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Tobias Schulze
Dr. med.
Kombinationswirkung von ionisierender Strahlung und Ifosfamid in vitro
Geboren am 06.05.1968 in Heidelberg
Reifeprüfung am 15.05.1987 in Heidelberg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1989/90 bis WS 1996/97
Physikum am 11.09.1991 an der Freien Universität Berlin
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Sinsheim
Staatsexamen 02.12.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Radiologie
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. rer. nat. K. J. Weber
Die kombinierte Behandlung maligner Tumoren mit Zytostatika und ionisierenden
Strahlen wird bei zahlreichen Krebsarten erfolgreich eingesetzt. Gute Ansprechraten
zeigten sich auch in einer parallel zu vorliegenden experimentellen Untersuchungen
zwischen 1994 und 1996 in Kooperation der Radiologischen Universitätsklinik
Heidelberg und der Thoraxklinik Heidelberg-Rohrbach durchgeführten Phase I/II-Studie
zur simultanen Radiochemotherapie beim lokal fortgeschrittenen, inoperablen nicht
kleinzelligen Bronchialkarzinom mit dem Zytostatikum Ifosfamid. Zu möglichen
Wechselwirkungen von ionisierenden Strahlen und dem zur Gruppe der Alkylantien
gehörenden Ifosfamid gibt es nur sehr wenige experimentelle Untersuchungen, da der
biologisch wirksame Metabolit 4-Hydroxyifosfamid erst nach Verstoffwechslung in der
Leber entsteht. Durch die Verfügbarkeit der prodrug4-Hydroperoxyifosfamid
(4HOOIF), das in wäßriger Lösung rasch zum aktiven Wirkstoff zerfällt, konnten die
vorliegenden zellulären und molekularen Studien durchgeführt werden.
Einerseits wurde das klonogene Überleben von vier exponentiell wachsenden Zellinien
(drei Tumorzellinien: Widr, Caski, MRI-H-221 und Lungenfibroblasten des Hamsters
V79) und von zwei Zellinien (Widr und V79) in unterschiedlichen Zellzyklusphasen nach
alleiniger 4HOOIF-Exposition und in Kombination mit Bestrahlung bestimmt.
Andererseits wurde mit Hilfe der Pulsfeld-Gelelektrophorese (PFGE) der Einfluß von
4HOOIF auf Induktion und rejoining von DNA-Doppelstrangbrüchen (DSB) untersucht.
Bei Bestimmung des klonogenen Überlebens nach alleiniger 4HOOIF-Behandlung zeigte
sich deutliche Toxizität ohne größere Unterschiede in allen Zellinien. Bei
synchronisierten Zellinien waren die S-Phase-Zellen am sensibelsten, entgegengesetzt der
Situation nach alleiniger Bestrahlung, bei der sich in der S-Phase die größte
Strahlenresistenz zeigt. Bei kombinierter Behandlung von 4HOOIF und ionisierenden
Strahlen zeigten sich für exponentiell wachsende Zellen und Zellen in der G1-Phase
additive Wirkungen, die Berechnung von Verstärkungsfaktoren (ER-Werte > 1) weist
jedoch auf Wechselwirkungen zwischen beiden Behandlungsmodalitäten hin, die über die
unabhängige klonogene Zellinaktivierung durch die einzelnen Modalitäten hinausgehen.
Für Zellen der S-Phase wurden eindeutig überadditive Wechselwirkungen zwischen
4HOOIF und ionisierenden Strahlen mit ER-Werten 1.50 nachgewiesen. Die Erklärung
für die strahlensensibilisierenden Effekte von 4HOOIF könnte in der Fixierung potentiell
letaler und subletaler Strahlenschäden liegen, bedingt durch reduzierte DNA-
Reparaturfähigkeit aufgrund von Wechselwirkungen der durch Ifosfamid und Bestrah-
lung verursachten DNA-Schäden. Dabei sind die relevanten DNA-Schadensmechanismen
vor allem strahleninduzierte DNA-DSB und durch DNA-Alkylierung bedingte 4HOOIF-
induzierte DNA-DNA-crosslinks (ISC) und DNA-Protein-crosslinks (DPC).
Die PFGE-Experimente zeigten erstmals eine ausgeprägte DNA-
Doppelstrangbruchinduktion durch 4HOOIF in Säugetierzellen. Die Betrachtung der
unterschiedlichen DNA-DSB-Raten in beiden untersuchten Zellinien - für V79 ca. um
den Faktor 2.5 höher als für Widr -, die sich nicht in den Überlebensraten widerspiegeln,
legt die Vermutung nahe, daß die 4HOOIF-induzierten DNA-DSB nicht die primär für
den Zelltod verantwortlichen DNA-Schäden sind. Weiterhin zeigte sich eine deutlich
langsamere Reparaturkinetik für 4HOOIF-induzierte DNA-DSB, im Vergleich zur
Reparatur strahleninduzierter DNA-DSB, die der Reparaturkinetik von ICS und DPC
entsprach. Daher wurden die in der PFGE gemessenen DNA-DSB als sekundäre, im
Rahmen der Reparatur von ISC und DPC entstandene Läsionen interpretiert.
Die Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen zeigen, ebenso wie die parallel
durchgeführte Phase I/II-Studie zur simultanen Radiochemotherapie mit Ifosfamid beim
inoperablen, nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom, eine hohe antitumorale Wirksamkeit
der kombinierten Anwendung von Ifosfamid und Bestrahlung.