Anke Buchauer
Dr. sc. hum.
Integration mobiler Informationswerkzeuge in heterogene
Krankenhausinformationssysteme
Geboren am 22.3.1969 in Böblingen
Reifeprüfung am 19.5.1989 in Dreieich
Studiengang der Fachrichtung Medizinische Informatik vom SS 1990 bis Oktober 1995
Vordiplom am 15. Mai 1992 an der Fachhochschule Heilbronn / Universität Heidelberg
Diplom am 31. Okt. 1995 an der Fachhochschule Heilbronn / Universität Heidelberg
Promotionsfach: Medizinische Informatik
Doktorvater: Prof. Dr. rer. biol. hum. R. Haux
Der Einsatz mobiler Kleinstcomputer in der klinischen Routine besitzt großes Potential, die
Kommunikations- und Informationsbedürfnisse von Ärzten und Pflegern zeitnah an deren
unterschiedlichen Wirkungsstätten (z.B. im Besprechungszimmer, bei der Visite, am
Patientenbett) zu erfüllen. Obwohl zahlreiche Arten von leistungsfähigen, tragbaren
Kleinstcomputern zur Verfügung stehen, setzen sich diese nur langsam als Werkzeuge der
Informationsverarbeitung in Krankenhäusern durch. Ziel dieser Arbeit ist es, die Gestaltung von
mobilen Informations- und Kommunikationswerkzeugen in Bezug auf Funktionalität,
Geräteeigenschaften und Integrationsmöglichkeiten in heterogene Krankenhausinformations-
systeme zu erarbeiten. Dabei werden die Wünsche der klinischen Anwender und die derzeitige
Praktikabilität berücksichtigt.
Zum Erreichen dieses Zieles wurden zwei praxisnahe Evaluationen am Universitätsklinikum
Heidelberg durchgeführt. Durch die Verwendung unterschiedlicher mobiler Kleinstcomputer und
verschiedener Konzepte zur Bereitstellung der als relevant erachteten Funktionalität konnten
vielseitige Gestaltungsanregungen gemeinsam mit klinischen Anwendern erarbeitet werden. Aus
diesen Ergebnissen und unter Berücksichtigung anderer internationaler Forschungsprojekte
werden wesentliche Integrationsaspekte abgeleitet. Diese werden anhand des Drei-Ebenen-Mo-
dells (3LGM) zum Beschreiben, Bewerten und Planen von Krankenhausinformationssystemen
strukturiert dargestellt. Es entsteht ein Leitfaden für die Integration mobiler Informations- und
Kommunikationswerkzeuge in heterogene Krankenhausinformationssysteme. Die Anwendbarkeit
des erarbeiteten Leitfadens wird anhand eines Realisierungsvorschlages für das Universitäts-
klinikum Heidelberg demonstriert.
Insgesamt zeigt sich, daß das wichtigste mobil zu realisierende Verfahren die Unterstützung der
interpersonellen Kommunikation ist. Bei den patientenbezogenen Verfahren sind viele
Teilverfahren der Verfahren ‘Einsicht in eine Elektronische Patientenakte’, ‘Klinische
Dokumentation’, ‘Koordination mit Leistungserbringern’ und ‘Essensanforderung’ wichtig.
Nicht-patientenbezogene Verfahren, die mobil realisiert werden sollten, sind von den
betriebsteilbezogenen Verfahren z.B. das ‘Anfordern von Material und Medikamenten’. Auch der
mobile ‘Zugriff auf Wissen’ wird gefordert, vor allem auf Medikamentenlisten, fachspezifische
Kurzreferenzen sowie hausinterne Informationen (z.B. Telefonverzeichnis, Pflege- und
Behandlungsstandards). Die funktionale Überschneidung zu festinstallierten Klinischen
Arbeitsplatzsystemen ist offensichtlich. Deutlich wird, daß mobile Kleinstcomputer die
Benutzung Klinischer Arbeitsplatzsysteme räumlich ausweiten und die Anzahl der fest zu
installierenden Arbeitsplatzsysteme verringern, jedoch diese nicht ersetzen können. Sie müssen
vielmehr an die örtlichen Gegebenheiten, Organisationsstrukturen und Arbeitsweisen
unterschiedlicher Personengruppen angepaßt eingesetzt werden. Zur Zeit gibt es kein mobiles
Gerät, das alle Anforderungen erfüllen kann. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen im
Bereich der mobilen Kommunikation (sehr klein, leicht, einfachste Bedienung, lange
Batteriedauer) und bei der mobilen Informationsverarbeitung (größerer Bildschirm, komfortable
Eingabemöglichkeiten). Vorgeschlagen wird daher eine Mehr-Geräte-Architektur, die aus drei
generellen Gerätetypen besteht. Die erweiterten Mobiltelefone und die festinstallierten Klinischen
Arbeitsplatzsysteme bilden die Hauptsäulen und werden durch tragbare Kleinstcomputer ergänzt.
Letzere werden entweder personenbezogen oder funktionsgebunden eingesetzt.
Personenbezogene Geräte sind z.B. für sehr mobile Ärzte als ständiger Begleiter gedacht. Ein
Verschmelzen mit den mobilen Telefonen ist hierbei in Zukunft denkbar. Funktionsgebunden
werden mobile Kleinstcomputer für bestimmte Zwecke (wie z.B. Patienteninformierung am Bett,
Konsildienst, Anästhesie Vorbereitung) eingesetzt. Für die Integration auf Anwen-
dungssystemebene wird ein leistunsfähiges Funknetz als Voraussetzung gesehen, um vorhandene
Anwendungssysteme des Krankenhausinformationen datenschutzgerecht und effizient, um mobile
Funktionen zu erweitern. Für diese Erweiterung werden zwei Strategien - das anwen-
dungssystemspezifische Erweitern und das Verwenden eines ‘mobilen Gateway-Systems’
vorgestellt und diskutiert.