scieee Science in your language
[de] (orig)
Petra Ernst
Dr. med.
Das sporadische medulläre Schilddrüsencarcinom: Diagnose, Klinik und Therapie,
Untersuchung an 170 Patienten
Geboren am 17.05.1972 in Mannheim
Reifeprüfung: am 26.05.1992 in Mannheim
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1992 bis WS 1999
Physikum am17.08.1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 07.05.1999 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. F. Raue
Anhand von Patientenakten eines Kollektivs von 170 Patienten mit sporadischem MTC, die in
einem Zeitraum von 1979 bis 1995 in Heidelberg betreut wurden, sollten Klinik, Diagnostik
und Therapien dieser Krankheit in einer retrospektiven Analyse untersucht und hinsichtlich
klinischer Kriterien, diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen, Verlauf und
prognostischer Faktoren ausgewertet werden.
Die Patienten gehörten zu einem Gesamtkollektiv von 256 Patienten mit MTC, welches die
Patienten der familiären Formen einschloß. Zu diesem Kollektiv wurden Vergleiche gezogen
und Unterschiede aufgezeigt.
Das Geschlechtsverhältnis war nahezu ausgeglichen.
Das MTC wurde im Mittel im Alter von 46 {39} Jahren diagnostiziert.
Bei Patienten mit sporadischem MTC gab es keine Beziehung zwischen Diagnosealter und
Tumorstadium.
Die Patienten des Gesamtkollektivs wurden durch den Einfluß der familiären Formen in einem
jüngeren Alter und günstigerem Tumorstadium diagnostiziert.
Wichtigstes Leitsymptom des MTC bei 70% der Patienten war die Struma nodosa.
Die Patienten des Gesamtkollektivs, bei denen eine systematische mikrochirurgische
Lymphknotendissektion als Rezidivoperation durchgeführt wurde, hatten eine signifikant
bessere Prognose als Patienten nach einer selektiven Lymphknotendissektion (97% versus 85%
5-Jahres-Überlebensrate und 83% versus 62% 10-Jahres-Überlebensrate).
Bei den Patienten mit sporadischem MTC wurde mit 95% versus 81% 5-Jahres-Überlebensrate
und 85% versus 60% 10-Jahres-Überlebensrate dieses Signifikanzniveau knapp verfehlt.
Dies ist aber wahrscheinlich auf die geringere Anzahl der systematischen Rezedivoperationen
in dieser Patientengruppe im Gegensatz zu der Gruppe der Patienten mit familiären Formen
zurückzuführen.
Ein günstiger Einfluß von adjuvanten Therapien (Radiojod, externe lokale Radiatio und
Kombination aus beiden) auf Heilungs-oder Überlebensrate konnte nicht festgestellt werden.
Patienten, die eine externe lokale Radiatio ober eine Kombinationstherapie aus Radiojod und
Radiatio erhielten, hatten sogar eine signifikant schlechtere Prognose als Patienten ohne
adjuvante Therapien.
Die Fernmetastasierungsorte des MTC (Leber, Lunge, Knochen) waren relativ ausgeglichen
befallen.
Es gab keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Metastasenverteilung bezüglich
Geschlecht, Alter, Form und Stadium.
Ein deutlicher Anstieg des Tumormarkers Calcitonins war bei Lungenmetastasen am
ausgeprägtesten, ein Anstieg von CEA bei Lebermetastasierung.
Die Zeit von der Diagnose bis zum Auftreten der einzelnen Erstmetastasen betrug im Median
33 Monate bei einer sehr großen Spannweite von 0 (Stadium IV) bis 234 Monaten.
Eine Metastasierung trat im Median am schnellsten in den Knochen, gefolgt von Lunge und
schließlich Leber auf (Tabelle 28).
Große Spannweiten fanden sich auch für die Überlebenszeit der Verstorbenen.
Sie betrug im Median 21 Monate nach Auftreten der ersten Fernmetastase bei einer
Spannweite von 0 bis 117 Monaten.
Patienten mit Lebermetastasen hatten die längsten Überlebenszeiten, gefolgt von Patienten mit
Lungenbefall. Der Median bei Knochenmetastasen lag zwar am niedrigsten gleichzeitig war
hier aber auch die größte Spannweite von 117 Monaten zu sehen.
Patienten der Stadien II und III mit Lebermetastasen hatten signifikant bessere Überlebensraten
als Patienten mit anderen Fernmetastasen. Die Überlebenszeiten ab dem Zeitpunkt der
Metastasierung betrugen bis zu 10 Jahren.
Die Prognose des medullären Schilddrüsencarcinoms war in unserem Kollektiv mit einer 5-
Jahres-Überlebensrate von 89% {90%} und einer 10-Jahres-Überlebensrate von 71% {73%}
sehr gut. Diese Prognose wurde im wesentlichen vom Tumorstadium zum Zeitpunkt der
Diagnose, gefolgt vom Alter, vom Geschlecht und von der Form des MTC bestimmt.
In der Multivariatanalyse verlor die Form des MTC als unabhängiger prognostischer Parameter
seine Signifikanz, so daß nicht von einer grundsätzlich unterschiedlichen Tumorbiologie der
sporadischen und der hereditären Variante ausgegangen werden kann.
Als wesentlicher neuer Parameter, der die Prognose beeinflußt, zeigte sich im Gesamtkollektiv
die Art des Rezidiveingriffs bei cervikaler Lymphknotenmetastasierung.
Auch für Patienten mit sporadischem MTC kann nach Ausschluß von Fernmetastasen eine
systematische mikrochirurgische Lymphknotendissektion empfohlen werden.
Zusätzliche Radiojodbehandlung und/oder externe lokale Radiatio sind bei MTC nicht indiziert,
die chirurgische Therapie bleibt die einzige Möglichkeit eine Heilung zu erlangen.
Das MTC kann einen insgesamt günstigen Verlauf nehmen und selbst bei Fernmetastasierung,
insbesondere in die Leber, sind lange Überlebenszeiten möglich.