Jens Reiß
Dr. med.
Plasmakonzentrationen von Katecholaminen und Katecholaminsulfaten als Parameter
der Gesamtsympathikusaktivität bei hochintensiver, intermittierender Belastung
Geboren am 18.12.1971 in Darmstadt.
Reifeprüfung am 14.6. 1991 in Konstanz.
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1992 bis WS 1998/99.
Physikum am 30.8. 1994 an der Universität Heidelberg.
Klinisches Studium in Mannheim, Montpellier.
Praktisches Jahr in Mannheim.
Staatsexamen am 27.5.1999 an der Universität Heidelberg.
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. Peter Bärtsch
Wegen der zentralen Rolle des sympathoadrenergen Systems bei der Herz- und
Kreislaufregulation sowie der Anpassung des Körpers an Belastungssituationen ist ein
Parameter, der präzise das Ausmaß der sympathoadrenergen Aktivierung über die gesamte
Dauer von Belastungen wiedergibt, von leistungsphysiologischen und
pathophysiologischem Interesse. In der Vergangenheit wurde versucht, die
Gesamtsympathikusaktivität über die Plasmaspiegel von Adrenalin (A) und Noradrenalin
(NA) zu beurteilen. Diese können aber wegen ihrer kurzen Halbwertszeit besonders eine
längerdauernde, nicht gleichförmige Aktivierung des sympathoadrenergen Systems nicht
zuverlässig widerspiegeln. Da freie Katecholamine (CA) in vivo in sulfatierte
Katecholamine (CA-S) umgewandelt werden, welche eine bedeutend längere Halbwertszeit
haben, können CA-S möglicherweise als Marker der Gesamtsympathikusaktivität über
einen größeren Zeitraum eingesetzt werden. Diese Hypothese wird durch das Verhalten der
Plasmaspiegel von CA und CA-S bei Phäochromozytompatienten unterstützt. In
sportphysiologischen Studien wurde nachgewiesen, daß Noradrenalinsulfat (NA-S) bei
kontinuierlichen Belastungen von der Belastungsintensität und der Belastungsdauer
abhängt und im Gegensatz zu freien CA die Gesamtsympathikusaktivität auch über eine
längere Nachbelastungsphase wiedergibt. In der vorliegenden Studie wird untersucht,
inwiefern sich diese Ergebnisse auf hochintensive, diskontinuierliche Belastungen
übertragen lassen, und wie sich CA und CA-S als mögliche Marker der
Gesamtsympathikusaktivität unter diesen Bedingungen verhalten.
Dies wurde für hochleistungsfähige Langsprinter anhand zweier simulierter
Intervalltrainingseinheiten getestet. Beide Trainingseinheiten wiesen bei unterschiedlichen
Belastungsprofilen die gleiche durchschnittliche Belastungsintensität auf. Die
Trainingseinheiten setzten sich zusammen aus zwei Serien von drei Sprints mit 85%vmax
und einer Serie von drei Sprints mit 95%vmax, wobei letztere Serie einmal am Anfang und
einmal am Ende der Belastung stand. CA und CA-S Plasmakonzentrationen wurden in
Ruhe, am Anfang und Ende der Belastungspausen und über eine zweistündige
Nachbelastungsphase mittels high performance liquid chromatography (HPLC) bestimmt.
Bei der Analyse von CA-S wurden im Gegensatz zu den meisten bisherigen Studien A-S
bzw. NA-S an Stelle von A bzw. NA als interne Standards verwendet.
Die Gesamtpulssumme und mittlere Herzfrequenz erwiesen sich entsprechend der in
beiden Trainingseinheiten gleichen durchschnittlichen Belastungintensität als gleich hoch.
Dies gestattete die Annahme eines vergleichbaren CA-Gesamtspillover. Die
Ruhekonzentrationen von CA und CA-S lagen im Bereich der in der Literatur angegebenen
Werte. Die Plasmaspiegel der CA waren signifikant höher nach der intensiveren Serie im
Vergleich zu den weniger intensiven Serien der gleichen oder der anderen Trainingseinheit
und lagen zwei Stunden nach Ende der Trainingseinheit wieder im Normbereich. Die
Plasmakonzentrationen der NA-S steigen während beider Trainingseinheiten von Serie zu
Serie an, waren am Ende bei der Trainingseinheit nicht signifikant verschieden und lagen
auch zwei Stunden nach Belastungsende noch signifikant über den Ausgangswerten.
Aus den Ergebnissen geht hervor, daß freie CA die Intensität der jeweils
vorausgegangenen Sprintserie widerspiegeln. Dies macht die freien CA unter den
Bedingungen dieser Studie zu einem Indikator kurzfristiger Intensitätsschwankungen. NA-
S dagegen reflektieren auch bei hochintensiven, diskontinuierlichen Belastungen die
Gesamtsympathikusaktivität: Die Anstiege der NA-S-Konzentrationen sind abhängig von
Belastungsintensität und Belastungsdauer und eine gleiche Gesamtbelastungsintensität
führt zu gleichen NA-S-Nachbelastungskonzentrationen.