scieee Science in your language
[en] (orig)
Nr. 12/Dezember 2016 DIE HOCHSCHULZEITUNG DER TECHNISCHEN UNIVERSITÄT BERLIN
Blühende
Landschaften
Die „Grüne Chemie“– bietet
Chancen für eine „Chemie wende“
und für Gründungs willige. UniCat-
Sprecher Matthias Drieß über den
Beitrag der Chemie zu Klima- und
Umweltschutz
Seite 7
Verbrennungsmotoren:
Nein danke?
Die Diskussion um zukünftige
Antriebssysteme ist komplex.
Zwei TU-Experten zum Für
und Wider von umfassender
Elektromobilität schon
ab 2030
Seite 8
Revolutionäre
Träume
Von Open Science, der digitalen
Stadt und Industrie 4.0 dürfe Berlin
mit Fug‘ und Recht träumen,
erklärt der Präsident der Berlin-
Brandenburgischen Akademie
Martin Grötschel Seite 3
NichT NuR zuR weihNachTszeiT BieTeT deR Tu-LichThof eiN passeNdes amBieNTe für große Veranstaltungen. 2016 fanden hier unter an-
derem Absolventenfeiern statt, die Queen‘s Lecture, der „Alumni.Angel.Abend“. Auch zur Langen Nacht der Wissenschaften ging es unter den Flügeln
der Nike und in den Wandelgängen sehr lebhaft zu. am 20. Januar 2017 lädt der präsident der Tu Berlin zum Neujahrsempfang in den Lichthof ein.
Digitalisierung
des Energiesektors
Mit WindNODE wird Nordost-
deutschland zur Modellregion
für intelligente Energie
pp Am 6. 12. 2016 fiel im Bun-
desministerium für Wirtschaft der
Startschuss für „WindNODE“, ein
zukunftsweisendes und sehr pres-
tigeträchtiges Projekt: die Entwick-
lung einer nordostdeutschen Mo-
dellregion für intelligente Energie.
Rund 50 Verbundpartner werden
insgesamt vier Jahre lang an ge-
meinsamen Lösungen arbeiten, um
große Mengen erneuerbarer Ener-
gie möglichst effizient in die Strom-
netze zu integrieren. Die TU Berlin
ist als einer der wichtigsten Kon-
sortialpartner im Wissenschaftsbe-
reich dabei. Markus Graebig vom
TU-Fachgebiet Energiesysteme
der TU Berlin hat als WindNODE-
Projektleiter die Antragstellung
verantwortet. WindNODE umfasst
alle sechs ostdeutschen Bundeslän-
der inklusive Berlin und steht unter
der Schirmherrschaft der sechs Re-
gierungschefs.
Neben dem Verbundkoordinator
„50Hertz“ kümmern sich die Un-
ternehmen Siemens und Stromnetz
Berlin sowie die Wirtschaftsförde-
rer Berlin Partner, Energy Saxony
und ZukunftsAgentur Branden-
burg um die strategische Lenkung
von WindNODE. Beteiligt sind
neben Energieversorgern, Netzbe-
treibern und Hightech-Spezialisten
auch Unternehmen des Automo-
bilbaus, der Ver- und Entsorgung,
der Wohnungswirtschaft und des
Einzelhandels sowie mehrere Uni-
versitäten und Forschungsinstitute
aus der Region. WindNODE ist Teil
des Förderprogramms „Schaufens-
ter intelligente Energie– Digitale
Agenda für die Energiewende“
(SINTEG) des Bundesministeri-
ums für Wirtschaft und Energie, für
das der Bund mehr als 200 Milli-
onen Euro zur Verfügung stellt.
Lesen Sie mehr über die Rolle der
TU Berlin auf Seite 6
eiNsTeiN ceNTeR
digiTaL fuTuRe
Zweite Aus-
schreibungsrunde
für IT-Professuren
In einer zweiten Ausschreibungs-
runde haben nun Freie Universität
Berlin und TU Berlin fünf weitere
Stellen von insgesamt 50 neuen
Professuren veröffentlicht, die un-
ter dem Dach des „Einstein Center
Digital Future“ forschen sollen. In-
novative interdisziplinäre Spitzen-
forschung und exzellent ausgebilde-
te junge wissenschaftliche Talente
sollen damit gefördert werden, um
in den vier Themenschwerpunkten
„Digital Infrastructures, Methods
and Algorithms“, „Digital Indust-
ry and Services“, „Digital Health“
sowie „Digital Humanities and So-
ciety“ und an den Schnittstellen zu
anderen Disziplinen wissenschaft-
lich zu arbeiten.
Nach der Bewilligung durch die
Einstein Stiftung Berlin startete im
September die internationale Per-
sonalkampagne mit den ersten 18
Ausschreibungen, zunächst von TU
Berlin und UdK Berlin. An beiden
Institutionen laufen derzeit die Be-
rufungsverfahren.
Mit der Kampagne sucht Berlin
weltweit die besten Köpfe für die
Digitalisierung. In dieser zweiten
Runde können sich Interessierte
bis zum 7. Januar 2017 bewerben.
Eine dritte Ausschreibungsrunde
wird im Januar 2017 folgen– dann
mit dem Themenschwerpunkt „Di-
gital Health“.
susanne cholodnicki
www.be-digital.berlin/jobs/
Gleich zwei internationale Rankings
spürten kürzlich der Frage nach, wel-
che Hochschulen besonders gut für
den Arbeitsmarkt ausgebildete Absol-
ventinnen und Absolventen hervor-
bringen.
Das „QS Graduate Employability
Ranking 2017“ verknüpft mehrere
themenrelevante Fragestellungen. Ne-
ben den Einschätzungen von 37 000
Arbeitsgebern weltweit wurden auch
(Forschungs-)Kooperationen mit der
Industrie, die Präsenz von Unter-
nehmen auf dem Campus (in Form
von Unternehmensmessen, Karriere-
Workshops und ähnlichen Angebo-
ten für Studierende), die Beschäfti-
gungsquote der Absolventinnen und
Absolventen ein Jahr nach Studien-
abschluss sowie die Ausbildungsstät-
ten von rund 21 000 international
einflussreichen Persönlichkeiten be-
rücksichtigt. Unter den 15 bewerte-
ten Hochschulen in Deutschland liegt
die TU Berlin auf dem fünften Platz,
wobei besonders die vielfältigen Un-
ternehmenskontakte herausgestellt
wurden. Im europäischen Vergleich
belegt sie Rang 20, weltweit einen
51.–60. Rang.
Für ein weiteres aktuelles Ranking, das
„Times Higher Education Global Uni-
versity Employability Ranking 2016“,
wurden rund 6000 Arbeitgeber in 20
Ländern befragt, welche Hochschulen
besonders gut für den Arbeitsmarkt
ausbilden. Hier erreicht die TU Berlin
deutschlandweit Rang neun. Europa-
weit betrachtet ergibt sich Rang 46,
weltweit Rang 96.
ulrike friedrich
www.topuniversities.com/university-rankings/
employability-rankings/2017
www.timeshighereducation.com/features/
global-university-employability-ranking-2016
Internationale Rankings: TU-Alumni weltweit geschätzt
© David Ausserhofer
© Pixelio.de/Rainer Sturm
Tu Berlin im Vergleich
mit deutschen hochschulen*
1 5 15
1 4 15
1 8 15
1 15
1 8 15
1 4 15
Insgesamt
Ruf bei
Arbeitgeber*innen
Erfolgreiche
Absolvent*innen
Kontakte zwischen
Unternehmen und
Studierenden
(Forschungs-)
Kooperationen mit
Unternehmen
Beschäftigungs-
quote von
Absolvent*innen
Insgesamt
Ruf bei
Arbeitgeber*innen
Erfolgreiche
Absolvent*innen
Kontakte zwischen
Unternehmen und
Studierenden
(Forschungs-)
Kooperationen mit
Unternehmen
Beschäftigungs-
quote von
Absolvent*innen
Vergleichshochschulen Deutschland TU Berlin Durchschnitt (Deutschland)
+12,8 %
+12,5 %
+ 9,5 %
+39,1 %
+0,1 %
+12,8 %
Tu Berlin im Vergleich
zum nationalen durchschnitt*
* QS Graduate Employability Ranking 2017 (hier: nationaler Vergleich von 15 Hochschulen)
© TU Berlin/PR/Jacek Ruta
© TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
© omnisatz GmbH
seite 2 Tu intern · Nr. 12/2016
AKTUELL
Vg woRT: kein Beitritt zum
Rahmenvertrag – Lösung in sicht
tui Die in der Landeskonferenz der
Rektoren und Präsidenten der Berliner
Hochschulen (LKRP) vertretenen Berliner
Hochschulen haben einstimmig erklärt,
dass sie dem „Rahmenvertrag zu §52a
UrhG“ der Verwertungsgesellschaft
WORT (VG WORT) nicht beitreten. Die
LKRP erkenne an, so die Erklärung vom
7. Dezember, dass Autorinnen und Auto-
ren für die Nutzung ihrer Werke fair und
angemessen vergütet werden müssten.
Doch im Zeitalter der Digitalisierung
müsse es ein Verfahren zur Erhebung
und Abrechnung der Lizenzgebühren
für die Hochschulen geben, das zeitge-
mäß und mit einem vertretbaren Auf-
wand verbunden sei. Die vorgesehene
Einzelerfassung, die im Rahmenvertrag
zwischen der VG WORT und der KMK
festgelegt wurde, wäre mit unverhältnis-
mäßig hohem technischen, organisatori-
schen und personellen Aufwand für die
Hochschulen verbunden. Die dadurch
entstehenden Kosten stünden in keinem
Verhältnis zu der angestrebten adäqua-
teren Vergütung der Autorinnen und Au-
toren. Kurz darauf beschlossen nun HRK,
KMK und VG WORT, eine gemeinsame
Lösung für die Handhabung des Urhe-
berrechts im Kontext der Hochschulleh-
re zu entwickeln. Kurzfristig wurde eine
einvernehmliche Lösung gefunden, um
eine bruchlose weitere Nutzung der di-
gitalen Semesterapparate an deutschen
Hochschulen über die Jahreswende hin-
aus zu gewährleisten. Zunächst soll nun
die pauschale Abgeltung bis zum 30.
September 2017 verlängert werden.
www.tu-berlin.de/?id=180835
www.kmk.org
Tu-ehrenausschuss befasst sich
mit der ehrendoktorwürde von
Binali Yildirim
tui
Die Kurdische Gemeinde Deutsch-
lands und der TU-AStA haben die TU
Berlin aufgefordert, dem heutigen türki-
schen Ministerpräsidenten Binali Yildirim
die Ehrendoktorwürde abzuerkennen,
die ihm 2011, damals noch als Minis-
ter für Verkehr, Schifffahrtswesen und
Kommunikation, verliehen worden war.
Kritisiert wurden vor allem die aktuellen
Arbeitsbedingungen für Wissenschaftle-
rinnen und Wissenschaftler in der Türkei.
Am 7. Dezember 2016 befasste sich der
Akademische Senat mit dem Thema. Das
Berliner Hochschulgesetz setze „unwür-
diges Verhalten“ für eine Aberkennung
voraus. Diese unbestimmte Formulie-
rung reiche bis ins Dritte Reich zurück.
Der Bund schaffte sie im entsprechenden
Gesetz bereits 2010 ab. Der AS beschloss,
den Ehrenausschuss in dieser Sache ein-
zuberufen und sich im kommenden Jahr
weiter mit dem Thema zu befassen. Präsi-
dent Christian Thomsen wurde gebeten,
bei der zuständigen Senatsverwaltung
auf die problematische Formulierung im
Berliner Hochschulgesetz hinzuweisen
und um eine Streichung zu bitten.
www.tu-berlin.de/?id=179822
dach für die
Neurowissenschaften
tui Das Berliner Einstein-Zentrum für
Neurowissenschaften (ECN), das ver-
schiedene Forschungsverbünde vereint,
hat seine Arbeit aufgenommen. Es soll
neue Strukturen für Forschung und Leh-
re in den Neurowissenschaften schaffen,
um die Vernetzung der Teildisziplinen
wie Genetik, Molekularbiologie, Phy-
siologie, Neurologie und Psychiatrie,
Philosophie und Informatik auszubauen.
Zentrale Aufgabe ist es, die Forschungs-
und Ausbildungsbedingungen für Nach-
wuchswissenschaftler zu optimieren.
Partner sind die Charité– Universitäts-
medizin Berlin (Sprecherschaft), die HU
zu Berlin, die FU Berlin, die TU Berlin und
außeruniversitäre Einrichtungen wie das
Max-Delbrück-Centrum für Molekula-
re Medizin und das Leibniz-Institut für
Molekulare Pharmakologie. Von der TU
Berlin werden Fachgebiete der Fakultät
IV Elektrotechnik und Informatik sowie
der Fakultät II Mathematik und Natur-
wissenschaften beteiligt sein.
hochschulpolitik
Welt lesen
Zum 80. Geburtstag der Feministin Christina Thürmer-Rohr
Von Sabine Hark
[…] „Es ist trügerisch, zu meinen,
Frauen führten mehr oder weniger
und vielleicht sogar zunehmend ein
unabhängiges Eigenleben parallel zu
den patriarchalen Taten; sozusagen an
einem anderen Ort“ (Thürmer-Rohr
1987, 41), schreibt Christina Thürmer-
Rohr in jenem Essay zur Mittäter-
schaft. [in: „Vagabundinnen“, 1983]
Eine „differenzierte geschlechtliche
Interessenverquickung in den zivili-
sierten Patriarchaten“, weil Frauen*
sich dem „Normgefüge der pola-
ren Ergänzung und der Egalität von
Frauen und Männern“ gefügt hätten,
habe vielmehr deren Mittäterschaft
hergestellt – eine Mittäterschaft, die
im Ergebnis dazu führte, dass Frauen
„Männer nicht verraten, bekämpfen
oder in ihren Taten behindern“ (ebd.).
In der Wirklichkeit ankommen. Die
ordentliche Optik aufgeben. Sich aus
der Täuschung in die Ent-Täuschung
bewegen. Der
differenzierten
geschlechtlichen
Interessenver-
quickung in den
zivilisierten Pa-
triarchaten auf
den Grund ge-
hen. Das bedeu-
tete für Christina
Thürmer-Rohr
nicht zuletzt, auch sich selbst nicht zu
schonen, besonders die eigene, die fami-
liäre, gerade die affektive und emotio-
nale Verstrickung mit der patriarchalen,
der rassistischen, der mörderischen Ge-
waltgeschichte des Nationalsozialismus
nicht auszusparen. „Politische Gram-
matik der Gefühle“ nennen wir heute
(Bargetz 2014), was sie vor nunmehr
dreißig Jahren an der eigenen Biografie
herausarbeitete. Im Essay „Liebe und
Lüge: ,Meine geliebten Kinderchen‘“
(Thürmer-Rohr 1987) unterzieht sie die
Feldpostbriefe des Vaters– „überzeug-
ter Nationalsozialist, deutscher Offizier
und evangelischer Pfarrer“ (ebd., 57)
mehr als vierzig Jahre nachdem sie
geschrieben, abgeschickt, empfangen,
gelesen und vorgelesen wurden, einer
kritischen Re-Lektüre. Sie verschweigt
nicht, wie sie die Briefe nach dem
Krieg, als der
Vater längst den
„Heldentod“ ge-
storben war, „oft
und immer heim-
lich gelesen“
habe und dabei
„die Schrift hin-
ter Tränen ver-
schwommen“ sei
(ebd.). Akribisch
und bar jeglicher Sentimentalität legt
sie die „Einübung in eine soldatische
Moral für Mädchen“ frei (ebd., 59), die
sie als „Kernaussage aller Briefe“ des
Vaters identifiziert– und die sie auch in
ihrem ersten Lesebuch, Hirts Deutsches
Lesebuch für Mädchen, Oberschule
Kl. 1, aus dem Jahr 1939, wiederfin-
det. „Es geht“ dabei „zuerst um die
Produktion einer Beziehung: Frauen/
Mädchen sollen ihre Gefühle, Gedan-
ken und Interessen auf diese Männer
ausrichten.“[…]
Nein: Frauen und Mädchen waren nicht
ausgeschlossen aus dem nationalsozia-
listischen Erobern, Vernichten und Mor-
den; in einem „gnadenlos-normalen
Zusammenspiel von Sorge und emoti-
onaler Rückmeldung der Versorgten“
(ebd., 69) wurden sie Teil der Kriegsma-
schine, dazu erzogen, Empathie nur für
die Einen, die Eigenen, zu empfinden,
während das Recht der Anderen, in der
Welt zu Hause zu sein, radikal negiert
wird. Noch in den scheinbar privatesten
Formulierungen der Briefe des Vaters
findet Thürmer-Rohr diese untrennbare
Verfechtung von Liebe und Lüge: „Wir
erfuhren: Deutsche Soldaten erobern
ein Land, um wieder bei ihren Kin-
dern zu sein. Statt: Deutsche Soldaten
erobern ein Land aus Eroberungs- und
Unterwerfungswillen, ein Verbrechen,
nicht um Kindern etwas Gutes zu tun“
(ebd., 74).
Vielleicht verdanken wir es dieser Ein-
sicht in die „Untrennbarkeit von Liebe
und Lüge“ (ebd., 75), die Christina Thür-
mer-Rohr zur Wirklichkeitssucher*in,
zur Weltleser*in werden ließ. Zu einer
Denker*in, mit anderen Worten, de-
ren Schreiben bis heute motiviert ist
vom Wunsch, zu verstehen, geprägt
von jener […] „nicht endenden Tä-
tigkeit, durch die wir Wirklichkeit, in
ständigem Abwandeln und Verändern,
begreifen und uns mit ihr versöhnen,
das heißt durch die wir versuchen, in
der Welt zu Hause zu sein“ (Hannah
Arendt 1994, 110).[…] Und gerade
weil diese Welt ein so zerbrechliches
und riskantes Gebilde von Men-
schenhand ist, […] braucht die Welt
Freund*innen wie Christina Thürmer-
Rohr. Freund*innen, die der Welt eine
neue Wirklichkeit geben, indem sie sie
anders lesen– und die, wie sie im Es-
say zur Kohabitation schreibt, im „Ver-
such, aus sich selbst herauszutreten“
(ebd.) konkrete Andere im eigenen
Bewusstsein versammeln und in die
eigene Gegenwart holen. Uns daran
erneut erinnert zu haben,[…] ist ei-
ner der vielen Freundschaftsdienste,
die Christina Thürmer-Rohr der Welt
erwiesen hat. Dass wir uns noch lange
an solcher Freundschaft erfreuen dür-
fen, darauf hoffen wir.
www.gwi-boell.de/sites/default/files/thuermer-
rohr_-freundschaft_zur_welt-_online.pdf
http://blog.feministische-studien.de/2016/11/
welt-lesen
Christina Thürmer-Rohr war bis 2005 Professorin an der TU Berlin
© GWI/Stephan Roehl
wir erfuhren: deutsche soldaten
erobern ein Land, um wieder bei
ihren Kindern zu sein. statt: deut-
sche soldaten erobern ein Land aus
eroberungs- und unterwerfungs-
willen, ein Verbrechen, nicht um
Kindern etwas gutes zu tun.
Prof. Dr. Christina Thürmer-Rohr
eiNe fRage BiTTe
Wo sind die Gründungswilligen aus den Naturwissenschaften?
Noch immer wählt nur ein Bruchteil
der studierenden aus dem Bereich
der klassischen Naturwissenschaf-
ten wie chemie, physik und Biologie
nach dem studium den weg in die
existenzgründung. gibt es zu wenige
fördermöglichkeiten? Benötigen die
studierenden in den miNT-fächern
mehr informationen? oder sollte ein
grundkurs im Bereich management/
BwL zu dem pflichtbereich eines
miNT-studiums gehören? Katharina
Jung war für „TU intern“ auf dem cam-
pus unterwegs und hat sich bei studie-
renden umgehört.
meLiNa studiert im
5. Semester Chemie
Konkret habe ich
mir noch nie Ge-
danken dazu ge-
macht, mich
selbstständig zu
machen. Zum ei-
nen, weil das Ende meiner Ausbildung noch
weit weg ist, und man hat ja noch keinerlei
Berufserfahrung. Hinzu kommt: In der Regel
sitzt man nach dem Studium auf einem grö-
ßeren Schuldenberg. Da erscheint es mir
sinnvoller, den erst mal in einem Angestell-
tenverhältnis abzuarbeiten, bevor ich an eine
Existenzgründung denke. Ein komplettes
Modul zu Betriebswirtschaft für Naturwis-
senschaftler würde ich nicht besuchen.
caRsTeN
Master of Science
im Bereich Chemie
„Im Moment ist
Selbstständig-
keit kein Thema
für mich, weil ich
meine Promotion
abschließen will. Aber für zukünftige Pro-
jekte könnte ich mir sehr gut vorstellen, ein
Unternehmen zu gründen. Das wird im Ar-
beitskreis von Prof. Matthias Drieß, wo ich
promoviere, auch sehr unterstützt. Er lädt
regelmäßig Unternehmensgründer ein, die
Vorträge halten und berichten, wo man
an der TU Berlin Unterstützung bekommt
und welche Möglichkeiten es überhaupt für
junge Naturwissenschaftler gibt, ein Unter-
nehmen zu gründen. Überhaupt: Wer sich
dafür interessiert, wird an der TU Berlin im-
mer wieder darauf gestoßen, dass es viele
Unterstützungsmöglichkeiten für Existenz-
gründer gibt.
NiNa studiert
Physik im
6. Semester
Ich arbeite neben
dem Studium in ei-
nem kleinen natur-
wissenschaftlichen
Unternehmen,
und da überlegt man schon manchmal, wie
es wäre, sich selbstständig zu machen. Al-
lerdings glaube ich, dass Selbstständigkeit
nicht zuletzt auch eine Typ-Frage ist, zum
Beispiel braucht man sehr gute Kommuni-
kationsfähigkeiten. Das liegt mir nicht, auch
fehlen mir die dazu nötigen betriebswirt-
schaftlichen Kenntnisse.
JaN studiert Physik
im 11. Semester
Selbstständig-
keit finde ich im
Grundsatz sehr
spannend, aber
man braucht zu-
allererst eine gute
Idee. Nur dann lohnt es sich, darüber nach-
zudenken, wie, wo und was man realisieren
könnte. Kurzfristig habe ich sogar mal eine
Vorlesung aus der Betriebswirtschaft be-
sucht, aber das war nichts für mich. Zwar
habe ich von meinen Physik-Professoren
noch nie etwas zum Thema Existenzgrün-
dung gehört. Aber wenn ich die eine gute
Idee hätte, dann würde ich auch rausfinden,
wo es Unterstützung gibt.
JaRi studiert Che-
mie im 1. Semester
Klar denkt man
auch an Selbst-
ständigkeit, wenn
man überlegt, was
man nach dem
Studium mit dem
Erlernten anfängt– aber ganz konkret habe
ich nichts geplant. Mein Interesse liegt in der
Forschung. Ich studiere erst im 1. Semester,
aber bislang habe ich in der Studienorgani-
sation noch nichts über Management oder
Existenzgründung gelesen oder gehört. Ich
glaube, wenn ich so weit bin, dann finde
ich auch genügend Möglichkeiten der Un-
terstützung und Beratung– auch hier an der
Hochschule.
Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit
Prof. Dr. Matthias Drieß, Seite 7
© TU Berlin/PR/Katharina Jung (5)
prof. dr. christina Thürmer-Rohr
ist eine der einflussreichsten Theo-
retikerinnen im Diskurs feministischer
Herrschaftskritik. Von 1972 bis 2005
hatte die Sozialwissenschaftlerin den
Lehrstuhl Feministische Forschung/
Menschenrechte an der TU Berlin
inne. Als eine der ersten beschäftigte
sie sich auch mit dem Thema „Mit-
täterschaft von Frauen im Nationalso-
zialismus“. In diesem Jahr feierte sie
ihren 80. Geburtstag. Hier lesen Sie
Auszüge aus einem Text von Prof. Dr.
Sabine Hark, Soziologin und Leiterin
des Zentrums für Interdisziplinäre
Frauen- und Geschlechterforschung
der TU Berlin, online veröffentlicht
am 17. November 2016. pp
Tu intern · Nr. 12/2016 seite 3
DIGITALES BERLIN
Als mich die Bitte erreichte, heute Abend
eine „Digital Dinner Speech“ zu hal-
ten,[…] kam mir die Idee, mit einem
Gedicht von Antoine de Saint-Exupéry zu be-
ginnen.[…]:
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann
trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu
beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Ar-
beit einzuteilen, sondern lehre die Männer die
Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
Aber dann bemerkte ich, dass sich meine „Pre-
digt“ nur an die bereits Bekehrten richten würde,
die nicht überzeugt werden müssen.
[…]
Meine nächste Idee: Ich bringe Konrad Zuse ins
Spiel. Immerhin haben wir in diesem Jahr den 75.
Jahrestag der Erfindung des Computers, also sei-
ner Erfindung, gefeiert. Das ist ein Highlight für
die Wissenschaftsgeschichte Berlins, aber wirk-
lich signifikante wirtschaftliche Auswirkungen
hatten die späteren technischen Entwicklungen
anderer. Deutschland wurde bekanntermaßen
nicht Computerland.
Ich habe Konrad Zuse letztmalig im Jahr 1994
bei einem Besuch des Zuse-Instituts getroffen,
dessen Vizepräsident ich damals war. Zuse er-
zählte unter anderem von einem Gespräch mit
Bill Gates.[…] Seine wichtigste Bemerkung zu
Gates war damals: „Ich hätte nie gedacht, dass
man mit Gebrauchsanleitungen Geld verdienen
kann.“
Konrad Zuse war eben Techniker, ihm war erst
sehr spät die Bedeutung von Software klar ge-
worden. Er hatte anfangs, wie er mir damals sag-
te, Software für eine Art von Gebrauchsanleitun-
gen für Waschmaschinen gehalten.
Und dies deutet auf eines der Probleme in un-
serem Land. Wir haben glänzende wissenschaft-
liche Erfolge, sind aber nicht umsetzungsstark.
Ein wichtiges Ziel unseres neuen Einstein Centers
ist– natürlich neben der zu erzielenden wissen-
schaftlichen Exzellenz– die rasche Umsetzung
von Ideen in marktfähige Produkte. Nach meiner
Einschätzung gibt es in Deutschland keine Regi-
on, die besser dazu geeignet ist als Berlin,[…]
wo die Mauern zwischen Institutionen und Fä-
chern in der Berliner Wissenschaftslandschaft
weitgehend eingerissen worden sind. Die Berli-
ner Universitäten stehen in engem Kontakt zuei-
nander, die Disziplinen schauen nicht mehr mit
Arroganz auf die anderen, sondern haben viel-
mehr verstanden, dass Herausforderungen nur
durch die Zusammenarbeit vieler Einrichtungen
und Fächer gemeistert werden können. Das alle
verbindende Netz ist dabei die Digitalisierung.
Dieses gilt es zu verstärken und zu nutzen. Und
dieses Netz darf, wenn es zu wirtschaftlichem
und gesellschaftlichem Erfolg führen soll, nicht
an der Grenze zur Wirtschaft und Industrie ge-
kappt werden.[…]
open science
Ein zentraler Aspekt in der wissenschaftlichen
Entwicklung ist dabei Open Science. In Open
Science geht es darum, alle Bestandteile des
wissenschaftlichen Prozesses offenzulegen und
transparent über das Internet darzustellen. Etwas
präziser formuliert: In Open Science soll der ge-
samte Weg wissenschaftlicher Erkenntnis von der
Datenerhebung, dem Einsatz von Software, der
Art der algorithmischen Bearbeitung und Ergeb-
nisfindung bis hin zur Interpretation nachvoll-
ziehbar dokumentiert und öffentlich zugänglich
gemacht werden. Ich bin fest davon überzeugt,
dass Geheimniskrämerei in der Wissenschaft nie-
mandem nutzt und dass Open Science der richti-
ge Weg dazu ist, Fortschritte schnell und gesichert
zu erzielen.[…]
digitale städte
Es wäre wunderbar, wenn Berlin sich parallel
zum „Einstein Center Digital Future“ auch zu ei-
ner digitalen Stadt entwickeln würde. Man kann
im Augenblick leider nicht davon sprechen, dass
die Stadt auf einem guten Weg dahin ist. Aber:
Wie Sie wissen, ist der Regierende Bürgermeis-
ter, Michael Müller, persönlich sehr an diesem
Thema interessiert. Digitalisierung, Vernetzung
und Automatisierung haben Eingang in den Koa-
litionsvertrag gefunden.[…] Auf netzpolitik.org
finden Sie einen sehr positiven Artikel mit dem
Titel „Ganz schön digital: Der Berliner Koali-
tionsvertrag von Rot-Rot-Grün“. […]Der gute
Wille ist da. Hoffen wir, dass die Umsetzung der
Pläne gelingt.
industrie 4.0
[…] Die IHK Berlin hat in diesem Jahr einen
Bericht mit dem Titel „Digitalisierung in der Un-
ternehmensstrategie: Wo steht die Berliner Wirt-
schaft?“ vorgelegt. Einige statistische Ergebnisse:
58 Prozent der Berliner Unternehmen schätzen
den Stand ihrer Digitalisierung als hoch oder sehr
hoch ein.
Nur 39 Prozent der großen Unternehmen mit
mehr als 50 Mitarbeitern weisen aber einen ho-
hen oder sehr hohen Digitalisierungsgrad auf.
In 90 Prozent der Berliner Unternehmen sind
digitale Technologien von hoher Bedeutung für
die Unternehmensstrategie.
In nur 39 Prozent der großen Unternehmen mit
über 50 Mitarbeitern ist der Einsatz digitaler
Technologien absolut zentral für die Unterneh-
mensstrategie.
82 Prozent wollen mit Hilfe digitaler Technologi-
en neue Märkte und Kundengruppen erschließen,
80 Prozent innovative Produkte und Services an-
bieten. Die Mehrheit der Berliner Führungskräfte
schätzt die Voraussetzungen für digitalen Wandel
im eigenen Unternehmen sehr positiv ein. Aber
viele Unternehmen sehen für sich keine klaren
Vorteile von Industrie 4.0 oder ihnen fehlen die
Ressourcen. Der Informationsbedarf zu Industrie
4.0 ist groß. Das Ergebnis ist also sehr zwiespältig
und interpretationsbedürftig.
Ich[…] möchte zu diesem Thema den Acatech-
Präsidenten Henning Kagermann zitieren,
der[…] wiederholt auf die wirtschaftliche Be-
deutung von Industrie 4.0 in den verschiedens-
ten Industriezweigen hingewiesen hat, aber auch
darauf, dass die digitale Transformation nicht an
den Unternehmensgrenzen haltmachen darf:
„Der Abstand zwischen Mensch und Maschine
verringert sich. Doch der Mensch steht weiter
im Mittelpunkt und lernfähige Maschinen müs-
sen sich anpassen. Eine positive Entwicklung
ist allerdings kein Selbstläufer, sondern eine
gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Wollen
wir Mensch und Maschine in beste Gesellschaft
bringen, dann müssen wir die berechtigten Be-
denken– etwa vor Arbeitsplatz- oder Kontroll-
verlusten– ernst nehmen. Denn die Aufgeschlos-
senheit gegenüber technologischen Innovationen
ist mitentscheidend für die Modernisierungs- und
Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.“
die digitale Revolution und die gesellschaft
[…] Bei den digitalen Predigten wird manchmal
der Mund zu voll genommen. Es werden Dinge
versprochen, die kaum zu halten sind. Und so
kann der digitale Hype schnell in sein Gegenteil
umschlagen.
Wenn man das Brexit-Votum analysiert und sich
den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf
in Erinnerung ruft, dann wird klar, dass man heu-
te Fakten verdrehen, glatte Lügen oder blanken
Unsinn verbreiten und eine Mehrheit von Betrof-
fenen finden kann, die diesem zustimmen.[…]
Fakten scheinen offenbar kaum noch eine Rolle
zu spielen. Dies, und dazu gehört auch der Miss-
brauch von digitalen Techniken zur Meinungs-
manipulation, ist eine echte Gefahr für unsere
Kultur.
Gilt diese Analyse auch für die digitale Revoluti-
on?[…] Was sollen wir, die wir hier versammelt
sind, tun, damit wir weder von der Entwicklung
abgehängt werden noch in digitale Versionen
von– im übertragenen Sinne formuliert– welt-
weiten Weberaufständen geraten? Was ist also der
richtige Weg aus der Angst vor der Digitalisierung
und ihren Verheißungen hin zu einer positiven
Entwicklung?
[…] Eine FORSA-Umfrage[…] vom September
2016 zeigte: Die Befragten sind bei der Einschät-
zung der Folgen der Digitalisierung kritisch. So
sehen nur 47 % der Deutschen im digitalen
Wandel mehr Chancen als Risiken für die Gesell-
schaft, nur 43% bewerten die Folgen als über-
wiegend positiv für sich persönlich. Nur 50%
der Befragten mit Abitur und Studium erkennen
Chancen für sich, bei denjenigen mit Hauptschul-
abschluss sind es dagegen nur 23%.
Julia André, Leiterin des Fokusthemas „Digitale
Mündigkeit“ bei der Körber-Stiftung, ist über-
zeugt:[…] „Unser Bildungssystem ist für den
digitalen Wandel noch nicht ausreichend gerüs-
tet. Wir müssen aber dringend entsprechende Bil-
dungsangebote schaffen, um die digitale Spaltung
der Gesellschaft zu verhindern.“
Teilhabe am digitalen Wandel ist wichtig, und
das darf das „Einstein Center Digital Future“
bei seinen Aktivitäten, auch wenn sie vornehm-
lich forschungszentriert sind, nicht aus den Augen
verlieren.[…]
Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass ratio-
nale Argumente nicht von gefühlsbetonten und
falschen Argumenten verdrängt werden können.
Das ist offenbar schwerer, als man glaubt. […]
einstein center digital future
[…] Die Digital-Future-Initiative ist breit ange-
legt[…] beginnend mit der formalen Methodik in
Mathematik und Informatik, in technologischen
Entwicklungen, in der technischen Informatik,
Nachrichtentechnik und weiteren Ingenieurwis-
senschaften über Physik, Chemie und Medizin
bis hin zu Geistes- und Sozialwissenschaften[…]
Diese Bandbreite ist äußerst selten und wird nur
in wenigen Regionen der Welt erreicht.
Ich weiß aus meinen Tätigkeiten in der Berlin-
Brandenburgischen Akademie, in der Einstein
Stiftung, in der Exzellenzinitiative und in ande-
ren Institutionen, dass viele Regionen in der Welt
geradezu neidvoll darauf schauen, dass sich in
Berlin eine Kultur der Kooperation entwickelt
hat. Dies war nicht immer so. Noch vor 15 Jah-
ren war auch Berlin in gleichsam eingemauerte
wissenschaftliche Bezirke unterteilt, wobei je-
der eifersüchtig auf seine jeweilige Besonderheit
Wert gelegt hat. Diese Haltung ist so gut wie
überwunden und einer Kultur der Offenheit und
Kooperation gewichen.[…]
ist Berlin konkurrenzfähig?
[…] Finanziell gesehen handelt es sich im Ver-
gleich zum Silicon Valley bei den Berliner Mitteln
um einen Rundungsfehler. Muss man sich davor
fürchten? Ja und nein. Eine Gefahr ist natürlich,
dass Top-Wissenschaftler und -Praktiker durch
hohe Gehälter weggekauft werden oder gar nicht
erst zu uns kommen. Gleiches gilt für erfolgrei-
che Start-up Companies. Hierüber müssen wir
uns Gedanken machen. Dennoch habe ich keine
Furcht.[…]
den vollständigen Text finden sie im internet.
www.tu-berlin.de/?id=180873
Open Science,
digitale Städte,
Industrie 4.0 und andere
revolutionäre Träume
Von Martin Grötschel
Martin Grötschel hielt die „Dinner Speech“ beim Dinner „Digitale Zukunft“ an der TU Berlin
© TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
© TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
Die Gäste fühlten sich sichtlich gut und intelligent unterhalten
unter dem motto „digitale zukunft“
luden die Präsidentin und die Präsidenten der Berliner
Unis sowie der Vorstandvorsitzende der Charité – Universitätsmedizin Berlin zum Dank und zum
gegenseitigen Kennenlernen die Personen ein, die das „Einstein Center Digital Future“ ermöglichen:
die Stifterinnen und Stifter sowie die mitteleinwerbenden Professorinnen und Professoren. Am 21.
November begrüßte TU-Präsident Prof. Dr. Christian Thomsen die Gäste im festlich geschmückten
Lichthof. TU-Professor und designierter Sprecher des Centers Prof. Dr. Odej Kao gab einen Ausblick
auf das Kommende und der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Martin Grötschel hielt die Dinner Speech, von der Sie hier Auszüge lesen.
seite 4 Tu intern · Nr. 12/2016
INNENANSICHTEN
peRsoNaLRaTswahL
Vorläufiges
Endergebnis
kj/pp Die neue Personalrats-
vorsitzende heißt wieder Stefa-
nie Nickel-Busse. Sie wurde vom
Vorstand des neu gewählten Per-
sonalrats am 9. 12. 2016 gewählt.
Vorausgegangen waren die Perso-
nalratswahlen an der TU Berlin,
die vom 30. November bis zum
2. Dezember 2016 stattfanden. Ins-
gesamt wurden 992 Stimmen abge-
geben, das entspricht einer Wahlbe-
teiligung von 21,33 Prozent.
In der Gruppe der Arbeitnehmer
und Arbeitnehmerinnen wurden
folgende Personen gewählt: Michael
Surey, Stefanie Nickel-Busse, Ronny
Buchholz, Soheila Hümmer, Nicole
Kosmider, Alexander Margraf, Karin
Schade, Sabine Patschorke, Vivien
Hanke, Detlef Klabunde, Petra Hutt,
Jessica Bathke, Kerstin Löffler, Da-
niela Siefert, Silke Müllers, Jana Pilz
und Coskun Günes. Innerhalb die-
ser Gruppe lag die Wahlbeteiligung
mit 938 abgegebenen Stimmen bei
20,82 Prozent, 18 Stimmen waren
ungültig.
Von den gültigen Stimmen ent-
fielen auf die Liste 1 „gkl-berlin
und „TU-WAS–Gemeinsam FÜR
ALLE“ 207 Stimmen und damit
vier Sitze, auf die Liste 2 „ver-
di – gemeinsam vorwärts“ 349
Stimmen und damit sechs Sitze
und auf die Liste 3 „TU-FAIR“ 364
Stimmen und damit sieben Sitze.
In der Gruppe der Beamtinnen und
Beamten wurden Jana Neubauer
und Andreas Schmidt gewählt. Die
Wahlbeteiligung lag mit insgesamt
54 abgegebenen Stimmen, davon
zwei ungültig, bei 37,24 Prozent.
Von den gültigen Stimmen ent-
fielen auf die Liste 2 „ver.di–ge-
meinsam vorwärts“ 37 Stimmen
und damit beide Sitze.
Bester
Chemielaborant
IHK Berlin würdigt TU-Azubi
Richard Müller
bk Richard Müller hat im Juli
2016 seine Ausbildung zum Che-
mielaboranten an der TU Berlin
erfolgreich abgeschlossen und kann
stolz auf seine Leistung sein, denn
er ist der Beste seines Jahrgangs
in Berlin. Für diese hervorragende
Leistung wurde er im Rahmen der
„Bestenehrung 2016“ von der In-
dustrie- und Handelskammer Ber-
lin (IHK) ausgezeichnet.
Seine Ausbildung begann er im
Jahr 2013, seine Grundausbil-
dung erhielt Richard Müller an
der FU Berlin. Hier werden allen
Chemielaboranten-Azubis des
„Ausbildungsverbundes Öffentli-
cher Dienst“ fundamentale Fertig-
keiten und Kenntnisse vermittelt.
„Seit über 30 Jahren ist auch die
TU Berlin Mitglied dieses Verbun-
des und kooperiert darüber eng mit
der FU Berlin. So konnte Richard
Müller im zweiten Ausbildungsjahr
im Rahmen des sogenannten Be-
triebsdurchlaufes an die TU Berlin
wechseln und hier seinen Abschluss
machen“, erzählt Andreas Eckert,
der im Servicebereich Ausbildung
für die Chemielaboranten zustän-
dig ist. Dem Fach Chemie und auch
der TU Berlin bleibt Richard Müller
übrigens treu: Seit dem Winterse-
mester studiert er hier Chemie-
ingenieurwesen.
Erfolgreiche Ausbildung: Richard Müller
Wie geht es dem
akademischen Mittelbau?
Neue WM-Studie an der TU Berlin startet im Januar 2017
tui Anfang 2017 wird nunmehr zum
vierten Mal an der TU Berlin im Auf-
trag der Vizepräsidentin für Forschung,
Berufung und Nachwuchsförderung,
Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend, die
WM-Studie durchgeführt. Die WM-
Studie ist das Instrument der TU Ber-
lin, mit dem auf Beschluss des Aka-
demischen Senats alle fünf Jahre die
wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter zu ihren Arbeits- und
Promotions- beziehungsweise Habili-
tationsbedingungen befragt werden.
Mit der Studie 2017 soll erneut ge-
prüft werden, ob die Arbeitsbedingun-
gen an der TU Berlin dafür geeignet
sind, hervorragende wissenschaftliche
Leistungen erbringen zu können, wie
zufrieden die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter sind und wo nachgebessert
werden sollte. Ziel dieser Befragung
ist es, umfassende Kenntnisse darüber
zu erhalten, welche Probleme aktuell
bestehen und was die Ursachen dafür
sein könnten. Nur so können passge-
naue Maßnahmen entwickelt werden,
die im Alltag der wissenschaftlichen
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen grei-
fen und sie unterstützen.
Bisher wurde die Studie in den Jah-
ren 2002, 2007 und 2012 durchge-
führt. Bestimmte Themen aus dem
Arbeitsalltag sind Bestandteil jeder
dieser Befragungen, so zum Beispiel
die Promotion oder Habilitation, die
Lehre, Fortbildungsmöglichkeiten und
die Vertragssituation. Ein besonders
prägnantes Beispiel für eine gelunge-
ne Umsetzung von Erkenntnissen aus
einer WM-Studie ist die Einführung
des Nachwuchsbüros „TU-Doc“ im
Jahre 2009, das die Promovierenden
umfassend und gezielt mit Informa-
tionen und Beratungsangeboten un-
terstützt. Darüber hinaus wird, an-
geregt durch aktuelle hochschul- und
gesellschaftspolitische Diskussionen,
für jede Studie mindestens ein neu-
er Schwerpunkt entwickelt. In der
kommenden Befragung steht das
Thema „Vereinbarkeit von Familie
und Beruf“ im Fokus. Die Inhalte des
Fragebogens 2017 wurden in Zusam-
menarbeit mit einigen wissenschaftli-
chen Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
tern und auch mit Unterstützung des
Nachwuchsbüros, des Personalrates
und des Familienbüros ausgewählt
und zusammengestellt.
Im Januar 2017 werden die Einladun-
gen zur Teilnahme an der Online-Be-
fragung per E-Mail verschickt. Bereits
im September 2017 sollen Ergebnisse
und Auswertung der Befragung vorge-
stellt werden. Die Befragung ist selbst-
verständlich anonym und wurde von
der Datenschutzbeauftragten geprüft
und genehmigt. Alle wissenschaftli-
chen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
sind dazu eingeladen, diese Chance
zur Partizipation wahrzunehmen.
Für alle Fragen und Anmerkungen zu
der Studie steht Prof. Dr. Jan Pfetsch,
Institut für Erziehungswissenschaft,
Fachgebiet Pädagogische Psychologie,
zur Verfügung.
Nina Böhm
institut für erziehungswissenschaften
www.tu-berlin.de/praesidialbereich/qualitaet/
evaluation/wm_studien/ergebnisberichte/
Gremien, Schulung, Fachkonzepte
Etappen auf dem Weg zur integrierten SAP-Software an der TU Berlin
für das Projekt Enterprise Resource Management (ERM)
campusblick
green day an der Tu Berlin
kj Im November fand der inzwischen
sechste Green Day für „grüne“ Studien-
und Berufsorientierung an der TU Berlin
statt. Insgesamt 227 Schülerinnen und
Schüler von zwölf Schulen nahmen an
15 Projekten teil. Nach einer Begrüßung
durch Prof. Dr. Heiß, Vizepräsident der TU
Berlin für Studium und Lehre, und einer
Podiumsdiskussion mit den Jugendlichen
begeisterten thematisch breit gefächerte
Experimente, Planspiele und Vorträge wie
„Autonomes Elektromobil“, „Raumfahrt-
technik: Aufräumen im Weltall“, „Res-
sourcen sparen durch kürzere Wege“, „To
fly or not to fly“ und „Es grünt im Smart
Home und Elektrohaus“. Zum ersten Mal
mit dabei war die Fakultät Wirtschaft und
Management mit dem Projekt „Nachhal-
tig wirtschaften und managen“. Aufgrund
des großen Interesses führte das Schulbü-
ro parallel zu den Projekten wieder einen
Round Table für die 14 Partnerschulen der
TU Berlin durch, an dem 21 Schulleitungen
und Lehrkräfte teilnahmen.
Bedarfsgerechte fortbildung
kj Der Servicebereich Personalentwick-
lung/Weiterbildung in Kooperation mit
dem BGM plant in 2017 speziell für die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den
Sekretariaten eine modulare Fortbildungs-
reihe. Um diese Fortbildungen möglichst
bedarfsgerecht zu gestalten, können alle
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre indi-
viduellen Weiterbildungswünsche und -be-
darfe in einer speziell designten, kurzen,
anonymen Umfrage mitteilen. Anhand
der Ergebnisse werden dann die Weiter-
bildungsangebote geplant. Noch bis zum
15. Januar 2017 soll diese Umfrage online
durchgeführt werden. Der entsprechende
Link zum Online-Fragebogen wurde An-
fang Dezember verschickt.
www.tu-berlin.de/?id=20315
familiengerechtes wissenschafts-
system?
kj Wie gut lassen sich Familie und Wissen-
schaft in Deutschland vereinbaren? Diese
Frage konnte man von Juni bis September
2015 auf dem Blog der Jungen Akademie
beantworten. Welche Probleme stellen sich
und wie lassen sie sich im Interesse eines
leistungsstarken, familienfreundlichen
Wissenschafts-
systems lösen?
Dazu schrieben
nicht nur be-
eindruckend
viele anonyme
User, sondern
auch viele Wis-
senschaftler und
Wissenschaftle-
rinnen Beiträge.
Um die Erkenntnisse der interaktiven Di-
alogplattform auch offline einer breiteren
Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wur-
de eine Auswahl der Beiträge– zum Teil
in gekürzter Form– gemeinsam mit den
eigens für den Blog eingeworbenen State-
ments und den eingegangenen Kommen-
taren jetzt in einer Broschüre abgedruckt.
Die Broschüre steht auf der Seite der Jun-
gen Akademie zum Download oder zur
Bestellung bereit.
http://blog.diejungeakademie.de
Gestaltung: Change Management der TU Berlin
© TU Berlin/Schulbüro/Susanne Kunde
© TU Berlin/PR/Anna Groh
Tu intern · Nr. 12/2016 seite 5
LEHRE & STUDIUM
Aus dem Park auf den Tisch
Wie Berliner Bürger die öffentlichen Grünflächen nutzen
11,9 Prozent der Berliner Stadtfläche
sind grüne Erholungsflächen. Dass die-
se Flächen nicht nur zum Ballspielen,
Spazierengehen oder Hunde-Ausfüh-
ren genutzt werden, weisen jetzt die
Forschungsergebnisse von Julia Palli-
woda nach, die kürzlich in der Zeit-
schrift „Landscape and Urban Plan-
ning“ veröffentlicht wurden: Rund
17 Prozent der auf einem bestimmten
Areal in Berliner Parks vorkommen-
den Pflanzen werden unmittelbar von
den Parkbesuchern genutzt. „Manche
Besucher haben junge Brennnessel-
btter gesammelt, um daraus einen
Tee zu kochen, andere haben Klee
für ihre Hasen oder Beeren für ihre
Papageien gesucht und wieder andere
haben Johannis- oder Holunderbeeren
gepflückt“, erzählt Julia Palliwoda, die
über dieses Projekt ihre Master-Arbeit
am Lehrstuhl Ökosystemkunde und
Pflanzenökologie der TU Berlin bei
Prof. Dr. Ingo Kowarik geschrieben
hat.
Untersucht hat die 28-Jährige, die
inzwischen ihren Master in Stadtöko-
logie/Urban Ecosystem Science abge-
schlossen hat, dabei eine Fläche im
Treptower Park und eine im Schloss-
park Charlottenburg. „Ich habe in
jedem Park zwei Flächen ausgesucht,
die jeweils zwischen 9000 und 21 000
Quadratmeter groß waren sowie im
Wesentlichen aus einer Rasenfläche
und umgebenden Büschen bestanden.
In einem ersten Schritt musste ich die
Vegetation auf diesen Untersuchungs-
flächen erfassen und klassifizieren. In
der eigentlichen Untersuchung habe
ich in dem Zeitraum von Mai bis
September jede Fläche zwölfmal für
jeweils zwei Stunden zu unterschied-
lichen Uhrzeiten und an unterschied-
lichen Wochentagen beobachtet“,
beschreibt Julia Palliwoda. In diesen
Untersuchungsräumen wurde jeder
Besucher erfasst, der diese Flächen
betritt und beobachtet, ob und wie er
einzelne Pflanzen dieses Areals nutzt.
In einigen Fällen wurden die Besucher
direkt interviewt, wozu sie die gesam-
melten Pflanzen nutzen. Dabei war die
Kontaktaufnahme mit den Besuchern
nicht immer ganz einfach. „Offiziell
ist das Sammeln oder Pflücken von
Parkpflanzen nicht gestattet. Manche
Besucher, mit denen ich sprechen
wollte, befürchteten daher, ich wäre
vom Ordnungsamt, und sind schnell
weggelaufen“, weiß Julia Palliwoda,
die von der umfangreichen und viel-
fältigen Nutzung der Parkpflanzen
selbst überrascht war: „Am häufigs-
ten wurden Arten wie Brennnessel,
Johannisbeere,wenzahn oder Vo-
gelmiere als Grundlage für Tees oder
als Nahrungsmittel in Salaten genutzt.
Wiesen-Storchschnabel oder Clematis
wurden für einen Blumenstrauß oder
als Dekoration verwendet, Rosen fo-
tografiert. Aber es gab auch Besucher,
die zum Beispiel Schöllkraut oder das
kleinblütige Knopfkraut für die medi-
zinische Nutzung gesammelt haben.“
Anhand der Angaben aus den Inter-
views konnte sie 33 weitere Arten
benennen, die im Stadtgebiet – au-
ßerhalb der Gärten– von Menschen
gesammelt und genutzt werden.
Sehr gerne hätte sie diese Untersu-
chung im Rahmen einer Doktorar-
beit fortgesetzt und tiefer analysiert,
welche Möglichkeiten es gibt, einen
öffentlichen Park so zu gestalten und
zu managen, dass die Biodiversität
möglichst viele Menschen anspricht.
Jedoch fehlt die nötige Finanzierung
für das Projekt.
Katharina Jung
Tee, Kaninchenfutter, Salat und Blumensträuße gibt so eine Wiese mit Storchschnabel her
Begehrtes double-degree-
programm cosse
kj Gemeinsam mit der KTH Stock-
holm, der TU Delft und der Universität
Erlangen-Nürnberg bietet die TU Ber-
lin seit 2010 den Master-Studiengang
„Computer Simulation for Science und
Engineering“ (COSSE) als Double-De-
gree-Programm an. Das zweijährige eng-
lischsprachige Master-Studium wird an
jeweils zwei der beteiligten Hochschulen
absolviert. Die Studierenden erhalten die
Abschlüsse beider Hochschulen gleich-
zeitig. An der TU Berlin sind COSSE-
Studierende in den Master-Studiengang
„Scientific Computing“ des Instituts für
Mathematik eingeschrieben.
Bisher wurden 72 Studierende aus 26
Ländern in das Programm aufgenom-
men, 63 haben bereits erfolgreich abge-
schlossen. 66 Prozent der Absolventen
promovieren im Anschluss, unter ande-
rem an so begehrten Hochschulen wie
dem MIT, der ETH Zürich, Cambridge
oder Oxford. Erst kürzlich fand die erste
Alumni-Konferenz in Stockholm statt.
Studierende, die mit dem Sommersemes-
ter 2017 ihren Bachelor planen und Inter-
esse an Mathematik und numerischen Si-
mulationen haben, können sich bis zum
16. Januar 2017 bewerben. Infos erteilt
Prof. Dr. Reinhard Nabben, Institut für
Mathematik an der TU Berlin.
www.math.tu-berlin.de/studienfachbera-
tung_mathematik/master/erasmus_mun-
dus_master_studiengang_cosse
Ted Talks: „shifting your
perspective“
ag Die TED Talks stehen für ein auf
Innovationen ausgerichtetes Vor-
tragsevent, das kostenlose Videos online
bereitstellt. Mehr als drei Milliarden Mal
wurden die Videos bereits abgerufen,
jetzt fand am 24. November das Format
mit dem Titel „TEDxTUBerlin“ an der TU
Berlin statt. Unter dem Motto „Shifting
your perspective“ organisierten Studie-
rende der Berliner Universitäten ehren-
amtlich Vorträge zu Themen wie Öko-
dörfer oder künstliche Intelligenz. „Wir
haben TEDxTUBerlin ins Leben gerufen,
da gute Ideen gehört und als freie Bil-
dung im Internet verfügbar sein sollen“,
so Nora Oberländer, Organisatorin des
TEDxTUBerlin. Die Initiative freut sich auf
neue Mitglieder.
Die Aufzeichnungen sind im Netz abrufbar
http://tedxtuberlin.de/nextgeneration@
tedxtuberlin.de
mooc: nachhaltige
Verkehrspolitik
sc Die TU Berlin bietet gemeinsam
mit der TU Dresden den Massive Open
Online Course, kurz MOOC genannt,
zum Thema „Zur politischen Ökologie
urbaner Mobilität“ an. Ziel des Kurses
ist es, herauszufinden, wie Verkehr und
Mobilität im städtischen Raum nach-
haltig gestaltet werden können und
welche Rolle die Politik dabei spielen
muss. Von der TU Berlin ist Prof Dr. Oli-
ver Schwedes vom Fachgebiet für Inte-
grierte Verkehrsplanung am Institut für
Land- und Seeverkehr beteiligt. Inter-
essierte können sich jederzeit kostenlos
anmelden.
https://mooin.oncampus.de/mod/page/
view.php?id=7510
doppelabschluss erwerben in
der eiT digital master school
kj Im November 2016 feierte der dritte
Jahrgang der EIT Digital Master School
seine Graduierung in Stockholm. Die TU
Berlin ist eine von 20 technischen Univer-
sitäten, Forschungs- und Industriepart-
nern, die an der Master School mit dem
englischsprachigen Master-Programm
ICT Innovation beteiligt ist. In dem
Master-Programm wird ein technisches
Hauptfach mit dem Nebenfach „Inno-
vation & Entrepreneurship“ kombiniert
und ein Doppelabschluss von zwei eu-
ropäischen Top-Universitäten erworben.
Interessierte können sich bis zum Früh-
jahr 2017 bewerben.
www.masterschool.eitdigital.eu
campusblick
Sonnenenergie
für die
TU Berlin
kj Seit 2014 plant der Verein So-
lar Powers, auf 500 Quadratmetern
des Dachs der Volkswagen Univer-
sitätsbibliothek der TU Berlin eine
Photovoltaikanlage mit einer Mo-
dulleistung von rund 29,9 kWp (Ki-
lowatt Peak) zu errichten. Nachdem
die 50 000 Euro Baukosten über
Sponsoren und eine Crowdfunding-
Kampagne eingeworben werden
konnten, war es jetzt so weit: Die
ersten Module wurden auf den Dä-
chern der TU Berlin installiert. So-
lar Powers ist ein gemeinnütziger
Verein und gleichzeitig ein Studie-
rendenprojekt des Energieseminars
an der TU Berlin. Entstanden ist So-
lar Powers aus einem Projektsemi-
nar heraus. Mit diesem Pilotprojekt
soll die Rentabilität einer flächen-
deckenden Photovoltaikanlage auf
den Dächern der TU Berlin bewie-
sen werden.
www.solarpowers.de
studieren mit 16 – das klingt nach
hochbegabten Jugendlichen, die nur in
formeln denken können. „das ist aber
mitnichten der fall“, weiß claudia cifire
von der allgemeinen studienberatung
der Tu Berlin, zuständig für die schüler-
studierenden der Tu Berlin. „Natürlich
haben wir immer wieder hochbegab-
te Jugendliche darunter oder solche,
die sich ausschließlich für bestimmte
spezialgebiete interessieren. aber in
der mehrzahl sind unsere schüler vor
allem hoch motiviert und vielseitig in-
teressiert.“
Seit zehn Jahren bietet die TU Ber-
lin allen interessierten Schülerinnen
und Schülern die Möglichkeit, sich als
Gasthörer einzuschreiben, bestimmte
Module zu studieren und auch mit
einer Prüfung abzuschließen. „Der
Vorteil für die Schülerstudierenden:
Sie bekommen eine Art ,Freischuss‘
wenn sie die Prüfung bestehen, kön-
nen sie sich das später als Studienleis-
tung anerkennen lassen. Wenn nicht,
erscheint das nirgendwo und schmälert
nicht ihre Prüfungsversuche im regulä-
ren Studium“, weiß Claudia Cifire, die
als Projektleiterin von „Studieren ab
16“ viele der Jugendlichen persönlich
kennt und lange begleitet.
Die persönliche Betreuung, die große
Bandbreite an Modulen und auch der
einfache Zugang zu dem Studienplatz
sind nicht zuletzt die Eckpfeiler des
großen Erfolgs des Schülerstudiums
an der TU Berlin. Jedes Semester wäh-
len zwischen 80 und 100 Schüler und
Schülerinnen aus dem umfangreichen
Modul-Angebot. Die Geschlechter
sind dabei nahezu ausgeglichen, rund
ein Drittel der Schülerstudierenden hat
einen Migrationshintergrund. Von 795
Teilnehmenden, die inzwischen das
Abitur ablegten, haben 311 ein Stu-
dium an der TU Berlin aufgenommen.
Seit acht Jahren ist das Lessing-Gym-
nasium aus Berlin-Mitte eine der
teilnahmestärksten Schulen bei dem
Programm. „In unserer Schule gibt es
neben Kindern bildungsnaher Eltern-
häuser auch viele Kinder, die als Erste
in ihrer Familie überhaupt ein Abitur
anstreben. Aber wir versuchen zu ver-
mitteln, dass Leistung etwas Positives
und Bildung cool ist. Jedes Jahr neh-
men zwischen fünf und zehn Schüler
und Schülerinnen unseres Gymnasi-
ums teil. Lehrer und Eltern müssen
natürlich zustimmen, aber unser Kol-
legium unterstützt das sehr, und wir
gehen gemeinsam mit allen interes-
sierten Jugendlichen zu der Infoveran-
staltung der TU Berlin“, sagt Michael
Wüstenberg, Schulleiter am Lessing-
Gymnasium. „Das Programm der TU
Berlin gefällt mir besonders gut, weil
es niederschwellig ist– es kostet nichts,
weder Lehrer noch Jugendliche müs-
sen Tests oder Bewerbungsschreiben
ausfüllen, und alle Beteiligten können
ohne Nachteile abbrechen, wenn es zu
Problemen kommt. Wobei wir von Sei-
ten der Schule noch nie einschreiten
mussten.“
Katharina Jung
Wenn Schule allein nicht ausreicht
Seit zehn Jahren existiert das Schülerstudium an der TU Berlin
Sonderregelungen für die Schülerstudierenden gibt es dabei
nicht. „Sie müssen den gleichen Anforderungen genügen wie
alle anderen Studierenden– und tun das auch“, weiß pRofes-
soR ReiNhaRd NaBBeN vom Institut für Mathematik an der
TU Berlin. „Meine mathematischen Grundlagen-Vorlesungen
besuchen regelmäßig Schüler. Sie schneiden in den Prüfungen
oft überdurchschnittlich gut ab.“
YaNNicK sTRocKa
ist 18 Jahre alt und
besucht die 12.
Klasse des Albert
Einstein Gymna-
siums. Er nimmt
bereits seit zwei Jahren am Schülerstu-
dium teil und belegt größtenteils Mo-
dule aus der physikalischen Ingenieur-
wissenschaft– genau da liegt auch sein
Studienwunsch. „Für meine Mitschüler
ist die Uni eine Art Mysterium. Ich ge-
nieße die entspannte Atmosphäre dort
und empfinde die Mischung aus Schule
und Uni nicht als Extra-Stress. Mathe
und Physik machen mir Spaß, und die
Uni bietet mir die Möglichkeit, meine
Grenzen auszutesten.“
gReNzeN ausTesTeN
JasmiN sTaRKe
ist 23 Jahre alt,
studiert Biotech-
nologie an der TU
Berlin und arbeitet
in der Studienbe-
ratung der TU Berlin– in dem Bereich
„Studieren mit 16“. „Während meiner
Schulzeit habe ich sechs Semester lang
Module aus der Biologie und Physik be-
legt. Mir fiel damals durch einen glück-
lichen Zufall ein Flyer des Programms
in die Hände und ich fand, es sei eine
einzigartige Chance, die Uni schon vor
dem Abitur kennenzulernen. Man lernt
viel über die spätere Studienentschei-
dung, sein Zeitmanagement und seine
Lernstrategien.“
Fak. I Geistes- und Bildungswissenschaften
Fak. II Mathematik und Naturwissenschaften
Fak. III Prozesswissenschaften
Fak. IV Elektrotechnik und Informatik
Fak. V Verkehrs- und Maschinensysteme
Fak. VI Planen Bauen Umwelt
Fak. VII Wirtschaft und Management
ehemalige Teil nehmende, die heute
immatrikuliert sind (ws 16/17)
© TU Berlin/PR/Jacek Ruta
© Solar Powers (2)
© Julia Palliwoda
© privat
© privat © privat
seite 6 Tu intern · Nr. 12/2016
FORSCHUNG
„es ist ein nationales groß-experi-
ment“, sagt dipl.-ing. markus graebig
vom fachgebiet energiesysteme der
Tu Berlin. „230 millionen euro gibt
das Bundeswirtschaftsministerium für
die schaffung von fünf modellregio-
nen in deutschland aus, die eine um-
fassende intelligente Vernetzung aller
Teilnehmer im energiesystem– von der
produktion bis zum Verbraucher– her-
stellen und so zum schaufenster der
energiewende in deutschland werden
sollen.“ am 6. dezember 2016 wurden
die förderbescheide im ministerium
übergeben. damit fiel nach zweijäh-
riger Vorbereitungszeit der offizielle
startschuss für den aufbau der nord-
ostdeutschen modellregion für intelli-
gente energie windNode.
Fünf große Konsortien also, die im
BMWI-Programm „Schaufenster in-
telligente Energie– Digitale Agenda
für die Energiewende“ (SINTEG)“
gefördert werden. Markus Graebig
hat als Projektleiter die Antragstellung
von „WindNODE“ verantwortet, der
Modellregion Nordostdeutschland, die
allein rund 36 Millionen Euro der För-
dersumme erhält. Rund 50 Partner aus
allen sechs nordostdeutschen Bundes-
ländern arbeiten in dem Konsortium
zusammen, führende Unternehmen
der Energiewirtschaft, der Informa-
tions- und Kommunikationstechnik
mit vielfältigen Energienutzern aus
Industrie, Gewerbe und Privathaushal-
ten– und natürlich die Wissenschaft:
Neben der TU Berlin sind Hochschu-
len wie die BTU Cottbus, die Hoch-
schule für Technik und Wirtschaft
Berlin, die Universitäten aus Magde-
burg und Leipzig, die Fraunhofer-Ge-
sellschaft e.V. und viele andere dabei.
Angeführt wird das Konsortium vom
Verbundkoordinator „50Hertz“ sowie
von einem Lenkungskreis, dem unter
anderem die Unternehmen Siemens
und Stromnetz Berlin angehören.
„Es geht darum, Musterlösungen
dafür zu finden und zu demons-
trieren, wie große Mengen
erneuerbarer Energien kli-
mafreundlich, sicher und effi-
zient in das System integriert
werden können“, erläutert
Markus Graebig, der mit dem
Start des Projekts 2017 als
Projektleiter für WindNODE
zu „50Hertz“ wechselt.
Sein Fachgebiet unter Leitung
von Prof. Dr. Georg Erdmann war
maßgeblich an der Konzeptionierung
der Schaufenster-Idee beteiligt. Ent-
sprechend ist die TU Berlin auch ei-
ner der größten Wissenschaftspartner
in diesem Verbundprojekt. Sie bringt
Kompetenzen aus drei Fakultäten ein:
aus der Fakultät III Prozesswissen-
schaften das Fachgebiet Energiesys-
teme (Prof. Dr. Georg Erdmann), aus
der Fakultät IV Informatik und Elek-
trotechnik das Fachgebiet Energiever-
sorgungsnetze und Integration Erneu-
erbarer Energien (Prof. Dr. Kai Strunz)
sowie das DAI-Labor (Distributed Arti-
ficial Intelligence Laboratory, Prof. Dr.
Sahin Albayrak), aus der Fakultät VI
Planen Bauen Umwelt das Fachgebiet
Ökologie– Standortkunde und Boden-
schutz (Prof. Dr. Gerd Wessolek).
Warum sich gerade Nordostdeutsch-
land als Modellregion der Energiewen-
de so gut eignet, erklärt Markus
Graebig so: „Bereits heute stam-
men etwa 49 Prozent des Strom-
verbrauchs der Region aus erneu-
erbaren Energien, und aufgrund
ihrer Produktionsüberschüsse ist
die Region ein großer Energie-
exporteur. In der gesamten
Region mit Ausnahme von
Berlin haben wir stellenweise
so hohe Kapazitäten von installierter
Leistung aus Erneuerbaren, dass bei
idealen Wetterverhältnissen bis zum
Dreifachen des regionalen Strombe-
darfs aus Erneuerbaren erzeugt werden
kann. Wenn allerdings die berühmte
,Dunkelflaute‘ auftritt, können die
Erneuerbaren auch komplett ausfal-
len. Das unterstreicht, womit wir es in
der nächsten Phase der Energiewende
verstärkt zu tun haben werden: noch
höhere Volatilität und höhere Erzeu-
gungsgradienten aus Erneuerbaren,
und die große Frage danach, wie eine
intelligente Systemintegration gelingt.“
Die Speicherung der Überschüsse ist
bekanntermaßen schwierig. Daher
wird nach einem Ausgleich zwischen
Erzeugung und Nutzung gesucht. Eine
regelrechte Transformation der Bran-
chen rückt ins Visier der Forschenden
und der Industriepartner, gespeist aus
massenmarkttauglichen Innovationen.
Was heißt das im Einzelnen?
„Zum Beispiel wird das Fachgebiet
von Prof. Erdmann zusammen mit
dem Partner Siemens ein Modell er-
stellen, das volkswirtschaftlich op-
timal Stromspeicher, flexible Lasten
und flexibles Erzeugen kombiniert.
Außerdem werden Kundenwünsche
empirisch untersucht, ebenso die Ak-
zeptanz neuer Produkte und Dienst-
leistungen in der Bevölkerung sowie
ein Konzept für die Fort- und Weiter-
bildung von Energie-Fachkräften“, so
Markus Graebig. Auch ein Name für
das Letztere ist schon gefunden: die
„WindNODE-Akademie“. Professor
Kai Strunz wird mit seinem Team ei-
nen Demonstrator für innovative und
zukunftsfähige Betriebsmethoden des
WindNODE-Netzes entwickeln und
hier auch die Funktionen der Smart-
Grid-Technologie testen.
Ein Element „intelligenter Netze“
besteht darin, die Netzzustände und
speziell auch die durch den Strom-
fluss bedingte Leitererwärmung bes-
ser bestimmen zu können. Im Falle
erdverlegter Hochspannungskabel
hat die Erwärmung sowohl technisch-
wirtschaftliche als auch ökologische
Implikationen. „Jeder Boden ist ver-
schieden beschaffen und leitet Wär-
me unterschiedlich gut ab“, erläutert
Professor Gerd Wessolek. Sein Fach-
gebiet wird daher unter anderem ein
Kabel-Monitoring durchführen und
ein numerisches Verfahren entwickeln
(„CableEarth-Modell“), um die Leiter-
und Bodentemperatur für unterschied-
liche Betriebszustände zu berechnen.
Dazu ist die Zusammenarbeit mit dem
Netzbetreiber e.dis geplant. Außerdem
werden im Labor die Wasser- und Wär-
metransporteigenschaften von Böden
und Substraten im Detail untersucht.
Ein besonderes Highlight werden die
Fachgebiete von Professor Erdmann
und Professor Wessolek in Zusam-
menarbeit mit den Kollegen von Berlin
Partner gestalten: Ein „begehbares In-
haltsverzeichnis“, konzipiert als eine
mobile Ausstellung, soll einen Gesamt-
überblick über WindNODE bieten und
damit zugleich einen Beitrag zur Par-
tizipations- und Akzeptanzforschung
leisten. Das Konzept umfasst auch
hochinnovative Formate wie „Ener-
gy meets Art“ in Zusammenarbeit
mit der Hybrid Plattform, mit denen
der interessierten Öffentlichkeit ein
neuer, emotionaler Zugang zu dem
ansonsten oft als trocken und abstrakt
empfundenen Thema der Energiever-
sorgung eröffnet werden soll.
Ein Vorhaben zur Flexibilität der
Energienutzung im Wohnbereich wird
das DAI-Labor
der TU Berlin
mit Prof. Sa-
hin Albayrak
durchführen.
Untersucht
werden 224
Wohnungen in
sechs Häusern
im Berliner Be-
zirk Prenzlauer
Berg. Es soll ein Übergang vom wär-
me- zum stromgeführten Betrieb eines
Blockheizkraftwerks erprobt werden,
wobei die Gebäude und die Heizungs-
systeme kurzfristig als Wärmepuffer
genutzt werden können und so das
Netz flexibel entlasten.
Markus Graebig: „Mit diesen und vie-
len weiteren Vorhaben wird die Mo-
dellregion Nordostdeutschland zur
Blaupause für die Energiewende.“
Nicht ohne Stolz weist er darauf hin:
„WindNODE hat es sogar bis in den
kürzlich unterzeichneten Koalitions-
vertrag des neuen Berliner Senats ge-
schafft!“ patricia pätzold
www.windnode.de
Schaufenster der Energiewende
Das Projekt WindNODE soll eine Modellregion
für intelligente Energiewirtschaft schaffen.
Alle sechs nordostdeutschen Bundesländer sind beteiligt
Mal zäh, mal zart
Elisabeth Högg untersucht die Ursachen der Qualitätsschwankungen bei vegetarischen und veganen „Schnitzeln“
Der Appetit von Vegetariern und Veganern auf
Produkte, die wie Fleisch schmecken, aber kein
Fleisch sind, ist groß. Laut Aussage des Vegeta-
rierbundes Deutschland verzeichnen Fleisch-
alternativen seit 2008 ein stetiges Umsatzplus
von jährlich rund 30 Prozent.
Hergestellt werden solche vegetarischen oder
auch veganen „Schnitzel“ und „Frikadellen“ oft
aus Soja. Aber die Gier nach Soja, das allerdings
zu 80 Prozent für die Viehfütterung verwendet
wird, hat zum Teil zu verheerenden Folgen für
den Bestand der Regenwälder geführt und dem
Sojaanbau ein miserables Image beschert.
Wissenschaftler und Lebensmittelindustrie haben
deshalb nach einem Ersatz gesucht und ihn in der
Erbse gefunden. Auch sie ist ein hervorragender
Eiweißlieferant und kann hierzulande angebaut
werden. Fleischimitate auf Erbsenbasis werden
bereits industriell hergestellt und sind im Handel
erhältlich.
Aber die Hersteller von Fleischersatz auf Soja-
und/oder Erbsenbasis stehen vor einer Heraus-
forderung: Soja variiert erheblich in seiner Be-
schaffenheit, sodass die hergestellten Produkte
stark in ihrer Qualität schwanken. Mal hat das ve-
gane „Fleisch“ die gewünschte faserige Struktur,
wie man sie von gutem Schweinefleisch kennt,
dann wiederum ist es zäh oder schwammig.
„Im Moment untersuchen wir, was die Ursachen
für diese Qualitätsschwankungen sind“, sagt die
Lebensmitteltechnologin Elisabeth Högg, die am
Fachgebiet Lebensmittelbiotechnologie und -pro-
zesstechnik unter Leitung von Prof. Dr. Cornelia
Rauh forscht. In zwei Jahren jedoch wollen sie
und ihre Kollegen vom Deutschen Institut für Le-
bensmitteltechnik (DIL), vom Karlsruher Institut
für Bio- und Lebensmitteltechnik und von Part-
nern aus der Industrie wie dem Fachverband Nah-
rungsmittel- und Verpackungsmaschinen schlauer
sein. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt,
dessen sperriger Titel nur etwas für Insider ist,
sollen die beim Herstellungsprozess ablaufenden
Mechanismen erforscht werden. Denn es fehlen
entscheidende Kenntnisse über die bei der Pro-
duktion stattfindenden Wechselwirkungen.
Die Herstellung dieser fleischähnlichen Soja- be-
ziehungsweise Erbsenmasse beruht auf dem Ver-
fahren der Extrusion. Das Soja- oder Erbsenmehl
wird mit Wasser in einem sogenannten Extruder
unter hohem Druck, hohen Scherkräften und bei
Temperaturen über 100 Grad Celsius zu einer
teigigen Masse geknetet. Aus dem Extruder wird
sie dann in eine Kühldüse gedrückt und dort auf
70 bis 50 Grad Celsius heruntergekühlt. „Wir
vermuten, dass bei einer schnellen Abkühlung
die Faserbildung vermindert wird; eine langsa-
me und gleichmäßige Abkühlung die Faserbil-
dung jedoch unterstützt“, so die 27-Jährige, die
in München Lebensmitteltechnologie studierte
und nun bei Cornelia Rauh promoviert. Der Part
des TU-Teams in dem Projekt (AiF 18727) ist es,
den Einfluss der Kühldüse auf die Textur der Erb-
senmasse zu erklären. Elisabeth Högg führt ihre
Experimente mit Erbsenmehl durch.
Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft-
ler ist es, exakte Aussagen darüber treffen zu kön-
nen, wie sich das Zusammenspiel von Rohstoff,
Extruder und Kühldüse verhält.
sybille Nitsche
Die Modellregion Nordostdeutschland (blau)
und die Partner aus Wirtschaft und Forschung
Markus Graebig
© TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
© Vattenfall
© Karte: WindNODE
© privat
Tu intern · Nr. 12/2016 seite 7
FORSCHUNG
JuNge wisseNschafT
Spektrale
Himmelsmodelle
Tageslicht tut gut. Es wirkt sich po-
sitiv auf die Gesundheit, Leistungs-
fähigkeit und das Wohlbefinden des
Menschen aus. In der Stadtplanung
gibt es mittlerweile Tageslicht-Mas-
terpläne, um diese Ressource besser
zu nutzen, da die Verdichtung der
Städte zunimmt. Die Wissenschaft-
lerin Aicha Diakite untersucht in
ihrer Doktorarbeit „Tageslicht-
Masterplanung als neue nachhal-
tige Stadtplanungsstrategie“, wel-
che Faktoren bei der Planung mit
Tageslicht relevant sind und welche
Wissenslücken geschlossen werden
müssen, damit die physiologischen
und psychlogischen Wirkungen des
natürlichen Lichtes in Gebäuden
zum Tragen kommen. „Um die Ta-
geslichtnutzung in Gebäuden zu
optimieren, sind zusätzliche Infor-
mationen zur zeitlichen und örtli-
chen Farbverteilung des Himmels
erforderlich“, sagt die 33-Jährige,
die in Poznan (Polen) und an der
TU Berlin Elektrotechnik studier-
te und zurzeit am TU-Fachgebiet
Lichttechnik bei Prof. Dr. Stephan
Völker promoviert. In ihrer Arbeit
will sie deshalb die Beschreibung
des Tageslichtangebotes um spekt-
rale Tageslichtinformationen erwei-
tern, indem sie spektrale Himmels-
modelle entwickelt. Diese sollen in
Abhängigkeit von verschiedenen
Parametern wie Standort, Sonnen-
position, Himmelstyp (klar oder be-
deckt), Orientierung des Gebäudes
sowie Verbauungsgrad und Reflexi-
on des gegenüberliegenden Gebäu-
des Stadtplanern darüber Auskunft
geben, wie Gebäude und Quartie-
re hinsichtlich des spektralen Ta-
geslichtpotenzials geplant werden
müssen. Ihre Forschungen fanden
im Rahmen eines vom Bundeswirt-
schaftsministerium geförderten Vor-
habens statt.
sybille Nitsche
Aicha Diakite
Kunststoff aus strom
und selters
pp Plastiktüten und andere Produkte
aus Kunststoff werden aus Ethylen her-
gestellt– genauer: aus Polyethylen. 140
Millionen Tonnen des kohlenstoffbasier-
ten Chemierohstoffs werden jährlich
weltweit produziert. Erdöl ist der Roh-
stoff dafür. Das Produktionsverfahren bei
Temperaturen um 800°C ist energiein-
tensiv und wenig nachhaltig. Forscher
um den TU-Chemiker Prof. Dr. Peter
Strasser, die sich mit elektrochemischer
Katalyse befassen, wollen nun mit wei-
teren Partnern aus Wissenschaft und In-
dustrie eine nachhaltige Alternative dazu
entwickeln: die Produktion von Ethylen
aus Sprudelwasser– also Kohlendioxid
und Wasser– und regenerativem Strom.
„eEthylen“ heißt das Verbundprojekt.
Die Partner wollen eine neuartige, kom-
plexe elektrochemische Technologie
entwickeln, die Ethylen aus Kohlendioxid
und Wasser synthetisiert und aus diesem
Prozess als Nebenprodukt ausschließlich
reinsten Sauerstoff entlässt. So werden
im Gegensatz zum herkömmlichen Ver-
fahren keine umweltschädlichen Ne-
benprodukte freigesetzt. Die benötigte
Energie wird elektrisch zugeführt und
stammt aus erneuerbaren Quellen. Das
Verbundprojekt wird mit insgesamt 1,5
Millionen Euro gefördert im Rahmen des
BMBF-Programms „CO2Plus– Stoffliche
Nutzung von CO2“.
www.tu-berlin.de/?id=28645
Neu bewilligt
© privat
Neuartige Membranen gegen schädliche Eiweiße
Forscher wollen neue Kunststoffe für den Einsatz in der Dialyse entwickeln
sn Neuartige Membranen zu entwi-
ckeln, die durch gezielte strukturelle
Veränderungen an ihrer Oberfläche
bei der Dialyse schädliche Eiweiße wie
das C-reaktive Protein aus dem Kör-
per entfernen können– das ist das Ziel
des Projekts „Membrantechnologien
MembraTech“. Es ist angesiedelt in der
Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Roderich
Süssmuth, Leiter des Fachgebiets Bio-
logische Chemie, in Kooperation mit
der Firma Pentracor GmbH. Im Rah-
men des Europäischen Fonds für regi-
onale Entwicklung (EFRE) wird es mit
mehr als einer Million Euro gefördert.
Bei der Blutreinigung in der Dialyse
erfolgt ein Stoffaustausch über eine
Membran. Dialyse-Membranen wer-
den mit Hochleistungspolymeren,
speziellen Kunststoffen,
hergestellt. Sie unterschei-
den sich von Standard-
kunststoffen durch ihre
besonderen Eigenschaften.
Bei den Dialyse-Membra-
nen werden zum Beispiel
modifizierte Polyimide,
Polyethersulfone (PES)
und Polysulfone (PSF)
verwendet. Besonder-
heiten dieser Materialien
sind ihre ausgezeichneten
optischen Eigenschaften,
die hohe thermische, che-
mische und mechanische
Stabilität sowie ihre Resistenz gegen
extreme pH-Werte. Lange Zeit wa-
ren die Herstellungsmethoden für
die Veränderung dieser Polymere mit
sehr toxischen und umweltunverträg-
lichen Chemikalien verbunden. Dem
Team von Roderich Süssmuth gelang
es jedoch, eine kostengünstige und
extrem umweltfreundliche Methode
zu entwickeln, die unlängst patentiert
wurde. Diese Methode, die den Aus-
gangspunkt für die Modifizierung von
Membranoberflächen darstellt, basiert
auf dem umweltfreundlichen Green-
Chemistry-Konzept. Sie verwendet
nachhaltige Rohstoffe wie Wasser und
verzichtet auf den Verbrauch von gro-
ßen Mengen an umweltschädlichen
Lösungsmitteln. Die Pentracor GmbH
untersucht die neuartigen Membranen
auf deren Einsatzmöglichkeiten hin,
damit sie später im großen Maßstab in
hochwertige Medizinprodukte einge-
baut und beispielsweise in der Dialyse
eingesetzt werden können.
Chemikerin Bianca Schmid im Labor
herr drieß, wird die „grüne chemie“ das
image der chemie wandeln?
Davon bin ich überzeugt, denn sie
wird auch eine „Chemiewende“ ein-
leiten. Klima- und Umweltschutz
oder Abfall-Recycling verlangen heu-
te umweltschonendere, nachhaltigere
Prozesse. Die „Grüne Chemie“ hat
den Namen durch ihre systemische,
ökologische Herangehensweise. Sie
betrachtet das Gesamtsystem von der
Herstellung bis zum „Danach“, zum
Recycling eines Stoffes. Sie fordert,
bei allen chemischen Prozessen be-
reits in der Vorbereitung den gesam-
ten Lebenszyklus der verwendeten
Stoffe zu berücksichtigen, auch der
Abfallprodukte. Schon in der Reakti-
onsplanung stellt sie also Fragen wie:
„Kann man als Reaktionsmedium für
eine Stoffumwandlung Wasser neh-
men statt Benzol oder Ether? Kann
man Stoffe vermeiden, die später in
der Nahrungskette, im Trinkwasser, in
der Atmosphäre nachfolgende Proble-
me verursachen, dort verbleiben oder
aufwendig entfernt werden müssen? Je
weniger Schadstoffe also von vornhe-
rein eingesetzt werden, desto leichter
und rentabler ist der abschließende
Reinigungsprozess und desto umwelt-
verträglicher das gesamte Verfahren.
das klingt logisch und einfach. warum
kommt man jetzt erst darauf?
Klingt einfach, ist es aber nicht. Auch
in der Katalyse müssen „grüne“ Ver-
fahren ja vielfach erst entwickelt wer-
den. In unserem Exzellenzcluster Uni-
Cat haben wir die Grundlagen gelegt,
die einzelnen Schritte für katalytische
Prozesse betrachtet und analysiert und
können solche, ökologisch betrachtet,
drastisch verbessern. Daraus können
wir nun in einem zweiten Schritt
kreative und innovative Verfahren im
Sinne einer „Grünen Chemie“ entwi-
ckeln, zum Beispiel für die Medika-
menten- oder Materialienherstellung.
was verursacht besondere probleme
beim Recycling?
Im Alltag kommen sehr viele Kunst-
stoffe vor, beispielsweise Silikone:
Kosmetika, Implantate, Plastikschüs-
seln, Küchengeräte und vieles andere.
Sie enthalten künstliche, mit hohem
Aufwand und durch hohen Druck
und hohe Temperaturen mit enor-
mem Energieverbrauch hergestellte
Organosiliciumverbindungen, die in
der Natur nicht vorkommen und für
die die Natur also auch keinen Ab-
baumechanismus kennt. Was aus dem
Haushalt auf den Müll kommt, bleibt
also sehr, sehr lange in der Welt. Dies
durch pfiffige katalytische Reaktionen
in Wasser abzubauen, ist ein wichtiges
Ziel. Auf den Weltmeeren schwimmen
heute rund 250 Millionen Tonnen Ver-
packungsmaterial aus Polyethylenen–
eine unerträgliche Belastung für Um-
welt und Nahrungskette. Wir brauchen
weit mehr Verfahren, um die bereits
vorhandenen Problemstoffe wieder
aus der Welt zu schaffen, sie zum Bei-
spiel in kleinere Bausteine zu zerlegen
und einer Wiederverwertung zuzufüh-
ren. Ein wichtiges Ziel ist die rigorose
Durchsetzung von umweltschonende-
ren Verfahren für leichter abbaubare
Polymere, die nach dem Recycling zum
Beispiel auch in der Düngemittelpro-
duktion Verwendung finden können.
Besonders im Fokus steht dabei, Poly-
mere aus nachwachsenden Rohstoffen
herzustellen und leicht abbaubar zu
machen, ohne mit der Nahrungsmit-
telproduktion zu konkurrieren. Wir
untersuchen in UniCat neue katalyti-
sche Wege, um aus organischen Rück-
ständen von Pflanzen neue polymere
Materialien zu machen. Wenn dies res-
sourcenschonend und effizient gelingt,
dann schützt das Umwelt und Klima–
wie es die Natur auch macht.
der chemischen industrie wird ja vorge-
worfen, weniger die umwelt als vielmehr
den Rentabilitätsgedanken in den Vorder-
grund zu stellen.
Das ist sehr pointiert gesagt: Natürlich
ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit
in der Industrie groß, aber es muss
auch Geld verdient werden. Das größ-
te Hemmnis ist vielmehr die fehlende
Akzeptanz von Neuentwicklungen
in der etablierten Industrie, weil das
mehr Investitionen verlangt und Kun-
den für das gleiche Produkt mehr be-
zahlen müssen. Da ist dann die Politik
gefragt, die für das Große und Ganze
verantwortlich ist und klare Vorgaben
machen muss. Auch wenn das weiter
aufgeschoben wird, wir werden nur
Erfolg haben, wenn wir nach umwelt-
verträglicheren und zugleich rentablen
Verfahren suchen, wobei die Ökologie
im Vordergrund stehen muss. Viele tol-
le Ideen aus den Naturwissenschaften
kommen nicht in die praktische An-
wendung, weil die Risikobereitschaft
der Industrie nicht sehr hoch ist. Man
muss also jungen Erfindern ermög-
lichen, in einer Nische mit ihren fri-
schen Ideen ein eigenes Unternehmen
zu gründen und potenzielle Kunden zu
finden. Dafür fehlt es derzeit noch an
Infrastrukturen.
Den „Spirit“ haben wir allemal in
UniCat mit der angeschlossenen Gra-
duiertenschule BIG-NSE, doch die gut
ausgebildeten Leute mit den zünden-
den Ideen verlieren wir später, weil
es in Berlin kaum Laborplätze für die
Vorgründerphase gibt und auch chemi-
sche Industrie rar ist. Durch die feh-
lende Infrastruktur zur Sondierung
einer chemischen Ausgründung wird
es verpasst, zukünftige gut bezahlte
Arbeitsplätze zu generieren. Eine Su-
peridee wäre ein Inkubatorzentrum,
ein Raum in der Art einer „Factory“,
wo man von der Idee über die Markt-
analyse bis zur Erprobungsphase diese
sogenannte „Vorgründerphase“ durch-
leben kann. Für so etwas ist eine Uni-
versität, an der ein erfolgreicher Exzel-
lenzcluster wie UniCat seit fast zehn
Jahren besteht, eine besonders gute
Geburtsstätte. Dort sind vielfältige
Expertise, Analysenmethoden, kurze
Wege und disruptive Ideen zu Hause.
die Tu Berlin hat ja bereits ein erfolgrei-
ches centre for entrepreneurship…
Ja, die Entrepreneur-Betreuung hier
ist exzellent. Aber es fehlen für Che-
miker die Labore. Die sind natürlich
teuer und brauchen auch viel Platz.
Man bräuchte also einen Gebäude-
komplex, in dem Beratung, Labore
und Büros integriert sind, ausreichend
für eine kritische Masse an Leuten, die
notwendig ist, damit der Austausch
stattfinden kann. Das Potenzial haben
wir allemal. 60 Prozent der deutschen
Start-ups aus dem Chemiebereich sind
jetzt schon in Berlin ansässig, weil die
hiesigen Universitäten exzellente Ab-
solventen hervorbringen und in einzel-
nen Laboratorien einige Kollegen der
Berliner Unis in der Inkubationsphase
Hilfe leisten. Da muss aber noch weit
mehr Kapazität zur Verfügung gestellt
werden. Derzeit verlieren wir ja nicht
nur Gründungswillige, die Berlin oder
sogar Deutschland den Rücken keh-
ren, sondern auch noch die guten
Ideen. Von denjenigen nämlich, die
in die etablierte Industrie gehen, die
sich wiederum vor allem die bereits im
Portfolio vorhandenen und vielleicht
verbesserten Verfahren herausgreift
und in den Schubladen verschwinden
lässt. Mit einem Vorgründerzentrum
für chemische Start-ups können wir
unser Schicksal selbst in die Hand neh-
men und den Grundstein für eine blü-
hende Landschaft von produzierenden
Ausgründungen legen.
das gespch führte patricia pätzold
Blühende Landschaften
„Grüne Chemie“ eröffnet Chancen
für eine „Chemiewende“ und für Gründungswillige
Nach gefragt bei …
… Prof. Dr. Matthias Drieß
Professor für Metallorganische
Chemie und Anorganische
Materialien an der TU Berlin
sowie Sprecher des Exzellenz-
clusters für Katalyseforschung
„UniCat“
© David Ausserhofer
© TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
Der Chemiker und
Katalyseforscher Matthias
Drieß setzt sich auch da-
für ein, die Studierenden
der Naturwissenschaften
früh auf das Thema
Gründung aufmerksam
zu machen (siehe auch
Umfrage Seite 2)
seite 8 Tu intern · Nr. 12/2016
AKTUELLE DISKUSSION
Verbrennung nicht verteufeln
Von Roland Baar
D
ie komplexe Diskussion um zukünf-
tige Antriebssysteme ist nicht durch
ein einfaches Entweder-oder zu klären.
Die derzeitigen Möglichkeiten von Elekt-
rofahrzeugen lassen ein ernsthaftes Verbot
von Verbrennungsmotoren ab 2030 nicht
zu. Vielmehr ist die Frage, wie künftig CO
2
-
neutrale Mobilität erreicht wird. Hierfür
gibt es verschiedene technische Lösungen,
und Verbrennungsmotoren bieten auch
langfristig sehr ansprechende Potenziale.
Ich staune, wie leichtfertig bei uns vom
Ende von Verbrennungsmotoren gespro-
chen wird. Ein Land, das die Entwicklung
und Produktion dieser Technologie wie
kein anderes dominiert hat, gibt sie auf,
ohne eine technische Alternativlösung. Die
aktuelle Diskussion hat sich von den Fak-
ten gelöst und wird von Dogmen bestimmt.
E-Mobilität hat mehrere Schwächen, viel-
leicht unüberwindbare.
Unsere Elektrizität wird
heute noch lange nicht
CO
2
-neutral produ-
ziert. Mit dem aktuellen
deutschen Strommix
erzeugen E-Fahrzeuge
mehr CO
2
als moderne
Verbrennungsmotoren.
Dass sich diese Situati-
on schnell ändern kann,
erscheint zweifelhaft.
Einerseits ist es gesell-
schaftlich gewollt, die
Kernenergie abzuschaf-
fen, andererseits gibt
es unter anderem zu-
nehmenden Widerstand
gegen Windenergie.
Und selbst wenn unse-
re Elektrizität CO
2
-frei
erzeugt wird, liegt die
Zukunft der Mobilität in
Verbrennungsmotoren.
Besonders die Aufrechterhaltung des Lang-
streckenflugs erfordert eine Alternative zu
fossilen, flüssigen Kraftstoffen. Diese sind
heute in Form biologischer und syntheti-
scher Kraftstoffe bereits greifbar. Elektrizi-
t wird in synthetischen Kraftstoffen wie
in Batterien chemisch gespeichert. Kraft-
stoffe haben dabei zwei Vorteile: Ener-
giedichte und Tankgeschwindigkeit. Die
aktuelle Diskussion lässt fälschlicherweise
glauben, mit Batterien könne absehbar
ein vergleichbares Niveau erreicht wer-
den. Tatsächlich gibt es keine technische
Lösung, die einen umfassenden Ersatz des
Verbrennungsmotors ermöglicht. Wollen
wir wirklich auf Elektromobilität setzen,
deren Agenda nicht mehr hinterfragt wird
und deren Zukunft primär von Hoffnung
getragen ist?
Der Verbrennungsmotor darf nicht ab-
geschrieben werden. Die eigentliche
Erfindung dahinter sind nicht Kolben,
Einspritzsysteme oder Abgasturbolader,
sondern es ist der Kraftstoff, der wiede-
rum keine Erfindung des Menschen ist.
Die Schöpfung hat Kohlenwasserstoff
als idealen Energiespeicher erfunden.
Wir merken es „am eigenen Leib“, wie
Energie gespeichert wird. Auch Benzin
und Diesel sind solche Kohlenwasser-
stoffverbindungen. Doch wir Menschen
wollen es besser wissen und Energie in
Batterien speichern.
In einer zunehmend virtuell werdenden
Welt wird vielleicht vergessen, dass Ener-
gie zwar nicht sichtbar ist, aber doch real
existiert und enorme Ressourcen benötigt.
Die Verbrennung wird verteufelt, obwohl
Feuer der Menschheit viel Gutes ge-
schenkt hat, wie Schutz,
Wärme und Licht. Dabei
liegt das Problem dar-
in, dass wir Menschen
verschwenderisch viele
Ressourcen verbrau-
chen. Doch dies wird
nicht reduziert, indem
man von Verbrennungs-
motoren auf Elektromo-
toren umstellt. Das Ge-
genteil ist der Fall.
Die Frage der Tech-
nologie künftiger An-
triebsstränge sollte im
sportlichen Wettbewerb
ausgetragen werden.
Doch dazu muss man die
Realität vollständig aus-
sprechen. Naturgesetze
lassen sich nicht ver-
biegen. Ich stelle mich
jeder ehrlichen Diskus-
sion, um zu zeigen, dass
vermeintlich alte Technologie zukunfts-
weisend ist. Ein „Wettbewerb der Syste-
me“ ist auf jeden Fall ein guter Weg, die
Zukunft der Antriebssysteme glaubwürdig
zu bewerten. Die Zukunft wird geprägt
von größerer Vielfalt von Energieträgern
und Antriebssystemen. Elektrofahrzeu-
ge für bestimmte lokale Anwendungen,
Verbrennungsmotoren für Langstrecken
und LKW sowie Hybridantriebe, die die
Vorteile beider Systeme vereinen. Wir
als Wissenschaftler müssen dabei helfen,
innovative und nachhaltige Lösungen zu
erarbeiten. Mit Mut, Ressourcen und nicht
zuletzt Lust zur Forschung. Denn ich bin
sicher, dass der Verbrennungsmotor uns
alle überleben wird.
www.vkm.tu-berlin.de
Mission Zero Emission
Von Dietmar Göhlich
E
missionsfreier Verkehr– diese Forde-
rung steht mittlerweile auf der Agenda
zahlreicher kommunaler bis europäischer
Initiativen. So forderte erst kürzlich der
Deutsche Bundesrat die
EU auf, darauf hinzuar-
beiten, dass spätestens
ab 2030 EU-weit nur
noch emissionsfreie
PKW zugelassen wer-
den. Die Ziele sind Kli-
maneutralität – durch
die Reduzierung der
Treibhausgasemissio-
nen– und eine Verbes-
serung der Luftqualität,
insbesondere in Städ-
ten – durch reduzierte
Schadstoffemissionen.
Doch mit welchen
Technologien lassen
sich Treibhausgas- und
Schadstoffemissionen
nachhaltig reduzieren?
Durch Biokraftstof-
fe lässt sich die Kli-
maneutralität zumin-
dest theoretisch auch
mit konventionellen
Verbrennungsmotoren
erreichen. Biokraftstoffe aus inländischer
Biomasse sind allerdings begrenzt: Bis
2030, so schätzt man, werden sie lediglich
zehn Prozent des Energiebedarfs für den
Straßenverkehr ausmachen. Der Import ist
kritisch. Die Flächennutzung steht in Kon-
kurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Al-
ternative Verfahren zur Gewinnung synthe-
tischer Kraftstoffe sind sehr energieintensiv
und werden aus heutiger Sicht keinen wirt-
schaftlichen Durchbruch erleben. Zudem
bleibt beim Einsatz von Verbrennungsmo-
toren die Feinstaub- und Stickoxid-Belas-
tung der Atemluft bestehen.
Elektrofahrzeuge hingegen sind lokal
emissionsfrei, sie sind bei niedrigen Fahr-
geschwindigkeiten leiser, erzielen im städ-
tischen Verkehr mit niedrigen Geschwin-
digkeiten und hohem Stop-and-go-Anteil
wesentlich höhere energetische Wirkungs-
grade und reduzieren somit den Primär-
energiebedarf. Auf den ersten Blick kön-
nen sie damit einen wesentlichen Beitrag
zur urbanen Lebensqualität leisten.
Doch die Klimabilanz von Elektrofahr-
zeugen ist nur dann positiv, wenn sie mit
regenerativ erzeugtem Strom betrieben
werden. Der klimapolitische Nutzen ist also
eng mit dem Gelingen der Energiewende
verknüpft. Aktuell wird in Deutschland erst
ein knappes Drittel des Strombedarfs aus
regenerativen Quellen gedeckt. Es sind also
noch viele Fragen offen: Wie kann der Aus-
bau der erneuerbaren Energien beschleu-
nigt werden? Wie können durch die Ein-
bindung von E-Fahrzeugen in intelligente
Versorgungsnetze maximale Effizienz und
Versorgungssicherheit
erzielt werden? Und be-
sonders dringend: Wie
kann der Markthochlauf
elektrischer Fahrzeuge
beschleunigt werden? In
Deutschland und Euro-
pa verläuft dieser sehr
schleppend. In China
dagegen wurden allein
in den ersten acht Mo-
naten dieses Jahres be-
reits 240 000 E-Autos
und -Busse zugelassen.
Hindernisse sind die be-
grenzte Reichweite, die
hohen Kosten, aber ins-
besondere auch die feh-
lende Ladeinfrastruktur.
Die Bundesregierung
fördert nun den Aufbau
eines flächendeckenden
Netzes von Ladestatio-
nen in den nächsten drei
Jahren mit 300 Millionen
Euro.
In dicht besiedelten Städten kann die E-
Mobilität zwar ihre ökologischen Vorteile
am besten ausspielen, doch ein 1:1-Ersatz
der privaten Fahrzeuge durch E-PKW wird
kaum möglich sein, allein schon weil der
Ausbau der Ladeinfrastruktur Grenzen
hat. Dennoch sind die Bedingungen für
den Erfolg der E-Mobilität in der Stadt
günstig. So werden bereits heute Fahr-
zeugflotten gemeinsam genutzt und der
intermodale Verkehr mit öffentlichen Ver-
kehrsmitteln und Kleinstfahrzeugen wie E-
Fahrrädern steigt. Die Automobilindustrie
reagiert darauf: Fahrzeughersteller wollen
und werden sich in Zukunft zu Mobilitäts-
anbietern weiterentwickeln.
Wir Forscher müssen nun Antworten auf
viele technische und ökonomische Fragen
finden, die mit der Einführung emissions-
freier Antriebstechnologien und System-
lösungen zusammenhängen. Der grund-
tzlich eingeschlagene Weg in Richtung
E-Mobilität ist jedenfalls der richtige, und
für eine Übergangszeit ist die Kombination
von Elektro- und Verbrennungsmotor in
sogenannten „Plug-in-Hybriden“ durch-
aus eine gute Lösung.
Der Beitrag entstand unter Mitwirkung
der Arbeitsgruppe Electric Transport So-
lutions (ETS) am Fachgebiet MPM.
www.mpm.tu-berlin.de
NuR Noch emissioNsfReie auTos aB 2030– VisioN uNd wiRKLichKeiT
Kann der Verkehr auf Energie aus fossilen Brennstoffen verzichten?
die Klimabilanz von elekt-
rofahrzeugen ist nur dann
positiv, wenn sie mit rege-
nerativ erzeugtem strom
betrieben werden.
Prof. Dr.-Ing. Dietmar Göhlich,
Leiter des Fachgebiets Methoden
der Produktentwicklung und
Mechatronik (MPM), Sprecher
des vom BMBF geförderten For-
schungscampus Mobility2Grid
Tatsächlich gibt es keine
technische Lösung, die
einen umfassenden ersatz
des Verbrennungsmotors
ermöglicht.
Prof. Dr.-Ing. Roland Baar, Leiter
des TU-Fachgebiets Verbren-
nungskraftmaschinen
Was der Bundes-
rat im Oktober
2016 beschloss,
löste eine umfang-
reiche Diskussion
aus, denn es hat
weitreichende
Konsequenzen:
Spätestens ab
dem Jahr 2030
sollen möglichst
europaweit nur
noch emissions-
freie PKW zu-
gelassen werden
– das „Aus“
für Diesel- und
Benzinfahrzeuge.
Um diesem Ziel
näherzukommen,
soll die EU-Kom-
mission prüfen,
ob die Steuer- und
Abgabenpraktiken
in diesem Sinne
förderlich seien.
Doch ist das hohe
Ziel beim Stand
der bisherigen
technologischen
Entwicklungen zu
erreichen? „TU in-
tern“ fragte zwei
Fachleute nach
ihrer Meinung. pp
© privat
© Kai Abrsch
© Pixelio.de/Rainer Sturm
Tu intern · Nr. 12/2016 seite 9
FORSCHUNG
einblicke in …
… die physik
stromventil für
Nanostrukturen
pp Im Experiment konnten TU-Phy-
siker eine Methode zur Kontrolle von
Stromschwankungen in extrem kleinen
Bauteilen nachweisen. Das zugrunde
liegende Problem ist, dass
Schwankun-
gen des elektrischen Stroms massive
Probleme beim sicheren Betrieb von
Geräten wie Computern, TV-Geräten
oder Werkzeugmaschinen verursachen
können. In vielen elektronischen Bau-
teilen können sie durch Regelkreisläufe
ausgeglichen werden. Schwierig wird
es allerdings bei sehr kleinen Bauteilen,
zum Beispiel in Nanostrukturen, denn
hier müssen quantenmechanische
Fluktuationen von einzelnen Elektro-
nen kontrolliert werden. Forscher an
der TU Berlin und der Universität Han-
nover haben nun experimentell mit ei-
ner modernen Messmethode gezeigt,
wie sich zufällige Stromschwankun-
gen bei quantenmechanischen Tun-
neln in Einzel-Elektronen-Transistoren
kompensieren lassen. Ihre Ergebnisse
veröffentlichten sie in der „Nature Na-
notechnology“. Beteiligt an dem Expe-
riment war die Physik-Arbeitsgruppe
Computergestützte Materialphysik von
Prof. Dr. Tobias Brandes. Mit ihrem Ex-
periment bestätigten sie auf beeindru-
ckende Weise einen theoretischen Vor-
schlag von 2010, ebenfalls aus der TU
Berlin. Und die neue Methode könnte
revolutionäre Wirkung haben. Es stellt
sich nun in der Forschung die Frage, ob
diese Art von Rückkopplungskontrolle
eventuell sogar als Kandidat für eine
mögliche Neudefinition des Amperes
als physikalische Einheit der Stromstär-
ke in Frage kommt.
http://dx.doi.org (doi:10.1038/nnano.
2016.225)
News aus der TU Berlin
Immer besser informiert
www.tu-berlin.de/newsportal
Stabsstelle für Presse,
Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
optisch verbotene
zustände
pp Wenn sich die Theorie im Experi-
ment beweisen lässt, ist das gerade für
die Grundlagenforschung eine Stern-
stunde. Einer Arbeitsgruppe von TU-
Physikern ist es nun mit weiteren Part-
nern gelungen, elementare Prozesse
und Wechselwirkungen von Teilchen in
ultradünnen Nanomaterialien im Experi-
ment nachzuvollziehen, die zum Beispiel
für die Halbleiterforschung und -herstel-
lung von Bedeutung sein können. Die
Physiker aus der Arbeitsgruppe „Nichtli-
neare Optik und Quantenelektronik von
Halbleitern“ von Prof. Dr. Andreas Knorr
konnten ihre Ergebnisse Anfang Novem-
ber 2016 in der Zeitschrift „Nature Com-
munications“ veröffentlichen.
Im Fokus steht hier eine neue Klasse
von dünnen Nanomaterialien, die nur
wenige Atome dick sind: die sogenann-
ten „transition metal dichalcogenides“
(TMDs). Aufgrund ihrer ultradünnen
Beschaffenheit weisen diese Materialien
eine starke Wechselwirkung von Licht,
Materie und Anziehungskraft auf.
Die zusammen mit Partnern aus den
Vereinigten Staaten, aus Schweden
und aus Deutschland gewonnenen Er-
kenntnisse tragen zu einem fundierten
Verständnis der Exziton-Physik in TMDs
bei, insbesondere der Wechselwirkung
von hellen und dunklen Zuständen
aufeinander. Die Ergebnisse sind eine
grundlegende Voraussetzung für die
vielversprechende technologische An-
wendung von TMDs, zum Beispiel in
der industriellen Herstellung von Halb-
leitern.
http://dx.doi.org/doi:10.1038/
NCOMMS13279
Weniger
Abwasser im
Fluss
Technologie zur Zwischen-
speicherung von Mischwasser
funktioniert
tui Die Off-Shore-Technologie
LURITEC/SPREE2011 dient zur
Zwischenspeicherung von Misch-
wasser. Sie soll bei Starkregen
verhindern, dass zu viel Abwasser
in Flüsse gerät. Bei Trockenwetter,
wenn die Kanalisation wieder aus-
reichend Mischwasser aufnehmen
kann, wird es zurück in die Kana-
lisation gepumpt und im Klärwerk
gereinigt. In einem gemeinsamen
Forschungsprojekt der TU Ber-
lin, Fachgebiet Siedlungswasser-
wirtschaft von Prof. Dr. Matthias
Barjenbruch, und der LURI.wa-
tersystems.GmbH mit dem Ge-
schäftsführer Dipl.-Ing. Ralf Steeg
wurde eine Pilotanlage entwickelt,
2012 baulich umgesetzt und 2013
an der Spree als Pilotanlage in
Betrieb genommen. Unterstützt
wurde das Projekt durch die Ber-
liner Wasserbetriebe und mehrere
Ingenieurbüros. Die Anlage ist di-
rekt an eine Mischwasserentlas-
tungsstelle im Osthafen in Berlin-
Friedrichshain angeschlossen und
kann etwa 470 Kubikmeter Misch-
wasser zwischenspeichern. Die TU-
Wissenschaftler führten eine ein-
einhalbjährige Evaluierungsphase
durch und die LURI.watersystems.
GmbH konnte die Anlage im Som-
mer an die Berliner Wasserbetriebe
verkaufen. Ein großer Anteil der
Fördermittel konnte so an das Bun-
desministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) zurückgegeben
werden, das das Projekt mit rund
zwei Millionen Euro gefördert hat-
te. „Nach dem Probebetrieb kann
man sagen, dass das Prinzip funkti-
oniert“, sagt Matthias Barjenbruch.
„Das erfolgreiche Projekt ist ein
Muster der Zusammenarbeit zwi-
schen Praxis und Forschung mit
dem Ziel, anwendungsorientierte
Produkte zu erhalten.“
www.luritec.com
Die intelligente Maschine
„Bottom-3“ steht vor einem Rätsel. er
sieht griffe, Riegel, Klappen und schü-
be. Kann man sie bewegen? Öffnen?
Verschieben? und was passiert dann?
er „weiß“ noch nicht, dass die interes-
santeste Klappe sich nur öffnet, wenn
er die Riegel und schübe in einer be-
stimmten Reihenfolge betätigt; das soll
er durch „physical exploration“ entde-
cken. der Roboter „Bottom-3“ macht
sich an des Rätsels Lösung… er arbei-
tet im „Robotics and Biology Laborato-
ry“ der Tu Berlin, das zum fachgebiet
von prof. dr. oliver Brock gehört. dort
beschäftigt man sich mit dem Bau von
Robotern, die intelligent agieren sollen.
„Ein intelligenter Kakadu warf die ei-
gentliche Ausgangsfrage für dieses Pro-
jekt auf“, erklärt Oliver Brock, der vor
fünf Jahren mit einer Alexander von
Humboldt-Professur zur Erforschung
von künstlicher Intelligenz für auto-
nome Roboter aus den USA an die TU
Berlin wechselte. Sein Fachgebiet „Ro-
botics“ ist eines im Reigen der Diszip-
linen rund um die Intelligenzforschung.
Durch den Fokus auf Roboter wirft es
aber gleichzeitig einen multidisziplinä-
ren Blick auf die Frage der Intelligenz.
„Verhaltensbiologen wollten die ko-
gnitiven Fähigkeiten eines Kakadus
verstehen und gaben ihm ein Rätsel
auf: ein mechanisches Puzzle, das ihm,
wenn er es löste, Zugang zu Futter ge-
währte. Die meisten Kakadus haben
es geschafft, nur wie? Die Kollegen
fragten uns, ob wir einen Roboter ent-
wickeln können, der das Puzzle eben-
falls autonom und durch Interaktionen
lösen kann– um vielleicht auf diese
Weise mehr über die Intelligenz von
Lebewesen zu erfahren.“ Das ist der
Kern des DFG-geförderten Projekts
„Physical Exploration Challenge“.
Noch ist die Frage ungeklärt, was In-
telligenz eigentlich ist. Ist Intelligenz
eine Domäne des Menschen? Lange
hielt man Intelligenz, insbesondere das
autonome Lösen von Problemen und
die Lernfähigkeit für ur-menschlich.
Doch heute kennt man Tiere, die In-
telligenzleistungen wie die Benutzung
von Werkzeugen erbringen, man hat
den Schach spielenden Computer ent-
wickelt, der auf seinem Gebiet mittler-
weile mehr kann als der Mensch.
„Wir wollen Robotern beibringen, ihre
Umgebung autonom zu erforschen,
Dinge auszuprobieren und zu erken-
nen, welche Handlung den größten
Erfolg verspricht, diese zu speichern
und wiederzuverwenden, also einen
Lernprozess zu durchlaufen“, erklärt
Roberto Martin Martin, Ingenieur im
Projektteam. Es ist einer der inter-
essantesten Aspekte der künstlichen
Intelligenz: Der Roboter soll etwas
Neues lernen und dann sein Verhalten
so organisieren, dass er seine Kenntnis
über ein Objekt oder über die Umge-
bung maximiert und dadurch diese
Welt „begreifen“ und manipulieren
kann.
„Die medialen Darstellungen vermit-
teln oft ein irreführendes Bild vom
,intelligenten‘ Roboter“, sagt Prof. Dr.
Marc Toussaint, Informatiker von der
Universität Stuttgart, der am Projekt
beteiligt ist. „Tatsächlich konstruieren
wir Forscher keineswegs den besseren
Menschen. In erster Linie ist der Ro-
boter für uns ein wissenschaftliches
Werkzeug, mit dem wir uns einer
Definition nähern wollen, was Intel-
ligenz eigentlich ist. Im Zuge dessen
entwickeln wir Technologien, die ei-
nerseits eine bedeutende Rolle in der
Industrie spielen können, andererseits
aber auch, wie viele vorherige techno-
logische Fortschritte der Geschichte,
das Selbstverständnis des Menschen
herausfordern.“
Maschinelles Lernen, Mathematik,
Psychologie, Philosophie, Informatik,
Maschinenbau und weiteren Diszipli-
nen bietet die Beschäftigung mit der
künstlichen Intelligenz Anknüpfungs-
punkte.
Manuel Baum zum Beispiel ist der
Informatiker im Team. „Es gibt be-
reits Methoden, mit denen Roboter
aus ihren eigenen Handlungen lernen
können“, erläutert er. „Doch viele
grundlegende Fragen sind noch offen,
besonders bei der Übertragung der
Forschungsergebnisse auf das Verhal-
ten von realen Robotersystemen.“
Dabei geht es sowohl um theoretische
Aspekte als auch um die Fähigkeiten
und Strategien des Roboters zur Wahr-
nehmung, Entdeckung und Exploration
sowie um die zu implementierenden
motorischen Fähigkeiten.
„Bottom-3“ setzt sich auf seinen Rollen
in Bewegung. Die Wissenschaftler ver-
folgen auf dem Bildschirm, was er mit
seinen Kamera-Augen sieht: Er wählt
einen vielversprechenden Griff aus,
fixiert ihn, streckt die blaue, weiche Si-
likonhand aus– die übrigens auch hier
im Labor entwickelt wurde–, schließt
die Finger um den Griff, dreht ihn– und
setzt den Öffnungsmechanismus am
hölzernen Puzzle in Gang. Freut sich
„Bottom-3“ nun wie der kleine Ka-
kadu? Nein– er ist eine „intelligente“
Maschine. patricia pätzold
www.tu-berlin.de/?id=169459
Brillante Laser-Plasmaquelle für Analysen im Nanometerbereich
Stiftungsprofessur Analytische Röntgenphysik ermöglicht exzellente Forschung und Ausbildung aus Berlin für Berlin
Eine hochbrillante Laser-Plasmaquelle
für den weichen Röntgenbereich stößt
auf großes Interesse. Entwickelt wur-
de sie von der Arbeitsgruppe um Prof.
Dr. Birgit Kanngießer, gemeinsam mit
einer Arbeitsgruppe des Max-Born-In-
stituts. Seit einiger Zeit weiß man, dass
ein mit Laserstrahlen erzeugtes Plasma
Röntgenstrahlen mit hoher Brillanz in
diesem Energiebereich erzeugen kann.
Dies ist interessant für alle, die sowohl
technische Strukturen als auch biolo-
gische Systeme mit einer Auflösung im
Nanometerbereich analysieren lassen
möchten. Ein solches Gerät, das die
Analyse im Labormaßstab ermöglicht,
steht nun im Berlin Laboratory for in-
novative X-ray Technologies BLiX auf
dem TU-Campus. Inhaberin der Stif-
tungsprofessur Analytische Röntgen-
physik ist Prof. Dr. Birgit Kanngießer.
Vor sieben Jahren wollten nationale
und internationale Unternehmen die
exzellente Forschung und Ausbildung,
die Birgit Kanngießers Arbeitsgruppe
leistet, in Berlin verorten. 13 Unter-
nehmen schlossen sich zusammen und
beauftragten die Technologiestiftung
Berlin, eine auf sieben Jahre angeleg-
te Stiftung zu schaffen, in der sie sich
für die Röntgenforschung in Berlin
engagieren konnten, auch um sicher-
zustellen, dass die Studierenden im
Röntgenbereich eine sehr gute Ausbil-
dung erhalten. Viele der Stifter unter-
stützen Lehre und Forschung über die
Stiftungszuwendungen hinaus. „Die
Unternehmen, die die Stiftung tragen,
stellen immer wieder Geräte zur Verfü-
gung und ermöglichen den Studieren-
den gute Einblicke in die Praxis, ohne
hierfür exklusive Ergebnisse zu erwar-
ten“, beschreibt Birgit Kanngießer das
Zusammenspiel mit den Stiftern. Nun
verlängerten die Stifter, deren Kreis
sich sogar noch um drei Unternehmen
erweiterte, die erfolgreiche Konstruk-
tion um weitere sieben Jahre. Dass die
Unternehmen, die untereinander in
Konkurrenz stehen, sich für die Stif-
tung dauerhaft zusammentun, zeigt
den Stellenwert von Forschung und
Ausbildung für technologieorientierte
Wirtschaftsunternehmen.
Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzen-
der der Technologiestiftung, würde
ein solches Engagement gern auch
in anderen Bereichen sehen. „Die
Stiftungsprofessur Analytische Rönt-
genphysik ist ein Vorbild für das En-
gagement von kleinen und mittleren
Unternehmen aus Berlin für Berlin.“
frauke Nippel
Im Robotik-Labor
nähern sich
TU-Wissenschaftler
dem Verständnis der
künstlichen Intelligenz
Birgit Kanngießer (M.) mit Mitarbeiterinnen
im BLiX-Labor für Röntgenphysik
© TU Berlin/PR/Ulrich Dahl
Einige Tankoberflächen sind begrünt
Die Pilotanlage am Osthafen
© Luritec GmbH (2)
© TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
Roberto martin martin, marc Toussaint und manuel Baum (v. l.) bringen
dem Roboter „Bottom-3“ (m.) eigenständiges handeln bei
seite 10 Tu intern · Nr. 12/2016
MENSCHEN/ALUMNI
erfolg beim innovationspreis
tui Auch wenn es am Ende nicht ganz
zum Sieg gereicht hat, gelohnt hat sich
die Teilnahme des TU-Start-ups „SIUT“
am Innovationspreis Berlin Brandenburg
dennoch. Immerhin gehörte „SIUT“
zu den zehn Finalisten des diesjähri-
gen Innovationspreises von Berlin und
Brandenburg, bei dem neu entwickelte
Produkte und Verfahren ausgezeichnet
werden. Beworben hatten sich 120 Fir-
men mit ihren Ideen. Vergeben wurden
die Preise am 2. Dezember in Berlin. Die
SIUT GmbH ist ein wissenschaftliches
Spin-off der TU Berlin und entwickelt
Betonfertigteile, die gezielt mit Licht-
punkten durchzogen sind. Diese leuch-
ten aus dem Beton heraus, sind aber
ausgeschaltet weder fühl- noch sichtbar.
So können Linien, Schriften und Logos
aufleuchten und wieder verschwinden.
Die Farbe des Betons reicht von Weiß bis
hin zu Anthrazittönen und ermöglicht
effektvolle Gestaltungsmöglichkeiten.
Beleuchtet wird mit einfachen LEDs. Die
Betonfertigteile werden in den Bereichen
Home & Living, Ladenbau, Hotellerie
sowie im Sicherheitsbereich eingesetzt.
Anlässlich des Innovationspreises wurde
über „SIUT“ ein Film gedreht, der auch
im Netz zu besichtigen ist.
www.innovationspreis-bb.de
www.siut.eu
Beste promotion im
maschinenwesen
bk Dr.-Ing. Christian Liebold hat im
Jahr 2015 die beste Promotion an der
Fakultät V Verkehrs- und Maschinen-
systeme der TU Berlin geschrieben und
wurde für diese Leistung im Rahmen
der Vabene-Feier am 25. November mit
dem Manfred Hirschvogel Preis ausge-
zeichnet. Mit dem mit 5 000 Euro dotier-
ten Preis ehrt die Manfred Hirschvogel
Stiftung die beste Promotion im Bereich
Maschinenwesen. „Größeneffekt in der
Elastizität. Experimentelle, analytische
und numerische Untersuchungen“ lautet
der Titel seiner Dissertation, die am TU-
Fachgebiet Kontinuumsmechanik und
Materialtheorie bei Prof. Dr. Wolfgang
H. Müller entstanden ist.
Übersetzungspreis: elitebildung
in afrika
pp Erstmals wurde der Übersetzungs-
preis der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd
Bucerius vergeben, der mit 10 000 Euro
dotiert ist und dazu dient, eine heraus-
ragende geschichtswissenschaftliche
Arbeit in eine andere Sprache zu über-
setzen. Erhalten hat ihn Daniel Tödt,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Inter-
nationalen Graduiertenkolleg „Die Welt
in der Stadt: Metropolitanität und Glo-
balisierung vom 19. Jahrhundert bis zur
Gegenwart“ am Center for Metropolitan
Studies der TU Berlin. Er beschäftigte sich
mit kolonialzeitlichen Entwicklungen in
seiner Dissertation „,Quelle sera notre
place dans le monde de demain’. Afrika-
nische Elitenbildung und Kolonialrefor-
men in Belgisch-Kongo (1944–1956)“.
Er wies darin nach, dass eine kulturelle
Europäisierung der Einheimischen durch
Vereine und Zeitschriften dem Kolonial-
staat als Neulegitimierung der kolonialen
Ordnung gedient habe, die der Differenz
zwischen Europäern und Afrikanern be-
durfte. Dadurch habe der Kolonialstaat
letztlich die von ihm gefürchtete Ver-
bitterung der afrikanischen Elite selbst
herbeigeführt.
Trapp-preis für Bau-ings
tui Herausragende Abschlussarbeiten
im Studiengang Bauingenieurwesen
werden schon seit vielen Jahren mit
dem Trapp-Preis ausgezeichnet, der
von der Trapp Construction Interna-
tional GmbH gestiftet und durch die
Gesellschaft von Freunden der TU Ber-
lin e.V. vergeben wird. Im Rahmen der
diesjährigen Abschlussfeier der Bauinge-
nieurinnen und Bauingenieure wurden
Mona Sando, Erik Linke, Luisa Otto und
Kolja Dietzel mit dem Preis geehrt. Ins-
gesamt ist der Dr. Ernst-Trapp-Preis mit
5000 Euro dotiert.
ausgezeichnet
abschied an der fakultät Vii
bk Die erste Absolventenverabschie-
dung im neuen Jahr findet am 18. Janu-
ar 2017 statt. Es verabschiedet sich die
Fakultät VII Wirtschaft und Management
von Absolventinnen und Absolventen
der Studiengänge Economics (Bachelor),
Industrial and Network Economics (Mas-
ter) sowie BWL und VWL. Ort und Zeit:
Lichthof des TU-Hauptgebäudes, 16 Uhr.
Um Anmeldung wird gebeten.
Verstorben
die Tu Berlin trauert um Tu-angehöri-
ge und -alumni, die in den vergange-
nen wochen verstorben sind:
prof. dr. dr. h. c. Karl J. Thomé-
Kozmiensky
30. Oktober 1936–3. November 2016
Fakultät III Prozesswissenschaften, ehem.
Fachgebiet Abfallwirtschaft
honorarprofessor dr. Randolf anger
22. November 1961–4. Juni 2016
Fakultät VI Planen Bauen Umwelt, Fach-
gebiet Straßenbau und -erhaltung
frauke sveceny
14. Januar 1944–11. Juli 2016
Fakultät V Verkehrs- und Maschinensys-
teme, Fachgebiet Qualitätswissenschaft
prof. dr. hans hausner
23. Mai 1927–26. August 2016
Fakultät III Prozesswissenschaften,
Fachgebiet Keramische Werkstoffe
prof. dr. eberhard gock
22. Februar 1937–28. September 2016
Fakultät VI Planen Bauen Umwelt,
ehem. Fachgebiet Rohstofftechnik
mirjana Lach
16. September 1980–23. November 2016
Fakultät II, Innocampus
Die TU Berlin wird den Verstorbenen ein
ehrendes Andenken bewahren. Weitere
Nachrufe finden Sie unter:
www.tu-berlin.de/?id=13232
Termin
3 fRageN aN …
… Axel Küpper
welcher zusammenhang besteht
zwischen den T-Labs an der Tu Berlin
und der eröffnung eines Telekom-stif-
tungslehrstuhls an der eLTe-universi-
tät in Budapest, ungarn?
Die Telekom
Innovation La-
boratories sind
das zentrale
Forschungs-
und-Entwick-
lungs-Institut
der Deutschen
Telekom an
der TU Berlin.
Die Telekom
will dieses En-
gagement eu-
ropaweit ausdehnen. Wir sind eng an
Entwicklung, Aufbau und Berufung
des Stiftungslehrstuhls in Budapest
beteiligt und freuen uns, dass die
Professur für „Data Science and
Engineering“ jetzt mit Dr. Tamás
Horváth besetzt werden konnte.
steht diese professur in Konkurrenz zu
den T-Labs in Berlin?
Ganz und gar nicht. Die TU Ber-
lin ist der zentrale Partner in dem
europäischen Innovationsnetz der
Telekom Innovation Laboratories.
Der Ausbau dieses Netzwerkes
stärkt auch die Berliner T-Labs und
die TU Berlin.
gibt es bereits konkrete Kooperations-
projekte?
Ja. Gefördert von dem europäi-
schen Verbund EIT Digital starten
die TU Berlin, die ELTE Budapest
und die T-Labs zusammen mit Ma-
gyar Telekom und der OTP Bank
im Januar 2017 das Projekt eBIZ
(Business Information Zone). Da-
bei geht es um das Erkennen von
Betrug und Fälschungen bei Fi-
nanzdienstleistern anhand der
Analyse großer Datenmengen.
die fragen stellte Katharina Jung
Axel Küpper ist Pro-
fessor am TU-Institut
für Telekommunika-
tionssysteme
Tino Mager
Von Beruf ist Martin Haase Jurist. Von seinen Studierenden ließ er sich zum Auftritt am Plattenteller überreden – und zu einem Trompetensolo
großer erfolg für Tu-promovierte beim Joachim-Tiburtius-preis
bk Überaus erfolgreich schnitten TU-Nachwuchs-
wissenschaftlerinnen und -Nachwuchswissenschaftler
bei der diesjährigen Verleihung des Joachim-Tiburtius-
Preises ab. Alle drei Tiburtius-Preise, die an Doktoran-
den vergeben wurden, holten TU-Absolventen, und
hinzu kamen noch zwei von drei Anerkennungsprei-
sen. Damit schnitt die TU Berlin als erfolgreichste der
Berliner Universitäten ab. Als beste Dissertation wurde
die Arbeit von Dr. Timo Mager, „Schillernde Unschär-
fe. Der Begriff der Authentizität im architektonischen
Erbe“, ausgezeichnet. Entstanden ist sie am Institut für Kunstwis-
senschaft und Historische Urbanistik unter der Betreuung von Prof.
Dr. Kerstin Wittmann-Englert. Timo Mager beschäftigt sich mit dem
Begriff der Authentizität im architektonischen Erbe und erforscht
systematisch die fachspezifischen Ursprünge dieses Leitbegriffs und
die Zusammenhänge zwischen Begriffsbildung, Wissenschaftstheorie
und denkmalpflegerischer Praxis. Mit dem zweiten Preis wurde der
Mathematiker Dr. Robert Altmann geehrt, der sich in seiner Disserta-
tion, die von Prof. Dr. Volker Mehrmann am Institut für Mathematik
betreut wurde, mit der Regularisierung von Evolutionsgleichungen
beschäftigt, die zusätzliche Nebenbedingungen erfüllen
sollen. Den dritten Preis erhielt der Informatiker Dr. Josef
Ladenbauer, der bei Prof. Dr. Klaus Obermayer am Institut
für Softwaretechnik und Theoretische Informatik promo-
viert hat. Er hat sich mit der elektrischen Aktivität von
Nervenzellen und deren Netzwerken in der Großhirnrin-
de beschäftigt, diese neuronalen Systeme mathematisch
modelliert und ihre dynamischen Eigenschaften mit Hilfe
der Modelle analysiert. Dr.-Ing. Anne-Kathrin Schmuck
wurde mit einem Anerkennungspreis geehrt. Ihre Arbeit
„Building Bridges in Abstraction-Based Controller Synthesis. Advan-
cing, Combining, and Comparing Methods from Computer Science
and Control“ ist im Institut für Energie- und Automatisierungstechnik
entstanden und wurde von Prof. Dr.-Ing. Jörg Raisch betreut. Auch
Dr. Atul Shekhar wurde mit einem Anerkennungspreis ausgezeich-
net. Der Mathematiker hat sich mit verschiedenen Bereichen der
Wahrscheinlichkeitstheorie und deren Anwendung auseinander-
gesetzt. Entstanden ist seine Arbeit am TU-Institut für Mathematik
sowie an der Berlin Mathematical School (BMS). Betreut wurde er
von TU-Professor Dr. Peter K. Friz.
© blende11_fotografen
© privat
Alle Stipendiaten
angekommen
tui Die Berlin International Gradu-
ate School in Model and Simulation
based Research (BIMoS) der TU Berlin
hat im Oktober 2016 drei neue Stipen-
diaten aufgenommen und ist damit mit
insgesamt sechs Stipendiaten vollstän-
dig. Unter ihnen befindet sich Moreen
Heiner, die in ihrer Doktorarbeit am
Fachgebiet Standortkunde und Bo-
denschutz mittels eines Modells aus
bodenähnlichen Substraten erarbei-
ten will, wie die Wasserversorgung für
Pflanzen verbessert werden kann.
Victor Bicalho aus Brasilien interes-
siert sich in seiner Arbeit für die Si-
cherheit von Flugzeugmotoren. Sein
Ziel ist es, zu beurteilen, wie die
Druckverstärkungen, die durch eine
Senkung des Kraftstoffverbrauchs
auftreten, nicht zu verstärkten Motor-
vibrationen führen können.
Am Fachbereich Plasma-Astrophysik
promoviert Jean-Mathieu Teissier über
die Formungen und Drehungen sowie
die zeitlichen Veränderungen des Ma-
gnetfeldes, das in flüssigen Kernen von
Planeten und Sternen sowie in den Fu-
sionsreaktoren von Atom-
kraftwerken vorkommt.
Bereits im Februar 2016
hat Ali Hashemi aus
dem Iran seine Arbeit
als BIMoS-Stipendiat am
Fachgebiet Angewandte
Funktionalanalysis be-
gonnen. Er versucht, mit-
tels datengesteuerter und
modellbasierter Ansätze
komplexe Datenverarbei-
tungsaufgaben effizienter
ablaufen zu lassen. Seine
Forschung kann zum Bei-
spiel in der Analyse von
Hirnsignalen angewendet werden.
Auch der Promotionspreis der Graduierten-
schule, der „BIMoS PhD Award“, ist erneut
ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis zum
17. Februar 2017 möglich.
www.bimos.tu-berlin.de
Das sind die sechs Neuen: Ali Hashemi, Alexander von
Lühmann, Victor Bicalho Civinelli de Almeida, Lia Strenge,
Moreen Heiner, Jean-Mathieu Teissier (v. l.)
© TU Berlin/BIMoS
© professorennacht.de
Vom Hörsaal ans Mischpult
Martin Haase gewinnt Professorennacht in Berlin
„ein guter dJ und ein guter dozent
haben viel gemeinsam“, davon ist dr.
martin haase überzeugt: „sie müssen
ein publikum bei der stange halten.“
der hochschuldozent an der fakultät
für wirtschaft und management der Tu
Berlin konnte im November 2016 gleich
zwei ganz unterschiedliche preise ge-
winnen.
Zum einen erhielt Martin Haase den
Wissenschaftspreis 2016 der Deut-
schen Stiftung für Recht und Infor-
matik (DSRI) für seine Dissertation
„Datenschutzrechtliche Fragen des
Personenbezugs. Eine Untersuchung
des sachlichen Anwendungsbereiches
des deutschen Datenschutzrechts und
seiner europarechtlichen Bezüge“.
„Letztlich habe ich mich damit be-
schäftigt, zu untersuchen, wann das
Datenschutzrecht überhaupt anwend-
bar ist, welche Daten und Informati-
onen überhaupt schützenswert sind
und welche eben nicht.“ Seit Oktober
2014 ist der Volljurist Martin Haase an
der TU Berlin: „Wissen zu vermitteln,
die Zusammenarbeit mit den Studie-
renden und die lebhaften Diskussio-
nen sowie der Austausch in interdis-
ziplinären Bereichen haben mir schon
immer viel Freude gemacht“, so der
frischgebackene Vater eines Sohnes.
Zum zweiten erhielt er einen Preis,
der aus diesem Ansatz resultierte.
Letzterer beruht offenbar auf Gegen-
seitigkeit: Immerhin haben seine Stu-
dierenden ihn als Kandidaten für die
Professorennacht 2016 vorgeschla-
gen– einen DJ-Wettbewerb, bei dem
Professoren unterschiedlicher Hoch-
schulen eingeladen werden, einen
Abend lang gegeneinander anzutreten.
Die Lautstärke des Applauses bestimmt
den Gewinner. „Die TU-Studierenden
waren einfach großartig– die haben
Plakate geschwenkt und ,Haase, Haa-
se‘ geschrien– wann erlebt man das
schon mal?“, so der Hochschuldozent,
der einen ungeheuren Spaß an der
Veranstaltung hatte, die er als Sieger
verließ. Sein Trumpf war nicht zuletzt
die Live-Begleitung eines Stückes auf
der Trompete. „Mein drei Wochen alter
Sohn mochte es überhaupt nicht, wenn
ich zu Hause geübt habe– daher hatte
ich etwas Sorge, ob das klappt…“ Es
klappte– am Ende ließ er sich sogar
zum „Stage Diving“ überreden.
Katharina Jung
Tu intern · Nr. 12/2016 seite 11
TIPPS & TERMINE
gremien & Termine
akademischer senat
Beginn jeweils um 13 Uhr
Ort: TU Berlin, Hauptgebäude, Straße des
17. Juni 135, Raum H 3005 (Achtung: Raum-
änderung)
11. Januar 2017
8. Februar 2017
8. März 2017
www.tu-berlin.de/asv/menue/gremien/
aka demischer_senat/
Kuratorium
16. Dezember 2016
Zeit: 9–13 Uhr
Ort: TU Berlin, Hauptgebäude, Straße des 17.
Juni 135, Raum H 3005
7. Februar 2017
31. März 2017
Zeit: 9–13 Uhr
Ort: TU Berlin, Hauptgebäude, Straße des 17.
Juni 135, Raum H 1035
www.tu-berlin.de/asv/menue/gremien/
kuratorium
sprechstunden des präsidiums
Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident
6. Februar 2017, 13–14 Uhr
Prof. Dr.-Ing. Christine Ahrend, Vizepräsidentin
für Forschung, Berufungen und Nachwuchsför-
derung (offene Gesprächsrunde)
27. Januar 2017, 10–12 Uhr
Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident für
Studium und Lehre
10. Januar 2017, 14–15 Uhr
Prof. Dr. Angela Ittel, Internationales und Lehr-
kräftebildung
23. Januar 2017, 11–12 Uhr
6. März 2017, 11–12 Uhr
Georg Borchert, Kanzler (mit der Wahrneh-
mung der Geschäfte betraut)
Nach Vereinbarung
impressum
herausgeber: Stabsstelle Presse, Öffent lich-
keitsarbeit und Alumni der TU Berlin, Str. des
17. Juni 135, 10623 Berlin, T 030/314-2 29 19/
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Jahr/31. Jahrgang
Redaktionsschluss: siehe letzte Seite. Nament-
lich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht un-
bedingt mit der Meinung der Redaktion überein-
stimmen. Unverlangt eingesandte Manuskripte
und Leserbriefe können nicht zurückgeschickt
werden. Die Redaktion behält sich vor, diese zu
veröffentlichen und zu kürzen. Alle Rechte vor-
behalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie
Vervielfältigung u. Ä. nur mit ausdrück licher Ge-
nehmigung des Herausgebers.
„TU intern“ wird auf überwiegend aus Altpapier
bestehendem und 100 % chlorfrei gebleichtem
Papier gedruckt.
„Preis für das beste deutsche Hochschulmaga-
zin“, 2005 verliehen von „Die Zeit“ und der
Hochschulrektorenkonferenz (HRK) für das
Publika tionskonzept der TU-Presse stelle
was isT „schÖNe“ maThemaTiK? Das „Concinnitas“-Portfolio
(lateinisch: formale und harmonische Ausgewogenheit), eine Serie
handgeschriebener mathematischer Formeln, gibt Einblick in un-
terschiedliche Konzepte von Schönheit: Zehn der bedeutendsten
Mathematiker und Physiker unserer Zeit haben auf diese Frage
ihre persönlichen Antworten gegeben. Die Sichtweisen der Fields-
Medaillen- und Nobelpreisträger berühren vielfältige Aspekte, sie
reichen von Einfachheit und Wahrheit über Tiefsinn und Eleganz bis
hin zu Universalität und Freude. Der französische Künstler Bernar
Venet, international bekannt für seine monumentalen Stahlbögen
und Skulpturen, setzt sich leidenschaftlich gerne mit Mathematik
auseinander. Mit seiner Begeisterung für die Kraft der Kunst, an-
dere wissenschaftliche Disziplinen in sich aufzunehmen, schuf er
aus Vektorfeldern und kommutierenden Diagrammen ästhetische
Grafiken und Wandgemälde. Die Mathematische Fachbibliothek der
TU Berlin zeigt in Kooperation mit der Bernard Jacobson Gallery
(London) eine Auswahl von Venets Grafiken, zusammen mit den
Concinnitas-Formeln, in ihren Lesesälen. Zur Vernissage, die am 16.
November im Rahmen der Zehnjahresfeier der Berlin Mathematical
School stattfand, diskutierten die beiden Mathematikprofessoren
Günter M. Ziegler (FU Berlin) und Peter Bürgisser (TU Berlin) mit
dem Kunsthistoriker Professor Horst Bredekamp (HU Berlin). Ihre Per-
spektiven könnten kaum gegensätzlicher sein, aber in einem Punkt
waren sich alle drei einig: Mathematik kann wunderschön sein!
Jan erdnüß, Bibliotheksleiter
Zeit: noch bis 28. Februar 2017, Mo–Fr 9–21 Uhr, Sa 10–18 Uhr,
Ort: Mathematische Fachbibliothek, Straße des 17. Juni 136, 10623
Berlin, Eintritt frei
Art on Board– The Beauty of Math
personalia
Rufannahmen
Dr.-Ing.
hermann schlimme
, wissenschaft-
licher Mitarbeiter an der Bibliotheca Hertzia-
na, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte
in Rom, Italien, für das Fachgebiet „Bau- und
Stadtbaugeschichte“ in der Fakultät VI Planen
Bauen Umwelt der TU Berlin.
Professor Dr.-Ing.
martin schneider-Ra-
melow
, Leiter der Abteilung „System Integra-
tion and Interconnection Technologies“ (SIIT)
am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und
Mikrointegration IZM sowie Honorarprofessor
an der TU Berlin, für das Fachgebiet „Werkstoffe
der Hetero-Systemintegration“ in der Fakultät
IV Elektrotechnik und Informatik der TU Berlin.
Die Professur ist verbunden mit einer Position
als Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für
Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM.
symposium
energie für den süden
Wie kann es gelingen, im globalen Süden die
neuesten Forschungsergebnisse zu sozialver-
träglichen Energiesystemen konkret in die
Praxis umzusetzen? Zu dieser Frage laden die
Vereinigung Mikroenergie-Systeme und ku-
bus–Wissenschaftsladen der TU Berlin in der
ZEWK zum Symposium SEER4ALL (Sustainable
Energy Education & Research for All) ein. Es
werden Fachvorträge und Diskussionen zur ak-
tuellen Forschung im Bereich Sustainable Ener-
gy Solutions geboten. Anmeldung erforderlich.
Zeit: 27. Januar 2017
Ort: TU Berlin, Hauptgebäude, Lichthof
www.microenergysystems.tu-berlin.de
Veranstaltungen
Der TU-Veranstaltungskalender im Netz:
www.tu-berlin.de/?id=731
© Kay Herschelmann/Berlin Mathematical School
100 insights in one day: See what will change
our world tomorrow. Apply for scholarship.
Information and scholarship: www.science-match.info
Topics of the Event: Automotive, Big Data Communication, Cyber Security, Digital Health, Digital Methods, Digital Services, Cloud Computing, Digital Society and
eLearning, Internet of things, Network Infrastructure, Humanities, Industry 4.0, Smart Services
THE COMPUTER SCIENCE CONFERENCE, BERLIN 12 MAY 2017 | THE BIRTHDAY OF COMPUTING
DIGITAL
FUTURE 2017
Digital-Future-Scholarship
Students, doctoral candidates, research assistants and young professionals with work experience can apply for
a free attendance-scholarship. You will get the chance to meet leading scienctists, universities and research
institutions worldwide, who present their current research topics. In addition you will receive a one-year
subscription of the daily newspaper Tagesspiegel as e-paper.
100 Digital Scientists x 3 Minutes Each
How will digitalisation continue to change the world? What will be conceived and developed in industrial
laboratories and at the top universities? We invite outstanding digital pioneers to discuss the future. Up to
100 researchers of berlin´s scientific institutions and their partners will feature their innovations in 3-minute
presentations in a single day.
seite 12 Tu intern · Nr. 12/2016
BÜCHER AUS DER TU BERLIN
bei der heimlichen Lektüre der „TU intern“ erwischte Julia Helms, ehemalige Mitarbeiterin des
Centre for Entrepreneurship der TU Berlin, ihr Töchterchen Luisa. Ob Luisa später ein MINT-Fach
studieren und dann erfolgreich ein Start-up gründen wird?
Früh übt sich
Wiedergeburt der
Schallplatte
kj „Je digitaler unser Alltag wird– desto
mehr sehen wir diese Sehnsucht nach dem
Alten, das rasant schnell aus unserem Leben
verschwindet. Einerseits sind wir zwar froh
darüber, dass alte und umständliche Dinge
weg sind– und dass wir jetzt bessere und
effizientere Ge-
räte haben. Aber
gleichzeitig mer-
ken wir, dass Effizi-
enz allein uns auch
nicht zufrieden-
stellt“, so Dr. Do-
minik Bartmanski
in einem Interview
im Deutschland-
radio. Der wissen-
schaftliche Mitar-
beiter am Institut
für Soziologie der TU Berlin hat zusammen
mit Ian Woodward das Buch „The Analogue
Record in the Digital Age“ veröffentlicht.
Darin analysieren die beiden Autoren und
Plattensammler die kulturellen Gründe und
Auswirkungen, die die rasante Wiedergeburt
von Vinyl-Schallplatten haben könnte. Der
kulturell-soziologische analytische Teil wird
ergänzt durch eine Serie von Interviews mit
Musikern, DJs und Plattenladen-Besitzern.
dominik Bartmanski, ian woodward: Vi-
nyl. The analogue Record in the digital
age, Bloomsbury (Berg) 2015
Schillernde Bauten
bk Historische
Bauwerke erlauben
uns Einsichten in
das Wesen bereits
verflüchtigter, auf
andere Weise nicht
mehr erfahrbarer
Zeitabschnitte.
Doch wie „au-
thentisch“ sind
diese Relikte und
was meint diese Frage eigentlich? Anhand
der Betrachtung dieses hochaktuellen Be-
griffs– Authentizität– zeigt Tino Mager in
seinem Buch auf, wie stark sich die Werke
der Vergangenheit und damit auch unsere
Erkenntnisse über sie verändern und wie
unstet unsere Sprache ist, mit der wir uns
darüber verständigen. Das Buch und die
gleichnamige Dissertation entstanden am
TU-Institut für Kunstwissenschaft und His-
torische Urbanistik. Für seine Arbeit wurde
Tino Mager mit dem Tiburtius-Preis der Ber-
liner Hochschulen für die beste Dissertation
ausgezeichnet.
Tino mager: schillernde unschärfe. der
Begriff der authentizität im architektoni-
schen erbe, de-gruyter-Verlag 2016, 271
seiten, isBN 978-3-11-045727-8
Herrschaftliche
Gartenkultur
pp Spargelbeete, Hopfenstangen, Pfir-
sichspaliere, Heckenlauben und Apfelbäu-
me– viele Apfelbäume– wurden gezählt,
wenn ein Amtmann den Amtshof mit den
schluss
Die nächste Ausgabe der „TU intern“
erscheint im Januar 2017.
Redaktionsschluss: 9. Januar 2017
Hotspot der
Mathematik
pp Welche Mathe-Stars haben in Berlin
gelebt? Wie wird an ihr Wirken erinnert? Wo
sind die mathematischen Institute behei-
matet? Wie ist die Mathematikgeschichte
mit der Historie Berlins verknüpft? Welche
mathematischen Sehenswürdigkeiten gibt
es in der Stadt? Ein spezieller Stadtführer
von Martin und Iris Grötschel hält eine ganz
eigene Erkundungstour bereit. Martin Gröt-
schel gehört selbst zu den Stars der inter-
nationalen Mathematikszene. Er ist ehemali-
ger TU-Professor, MATHEON-Mitbegründer,
Präsident des Konrad-Zuse-Zentrums für
Informationstechnik Berlin (ZIB) und heu-
te Präsident der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften. Seine Frau Iris
Grötschel ist ebenfalls Mathematikerin sowie
Spezialistin für Stadtgeschichte. In Wort und
Bild wird die detailreiche, sich seit mehr als
300 Jahren entwickelnde „mathematische“
Geschichte vor den Augen der Leserinnen
und Leser ausgebreitet, werden die mathe-
matischen Institutionen beschrieben, hervor-
ragende Mathematikerinnen und Mathema-
tiker porträtiert und vieles mehr. Das Buch
enthält vier mathematische Spaziergänge,
die auch auf weitere Sightseeing-Highlights
der Hauptstadt aufmerksam machen, durch
Stadtpläne veranschaulicht werden und zu
interessanten Entdeckungen einladen.
iris und martin grötschel: mathematical
Berlin. science, sights and stories, Berlin
story Verlag 2016, 160 seiten,
isBN 978-3-95723-080-5
Verletzung der
Normen
ehr Der ehemalige Leiter des Zentrums
für Antisemitismusforschung Wolfgang
Benz hat Wissenschaftlerinnen und Wissen-
schaftler eingeladen, das Phänomen des er-
starkenden Rechtspopulismus in Deutsch-
land zu analysieren. Wahlen stehen derzeit
im Zeichen von Politikverdrossenheit, und
„Bürger in Wut“ machen ihrem Ärger auf
der Straße und im Internet Luft. Die Erfol-
ge rechter Demagogen machen ratlos. Ar-
gumente sind fruchtlos, weil die Agitation
rechter Wutbürger anderen Regeln folgt als
denen der Vernunft. Die Grundwerte der
Demokratie werden verachtet: Die neuen
Bewegungen sind auf Verletzung von Nor-
men fixiert. Rechtspopulisten fordern mehr
plebiszitäre Partizipation, verharren aber
in der Ablehnung der Strukturen der par-
lamentarischen Demokratie. Sie sind von
Feindbildern gesteuert und von Hass gegen
„Fremde“ getrieben. Empörung allein hilft
wenig. Wirksame Gegenstrategien können
Politik und Gesellschaft nur entwickeln,
wenn Inhalte und Formen rechter Diskurse
offengelegt werden. Das Buch leistet einen
Beitrag dazu. Das schreibt Wolfgang Benz
im Buch „Fremdenfeinde und Wutbürger“.
Darin beschäftigen er und seine Mitautoren
sich mit der aktuellen Politikverachtung,
„Wutbürgern“ und Bewegungen, die mit
antimodernen Parolen Stimmung machen.
wolfgang Benz: fremdenfeinde und
wutbürger. Verliert die demokratische
gesellschaft ihre mitte? metropol Verlag
2016, isBN 978-3-86331-301-2
Mona Lisa in Bangoulap
sn Wenn Europas Wurzeln in Afrika liegen,
was spricht dann dagegen, dass die Mona
Lisa aus dem Louvre auch in dem kleinen
Königreich Bangoulap in Kamerun gezeigt
wird? Mit diesem Ansinnen bringt der Kö-
nig von Bangoulap Frankreichs Kulturverant-
wortliche einem Ohnmachtsanfall nahe und
Arno Bertina, Autor der Fabel „Mona Lisa in
Bangoulap“, die Leser zum Lachen, ob die-
ser witzigen Idee. Die Geschichte des Königs,
der die Argumentationslogik westlicher Mu-
seen über die Rechtmäßigkeit ihrer Samm-
lungen ziemlich durcheinanderwirbelt, wur-
de von der TU-Kunsthistorikerin Bénédicte
Savoy übersetzt und mit einem Essay von
ihr versehen. In ihm wirft sie Fragen auf, die
den Umgang von Europas großen Museen
mit ihren Sammlungen berühren. Fragen zu
Besitz, Eigentum, Erbe und Restitution, mit
denen sich die Museen bislang nur unzurei-
chend auseinandergesetzt haben.
arno Bertina: mona Lisa in Bangoulap.
die fabel vom weltmuseum. aus dem
französischen und mit einem Nachwort
von Bénédicte savoy, matthes seitz
Berlin, 75 seiten
Neue Verkehrswelt
kj Nicht das eigene Auto entscheidet künftig
darüber, ob und wie wir von A nach B kom-
men, sondern die Verfügbarkeit eines Smart-
phones, das uns das optimale Verkehrsmittel
in unserer unmittelbaren Umgebung anzeigt
und gleichzeitig als Buchungsportal fungiert.
Die technische Ausstat-
tung eines Verkehrsmit-
tels verliert an Bedeu-
tung im Vergleich zu
seiner digitalen Präsenz.
Letztere entscheidet zu-
künftig darüber, welches
Verkehrsmittel genutzt
wird, davon sind Weert
Canzler und Andreas Knie, apl. Professor für
Soziologie an der TU Berlin, überzeugt. „Die
digitale Mobilitätsrevolution. Vom Ende des
Verkehrs, wie wir ihn kannten“ lautet deshalb
auch der Titel ihres gemeinsamen Buches. Of-
fen diskutieren sie darüber, ob die Nutzer die-
ser schönen neuen Verkehrswelt gewachsen
sind und ob die Politik bereit ist, bestehende
Strukturen anzupassen.
weert canzler, andreas Knie: die digi-
tale mobilitätsrevolution. Vom ende des
Verkehrs, wie wir ihn kannten, oekom
Verlag münchen 2016, 132 seiten,
isBN 978-3-86581-754-9
wurden immer wieder kontrovers diskutiert.
Das vorliegende zweibändige Werk greift
diese Debatte noch einmal auf und zeigt
mit allen der modernen Bauforschung zur
Verfügung stehenden Methoden, dass die
Anlage entgegen der herrschenden Mei-
nung nicht als Ruine liegen blieb, sondern
in abbasidischer Zeit in Teilen aufwendig
ausgebaut und genutzt wurde. Es dokumen-
tiert gleichzeitig das langjährige Projekt der
TU-Bauforschung, das durch Grabungen,
detaillierte Analyse des Baubestands und
kunsthistorische Untersuchungen unter an-
derem eine virtuelle Rekonstruktion des nie-
mals ausgeführten ursprünglichen Bauplans
von Walid II. herstellen konnte. Es diskutiert
die geplante Neuaufstellung der Fassade
im Nordflügel des Pergamonmuseums,
beschreibt außerdem die umfangreichen
Restaurierungs- und Instandsetzungsmaß-
nahmen, welche die Ruine für Besucher in
Jordanien wieder erschließen. Der zweite
Band beinhaltet unter anderem einen de-
taillierten Katalog der Skulpturen, Inschriften
und der Bauornamentik.
Johannes cramer, Barbara perlich, gün-
ther schauerte u.a.: Quasr al-mschatta.
ein frühislamischer palast in Jordanien
und Berlin, Band 1 und 2, Berliner Beiträ-
ge zur Bauforschung und denkmalpflege
2016,
isBN 978-3-7319-0296-6
Die Zukunft ist
weiblich
sc Männer aufgepasst: Die Zukunft sieht
rosig aus, denn sie ist weiblich. Der rasante
Wandel in der Arbeitswelt, bedingt durch
die Digitalisierung und Globalisierung, kann
Frauen in der Wirtschaftswelt in eine Pole-
position bringen– sofern sie diese Chance
erkennen und strategisch für sich nutzen.
Die neuen Arbeitsformen erfordern Fach-
kompetenz und vor allem kooperatives, em-
pathisches, flexibles und vernetztes Handeln.
Eigenschaften, die
Frauen zumeist
besser beherrschen
als ihre männlichen
Kollegen, ist sich
TU-Soziologiepro-
fessorin Christiane
Funken sicher. In
ihrem Buch „She-
conomy. Warum
die Zukunft der
Arbeitswelt weib-
lich ist“ klärt sie auf
208 Seiten über Risiken und neue Möglich-
keiten auf und ermutigt junge Frauen, die
Widersprüche zwischen alten Strukturen und
neuen Anforderungen zu überwinden, sich
zu eigen zu machen und den Wandel aktiv
mitzugestalten.
christiane funken: sheconomy. warum
die zukunft der arbeitswelt weiblich ist,
c. Bertelsmann Verlag 2016, 208 seiten,
isBN 978-3570102718
Weiterstöbern
Noch viel mehr Lesestoff für wissen-
schaftlich Interessierte zu vielfältigen
Themen bietet der Universitätsverlag
der TU-Bibliothek in seinem Web-Shop:
www.ub.tu-berlin.de/publizieren/
verlagsprogramm
Die Redaktion von „Tu intern“
wünscht allen Leserinnen und
Lesern eine besinnliche Weih-
nachtszeit und ein erfolgreiches
Jahr 2017!
zugehörigen Gärten von seinem Vorgänger
übernahm. Im 18. und 19. Jahrhundert wa-
ren die Amtssitze die unteren Verwaltungs-
behörden im Kurfürstentum und Königreich
Hannover, und sie repräsentierten den Lan-
desherrn in jedem Winkel der Provinz. Die
Gärten dieser Verwaltungssitze sind ein bis-
lang unerforschter Bereich der ländlichen
Gartenkultur. Am TU-Fachgebiet Denkmal-
pflege wurden diese Amtshausgärten in
einem mehrjährigen, von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderten Pro-
jekt eingehend untersucht. Dieses Buch gibt
Einblicke in das Gartenwesen an ausgewähl-
ten Amtshöfen, es erzählt von Möglichkeiten
und Grenzen in der Anlage und Bewirtschaf-
tung der Gärten, von ihren Eigenarten und
Besonderheiten in Struktur und Gestaltung.
Jens Beck, sylvia Butenschön, heike
palm: amtshausgärten. Ländliche gar-
tenkultur an den Verwaltungssitzen im
Kurfürstentum/Königreich hannover,
sonderpublikation des instituts für
stadt- und Regionalplanung, 2016,
isBN 978-3-7983-2809-9
Die Haut der Erde
pp Der Boden ernährt uns– aber längst ist
nicht mehr genug Boden für alle da. „Von
ganz unten“ ist eine Hommage an das Ver-
borgene, an den Boden unter unseren Fü-
ßen, die Haut der Erde. Bekannte Autoren,
wie Bischof Markus Dröge, wie die Köchin
Sarah Wiener und andere beleuchten das
Thema aus den Blickwinkeln „Unser aller Bo-
den“, „Boden genießen“, „Die Kunst des Bo-
dens“ und „Religion und Kultur des Bodens“.
Es werden Fragen aufgeworfen, die uns alle
angehen, über Ernährung und Genuss ge-
sprochen, über Mythen, Religion, Globali-
sierung, Ressourcen und Umweltprobleme.
„Es geht darum“, so der Herausgeber, TU-
Professor Gerd Wessolek, „was es bedeutet,
wenn unsere Vorstellungen von Wohlstand
und einem guten, erfüllten Leben das Ziel
aller Menschen wären.“
gerd wessolek (hrsg.): Von ganz unten.
warum wir unsere Böden besser schüt-
zen müssen, oekom Verlag münchen
2015, isBN 978-3-86581-771-6
Virtueller Wüstenpalast
pp Der im 8. Jahrhundert unter dem
Umayyaden Walid II. begonnene Wüsten-
palast Qasr al-Mschatta in Jordanien ist ein
Schlüsselwerk der frühislamischen Architek-
tur. Die prachtvoll dekorierte Hauptfassade
kam 1903 als Geschenk in das heutige Mu-
seum für Islamische Kunst im Berliner Per-
gamonmuseum. Datierung und Deutung
© privat
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