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Friederike Heidemarie von Weyhe
Dr. med.
Regulation der Parathormon-related Protein (PTHrP) Sekretion durch Steroide,
Zytokine und ein Schwermetallsalz beim Walker Karzinosarkom (WCS) 256
Geboren am 15.05.1971 in Marburg a. d. Lahn
Reifeprüfung am 18.06.1990 in Marburg a. d. Lahn
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1993 bzw. WS 1990/91 bis SS 1997
Physikum am 22.03.1993 an der Universität Freiburg i. Breisgau
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 10.11.1997 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. F. Raue
Die humorale Tumorhyperkalzämie, deren Auslöser in den meisten Fällen Parathyroid
Hormone-related Peptide (PTHrP) ist, stellt als paraneoplastisches Syndrom eine
Komplikation maligner Erkrankungen dar, die sich durch weitgehende Therapieresistenz
auszeichnet. Dabei stimulieren zirkulierende Substanzen wie das PTHrP Osteoklasten und
renale Kalziumreabsorption und erhöhen so den Serum-Kalziumspiegel.
Zur Erforschung des Syndroms der humoralen Tumorhyperkalzämie gibt es mehrere
Tiermodelle, darunter das Walker Karzinosarkom 256 (WCS 256) der Ratte, bei dem PTHrP
nachgewiesenermaßen die Ursache der Hyperkalzämie ist.
In der vorliegenden Arbeit wurden folgende Substanzen in ihrem Einfluß auf die Proliferation
und die PTHrP-Sekretion von WCS-Zellen untersucht: 1,25-(OH)2D3 und eines seiner neueren
Analoga, das EB1089; außerdem die drei Zytokine IGF-1, EGF und bFGF, Galliumnitrat
sowie polyklonale und ein monoklonaler Antikörper.
Obwohl beim WCS 256 in vivo bereits ein antiproliferativer Effekt von EB1089
nachgewiesen worden war, konnte in vitro kein Einfluß auf Zellzahl oder DNA-Synthese
beobachtet werden. Auf die PTHrP-Sekretion zeigten jedoch sowohl EB1089 als auch 1,25-
(OH)2D3 in vitro und in vivo keinen Einfluß. Sie stimulieren aber hier die Bildung von
PTHrP-mRNA. Es ist davon auszugehen, daß WCS-Zellen Vitamin D Rezeptoren besitzen.
Möglicherweise benötigen WCS-Zellen für eine antiproliferative Wirkung die Anwesenheit
weiterer Faktoren, die in vivo gegeben sind. Die Umsetzung der PTHrP-mRNA in PTHrP-
Produktion unterbleibt aus noch nicht bekannten Gründen.
Von den Zytokinen zeigte lediglich IGF-1 in den höheren Konzentrationen einen hemmenden
Einfluß auf Zellproliferation und PTHrP-Produktion auf Transkriptionsebene. Es ist aufgrund
seines anabolen und osteotropen Potentials eine vielversprechende therapeutische Möglichkeit
zur Behandlung der humoralen Tumorhyperkalzämie.
Durch EGF und bFGF ergaben sich keine signifikanten Einflüsse auf die Proliferation und die
PTHrP-Produktion bzw. -Sekretion von WCS-Zellen. Es ist nicht auszuschließen, daß diese
Zellen keine entsprechenden Rezeptoren besitzen.
Galliumnitrat, welches in vitro und in vivo die Aktivität von Osteoklasten hemmt und sich
darüber hinaus in soliden Tumoren anreichert, zeigte auf das WCS 256 eine signifikante,
dosisabhängige Reduktion der Proliferationsrate, DNA-Synthese und der PTHrP-Produktion
bzw. -Sekretion. Unter Beachtung der renalen Nebenwirkungen in höheren Dosen erscheint
diese Substanz interessant für den klinischen Einsatz.
PTHrP - ein für viele Zellen autokrines und/oder parakrines Wachstumshormon und ein
Differenzierungsfaktor - scheint keinen signifikanten Einfluß auf die Proliferation und DNA-
Sythese von WCS-Zellen zu haben; es sei denn es wirkt intrakrin. In dem Fall, daß PTHrP
nicht zur Wachstumsregulation beiträgt, würde dies für einen sehr niedrigen
Differenzierungsgrad der Zellen sprechen. Eventuell waren die hier verwendeten Antiseren
und Antikörper jedoch nicht in der Lage, das tumorspezifische Spektrum sezernierter PTHrP-
Formen abzudecken.
Die hier vorliegenden Ergebnisse sprechen für eine konstitutive Sekretion von PTHrP beim
WCS 256, denn keine der getesteten Substanzenführte zu einer Dissoziation von PTHrP-
Produktion und -Sekretion.