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[de] (orig)
Hartwig Maisenbacher
Dr. med.
Prognostische Bedeutung von Bone Sialoprotein im Serum von Patientinnen mit
primärem Mammakarzinom
Geboren am: 26.04.1952 in Pforzheim
Reifeprüfung am: 25.5.1976 in Pforzheim
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1981 bis SS 1987
Physikum am 08.04.1983 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Pforzheim
Staatsexamen am 21.05.1987 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Gynäkologie
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. I.J. Diel
Knochenmetastasen findet man am häufigsten beim Mamma-, Prostata-, Schilddrüsen-,
Nieren- und Bronchialkarzinom, wobei die höchste Inzidenz bei Patienten mit
Mammakarzinom und Prostatakarzinom nachgewiesen wird. Obwohl seltenst kurabel
sind ossäre Metastasen prognostisch relativ günstig, so daß eine frühe Diagnose und
konsequente Therapie Komplikationen vermeidet und so entscheidend zur Verbesserung
der Lebensqualität beiträgt. Ossäre Filiae werden durch bildgebende Verfahren
diagnostiziert; der Nachweis ist jedoch immer nur nach stattgefundener, bereits
existenter Metastasierung möglich. Die für das einzelne Organsystem in Frage
kommenden Tumormarker sind wenig spezifisch, so daß deren Einsatz für die Prognose
einer Knochenabsiedelung nicht gerechtfertigt ist.
Im Hinblick darauf untersuchten wir in der vorliegenden Arbeit in wieweit Bone
Sialoprotein (BSP) als Prognosefaktor für eine im weiteren Krankheitsverlauf
auftretende ossäre, oder auch viszerale Metastasierung, dienen kann.
Bone Sialoprotein (BSP) hat einen Anteil von 5-10% an den nicht kollagenen Proteinen
im Knochen. Es handelt sich um ein phosphoryliertes Glykoprotein mit einer
Molekularmasse von ca. 80.000 Dalton. Es findet sich in Osteoblasten und Osteoklasten
und an der Bildungslinie der Osteoidmatrix.
Im Rahmen der ossären Metastasierung gewinnt Bone Sialoprotein (BSP) zunehmend
an Bedeutung. In Folge von Knochenumbauprozessen wird Bone Sialoprotein (BSP)
von Osteoblasten produziert, so daß durch diesen Umbau der Knochensubstanz es zu
einer Freisetzung und somit zu einer gesteigerten Konzentration im Serum kommt. Ein
weiterer interessanter Aspekt ist der Nachweis, daß Mammakarzinomzellen selbst in der
Lage sind, Bone Sialoprotein (BSP) zu sezernieren und über die im Molekül
vorhandene RGD-Sequenz an den Osteoklasten binden, dessen Aktivität steigert und es
so zu Abbauprozessen, d.h. Knochenmetastasen kommt.
Zur Messung der Serumkonzentration von Bone Sialoprotein (BSP) benutzten wir einen
neu entwickelten Radioimmunoassay der Firma Immun-Diagnostik GmbH, Bensheim.
Bei 390 Patientinnen mit primärem Mammakarzinom wurde präoperativ Blut zur
Bestimmung der Serumkonzentration von Bone Sialoprotein (BSP) entnommen. Nach
einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 23.2 Monaten untersuchten wir, welche
Patientinnen Metastasen entwickelten. Die Ergebnisse zeigten eindeutig, daß die Höhe
von Bone Sialoprotein (BSP) den weiteren Verlauf der Erkrankung Mammakarzinom
bestimmen. Serumkonzentrationen 24 ng/ml waren hochsignifikant für das spätere
Auftreten von ossären Metastasen. Ein Zusammenhang mit viszeraler Metastasierung
bestand nicht. Schwellenberechnungen bestätigten diesen von uns definierten Wert von
24 ng/ml als kritisch, der auch in der Kaplan-Meyer-Kurve direkt mit dem verkürzten
metastasenfreien Intervall korrelierte. Das relative Risiko für Knochenmetastasen bei
Überschreiten des Schwellenwertes war mit einer Sicherheitswahrscheinlichkeit von
95% um das 254-fache erhöht.
Die Untersuchung anderer Prognosekriterien wie Tumorgröße, Lymphknotenstatus,
Rezeptorverhalten und S-Phase zeigte lediglich für die Tumorgröße Signifikanz. Faßt
man unsere Ergebnisse zusammen, so ist die Serumkonzentration von Bone Sialoprotein
(BSP) ein valider Prognoseparameter für das spätere Auftreten von Knochenmetastasen.
Mögliche Konsequenz könnte der frühzeitige, bereits adjuvante Einsatz von
Bisphosphonaten sein.