Optische Eigenschaften von Exzitonen in
InGaN-Quantenstrukturen
Diplomarbeit von Til Bartel
Matrikelnummer: 206597
Technische Universit¨
at Berlin
Fakult¨
at II - Institut f¨
ur Festk¨
orperphysik
Priv. Doz. Dr. Axel Hoffmann
Prof. Dr. Christian Thomsen
24. April 2004
Til Bartel
(030) 314-79792
til.bartel@web.de
Matrikelnummer: 206597
Die selbst¨
andige und eigenh¨
andige Anfertigung
versichere ich an Eides statt.
Berlin, den 24. April 2004
—————————–
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Motivation .................................... 2
1.2 Ziel und Gliederung der Arbeit ........................ 3
2 Grundlagen der III-Nitride 5
2.1 Nitrid-Halbleiterkristalle ............................ 5
2.1.1 Hexagonale und kubische Kristallstruktur .............. 5
2.1.2 Epitaktisches Wachstum ........................ 6
2.1.3 InGaN .................................. 7
2.2 Optische Eigenschaften des Volumenhalbleiters InGaN ........... 7
2.2.1 Exzitonische Rekombination ...................... 8
2.2.2 Bandl¨
uckenverhalten .......................... 11
2.3 Niederdimensionale Strukturen ........................ 12
2.3.1 Reduktion der Dimension ....................... 12
2.3.2 Lokalisierung und Confinement .................... 14
2.3.3 Elektrische Felder - Quantum Confined Stark Effect ......... 15
2.4 InGaN-Quantenpunkte ............................. 18
2.4.1 Wachstum ................................ 18
2.4.2 Lumineszenzeigenschaften ....................... 20
2.5 Dynamik der Rekombination .......................... 22
3 Experimentelle Methoden 25
3.1 Photolumineszenzspektroskopie ........................ 25
3.1.1 Tiefe Temperaturen ........................... 26
3.2 Zeitaufgel¨
oste Photolumineszenz ........................ 26
3.2.1 Anregung ................................ 27
3.2.2 Nachweis und Auswertung ....................... 27
Diplomarbeit, T. Bartel
ii INHALTSVERZEICHNIS
3.3 Mikro-Photolumineszenz ............................ 30
3.3.1 Das Mikroskop ............................. 30
3.3.2 Einkoppelung der Anregung ...................... 31
3.3.3 Nachweis ................................. 32
3.3.4 M¨
ogliche Optimierung der Mikro-PL ................. 32
4 Die Proben 37
4.1 Herstellung ................................... 37
4.2 Pr¨
aparation ................................... 38
5 Ergebnisse und Diskussion 41
5.1 Ensemble- und Einzel-QP-Spektroskopie ................... 41
5.2 Die Dynamik der Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten ........... 43
5.2.1 Dynamik des Quantenpunkt-Ensembles ................ 43
5.2.2 Dynamik einzelner Quantenpunkte .................. 45
5.3 Transferprozesse und Lokalisierung ...................... 48
5.4 Zusammenfassung der Messergebnisse ..................... 54
6 Zusammenfassung und Ausblick 57
Anhang 61
A-1 Materialparameter von GaN und InN ..................... 61
A-2 Rezept zur Herstellung der Masken ...................... 62
A-3 Fabry-P´erot Interferenzen ........................... 63
Literaturverzeichnis 65
Das Titelbild zeigt eine zur Lumineszenz angeregte InGaN-Quantenpunkt-Probe durch das Okular der
µ-PL. Hellere Punkte sind 10 µm und 200 nm Aperturen in einer Metallmaske auf der Probenoberfl¨
ache.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
Kapitel 1
Einleitung
Die rasante Entwicklung der Halbleitertechnologien hat im vergangenen Jahrhundert un-
ser allt¨
agliches Leben durchdrungen und revolutioniert. Als 1947 der erste Transistor auf
Halbleiterbasis gebaut wurde, legte dies den Grundstein f¨
ur den Siegeszug des Siliziums.
Mikrochips und die sie begleitenden Informations- und Kommunikationstechnologien gaben
nach Einstein dem Menschen zum zweiten Mal ein neues Gef¨
uhl von Raum und Zeit.
Noch ist kein Ende der dadurch ausgel¨
osten Innovationswelle abzusehen, doch sie ¨
andert
zusehends ihre Stossrichtung. Faszinierten in der umittelbaren Nachkriegszeit die elektri-
schen Eigenschaften von Halbleiterkristallen, so r¨
uckten nach der Herstellung der ersten
Leuchtdiode (LED, 1960) und Laserdiode (LD, 1970) auch deren optische Eigenschaften
ins Zentrum des Interesses von Forschung und Industrie. Durch die Synthese neuer Halb-
leitermaterialien wurde die Festk¨
orperphysik zum wichtigsten Forschungsschwerpunkt der
Physik.
Die Gruppe-III-Nitride belegen einen prominenten Platz unter den neuen Materialien,
da sie aufgrund ihrer Bandl¨
ucken f¨
ur vielf¨
altige Anwendungen in der Opto- und Hochleis-
tungselektronik pr¨
adestiniert sind. Zu dieser Gruppe geh¨
oren die Basismaterialien Indium-
nitrid (InN), Galliumnitrid (GaN) und Aluminiumnitrid (AlN), sowie die daraus gebildeten
tern¨
aren Verbindungen. Insbesondere InGaN, dessen Bandl¨
ucke theoretisch den gesamten
sichtbaren Bereich abdecken k¨
onnte, ist von besonderem Interesse f¨
ur Beleuchtung und
Unterhaltungselektronik.
So sind InGaN/GaN Heterostrukturen Teil einer optischen Revolution deren H¨
ohepunkt
noch bevorsteht. Sie bilden das Herz kommerziell vertriebener blau-gr¨
uner LEDs [Nak97]
und erm¨
oglichen durch Farbmischung erstmals die Produktion von weissen LEDs.
Quantisierungseffekte in niederdimensionalen Strukturen steigert die Effizienz der strah-
lenden Rekombination weiter [Bim99]. Insbesondere in InGaN Quantenpunkt-Lasern er-
Diplomarbeit, T. Bartel
2Einleitung
hofft man niedrigere Schwellstr¨
ome und gr¨
oßere Temperaturstabilit¨
at. Entsprechend w¨
achst
das Forschungsinteresse an 0-dimensionalen InGaN-Strukturen. Beeindruckend spiegelt
sich dies in der exponentiellen Zunahme von Ver¨
offentlichungen innerhalb der letzten Jahre
wider [Ara02].
Trotz einer hohen Versetzungsdichte in InGaN-Schichten ist die strahlende Rekombina-
tion dank der starken Lokalisierung von Exzitonen sehr wahrscheinlich [Chi97,Yu98a]. Als
Lokalisierungszentren in InGaN-Quantenschichten wurden mesoskopische Inseln mit ho-
her Indium-Konzentration beobachtet, welche klein genug sein k¨
onnen um Quantenpunkt-
Eigenschaften aufzuweisen [Hir98,Dam99,Mor00].
1.1 Motivation
InGaN-Quantenpunkt-Systeme wurden innerhalb der letzten 5 Jahre auf ihre Struktur und
Lumineszenz intensiv erforscht.
Rasterkraft- und Transmissions-Mikroskopie Untersuchungen zeigen nanoskopische In-
seln mit hohem Indium-Gehalt [Dam99,Kre02]. Die Inseln formen somit Potentialt¨
opfe in
denen Exzitonen eingefangen werden k¨
onnen, deren Rekombination die Lumineszenz der
Probe dominiert. Ortsaufgel¨
oste Kathodolumineszenz-Untersuchungen an einzelnen Quan-
tenpunkten zeigen außerdem scharfe Emissionslinien, die der δ-f¨
ormigen Zustandsdichte
der Quantenpunkte zugeschrieben werden [Seg04c].
Das zeitliche Verhalten der Lumineszenz des Quantenpunkt-Ensembles zeigt ein multi-
exponentielles Verhalten [Kre02]. Im Gegensatz dazu wurde f¨
ur einzelne Quantenpunkte
ein mono-exponentielles Abklingen gefunden [Rob03].
Das qualitativ unterschiedliche Verhalten der Ensemble- und der Quantenpunkt-Lumineszenz
konnte bisher noch nicht eindeutig erkl¨
art werden. Auch ist ¨
uber das zeitliche Verhalten von
Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten wenig bekannt. Der Einfluss auf die Dynamik der
Rekombination von Gr¨
oße und Form der Quantenpunkte, sowie von inneren elektrischen
Feldern ist noch gr¨
oßtenteils unverstanden.
Die vorliegenden Arbeit kn¨
upft an vorhergehende zeitaufgel¨
oste Messungen an und
stellt Lumineszenz-Messungen am Quantenpunkt-Ensemble und an einzelnen Quanten-
punkten direkt gegen¨
uber. Auf diese Weise kann ein tieferes Verst¨
andnis der Dynamik von
Exzitonen in InGaN-Quantenpunkt-Strukturen erreicht werden.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
1.2 Ziel und Gliederung der Arbeit 3
1.2 Ziel und Gliederung der Arbeit
Ziel der vorliegenden Arbeit ist der Aufbau eines Mikro-Photolumineszenz-Messstandes
(µ-PL) zur Untersuchung von nanostrukturierten InGaN-Quantenpunkt-Proben. Die Auf-
gabenstellung beinhaltet:
Aufbau einer Mikro-Photolumineszenz-Apparatur. Der Messstand muss ¨
uber eine
Anregung und einen Nachweis mit hoher ¨
ortlichen Aufl¨
osung verf¨
ugen und f¨
ur den
ultravioletten spektralen Bereich geeignet sein. Die Probe soll bis auf Temperaturen
von fl¨
ussigem Helium abzuk¨
uhlen sein.
Testen der Apparatur an InGaN-Quantenpunkten. Die Eignung der µ-PL zur Un-
tersuchung von einzelne Quantenpunkten soll an InGaN-Quantenpunkt-Proben de-
monstriert werden. Da bei diesem Material-System die Quantenpunk-Dichte sehr
hoch ist, muss auf eine Maskentechnik zur¨
uckgegriffen werden, um eine ¨
ortliche
Aufl¨
osung des Nachweises im Sub-Mikrometer-Bereich zu erreichen.
Erforschung der Dynamik von Exzitonen in solchen Strukturen. Anhand von zeit-
aufgel¨
osten Lumineszenz-Messungen am Quantenpunkt-Ensemble und der ortsauf-
gel¨
osten Messung an einzelnen Quantenpunkten soll das transiente Verhalten von
Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten verstanden werden. Insbesondere wird eine Er-
kl¨
arung f¨
ur das multi-exponentielle transiente Verhalten des Quantenpunkt-Ensembles
gesucht. Die Transferprozesse, denen Ladungstr¨
ager in InGaN-Quantenpunkten un-
terliegen k¨
onnen, sollen mit temperaturabh¨
angigen Messungen untersucht werden.
Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: In Kapitel 2werden die Grundlagen zum Verst¨
andnis
von Gruppe-III-Nitriden und InGaN-Quantenpunkten vorgestellt.
Die experimentellen Methoden, die in dieser Arbeit angewandt werden, sind in Kapitel
3beschrieben. Hier wird die zeitaufgel¨
oste Photolumineszenz eingef¨
uhrt, sowie in Detail auf
den Aufbau und die Handhabung der µ-PL eingegangen. Um Untersuchungen an isolierten
Quantenpunkten durchzuf¨
uhren, wurde die Probenoberfl¨
ache maskiert (Kapitel 4).
In Kapitel 5werden die im Rahmen dieser Arbeit durchgef¨
uhrten Messungen vorge-
stellt. Es wurden zeitaufgel¨
oste Photolumineszenz-Messungen am Quantenpunkt-Ensemble
sowie an einzelnen Quantenpunkten durchgef¨
uhrt und gegen¨
ubergestellt. Um die Relevanz
von Tunnel-Prozessen und thermische Aktivierung von Exzitonen abzusch¨
atzen, wurden
außerdem temperaturabh¨
angige Meßreihen aufgenommen.
Kapitel 6schließt die vorliegende Arbeit mit einer Zusammenfassung der Messergebnisse
und einem Ausblick auf weitere interessante Messungen.
Diplomarbeit, T. Bartel
Kapitel 2
Grundlagen der III-Nitride
Ziel dieses Kapitels ist es, ein Grundverst¨
andnis des tern¨
aren Materials Indium-Gallium-
Nitrid (InGaN) und der darauf basierenden niederdimensionalen Strukturen zu vermitteln.
Um dies zu erreichen, soll in Kapitel 2.1 auf die Kristallstruktur und das Wachstum seiner
Konstituenten, GaN und InN, eingegangen werden. In Kapitel 2.2 werden die optischen
Eigenschaften des Volumenhalbleiters InGaN dargestellt. InGaN-Quantenschichten und
Quantenpunkte (QP) werden etwas ausf¨
uhrlicher im Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben. Au-
ßerdem wird auf Effekte wie das Confinement von Ladungstr¨
ager und ihre Beeinflussung
durch innere elektrische Felder eingegangen. Abschließend wird das dynamische Verhalten
von Ladungstr¨
agern in solchen Strukturen vorgestellt.
2.1 Nitrid-Halbleiterkristalle
2.1.1 Hexagonale und kubische Kristallstruktur
Die elektrischen und optischen Eigenschaften von Festk¨
orpern werden durch ihre elek-
tronische Bandstruktur bestimmt. Diese ist stark von der kristallinen Anordnung der
Atomr¨
umpfe abh¨
angig. F¨
ur die Nitrid-Verbindungen GaN und InN ergeben sich zwei m¨
ogli-
che Kristallmodifikationen: Die hexagonale (h) Wurtzitstruktur und die kubische (c) Zink-
blendestruktur (siehe Abb. 2.1). Beide Phasen f¨
uhren zu einem Halbleiter mit direkter
Bandl¨
ucke. Aufgrund der trigonalen Verzerrung der tetraedrischen Verbindungen ergibt
sich jedoch f¨
ur die hexagonale Phase eine niedrigere Symmetrie und es kommt zu einer
Ladungstr¨
agertrennung, die eine Polarisation der Elementarzelle verursacht. Dies kann zu
starken elektrische Feldern f¨
uhren, die Ladungstr¨
ager und Bandstruktur beeinflussen (siehe
Kap. 2.3.3).
Diplomarbeit, T. Bartel
6Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.1: Hexagonale Wurtzitstruktur (h) und kubische Zinkblendestruktur (c) [Eck98]
In dieser Arbeit wurden ausschließlich hexagonale Proben untersucht, weshalb sich das
Folgende auf diese Kristallstruktur beschr¨
ankt.
2.1.2 Epitaktisches Wachstum
Epitaktisches1Wachstum, d.h. das Auftragen atomarer Monolagen (ML) auf ein Sub-
strat, wird an einer breiten Palette von Materialien betrieben, um saubere, einkristalline
Halbleiter zu erhalten. Molekularstrahl- (MBE) und metall-organische Gasphasenepitaxie
(MOCVD) von Gruppe-III-Nitriden wird seit den sp¨
aten 80er Jahren angewandt. Nitride
werden auf Fremdsubstraten gewachsen lassen, was eine hohe Fehlanpassung von Gitter-
konstanten und thermischen Expansionskoeffizienten zur Folge hat. Außerdem verhindert
die schlechte L¨
oslichkeit von Indium in Gallium homogene InGaN-Schichten.
Nitride mit Wurtzitstruktur werden meist auf einem Substrat gewachsen, das eine he-
xagonale Grundstruktur vorgibt. Neben Si(111) werden auch SiC und Saphir als Substra-
te genutzt, alle f¨
uhren jedoch aufgrund bedeutender Abweichung von Gitterabstand und
thermischem Expansionskoeffizent zu verspannten und defektreichen Schichten. Dies wird
durch im Anhang in Tabelle 6.2 aufgef¨
uhrten Gitterparameter und Gitterfehlanpassun-
gen illustriert. Bei einer Gitterfehlanpassung erfolgt bis zu einer kritischen Schichtdicke hc
ein pseudomorphes Wachstum, d.h. die Epischicht w¨
achst v¨
ollig verspannt mit der Git-
terkonstante des Substrats. F¨
ur Schichtdicken > hcentspannt sich das Material durch
Versetzungen, Vakanzen und andere Gitterfehler.
Die kritsche Schichtdicke von GaN auf Saphir liegt bei 2-3 ML, was f¨
ur 3D Kristalle
1Epi: an der Oberfl¨
ache, taxis: Anordnung (Griechisch)
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.2 Optische Eigenschaften des Volumenhalbleiters InGaN 7
zu Defektdichten von 108bis 1011/cm2f¨
uhrt [Gra97]. Diese Defekte in Form von Rissen,
Leerstellen und Versetzungen sind effektive nicht-strahlende Rekombinationszentren und
wirken sich fatal auf die Lumineszenzeigenschaften aus. Des Weiteren weisen nominell
undotierte GaN-Kristalle eine elektronische Ladungstr¨
agerdichten von ∼1016/cm2auf (f¨
ur
eine ¨
Ubersicht zu diesem Thema siehe z.B. [Jai00]).
Um die Defektdichte zu reduzieren, werden zum Teil sehr aufw¨
andige Verfahren ange-
wandt. Etabliert hat sich das Wachstum bei tiefen Temperaturen einer Nukleationsschicht
(seed layer) aus GaN oder AlN mit einer dicken und bei hohen Temperaturen gewachsenen
Buffer-Schicht [Ama98]. Diese Vorgehensweise baut Spannungen ab und reduziert die De-
fektdichte. Noch weiter geht das ”strain engineering” bei dem die Struktur des Substrats
Defekte an bestimmten Stellen gezielt induziert und so an anderen Stellen entspanntes und
nahezu defektfreies Wachstum erm¨
oglicht [Dad03].
2.1.3 InGaN
Die tern¨
are Verbindung zwischen Indium, Gallium und Stickstoff hat erst in den letzten 10
Jahren wachsendes Interesse erfahren. Ihr Wachstumsverhalten folgt prinzipiell dem ihrer
Konstituenten. Es ist jedoch in der Literatur noch umstritten, wie sich die Entmischung
von Indium in InGaN genau auf den Wachstum auswirkt.
Unbestritten ist, dass die chemische Komposition einer d¨
unnen InGaN-Schicht nicht
einheitlich ist. Ortsaufgel¨
oste XPS und TEM Messungen an InGaN-Kristallen weisen mi-
kroskopische Fluktuationen des Indiumgehalts nach. Diese Fluktuationen sind klein genug,
um Quantenpunkt-Eigenschaften aufzuweisen [Mus02].
Verschiedene Gruppen haben InxGa1−xN mit einer Indiumkonzentration x zwischen
0,05 und 0,2 wachsen lassen. Grandjean und Massies fanden kritische Schichtdicken von
nur wenigen ML [Gra98], w¨
ahrend Akasaki und Amano kritische Schichtdicken von fast
0.5 µm beschreiben [Aka98]. Eine Abh¨
angigkeit von der Indiumkonzentration wurde nicht
nachgewiesen.
Im Kapitel 4wird auf die genaue Struktur der untersuchten Proben eingegangen.
2.2 Optische Eigenschaften des Volumenhalbleiters In-
GaN
Photonen k¨
onnen in Halbleitern Ladungstr¨
ager ¨
uber die Bandl¨
ucke anregen. Diese k¨
onnen
ihre Energie auf unterschiedliche Weise wieder abgeben. Die wichtigsten Prozesse hierzu
Diplomarbeit, T. Bartel
8Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.2: Logarithmische und lineare (inset) Darstellung der Lumineszenz von GaN in
Bandkantenn¨
ahe. Markiert sind die exzitonischen ¨
Uberg¨
ange (X). Auf der rechten Skala ist das
Reflexionsspektrum aufgetragen, das die Identifikation von freien Exzitonen erlaubt [Rod01].
sind Band-Band-Rekombination, exzitonische ¨
Uberg¨
ange sowie nicht-strahlende Rekombi-
nation ¨
uber Defekte. Die direkte Band-Band-Rekombination, ist in Gruppe-III-Nitriden
sehr ineffektiv. Am Beispiel eines GaN Photolumineszenz-Spektrums (PL) soll auf die un-
gleich wahrscheinlicheren exzitonischen Rekombinationsprozesse eingegangen werden.
2.2.1 Exzitonische Rekombination
Bei Absorption eines Photons mit ausreichender Energie kann ein Elektron ¨
uber die Bandl¨
ucke
in das Leitungsband (LB) angeregt werden. Es hinterl¨
aßt im Valenzband (VB) eine po-
sitiv geladene Vakanz, die als ”Loch” bezeichnet wird. Elektron und Loch treten ¨
uber
die Coulomb-Anziehung in Wechselwirkung und senken so ihre Energie ab. Diese neuen
energetischen Zust¨
ande existieren nur, wenn die Ladungstr¨
ager sich gegenseitig anziehen,
und man spricht deshalb von einem neuen Teilchen: dem Exziton. Exzitonen entstehen an
kritischen Punkten der Bandstruktur an denen gilt
∇kELB =∇kEV B.(2.1)
In direkten Halbleitern wie GaN und InGaN enstehen Exzitonen also vorzugsweise an den
Bandextrema.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.2 Optische Eigenschaften des Volumenhalbleiters InGaN 9
Abbildung 2.2 zeigt das Emissionsspektrum einer dicken GaN-Epischicht. Die Bandl¨
ucke
liegt bei 3,506 eV [Eck95], doch ist die Anziehung von Elektron und Loch im GaN so stark,
dass bandkantennahe Rekombination nur ¨
uber exzitonische Prozesse geschieht, welche eine
komplexe energetische Struktur aufweist. Da GaN ¨
ahnliche exzitonische Eigenschaften wie
InGaN besitzt, soll im Folgenden etwas n¨
aher auf diese eingegangen werden.
Zwei Prozesse f¨
uhren zu einem ausgepr¨
agten Verhalten der Lumineszenz von GaN: a)
bedingt durch die Bildung von Exzitonen mit ihrer energetischen Struktur und b) durch
Aufspaltung des Valenzbandes in die Subb¨
ander A, B und C (f¨
ur eine theoretische Ab-
handlung siehe z.B. Rodina et al. [Rod01]).
Um die Bindungsenergie und die Ausdehnung eines Exzitons zu berechnen, muss das
quantenmechanische Zweik¨
orperproblem zweier Teilchen entgegengesetzter Ladung gel¨
ost
werden. Analog zur Rydbergenergie Ryund zum Bohrradius a0des Wasserstoffatoms ergibt
sich die effektive Rydbergenergie als exzitonische Bindungsenergie EX
bin und der Exziton
Bohrradius aX
0im Volumenhalbleiter zu
EX
bin =µe4
8h2
aX
0=4π¯h2
µe2,
mit den ¨
ublichen Definitionen von e, ¯hund =0r.µist hier die effektive reduzierte Masse
des Exzitons und wird durch die Bandstruktur bestimmt. Unter der a priori Annahme, dass
der Bohrradius sehr viel gr¨
oßer als die Gitterkonstante ist (Wannier-Exziton [Wan37]),
k¨
onnen wir die Volumenwerte f¨
ur raus Tabelle 6.1 ¨
ubernehmen. Mit der reduzierten
Masse µ=m∗
em∗
h/(m∗
e+m∗
h) ergibt sich nun f¨
ur GaN:
EXC
bin =m0e4
82
0h2·µ
m02
r
aX
0=4π¯h2
m0e2·m0r
µ
Mit Werten aus Tab. 6.1 ergibt sich eine Bindungsenergie von 30 meV und ein Exziton-
Bohrradius von 26 ˚
A. Die Bindungsenergie ist selbst bei Raumtemperatur h¨
oher als die
thermische Energie (kBT= 25meV ) der Ladungstr¨
ager und deutet an, dass GaN-Exzitonen
sehr stabile Teilchen sind. Dies erkl¨
art das Dominieren der bandkantennahen Rekombina-
tionsprozesse durch exzitonischen ¨
Uberg¨
ange.
Diplomarbeit, T. Bartel
10 Grundlagen der III-Nitride
Die Gesamtenergie des freien Exzitons EXergibt sich zu:
EX(n) = Eg−EX
bin ·1
n2+¯h2K2
2M(2.2)
Hier ist Egdie Bandl¨
ucke und der Term rechts die kinetische Energie des Exzitons mit
Wellenvektor Kund Masse M=m∗
e+m∗
h.
Die Emissionspeaks in Abbildung 2.2 lassen sich klar den Rekombinationen der Exzito-
nen mit Schwerloch, Leichtloch und Split-off -Loch (XA,XBund XC) und ihren angeregten
Zust¨
anden zuordnen.
Am Inset von Abbildung 2.2, in dem die Lumineszenzintensit¨
at von GaN linear aufge-
tragen ist, wird klar, dass die Rekombination von freien Exzitonen im GaN noch hinter
anderen Prozessen zur¨
uckbleibt, die im Spektrum mit dem Pr¨
afix D0beschrieben werden.
Es handelt sich hierbei um die Rekombination gebundener Exzitonen.
Gebundene Exzitonen und Vielteilchen-Effekte
Exzitonen k¨
onnen als Teilchen mit anderen Elementen des Kristalls wechselwirken. Generell
k¨
onnen sie sich an einen neutralen oder geladenen Donator ((D0,X) oder (D+,X)) bzw.
Akzeptor ((A0,X) oder (A−,X)) binden. GaN besitzt wegen seiner Defektdichte eine hohe
Konzentration von Donatoren (Kap. 2.1.2), die XAeffektiv binden und zu einer strahlenden
Rekombination des (D0,XA)-Komplexes f¨
uhren.
Bei hohen Anregungsintensit¨
aten treten insbesondere bei Exzitonen leicht Mehrteil-
cheneffekte auf. Wird ein zus¨
atzlicher Ladungstr¨
ager eingefangen, entsteht ein Trion (X−
oder X+). Bei Wechselwirkung mit einem weiteren Exziton formt sich ein Biexziton (XX).
Die Bindungsenergie der Zust¨
ande ¨
außert sich in der Lumineszenz des Zerfalls und kann so
mit optischen Methoden gemessen werden. Bei Lumineszenzmessungen lassen sich Exzito-
nen und Biexzitonen durch Variation der Anregungsintensit¨
at unterscheiden. Die Abh¨
angig-
keit der Exzitonenintensit¨
at von der Anregungsdichte verl¨
auft linear, w¨
ahrend die Lumi-
neszenzintensit¨
at des Biexzitons quadratisch zunimmt.
Mehrteilcheneffekte sind auch in Lokalisierungszentren, die aufgrund von Bandl¨
ucken-
schwankungen enstehen, sehr wahrscheinlich. Exzitonen, die in solchen Potentialt¨
opfen
gefangen werden, bezeichnet man als lokalisierte Exzitonen. Die Bandl¨
ucke h¨
angt sowohl
von der Temperatur wie der chemischen Zusammensetzung des Kristalls ab.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.2 Optische Eigenschaften des Volumenhalbleiters InGaN 11
2.2.2 Bandl¨
uckenverhalten
Die Bandl¨
ucke Egeines Mischkristalls liegt zwischen den Bandl¨
ucken seiner Konstituenten.
Beachtenswert bei InN und GaN ist die enorme Bandl¨
uckendifferenz vom Infraroten bis
ins Ultravioletten (siehe Tab. 6.1). Eine empirische Formel beschreibt das Verhalten von
Eg(InxGa1−xN) als Funktion der Indiumgehaltes x:
Eg(InxGa1−xN) = x·Eg(InN) + (1 −x)Eg(GaN)−bx(1 −x) (2.3)
Hier ist bein f¨
ur jedes Materialsystem charakteristischer ”bowing”-Parameter, der die
nichtlineare Abh¨
angigkeit der Bandl¨
ucke von der Indium-Konzentration beschreibt (siehe
z.B. [Vur03]). Da bei tiefen Temperaturen die Bandl¨
ucke von Indium bei 0,7 eV und die von
Gallium bei 3,5 eV liegt, l¨
asst sich f¨
ur InGaN durch Variieren des Indiumanteils prinzipiell
das gesamte sichtbare Spektrum abdecken.
Bezeichnend f¨
ur die Herausforderung, die Nitride an die Forschergemeinschaft darstellt,
ist, dass selbst ein so grundlegender Parameter wie die Bandl¨
ucke von InN Gegenstand
kontroverser Diskussionen ist. In der Tat wurde erst 2002 nachgewiesen, dass dieser Wert
bei 4,2 K zwischen 0,7 eV bis 0,9 eV liegt und nicht bei 1,9 eV, wie lange angenommen2
[Wu02,Dav02,Mat02].
Bei steigender Temperatur nimmt der Einfluss von Gitterschwingungen auf die Band-
struktur eines Kristalls zu. Die Bandl¨
ucke wird durch die Bewegungen der Atomr¨
umpfe ver-
kleinert. Dies geschieht ¨
uber (1) die thermische Expansion, die die Entfernung zwischen den
Kristallatomen erh¨
oht, (2) das ”Verschmieren” des periodischen Potentials durch starke Be-
wegungen der Atome und (3) die gegenseitige Abstoßung von Elektronen im gleichen Band
und Zunahme der sog. Fan-Terme (2. St¨
orungsordnung f¨
ur Interbandkopplung) [Rid88]. Ei-
ne empirische Beschreibung der Temperaturabh¨
angigkeit von Egliefert die Varshni-Formel
[Var67]:
Eg(T) = Eg(0) −α·T2
β+T(2.4)
Hierbei sind αund βmaterialspezifische Konstanten (siehe Tab. 6.1).
2Es wird angenommen, dass fr¨
uher aufgrund der schlechten Kristallqualit¨
at die Bandl¨
ucke von In2O3
oder InN Nanostrukturen gemessen wurde.
Diplomarbeit, T. Bartel
12 Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.3: Heterostruktur aus zwei Halbleitern A und B mit Bandl¨
ucke Eg(A) bzw.
Eg(B) vom Typ I (Elektron und Loch werden am selben Ort lokalisiert, dies entspricht einer
GaN/InGaN/GaN Heterostruktur), und Typ II (Elektron und Loch werden R¨
aumlich getrennt).
2.3 Niederdimensionale Strukturen
Seit Esaki und Tsu 1970 die Herstellung von ¨
Ubergittern aus zwei Halbleitern unterschied-
licher Bandl¨
ucke vorschlugen [Esa70], sind nanostrukturierte Materialien produziert und
erforscht worden. Insbesondere GaN/InGaN/GaN Strukturen sind aufgrund ihrer optischen
Eigenschaften von aktuellem und zuk¨
unftigem Interesse. Dieser Abschnitt befaßt sich mit
den grundlegenden Eigenschaften solcher Heterostrukturen.
2.3.1 Reduktion der Dimension
Dem Vorschlag von Esaki und Tsu folgend, l¨
asst sich durch epitaktisches Wachstum einer
Heterostruktur (Lagen zweier Halbleitermaterialien unterschiedlicher Bandl¨
ucke), eine neue
Potentiallandschaft modellieren [Esa70]. Es werden zwei Typen von Banddiskontinuit¨
aten
unterschieden: In Typ I wirken die Lokalisierungspotentiale gleichermaßen auf Elektron
und Loch, w¨
ahrend in Typ II die beiden Ladungstr¨
ager r¨
aumlich getrennt werden (Abb.
2.3).
Wird auf einen GaN Kristall eine Schicht InGaN und eine weitere Schicht GaN ab-
geschieden, so entsteht eine Typ-I-Doppel-Heterostruktur. Die Gr¨
oße der Banddiskonti-
nuit¨
aten h¨
angt von der Bandl¨
ucke des InGaN ab, sowie von der relativen Lage seines VB,
bzw LB3. Schr¨
ankt man die Bewegungsfreiheit von Ladungstr¨
agern durch einen Potential-
topf ein, so ist eigentlich die f¨
ur die Herleitung des Blochelektrons n¨
otige Voraussetzung des
3Genaue Messungen von Bandgapdiskontinuit¨
aten sind schwierig. F¨
ur Rechnungen wird angenommen,
dass sich die Banddiskontinutit¨
at zu 2/3 im LB niederschl¨
agt [Mar96,Chi01].
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.3 Niederdimensionale Strukturen 13
Abbildung 2.4: Von einem Volumenhalbleiter ausgehend wird die Dimensionalit¨
at durch Ein-
schr¨
ankung der Bewegungsfreiheit sukzessiv reduziert (oben), die entsprechenden Zustandsdich-
ten D(E) zeigen erst Subb¨
ander und schließlich Diskretisierung (unten) [Seg04b].
unendlichen Kristalls verletzt. Dennoch lassen sich auch sehr kleine Strukturen erfolgreich
mit den Bandeigenschaften und effektiven Massen des Volumenkristalls beschreiben.
Kommt die Dicke der InGaN-Schicht in die Gr¨
oßenordnung der effektiven De-Broglie-
Wellenl¨
ange λ∗
deBroglie der Ladungstr¨
ager4, bzw. des Bohrradius des Exzitons bilden sich in
Schichtrichtung stehende Wellen mit einer Modenstruktur aus. Diese Situation entspricht
dem quantenmechanischem Potentialtopfproblem, dessen L¨
osung einen oszillierenden An-
teil innerhalb des Potentialtopfes und einen exponentiellen Abfall außerhalb besitzt.
Die Quantisierung hat zur Konsequenz, dass der Impuls keine gute Quantenzahl mehr
ist, die kz-Erhaltung ist aufgehoben. Außerdem wirkt sich die Einschr¨
ankung der Bewe-
gungsfreiheit der Ladungstr¨
ager auch auf ihre Zustandsdichte aus, die in der Wachstums-
richtung diskret geworden ist. In der Schichtebene bleiben die Dispersionsrelationen die
gleichen wie im Volumen. Insgesamt ergibt sich also in erster N¨
ahrung eine parabolische
Dispersion mit einer Subbandstruktur.
Die Dimensionalit¨
at eines Systems wird definiert als die Anzahl Raumrichtungen, in
denen sich die Ladungstr¨
ager frei bewegen k¨
onnen. Aus dem Volumenhalbleiter erh¨
alt
man bei sukzessiver Einschr¨
ankung der Dimensionalit¨
at einen Quantenfilm, Quantendraht
und schließlich den 0-dimensionalen Quantenpunkt. Abbildung 2.4 stellt dies schematisch
zusammen mit den entsprechenden Zustandsdichten dar.
4λ∗
deBroglie =h/p2m∗(E−EB) mit m∗- effektive Masse des Ladungstr¨
agers und EB- Energie des
Bandes in dem sich der Ladungstr¨
ager befindet.
Diplomarbeit, T. Bartel
14 Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.5: Spontane Polarisation in einer GaN/InGaN/GaN Heterostruktur
Von besonderem Interesse ist die treppenf¨
ormige Zustandsdichte von Quantenschichten
und die diskrete (δ-f¨
ormige) Zustandsdichte von Quantenpunkten. Die abrupte Bandkan-
tenzustandsdichte verbessert die Lumineszenzeigenschaften enorm, sie wird intensiver und
engbandiger. Des Weiteren ist in einzelnen 0-dimensionalen Strukturen eine Besetzungsin-
version schon mit einem Elektronen-Loch-Paar erreicht, was Laseranwendungen bei gerin-
gen Pumpintensit¨
aten erm¨
oglicht [Bim99].
2.3.2 Lokalisierung und Confinement
In einem Potentialtopf werden Ladungstr¨
ager lokalisiert, d.h. sie werden ¨
ortlich gebunden.
Erst wenn die Ausmaße des lokalisierenden Potentials sich in der Gr¨
oßenordnung des Teil-
chens befinden, treten Quantisierungseffekte auf und man spricht von confined particles,
eingeengten Teilchen. Es muss nun die Lokalisierungsenergie Eloc von der Confinement-
energie Econf unterschieden werden. Wie in Abbildung 2.6 (links) dargestellt, ist Econf der
Abstand des Grundzustandes zum Boden des Potentialtopfes, sie h¨
angt von der St¨
arke
der Einengung ab, d.h. von der Breite und H¨
ohe des Potentialtopfes. Eloc ist die Energie-
differenz vom Grundzustand bis an den Rand des Potentialtopfes. Bei gleich bleibenden
Bandkantendifferenzen aber unterschiedlichen Strukturgr¨
oßen l¨
asst sich aus dem Lumi-
neszenzverhalten auf die Confinementenergie schließen. Wenn hingegen bei temperatur-
und zeitabh¨
angigen Messungen Aktivierungsenergien ermittelt werden, so handelt es sich
immer um die Lokalisierungsenergie.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.3 Niederdimensionale Strukturen 15
2.3.3 Elektrische Felder - Quantum Confined Stark Effect
In hexagonalen Nitriden sind die Bindungsl¨
angen zwischen Metall- und Stickstoffatomen im
relaxierten Zustand entlang der (0001)-Richtung l¨
anger als auf den Diagonalen. Diese Stau-
chung f¨
uhrt aufgrund des ionischen Charakters von Metall-Nitrid-Verbindungen zu einer
asymmetrischen Verteilung der Ladungstr¨
ager innerhalb der Elementarzelle. Die hieraus
resultierende Polarisation wird als spontane Polarisation bezeichnet. Man unterscheidet sie
von der piezoelektrischen Polarisation, die in gleicher Weise aufgrund von Verspannungen
auftreten kann5.
Des Weiteren ist in Wurtzitkristallen die [0001]-Richtung nicht mit der [000¯
1]-Richtung
¨
aquivalent. Entsprechend h¨
angt die Polarisation von der Ausrichtung des Kristalls ab.
So unterscheidet man (0001)-Fl¨
achen, die mit Gallium abgeschlossen sind (Ga-face), und
(000¯
1)-Fl¨
achen, die aus einer Schicht Stickstoffatomen bestehen (N-face)6(Abb. 2.5).
Wird Heteroepitaxie betrieben, werden also unterschiedliche Materialien aufeinander
aufgetragen, so entsteht an den Grenzfl¨
achen ein Polarisationssprung, der nach Poisson
∇·P=−ρeine Ladungstr¨
agerdichte ρinduziert. Diese f¨
uhrt zu starken elektrische Feldern
(Abb. 2.5). Als grobe Absch¨
atzung der durch spontane Polarisation hervorgerufenen Felder
sei folgende Rechnung an einer GaN/InN/GaN-Schicht angestellt: die Ladungsdichte an
den Grenzfl¨
achen ergibt sich zu
ρsp = 2 ·(PGaN
sp −PInN
sp )
und induziert ein elektrisches Feld Esp =ρsp/. Mit den Werten aus Tabelle 6.1 und 6.2
ergibt sich somit Esp ∼
=1,2MV/cm.
Rein rechnerisch ergibt sich bei einer Schichtdicke von 10 nm eine Potentialdifferenz
von ¨
uber 1 V an den beiden Grenzschichten. Die daraus folgende Bandverkippung hat
eine starke Auswirkung auf Ladungstr¨
ager und Lumineszenz [Amb99]. In Anlehnung an
den Stark-Effekt in Atomen, der die Ver¨
anderung der energetischen Zust¨
ande durch ein
¨
außeres elektrisches Feld beschreibt, nennt man diesen Effekt Quantum Confined Stark
Effect (QCSE) [Mil85]. Abb. 2.6 zeigt den schematischen Bandverlauf in einem Quantenfilm
mit und ohne elektrischem Feld.
Die Verkippung der B¨
ander hat drei grundlegende Auswirkungen auf die in einer Quan-
tenstruktur lokalisierten Exzitonen:
5F¨
ur eine theoretische Abhandlung siehe z.B. Bernardini et al. in [Ber97].
6Erstaunlicherweise sind alle MOCVD gewachsenen Proben Ga-face in Wachstumsrichtung (0001)
[Dad03].
Diplomarbeit, T. Bartel
16 Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.6: (links) Illustration der Lokalisierungsenergie (Eloc) und Confinement-Energie
(Econf ) an einer GaN/InGaN/GaN-Quantenschicht der Dicke d, (rechts) ein elektrisches Feld
neigt das VB und das LB und f¨
uhrt zu einer Reduktion des Wellenfunktions¨
uberlapps und einer
Rotverschiebung der ¨
Ubergangsenergie (E0(X)< E(X)) [Seg04b].
1. Absenkung der Grundzustandsenergie: Durch die Bandverbiegung wird die Energie
der Ladungstr¨
agerzust¨
ande abgesenkt.
2. Absenkung der Exzitonenbindungsenergie: Durch die r¨
aumliche Trennung von Elek-
tron und Loch verringert sich die Coulomb-Wechselwirkung zwischen beiden Teilchen.
3. Veringerung der Oszillatorst¨
arke des Exzitons: Durch die Trennung von Elektron und
Loch verringert sich der Wellenfunktions¨
uberlapp, was eine strahlende Rekombinati-
on der beiden Ladungstr¨
ager unwahrscheinlicher macht. Dies schw¨
acht die Lumines-
zenzintensit¨
at und beeinflusst das dynamische Verhalten.
Die ersten beiden Effekte beeinflussen die Emissionswellenl¨
ange und bewirken eine Rot-
verschiebung einerseits (1) und eine Blauverschiebung andererseits (2). Die Bindungsener-
gie des Exzitons ist jedoch so klein, dass im allgemeinen die Rotverschiebung durch die
Bandverbiegung der dominante Effekt ist. Bei den Feldst¨
arken, wie sie in Nitriden auftre-
ten, kann die Rotverschiebung 0,5 eV und mehr betragen [Wid98].
Lefebvre et al. haben InGaN-Quantenschichten mit einer Indium Konzentration von
15-20% und einer Dicke von 2 bis 5.5 nm untersucht. F¨
ur die unterschiedlichen Schicht-
dicken wandert das Lumineszenzmaximum von 2.9 eV zu 2.0 eV und die Abklingzeit der
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.3 Niederdimensionale Strukturen 17
Abbildung 2.7: Illustration des QCSE am Abklingverhalten und Lumineszenzmaximum von
InGaN-Schichten von 2,0 nm (Viereck) bis 5,5 nm Dicke (Rhombus). Es wird eine reduzierte
Zeitskala verwendet (τ/τ0) [Lef01].
Lumineszenz nimmt um einen Faktor 104zu (Abb. 2.7). Diese Werte lassen sich nur durch
zunehmende Elektron-Loch-Separation aufgrund des QCSE erkl¨
aren. Lefebvre et al. schlie-
ßen deshalb auf ein internes elektrisches Feld von 2.45 MV/cm. Durch Verspannungen
verursachte piezoelektrische Felder scheinen hier eine gr¨
oßere Rolle zu spielen als die der
spontanen Polarisation [Lef01].
In Quantenpunkt-Strukturen treten noch weitere Felder auf, die sich den konstanten
piezoelektrischen Feldern ¨
uberlagern. Diese sehr viel schw¨
acheren und stochastisch fluktu-
ierenden E-Felder werden durch lokale Be- und Entladungen verursacht und produzieren
¨
uber den QCSE den sogenannten Jitter, Variationen einzelner Emissionslinien von eini-
gen meV ¨
uber Sekunden hinweg. Zeigen zwei Emissionslinien den gleichen Jitter, so haben
sie ihren Ursprung im selben Quantenpunkt [T¨
ur00]. Es konnte f¨
ur II-VI Quantenpunkte
nachgewiesen werden, dass es sich bei den Quellen dieser Felder haupts¨
achlich um Be-
und Entladungen von Oberfl¨
achenzust¨
anden handelt [T¨
ur02]. Dies ist f¨
ur die untersuchten
Nitrid-Proben nicht der Fall [Seg04b].
Diplomarbeit, T. Bartel
18 Grundlagen der III-Nitride
2.4 InGaN-Quantenpunkte
Ein Quantenpunkt definiert sich durch ein Confinement der in ihm lokalisierten Ladungs-
tr¨
ager in alle drei Raumrichtungen. Aufgrund der hohen effektiven Massen (Tab. 6.1) resul-
tieren f¨
ur InGaN Exziton-Bohr-Radien von nur wenigen Nanometern. Entsprechend klein
m¨
ussen InGaN-Strukturen sein, um Quantisierungseffekte zu zeigen.
Es wird gezeigt werden, dass epitaktisch gewachsene InGaN-Quantenschichten keines-
wegs homogen sind. Im Gegenteil werden ihre Lumineszenzeigenschaften von Lokalisie-
rungszentren dominiert, die sich beim Wachstum durch Materialumverteilungen selbst¨
andig
formen. Diese Lokalisierungszentren k¨
onnen auch Quantenpunkt-Eigenschaften aufweisen
[Mor00,Nar02,Sun04].
2.4.1 Wachstum
Die Gitterfehlanpassung ist f¨
ur das Wachstum von Volumenkristallen unerw¨
unscht, erm¨
oglicht
jedoch erst das selbstorganisierte Wachstum von Quantenpunkten. Je nach Fehlanpassung
∆a ergeben sich aus Gr¨
unden der Energieminimierung verschiedene Wachstumsmodi. Die
innere Energie der Schicht, die bei gr¨
oßeren Gitterfehlanpassungen anw¨
achst, verursacht
nach der Relaxation eine Rissbildung. Die Grenzfl¨
achenenergie fordert eine Abs¨
attigung
der Atombindungen und f¨
uhrt zu einem 3-dimensionalen Wachstum. Je nachdem wie groß
die Gitterfelanpassung und die Schichtdicke ist, ergeben sich drei verschiedene Wachstums-
modi (siehe Abb. 2.8)[Dar97]:
•Frank-van der Merwe-Wachstum erfolgt bei kleinen Fehlanpassungen (∆a≤5%) und
entspricht dem Ablegen einer Monolage (ML) nach der anderen auf das Substrat. Die
Schicht w¨
achst pseudomorph mit der Gitterkonstante des Substrats.
•Vollmer-Weber-Wachstum erfolgt bei großer Fehlanpassung (∆a≥15%). Die Epi-
schicht ist so verspannt, dass sich das Material auf dem Substrat zu relaxierten Ge-
bilden, meist in der energetisch und kristallin g¨
unstigen Pyramiden-Form, anh¨
auft.
•Stranski-Krastanov: Das Wachstum ist hier (∆a≈5−15%) eine Kombination
der beiden vorhergegangen Modi: Eine Benetzungsschicht von wenigen ML bedeckt
erst das Substrat, w¨
ahrend ¨
ubersch¨
ussiges Material einem Pyramiden-f¨
ormigen 3D-
Wachstum folgt.
W¨
ahrend bei herk¨
ommlichen III-V-Systemen (InP, GaAs, etc.) das Stranski-Krastanov
Wachstum zur Herstellung von Quantenpunkten genutzt wird und zu recht gleichf¨
ormigen
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.4 InGaN-Quantenpunkte 19
Abbildung 2.8: Die drei Wachstumsmodi: (a) Frank-van der Merwe, (b) Vollmer-Weber, (c)
Stranski-Krastanov
und gut definierten Pyramiden f¨
uhrt, ist InGaN noch bei weitem nicht so gut beherrscht.
Wie in ZnCdSe-Quantenpunkt-Systemen [Dwo02] werden bei der Herstellung von InGaN-
Quantenpunkten zwei unterschiedliche Wachstumsmodi beobachtet. Beim verspannten In-
selwachstum wird durch Ablegen von wenigen ML InxGa1−xNmit x= 0.2−0.35 mit-
tels MBE ein 3-dimensionales Wachstum erreicht, welches dem Stranski-Krastanov-Modus
¨
ahnelt. Die Strukturen emittieren im Blauen bis ins nahe UV, besitzen eine Dichte von
1010−1011/cm2und zeigen Quantenpunkteigenschaften [Dam99,Ade00]. In d¨
unnen InGaN-
Schichten enstehen außerdem durch die schlechte L¨
oslichkeit von Indium in GaN Bereiche
mit hoher Indiumkonzentration. Es formen sich so nanoskopische Entmischungsinseln mit
erh¨
ohtem Indiumgehalt, die Quantenpunkt-Eigenschaften aufweisen k¨
onnen [Seg04c].
Um Gr¨
oße und Verteilung von Quantenpunkten, die aus 3D-Wachstum hervorgegan-
gen sind, zu ermitteln, werden oberfl¨
achensensitive Methoden wie Rasterkraft-Mikroskopie
angewandt. Abbildung 2.9 zeigt eine solche Aufnahme von InGaN-Quantenpunkten. Diese
Technik ist f¨
ur Entmischungsinseln nicht anwendbar. Es wird deshalb auf ein Verfahren
zur¨
uckgegriffen, bei dem die chemische Komposition der Probe mit hoher Ortsaufl¨
osung
gemessen werden kann. Dies geschieht indirekt durch Messung der Gitterkonstante mit Hil-
fe der Transmission-Elektronen-Mikroskopie (TEM). Nach der Vegard’schen Regel variiert
die Gitterkonstante aeines Mischkristalls linear zwischen den Gitterkonstanten der reinen
Materialien:
a(InxGa1−xN) = x·a(InN) + (1 −x)·a(GaN)
Ist a(InxGa1−xN) bekannt, so erm¨
oglicht dies also den R¨
uckschluss auf die chemische
Komposition des Kristalls. Dies macht sich die Methode des Digital Analysis of Lattice
Images (DALI) zunutze [Ros96]. Abbildung 2.10 zeigt eine DALI-Aufnahme von InGaN-
Diplomarbeit, T. Bartel
20 Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.9: 1x1µm2AFM-Bild von
selbstorganisierten 3D-InGaN-Inseln [Dam99].
Abbildung 2.10: DALI-Aufnahme von
InGaN-Quantenpunkten in einem InGaN/GaN
¨
Ubergitter [Kre02].
Quantenpunkten des Entmischungstyps. Deutlich erkennbar sind Indium-reichen Inseln mit
einer Ausdehnung von wenigen Nanometern.
Aus diesen Strukturanalysen wird klar, dass insbesondere die Fluktuationsinseln eine
schlechte Homogenit¨
at der Quantenpunkte besitzen: ihre Gr¨
oße und Potentialtiefe sind
weit gestreut. Auch die geometrische Form ist willk¨
urlich. Des Weiteren l¨
asst sich aus
der Potentialtiefe nicht auf die Lokalisierungsst¨
arke schließen, da diese von der chemi-
schen Zusammensetzung der Umgebung abh¨
angt. Eine Koexistenz oder Mischung beider
Quantenpunkt-Typen, wie es z.B. von ZnCdSe-Quantenpunkten bekannt ist [Dwo02], konn-
te f¨
ur InGaN noch nicht eindeutig nachgewiesen werden [Oli03].
2.4.2 Lumineszenzeigenschaften
Die Lumineszenz von Quantenpunkten besitzt eine Reihe von Charakteristika, die sie von
Licht aus dem Volumenmaterial oder aus homogenen Quantenschichten unterscheidet.
Wird ein Quantenpunkt isoliert spektroskopiert, so zeigt sich aufgrund seiner δ-f¨
ormi-
gen Zustandsdichte ein Spektrum von spektral scharfen Linien. Die Herkunft verschie-
dener Linien aus demselben Quantenpunkt l¨
asst sich mit Hilfe des Jitters (siehe Kap.
2.3.3) eindeutig bestimmen. Bei Kathodolumineszenzuntersuchungen von Seguin et al. an
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.4 InGaN-Quantenpunkte 21
Abbildung 2.11: Kathodolumineszenz-Spektrum der TU6938 InGaN-QP-Probe. Die markierten
Linien wurden ¨
uber den Jitter einem einzelnen Quantenpunkt zugeordnet [Seg04a].
der TU6938 InGaN-QP-Probe (siehe Kap. 4) wurden ¨
uber den ganzen spektralen Bereich
der Emission (2,8 eV bis 3,2 eV) scharfe Linien nachgewiesen. Es konnten bis zu sechs
Linien einem einzelnen Quantenpunkt zugeschrieben werden. Abbildung 2.11 zeigt ein sol-
ches Kathodolumineszenz-Spektrum. Die markierten Linien stammen aus einem einzelnen
Quantenpunkt. Unter diesen konnte durch intensit¨
atsabh¨
angige Messungen Exziton und
Biexziton identifiziert werden [Seg04c].
In einem QP-System mit unterschiedlich tiefen Lokalisierungspotentialen beeinflussen
temperaturabh¨
angige Transferprozesse die Form der Lumineszenz und erlauben so R¨
uck-
schl¨
usse auf die Beschaffenheit des QP-Ensembles und auf die Existenz von Umvertei-
lungsprozessen (siehe Kap. 5.3). Ein weiteres Indiz f¨
ur Lokalisierung ist die Existenz von
Aktivierungsenergien, die das Entfliehen der Exzitonen aus den Quantenpunkten widerspie-
geln. Dies ¨
außert sich zum Beispiel in einer schnellen Abnahme der Lumineszenzintensit¨
at
oberhalb einer charakteristischen Temperatur.
Diplomarbeit, T. Bartel
22 Grundlagen der III-Nitride
2.5 Dynamik der Rekombination
Die Untersuchung der Rekombinationsdynamik eines Systems kann viel zu dessen Verst¨
and-
nis beitragen. Von besonderen Interesse ist es, die verschiedenen Prozesse, die zur Lumi-
neszenz oder zur nicht-strahlenden Rekombination f¨
uhren, zu verstehen.
In Lumineszenz-Experimenten wird immer nur die Abklingzeit der Lichtemission τP L
gemessen. Im Rahmen eines einfachen 2-Niveau-Modells ergibt sich τP L aus einer ¨
Uberla-
gerung von strahlenden und nicht-strahlende Prozessen mit den Zeitkonstanten τrund τnr.
Unter der Annahme, dass die ¨
Ubergangswahrscheinlichkeit nicht von der Besetzungsdichte
des Grundzustandes abh¨
angt, ergibt sich die Besetzung n(t) des h¨
oheren Zustandes nach
Abschluss der Anregung aus der Ratengleichung zu:
n(t) = n(0)e−t(1
τr+1
τnr ),(2.5)
woraus sich f¨
ur die Zeitkonstante der Lumineszenz ergibt:
1
τPL
=1
τr
+1
τnr
(2.6)
Als weitere Information liegt bei temperaturabh¨
angigen PL-Messungen die Abnahme
der integralen Lichtemission vor. Man definiert die innere Quanteneffizenz ηint als den
Anteil aller angeregten Landungstr¨
ager, die strahlend rekombinieren. Es ist dann
ηint =1
1 + τr/τnr
.(2.7)
Sind ηint(T) und τP L(T) bekannt7, so lassen sich die Beitr¨
age von strahlender und nicht-
strahlender Rekombination voneinander trennen. Typische strahlende Lebensdauern von
Nitrid-Proben liegen bei etwa 1 ns (Kap. 5.2).
Trotz der hohen Defektdichte von Nitriden, die extrem effektive Zentren f¨
ur nicht-
strahlende Relaxation sind, besitzen d¨
unne InGaN-Schichten eine erstaunlich hohe Quan-
teneffizienz. Dies erkl¨
art sich durch die Inhomogenit¨
at der Schicht, welche Potentialfluk-
tuationen verursacht, die Exzitonen binden. Nun k¨
onnen die lokalisierten Exzitonen nicht
mehr zu Defekten diffundieren.
Es handelt sich bei InGaN-QP-Systemen also aufgrund der Indium-Fluktuationen nicht
um ein 2-Niveau-System, sondern um ein System, in dem auch Transferprozesse in andere
Zust¨
ande einen Einfluss auf die Dynamik der Lumineszenz aus¨
uben. F¨
ur ein Exziton in
7Meist wird angenommen, dass bei tiefen Temperaturen nicht-strahlende Rekombinationsprozesse ein-
gefroren sind und deshalb ηint = 1 gilt.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
2.5 Dynamik der Rekombination 23
einem Lokalisierungszentrum ist eine nicht-strahlende Rekombination unwahrscheinlich,
doch schon der Transfer eines seiner Ladungstr¨
ager in ein anderes Zentrum, in 2D-Zust¨
ande
der InGaN-Schicht oder in die GaN-Matrix f¨
uhrt zur Unterdr¨
uckung der Lumineszenz.
Dieser Effekt kann von der nicht-strahlenden Rekombination nicht unterschieden werden.
Welche allgemeinen Aussagen lassen sich unter diesen Voraussetzungen noch ¨
uber die
Zeitkonstanten der strahlenden Rekombination τrund seine konkurrierenden Prozesse τnr
treffen?
τrist invers proportional zur Rekombinationswahrscheinlichkeit wi→fzwischen einem
Ausgangszustand iund einem Zielzustand f. Diese wird nach Fermis goldener Regel vom
optischen Diplomement |M|2bestimmt:
1
τnr
∼wi→f=2π
¯h|M|2·δ(Ef−Ei±¯hω),(2.8)
wobei
|M|2=|< ϕi| − er·E|ϕf>|2(2.9)
In Gl. (2.8) ist ¯hω die Energie des emittierten Photons, w¨
ahrend die δ-Funktion Ener-
gieerhaltung beim ¨
Ubergang zwischen dem Zust¨
anden der Energie Eiund Efgarantiert.
In Gl. (2.9) ist edie Ladung eines Elektrons, rder Ortsoperator und Edas elektrische
Feld. Die Wahrscheinlichkeit f¨
ur einen strahlenden ¨
Ubergang ist also proportional zum
Wellenfunktions¨
uberlapp von Elektron und Loch (siehe z.B. [Rid88,Yu96]).
Zwei Effekte steuern diesen ¨
Uberlapp in Lokalisierungszentren: Das Confinement zw¨
angt
Elektron und Loch auf engen Raum ein und erh¨
oht den ¨
Uberlapp, ein elektrisches Feld hin-
gegen zieht die beiden Ladungstr¨
ager auseinander (Kap. 2.3.3).
τnr wird durch Transfer-Prozesse in die 2D-Zust¨
ande der InGaN-Schicht dominiert, d.h.
durch Prozesse, bei denen Ladungstr¨
ager in die Umgebung des Quantenpunktes entkom-
men, wo sie nicht-strahlend rekombinieren und somit nicht mehr zur Lumineszenz beitra-
gen. Die Wahrscheinlichkeit des Transfers wird durch die Lokalisierungsenergie und die
Exzitonbindungsenergie sowie durch die kinetische Energie der Ladungstr¨
ager bestimmt.
Das komplizierte Verhalten von Exzitonen in einem InGaN-QP-Ensemble spiegelt sich
im Abklingen seiner Lumineszenz wider. Photolumineszenz-Untersuchungen an solchen
Strukturen zeigen ein multi-exponentielles An- und Abklingen der Transienten wie in Ab-
bildung 2.12) dargestellt. Ein solches Verhalten ist aus ungeordneten Halbleitersystemen
bekannt [Che92]. Als Ursache werden deswegen Quantenpunkte mit gleicher ¨
Ubergangs-
energie aber unterschiedlicher Zeitkonstante vorgeschlagen [Kre02]. Robinson et al. unter-
suchten einzelne Quantenpunkt-Linien und wiesen ein mono-exponentielles Abklingen mit
Zeitkonstanten zwischen 1 ns und 2,6 ns nach [Rob03].
Diplomarbeit, T. Bartel
24 Grundlagen der III-Nitride
Abbildung 2.12: Zeitaufgel¨
oste PL einer InGaN-Quantenpunkt-Probe [Kre02].
Die vorliegende Arbeit f¨
uhrt die PL-Untersuchungen an InGaN-Quantenpunkten weiter
und versucht den Ursprung f¨
ur das multi-exponentielle Abklingen der Lumineszenz zu
ergr¨
unden. Außerdem soll eine Aussage ¨
uber die Relevanz von Transferprozessen und nicht-
strahlender Rekombination getroffen werden.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
Kapitel 3
Experimentelle Methoden
In der vorliegenden Arbeit wurden verschiedene Photolumineszenzverfahren zur Untersu-
chung von InGaN-Quantenpunkt-Proben angewandt. Dieser Abschnitt liefert eine Beschrei-
bung der Photolumineszenzspektroskopie allgemein (Kapitel 3.1), sowie der zeitaufgel¨
osten
Photolumineszenz (Kapitel 3.2). Etwas ausf¨
uhrlicher soll auf die Mikro-Photolumineszenz
(µ-PL), deren Aufbau Teil der vorliegenden Arbeit war, vorgestellt werden. Außerdem soll
auf Schwierigkeiten bei der Handhabung dieser Apparatur eingegangen werden (Kapitel
3.3). Abschließend wird die Struktur der untersuchten Proben erl¨
autert und ihre Pr¨
apara-
tion f¨
ur Messungen an der µ-PL beschrieben (Kapitel 4).
3.1 Photolumineszenzspektroskopie
Alle Resultate dieser Arbeit wurden mit Hilfe der Photolumineszenzspektroskopie erzielt.
Als Photolumineszenz (PL) wird Licht bezeichnet, das von einer Probe infolge von Be-
strahlung durch eine ¨
außere Lichtquelle emittiert wird.
Um ein PL-Spektrum aufzunehmen, wird die Probe mit Licht bestrahlt, die Photonen
werden im Kristall absorbiert und produzieren angeregte Ladungstr¨
ager, die ¨
uber verschie-
dene Prozesse in ihren Grundzustand relaxieren. Bei strahlender Rekombination wird ein
Photon ausgesendet, welches, wenn es den Kristall verl¨
aßt, nachgewiesen werden kann.
Zur Anregung der Lumineszenz werden wegen ihrer hohen Leistungsdichte und Mo-
nochromatizit¨
at meist Laser verwendet, deren Licht auf die Probe fokussiert wird. Das
Leuchten der Probe wird zum Nachweis auf den Eintrittsspalt eines Monochromators ab-
gebildet dessen dispersives Element (meist ein Strichgitter) nur Photonen einer bestimmten
Wellenl¨
ange auf den Austrittsspalt abbildet, wo es von einem Detektor nachgewiesen wird.
Bei allen Messungen wurde energetisch oberhalb der Bandkante der GaN-Matrix (Eg(GaN) =
Diplomarbeit, T. Bartel
26 Experimentelle Methoden
3.47 eV = 357 nm) angeregt. Zur Anregung bei temperaturabh¨
angigen Messungen der in-
tegralen PL wurden die UV-Linien eines Argon-Ionen-Lasers mit einer Leistung von etwa
50 mW verwendet. Ein UG1-Filter blendete die blaue Plasmastrahlung des Lasers aus, da
sich diese sonst mit dem Lumineszenz-Licht ¨
uberlagert h¨
atte. Mittels einer 300 mm Linse
wurde der Strahl auf einen Punkt der Probe fokussiert.
F¨
ur zeitintegrierte Messungen wurde ein 75 cm Doppelspektrometer Spex in vierter
Beugungsordnung1und ein Bialkali-Photomultiplier (9789 QB) verwendet. Das Signal des
Multipliers wurde durch ein Keithley Picoamperemeter verst¨
arkt und ¨
uber eine Analog-
Digital Wandlerkarte (PC516) mit dem Rechner ausgelesen.
3.1.1 Tiefe Temperaturen
Um die Wahrscheinlichkeit f¨
ur strahlende Rekombination zu erh¨
ohen, m¨
ussen nicht-strahlende
Kan¨
ale m¨
oglichst unterbunden werden. Dies wird bei tiefen Temperaturen erreicht, da nun
die Ladungstr¨
ager eine geringe Mobilit¨
at haben und nicht zu Defektstellen diffundieren
k¨
onnen. F¨
ur PL-Messungen erlauben Kryostate ein Abk¨
uhlen der Proben bis auf wenige
Kelvin ¨
uber dem absoluten Nullpunkt.
F¨
ur diese Arbeit wurde ein Helium-Durchfluss-Kryostat verwandt. Zur K¨
uhlung der
Probe wird bei diesen Kryostaten die tiefe Verdampfungstemperatur von Helium (4,2 K)
ausgenutzt. Das Kalte Helium str¨
omt konstant ¨
uber einen Kupferblock, der die Probe
thermisch mit dem Helium verbindet. Mittels einer Heizwendel kann das Helium vor dem
erreichen des Kupferblocks verdampft und erw¨
armt werden, so dass jede Temperatur zwi-
schen etwa 5 K und Raumtemperatur erreicht werden kann.
Die Probe und alle anderen gek¨
uhlten Teile sind durch ein Vakuum von etwa 10−6mbar
von der Umwelt isoliert.
F¨
ur die Messungen wurde eine besonders handliche Version eines He-Durchfluss-Kryostats,
ein Mikroskop-Kryostat der Firma Oxford Instruments genutzt. Die Proben wurden mit
Leitsilber auf einem Probenhalter befestigt, der die Verbindung zum k¨
uhlenden Helium
herstellt.
3.2 Zeitaufgel¨
oste Photolumineszenz
Grundlegender Gedanke der zeitaufgel¨
osten Photolumineszenz ist es, R¨
uckschl¨
usse auf die
Dynamik von Ladungstr¨
agern zu ziehen, indem das Anklingen und Abklingen der Proben-
1Die Blaze-Wellenl¨
ange des Gitters betr¨
agt 1,6 µm, womit die vierte Beugungsordnung f¨
ur Messungen
bei 400 nm ideal ist.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
3.2 Zeitaufgel¨
oste Photolumineszenz 27
lumineszenz nach Anregung mit einem kurzen Laserpuls untersucht wird. Wie bei einem
gew¨
ohnlichen PL-Messstand besteht der Aufbau im Pikosekundenlabor aus einem Anre-
gungssystem und einem Energie diskriminierenden Nachweissystem (Abb. 3.1). Um jedoch
eine hinreichende Zeitaufl¨
osung zu erreichen, ist eine erweiterte Messtechnik n¨
otig, die im
Folgenden beschrieben wird.
3.2.1 Anregung
F¨
ur zeitaufgel¨
oste Messungen werden extrem kurze Lichtpulse ben¨
otigt, wie sie in Lasern
mit Modenkopplung erreicht werden. Zur aktiven Modenkopplung wird die G¨
ute des La-
serresonators der L¨
ange L mit der Frequenz f=c/L moduliert. Eine Periode entspricht
damit gerade der Zeit, die ein Photon ben¨
otigt, um den Resonator einmal zu durchlaufen.
Die Lasermoden ¨
uberlagern sich deswegen nur an einer Stelle konstruktiv und bilden einen
Puls der im Resonator hin- und herl¨
auft. Der Laser sendet nun mit einer Frequenz fPulse
aus, deren L¨
ange von der Anzahl der gekoppelten Moden abh¨
angt. Die zeitliche Breite der
Pulse wird ¨
uber einen Autokorrelator nachgewiesen. Dort wird der Puls ¨
uber einen Strahl-
teiler zeitversetzt mit sich selbst ¨
uberlagert. Diese ¨
Uberlagerung f¨
uhrt in einem Kristall mit
nichtlinearen optischen Eigenschaften zu einer frequenzverdoppelten Komponente, welche
proportional zum ¨
Uberlapp des Pulses mit sich selbst ist. Wird die Zeitversetzung der
beiden Pulse variiert, so lassen sich die L¨
ange und Form der Laser-Pulse ermitteln.
Im benutzten Lasersystem wurde f¨
ur die optische Anregung ein modengekoppelter
Titan-Saphir-Laser (Ti:Sa) der Firma Spectra-Physics ben¨
utzt. Der Laser wird von einem
frequenzverdoppelten Nd-YAG-Laser mit einer Leistung von 7 W gepumpt und kann mit
dem verwendeten Spiegelsatz von 700 nm bis 900 nm durchgestimmt werden. Die aktive
Modenkopplung wurde mittels eines akustooptischen Modulators am Auskopplungsspiegel
erreicht. Die Repetitionsfrequenz betr¨
agt 80,1 MHz (12,48 ns Repetitionsintervall) und die
Pulsl¨
ange liegt bei etwa 2 ps. Um die Bandkante von GaN zu erreichen, wurde der Ti:Sa
bei etwa 706 nm mit einer Leistung von 1,2 W betrieben und im Strahlengang mit einem
doppelbrechenden Kristall (SHG-FL30) von Lambela Physics zu 353 nm verdoppelt.
3.2.2 Nachweis und Auswertung
Bei klassischer zeitaufgel¨
osten Spektroskopie ist die Dynamik des gesamten Messsystems
durch den Detektor begrenzt2. Mit schnellen Detektoren und einer Einzelphotonz¨
ahlkette
kann eine Aufl¨
osung von etwa 30 ps erreicht werden.
2Ein Ansatz der dies Beschr¨
ankung umgeht ist die Pump and Probe Spektrokopie.
Diplomarbeit, T. Bartel
28 Experimentelle Methoden
Abbildung 3.1: Schematischer Aufbau zur zeitaufgel¨
osten Messung mit Mikroskop-Aufbau im
Picosekundenlabor. Ger¨
ate und Abk¨
urzungen werden im Begleittext beschrieben.
Zur Detektion der Lumineszenz wurde ein Peltier-gek¨
uhltes Multi Channel Plate (MCP)
der Marke Hamamatsu genutzt. Ein Photon verursacht im Detektor einen Strompuls, der
von der Photonz¨
ahlkette (single photon counting, SPC) in verschiedenen Schritten weiter-
verarbeitet und verwertet wird, wie im folgenden beschrieben:
Constant Fraktion Discriminator (CFD)
Der CFD verwandelt die unterschiedlich hohen Pulse der MCP in Rechteckpulse konstanter
Amplitude mit klar definiertem Anstieg. Der Rechteckpuls wird hierzu auf das Erreichen
eines bestimmten, konstanten Bruchteils (constant fraction) der maximalen H¨
ohe des an-
kommenden Pulses getriggert. Dies wird dadurch erreicht, dass der Puls mit einem Faktor
α(mit −1> α > 0) multipliziert wird und ihm eine zeitverz¨
ogerte Kopie des Pulses
hinzuaddiert wird. Der Nulldurchgang erfolgt nun unabh¨
angig von der H¨
ohe des Pulses
immer zum gleichen Zeitpunkt und wird dem Detektionsereignis zugeordnet. Dies dient als
Trigger f¨
ur den TAC.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
3.2 Zeitaufgel¨
oste Photolumineszenz 29
Time to Amplitude Converter (TAC)
Um den Puls aus dem CFD auf einer Zeitskala einordnen zu k¨
onnen, braucht man noch
einen ”Nullpunkt”. Dieser wird wird durch ein Referenzsignal vorgegeben. Hierzu wird ein
Teil des Laserpulses auf eine Photodiode abgelenkt. Das Signal der Diode triggert ¨
uber
einen zweiten CFD de TAC und l¨
asst eine linear ansteigende Spannungsflanke loslaufen,
die von dem Ereignispuls gestoppt wird3. So wandelt der TAC die Zeitdifferenz der beiden
Pulse einer Spannung um.
Da das System nach Detektion eines Photons bis zur n¨
achsten Referenz keine weiteren
Pulse verarbeiten kann, ist es wichtig, dass w¨
ahrend dieses Intervalls kein Photon mehr
den Detektor trifft. Obwohl theoretische eine Z¨
ahlrate in der H¨
ohe der Repetitionsfrequenz
des Lasers denkbar w¨
are, gew¨
ahrt erst eine Z¨
ahlrate von h¨
ochstens 104Hz eine ann¨
ahernd
gleiche Detektionswahrscheinlichkeit f¨
ur alle Ereignisse. H¨
ohere Z¨
ahlraten sind auch f¨
ur
den Detektor nicht vertr¨
aglich.
Analog-Digital Converter (ADC)
Im letzten Schritt des SPC wird die Endspannung des TACs mittels eines ADC-Karte
im Rechner in eine Kanalzahl zugeordnet. Der Z¨
ahler dieses Kanals wird dann um eins
inkrementiert. Es bildet sich ein Histogram, das die Wahrscheinlichkeit f¨
ur die Emission
eines Photons zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Anregung angibt und so das transiente
Verhalten der Lumineszenz widerspiegelt.
Die Spektrometer
Abschließend sei erw¨
ahnt, dass schon Gangunterschiede des Lichts von einem Zentimeter
die Aufl¨
osung von 30 ps zerst¨
oren k¨
onnen4. Solche Gangunterschiede treten in optischen
Systemen mit 10 cm großen Spiegeln und Gittern, wie es ein Spektrometer ist, leicht auf.
Aus diesem Grund wurde eins der beiden McPherson Monochromatoren im so genann-
ten subtraktiven Modus betrieben, bei dem der Strahlengang genau dem des ersten ent-
spricht, aber in umgekehrter Richtung durchlaufen wird. So werden Laufzeitunterschiede
aufgehoben. Das zweite Spektrometer unterdr¨
uckt zwar Streulicht, erh¨
oht jedoch nicht die
spektrale Aufl¨
osung. Diese betr¨
agt bei 50 µm Spalten etwa 1 ˚
A(entspricht 1 meV bei 3
eV).
3Um Totzeiten zu vermeiden l¨
asst der Ereignispuls den S¨
agezahn loslaufen, und es wird die Zeit bis zur
n¨
achsten Referenz gemessen.
4In 30 ps legt die Lichtwelle etwa 3 ∗108m/s ×30 ·10−12s∼
=1cm zur¨
uck.
Diplomarbeit, T. Bartel
30 Experimentelle Methoden
Abbildung 3.2: Schematische Zeichnung des µ-PL Aufbaus. Es sind zwei Anregungsmodi
m¨
oglich (Rot): die Anregung A1ist makroskopisch, da sie nur durch eine Linse mit f1=160mm
fokussiert wird, A2und A3(¨
uber den Beamlift) werden in den Strahlengang des Objektivs ein-
gekoppelt und regen die Probe mikroskopisch an. Die Lumineszenz (Blau) wird in eine Glasfaser
eingekoppelt.
3.3 Mikro-Photolumineszenz
Der Aufbau eines µ-PL Standes war Teil der Aufgabenstellung dieser Arbeit und soll im
Folgenden im Detail beschrieben werden. Im ersten Abschnitt wird das Mikroskop mit
seinen Erweiterungen vorgestellt. In den weiteren Abschnitten soll auf kritische Punkte
wie die Anregung oder den Nachweis sowie auf Schwingungsprobleme eingegangen werden.
3.3.1 Das Mikroskop
Grundbaustein des Aufbaus ist ein Mikroskop von Olympus mit Erweiterungen wie in
Abbildung 3.2 dargestellt. Zur optischen Abbildung stehen zwei UV-Objektive mit langem
Arbeitsabstand (20x und 100x, long working distance) zur Verf¨
ugung. Zus¨
atzlich wurde ein
80x-Objektiv genutzt. Zusammen mit der 20x Vergr¨
oßerung des Okulars kann somit eine
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
3.3 Mikro-Photolumineszenz 31
zweitausendfache Vergr¨
oßerung erreicht werden. Hierbei wird das optische Limit von etwa
0,5 µm erreicht. Strahlen innerhalb des Mikroskops verlaufen parallel und es k¨
onnen belie-
big weitere Module eingef¨
ugt werden. Eine solche Erweiterung erm¨
oglicht das Einkoppeln
der Anregung ¨
uber ein mit dielektrischen Schichten bedampftes Glaspl¨
attchen. Ein weite-
res Modul koppelt auf analoge Weise Licht aus einer Lampe und beleuchtet die Probe (in
Abb. 3.2 nicht dargestellt). Licht aus der Probe wird zum Nachweis in ein Glasfaserb¨
undel
eingekoppelt, das auf dem obersten Modul gefestigt ist und mit Mikrometer Schrauben
positioniert werden kann.
Zur Probenhalterung wurde ein Mikroskoptisch von M¨
arzh¨
auser installiert, der sich
mit Schrittmotoren auf etwa 0,5 µm genau verstellen l¨
asst. Auf diesem Tisch wurde der in
Abschnitt 3.1.1 beschriebene Mikroskop-Kryostat befestigt.
3.3.2 Einkoppelung der Anregung
Das Anregen der Probe mit einem Laserstrahl erscheint im ersten Augenblick als triviale
Angelegenheit, entpuppte sich jedoch als einer der Problempunkte der µ-PL. Es stehen
drei Optionen zur Einkoppelung der Anregung zur Auswahl (A1,A2,A3, siehe Abb. 3.3),
die im Folgenden beschrieben werden sollen.
Die Einkoppelungen ¨
uber A1und A3unterscheiden sich nur durch ihren Strahlengang
vor dem Mikroskop. A3bringt den Strahl ¨
uber einen Beamlift auf die richtige H¨
ohe und
kann außerdem eine Strahlaufweitung erfahren5.¨
Uber A1umgeht die Anregung den Beam-
lift. Beide Strahlen werden ¨
uber ein mit dielektrischen Schichten bedampftes Glaspl¨
attchen
auf die Oberseite des Objektivs abgebildet (Dass der Laser richtig justiert ist, l¨
asst sich am
besten ermitteln, wenn der Nachweis abgenommen wird und von oben auf das Objektiv
geschaut wird. Vorsicht vor Laserreflexen!). Die dielektrischen Schichten des Pl¨
attchens
wurden f¨
ur eine maximale Reflexion bei 325 nm (UV-Linie des HeCd-Lasers) und maxima-
le Transmission ab etwa 370 nm optimiert und sind polarisationsabh¨
angig. Der genutzte
Ar+-Laser (Linien bei etwa 350 nm, durch λ/4-Pl¨
attchen zirkular polarisiert) verlor des-
halb allein durch das Einkopplungspl¨
attchen 2/3 seiner Intensit¨
at. Zusammen mit Filtern
und zwei Spiegeln blieben von nominell 100 mW Ausgangsleistung nur noch 7 mW vor
Eintreten in das Objektiv ¨
ubrig.
Die Olympus Objektive (80x: ULWD MSPlan80 und 100x: LMPlanFl) sind nach An-
gaben der Herstellerfirma UV tauglich, was jedoch keine Garantie f¨
ur Transparenz bei
5Aufgrund missverst¨
andlicher Angaben von Olympus wurde angenommen, dass eine solche Aufweitung
unumg¨
anglich w¨
are. Dennoch lassen sich mit der vorhanden Optik Intensit¨
at und Querschnitt des Lasers
leicht steuern.
Diplomarbeit, T. Bartel
32 Experimentelle Methoden
Wellenl¨
angen unterhalb von 400 nm ist. So wird die Intensit¨
at des Ar+-Lasers um zwei
(80x) bzw. vier (100x) Gr¨
oßenordnungen ged¨
ampft. Licht des HeCd-Lasers wird v¨
ollig
absorbiert. Beide erfahren bei der Einkoppelung und im Objektiv eine so extrem hohe
Abschw¨
achung, dass sie nicht mehr f¨
ur Messungen genutzt werden konnten.
Die Anregung A2wird nicht in das Mikroskop eingekoppelt und f¨
allt somit unged¨
ampft
auf die Probe. Die Anregung ist nun intensiv, hat jedoch zwei Nachteile: erstens erfolgt
sie makroskopisch (das Laser Profil betr¨
agt im Fokus einer 160 mm Linse noch 300 µm
Durchmesser) und zweitens muss sie nach jeder Bewegung der Probe nachgef¨
uhrt werden,
was wegen der Geometrie von Kryostat und Objektiv nur begrenzt m¨
oglich ist. Dennoch
wurden alle Messresultate mit dieser Anordnung erzielt.
3.3.3 Nachweis
Zum Nachweis wird das Lumineszenzlicht von einem Objektiv gesammelt. W¨
ahrend f¨
ur
zeitintegrierte Messungen das 80x-Objektiv genutzt wurde, wurde f¨
ur zeitaufgel¨
oste Mes-
sungen das 20x-Objektiv verwendet, da es lichtst¨
arker ist. Letzteres hat wegen seiner ge-
ringeren ¨
ortlichen Aufl¨
osung auch den Vorteil, dass Schwingungen des Probenarmes und
Wandern des Mikroskoptisches die Messung weniger beeinflussen.
Das Bild der Probe wird durch einen Strahlteiler auf das Okular und auf den Nachweis
abgebildet (Blaue Strahlen in Abb. 3.2). Der Nachweis besteht aus einem B¨
undel von
Glasfasern mit 30 µm Durchmesser. Werden alle Fasern bis auf eine abgedeckt, ist mit
dem 100x-Objektiv die ¨
ortliche Aufl¨
osung besser als ein Mikrometer. ¨
Uber Umkehrung des
Strahlenganges, d.h. durch Bestrahlen des freien Endes der Glasfaser, kann der Ort, von
dem die Lumineszenz aufgenommen wird, durch das Okular bequem bestimmt werden. Die
Positionierung des Nachweises l¨
asst sich mittels zweier Mikrometerschrauben verstellen.
Das andere Ende der Glasfaser wird mittels der in Abbildung 3.3 dargestellten Optik
auf den Eingangsspalt des Monochromators abgebildet. Die Glasfaser befindet sich im
Brennpunkt der 25-mm-Linse, und ihr Bild w¨
urde im Idealfall im Fokus der 40-mm-Linse
50 µm Durchmesser betragen. Es wurde jedoch eine Erh¨
ohung der Detektorz¨
ahlrate bis 150
µm Spalten beobachtet. In der Faserhalterung befand sich eine weitere Linse, die jedoch
die Abbildung erschwerte und aus diesem Grund ausgebaut wurde.
3.3.4 M¨
ogliche Optimierung der Mikro-PL
Der Aufbau der µ-PL, wie er in dieser Arbeit beschrieben wird, erm¨
oglicht bereits die
Spektroskopie von einzelnen Quantenpunkten. Es kann jedoch noch vieles verbessert wer-
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
3.3 Mikro-Photolumineszenz 33
Abbildung 3.3: Zur Einkopplung in den Spektrometer wird die Glasfaser auf den Eintrittsspalt
des Monochromators abgebildet.
den, um die Qualit¨
at der Messungen sowie den Bedienungskomfort zu erh¨
ohen. Vorschl¨
age
hierzu sollen im Folgenden aufgez¨
ahlt und erl¨
autert werden:
Optik
Die Anregung ¨
uber A2ist zwar effektiv, erlaubt aber keine lokale Anregung wie ¨
uber A1
oder A3(siehe 3.2). Zwei optische Elemente d¨
ampfen letztere Anregung jedoch stark: das
Objektiv und der dielektrische Einkopplungsspiegel. Das Objektiv ist das wichtigste Bauteil
des gesammten Aufbaus und muss f¨
ur die vorliegende Anwendung optimiert werden. Es
muss drei Anforderungen gen¨
ugen (in dieser Reihenfolge):
•Einen Arbeitsabstand von mindestens 5 mm besitzen, um durch das Kryostatfenster
auf die Probe fokussieren zu k¨
onnen.
•Gute Transmission im UV-Wellenl¨
angenbereich, am besten bis 325 nm (HeCd) oder
k¨
urzer vorweisen.
•Hohe Vergr¨
oßerung bieten, um die n¨
otige ¨
ortliche Aufl¨
osung zu erhalten.
Herk¨
ommliche Objektive mit brechender Optik (Linsensysteme) absorbieren im UV
stark. Als Ausweg bieten sich Spiegelobjektive an, die mit verschiedenen metallischen Be-
schichtungen (Al, Au) f¨
ur Wellenl¨
angen bis 20 nm ausgelegt sind. Mit großen Arbeitsab-
stand existieren jedoch nur Vergr¨
oßerungen bis 36x (z.B. das Spiegelobjektiv 13596-36x
von Oriel). In Verbindung mit einer verbesserten Maskentechnik (siehe Kap. 4.2) w¨
urde
dies jedoch ausreichen. Zu beachten ist außerdem die Gr¨
oße solcher Objektive, die mit der
Geometrie des Kryostaten inkompatibel sein k¨
onnte.
Diplomarbeit, T. Bartel
34 Experimentelle Methoden
Eine weitere Optimierung ist eventuell bei dem dielektrischen Einkopplungsspiegel
m¨
oglich. Jedoch lassen sich solche Schichten nur schlecht mit der entsprechenden Steil-
heit f¨
ur eine hohe Reflexion bei 350 nm und hohe Transmission bei 400 nm herstellen.
Selbst im Idealfall l¨
asst sich hier h¨
ochstens ein Faktor zwei in der Anregungsintensit¨
at
erzielen.
Gegenwertig wird ein Glasfaserb¨
undel zur Einkopplung der Lumineszenz in das Spektro-
meter genutzt. Alle bis auf eine dieser Fasern auszublenden ist bei 30 µm Durchmesser ein
schwieriges bis unm¨
ogliches Unterfangen. Es erreicht also immer etwas Licht aus anderen
Fasern den Nachweis f¨
uhrt zu einem Verlusst an ¨
ortlicher Aufl¨
osung. Das Glasfaserb¨
undel
durch eine einzelne Glasfaser zu ersetzen w¨
urde also die Messung vereinfachen. Die neue
Faser muss auch im UV eine hohe Transmission vorweisen. Eventuell k¨
onnte ihre Abstrahl-
charakteristik f¨
ur ein 0,35 m oder 0,7 m Spektrometer optimiert sein, um direkt in den
Monochromator eingekoppelt zu werden.
Schwingungsd¨
ampfung
Bei allen Messmethoden, die mit einer Ortsaufl¨
osung im Sub-Mikrometerbereich arbeiten,
sind Schwingungen die Ursache von Messfehlern. Schwingungsquellen finden sich sowohl
innerhalb des Messaufbaus (Pumpen, unregelm¨
assige He-Verdampfung, Eigenschwingun-
gen), wie auch im Geb¨
aude und seiner Umwelt (T¨
uren, Aufz¨
uge, U-Bahn, etc.).
Der gesamte Aufbau befindet sich aus diesem Grund auf einem m¨
oglichst steifen und
und schweren Tisch, der durch Luftkissen oder Federn von den Schwingungen des Geb¨
audes
entkoppelt ist. Dennoch k¨
onnen Vibrationen ¨
uber den He-Zufluss oder die Pumpschl¨
auche
zum Mikroskop gelangen. Diese m¨
ussen m¨
oglichst fest mit dem Tisch verbunden werden,
um ihre Schwingungen zu absorbieren.
Sind diese Vorkehrungen getroffen, sind Messungen zwar m¨
oglich, aber besonders bei
hohen Vergr¨
oßerungen mit dem 100x-Objektiv schwingt das Bild der Probe um bis zu einem
Mikrometer mit einer Frequenz von einigen Hertz. Hierf¨
ur lassen sich zwei Gr¨
unde ausma-
chen. Zum einen schwingt das gesamte Mikroskop wegen seiner unzureichenden Steifheit,
eventuell getrieben durch nicht g¨
anzlich ged¨
ampfte Geb¨
audeschwingungen (He-Zuleitung).
Zur Verringerung der H¨
ohe und Masse des Aufbaus wurde das Modul zur Beleuchtung der
Probe ausgebaut. Denkbar, jedoch experimentell anspruchsvoll, w¨
are auch der Verzicht
auf die Okularstufe (siehe Abb. 3.2). Sollte sich dies als sinnvoll erweisen, w¨
are in Be-
tracht zu ziehen, auf das gesamte Mikroskop zu verzichten und nur noch mit Objektiv und
Nachweis zu arbeiten. Der zweite Grund f¨
ur die Schwingungen k¨
onnte ein unregelm¨
aßiger
He-Fluss durch den Kryostaten sein. Der He-Fluss wird durch ein Nadelventil gesteuert,
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
3.3 Mikro-Photolumineszenz 35
das sich zeitweise verstopfen kann und zu Druckvariationen f¨
uhrt. Des Weiteren ist der He-
ber selbst eine Schwingungsquelle, wenn er sich unter der thermischen Belastung verformt
und ”knackt”. Hier sollten Heizb¨
ander, die um den Heber gewickelt werden und ihn auf
einer konstanten Temperatur halten, Abhilfe leisten.
Diplomarbeit, T. Bartel
Kapitel 4
Die Proben
4.1 Herstellung
In dieser Arbeit werden die Resultate von Messungen an zwei Proben vorgestellt: die
TU6665 wurde f¨
ur zeitintegrierte Messungen genutzt und an der neueren TU6938 wur-
den die zeitaufgel¨
osten Messungen durchgef¨
uhrt.
Beide Proben wurden in der TU-Berlin an einer Aixtron 200 MOCVD Anlage in ei-
nem Niedrigdruck-Reaktor auf Si(111)-Substrat gewachsen. Ihre Struktur ist in Abb. 4.1
dargestellt. Als Precursor der InGaN-Schicht wurden TMGa, TMIn und Amoniak verwen-
det. Die Schicht wurde bei 800 oC und einem Reaktordruck von 400 mbar gewachsen. Die
Proben unterscheiden sich lediglich durch den Indiumfluss, der w¨
ahrend Herstellung der
aktiven Schicht f¨
ur die TU6938 doppelt so hoch war wie f¨
ur die TU6665.
Gerthsen et al. haben zur Strukturbestimmung von den untersuchten Proben hoch-
aufl¨
osende Querschnitts-TEM-Messungen durchgef¨
uhrt und mit DALI ausgewertet (siehe
Kap. 2.4.1). Abbildung 4.2 zeigt das Resultat einer sochen Messung. Im unteren Teil der
Abbildung ist die Indium-Konzentration entlang einer Linie in der InGaN-Schicht noch
einmal aufgetragen. Offensichtlich ist die chemische der InGaN-Schicht sehr inhomogen1.
Die laterale Ausdehnung dieser Kompositionsfluktuationenbetr¨
agt etwa 5 nm und ist al-
so gering genug, um bei Exzitonen Quantisierungseffekte hervorzurufen. Des Weiteren ist
die Form und Gr¨
oße der Flukuationen unsystematisch gestreut: es existieren sowohl klei-
ne Inseln mit hoher Indium-Konzentration wie auch große Inseln mit niedriger Indium-
Konzentration. Die Dichte dieser Lokalisierungszentren wird auf etwa 1011/cm2gesch¨
atzt
1Querschnitts-TEM-Messungen an d¨
unnen Schichten erlauben nur eine stark fehlerbehaftete Bestim-
mung der absoluten Indium-Konzentrationen, da in die Tiefe ¨
uber eine mehrere 100 nm dicke Schicht
gemittelt wird.
Diplomarbeit, T. Bartel
38 Die Proben
Abbildung 4.1: Schematischer Aufbau der untersuchten InGaN-Strukuren.
[Sos00].
Die Indium-Fluktuationen der InGaN-Schicht formen ein dichtes Ensemble von Quan-
tenpunkten zuf¨
alliger Gr¨
oße und Form. Sie stellen also ein geeignetes System dar, um die
µ-PL zu testen. Da die Dichte der Quantenpunkte so hoch ist, muss das ¨
ortliche Aufl¨
osungs-
verm¨
ogen der Messapparatur weiter gesteigert werden. Da die µ-PL sich mit etwa 0,5 µm
schon am Limit der klassischen Mikroskopie befindet, wird auf eine Maskentechnik zur¨
uck-
gegriffen, die im Folgenden beschrieben wird.
4.2 Pr¨
aparation
Typische Quantenpunktdichten liegen bei etwa 1011/cm2, was 1000 Quantenpunkten pro
µm2entspricht. Wird nun unrealistischerweise angenommen, dass jeder Quantenpunkt nur
einen ¨
Ubergang besitzt, so emittiert ein µm2Probe 1000 Linien. Sind diese Linien ¨
uber
das gesamte Spektrum mit einer Halbwertsbreite von 100 meV gleichverteilt, ist zu ihrer
Detektion eine spektrale Aufl¨
osung von 100 µeV n¨
otig. Zur Untersuchung von einzelnen
Quntenpunkten muss also die ¨
ortliche Aufl¨
osung des Nachweises weiter erh¨
oht werden.
Dies geschieht durch eine Schattenmaske, die auf die Probe aufgetragen wird und in
der Aperturen von einigen 100 Nanometern freigelassen werden. Anregung und Nachweis
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
4.2 Pr¨
aparation 39
Abbildung 4.2: XTEM Aufnahme der Probe TU6665. Die InGaN-Schicht ist 2 nm dick und
weist starke Kompositionsfluktuationen auf. Die Gr¨
oße der indiumreichen Inseln liegt unter 5 nm
[Seg04c]
geschehen nur noch ¨
uber diese ¨
Offnungen und es wird so eine Aufl¨
osung erreicht, die ¨
uber
der der optischen Mikroskopie liegt.
Die Masken werden hergestellt, indem im Handel erh¨
altliche Mikrokugeln aus Polystyrol
auf die Oberfl¨
ache gebracht werden. Der Durchmesser dieser Kugeln betr¨
agt wahlweise 10
µm, 200 nm oder 100 nm. Je nach Anwendung kann die Dichte der Kugeln durch Verd¨
unnen
und Vermischen gew¨
ahlt werden. Die mit den K¨
ugelchen bes¨
ate Probe wird nun mit einem
Haftvermittler (Titan) und 70 nm Platin bedampft. Im n¨
achsten Schritt werden die Kugeln
in einem Ultraschallbad wieder von der Oberfl¨
ache entfernt und hinterlassen Aperturen mit
dem entsprechenden Durchmesser (siehe Abb. 4.3). Die Masken schw¨
achen das Licht um
einen Faktor 1000; da der Nachweis jedoch 1 µm2abdeckt, kann transmittiertes Licht die
Messungen erschweren. Aluminium hat einen h¨
oheren Absorptionskoeffizienten bei 3 eV,
ist jedoch nicht f¨
ur Messungen mit Kathodolumineszenz geeignet2, die auch an den Proben
durchgef¨
uhrt wurden.
F¨
ur Messungen an einzelnen Quantenpunkten wurden die 200 nm L¨
ocher ben¨
utzt, hin-
ter denen sich nur noch etwa 40 Quantenpunkte befinden (100 nm-L¨
ocher sind zu licht-
2Aluminium ist unter Elektronenbeschuß nicht stabil und oxidiert zu AlOx, welches transparent ist
[Rod03]
Diplomarbeit, T. Bartel
40 Die Proben
Abbildung 4.3: Herstellung der Schattenmasken [Seg04b].
schwach). Bei weiteren Arbeiten mit dieser Maskentechnik sollte die r¨
aumliche Dichte der
200 nm-Aperturen weiter reduziert werden, da Streulicht von anderen Aperturen auch vom
Objektiv gesammelt wird und so zu einem Hintergrundsignal f¨
uhrt (f¨
ur genauere Parameter
bei der Herstellung der Masken, siehe Anhang A-2).
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
Kapitel 5
Ergebnisse und Diskussion
Um ein tieferes Verst¨
andnis von der Rekombinationsdynamik von Exzitonen in InGaN-
Quantenpunkten zu erhalten, wurde das Photolumineszenzlicht dieser Strukturen unter-
sucht. Messungen mit hoher ¨
ortlicher Aufl¨
osung konnten scharfe Emissionslinien nachwei-
sen, die der δ-f¨
ormigen Zustandsdichte in Quantenpunkten zugeschrieben werden. Das zeit-
liche Abklingen der Lumineszenz ist f¨
ur das QP-Ensemble multi-exponentiell, zeigt jedoch
f¨
ur einzelne QP-Linien ein qualitativ anderes Verhalten. Die Untersuchung von Umvertei-
lungsprozessen deutet an, dass diese das zeitliche Verhalten von Exzitonen entscheidend
beeinflussen.
5.1 Ensemble- und Einzel-QP-Spektroskopie
Abbildung 5.1 zeigt normierte Lumineszenzspektren der Proben TU6665 und TU6938 bei
6 K. Es zeigt sich ein qualitativ unterschiedliches Verhalten. Die Maxima der Emission
liegen bei 2,975 eV (TU6665) und bei 2,94 eV (TU6938). Die Halbwertsbreite (FWHM)
der Hauptpeaks betr¨
agt zwischen 80 meV und 90 meV. Auf der hochenergetischen Flan-
ke der TU6665 tritt eine Schulter auf. Eine ¨
ahnliche Schulter erscheint bei TU6938 auf
der niederenergetische Flanke und wurde auch von Krestnikov et al. beobachtet und als
Grundzustand großer Quantenpunkte interpretiert [Kre02]. Eine andere m¨
ogliche Ursa-
che mag die Koexistenz zweier Quantepunktensembles unterschiedlichen Ursprungs (z.B.
Quantenpunkte die im 3D Modus gewachsen sind, Entmischungsinseln oder Lokalisierung
an Defekten [Wu98]) sein, oder auch Fabry-P´erot Interferenzen (siehe Anhang A-3). Diese
Erkl¨
arungen sind angesichts der unterschiedlichen Spektren der Proben spekulativ und wei-
tere Untersuchung sind n¨
otig, um die Natur der Schulter zu kl¨
aren. Eine kleine ¨
Ubersicht
der Resultate an ¨
ahnlichen InGaN-Schichten geben O’Donnell et al. [O’D03].
Diplomarbeit, T. Bartel
42 Ergebnisse und Diskussion
Es wird wegen der hohen Bindungsenergien der Exzitonen davon ausgegangen, dass bei
tiefen Temperaturen die gesamte Lumineszenz exzitonischer Natur ist. Wir werden zeigen,
dass sie ihren Ursprung in den Quantenpunkten der InGaN-Schicht hat.
Abbildung 5.1: Ensemble-Spektren der
Proben TU6665 (Rot) und TU6938 (Blau)
bei 6 K.
Abbildung 5.2: Zwei typische µPL Spektren
durch verschieden 200 nm Lochmasken. Nur die
zwei markierten Linien sind aufl¨
osungsbeschr¨
ankt.
Werden die Proben durch eine 200 nm Apertur der Maske spektroskopiert, so ¨
andert
sich die Form der Lumineszenz und es treten scharfe Linien auf (Abb. 5.2). Diese Lini-
en werden einzelnen exzitonischen ¨
Uberg¨
angen in InGaN-Quantenpunkten zugeordnet. In
den gezeigten Spektren ist jeweils nur eine Linie aufl¨
osungsbeschr¨
ankt (Markierungen).
Dies bedeutet nicht, dass alle ¨
ubrigen keine einzelnen Quantenpunktlinien sind; der Jitter
(siehe Kap. 2.3.3) kann durchaus Linienbreiten von 1-2 meV hervorrufen wenn ein zeit-
lich integriertes Spektrum aufgenommen wird. Sind die Strukturen energetisch breiter, so
handelt es sich um ¨
Uberlagerungen einzelner Linien.
Die Emission einzelner QP-Zust¨
ande kann nachgewiesen werden und beweist die Eig-
nung der µ-PL zur Untersuchung einzelner Quantenpunkte. Es er¨
offnet sich somit die
M¨
oglichkeit zum Vergleich von zeitaufgel¨
osten Lumineszenzuntersuchungen am QP-Ensemble
und an einzelnen Quantenpunkten.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.2 Die Dynamik der Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten 43
Abbildung 5.3: Zeitaufgel¨
oste PL der TU6938: Zeitabh¨
angigkeit der Ensemble-Lumineszenz,
gefittet mit der gestreckten Exponentialfunktion (5.1)
5.2 Die Dynamik der Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten
Um die Dynamik von Exzitonen in InGaN-Strukturen zu verstehen, wurden zeitaufgel¨
oste
Messungen an einzelnen QP-Linien sowie am gesamten QP-Ensemble durchgef¨
uhrt. Es
wurden zwei qualitativ unterschiedliche Verhalten beobachtet, die in diesem Abschnitt
gegen¨
ubergestellt werden. Diese Messungen wurden an der Probe TU6938 durchgef¨
uhrt.
5.2.1 Dynamik des Quantenpunkt-Ensembles
F¨
ur ein 2-Niveau-Modell wird nach Abschnitt 2.5 ein mono-exponentielles Abklingen erwar-
tet. Wie jedoch in Abbildung 5.3 zu ersehen, zeigt das QP-Ensemble ein nicht-exponentielles
Abklingen. Dem System kann keine Zeitkonstante im herk¨
ommlichen Sinn zugeordnet wer-
den. Dieses Verhalten wurde auch an anderen ungeordneten Halbleiterstrukturen beobach-
tet [Che92] und ist typisch f¨
ur InGaN-Quantenstrukturen [Pop98,Kas00,Kre02]. Es kann
mit der Kohlrausch oder William-Watts gestreckten Exponentialfunktion beschrieben wer-
den [Koh54,Wil70]:
Diplomarbeit, T. Bartel
44 Ergebnisse und Diskussion
I(t) = I0exp[−(t/τ∗)β],(5.1)
Hier ist βder ”Streck”-Parameter. Bei β→1 wird die Funktion mono-exponentiell, f¨
ur
kleinere Werte klingt sie anfangs immer schneller ab. Die Zeitkonstante ergibt sich zu
τ∗= 0,76 ns und der Streckparameter β= 0,8.
τ∗ist eine charakteristische Zeitkonstante f¨
ur die es zwei Interpretationen gibt:
•τ∗ist die charakteristische Konstante einer zeitlichen Entwicklung, d.h. die Zeitkon-
stante des Systems ¨
andert sich mit der Zeit. Ein solches Verhalten ist zu erwarten,
wenn bei Hochanregung die im Halbleitermaterial erzeugten Elektronen und L¨
ocher in
der InGaN-Schicht ein internes Feld abschirmen. Dieses Abschirmen des elektrischen
Feldes verringert f¨
ur Quantenpunkte in der Schicht den QCSE und erh¨
oht damit
die Rekombinationswahrscheinlichkeit (siehe Kap. 2.3.3). Nach und nach baut sich
die Abschirmung durch Rekombination ab, und das wachsende Feld f¨
uhrt zu l¨
ange-
ren Zeitkonstanten. Dieses Verhalten wurde in der Tat an d¨
unnen Nitrid-Schichten
beobachtet [Lef04,Got03,Pop98]. Um den Einfluss solcher Abschirmungseffekte an
den untersuchten Proben abzusch¨
atzen, wurden intensit¨
atsabh¨
angige Messungen mit
einer D¨
ampfung der Anregung von bis zu zwei Gr¨
ossenordnungen durchgef¨
uhrt1. Es
wurde jedoch keine ¨
Anderung im Abklingverhalten beobachtet. Solche Effekte k¨
onnen
somit ausgeschlossen werden.
•τ∗entspricht der charakteristische Konstante einer ¨
ortlichen Verteilung, d.h. je nach-
dem, wo das Exziton lokalisiert ist, besitzt es eine unterschiedliche Zerfallskonstante.
Die ¨
Uberlagerung aller Zerfallszeiten f¨
uhrt dann zu einem multi-exponentiellen Ab-
klingen der gesamten Lumineszenz im nicht-ortsaufgel¨
osten Experiment.
Um diese verschiedenen Zerfallskonstanten zu erkl¨
aren, entwickelten Morel et al. ein
zweidimensionales Pseudo-DAP Modell [Mor03]. In Analogie zur Donator-Akzeptor-Paar-
Rekombination (DAP) von Thomas und Hopfield [Tho65]¨
ubernehmen hier Quantenpunk-
te die Rolle der Donatoren und Akzeptoren. Es wird in diesem Modell angenommen,
dass die Ladungstr¨
ager in unterschiedlichen Lokalisierungszentren r¨
aumlich getrennt sind.
1Hochanregung liegt in der Tat vor, wie aus folgender Rechnung anschaulich wird: Am gepulsten Ti:Sa-
Laser wird eine ”CW”-Leistung von 30 mW gemessen. Es ergibt sich bei einer Pulsl¨
ange von etwa 1 ps
und einem Pulsintervall von etwa 10 ns eine Leistung von 300 W. Nach Fokus des Lasers auf 10−3 cm2
liegt also eine Leistungsdichte von 30 KW/cm2vor.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.2 Die Dynamik der Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten 45
Die Wellenfunktionen dieser Ladungstr¨
ager werden der Einfachheit halber mit einer 2-
dimensionalen Gaussfunktion beschrieben werden. Wenn die Rekombinationswahrschein-
lichkeit W(r) proportional zum optischen Dipolmoment |M|2nach Gl. (2.9) ist, dann h¨
angt
W(r) nur noch vom Abstand rder Lokalisierungszentren ab:
W(r) = Wmaxe−r2/a2(5.2)
Hier ist Wmax eine Konstante und aein charakteristischer Abstand der Wellenfunktionen.
Je gr¨
oßer die Trennung, desto unwahrscheinlicher die Rekombination und desto l¨
anger die
Zeitkonstante des Zerfalls. Die Lumineszenzintensit¨
at I(t) zeigt ein multi-exponentielles
Abklingen.
Dieses Modell n¨
ahert die experimentellen Daten f¨
ur das Abklingen der Lumineszenz
der QP-Proben gut an, beschreibt jedoch unserer Ansicht nach nicht die in diesem Mate-
rialsystem relevanten Prozesse. W¨
ahrend bei Thomas and Hopfield jeweils nur L¨
ocher an
die Akzeptoren und Elektronen an die Donatoren binden k¨
onnen und so eine r¨
aumliche
Trennung notgedrungen geschieht, k¨
onnen Quantenpunkte beide Ladungstr¨
ager binden.
Wir werden zeigen, dass die nicht-systematische Streuung der Quantenpunkt-Parameter
wie Gr¨
oße, Potentialtiefe und Form stark unterschiedliche Zeitkonstanten verursacht und
das multi-exponentielle Abklingen der Ensemble-Lumineszenz erkl¨
aren kann.
5.2.2 Dynamik einzelner Quantenpunkte
Zur Untersuchung der Dynamik exzitonischen ¨
Uberg¨
angen in einzelnen Quantenpunkte
wurden deren Emissionslinien zeitaufgel¨
ost spektroskopiert. Abbildung 5.4 zeigt das tran-
siente Verhalten eines solchen ¨
Uberganges, dessen Lumineszenz im Inset hervorgehoben
ist. Die untersuchten Linien sind mit einem Hintergrundsignal unterlegt, das bis zu 70 %
der Lumineszenzintensit¨
at ausmachen kann. Dieses Hintergrundsignal ist Lumineszenzlicht
des Quantenpunkt-Ensembles, das von anderen Maskenl¨
ochern in den Nachweis gestreut
wird oder das die Maske transmittiert. Um das transiente Verhalten des Hintergrundes
herauszufiltern und die Quantenpunktemission zu isolieren, wurden zwei Transienten auf-
genommen: eine mit dem spektralen Nachweis auf der Line und eine 5-10 meV daneben
(Abb. 5.4 (a)). Bei Subtraktion der Hintergrundtransiente von der Linie tritt das Lumi-
neszenzverhalten eines einzelnen Quantenpunktes zutage2. Dies ist m¨
oglich da, wie bereits
gezeigt, die Dynamik des Quantenpunktensembles sich f¨
ur Energiedifferenzen von ein paar
meV nur wenig ver¨
andert (siehe Abb. 5.1). Abbildung 5.4 (b) zeigt das Abklingen einer
2Diese Vorgehensweise wurde schon von Robinson et al. angewandt [Rob03]
Diplomarbeit, T. Bartel
46 Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 5.4: Zeitaufgel¨
oste PL an einzelnen Quantenpunktlinien (TU6938). (a) Die Tran-
sienten der Linie (blau) und des Hintergrunds (rot) wurden an der im Inset markierten Stellen
aufgenommen. (b) Nach Subtraktion des Hintergrunds von der Linie offenbart die Lumineszenz
eines Quantenpunktes ihren mono-exponentielle Dynamik.
einzelnen Quantenpunktlinie. Im Gegensatz zur Ensemble-Lumineszenz wurde bei allen un-
tersuchten Linien ein mono-exponentielles Verhalten beobachtet. Die Zerfallszeiten liegen
zwischen 0.4 und 1.6 ns. Auf ihre breite Verteilung soll im folgenden eingegangen werde.
Die Zeitkonstanten der QP-Linien sind in Abbildung 5.5 als Funktion ihrer ¨
Uber-
gangsenergie aufgetragen (Dreiecke) und den Zeitkonstanten des QP-Ensembles (Vier-
ecke) gegen¨
ubergestellt. Die Werte der einzelnen Quantenpunkte zeigen selbst f¨
ur ¨
ahn-
liche Nachweis-Energien eine weite Streuung. Ein Sub-Ensemble von Quantenpunkten mit
gleicher ¨
Ubergangs-Energie kann also offenbar unterschiedliche Lebensdauern besitzen.
Die Dynamik von Exzitonen in Quantenpunkten wird nach Gl. (2.6) durch zwei konkur-
rierende Prozesse bestimmt: die strahlende Rekombination mit der Zeitkonstante τrund
die nicht-strahlende Rekombination mit der Zeitkonstante τnr. Der erste Prozess h¨
angt
vor allem vom ¨
Uberlapp der Elektron- und Loch-Wellenfunktion ab, der durch Quanten-
punktparameter wie Gr¨
oße, Form und Tiefe seines Lokalisierungspotentials beeinflußt wird.
F¨
ur den zweiten Prozess muss mindestens einer der Ladungstr¨
ager in die Matrix oder die
InGaN-Schicht entkommen, um dort an Defekten zu rekombinieren. Die Wahrscheinlichkeit
hierf¨
ur h¨
angt also von der Tiefe der Lokalisierung ab.
Die St¨
arke der Lokalisierung ist nicht durch die absolute Indiumkonzentration des
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.2 Die Dynamik der Exzitonen in InGaN-Quantenpunkten 47
Abbildung 5.5: Spektrale Abh¨
angigkeit der Zeitkonstanten einzelner Quantenpunktzust¨
ande
(Dreiecke) und der Ensemble Lumineszenz (Vierecke).
Quantenpunktes gegeben, sondern wird durch den Konzentrationsunterschied zwischen
dem Quantenpunkt und seiner Umgebung bestimmt. Wegen der ungeordneten Natur der
InGaN-Schichten, ist die ¨
Ubergangsenergie nicht mit der Lokalisierungsenergie korreliert
(siehe auch Abb. 4.2). Es kann also ein Sub-Ensemble von Quantenpunkten definiert
werden, in dem alle Quantenpunkte die selbe ¨
Ubergangsenergie besitzen, jedoch nicht
formgleich sein m¨
ussen und unterschiedliche Lokalisierungsst¨
arken besitzen k¨
onnen. In ei-
nem solchen Sub-Ensemble k¨
onnen die Wahrscheinlichkeiten von strahlender und nicht-
strahlender Rekombination sehr unterschiedlich sein. Aufgrund der Unordnung in InGaN-
QP-Schichten kann also innerhalb eines QP-Sub-Ensembles eine weite Streuung der Zeit-
konstanten vorliegen.
Das Abklingen des Quantenpunkt-Ensembles ergibt sich als Superposition der unter-
schiedlichen Abklingverhalten einzelner Quantenpunkte und erh¨
alt dadurch seine multi-
exponentielle Form. Es wurde also gezeigt, dass das multi-exponentielle Verhalten der
Lumineszenz des QP-Ensembles direkt aus der Unordnung der InGaN-Quantenstruktur
folgt.
Um den jeweiligen Einfluss strahlender und nicht-strahlende Prozesse absch¨
atzen zu
k¨
onnen, wurden Messungen angestellt die auf die Tiefe der Lokalisierungszentren und die
Relevanz von Transferprozessen schließen lassen.
Diplomarbeit, T. Bartel
48 Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 5.6: Zeitaufgel¨
oste PL der TU6938: Spektrale Abh¨
angigkeit des 1/e-Abklingens (offe-
ne Punkte) und des Fitparameters τ∗(gef¨
ullte Punkte) gefittet mit 5.3. In Grau die zeitintegrierte
Lumineszenz.
5.3 Transferprozesse und Lokalisierung
Wird ein Exziton in einem Quantenpunkt gebunden, so kann es seinem lokalisierenden Po-
tential auch wieder entweichen. Dies kann geschehen indem es in ein nahegelegenes tieferes
Potential tunnelt oder thermisch in die InGaN-Schicht aktiviert wird. Dieses Verhalten
beeinflusst die Lumineszenz und kann somit untersucht werden.
Abbildung 5.6 zeigt die spektral aufgel¨
oste Abh¨
angigkeit der Zeitkonstanten der Ensemble-
Lumineszenz. Leere Kreise geben das Verhalten des 1/e-Abklingens wieder, volle Kreise
stellen den Wert von τ∗aus einem Fit mit Gl. (5.1) dar. Zwischen beiden Abklingkonstan-
ten liegen nur unwesentliche Abweichungen vor.
Das Abnehmen der Zerfallskonstanten auf der h¨
oherenergetischen Seite der Lumi-
neszenzbande ist charakteristisch f¨
ur ein System, dessen Licht aus Lokalisierungszentren
herr¨
uhrt. F¨
ur Quantenpunkte mit h¨
oherer ¨
Ubergangsenergie werden die Lokalisierungs-
energien immmer kleiner. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit f¨
ur Tunnelprozesse in
tiefere Potentialt¨
opfe zu. Die Lebensdauer von Zust¨
anden in diesen flachen Quantenpunk-
ten wird dadurch stark reduziert.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.3 Transferprozesse und Lokalisierung 49
Gourdon und Lavallard haben ein Modell entwickelt das, solche Transferprozesse be-
schreibt, jedoch Einschr¨
ankungen besitzt, derer man sich bewußt sein muss. Insbesondere
werden nur Prozesse ber¨
ucksichtigt, bei denen Ladungstr¨
ager aus einem Potentialtopf in
einen energetische niedrigeren Topf gelangen. Thermische Aktivierung ist also ausgeschlos-
sen. Des Weiteren wird angenommen, dass in allen Lokalisierungszentren die strahlende
Rekombination gleich wahrscheinlich ist. Das bedeutet, dass die strahlende Lebensdauer
τrad unabh¨
angig von der ¨
Ubergangsenergie und anderen Quantenpunkt-Parametern ist.
F¨
ur einzelne Quantenpunkte gilt dies, wie im vorigen Abschnitt beschrieben, schon f¨
ur die
gleiche ¨
Ubergangsenergie nicht. Es kann jedoch a priori angenommen werden, dass der Mit-
telwert ¨
uber ein QP-Sub-Ensemble mit gleicher ¨
Ubergangsenergie von dieser unabh¨
angig
ist. Die spektrale Abh¨
angigkeit der Zeitkonstante des Abklingen der Lumineszenz wird
dann mit folgender Formel beschrieben [Gou89]:
τPL =τrad
1 + exp[(E−Eme)/E0](5.3)
Hier ist τrad die strahlende Lebensdauer aller Quntenpunkte. Eme ist eine charakteristische
Energie des Systems bei der die Wahrscheinlichkeit der strahlenden Rekombination und des
Transfers gleich sind. Sie entspricht somit in gewisser Weise einem ¨
Ubergang von lokalisier-
ten Zust¨
anden zu 2D-artigen-Zust¨
anden der InGaN-Schicht. E0ist eine charakteristische
Energie der Zustandsdichte und kann als eine mittlere Lokalisierungsenergie interpretiert
werden.
In Abbildung 5.6 ist der Fit der Zerfallskonstanten τ∗mit Gl. (5.3) aufgetragen. Es
ergibt sich eine strahlende Zeitkonstante von τrad ∼0,8ns sowie Eme = 3,17 eV und E0=
45 meV . Interessant an diesen Werten ist, dass praktisch die gesamt Lumineszenzbande
unterhalb von Eme liegt, was andeutet, dass die gesamte Rekombination in Quantenpunkten
stattfindet.
Die ¨
Ubereinstimmung des Modells von Gourdon und Lavallard mit den Daten ist f¨
ur
Energien ¨
uber 2,9 eV gut, ¨
ubersch¨
atzt die Lebensdauer auf der niederenergetischen Flanke
jedoch. Effekte, wie das zunehmende Confinement in tiefen Lokalisierungszentren, die in
diesen Modell nicht ber¨
ucksichtigt werden, verringern die Lebensdauer dieser Zust¨
ande.
Das Confinement vergr¨
oßert den Elektron-Loch-¨
Uberlapp und erh¨
oht so die Rekombina-
tionswahrscheinlichkeit. Die Annahme, dass τrad unabh¨
angig von der ¨
Ubergangsenergie ist,
wird hier augenscheinlich verletzt.
Dennoch l¨
asst sich aus diesem Modell eine mittlere strahlende Lebensdauer und eine
mittlere Lokalisierungsenergie absch¨
atzen und auf die hohe Relevanz von Tunnel-Prozessen
zwischen den Quantenpunkten schließen.
Diplomarbeit, T. Bartel
50 Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 5.7: Lumineszenzmaximum und FWHM einer Temperaturserie der Probe TU6665.
Die Varshni-Funktionen zeigen das Bandl¨
uckenverhalten von InN und GaN.
Um den Einfluß weiterer Transferprozesse, insbesondere den der thermischen Aktivie-
rung zu evaluieren, wurden temperaturabh¨
angige PL-Messungen von 4 K bis zu 220 K
durchgef¨
uhrt. Die Entwicklung der Lumineszenz erlaubt R¨
uckschl¨
usse auf Umverteilungs-
prozesse zwischen den Lokalisierungszentren des QP-Ensembles und auf Transferprozesse
in die sie umgebende InGaN-Schicht.
Abbildung 5.7 zeigt die energetische Position des Lumineszenzmaximums sowie seine
Halbwertsbreite (Full Width at Half Maximum: FWHM) in Abh¨
angigkeit der Temperatur.
Bei einer hypothetischen InGaN-Schicht ohne Lokalisierungszentren w¨
urde erwartet
werden, dass das Maximum der Lumineszenz dem Bandkantenverhalten folgt. Dieses wird
durch die Varshni-Funktion beschrieben (Gl. 2.4) mit Parametern, die in der N¨
ahe von
denen von InN und GaN liegen. Die Lumineszenz folgt jedoch einem qualitativ anderen
Verhalten; bei tiefen Temperaturen und bis 130 K ist die Rotverschiebung st¨
arker als die
Bandl¨
uckenabnahme. Bei h¨
oheren Temperaturen invertiert sich der Effekt und es kommt
zu einer schwachen Blauverschiebung.
Dieses sogenannte s-shape-Verhalten ist typisch f¨
ur lokalisierende Systeme mit breiter
Streuung der Potentialtiefe und wurde an anderen QP-Systemen beobachtet (siehe z.B.
[Xu96,Hei99,Nar02,Dwo02]). Es hat seinen Ursprung in Umverteilungseffekten zwischen
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.3 Transferprozesse und Lokalisierung 51
Abbildung 5.8: Schematische Darstellung der Umverteilungsprozesse und Rekombinationswahr-
scheinlichkeiten zur Erkl¨
arung des s-shape-Verhaltens.
den Lokalisierungszentren wie in Abb. 5.8 dargestellt. Bei niedrigen Temperaturen ist die
Besetzung der Quantenpunkte rein statistischer Natur und die Ladungstr¨
ager sind in ihnen
”eingefroren”. Bei steigender Temperatur erlaubt es die kinetische Energie den Ladungs-
tr¨
agern, ihre flachen Lokalisierungszentren zu verlassen und in tiefere Quantenpunkte zu
relaxieren: die Emission wandert ins Rote. Ab 130 K reicht die thermische Energie (∼11
meV) der Ladungstr¨
ager aus, um auch die tiefen Quantenpunkte zu verlassen, und die
Rekombination findet aus allen Quantenpunkten heraus statt. Dieser Effekt konkurriert
mit dem Varshni-shift so, dass das Lumineszenzmaximum sich stabilisiert oder sich sogar
wieder zu h¨
oheren Energien verschiebt.
Diese Transferprozesse wirken sich, wie in Abbildung 5.7 ersichtlich, auch auf die Halb-
wertsbreite der Lumineszenzbande aus. Von tiefen Temperaturen an bis 70 K bleibt die
FWHM nahezu konstant bei etwa 85 meV, steigt dann aber f¨
ur h¨
ohere Temperaturen an.
Dieses Verhalten l¨
asst sich mit den selben Prozessen erkl¨
aren wie das s-shape. Das bei 4 K
die Lumineszenz nicht viel breiter ist als bei 70 K, l¨
asst jedoch darauf schließen, dass selbst
bei tiefen Temperaturen Transferprozesse (Tunnelprozesse) aus flachen Quantenpunkten
wahrscheinlich sind. Im Gegensatz zu Prozessen die auf thermischer Aktivierung beruhen
f¨
uhren diese Tunnelprozesse aber nicht zu einer Umverteilung in die tiefsten Quantenpunk-
te. Dies kann dadurch erkl¨
art werden, dass resonantes Tunneln sehr viel wahrscheinlicher
ist, als der nicht-resonante Prozess von einem energetisch h¨
oheren in einen tieferen Zustand,
bei dem ein Phonon generiert werden muss.
Zunehmende Umverteilung mit steigender Temperatur beeinflußt auch die Intensit¨
at
der exzitonischen Lumineszenz. So werden Ladungstr¨
ager zunehmend thermisch in 2D-
Zust¨
ande der InGaN-Schicht aktiviert. Sie sind nun sehr mobil und k¨
onnen zu Gitterfeh-
lern und Defekten diffundieren, wo sie nicht-strahlend rekombinieren. Wenn eine thermische
Aktivierung der dominierende Effekt ist, l¨
asst sich die Abnahme der integralen Lumines-
zenzintensit¨
at f¨
ur ein n-Niveau-System mit der folgenden Formel beschreiben [Bim71]:
Diplomarbeit, T. Bartel
52 Ergebnisse und Diskussion
Abbildung 5.9: Arrhenius-Plot der Integralen Lumineszenzintensit¨
at der Probe TU6665. Ein
Modell mit zwei Aktivierungsenergien nach Gl. 5.4 beschreibt die Daten gut.
I(T) = I0 1 + X
n
Bnexp −∆E0n
kBT!−1
.(5.4)
I0−Intensit¨
at bei T=0 K
n−n-ter angeregter Zustand
E0n−Aktivierungsenergie vom Grund- in den n-ten angeregten Zustand
kB−Boltzmann-Konstante
Mit temperaturabh¨
angigen Untersuchungen lassen sich nun die Aktivierungsenergien
der Exzitonen in angeregte Zust¨
ande absch¨
atzen. F¨
ur InGaN-QP-Systeme entspricht diese
Energie der Lokalisierungenergie der Exzitonen. In Abbildung 5.9 ist in einem Arrhenius-
Plot das Abklingen der Intensit¨
at ¨
uber 1/kbTaufgetragen. Die Daten wurden mit der
Funktion (5.4) mit n=1 und n=2 angepasst. Die Aktivierungsenergien ergeben sich ent-
sprechend zu Eint
A= 36 meV (n=1) und Eint
A= 20.2 und 79.1meV (n=2).
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.3 Transferprozesse und Lokalisierung 53
Abbildung 5.10: Temperaturabh¨
angigkeit der Zeitkonstanten der Lumineszenz τPL strahlenden
(τr) und nicht-strahlenden Rekombination (τnr).
Die weite Streuung der ermittelten Aktivierungsenergien ist erstaunlich. Es muss jedoch
ber¨
ucksichtigt werden, dass es sich um Mittelwerte des QD-Ensembles handelt, und die
Aktivierungsenergien unterschiedlichen Quantenpunkten entsprechen. Messungen an ein-
zelnen Quantenpunktlinien lieferten Aktivierungsenergien von 20 meV und 30 meV wobei
jedoch schon die Aktivierung aus dem Grundzustand heraus gen¨
ugte, um die Lumineszenz
zu unterdr¨
ucken [Seg04b]. Die erhalten Aktivierungsenergien sind also eine Absch¨
atzung
f¨
ur die obere und untere Schranke der Lokalisierungsenergien. Angesichts dieser breiten
Streuung decken sich die Aktivierungsenergien recht gut mit der mittleren Potentialtiefe
aus dem Modell von Gourdon und Lavallard (E0= 45 meV ).
Um strahlende Zeitkonstanten von nicht-strahlenden unterscheiden zu k¨
onnen, wurden
temperaturabh¨
angige zeitaufgel¨
oste Messungen durchgef¨
uhrt. Wenn die innere Quanten-
ausbeute bekannt ist, lassen sich die Gleichungen (2.6) und (2.7) nach τrund τnr aufl¨
osen.
Unter der vereinfachenden Annahme eines 2-Niveau-Systems und einer Quantenausbeute
η(T=0)=1, die durch das Einfrieren nicht-strahlender Prozesse bei tiefen Temperaturen
gerechtfertigt ist, ergibt sich die in Abbildung 5.10 dargestellte Abh¨
angigkeit der Zeit-
konstanten von der Temperatur. Bei tiefen Temperaturen bestimmt die Zeitkonstante τrad
Diplomarbeit, T. Bartel
54 Ergebnisse und Diskussion
die Rekombinationsdynamik. Sie liegt bei etwa 800 ps und stimmt gut mit dem Wert aus
Gl. (5.3)¨
uberein. Mit steigender Temperatur r¨
uckt τnr jedoch in die selbe Gr¨
oßenord-
nung wie τrad und nicht-strahlende Rekombinationen werden immer wahrscheinlicher. Die
Luminesenz-Intensit¨
at nimmt stark ab, wie es die in Abb. 5.9 gezeigten Daten fordern.
Bei 100 K sind beide Prozesse gleich wahrscheinlich, bei weiter steigenden Temperaturen
wird die Lumineszenz durch schnelle, thermisch aktivierte Transferprozesse in die InGaN-
Schicht praktisch unterdr¨
uckt. Die Zunahme der strahlenden Lebensdauer wurde schon
an anderen ungeordneten Quantenpunktsystemen beobachtet [Str02] und k¨
onnte durch die
Aktivierung in flachere Quantenpunkte erkl¨
art werden. Dort ist das Confinement und somit
der Elektron-Loch-¨
Uberlapp geringer, also die strahlende Lebensdauer gr¨
oßer. Bei hohen
Temperaturen k¨
onnte die Lumineszenz aus 2D-Zust¨
anden der InGaN-Schicht herr¨
uhren.
Der QCSE k¨
onnte bei solchen Zust¨
anden Elektron und Loch weiter trennen und zu sehr
hohen strahlenden Lebensdauern f¨
uhren (siehe z.B. [Lef01]).
Der Ansatz eines 2-Niveau-Systems ist f¨
ur ein Quantenpunkt-Ensemble dieser Art even-
tuell etwas stark vereinfacht. Chichibu et al. wenden das Model eines 3-Niveau-Systems auf
ihren Daten an und f¨
uhren eine Lebensdauer f¨
ur Exzitonen in Lokalisierungszentren ein
[Chi01]. Einen ¨
ahnlichen Ansatz verfolgen Minsky et al., wobei die Lokalisierungsenergie
der Potentialfluktuationen als Parameter mit in die Beschreibung einfließt und ¨
uber die Le-
benszeiten versucht wird, auch die Temperaturabh¨
angigkeit der inneren Quantenausbeute
zu bestimmen [Min02]. Diese Modelle unterschlagen jedoch Beitr¨
age von freien Ladungs-
tr¨
agern und Effekte wie elektrische Felder oder S¨
attigung der Lokalisierungszentren und
k¨
onnen Messdaten nur schlecht beschreiben.
5.4 Zusammenfassung der Messergebnisse
Es wurde in diesem Kapitel gezeigt, dass mit der µ-PL erfolgreiche Untersuchungen an
einzelnen Quantenpunkten durchgef¨
uhrt werden k¨
onnen. Mit dieser Technik konnte die
Dynamik des QP-Ensembles dem einzelner Quantenpunkte gegen¨
ubergestellt werden. Es
wurde auf diese Weise ein tieferes Verst¨
andnis von InGaN-Quantenpunkten und der in
ihnen lokalisierten Exzitonen erreicht. Die Proben wurden mit MOCVD auf Si(111) ge-
wachsen.
Die Lumineszenz des QP-Ensemble zeigt ein multi-exponentielles Abklingverhalten,
dessen Herkunft bisher nicht eindeutig gekl¨
art wurde. Im Gegensatz dazu ist das zeitliche
Verhalten von ¨
Uberg¨
ange in einzelnen Quantenpunkten mono-exponentiell. Die Zeitkon-
stanten liegen zwischen 0,4 ns und 1,6 ns und zeigen eine breite Streuung selbst f¨
ur ein glei-
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
5.4 Zusammenfassung der Messergebnisse 55
che ¨
Ubergangsenergie. In ¨
Ubereinstimmung mit hochaufl¨
osenden Strukturuntersuchungen
der InGaN-Schicht wird dieses Verhalten auf die ungeordnete Natur des Quantenpunkt-
Systems zur¨
uckgef¨
uhrt. Die Lokalisierungsenergie, Gr¨
oße und Form, sowie die ¨
Ubergangs-
energie, der Quantenpunkte sind derart unsystematisch und in keiner Weise miteinander
korreliert, so dass auch die Wahrscheinlichkeit f¨
ur strahlende Rekombination und Aktivie-
rung in andere Zust¨
ande stark variieren k¨
onnen. Somit erkl¨
art sich die Streuung der Zeit-
konstanten durch die Unordnung des InGaN-QP-Systems. Das multi-exponentielle Abklin-
gen des QP-Ensembles kann so auf die ¨
Uberlagerung vieler verschiedener Zeitkonstanten
der einzelnen Quantenpunkte zur¨
uckgef¨
uhrt werden.
Weitere Messungen am QP-Ensemble beweisen die große Relevanz von Tunnelprozessen
bei tiefen Temperaturen, die die Umverteilung von Exzitonen von Quantenpunkten mit ho-
her ¨
Ubergangsenergie zu tieferen Lokalisierungszentren steuern. Bei h¨
oheren Temperaturen
h¨
oheren Temperaturen dominieren thermisch aktivierte Umverteilungsprozesse in andere
Quantenpunkte, 2D-Zust¨
ande der InGaN-Schicht und die GaN-Matrix. Die Messdaten er-
laubten eine Absch¨
atzung der Lokalisierungsenergie der InGaN-Quantenpunkte zwischen
20 meV und 80 meV.
Diplomarbeit, T. Bartel
Kapitel 6
Zusammenfassung
Ziel dieser Arbeit war der Aufbau eines µ-PL Messstandes zur ortsaufgel¨
osten Untersu-
chung der optischen Eigenschaften von Exzitonen in InGaN-Quantenpunkt-Strukturen.
Der in Abschnitt 3.3 beschriebene Aufbau hat sich als geeignet zur Untersuchung ein-
zelner Quantenpunkte erwiesen. An den InGaN-Proben konnten aufl¨
osungsbeschr¨
ankte
Emissionslinien aus einzelnen Quantenpunkten nachgewiesen und ihr zeitliches Verhalten
untersucht werden. Die Quantenpunkt-Linien zeigen ein mono-exponentielles Abklingen. Es
wurde, selbst f¨
ur Quantenpunkte mit ¨
ahnlichen ¨
Ubergangsenergien, eine grosse Streuung
der Zeitkonstanten zwischen 0,4 ns und 1,6 ns beobachtet. Dies wird durch die unterschied-
liche Gr¨
oße, Potentialtiefe und Form der Quantenpunkte erkl¨
art, da diese verschiedene
Wellenfunktions¨
uberlapps und Lokalisierungsenergien aufweisen.
Das multi-exponentielle Abklingen, das f¨
ur das QP-Ensemble beobachtet wurde, ergibt
sich demnach aus der ¨
Uberlagerung des mono-exponentiellen Abklingens mit verschiede-
nen Zeitkonstanten der einzelnen Quantenpunkte. Es uns damit gelungen, das transiente
Verhalten des QP-Ensembles direkt mit der Unordnung des InGaN Quantenpunkt-Systems
zu erkl¨
aren.
Des Weiteren wurden am Quantenpunkt-Ensemble temperaturabh¨
angige und zeitauf-
gel¨
oste Messungen durchgef¨
uhrt. Es wurde die Relevanz von Transferprozessen und Um-
verteilung zwischen Quantenpunkten mit unterschiedlicher Potentialtiefe demonstriert. Bei
tiefen Temperaturen geschieht dies durch Tunneln der Ladungstr¨
ager von flachen Quan-
tenpunkten in tiefere Lokalisierungszentren, w¨
ahrend bei h¨
oheren Temperaturen die ther-
mische Aktivierung der dominante Prozess ist. Es wurden Lokalisierungsenergien zwischen
20 meV und 80 meV gemessen.
Diplomarbeit, T. Bartel
Ausblick
Bei weiterf¨
uhrenden Arbeiten an der µ-PL sind die in Abschnitt 3.3 genannten Verbesserun-
gen in Betracht zu ziehen. Am dringendsten erscheint die Anschaffung eines Spiegelobjetivs
um mikroskopische Anregung hinreichender Intensit¨
at zu erzielen. Des Weiteren w¨
urde ein
CCD-Detektor die Untersuchung einzelner Quantenpunktlinien extrem vereinfachen. So
w¨
are das auffinden einzelner Linien komfortabler und schneller. Außerdem k¨
onnten sie
¨
uber den Jitter einzelnen Quantenpunkte zugeordnet werden. Mittels Intensit¨
atsabh¨
angi-
gen Messungen k¨
onnten Exziton und Biexziton identifiziert werden.
Ein interessanter Ansatz f¨
ur weitere Nachforschungen ergibt sich aus der Kombinati-
on von Resultaten aus Kathodolumineszenz-Untersuchungen die an den gleichen Proben
von der AG Bimberg durchgef¨
uhrt wurden. Mittels Kathodolumineszenz (KL) konnten
dort Exzitonen und Multiexzitonenkomplexe identifiziert und einzelnen Quantenpunkten
zugewiesen werden [Seg04b]. Die Proben k¨
onnten dort gemappt werden und die so kar-
tographierten L¨
ocher in der µ-PL wiedergefunden werden. Decken sich die Spektren ei-
nes bestimmten Lochs (was noch zu zeigen ist), so k¨
onnten beispielsweise, unter der KL
identifizierte, Exziton- und Biexziton-Linie eines einzelnen Quantenpunktes zeitaufgel¨
ost
untersucht werden.
Es wurde bereits ein Versuch unternommen, solch ein Mapping durchzuf¨
uhren, Er schei-
terte jedoch an den unterschiedlichen Aufl¨
osungen der Systeme: die ausgew¨
ahlten L¨
ocher
lagen nur wenige Mikrometer neben 10 µm Aperturen, und konnten unter der µ-PL nicht
gefunden werden da es im Streulicht des grossen Maskenlochs unterging. Eine geringe-
re Dichte von L¨
ochern k¨
onnte jedoch zum Erfolg f¨
uhren und so weitere spannende und
erstmalige Untersuchungen an InGaN-Quantenpunkten erm¨
oglichen.
Danksagung
Jegliche Forschung baut auf dem Wissen und Know-how ihres Umfeldes auf. Diese Tatsache
hat sich selbst an einer kleinen Schrift wie dieser Diplomarbeit aufs Pr¨
achtigste best¨
atigt.
Zun¨
achst m¨
ochte ich Herrn Priv. Doz. Dr. Axel Hoffmann f¨
ur eine spannende Aufga-
benstellung sowie seine anregende, interessierte und pers¨
onliche Betreuung danken. Herrn
Prof. Dr. Christian Thomsen gilt mein Dank f¨
ur die Bereitschaft die Zweitkorrektur
zu ¨
ubernehmen. Dr. Martin Straßburg danke ich f¨
ur die Vorarbeiten an der µ-PL und
f¨
ur eine gr¨
undliche Einf¨
uhrung in die Welt der Photolumineszenzspektroskopie. Matthias
Dworzak hat mit großem Zeitaufwand und konstruktiver Kritik zum Erfolg dieser Ar-
beit beigetragen. F¨
ur sein Engagement m¨
ochte ich ihm an dieser Stelle besonders danken
und ihm viel Erfolg f¨
ur die n¨
achsten Jahre w¨
unschen. Ich danke Priv. Doz. Dr. Andr´e
Strittmatter f¨
ur die Herstellung der Proben sowie Robert Seguin und Sven Rodt
f¨
ur deren Pr¨
aparation und das Mapping. An die Arbeitsgruppen Hoffmann und Thom-
sen in ihrer Gesamtheit geht ein großes Danksch¨
on f¨
ur Tischtennispartien und sonstige
Abwechslungen die mir manchen langen Messtag vers¨
usst haben. Wahrlich Grashalme im
Heuhaufen suchen mussten Nadine Kewitsch,Rita Stockmann und Max Bartel bei
der Velersuche an dieser Arbeit, vielen Dank!
Anhang
A-1 Materialparameter von GaN und InN
Tabelle 6.1: Bandparameter und Phononen Energien.
Material h-GaN h-InN
Bandl¨
ucke 4K (eV) 3,47a0,7-0,9b
Varshni α(meV/K) 0,939h0,245i
Varshni β(K) 772h624i
r(statisch) 8,9d15,3c
Effektive Masse: Elektron (m0) 0,2d0,11g
Effektive Masse: Schwerloch (m0) 1,4f1,63h
Effektive Masse: Leichtloch (m0) 0,3f0,27h
Effektive Masse: Split-off -Loch (m0) 0,6f0,65h
ELO Phonon (meV) 92.1d73e
a[Tan97]
bDiese Werte sind noch umstritten [Wu02,Mat02,
Dav02].
c[Zub01]
d[Bou01]
e[Kas03]
f[Les96]
g[Lam93]
h[Pug99]
h[Tei94b]
i[Tei94a]
Diplomarbeit, T. Bartel
62 Zusammenfassung und Ausblick
Tabelle 6.2: Kristallparameter
Material h-GaN h-InN
Gitterkonstante a (˚
A) a3.189 3.545
Gitterkonstante c (˚
A) a5.185 5.703
Gitterfehlanpassung Si(111) (%) b-16,9 -15
Gitterfehlanpassung AlN (%)b2.4 12,2
Spontane Polarisation Psp(C/m2)a-0.034 -0.042
a[Vur03]
b[Dad03]
A-2 Rezept zur Herstellung der Masken
Im Vergleich zur TU6665 wurde f¨
ur die TU6938 die Dichte der 10 µm- und 200 nm-
Aperturen reduziert, um unter der µ-PL weniger Streulicht von benachbarten Aperturen
zu detektieren. Außerdem wurde auf 100 nm-L¨
ocher g¨
anzlich verzichtet.
Das Maskieren wurde nach der in Kapitel 4.2 beschriebenen Methode durchgef¨
uhrt.
Die Polystyrolkugeln befinden sich in einer Isopropanol L¨
osung und sind nach Gr¨
oße sor-
tiert. Um die erw¨
unschte L¨
ocherdichte zu erhalten, m¨
ussen die entsprechenden L¨
osungen
verd¨
unnt werden und auf die saubere Probenoberfl¨
ache getr¨
opfelt werden. Das Isopropanol
verfl¨
uchtigt sich rasch und hinterl¨
aßt die in ihm gel¨
osten K¨
ugelchen auf der Probe.
Die Kugelmischung die auf die TU6938 aufgetragen wurde ist nach folgendem Rezept
zusammengestellt:
•15 µlder L¨
osung mit 200 nm K¨
ugelchen + 1,075 ml Isopropanol
•,→25 µlaus dieser Mischung entnehmen und mit
•50 µlder L¨
osung mit 10 µm K¨
ugelchen + 1 ml Isopropanol vermengen.
Das Resultat gut sch¨
utteln und mit einer Pipette einen Tropfen auf die Probe fallen
lassen. Es resultiert eine Maske wie sie auf dem Titelbild dieser Arbeit zu sehen ist. Die
Dichte der 200 nm Kugeln k¨
onnte noch um mindestens einen Faktor zwei bis drei verkleinert
werden. Die Konzentration der 10 µm L¨
ocher sollte nicht sehr viel weiter reduziert werden,
da sie als Orientierungshilfe auf der Probenoberfl¨
ache sehr Hilfreich sind.
F¨
ur Proben, die nur an der µ-PL untersucht werden, sollten Aluminium Masken genutzt
werden [Yu98b].
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
A-3 Fabry-P´erot Interferenzen 63
A-3 Fabry-P´erot Interferenzen
Aufgrund der hohen Brechzahldifferenz von GaN (n∼
=3) zu Luft und zum Silizium-
Substrat erf¨
ahrt ein Photon an den Grenzfl¨
achen der Probe eine nicht zu vernachl¨
assigende
Reflexion1. Es k¨
onnen sich so Fabry-P´erot Moden ausbilden, d.h. es bilden sich konstruk-
tive Interferenzen f¨
ur bestimmte Wellenl¨
angen und destruktive Interferenzen f¨
ur andere.
Diese Interferenzen ¨
uberlagern das Lumineszenzspektrum und verf¨
alschen es so. Die Mo-
den liegen bei vertikalem Nachweis in einem Abstand von etwa 180 meV. Damit sie gut
beobachtbar werden, muss also die Halbwertsbreite der Emission mindestens im Bereich
des Modenabstandes liegen, wie es nach Abbildung 5.7 bei Temperaturen um 300 K der
Fall ist. Wird nun der Winkel des Nachweises ge¨
andert, so sollte sich dies in der Moden-
struktur niederschlagen. Abbildung 6.1 zeigt ein Spektrum der Probe bei Raumtemperatur
und verschiedenen Winkeln des Nachweises zur Fl¨
achennormale. Das Wandern der Peaks
beweist die Relevanz von Fabry-P´erot Interferenzen bei h¨
oheren Temperaturen. Eine quali-
tative Auswertung, geht ¨
uber die Aufgabenstellung dieser Arbeit hinaus, weshalb an dieser
Stelle an [Hum04] verwiesen wird.
1Bei senkrechtem Einfall von GaN zu Luft vereinfachen sich die Fresnel-Gleichungen der Reflexion zu
R=(n−1)2
(n+1)2∼1/4.
Diplomarbeit, T. Bartel
64 Zusammenfassung und Ausblick
Abbildung 6.1: (a) Winkelabh¨
angigkeit der PL bei Raumtemperatur (mit offset) (b) Position
der Lumineszenzmaximas.
Optische Eigenschaften von Exzitonen in InGaN Quantenstrukturen
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