Ulrike Zeitler
geb. Vogel
Dr. med.
Einflußfaktoren auf die Publikationshäufigkeit klinischer Studien am Beispiel
medizinischer Dissertationen
Geboren am 04.10.1971 in Lauffen am Neckar
Reifeprüfung am 10.06.1991
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1991/1992 bis WS 1997/1998
Physikum am 28.03.1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Bruchsal
Staatsexamen am 14.05.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Humanmedizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. J. Windeler
Das Problem des sogenannten Publication Bias gewinnt zunehmend an internationalem
Interesse. Es handelt sich hierbei um eine Verzerrung von Aussagen über einen
(medizinischen) Sachverhalt durch selektives Veröffentlichen. Im Rahmen der vorliegenden
Untersuchung sollen nun erstmals anhand medizinischer Dissertationen Einflußfaktoren für
eine Publikation von Studienergebnissen gefunden und mit Aussagen der aktuellen Literatur
verglichen werden.
Zunächst werden nach festgelegten Einschlußkriterien medizinische Dissertationen
verschiedener Erscheinungsjahre ausgewählt, die einer näheren Betrachtung unterzogen
werden. Anhand eines Fragebogens werden aus diesen Promotionen vielfältige Daten zum
Doktoranden, dessen Betreuer und Referenten sowie zur Dissertation selbst erhoben. Um die
zu den Dissertationen zugehörigen Publikationen zu finden, wird zunächst eine umfassende
MEDLINE-Recherche durchgeführt. Anschließend erfolgt eine schriftliche Anfrage bei den
Betreuern und Referenten, um die Erhebung zu vervollständigen und auch Buchbeiträge und
Vortragsabstracts zu erfassen. Weiterhin wird die jeweilige Note der Dissertationen gemäß
den gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz in nicht personenbezogener Form ermittelt.
Neben einer univariaten und bezüglich der Publikationshäufigkeit bivariaten Auswertung wird
auch eine logistische Regressionsanalyse als multivariates Analyseverfahren durchgeführt.
Die Auswertung ergibt mehrere Einflußfaktoren auf den sogenannten Publication Bias. So
werden von Frauen betreute Dissertationen ebenso wie von Nicht-Habilitierten betreute
Arbeiten häufiger publiziert. Auch eine rege Veröffentlichungstätigkeit des Referenten erhöht
die Publikationswahrscheinlichkeit einer Dissertation.
Bezüglich der Daten, die direkt die Dissertation selbst betreffen, wirkt sich ein positives
Ergebnis, eine aufwendige statistische Auswertung, eine retrospektive Studie oder
Normwerterhebung, die Anzahl der Literaturzitate sowie eine gute Note positiv auf eine
mögliche Veröffentlichung aus. Eine Fallzahl über 750 wirkt sich negativ auf eine mögliche
Publikation aus.
Die logistische Regressionsanalyse ergab als wichtigste Einflußfaktoren für die
Publikationswahrscheinlichkeit von Dissertationen einen selbst rege publizierenden Betreuer,
eine aufwendige Statistik sowie als stärksten Einflußfaktor ein positives Ergebnis.
Im Rahmen einer Übersicht über die aktuelle Literatur zum Thema wird auch ein Vergleich
der eigenen Ergebnisse mit denen der Literatur angestellt. Übereinstimmung besteht vor allem
in der Erkenntnis, daß Studien mit positivem Ergebnis häufiger publiziert werden als
negative. Bezüglich der Studienart wird in der Literatur das Vorhandensein einer
Kontrollgruppe gefordert, während in vorliegende Untersuchung retrospektive Studien und
Normwerterhebungen am häufigsten publiziert werden. Während in der aktuellen Literatur
das Thema Fallzahl sehr kontrovers diskutiert wird, kann die vorliegende Studie zwei
Aussagen zu diesem Punkt treffen. So hat eine Fallzahl von bis zu einhundert keinen Einfluß
auf die Publikationswahrscheinlichkeit, eine Fallzahl über 750 läßt eine Veröffentlichung
jedoch eher unwahrscheinlich werden.
Somit können die zu Beginn der vorliegenden Untersuchung gestellten Fragen
folgendermaßen beantwortet werden:
1. Das Vorliegen eines Publication Bias kann auch für die Ergebnisse medizinischer
Dissertationen nachgewiesen werden.
2. Es können drei relevante Einflußfaktoren identifiziert werden, die die Veröffentlichung der
Ergebnisse medizinischer Dissertationen begünstigen.
3. Im Vergleich der einzelnen Erscheinungsjahre lassen sich deutliche Unterschiede
herausarbeiten, insbesondere eine Zunahme der relativen Publikationshäufigkeit.