Matthias Bergmann, Bettina Brohmann,
Esther Hoffmann, M. Céline Loibl,
Regine Rehaag, Engelbert Schramm
und Jan-Peter Voß
Qualitätskriterien
transdisziplinärer
Forschung
Ein Leitfaden für die formative
Evaluation von Forschungsprojekten
Mit einem Vorwort von Thomas Jahn
Institut für
sozial-ökologische
Forschung (ISOE)
gefördert durch
Institut für
sozial-ökologische
Forschung (ISOE)
Matthias Bergmann, Bettina Brohmann,
Esther Hoffmann, M. Céline Loibl, Regine Rehaag,
Engelbert Schramm und Jan-Peter Voß
Qualitätskriterien transdisziplinärer Forschung
Ein Leitfaden für die formative Evaluation
von Forschungsprojekten*
Mit einem Vorwort von Thomas Jahn
*Der Leitfaden ist das zentrale Ergebnis des Vorhabens Evalunet – Evaluationsnetzwerk für transdisziplinäre
Forschung. Evalunet wird im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 07IFS06 gefördert.
ISOE-Studientexte, Nr. 13
ISSN 0947-6083
Institut für sozial-ökologische
Forschung (ISOE) GmbH
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 707 69 19-0
Fax +49 69 707 69 19-11
http://www.isoe.de
Frankfurt am Main, 2005
Layout: Edith Steuerwald, Harry Kleespies (ISOE)
Bildnachweis: Jürgen Mai
Inhalt
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
I. Abstract . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
II. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Methode und Verfahren zur Gewinnung der Kriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
III. Kurzanleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
IV. Das transdisziplinäre Projekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Unterscheidungsmerkmale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
Idealtypischer Ablauf eines transdisziplinären Forschungsvorhabens . . . . . . . . . . . . . 17
V. Hinweise zum Gebrauch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Voraussetzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Empfehlungen für den Gebrauch zur internen Evaluation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
VI. Verortung des Projekts innerhalb der transdisziplinären Forschung
und eigene Erfolgskriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Unterscheidungsmerkmale und Erfolgskriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Rahmendaten des Projekts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
VII. Basiskriterien zur Evaluation von transdisziplinären Forschungsprojekten . . . . . . . . 27
A Basiskriterien: Akteure, Projektkonstruktion und -formulierung . . . . . . . . . . . . . 28
A.1 Akteure und Kompetenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
A.2 Problemformulierung, Fokussierung, Ziele und Erfolgskriterien . . . . . . . . . . . . . . . 28
A.3 Projektplanung und Finanzierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
BBasiskriterien: Projektdurchführung und Methodik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
B.1 Arbeitsplanung und Projektleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
B.2 Transdisziplinäre Methodik und Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
B.3 Reflexion und Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
CBasiskriterien: Ergebnisse, Produkte und Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
C.1 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
C.2 Produkte und Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
C.3 Verallgemeinerbarkeit und Umsetzbarkeit von Ergebnissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
C.4 Berechtigung des transdisziplinären Ansatzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
VIII. Katalog der Detailkriterien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
ADetailkriterien: Akteure, Projektkonstruktion und -formulierung . . . . . . . . . . . . . 36
A.1 Akteure und Kompetenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
A.2 Problemformulierung, Fokussierung, Ziele und Erfolgskriterien . . . . . . . . . . . . . . . 42
A.3 Projektplanung und Finanzierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
BDetailkriterien: Projektdurchführung und Methodik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
B.1 Arbeitsplanung und Projektleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
B.2 Transdisziplinäre Methodik und Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
B.3 Reflexion und Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
CDetailkriterien: Ergebnisse, Produkte und Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
C.1 Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
C.2 Produkte und Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
C.3 Verallgemeinerbarkeit und Umsetzbarkeit von Ergebnissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
C.4 Berechtigung des transdisziplinären Ansatzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
IX. Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
Themenzentrierte Kriterien-Matrix . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
Mitglieder der Evalunet-Projektgruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
Liste der ausgewerteten Projekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
Bearbeiter/innen der ausgewerteten Projekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
Experten/innen und Kommentatoren/innen in den Projektauswertungen . . . . . . . . . . . 73
Experten/innen der Stakeholder-Workshops und der Klausurtagung . . . . . . . . . . . . . . . 74
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
Evalunet
5Evalunet
Vorwort
Viele kennen es: Mitten in einem anspruchsvollen transdisziplinären Forschungsprojekt
kommt Panik auf – insbesondere bei der verantwortlichen Projektleitung. Wie sind die ver-
schiedenen Forschungsstränge zusammenzuführen? Wie ist es zu leisten, dass die Mitglieder
des heterogen zusammengesetzten Teams aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen
und der Praxis einander verstehen? Wie kann der gegenseitige Austausch von Fortschritten
und Ergebnissen so organisiert werden, dass erforderliche Abstimmungsprozesse zu einem
guten Gesamtergebnis beitragen? Wie werden die Ergebnisse von den Projektbeteiligten und
von außen bewertet? Und wie können diese, da sie doch quer zu disziplinären Qualitätsmaß-
stäben liegen, in der Wissenschaft bestehen und gleichzeitig im Praxiskontext aufgenommen
werden? Diese und viele andere Fragen sind typisch für komplexe, fächerübergreifende und
praxisbezogene Forschungssituationen.
Forschung bewegt sich auch heute noch zum größten Teil innerhalb von Disziplin-
grenzen. Problemstellungen sind durch innerwissenschaftliche Interessen geprägt, gesell-
schaftliche Problemlösungsprozesse mit einem lebens- bzw. alltagsweltlichen Problemkern
sind nicht das vorrangige Ziel. Die Forschenden bewegen sich zwar zunehmend auf inhalt-
lich neuem Terrain, die wissenschaftlichen Problemlösungsprozesse sind jedoch nach wie
vor durch disziplinäre Ordnungsmuster strukturiert, die Qualitätskriterien der Forschungsar-
beit noch immer disziplinbezogen.
Konkrete gesellschaftliche Problemlagen erfordern Lösungsprozesse (und Lösungen),
die die Ordnung der Disziplinen überschreiten und über rein innerwissenschaftliche For-
schungsprozesse und -ansätze hinausgehen. Je neuartiger dabei das zu lösende praktische
Problem und je unsicherer das verfügbare wissenschaftliche Wissen für mögliche Problem-
lösungen ist, desto wichtiger werden diese Grenzüberschreitungen. Der Kern der transdiszi-
plinären Forschung liegt in diesen Grenzüberschreitungen und ihren Methoden. Gleichzeitig
werden damit aber die Fragen nach Qualitätsmaßstäben und der Bewertungspraxis einer sol-
chen Forschung aufgeworfen. Einen anerkannten Kanon dafür kann die transdisziplinäre
Forschung, insbesondere aufgrund ihres jungen Alters, hier noch nicht für sich beanspru-
chen, allenfalls lassen sich erste Ansätze in dieser Richtung beobachten. Das Projekt Eva-
lunet markiert einen Meilenstein auf diesem Weg.
Die transdisziplinäre sozial-ökologische Forschung musste sich dieser Herausforde-
rung frühzeitig stellen. Aufgrund der beschriebenen Unsicherheitsfaktoren war sie von Be-
ginn an mit mehreren, miteinander verknüpften Problemen konfrontiert. So hatte (und hat)
sie sich einerseits mit einem ausgeprägten Wahrnehmungsproblem auseinanderzusetzen: Die
disziplinären Wahrnehmungsraster können nicht auf sie angewandt werden und dies kann
zu ihrer Abwertung als Wissenschaft oder ihrer Ergebnisse führen. Eng verknüpft ist damit
andererseits auch das Problem der Bewertung: Transdisziplinäre Forschungsanträge und
Forschungsergebnisse unterliegen in der Regel einer Mehrfachbegutachtung, konkurrieren
mit dem Kriterium disziplinärer Spitzenleistung und bleiben an der Stelle transdisziplinärer
Integrationsleistung unbewertet – das heißt insgesamt unterbewertet. Es gibt kein allge-
mein-wissenschaftlich anerkanntes „Set“ an Kriterien für gute transdisziplinäre Forschung,
kein dem Disziplinverständnis entsprechendes geteiltes und anerkanntes Verständnis von
Transdisziplinarität. Darüber hinaus hat die transdisziplinäre sozial-ökologische Forschung
ein spezifisches Kooperationsproblem, da es noch immer an forschungs- und wissen-
schaftspraktischen Routinen für transdisziplinäre Integrationsprozesse auf allen Ebenen ei-
nes Forschungsprozesses mangelt, gleichwohl sich hier das Schicksal der konkreten For-
schungsprojekte entscheidet.
In den letzten Jahren hat der Umgang mit diesen Problemen entweder in wissenschaftstheo-
retisch geprägten Diskursen stattgefunden oder in der konkreten Forschungspraxis, insbe-
sondere innerhalb der außeruniversitären Forschung. Dazwischen hat sich systematisch eine
Lücke aufgetan. Sie zu schließen war das übergreifende Ziel von Evalunet. Dafür war zu-
nächst ein Zusammenschluss mehrerer von diesen Problemen betroffener Institutionen er-
forderlich – eine Einrichtung alleine hätte diese Aufgabe nicht lösen können. Und es be-
durfte eines eigenen – transdisziplinären – Forschungskonzepts mit einem ausgewiesenen
Praxisbezug, einer eigenen Methodenentwicklung und einem fächerübergreifenden Team.
Doch erst mit der Einrichtung des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung
durch das Bundesforschungsministerium im Jahr 2000 wurden die entscheidenden institu-
tionellen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen, das Projekt tatsächlich auch durch-
zuführen und die Grundidee zu einem tragfähigen Konzept auszubauen. Dieses Konzept bil-
dete den Rahmen für das Forschungsprojekt „Evaluationsnetzwerk für transdisziplinäre For-
schung“, das in seiner Arbeitsweise, seiner Anlage und seinen Fragestellungen bislang ein-
zigartig ist. In mehrjähriger Arbeit unter Beteiligung zahlreicher Expertinnen und Experten
aus unterschiedlichen Fachgebieten und institutionellen Zusammenhängen wurde eine Viel-
zahl transdisziplinärer Forschungserfahrungen ausgewertet und zu Kriterien und Verfahren
für die Evaluation verarbeitet. Dabei war das breite Spektrum der Forschungsinhalte und
Forschungs-Settings der innerhalb des Vorhabens evaluierten transdisziplinären For-
schungsprojekte eine zentrale Voraussetzung, um einen praxistauglichen Leitfaden für die
transdisziplinäre Forschung zu erarbeiten, wie er nun mit dem Kriterienkatalog vorliegt. Er
stellt einerseits den Abschluss dieses mehrjährigen Arbeits- und Forschungsprozesses dar, ist
aber – so hoffen wir – zugleich der Beginn einer nächsten Phase der praktisch-reflexiven
Auseinandersetzung um das Verständnis von transdisziplinärer Forschung und damit einer
nächsten Phase der Stärkung der transdisziplinären Forschungspraxis insgesamt.
Das Anerkennen der Tatsache, dass Forschung und Wissenschaft nicht unabhängig
von den beteiligten Personen sind, war innerhalb der Arbeit im Projekt Evalunet ein ent-
scheidender Faktor, lässt sich aber auf die transdisziplinäre Forschung im Allgemeinen über-
tragen. Die innerhalb der transdisziplinären Forschung Tätigen müssen die Fähigkeit mit-
bringen, mit sehr unterschiedlichen Wissens- und Arbeitsformen umzugehen. Sie müssen ei-
gene – disziplinäre – Grenzen anerkennen sowie die Bereitschaft und das Interesse aufbrin-
gen, konzeptionelles und methodisches Neuland zu beschreiten.
Die Mitglieder der Evalunet-Projektgruppe und die sie unterstützenden Kolleginnen
und Kollegen aus sehr unterschiedlichen Forschungskontexten haben mit ihrer Offenheit
und Kooperations- sowie Diskussionsbereitschaft entscheidend dazu beigetragen, dass die
anspruchsvolle Aufgabe von Evalunet zu dem vorliegenden Ergebnis kommen konnte. Ein
besonderer Dank gilt Matthias Bergmann, der die Arbeit der Projektgruppe erfolgreich gelei-
tet hat und dem ein wesentlicher Anteil am Zustandekommen des Kriterienkatalogs in seiner
jetzigen Form zukommt. Ohne ihn und seine Fähigkeit, Unterschiede und Unterschiedliches
in einer produktiven Balance zu halten, wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen.
Thomas Jahn
Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE
Frankfurt am Main, 15. September 2005
Vorwort
Evalunet 6
Evalunet
Evalunet
7Evalunet
I. Abstract
Transdisziplinäre Forschung befasst sich mit lebensweltlichen Problemstellungen. Bei der
Forschungsarbeit müssen Experten/innen aus verschiedenen Fächern bzw. Disziplinen und
aus der Praxis zusammenwirken, um die komplexe Problematik umfassend behandeln zu
können. Diese Vielfalt, die besondere Formen der Kooperation, der Differenzierung und In-
tegration, Methoden und Theorien impliziert, bringt es mit sich, dass gängige, bei der fach-
bezogenen Bewertung hinreichende Verfahren der Evaluation und der Qualitätssicherung
nicht unmittelbar auf solche Forschungsvorhaben übertragen werden können. Diesem Man-
gel an Kriterien und Methoden der Evaluation begegnet Evalunet, das Evaluationsnetzwerk
für transdisziplinäre Forschung, mit dem vorgelegten Leitfaden für die Forschungspraxis,
der vor allem ausführlich beschriebene Qualitätskriterien enthält und ebenso Aussagen zu
methodischen und Verfahrensfragen macht. Er ist aus der empirischen Auswertung konkre-
ter transdisziplinärer Forschungsprojekte und unter Mithilfe zahlreicher Experten und Ex-
pertinnen aus verschiedenen Fachrichtungen entstanden. Der Leitfaden dient dem Zweck der
Evaluation von transdisziplinären Forschungsprojekten, wobei dieses Instrument auf den
Aspekt des Lernens aus dem Evaluationsvorgang (formative Evaluation) zugeschnitten ist
und bei der Aus- und Bewertung auf einen Diskurs setzt (diskursive Evaluation). Neben ei-
ner Evaluierung mittels der ausführlich beschriebenen Detailkriterien ist auch eine weniger
aufwändige Evaluation mit Hilfe einer Kriterienauswahl (Basiskriterien) möglich. Die Qua-
litätskriterien können auch für die Konzipierung neuer transdisziplinärer Forschungsvorha-
ben genutzt werden.
Transdisciplinary research projects investigate problems from everyday life. Experts from
various disciplines and practitioners from the practical field in question have to co-operate
to cope with the problem appropriately. Multiple forms of co-operation, differentiation and
integration, methods and theories are significant for such projects. So conventional methods
of disciplinary evaluation cannot be transferred and applied directly. In this situation, Eva-
lunet, the Network for Transdisciplinary Evaluation, offers this guide, which provides re-
searchers with very detailed evaluation criteria and descriptions of evaluation methods and
practices. The criteria and procedures were identified in an empirical process by evaluating a
number of transdisciplinary research projects. In this process, the Evalunet team was sup-
ported by numerous experts from various research areas. The main purpose of the guide is
to provide guidance for the evaluation of transdisciplinary research projects. The criteria
mainly support discursive evaluation processes that initiate learning processes for resear-
chers and evaluators (formative evaluation). A set with a reduced number of criteria (Basis-
kriterien) offers a basic procedure for the evaluation, while the larger set with more detailed
criteria (Detailkriterien) provides explanations and assistance in making a judgement. Crite-
ria can also be used for conceiving and constructing new research projects.
Evalunet
9Evalunet
II. Einleitung
Vorbemerkung
Transdisziplinäre Forschung hat in Diskussionen über neue Beziehungen zwischen Wissen-
schaft und Gesellschaft eine zentrale Bedeutung. Sie ist insbesondere relevant bei komple-
xen Problemlagen wie Nachhaltigkeit1. Mit transdisziplinären Forschungsansätzen können
Probleme ‘jenseits von Disziplinen’ adäquat aufgegriffen und – bei Entwicklung entspre-
chender Methoden zur Integration verteilten Wissens (verteilt auf verschiedene Fächer und
Praxisfelder) – bearbeitet werden.
Insbesondere in der außeruniversitären Umweltforschung hat sich seit den siebziger
Jahren in Deutschland und Österreich eine Forschungskultur entwickelt, die problem- und
lösungsorientiert die benötigten Kompetenzen aus Wissenschaft und Praxis zusammen-
bringt, um gesellschaftlich relevante und in der Regel komplexe Probleme zu bearbeiten.
Dabei treffen in der Regel sehr verschiedene Perspektiven, Interessen und Arbeitsstile auf-
einander.
Im Unterschied zu etablierten Routinen und Methoden bei der Arbeit im Rahmen wis-
senschaftlicher Disziplinen muss praktische Forschungsarbeit in solchen heterogenen Zu-
sammenhängen jedes Mal wieder neu gelernt werden, denn in der realen Lebenswelt auftre-
tende Probleme bedingen jeweils spezifische Formen eines Forschungs-Settings. Sie bringen
im Forschungsprozess unterschiedliche Akteure zusammen, die mit der Forschungsaufgabe
möglicherweise zunächst unterschiedliche Ziele verfolgen, die verschiedene Methoden der
Problembearbeitung mitbringen und aus unterschiedlichen Kontexten mit ihren jeweils ei-
genen Arbeitskulturen und institutionellen Verbindlichkeiten stammen. In der Integration so
unterschiedlich kontextualisierten Wissens und „Personals“ liegt eine der größten methodi-
schen Herausforderungen der transdisziplinären Forschung.
Angesichts einer gesteigerten gesellschaftlichen Erwartung an eine unterstützende
Funktion von Wissenschaft bei der Lösung von komplexen lebensweltlichen Problemen ge-
winnen die Aufarbeitung solcher methodischer Herausforderungen und die Entwicklung von
Verfahren und Kriterien der Qualitätssicherung für transdisziplinäre Forschung an Bedeu-
tung2. Mit dieser Zielstellung wurde Evalunet – Evaluationsnetzwerk für transdisziplinäre
Forschung entwickelt. Der Kern von Evalunet besteht aus sieben Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern aus Instituten mit langjähriger Erfahrung u.a. in transdisziplinärer For-
schung, sie bilden die Evalunet-Projektgruppe. Das Netzwerk Evalunet wurde aus dem For-
schungsverbund ökoforum heraus gebildet. Fünf der ökoforum-Institute (s. Anhang) tragen
Evalunet, das unter der Federführung des ISOE durchgeführt und von Matthias Bergmann
im Auftrag des ISOE geleitet wird.
Mit Unterstützung zahlreicher Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Fach-
gebieten und institutionellen Zusammenhängen (s. Anhang) wurden transdisziplinäre For-
schungsprojekte (und -erfahrungen) ausgewertet. Diese Auswertungen bildeten die Basis für
die erarbeiteten Kriterien und Verfahren der Evaluation transdisziplinärer Forschung. Allen
Projektbearbeitern/innen, die ihre Vorhaben dazu zur Verfügung stellten und allen Exper-
ten/innen wird an dieser Stelle von der Evalunet-Projektgruppe Dank ausgesprochen, denn
ohne den intensiven Diskurs mit ihnen wäre dieser Leitfaden nicht in der vorliegenden Qua-
lität zustande gekommen.
1Funtowicz/Ravetz 1993; Ravetz/Funtowicz 1999; Gallopín et al. 2001; Becker/Jahn 2000
2Gibbons et al. 1994; Nowotny et al. 2001; Bammé 2004; Hollaender et al. 2002; Hirsch Hadorn et al.
2002; Thompson Klein et al. 2002; Grunwald 1999; Brand 2000; Jäger/Scheringer 1998; Mogalle 2001;
Bergmann 2003; Schophaus et al. 2004; Pohl 2004; Loibl 2005; Jahn 2005
EinleitungII.
Evalunet 10
Evalunet
Darüber hinaus gilt es, Thomas Jahn ganz besonderen Dank auszusprechen. Als Leiter des
Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) hatte er die konzeptionelle Idee zu Eva-
lunet und arbeitete maßgeblich an seinem Entwurf mit. Aus diesem Grund und auch als Ver-
antwortlicher für das Projekt im Rahmen der Federführung des ISOE hat er das Projekt und
den Leiter der Projektgruppe mit seinem methodischen und konzeptionellen Wissen sehr
hilfreich begleitet.
Das vorliegende Papier ist das zentrale Ergebnis dieser Arbeit. Es enthält einen Leitfa-
den mit Kriterien zur formativen Evaluation3transdisziplinärer Forschungsvorhaben. Der
Leitfaden ist für die Qualitätssicherung während des Projektverlaufs sowie für die Bewer-
tung des Projekterfolgs gedacht und richtet sich im wesentlichen an Projektbearbeiter/innen
bzw. an die Institutionen, in denen sie beschäftigt sind. Er unterstützt auch die Aufgabe der
Konstruktion neuer Vorhaben.4
Insofern ist der vorliegende Text ein Gebrauchstext, d.h. er soll bei Fragen der Konzi-
pierung und Bewertung von Forschungsprojekten herangezogen werden und eine Unterstüt-
zung der transdisziplinären Forschungspraxis leisten. Es wird versucht, diesen Gebrauchs-
wert durch stringenten Aufbau und pragmatische Formulierungen zu fördern; es handelt
sich also weniger um einen wissenschaftlichen Aufsatz als um einen Leitfaden zum alltägli-
chen Gebrauch. Allerdings ist eine wissenschaftlich-analytische Arbeit von vier Jahren die
Grundlage, auf der dieser Leitfaden basiert, denn er wurde in einem intensiven Diskurs mit
vielen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Forschungspraxis erarbeitet (s.
hierzu im nächsten Abschnitt). Die analytische Dimension des Textes mag auch darin deut-
lich werden, dass das Identifizieren von Qualitätskriterien transdisziplinärer Forschung eine
gründliche Auseinandersetzung mit methodischen und wissenschaftstheoretischen Fragen
zur Voraussetzung gehabt hat.
Noch eine weitere Bemerkung zum Charakter des Textes, konkreter gesagt zum Gen-
der-Aspekt in der Textgestaltung: Es wird auf die Verwendung des Binnen-I und „neutraler“
Begriffe (beispielsweise Teilnehmende) verzichtet. Durch das Variieren von männlichen und
weiblichen Personenbezeichnungen bzw. das Nebeneinanderstellen beider Formen wird ver-
sucht, in diesem Text Konsequenz und Lesbarkeit miteinander zu verbinden, um so einer ge-
wissen Ratlosigkeit und Regelungsflut zu begegnen.
Methode und Verfahren zur Gewinnung der Kriterien
Grundlegender Ansatz von Evalunet ist es, dass vor allem in der Auseinandersetzung mit
der Forschungspraxis das Wissen für die Operationalisierung von Qualitätskriterien gewon-
nen wird und die Bedingungen für erfolgreiche transdisziplinäre Forschungsprozesse identi-
fiziert werden können. Evalunet hat deshalb im Zuge der Evaluation von sechs transdiszi-
plinären Forschungsprojekten und deren diskursiver Auswertung im Evalunet-Netzwerk sol-
che Kriterien ermittelt. Der hier vorgelegte Kriterienkatalog ist das zentrale Ergebnis dieser
Projektauswertungen und des Erfahrungsaustausches zwischen den Mitgliedern der Eva-
lunet-Projektgruppe. Er wurde in der direkten, diskursiven Auseinandersetzung mit den For-
schenden und mit Experten/innen der Wissenschaftsforschung, Wissenschaftsadministration
3Siehe hierzu den folgenden Abschnitt „Methode und Verfahren zur Gewinnung der Kriterien“.
4Qualitätskriterien, die zur Evaluation von Forschungsprojekten dienen, können grundsätzlich größten-
teils auch als Hinweise für die Formulierung und Konstruktion neuer Vorhaben dienen. Beide Anwen-
dungen unterscheiden sich i.d.R. lediglich in der Ausformulierung des jeweiligen Aspekts.
Evalunet
11 Evalunet
sowie jeweils zentraler Fachgebiete5entwickelt. Evalunet bezieht sich dabei in seiner Arbeit
auf transdisziplinäre Forschung insgesamt, unabhängig von inhaltlich bestimmten For-
schungsfeldern oder -typen.
Transdisziplinäre Forschung lebt u.a. von der gezielten, angemessenen personellen,
fachlichen und praxisbezogenen Zusammensetzung der Forschungsverbünde, die ein For-
schungsvorhaben durchführen. Die Vielfalt der Forschungsperspektiven in solchen Projekt-
teams erfordert es, dass bei der Evaluation transdisziplinärer Projekte ebenfalls eine Vielfalt
von Perspektiven auf das Forschungsgeschehen eingenommen wird. Ein Peer Review im ei-
gentlichen Sinne – also eine Evaluation durch Fachkollegen/innen – ist daher kaum denk-
bar. Das bei den Projektauswertungen angewendete Evaluationsverfahren kann als Expert
Review beschrieben werden, bei dem die Gruppe der Evaluierenden aus Fachleuten zusam-
mengesetzt ist, die den Untersuchungsgegenstand aus einzelfachlicher und/oder fachlich
integrierter Perspektive beurteilen können und solchen Wissenschaftlern/innen, die Erfah-
rungen bzw. Expertise6hinsichtlich des Durchführens, Konzipierens oder Bewertens von he-
terogener bzw. transdisziplinärer Forschung besitzen. Außerdem wurden – in geringerem
Umfang – auch Experten/innen einbezogen, die Erfahrungen mit Forschung im Kontext ih-
rer Aufgaben sammeln wie bspw. Mitarbeiter/innen aus forschungsfördernden Einrichtun-
gen (Ministerien, Stiftungen u.a.), öffentlichen Einrichtungen der Ressortforschung oder
Einrichtungen der Forschungsbegleitung (Projektträger, Consultants u.a.).
Zu Beginn der Entwicklung einer geeigneten Evaluationsmethodik stand das Formu-
lieren von Fragen an die Forschenden. Zwar präsentierten die Forschungsteams den Evalua-
toren/innen jeweils umfangreiche Dokumente ihrer Forschungsarbeit zur Auswertung, aber
solche Berichte, Publikationen etc. beinhalten in der Regel nur wenige Aussagen über trans-
disziplinäre Forschungsprozesse, über erfolgreiche oder gescheiterte Integrationsmethoden,
also über wichtige Zeugnisse der Forschungsarbeit jenseits der inhaltlichen Ergebnisse. Da-
her entwickelte die Evalunet-Gruppe einen Fragenkatalog, der genau diese Aspekte adres-
sierte. Er entstand aus der einschlägigen, nicht eben umfangreichen Literatur7sowie aus ei-
genem Erfahrungswissen und wurde jeweils von der einen zur nächsten Projektauswertung
auf Grundlage der gemachten Erfahrungen verbessert. Er wurde von jedem der Forschungs-
teams gemeinsam beantwortet. Die Dokumente mit den von jedem Team beantworteten Fra-
gen können als wichtiger Bestandteil der Materialien gelten, auf denen die Kriterienbildung
von Evalunet basiert. Ebenso wie die schriftlichen Stellungnahmen der Kommentatoren/in-
nen zu den Projekten und die schriftlichen Dokumentationen zum gesamten Evaluations-
prozess und seinen Ergebnissen (hinsichtlich der Projektbewertung und der Kriterienbil-
dung) werden sie aber der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. Da die Projektauswer-
tung vorrangig dem Zweck der Kriterienbildung diente und nicht in einem unmittelbaren
öffentlichen Interesse stand, wurde den Projektteams die Vertraulichkeit der direkt projekt-
bezogenen Evaluationsergebnisse zugesichert, um eine größtmögliche Offenheit im Auswer-
tungsprozess zu garantieren. Die verallgemeinerbaren Schlussfolgerungen aus den Pro-
jektauswertungen finden sich hier in diesem Dokument. Außerdem entstanden aus dem Pro-
jekt heraus bzw. im Zusammenhang mit ihm einige Publikationen.8
5Eine Liste der ausgewerteten Projekte sowie der Experten/innen und Kommentatoren/innen, die die Eva-
lunet-Projektgruppe unterstützt haben, befindet sich im Anhang.
6Hier erwies sich die Wissenschaftsforschung (insbesondere Wissenschaftssoziologie und -theorie) als be-
sonders relevant.
7Defila/Di Giulio 1999; Krott 2002
8Bergmann 2003; Loibl 2003; Nölting et al. 2004; Jahn 2005
EinleitungII.
Evalunet 12
Evalunet
Im Verlauf des Vorhabens hat sich gezeigt, dass über alle intensive Beschäftigung mit Doku-
menten zu den Forschungsergebnissen und schriftlich beantworteten Fragen hinaus ein Ver-
fahrensaspekt besondere Beachtung verdient, die Diskursivität der Evaluationen. Bei der in
Evalunet angewendeten Diskursiven Evaluation wird von Evaluierenden und Evaluierten
gemeinsam ein analytischer Diskurs über die Hintergründe von Erfolgen und Misserfolgen
des betrachteten Forschungsvorhabens geführt. Nur im direkten Gespräch war es möglich,
ein tiefergehendes Verständnis für die komplizierten Abläufe, für Integrationsschritte, Plan-
revisionen u.v.m. zu bekommen, um so zu einer angemessenen Bewertung des Projekts in
der Lage zu sein. Dementsprechend war diese gemeinsame Arbeit von besonderer Bedeutung
für das Identifizieren von verallgemeinerbaren Qualitätskriterien.
In diesen intensiven Auswertungsprozessen wurde zudem deutlich, dass die formative
Funktion der Evaluationen (Kuhlmann 2003) besonders für die Evaluierten, aber auch für
die Evaluierenden die Arbeit wirklich lohnend machte. Die Projektauswertungen dienten so-
wohl der Kriterienbeschreibung (für Evalunet) als auch dem Lernen für künftige transdiszi-
plinäre Forschungsaufgaben der Teammitglieder der ausgewerteten Projekte. Sie hatten
nicht den Charakter einer rein summativen Bestandsaufnahme der Projektergebnisse.9Bei
formativen Evaluationen wird vielmehr das Lernziel (entweder für ein noch andauerndes
Vorhaben oder für den Entwurf und das Bearbeiten von neuen transdisziplinären Vorhaben)
betont, Aus- und Bewertung geschehen also im Hinblick auf Schlussfolgerungen für die
weitere eigene Forschungsarbeit.
Die auf Grundlage der Projektauswertungen identifizierten Qualitätskriterien wurden in vier
Workshops einer Vielzahl verschiedener Experten und Expertinnen zur Diskussion vorge-
stellt:
■Workshop mit den Leitungen der an Evalunet beteiligten Institute: Strategie der Anwen-
dung der Evalunet-Ergebnisse (November 2003)
■Workshop mit Stakeholdern aus den Bereichen Forschungsförderung, Projektträger, For-
schungsevaluation (Evaluation auf Programm- und Projektebene sowie institutioneller
Ebene), Forschungsbeiräte: Diskussion zur Eignung des Kriterienkatalogs als Evaluationsin-
strument (Oktober 2004)
■Workshop mit Kollegen und Kolleginnen aus der transdisziplinären Forschung in den an
Evalunet beteiligten Instituten: Diskussion zur Praxistauglichkeit des Kriterienkatalogs für
die interne bzw. Selbstevaluation (Februar 2005)
■Workshop mit Experten und Expertinnen aus der Wissenschaftsforschung (W.-Philoso-
phie, W.-Soziologie), Forschungsförderung, dem Wissenschaftsmanagement und der Evalua-
tionsforschung: Abschließende Beratung der Ergebnisse von Evalunet (April 2005)
9Solche an skalierbaren Maßstäben orientierten Output/Outcome-Bewertungen lassen sich mit den Krite-
rien dieses Leitfadens nur bedingt durchführen.
Evalunet
13 Evalunet
III. Kurzanleitung
Für die, die es ganz eilig haben, hier eine Kurzanleitung für die formative Projektevaluation
mit Hilfe des Kriterienkatalogs. Die Texte zur Erklärung und Begriffsbestimmung sowie der
ausführlichen Gebrauchshinweise in den Kapiteln IV. bis VI. werden dabei ausgespart.
Schritt 1 – Transdisziplinarität feststellen:
Im Abschnitt VI. sind Merkmale angegeben, die es erlauben transdisziplinäre Forschung als
solche zu erkennen. Anhand dieser Merkmale muss geprüft werden, ob das zu evaluierende
Projekt als transdisziplinär eingestuft werden kann. In diesem Zusammenhang soll auf jeden
Fall unter allen an der Evaluation Beteiligten das eigene Verständnis von Transdisziplina-
rität geklärt werden, um die Bewertungsgrundlagen transparent zu machen.
Schritt 2 – Aufwand und Ziel festlegen:
Im Hinblick auf einen vertretbaren Aufwand muss in Abhängigkeit von Projektgröße und
-relevanz entschieden werden, ob eine Evaluation allein durch (alle/einige) Projektbeteiligte
bzw. Vertreter der beteiligten Institutionen durchgeführt wird oder ob ein Verfahren gewählt
wird, an dem – insbesondere bei der Bewertung – auch externe Personen beteiligt sind. Au-
ßerdem muss vereinbart werden, was das Ziel der Evaluation sein soll (Beispiele: allgemeiner
Erkenntnisfortschritt für transdisziplinäre Forschung; persönliche bzw. institutionelle Kom-
petenzentwicklung; Qualitätssicherung; Personalentwicklung; Budgetverteilung)
Schritt 3 – Materialien für Evaluation vereinbaren:
Es muss klargestellt werden, auf Basis welchen Materials und welcher Kenntnisse zum un-
tersuchten Projekt die Evaluation stattfinden soll. Bei einer Beteiligung externer Personen
sollten die Externen von allen Projektbeteiligten akzeptiert sein.
Schritt 4 – Verfahrensaspekte festlegen:
Es empfiehlt sich, zunächst jeweils als Einzelperson die Evaluationsfragen zu beantworten
und danach im Team die dabei entstandenen Antworten auszutauschen und zu einem ge-
meinsamen Ergebnis zu kommen. Dabei wird vorausgesetzt, dass alle an der Evaluation Be-
teiligten das gesamte Vorhaben beurteilen können. Ist das nicht der Fall, muss klargestellt
werden, ob einzelne Beteiligte nur Teilaspekte bewerten. Der diskursive, formative Charakter
des Verfahrens soll beachtet werden. Die Kriterien unterstützen eine im diskursiven (Lern-)
Prozess erarbeitete Bewertung. Eine skalierte Messung von Erfolg ist mit dem Charakter der
Kriteriendarstellung kaum vereinbar. Insofern wird empfohlen, einen Diskurs zwischen allen
Beteiligten über Einschätzungen und Bewertungen zu führen und vom Verteilen und Zählen
von „Punkten“ oder ähnlichen summativen Instrumenten abzusehen.
Schritt 5 – Qualitätskriterien nutzen:
Die Basiskriterien stellen die unverzichtbaren Evaluationsfragen dar (Standardfall). Grund-
sätzlich müssen die in den Basiskriterien gestellten Fragen beantwortet werden. Sollte die
eine oder andere Frage wegen eines speziellen Projekt-Settings nicht auf das Projekt zutref-
fen, kann sie ausgelassen werden. Im Gruppenprozess soll über Auslassungen Einigkeit er-
zielt werden. Bei Bedarf können zusätzlich bei den passenden Detailkriterien (siehe die Ver-
weise zwischen Basis- und Detailkriterien) eine Erläuterung der zu erfüllenden Anforderun-
gen sowie zusätzliche Hinweise gefunden werden.
KurzanleitungIII.
Evalunet 14
Evalunet
Bei großen, aufwändigen Vorhaben der transdisziplinären Forschung bzw. bei Bedarf nach
detaillierterem Erkenntnisgewinn sollten die Basiskriterien übergangen werden und die Eva-
luation mit Hilfe von tiefergehenden und in Einzelaspekte aufgegliederte Fragestellungen
der Detailkriterien vorgenommen werden. Für jedes Kriterium werden begründete Hinweise
darauf gegeben, wie seine Erfüllung geprüft werden kann. Bei komplexen Kriterien werden
zudem weitere beispielhafte Erläuterungen gegeben. Damit kann die Bewertungssicherheit
der Evaluation erheblich erhöht werden.
Schritt 6 – Projektchronologie beachten:
Die Evaluationsfragen beider Kataloge (Basis- und Detailkriterien) sind entlang einer Pro-
jektchronologie gegliedert, weil sich diese Logik als hilfreich und transparent für Evaluatio-
nen von Projekten erwiesen hat. Da nicht auszuschließen ist, dass gelegentlich auch der Be-
darf nach themenzentrierten Evaluationsaufgaben bestehen wird, gibt es im Anhang eine
Matrix, die alle Kriterien einigen wesentlichen Aspekten transdisziplinärer Forschungspro-
jekte zuordnet.
Evalunet
15 Evalunet
IV. Das transdisziplinäre Projekt
Unterscheidungsmerkmale
Um „gute“ transdisziplinäre Forschung identifizieren zu können, muss zuvor geklärt werden,
was transdisziplinäre Forschung auszeichnet. Ein allgemeines Verständnis hierzu ist noch in
Entwicklung begriffen; eine allgemein akzeptierte Definition wird noch gesucht, die einer-
seits eng genug ist, um klare Unterscheidungen treffen zu können, die aber andererseits of-
fen genug ist, um der Heterogenität und Vielfalt existierender transdisziplinärer Forschungs-
prozesse gerecht zu werden. Die in Evalunet ausgewerteten Projekte (s. Anhang) kommen
aus dem Bereich der Nachhaltigkeitsforschung. Die Definitionen – wie auch die Evaluations-
kriterien – sind von diesem Kontext geprägt. Dennoch schließt die von Evalunet formulierte
und im Laufe des Arbeitsprozesses differenzierte Definition durchaus auch transdisziplinäre
Forschung in anderen Problemfeldern ein.
Arbeitsdefinition von Evalunet
Transdisziplinäre Forschung …
… greift lebensweltliche Problemstellungen bzw. Fragen auf,
… bezieht bei der Beschreibung der daraus resultierenden Forschungsfragen und ih-
rer Behandlung Fächer bzw. Disziplinen problemadäquat ein (Differenzierung) und
überschreitet bei der Bearbeitung die Disziplin- und Fachgrenzen,
… bezieht das Praxiswissen ein, das für die angemessene Behandlung der Fragestel-
lung notwendig ist und stellt den Praxisbezug so her, dass er für die problemadä-
quate Entwicklung und Umsetzung von Handlungsstrategien dienlich ist,
… gewährleistet im Projektverlauf die Anschlussfähigkeit von Teilprojekten/-aufga-
ben, betreibt die fächerübergreifende Integration wissenschaftlichen Wissens und ver-
knüpft damit das Praxiswissen in geeigneter Weise (transdisziplinäre Integration 1),
… um daraus neue wissenschaftliche Erkenntnisse bzw. Fragestellungen und/oder
praxisrelevante Handlungs-/Lösungsstrategien zu formulieren (transdisziplinäre In-
tegration 2) und in die Diskurse im Praxisfeld und in der Wissenschaft einzubringen
Intervention).
Das transdisziplinäre ProjektIV.
Evalunet 16
Evalunet
Unter anderem aus dieser Beschreibung resultieren Merkmale, die es erlauben, transdiszi-
plinäre Forschung als solche zu erkennen:
Problemorientierung und Problemübersetzung
Transdisziplinäre Forschung zielt auf die Gestaltung von realen Prozessen und nicht nur auf
deren Beobachtung und theoretische Modellierung. Sie greift dazu lebensweltliche und nicht
rein innerwissenschaftliche Problemstellungen auf. Diese lebensweltlichen Problemstellun-
gen werden von den Projektbeteiligten gemeinsam in Forschungsfragen übersetzt. Die Bear-
beitung dieser Forschungsfragen (fachbezogen oder fächerübergreifend unter Einbeziehen
von Praxiswissen) und die Projektstruktur gewährleisten die Anschlussfähigkeit einzelner
Projektbausteine untereinander und ermöglichen das Verfolgen eines gemeinsamen For-
schungsziels.
Akteursorientierung
Transdisziplinäre Forschung ist durch Akteursorientierung geprägt. Die Interaktion mit Ver-
tretern/innen der gesellschaftlichen Praxis wird als ein wesentliches Charakteristikum des
transdisziplinären Forschungsprozesses angesehen. Dabei ist ein weites Spektrum unter-
schiedlicher Formen möglich.10 Die Forschungsergebnisse werden zielgruppenorientiert und
unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen in gesellschaftliche Hand-
lungsfelder eingebracht.
Transdisziplinäres Integrationskonzept
Ein wesentliches Merkmal transdisziplinärer Forschung ist die Integration von Wissen aus
mehreren Disziplinen bzw. Fächern und aus dem praktischen Handlungsfeld, auf das sich die
Forschung bezieht. Dazu müssen geeignete Methoden und Arbeitsweisen der transdiszi-
plinären Integration entwickelt bzw. angewendet werden.
Kontextbezogenheit
Zur Gewährleistung einer erfolgreichen Implementierung der Projektergebnisse werden die
konkreten, auch lokalen Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten beachtet. Ver-
schiedene Wirkungsebenen müssen gleichermaßen beachtet werden, damit sie sich nicht ge-
genseitig behindern oder unbeabsichtigte bzw. negative mittelbare Wirkungen haben.
10 Eine weit gefasste Beschreibung von Transdisziplinarität beinhaltet auch die Integration von Praxiswis-
sen über Befragung und Beobachtung, jedoch ohne direkte Interaktion. Hier bestehen besondere Anfor-
derungen für die Entwicklung von Problemdefinitionen und Handlungsstrategien, die die realen Umset-
zungskontexte der Akteure angemessen berücksichtigen.
Evalunet
17 Evalunet
Idealtypischer Ablauf eines transdisziplinären Forschungsvorhabens
Mit den folgenden Abbildungen und den jeweils dazu gehörenden Beschreibungen soll das
Bild eines idealtypischen transdisziplinären Forschungsprojekts wiedergegeben werden, das
den Arbeiten und dem Verständnis in Evalunet zugrunde liegt.11 Gleichzeitig werden we-
sentliche Merkmale eines Projektablaufs beschrieben und Bezug genommen auf die Gliede-
rung der beiden Kriterienkataloge (Basis- und Detailkriterien) in die drei Projektphasen A, B
und C.
A Projektkonstruktion und -formulierung, Akteure und Akquisition
■Ausgehend von einem lebensweltlichen Problem wird ein Forschungsteam gebildet, in
dem die zur Bearbeitung der Fragestellung notwendigen Fächer vertreten sind.
■Dem Forschungsgegenstand entsprechend werden passende Personen aus der Praxis12
einbezogen, d.h. solche, die die für die Problementstehung, -analyse und -lösung relevanten
Unternehmen, NGOs, Verwaltungen, Verbände, Politikbereiche etc. vertreten können.
11 Die konzeptionelle Idee der Grafik wurde von Thomas Jahn entwickelt (s. ausführlich in Jahn 2005). Die
hier vorgenommene Bearbeitung greift außerdem zurück auf (Loibl 2005, 55 ff.) sowie auf (Bergmann/
Jahn 1999, 256 ff.).
12 In Evalunet wird folgende Unterscheidung getroffen: Praxispartner sind solche Akteure, die am Projekt
teilnehmen, indem sie ihr unmittelbares Handlungsfeld (ihr Unternehmen, ihre Behörde usw.) als Pilot-
feld zur Verfügung stellen. Sie können auch Teil der Projektleitung sein. Praxisvertreter sind Personen,
die vertretend für eine Akteursgruppe im Forschungsprojekt mitwirken. Praxisakteure stellen eine
Gruppe von Handelnden dar, die vom Forschungsgegenstand betroffen, aber nicht direkt in die For-
schungsarbeit einbezogen sind (allenfalls als Befragte einer sozial-empirischen Untersuchung). Um im
Text keine dieser Zuschreibungen vorzunehmen wird eine allgemeine Formulierung gewählt.
Lebensweltliche
Probleme
Wissenschaftliche
Probleme
A
B
Transdisziplinärer Forschungsprozess
'Integration'
'Differenzierung'
'Intervention'
Quelle: siehe Fußnote 11
Teambildungsprozess
Konstruktion gemeinsamer
Forschungsgegenstand
Das transdisziplinäre ProjektIV.
Evalunet 18
Evalunet
■Das Team formuliert gemeinsam ein Problem, mit dem zugleich das für alle Beteiligte
gemeinsame Forschungsziel umschrieben wird.
■Das Team nimmt eine Übersetzung des lebensweltlichen Problems in Forschungsfragen
vor, die eine fachbezogene oder fächerübergreifende Bearbeitung erlauben. (Differenzierung 1)
■Das Projekt läuft in wechselnden Phasen der Integration, Differenzierung und der Inter-
vention ab (Bergmann/Jahn 1999).
B Projektdurchführung und Methodik
■Die Problemstellung wird in Module/Subprojekte/Teilprojekte aufgefächert, die – unter
Hinzuziehen des Praxiswissens – die fachbezogenen bzw. fächerübergreifenden Perspektiven
der Bearbeitung umfassen. (Differenzierung 2)
■Im Forschungsprozess wird die Erarbeitung neuen Wissens bzw. die neue Kombination
und Integration bekannten Wissens aus verschiedenen Fächern und der Praxis so betrieben,
dass zwischen allen Modulen ein hoher Grad an Verstehen der jeweilig anderen Inhalte, an
Verständigung über Kooperationsnotwendigkeiten sowie an Anschluss- und Integrations-
fähigkeit der Teilinhalte hergestellt wird.
Lebensweltliche
Probleme
Wissenschaftliche
Probleme
A
Auffächerung in heterogene Problemwahrnehmungen
und methodische Zugänge im Forschungsteam
Fachbezogene/Fächerübergreifende
Wissensgenerierung – Anschluss-
fähigkeit zwischen Teilprojekten
B
Transdisziplinärer Forschungsprozess
'Integration'
'Differenzierung'
'Intervention'
Quelle: siehe Fußnote 11
Teambildungsprozess
Konstruktion gemeinsamer
Forschungsgegenstand
Evalunet
19 Evalunet
C Ergebnisse, Produkte und Publikationen; In-Wert-Setzung
■Die transdisziplinäre Integration umfasst sowohl die Zusammenfassung der Modulergeb-
nisse in eine integrierte Perspektive im Hinblick auf die zu bearbeitende Gesamtproblematik
(Integration 1) als auch eine nachfolgende Integration bei der Erarbeitung wissenschaftlicher
bzw. praxisrelevanter Ergebnisse (Integration 2).
■Die Phase der In Wert-Setzung umfasst dementsprechend sowohl Impulse für Handlungs-
strategien, Innovationen und Transformationen in der Praxis als auch wissenschaftliche In-
novationsimpulse (Intervention).
Lebensweltliche
Probleme
Wissenschaftliche
Probleme
Lebensweltliche
Transformation
(Neue Problemlagen)
Wissenschaftliche
Innovation
(Neue Fragestellungen)
Transdisziplinäre Integration
A
Auffächerung in heterogene Problemwahrnehmungen
und methodische Zugänge im Forschungsteam
Fachbezogene/Fächerübergreifende
Wissensgenerierung – Anschluss-
fähigkeit zwischen Teilprojekten
B
C
Problem-
bezogene
Integration
Interdis-
ziplinäre
Integration
Transdisziplinärer Forschungsprozess
'Integration'
'Differenzierung'
'Intervention'
Impulse für
Diskurs und
Veränderungen
im Praxis-
feld
Impulse für
Diskurs und
Innovation i.d.
Wissen-
schaft
Quelle: siehe Fußnote 11
Teambildungsprozess
Konstruktion gemeinsamer
Forschungsgegenstand
Evalunet
21 Evalunet
V. Hinweise zum Gebrauch
Die Evalunet-Projektgruppe legt mit diesem Dokument erstmalig einen Vorschlag für einen
Standard für die Evaluierung transdisziplinärer Forschung vor und stellt ihn in der Praxis
der transdisziplinären Forschung und Forschungsförderung sowie in der Wissenschaftsfor-
schung zur Diskussion. Zwar ist das vorrangige Ziel von Evalunet, mit den Kriterien die
Qualitätssicherung bei der transdisziplinären Forschung in den beteiligten Instituten zu un-
terstützen. Daneben aber wird angestrebt, mit dieser Vorgabe einen Diskurs zwischen For-
schenden, Gutachtern/innen sowie Akteuren/innen der Forschungsförderung und -adminis-
tration in Gang zu setzen. Es ist absehbar, dass die Kriterien darin einer Veränderung bzw.
Weiterentwicklung unterworfen sein werden. Durch diesen Prozess der Auseinandersetzung
mit unseren Ergebnissen kann möglicherweise eine Standardentwicklung angestoßen wer-
den, die die transdisziplinäre Forschung durch ein breiteres allgemeines Verständnis von
ihren Qualitätskriterien stärken kann.
Voraussetzungen
Es muss vorausgeschickt werden, dass der Kriterienkatalog in seiner hier vorliegenden Form
aus einer spezifischen Aufgabenstellung hervorgegangen ist: Im Zuge der Infrastrukturför-
dermaßnahmen des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung wurden die Kriterien
als Arbeitsunterstützung für die Forschenden an den beteiligten Institutionen (und anderen
Einrichtungen des Forschungstyps) entwickelt. Das bedeutet, dass das im Zuge der Kriterien-
arbeit erarbeitete Material aus diesem Blickwinkel heraus zusammengefasst wurde. Aus an-
deren Perspektiven, wie bspw. der von Akteuren der Forschungsförderung und -administra-
tion, wurde das Material noch nicht systematisch aufbereitet, wenngleich viele Aspekte bzw.
Kriterien auch für diesen Nutzerkreis von Bedeutung sind. Die Formulierung der Bewer-
tungs-/Prüfungsaufgaben hängt also davon ab, welche Akteure sich ihrer bedienen wollen.
Vorrangiges Ziel von Evalunet ist es also, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-
lern, die selbst transdisziplinäre Forschungsvorhaben durchführen bzw. leiten, Kriterien an
die Hand zu geben, mit denen sie ihre Arbeit intern evaluieren und die für die Qualitätssi-
cherung ihrer Forschungsarbeit eine explizite Grundlage bedeuten. Die nachfolgend gegebe-
nen Hinweise sind daher für diese Akteursgruppe gedacht.
Ein wichtiger Hinweis sei vorab noch angebracht: Transdisziplinarität wird – insbe-
sondere im internationalen Vergleich – unterschiedlich beschrieben, verschiedene Aspekte
werden mehr oder weniger stark betont. In der transdisziplinären Forschung in Österreich
(z.B. Programme Kulturlandschaftsforschung und proVision) wird beispielsweise – deutlich
forcierter als in Deutschland – das Einbinden von Praxispartnern unmittelbar in das For-
schungsteam zu einer Voraussetzung für eine Auftragserteilung gemacht. Solche Unter-
schiede direkt in den Kriterien zu berücksichtigen, fällt schwer. Es ist daher zu empfehlen,
dass die Nutzer/innen der Qualitätskriterien unterschiedliche Ausprägungen einzelner
Aspekte von Transdisziplinarität bei der Evaluation selber berücksichtigen, indem sie die
Evaluationsfragen entsprechend anpassen.
Empfehlungen für den Gebrauch zur internen Evaluation
Begriffsdefinition: Der Evaluation muss ein klares Verständnis von Transdisziplinarität zu-
grunde liegen, nicht unbedingt im Sinne einer in der Scientific Community allgemein akzep-
tierten Definition, sondern im Sinne einer Transparenz zwischen Evaluierten und Eva-
Hinweise zum GebrauchV.
Evalunet 22
Evalunet
luierenden, auf Grundlage welcher begrifflichen Auslegung von Transdisziplinarität der Be-
wertungsprozess stattfindet.
Interne Evaluation/Selbstevaluation: „Interne“ Evaluation muss nicht zwangsläufig be-
deuten, dass die Evaluierenden aus der eigenen bzw. den am auszuwertenden Vorhaben be-
teiligten Institutionen stammen. „Intern“ bedeutet lediglich, dass die Evaluierung aus eige-
nem Antrieb (der Institution oder des Forschungsprojekts) durchgeführt wird. Es können
also durchaus auch externe Experten/innen hinzugezogen werden. Bei einer internen Eva-
luation sollte das zu evaluierende Projekt entlang der ausgewählten Kriterien zunächst vom
Projekt-Team gemeinsam schriftlich ausgewertet werden. Auf Basis der dabei gewonnenen
Informationen sollte dann gemeinsam mit Projektexternen (sofern solche einbezogen wer-
den) in einem Diskursverfahren eine Bewertung vorgenommen werden.
Eine Selbstevaluation wird ausschließlich von Projektbeteiligten ausgeführt. Hier sollte
zunächst – nach Auswahl der relevanten Fragen – die Beantwortung der Evaluationsfragen
individuell geschehen; anschließend sollten in einem Diskurs die Beteiligten ihre Antworten
vergleichen und diskutieren und dann zu einer gemeinsamen Bewertung kommen.
Aufwand und Kriterienauswahl: Der Aufwand der Evaluation muss in einem angemesse-
nen Verhältnis zur Projektgröße stehen. Für jedes Evaluationsvorhaben muss aus den beiden
Kriteriensets eine Auswahl getroffen werden, die auf das konkrete auszuwertende Projekt
und seine Gegebenheiten (Projekt-Setting, Themenzuschnitt etc.) zutrifft. Dabei können die
Basiskriterien als die Kernfragen zur Evaluation aufgefasst werden, wobei auch unter ihnen
einzelne Fragestellungen angetroffen werden können, die im jeweiligen Setting des zu be-
wertenden Projekts nicht zutreffend sind und daher nicht berücksichtigt werden müssen.
Bei komplexeren, zeit- und mittelaufwändigen Projekten sollten – bei ausreichenden Pro-
jektmitteln – anstelle der Basiskriterien die Detailkriterien genutzt werden, weil diese sehr
viel differenziertere Fragestellungen anbieten, mit denen die Bewertungssicherheit erheblich
erhöht werden kann. Zudem findet man dort unter Anforderungen und Zusätzliche Hinweise
Erklärungen zur Relevanz der Fragen sowie teilweise auch Beispiele für gute transdiszi-
plinäre Methoden, Arbeitsweisen etc.
Gliederung der Kriterien: Die Basiskriterien und die Detailkriterien sind in drei Abschnitte
gegliedert, die einer Projektchronologie folgen (A Projektformulierung und -konstruktion –
B Projektdurchführung – C Projektergebnisse). Im Zuge der Projektevaluationen wurde fest-
gestellt, dass die Logik der Projektchronologie den Zugang zu den komplexen Sachverhalten
und Interdependenzen eines transdisziplinären Forschungsprojekts erleichtert und die Aus-
wertung für alle Teilnehmer transparent macht, weil der Entwicklungsprozess des For-
schungsprojekts nachvollzogen werden kann, Ursachen und Wirkungen erkennbar werden.
Insofern wird dieser chronologische Zugang insbesondere für eine genauere Projektevalua-
tion empfohlen.
Manche Fragen müssen sinnvollerweise in allen Projektphasen gestellt werden. Die chrono-
logische Kriteriengliederung bedingt daher an manchen Stellen der Detailkriterien themati-
sche Doppelungen. So wird beispielsweise gefragt, ob in der Projektanlage (Abschnitt A) die
Wissensintegration angemessen geplant wurde (s. A.3.3). Im Rahmen der Phase der Projekt-
durchführung (Abschnitt B) sollte gefragt werden, ob diese Planung erfolgreich umgesetzt
wird (s. B.2.1). Das mag als Doppelung erscheinen, ist aber sinnvoll, um zu vermeiden, dass
diese wichtige Thematik möglicherweise vergessen wird, falls die Evaluation sich nur auf die
Planung oder die Projektdurchführung konzentriert.
Wenngleich die Evaluierung entlang der Projektchronologie ausdrücklich empfohlen wird,
könnte es doch Aufgabenstellungen im Zuge einer Evaluation oder Projektauswertung ge-
Evalunet
23 Evalunet
ben, die den Bedarf nach einer themenzentrierten Gliederung der Kriterien begründet. Für
diesen Fall ist im Anhang eine Matrix angegeben, die alle Kriterien einigen wesentlichen
Aspekten transdisziplinärer Forschungsprojekte zuordnet.
Hinweis – Inhaltliche Aspekte nicht vergessen: Die Kriterienkataloge befassen sich sehr
ausführlich mit prozessualen Fragen des Forschungsvorhabens. Fragen der inhaltlichen
Qualität der Forschung werden nur sehr allgemein abgehandelt (Stichworte wie Relevanz,
Innovation, erfolgreicher Zielgruppenbezug, Erreichen des Forschungsziels, Erfüllen der Er-
folgskriterien usw.). Ein solcher allgemeingültiger Kriterienkatalog kann dies zwangsläufig
nicht spezifischer abhandeln. Daher hier die Aufforderung, während der Projektbewertung
bzw. des Evaluationsdiskurses solche Fragen näher an den spezifischen Inhalten des auszu-
wertenden Vorhabens zu diskutieren und zu bewerten.
Hinweis – Gender-Relevanz prüfen: Sowohl im Katalog der Basiskriterien als auch bei den
Detailkriterien finden sich Kriterien, die aus Sicht der Evalunet-Gruppe gender-sensibel sind.
Vorrangig ist dabei an eine bewusste Entscheidung zu einer adäquaten Geschlechterzusam-
mensetzung des Teams (z.B. unter geschlechtergerechten Gesichtspunkten), die Rollen- und
Aufgabenverteilung auf den verschiedenen Entscheidungsebenen eines Projekts und die
Kommunikationsregeln und -gewohnheiten gedacht.
Im Katalog der Basiskriterien sind dies die folgenden Kriterien: 1, 3, 12, 15, 16, 18, 22.
Im Katalog der Detailkriterien sind dies: 1, 3, 5, 9, 11, 13, 19, 31, 32, 38, 39, 40, 44, 46, 47,
48, 50, 51, 55.
Ein zweiter Aspekt ist das Adressieren von Zielgruppen und die Passung von Ergebnissen
und Produkten in den gesellschaftlichen Kontext ihrer Anwendung. Bei einigen Detailkrite-
rien (8, 18, 35), die aus diesem Grund eine besondere Gender-Relevanz aufweisen bzw. zu
erhöhter Aufmerksamkeit für dieses Thema auffordern, wird in der Beschreibung darauf hin-
gewiesen.
Transdisziplinäre Forschungsgegenstände und Untersuchungsfragen sind nicht geschlechts-
neutral. Ein dritter Prüfaspekt gilt deshalb kriterienübergreifend der Frage, ob bei der ge-
meinsamen Projektformulierung und im Forschungsdesign die Relevanz geschlechtsspezifi-
scher Differenzierungen hinsichtlich der Problembeschreibung und der Wirkung von For-
schungsergebnissen geprüft wurden.
Zeitliche Perspektive einer Evaluation: Transdisziplinäre Forschung zeichnet sich u.a.
durch den Interventionsgedanken aus. Aus den Forschungsergebnissen sollen auch Hand-
lungsstrategien formuliert werden, die im Praxiskontext zu Diskursen und Veränderungen
führen. Daher wäre es folgerichtig, wenn eine Evaluation solcher Projekte auch die Wirkun-
gen in der Praxis einbezieht. Das bedeutet, dass nach der Beendigung der eigentlichen Pro-
jekt(Forschungs-)arbeit möglicherweise längere Zeitspannen zu berücksichtigen sind, in de-
nen solche Manifestationen zu beobachten wären. Diesbezügliche Empfehlungen werden
hier nicht gemacht, da sie stark kontextabhängig sind.
Schwerpunktsetzung: Unter dem Gesichtspunkt Evaluation als Lernprozess sollte berück-
sichtigt werden, dass die Evaluation der Vorgänge während der Projektformulierung und
-konstruktion in der Regel die aufschlussreichsten Informationen über das Warum des Ge-
lingens bzw. Nichtgelingens eines Forschungsvorhabens liefert. Die Erfahrung zeigt, dass
mit der Projektanlage Fakten geschaffen werden, die nicht nur die Durchführung des Vorha-
bens stark vorbestimmen, sondern auch den späteren Erfolg oder Misserfolg von o Ergebnis-
sen, Produkten, Publikationen beeinflussen. Diese Fakten sind oft im Projektverlauf nur mit
Schwierigkeiten noch zu verändern.
Hinweise zum GebrauchV.
Evalunet 24
Evalunet
Methode und Verfahren: siehe hierzu die methodischen Aussagen zur diskursiven, formati-
ven Evaluation in II.
Evaluation als Bestandteil des Forschungsprozesses: Es ist zu empfehlen, dass bei umfang-
reicheren Forschungsprojekten im Forschungsantrag ein internes Evaluationsverfahren ver-
ankert und mit seinen Aufgaben und – vor allem – Kriterien beschrieben wird. Die für die
Evaluation notwendigen Ressourcen sollen als Bestandteil des Forschungsvorhabens bean-
tragt werden.
Selbstverständlich können auch Akteure der Forschungsförderung und -begleitung (für ihre
Arbeit im Zusammenhang mit Ausschreibungen/Bekanntmachungen, Gutachterverfahren,
Projektträgeraufgaben) das in Evalunet zusammengetragene Material gebrauchen. Eine ge-
zielte Auswertung für solche Zwecke wird sich nach Fertigstellen dieser ersten Aufgabe
anschließen und dann gesondert publiziert.
Die nachfolgende Übersicht macht deutlich, dass zwischen beiden Katalogen enge Verknüp-
fungen bestehen und dass man direkt zwischen ihnen hin und her wechseln kann:
Gliederung der Basiskriterien und Detailkriterien
AProjektkonstruktion und -formulierung,
Akteure und Akquisition 1–11 1–29
A.1 Akteure und Kompetenzen 1–2 1–10
A.2 Problemformulierung, Fokussierung, Ziele und Erfolgskriterien 3–9 11–20
A.3 Projektplanung und Finanzierung 10–11 21–29
B Projektdurchführung und Methodik 12–16 30–40
B.1 Arbeitsplanung und Projektleitung 12–13 30–32
B.2 Transdisziplinäre Methodik und Integration 14–15 33–37
B.3 Reflexion und Kommunikation 16 38–40
C Ergebnisse, Produkte und Publikationen 17–24 41–56
C.1 Ergebnisse 17–19 41–49
C.2 Produkte und Publikationen 20–22 50–53
C.3 Verallgemeinerbarkeit und Umsetzbarkeit von Ergebnissen 23 54–55
C.4 Berechtigung des transdisziplinären Ansatzes 24 56
Projektabschnitt Detailkriterien
Nr.
Basiskriterien
Nr.
Projekt-
ablauf
Evalunet
25 Evalunet
VI. Verortung des Projekts innerhalb der transdiszi-
plinären Forschung und eigene Erfolgskriterien
Das Projektteam soll vor Eintritt in die Evaluation zunächst anhand der in IV. vorliegenden
Beschreibung von Transdisziplinarität prüfen, ob sein Vorhaben als transdisziplinär einzu-
stufen ist. Außerdem soll es seine eigenen, zu Projektbeginn explizit oder implizit formulier-
ten Erfolgskriterien noch einmal fixieren, um im Rahmen der Evaluation auch daran den in-
haltlichen Projekterfolg messen zu können.
Zusätzlich werden einige Charakteristika des Vorhabens abgefragt. Mit Hilfe der Ant-
worten kann einerseits klargestellt werden, welche Projektgröße und welches Projekt-Setting
vorliegen, um daran den gerechtfertigten Aufwand für die Evaluation zu messen. Anderer-
seits kann damit auch die Auswahl der für das Projekte relevanten Evaluationskriterien er-
leichtert werden.
Unterscheidungsmerkmale und Erfolgskriterien
a) Prüfung entlang der Unterscheidungsmerkmale
Es ist zu prüfen, ob das zu evaluierende Projekt gemäß der Beschreibung von Transdiszipli-
narität in IV. als transdisziplinär einzustufen ist.
Da insbesondere in der Fachliteratur aber auch in Forschungsprogrammen durchaus Be-
schreibungen von Transdisziplinarität zu finden sind, die sich untereinander, aber auch von
der hier benutzten Definition in einigen Punkten nicht unwesentlich unterscheiden (so bei-
spielsweise hinsichtlich des Einbeziehens von Praxispartnern), muss auf jeden Fall unter al-
len an der Evaluation Beteiligten das eigene Verständnis von Transdisziplinarität geklärt
werden. Werden dabei im Team übereinstimmend Abweichungen von der hier angegebenen
Definition festgestellt, so ist die eigene Beschreibung zum Maßstab dieses Prüfungsschrittes
zu machen.
b) Erfolgskriterien des Projektteams
Die Erfolgskriterien des Projektteams sowohl hinsichtlich der angestrebten Wirkungen im
betrachteten Handlungsraum („Lebenswelt“) als auch hinsichtlich von wissenschaftlichen
Innovationen sollen angegeben werden. Diese Erfolgskriterien stellen auch eine Vorgabe für
die Evaluation dar (s. Basiskriterien Nr. 6und 19 sowie Detailkriterien Nr. 15, 24, 41, 42
und 45.
c) Nachhaltige Entwicklung
Inwiefern verspricht das Vorhaben einen Lösungsbeitrag im Sinne einer Nachhaltigen Ent-
wicklung?
d) Gender Mainstreaming
Inwiefern ist das Gender Mainstreaming bzw. die Geschlechterdifferenz bei der Projektkon-
zeption und bei den Forschungsfragen berücksichtigt?
Verortung des Projekts und eigene ErfolgskriterienVI.
Evalunet 26
Evalunet
Rahmendaten des Projekts
e) Akteure
Auflistung der beteiligten Wissenschafts- und Praxisakteure mit Angaben zu Fachzuge-
hörigkeit bzw. Profession/Praxisaufgabe und Institution
f) Größe des Projekts
Angaben zum Umfang des Projekts hinsichtlich der beteiligten Disziplinen bzw. Fächer, der
Anzahl der Institutionen und Wissenschaftler/innen, Praxisakteure sowie der Laufzeit
g) Finanzierung
Angaben zur Finanzierung durch freie und gebundene Mittel (von Zuwendungsgebern,
Auftraggebern, Praxispartner; Eigenmittel)
Evalunet
27 Evalunet
VII. Basiskriterien zur Evaluation von transdisziplinären
Forschungsprojekten
Diese Basiskriterien stellen ein Basis-Set von Kriterien dar, das die grundlegenden Fragen
beinhaltet, an denen die Evaluation transdisziplinärer Forschung ansetzen muss. Mit ihnen
ist gewissermaßen eine Kurzform der Evaluation möglich. Die Basiskriterien wurden aus
dem umfangreicheren Katalog der Detailkriterien (Kapitel VIII.) herausdestilliert. Die Detail-
kriterien vertiefen und ergänzen die Basiskriterien. In den Detailkriterien werden zusätzlich
Bewertungshinweise sowie auch weitergehende Erläuterungen wie Beispiele für gelungenes
oder misslungenes Vorgehen am jeweiligen Untersuchungsaspekt gegeben.13
Zur Anwendung: siehe die Gebrauchshinweise in Kapitel V.
13 Die Überschriften der Gliederung der Basiskriterien sind auf den ersten zwei Ebenen (bspw. A/A.1) iden-
tisch mit denen der Detailkriterien, um die Verknüpfung direkt herstellen zu können. Bei den Basiskrite-
rien werden aber nicht unbedingt alle in den Überschriften erwähnten Aspekte tatsächlich adressiert.
Basiskriterien
Basiskriterien zur Evaluation von transdisziplinären ForschungsprojektenVII.
Evalunet 28
Evalunet
Basiskriterien: Akteure, Projektkonstruktion und -formulierung
Akteure und Kompetenzen
Können mit der fachlichen Zusammensetzung die wesentlichen Aspekte des Pro-
blems bzw. des Untersuchungsgegenstandes behandelt werden und ist die Kompe-
tenz im Team dafür ausreichend?
Ja, denn ...14
Ja, aber ...15
Die Kompetenzen sind nicht ausreichend, denn ...15
Ist die Kompetenz der Praxispartner hinsichtlich des lebensweltlichen Problems
und seiner Lösung zweckmäßig (relevantes Wissen, Rolle im Vorhaben, Möglich-
keiten bei Ergebnisumsetzung)?
Ja, weil ...
Ja, aber mit Einschränkungen, weil ...
Nein, denn ...
Trifft nicht zu, weil ...
Problemformulierung, Fokussierung, Ziele und Erfolgskriterien
Greift das Projekt eine lebensweltliche Problemstellung auf und worin besteht ihre
Relevanz?
Ja, es greift eine lebensweltliche Problemstellung auf, denn ...
Ja, die Problemstellung ist relevant, weil ...
Nein, weil ...
Basiskriterien A
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦A.1 Akteure und Kompetenzen (A.1.1 bis A.1.4)
14 Die Antwortmöglichkeiten im Bewertungsraster stellen Vorschläge dar, die der Ergänzung bedürfen.
Außerdem wird jeweils eine Antwortmöglichkeit ohne Textvorgabe angeboten, damit ggf. spezielle Ei-
genheiten des untersuchten Projekts berücksichtigt werden können. Weitere, im konkreten Einzelfall zu-
treffendere Antworten sind natürlich denkbar. Sie können bspw. – im Anschluss an eine individuelle Be-
wertung – im Team erarbeitet werden.
15 Bei Fragen, die – wie in diesem Fall – mehrere Teilfragen beinhalten, muss zu jeder Teilfrage eine
Antwort gegeben und begründet werden.
A.
A.1.
A.2.
1
2
3
Evalunet
29 Evalunet
Wird die lebensweltliche Problemstellung angemessen in wissenschaftliche Fra-
gestellungen übersetzt? Wird dabei der Stand des Wissens berücksichtigt und sind
die Forschungsfragen diesbezüglich als innovativ anzusehen?15
Ja, die Übersetzung ist angemessen, weil ...
Nein, das Ergebnis der Übersetzung ist nicht adäquat, weil ...
Ja, die Forschungsfragen sind innovativ, denn ...
Nein, die Forschungsfragen sind nicht innovativ, denn ...
Trifft nicht zu (bitte begründen!)
Wird ein für das Forschungsteam übergreifender, gemeinsamer Forschungsgegen-
stand formuliert und kann er im Forschungsprozess als Grundlage zur Wissensin-
tegration dienen?15
Ja, der gemeinsame Forschungsgegenstand besteht in ...
Nein, der gemeinsame Forschungsgegenstand ist nicht erkennbar, denn ...
Ja, das ist für die Wissensintegration hilfreich, weil ...
Nein, eine Grundlage für die Wissensintegration ist nicht erkennbar, denn ...
Werden durch das Projektteam plausible Erfolgskriterien für das Vorhaben formu-
liert?
Ja, sie bestehen in ...
Nein, denn ...
Wird eine Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen Erkenntniszielen und Zie-
len in der Praxis gemacht? Erfolgt eine begründete Fokussierung?
Ja, die Unterscheidung ist deutlich und es wird ein begründeter Fokus
angegeben (bitte beschreiben!)
Nein, die Unterscheidung bleibt undeutlich, denn ...
Wird im Forschungsvorhaben ein Forschungsfreiraum gewährleistet, in dem mit
so wenigen normativen Zielvorgaben wie möglich (erwünschter Zielzustand im
Praxisfeld) geforscht werden kann (Ergebnisoffenheit)?
Ja, die Ergebnisoffenheit ist gegeben, denn ...
Nein, denn ...
Basiskriterien
A
4
5
6
7
8
Basiskriterien zur Evaluation von transdisziplinären ForschungsprojektenVII.
Evalunet 30
Evalunet
Passen die im Projekt vorgesehenen Methoden, die Schnittstellen der fächerüber-
greifenden Kooperation, die Form der Praxiseinbindung sowie die Form von Er-
gebnissen und Produkten zu der für das Projektziel angestrebten Lösungsstrategie?
Ja, denn ...
Nur teilweise, denn ...
Nein, denn ...
Projektplanung und Finanzierung
Entspricht die Strukturierung des Vorhabens (Arbeitsschritte, Verknüpfung von
Modulen, Integrationsschritte etc.) sinnvollen Abläufen der Wissensgenerierung
und -integration im Forschungsprozess und den Anforderungen der daran betei-
ligten Akteure?
Ja, die Projektstruktur unterstützt die Wissensgenerierung und -integration,
denn ...
Nein, denn ...
Sind Mittel und Gelegenheiten für die spezifischen Koordinations-, Integrations-
und Organisationsaufgaben eines transdisziplinären Forschungsprojekts einge-
plant? 15
Ja, die Mittel erscheinen ausreichend, denn ...
Ja, die Gelegenheiten für Kooperation, Integration usw. sind ausreichend
gegeben durch ...
Nein, denn ...
Basiskriterien A
9
10
11
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦A.2 Problemformulierung, Fokussierung, Ziele und Erfolgskriterien (A.2.1 bis A.2.3)
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦A.3 Projektplanung und Finanzierung (A.3.1 bis A.3.4)
A.3.
Evalunet
31 Evalunet
Basiskriterien: Projektdurchführung und Methodik
Arbeitsplanung und Projektleitung
Wurde die Arbeitsplanung vom Forschungsteam gemeinsam vorgenommen?
Ja
Ja, aber nur zum Teil, denn ...
Nein, denn ...
Werden die Art der Projektleitung und die Entscheidungsstrukturen beschrieben
und erscheinen sie unter den Projektbedingungen erfolgversprechend?
Ja, die Leitung- und Entscheidungsstrukturen sind beschrieben und
erfolgversprechend, denn ...
Ja, sie sind beschrieben, erscheinen aber nicht erfolgversprechend, denn ...
Nein, denn ...
Transdisziplinäre Methodik und Integration
Werden geeignete Methoden angewendet bzw. wurden solche entwickelt, um Wis-
sensbeiträge aus den beteiligten Fächern und aus der Praxis miteinander zu ver-
binden?
Ja, denn ...
Nein, denn ...
Findet eine regelmäßige Reflexion der Zusammenarbeit im Team und der Um-
setzung von Planungen für die Wissensintegration statt? Werden daraus ggf.
Schlussfolgerungen abgeleitet?15
Ja, findet statt, indem ...
Ja, es werden Schlussfolgerungen gezogen, indem ...
Nein, denn ...
Basiskriterien
B
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦B.1 Arbeitsplanung und Projektleitung (B.1.1 bis B.1.2)
B.1.
B.2.
B.
12
13
14
15
Basiskriterien zur Evaluation von transdisziplinären ForschungsprojektenVII.
Evalunet 32
Evalunet
Reflexion und Kommunikation
Werden die geplanten Verfahren der Selbstreflexion und Qualitätssicherung ge-
nutzt („Revisionspunkte“) und werden ggf. Anpassungen (Ablauf, Struktur, Pro-
dukte) vorgenommen?
Ja, indem ...
Ja, aber es kommt/kam nicht zu Anpassungen, weil...
Nein, denn ...
Basiskriterien B
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦B.2 Transdisziplinäre Methodik und Integration (B.2.1 bis B.2.2)
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦B.3 Reflexion und Kommunikation
B.3.
16
Evalunet
33 Evalunet
Basiskriterien: Ergebnisse, Produkte und Publikationen
Ergebnisse
Werden die wissenschaftlichen Ziele erreicht? Kommt es zu wissenschaftlichen
(methodischen/konzeptionellen) Innovationen?
Ja, Ziele und Innovationen werden erreicht denn ...
Ja, Ziele werden erreicht, diese können aber nicht als methodische/
konzeptionelle Innovation bezeichnet werden, denn ...
Nein, denn ...
Noch nicht absehbar, weil ...
Kann mit dem Ergebnis ein Beitrag zur Lösung des lebensweltlichen Problems ge-
leistet werden?
Ja, denn ...
Ja, aber nur teilweise, denn ...
Nein, denn ...
Noch nicht absehbar, weil ...
Werden die vom Forschungsteam gesetzten Erfolgskriterien erfüllt?
Ja, denn ...
Ja, aber nur teilweise, denn ...
Nein, denn ...
Noch nicht absehbar, weil ...
Produkte und Publikationen
Stellen Publikationen und andere Produkte (z.B. Strategieänderung von Akteuren,
Organisationsreformen, soziale Netzwerkstrukturen, Leitfaden, Ranking, Artefakt)
einen angemessenen Ertrag aus dem Projekt dar?
(C.2.1 zur quantitativen Erfassung)
Ja, denn ...
Nein, denn ...
Noch nicht absehbar, weil ...
Basiskriterien
C
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦C.1 Ergebnisse (C.1.1 bis C.1.4)
C.1.
C.2.
C.
17
18
19
20
Basiskriterien zur Evaluation von transdisziplinären ForschungsprojektenVII.
Evalunet 34
Evalunet
Werden Methoden und Verfahren der transdisziplinären Wissensintegration und
Kooperation dargestellt und ihre Erfolge/Probleme reflektiert?
Ja, indem ...
Ja, aber nicht ausreichend, denn ...
Nein, denn ...
Sind die Publikationen und Produkte den Bedürfnissen der Zielgruppen angepasst
und werden sie aktiv an diese vermittelt?
Ja, denn ...
Ja, aber mit folgenden Einschränkungen: ...
Nein, denn ...
Verallgemeinerbarkeit und Umsetzbarkeit von Ergebnissen
Gibt es Ausführungen dazu, ob und wie kontextbezogene bzw. entlang eines Mo-
dellfalls erarbeitete Forschungsergebnisse verallgemeinert werden können?
Ja, es werden ...
Ja, aber nicht ausreichend, denn ...
Nein, denn ...
Berechtigung des transdisziplinären Ansatzes
Welchen Zusatznutzen für das Forschungsergebnis bedeutet die transdisziplinäre
Herangehensweise gegenüber anderen Forschungsansätzen?
Der Zusatznutzen besteht darin, dass ...
Es gibt keinen Zusatznutzen, denn ...
Basiskriterien C
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦C.2 Produkte und Publikation (C.2.1 bis C.2.2)
Die entsprechenden Detailkriterien finden Sie in:
⌦C.3 Verallgemeinerbarkeit und Umsetzbarkeit von Ergebnissen
C.3.
C.4.
21
22
23
24
Detailkriterien
Evalunet
35 Evalunet
Detailkriterien
VIII. Katalog der Detailkriterien
Die Verwendung der Detailkriterien empfiehlt sich für umfangreichere, länger dauernde Ver-
bundvorhaben bzw. dann, wenn bestimmte Fragestellungen der Basiskriterien vertieft oder
detaillierter untersucht werden sollen (zu diesem Zweck finden sich in beiden Katalogen je-
weils Querverweise). In den Detailkriterien werden detailreiche Ausführungen mit Bewer-
tungshinweisen und teilweise auch mit Fallbeispielen gegeben. In dieser Detailliertheit stel-
len sie das unmittelbare Ergebnis der Projektauswertungen und Diskurse in Evalunet dar.
Es sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, dass die Kriterien nachfolgend in der
Logik einer Projektchronologie aufgeführt sind (s. hierzu V.). Bei Bedarf kann auch die im
Anhang (IX.) gezeigte Matrix zu Hilfe genommen werden, in der alle Kriterien nach be-
stimmten Themen bzw. Aufgaben geordnet angegeben werden.
Evalunet
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.1
Evalunet 36
Evalunet
Detailkriterien: Akteure, Projektkonstruktion und -formulierung
Akteure und Kompetenzen
Projektinitiative
Werden die Bearbeiter/innen an der Projektformulierung, Projektkonstruktion und
-akquisition beteiligt?
Ja, in den gesamten Prozess, denn ...16
Nein, denn ...
Anforderungen: Eine Beteiligung der Bearbeiter/innen an der Projektkonstruktion ist
positiv zu werten.
Projekt-Bearbeiter/innen, die nicht an der Formulierung und Akquisition beteiligt wa-
ren, benötigen oft einen langen Orientierungsprozess, bevor mit der Projektarbeit be-
gonnen werden kann.17
Zusätzliche Hinweise: Bereits in der Konstruktionsphase ist es erforderlich, dass die
Personen, die für die Bearbeitung des Vorhabens verantwortlich sind, auch seine For-
mulierung und Konstruktion verantwortlich leiten. Eine unklare Verteilung von Ent-
scheidungskompetenzen zwischen zwei Akquisitionsteams (bspw. Geschäftsführer/in-
nen und Bearbeiter/innen; inhaltliche und finanzielle Entscheidungskompetenzen)
sollte vermieden werden.
Werden Praxispartner in die Projektkonstruktion einbezogen?
Ja, in den gesamten Prozess, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Entscheidung muss im Projektentwurf erläutert werden.
Evalunet
A.
A.1.
A.1.1.
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦A.1 betreffen:
■ Zusammensetzung des Forschungsteams
■Praxisbezug
16 Die Antwortmöglichkeiten im Bewertungsraster stellen Vorschläge dar, die der Ergänzung bedürfen.
Außerdem wird jeweils eine Antwortmöglichkeit ohne Textvorgabe angeboten, damit ggf. spezielle Ei-
genheiten des untersuchten Projekts berücksichtigt werden können. Weitere, im konkreten Einzelfall zu-
treffendere Antworten sind natürlich denkbar. Sie können bspw. – im Anschluss an eine individuelle Be-
wertung – im Team erarbeitet werden.
17 Kursiv gesetzte Texteile im Abschnitt Anforderungen dienen der Erläuterungen und Hilfestellung bei
der Bewertung.
1
2
Detailkriterien
A.1
Evalunet
37 Evalunet
Das Einbeziehen eines Praxispartners in die Projektkonstruktion birgt Chancen und
Risiken: Einerseits kann das Implementieren der Forschungsergebnisse erfolgreicher
werden, andererseits können aufgrund der spezifischen Interessen des Praxispartners
die Übersetzung in eine wissenschaftliche Fragestellung und die Offenheit des For-
schungsprozesses eingeengt werden.
Das Projektteam
Ist die Zusammenstellung der Fächer und Kompetenzen im Team in Bezug auf die
formulierte Fragestellung gelungen?
Ja, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es ist zu bewerten, ob auf Basis der Fächerzusammensetzung im
Team die wesentlichen Teilaspekte der formulierten Fragestellung untersucht und mit-
einander verknüpft werden können. Eine Begründung für die Entscheidung soll vor-
gelegt werden und nachvollziehbar sein.
Heterogene Fragestellungen machen sehr unterschiedliche Team-Zusammensetzungen
möglich. Da die fachliche Zusammensetzung eines Forschungsteams für die angemes-
sene Bearbeitung von grundlegender Bedeutung ist, ist ein intensiver Reflexionsprozess
beim Zusammenstellen des Teams notwendig. Die Zusammenstellung der fachlichen
Kompetenzen muss daher im Projektkonzept begründet werden (s. hierzu auch Krite-
rium 16). Ggf. sollen für das Ausblenden bestimmter Teilaspekte stichhaltige Gründe
angegeben werden. Außerdem ist anzugeben, wie die fachlichen Kompetenzen in be-
stimmten Forschungsphasen bzw. für bestimmte Teilaspekte des Vorhabens zusam-
mengesetzt sind. Es soll ausgeführt werden, ob in disziplinübergreifenden Teams oder
in disziplinbezogenen Teams gearbeitet werden soll und warum das für zielführend ge-
halten wird (s. auch nächstes Kriterium).
Sind Teilteams (Subteams), die Teilaspekte des Vorhabens bearbeiten, instituts-
und fächerübergreifend zusammengesetzt?
Ja, und zwar so:
Nein, und zwar weil ...
Anforderungen: Die Zusammenstellung der Subteams soll im Projektkonzept begrün-
det und auf die einzelnen Forschungsaufgaben bezogen werden. Werden die Teams
nicht fächerübergreifend zusammengestellt, ist zu begründen, weshalb das der Auf-
gabe angemessen ist und wie die kognitive Integration methodisch durchgeführt wer-
den soll.
Eine interdisziplinäre und interinstitutionelle Besetzung von Projektbausteinen und
Subteams fördert die Übersetzung des lebensweltlichen Problems in gemeinsame wis-
senschaftliche Fragestellungen, die fächerübergreifende Bearbeitung und das Ver-
ständnis für die Integrationsaufgaben sowie die kognitive Integration. Daher ist es von
A.1.2 .
3
4
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.1
Evalunet 38
Evalunet
Vorteil, wenn die Subteams nicht nur fächerübergreifend, sondern in Verbundvorhaben
möglichst auch institutsübergreifend zusammengestellt werden.
Zusätzliche Hinweise: Eine modulare Arbeitsplanung mit nach Instituten getrennter,
fachbezogener Verantwortlichkeit erschwert in Verbünden zudem ein flexibles Rea-
gieren auf Budgetkürzungen, da i.d.R. versucht wird, die Kürzung auf alle Partner
„gerecht“ zu verteilen, anstatt inhaltlich sinnvoll auf die Kürzungen zu reagieren. In-
stitutsübergreifende Subprojekte bieten hier die Möglichkeit, Mittelkürzungen mit
tatsächlich inhaltlichen Streichungen beantworten zu können ohne dabei einzelne
Beteiligte zu marginalisieren, da von Streichungen beispielsweise von ganzen Sub-
projekten, in denen die Projektpartner kooperieren, nicht nur ein Partner betroffen ist.
Zudem wird angesichts des laufend notwendigen fächer- und institutsübergreifenden
Verständigungsprozesses die Wissensintegration erleichtert.
Ist die Teamgröße der Problemstellung angemessen und der Wissensintegration
förderlich?
Ja, ist angemessen, denn ...
Nein, ist nicht angemessen, denn ...
Anforderungen: Aus der Praxisbeobachtung ergeben sich folgende Richtgrößen, um
Verbundvorhaben in einem handhabbaren Rahmen zu halten: Die Anzahl der betei-
ligten Forschungseinrichtungen und Einrichtungen der Praxis soll die Zahl sieben
möglichst nicht übersteigen, es sei denn es wird begründet und ein schlüssiges Kon-
zept für Management und Wissensintegration eines größeren Verbundes vorgelegt.
An Projekten sollten mit Blick auf den Planungsaufwand für interne Veranstaltungen
sowie auf die Verständigung, Abstimmung und Integration nicht mehr als 20 Perso-
nen mitwirken.
Projekte, an denen eine große Zahl von Forschungs- und Praxispartnern unterschied-
lichen Typs beteiligt sind, können zu überkomplexen Integrationsnotwendigkeiten
führen, die Nachvollziehbarkeit des Gesamtprojekts für den Einzelnen wird schwierig.
Beiträge oder Subprojekte können den integrativen Anschluss verlieren wodurch das
Gesamtergebnis gefährdet wird.
Gibt es bei den Bearbeitern/innen Erfahrungen in der fächerübergreifenden, trans-
disziplinären Kooperation?
Ja, und zwar ...
Nein, aber das kann aufgefangen werden, indem ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Vorerfahrungen von beteiligten Wissenschaftler/innen in der fächer-
und institutsübergreifenden Forschung sind darzulegen. Andernfalls muss nachgewie-
sen werden, dass in der/n jeweiligen Institution/en Erfahrungen bestehen und diesbe-
zügliche Unterstützung gewährt werden kann (bspw. Qualifizierungsmaßnahmen).
5
6
Detailkriterien
A.1
Evalunet
39 Evalunet
Die Fähigkeit zu integriertem Arbeiten bzw. das Vertrautsein mit Forschungsmetho-
den, die die Integration verschiedener Wissensbestände ermöglichen, legt eine wichtige
Basis für die Kooperation. Das gilt für die Projektbearbeitung und die Projektleitung.
Zusätzliche Hinweise: In der inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit muss die
soziale Basis der professionellen Zusammenarbeit oft erst aufwändig geschaffen wer-
den, da nicht auf die etablierte soziale Infrastruktur (Kooperationsnormen, Sprache,
Habitus etc.) einer Disziplin oder Profession zurückgegriffen werden kann. Diese so-
ziale Integrationsleistung muss – falls ein (miteinander) ungeübtes Team zusammen-
trifft – als Arbeitsvorhaben in die Projektplanung aufgenommen werden. Diese Leis-
tungen sollten zudem als spezifisch transdisziplinäre Projektleistungen dargestellt
werden.
Liegt ein Konzept zur Kooperation mit der Praxis vor, das die Integration des Pra-
xiswissens in das Projekt sowie den Transfer von Ergebnissen aus dem Projekt ins
Handlungsfeld berücksichtigt (Praxisbezug)?
Ja, es besteht in ...
Ja, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Integration des Praxiswissens und Transfer von Ergebnissen müssen
als Aufgabe formuliert sein. Die Verfahren bzw. Vorgehensweisen sollen beschrieben
und mit gesonderten Zeitbudgets und Mitteln ausgestattet werden. Verfahren zu Inte-
gration und Transfer müssen nicht unbedingt schon in der Planungsphase vorliegen,
ihre Entwicklung muss aber im Projektentwurf konzipiert werden. Es soll erläutert
werden, welche Zeitpunkte für Integration und Transfer sinnvoll erscheinen und in-
wiefern das Verfahren der Integration bzw. für den Transfer geeignet ist, Anstöße zu
den angestrebten Wissensbildungsprozessen, Veränderungen, Normsetzungen o.ä. zu
geben.
Der Praxisbezug, also die Kooperation mit Praxispartnern bzw. das Einbeziehen von
Praxiswissen auf anderem Wege (bspw. aus Vorprojekten/-arbeiten mit Praxisbezug),
ist ein wesentliches Merkmal transdisziplinärer Forschung. Er erschließt lebensweltli-
ches Wissen und ermöglicht den Transfer von Projektergebnissen in den Praxiskontext.
Bei der Integration von Praxiswissen ebenso wie beim Wissenstransfer aus dem Pro-
jekt in die Praxis müssen auch die (außerwissenschaftlichen) Regeln der Praxisakteure
berücksichtigt werden. Dies bedeutet oft ungewohnte Herausforderungen.
Zusätzliche Hinweise: (siehe hierzu auch A.3.3 Planung von Wissensintegration und
-transfer). Ein Vorhaben kann aufgrund seines Gestaltungspotentials hinsichtlich le-
bensweltlicher Prozesse als transdisziplinär eingestuft werden, obgleich Praxispartner
nicht unmittelbar beteiligt waren und auch keine Lösungsangebote an konkrete Ak-
teure gemacht werden. Bspw. bei Projekten, die Vorsorgestrategien oder Lösungsstra-
tegien mit ausgesprochener Langzeitperspektive verfolgen, kann es Probleme berei-
ten, Praxisakteure zu finden, die Interesse am Mitwirken haben (siehe hierzu auch
A.2.1 Transfer Lebenswelt – Wissenschaft).
7
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.1
Evalunet 40
Evalunet
Liegt eine Beschreibung der Aufgaben von Praxispartnern/Praxisakteuren/Pra-
xisvertretern vor? Unterstützen diese Aufgaben das Gesamtziel des Forschungs-
projekts?18
Ja, Beschreibung liegt vor und ist plausibel, denn ...
Beschreibung liegt vor, aber ...
Nein
Anforderungen: Die Aufgabe, die ein Praxispartner im Rahmen des Projekts hat, soll
im Projektkonzept beschrieben werden. Dabei sollte begründet werden können, inwie-
fern sie die zu bearbeitende Problemstellung, die Ziele und die angestrebte Form der
Ergebnisse unterstützt. Es soll auch angegeben werden, aufgrund welcher Funktion
bzw. Fähigkeiten der Praxispartner dazu beitragen kann.
Das Praxiswissen kann im Hinblick auf die Aufgabenstellung und die Ziele des Pro-
jekts unterschiedliche Funktionen haben, bspw.
a) Mithilfe bei der Problemformulierung
b) Wissen über das Handlungsfeld zur Verfügung stellen
c) Wertvorstellungen einbringen, einen Beitrag zu normativen Aspekten leisten
d) Veränderungsbedingungen im Praxisfeld formulieren
e) erarbeitetes Veränderungswissen in das Praxisfeld einbringen bzw. dort umsetzen.
Zusätzliche Hinweise: siehe hierzu auch das Kriterium 18 in A.2.3
In der Evalunet-Projektgruppe wurde folgende Unterscheidung getroffen: Praxispart-
ner sind solche Akteure, die am Projekt teilnehmen, indem sie ihr unmittelbares
Handlungsfeld (ihr Unternehmen, ihre Behörde usw.) als Pilotfeld zur Verfügung stel-
len. Sie können auch Teil der Projektleitung sein. Praxisvertreter sind Personen, die
vertretend für eine Akteursgruppe im Forschungsprojekt mitwirken. Praxisakteure
stellen eine Gruppe von Handelnden dar, die vom Forschungsgegenstand betroffen,
aber nicht direkt in die Forschungsarbeit einbezogen sind (allenfalls als Befragte einer
sozial-empirischen Untersuchung).
Bei der Einbeziehung von Praxiswissen sollten – wenn es um die Bearbeitung all-
tagsökologischer Probleme oder anderer Probleme mit erkennbarer Gender-Relevanz
geht – auch Geschlechterdifferenzen berücksichtigt werden.
Rollenverteilung
Gibt es eine Analyse der Verteilung von Rollen und Aufgaben der Projektakteure
aus Wissenschaft und Praxis?
Ja, liegt vor und ist plausibel, denn ...
Liegt vor, aber ...
Nein
A.1.3 .
8
9
18 Bei Fragen, die – wie in diesem Fall – mehrere Teilfragen beinhalten, muss jeder Teilfrage eine Antwort
gegeben und begründet werden.
Detailkriterien
A.1
Evalunet
41 Evalunet
Anforderungen: Insbesondere auf Ebene der inhaltlichen Arbeit, der Leitung von
Subteams und Gesamtteam sollen Rollen- und Aufgabenbeschreibung ausgewiesen
und begründet werden. Die Teamzusammensetzung soll auf potentielle Rollenkon-
flikte hin analysiert werden. Die Beschreibung soll im Laufe des Vorhabens überprüft
und ggf. angepasst werden.
Eine transparente Rollen- und Aufgabenbeschreibung, auf die sich alle Partner geei-
nigt haben, erleichtert die Durchführung eines Vorhabens mit heterogener Zusammen-
setzung von Personen und Inhalten. Ein klassischer Rollenkonflikt ist angelegt, wenn
ein Projektkoordinator auch inhaltlich mitarbeitet. Eine solche Doppelrolle kann zwar
auch zu Synergieeffekten bspw. in der Wissensintegration und zur Anerkennung der
Leitung aufgrund fachlicher Kompetenzen führen, erfordert aber Sensibilität für die
damit verbundenen Risiken. Die Besonderheiten beim Einbeziehen von Praxispartnern
machen die transparente Rollenteilung noch wichtiger als in rein mit Wissenschaft-
lern/innen besetzten Forschungsteams.
Gibt es eine Vereinbarung zwischen den beteiligten Institutionen, die die Koopera-
tion im Vorhaben regelt (institutionelles Commitment)?
Ja, liegt vor
Liegt vor, aber ...
Nein
Anforderungen: Die an einem Verbundvorhaben beteiligten Institutionen (aus For-
schung und Praxis) sollen eine schriftliche Vereinbarung schließen, mit der sie sich
auf einen kooperativen Forschungsprozess verpflichten und Aspekte wie Leistungen,
Zusammenarbeit, Publikationsregeln, Schlichtung u.a.m. regeln.
Die soziale Integration eines Forschungsteams zu einer gemeinsam arbeitsfähigen
Gruppe stößt gelegentlich auf das Problem, dass die hinter den Individuen stehenden
Institutionen andere (oft konkurrente) Interessen verfolgen als die Forschenden. Es ist
daher im Interesse der Beteiligten und des Forschungsziels, wenn die Institutionen
sich auf gemeinsame Grundlinien der Zusammenarbeit und das Ziel des Vorhabens ei-
nigen.
10
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.2
Evalunet 42
Evalunet
Problemformulierung, Fokussierung, Ziele und Erfolgskriterien
Transfer Lebenswelt – Wissenschaft
Greift das Projekt eine lebensweltliche Problemstellung auf und worin besteht ihre
Relevanz?
Ja, es greift eine lebensweltliche Problemstellung auf, denn ...
Ja, die Problemstellung ist relevant, weil ...
Nein, weil ...
Anforderungen: Die lebensweltliche Problemstellung soll beschrieben werden. Dabei
soll dargelegt werden, für welche Akteure die Problematik/Fragestellung bzw. ihre
Lösung/Transformation von welcher Relevanz ist.
Manche Transdisziplinaritätskonzepte ersetzen die Frage nach der akteursbezogenen
Relevanz durch den Bezug auf ein „Gemeinwohl“, um das es in der Forschung gehen
soll. Darauf wird hier verzichtet, da die Bestimmung dieses Begriffs ohne Bezugnahme
auf benennbare Akteure problematisch erscheint.
Zusätzliche Hinweise: Das Aufgreifen lebensweltlicher Problemstellungen muss nicht
zwangsläufig bedeuten, dass die Problematik auch in der Lebenswelt artikuliert bzw.
aus der Lebenswelt zur Bearbeitung an die Wissenschaft herangetragen worden ist.
Vielmehr ist auch das Aufgreifen der Problematik durch die Wissenschaft im Sinne
eines Vorsorgegedankens möglich. In einem solchen Fall müssen allerdings die Inte-
gration von Praxiswissen und die Randbedingungen im betrachteten Praxisfeld be-
sonders gründlich berücksichtigt werden.
Wird die Übersetzung des lebensweltlichen Problems in wissenschaftliche Fra-
gestellungen beschrieben?
Ja, Beschreibung liegt vor und ist plausibel, denn ...
Beschreibung liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
A.2.1 .
11
12
A.2.
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦A.2 betreffen:
■ Relevante lebensweltliche Problemstellung
■Übersetzung der lebensweltlichen Problemlage in wissenschaftliche Fragestellungen
■Gemeinsamer Forschungsgegenstand
■Erfolgskriterien des Projektteams
■Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen und praxisbezogenen Ergebnissen
■Offenheit der Fragestellung und Forschungsfreiraum
■Kongruenz von Problemtyp, Ergebnistyp, und Typ des Praxisbezugs
Detailkriterien
A.2
Evalunet
43 Evalunet
Anforderungen: Die Problemtransformation soll vom Projektteam als bewusster Akt
der Projektkonstruktion fächerübergreifend beschrieben werden. Dabei soll verdeut-
licht werden, welche Problemaspekte mit welchen wissenschaftlichen oder praxisge-
bundenen Verfahren und Methoden behandelt werden sollten. Eine fehlende Refor-
mulierung kann im Einzelfall einer direkten Bearbeitung der Problemstellung (Praxis-
forschung) akzeptabel sein. In diesem Fall soll begründet werden, weshalb auf sie be-
wusst verzichtet wurde.
Der Erfolg transdisziplinärer Forschung ist davon abhängig, dass die Probleme der
Praxis so reflektiert und „übersetzt“ werden, dass sie durch wissenschaftliche Arbeits-
weisen, Instrumente und Methoden erschlossen und bearbeitet werden können. In der
Regel wird damit zugleich auch eine Basis für die Wissensintegration im Projekt ge-
legt. Um das gegenseitige Verstehen der Bearbeitungsstrategien zu erhöhen ist es daher
von Vorteil, wenn das Team diese Arbeit gemeinsam leistet.
Werden die gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen im unter-
suchten Handlungsfeld hinsichtlich von Optionen und Restriktionen analysiert?
Ja, und zwar ...
Ja, aber ...
Nein
Anforderungen: Im Projektkonzept soll aufgezeigt werden, auf welche gesellschaftli-
chen und institutionellen Rahmenbedingungen das Vorhaben im Handlungsfeld trifft.
Die Analyse soll auf die Auswahl von Praxisakteuren und Zielgruppen und die Um-
setzungsstrategien für die Forschungsergebnisse Bezug nehmen.
Der Versuch, mit Forschungsergebnissen Veränderungen in einem Handlungsfeld zu
bewirken, trifft i.d.R. auf komplexe gesellschaftliche und institutionelle Handlungszu-
sammenhänge, die unterstützend oder hemmend für die Umsetzung sein können.
Formulieren eines gemeinsamen Forschungsziels
Werden integrierend wirkende gemeinsame Ziele, Verfahren und Forschungsob-
jekte für das Projekt beschrieben?
Ja, und zwar indem ...
Beschreibung liegt vor, aber ...
Nein, weil ...
Anforderungen: Im Projektkonzept sollen von allen Beteiligten gemeinsame Ziele
formuliert werden, die für Teilprojekte, Module usw. eines Forschungsvorhabens einen
Orientierungspunkt für die Arbeit und Methodik darstellen und damit einen Zugang
zu einer gerichteten Wissensintegration ermöglichen. Dabei soll erläutert werden, in-
wiefern die geplanten Forschungsansätze und -methoden zu einem die Ziele stützen-
den Gesamtergebnis integrierbar sind.
A.2.2 .
13
14
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.2
Evalunet 44
19 Strübing, J. 2005: Pragmatische Wissenschafts- und Technikforschung. Theorie und Methode. Frankfurt
am Main: Campus, 258 ff.
20 Siehe Liste der ausgewerteten Projekte im Anhang IX.
Evalunet
Die Forschungsarbeit in komplexen, heterogenen Kooperationen wird auch dadurch
auf eine für alle Beteiligten gemeinsame Basis gestellt, dass ein gemeinsames For-
schungsziel, ein sog. „Vermittelndes Objekt“ bzw. „Grenzobjekt“ beschrieben und von
allen Beteiligten mittels ihrer Forschungsarbeit angestrebt werden kann. „Grenzobjekte
sind (z.B. technische) Gegenstände, aber auch Ideen, Pläne, Konzepte, die innerhalb
einer Arena und damit für die darin vertretenen Repräsentanten verschiedener sozialer
Welten von zentraler Bedeutung (d.h. Handlungsrelevanz) sind.“ Über Grenzobjekte
können „Amateure und Professionelle zu einer gemeinsamen Linie finden“. Allerdings:
„Solange die betreffenden Objekte nicht von allen involvierten Parteien co-konstituiert
werden, können sie auch nicht vermittelnd wirken. Das Konzept von Grenzarbeit fußt
gerade auf der Überzeugung, dass erfolgreiche Vermittlung ein von beiden bzw. allen
beteiligten Seiten aktiv zu leistender Prozess ist, der nicht allein durch die einseitige
Etablierung vermittelnder und koordinierender Objekte (...) erfolgreich zu bewältigen
ist.“19
Selbstverständlich können auch andere Denkmodelle wie bspw. Brückenkonzepte, Mo-
dellierungen usw. helfen, eine gemeinsame Zielperspektive zu verfolgen und die kogni-
tive Integration zu erleichtern.
Disparate Interessen der beteiligten Einrichtungen und Bearbeiter/innen können in
Einzelergebnisse münden, die integrationsresistent sind, weil Methoden und Ergebnis-
form nicht anschlussfähig gemacht wurden.
Zusätzliche Hinweise: Beispiele: Im Projekt (7)20 hatten das Ziel der Entkopplung der
Mobilität von der Automobilität sowie das Konzept von räumlicher/physischer, so-
zial-räumlicher und sozialer Mobilität diese Funktion. Im Projekt (3) wirkte der me-
thodisch innovative Schritt der Verknüpfung von Verkehrsverhaltensdaten mit Le-
bensstilelementen ebenso als Klammer wie auch die Zielsetzung, mit dieser Verknüp-
fung eine neue qualitative Dimension in die Mobilitätsforschung einzuführen.
Werden durch das Team eigene Erfolgskriterien zum Projektziel aufgestellt und
bilden diese eine plausible Darstellung eines Projekterfolges ab?
Ja, und zwar ...
Kriterien werden formuliert, aber ...
Nein, weil ...
Anforderungen: Das Gesamt-Team des Projekts (inkl. Praxispartner) soll im Zuge des
Projektentwurfs gemeinsame Erfolgskriterien formulieren. Es ist dabei zu prüfen und
zu erläutern, ob es Teilkriterien gibt, die – bspw. bezogen auf Wissenschaft oder Pra-
xis – nur einige Projektakteure zufrieden stellen. Sofern daraus ein Konfliktpotential
resultiert, sollte dargestellt werden, wie Konflikte im Projektverlauf vermieden werden
können.
Das Formulieren eigener Erfolgskriterien für das Projekt ist eine wichtige Vorausset-
zung für das Durchführen von Zwischen- und Schlussevaluationen bzw. für Revisi-
onsmöglichkeiten eines Forschungsprojekts.
15
Detailkriterien
A.2
Evalunet
45 Evalunet
Fokussierung
Berücksichtigt das Forschungskonzept eine angemessene Balance zwischen unbe-
dingt benötigten Fächern einerseits und dem Vermeiden von Überkomplexität an-
dererseits?
Ja, und zwar indem ...
Eine Erläuterung liegt vor, aber ...
Nein, weil ...
Anforderungen: Im Zuge der Projektplanung muss folgender Abwägungsprozess
durchgeführt und aus Gründen der Nachvollziehbarkeit beschrieben werden: Einer-
seits müssen alle fachlichen Aspekte berücksichtigt werden, die zu einer problemadä-
quaten Forschung notwendig sind. Andererseits soll dargestellt werden, welche In-
halte möglicherweise bewusst ausgeklammert werden zugunsten der Durchführbarkeit
des Projekts und insbesondere einer realisierbaren fächerübergreifenden Integration.
Außerdem soll ggf. erläutert werden, inwiefern der Forschungsansatz und die Me-
thode anschlussfähig bleiben für ein späteres Einbeziehen ausgeschlossener bzw. zu-
sätzlicher Fachaspekte.
Ist eine ausreichend große Ergebnisoffenheit von Forschungsfragen und -metho-
den gegeben?
Ja, eine Ergebnisoffenheit ist gegeben, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: In der Projektformulierung soll dargestellt werden, ob es ein mit dem
behandelten lebensweltlichen Problem verknüpftes Veränderungsziel gibt, das mit
dem Projekt erreicht werden soll und inwiefern trotz dieser Zielvorgabe die Ergebnis-
offenheit des Forschungsprozesses dennoch gewährleistet werden kann.
Insbesondere auf Umsetzung fokussierte, transdisziplinäre Forschungsvorhaben stehen
oft vor dem Problem, dass ein bereits in der Projektformulierung gesetztes, konkretes
Praxisziel den Erkenntniskorridor und das Methodenspektrum des Forschungsprozes-
ses zu stark einengt. Dies gilt umso mehr, wenn das Erreichen des Praxisziels mit öko-
nomischen Erfolgskriterien gekoppelt wird. Es kann nicht selten beobachtet werden,
dass in Gutachterverfahren bei der Projektvergabe bspw. Zielvorgaben genannt oder
Kürzungen von wissenschaftszentrierten Aufgaben vorgenommen werden, die den For-
schungsprozess erheblich einengen. Ergebnisoffenheit ist essentieller Bestandteil von
Forschung.
17
16
A.2.3 .
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.2
Evalunet 46
Evalunet
Wird die behandelte Fragestellung angemessen durch die Methoden, die Form der
Praxiseinbindung sowie die Art von Ergebnissen und Produkten aufgegriffen?
Ja, die Erläuterung wird gegeben und ist nachvollziehbar, weil ...
Erläuterung wird gegeben, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Kongruenz zwischen Problem, Methoden, Praxiseinbindung,
Wissen und Ergebnissen sowie Produkten soll im Projektkonzept beschrieben werden.
Dabei sollen auch die Akteure benannt werden, die als „Problemträger“ gesehen bzw.
als Zielgruppe adressiert werden.
Transdisziplinäre Forschung erfährt aufgrund von heterogenen personellen und in-
halts- bzw. aufgabenbezogenen Zusammensetzungen viele unterschiedliche Projektau-
sprägungen. Daher ist es notwendig, in jedem Projekt die Art des bearbeiteten Prolems
(„Problemtyp“), die Form der Einbeziehung von Praxiswissen, die Methoden, mit de-
nen fachbezogen erarbeitetes Wissen zusammengeführt wird („Integrationsmethode“)
und die Art von Ergebnissen und Produkten („Ergebnistyp“) aufeinander abzustimmen.
Zusätzliche Hinweise: Mögliche Ausprägungen der genannten „Typen“ sind bei-
spielsweise folgende:
■Ergebnistyp: Paradigmenwandel auslösen; Innovation voranbringen; Partikulare
Strategiefähigkeit eines Akteurs herstellen, Systemische Strategiefähigkeit eines Kol-
lektivs von interdependenten Akteuren herstellen
■Form der Einbindung von Praxisakteuren: Beirat; Auftraggeber; Partner im For-
schungsprozess; Partizipation (bspw. als Vermittler von Informationen in das und aus
dem Projekt), auch methodische Operationalisierung von Praxisbezügen
■Typ von Integrationsmethoden: bspw. disziplinübergreifende Begriffsbildung; Mo-
dellierung; Szenarioworkshops; Multikriterielle Bewertungen; Verhandlung
■Wissenstypen: Systemwissen; Zielwissen; Gestaltungswissen
■Produkttypen: Institutionelle Reformen, technische Artefakte; Beratungsgespräche;
Diskursprozesse; Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften; Publikationen in
Praxismedien und allgemeiner Öffentlichkeit; (computerbasierte) Modelle und Tools;
Leitfäden
Eine Kongruenz wäre also bspw. in dieser Kombination gegeben:
Wenn die Aufgabe eines Vorhabens darin besteht, die partikulare Strategiefähigkeit
eines Akteurs herzustellen (also bspw. Handlungskonzepte für einen bestimmten Ak-
teur zu erstellen), sollte dieser Praxisakteur Partner im Forschungsprozess sein oder
zumindest partizipieren, bspw. mit ihm Szenarioworkshops als Imaginationshilfe für
Entwicklungsperspektiven durchgeführt werden, und damit Gestaltungswissen bspw.
in Form eines computergestützten Leitfadens für diesen Akteur erarbeitet werden.
Projekte, die soziale oder technische Innovationen entwickeln und umsetzen wollen
(Gestaltungswissen), sollten nicht lediglich wissenschaftliche Publikationen hervor-
bringen und sich nicht ausschließlich auf abstrakte Integrationsmethoden wie bspw.
Modellierungen beschränken.
Projekte mit Gender-Relevanz (z.B. aufgrund von alltagsökologischen Problemstellun-
gen) sollten darauf achten, dass Problemtyp, Methoden, Ergebnistyp und Produkttyp
auch in Hinblick auf die Akteurinnen (des Alltags) kongruent sind.
18
Detailkriterien
A.2
Evalunet
47 Evalunet
Kann mit dem Projektkonzept eine zielgruppengerechte Ausrichtung der For-
schungsarbeit und der Forschungsergebnisse erreicht werden?
Ja, ein Zielgruppenkonzept wird dargestellt und ist nachvollziehbar, weil ...
Ein Zielgruppenkonzept wird dargestellt, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Projektziele sollen bereits im Projektkonzept klar und differenziert
nach verschiedenen Zielgruppen in Wissenschaft und Praxis beschrieben werden. Da-
bei ist auch zu prüfen, ob der Forschungsansatz Ergebnisse verspricht, die diesen Ziel-
gruppen dienlich sein können, bspw. Handlungskonzepte zu realisieren (s. auch A.3.3
Produkt und Publikationsplanung).
Macht das Projektkonzept Aussagen dazu, wie einerseits die Ergebnisumsetzung
im konkreten Kontext sichergestellt werden kann und wie andererseits auch los-
gelöst von diesem Kontext eine Übertragbarkeit der Ergebnisse herstellbar ist?
Wird auf eines von beiden fokussiert?
Ja, ein Konzept/eine Begründung wird dargestellt und ist angemessen weil ...
Ein Konzept/eine Begründung wird dargestellt, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Im Zuge der Projektkonzipierung soll beschrieben werden, welcher
Ausschnitt aus dem Spannungsfeld Ergebnisumsetzung in der Praxis – Abstraktion
und Übertragbarkeit im Projekt gesetzt werden soll bzw. wie die Balance zwischen
beiden „Polen“ gehalten werden kann. Außerdem soll in der Projektplanung folgendes
berücksichtigt sein:
■Projekte, die auf einen konkreten Kontext und Umsetzungsprozesse ausgerichtet
sind, müssen eine gründliche Dokumentation und ggf. Publikation der Methoden und
Prozesse vorsehen, mit denen wissenschaftliches und praktisches Wissen im Projekt
integriert worden sind.
■Projekte, die auf allgemeine Problemstrukturen und Theorie ausgerichtet sind, sol-
len die Robustheit ihrer Ergebnisse für die Anwendung unter konkreten (lokalen) Be-
dingungen explizit reflektieren. Sie sollten zudem als Teil des Forschungsprozesses
die Ausarbeitung von Verfahren vorsehen, mit denen ihre Ergebnisse unter gegebenen
Rahmenbedingungen zu konkreten Handlungsstrategien weiterverarbeitet werden
könnten.
Eine Forderung an viele transdisziplinäre Forschungsvorhaben ist die Gleichzeitigkeit
sowohl kontextbezogener Lösungen für gesellschaftliche Probleme als auch von wis-
senschaftlich verallgemeinerbaren Innovationen. Solche Projekte stehen – je nachdem,
ob sie auf einen konkreten Fall oder auf abstraktere Problemmuster fokussieren – oft-
mals vor dem Dilemma, entweder an der Umsetzungsrelevanz oder an der Übertrag-
barkeit ihrer Ergebnisse auf andere Kontexte einzubüßen.
20
19
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.3
Evalunet 48
Evalunet
Projektplanung und Finanzierung
Strukturplanung und Revisionsmöglichkeiten
Gibt es für das Projekt eine Strukturplanung, bildet sie das Vorhaben seinem Kom-
plexitätsgrad entsprechend und übersichtlich ab?
Ja, ein Strukturplan liegt vor und ist angemessen weil ...
Ein Strukturplan liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Im Zuge der Projektkonzipierung muss ein Strukturplan erstellt wer-
den, der eine detaillierte bspw. auf sog. Meilensteine gestützte, inhaltlich aufgeschlüs-
selte sowie teambezogene Zeitplanung enthält (mit Instrumenten zum Zeit- und Fi-
nanzmanagement). Neben der Vollständigkeit der Angaben (Projektphasen, Module,
Projektbeteiligte, Meilensteine, Workshops, Produkte etc.) fließen auch die Form der
Darstellung (Übersichtlichkeit) sowie die Angemessenheit der Planung (realistische
Zeitbezüge) in die Bewertung ein. Der Plan soll als übersichtliche Grafik dargestellt
sein.
Komplexe Verbund-Forschungsprojekte verlangen eine aufgabenbezogene Transparenz,
die vor allem die Synchronisierung und Integration der einzelnen Projektbestandteile,
Ergebnisse und Akteure (auch der Praxisakteure mit eigenen Zeitgesetzen) ermöglicht.
Sieht die Projektplanung Revisionsmöglichkeiten und (mit Zeit und Mitteln ausge-
stattete) Planungsspielräume für den Forschungsprozess vor?
Ja, „Revisionspunkte“ wurden eingeplant und erscheinen sinnvoll, weil ...
„Revisionspunkte“ wurden eingeplant, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Projektplanung soll „Revisionspunkte“ (Meilensteine, Workshops
etc.) beinhalten, an denen die Planungen überprüft und ggf. revidiert werden können.
Solche „Revisionspunkte“ sollten bei größeren Vorhaben möglichst zweimal jährlich
vorgesehen sein. Außerdem müssen zeitliche wie finanzielle Ressourcen zum Umsteu-
ern oder zum Verändern der Planung vorgesehen werden, die die Projektleitung bei
unvorhergesehenen Entwicklungen einsetzen kann.
Die Komplexität der Aufgaben und Integrationsanforderungen führt häufig zu Schwie-
rigkeiten im Projektverlauf, die das Anpassen der Strukturplanung notwendig ma-
A.3.1 .
21
22
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦A.3 betreffen:
■ Strukturplanung, Koordination und Integration
■Mittel für Integrationsaufgaben
A.3.
Detailkriterien
A.3
Evalunet
49 Evalunet
chen. Die Planung von sinnvollen Zeitpunkten und Verfahren einer Zwischenreflexion
(„Revisionspunkten“) hilft, das Team gewissermaßen durch den Forschungsprozess zu
leiten.
Zusätzliche Hinweise: In den Abschnitten B.1.1, B.1.2, B.2.1, B.2.2, B.3 (B befasst sich
mit der Projektdurchführung) verweisen mehrere Kriterien auf die hier angesproche-
nen „Revisionspunkte“. Dort werden verschiedene Aspekte beschrieben, die regel-
mäßig, also an den genannten „Revisionspunkten“ des zu evaluierenden Vorhabens,
geprüft werden sollten.
Finanzierung
Ist in der Finanzplanung eine Kongruenz zwischen Aufgaben einerseits und den
jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln andererseits gegeben? Werden die ‘Trans-
disziplinaritätskosten’ ausgewiesen?
Ja, die Mittelplanung erscheint sinnvoll, weil ...
Die Mittelplanung erscheint sinnvoll, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Budgetierung muss erstens Transparenz hinsichtlich der Mittel-
zuweisung für Einzelaufgaben und Projektpartner aufweisen. Zweitens müssen Bud-
gets für typisch „transdisziplinäre“ Aufgaben (standort- bzw. institutsübergreifende
Kooperation, fächer- und praxisbezogene Integrationsverfahren – darin auch Work-
shopkosten, besondere Reisekosten etc. – Leitung/Koordination des Verbundes, super-
visorische Unterstützung/Moderation, Reflexion, Revision und Iteration) in der Pro-
jektkalkulation ausgewiesen sein ('Transdisziplinaritätskosten'). Kosten der Qualitäts-
sicherung (bspw. durch interne oder Selbstevaluation) sind ebenfalls vorzusehen.
Zusätzliche Hinweise: Als Richtgröße für Mittel, die zur zentralen Projektleitung/-ko-
ordination zur Verfügung stehen sollten, können bei größeren Projekten 15% des Ge-
samtbudgets eines Vorhabens angesehen werden (dieser Wert ist u.a. abhängig von
den Integrationsanforderungen).
'Transdisziplinaritätskosten' resultieren auch aus dem Bemühen, allen Beteiligten ein
kontinuierliches Verfolgen und Verstehen des Projektfortschritts zu ermöglichen und
die Aufgabe der sozialen und kognitiven Integration zu unterstützen. In Projekten ist
zudem sicher zu stellen, dass alle Beteiligten in ausreichendem Umfang über den Pro-
jektfortgang – auch in anderen Projektteilen – informiert sind. Dies setzt einen regel-
mäßigen Austausch und ausreichend Zeit für Verbundtreffen voraus. Projektgruppen,
in denen die Bearbeiter/innen an mehreren verschiedenen Orten arbeiten, benötigen
also einen zusätzlichen Reiseetat, um Kooperation und Wissensintegration durch Ar-
beitsaufenthalte, Workshops, Integrationsveranstaltungen etc. angemessenen sicher-
zustellen. Für jeden Forschungspartner soll in jedem Jahr der Projektlaufzeit die Mög-
lichkeit für mehrere mehrtägige Reisen zu Treffen mit anderen Projektpartnern gege-
ben sein. Zusätzlich müssen Reisemittel für den Besuch von Verbundveranstaltungen,
Kongressen usw. eingeplant sein (jeweils mindestens vier Reisen pro Jahr). Die Pro-
jektleitung benötigt mindestens doppelt so viele Reisen.
Für Mittelkürzungen, die möglicherweise im Rahmen des Vergabeverfahrens vorge-
nommen werden müssen, gilt: Eine Kongruenz zwischen Aufgabe und Budget muss
erhalten bleiben, Aufgaben der transdisziplinären Kooperation und Integration dürfen
A.3.2 .
23
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.3
Evalunet 50
Evalunet
nicht – wie oft zu beobachten – unter Kürzungen leiden, um die (fächerbezogenen)
Forschungsarbeiten unangetastet zu lassen.
Werden Finanzierungsleistungen für das Projekt durch Praxispartner übernommen
und werden ggf. die Implikationen solcher Leistungen reflektiert?
Ja, die Beteiligung ist plausibel, weil ...
Ein Praxispartner beteiligt sich an der Finanzierung, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Das Eigeninteresse des Praxispartners sowie seine Erfolgskriterien
dafür müssen im Projektkonzept expliziert sein. Es ist zu erläutern, wie der Einfluss
des Praxispartners für die Ziele des Vorhabens nutzbar gemacht werden kann.
Wenn ein Praxispartner ein Vorhaben mitfinanziert, wird ihm möglicherweise ein
größeres Mitspracherecht an der Formulierung des Untersuchungsgegenstandes sowie
am Forschungsprozess und der Form seiner Ergebnisse eingeräumt werden müssen,
was die Ergebnisoffenheit des Vorhabens verändern kann.
Planung von Wissensintegration und -transfer, Produkt- und Publikationsplanung
Liegt eine der Aufgabe angemessene und nachvollziehbare Integrationsplanung
vor?
Ja, wird dargestellt und ist angemessen weil ...
Wird dargestellt, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: In der Projektplanung muss – abhängig vom Projektfokus gemäß
A.2.3 – eine Beschreibung der Integrationsabsicht (die Wissensintegration fokussiert
auf wissenschaftliche Wissensbestände oder/und auf praxisbezogene Wissensbestände)
ausgeführt werden. Außerdem muss der Strukturplan die vorgesehenen Orte der Inte-
gration (Anlässe oder Gelegenheiten) beinhalten. Arbeitsverfahren und Methoden der
Integration können bereits in der Planung beschrieben werden oder müssen zumin-
dest als Konzept für deren Entwicklung im Projektverlauf angegeben werden (s. hier-
zu auch B.2.1).
Die Integration unterschiedlichen Wissens ist eine zentrale Herausforderung der tran-
sdisziplinären Forschung. Sie betrifft wissenschaftliches Wissen (aus den beteiligten
Fächern) einerseits und Praxis-Wissen andererseits. Die Chancen für eine gelungene
Wissensintegration steigen, wenn Integration idealerweise bereits in der Phase der
Projektkonstruktion geplant und methodisch konzipiert wird. Zudem wird die Wis-
sensintegration erleichtert, wenn die soziale Integration der Beteiligten zu einem ge-
meinsam agierenden Team beachtet wird. Eine transdisziplinäre Integration kann
nicht allein am Ende des Projekts gewährleistet werden, sondern erfordert einen im
Projektverlauf immer wiederkehrenden Verständigungsprozess.
24
25
A.3.3 .
Detailkriterien
A.3
Evalunet
51 Evalunet
Liegt eine Zeitplanung für den Wissenstransfer aus der Forschung in das Praxis-
feld vor?
Ja, liegt vor und ist angemessen weil ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Projektplanung soll die Zeitplanung (zum Verfahrenskonzept
siehe Detailkriterium 7) des Transfers von im Projekt erarbeitetem Wissen in das Pra-
xisfeld darstellen. Die Zeitplanung muss mit den Anforderungen des gesamten Pro-
jektverlaufs korrespondieren (sinnvolle Verankerung im Strukturplan).
Wird eine Übergabestrategie Forschung – Praxis für die Zeit nach Beendigung des
Vorhabens formuliert?
Ja, ein Konzept/eine Begründung wird dargestellt und erscheint
erfolgversprechend, weil ...
Ein Konzept/eine Begründung wird dargestellt, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Das Projektkonzept soll Angaben dazu enthalten, wie die Projekter-
gebnisse so an die Akteure des fraglichen Handlungsfeldes übergeben werden kön-
nen, dass gewährleistet ist, dass im Projekt entwickelte Umsetzungsstrategien tatsäch-
lich auch realisiert werden können. Diese Übergabestrategie muss in jedem Fall mit
dem Auftraggeber/Zuwendungsgeber/Projektträger abgestimmt sein, damit zeitliche
und finanzielle Vorkehrungen/Begleitmöglichkeiten getroffen werden können.
Es ist nicht selten zu beobachten, dass die Umsetzung von Projektergebnissen daran
scheitert, dass die Praxispartner nach Auslaufen der Finanzierung eines Forschungs-
vorhabens mit der Umsetzung – dann nicht mehr finanzierter – Umsetzungsstrategien
überfordert sind bzw. dass das Aufrechterhalten/Betreiben von während des Projekts
initiierten, ökonomisch nicht sofort tragfähigen Strukturen nicht gelingt und damit
der Projekterfolg gefährdet wird. Insofern kann dies auch eine Herausforderung an
eine ökonomische Nachhaltigkeit der getätigten Entwicklung sein.
Liegt für das Projekt eine Produkt- und Publikationsplanung vor?
Ja, liegt vor und ist angemessen weil ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es soll eine Produkt- und Publikationsplanung vorliegen, in der die
Projektziele adäquat abgebildet und den unterschiedlichen Rezipienten aus Wissen-
schaft und Praxis passende Angebote gemacht werden. Hinsichtlich wissenschaftli-
cher Innovationen ist zudem zu unterscheiden, ob Innovationen für einzelne betei-
26
27
28
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien A.3
Evalunet 52
ligte Fächer oder fächerübergreifend zu erwarten sind und wie sie dementsprechend
aufzubereiten sind.
Die idealtypische Ausrichtung transdisziplinärer Forschung auf Wissenschaft und
Praxis macht ein Zielgruppenkonzept insbesondere auch für die aus den Forschungs-
ergebnissen entstehenden Produkte und Publikationen notwendig.
Vergabeform des Vorhabens
Auftragsforschung: Wird in der Projektkonstruktion die Vergabeform angemessen
berücksichtigt?
Ja, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Sofern Auftraggeber mit dem Forschungsergebnis konkrete Umset-
zungs- bzw. Beratungspläne verfolgen, müssen im Projektablauf Gelegenheiten zur
Abstimmung vorgesehen werden (bspw. Präsentationen, Arbeitsgespräche). Solche
Abstimmungen sollen etwa zweimal jährlich stattfinden, es sei denn, der Auftragge-
ber will darauf verzichten.
Auftraggeber von Forschungsvorhaben haben i.d.R. ein deutlich höheres Eigeninter-
esse bspw. hinsichtlich der Verwertung der Projektresultate als Zuwendungsgeber. Das
hat u.U. weitreichende Folgen für die Planung des Projektablaufs und die Form der
Ergebnisse sowie ihre Veröffentlichung. Sowohl private Einrichtungen (auch Pra-
xispartner) wie auch öffentliche (Ministerien, Ämter usw.) Auftraggeber können Um-
setzungsinteressen verfolgen.
Zusätzliche Hinweise: Beispiel: Der Auftraggeber Umweltbundesamt verfolgt i.d.R.
das Ziel, in seinem Auftrag erarbeitete Forschungsergebnisse zur Beratung der Bundes-
umweltpolitik zu nutzen. Er wird daher eigene Vorstellungen zur Lösung der For-
schungsaufgabe formulieren. Die DFG wird dagegen die Ergebnisse der von ihr finan-
zierten Projekte nicht selbst nutzen. Im ersten Fall ist daher – projektabhängig – ein
gewisses Maß an inhaltsbezogener Kooperation mit dem Mittelgeber notwendig, um
sicherzustellen, dass die Projektmethodik und die Ergebnisse vereinbar sind mit dem
eigenen Nutzungsinteresse und demjenigen des Auftraggebers.
A.3.4 .
29
Detailkriterien
B.1
Evalunet
53
21 In der Projektplanung sollten „Revisionspunkte“ im Projekt festgelegt werden, die solche Überprüfungen
in bestimmten Zeiträumen festschreiben (s. hierzu unter A.3.1 „Strukturplanung und Revisionsmöglich-
keiten“). Daneben gelten die Kriterien natürlich auch für Ex-post-Bewertungen.
Evalunet
Detailkriterien: Projektdurchführung und Methodik
Arbeitsplanung und Projektleitung
Gemeinsame Arbeitsplanung, Kooperation und Management
Sind Abwicklung, Kooperation und Zeitmanagement in der Wissensproduktion
und -integration erfolgreich/erfolgversprechend?
Ja, weil ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es ist regelmäßig zu überprüfen, ob Integrationsaufgaben und dazu-
gehörige Instrumente, Veranstaltungen etc. zeitlich so platziert wurden, dass Ergeb-
nisse/Erkenntnisse aus einzelnen Projektmodulen und aus der Praxis zusammenge-
führt werden können/konnten und ob bei allen Beteiligten Klarheit über Projekt-
ablauf und Wissensintegration besteht.
Zusätzliche Hinweise: Zur Überprüfung müssen bspw. Stränge der dezentralen (bspw.
fachbezogenen) Wissensproduktion verfolgt und hinsichtlich ihrer zeitlichen und in-
haltlichen Passung mit den zentralen Integrationspunkten untersucht werden.
Ist die Kooperation im Forschungsteam und mit Praxisvertretern (soziale Integra-
tion) erfolgreich/erfolgversprechend?
Ja, weil ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es ist regelmäßig21 zunächst durch die Projektleitung, dann durch
das gesamte Team zu überprüfen, ob die als notwendig erachteten Kooperationsvor-
gänge (bilaterale und multilaterale Workshops, gemeinsame Arbeitsphasen, Schnitt-
stellen, Patenschaften etc.) tatsächlich stattfinden und zu den gewünschten integrier-
ten Ergebnissen führen. Das Ergebnis ist zu bewerten. Ggf. ist im Gesamtteam zu be-
raten, wie Abhilfe zu schaffen ist.
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦B.1 betreffen:
■ Gemeinsame Arbeitsplanung
■Kooperative Entscheidungsstrukturen
B.
B.1.
B.1.1.
30
31
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien B.1
Evalunet 54
Evalunet
Die Planung eines transdisziplinären Projekts sieht i.d.R. zahlreiche Kooperationsnot-
wendigkeiten vor. Im Laufe der Projektarbeiten stellt sich heraus, ob die Partner
tatsächlich kooperationsfähig und -bereit sind. Die soziale Integration der Projektbe-
teiligten, also die Entwicklung von Vorstellungen eines gemeinsamen Projekterfolges
und einer Team-Identität, ist eine Grundvoraussetzung für die Kooperation und für die
kognitive Integration.
Projektleitung und Verantwortung
Ist eine Funktionalität von Leitungs- und Entscheidungsstrukturen gegeben?
Ja, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: In der Phase der Projektkonstruktion sowie regelmäßig21 im Pro-
jektverlauf ist eine Prüfung durchzuführen, ob die Akteurskonstellation im Projekt
und die Komplexität des Projektablaufs mit der gewählten Leitungs- und Entschei-
dungsstruktur bewältigt werden können und ob projektexterne Entscheidungsstruktu-
ren der Praxispartner berücksichtigt wurden.
Zusätzliche Hinweise: Je nach Akteurskonstellation kann es ratsam sein, hierarchi-
sche (vertikale) oder horizontale Strukturen zu stärken. Wenn ein ausreichend starkes
kollektives Interesse der Partner besteht, „sich zusammenzuraufen“, ist eine flache
Hierarchie ausreichend. In anderen Fällen ist eine hierarchische Projektleitungsstruk-
tur notwendig, um ein integriertes Ergebnis zu erzielen. Eine flache, wenig ausge-
prägte Hierarchie bedarf einer für alle Beteiligten transparenten Struktur, um Ent-
scheidungswege nachvollziehbar zu machen. Ein sog. Kleines Plenum, in dem alle be-
teiligten Institutionen jeweils mit ihrer projektbezogenen Leitung vertreten sind, kann
bspw. die Funktion der Sicherung verbindlicher Entscheidungen sowie Integrations-
funktion übernehmen. Integrierend wirkende Einzelpersonen in der Leitung (Projekt-
leiter, Gesamtkoordinator o.ä.) haben eine Sicherheit stiftende Wirkung. Die Transpa-
renz der Entscheidungswege muss für alle Beteiligten gegeben sein, sog. Commit-
ments sollten zwischen den Projektpartnern abgeschlossen werden.
B.1.2 .
32
Detailkriterien
B.2
Evalunet
55 Evalunet
Transdisziplinäre Methodik und Integration
Methodik für die Wissensintegration; Fokussierung
Werden geeignete Methoden angewendet bzw. wurden solche entwickelt, um Wis-
sensbeiträge aus den beteiligten Fächern und aus der Praxis miteinander zu ver-
binden?
Ja, weil ...
Methoden wurden angewendet, entwickelt, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es ist regelmäßig21 eine Prüfung durchzuführen, ob die Methodik zur
Integration aller Wissensbestände tauglich ist. Diese Prüfung soll sich auf die diesbe-
züglichen Planungen beziehen (s. A.3.3), die beschreiben, mit welcher Methodik die
am Vorhaben beteiligten Fächer Zugang zur Problemstellung bekommen und ob die
unterschiedlichen Zugänge im Projektverlauf eine Integration des erarbeiteten Wis-
sens erlauben, das so zu einem gemeinsamen Ergebnis verdichtet werden kann.
Zusätzliche Hinweise: Der Aufbau eines eigenen kategorialen Systems kann von Vor-
teil sein. Das Aufstellen von gemeinsamen Definitionen, Metaphern, Kategorien, Kri-
terien und Instrumenten ist als heuristisches Hilfsmittel bei der disziplinübergreifen-
den Zusammenarbeit und der Wissensintegration sehr hilfreich und empfehlenswert.
Dabei muss deutlich gemacht werden, auf welchen Annahmen und Bewertungen die
Kategorien und Kriterien basieren.
Ein Beispiel: Im Projekt (5) wurde der Zugang zum untersuchten und umzugestalten-
den urbanen Raum für die beteiligten Fächer (v.a. Architektur und Stoffhaushalt)
durch folgende Bestandteile eines kategorialen Systems erschlossen:
■Die urbane Situation wurde auf der Ebene von vier Aktivitäten (Ernähren und Er-
holen, Reinigen, Wohnen und Arbeiten, Transportieren und Kommunizieren) jeweils
unter fachbezogener Perspektive charakterisiert.
■Zur Bewertung von Ist-Zustand und Umbauoptionen wurden fünf Qualitätskrite-
rien festgelegt: Identifikation, Diversität, Flexibilität (Veränderungspotential, Anpas-
sungsfähigkeit), Versorgungsgrad und Ressourceneffizienz.
■Auf der Ebene unter den Aktivitäten und Qualitätskriterien wurden Instrumente
formuliert, die der Erfassung von Daten und Informationen dienen.
B.2.
33
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦B.2 betreffen:
■ Fächerübergreifende Wissensintegration
■Reflexion der kognitiven Integration
B.2.1.
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien B.2
Evalunet 56
22 Dieser kann so beschrieben werden: Die „transdisziplinäre Entwurfsmethode (...) besteht aus abwechseln-
den disziplinären und gemeinsamen Schritten [der beteiligten Fächer]“. Der Loop wird „im Sinne eines
gemeinsamen Verfahrens mehrmals durchlaufen“ und umfasst sechs Schritte: 1. Disziplinäre Analysen,
2. Gemeinsame Bewertung der Ausgangslage, Formulierung von Zielen, Entwurfsprinzipien und Szena-
rien, 3. Entwürfe (fachbezogen), 4. Spezifikationen von Lösungselementen (gemeinsam), 5. Modelle
(fachbezogen), 6./2. Gemeinsame Szenarien und gemeinsame Bewertung. Danach wird der Loop in den
Schritten 2.–6. erneut durchlaufen, um die Ergebnisse zu vertiefen, voneinander den fachbezogenen Ar-
beitsstand zu erfahren und die Bestandteile integrierbar zu machen.
Evalunet
Gibt es – unterhalb der Methodik – spezifische Arbeitsinstrumente zur fächerüber-
greifenden Wissensintegration und ist deren Anwendung erfolgreich/erfolgver-
sprechend?
Ja, erfolgreich/erfolgversprechend, weil ...
Instrumente vorhanden, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Im Projektverlauf (bzw. am Projektende) müssen die geplanten oder
im Projektverlauf entwickelten Arbeitsverfahren hinsichtlich ihrer Tauglichkeit regel-
mäßig21 geprüft werden. Für noch unerfahrene Wissenschaftler/innen sollen entspre-
chende Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Zusätzliche Hinweise: Zu einer aufgabengerechten Wissensintegration gehören auch
Arbeitsverfahren, die die interne Qualitätssicherung und das gegenseitige Nachvoll-
ziehen der Forschungsergebnisse von projektinternen Partnern unterstützen. Eine be-
wusst gesetzte disziplinübergreifende, iterative Arbeitsmethode (wie bspw. der in (5)
zu allen Aktivitätsfeldern durchgeführte transdisziplinäre Loop22) ist eine wichtige,
empfehlenswerte Maßnahme zur erfolgreichen disziplinübergreifenden Kooperation
und Wissensintegration. Als systematisierende Zugänge mit ähnlicher Wirkung kön-
nen bspw. Handlungsfolgenabschätzungen und andere multikriterielle Bewertungs-
verfahren, die Aspekte aller beteiligten Fächer einbeziehen wie Advokatenverfahren,
Integration über Leitfragen und Strategiefelder angeführt werden.
Siehe hierzu auch das Kriterium 18 in A.2.3.
Ist eine Kongruenz zwischen dem Projektfokus (Wissenschaft oder/und Lebens-
welt) einerseits und dem Typus des erarbeiteten Wissens andererseits gegeben?
Ja, denn ...
Nein, aber Revisionsschritte wurden eingeleitet, indem ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es ist regelmäßig21 eine Prüfung durchzuführen, ob das erarbeitete
Wissen seinem Charakter nach geeignet ist, den geplanten Fokus (Wissenschaftszen-
trierung, Praxiszentrierung) des Projekts bzw. Teilprojekts zu unterstützen. Die Prü-
fung kann sich bspw. auf die Frage beziehen, ob die Rezipienten voraussichtlich mit
den Forschungsergebnissen umgehen und sie für ihre Zwecke nutzen werden können.
Zu den konstitutiven Merkmalen von transdisziplinären Forschungsprozessen zählt
ein Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlichen Zielen bzw. Innovationen und
35
34
Detailkriterien
B.2
Evalunet
57 Evalunet
dem Wunsch nach umsetzungsfähigen Maßnahmen und Strukturen. Dabei ist es wich-
tig, sich in jeder Phase des Projekts und auch bei seiner Konstruktion bewusst zu sein,
welche Art von Wissen (Systemwissen, Zielwissen, Gestaltungswissen) im Hinblick
auf welchen Fokus im jeweiligen Arbeitsschritt erarbeitet werden soll und Methoden
und Arbeitsweisen dementsprechend anzupassen.
Zusätzliche Hinweise: Zielt ein Vorhaben auf das Erarbeiten von Handlungsstrategien
für die Praxis, besteht die Notwendigkeit eines geeigneten Transfers der Forschungs-
ergebnisse in die Praxis. Dieser gelingt am besten, wenn es sich bei den Ergebnissen
vorrangig um Gestaltungs- oder Zielwissen handelt. Wurde hingegen analytisches,
wissenschaftlich deskriptives bzw. methodisches Systemwissen erarbeitet, wird dieser
Transfer in die Praxis schwer fallen oder sogar misslingen. Allerdings könnten in die-
sem Fall möglicherweise Rezipienten aus der Wissenschaft bedient werden.
Bei gender-relevanten Fragestellungen vgl. auch die Hinweise beim Kriterium 18.
Ist im Projektverlauf eine Verschiebung zwischen Forschungsanteilen mit wissen-
schaftlichem Fokus und solchen mit Praxis-Fokus zu beobachten?
Ja, aber Revisionsschritte wurden eingeleitet, indem ...
Ja, aber der Projektfokus wurde einvernehmlich geändert, indem ...
Ja, aber ohne Reaktion, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es ist regelmäßig21 zu überprüfen, ob die Ressourcenverteilung von
Zeit und Mitteln auf eher wissenschaftlich ausgerichtete Fragestellungen oder auf
Handlungskonzepte für die Praxis zielende Arbeiten so verteilt bleiben, wie es in der
Projektplanung beabsichtigt war. Die Schlussfolgerungen aus der Prüfung sind darzu-
stellen.
In Forschungsprojekten mit umfangreichem Praxisanteil und enger Kooperation zwi-
schen Wissenschaftlern/innen und Praxispartnern/innen ist im Projektverlauf eine
Tendenz zu beobachten zu einer sukzessiven und nicht-intendierten Verschiebung wis-
senschaftlicher Arbeit hin zu einer Begleitforschung für Praxisprobleme eines Pra-
xispartners bzw. zur Schmälerung der Ressourcen für die Bearbeitung von Fragestel-
lungen, die im wissenschaftlichen Forschungsinteresse stehen.
Transfer von Praxiswissen
Ist die Anwendung von Verfahren zur Integration von Praxiswissen erfolgreich?
Ja, weil ...
Verfahren vorhanden, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Im Projektverlauf (bzw. am Projektende) sind die Verfahren zum Pra-
xisbezug (s. A.1.2 und A.2.3) regelmäßig21 auf ihre erfolgreiche Umsetzung hin zu
prüfen. Ihr Erfolg bzw. Misserfolg sollen erläutert werden.
36
37
B.2.2 .
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien B.3
Evalunet 58
Reflexion und Kommunikation
Werden die geplanten Verfahren der Selbstreflexion und Qualitätssicherung ge-
nutzt? Wurden aus den Zwischenreflexionen ggf. Konsequenzen gezogen?
Ja, aber ohne notwendige Konsequenzen, denn ...
Ja, Revisionsschritte wurden eingeleitet, indem ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Der Projektfortschritt und seine Kongruenz mit der Planung sollen
regelmäßig21 beraten und dargestellt werden. Möglicherweise notwendige Änderun-
gen in der Projektgestaltung müssen dem Projektfortschritt nutzen und realistisch in
den Projektrahmen passen.
Zusätzliche Hinweise: Externe Hilfestellung kann entscheidend zur Reflexivität im
Projekt und zu einer Qualitätsverbesserung beitragen. Wenn keine Finanzierung für
gesonderte Untersuchungsteile (Bausteine zur internen oder externen Evaluation, Re-
visionsworkshops o.ä.) zur Verfügung steht, können ähnliche Effekte u. U. durch Ein-
bezug von externer Hilfestellung erreicht werden. Allerdings werden auch hierfür
Mittel benötigt.
Wurden die aufgestellten Kommunikationsregeln befolgt?
Ja, indem ...
Ja, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Kommunikationsregeln sollen während der Konstruktionsphase im
Team vereinbart und schriftlich niedergelegt werden. Ihr Einhalten ist regelmäßig21
zu überprüfen.
Gemeinsam entwickelte Kommunikationsregeln erleichtern die interdisziplinäre Zu-
sammenarbeit und können bspw. der Dominanz einzelner Disziplinen oder Institutio-
nen entgegenwirken.
Zusätzliche Hinweise: Projektauswertungen und eigene Erfahrungen zeigen, dass ins-
besondere die Außenkommunikation in einem Forschungsverbund einvernehmlich
geregelt sein muss, um sicherzustellen, dass nach außen getragene Darstellungen das
Gesamtprojekt widerspiegeln und nicht Einzelmeinungen wiedergeben werden bzw.
Einzelne versuchen, persönlichen (institutionellen) Gewinn zu erzielen.
38
39
B.3.
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦B.3 betreffen:
■ Reflexivität und Revisionsmöglichkeiten
Detailkriterien
B.3
Evalunet
59 Evalunet
Werden Strategien für Konflikte bzw. Krisen im Projekt angewendet?
Ja
Vorhanden, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: In der Anfangsphase eines Verbundprojekts sollte eine Risikoab-
schätzung gemeinsam unter externer Moderation durchgeführt werden. Außerdem
soll ein Regelwerk für Konfliktfälle (bspw. ein mehrstufiges Schlichtungsverfahren)
vereinbart werden.
Große, komplex strukturierte Projekte, an denen womöglich eine Vielzahl von Wissen-
schaftler/innen beteiligt ist, können Beteiligte verunsichern und krisenhafte Situatio-
nen hervorrufen. Ob inhaltlich, institutionell oder persönlich geprägt, Unstimmigkei-
ten behindern die Forschungsarbeit und gefährden den Projekterfolg. Krisen können
aber auch konstruktiv genutzt werden und das Vorhaben stärken.
Zusätzliche Hinweise: Bei projektinternen Unstimmigkeiten sollen geeignete Maß-
nahmen bzw. Konfliktlösungsstrategien ergriffen bzw. Krisensituationen offensiv für
Lerneffekte genutzt werden. Indizien dafür können bspw. (im Gesamtteam abge-
stimmte) revidierte Zeit- und Aufgabenverteilungspläne sowie Verlängerungs-/Auf-
stockungsanträge und neue Integrationsinstrumente sein.
40
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien C.1
Evalunet 60
Evalunet
Detailkriterien: Ergebnisse, Produkte und Publikationen
Ergebnisse
Wird das Forschungsziel erreicht?
Ja, denn ...
Ja, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Das Erreichen/Nichterreichen der in der Projektformulierung aufge-
stellten Erfolgskriterien soll beschrieben, Abweichungen sollen begründet und bewer-
tet werden. Dabei ist zu untersuchen, ob alle Projektbeteiligten den Projekterfolg glei-
chermaßen bewerten. Hier ist vor allem die Zufriedenheit mit dem Gesamtergebnis zu
prüfen, über die auch der Integrationserfolg zu messen ist (spezifischere Prüfungen
werden in den nachfolgenden Kriterien behandelt).
Zusätzliche Hinweise: Zu den Erfolgskriterien s. auch unter A.2.2
Wissenschaftliche Ergebnisse und Methoden
Kommt es zu wissenschaftlicher/m Innovation/Fortschritt? Ergeben sich neue wis-
senschaftliche Methoden, Konzepte oder Instrumente?
Ja, indem ...
Ja, in einem fächerübergreifenden Bereich, denn ...
Ja, in einzelnen Fächern/einem einzelnen Fach, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Forschungspartner sollen gemeinsam das Erfüllen der wissen-
schaftlich gesetzten Erfolgskriterien bewerten. Das Gesamtteam des Projekts soll das
Erreichen einer geplanten – oder ungeplanten – Entwicklung neuer Methoden, die
Funktionalität solcher Methoden sowie den daraus möglicherweise erwachsenden
Nutzen für andere, spätere Vorhaben prüfen und darstellen. Abhängig davon, ob das
Projekt einen eher wissenschafts- oder praxisbezogenen Fokus hat, ist der (Zusatz-)
Nutzen der Entwicklung zu bewerten. Bei eher praxisbezogenem Fokus ist zu fragen,
ob durch die Arbeit an der wissenschaftlichen Innovation möglicherweise der Praxis-
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦C.1 betreffen:
■ Wissenschaftliche Ergebnisse/Innovationen
■Beiträge zur Lösung des lebensweltlichen Problems
■Erfüllung der Erfolgskriterien
C.
41
42
C.1.
C.1.1 .
Detailkriterien
C.1
Evalunet
61 Evalunet
nutzen der Ergebnisse gelitten hat. Ist das nicht der Fall, ist die Entwicklung umso po-
sitiver einzustufen.
Die Entwicklung von neuen, (integrierten) wissenschaftlichen Methoden, Konzepten
und Instrumenten kann sowohl die beforschten Inhalte betreffen als auch die transdis-
ziplinäre Integrationsarbeit.
Werden die geplanten fachbezogenen Ergebnisse erreicht?
Ja, indem ...
Nur teilweise, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Von den Wissenschaftlern/innen im Projekt soll der Ertrag des Pro-
jekts hinsichtlich fachbezogener innovativer Erkenntnisse – jenseits der integrierten
Forschungsergebnisse – geprüft und dargestellt werden. Sofern solche Erträge Ziele
des Projekts waren (wissenschaftsbezogener Projektfokus), ist dies ein entsprechend
gewichtiger Bewertungsfaktor.
In der Projektformulierung wird das gemeinsame Forschungsziel genannt. Daneben
gibt es meist auch Erfolgskriterien für die Forschungsarbeit in den einzelnen beteilig-
ten Fächern. Solche Erträge können für die einzelnen Wissenschaftler/innen von Be-
deutung für die Reputation in ihrem Fach sein.
Ergebnisse in der Praxis
Wird ein Beitrag zur gesellschaftlichen/praktischen Problemlösung geleistet?
Ja, indem ...
Nur teilweise, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es soll dargestellt werden, ob und wie die intendierten Transforma-
tionsprozesse durch die Projektergebnisse angestoßen wurden bzw. werden können;
der Zeithorizont ist aufzuzeigen. Zusätzlich soll erläutert werden, ob die stützenden
bzw. behindernden Rahmenbedingungen und Handlungsfolgen untersucht und ob die
„richtigen“ Praxispartner einbezogen wurden, d.h. Praxispartner ausgesucht wurden,
in deren Handlungsmacht die „Transformation“ steht.
Diese Frage ist unabhängig von den Erfolgskriterien der beteiligten Praxispartner zu
untersuchen.
Zusätzliche Hinweise: Möglicherweise ist der Zeithorizont der Umsetzung deutlich
länger als die Projektdauer. In diesem Fall ist gemeinsam mit den Praxispartnern eine
Einschätzung der Umsetzungswahrscheinlichkeit vorzunehmen.
C.1.2 .
43
44
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien C.1
Evalunet 62
Evalunet
Werden die Erfolgskriterien der/des Praxispartner/s bzw. Praxisvertreter erfüllt?
Ja, indem ...
Nur teilweise, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Praxispartner/-vertreter sollen befragt werden, ob ihre Erfolgs-
kriterien erfüllt werden. Das Ergebnis ist darzustellen.
Zusätzliche Hinweise: Möglicherweise ist der Zeithorizont der Umsetzung deutlich
länger als die Projektdauer. In diesem Fall ist gemeinsam mit den Praxispartnern/
-vertretern eine Einschätzung der Umsetzungswahrscheinlichkeit vorzunehmen.
Sind die im Projektkonzept (und möglicherweise schon im Förderkonzept) ange-
legten Übergabestrategien Wissenschaft – Praxis erfolgreich?
Ja, indem ...
Strategie vorhanden, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Bei einer Ex-post-Bewertung des Projekts (insbesondere von Projek-
ten mit konkreten Umsetzungsprodukten) ist darzustellen, ob eine friktionslose Über-
gabe der Verantwortung, Ergebnisse und Produkte von der (i.d.R. wissenschaftlichen)
Projektleitung an die Praxisvertreter stattgefunden hat und ob die Praxispartner in
der Lage sind, die erreichten Ergebnisse und Produkte so aufzugreifen, dass sie län-
gerfristig Bestand haben und ggf. erfolgreich weiterentwickelt werden können oder
weshalb eine solche nachhaltige Umsetzung Probleme bereitet (s. A.3.3).
Nicht-intendierte und mittelbare Ergebnisse und Wirkungen
Gibt es nicht-intendierte, unmittelbare Wirkungen in der wissenschaftlichen wie
in der lebensweltlichen Sphäre und wie sind sie zu bewerten?
Ja, mit positivem, das Projektergebnis unterstützendem Effekt, denn ...
Ja, mit negativem, für das Projektergebnis hinderlichem Effekt, denn ...
Nein, denn ...
Bewertung: (Nicht-intendierte) Wirkungen der Projektarbeit sind darzustellen und
dahingehend zu erläutern, ob sie das Erreichen bzw. Umsetzen der Projektziele unter-
stützen oder behindern. Zudem ist – insbesondere hinsichtlich von negativen Wirkun-
gen – zu bewerten, ob sie im Laufe der Forschungsarbeit hätten abgesehen werden
können und ob ein Gegensteuern möglich gewesen wäre.
Als (nicht-intendierte) Wirkungen werden solche Folgen der Forschungsarbeit bezeich-
net, die nicht beabsichtigt waren, aber die Projektziele unmittelbar positiv oder nega-
tiv beeinflussen.
45
46
47
C.1.3 .
Detailkriterien
C.1
Evalunet
63 Evalunet
Zusätzliche Hinweise: Beispiele für positive Wirkungen: 1. Die im Projekt entwickelte
Methodik wird in anderen Kontexten übernommen. 2. Ein Förderverein zur Beförde-
rung der vom Projekt intendierten Wirkungen im Praxis-Handlungsfeld wird gegründet.
Beispiel für negative Wirkungen: Führende Wissenschaftler/innen eines Faches spre-
chen sich nach Publikation der Projektergebnisse gegen eine im Forschungsprojekt
neu entwickelten Methode aus.
Gibt es nicht-intendierte, mittelbare Wirkungen in der wissenschaftlichen wie in
der lebensweltlichen Sphäre und wie sind sie zu bewerten?
Ja, mit positivem, das Projektergebnis unterstützendem Effekt, denn ...
Ja, mit negativem, für das Projektergebnis hinderlichem Effekt, denn ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Lerneffekte aus dem Forschungsprozess und seinen Ergebnissen in
der Praxis-Öffentlichkeit (Social Impact) und/oder in der Wissenschaft sollen ggf. als
Projektwirkungen dargestellt werden. Dabei ist festzustellen, ob es einen Bezug zu
den integrierten Projektergebnissen gibt oder fachbezogene Einzelperspektiven ver-
tieft werden.
Wegen des Praxisbezugs bzw. der Praxisanbindung vieler transdisziplinärer Projekte
können im Praxisfeld weitergehende Wirkungen ohne unmittelbaren Einfluss auf das
Forschungs- und Umsetzungsergebnis eintreten. Diese können dem Projekterfolg (posi-
tiv wie negativ) hinzugerechnet werden.
Zusätzliche Hinweise: Beispiele: In transdisziplinären Forschungsprozessen werden
häufig ungewöhnliche heterogene Kooperationen und Arbeitsformen praktiziert. Es
kann beobachtet werden, dass bspw. Praxispartner solche grenzüberschreitenden Ko-
operationen für ihren Arbeitszusammenhang aufnehmen (bspw. neue abteilungsüber-
greifende Arbeitsformen o.ä.). In der wissenschaftlichen Sphäre geht es bspw. um
Fortbildungsangebote oder Curricula oder auch um akademische Qualifikationsarbei-
ten, die aus den innovativen Forschungsergebnissen resultieren.
Mittelaufwand
Zu welchem Ergebnis kommt der Soll-Ist-Vergleich zwischen geplantem Budget
und tatsächlichem Mittelbedarf
Der Mitteleinsatz liegt im geplanten Budget und zwar ...
Der Mitteleinsatz übersteigt das geplante Budget. Die Überziehung wurde
aufgefangen, indem ...
Der Mitteleinsatz übersteigt das geplante Budget, das Projekt muss ohne
zufriedenstellende Ergebnisse beendet werden, denn ...
Anforderungen: Ein Soll-Ist-Vergleich zwischen geplanten und tatsächlichen Zeit-
und Mittelbudgets ist durchzuführen sowie der Einsatz von über die ursprüngliche
Planung hinausgehende Eigenmitteln – für die einzelnen Projektpartner differenziert –
C.1.4 .
48
49
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien C.2
Evalunet 64
Evalunet
zu beziffern. Die Gründe dafür sowie mögliche Verhinderungsstrategien sollen schrift-
lich festgehalten werden.
Komplexe, mehrere Jahre dauernde Forschungsvorhaben mit vielen Akteuren neigen
dazu, die Laufzeiten und die Budgets zu überschreiten, weil der Aufwand zuvor unter-
schätzt wurde. Aufstockungen oder Mehrarbeit unter Zuhilfenahme von Eigenmitteln
oder unbezahlter Arbeitszeit bedeuten, dass die Kalkulation nicht richtig war, dass im
Zuge der Forschung unvorhergesehene zusätzliche Aufgaben entstanden oder dass
Mittelkürzungen im Zuge der Akquisitionsphase nicht entsprechend umgesetzt wurden.
Produkte und Publikationen
Unmittelbare Produkte und Publikationen
Welche Produkte liegen vor? Gelingt der Zielgruppenbezug?
Produkte liegen wie geplant vor und erreichen die Zielgruppen, denn ...
Produkte liegen wie geplant vor, erreichen aber die Zielgruppen
nicht/unzureichend, denn ...
Produkte weichen (aufgrund Projektrevision) von der Zielsetzung ab,
mit der Folge ...
Produkte weichen vom Ziel ab und verfehlen Rezipienten, denn ...
Anforderungen: Es ist aufzulisten, welche Produkte (i.S. von Forschungsbericht, Pra-
xisleitfaden, Anwender-Konzept, Bewertung/Ranking o.ä.) vorliegen. Es soll eine
klare und differenzierte Trennung in Produkte für verschiedene Zielgruppen in der
Wissenschaft und der Praxis und deren jeweilige Sprache und Präsentationsform vor-
genommen werden. Anhand der Liste ist zu prüfen, ob für die im Hinblick auf Ver-
breitung und Umsetzung von Forschungsergebnissen wichtigen Zielgruppen wissen-
schaftliche und praxisbezogene Produkte erstellt wurden und ob sie angemessen für
die Zielgruppen aufbereitet wurden. Dazu soll möglichst ein Feedback aus den Ziel-
gruppen eingeholt bzw. geprüft werden, ob eine Resonanz aus den Zielgruppen vor-
liegt.
Außerdem ist zu bewerten, ob es noch brachliegendes Ergebnispotential aus dem Vor-
haben gibt, aus dem weitere Produkte erstellt werden könnten und inwiefern das eine
wichtige Unterstützung für das Erreichen des Projektziels wäre.
Als Produkte werden Ergebnisse bezeichnet, die nicht als Publikation gedacht sind,
sondern für forschungsgebundene Zwecke oder als Produkte für einen beschränkten
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦C.2 betreffen:
■ Produkte und Publikationen
■Dokumentation zur transdisziplinären Methodik
■Produktpräsentation/Publikation
C.2.
C.2.1 .
50
Detailkriterien
C.2
Evalunet
65 Evalunet
Adressatenkreis hergestellt wurden (bspw. Forschungsberichte, Anwender-Konzepte
für Auftraggeber, Bewertungen/Ranking). Es kann sich dabei auch um nicht-ver-
schriftlichte Produkte handeln.
Welche Publikationen liegen vor? Gelingt der Zielgruppenbezug?
Publikationen liegen wie geplant vor und erreichen die Zielgruppen, denn ...
Publikationen liegen wie geplant vor, erreichen aber die Zielgruppen
nicht/unzureichend, denn ...
Publikationen weichen (aufgrund Projektrevision) von der Zielsetzung ab,
mit der Folge ...
Publikationen weichen vom Ziel ab und verfehlen Rezipienten, denn ...
Anforderungen: Welche Publikationen bzw. welche Maßnahmen im Bereich der Öf-
fentlichkeitsarbeit liegen vor
in sog. referierten Journalen der beteiligten Fächer
in anderen Fachjournalen in Büchern
in eigenen Reihen in populärwissenschaftlichen Publikationen
in der Presse im Fernsehen/Hörfunk
im Internet in Tagungsbänden?
Auf Basis dieser Auflistung ist zu fragen, ob für die im Hinblick auf Verbreitung und
Umsetzung von Forschungsergebnissen wichtigen Zielgruppen wissenschaftliche und
praxisbezogene Publikationen vorliegen und ob sie angemessen für die Zielgruppen
aufbereitet sind. Notwendig ist dabei eine klare Trennung in Produkte für verschie-
dene Zielgruppen in der Wissenschaft und der Praxis und eine Aufmerksamkeit auf
deren jeweilige Sprache und Präsentationsform. Es ist zu prüfen, ob eine Resonanz in
den anvisierten Zielgruppen erreicht wird.
Hat das Vorhaben einen wissenschaftlichen Fokus, ist zu prüfen, ob es im Hinblick
auf die integrierten Ergebnisse referierte Journale gibt und Publikationen in diesen
erschienen sind (wenig wahrscheinlich – siehe Zusätzliche Hinweise). Dasselbe ist
ggf. hinsichtlich fachbezogener Einzelergebnisse zu prüfen.
Außerdem ist zu bewerten, ob es noch brachliegendes Potential gibt, das für weitere
Publikationen genutzt werden könnte und inwiefern das eine wichtige Unterstützung
für das Erreichen des Projektziels wäre.
Publikationen sind Verschriftlichungen von Projektergebnissen, die in Abgrenzung zu
„Produkten“ einem größeren Zielpublikum angeboten werden (bspw. Artikel in Fach-
zeitschriften, Bücher (Monographien und Sammelbände), Veröffentlichungen in eige-
nen Publikationsreihen, Leitfäden, Handbücher, populärwissenschaftliche Publikatio-
nen, Presseveröffentlichungen, Internetauftritte).
Zusätzliche Hinweise: Fehlende Publikationen in wissenschaftlichen Journalen sind
nicht zwangsläufig ein Indiz für eine verfehlte Publikationsstrategie. Vielfach existie-
ren für den integrierten Ergebniskontext keine geeigneten Organe. Der transdiszi-
plinäre Kontext lässt es angeraten erscheinen, im Projektbudget Mittel für eine Buch-
publikation vorzusehen, die – sofern das Projekt eine erfolgreiche fächerübergreifende
Wissensintegration betrieben hat und die Ergebnisse somit nicht streng fachbezogen
angeboten werden können –, für einen Druckkostenzuschuss verwendet werden kön-
nen, den Verlage vielfach verlangen, wenn die Thematik nicht ins Programm einge-
ordnet werden kann bzw. nicht profitabel oder marktgängig erscheint.
51
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien C.2
Evalunet 66
Evalunet
Prozessbeschreibende Produkte
Liegt eine Beschreibung der transdisziplinären Forschungsmethodik vor?
Ja, und zwar ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Erfolge, Probleme und Irrwege in der gewählten (transdisziplinären)
Vorgehensweise sollen umfassend dargestellt werden.
Nicht nur die Forschungsinhalte, sondern auch das Umgehen mit spezifisch transdis-
ziplinären Herausforderungen (wie Reformulierung der lebensweltlichen Problemstel-
lung in wissenschaftliche Fragestellungen, Formulierung eines gemeinsamren For-
schungsziels, Praxisintegration, Dissemination und Umsetzung von Forschungsergeb-
nissen im praktischen Handlungsfeld) sind Sachverhalte, die einer Publikation oder
zumindest Dokumentation würdig sind, damit der Erfahrungsschatz an transdiszi-
plinärer Methodik und Arbeitsweisen erweitert wird und für mögliche weitere Nutzun-
gen zur Verfügung steht (s. auch C.1.1 „Wissenschaftliche Ergebnisse und Metho-
den“).
Liegt eine Beschreibung der Methoden und Verfahren der transdisziplinären Wis-
sensintegration vor?
Ja, und zwar ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Methoden und Verfahren der transdisziplinären Wissensintegration
sind darzustellen. Das schließt interdisziplinäre Forschungs- und Organisationsme-
thoden (Iterationsverfahren, disziplinenübergreifende Teams etc.) ausdrücklich ein.
Aus der Beschreibung der Wissensintegration soll ein Erkenntnisgewinn für die wiss.
Community resultieren. Insbesondere bei Projekten, die einen Praxisfokus haben und
deren Publikationsstrategie sich an die Handelnden des Praxisfeldes richtet, soll eine
solche Darstellung vorgenommen werden, um über die reine Praxisverwertung hinaus
auch einen Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft zu dokumentieren.
Methoden und Prozesse der Integration wissenschaftlichen und praktischen Wissens
sind spezifisch für transdisziplinäre Forschung. Hinzu kommt das unerlässliche Zu-
sammenwirken von sozialer und kognitiver Integration (s. A.1.2 und B.1.1). Es soll si-
chergestellt werden, dass Methoden und inhaltliche Erkenntnisse der Wissensintegra-
tion dargestellt werden, damit der Erfahrungsschatz an diesem komplexen Punkt der
transdisziplinären Forschungstätigkeit erweitert wird und für mögliche weitere Nut-
zungen zur Verfügung steht.
52
53
C.2.2 .
Detailkriterien
C.3
Evalunet
67
Verallgemeinerbarkeit und Umsetzbarkeit von Ergebnissen
Liegt eine Darstellung zur Verallgemeinerbarkeit von kontextbezogenen Ergebnis-
sen vor?
Ja, und zwar ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Es sollen die Bedingungen für eine Verallgemeinerbarkeit von Ergeb-
nissen transdisziplinärer Forschung, z.B. der im Rahmen eines Projekts ausgelösten
Innovationsimpulse auf breitere Anwendungskontexte analysiert und in der Ergebnis-
darstellung erläutert werden. Dies kann sowohl aus der Sicht der wissenschaftlichen
Teammitglieder als auch aus der Sicht der involvierten Praxispartner geschehen.
Je stärker die Rahmenannahmen standardisiert werden, unter denen ein Forschungs-
problem analysiert wird (systematisierender Fokus), und je allgemeiner die Fragen for-
muliert werden, an denen gearbeitet werden soll, desto leichter lassen sich die Über-
tragbarkeit bzw. Verallgemeinerbarkeit von Erkenntnissen belegen. Ist ein Projekt auf
einen konkreten Kontext bezogen (z.B. Modellfall), ist die Darstellung der Verallge-
meinerbarkeit eine wesentliche Forderung, um durch Forschungsergebnisse auch Inno-
vationsimpulse jenseits des gegebenen Kontextes auslösen zu können.
Berücksichtigt die Aufbereitung der Forschungsergebnisse für die Umsetzung in
der Praxis die gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen ange-
messen?
Ja, und zwar indem ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Die Berücksichtigung gesellschaftlicher und institutioneller Randbe-
dingungen im Handlungsfeld soll im Rahmen der Formulierung von Umsetzungsstra-
tegien dargestellt sein. Es ist darzulegen, wie gewährleistet werden kann, dass die
Forschungsergebnisse im betreffenden Praxis-Handlungsfeld zur Umsetzung kom-
men. Die Angabe ist ggf. längerfristig nach Ende des Vorhabens noch einmal zu über-
prüfen.
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦C.3 betreffen:
■ Verallgemeinerbarkeit der Projektergebnisse
54
55
C.3.
Katalog der DetailkriterienVIII.
Detailkriterien C.4
Evalunet 68
Berechtigung des transdisziplinären Ansatzes
Wie kann der Z
Zuussaattzznnuuttzzeennbeschrieben werden, der zur transdisziplinären Heran-
gehensweise berechtigt?
Begründung liegt vor, und zwar ...
Liegt vor, aber ...
Nein, denn ...
Anforderungen: Zur Klärung, ob der beschriebene Zusatznutzen mit dem For-
schungsansatz erreicht wird, soll im Kontext mit den Forschungsergebnissen begrün-
det werden, weshalb die transdisziplinäre Herangehensweise gerechtfertigt ist.
Der relativ hohe Aufwand einer transdisziplinären Kooperation ist nur zu rechtferti-
gen, wenn gegenüber einer disziplinären, multidisziplinären oder interdisziplinären
Herangehensweise zusätzlicher Erkenntnisgewinn zu erwarten ist bzw. die Koopera-
tion mit der Praxis besonders gute Transformationschancen erwarten lässt.
Die Basiskriterien zum Abschnitt ⌦C.4 betreffen:
■ Zusatznutzen der transdisziplinären Herangehensweise
C.4.
56
Evalunet
69
23 Wegen eines hohen Abstimmungsaufwandes muss ein Projekt-Team in transdisziplinären Forschungs-
vorhaben hinsichtlich der Projektplanung i.d.R. mit relativ vielen Unsicherheitsfaktoren leben. Insofern
ist eine Überprüfung der Planungen im Forschungsverlauf sinnvoll. Für diesen Zweck wurden in be-
stimmten Kriterien Revisionspunkte eingeführt.
EvalunetEvalunetEvalunet
IX. Anhang
Themenzentrierte Kriterien-Matrix
Zuordnung der Basis- und Detailkriterien zu übergreifenden Themen
DetailkriterienBasiskriterien
Thema
Projektgenerierung, Team- 1, 2, 3, 4, 5, 8 12, 13 1, 2, 3, 4, 5, 6,
bildung und Kompetenz 8, 9, 10, 11, 12,
13, 15, 16
Inhaltlicher Projektzuschnitt, 1, 3, 4, 5, 6, 7, 12 19 3, 4, 5, 8, 11,
Projektfokussierung 8, 9 12, 13, 14,15,
16, 17, 18, 19,
20, 24, 25, 29
Projektstruktur und 9, 10, 11 12, 13, 15, 16 4, 5, 7, 9, 10, 30, 31, 32, 39, 46, 49
-management 17, 21, 22, 23, 40
24, 25, 26, 27,
28, 29
Lernen und Reflexion 6, 8, 11 12, 15, 16 19 1, 6, 15, 17, 30, 31, 32, 33, 41, 45, 46, 52,
22, 23, 29 34, 35, 36, 37, 53, 56
38, 39, 40
Interdisziplinäre Integration 5, 9, 10 14, 15 6, 14, 18, 23, 30, 31, 33, 34
25
Transdisziplinäre Integration 5, 9, 10 14, 15 21, 24 6, 7, 14, 18, 30, 31, 33, 34, 41, 42, 52, 53,
23, 25 37 56
Wissenschaftliche Ergebnisse 1, 8, 9 17, 19, 20, 21, 3, 12, 15, 16, 35, 36 41, 42, 43, 47,
22, 23, 24 17, 19, 20, 28 48, 50, 51, 52,
53, 54, 56
Praktische Ergebnisse 2, 8, 9 18, 19, 20, 22, 7, 8, 13, 15, 35, 36 41, 44, 45, 46,
24 19, 20, 26, 27, 47, 48, 50, 51,
28 54, 55
Detailkriterien, die bei der Evaluation von Verbundprojekten (Vorhaben, in 4, 5, 10, 16, 30, 31, 32, 38,
denen mehrere wissenschaftliche Einrichtungen und Praxiseinrichtungen 21, 22, 23 39, 40
miteinander kooperieren) besonders aufmerksam behandelt werden sollten
Detailkriterien, die bei der Evaluation von solchen Projekten, in denen eng 2, 5, 7, 8, 10, 31, 35, 36, 37 45, 46, 54, 55
mit Praxispartnern kooperiert wird, besonders aufmerksam behandelt 12, 13, 14, 17,
werden müssen 19, 20, 24, 26,
27
Detailkriterien mit Prüfaufgaben, die im Projektverlauf anstehen 21, 22, 30, 31,
32, 33, 34, 35,
36, 37, 38, 39
ABC ABC
23
Mitglieder der Evalunet-Projektgruppe
Dr. Matthias Bergmann (Projektleitung)
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt am Main
Tel. 069 707 69 19-0, Fax 069 707 69 19-11
[email protected], http://www.isoe.de
Wissenschaftskolleg zu Berlin
Institute for Advanced Study
Wallotstr. 19, 14193 Berlin
Tel. 030 89001-142, Fax 030 89001-100
bergmann@wiko-berlin.de, http://www.wiko-berlin.de
Dr. Bettina Brohmann
Öko-Institut e.V., Institut für angewandte Ökologie
Rheinstr. 95, 64295 Darmstadt
Tel. 06151 8191-0, Fax 06151 8191-33
info@oeko.de, http://www.oeko.de
Esther Hoffmann
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
Potsdamer Str. 105, 10785 Berlin
Tel. 030 88 45 95-0, Fax 030 882 54 39
kommunikation@ioew.de, http://www.ioew.de
Dr. M. Céline Loibl
Österreichisches Institut für angewandte Umweltforschung
Seidengasse 13, 1070 Wien
Tel. +43 1 523 61 05-0, Fax +43 1 523 58 43
oekoinstitut@ecology.at, http://www.ecology.at
Regine Rehaag
KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung
Volksgartenstr. 34, 50677 Köln
Tel. 0221 94 40 48-0, Fax 0221 94 40 48-9
[email protected], http://katalyse.de
Dr. Engelbert Schramm
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt am Main
Tel. 069 707 69 19-0, Fax 069 707 69 19-11
[email protected], http://www.isoe.de
Jan-Peter Voß
Öko-Institut e.V., Institut für angewandte Ökologie
Novalisstr. 10, 10115 Berlin
Phone +49 30 280 486 80, Fax +49 30 280 486 88
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AnhangIX.
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Liste der ausgewerteten Projekte
Eine wesentliche Grundlage für die in diesem Dokument zusammengestellten Erkenntnisse
bilden – neben dem zu Projektbeginn aus eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen der Eva-
lunet-Mitglieder sowie aus der Auswertung der einschlägigen Literatur entwickelten und im
Projektverlauf iterativ angepassten Fragenkatalog – die Ergebnisse der diskursiven Evalua-
tionen von sechs Forschungsprojekten:
(1) Nachhaltiges Sanieren im Bestand – Integrierte Dienstleistungen für zukunftsfähige Wohn-
stile (NaSa), Modellprojekt im bmb+f-Förderschwerpunkt Nachhaltiges Wirtschaften (Insti-
tut für sozial-ökologische Forschung, Öko-Institut und Institut für ökologische Wirtschafts-
forschung; Praxispartner: Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte - Gesellschaft für
innovative Projekte im Wohnungsbau mbH hinzugezogen, eine Tochter der Nassauische
Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH.
(2) ROLAND (Rohstoff Landschaft – Die Nutzung flächengebundener Energieträger und nach-
wachsender Rohstoffe als Determinante der Kulturlandschaftsentwicklung) gefördert im Be-
reich der Kulturlandschaftsforschung des Österreichischen Bundesministerium für Bildung,
Wissenschaft und Kultur (Österr. Ökologie-Institut; Institut für interdisziplinäre Forschung
und Fortbildung Wien, Abteilung ‘Soziale Ökologie’, Universität Klagenfurt; Industriewis-
senschaftliches Institut Wien; Beratungsagentur ÖKONOMIA, Wien; Praxispartner und
Teammitglied: Firma Agrar plus.
(3) Minderung der Umweltbelastungen des Freizeit- und Tourismusverkehrs (Mobilitätsstile in
der Freizeit) im Auftrag des Umweltbundesamtes (Institut für sozial-ökologische Forschung,
Öko-Institut).
(4) Produkte länger und intensiver nutzen – Möglichkeiten der Gestaltung und Diffusion Neuer
Nutzungsstrategien in lokal-regionalen Akteursnetzen im bmb+f-Förderschwerpunkt Mög-
lichkeiten und Grenzen neuer Nutzungsstrategien - Teil A, Regionale Ansätze (Institut für
ökologische Wirtschaftsforschung; Praxisnetzwerk Weitergeben e.V.).
(5) SYNOIKOS – Nachhaltigkeit und urbane Gestaltung im Raum ‘Kreuzung Schweizer Mittel-
land’ (ETH Zürich, 27 Wissenschaftler/innen, im wesentlichen von den beiden Lehrstühlen
für Stoffhaushalt und Entsorgungstechnik sowie für Architektur und Stadtplanung).
(6) Ernährungswende – Strategien für sozial-ökologische Transformationen im gesellschaftli-
chen Handlungsfeld Umwelt-Ernährung-Gesundheit aus dem bmb+f-Förderschwerpunkt So-
zial-ökologische Forschung (Öko-Institut, Institut für sozial-ökologische Forschung, Institut
für ökologische Wirtschaftsforschung, KATALYSE, Österr. Ökologie-Institut).
Als Ergänzung wurden Erfahrungen und Reflexionen aus einem bereits 1998 abgeschlosse-
nen Projekt hinzugezogen, das nicht in die Auswertungen von Evalunet einbezogen war:
(7) Stadtverträgliche Mobilität – Handlungsstrategien für eine ökologisch und sozial verträgli-
che, ökonomisch effiziente Verkehrsentwicklung in Stadtregionen hieß das transdisziplinäre
Forschungsvorhaben, das 1994 bis 1998 von 16 Wissenschaftler/innen des Forschungsver-
bundes CITY:mobil durch geführt wurde. Es waren fünf Forschungsinstitute beteiligt (davon
vier aus dem Ökoforum) sowie zwei Praxispartner, gefördert wurde das Projekt im Rahmen
des bmb+f-Förderschwerpunkts Stadtökologie.
24 Die institutionelle Anbindung der aufgeführten Personen gibt den Stand zum Zeitpunkt ihres Mitwirkens
in Evalunet wieder.
25 Es werden nur diejenigen Bearbeiter/innen angegeben, die unmittelbar am Evalunet-Prozess beteiligt
waren (pro Projekt jeweils vier).
AnhangIX.
Evalunet 72
Evalunet
Folgende Personen haben – in unterschiedlichen Funktionen – den Prozess der Kriterienbildung
in Evalunet unterstützt:24
Bearbeiter/innen der ausgewerteten Projekte25
(1) Nachhaltiges Sanieren im Bestand – Integrierte Dienstleistungen für zukunftsfähige
Wohnstile (NaSa)
Dr. Irmgard Schultz, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Dr. Matthias Buchert, Öko-Institut, Institut für angewandte Ökologie, Darmstadt
Michael Steinfeldt, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Berlin
Immanuel Stieß, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
(2) ROLAND (Rohstoff Landschaft – Die Nutzung flächengebundener Energieträger und
nachwachsender Rohstoffe als Determinante der Kulturlandschaftsentwicklung)
Heidelinde Adensam, Österr. Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Wien
Josef Breinesberger, AGRAR PLUS Ges. m.b.H., St. Pölten
Susanne Geissler, Österr. Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Wien
Dr. Fridolin Krausmann, Universität Klagenfurt, Institut für Interdisziplinäre Forschung
und Fortbildung (IFF) Abteilung Soziale Ökologie
(3) Minderung der Umweltbelastungen des Freizeit- und Tourismusverkehrs (Mobili-
tätsstile in der Freizeit)
Konrad Götz, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Willi Loose, Öko-Institut, Institut für angewandte Ökologie, Freiburg
Steffi Schubert, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Christiana Jasper, Umweltbundesamt, Berlin
(4) Produkte länger und intensiver nutzen – Möglichkeiten der Gestaltung und Diffu-
sion Neuer Nutzungsstrategien in lokal-regionalen Akteursnetzen
Gerd Scholl, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Berlin
Annegret Brandt, Weitergeben e.V., Heidelberg
Dr. Wilfried Konrad, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Heidelberg
Ulrich Wellhöfer, Wellhöfer-Marketing, Mannheim
(5) SYNOIKOS – Nachhaltigkeit und urbane Gestaltung im Raum 'Kreuzung Schweizer
Mittelland'
Prof. Dr. Peter Baccini, ETH, Stoffhaushalt und Entsorgungstechnik
Prof. Franz Oswald, Büro für Architektur und Stadtforschung, Bern
Christoph Blaser, ETH Zürich, Institut f. Städtebau
Prof. Dr. Susanne Kytzia, ETH Zürich, Institut f. Raum- u. Landschaftsentwicklung
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(6) Ernährungswende – Strategien für sozial-ökologische Transformationen im gesell-
schaftlichen Handlungsfeld Umwelt-Ernährung-Gesundheit
Dr. Ulrike Eberle, Öko-Institut, Institut für angewandte Ökologie, Freiburg
Dr. Doris Hayn, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Dr. Ulla Simshäuser, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Heidelberg
Frank Waskow, KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Köln
Experten/innen und Kommentatoren/innen in den Projektauswertungen
Prof. Dr. Adelheid Biesecker, Universität Bremen, Institut für Institutionelle und Sozial-
Ökonomie
Dr. Stephanie Dorandt, Universität Giessen, Institut für Ernährungswissenschaft
Dr. Frank Ebinger, Universität Freiburg, Institut für Forstökonomie
Dr. Norbert Gestring, Universität Oldenburg, Institut für Soziologie
Dr. Walter Grossenbacher-Mansuy, Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung beim
Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat, Bern
Dr. Michael Guggenheim, ETH Zürich, Wissenschaftsforschung und Wissenschaftsphilosophie
PD Dr. Gertrude Hirsch Hadorn, ETH Zürich, Departement für Umweltnaturwissenschaften;
Präsidentin der SAGUF, Bern
Prof. Dr. Sabine Hofmeister, Universität Lüneburg, Institut für Umweltstrategien
Kirsten Hollaender, Universität Köln, Forschungsinstitut für Soziologie
Dr. Niels Jungbluth, ESU Services, Uster, Schweiz
Rainer Kamber, Universität Basel, Koordinationsstelle Mensch, Gesellschaft, Umwelt
PD Dr. Thomas Kluge, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Prof. Dr. Wolfgang Krohn, Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, Institut für Wis-
senschafts- und Technikforschung
Kay Lachmann, KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Köln
Robert Lechner, Österreichisches Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Wien
Prof. Dr. Heiner Monheim, Universität Trier, Raumentwicklung und Landesplanung
Dr. Guido Nischwitz, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Wuppertal
Maria-Theresia Pernter, Ökoinstitut Südtirol, Bozen
Dr. Christian Pohl, ETH Zürich, td-net – Network for Transdisciplinarity
Dr. Lucia Reisch, Universität Hohenheim, Institut für Haushalts- und Konsumökonomik
Dr. Ulrike Schell, Verbraucherzentrale NRW
Dr. Susanne Schön, Technische Universität Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft
Willi Sieber, Österreichisches Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Bregenz
Prof. Thomas Sieverts, SKAT-Architekten, Bonn
PD Dr. Jörg Strübing, Technische Universität Berlin, Institut für Soziologie
Dr. Reinhold Vetter, Institut für umweltgerechte Landbewirtschaftung bei der Landesanstalt
für Pflanzenbau Baden-Württemberg, Forchheim
Karin Walch, Österreichisches Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Wien
Frank Waskow, KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Köln
Experten/innen der Stakeholder-Workshops und der Klausurtagung
(1) Kriterien zur Evaluation transdisziplinärer Forschung
Ingrid Balzer, GSF – Projektträger Umwelt- und Klimaforschung, München
Prof. Dr. Georges Fülgraff, Vorsitzender des Strategiebeirats Sozial-ökologische Forschung,
Technische Universität Berlin, Zentrum für Public Health
Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Mitglied des Bewertungsausschusses zur Evaluation des För-
derschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung/Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle,
FB Sozialwissenschaftliche Umweltforschung - Department Ökonomie
Dr. Thomas Jahn, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Prof. Dr. Ruth Kaufmann-Hayoz, Stellv. Vorsitzende des Strategiebeirats Sozial-ökologische
Forschung/Universität Bern, Interfakultäre Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie
Dr. Reiner Manstetten, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, FB Sozialwissenschaftli-
che Umweltforschung – Department Ökonomie
Dr. Dagmar Simon, EvaConsult/Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Dr. Monika Wächter, GSF – Projektträger Umwelt- und Klimaforschung
Dr. Angelika Willms-Herget, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Wis-
senschaft und Gesellschaft
(2) Evaluation und Qualitätssicherung in den Ökoforum-Instituten
Dr. Thomas Jahn, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Alexandra Lux, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Dr. Joachim Lohse, Öko-Institut e.V., Institut für angewandte Ökologie, Freiburg
Franziska Wolff, Öko-Institut e.V., Institut für angewandte Ökologie, Berlin
Alexandra Dehnhardt, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Berlin
Dr. Wilfried Konrad, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW, Heidelberg
Svend Ulmer, KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Köln
Maike Bruse, KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Köln
Antonia Wenisch, Österr. Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Wien
Christian Pladerer, Österr. Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung, Wien
(3) Klausurtagung
Dr. Jakob Edler, Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI),
Karlsruhe
Dr. Gertrude Hirsch Hadorn, ETH Zürich, Departement für Umweltnaturwissenschaften;
Präsidentin der SAGUF, Bern
Dr. Thomas Jahn, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Frankfurt am Main
Prof. Dr. Wolfgang Krohn, Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie, Institut für Wis-
senschafts- und Technikforschung
Dr. Susanne Schön, Technische Universität Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft
Dr. Angelika Willms-Herget, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Wis-
senschaft und Gesellschaft
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