Peter Willems
Dr.med.
Funktionelle Ergebnisse nach Knieendoprothesenwechsel
Eine klinische und radiologische Untersuchung
Geboren am 17.08.1956 in Völklingen
Reifeprüfung am 24.05.1977
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1979 bis WS 1985
Physikum am 22.05.1981 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Ludwigsburg
Staatsexamen am 26.04.1985 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Orthopädie
Doktorvater: Priv. Doz. Dr. med. Lukoschek
Dargestellt werden in dieser Studie die Ergebnisse von 54 Kniegelenks-
wechseloperationen, die zwischen Dezember 1982 und März 1995 an der
Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt wurden. 35 von
54 Patienten konnten klinisch nachuntersucht werden, 19 weitere Patienten
beantworteten postalisch einen Fragebogen.
Die Ursache für den Prothesenwechsel war in den meisten Fällen eine
aseptische Lockerung (75,9% der Fälle). Infektion (11,1%), Materialbruch
(9,3%), therapieresistente Schmerzen (1,9%) und Lockerung nach Trauma
(1,9%) waren weitere Gründe für einen Prothesenwechsel. Es wurden drei
unterschiedliche Prothesenmechaniken verwendet, die Schlittenprothese, die
Totalkondylarprothese und die achsgeführte Prothese. Sowohl bei der
Primärimplantation, als auch beim Prothesenwechsel bestand hinsichtlich
der OP-Indikationen und der Altersverteilung zwischen den verschiedenen
Prothesenmodellen kein Unterschied.
Die klinische Untersuchung zeigte, daß die gewechselten Gelenke stabil
waren und eine Beugung von durchschnittlich 85° möglich war.
Nach der Wechseloperation waren die funktionellen Ergebnisse, wie
Gehstrecke, Treppensteigen und die Alltagsaktivitäten besser als vor der
Erstimplantation der Prothese und vor der Wechseloperation. Auch die
Schmerzen und Analgetikaeinnahme waren nach der Wechseloperation
signifikant geringer. Nach dem Knee Society Score sind 17,1% der Fälle als
sehr gut, 40,0% als gut, 14,3% als ausreichend und 28,6% als schlecht
einzustufen.
Als überraschendes Ergebnis der Studie fanden sich deutliche Unterschiede
im funktionellen Ergebnis und der Schmerzlinderung je nach Art des
primären Prothesenimplantats. So waren die Ergebnisse bei den Fällen,
denen primär eine achsgeführte Prothese implantiert worden war schlechter
als bei einer totalkondylären Prothese als primärem Prothesenmodell.
Dieser Unterschied im Ergebnis findet sich in fast allen untersuchten
Parametern, so daß vor einer primären Knieendoprothetik mit achsgeführter
Mechanik gewarnt werden muß, da die Rückzugsmöglichkeiten (der
Wechsel) deutlich schlechtere Ergebnisse tätigt als die primäre Total-
kondylarprothese. Auch der Kniescore objektiviert diese Beobachtung. Beim
Wechsel von einer totalkondylären auf eine totalkondylären Prothese lag der
durchschnittliche Wert des Scores mit 82,1 am höchsten. Deutlich schlechter
war das Ergebnis bei einem Wechsel von einer achsgeführten Prothese auf
eine achsgeführten Prothese (70,3 Punkte).
Die radiologische Beurteilung zeigt, daß der Prothesen-Tibiaschaftwinkel,
der durch Zusammensinterung und Resorption des knöchernen Lagers und
verkippt eingebrachte Implantate pathologische Werte annimmt, nach der
Wechseloperation mit Durchschnittswerten von 89,3° fast den Idealwert von
90° erreicht.
Zusammenfassend führt der Knieendoprothesenwechsel zu einer deutlichen
Besserung der Lebensqualität der Patienten. Eine primäre Knieendoprothese
mit achsgeführten Modellen, wie immer noch empfohlen, ist im Hinblick
auf die schlechten Wechselergebnisse mit äußerster Zurückhaltung zu
betrachten.