Durchgängige Modellierung von Geschäftsprozessen
durch Einführung eines Abbildungsmodells:
Ansätze, Konzepte, Notationen
Stephan Buchwald
1
, Thomas Bauer
1
, Manfred Reichert
2
1
Abteilung für Daten- und Prozessmanagement, Daimler AG,
{stephan.buchwald, thomas.tb.bauer}@daimler.com
2
Institut für Datenbanken und Informationssysteme, Universität Ulm
manfred.reichert@uni-ulm.de
Abstract:
Häufig genannte Ziele einer Service-orientierten Architektur (SOA) sind die bessere Un-
terstützung und Anpassbarkeit von Geschäftsprozessen sowie das Business-IT-Alignment. Diese Zie-
le werden heute nicht erreicht, da die bei der Implementierung eines Fachprozesses notwendigen
komplexen Transformationen in einen ausführbaren Workflow schwer nachvollziehbar sind. Dadurch
gehen fachliche Anforderungen verloren und es entsteht ein hoher Aufwand bei späteren Prozessan-
passungen. Dieser Beitrag führt die Ebene des Systemmodells zwischen Fachbereich (Fachmodelle)
und IT-Bereich (ausführbare Modelle) ein, um Geschäftsprozess-Transformationen besser zu unter-
stützen und den Ergebnisprozess mit den Fachbereichen abstimmen zu können. Im vorgestellten An-
satz wird ein sog. Abbildungsmodell eingeführt, das Zugehörigkeiten von Aktivitäten des Fach-
modells zu denen des Systemmodells (d.h. technische Spezifikation des Informationssystems) explizit
dokumentiert. Dadurch werden im Software-Entwicklungsprozess automatisierte Konsistenz-
prüfungen zwischen den Modellebenen möglich. Werden später Prozessanpassungen erforderlich,
lassen sich die zu einer fachlichen Aktivität gehörenden technischen Aktivitäten unmittelbar erken-
nen, was die Durchführung der Anpassung erleichtert. Ein wesentlicher Vorteil unseres Ansatzes be-
steht darin, dass die Erstellung des Abbildungsmodells nur einen minimalen Aufwand verursacht, da
keine komplexen Regeln, sondern nur einfache Beziehungen definiert werden müssen. Der Ansatz ist
damit in der Praxis gut verwendbar, was durch eine prototypische Umsetzung unterstrichen wird.
1. Motivation
Service-orientierte Architekturen (SOA) [Erl05, Jos07, BBP09] sind ein aktuelles IT-Thema in Unter-
nehmen. Neben technischen Aspekten ist die Erhöhung der Flexibilität eines der wichtigsten Ziele einer
SOA. Gemeint ist damit, dass fachliche Anforderungen schneller als bisher in entsprechende IT-
Applikationen umgesetzt werden können. In diesem Zusammenhang spielen Geschäftsprozesse und ihre
IT-Unterstützung eine zentrale Rolle. Hier besteht ein hoher Anpassungsbedarf, da Prozessänderungen
(z.B. zur Geschäftsoptimierung oder zwecks Anpassungen der Prozesse an gesetzliche Änderungen) häu-
figer notwendig werden als Anpassungen feingranularer und wiederverwendbarer Geschäftsfunktionen.
Wir verfolgen im Projekt Enhanced Process Management by Service Orientation (ENPROSO) das Ziel,
eine SOA so zu gestalten, dass Geschäftsprozesse zukünftig leichter anpassbar sind als bei heutigen Ar-
chitekturen.
Eine bessere Anpassungsfähigkeit von Geschäftsprozessen [Sch98, Wes07] an notwendige Änderungen
lässt sich, zumindest vom Prinzip her, durch Verwendung von Workflow-Technologie erreichen [Wes07,
RD00]. Durch Trennung der verschiedenen Workflow-Aspekte [Jab97], wie Kontroll- und Datenfluss,
von der Implementierung der Anwendungslogik, entsteht ein besser strukturiertes prozessorientiertes In-
formationssystem.
Allerdings genügt der Einsatz von Workflow-Technologie alleine nicht, um die Anforderung einer SOA
an Flexibilität zu erfüllen. Gegenüber der heutigen Praxis ist insbesondere eine Verbesserung des Zu-
sammenspiels zwischen Fachbereichen und IT-Abteilungen bei der Software-Entwicklung erforderlich.
Dieser Aspekt wird auch als Business-IT-Alignment bezeichnet [Che08]: Informationssysteme sollen die
fachlichen Anforderungen und Bedürfnisse exakter treffen als dies bisher der Fall gewesen ist. Neben
einer konsequenten Prozessorientierung ist es einerseits erforderlich, dass fachliche Anforderungen und
Fachprozesse vollständig dokumentiert werden. Andererseits müssen Informationsverlust und Verfäl-
schungen bei der Entwicklung des (prozessorientierten) Informationssystems reduziert werden. Falls
Änderungen an den fachlichen Anforderungen erfolgen, sollen diese korrekt und unverfälscht in die Imp-
lementierung des Informationssystems einfließen. Dies soll zudem möglichst schnell geschehen. Außer-
dem kann es in einer SOA zu Änderungen in der Umgebung kommen, z.B. wenn Services wegfallen (d.h.
2
abgeschaltet werden) oder wenn diese zu einer neuen Version migrieren. Auch auf solche Szenarien muss
flexibel reagiert werden können.
Um die Lücke zwischen Fachbereich/Fachmodell und IT-Abteilung/ausführbarem Modell (Software-
Realisierung) zu schließen, ist eine zusätzliche Modellebene notwendig, welche die Beziehungen zwi-
schen fachlichen Anforderungen und entsprechender IT-Implementierung nachvollziehbar dokumentiert.
Es existieren einige Ansätze, die die Verwendung einer solchen Modellebene vorsehen, wie z.B. MID M3
[PR05], IBM SOMA [AGA+08, Ars04], IDS Scheer AVE [Dee07, BEH+08] und Quasar Enterprise
[EV08]. Wir verwenden hierfür ein Zwischenmodell, welches im Folgenden Systemmodell genannt wird.
In dieses Systemmodell müssen fachliche Anforderungen an einen Prozess einfließen. Nur dann werden
sie in der tatsächlichen Implementierung des Informationssystems umgesetzt. Hierzu ist ein Konzept
erforderlich, bei dem die Beziehung zwischen fachlichen Anforderungen und ihrer Implementierung im
geplanten Informationssystem nachvollziehbar wird. So muss für jede Aktivität des fachlichen Modells
(und damit für deren Eigenschaften und Anforderungen) ableitbar sein, in welche Aktivität(en) des Sys-
temmodells sie eingeflossen ist (vgl. Abbildung 1). Dies ist normalerweise nicht ohne weiteres erkennbar,
da für IT-Implementierungen meist Vorgaben für Aktivitätenbezeichnungen bestehen, die nicht mit denen
der Fachabteilungen übereinstimmen.
Ein Beispiel einer einfachen Transformation zeigt Abbildung 1 mit der Umbenennung der fachlichen
Aktivität [Änderungsantrag stellen] in [HT_..._RequestChange] im Systemmodell. Wäh-
rend solche Namensunterschiede noch einfach handhabbar sind, werden bei der Abbildung eines Fach-
modells auf ein ausführbares Modell meist größere Umstrukturierungen notwendig. Grund dafür ist, dass
ein Fachbereich seine Geschäftsprozesse im Regelfall auf einer anderen Abstraktionsebene beschreibt, als
sie für eine IT-Spezifikation benötigt wird. So werden in einem Fachprozessmodell oftmals manuelle
Einzelaktivitäten beschrieben, die nicht automatisiert werden sollen, aber für Verfahrenshandbücher oder
Prozesskostenrechnungen dokumentiert werden sollen. Diese werden in einer IT-Spezifikation nicht 1:1
übernommen, sondern zusammengefasst oder gar ganz weggelassen. Ein Beispiel ist die Aktivität [Än-
derung umsetzen] in Abbildung 1. IT-unterstützte Prozessschritte hingegen sind im Fachprozess
häufig nur grob beschrieben, so dass sie verfeinert oder sogar zusätzlich hinzugefügt werden müssen.
Andere fachliche Aktivitäten werden in mehrere IT-gestützte Aktivitäten (Benutzerinteraktionen, Service-
Aufrufe und Datentransformationen) aufgespaltet. So wird in unserem Beispiel die Aktivität [betrof-
fene Bauteile angeben] in eine Aktivität mit Benutzerinteraktion (Human Task) und einen Ser-
vice-Aufruf aufgespalten. Schließlich ist zu beobachten, dass Fehler- und Ausnahmefälle (z.B. Rück-
sprünge bei unvollständigen Daten) in Fachprozessmodellen meist nicht abgebildet werden, um die Kom-
plexität in dieser frühen Phase gering zu halten.
HT_..._
Request-
Change
Änderung
ist erforder-
lich
Änderung
ist umge-
setzt
XÄnderung
umsetzen
Änderung
ist ge-
nehmigt
Änderung
ist abge-
lehnt
System-
modell
HT_..._
InputPart-
Number
Service_..._
GetPartData
HT_..._
RefineCha-
ngeRequest
HT_..._
DecideCha-
ngeRequest Choice Service_..._
MarkPartsAs-
Changeable
Choice
End
eMailTask_
…_Notify-
Requestor
Fachliches
Modell
Fahrzeug-
entwickler Änderungs-
verantwortl.
Fahrzeug-
entwickler Änderungs-
verantwortl. Antrag-
steller
e-Mail
Baureihen
verantwortl.
Aufspalten
betroffene
Bauteile
angeben
Umbenennen
Änderungs-
antrag
stellen
Änderung
detaillieren Änderung
bewerten
Zusammenfassen
Änderung
entscheiden
Umbenennen
Antragsteller
informieren
Umbenennen
Umbenennen Einfügen
Weglassen
Abbildung 1: Transformationen zwischen fachlichem Modell und Systemmodell
Unter Berücksichtigung solcher Transformationen ermöglicht unser ENPROSO-Ansatz, die Nachvoll-
ziehbarkeit der Beziehungen zwischen fachlicher Aktivität und ihrer IT-Implementierung. Ebenso wird
Nachvollziehbarkeit in umgekehrter Richtung unterstützt: So ist es für die robuste Ausführung einer
SOA-Anwendung wichtig, die von Umgebungsänderungen betroffenen Prozesse und Aktivitäten identifi-
zieren zu können. Nur so wird es möglich, entsprechend schnell auf anstehende Änderungen wie “Servi-
ce-Abschaltungen“ reagieren zu können.
In Kapitel 2 stellen wir die Anforderungen an das zu entwickelnde Konzept vor, insbesondere hinsichtlich
der zu unterstützenden Prozesstransformationen. Kapitel 3 skizziert das Abbildungsmodell unseres
3
ENPROSO-Ansatz und beschreibt die dazu notwendigen Prozesstransformationen. Anschließend wird
der Ansatz in Kapitel 4 detailliert. Außerdem wird diskutiert, welche Notationen und Prozess-
Modellierungswerkzeuge zu seiner Realisierung geeignet sind. Ferner werden in Kapitel 5 für mehrere
ausgewählte Notationen exemplarische Umsetzungen für ein Prozessbeispiel vorgestellt. Kapitel 6 disku-
tiert verwandte Ansätze, bevor mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick geschlossen wird.
2. Rahmenbedingungen und Anforderungen
Die Modellierung von Geschäftsprozessen aus fachlicher Sicht dient, neben der Prozessanalyse und Pro-
zessoptimierung, vor allem der Dokumentation fachlicher Anforderungen seitens der Endanwender und
Prozessverantwortlichen. Da letztere meist wenig oder keinen IT-Hintergrund haben, werden die Inhalte
eines fachlichen Modells nicht formal beschreiben. Stattdessen werden einfache graphische Notationen
und textuelle Beschreibungen verwendet, wie sie von Geschäftsprozess-Modellierungswerkzeugen ange-
boten werden (z.B. erweiterte ereignisgesteuerte Prozessketten (eEPK) in ARIS [Sch98]). Wie erwähnt,
sind in dieser frühen Phase noch nicht alle Aspekte im Detail bekannt bzw. sollen aus Komplexitätsgrün-
den noch nicht modelliert werden, so dass das fachliche Prozessmodell (kurz: Fachprozess) an bestimm-
ten Stellen bewusst vage gehalten wird. Diese Unvollständigkeit betrifft die Prozessstruktur (d.h. den
Kontrollfluss) selbst, aber auch andere Aspekte (z.B. erfolgt im Fachprozess noch keine detaillierte Fest-
legung von Datenstrukturen). Hingegen muss ein implementierter Workflow von einer Workflow-Engine
ausgeführt werden, weshalb die entsprechende technische Prozessbeschreibung (ausführbares Modell)
vollständig und formal sein muss. Außerdem muss sie den Vorgaben des von der Workflow-Engine ver-
wendeten Metamodells genügen (z.B. BPEL [OAS07], BPMN [OMG09]). Welches Metamodell jeweils
relevant ist, hängt von der gewählten Ausführungsumgebung ab. So verwendet der IBM WebSphere
Process Server (WPS) eine Erweiterung von BPEL, die sich in der Version 6.2 stark an BPMN orientiert
[IBM09].
Bei der Transformation eines fachlichen Prozessmodells in ein Systemmodell ist es wichtig, dass das
Systemmodell geeignet angepasst (d.h. umstrukturiert) wird. Da die durchgängige Realisierung solcher
Umstrukturierungen den Schwerpunkt dieses Beitrags bildet, werden die verschiedenen Typen von Struk-
turänderungen entlang des in Abbildung 1 dargestellten (stark vereinfachten) Antragsprozess für Produkt-
änderungen in der Automobilindustrie motiviert. Dieser stellt sicher, dass Änderungsvorhaben an Bau-
teilen vor ihrer eigentlichen Umsetzung bewertet, genehmigt und entsprechend dokumentiert werden. Ein
Änderungsvorhaben wird angelegt, indem die Änderung in Form eines Antrages beschrieben wird. Da
sich Änderungen meist auf mehrere Bauteile auswirken, müssen Informationen über die von ihnen betrof-
fenen Bauteile eingeholt werden. Anschießend wird die Änderung detailliert und bewertet. Abhängig von
dieser Bewertung wird entschieden, ob das Änderungsvorhaben umgesetzt wird oder nicht.
Im Folgenden werden Transformationstypen beschrieben, die in der Praxis häufig vorkommen.
Typ 1 (Übernahme einer Aktivität inkl. Umbenennung): Im einfachsten Fall wird eine Aktivität
des Fachprozesses auf genau eine Aktivität des Systemmodells abgebildet. So kann eine Benutzer-
interaktion zum Ausfüllen eines Formulars z.B. als Human Task [Agr07] in einem BPEL-Prozess
realisiert werden. Da für Aktivitäten auf IT-Ebene aber häufig Namenskonventionen existieren
(z.B. um die zugehörige Applikation im IT-Betrieb erkennen zu können), ergeben sich meist unter-
schiedliche Namen für Aktivitäten und Daten im fachlichen Modell und im Systemmodell. Zwecks Nach-
vollziehbarkeit müssen wir solche Anpassungen explizit verwalten. Beispielsweise wird die fachliche
Aktivität [Änderungsantrag stellen] durch die Human Task [HT_
...
_ChangeAppl_-
ProductDevelopment_RequestChange] im Systemmodell realisiert (vgl. Abbildung 1).
Typ 2 (Aufspalten einer Aktivität): Service-orientierte Workflow-Engines erfordern eine
strikte Unterscheidung von Aktivitäten mit Benutzerinteraktion (Human Tasks) und Service-
Aufrufen (BPEL Invoke). Diese Aufspaltung ist eine Neuerung bei Service-orientierten
Workflow-Engines. Klassische Workflow-Engines, wie IBM WebSphere MQ Workflow
[IBM05], haben Aktivitäten als größere Einheiten betrachtet, die sowohl mit dem Benutzer
interagieren als auch Daten mit Backend-Systemen austauschen. Da solche Einheiten aber kaum wieder-
verwendbar sind, entsprechen sie nicht der Grundphilosophie einer SOA. Im Beispiel aus Abbildung 1 ist
es deshalb notwendig, die fachlich zusammengehörige Aktivität [betroffene Bauteile ange-
ben] in eine Benutzerinteraktion zur Eingabe der Bauteilnummern und einen Service-Aufruf zur Ermitt-
lung der restlichen Bauteildaten aus einem Produktdaten-Management (PDM)-System aufzuspalten. Es
gibt durchaus auch Fälle, in denen mehr als ein Serviceaufruf entsteht, z.B. wenn vor der Benutzerinterak-
tion mittels eines Services anzuzeigende Daten beschafft werden müssen, oder Daten mittels mehrerer
Typ 1
X
A
Typ 2
A
X Y
4
Services aus unterschiedlichen Backend-Systemen gelesen oder geschrieben werden müssen.
Typ 3 (Zusammenfassen von Aktivitäten): Bei der fachlichen Analyse von Geschäftsprozes-
sen werden logisch zusammengehörige Aufgaben ermittelt, die mittels separaten Aktivitäten
modelliert werden. Wenn solche Aktivitäten z.B. unmittelbar aufeinander folgend stets von
derselben Person erledigt werden, kann es Sinn machen, diese im Systemmodell zu einer Akti-
vität zusammenzufassen, um sie dann durch eine Sequenz von Bildschirmmasken zu bearbei-
ten. Im dargestellten Beispiel wird es dem Änderungsverantwortlichen dadurch erspart, nach Beendigung
der Detaillierung, dieselbe Workflow-Instanz in seiner Arbeitsliste zu suchen, um anschließend die Be-
wertung der Änderung durchzuführen.
Typ 4 (Einfügen zusätzlicher Aktivitäten in das Systemmodell): Nachdem der Baureihenver-
antwortliche eine Entscheidung über die Änderung getroffen hat und der Antragsteller entspre-
chend informiert ist, kann die Änderung durchgeführt werden. Damit dies im PDM-System tatsäch-
lich möglich ist, müssen dort die entsprechenden Bauteile in den Zustand Veränderbar versetzt
werden. Dies erfolgt durch den Serviceaufruf [Service_MarkPartsAsChangable], der
deshalb zusätzlich in das Systemmodell über eine entsprechende Abbildung eingefügt wird. Oftmals sind
auch zusätzliche Aktivitäten zur Protokollierung relevanter Aktionen oder eingetretener Fehler auf
Workflow-Ebene erforderlich. Das Einfügen zusätzlicher Aktivitäten wird auch deshalb erforderlich, um
Fehlererkennungen und Behandlungen durchführen zu können, die fachlich noch nicht modelliert werden
sollen (z.B. automatische Aktivität zur Sicherstellung der Datenqualität). Kann ein Fehler beispielsweise
nur behoben werden, indem an eine frühere Stelle im Prozess zurückgesprungen wird (so dass Teile wie-
derholt werden), werden auch noch zusätzliche Knoten und die zugehörigen Kanten in den Prozess einge-
fügt.
Typ 5 (Weglassen von Aktivitäten aus dem fachlichen Modell): In Fachprozessen können sich
häufig Aktivitäten befinden, deren Ausführung nicht vom Workflow-System gesteuert bzw. über-
wacht werden soll. So erfolgt in unserem Beispiel die Umsetzung einer Änderung selbstständig
durch den Antragssteller, nachdem dieser informiert wurde, dass sein Antrag genehmigt wurde.
Die Modellierung dieser Aktivität im Fachprozess ist zwar sinnvoll, da sie nicht unerheblich zu den
Prozesskosten und -durchlaufzeiten beiträgt (sie fließt z.B. bei einer Prozess-Simulation ein), jedoch für
die Workflow-Ebene nicht relevant. Ähnliche Szenarien gibt es für Aktivitäten die das Begrüßen eines
Kunden oder das Führen eines Verkaufsgesprächs realisieren.
Zusätzlich können bei Bedarf weitere Transformationstypen für Aktivitäten definiert werden, etwa die
Transformation von m Aktivitäten des Fachmodells in n Aktivitäten des Systemmodells.
Die Beispiele zeigen, dass es im Nachhinein keineswegs trivial ist, die Beziehungen zwischen fachlichen
Aktivitäten und ihrer IT-Realisierung zu erkennen. Deshalb müssen die durchgeführten Abbildungen und
Transformationen explizit gemacht und aufbewahrt werden – wie dies realisiert werden kann wird in den
folgenden Kapiteln beschrieben. Dadurch wird die Nachvollziehbarkeit verbessert, so dass (z.B. in Pro-
jekt-Reviews) aufgezeigt werden kann, wie die fachlichen Anforderungen tatsächlich umgesetzt wurden.
3. Konzept für die Prozesstransformation
Wir entwickeln nun ein grundlegendes Konzept, um ausgehend von einem fachlichen Prozessmodell die
erwähnten Transformationen in einem Systemmodell durchführen zu können. Hierzu wird eine mehrstu-
fige Vorgehensweise vorgestellt: Zuerst wird der Fachprozess in einen korrespondierenden Prozess auf
Systemmodellebene (Systemprozess) transformiert. Aus diesem wird dann das ausführbare Prozessmodell
abgeleitet. Außerdem werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Beziehungen zwischen diesen Ebenen in
Prozessmodellierungsumgebungen explizit dokumentiert werden können. Dieser Aspekt wird in Kapitel 4
detailliert.
3.1. Ebenen der Prozessmodellierung
Der Fachprozess dient der Dokumentation von fachlichen Anforderungen an das zu realisierende Infor-
mationssystem. Fachliche Anforderungen werden meist durch Befragungen von Endanwendern und Pro-
zessverantwortlichen bzw. -eignern ermittelt. Häufig wird diesen Personen der Fachprozess graphisch
angezeigt, so dass sie ihre eigenen Prozessschritte in den Fachprozess einordnen oder Fehler erkennen
können. Deshalb ist die wichtigste Anforderung an ein fachliches Modell, dass es leicht verständlich ist.
Zudem liegt die Verantwortung für die Erstellung des Fachmodells meist bei den jeweiligen Fach-
bereichen, auch wenn die operative Umsetzung dieser Aufgabe oftmals durch (externe) Berater erfolgt.
Typ 3
X
A B
Typ 4
X
Typ 5
A
5
Für die Inhalte sind die Fachbereiche verantwortlich, da nur diese das entsprechende Fachwissen haben.
Bei der Modellierung werden primär die Struktur des Prozessablaufs (Kontrollfluss) mit seinen Aktivitä-
ten, deren Ein- und Ausgabedaten sowie zuständigen Bearbeitern festgelegt.
Die Verantwortung für die Erstellung des Systemmodells liegt beim IT-Bereich. Durchgeführte Änderun-
gen am Systemmodell sollten vom zuständigen Fachbereich bestätigt werden. Deshalb muss die Darstel-
lung des Systemmodells (z.B. graphische Notation, Struktur) so gewählt werden, dass es für Fachanwen-
der verständlich ist. Die zugehörigen Inhalte sind dieselben wie im fachlichen Modell. Allerdings müssen
diese ausreichend detailliert, vollständig und formal sein, um die Basis einer plattformunabhängigen IT-
Spezifikation bilden zu können. Das bedeutet, vage textuelle Beschreibungen und offene Aspekte aus
dem Fachmodell müssen ersetzt worden sein.
Die Software-Realisierung (ausführbares Modell) hingegen wird von IT-Implementieren erstellt. Diese
treffen keine (fachlich relevanten) Entscheidungen bei der Erstellung des ausführbaren Modells, sondern
übernehmen stattdessen die Struktur und Inhalte des Systemmodells 1:1. Für das ausführbare Modell sind
zahlreiche weitere zielplattformabhängige Informationen notwendig, wie Datenobjekte, implementierte
Services, Benutzerschnittstellen (z.B. als Maskenentwurf), Geschäftsregeln und zugrundeliegende Orga-
nisationsmodelle. Aufgrund des hierfür notwendigen formalen Charakters und der technischen Detaillie-
rung kann es ausschließlich von IT-Spezialisten erstellt werden. Da solche in Fachbereichen nicht verfüg-
bar sind, liegt die Verantwortung für diese Modellebene beim IT-Bereich. In vielen Unternehmen, die
sich als IT-Anwender verstehen, gibt es solche Verantwortlichen nicht. Deshalb wird die Erstellung des
ausführbaren Prozessmodells häufig an externe Software-Hersteller vergeben (vgl. Offshoring).
Wie Abbildung 2 zeigt, beinhalten alle drei Modellebenen relevante Aspekte wie Datenobjekte, Ge-
schäftsregeln, Services oder Organisationsmodelle [Jab97]. Diese werden in den unterschiedlichen Ebe-
nen (ausgehend vom Fachmodell) verfeinert. Änderungen an diesen Aspekten werden durch Fachbereiche
bestätigt, und schließlich durch den IT-Bereich implementiert. Außerdem stehen die verschiedenen Ob-
jekttypen in Beziehung zueinander: So erzeugt ein Prozess verschiedene Datenobjekte, verwendet Ge-
schäftsregeln und ruft Services auf. Da die Umstrukturierung des Kontrollflusses und einzelnen Aktivitä-
ten im Fachmodell (vgl. Kapitel 2) die größte Herausforderung bzgl. Modelltransformationen darstellt,
fokussieren wir im Folgenden darauf.
Fachmodell:
Ausführbares Modell:
Systemmodell:
Verantwortung:
Fachbereich
Verantwortung:
IT-Bereich,
in Abstimmung
mit Fachbereich
Ø
Verantwortung:
IT-Bereich
Geschäftsprozesse Daten-
objekte Geschäfts-
regeln
Implemen-
tierung
Detaillierung,
Formalisierung
xcvc
xcvcfdgfdsg
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcg
dfdfsdaf
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcvcfdgfdsg
dfdf
dfsgdfsgfds
xcvc
xcvcfdgfdsg
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcg
dfdfsdaf
dfsgdfsgfds
dfdfsgxv
xcvcfdgfdsg
dfdf
dfsgdfsgfds
HT HT Svc HT SvcHT HT Svc HT Svc
Beziehungen
Beziehungen
Beziehungen
…
…
…
Abbildung 2: Ebenen der Modellierung von Prozessen und auch anderer Aspekte
3.2. Beziehung zwischen Fach- und Systemprozess
Eine wesentliche Anforderung ist die Nachvollziehbarkeit von Änderungen. Insbesondere ist eine explizi-
te Bestätigung aller im Systemmodell durchgeführten Veränderungen durch den Fachbereich gefordert,
um eine korrekte Abbildung fachlicher Prozesse auf Prozesse des Systemmodells (Systemprozess) sicher-
zustellen. Im Folgenden untersuchen wir, welche Varianten bei der Transformation eines Fachprozesses
in einen Systemprozess prinzipiell möglich sind:
Variante 1 (Kopieren des Fachprozesses): Der Fachprozess wird in das Systemmodell
1
kopiert und dort
angepasst (d.h. umstrukturiert). Da Systemmodelle typischerweise in einem anderen Werkzeug als Fach-
modelle erstellt werden, erfolgt an dieser Stelle ein Werkzeugwechsel (z.B. von einem Geschäfts-
1
Selbst wenn kein Systemmodell erstellt wird, sind die entsprechenden Transformationen durchzuführen. Sie werden dann bei der
Erstellung des ausführbaren Modells oder einer textuell beschriebenen IT-Spezifikation durchgeführt – ebenfalls ohne jede Art einer
methodisch unterstützten Nachvollziehbarkeit.
6
prozessmodellierungswerkzeug in ein UML-Tool). Durch diesen Werkzeugwechsel wird ein direktes
Kopieren des Fachprozesses in das Systemmodell erschwert, so dass entsprechende Import-
Funktionalitäten notwendig werden. Aufgrund der unterschiedlichen Metamodelle auf Fach- und Sys-
temmodell-Ebene (z.B. eEPKs und UML Activity Diagram) sowie beschränkter Import-Funktionalität der
verwendeten Werkzeuge, kommt es beim Import vielfach zu Informationsverlusten. Oftmals ist es dann
sogar sinnvoller, den Fachprozess manuell zu übernehmen, d.h. den Systemprozess entsprechend dessen
Metamodell und Werkzeug nach zu modellieren.
Unabhängig davon, welcher Weg zur Modellübernahme gewählt wird, existiert nach Veränderung des
Fachprozesses keine Information dazu, welche Transformationen an welchen Stellen des Systemmodells
durchgeführt werden müssen. Diese Variante ist gerade bei Einbeziehung künftig notwendiger Änderun-
gen des Fachprozesses ungeeignet, da die Nachvollziehbarkeit zwischen den Modellen nicht sichergestellt
wird.
Variante 2 (Verwendung von Sub-Prozessen): Eine Möglichkeit zur Verfeinerung von Prozessinforma-
tionen, die auch von heutigen Werkzeugen unterstützt wird, ist die Verwendung mittels Sub-Prozessen.
Wie in Abbildung 3a dargestellt, kann dadurch z.B. eine Aktivität aufgespaltet werden. Die Beziehung
zwischen fachlicher Aktivität im Fachprozess und Sub-Prozess im Systemmodell bleibt erkennbar. Dies
kann im ARIS-Werkzeug z.B. dadurch realisiert werden, dass ein Sub-Prozess als sog. „Hinterlegung“
der Original-Aktivität referenziert wird. Ist zwischen den Modellebenen eine Werkzeuggrenze zu über-
winden, muss analog zu Variante 1 der Fachprozess importiert werden.
Mit diesem Ansatz ist lediglich das Umbenennen (vgl. Kapitel 2, Typ 1), Aufspalten (Typ 2) und Weglas-
sen (Typ 5) von Aktivitäten realisierbar. Ein Zusammenfassen (Typ 3) ist dagegen nicht möglich, da der
Subprozess-Mechanismus nur auf Einzelaktivitäten anwendbar ist, d.h. nicht auf mehrere zu verschmel-
zende Aktivitäten des Fachprozesses (gemeinsam). Ebenso wenig ist ein Einfügen von Aktivitäten (Typ
4) realisierbar, da kein zu verfeinerndes Objekt im Fachprozessmodell existiert. Außerdem ist der Ge-
samtprozess auf Systemmodell-Ebene nicht mehr vorhanden, sondern nur mittels Fachprozess und Ver-
feinerungen rekonstruierbar. Dies ist nicht nur sehr unübersichtlich, sondern erschwert auch die Ableitung
des ausführbaren Modells; BPEL-Generatoren etwa gehen von einem zusammenhängenden Quellprozess
aus. Wegen dieser Nachteile scheidet diese Variante aus.
b) Einf
ü
hrung eines Abbildungsmodells
a) Verwendung von Sub
-
Prozessen
Aktivität aus Fachprozess
Aktivität
aus Systemprozess
HT SvcHT HTSvc
Ø
Fachprozess
System-
prozess
Umbenennen Aufspalten
Svc HT SvcHT HT Svc
Sub-
Prozess
Aufspalten
Fachprozess
System-
prozess
Abbildungs-
modell
HT Svc
HT HT
Svc
Abbildung 3: Varianten zur Verwaltung der Beziehung zwischen Fach- und Systemmodell
Variante 3 (Einführung eines Abbildungsmodells): Um die Vielfältigkeit entsprechender Transforma-
tionstypen vernünftig zu handhaben, ist eine explizite Repräsentation der Transformationsschritte zur
Abbildung von Fachprozessen in Systemprozesse (und umgekehrt) nötig. Dazu führen wir im Folgenden
einen neuen Modelltyp ein, dessen Instanzen wir als Abbildungsmodell bezeichnen. Es zeigt für alle Akti-
vitäten des Fachprozesses auf, wie sie in den Systemprozess überführt werden. Ebenso ist für alle Aktivi-
täten des Systemprozesses erkennbar, aus welchen fachlichen Aktivitäten sie entstanden sind. Wie in
Abbildung 3b angedeutet, lässt sich so ein Umbenennen (Typ 1), Aufspalten (Typ 2), Zusammenfassen
(Typ 3), Einfügen (Typ 4) und Weglassen (Typ 5) dokumentieren.
Zweck des Abbildungsmodells ist Beziehungen zwischen Fachmodell und Systemmodell zu dokumentie-
ren. Deshalb beschreibt das Abbildungsmodell keine Reihenfolge zwischen Aktivitäten des Fachmodells.
Muss zwischen diesen Ebenen eine Werkzeuggrenze überwunden werden, so müssen nur fachliche Akti-
vitäten in das (Modellierungs-) Werkzeug des Systemmodells importiert werden (und kein Kontrollfluss,
vgl. Abbildung 3b). Dies ist mit einfachen Mitteln möglich, da hier keine Überführung des Fachprozesses
in ein anderes Metamodell notwendig ist.
Mit Variante 3 lassen sich alle Transformationstypen dokumentieren. Der Ansatz ist noch erweiterbar,
7
indem zusätzliche Transformationstypen für evtl. zukünftig benötigte weitere Arten von Transformatio-
nen definiert werden. Alle durchgeführten Veränderungen sind unmittelbar erkennbar und die Beziehun-
gen von Aktivitäten des Fach- und Systemmodells sind bidirektional nachvollziehbar. Prozess-
modellierungswerkzeuge unterstützen im Regelfall eine Navigation in beide Richtungen, auch wenn die
Beziehungen selbst unidirektional sind. Ein Nachteil dieser Variante ist es, dass ein zusätzliches Abbil-
dungsmodell benötigt wird, welches manuell gepflegt werden muss. Da alle anderen Varianten gravieren-
de Nachteile aufweisen, entscheiden wir uns für Variante 3.
3.3. Abbildung des Systemmodells auf das ausführbare Modell
Wie erwähnt, soll die Transformation des Systemprozesses in das ausführbare Modell so einfach wie
möglich sein, da diese Aufgabe häufig von externen Dienstleistern, ohne Kenntnis der Fachprozesse,
erledigt wird. Die Überführung der Information aus dem Systemmodell in ein ausführbares Modell findet
über eine 1:1 Abbildung statt. Dabei werden alle im Systemmodell beschriebenen Sachverhalte über-
nommen und entsprechend der Zielplattform technisch detailliert. So ist ein Systemmodell-Prozess z.B.
als UML Activity Diagram dokumentiert und soll als BPEL-Prozess implementiert werden. Dazu werden
die im Systemmodell dokumentierten manuellen Aktivitäten etwa als Human Tasks [Agr07] realisiert.
Außerdem müssen geeignete BPEL-Konstrukte (z.B. While, Parallel-ForEach) verwendet werden, um
den im Systemmodell dokumentierten Kontrollfluss in einem BPEL-Prozess zu realisieren.
Die Nachvollziehbarkeit zwischen den Modellen ist leicht möglich, da jeder Sachverhalt aus dem Sys-
temmodell direkt in das ausführbare Modell überführt und mit zielplattformabhängiger Information ange-
reichert wird. Eine Zuordnung der einzelnen Objekte (z.B. Aktivitäten) aus den beiden Modellen ist mit-
tels ihrer Namen möglich. Lediglich für den Sonderfall, dass im Systemmodell noch nicht die (endgülti-
gen) Namenkonventionen der Zielplattform angewandt werden, ist noch eine Abbildungstabelle zu erstel-
len. Diese hat eine einfache Struktur, da eine Aktivität des Systemmodells stets genau einer Aktivität des
ausführbaren Modells zugeordnet ist.
Da die Abbildung zwischen Systemmodell und ausführbarem Modell keine relevanten Heraus-
forderungen bzgl. der Nachvollziehbarkeit bietet, wird dieser Aspekt im Folgenden nicht weiter betrach-
tet.
4. Gestaltung des Abbildungsmodells
Die bei der fachlichen Prozessmodellierung zu verwendenden Tools und Notationen (z.B. eEPK [Sch98],
BPMN) werden meist bestimmt durch die Gegebenheiten im jeweiligen Fachbereich. Ebenso besteht
meist kein Freiheitsgrad bei der Auswahl der Implementierungsplattform und -sprache (z.B. IBM WPS
und BPEL [OAS07]). Hingegen muss das Systemmodell zwar gewisse Anforderungen wie Verständlich-
keit erfüllen, der IT-Bereich hat aber prinzipiell mehrere Modellierungssprachen zur Auswahl (z.B.
eEPK, BPMN), sofern nicht Unternehmensrichtlinien die Verwendung einer bestimmten Notation oder
eines Modellierungswerkzeugs vorgeben. Sprache und Werkzeug haben gewisse Auswirkungen auf die
Qualität des Abbildungsmodells, auf die in Abschnitt 4.3 eingegangen wird.
Ein Abbildungsmodell, wie in Abbildung 3b skizziert, stellt das Verbindungsglied zwischen Fachprozess
und Systemprozess dar. Es wird von heutigen Prozessmodellierungswerkzeugen nicht direkt unterstützt.
Wir zeigen im Folgenden, wie ein Abbildungsmodell prinzipiell gestaltet werden muss, damit die Bezie-
hung zwischen Fachprozess und Systemprozess nachvollziehbar ist. Schließlich wird noch aufgezeigt,
wie sich das Abbildungsmodell für das in Abbildung 1 eingeführte Beispiel mit ausgewählten Notationen
realisieren lässt.
4.1. Erstellung und Speicherung
Das Abbildungsmodell wird während der Erstellung des Prozesses auf Systemmodell-Ebene (vgl.
Abbildung 2) erzeugt. Da Abbildungs- und Systemmodell in der Verantwortung des IT-Bereichs liegen,
sollte dasselbe Modellierungswerkzeug und möglichst dieselbe Notation verwendet werden. Allgemein
betrachtet, definiert das Abbildungsmodell eine Menge von Relationen, die Aktivitäten des Fachprozesses
auf Aktivitäten des Systemmodells abbilden. Jede dieser Relationen entspricht genau einem Transforma-
tionstyp (vgl. Kapitel 2). In der Modellierungsumgebung sollte eine Relation durch jeweils ein Objekt
realisiert werden, dem außer dem Transformationstyp auch Attribute wie Name, Beschreibung oder der
Verantwortliche aus dem Fachmodell zugeordnet sind.
Da heutige Modellierungswerkzeuge das Konzept des Abbildungsmodells nicht unterstützen, muss bei
8
ihrer Verwendung für diesen Zweck ein existierender Modelltyp verwendet werden (z.B. eEPK, BPMN
oder UML Activity Diagram). Dieser muss Aktivitäten aus dem Fach- und Systemprozess sowie Relatio-
nen zwischen diesen darstellen können. Je nach Notation und Werkzeug kann hiervon ein Modelltyp für
Abbildungsmodelle abgeleitet werden. In diesem abgeleiteten Modell können dann spezielle Knotentypen
für Transformationen (Transformationsknoten) sowie Kantentypen für Transformationskanten verwendet
werden. Welche Notationen in welchen Fällen geeignet sind, betrachten wir detailliert in Abschnitt 4.3.
Abbildung 4 zeigt exemplarisch das zu dem in Abbildung 1 eingeführten Beispiel gehörende Abbil-
dungsmodell in einer „neutralen“ Notation. Hier werden die Transformationsknoten durch Achtecke rep-
räsentiert, um sie sofort von Aktivitäten unterscheiden zu können; Transformationskanten werden ge-
strichelt dargestellt.
Zusammen-
fassen
Aufspalten Einfügen
Um-
benennen Weglassen
Änderungs-
antrag
stellen
betroffene
Bauteile
angeben
Änderung
detaillieren Änderung
bewerten Änderung
entscheiden Antragsteller
informieren Änderung
umsetzen
HT_..._
Request-
Change
HT_..._
InputPart-
Number
HT_..._
RefineCha-
ngeRequest
HT_..._
DecideCha-
ngeRequest
Service_..._
MarkPartsAs-
Changeable
eMailTask_
…_Notify-
Requestor
Um-
benennen Um-
benennen
Aktivität aus
dem Fach-
modell
Aktivität aus
dem System-
modell
Transfor-
mations-
knoten
Merge
X
Split
Um-
benennen
Transf. 1 Transf. 2
Service_..._
GetPartData
Transf.3 Transf. 4 Transf. 5 Transf. 6 Transf. 7 Transf. 8
Abbildung 4: Abbildungsmodell für das in Abbildung 1 vorgestellte Beispielszenario
Damit ein Abbildungsmodell, die Beziehung zwischen den Aktivitäten des Fachmodells und des Sys-
temmodells dokumentieren kann, müssen die betreffenden Aktivitäten referenziert werden. Dies ist für
den Systemprozess einfach möglich, wenn die Referenzierung innerhalb desselben Werkzeugs erfolgt,
d.h. durch dieselben Objektinstanzen verwendet werden (z.B. Ausprägungskopien in ARIS). Häufig wird
das Fachmodell allerdings mit einem anderen Werkzeug erstellt. Diese Werkzeuggrenze muss bei der
Referenzierung überwunden werden. Dazu gibt es prinzipiell folgende Möglichkeiten:
Ansatz 1: Die Aktivitäten des fachlichen Modells werden über eine standardisierte Schnittstelle (z.B.
XML-Format) exportiert und in das Systemmodell importiert. Anschließend sind Kopien der Aktivitäten
aus dem Fachmodell im Systemmodell verfügbar. Diese Kopien enthalten einen Identifier (ID) aus dem
Fachprozess, so dass eine eindeutige und werkzeugübergreifende Zuordnung zu Objekten im Fachmodell
möglich ist. Zusätzlich sollten auch beschreibende Daten (z.B. der Name des fachlichen Verantwortli-
chen) der Aktivitäten aus dem fachlichen Modell importiert werden.
Sollte zwischen den verwendeten Werkzeugen kein geeignetes Austauschformat oder keine Export- und
Import-Funktionalität existieren, genügt es auch, die Aktivitäten-IDs und wegen der Übersichtlichkeit
möglichst auch noch den Namen, aus dem fachlichen Modell auszulesen und entsprechende Objekte im
Systemmodell anzulegen.
Ansatz 2: Eine elegantere Lösung bietet die Einbindung eines zentralen Repositories [BBP09]. Hier kann
auf bilaterale Schnittstellen verzichtet werden. Dies ist nützlich, wenn in verschiedenen Projekten unter-
schiedliche Werkzeuge für die Erstellung von Fachmodellen und Systemmodellen verwendet werden. Die
Aktivitäten des Fachprozesses werden, sobald ein gewisser Freigabestand erreicht ist, in das Repository
geschrieben. Wird mit der Erstellung des Systemprozesses begonnen, werden die Aktivitäten aus dem
Repository in das Systemmodell importiert. Anschließend werden die IDs aus dem Fachprozess in einem
Attribut gespeichert und als Identifikationsmerkmal im Systemprozess verwendet.
Das SOA-Repository kann sogar eine noch weitergehende Rolle spielen, indem das gesamte Abbil-
dungsmodell dort abgelegt wird (durch einen Export der Objekte und Beziehungen). Dadurch wird es
langfristig archiviert, d.h. über die Laufzeit des aktuellen Umsetzungsprojektes hinaus (selbst wenn die
Modellierungswerkzeuge deinstalliert werden). Durch die Werkzeug-unabhängigen Schnittstellen eines
SOA-Repository ist es außerdem für einen größeren Personenkreis nutzbar als ausschließlich die Sys-
temmodell-Ersteller und kann auch in anderen Werkzeugen wieder verwendet werden. All dies ist wich-
tig, wenn bei der Erstellung einer späteren Version der Prozessimplementierung andere Prozess-
Modellierungswerkzeuge zum Einsatz kommen.
Das Abbildungsmodell kann manuell erstellt und gepflegt werden. Jedoch wäre eine Werkzeug-
Unterstützung sinnvoll. Hierzu wird eine Werkzeugfunktionalität benötigt (vgl. Abbildung 5), die für
9
Aktivitäten aus dem Fachmodell (1), nach Angabe einiger Parameter (2), automatisch das entsprechende
Abbildungsmodell (3a) generiert und Aktivitäten im Systemmodell (3b) bereitstellt.
2) Werkzeugfunktionalität 3a) Abbildungsmodell 3b) Systemprozess
1) Fachmodell
Aktivität im
Fachmodell
automatische
Generierung
automatische
Generierung
Aufspalten
betroffene
Bauteile
angeben
HT_..._
InputPart-
Number
Service_..._
GetPartData
HT_..._
InputPart-
Number
Service_..._
GetPartData
betroffene
Bauteile
angeben
- Quellaktivität:
- Transformation:
- Zielaktivitäten
- Anzahl:
- Namen:
Abbildung 5 Werkzeugfunktionalität am Beispiel des Transformationstyp 2 (Aufspalten)
4.2. Verwendung des Abbildungsmodells
Wie erwähnt, ermöglicht das Abbildungsmodell, die Nachvollziehbarkeit durchgeführter Transformatio-
nen und eine schnelle Zuordnung (und damit Umsetzung) von geänderten fachlichen Anforderungen zu
Aktivitäten des ausführbaren Modells. Ebenso können Veränderungen der Umgebung des ausführbaren
Modells, z.B. die Abschaltung eines Services (vgl. Abbildung 1, Service_GetPartData), in diesem
Ansatz leichter den fachlichen Aktivitäten (betroffene Bauteile angeben) zugeordnet werden.
Dies ermöglicht eine vom Fachbereich getriebene Anpassung des Prozesses. Schließlich kann die Infor-
mation des Abbildungsmodells auch zur Ausführungszeit (Run-Time) der Workflows genutzt werden, um
z.B. nach einem Monitoring von Aktivitäten (Business Activity Monitoring, BAM) abzuprüfen, ob die
fachlich definierten Anforderungen erfüllt werden (z.B. Bearbeitungsdauer oder Abbruchquote).
4.2.1. Sicherstellung der Konsistenz
Das Abbildungsmodell eröffnet außerdem die Möglichkeit, die Konsistenz und Aktualität zwischen den
beiden Modellebenen zu erhöhen. Dadurch werden Fehler vermieden, und es lässt sich sicherstellen, dass
der implementierte Prozess tatsächlich die fachlichen Anforderungen umsetzt.
Konsistenzanforderung 1: Business-IT-Alignment bedingt, dass Änderungen im Regelfall im fachlichen
Modell initiiert und danach in die weiteren Modellebenen übernommen werden. Das vorgestellte Abbil-
dungsmodell bietet eine geeignete Basis, um dem gerecht zu werden, da auf seiner Grundlage Konsis-
tenzanalysen automatisiert durchgeführt werden können. Hierzu werden nach einer Änderung des Fach-
prozesses dessen Aktivitäten in das Abbildungsmodell importiert (Schritt 1 in Abbildung 6). Die Konsis-
tenzanalyse (Schritt 2) vergleicht anschließend die im Abbildungsmodell aktualisierte Menge der fachli-
chen Aktivitäten mit der bereits vorhandenen. Sind bestimmte Aktivitäten nicht mehr enthalten, wurden
diese aus dem Fachprozess gelöscht (2a). Diese Information wird z.B. in Form eines Berichts (Report) an
Modellierer kommuniziert (3). Daraufhin passt er den Prozess des Systemmodells und das Abbildungs-
modell geeignet an, indem er diese Aktivitäten entfernt.
Wird das Fachmodell um neue Aktivitäten erweitert, erkennt die Konsistenzanalyse, dass fachliche Akti-
vitäten im Abbildungsmodell fehlen (2b). Hierauf muss der Modellierer reagieren, indem er das Abbil-
dungsmodell und ggf. das Systemmodell geeignet erweitert, sofern die Aktivität technisch relevant ist.
10
Abbildungs-
modell
Fachliches
Prozess-
modell
Systemmodell
Prozess
!
geänderte
Aktivität
gelöschte
Aktivität
2. Konsistenzanalyse: Identifikation
2a obsoleter Aktivitäten
2b fehlender Aktivitäten
2c geänderter Aktivitäten
3. Information an Modellierer
4. Fachliche
Änderungen
nachziehen
neue
Aktivität
Änderungen:
1. Import der Aktivitätenmenge
Task aus Fachl. Prozessmodell
Task aus Systemmodell
Transformation
Nachfolgebeziehung Fachl. Prozess
Nachfolgebeziehung Systemmodell
Transformationskante
Identisches bzw. importiertes Objekt
Legende:
Abbildung 6: Vorgehensweise bei Konsistenzanalysen und dem Einbringen fachlicher Änderungen
Konsistenzanforderung 2: Verwendet das Werkzeug zur Fachprozessmodellierung zugreifbare Zeit-
stempel für Aktivitäten-Objekte (z.B. Attribut „letzte Änderung“ in ARIS), sind Veränderungen fachli-
cher Aktivitäten erkennbar. Die Konsistenzanalyse vergleicht nicht nur die aktualisierte mit der bereits
vorhandenen Aktivitätsmenge, sondern zusätzlich die Zeitstempel einzelner Aktivitäts-Objekte. Hierzu
werden diese Zeitstempel exportiert und in den entsprechenden Objekten des Abbildungsmodells gespei-
chert. Nach erneutem Import der Objekte ins Abbildungsmodell, sind Aktivitäten mit verändertem Zeit-
stempel einfach erkennbar (2c). Natürlich gibt es bei Änderungen an Einzelaktivitäten auch Fälle, die
vom Modellierer des Systemprozesses ignoriert werden können, weil sie für die IT-Implementierung
irrelevant sind (z.B. veränderte Kosten für eine Aktivitätenausführung, die lediglich in Verbindung mit
Prozess-Simulation und -Analyse relevant sind). Eine Analyse durchzuführender Änderungen liefert
somit eine Obermenge der tatsächlich notwendigen Anpassungen: allerdings ist stets sichergestellt, dass
keine Veränderungen unentdeckt bleiben.
Konsistenzanforderung 3: In der Praxis sind nicht alle Änderungen fachlich getrieben. Oftmals ist es
notwendig, Änderungen direkt im Systemmodell (oder sogar im ausführbaren Modell) vorzunehmen,
ohne zuvor das fachliche Prozessmodell angepasst zu haben. Dies kann erforderlich werden, wenn kurz-
fristig auf Änderungen im laufenden Betrieb reagiert werden muss, etwa wenn ein verwendeter Service
plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht. Auch solche Änderungen können mittels Abbildungsmodell
und Konsistenzanalysen zuverlässig erkannt werden. Wird eine Aktivität aus dem Prozess des System-
modells entfernt, wird erkannt, dass sich die betroffene Aktivität noch im Abbildungsmodell befindet.
Gemeinsam mit dem Fachbereich wird dann entschieden, ob nur das Abbildungsmodell angepasst werden
soll (so dass die Inkonsistenz aufgelöst wird), oder ob sich die durchgeführte Änderung auch auf das
fachliche Prozessmodell auswirkt.
Für neu in das Systemmodell aufgenommene Aktivitäten erkennt unser Analysealgorithmus, dass diese
im Abbildungsmodell (noch) nicht vorhanden sind. Ein häufig auftretender Fall ist, dass bereits existie-
rende Aktivitäten des Systemmodells verändert werden, etwa wenn fort an ein anderer Service bzw. eine
andere Serviceversion gerufen oder eine Bearbeiterzuordnungsregel angepasst werden soll. Solche Ände-
rungen werden ebenfalls erkannt und können geeignet umgesetzt werden. Durch Vergleich der Zeitstem-
pel erkennt die Konsistenzanalyse auch hier wieder, dass eine Änderung erfolgt ist. Dann werden der
Zeitstempel der entsprechenden Aktivität des Abbildungsmodells aktualisiert und die Veränderung im
Fachprozess dokumentiert, sofern sie fachlich relevant war.
Damit Änderungen schnell und komfortabel durch Modellierer bearbeitet werden können, sollten sie aktiv
über durchzuführende Anpassungen benachrichtigt werden. Hierfür bietet sich an, die Information über
Änderungen direkt durch das Systemmodell zu visualisieren (Schritt 3 in Abbildung 6): So kann in das
entsprechende Werkzeug eine Aufgabenliste integriert werden, welche alle noch durchzuführenden Ände-
rungen enthält. Diese werden nach Erledigung (4) vom Modellierer entsprechend markiert. Alternativ
oder zusätzlich können betroffene Aktivitäten im Systemmodell-Prozess hervorgehoben werden, solange
bis der Modellierer die Behebung der Inkonsistenz bestätigt. Beide Varianten verhindern, dass durchzu-
führende Änderungen einfach vergessen werden. Für die Realisierung der Varianten ist Vorraussetzung,
dass das Modellierungswerkzeug eine (erweiterbare) Funktionalität für Aufgabenlisten bzw. Aktivitäten-
11
markierungen anbietet.
4.2.2. Potentielle Einsatzszenarien und Erweiterungen für das Abbildungsmodell
Eine weitergehende Nutzung des Abbildungsmodells wird möglich, wenn sein Informationsgehalt erwei-
tert wird.
Erweiterung 1: Der Kontrollfluss (Sequenzen, Schleifen, etc.) zwischen Aktivitäten des Fachprozesses
könnte in das Abbildungsmodell aufgenommen werden, um dadurch nach einem Re-Import Veränderun-
gen automatisch erkennen zu können (z.B. vertauschte Reihenfolge von Aktivitäten). Wie erwähnt, ist
aber eine Überführung von Prozessmodellen in eine andere Modellierungssprache schwierig. Entspre-
chende Veränderungen können einfacher durch einen Vergleich der beiden Modellversionen des Fach-
prozesses erkannt werden (was von üblichen Modellierungswerkzeugen direkt unterstützt wird). Deshalb
wird auf eine Verwaltung des Kontrollflusses im Abbildungsmodell verzichtet und somit der resultieren-
de Aufwand vermieden.
Erweiterung 2: Analog könnte auch im Abbildungsmodell vorhandene Information über den Kontroll-
fluss des Systemprozesses genutzt werden: Ist z.B. bekannt, in welcher Reihenfolge die Aktivitäten des
Systemmodells ausgeführt werden sollen, in die eine fachliche Aktivität bspw. aufgespalten wird, so kann
automatisch ein Teil des im Systemmodell abgebildeten Prozesses generiert werden. Zusammen mit dem
Kontrollfluss des veränderten Fachprozesses kann so theoretisch der gesamte Prozess auf Systemmodell-
Ebene neu generiert werden. Die bisherige Version des Systemmodells wird hierbei nicht verwendet.
Allerdings ist eine automatische Generierung des gesamten Systemmodell-Prozesses kaum realisierbar
und praktikabel, da es wegen der vagen und informalen Beschreibung der Fachprozesse extrem schwierig
ist, die resultierenden (komplexen) Transformationsregeln formal zu spezifizieren. So können auch Fälle
auftreten, in denen im Fachprozess sequentiell modellierte Aktivitäten in Systemprozess parallel ange-
ordnet sein sollen (z.B. um die Ausführungszeit zu reduzieren), oder aus einem Aufspalten einer fachli-
chen Aktivität resultierende Aktivitäten im Systemmodell nicht unmittelbar aufeinander folgen, was im
Abbildungsmodell nicht durch ein Kontrollfluss-Fragment beschrieben werden kann.
Deshalb verfolgen wir einen grundsätzlich anderen Weg als in Erweiterung 1 und 2 beschrieben: Die
letzte existierende (und aufwendig erstellte) Version des Systemprozesses wird weiter verwendet (d.h.
nicht verworfen), und die erforderlichen Änderungen aus dem Fachprozess werden dort nachvollzogen.
Diese Vorgehensweise führt unserer Ansicht bei fachlichen Prozessmodellen nicht nur zu einer besseren
Qualität des (nun manuell erstellten) Systemmodells, sondern auch zu einem geringerem Pflegeaufwand
der Modelle: Das Abbildungsmodell muss dann nur die Beziehungen zwischen Aktivitäten beider Model-
le widerspiegeln und es müssen weder komplexe Ablauffragmente gepflegt noch Regeln für deren An-
wendung definiert werden.
4.3. Notationen und Werkzeuge zur Erstellung des System- und Abbildungsmodells
Wie erwähnt, müssen zur Erstellung des Fachprozesses eine im Fachbereich gut verständliche und etab-
lierte Notation und ein entsprechendes Werkzeug verwendet werden, wie z.B. eEPK (z.B. IDS-Scheer
ARIS) oder BPMN (z.B. IBM WebSphere Business Modeler (WBM) [IBM09] oder ebenfalls ARIS). Bei
einer Geschäftsprozess-Modellierung mit anderen Werkzeugen wie z.B. Adonis [BOC08] oder Bonapart
[BTC09] ergeben sich ähnliche Auswirkungen für das Abbildungsmodell, da die Notationen dieser Werk-
zeuge auf denselben Benutzerkreis ausgerichtet sind und deshalb ähnliche Eigenschaften haben. Deshalb
wird in diesem Beitrag auf eine Einzelbetrachtung für weitere Werkzeuge verzichtet.
Das ausführbare Modell wird z.B. mittels BPEL realisiert. Da es viele Hersteller von BPEL-Engines (mit
jeweils ihrem eigenen BPEL-Derivat) gibt, werden wir uns auf die exemplarische Betrachtung für nur
eines dieser Produkte beschränken, nämlich den IBM WebSphere Process Server (WPS) [IBM09].
4.3.1. Anforderungen an das Systemmodell
Ziel dieses Abschnitts ist es, die verschiedenen für das Systemmodell in Frage kommenden Notationen zu
vergleichen und zu bewerten. Sofern relevant, werden auch produktspezifische Erweiterungen konkreter
Notationen betrachtet. Um eine Bewertung vornehmen zu können, werden zuerst die Anforderungen an
das Systemmodel (d.h. Vergleichskriterien) vorgestellt.
Kriterium 1 (Formalitätsgrad):
Der Prozess des Systemmodells muss ausreichend formal beschrieben
sein, so dass er in einem Pflichtenheft für eine IT-Umsetzung verwendet werden kann. Hierzu muss die
Bedeutung aller modellierbaren Objekte im Systemmodell eindeutig definiert sein. Dies fordert, dass
12
gewisse Kontrollflussstrukturen verboten werden, da z.B. bei einem Rücksprung aus einem einzelnen
Zweig einer Parallelität heraus unklar ist, was dies für die anderen Zweige bedeuten soll (Abbruch, Been-
digung, mit oder ohne späterer erneuten Ausführung dieser Aktivitäten).
Kriterium 2 (Vollständigkeit): Das Systemmodell muss vollständig sein in dem Sinne, dass alle typi-
scherweise benötigten Kontrollfluss-Konstrukte in dem Metamodell enthalten sind. So wird außer AND-
/OR-/XOR-Aufspaltungen und -Zusammenführungen z.B. auch ein Konstrukt für eine zur Modellie-
rungszeit unbekannte Anzahl paralleler Zweige benötigt (BPEL Parallel-ForEach [OAS07], Multiple
Instances with a priori Run-Time Knowledge [AHK03]).
Kriterium 3 (Workflow-Aspekte): Das Systemmodell muss alle relevante Aspekte [Jab07] umfassen
können und nicht auf den Kontrollfluss beschränkt sein. So müssen auch Geschäftsobjekte (Datentypen),
Organisationseinheiten und der Beziehungen (Rollen, Abteilungen, Kompetenzen), Geschäftsregeln,
Services, etc. beschreibbar sein. Diese Objekttypen müssen dann bei der Definition des Prozessgraphen
verwendet (d.h. referenziert) werden können.
Kriterium 4 (Verständlichkeit): Da der Prozess auf Ebene des Systemmodells mit dem Fachbereich
abgestimmt werden muss, ist es wichtig, dass die Notation für diesen Anwenderkreis gut verständlich ist.
Eine sehr technische Darstellung ist ungeeignet.
Kriterium 5 (Abbildungsmodell-Notation): Um zu vermeiden, das die Ersteller des Systemmodells
mehrere Notationen beherrschen müssen, sollte die Prozessbeschreibung und das Abbildungsmodell in
derselben Notation realisierbar sein. Es ist aber auch akzeptabel, dass eine verwandte Notation verwendet
wird, z.B. verschiedene UML-Diagrammtypen.
Kriterium 6 (Fachmodell-Transformation): Der Aufwand für die Transformation des existierenden
Fachprozesses in das Systemmodell soll möglichst gering sein. Dies ist insbesondere dann gegeben, wenn
die Prozess-Metamodelle für diese beiden Ebenen identisch, ähnlich oder zumindest „kompatibel“ sind.
Dann kann der fachliche Prozess übernommen und angepasst werden, anstatt dass der Prozess auf Sys-
temmodell-Ebene vollständig neu erstellt werden muss.
Kriterium 7 (Generierung des ausführbaren Modells): Die Art der Prozessdokumentation im Sys-
temmodell soll für eine direkte 1:1 Ableitung des ausführbaren Prozesses etwa als BPEL oder BPMN
geeignet sein. Diese Modelltransformation soll mit nur geringem intellektuellen Aufwand manuell erfol-
gen können oder aber automatisch durch entsprechende Generatoren (vgl. Abschnitt 6).
Anhand der Kriterien 1 bis 4 wird nachfolgend verglichen, wie gut sich der Geschäftsprozess auf Ebene
des Systemmodells mit der entsprechenden Notation dokumentieren lässt. Die Kriterien 5 bis 7 beschrei-
ben, wie gut der Übergang zwischen unterschiedlichen Modellebenen möglich ist. Bei dem Kriterium 5
(geeigneten Notation zur Realisierung des Abbildungsmodells) muss aber klar sein, dass die Verwendung
(d.h. Zweckentfremdung) einer heute von Modellierungswerkzeugen unterstützten Notation nur eine
Übergangslösung darstellen kann, die solange verwendet wird, bis die Werkzeuge einen speziellen Mo-
delltyp für Abbildungsmodelle bereitstellen. Bei gewissen Werkzeugen kann ein solcher Modelltyp auch
durch den Anwender erstellt werden. In UML-Werkzeugen [MID08] kann dies durch die Definition eines
entsprechenden Stereotypen erfolgen, dessen Basismodell wiederum das hier diskutierte UML Activity
Diagram sein wird. Adonis [BOC08] ermöglicht durch die Definition eigener Metamodelle eine beliebige
Gestaltung des Modelltyps für Abbildungsmodelle wofür aber ein Customizing notwendig ist. Bei ande-
ren Werkzeugen wie IDS-Scheer ARIS oder IBM WBM können die existierenden Modelltypen in nur
eingeschränktem Umfang angepasst werden und keine neuen Modelltypen definiert werden.
Im Folgenden werden potentiell für das Systemmodell geeignete Notationen aus der Praxis (eEPK, UML
Activity Diagram (UAD) und BPMN) anhand dieser Kriterien verglichen. Hierbei werden teilweise zu-
sätzliche Varianten betrachtet, die sich durch Verwendung unterschiedlicher Notationen und Werkzeuge
in den anderen beiden Modellebenen (Fachmodell und ausführbares Modell) ergeben.
4.3.2. Systemmodell als eEPK
Dieser Ansatz ist insbesondere dann interessant, wenn der fachliche Geschäfts-
prozess als eEPK vorliegt. Im Systemmodell wird er dann ebenfalls als eEPK
modelliert. Auch für die Realisierung des Abbildungsmodells kann eine eEPK
genutzt werden: Hierzu wird vom Objekttyp Funktion (oder Ereignis) ein Subtyp
„Transformation“ abgeleitet, der Attribute wie Transformationstyp, Beschreibung,
etc. enthält. Diesem Subtyp wird ein spezielles Symbol (z.B. Achteck) zugeord-
net, um ein gute Unterscheidbarkeit von regulären Funktionen (Aktivitäten aus
dem Fachmodell) zu erreichen. Diese Aktivitäten werden mit dem Transformationsknoten mittels Kanten
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
eEPK
BPEL
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
eEPK
BPEL
13
verbunden, die eigentlich Nachfolgebeziehungen beschreiben. Auch diese erhalten einen speziellen Sub-
typ, der sie als Transformationskante kennzeichnet und ggf. eine spezielle Darstellung.
Der Ansatz hat zwei entscheidende Schwachpunkte:
i) Eine Prozessbeschreibung als eEPK ist nicht ausreichend formal (Kriterium 1). So ist bei eEPKs die
Semantik von Split- und Join-Knoten sowie von Rücksprüngen nicht in allen Fällen eindeutig, da z.B. die
Modellierung des bereits erwähnten Sprungs aus einer Parallelität heraus möglich ist. Deshalb muss die
Modellierungsmächtigkeit zusätzlich mittels Konventionen eingeschränkt werden, was dann aber nicht
mehr unmittelbar durch Werkzeuge unterstützt wird, sondern allenfalls mittels Berichten (vgl. Abschnitt
4.2) analysiert werden kann.
ii) Zudem werden nicht alle erforderlichen Kontrollfluss-Konstrukte (2) angeboten. So gibt es keine Mul-
ti-Instanz-Aktivität, so dass man sich hier ebenfalls mit einer selbst eingeführten Konvention als Work-
around behelfen muss (z.B. die Kennzeichnung eines AND-Split mit einem bestimmten Kommentar).
Dies ist aber nicht nur sehr unsauber, sondern solche Informationen sind dann auch von existierenden
BPEL-Generatoren nicht nutzbar (7).
In eEPKs selbst lassen sich diverse Workflow-Aspekte referenzieren (3), die Definition der verwendeten
Objekte erfolgt in anderen Diagrammtypen. Insbesondere ARIS bietet hierfür eine Vielzahl von Dia-
gramm- und Objekttypen an. Schwierig ist allerdings die Definition der potentiellen Bearbeiter einer
Aktivität, da boolesche Verknüpfungen zwischen Objekten (z.B. Rolle und Abteilung) ebenso wenig
möglich sind, wie die Referenzierung von Vorgängeraktivitäten, z.B. zwecks Ausschluss des Bearbeiter
einer bestimmten Aktivität (4-Augen-Prinzip). Da dies aber bei allen Metamodellen schwer möglich ist,
sollte es nicht zur Abwertung von eEPKs führen.
Da im Systemmodell dieselbe Notation verwendet wird, wie für den Fachprozess, ist sowohl die Ver-
ständlichkeit für Fachanwender (4) wie auch die entsprechende Transformationsfähigkeit (6) besonders
gut. Wie erwähnt, ist eine Realisierung des Abbildungsmodells als eEPK (5) möglich. Zudem existieren
(kommerzielle) BPEL-Generatoren (7) die Systemprozesse in ausführbare Prozesse konvertieren, wobei
deren Leistungsfähigkeit prinzipiell durch die mangelnde Formalisierung von eEPKs und die erforderli-
che Einführung zusätzlicher Konventionen beschränkt ist.
ARIS stellt eine Plattform zur Modellierung von eEPKs und der anderen benötigten Diagrammtypen dar.
Auch ein BPEL-Export wird unterstützt, der besonders gut funktioniert, wenn SAP die Zielplattform ist.
In diesem Sonderfall ist dieser Ansatz erwägenswert, wohingegen er ansonsten aufgrund der Schwach-
punkte (Kriterien 1, 2 und 7) zu verwerfen ist. Dazu kommt, dass weder eEPKs noch ARIS in IT-nahen
Bereichen stark verbreitet ist, so dass durch deren Verwendung evtl. noch Schulungs- und Lizenzkosten
entstehen.
4.3.3. Systemmodell als UML Activity Diagram
Ein Fachprozess wird in den seltensten Fällen als UML Activity Diagram (UAD)
vorliegen, da UML-Werkzeuge wie MID Innovator oder IBM Rational Software
Architekt eher als Case-Tools positioniert sind. Dadurch werden UAD primär von
IT-Implementierern verwendet und nicht von Fachanwendern. Wir gehen deshalb
von einem Fachprozess z.B. in Form einer eEPK aus. Im Systemmodell lässt sich
der Prozess als UAD modellieren, da IT-Bereiche mit CASE- und UML-Werk-
zeugen wie IBM Rational Software Architect [Mit05] oder MID Innovator
[MID08] vertraut sind. Das Abbildungsmodell ist ebenfalls als UAD realisierbar, da es möglich ist, einen
eigenen Stereotyp als Transformationsknoten zu definieren und ihn mit den Aktivitäten mittels gerichteter
Kanten zu verbinden (ähnlich wie bei eEPKs).
Die Konstrukte eines UAD sind ausreichend formal definiert (1), d.h. es existiert eine definierte Menge
an Konstrukten für relevante Sachverhalte (etwa Verzweigungs-, Parallelisierungs-, Synchronisations-
sowie Schleifenknoten). Wobei ebenso wie bei eEPKs Einschränkung bzgl. der Prozessstruktur durchge-
führt werden müssen, um stets eine definierte Ausführungssemantik zu erhalten. Allerdings stehen für ein
UAD alle benötigten Konstrukte (2) zur Verfügung. Durch Verwendung von weiteren UML-
Diagrammtypen lassen sich auch alle anderen Workflow-Aspekte (3) modellieren. So ist z.B. eine Daten-
modellierung mittels UML-Klassendiagrammen sogar eine besonders geeignete und verbreitete Methode.
Für die Festlegung von Bearbeitern einer Aktivität existieren jedoch auch bei UML die üblichen Ein-
schränkungen. Die Verständlichkeit für Fachbereich (4) ist nicht besonders gut, aber mit einer begleiten-
den Erklärung durch den IT-Bereich für eine Abstimmung ausreichend. Problematisch ist hierbei die
Vielzahl der dargestellten Symbole (z.B. Pins einer Activity) und die eingeschränkte Symbolik und Sym-
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
UAD
BPEL
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
UAD
BPEL
14
bolvielfalt. So können in einem UAD z.B. für unterschiedliche Aktivitätentypen nicht einfach unter-
schiedliche Symbole verwendet werden, um eine gute optische Unterscheidbarkeit zu erreichen.
Das Abbildungsmodell kann ebenfalls als UAD (5) realisiert werden (UML würde sogar noch die Ver-
wendung anderer Diagrammtypen ermöglichen). Auch die Transformation des Fachprozesses in ein UAD
ist unproblematisch (6), da das Zielmodell ähnlich viele Freiheitsgrade bietet wie eine eEPK. Sollte der
Fachprozess in einem Ausnahmefall sogar bereits als UAD vorliegen, so ist seine Übernahme natürlich
noch einfacher möglich. Kritischer sind hingegen die Möglichkeiten zur Ableitung ausführbarer Prozesse
(7) – BPEL und BPMN sind nicht Teil der UML-Familie. Prozessmodell-Generatoren können eine UAD
nur dann transformieren, wenn sie eine eindeutige Ausführungssemantik besitzt. Um eine solche zu errei-
chen, müssen Modellierungskonventionen eingehalten werden, die vom UML-Werkzeug nicht sicherge-
stellt werden. Es ist aber zu beachten, dass die Situation ungleich günstiger ist als bei eEPKs, da ein UAD
über formal definierte Konstrukte für alle relevanten Sachverhalte verfügt (wie bereits erwähnt z.B. für
Multi-Instanz-Aktivitäten).
4.3.4. Systemmodell in BPMN
Prozesse auf Ebene des Systemmodells können ebenso mittels BPMN realisiert werden wie das Abbil-
dungsmodell, wobei dasselbe Vorgehen wie bei den bisher betrachteten Notationen verwendet wird. Die
Besonderheit an BPMN ist, dass die Notation (zumindest ab der Version 2.0 [OMG09]) auch für die an-
deren Modellebenen eingesetzt werden kann, da bspw. eine formale Ausführungssemantik im Standard
definiert ist. Deshalb werden im Folgenden zusätzliche Varianten betrachtet, bei denen BPMN nicht aus-
schließlich auf Ebene des Systemmodells verwendet wird.
Mit Gültigkeit für alle Varianten lässt sich feststellen, dass BPMN ausreichend formal ist (1), um einen
Prozess des Systemmodells zu beschreiben. Dies gilt insbesondere ab BPMN 2.0, da dann sogar eine
formale Ausführungssemantik definiert ist. Auch ist bereits BPMN 1.1 [OMG09] derart mächtig (2), dass
sich viele relevante Abläufe darstellen lassen. So ist z.B. für die bereits erwähnte Multi-Instanz-Aktivität
der Objekttyp „Multiple Instance Task“ verfügbar. Den Prozessablauf umgebende Aspekte (3) wie die
Datenmodellierung im Systemmodell, lassen sich nicht unmittelbar in BPMN realisieren. Hierzu muss auf
andere Sprachen wie UML zurückgegriffen werden. Somit ist ein Modellierungswerkzeug erforderlich,
das beide Sprachen unterstützt (z.B. ARIS). Die Verständlichkeit von BPMN für den Fachbereich (4) ist
gut, wie erwähnt wird BPMN teilweise sogar für die fachliche Modellierung verwendet. Ein Nachteil von
BPMN 1.1, nämlich dass alle Rollen- und System-Zuordnung stets per Swimlane erfolgen müssen, ent-
fällt mit der Version 2.0. Diese Einschränkung hat insbesondere bei mehrdimensionalen Zuordnungen zu
unübersichtlichen Diagrammen geführt. Wie erwähnt ist auch das Abbildungsmodell in BPMN mittels
Prozessfragmenten realisierbar, wobei jedes Fragment aus Tasks und Sequenzkanten besteht. Um die
Tasks des Fachmodells optisch von den Transformationsknoten und den Tasks des Systemmodells abzu-
grenzen, können BPMN-Lanes verwendet werden (vgl. Abbildung 8).
Standardfall: Fachprozess als eEPK und ausführbares Modell als BPEL
Der Aufwand für die Transformation vom Fach- zum Systemmodell (6) ist akzep-
tabel, aber der Vorgang selbst kaum automatisierbar: Damit eine formale Ausfüh-
rungssemantik erreicht wird, wurde BPMN recht restriktiv gestaltet. Deshalb
muss aus die eEPK zuerst eine BPMN-kompatible („wohl-definierte“) Struktur
umgeformt werden, was intellektuellen Aufwand verursacht und somit nicht au-
tomatisierbar ist.
Die Ableitung eines BPEL-Prozesses (7) ist wegen dem formalen Charakter von
BPMN und auch der nahen Verwandtschaft der beiden Sprachen (verglichen mit eEPKs und UADs)
leicht möglich. So befindet sich im BPMN-Standard ein vordefiniertes Mapping auf BPEL-Konstrukte.
Auch wirken Hersteller von BPEL-Engines bei der Standardisierung von BPMN 2.0 mit. Die Mächtigkeit
von BPMN erlaubt sogar eine Transformation von Prozessen in Hersteller-spezifisch erweiterte BPEL-
Derivate.
Variante 1: Fachprozess in BPMN
Wird bereits für den Fachprozess BPMN verwendet, so ist die Verständlichkeit
des Systemmodells für den Fachbereich (4) besonders gut, da die BPMN-Notation
bekannt ist. Der Aufwand für die Transformation des Fachprozesses in das Sys-
temmodell (6) reduziert sich erheblich, da der Prozess direkt (ohne Konvertierung
des Diagramtyps) übernommen werden kann. Dies kann etwa durch ein Kopieren
des Fachprozesses geschehen, so dass eine zweite Prozessversion entsteht, die
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
BPMN
BPEL
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
BPMN
BPEL
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
BPMN
BPMN
BPEL
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
BPMN
BPMN
BPEL
15
dann mittels der erwähnten Transformationen geeignet angepasst werden kann.
Variante 2: Ausführbares Modell in BPMN
Wird für Prozesse des Systemmodells und des ausführbaren Modells BPMN ver-
wendet, so verbessert sich die Generierbarkeit von Workflows (7) sogar noch
gegenüber dem Standardfall, da Modelltransformationen völlig entfallen. Es ist
nur noch eine weitere Detaillierung technischer Attribute erforderlich.
Dies ist ein durchaus relevantes Szenario, das zukünftig weiter an Bedeutung
gewinnen wird. So verwendet die Modellierungsumgebung (WebSphere Integra-
tion Developer 6.2) des IBM WPS 6.2 eine an BPMN angelehnte Notation und entsprechende Konstrukte.
Beispielsweise wird ein sog. Generalized Flow angeboten, innerhalb dessen BPMN-Gateways mit Split-
und Join-Logik verwendet werden können. Dadurch ist beim WPS 6.2 bereits heute die Verwendung von
weitaus mehr Konstrukten als in BPEL möglich.
Wird der WPS als Ausführungsumgebung gewählt, so bietet sich eine Erstellung des Systemmodells
mittels BPMN sehr stark an. Hierfür muss nicht die Workflow-Implementierungsumgebung des WPS
verwendet werden. Stattdessen bieten sich stärker auf fachliche Benutzer ausgerichtete BPMN-
Werkzeuge an (z.B. ARIS). Auch IBM bietet mit dem WebSphere Business Modeler (WBM) [IBM08]
ein entsprechendes Werkzeug, das zur Erstellung der Prozesse des Systemmodells und des Abbildungs-
modells geeignet ist. Außerdem ermöglicht es einen direkten Modell-Export für den WebSphere Integra-
tion Developer und realisiert dieselben Hersteller-spezifischen Erweiterungen wie z.B. Human-Tasks und
Staff-Verbs zur Festlegung der Bearbeitermenge. Außerdem wird Funktionalität zum Modellvergleich
bereitgestellt, so dass im Systemmodell durchgeführte Änderungen leicht erkannt und dadurch im aus-
führbaren Modell zuverlässig nachgezogen werden können.
Variante 3: Alle 3 Modellebenen in BPMN
Dieses Szenario ist prinzipiell ideal. Wenn man allerdings die Modellierungs-
werkzeuge betrachtet, so stellt man fest, dass es heute am Markt keine Umgebung
gibt, die für alle Ebenen geeignet ist: Jedes einzelne Werkzeug ist entweder zu
technisch für die Fachanwender oder es ermöglicht keine ausreichend detaillierte
Spezifikation von ausführbaren Prozessen. Beispielsweise bietet der IBM WBM
die Möglichkeit zur Modellierung technischer Details. Das geht so weit, dass er
sogar ein direktes Deployment auf die Prozess-Engine WPS ermöglicht. Damit
eignet sich dieses Werkzeug gut für die Ebenen Systemmodell und ausführbares Modell. Allerdings sind
die Modellierungsmöglichkeiten des WBM zu eingeschränkt, um ihn für die Erstellung eines fachlichen
Modells verwenden zu können. Ein unstrukturiertes und vages Modellieren in einer frühen Analysephase
ist schwer möglich und die Bedienung und Darstellungsform ist für Fachbereiche zu kompliziert, als dass
sie selbst damit arbeiten könnten.
Andererseits ermöglicht ARIS die fachliche Modellierung in BPMN. Das Werkzeug kann für die Erstel-
lung des Systemmodells verwendet werden, wenngleich es in IT-Bereichen eher weniger verbreitet ist.
Die Definition eines direkt ausführbaren Prozessmodells ist hingegen ausgeschlossen, da weder die not-
wendige technische Tiefe erreicht wird, noch entsprechende Besonderheiten von Prozess-Engines berück-
sichtigt sind. ARIS verfügt deshalb folgerichtig über keine Funktion zum Deployment von Prozessen.
Es bleibt also festzuhalten, dass zwar BPMN als einheitliche Notation für alle Modellebenen verwendet
werden kann, aber dennoch Werkzeugwechsel mit entsprechendem Export und Import der Prozesse statt-
finden müssen. Dies ist aber recht unkritisch (verglichen mit dem Wechsel des Prozess-Metamodells),
insbesondere wenn man bedenkt, dass ausführbare Prozesse meist von externen Dienstleistern implemen-
tiert werden, die häufig ohnehin ihre eigenen Werkzeug-Landschaften verwenden.
4.3.5. Fazit
Die Diskussion der Notationen hat ergeben, dass BPMN generell am besten zur Realisierung des Sys-
temmodells geeignet ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn BPMN auch für den Fachprozess und das
ausführbare Prozessmodell verwendet wird.
Abbildung 7 zeigt das Ergebnis des Notationsvergleichs und betont, dass im Allgemeinen BPMN am
besten zur Realisierung des Systemmodells geeignet ist. Deshalb wird in Kapitel 5 BPMN als Notation
für eine exemplarische Umsetzung des Beispielszenarios (vgl. Kapitel 1) ausgewählt.
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
BPMN
BPMN2.0
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
eEPK
BPMN
BPMN2.0
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
BPMN
BPMN
BPMN2.0
System-/
Abbildungsmodell
Fachliches Modell
Ausführbares Modell
BPMN
BPMN
BPMN2.0
16
++
Modelltrans-
formation entfällt
(nur Ergänzung
techn. Attribute
++
Modelltrans-
formation entfällt
(nur Ergänzung
techn. Attribute)
++
Mapping ist im
Standard definiert
–
große Unter-
schiede bzgl.
Struktur und Grad
an Formalität
–
große Unter-
schiede bzgl.
Struktur und Grad
an Formalität
7. Generierung
des
ausführbaren
Modells
++
selbe Notation für
beide Modell-
ebenen
++
selbe Notation für
beide Modell-
ebenen
o
aufwendiger wg.
Formalitätsgrad
von BPMN
+
eEPK und UML
Activity Diagram
sind eher unformal
++
selbe Notation für
beide Modell-
ebenen
6. Fachmodell-
Trans-
formation
++
beides in BPMN
++
auch als UML
Activity Diagram
++
beides als eEPK
5. Abbildungs-
modell-
Notation
++
weiter verbessert,
da selbe Notation
++
weiter verbessert,
da selbe Notation
+
BPMN teilweise
auch für GPM
verwendet
o
durch UML
eingeschränkte
Symbolik
++
Notation wie
Fachprozess
4. Verständlich-
keit
–
beschreibt nur
Prozess, Kombina-
tion mit UML (auch
OMG) notwendig
+
UML umfasst viele
Aspekte, ggf.
zusätzliche
Stereotypen def.
+
per Hinterlegung:
viele verfügbaren
Diagrammtypen
(ARIS-spezifisch)
3. Workflow-
Aspekte
+
alle benötigten
Konstrukte
verfügbar
+
alle benötigten
Konstrukte
verfügbar
– –
z.B. keine Multi-
Instanz-Aktivitäten
modellierbar
2. Vollständig-
keit
++
BPMN 2.0 sogar
mit formaler
Ausführungs-
semantik
–
Semantik ist
definiert, aber auch
Konventionen
notwendig
– –
Konventionen für
Einschränkung
Split/Join
notwendig
1. Formalitäts-
grad
Var. 3: BPMN
auf allen 3
Modellebenen
Var. 2: BPMN
und ausführbares
Modell in BPMN
Var. 1: BPMN
und Fachprozess
in BPMN
BPMNUML 2.0 Activity
Diagram
eEPKSystemmodell-
Notation:
++
Modelltrans-
formation entfällt
(nur Ergänzung
techn. Attribute
++
Modelltrans-
formation entfällt
(nur Ergänzung
techn. Attribute)
++
Mapping ist im
Standard definiert
–
große Unter-
schiede bzgl.
Struktur und Grad
an Formalität
–
große Unter-
schiede bzgl.
Struktur und Grad
an Formalität
7. Generierung
des
ausführbaren
Modells
++
selbe Notation für
beide Modell-
ebenen
++
selbe Notation für
beide Modell-
ebenen
o
aufwendiger wg.
Formalitätsgrad
von BPMN
+
eEPK und UML
Activity Diagram
sind eher unformal
++
selbe Notation für
beide Modell-
ebenen
6. Fachmodell-
Trans-
formation
++
beides in BPMN
++
auch als UML
Activity Diagram
++
beides als eEPK
5. Abbildungs-
modell-
Notation
++
weiter verbessert,
da selbe Notation
++
weiter verbessert,
da selbe Notation
+
BPMN teilweise
auch für GPM
verwendet
o
durch UML
eingeschränkte
Symbolik
++
Notation wie
Fachprozess
4. Verständlich-
keit
–
beschreibt nur
Prozess, Kombina-
tion mit UML (auch
OMG) notwendig
+
UML umfasst viele
Aspekte, ggf.
zusätzliche
Stereotypen def.
+
per Hinterlegung:
viele verfügbaren
Diagrammtypen
(ARIS-spezifisch)
3. Workflow-
Aspekte
+
alle benötigten
Konstrukte
verfügbar
+
alle benötigten
Konstrukte
verfügbar
– –
z.B. keine Multi-
Instanz-Aktivitäten
modellierbar
2. Vollständig-
keit
++
BPMN 2.0 sogar
mit formaler
Ausführungs-
semantik
–
Semantik ist
definiert, aber auch
Konventionen
notwendig
– –
Konventionen für
Einschränkung
Split/Join
notwendig
1. Formalitäts-
grad
Var. 3: BPMN
auf allen 3
Modellebenen
Var. 2: BPMN
und ausführbares
Modell in BPMN
Var. 1: BPMN
und Fachprozess
in BPMN
BPMNUML 2.0 Activity
Diagram
eEPKSystemmodell-
Notation:
Abbildung 7 Vergleich unterschiedlicher Notationen für das Systemmodell
5. Prototypische Umsetzung des Abbildungsmodells
Im Folgenden wird anhand des in Kapitel 1 eingeführten Beispiel demonstriert, wie ein Abbildungsmo-
dell mit der Business Process Modeling Notation (kurz: BPMN) realisiert werden kann. Außerdem wird
auf identifizierte Schwierigkeiten bei der Modellierung eingegangen, um einen Eindruck zu vermitteln,
inwieweit das Konzept des Abbildungsmodells mit heutigen Prozessmodellierungs- und Prozessausfüh-
rungswerkzeugen umgesetzt werden kann. Hierfür wird zuerst das Werkzeug IBM WebSphere Business
Modeler 6.2 verwendet. Es bietet im Vergleich zu eher fachlichen Modellierungswerkzeugen eine höhere
Durchgängigkeit zum ausführbaren Modell, erfordert deswegen aber auch die Einhaltung diverser Vorga-
ben bei der Modellierung. Zum Vergleich wird anschließend eine Umsetzung in ARIS vorgestellt, wobei
ebenfalls BPMN als Notation für das Abbildungsmodell verwendet wird.
5.1. IBM WebSphere Business Modeler (WBM)
Wie Abbildung 8 zeigt, können mit WBM Abbildungsmodelle erstellt werden
2
. So separiert die BPMN
Swimlane-Darstellung die Objekte (Aktivitäten) aus dem Fach- und Systemprozess sowie die dazwischen
liegenden Transformationsknoten. Eine entsprechende Kategorisierung der Objekttypen erlaubt zudem
eine farbliche Markierung. Außerdem können die Namen der Transformationsknoten so gewählt werden,
dass der Transformationstyp leicht erkennbar ist. Die Eindeutigkeit der Knoten, wird durch deren Erwei-
terung um eine fortlaufende Nummer erreicht. Es können hier auch Namen gewählt werden, die den
Transformationsgrund näher beschreiben (z.B. „Einfügen: Service für Zustandsänderung im PDM“).
2
Die zugehörigen Geschäftsprozess-Diagramme des fachlichen Modells und des Systemmodells sind im Anhang dargestellt.
17
Abbildung 8 Abbildungsmodell in BPMN erstellt mit IBM WebSphere Business Modeler
Die Erstellung des Abbildungsmodells wird durch das Werkzeug WBM teilweise etwas erschwert, weil
benötigte Funktionalität fehlt. So gibt es z.B. keine komfortable Möglichkeit im Fachprozess bereits exis-
tierende Aktivitäten ins Abbildungsmodell zu kopieren und dieselbe Objektinstanz zu referenzieren (vgl.
ARIS Ausprägungskopien). Sollen keine unabhängigen Kopien erzeugt werden (z.B. damit spätere Na-
mensänderungen in beiden Objektinstanzen durchgeführt werden), muss das Objekt mittels des Navigati-
onsbaums erzeugt werden, bevor es in das erste Prozessdiagramm eingefügt wird (was umständlich ist
und leicht vergessen wird).
Weitere Schwierigkeiten entstehen durch die eher technische Ausrichtung des WBM: Da die Prozess-
modelle eine Ausführungssemantik haben, sind für Aktivitäten die Ein- und Ausgabedaten (sogenannte
Ports) ebenso zu definieren, wie die entlang der Kanten fließenden Daten. Somit sind auch die Transfor-
mationskanten des Abbildungsmodells mit einem (eigentlich nicht existierenden) Datenfluss belegt. Die
zugehörigen Datenobjekte können beliebig gewählt werden. Der WBM ermöglicht es diese ebenso aus-
zublenden, wie die Ports der Aktivitäten. Deren Darstellung wäre insbesondere bei Aktivitäten mit mehre-
ren Ports irritierend, da im Abbildungsmodell stets nur einer von diesen verwendet wird. Wird für das
Abbildungsmodell der Modeling Mode „Basic“ verwendet, zeigt der WBM keine Fehlermeldungen und
Warnungen z.B. für nicht verbundene Task-Ausgabedaten oder unbefüllte Attribute von Transformations-
knoten an. Man sollte sich aber bewusst sein, dass diese Fehler existieren, auch wenn sie nicht relevant
sind, weil kein Deployment des Abbildungsmodells auf eine Ausführungsumgebung vorgesehen ist.
5.2. ARIS
Wie Abbildung 9 zeigt, kann mit dem ARIS Business Architect 7.1 ein graphisch ansprechendes Abbil-
dungsmodell als BPMN-Diagramm realisiert werden. Das Abbildungsmodell enthält fachliche Aktivitä-
ten einer entsprechenden erweiterten ereignisgesteuerten Prozesskette (kurz: eEPK) und bildet diese auf
Systemmodell-Aktivitäten eines BPMN-Diagramms ab. Untergliedert wird das Abbildungsmodell durch
BPMN-Lanes.
Aktivitäten
aus
Fachmodell Änderungsan
trag stellen
betroffene
Bauteile
angeben
Änderung
detaillieren
Änderung
bewerten
Änderung
entscheiden
Antragsteller
informieren
Änderung genehmigt?
Änderung
umsetzen
Transforma-
tions-
knoten
Abbildungsmodell
Aufspalten 1 Zusammen
fassen 1
Umbenenn
en 2
Umbenenn
en 3
Umbenenn
en 4 Einfügen 1 Löschen 1
Aktivitäten
aus System-
modell
HT__Change
Appl_Product
Development
__RequestC
hange
HT__Change
Appl_Product
Development
__InputPartN
umber
Service__Ch
angeAppl_Pr
oductDevelo
pment__Get
PartData
HT__Change
Appl_Product
Development
__RefineCha
ngeRequest
HT__Change
Appl_Product
Development
__DecideCha
ngeRequest
eMail__Chan
geAppl_Prod
uctDevelopm
ent__NotifyR
equestor
Split___ChangeAppl_
ProductDevelopment__
ChangeCommited
Service__Ch
angeAppl_Pr
oductDevelo
pment__Mar
kPartAsChan
gable
Join__ChangeAppl_Product
Development__
ChangeCommited
Umbenenn
en 1
Funktion Transformationsknoten XOR-Split /-Join
Legende:
Abbildung 9 Abbildungsmodell in BPMN-Notation erstellt mit IDS-Scheer ARIS
18
Die Übersichtlichkeit der Darstellung resultiert u.a. daraus, dass von vorhandenen Objekttypen eigene
Sub-Typen mit selbstdefiniertem Symbol abgeleitet wurden. Diese Funktionalität wird für die Transfor-
mationsknoten verwendet, um die Symbolik aus Abbildung 4 zu realisieren. Zudem lässt sich ARIS so
konfigurieren, dass beliebige Attribute dargestellt werden. Dadurch wird es möglich, auch für Struktur-
knoten (z.B. für Verzweigungen) eindeutige Namen einzublenden. Nicht möglich ist es, eine spezielle
Transformationskante zwischen fachlichen Aktivitäten und Transformationsknoten sowie Transformati-
onsknoten und Aktivitäten aus dem Systemmodell zu definieren. Deshalb wird der „normale“ Kantentyp
„folgt auf“ verwendet. Werden in ARIS Berichte erzeugt, etwa über einzelne Funktionen, so kann nicht
zwischen Transformationen im Abbildungsmodell und Nachfolgebeziehungen von Aktivitäten im Pro-
zessablauf unterscheiden werden. Dieses Problem tritt aber ebenso beim WebSphere Business Modeler
auf und könnt dadurch gelöst werden, dass vom Modellierungswerkzeug ein eigener Modelltyp für Ab-
bildungsmodelle mit speziellen Knoten- und Kantentypen angeboten wird.
Sehr einfach möglich ist in ARIS die Referenzierung von Aktivitäten des Fach- und Systemprozesses im
Abbildungsmodell: Durch das ARIS-Objektkonzept existiert jedes in einem Diagramm modellierte Ob-
jekt einmalig in der ARIS-Objektdatenbank. Dadurch können Aktivitäten, die aus dem fachlichen Modell
oder dem Systemmodell-Prozess stammen, einfach als Ausprägungskopien in das Abbildungsmodell
kopiert werden. Da es sich bei diesen Ausprägungskopien um dasselbe Datenbank-Objekt handelt, wirken
sich Änderungen jeweils auf alle Ausprägungen des Objektes aus. Dadurch bleiben Aktivitätennamen und
andere Attribute stets aktuell.
Ein weiterer Vorteil von ARIS für die Realisierung des Abbildungsmodells ist, dass in verschiedenen
Diagrammen erstellte Kanten sich nicht beeinträchtigen und auch keinen Datenfluss beschreiben. Da-
durch tritt das beim WBM skizzierte Problem nicht auf, dass Transformationskanten mit einem bestimm-
ten Ausgabeparameter der fachlichen Aktivität verbunden werden müssen. Ebenso ist im Abbildungsmo-
dell nicht sichtbar, ob für die Aktivität weitere Ausgabeparameter definiert wurden, da die entsprechen-
den Satellitenobjekte ausschließlich im Fachprozess existieren. Allerdings muss beachtet werden, dass die
zuletzt genannten Schwierigkeiten beim WBM nur deshalb auftreten, weil wir einen existierenden Dia-
grammtyp zweckentfremdet haben. Dies ist bei ARIS leichter möglich, weil die Modellierung hier weni-
ger formal und mit keiner Ausführungssemantik belegt ist. Der Grund hierfür ist, dass das Werkzeug
nicht für ein IT-Design, sondern für die fachliche Modellierung, vorgesehen ist.
Dies stellt aber wiederum ein Problem für die Verwendung von ARIS dar, weil das ARIS ist als Werk-
zeug bei Anwendern aus IT-Bereichen kaum verbreitet und für die Erstellung eines Systemmodells wenig
geeignet. So ist kaum zu erwarten, dass ein IT-Architekt das Design von Klassen für Datenobjekte in
ARIS durchführen wird, um so die IT-Spezifikation zu entwickeln.
5.3. Fazit
Beide untersuchten Modellierungswerkzeuge haben gezeigt, dass ein Abbildungsmodell als BPMN-
Diagramm realisiert werden kann. Das Ergebnis war auch jeweils recht übersichtlich und mit geringem
Aufwand erstellbar: Die Modellierung eines Transformationsknotens mit den zugehörigen Kanten und der
Verwendung existierender Aktivitäten aus Fach- bzw. Systemmodell-Prozess ist in Sekunden bis maxi-
mal wenigen Minuten möglich. Deshalb eignen sich beide Werkzeuge für die Erstellung von Abbil-
dungsmodellen und man wird jenes auswählen, welches für die restlichen Diagrammtypen des System-
modells besser geeignet ist.
Trotz der prinzipiellen Verwendbarkeit können BPMN-Diagramme eigentlich nur eine Übergangslösung
darstellen. Sie sollten solange verwendet werden, bis in Prozessmodellierungswerkzeugen eigene Dia-
grammtypen für Abbildungsmodelle zur Verfügung stehen. Damit lösen sich dann auch alle Probleme,
die aus nicht realisierbaren Ausprägungskopien oder zweckentfremdeten Kontroll- und Datenflusskanten
resultieren, da dem Modellierungswerkzeug dann die Bedeutung der Inhalte eines Abbildungsmodells
bekannt ist.
6. Verwandte Arbeiten
In diesem Kapitel werden verwandte Ansätze diskutiert, die eine Transformation von abstrakt formulier-
ten Geschäftsprozessen in ausführbare Modelle realisieren. Zunächst betrachten wir Ansätze, die Trans-
formationen zwischen unterschiedlichen Meta-Modellen realisieren. Anschließend werden Ansätze wie
MDA (Model-Driven Architecture) und MDSD (Model-Driven Software Development) sowie Modellie-
rungsmethoden diverser Hersteller diskutiert.
19
Transformation von Meta-Modellen: In der Literatur werden zwei grundsätzlich verschiedene Arten
von (Meta-) Modelltransformationen diskutiert: Zum einen die direkte Transformation von fachlichen
Modellen (bspw. eEPK oder BPMN) in ausführbare Modelle (bspw. BPEL oder BPMN) und zum ande-
ren die Transformation über eine zusätzliche Modellebene (bspw. eEPK oder BPMN).
Im ersten Fall wird meist durch Restriktionen (bspw. Zyklenfreiheit) das fachliche Modell eingeschränkt.
[ZM05] nutzt etwa das XML-basierte Austauschformat für eEPK-Modelle EPML [MN06] als Basis, um
diese in BPEL-Modelle zu transformieren. Das eEPK-Modell wird dabei soweit eingeschränkt, dass eine
direkte Abbildung auf ein BPEL-Modell realisiert werden kann. Werden Änderungen am fachlichen Mo-
dell durchgeführt, bspw. durch das Einfügen eines neuen eEPK-Element, muss der Ansatz erneut ange-
wendet werden. Dadurch gehen Änderungen die auf der technischen Ebene (BPEL) bereits durchgeführt
wurden verloren. Dennoch liefert dieser Transformationsansatz einen Basismechanismus zur Überfüh-
rung von azyklischen eEPK-Modellen nach BPEL.
Es existieren weitere ähnliche Ansätze: So wird in [Kop05] ebenfalls eine Transformation von einge-
schränkten eEPK-Modellen nach BPEL beschrieben. In [AL05] wird dargestellt, wie Workflow-Netze
nach BPEL transformiert werden können. [Ga03] beschreibt eine automatische Abbildung von UML nach
BPEL. Basistransformationen von BPMN nach BPEL werden bereits im BPMN-Standard [OMG09] und
in [Whi05] sowie in [OADH06] beschrieben. Letzterer Ansatz detailliert dabei eine Transformation die
ein nicht eingeschränktes BPMN-Modell nach BPEL überführt. Mittels des im Ansatz beschriebenen
Algorithmus werden die Modelle automatisch in BPEL überführt. Der Algorithmus durchsucht dabei das
BPMN-Modell nach bestimmten Mustern und ersetzt diese durch speziell definierte Komponenten, die
eine direkte Abbildung auf BPEL ermöglichen.
In der anderen bereits erwähnten Klasse von Ansätzen, wird ein Zwischenmodell zur Überführung fachli-
cher in ausführbare Modelle eingeführt: [TLD+07] beschreibt die Überführung eines eEPK-Modells in
BPEL und nutzt dabei ein zusätzliches BPMN-Modell als Zwischenmodell. Die Idee hierbei ist, analog zu
unserem Ansatz, die mangelnde Durchgängigkeit zwischen Fachmodell und ausführbaren Modell in den
Griff zu bekommen und somit das Business-IT-Alignment zu erhöhen. Es ist jedoch nicht das Ziel, die
Beziehung zwischen Aktivitäten unterschiedlicher Ebenen transparent zu machen. Den Ausgangspunkt
für die Transformation liefert dabei die Ablauflogik aus dem fachlichen Modell (eEPK), welche mittels
zuvor zu definierenden Spachkonstrukten in ein BPMN-Modell überführt wird. Anschließend wird das
BPMN-Modell durch Anreicherung technischer Details zur Prozessausführung erweitert und in BPEL
überführt. Ähnlich zu diesem Ansatz geht [KK05] vor, verwendet jedoch als Zwischenmodell eine forma-
lisierte Version einer eEPK mit gewissen Einschränkungen.
MDA-basierte Ansätze: Zahlreiche verwandte Arbeiten basieren auf standardisierten Ansätzen wie
MDA und MDSD.
[All07] beschreibt eine notationsunabhängige Vorgehensweise, die mittels Modelltransformationen aus
grob granularen, fachlichen Geschäftsprozessen detaillierte und ggf. ausführbare Modelle generiert. Um
eine solche Transformation zu realisieren, werden für das Ausgangsmodell (eEPK) verschiedene Muster
(Patterns) definiert, die fachliche Objekte detaillieren und die beschreiben, wie diese in das Zielmodell
(BPMN) überführt werden können. Anschließend werden Transformationsregeln definiert, die unter Ver-
wendung von Patterns, die Transformation durchführen.
[Bau08] beschreibt, wie fachliche und technische Patterns definiert werden sollten, damit sie auf ver-
schiedene Prozesse möglichst gut anwendbar sind. Dazu werden in einem ersten Schritt fachliche Patterns
auf grob granulare Prozessmodelle (BPMN) angewendet. Auf Basis des resultierenden Modells (erweiter-
tes BPMN), wird durch eine automatische Transformation ein ausführbares Grundmodell (sog. Pseudo-
BPEL) erzeugt. Dieses wird in einem weiteren Schritt, unterstützt durch zusätzlich zu definierende tech-
nische Patterns, in ein ausführbares Modell (BPEL) überführt.
Das Projekt OrVia [FKT08] verfolgt einen ähnlichen Ansatz, indem eine Methoden- und Werkzeug-
gestützte Abbildung von eEPK-Prozessmodellen auf ausführbare BPEL-Modelle automatisiert realisiert
wird. Konkret werden solche Prozessstrukturen in fachlichen Prozessmodellen identifiziert für die vorde-
finierte Patterns existieren. Anschließend wird eine Transformation der Prozessstruktur auf Basis der
Patterns durchgeführt.
MDA-basierte Ansätze wenden Patterns auf fachliche Modelle an. Allerdings sind solche Ansätze zur
Generierung ausführbarer Modelle nicht immer realisierbar. Dies trifft auch auf unser Szenario zu, bei
dem eine freie Modellierbarkeit des Systemmodells gefordert wird: So ist für Geschäftsprozesse, die
fachlich meist grob, sehr abstrakt und vage beschrieben sind, eine strukturelle Adaption dieser fachlichen
Prozesse auf Systemmodell-Ebene notwendig. Eine solche Überarbeitung mittels automatisch anwendba-
20
ren Patterns zu realisieren, wäre zu aufwendig, da umfangreiche Transformationen fachlicher Objekte
(z.B. Aktivitäten) auf Objekte im Systemmodell festgelegt werden müssten. Zudem sind Transforma-
tionen, wie das Einfügen von zusätzlichen Aktivitäten (vgl. Abschnitt 2), schwer realisierbar, da für diese
keine entsprechende Aktivität im fachlichen Modell existiert. In dem von uns betrachteten Anwendungs-
fall sind Geschäftsprozesse unterschiedlich, so dass eine Wiederverwendung vordefinierter Patterns in
unterschiedlichen Geschäftsprozessen nicht realistisch ist. Deshalb muss für jeden Geschäftsprozess indi-
viduell entschieden werden, wie eine entsprechende technische Repräsentation im Systemmodell aussieht.
Neben Pattern-basierten MDA-Ansätzen, existieren Service-orientierte Ansätze, die eine Entwicklung
von Informationssystemen modellgetrieben unterstützen [CMW09]. Darüber hinaus existieren Ansätze
die beschreiben, wie Modelle in eine andere Notation transformiert werden. [ODA+09] stellt eine Tech-
nik dar, mir der sich BPMN-Modelle in lesbare (Block-strukturierte) BPEL-Modelle transformieren las-
sen. Diese Transformation ist nur in eine Richtung bestimmt, wodurch es zu Inkonsistenzen kommt, so-
bald Änderungen am BPEL-Modell vorgenommen werden. Weitere Ansätze, wie etwa [WWM09], be-
schreiben wie Änderungen an BPMN-Modellen auf unterschiedlichem Abstraktionsniveau nachvollzogen
werden können. Arbeiten aus dem Requirements Engineering beschäftigen sich mit der bidirektionalen
Propagierung von Änderungen an Anforderungen und zugehörigen UML-Modellen [Mar05, Rup07].
Herstellermethoden: Um eine freie Modellierbarkeit des Systemmodells zu ermöglichen, empfehlen
Hersteller von Modellierungswerkzeugen in der Regel eine andere Vorgehensweise. Ebenso wie in unse-
rem Ansatz vorgeschlagen, führen sie ein zusätzliches Modell zwischen fachlicher und technischer Ebene
ein.
Die Modellierungsmethodik M3 der Firma MID basiert auf der MDA, wobei drei Varianten unterschie-
den werden. Zum Vergleich mit unserem Ansatz ist insbesondere die Modellierungsmethodik M3 für
SOA interessant [PR05]. Diese bietet für jeden Modelltyp, von der Geschäftsprozessmodellierung bis hin
zur technischen Implementierung, Profilerweiterungen für Innovator [MID08] in Form von UML „Ste-
reotypen“. Der Grundgedanke dabei ist, die Modellierung aller Ebenen und Aspekte von fachlichen Ge-
schäftsprozessen bis zur entsprechenden IT-Implementierung abzudecken [PR05]. Prinzipiell wird dabei
in drei unterschiedlichen Ebenen modelliert. Die erste Ebene beschreibt das fachliche Modell, in welchem
Geschäftsprozesse sowie andere Objekttypen (z.B. Datenobjekte) ohne Einschränkungen frei modellier-
bar sind. Anschließend werden aus der Geschäftsprozessbeschreibung Anwendungsfälle abgeleitet. Letz-
tere beschreiben die Anforderungen an das zu entwickelnde Informationssystem. Auf Basis dieser An-
wendungsfälle und zusätzlicher Information aus den Geschäftsprozessen entsteht ein plattformunab-
hängiges „Analysemodell“ als Ebene zwei, vergleichbar mit unserem Systemmodell. Dies beschreibt
bspw. Klassen- und Datenmodelle sowie Ablaufbeschreibungen die zur Implementierung der Geschäfts-
prozesse notwendig sind. In der dritten Modellebene wird ein plattformspezifisches Modell beschrieben,
welches Zielplattform und -sprache festlegt, sowie dies um technische Informationen ergänzt.
Andere Hersteller wie bspw. IBM [AGA+08, Ars04], IDS Scheer [Dee07, BEH+08] oder Quasar Enter-
prise [EV08] beschreiben ähnliche Vorgehensmethoden, um fachliche Prozessmodelle in die IT-
Implementierung zu überführen. Bei diesen werden ebenfalls mehrere Modellebenen verwendet, um eine
solche Überführung schrittweise durchführen zu können. Allerdings bemüht sich keine dieser Methodiken
darum, die Abhängigkeiten zwischen den Aktivitäten unterschiedlicher Modellebenen nachvollziehbar zu
dokumentieren.
Fazit: Wir setzen in unserem Projekt ENPROSO auf diesen Ansätzen auf, um bei dem Modellwechsel
einzelner Ebenen, bspw. von fachlicher Ebene zur Systemmodell Ebene, diese Ansätze als grundlegende
Transformationen zu verwenden. In einigen Ansätzen wurde die Notwendigkeit eines Zwischenmodells
erkannt und eine entsprechende Notations- bzw. Werkzeug-abhängige, Transformation über die einzelnen
Ebenen realisiert. Ein Abbildungsmodell zur Sicherstellung der Nachvollziehbarkeit zwischen den einzel-
nen Ebenen wird in keinem Ansatz diskutiert.
7. Zusammenfassung und Ausblick
Von Fachbereichen erstellte Prozessmodelle müssen strukturell adaptiert werden, bevor sie mittels Pro-
zess-Management-System implementiert werden können. Hierbei ist es das Ziel, möglichst schnell und
nachvollziehbar von fachlichen Anforderungen zur IT-Implementierung zu gelangen (Business-IT-
Alignment). Um dies zu erreichen, haben wir zwischen dem fachlichen und dem ausführbaren Prozess-
modell die Ebene des Systemmodells eingeführt, das in Verantwortung des IT-Bereichs liegt und als
Spezifikation für die IT-Implementierung dient. Um bei der Modellierung des Systemmodells die durch-
geführten Prozesstransformationen nachvollziehbar zu gestalten, haben wir das Konzept des Abbildungs-
21
modells entwickelt. Es erlaubt, die bei der Erstellung des Systemmodells benötige „freie Geschäfts-
prozess-Modellierung“ weiterhin zu ermöglichen, aber dennoch einen hohen Grad an Nachvollziehbarkeit
zu erzielen. Diese Nachvollziehbarkeit wird genutzt, um Prozessimplementierungen schneller erstellen
bzw. anpassen zu können. Sie ermöglicht zudem die Konsistenz zwischen den verschiedenen Modell-
ebenen sicher zu stellen.
Die ausgewählte Variante zur Realisierung eines Abbildungsmodells wird in diesem Beitrag detailliert
sowie prototypisch beschrieben. Für einen Beispielprozess wird das Prozessmodell auf fachlicher Ebene,
Systemmodell-Ebene und das zugehörige Abbildungsmodell im WebSphere Business Modeler umgesetzt
(zum Vergleich ebenfalls im ARIS, siehe Kapitel 5.2), mit der Erkenntnis, dass Abbildungsmodelle leicht
als BPMN-Diagramme realisiert werden können: Der Aufwand für die Modellierung einer einzelnen
Transformationsbeziehung ist vernachlässigbar, da die hierbei notwendigen Abstimmungen mit dem
Fachbereich den größeren Aufwand darstellen. Als nächster Schritt soll die Methodik nun in einem realen
Pilotprojekt erprobt werden.
Wir haben gezeigt, wie die Flexibilität von Prozessapplikationen erhöht werden kann, indem man schnel-
ler und besser von fachlichen Anforderungen zur IT-Implementierung gelangt. Der Ansatz stellt die Basis
dar, um die Flexibilität der resultierenden IT-Implementierung selbst zu erhöhen: So können im Sinne
eines Frontloading Stellen im Fachprozess markiert werden, an denen ein hoher Flexibilitätsbedarf be-
steht, etwa häufig veränderte Verzweigungsbedingungen. Das Abbildungsmodell erlaubt es nun, diejeni-
gen Aktivität(en) des Systemmodells zu identifizieren, die diese Flexibilität realisieren müssen. Die benö-
tigte Art von Flexibilität kann realisiert werden, indem z.B. an der Prozessverzweigung eine Geschäftsre-
gel verwendet wird, die zur Laufzeit des Workflows noch anpassbar ist. Solche Möglichkeiten zur Erhö-
hung der Flexibilität werden wir im Projekt ENPROSO zukünftig detailliert betrachten.
Literatur
[Agr07] A. Agrawl et al.: WS-BPEL Extension for People Specification. Technical Report, Active Endpoints,
Adobe, BEA, IBM, Oracle, SAP AG, 2007
[AGA+08] A. Arsanjani; S. Ghosh; A. Allam; T. Abdollah; S. Ganapathy; K. Holley: SOMA - A method for devel-
oping service-oriented solutions; In: IBM Systems Journal 47, 2008
[AHK03] W.M.P van der Aalst, A.H.M. ter Hofstede, B. Kiepuszewski, und A.P. Barros: Workflow Patterns. Distrib-
uted and Parallel Databases, 14(3), pages 5-51; 2003.
[AL05] W. M. P. van der Aalst und K. B. Lassen: Translating Workflow Nets to BPEL4WS. Bericht BPM-05-16,
BPM Center, Eindhoven, Netherlands, 2005.
[All07] T. Allweyer: Erzeugung detaillierter und ausführbarer Geschäftsprozessmodelle durch Modell-zu-Modell-
Transformationen; Proc.: 6. Workshop Geschäftsprozessmanagement mit Ereignisgesteuerten Prozessket-
ten, St. Augustin, Germany, S. 23-38, 2007
[Ars04] A. Arsanjani: Service-oriented modeling and architecture; IBM developer works, 2004
[CMW09] V. de Castro, E. Marcos, R. Wieringa: Towards a Service-Oriented MDA-Based Approach to the Align-
ment of Business Processes with IT Systems: from the Business Model to a Web Service Composition
Model, Int. J. Cooperative Inf. Syst., 2009
[Bau08] P. Bauler et.al.: Usage of Model Driven Engineering in the context of Business Process Management; In:
Proc. 4th GI Workshop XML Integration and Transformation for Business Process Management, S. 1963 –
1974, 2008
[BBP09] S. Buchwald, T. Bauer, R. Pryss: IT-Infrastrukturen für flexible, service-orientierte Anwendungen - ein
Rahmenwerk zur Bewertung; In: Proc. 13. GI-Fachtagung Datenbanksysteme in Business, Technologie und
Web, S. 524–543, Münster, 2009
[BEH+08]A. Bösl, J. Ebell, S. Herold, C. Linsmeier, D. Peters, A. Rausch: Modellbasierte Software-Entwicklung
von Informationssystemen: Vom Geschäftsprozess zum servicebasierten Entwurf, White Paper; 2007
[BOC08] BOC-Gruppe. Das Geschäftsprozessmanagement-Werkzeug ADONIS, White Paper; 2008.
[BTC09] BTC Business Technology Consulting: BONAPART Professional, White Paper; 2009.
[Che08] H.-M. Chen: Towards Service Engineering, Service Orientation and Business-IT Alignment; In: Proc. 41st
Hawaii Int. Conf. on System Sciences, 2008
[Dee07] M. Deeg: SOA Fängt weit vor BPEL an - Serviceorientierte Geschäftsprozessmodellierung als Basis für
eine SOA. In: Objektspektrum, 2007
[End09] R. Enderle: Frühe fachliche Modellierung ausführungsrelevanter Prozess-Aspekte, Prozessmodellierung in
Zeiten von SOA. Diplomarbeit, Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Informatik, Institut für Daten-
22
banken und Informationssysteme, 2009
[Erl05] T. Erl. Service-Oriented Architecture: Concepts, Technology, and Design. Prentice Hall Verlag, 2005
[EV08] G. Engels, M. Voss: Quasar Enterprise. In: Informatik Spektrum 31, S. 548 – 555, 2008
[FKT08] K.P. Fähnrich; S. Kühne; M. Thränert: Model-Driven Integration Engineering - Modellierung, Validierung
und Transformation zur Integration betrieblicher Anwendungssysteme; Eigenverlag Leipziger Informatik-
Verbund (LIV), 2008
[Ga03] T. Gardner: UML Modelling of Automated Business Processes with a Mapping to BPEL4WS; In: Proc. of
the First European, Workshop on Object Orientation and Web Services at ECOOP; 2003
[IBM05] IBM, WebSphere MQ Workflow Workflow: Getting Started with Buildtime. Version 3.6, Produkt-
dokumentation, Document Number SH12-6286-10, 2005
[IBM08] IBM, WebSphere Business Modeler, Version 6.2, White Paper, 2008
[IBM09] IBM, WebSphere Process Server, Version 6.2, White Paper, 2008
[Jab97] S. Jablonski: Architektur von Workflow-Mangement-Systemen. Informatik Forschung und Entwicklung,
Themenheft Workflow-Management, 12(2):72–81, 1997
[Jos07] N.M. Josuttis: SOA in Practice - The Art of Distributed System Design. O'Reilly; 2007
[Mar05] F. Marschall: Modelltransformationen als Mittel der modellbasierten Entwicklung von Software-Systemen.
Dissertation, Institut für Informatik, TU München, 2005
[KK05] T. Kahl, F. Kupsch; Transformation und Mapping von Prozessmodellen in verteilten Umgebungen mit der
ereignisgesteuerten Prozesskette; In: Nüttgens, Markus; Rump, Frank J. (Hrsg.): 4. Workshop EPK 2005 :
Geschäftsprozessmanagement mit Ereignisgesteuerten Prozessketten; Hamburg; 2005
[Kop05] O. Kopp; Abbildung von EPKs nach BPEL anhand des Prozessmodellierungswerkzeugs Nautilus; Diplom-
arbeit Nr. 2341, Universität Stuttgart, Institut für Architektur von Anwendungssystemen; 2005
[MID08] MID: Innovator Object – Objektorientiertes Software Engineering mit der UML, White Paper; 2008
[Mit05] K. Mittal: Introducing IBM Rational Software Architect. Technical Report, IBM; 2005.
[MN06] J. Mendling, M. Nüttgens: EPC markup language (EPML): an XML-based interchange format for event-
driven process chains (EPC), Inf. Syst. E-Business Management, 4, 245-263; 2006
[OADH06]C. Ouyang, W. M. P. van der Aalst, M. Dumas, A.H.M. Hofstede; Translating BPMN to BPEL, BPM
Center Report, BPM-06-02; 2006
[OAS07] OASIS: Web Services Business Process Execution Language Version 2.0. OASIS Standard, 2007
[ODA+09] C. Ouyang, M. Dumas, W.M.P. Aalst, A.H.M. ter Hofstede, J. Mendling: From Business Proccess Model
to Process-Oriented Software Systems, ACM Trans. Softw. Eng. Methodol, 2009
[OMG09] OMG (Hrsg): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification 2.0, V0.9.14, revised submis-
sion draft, 2009
[PR05] O. Pera, B. Rintelmann; Von betrieblichen Geschäftsprozessen zu einer SOA; 18. Deutsche ORACLE-
Anwenderkonferenz, 2005
[RD00] M. Reichert, P. Dadam: Geschäftsprozessmodellierung und Workflow-Management - Konzepte, Systeme
und deren Anwendung, GITO-Verlag, Industrie Management, 2000
[Rei00] M. Reichert: Dynamische Ablaufänderungen in Workflow-Management-Systemen. Dissertation, Universi-
tät Ulm, Fakultät für Informatik; 2000
[RRD09] M. Reichert, S. Rinderle-Ma, P. Dadam: Flexibility in Process-aware Information Systems. Springer, LNCS
Transactions on Petri Nets and Other Models of Concurrency (ToPNoC), Special Issue on Concurrency in
Process-aware Information Systems, 2009
[Rup07] C. Rupp: Requirements-Engineering und Management. Hanser, 2007
[Sch98] A.-W. Scheer: ARIS - Modellierungsmethoden, Metamodelle, Anwendungen. Springer-Verlag, 1998
[TLD+07] O. Thomas, K. Leyking, F. Dreifus, M. Fellmann, P. Loos: Serviceorientierte Architekturen: Gestaltung,
Konfiguration und Ausführung von Geschäftsprozessen. Veröffentlichungen des Instituts für Wirtschaftsin-
formatik; 2007
[Wes07] M.Weske: Business Process Management - Concepts, Languages, Architectures. Springer; 2007
[WSR09] B. Weber, S. Sadiq, M. Reichert: Beyond Rigidity - Dynamic Process Lifecycle Support: A Survey on
Dynamic Changes in Process-aware Information Systems. Springer, Computer Science - Research and De-
velopment, Vol. 23, 2009
[WWM09] M. Weidlich, M. Weske, J. Mendling: Change Propagation in Process Models using Behavioural Profiles,
IEEE International Conference on Services Computing, 2009
[Whi05] S. White: Using BPMN to Model a BPEL Process, BPTrends; 2005
[ZM05] J. Ziemann und J. Mendling: EPC-Based Modelling of BPEL Processes: A pragmatic Transformation Ap-
proach. In MITIP 2005, Italy, 2005.s, Architectures. Springer; 2007
23
Anhang
In Kapitel 5 wurde eine prototypische Umsetzung des Abbildungsmodells mit IBM WebSphere Business
Modeler und ARIS realisiert. Im Folgenden werden die zugehörigen Prozessmodelle der fachlichen und
der Systemmodell-Ebene dargestellt. Diese entsprechen unmittelbar dem in Kapitel 1 eingeführten Szena-
rio und den Prozessdarstellungen aus Abbildung 1.
Abbildung 10 und Abbildung 11 zeigen die BPMN-Realisierung für diese Prozessebenen im IBM
WebSphere Business Modeler (WBM). Sie definieren die Aktivitäten, die im Abbildungsmodell (vgl.
Abbildung 8) referenziert werden.
Abbildung 10 Prozess auf fachlicher Ebene im IBM WebSphere Business Modeler
Abbildung 11 Prozess auf Systemmodell-Ebene im IBM WebSphere Business Modeler
Abbildung 12 zeigt den Fachprozess als im Modellierungswerkzeug ARIS erstellte eEPK. Die Verwen-
dung der BPMN-Notation hätte keine Veränderungen für das Systemmodell (vgl. Abbildung 9) bedeutet,
da in ARIS der identische Objekttyp „Funktion“ sowohl in eEPK- wie auch in BPMN-Diagrammen für
Aktivitäten verwendet wird. Für das Systemmodell wurde in Abbildung 13 die BPMN-Notation verwen-
det.
24
Änderung ist
erforderlich
Änderungsantrag
stellen betroffene
Bauteile angeben Änderung
detaillieren Änderung
bewerten Änderung
entscheiden
Antragsteller
informieren
Änderung genehmigt?
Änderung ist
genehmigt
Änderung ist
abgelehnt
Änderung
umsetzen Änderung ist
umgesetzt
Fahrzeugentwickler Fahrzeugentwickler Änderungsverantwortli
cher
Änderungsverantwortli
cher
e-Mail
Baureihen-
Verantwortlicher
Antragsteller
Abbildung 12 Prozess auf fachlicher Ebene in ARIS
HT__ChangeApp
l_ProductDevelo
pment__Request
Change
HT__ChangeApp
l_ProductDevelo
pment__InputPar
tNumber
Service__Chang
eAppl_ProductD
evelopment__Get
PartData
HT__ChangeApp
l_ProductDevelo
pment__RefineC
hangeRequest
HT__ChangeApp
l_ProductDevelo
pment__DecideC
hangeRequest
eMail__ChangeA
ppl_ProductDeve
lopment__Notify
Requestor
Split_
__ChangeAppl_ProductDevelopment__
ChangeCommited
Service__Chang
eAppl_ProductD
evelopment__Ma
rkPartAsChang...
Join__ChangeAppl_ProductDevelopment__
ChangeCommited
yes
no
Abbildung 13 Prozess auf Systemmodell-Ebene in ARIS