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Karin Strauch
Dr. med.
Langzeitergebnisse operativer Verfahren bei Patienten mit idiopathischer
Hüftkopfnekrose - Eine retrospektive Studie
Geboren am 12.11.1966 in Heppenheim
Reifeprüfung am 13.06.1985 in Heppenheim
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1990 bis WS 1996
Physikum am 23.03.1992 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Ludwigsburg
Staatsexamen am 12.11.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Orthopädie
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. M. Lukoschek
Retrospektiv untersucht wurden 94 Hüften von 74 Patienten, die sich wegen einer aseptischen
Hüftkopfnekrose dem Verfahren einer Anbohrung unterzogen hatten und 44 Hüften von 39
Patienten, deren Hüfte im Rahmen einer Umstellungsosteotomie auch gleichzeitig angebohrt
wurde (VO + Anbohrung).
Um zu Angaben über einen möglichst langen klinischen Verlauf und die subjektive
Therapiezufriedenheit der Patienten zu gelangen, wurde eigens zu diesem Zweck ein
Fragebogen entwickelt und ausgewertet.
Der durchschnittliche Beobachtungszeitraum betrug 5 Jahre (0,2 bis 16,2). 53% der Fälle
konnten über 3 Jahre verfolgt werden.
Kriterien für den Therapieerfolg waren die Indikation für eine Folgeoperation, klinischer
Verlauf, repräsentiert durch den Score nach Merle dAubigné, die subjektive Zufriedenheit
und der radiologische Verlauf im Vergleich zum Ausgangsbefund.
In beiden Therapiegruppen lag das durchschnittliche OP-Alter bei 39,5 Jahren und lag der
Männeranteil mit 77 % deutlich höher als der Frauenanteil mit 23 %. Risikofaktoren lagen in
einem höheren Prozentsatz als in der Normalbevölkerung vor: regelmäßigen Alkoholkonsum
gaben 41 % an, 37 % waren Raucher, 49 % leicht bis höhergradig übergewichtig, 36 % hatten
ein erhöhtes Cholesterin. In der Gruppe der Anbohrungen war der Anteil der
Cortisonpatienten mit 41 % höher als in der Vergleichsgruppe mit 9 %.
Die Therapie erfolgte in den Stadien Steinberg 1-6, bzw. Ficat 1-4 und bei einem
Schadensausmaß A-C nach Steinberg.
Die Gruppe der VO + Anbohrung befand sich im Mittel in fortgeschritteneren Stadien als die
Vergleichsgruppe und wurde häufiger in postkollaptischen Stadien operiert.
Bei 60 % konnte ein Röntgenverlauf von 6 Monaten bis mehr als 5 Jahre postoperativ
dokumentiert werden. In keiner der beiden Gruppen gab es eine radiologische Verbesserung,
in allen Stadien und in beiden Therapiegruppen blieb der Befund entweder gleich oder
verschlechterte sich.
Das Schicksal der Patienten konnte mittels Krankenakten und Fragebogenrücklauf von 85 %
verfolgt werden. Demnach wurde in 34 % der Fälle nach Anbohrung und in
32 % der Fälle nach VO + Anbohrung eine Folgeoperation durchgeführt.
Erfolgte die Operation in postkollaptischen Stadien, lag die Reoperationswahrscheinlichkeit
nach VO + Anbohrung signifikant niedriger als nach Anbohrung, unabhängig vom
präoperativen Ausmaß der Schädigung. Bei Therapie in präkollaptischen Stadien fand sich
keine Signifikanz.
Von den Risikofaktoren wie Übergewicht, Alkohol- und Nikotinabusus, Hyperlipidämie und
Cortisoneinnahme zeigte sich für Rauchen und Corticosteroide eine signifikant höhere
Reoperationswahrscheinlichkeit.
Der Schmerzverlauf über die Zeit zeigt, daß beide Therapieformen zunächst erfolgreich
waren. Mindestens 4 Monate postoperativ nahmen die Schmerzen jedoch wieder zu.
Nach Anbohrung waren zudem postoperativ mehr Patienten wegen anhaltender Schmerzen
unzufrieden als nach VO + Anbohrung, auch hielt die Schmerzlinderung in diesem Kollektiv
weniger lange an.
Nach Zufriedenheit befragt war keines der beiden Verfahren überlegen, unabhängig vom
präoperativ vorliegenden Röntgenstadium.
Die präoperative Ausdehnung der Nekrose spielte in unserem Kollektiv weder für Schmerzen
noch für die Notwendigkeit von Folgeoperationen noch für die Zufriedenheit eine Rolle.
Nach Anbohrung fand sich eine hohe Komplikationsrate von 10,6 %, wobei es neben
leichteren Komplikationen wie postoperativen Infektionen therapieunabhängig zu einem
Todesfall durch Herz-Kreislauf-Versagen unbekannter Ursache kam.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Anbohrung, in frühen, d.h. präkollaptischen
Stadien durchgeführt, dem aufwendigeren Verfahren der VO + Anbohrung gleichwertig und
in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit von Reoperationen, bzw. klinischem Versagen
signifikant erfolgreicher ist als die Anbohrung in postkollaptischen Stadien.
In postkollaptischen Stadien läßt sich mit der Anbohrung zwar noch eine Schmerzlinderung
erreichen, jedoch nicht ebenso dauerhaft wie mit einer VO + Anbohrung. Zudem zeigt sich
die VO + Anbohrung in postkollaptischen Stadien bezüglich Reoperation und klinischem
Mißerfolg gegenüber der Anbohrung signifikant überlegen.
Somit ist mit Kollaps des Hüftkopfes bei Hüftkopfnekrose eine zusätzliche
Umstellungsosteotomie indiziert.
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