Susanne Penitzka
Dr.med.
Psychologische und medizinische Konsequenzen der Lebendnierenspende für den
Spender, unter besonderer Berücksichtigung der Frage nach dem Bedarf
psychologischer Betreuung
Geboren am 16.07.1971
Reifeprüfung am 09.06.1990
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1992 bis WS 1998
Physikum am 30.03.1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 18.11.1998 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Urologie
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr.med. M. Wiesel
Zusammenfassung der Arbeit:
Im Rahmen unserer Studie wurden 53 von 109 Lebendspendern, die in der Zeit zwischen 1967
und Februar 1996 in Heidelberg einem Angehörigen eine Niere gespendet hatten,
nachuntersucht und zu ihren Erfahrungen befragt. Sie wurden gebeten einen allgemeinen
Fragebogen zum Thema Belastungen und Betreuung vor, zur Zeit und nach der Spende
auszufüllen.
Die klinische Nachuntersuchung ergab keine auffälligen Befunde bezüglich einer deutlichen
physischen Beeinträchtigung durch die Spende. Die perioperative Letalität aller 109 Spender
betrug 0%. Die Nierenfunktion aller nachuntersuchten Spender war unauffällig.
Der Großteil der Lebendspender gab an, die Spende als nur wenig belastend empfunden zu
haben; 98% würden wieder spenden. 41% der befragten Spender fanden, daß sich ihre
Lebenszufriedenheit durch die Lebendspende erhöht habe. Dennoch äußerten viele Spender
Unzufriedenheit mit der Aufklärung vor der Spende und mit der Nachbetreuung.
15% der Spender gaben an, vor der Spende nicht genügend aufgeklärt worden zu sein. 13%
hätten sich auch eine bessere Aufklärung bezüglich seelischer bBelastungen gewünscht. Die
medizinische Betreuung im Krankenhaus empfanden 9,4% der Spender als nicht ausreichend;
35,1% fanden die psychosoziale Betreuung nicht ausreichend. Nur57% der Spender konnten
sich daran erinnern, bei ihrer Entlassung ein medizinisches Nachsorgeangebot erhalten zu
haben. Nur 50% der Spender, die ein Nachsorgeangebot wahrgenommen hatten konnten dort
auch über seelische Probleme sprechen.
26,9% hätten sich eine Betreuung durch einen Psychologen gewünscht, bekamen aber kein
entsprechendes Angebot.
Wir unterstützen das neue Transplantationsgesetz, in welchem Lebendspender und
Transplantationszentren zu einer regelmäßigen ärztlichen Nachbetreuung verpflichten werden.
Wir sind überzeugt, daß die gesetzliche Regelung der Zusammenarbeit zwischen den
Transplantationszentren untereinander und einer übergeordneten Koordinierungsstelle, welche
die Dokumentation der Nachuntersuchungsergebnisse übernimmt, eine verläßliche und
einheitliche Nachbetreuungsstruktur in Deutschland garantieren wird.