 wurde mit den Vek-
toren transformiert, die für konstitutiv aktives Go2α (pGBKT7Go2αQ205L), konstitutiv akti-
ves Go1α (pGBKT7Go1αQ205L), konstitutiv aktives Gqα (pGBKT7GqαQ209L), humanes
Lamin C (pGBKT7laminC) bzw. die unveränderte Gal4-DNA-bindende Domäne (pGBKT7)
kodieren. Alle Interaktionspartner in AH109 wurden mit jedem der Kontrollvektoren in Y187
verpaart und die diploiden Zellen auf SD-Leu-Trp angezogen. Anschließend wurden die
diploiden Zellen auf QDO-Selektionsmedium überführt. Nach sieben bzw. 14 Tagen wurde
das Wachstum überprüft. Zu Kontrollzwecken wurde AH109 mit dem Vektor pGADT7T und
Y187 mit den Vektoren pGBKT7-p53 bzw. pGBKT7-laminC transformiert. Bei der Verpaa-
rung dieser Kontrollvektoren war - wie zu erwarten - Wachstum bei diploiden Zellen zu er-
kennen, die mit Vektoren für die Fusionsproteine von p53 und SV40-T-Antigen ausgestattet
waren. Gleichzeitig war kein Wachstum bei der Kombination der Fusionsproteine von Lamin
C und p53 zu erkennen.
Für die Fusionsproteine der Interaktionspartner mit den verschiedenen Kontrollproteinen
konnten folgende Beobachtungen, die auch in Abbilung 24 dargestellt sind, gemacht wer-
den. Für die Proteine Synaptotagmin XI und c-erb-α3 konnte mit keinem der eingesetzten
Kontrollvektoren, auch nicht mit pGBKT7Go2αQ205L, Wachstum auf QDO-Medium beob-
achtet werden, was auf eine falsch positiv angezeigte Interaktion hinweist.
Ergebnisse
79
Abbildung 24: Kontrollexperimente zur Bestätigung der Interaktion mit konstitutiv aktivem Go2α
αα
α mit-
tels Hefeverpaarung. Gleichzeitig wurde getestet, ob die im Screening identifizierten
Klone auch mit der konstitutiv aktiven Go1α
αα
α Isoform oder mit konstitutiv aktivem Gqα
αα
α
interagieren.
Ergebnisse
80
Der Hefestamm AH109 wurde mit der isolierten Plasmid-DNA aus Kandidatenklonen bzw. Kontroll-DNA
(pGADT7-T) transformiert und auf SD-Leu ausplattiert. Die gewachsenen Kolonien wurden mit dem unterschied-
lichen Plasmiden tragenden Stamm Y187 verpaart. Die verschiedenen Y187-Klone für die Verpaarung mit Kon-
troll-DNA enthielten pGBKT7-p53 oder pGBKT7-laminC. Für die Kandidatenklone erfolgte eine Verpaarung mit
Y187-Zellen, die entweder mit Plasmiden der Fusionsproteine aus Gal4-DNA-BD mit konstitutiv aktiven Gα-
Untereinheiten (Go2α, Go1α, Gqα) oder mit den Kontrollvektoren pGBKT7 bzw. pGBKT/-laminC transformiert
waren. Die verpaarten Hefezellen (A-G) werden dann auf SD-Leu-Trp kultiviert und danach das Wachstum auf
QDO+3AT+Xα-Gal getestet.
Wie erwartet, zeigten verpaarte Zellen mit dem p53-Fusionsprotein und dem SV40-T-Antigen-Fusionsprotein
Wachstum auf QDO-Medium und eine deutliche Blaufärbung des Nährmediums (F), wohingegen verpaarte Zel-
len mit SV40-T-Antigen-Fusionsprotein und Lamin-C-Fusionsprotein kein Wachstum zeigen(G).
Für die Plasmide der Kandidatenklone konnten fünf verschiedene Wachstumsschemata beobachtet werden:
1. kein Wachstum bei A, B, C, D oder E; die Klone konnten als falsch positiv aussortiert werden
2. Wachstum nur von A; diese Klone lassen auf eine alleinige Interaktion des Proteins mit der konstitutiv
aktiven Isoform Go2α schließen
3. Wachstum von A und B; diese Klone interagieren offensichtlich mit beiden Goα-Isoformen aber nicht
mit Gqα
4. Wachstum von A, B und C; diese Klone interagieren sowohl mit beiden Goα-Isoformen und Gqα
5. Wachstum auf D oder E; diese Klone zeigen auch Wachstum mit den Kontrollvektoren und sind deshalb
ebenfalls als falsch positiv auszusortieren
6. eine Sonderstellung nehmen Rap1Gap und Girdin ein, da bereits nach 7 Tagen starkes Wachstum von
A zu erkennen war und erst nach 14 Tagen auch Wachstum von B beobachtet werden konnte; das lässt
auf eine stärkere Interaktion mit Go2α als mit Go1α schließen
Für die Proteine Fabp3, Pcbp1 und Ubp1 konnte auch Wachstum mit den Kontrollproteinen
Lamin C und der Gal4-DNA-bindenden Domäne allein beobachtet werden. Diese Proteine
scheinen die Reportergene daher unspezifisch zu aktivieren.
Das Protein Synembryn zeigt Wachstum mit den konstitutiv aktiven Goα- und Gqα-
Untereinheiten und ist somit nicht für Goα spezifisch. Der größte Teil der identifizierten
Go2α-Interaktionspartner zeigt ebenfalls Wachstum mit Go1α, darunter Armcx1, die identifi-
zierten RGS-Proteine, GPSM1 und 2, Tnfaip8 und das Apolipoprotein A1-ähnliche Protein.
Die einzigen Proteine, die spezifisch nur mit Go2α wechselwirken, sind Pcp2, Eya4 und das
Protein KIAA1045. Eine Sonderstellung nehmen Rap1Gap sowie Girdin ein, die bereits
nach einer Woche starkes Wachstum mit dem Go2α-Fusionsprotein aufwiesen. Nach zwei
Wochen zeigten sich für beide Proteine auch vereinzelte Kolonien nach Verpaarung mit
dem Stamm Y187, der mit dem Go1α-Fusionsprotein transformiert war. Dadurch kann man
auf eine stärkere Interaktion mit konstitutiv aktivem Go2α als mit konstitutiv aktivem Go1α
schließen.
Diskussion
81
6 Diskussion
Im Rahmen dieser Arbeit wurden Funktion und Bedeutung von Teilen eines Signaltransduk-
tionsprozesses untersucht, der entscheidenden Einfluss auf die Menge an in synaptischen
Vesikeln gespeicherten Monoaminen hat. Da die Freisetzung der gespeicherten Monoamine
infolge eines Aktionspotentials unabhängig vom Füllungszustand erfolgt, d.h. leere und ge-
füllte Vesikel mit gleicher Wahrscheinlichkeit mit der Plasmamembran fusionieren können
(van der Kloot et al., 2000), kann über eine variable Füllung der Vesikel die postsynaptische
Antwort moduliert werden. Das ist insbesondere deshalb möglich, weil durch einzelne Exo-
zytoseprozesse nicht alle postsynaptischen Rezeptoren gesättigt werden. Da die Monoami-
ne zumeist über metabotrope Rezeptoren an vielen verschiedenen Zielzellen wirken und
nicht auf die postsynaptische Membran einer Zielzelle beschränkt sind, gewinnt diese Modu-
lation der Transmitterfreisetzung im ZNS zusätzlich an Bedeutung. Das ist insbesondere
wichtig, weil Monoamine an vielfältigen Gehirnfunktionen, wie der Steuerung von Bewegun-
gen, Motivation, Emotionen, Gedächtnis sowie Aufmerksamkeit beteiligt sind (siehe 3.4.1).
Untersuchungen an neuroendokrinen Zellen (Ahnert-Hilger et al., 1998; Höltje et al., 2000),
permeabilisierten Thrombozyten (Höltje et al., 2003) und transfizierten CHO-Zellen (Brunk et
al., 2006) belegen, dass die Verminderung des vesikulären Monoamintransports durch hete-
rotrimere G-Proteine ein häufiges Prinzip ist und in allen VMAT exprimierenden Zellen beo-
bachtet werden kann. Neben Gehirnfunktionen werden durch dieses Regulationsprinzip da-
her auch weitere wichtige Körperfunktionen, wie z.B., die endokrine Hormonfreisetzung aus
der Nebenniere, beeinflusst.
Einen Schwerpunkt dieser Arbeit bildete die Untersuchung, welche Strukturen der vesikulä-
ren Neurotransmittertransporter für die G-Protein vermittelte Regulation von Bedeutung
sind. Hierzu wurden bereits einige Vorarbeiten geleistet. Deren Resultate werden deshalb
unter 6.2 gemeinsam mit den Ergebnissen dieser Arbeit dargestellt. Im Anschluss wird die
Untersuchung in der Literatur beschriebener Einflussfaktoren der vesikulären Neurotrans-
mitterspeicherung im Hinblick auf die Beteiligung an der Regulation durch Go2α diskutiert.
Danach werden Untersuchungen zu Dopaminspeicherung und -metabolismus in Zellen, in
denen die Go2α-Untereinheit inaktiviert wurde, und in Go2α-Deletionsmutanten der Maus
analysiert. Den Schlusspunkt bildet die Identifizierung nachgeschalteter Zielproteine von
Go2α mittels Y2H-Screening. Go2α reguliert die VMAT im ZNS und in neuroendokrinen
Zellen und kann darüber hinaus den Dopaminstoffwechsel beeinflussen. Über welche nach-
geschalteten Effektoren von Go2α diese Regulation bzw. Beeinflussung erfolgen könnte, ist
bisher nicht bekannt. Prinzipielle durch Go2α veränderbare Einflussgrößen der vesikulären
Monoaminspeicherung werden unter Punkt 6.1 dargestellt.
Diskussion
82
6.1 Faktoren die den vesikulären Neurotransmittertransport
beeinflussen
Alle im Folgenden aufgeführten Parameter können die vesikuläre Neurotransmitteraufnah-
me beeinflussen. Sie kommen daher als Regelgrößen in Frage, die durch Go2α-vermittelte
Signalkaskaden moduliert werden können. Neben den Parametern, die den vesikulären
Monoamintransport erhöhen, zählen dazu unter in vivo-Bedingungen auch alle Prozesse,
die die intrazelluläre Monoaminkonzentration beeinflussen. Bei der in vitro-Untersuchung
von Transportprozessen in permeabilisierten Zellen und an Vesikeln sind diese die Mono-
aminkonzentration beeinflussenden Faktoren zu vernachlässigen.
In jedem Fall von Bedeutung ist die Triebkraft für den Neurotransmittertransport in synapti-
sche Vesikel - der Protonengradient über die Vesikelmembran. Dieser wird durch die vakuo-
läre H
+
-ATPase (v-ATPase) generiert, die strukturell und funktionell mit der mitochondrialen
F0/F1-ATPase verwandt ist. Im Gegensatz zur F0/F1-ATPase nutzt die v-ATPase die Hyd-
rolyse von ATP, um Protonen in das Vesikellumen zu pumpen. Der Protonengradient über
die Vesikelmembran hat einerseits einen pH-Gradienten (pH) und andererseits einen elek-
trischen Gradienten (∆Ψ) zur Folge, die gemeinsam zum elektrochemischen Gradienten
µH+ zusammengefasst werden. Die direkte Regulation der v-ATPase in Säugern ist bisher
nicht untersucht. Dafür liegen zahlreiche Informationen vor, dass vor allem Chloridionen zu
einer sekundären Aktivierung der vATPase führen können. Durch Cl
-
-Transport in die Vesi-
kel wird ∆Ψ
vermindert, wodurch die vATPase mehr Protonen in das Vesikellumen pumpen
kann. Dadurch ist es gleichzeitig möglich, pH und ∆Ψ unabhängig voneinander zu regulie-
ren. Die VMAT transportieren Monoamine im Austausch gegen zwei Protonen in das Vesi-
kellumen. Da die Monoamine in protonierter Form transportiert werden, ergibt sich eine stär-
kere Abhängigkeit von pH gegenüber ∆Ψ. Neben der Aktivität der v-ATPase kann somit
auch die intraluminale Chloridkonzentration die Monoaminspeicherung im Vesikel durch die
Modulation von µH+ beeinflussen.
Neben der Regulation des elektrochemischen Gradienten kann auch die Aktivität der VMAT
selbst zu einer veränderten Monoaminspeicherung führen, wie mit der Überexpression der
VMAT gezeigt werden konnte (Pothos et al., 2000). Zusätzlich sind dabei auch weitere
posttranslationale Modifizierungen der VMAT, die deren Aktivität ändern, denkbar.
Neben den zuvor genannten Faktoren, die ausnahmslos den Transport in die Vesikel modi-
fizieren, kann auch der unspezifische Verlust an Monoaminen aus dem Vesikellumen die
Neurotransmitterspeicherung beeinflussen (Eisenhofer et al., 2004). Insbesondere die Lipid-
zusammensetzung und der Proteingehalt der Vesikelmembran könnten durch Veränderung
der Membranpermeabilität dazu beitragen.
Diskussion
83
Ein bedeutender in vivo regulierter Parameter ist die zytoplasmatische Monoaminkonzentra-
tion, die durch den Plasmamembrantransport sowie synthetisierende und abbauende Stoff-
wechselwege beeinflusst wird.
Abbildung 25: Schema der Faktoren, die die vesikuläre Monoaminspeicherung maßgeblich beeinflus-
sen und daher Zielstrukturen der Go2α
αα
α-vermittelten Signaltransduktion sein können.
Zu diesen Faktoren zählen einerseits alle Mechanismen, die die zytoplasmatische Monoaminkonzentration ver-
ändern, andererseits alle Mechanismen, die den Transport und die Speicherung von Monoaminen im Vesikel
beeinflussen.
Die zytoplasmatische Monoaminkonzentration wird einerseits durch die Wiederaufnahme extrazellulärer Mono-
amine im Kotransport von Natrium- und Chloridionen über verschiedene Plasmamembrantransporter erhöht.
Zusätzlich erhöht die Biosynthese der Monoamine die zytosolische Monoaminkonzentration. Dafür sind in dem
Schema stellvertretend die Schlüsselenzyme der verschiedenen Biosynthesewege angegeben (TH: Tyrosin-
hydroxylase; TPH: Tryptophanhydroxylase; HDC: Histidindecarboxylase). Gleichzeitig kann die zytoplasmatische
Monoaminkonzentration durch abbauende Biosynthesewege, die über die Monoaminooxidasen (MAO) verlau-
fen, vermindert werden.
Zu den Faktoren, die den vesikulären Monoamintransport und die Monoaminspeicherung beeinflussen, zählen
zunächst alle Parameter, die die Triebkraft des Neurotransmittertransports - den elektrochemischen Gradienten
über die Vesikelmembran (µH+) - verändern. Dazu zählt primär die v-ATPase, durch deren Aktivität der Proto-
nengradient über die Vesikelmembran hergestellt wird. Sekundär kann dieser Protonengradient auch durch
Transport von Cl
-
in das Vesikellumen moduliert werden. Durch Verminderung von ∆Ψ können dadurch mehr
Protonen in das Vesikellumen gepumpt und ein höherer pH erreicht werden. Zusätzlich kann auch die direkte
Beeinflussung des VMAT die transportierte bzw. gespeicherte Monoaminmenge verändern. Neben den Trans-
portprozessen, die Monoamine in das Vesikellumen überführen, können auch Variationen unspezifischer Verlus-
te über die Vesikelmembran (gepunkteter Pfeil) die vesikuläre Monoaminmenge verändern. Ein denkbarer Pa-
rameter hierfür ist die Membranpermeabilität, die durch Faktoren, wie z.B. Lipidzusammensetzung oder Protein-
gehalt, moduliert werden könnte.
MA: Monoamin; +: Erhöhung; -: Verminderung; ClC: Chloridkanal; VMAT: vesikulärer Monoamintransporter
Diskussion
84
6.2 Domänen der VMAT sind an der Regulation der Monoamin-
speicherung durch Go2α
αα
α beteiligt
Untersuchungen an permeabilisierten Thrombozyten von Tryptophanhydroxylase-1-
Deletionsmutanten der Maus (Walther et al., 2003; Höltje et al., 2003) führten zu der grund-
legenden Idee, dass die vesikulären Monoamintransporter selbst an der Signaltransduktion,
die den vesikulären Füllungszustand reguliert, als vorgeschaltete Rezeptorstruktur beteiligt
sind. Untersuchungen an mit VMAT1 bzw. VMAT2 transfizierten und permeabilisierten
CHO-Zellen stützen dabei die zuvor gemachten Beobachtungen (Brunk et al., 2006). Der
Vorteil dieser beiden „vereinfachten“ Modellsysteme ist, dass sie erlauben, die Neurotrans-
mitteraufnahme und deren Regulation an quasi leeren Vesikeln zu untersuchen. Vorausset-
zung dabei ist die Permeabilisierung der Plasmamembran, wodurch Beeinflussungen der
Transportprozesse durch Plasmamembrantransporter ausgeschlossen werden können.
Die Tryptophanhydroxylase-1 (Tph1) ist das Schlüsselenzym der Serotoninsynthese aus-
serhalb des ZNS. Das extraneuronale Serotonin wird zu einem Großteil in den vesikulären
Strukturen der Thrombozyten gespeichert. Fehlt die Tph1, sind nur noch 6% der Menge des
Serotonins gegenüber Wildtypthrombozyten nachweisbar, wobei andere Monoamine ver-
nachlässigt werden können (Höltje et al., 2003). In Untersuchungen an diesen leeren
Thrombozyten stellte sich heraus, dass die durch G-Proteinaktivierung verursachte Vermin-
derung der Neurotransmitterspeicherung in permeabilisierten, leeren Vesikeln fehlt, aber
durch Vorbeladung mit Serotonin bzw. Noradrenalin wieder hergestellt werden kann. Dies
war der erste Hinweis darauf, dass die Füllung des Vesikels mit Monoaminen das auslösen-
de Signal der G-Protein-vermittelten Signaltransduktion am Vesikel ist (Höltje et al., 2003).
Unbekannt war aber, welcher, ins vesikuläre Lumen ragende Rezeptor, dafür verantwortlich
war.
Untersuchungen an permeabilisierten CHO-Zellen die mit VMAT1 bzw. VMAT2 transfiziert
wurden, unterstützen die zuvor beschriebenen Beobachtungen. Wie die „leeren“ Thrombo-
zyten der Tph1-Deletionsmutanten stellen CHO-Zellen ein monoaminfreies System dar, zu-
sätzlich fehlen die Transporter der Plasmamembran und die VMAT. Auch in VMAT-CHO-
Zellen kann die G-Protein-vermittelte Hemmung der Monoaminspeicherung durch Vorbela-
dung mit Monoaminen, die allerdings erst nach einer Permeabilisierung der Plasma-
membran erfolgen konnte, induziert werden (Brunk et al., 2006). Dafür sind, vermutlich auf-
grund der Lokalisation der VMAT auf - gegenüber sekretorischen Vesikeln - größeren intra-
zellulären Kompartimenten (Liu et al., 1997), höhere Konzentrationen an Monoaminen von
300 µM - 1 mM nötig. Da der VMAT ein breites Substratspektrum besitzt, kann die G-
Protein-vermittelte Regulation durch Vorbeladung mit jeglichem Monoamin erfolgen. Über-
raschenderweise bildet Adrenalin hierbei eine Ausnahme. Obwohl Adrenalin ein Substrat für
beide VMAT-Isoformen ist, kann es nur in VMAT1-transfizierten CHO-Zellen eine G-Protein-
Diskussion
85
vermittelte Regulation auslösen. Darüber hinaus hebt Adrenalin in allen VMAT2-
Modellsystemen, VMAT2-CHO-Zellen, Thrombozyten der Ratte und in synaptischen Vesi-
kelpräparationen eine durch andere Monoamine ausgelöste G-Protein vermittelte Verminde-
rung des Monoamintransports wieder auf (Brunk et al., 2006). Diese Experimente in CHO-
Zellen bestätigen, dass die Füllung vesikulärer Strukturen die Voraussetzung der Regulation
des Monoamintransports durch G-Proteine ist. Sie lassen erstmals den Schluss zu, dass die
VMAT selbst an dieser Regulation beteiligt sind. Wie bereits mehrfach erwähnt wurde, sind
CHO-Zellen ein komplett monoaminfreies System. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass
zelleigene monoaminsensitive Rezeptoren an der Auslösung und Weiterleitung beteiligt
sind. Geht man von einer Beteiligung der VMAT am Regulationsprinzip aus, lässt sich zu-
sätzlich feststellen, dass die beteiligten Strukturen für die beiden Isoformen verschieden
sind, wie die unterschiedliche Wirkung von Adrenalin zeigt.
In nachfolgenden Experimenten wurden die rezeptorartigen Strukturen von VMAT1 und
VMAT2 genauer charakterisiert. Durch den Einsatz verschiedener Agonisten und Antagonis-
ten in den verschiedenen Modellsystemen (siehe 5.1) konnte für den VMAT2 gezeigt wer-
den, dass 5HT1B-Rezeptoragonisten und -antagonisten in der Lage sind, die G-Protein-
vermittelte Hemmung zu induzieren bzw. zu blockieren (Brunk et al., 2006). Im Gegensatz
dazu sind 5HT1B-Agonisten und Antagonisten in VMAT1-Systemen wirkungslos. So kann
der 5HT1B-Rezeptoragonist Anpirtolin in CHO-VMAT2-Zellen eine G-Protein-vermittelte
Regulation der Neurotransmitteraufnahme induzieren, nicht aber in CHO-VMAT1-Zellen
(Brunk et al., 2006). In CHO-VMAT1-Zellen scheint eine α1-rezeptorartige Struktur als aus-
lösendes Signal der G-Proteinregulation verantwortlich zu sein, wie in Experimenten mit
dem α1-Rezeptoragonist Cirazolin gezeigt werden konnte (Brunk et al., 2006). Diese Beo-
bachtungen für den VMAT1 werden durch Teile dieser Arbeit unterstützt. So kann in per-
meabilisierten PC12-Zellen, die ausschließlich den VMAT1 exprimieren, durch den Einsatz
des α1-Rezeptorantagonisten Prazosin, nicht aber durch den 5HT1B-Rezeptorantagonisten
Isamoltan, die G-Protein vermittelte Hemmung nahezu vollständig aufgehoben werden. Die-
se Ergebnisse unterstützen die Beobachtung, dass sich die vesikulären Rezeptorstrukturen
für VMAT1 und VMAT2 unterscheiden. Aufgrund der Gültigkeit in allen VMAT1- bzw.
VMAT2-Systemen unterstützen diese Ergebnisse ein weiteres Mal, dass die VMAT selbst
an der Regulation des vesikulären Füllungszustandes beteiligt sind. Sowohl in Thrombozy-
ten als auch in CHO-Zellen konnten bisher keine 5HT1B-Rezeptoren nachgewiesen werden
(Walther et al., 2003; Pullarkat et al., 1998), wodurch die Beteiligung zelleigener, klassischer
heptahelikaler Rezeptoren zusätzlich unwahrscheinlich wird.
Unter der Einbeziehung der zuvor beschriebenen Ergebnisse, dass beide VMAT eine rezep-
torähnliche Struktur besitzen, die in beiden Isoformen verschieden ist, sollte festgestellt
Diskussion
86
werden, welche in das Vesikellumen ragenden Regionen der VMAT daran beteiligt sein
könnten. In der Literatur sind bereits zahlreiche Beispiele für funktionell relevante Aminosäu-
ren und Bereiche der VMAT beschrieben. Für die Substraterkennung des VMAT2 wichtige
Regionen sind die Bereiche der Transmembrandomänen III-IV, V-VIII sowie IX-XII, wobei
zusätzlich N-terminale Regionen die Substrataffinität beeinflussen können (Peter et al.,
1996). Innerhalb der Transmembrandomänen wurden zahlreiche Aminosäuren mit gelade-
nen Seitenketten charakterisiert, die essentiell für Substratbindung und Transport sind. So
verursachen Mutationen der Aminosäuren Lysin (K139) in TMDII, Aspartat (D33, D427,
D461) in den Transmembrandomänen I, X und XI eine Verringerung der Substrataffinität
bzw. beeinflussen den Monoamintransport (Merickel et al., 1995a; Peter et al., 1996, Meri-
ckel et al., 1997). Darüber hinaus ist bekannt, dass die Mutation der Serinreste S180-S182
(Ende TMDIII) zu Alanin den Serotonin und Histamintransport blockiert (Merickel et al,
1995b). Auch der Prolinrest P237 (TMD V; Finn 3rd & Edwards, 1998), Tyrosin an Position
434 (TMD XI; Peter et al., 1996) und Phenylalanin an Position 464 (TMD XII, Finn 3rd &
Edwards 1997) beeinflussen entscheidend die Substraterkennung und den Transport des
VMAT2. Neben den Aminosäuren der Transmembranregionen konnten auch in den lumina-
len und zytoplasmatischen Schleifenregionen bedeutende Aminosäuren identifiziert werden,
die den Transport oder die Substrataffinität beeinflussen. Dazu gehören die Aminosäuren
A315 (Schleife VII/VIII Finn 3rd & Edwards, 1998), K328 (Schleife VII/VIII), A440 und K446
(TMD XI/XII; Finn 3rd & Edwards, 1997).
Abbildung 26: Bereiche des VMAT2, die für den Monoamintransport von Bedeutung sind.
Dargestellt ist die Topologie des rVMAT2. Die schwarzgefüllten und viereckigen Aminosäuren gehören zu Berei-
chen des VMAT2, die einen Einfluss auf den Monoamintransport haben. r rot markierte Aminosäuren konnte
durch ortsspezifische Mutagenese eine entscheidende Bedeutung für Monoamintransport und -erkennung durch
den VMAT2 gezeigt werden. Für Literaturangaben und Erläuterungen siehe Text (4.2).
Auf diesen Informationen basierend, erschien es nicht sinnvoll, Regionen der intraluminalen
Regionen der Schleifen VII/VIII und XI/XII zu substituieren. Das Hauptaugenmerk richtete
sich aus mehreren Gründen auf die große intravesikuläre Schleife zwischen den Trans-
Diskussion
87
membrandomänen I und II. Einerseits handelt es sich um einen Bereich, in dem sich
VMAT1 und VMAT2 - zwischen denen eine Sequenzhomologie zu 62% besteht -, beson-
ders unterscheiden. Dadurch könnte das unterschiedliche pharmakologische Verhalten der
beiden Transporter erklärt werden. Andererseits handelt es sich um einen ausgeprägten
luminalen Bereich des VMAT2, für den zum Zeitpunkt der Überlegungen noch keine Struk-
tur-Funktionsbeziehungen vorlagen, und dessen Bedeutung unklar war. Neuere Untersu-
chungen schildern eine Bedeutung dieser Schleife bzw. deren Glykosylierungsstellen bei
der Sortierung des VMAT innerhalb verschiedener Membrankompartimente in PC12-Zellen
(Yao & Hersh, 2007). Wie die intraluminalen Glykosylierungsstellen die Sortierung, die ja
eher über zytoplasmatisch orientierte Motive reguliert wird, wie z.B. das C-terminale Isoleu-
zin-Leuzinmotiv des VMAT2 (Tan et al., 1998), beeinflussen, bleibt dabei aber ungeklärt.
Allerdings unterstützt diese Hypothese die nachfolgend beschriebenen Beobachtungen ei-
ner Signaltransduktion aus dem Vesikellumen. Die Signaltransduktion aus luminalen Struk-
turen ist bereits beschrieben worden. Ein bekanntes Beispiel für derartige Signaltransdukti-
onsmechanismen ist der KDEL-Rezeptor, der für die Retention luminaler Proteine mit KDEL-
Sequenz im endoplasmatischen Retikulum verantwortlich ist (Scheel & Pelham, 1998).
Unsere Untersuchungen an den VMAT2-Mutanten der Schleife zwischen den Trans-
membrandomänen I/II in CHO-Zellen, VMAT2P42-V130 bzw. VMAT2Q61-T113 belegen,
dass diese Bereiche des VMAT2 für den Neurotransmittertransport von Serotonin nicht be-
nötigt werden. Sie sind ein erster Hinweis darauf, dass diese Bereiche regulatorische Funk-
tionen besitzen. Nachfolgende Experimente an permeabilisierten CHO-Zellen dieser VMAT-
Konstrukte zeigen, dass die Schleife zwischen TMDI/II - und somit der VMAT2 selbst - an
der Regulation des Monoamintransports in die Vesikel beteiligt ist. Diese Beobachtung
stützt die Theorie, dass das Vesikel unter Beteiligung des VMAT2 selbst in der Lage ist,
seinen Neurotransmittergehalt über die Aktivierung vesikelassoziierter heterotrimerer G-
Proteine zu regulieren. Die gewonnen Daten belegen nicht nur, dass der VMAT2 neben sei-
ner Transporterfunktion auch rezeptorartige Anteile besitzt, sondern sind auch ein Beispiel
dafür, dass Signaltransduktionswege auf der luminalen Seite von Endomembransystemen
initiiert werden können.
Die für alle VMAT2-Konstrukte beobachteten K
M
-Werte weichen teilweise um zwei Zehner-
potenzen von den in der Literatur beschriebenen K
M
-Werten ab (Peter et al., 1994). Das
wird vermutlich durch unterschiedliche Versuchsbedingungen, insbesondere die Tempera-
tur, hervorgerufen. Im Vergleich zu den CHO-Zellen, die mit dem Wildtyp-VMAT2 transfiziert
wurden, zeigen sich dagegen vergleichbare K
M
und V
max
-Werte, wodurch eine verlässliche
Basis für die ermittelten Daten besteht. Die vergleichbaren V
max
von Wildtyp-VMAT2 und
VMAT2P42-V130 bzw. VMAT2Q61-T113, bestätigen nicht nur eine vergleichbare Sero-
tonintransportrate, sondern auch vergleichbare Proteinexpressionsraten in den stabil trans-
Diskussion
88
fizierten CHO-Zelllinien zusätzlich zur Proteinexpressionskontrolle mittels Immunfluores-
zenzfärbung des VMAT2.
Die Experimente mit VMAT1 und VMAT1H62-V117 transfizierten CHO-Zellen unterstützen
die Beobachtungen, die zuvor für den VMAT2 gemacht wurden. Die Deletion von Bereichen
der ersten intraluminalen Domäne führt auch beim VMAT1 zu einer Verminderung der G-
Protein-vermittelten Inhibition des Neurotransmittertransports. Im Gegensatz zum VMAT2
führt die Deletion des zentralen Bereiches der ersten intravesikulären Schleife beim VMAT1
nur zu einer partiellen Aufhebung der G-Protein-vermittelten Hemmung. Die Ursache dafür
könnte eine nur teilweise Deletion der Rezeptorstruktur sein. Allerdings erwies sich die
Transfektion von CHO-Zellen mit dem VMAT1 insgesamt schwieriger als mit dem VMAT2.
Die hergestellten VMAT1H62-V117-Zellen wiesen gegenüber dem VMAT1-Wildtyp eine
stark verminderte Serotoninaufnahme auf. Für VMAT1-Konstrukte mit kompletter Schleifen-
deletion war es leider nicht möglich, stabil transfizierte und funktionelle Zellklone herzustel-
len. Beide Beobachtungen deuten auf eine reduzierte Expression, veränderte Sortierung
oder verminderte Transporteigenschaften der modifizierten Transportermoleküle hin. Die
Beobachtung einer verminderten G-Proteinhemmung der Serotoninaufnahme nach Deletio-
nen der ersten intraluminalen Schleife beim VMAT1 bedarf daher zusätzlicher Überprüfung.
Unter der Voraussetzung, dass der VMAT2, ähnlich G-Protein-gekoppelten Rezeptoren der
Plasmamembran, intravesikuläre Signale ins Zyoplasma leitet, sollten sich auch auf der zy-
toplasmatischen Seite Bereiche befinden, die an der Signaltransduktion beteiligt sind. Die
Untersuchungen hierzu erbrachten jedoch nur unbefriedigende Ergebnisse. Deletionen in C-
terminalen Bereichen, wie bei den Mutanten VMAT2R472-D515, denen der unmittelbare
C-Terminus fehlt, als auch VMAT2R472-Y504, dem mittlere Anteile des C-Terminus feh-
len, führen nicht zu einem Funktionsverlust des VMAT2. Allerdings kann auch in diesen
VMAT2-Mutanten, wie auch bei mit Wildtyp-VMAT2 transfizierten CHO-Zellen, nach Vorbe-
ladung mit Monoaminen eine G-Protein-vermittelte Verminderung des Monoamintransports
beobachtet werden. Die Beteiligung an einer Signaltransduktion aus dem Vesikellumen, die
zur Aktivierung von Go2α führt, ist daher für den VMAT2 C-Terminus unwahrscheinlich. Ein
weiterer Bereich des VMAT2, der in dieser Arbeit untersucht wurde, ist die zytoplasmatische
Schleife zwischen den Transmembrandomänen VI und VII. Die Schleife wurde komplett
gegen 5 Glyzinreste ausgetauscht. Trotz mehrfacher Versuche, funktionelle, stabil transfi-
zierte Zelllinien zu generieren, zeigten die klonierten Zelllinien zwar eine Expression der
mutierten Transportermoleküle, aber keine Transportaktivität. Da bekannt ist, dass die
Transmembrandomänen V-VIII bedeutenden Anteil an der Substraterkennung und dem
Transport haben (Peter et al., 1996) ist es möglich, dass diese Schleife essentiell für Sub-
straterkennung und Transport ist, oder aber durch den Austausch gegen 5 Glyzinreste die
beteiligten Transmembrandomänen VI und VII ungünstig zueinander positioniert sind. Um
Diskussion
89
die letztere Möglichkeit auszuschließen, könnten Konstrukte mit kleineren Substitutionen
hergestellt und erneut getestet werden. Der einzige zytoplasmatische bisher nicht unter-
suchte Bereich ist die N-terminale Region des VMAT2. Diese Region wurde aufgrund einer
Beteiligung an der Substraterkennung (Peter et al., 1996) bisher nicht untersucht. Da sich
diese Region in räumlicher Nähe zur ersten intraluminalen Schleife befindet, könnte auch
der Austausch kleinerer Bereiche des N-Terminus sinnvoll sein. Die komplette Deletion des
N-Terminus scheint aufgrund der Beteiligung an der Substraterkennung weniger sinnvoll.
Zusammenfassend belegen die erzielten Ergebnisse, dass die erste intraluminale Schleife
des VMAT2, und vermutlich auch des VMAT1, an der intraluminalen Erkennungsstruktur r
Monoamine beteiligt und für die Auslösung der G-Protein vermittelten Regulation des Mo-
noamintransports essentiell sind. Allerdings bleibt weiter unklar, wie die Signaltransduktion
ins Zytoplasma erfolgt. Deletionen und Substitutionen an zytoplasmatischen Anteilen der
VMAT2 lieferten diesbezüglich keine Hinweise. Ob vesikelassoziierte G-Proteine direkt mit
dem VMAT interagieren, konnte im Rahmen dieser Arbeit ebenfalls nicht endgültig geklärt
werden. Die Überprüfung der direkten Interaktion von Go2α und VMAT2 durch Koimmu-
nopräzipitation bzw. chemische Quervernetzung ist nicht gelungen. Alternativ wäre auch
denkbar, dass die Aktivierung des vesikelassoziierten Go2α über einen weiteren Zwischen-
schritt erfolgt. Die Aktivierung von heterotrimeren G-Proteinen unabhängig von heptahelika-
len Rezeptoren ist insbesondere für G-Proteine der Gi/o-Familie mehrfach beschrieben (sie-
he 3.5.1).
6.3 Nachgeschaltete Signalwege der Regulation des
Monoamintransports durch Go2α
α α
α
6.3.1 Die Adenylylzyklase kann den vesikulären Monoamintransport be-
einflussen
Für Go2α sind in der Literatur bisher keine Isoform-spezifischen nachgeschalteten Signal-
transduktionswege beschrieben. Die verfügbaren Informationen beschränken sich auf Goα,
wobei zu berücksichtigen ist, dass alle Goα-Isoformen für die beschriebenen Effekte in Fra-
ge kommen. Dass sich Go1α und Go2α in all ihren Funktionen gleichen, ist durch die Kopp-
lung mit verschiedenen Rezeptoren und Effektoren (siehe 3.5.2) sowie bereits beschriebe-
nen unterschiedlichen Funktionen (Dhingra et al., 2002) auszuschließen.
In einem ersten Ansatz wurde daher überprüft, inwieweit die Aktivierung der Adenylylzykla-
se als potentielles nachgeschaltetes Signal möglich ist. cAMP, das durch die Adenylylzykla-
se gebildet wird, wurde bereits von Watts und Cumbay (Watts et al., 1998; Cumbay & Watts,
2001) mit der Goα-Untereinheit in Verbindung gebracht. Sie konnten zeigen, dass die Akti-
vierung des D
2L
-Rezeptors über Goα zu einer Erhöhung des intrazellulären cAMP-Spiegels
führt. Erhöhungen des cAMP-Spiegels führten in PC12-Zellen zu einer verminderten vesiku-
Diskussion
90
lären Monoaminaufnahme (Nakanishi et al., 1995 a; b). Durch Experimente in mit DbcAMP
vorbehandelten PC12-Zellen konnte eine verminderte Monoaminaufnahme bestätigt wer-
den. Die gleichzeitige Aktivierung von G-Proteinen durch GMP-P(NH)P führt dabei zu einer
zusätzlichen Verminderung der Monoaminaufnahme. Unter der Annahme, dass die Adeny-
lylzyklase an der Regulation beteiligt ist, deutet die weitere Verminderung der Monoami-
naufnahme durch GMP-P(NH)P auf eine zügige Aktivierung der Adenylylzyklase hin, die
zusätzlich zur DbcAMP den lokalen cAMP-Spiegel erhöht. Ebenso ist denkbar, dass es sich
um gänzlich verschiedene Signalwege handelt, die unabhängig voneinander die vesikuläre
Monoaminaufnahme beeinflussen.
6.3.2 Die Überexpression von CAPS erhöht die Speicherfähigkeit
vesikulärer Strukturen in CHO-Zellen
Ein weiteres wichtiges Signalmolekül, das an nachgeschalteten Signalwegen beteiligt sein
könnte, ist CAPS (Calcium-dependent activator-protein for secretion). Dafür werden zwei
Isoformen beschrieben, die sich in ihrem Expressionsmuster hinsichtlich Zeit und Ort unter-
scheiden (Speidel et al., 2003). Beide Isoformen ähneln in ihrem Expressionsmuster
Go2α mit einer starken Expression vor allem in Gehirn und neuroendokrinen Zellen. Ein
weiteres Argument für eine Beteiligung von CAPS an der Regulation der Monoaminspeiche-
rung lieferten Untersuchungen an embryonalen chromaffinen Zellen von CAPS1-
Deletionsmutanten der Maus (Speidel et al., 2005). Dabei konnte beobachtet werden, dass
nach Deletion von CAPS1 70 % der fusionierten LDCV keine Monoamine enthielten und
eine Beeinflussung der Monoaminaufnahme oder Speicherung wahrscheinlich ist. Die Er-
gebnisse in mit CAPS1 und CAPS2 transfizierten CHO-VMAT Zelllinien belegen, dass un-
abhängig von transfizierten CAPS-Isoformen und untersuchten VMAT-Isoformen, die Über-
expression von CAPS zu einer verstärkten Monoaminaufnahme führt. Das belegt in Übe-
reinstimmmung mit den Untersuchungen an CAPS1-Deletionsmutanten die Bedeutung von
CAPS für die Monoaminspeicherung. Fehlt CAPS, führt das zu einer verminderten Mono-
aminspeicherung. Die Überexpression führt zu einer Erhöhung der Monoaminspeicherung.
Allerdings zeigten Untersuchungen in PC12 Zellen, in denen die CAPS1-Expression mittels
RNA-Interferenz nachweislich inaktiviert wurde, ebenfalls eine Erhöhung der vesikulären
Neurotransmitterspeicherung. Ursache dafür ist vermutlich die Verminderung ablaufender
Exozytoseprozesse (Fujita et al., 2007). Experimente an hippokampalen Neuronen belegen
eine funktionelle Bedeutung der CAPS-Proteine bei der Ausbildung der Fusionskompetenz
auch kleiner synaptischer Vesikel (Jokusch et al., 2007). Dadurch könnten Veränderungen
hrend des Exozytoseprozesses, wie sie durch Fujita und Kollegen beobachtet wurden,
erklärt werden. Im Vergleich dazu zeigen die Ergebnisse in CHO-VMAT-Zellen, die bekann-
termaßen nicht über vesikuläre Exozytoseprozesse Monoamine freisetzen können, dass
nicht nur die Exozytose beeinflusst wird. Die CAPS-Proteine scheinen ähnlich Go2α den
Diskussion
91
Monoamintransport oder die Monoaminspeicherung in intrazellulären Strukturen zu beein-
flussen.
Die Wirksamkeit von sowohl CAPS1 als auch CAPS2 in CHO-VMAT-Zellen, lässt sich mit
der hohen Homologie zwischen beiden Isoformen von 78-79 % erklären, mit der vermutlich
auch ähnliche Funktionen assoziiert sind. In vivo führen nur die unterschiedlichen räumli-
chen und zeitlichen Expressionsmuster zu funktionellen Unterschieden der beiden CAPS-
Isoformen, die in bestimmten Zelltypen oder zu bestimmten Entwicklungszeitpunkten nötig
sind (Speidel et al., 2003).
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Beobachtungen dieser Arbeit für die
Hypothese sprechen, dass die CAPS-Proteine die vesikuläre Monoaminspeicherung regu-
lieren können. Möglicherweise wirken sie dabei in einem gemeinsamen Signaltransdukti-
onsweg mit Go2α. Darauf hindeuten könnten Untersuchungen an C. elegans, wobei die In-
aktivierung von Goα den Phänotyp einer unc-31 (CAPS) Mutation unterdrückt (Speidel et
al., 2005). Monoaminspeicherung oder -transport könnten dabei direkt, wie unter 6.1 be-
schrieben, durch Beeinflussung des vesikulären Monoamintransportsystems oder der
Membranpermeabilität gegenüber Monoaminen reguliert werden.
6.4 Physiologische Funktion der Regulation der vesikulären
Monoaminaufnahme durch Go2α
αα
α
Die Hemmung der vesikulären Monoaminspeicherung durch die Aktivierung heterotrimerer
G-Proteine kann in vitro in vielen verschiedenen Testsystemen beobachtet werden. Sie stellt
ein generelles Regulationsprinzip dar. Da die Aktivierung von Go2α in einer verminderten
Neurotransmitteraufnahme resultiert, sollte die Inaktivierung des G-Proteins zu einer gestei-
gerten vesikulären Monoaminaufnahme führen. Überraschenderweise führt die Inaktivierung
von Go2α durch Pertussistoxin ebenfalls zu einer verminderten Neurotransmitteraufnahme
hrend 10-minütiger Messung in PC12-Zellen. Darüber hinaus führt die Langzeitinkubation
von BON-Zellen in Gegenwart von Pertussistoxin nicht nur zu einer Verminderung des vesi-
kulären Dopaminspiegels, sondern auch zu einer Verminderung des zytoplasmatischen Do-
pamingehaltes. Einschränkend ist hierbei anzumerken, dass die ermittelten Messwerte nicht
unbedingt die physiologischen Bedingungen widerspiegeln. So wurden diese Beobachtun-
gen an Zellen gemacht, die teilweise in Gegenwart hoher Serotoninkonzentration kultiviert
wurden. Zusätzlich mussten die Zellen für die HPLC-Messungen subzellulär fraktioniert
werden, wodurch Verschiebungen zwischen zytoplasmatischen und vesikulären Serotonin-
kompartimenten wahrscheinlich sind. Generell belegen die Beobachtungen jedoch, dass der
Serotoninspiegel nach Go2α-Inaktivierung durch Pertussitoxin insgesamt reduziert ist. Man
könnte die Beobachtungen an BON- und PC12-Zellen auf die Vermutung zurückführen,
dass andere durch G-Proteine der Gi/o-Familie vermittelte Effekte, die ebenfalls durch Per-
Diskussion
92
tussistoxin beeinflusst werden, diese überraschende Beobachtung hervorrufen. Weiterfüh-
rende Untersuchungen im Gehirn von Go2α-Deletionsmutanten legen jedoch die Annahme
nahe, dass die Inaktivierung von Go2α für die beobachteten Pertussistoxineffekte verant-
wortlich ist. Auch die genetische Deletion von Go2α in Mäusen führt zu einem verminderten
Dopaminspiegel in der Gehirnregion des Striatums. Da hierzu keine subzellulären Fraktio-
nen für die Untersuchung herangezogen wurde, lässt sich nicht eindeutig sagen, ob nur die
vesikuläre, die zytoplasmatische oder die extrazelluläre Dopaminmenge vermindert ist. Am
wahrscheinlichsten ist jedoch, dass alle zellulären Kompartimente gleichermaßen betroffen
sind. Dafür sprechen einerseits die zuvor genannten Beobachtungen an den BON-Zellen,
aber andererseits auch die Tatsache, dass der zytoplasmatische Dopaminspiegel aufgrund
der intrazellulär toxischen Wirkung von Dopamin stark reguliert wird (Ben Shachar et al.,
2004). Sollte weniger Dopamin vesikulär gespeichert werden können, rde der ansteigen-
de zytoplasmatische Dopaminspiegel zu einer Feedback-Inhibition der Tyrosinhydroxylase,
dem Schlüsselenzym der Dopaminbiosynthese, und zum vermehrtem Abbau von Dopamin
durch die Monoaminooxidase führen. Dadurch rde sich auch zytoplasmatisch ein niedri-
ger Dopaminspiegel einstellen. Interessanterweise sprechen Quantifizierungen des VMAT2
und der Tyrosinhydroxylase genau für ein derartiges Szenario in den Goα2-
Deletionsmutanten. So ist die Expression des VMAT2 auf Vesikeln von Go2α-
Deltionsmutanten gegenüber Wildtyptieren signifikant erhöht, wohingegen das Expressions-
niveau der Tyrosinhydroxylase gegenüber Wildtyptieren signifikant vermindert ist (Dr. I.
Brunk, persönliche Mitteilung). Die Deletion von Go2α verursacht also entweder einen ver-
minderten Transport in die Vesikel oder verändert deren Speicherfähigkeit so, dass ein er-
höhter Efflux, der über den VMAT2 vermittelt, oder unvermittelt über die Vesikelmembran
erfolgen kann (Floor et al., 1995). Eine verminderte Expression der Tyrosinhydroxylase und
damit verbunden eine verminderte Dopaminsynthese wirken einem erhöhten, zytoplasmati-
schen Dopaminspiegel entgegen, führen aber insgesamt zu einem erniedrigten zellulären
Dopamingehalt. Zusätzlich tragen die erhöhte Expression des VMAT2 auf Vesikeln und der
damit verbundene stärkere Dopamintransport in die Vesikel ebenfalls zu einer Stabilisierung
der zytoplasmatischen Dopaminkonzentration bei. Gleichzeitig wird dadurch sichergestellt,
dass mehr Dopamin in den Vesikeln für die interneuronale Kommunikation zur Verfügung
steht. Diese kompensatorischen Mechanismen führen vermutlich dazu, dass Go2α-
Deletionsmutanten keine offensichtlichen phänotypischen Veränderungen zeigen.
Diese dynamische Gegenregulation der Zellen erklärt auch, dass nur für Dopamin und nur
in der Region des Striatums eine signifikante Verminderung des Monoaminspiegels nach-
gewiesen werden kann. Im Striatum enden ca. 80 % aller dopaminergen Fasern des Ge-
hirns (Siegel et al., 1998), wodurch in dieser Region eine sehr hohe Dopaminkonzentration
von ca. 15 ng / mg Feuchtgewicht gemessen werden kann. Somit sind auch Veränderungen
Diskussion
93
des Dopaminspiegels in dieser Region am einfachsten zu detektieren. Die Untersuchung
jüngerer Tiere bis zu einem Alter von 12 Tagen gestattet keine regionenspezifische Unter-
suchung des Striatums, weshalb die Unterschiede im Dopaminspiegel auch erst danach
detektiert werden können. Bei der Untersuchung der verschiedenen Regionen der P12- und
adulten Go2α-Deletionsmutanten ist in vielen Regionen und auch für verschiedene Monoa-
mine eine tendenzielle aber nicht signifikante Verminderung gegenüber den Wildtyptieren zu
beobachten. Naheliegend ist, dass auch andere Monoamine in ihrer Konzentration leicht
vermindert sind, sich aber aufgrund der diffusen Projektion in viele verschiedene Gehirnare-
ale mit der gewählten Methode keine Unterschiede nachweisen lassen. Interessant wären
diesbezüglich Untersuchungen zu Unterschieden im Monoamingehalt des Blutes und neu-
roendokriner Zellen von Wildtypmäusen und Go2α-Deletionsmutanten, da hier ebenfalls
hohe Monoaminkonzentrationen vorliegen.
Die Auswirkungen des verminderten Dopaminspiegels im Striatum spiegeln sich zusätzlich
in der verminderten Bewegungsaktivität der Go2α-Deletionsmutanten wieder, die durch Ga-
be der Bewegungsaktivität-stimulierenden Substanzen Kokain und Amphetamin beibehalten
bzw. verstärkt wird. Beide Substanzen wirken auf die Dopamintransporter der Plasma-
membran. Kokain blockiert sie, wodurch die Wiederaufnahme von Dopamin ausbleibt, und
eine erhöhte extrazelluläre Konzentration die Folge ist. Amphetamin führt neben der Blo-
ckade der Plasmamembrantransporter zu einer zusätzlichen Freisetzung intrazellulären Do-
pamins in den Extrazellularraum, wodurch die extrazelluläre Konzentration im Striatum
ebenfalls erhöht wird. Die Wirkung beider Substanzen wurde an permeabilisierten und intak-
ten Synaptosomen verifiziert, wobei aber in vitro keine Unterschiede in der Substanzwirkung
zwischen Wildtypmäusen und Go2α-Deletionsmutanten beobachtet werden konnten. Die
Dopaminwirkung im Striatum wird hauptsächlich durch D1 und D2 Rezeptoren vermittelt, die
über die Aktivierung verschiedener neuronaler Verschaltungen (Steigerung des sogenann-
ten direkten, Hemmung des sogenannten indirekten Weges) zu gesteigerter motorischer
Aktivität (flüssiger Bewegungsablauf) führen, wodurch die erhöhte Bewegungsaktivität nach
Kokain- bzw. Amphetamingabe erklärt werden kann. Da auch in den Go2α-
Deletionsmutanten nach Kokain- bzw. Amphetaminapplikation eine Erhöhung der Bewe-
gungsaktivität zu beobachten ist - jedoch gegenüber Wildtyptieren in geringerem Maße -
liegt hiermit ein direktes Korrelat für die verminderten Dopaminspiegel im Striatum vor. Auch
wenn die dabei beobachteten Unterschiede nur nach Amphetamingabe signifikant sind. Dar-
über hinaus fehlt in Go2α-Deletionsmutanten die Kokain-induzierte Sensibilisierung. Dabei
handelt es sich um einen dopaminvermittelten Effekt, der in verschiedenen Spezies beo-
bachtet werden kann, und häufig als Test für einsetzendes Suchtverhalten genutzt wird
(Sanchis-Segura & Spanagel, 2006). Die wiederholte Applikation gleicher Dosen Kokain
führt dabei zu einer gesteigerten Bewegungsaktivität, die sich mit fortschreitender Applikati-
Diskussion
94
on noch verstärkt. Die Untersuchung des Suchtverhaltens im Conditioned Place Preference
Test ergab keine Unterschiede zwischen Go2α-Deletionsmutanten und Wildtyptieren. Daher
deutet die fehlende Sensibilisierung nach der Kokainbehandlung in den Go2α-
Deletionsmutanten auf zusätzliche Veränderungen in der vor- bzw. nachgeschalteten, durch
Dopamin vermittelten, Signaltransduktion hin. Im Gegensatz dazu ist es überraschend, dass
nach wiederholter Amphetaminapplikation eine Sensibilisierung zu beobachten ist. Im Ver-
gleich zu Wildtyptieren erfolgt die Sensitivierung auf niedrigerem Niveau. Das wird vermut-
lich ebenfalls durch den verminderten Monoaminspiegel verursacht.
Zusammenfassend führt die Deletion von Go2α zu einem reduzierten Dopaminspiegel im
Striatum. In Verhaltensexperimenten, in denen nach Applikation von Kokain und Ampheta-
min die Bewegungsaktivität gemessen wird, spiegelt sich der verminderte Dopaminspiegel
wieder. Gleichzeitig scheinen weitere Störungen des dopaminergen Systems vorzuliegen.
Der verminderte Dopaminspiegel ist höchstwahrscheinlich auf den reduzierten vesikulären
Dopamintransport in die Vesikel oder eine Abnahme von deren Speicherfähigkeit zurückzu-
führen. Die genauen molekularen Ursachen bleiben dabei aber unverstanden. Die durchge-
führten Untersuchungen belegen, dass die Regulation des vesikulären Monoamintransports
durch Go2α von entscheidender Bedeutung für die optimale Speicherung von Dopamin ist.
Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass leichte Veränderungen in der Dopaminspei-
cherung auf vesikulärer Ebene, trotz einer Gegenregulation der Zellen, zu systemischen
Veränderungen führen können.
6.5 Direkte Interaktionspartner von Go2α
αα
α
Wie die zuvor beobachteten Effekte des verminderten Dopaminspiegels im Striatum durch
Go2α hervorgerufen werden, ist unbekannt. In der Literatur sind für Go2α keine Interakti-
onspartner beschrieben. Untersuchungen zu Goα fokussieren dabei bisher auf Go1α. Zu-
dem lieferten die Untersuchungen zu den zuvor beschriebenen Signalmolekülen cAMP und
CAPS (siehe 6.3) keine Informationen, ob deren Wirkung auf den vesikulären Monoa-
mintransport mit der von Go2α-vermittelten Regulation verbunden ist.
In einem weiteren Schritt sollten daher direkte Interaktionspartner von Go2α identifiziert
werden, um nachfolgende Schritte möglicherweise beteiligter Signalkaskaden aufzudecken.
Das ist einerseits für das Verständnis der Regulation des vesikulären Monoamintransports
von Bedeutung und andererseits auch für das Verständnis der Rolle von Go2α in ZNS und
neuroendokrinen Zellen, über die bis bis heute noch keine Informationen vorliegen. Insbe-
sondere unter Berücksichtigung der verminderten Dopaminspiegel in Go2α-Deletions-
mutanten könnten direkte Interaktionspartner Hinweise darauf liefern, über welche Signal-
wege sowohl die vesikuläre als auch die zytoplasmatische Monoaminkonzentration reguliert
werden.
Diskussion
95
Für das Auffinden direkter Interaktionspartner wurde das Yeast-two-hybrid System genutzt.
Dabei wurde eine cDNA-Bibliothek aus dem Gehirn der Maus mit der konstitutiv aktiven
Go2αQ205L-Untereinheit durchgemustert. Dadurch sollten Interaktionspartner identifiziert
werden, die als Effektoren nach Go2α-Aktivierung in Frage kommen. Bei der Durchmuste-
rung der Bibliothek wurden ca. 3,5 x 10
6
Klone untersucht. Dieser Wert entspricht der An-
zahl unabhängiger Klone der cDNA-Bibliothek. Dadurch konnte ein Großteil der Klone der
Bibliothek analysiert werden. Es kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass seltene
Transkripte während des durchgeführten Screenings nicht identifiziert wurden. Von den
durchgemusterten Klonen zeigten 246 unter den stringentesten Wachstumsbedingungen
eine Koloniebildung. Durch Plasmidisolation, PCR und Restriktionsverdau konnten identi-
sche Klone identifiziert, und die Anzahl der zu sequenzierenden Klone auf 78 verringert
werden. Von den 78 Klonen kodierten 56 Proteine, wobei von einigen Proteinen verschie-
dene Klone aufgetreten sind. Nach Abzug der offensichtlich falsch positiven Klone verblie-
ben insgesamt 20 mögliche Interaktionspartner. Von diesen 20 Klonen konnten in Verpaa-
rungsexperimenten 15 Interaktionspartner bestätigt werden. Die anderen fünf Klone wurden
aufgrund unspezifischer Interaktion mit den Kontrollproteinen, bzw. aufgrund fehlender In-
teraktion mit Go2αQ205L in Kontrollexperimenten, ausgeschlossen. Die zuletzt genannten
falsch positiven Klone sind erklärbar, da die Hefekolonien während der Durchmusterung
mehrere AD-Bibliotheksvektoren tragen können. Ein großer Anteil der identifizierten Klone
zeigt in Spezifitätsuntersuchungen Interaktionen mit beiden Goα-Isoformen.
6.5.1 Spezifische Go2α
αα
α-Interaktionspartner
Ein spezifischer Go2α-Interaktionspartner ist Eya4. Eya4 ist Bestandteil einer Familie
transkriptioneller Aktivatoren (Eya 1-4), die sich zusätzlich durch eine Proteinphosphata-
seaktivität auszeichnen. Neben einer Lokalisation im Zellkern, die im Drosophilaprotein
durch mehrere Kernlokalisationssequenzen verankert ist, ist daher eine Funktion auch aus-
serhalb des Zellkerns denkbar. Dazu geben Untersuchungen Anlass, die in C. elegans eine
Interaktion von Eya-Proteinen mit Membranproteinen belegen (Li et al., 2004). Darüber hin-
aus interagieren Eya1(Maus) mit den heterotrimeren G-Proteinuntereinheiten Gzα, Gi2α
und Eya2 (Mensch) mit Gi1-3α (Ozaki et al., 2002; Embry et al., 2004; Fan et al., 2000), die
in überwiegendem Maße zytoplasmatisch lokalisiert sind. Während der embryonalen Ent-
wicklung zeigt Eya4 eine breites Expressionsmuster. In adulten Tieren zeigen lediglich die
Skelettmuskeln ein starkes Vorkommen an Eya4-m-RNA (Borsani et al., 1999). Die Beob-
achtung einer Interaktion von Go2α mit Eya4 während des Yeast-two-hybrid-Screenings
lassen jedoch auch den Schluss zu, dass im adulten Gehirn eine funktionelle Interaktion
auftritt, da die cDNA-Bibliothek aus dem adulten Gehirn stammt. Das ist von besonderem
Interesse, da Mutationen von Eya4 zu Taubheit (DFNA10 nonsyndromic hearing loss) füh-
Diskussion
96
ren können (Wayne et al., 2001; Pfister et al., 2002). Verbunden mit dem niedrigen m-RNA-
Vorkommen von Eya 4 im Gehirn, ist eine Bedeutung für die vesikuläre Monoaminspeiche-
rung aber eher unwahrscheinlich.
Das Protein Pcp2 (Purkinje cell protein 2), das in Purkinjezellen des Kleinhirns und in bipola-
ren Neuronen der Retina exprimiert wird, interagiert auch mit Go2α. Die Interaktion von
Pcp2 mit Go1α wurde mittels Yeast-two-hybrid- und GST-Pulldowntests nachgewiesen.
Pcp2 fungiert dabei als Nukleotidaustauschfaktor und stimuliert den Austausch von GDP
gegen GTP (Luo & Denker, 1999). Die Identifikation als spezifischer Bindungspartner von
konstitutiv aktivem Go2α steht den Ergebnissen von Luo und Denker entgegen. Möglicher-
weise besitzt Pcp2 neben der Bedeutung als Nukleotidaustauschfaktor weitere Funktionen
bei der Regulation von G-Proteinen, die unabhängig von der GTPase-Aktivität sind, wie z.B.
die Lokalisation an bestimmten intrazellulären Signalkomplexen. Aufgrund des spezifischen
Expressionsmusters scheidet Pcp2 jedoch als nachgeschaltetes Signal der G-Protein-
regulation der Monoaminaufnahme aus.
Ein drittes, spezifisch nur mit Go2α interagierendes Protein ist KIAA1045. Dabei handelt es
sich um ein Protein mit 427 Aminosäuren, für das zwei Isoformen beschrieben sind. Das
Protein konnte neben der m-RNA auch auf Proteinebene in Synaptosomen aus dem Mäu-
segehirn nachgewiesen werden, wobei eine Phosphorylierung an S348 als posttranslationa-
le Modifikation gezeigt werden konnte (Munton et al., 2007). Die auf der HUGE-
Proteindatenbank hinterlegten Expressiondaten zeigen eine starkes Vorkommen von
KIAA1045-mRNA im Gehirn, wobei in allen untersuchten Gehirnarealen eine mittlere bis
hohe Expressionsrate beobachtet werden konnte (http://www.kazusa.or.jp/huge/index.html).
Einziges strukturelles Merkmal, das einen Hinweis auf die Funktion des identifizierten Prote-
ins geben kann, ist eine Zinkfingerregion des PHD Typs (plant homeodomain) im Bereich
der Aminosäuren 129-190. Proteine mit PHD-Finger sind höchstwahrscheinlich im Kern lo-
kalisiert und vermutlich an Transkriptionskontrolle und Chromatinregulation beteiligt (Bienz,
2006). Berücksichtigt man, dass auch G-Proteine, insbesondere der Gi/o-Familie, nukleär
lokalisiert sein können, ist mit dem übereinstimmenden Expressionsmuster von Go2α und
KIAA1045 eine höchst interessante Interaktion identifiziert worden. Es bedarf deshalb weite-
rer Untersuchungen zur Funktion und Bedeutung von KIAA 1045. Aufgrund des Expressi-
onsmusters könnte KIAA 1045 an der Regulation der vesikulären Monoaminaufnahme be-
teiligt sein. Aufgrund der wahrscheinlichen Lokalisation und transkriptionsregulierenden
Funktion im Zellkern sind die vermittelten Effeke der Interaktion beider Proteine vermutlich
eher länger anhaltend und für die beobachteten Effekte an synaptischen Vesikeln, die in-
nerhalb weniger Minuten beobachtet werden können, nicht verantwortlich. Interessant für
zukünftige Fragestellungen ist, ob KIAA 1045 an der transkriptionellen Kontrolle wichtiger
Enzyme des Monoaminmetabolismus beteiligt ist.
Diskussion
97
Eine Sonderstellung unter den spezifischen Go2α-Interaktionspartnern nehmen die Proteine
Rap1Gap und Girdin ein. Sie zeigen in den Spezifitätsuntersuchungen sowohl mit konstitutiv
aktivem Go1α als auch mit konstitutiv aktivem Go2α eine Interaktion. Allerdings deutet die
Beobachtung eines schnelleren und wesentlich stärkeren Koloniewachstums nach einer
Woche bzw. zwei Wochen bei beiden Proteinen auf eine stärkere Interaktion mit konstitutiv
aktivem Go2α hin. Rap1Gap, ein Protein, das die GTPase-Aktivität des kleinen G-Proteins
Rap1 stimuliert, zeigt eine gewebespezifische Expression in Gehirn, Schilddrüse und ande-
ren Geweben. (Polakis et al., 1991; Rubinfeld et al., 1991). Rap1Gap existiert in zwei Iso-
formen (Rap1GapI; Rap1GapII), die sich durch 31 N-terminale Aminosäuren unterscheiden.
Diese kommen nur in Rap1GapII vor. Rap1GapII ist zu unterscheiden von Rap1Gap2, das
als weitere verwandte Isoform in Thrombozyten gefunden wurde, allerdings nur 50 %-
Sequenzhomologie aufweist (Schultess et al., 2005). Die Inaktivierung von Rap1Gap führt
zu erhöhter Zelldifferenzierung, vermutlich über Rap1. Rap1Gap wird deshalb als mögliches
Tumorsuppressorprotein angesehen. Rap1Gap kann durch mehrere Kinasen, darunter die
cAMP-abhängige Kinase, phosphoryliert werden. Die Interaktion von Rap1Gap mit mehre-
ren Gα-Untereinheiten ist mehrfach beschrieben (Meng et al., 1999; Jordan et al., 1999).
Besonders auffällig bei den von Meng sowie Jordan und Kollegen durchgeführten Untersu-
chungen ist, dass Rap1Gap offensichtlich weniger mit konstitutiv aktivem Go1α als mit Wild-
typ Go1α interagiert. Diese Ergebnisse stimmen mit den in dieser Arbeit durchgeführten
Spezifitätsuntersuchungen überein. Die Interaktion von Rap1Gap mit konstitutiv aktivem
Go1α ist erst nach längerer Inkubationszeit der Hefezellen und auch nur in geringem Um-
fang (wenige Kolonien) zu beobachten. Interessanterweise zeigt konstitutiv aktives Go2α
ein genau gegensätzliches Verhalten bei Interaktionsstudien mit Rap1Gap - eine nach kur-
zer Zeit beobachtbare starke Interaktion (viele Kolonien). Obwohl sich Go1α und Go2α nur
in wenigen Aminosäuren ihrer GTPase-Domäne unterscheiden, zeigen sie bezüglich der
Interaktion mit Rap1Gap entgegengesetztes Verhalten. Da die Beteiligung von Goα und
Rap1Gap an Differenzierungsprozessen neuronaler Zellen (Neuritenwachstum; He et al.,
2006) beobachtet wird, sind die vorliegenden Ergebnisse besonders interessant. Bezüglich
der Regulation des Monoamintransports stellt Rap1Gap ein sehr interessantes Zielmolekül
dar. Neben der spezifischen Interaktion mit konstitutiv aktivem Go2α sind die starke Expres-
sion im Gehirn, die Beeinflussbarkeit durch cAMP-abhängige Kinasen und das Vorkommen
einer Thrombozytenisoform im Zusammenhang mit der Regulation des Monoamintransports
von Bedeutung.
Girdin oder auch GIV (Galpha interacting vesicle associated protein; Anai et al., 2005; Eno-
moto et al., 2005; Simpson et al., 2005, Le-Niculescu et al., 2005) ist ein weiteres nachge-
schaltetes Signal, das an der Regulation des vesikulären Monoamintransports beteiligt sein
könnte. Girdin wurde sowohl auf DNA als auch auf Proteinebene überwiegend in Gehirn und
Diskussion
98
Hoden, aber auch in Herz, Fettgewebe, Lunge und Milz nachgewiesen. Darüber hinaus wird
Girdin auch in hohem Maße in PC12-Zellen exprimiert. Für die Interaktion von Girdin mit
Gi3α ist eine Region zwischen den Aminosäuren 1399-1481 verantwortlich, die auch in den
beiden, hrend des Yeast-two-hybrid-Screenings identifizierten, Klonen enthalten ist. Gir-
din kommt auf allen Vesikeln im Zytoplasma vor, ist aber auf COPI-Vesikeln in der cis-Golgi-
Region vermehrt lokalisiert und scheint aufgrund seiner Struktur Membrankompartimente
mit den Mikrotubuli zu verbinden. Durch die Lokalisation auf Vesikeln ist Girdin möglicher-
weise an der vesikulären Neurotransmitterspeicherung beteiligt. Über welche Mechanismen
es dabei wirken könnte, ist bisher aber unklar.
6.5.2 Interaktionspartner, die mit beiden Goα
αα
α-Isoformen interagieren
Zu den Proteinen, die während des Yeast-two-hybrid-Screenings mit beiden Goα-Isoformen
interagieren, gehört das auf dem X-Chromosom kodierte Protein ALEX1 (Armadillo repeat
containing X-linked 1). Strukturell ist dieses Protein durch eine vorhergesagte Trans-
membrandomäne und zwei Wiederholungen des armadillo-Aminosäuremotives, das aus 42
Aminosäuren besteht, gekennzeichnet. Homologien bestehen zu humanem Importin α und
zum vakuolären Protein 8 in Hefe (Vac8p). ALEX1 wird, neben anderen Geweben, zu einem
hohen Maße im Gehirn exprimiert (Kurochkin et al., 2001). Aufgrund seiner vermutlichen
Membranlokalisation und Homologie zu Proteinen, die auf intrazellulären Strukturen lokali-
siert sind, und des starken m-RNA-Vorkommens im Gehirn kann ALEX1 relevant für die
Regulation von Neurotransmittermetabolismus und -speicherung sein.
Das Protein AGS3 wurde durch funktionelle Tests in Hefen identifiziert, in denen es in Ab-
wesenheit eines benötigten G-Protein gekoppelten Rezeptors heterotrimere G-Proteine ak-
tivieren konnte (Takesono et al., 1999). Wie der Mechanismus der G-Proteinaktivierung er-
folgt, ist dabei aber unklar (De Vries et al., 2000). Der C-terminale Anteil des Proteins ent-
hält vier G-Protein-regulatorische Motive (GPR-Motiv; bzw: GoLoco-Motiv) die auch in zahl-
reichen anderen Proteinen, darunter die zuvor beschriebenen Pcp2 und Rap1Gap, vor-
kommen. AGS3 zeigt in Gehirn und Leberhomogenat die höchste Immunreaktivität und
kann subzellulär sowohl in Zytosol als auch in der partikulären Fraktion nachgewiesen wer-
den (De Vries et al., 2000). Auch PC12-Zellen exprimieren AGS3. Darüber hinaus konnte
gezeigt werden, dass AGS3 in einem Yeast-two-Hybrid-Screening mit allen Giα-Isoformen
und Go1α aber nicht mit Gqα, Gzα, Gsα,oder G12α interagiert. Diese Beobachtungen
stimmen mit den nachgewiesenen Interaktionen von AGS3 mit konstitutiv aktivem Go1α und
Go2α, aber nicht Gqα, überein. Die kürzesten identifizierten AGS3-Klone enthielten minimal
die letzten drei der insgesamt vier C-terminalen GPR-Motive. Anscheinend ist für die Bin-
dung an AGS3 der Aktivierungsstatus des G-Proteins nicht von Bedeutung. Die Beeinflus-
Diskussion
99
sung der vesikulären Monoaminaufnahme aufgrund der zuvor zusammengefassten Eigen-
schaften durch AGS3 ist denkbar.
Neben AGS3 wurden weitere Regulatorproteine heterotrimerer G-Proteine als Interaktions-
partner beider Goα-Proteine identifiziert. Darunter waren die RGS-Proteine 17 (RGSz2), 19
(GAIP) und 20 (RGSz1), die zur RZ/A-Familie gehören und RGS14, das zur R12-Familie der
RGS-Proteine gehört. Für die RZ/A-Familie der RGS-Proteine ist bekannt, dass sie spezi-
fisch nur mit den Gα-Untereinheiten der i/o-Familie und Gzα interagieren. Eine Selektivität
gegenüber Gi/oα wird auch für RGS14 beschrieben. Für alle identifizierten RGS-Proteine ist
die Expression im Gehirn bekannt. RGS17 wird darüber hinaus auch in neuroendokrinen
Zellen exprimiert. Eine Besonderheit von RGS17 ist, dass es subzellulär auch im Zellkern
lokalisiert ist. Eine in der Literatur beschriebene Interaktion von RGS17 mit Gqα konnte für
konstitutiv aktives Gqα in dieser Arbeit nicht bestätigt werden (Mao et al., 2004). Auch die
für RGS19 beschriebene GAP-Aktivität bezüglich Gqα in vitro konnte während des Yeast-
two-Hybrid-Screenings nicht durch eine Interaktion bestätigt werden. RGS14 enthält neben
der RGS-Domäne zwei Rap-bindende Domänen sowie ein GoLoco-Motiv, wie es auch für
AGS3, Rap1Gap und Pcp2 beschrieben wurde. RGS14 ist im Affengehirn hauptsächlich mit
der Membranfraktion assoziiert. Mikroskopische Untersuchungen zeigen zusätzlich, dass
RGS14 in überwiegendem Me zytoplasmatisch und dabei eher postsynaptisch lokalisiert
ist. Geringe Mengen RGS14 können auch im Zellkern nachgewiesen werden. In der Region
der Substantia nigra konnte RGS14 nur in Tyrosinhydroxylase-negativen Neuronen nach-
gewiesen werden. Prinzipiell könnten alle beschriebenen RGS-Proteinvarianten an der Re-
gulation der vesikulären Monoaminaufnahme und des Monoaminmetabolismus beteiligt
sein. Lediglich die Beteiligung von RGS14 ist aufgrund der subzellulären und zellulären Lo-
kalisation fraglich.
Für das dem Apolipoprotein AI-bindenden Protein ähnliche Transkript, das während des
Screenings identifiziert wurde, liegt noch kein Nachweis auf Proteinebene vor. Für das ver-
wandte Protein APOA1BP wurden die Expression im Gehirn und ein gleichzeitig hoher Li-
quorspiegel nachgewiesen. Über Interaktionen mit G-Proteinen oder andere Isoformen ste-
hen derzeit keine Informationen zur Verfügung. Da das Protein jedoch sezerniert wird, ist
eine Beteiligung an intrazellulären Signaltransduktionswegen eher unwahrscheinlich.
Ein weiteres Protein, für das noch keine Interaktionen mit G-Proteinen beschrieben ist, ist
das TNF-α-induzierte Protein 8 (TNFAIP8; SCC-S2; GG2-1). Dabei handelt es sich um ein
antiapoptotisches Protein, dessen Transkript eine ubiquitäre Gewebeverteilung aufweist.
6.5.3 Proteine die mit beiden Goα
αα
α-Isoformen und mit Gqα
αα
α interagieren
Das Protein Synembryn (Ric8) wurde erstmals in C. elegans identifiziert, wo Mutationen des
Synembryngens vermutlich durch Interaktionen mit Goα bzw. Gqα sowohl die synaptische
Diskussion
100
Übertragung, als auch die Spindelpolbewegungen während der Emryogenese beeinflusst
(Miller et al., 1996; Miller et al., 2000; Miller & Rand, 2000). Durch Yeast-two-Hybrid-
Untersuchungen konnte gezeigt werden, das Synembryn mit vielen verschiedenen Gα-
Untereinheiten interagiert, darunter Goα, Giα und Gqα. Für Goα und Gqα wird auch eine
Interaktion mit den konstitutiv aktiven Gα-Untereinheiten und Synembryn beschrieben (Tall
et al., 2003). Aufgrund seiner Bedeutung bei der synaptischen Übertragung in C. elegans ist
die Beteiligung an der Regulation des vesikulären Monoamintransports denkbar.
6.5.4 Zusammenfassung Yeast-two-Hybrid-Screening
Wie in den vorhergehenden Ausführungen gezeigt wurde, konnten durch das Yeast-two-
hybrid-Screening verschiedene Interaktionspartner identifiziert werden, die an der Regulati-
on des vesikulären Monoamintransports durch Go2α beteiligt sein könnten. Insbesondere
Rap1Gap, Girdin, AGS3, die identifizierten RGS-Proteine sowie Synembryn sind aufgrund
ihrer Beteiligung an der Regulation von Goα, der Assoziation mit synaptischen Vesikeln
bzw. der Beeinflussung der synaptischen Übertragung die wahrscheinlichsten nachgeschal-
teten Signaltransduktionsmoleküle. Andere Proteine, wie Eya4, Pcp2, sowie das APOAIBP-
ähnliche Protein, scheiden wegen ihres geringen und begrenzten Expressionsmusters im
Gehirn sowie der Sezernierung und des extrazellulären Vorkommens aus, bzw. ist eine Re-
gulation der vesikulären Neurotransmitterspeicherung eher unwahrscheinlich. Um die Liste
der potentiell bedeutenden Proteine weiter einzugrenzen, sollten, wenn der Proteinnachweis
durch verfügbare Antikörper möglich ist, in allen verwendeten Testsystemen, darunter sy-
naptische Vesikel und alle Zelllinien, das Vorkommen und die subzelluläre Lokalisation der
Proteine überprüft werden. Wenn es die Antikörper zulassen, sollte ebenfalls die in-vitro-
Interaktion mit konstitutiv aktivem Go2α durch Immunpräzipitationsexperimente bestätigt
werden. Alternativ ist weiterhin denkbar, dass keines der identifizierten Proteine in dem von
uns untersuchten Signaltransduktionsweg eine Rolle spielt. Denkbar wäre, dass multimere
Proteinkomplexe, die durch das Y2H-Screening nicht hätten identifiziert werden können,
Go2α am Vesikel regulieren. Dafür spricht, dass keines der identifizierten Proteine in Unter-
suchungen des Vesikelproteoms nachgewiesen werden konnte. Allerdings kann man dem
entgegnen, dass auch der VMAT2 in diesen Untersuchungen nicht identifiziert werden konn-
te. Als Bestandteil der Vesikel monoaminerger Neuronen ist die Konzentration des VMAT2
für massenspektrometrische Nachweismethoden - im Vergleich zu häufigeren vesikulären
Membranproteinen - vermutlich zu gering. Hilfreich hierbei wäre die Immunisolation von
Go2α-Proteinkomplexen und anschließende massenspektrometrische Analyse der isolierten
Proteine, um in einem komplementären Ansatz mit Vesikeln assoziierte und mit Go2α-
interagierende Proteine zu identifizieren. Dadurch könnten während des Yeast-two-Hybrid-
Screenings identifizierte Proteine bestätigt werden und gleichzeitig multimere Interaktions-
Diskussion
101
partner von Go2α identifiziert werden. Darüber hinaus könnten potentielle Interaktionspart-
ner in verschiedenen Testsystemen der vesikulären Monoaminaufnahme überexprimiert
bzw. ausgeschaltet werden, um gegebenenfalls eine Beeinflussung des Monoa-
mintransports zu beobachten und dadurch Rückschlüsse auf eine Beteiligung am Go2α-
Signalweg zu ziehen.
Neben der Identifikation potentieller Go2α-Interaktionspartner bestätigen die Ergebnisse des
durchgeführten Yeast-two-Hybrid-Screenings, dass die Unterschiede von 25 Aminosäuren
zwischen Go1α und Go2α deutliche Unterschiede in ihrer Spezifität zu nachgeschalteten
Signaltransduktionsproteinen verursachen. Dafür sprechen Beobachtungen, dass während
des durchgeführten Screenings spezifisch nur mit konstitutiv aktivem Go2α interagierende
Proteine Eya4, Pcp2 und KIAA1045 gefunden werden konnten. Bezüglich der Spezifität wä-
re es interessant zu untersuchen, ob die jeweiligen Goα-Isoformen auch in ihrer Wildtypkon-
formation die spezifischen Interaktionsmuster aufweisen. So existieren in der Literatur für
Pcp2 deutliche Hinweise auf eine Interaktion mit Wildtyp-Go1α in Yeast-two-hybrid-
Experimenten. Während des in dieser Arbeit durchgeführten Screenings mit konstitutiv akti-
vem Go1α, konnte hingegen keine Interaktion nachgewiesen werden. Ebenso scheint die
Interaktion von Girdin und Rap1Gap gleichermaßen schwächer mit konstitutiv aktivem Go1α
zu erfolgen, wohingegen in der Literatur eine stärkere Interaktion mit Wildtyp-Go1α be-
schrieben ist.
Beide Goα-Isoformen scheinen zusätzlich in Abhängigkeit von ihrem Aktivierungszustand
antagonistisch zu wirken. Zukünftig ist daher eine differenziertere Betrachtungsweise bei
Prozessen nötig, die durch Goα vermittelt werden.
Unabhängig von dieser scheinbar antagonistischen Wirkungsweise beider Goα−Isoformen
wurden neben zahlreichen bekannten Gα-Interaktionspartnern durch das Yeast-two-hybrid-
Screening neuartige Goα-Interaktionspartner identifiziert, darunter Eya4, das bisher uncha-
rakterisierte Protein KIAA1045, ALEX1, TNFAIP8 und das dem Apolipoprotein AI bindenden
Protein ähnliche Protein. Insbesondere für diese Proteine ist es wichtig, die Interaktion mit
Goα durch weitere Methoden zu überprüfen und nachzuweisen, dass die Interaktion intra-
zelluzlär auch möglich ist. Besonders auffällig ist, dass zahlreiche der identifizierten Proteine
auch im Zellkern vorkommen können bzw., dass eine Assoziation mit dem Zytoskelett vor-
liegt. Die nukleäre Lokalisation ist für die Interaktionspartner Eya4 als transkriptionellen Ak-
tivator und KIAA1045 mit seiner Zinkfingerdomäne wahrscheinlich und konnte auch für
RGS14 und RGS17 beobachtet werden. Die Beeinflussung nukleärer Prozesse durch
Go2α scheint daher wahrscheinlich. Wie bereits unter 3.5.3 beschrieben, ist für zahlreiche
Gα-Untereinheiten auch eine Loaklisation im Zellkern beobachtet worden.
Diskussion
102
Proteine, die Go2α mit einer Funktion im Zytoskelett in Verbindung bringen, sind Girdin und
Synembryn. Girdin, das über eine N-terminale Mikrotubuli-bindende Domäne verfügt und
zusätzlich membranassoziiert vorliegen kann, verbindet vesikuläre Kompartimente - auf de-
nen Go2α nachgewiesen werden kann - mit den Mikrotubuli des Zytoskeletts. Ebenso
scheint Synembryn an der Spindelausbildung durch Generierung von Zugkräften astraler
Mikrotubuli beteiligt zu sein. Dadurch verbindet es ebenfalls Go2α mit einer Zellkernlokalisa-
tion und den Mikrotubuli.
6.6 Ausblick
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit konnten viele Aspekte der Regulation des vesikulären
Monoamintransports durch heterotrimere G-Proteine und der daran beteiligten Signaltrans-
duktionswege untersucht werden.
So konnte gezeigt werden, dass der VMAT2 über seine erste intraluminale Schleife an der
Signaltransduktion, die die vesikuläre Füllung beeinflusst, beteiligt ist. Offen geblieben ist
jedoch, wie dabei die Signaltransduktion ins Zytoplasma erfolgt. Eine aussichtsreiche, bis-
her nicht untersuchte Struktur des VMAT2 ist dabei der N-Terminus. Gegebenenfalls sollte
zusätzlich eine erneute Untersuchung der zytoplasmatischen Schleife zwischen den TMD
VI/ VII, bei der anstelle der kompletten Schleife nur kleinere Ausschnitte entfernt werden,
stattfinden.
Durch die Identifizierung vieler potentieller Go2α-Interaktionspartner während des Yeast-
two-Hybrid-Screenings ergeben sich zwingend Untersuchungen, die die Interaktion auf zu-
sätzlichem Wege, z.B. über Koimmunpräzipitation, nachweisen können. In einem komple-
mentären Ansatz wäre die Aufreinigung von Go2α-Proteinkomplexen verschiedener Zellen
und Gewebe über eine Immunaffinitätschromatographie mit anschließender Proteinidentifi-
zierung sinnvoll. Dadurch könnten neben der Bestätigung der in dieser Arbeit identifizierten
Proteine auch multimere Interaktionspartner identifiziert und ein besseres Verständnis betei-
ligter Signalkomplexe erreicht werden. Zusätzlich dazu sollte die Analyse der zellulären und
subzellulären Lokalisation der identifizierten Proteine in monoaminsynthetisierenden Zellen
und Gehirnregionen im Mittelpunkt stehen, um gliche physiologische Interaktionen wäh-
rend der Neurotransmitterspeicherung nachzuweisen. In einem nächsten Schritt könnte
dann durch gezielte Deletion identifizierter physiologischer Interaktionspartner die Beein-
flussung der Neurotransmitterspeicherung untersucht werden.
Die festgestellten verminderten Monoaminspiegel im Striatum und damit assoziierte motori-
sche Defizite von Go2α-Deletionsmutanten belegen erstmals die Bedeutung für das mono-
aminerge System. Für die Bestätigung der verminderten Monoaminspeicherung in den Ve-
sikeln wären Untersuchungen zur Bestimmung der freigesetzten Monoamine mittels Ampe-
rometrie sinnvoll. Dadurch könnte zusätzlich überprüft werden, ob auch andere monoamin-
Diskussion
103
erge Zellen, so z.B. neuroendokrine Zellen des Nebennierenmarks, ebenfalls verminderte
Monoaminspiegel aufweisen. Darüber hinaus wären zusätzliche Verhaltensexperimente, die
weitere mit vermindertem Monoaminspiegel assoziierte Krankheiten, wie z.B. Parkinson
oder Depressionen, untersuchen, sinnvoll.
Sollte Go2α die Vesikelpermeabilität beeinflussen, wäre auch die Untersuchung weiterer
Neurotransmittersysteme auf Veränderungen in den Go2α-Deletionsmutanten sinnvoll.
Abkürzungen
104
7 Abkürzungen
°C Grad Celsius
3-AT 3-Aminotriazol
A Adenosin / Ampere
ADP Adenosindiphosphat
AGS Activator of G-Protein signalling
ATP Adenosintriphosphat
bait Köder
BCA Bicinchoninsäure
BON humane Pankreaskarzinoidzelllinie
bp Basenpaar
BSA Rinderserumalbumin
C Cytidin
c Konzentration
Ca
2+
Kalziumionen
cAMP zyklisches Adenosinmonophosphat
CAPS calcium-dependent activator protein for secretion
cDNA Komplementär-DNA
cfu Kolonie bildende Einheiten (colony forming units)
CHO Zelllinie aus den Ovarien des chinesischen Hamsters
ClC Chloridkanal
cpm counts per minute / Zählungen pro Minute
CPP-Test conditioned place preference test
µH+ elektrochemischer Gradient
Da Dalton
DAT Dopaminplasmamembrantransporter
DbcAMP Dibutyryl-cAMP
DMEM Dulbecco's Modified Eagle Medium
DMSO Dimethylsulfoxid
DNA Desoxyribonukleinsäure
dNTP Desoxyribonukleosidtriphosphat
pH pH-Gradient
dpm disintegration per minute / Zerfälle pro Minute
DTT Dithiothreitol
∆Ψ elektischer Gradient
EAAT exzitatorischer Aminosäuretransporter
ECL Enhanced Chemiluminescence
EDTA Ethylendiamintetraacetat
EGFP enhanced green fluorescent protein
EGTA Ethylenglykolbis(2-aminoethyl-)tetraacetat
FBS fötales Kälberserum
G Guanosin
GABA γ-Aminobuttersäure
GAP GTPase-aktivierendes Protein
GDP Guanosindiphosphat
GEF Guanylnukleotidaustauschfaktor
GFP green fluorescent protein
GMP-P(NH)P 5´-Guanylylimidodiphosphat
GPCR G-Protein gekoppelter Rezeptor
G-Protein G-Protein
GTP Guanosintriphosphat
GTPase GTP-spaltende Enzyme
GTPγS Guanosin-5´-O-(thiotriphosphat)
h Stunde
H
2
O Wasser
HDC Histidindekarboxylase
HPLC-EC Hochleistungsflüssigchromatografie mit elektrochemischer Detektion
IC
50
mittlere inhibitorische Konzentration
K
M
Michaelis-Menten-Konstante
LB Luria Bertani Medium
LDCV Large Dense Core Vesicles
L-DOPA Dihydroxyphenylalanin
MA Monoamin
Abkürzungen
105
MAO Monoaminooxidase
MF Membranfraktion
min Minute
MPP+ 1-Methyl-4-phenylpyridinium
MPTP 1-Methyl 4-phenyl-1,2,3,6-tetrahydropyridin
NET Noradrenalinplasmamembrantransporter
OD Optische Dichte
PAGE Polyacrylamidgelelektrophorese
PBS phosphatgepufferte Salzlösung
PC12 Phäochromozytomzelllinie der Ratte
Pcp Purkinje cell protein
PCR Polymerasekettenreaktion
PEG Polyethylenglykol
Pi Phosphatanion
Pipes Piperazin-N,N´-bis [2-ethansulfonsäure]
prey Beute
Ptx Pertussistoxin
QDO Quadruple-Dropout-Medium
Rap1Gap Rap1-GTPase aktivierendes Protein
RGS Regulator of G-Protein signalling
RNA Ribonukleinsäure
RNAse Ribonuklease
rpm Umdrehungen pro Minute (revolutions per minute)
RT Raumtemperatur
s Sekunde
screening Durchmusterung
SD Synthetisches Dropoutmedium
SDS Natriumdodezylsulfat
SEM mittlerer Standardfehler
SERT Serotoninplasmamembrantransporter
SLMV Small synaptic-like microvesicles
SLO Streptolysin O
SSV Small synatic vesicles
T Thymidin
TAE Tris-acetat-EDTA
TE Tris-EDTA
TH Tyrode HEPES
TMD Transmembrandomäne
TPH Tryptophanhydroxylase
Tph1 Tryptophanhydroxylase 1
Tris Tris(hydroxymethyl)-aminomethan
U Unit (Einheit der Enzymaktivität)
ÜN über Nacht
UV Ultraviolett
v/v Volumen pro Volumen
VAChT vesikulärer Azetylcholintransporter
vATPase vakuoläre ATPase
VF Verdünnungsfaktor
VGAT vesikulärer GABA-Transporter
VIAAT vesikulärer inhibitorischer Aminosäuretransporter
VMAT vesikulärer Monoamintransporter
Vmax Maximalgeschwindigkeit enzymatischer Reaktionen
w/w Gewicht pro Gewicht
w/v Gewicht pro Volumen
Wt Wildtyp-Mäuse
x g Erdbeschleunigung
X g
max
maximale Erdbeschleunigung (Zentrifugation)
X-α-Gal 5-Bromo-4-chloro-3-indolyl-α-D-galactopyranosid
X-Gal 5-Bromo-4-chloro-3-indolyl-β-D-galactopyranosid
Y2H Yeast two hybrid
YE Hefeextrakt
YNB Yeast Nitrogen Base
z.B. zum Beispiel
ZNS Zentrales Nervensystem
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Veröffentlichungen
116
Veröffentlichungen
Publikationen:
Deletion of Go2α abolishes cocaine-induced behavioral sensitization by disturbing
the striatal dopamine system
Brunk I, Blex C
*)
, Sanchis-Segura C, Sternberg J, Perreau-Lenz S, Bilbao A, Hörtnagl H, Baron J,
Juranek J, Laube G, Birnbaumer L, Spanagel R and Ahnert-Hilger G
FASEB J.; zur Publikation angenommen
Regulation of the murine monoamine oxidase A gene by circadian clock components
implies clock influence on mood
Hampp G, Ripperger JA, Houben T, Schmutz I, Blex C, Brunk I, Ahnert-Hilger G, Meijer J and Alb-
recht U
Curr Biol. 2008; 18:678-683
The first luminal domain of vesicular monoamine transporters mediates G-protein-
dependent regulation of transmitter uptake
Brunk I, Blex C, Rachakonda S, Höltje M, Winter S, Pahner I, Walther DJ, Ahnert-Hilger G
J Biol Chem. 2006 281:33373-33385
Regulation of vesicular monoamine and glutamate transporters by vesicle-
associated trimeric G proteins: new jobs for long-known signal transduction mole-
cules
Brunk I, Holtje M, von Jagow B, Winter S, Sternberg J, Blex C, Pahner I, Ahnert-Hilger G.
Handb Exp Pharmacol. 2006; 175 :305-325
*)
gleichberechtigter Autor
Tagungsbeiträge:
The first intravesicular domain of vesicular monoamine transporters serves as recep-
tor-like structure in G-protein mediated regulation of monoamine storage
Blex C, Brunk I, Rachakonda S, Winter S, Höltje M, Walther D and Ahnert-Hilger G;
Präsentation auf dem 7. Treffen der deutschen Neurowissenschaftlichen Gesellschaft, Göttingen
2007
Modulated monoamine storage in Gαo2-/- mice alters behavioural responses following co-
caine but not amphetamine treatment
Brunk I, Sanchis-Segura C, Blex C, Sternberg J, Perreau-Lenz S, Hörtnagl H, Spanagel R and Ah-
nert-Hilger G
Lebenslauf
117
Danksagung
Mein besonderer Dank gilt Frau Professor Dr. Gudrun Ahnert-Hilger für die Überlassung des
Themas und auch für die intensive und geduldige Betreuung während der gesamten Arbeit.
Herrn Professor Dr. Roland Lauster danke ich sehr für die unkomplizierte Übernahme der
Betreuung und Begutachtung dieser Arbeit seitens des Instituts für Biotechnologie der
Technischen Universität Berlin.
Frau Professor Dr. Heide Hörtnagl danke ich für die Durchführung von großen Teilen der
Monoaminbestimmungen mittels HPLC und Ihre Hilfe bei der Methodenetablierung in unse-
rer Arbeitsgruppe.
Herrn Professor Dr. Lutz Birnbaumer danke ich für die Überlassung der Goα-Knockout-
Mausmodelle und die cDNAs von Goα und Gqα.
Für ihre kompetente fachliche Anleitung und moralische Unterstützung möchte ich mich ins-
besondere bei Irene und Krishna bedanken.
Ursel, die mir besonders bei der Herstellung stabil transfizierter Zelllinien eine große Hilfe
war, gebührt ebenso großer Dank.
Für die Mithilfe in vielen kleinen und großen Dingen sowie das gute Arbeitsklima danke ich
auch all meinen weiteren Kollegen am Institut für Anatomie der Charitè, ausdrücklich: An-
nett, Birgit, Christian, Elisabeth, Jan, Jens, Johannes, Karin, Mahesh, Marion, Markus, Phi-
lipp, Suzan und Thomas.
Franziska und Irene danke ich an dieser Stelle außerordentlich für das Korrekturlesen und
die Suche nach Tippfehlern.
Meiner Frau Franziska, unseren Familien und Freunden danke ich für die aus- und andau-
ernde Unterstützung in jeglicher Art und Weise, Franziska auch insbesondere für Ihre Ge-
duld.