Ines Julia Zurbrüggen
Dr. med.
Vergleichende Untersuchung der natriuretischen Wirksamkeit von
intravenösem Furosemid mit und ohne intravenöser Gabe von Albumin bei
Patienten mit nephrotischem Syndrom
Geboren am 20.10.1970 in Gütersloh
Reifeprüfung am 22.05.1990 in Oelde, NRW
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1990 bis SS 1997
Physikum am 01.10.1992 an der Ruhr-Universität Bochum
Klinisches Studium bis September 1993 in Bochum, ab WS 1993 in Heidelberg
Praktisches Jahr in Rom/Italien, Paris/Frankreich und Heidelberg
Staatsexamen am 12.05.1997 an der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Eberhard Ritz
Bei Patienten mit nephrotischem Syndrom ist der natriuretische Effekt von
Furosemid aufgrund verschiedener infrarenaler Mechanismen vermindert. Die
Wirkung einer Kombinationstherapie von Furosemid und Albumin zur Erhöhung der
Ansprech-barkeit des Diuretikums wird seit Jahren aufgrund widersprüchlicher
Ergebnisse und Beobachtungen kontrovers diskutiert. Man geht davon aus, daß
aufgrund der vorliegenden Hypalbuminämie nur ein verminderter Anteil der sonst
möglichen Furosemidmenge in das Lumen der aufsteigenden Henleschen Schleife
sezerniert wird, wo es - in Abhängigkeit der vorhandenen Konzentration - die
Natriumchlorid-resorption blockieren kann. Darauf basiert die Annahme, die
Wirkung von Furosemid durch gleizeitige Gabe von Albumin steigern zu können.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie verglichen wir die Natrium- und
Urinvolumenausscheidungen von Patienten mit nephrotischem Syndrom (n = 9; 3 w,
6 m; 48 ± 4 Jahre) von drei Untersuchungstagen, an denen nach randomisierter
Reihenfolge über 60 Minuten die folgenden Veruminfusionskombinationen
verabreicht wurden:
I. 60 mg Furosemid mit einer Placeboinfusion,
II. 60 mg Furosemid mit 200 ml einer 20%igen Humanalbuminlösung und
III. eine Placeboinfusion mit 200 ml einer 20%-igen Humanalbuminlösung.
Urinvolumen, Natrium, Albumin und Furosemid-Ausscheidung, renale
Hämodynamik und die Konzentration des atrialen natriuretischen Faktors (ANF)
wurden bestimmt.
Alleinige Furosemidgabe ließ signifikant (p<0,01) die mittlere kumulative Natrium-
ausscheidung auf 259 ± 30 mmol und die Volumenausscheidung auf 2684 ± 167 ml
in den ersten acht Stunden ansteigen im Vergleich zur alleinigen Humanalbumingabe
(118 ± 12 mmol; 1827 ± 141 ml). Die Verabreichung der Kombinationstherapie von
Furosemid und Albumin verursachte einen noch deutlicheren Anstieg im Vergleich
zur bloßen Albumingabe (p<0,01) mit einer durchschnittlichen Salzausscheidung von
312 ± 28 mmol und Volumenausscheidung von 3230 ± 201 ml. Der Unterschied zur
alleinigen Furosemidgabe war ebenfalls signifikant (p<0,05).
Plasma-ANF, Serumalbuminkonzentration und Albuminsalzausscheidung stiegen
ebenfalls an beiden Humanalbumininfusionstagen signifikant an, während die
Furosemidausscheidung durch zusätzliche Albumingabe nicht beeinflußt wurde. Die
glomeruläre Filtrationsrate (Cin) zeigte sich unverändert bei allen Infusions-
protokollen, aber der effektive renale Plasmafluß (CPAH) stieg signifikant nach
Humanalbumingabe an. Zusätzlich ist zu erwähnen, daß an den Tagen, an denen
Humanalbumin gegeben wurde, die proximale tubuläre Natriumausscheidung
signifikant fiel.
Unsere Studie zeigt, daß die intravenöse Humanalbumingabe die Wirkung von
Furosemid bei Patienten mit nephrotischem Syndrom mäßig steigern kann. Dieser
Effekt wird durch Veränderungen in der renalen Hämodynamik vermittelt, die mit
einer Verminderung der proximalen Natriumrückresorption einhergehen.