Paloma Kulisiewicz
Dr. med.
Cromatische Sehschärfe bei Glaucomen
Geboren am 21.06.1958 in Bielsko-Biala/Polen.
Reifeprüfung am 08.05.1977 im Gymnasium / Polen
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS / 1978 bis SS / 1986
Physikum an der Universität : Medizinische Akademie in Krakow.
Klinisches Studium in Krakow.
Praktisches Jahr in Krakow.
Staatsexamen 1986 an der Universität : Medizinische Akademie in Krakow.
Promotionsfach: Augenheilkunde.
Doktorvater: Prof. Dr. med. H. Krastel.
In meiner Arbeit sollte geprüft werden, ob bei Glaucompatienten eine Herabsetzung der
chromatischen Sehschärfe nachzuweisen ist. Nach Auswahl von Patienten, die keine anderen
möglichen Ursachen für Farbsinnstörungen boten, wurden 120 Augen von 62 Patienten (4
Patienten waren einäugig) mit chronischen Glaucomen, mit akuten Glaucomen und mit
oculärer Hypertension in die Studie aufgenommen.
Die Untersuchung der chromatischen Sehschärfe für Rot-Grün und Blau-Grün wurde in
überarbeiteten Tafeln nach Velhagen in eigens dafür angefertigten Schaukästen unter
standardisierter Beleuchtung durchgeführt, wobei die Größe der farbigen Prüfzeichen konstant
war. Geprüft wurde die maximale Erkennungsdistanz.
17 Normalprobanden boten für die Rot-Grün-Farbtafeln eine maximale Erkennungsdistanz von
im Mittel
RA: Rot/Grün 3,98 Meter, LA : Rot/Grün 4,15 Meter
RA: Blau/Grün 3,90 Meter, LA: Blau/Grün 3,83 Meter
Die Patienten wurden nach der Excavationsgröße der Papille in drei Gruppen eingeteilt
A) 0,1 - 0,5, B) 0,6 - 0,8, und C) 0,9 - 1,0.
Bei Ermittlung der chromatischen Sehschärfe für Rot-Grün ergaben sich maximale
Erkennungsdistanzen von im Mittel für
Gruppe A rechts 1,92 Meter, links 1,51 Meter
Gruppe B rechts 1,46 Meter, links 1,29 Meter
Gruppe C rechts 0,62 Meter, links 0,66 Meter
Bei Ermittlung der chromatischen Sehschärfe für Blau-Grün ergaben sich maximale
Erkennungsdistanzen von im Mittel für
Gruppe A rechts 1,10 Meter, links 0,91 Meter
Gruppe B rechts 0,65 Meter, links 0,49 Meter
Gruppe C rechts 0,22 Meter, links 0,16 Meter
Korrelation zwischen chromatischer Sehschärfe und Excavation zeigten
rechtes Auge Rot-Grün: = -0,56061 (p = 0,0001)
linkes Auge Rot-Grün: = -0,46955 (p = 0,0001)
rechtes Auge Blau-Grün: = -0,53638 (p = 0,0001)
linkes Auge Blau-Grün: = - 0,47226 (p = 0,0001)
Die Reduktion der chromatischen Sehschärfe ist bei manchen Glaucompatienten schon bei
beginnender Excavation des Sehnervs ausgeprägt. Die Patienten mit größerer Excavation
zeigten im Mittelwert geringere Lesefähigkeit der Farbtafeln.
Zusammenfassend kann die Minderung der chromatischen Sehschärfe als Merkmal des
glaucomatösen Schadens angesehen werden. Ihre klinische Nutzung ist durch andere
alterskorrelierte Erkrankungen begrenzt, welche ebenfalls die chromatische Sehschärfe
beeinträchtigen. Für Patienten, bei denen keine Linsentrübungen oder Makulopathien
vorliegen, haben die vorgelegten Beobachtungen als adjuvantes Kriterium für die klinische
Charakteristik von Glaucomen Interesse.