Marko Klemenz
Dr. med.
Quantitative Magnet-Resonanz-Tomographie und Schweregrade der Defizite bei der
Demenz vom Alzheimer-Typ
Geboren am 03.03.1968 in Freiburg im Breisgau
Reifeprüfung am 12.05.1987 in Lörrach
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1990 bis SS 1996
Physikum am 30.03.1992 an der Universität Bonn
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 15.11.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Psychiatrie
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. Johannes Schröder
Die Diagnose einer Demenz vom Alzheimer-Typ wird anhand klinischer Kriterien gestellt
und ist folglich mit einer gewissen Fehlerhäufigkeit belastet. Insbesondere in unspezifischen
Anfangsstadien erweist sich die Diagnosestellung als schwierig. Pathologische Studien
weisen auf eine frühe Beteiligung der medialen temporalen Strukturen im Krankheitsverlauf
der hin. Mit der Magnet-Resonanz-Tomographie steht ein Instrument zur Verfügung, diese
Veränderungen in vivo darzustellen.
In der vorliegenden Studie wurden folgende Fragen bearbeitet:
1. Gibt es signifikante Unterschiede hinsichtlich der Volumina unterschiedlicher Hirn-
strukturen im direkten Vergleich zwischen Patienten mit einer Demenz vom Alzheimer-
Typ und gesunden Probanden?
2. Besteht ein Zusammenhang zwischen den volumetrischen Daten und dem Schweregrad
der Demenz?
3. Bestehen innerhalb der gesamten Patientengruppe signifikante Korrelationen zwischen
neuropsychologischen Funktionen und morphometrischen Meßergebnissen?
4. Kann die Morphometrie des menschlichen Gehirnes einen Beitrag für die Früh- oder
Differentialdiagnose in der Demenzabklärung im Rahmen einer fraglichen Demenz vom
Alzheimer-Typ liefern?
Bei 20 Patienten mit einer "wahrscheinlichen" Demenz vom Alzheimer-Typ gemäß den
NINCDS-ADRDA-Kriterien und 10 gesunden Kontrollpersonen wurden mittels quantitativer
Magnet-Resonanz-Tomographie die Volumina des Gesamthirnes, des Gesamtliquorraumes,
der Frontal- und Temporallappen sowie der Amygdala-Hippokampus-Formation bestimmt.
Die Studie ergab folgende Resultate:
1. Patienten mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ zeichnen sich im Vergleich zu
gleichaltrigen gesunden Kontrollpersonen sowohl durch eine Verminderung des
Gesamthirnvolumens als auch durch eine regionale Atrophie aus, die in den medialen
temporalen Substrukturen besonders stark ausgeprägt ist. Aber auch bezüglich der
Volumina von Temporal- und Frontallappen unterschieden sich die Patienten von der
Kontrollgruppe.
2. Von allen untersuchten Strukturen ist die Atrophie der Amygdala-Hippokampus-
Formation am deutlichsten ausgeprägt. Dabei übertrifft sie die Atrophie des Gesamthirnes
und kann schon in den Anfangsstadien der Demenz vom Alzheimer-Typ ausgemacht
werden.
3. Vergleicht man die Volumina der einzelnen gemessenen Strukturen mit den
neuropsychologischen Befunden, so zeigt sich, daß die Volumina der Amygdala-
Hippokampus-Formationen und der Temporallappen signifikant mit dem Vorliegen einer
allgemeinen kognitiven Einbuße korreliert sind. Korrelationen mit dem Gesamthirn-
volumen oder der Frontallappen konnten nicht gefunden werden.
4. Die Studie konnte zeigen, daß die quantitative Magnet-Resonanz-Tomographie durchaus
geeignet zu sein scheint, eine differentialdiagnostische Hilfe bei der Demenzabklärung
darzustellen, wobei der Amygdala-Hippokampus-Formation die größte Rolle zufällt.
Unsere Ergebnisse belegen die Bedeutung der Hippokampus-Formation im frühen
Krankheitsverlauf der Demenz vom Alzheimer-Typ. Diese Studie kann als Pilotstudie mit
einer kleinen Stichprobenanzahl gesehen werden, die zu weiteren Untersuchungen mit einem
leicht veränderten Studienaufbau anregen soll. Neben der Berücksichtigung größerer
Patientenzahlen, einer adaptierten neuropsychologischen Testbatterie und einem prospektiven
Studiendesign sollten in Zukunft insbesondere auch andere dementielle Erkrankungen in die
Untersuchungen mit einbezogen werden, um die Spezifität der Hippokampusatrophie und
somit ihre differentialdiagnostische Nützlichkeit überprüfen zu können.