Carsten Jerrit Weiß
Dr. med.
Der Classic Nagel nach Richards in der Therapie proximaler Femurfrakturen in
einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Eine prospektive klinische
Studie
Geboren am 07.10.1957
Reifeprüfung am 10.06.1976 in Ravensburg
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1981 bis SS 1986
Physikum am 22.03.1983 an der Universität Frankfurt am Main
Klinisches Studium in Frankfurt am Main
Praktisches Jahr in Hanau
Staatsexamen am 29.04.1987 an der Universität Frankfurt am Main
Promotionsfach: Chirurgie
Doktorvater: Prof. Dr. med. A. Quentmeier
Bei der Versorgung per- und subtrochanterer Femurfrakturen haben sich verschiedene
Osteosyntheseverfahren bewährt. Der seit 1992 zur Verfügung stehende Classic Nagel nach
Richards (IMHS) ist ein bisher nur wenig beschriebenes Osteosyntheseverfahren, das sich
gegenüber den anderen, vergleichbaren Implantaten in bestimmten Modifikationen, wie der
Möglichkeit einer unaufgebohrten Implantation, unterscheidet. Die operativen und
funktionellen Ergebnisse wurden im Rahmen einer prospektiven Studie erfaßt und mit den
Ergebnissen anderer Osteosyntheseverfahren verglichen.
Die im Zeitraum vom 01.11.1993 bis 31.12.1996 am St. Josefskrankenhaus, Heidelberg,
osteosynthetisch versorgten 85 Patienten (16 männlich, 69 weiblich, Durchschnittsalter
82,3 Jahre) wurden 6 - 34 Monate (durchschnittlich 11,3 Monate) p. op. nachuntersucht.
Der Erfassungsgrad der Patienten zum Nachuntersuchungszeitpunkt betrug 94,2 %.
Anhand eines nach Sanders und Regazzoni modifizierten Scores wurde der Status der
Patienten zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung mit dem präoperativen Zustand verglichen.
Im Vergleich zu ähnlichen Untersuchungen und anderen Implantaten ist das untersuchte
Patientenkollektiv älter und von mehr Begleiterkrankungen betroffen.
Intraoperative Komplikationen traten in 10,6 % der Fälle auf. Operationstechnische
Komplikationen waren z.B. Femurschaftfissuren (4,7 %). Die Rate der intraoperativen,
implantatabhängigen sowie postoperativen Komplikationen war mit je 2,4 % gering. Die
mit 1,2 % niedrige Infektionsrate läßt sich mit der kliniksinternen Zielsetzung, den
Marknagel minimal invasiv und damit ohne Aufbohren einzubringen, erklären. Die
niedrige Zahl von drei verantwortlichen Operateuren trug möglicherweise zu diesem
Ergebnis bei. Die stationäre Letalität betrug 10,6 %. Die in der Literatur angegebenen
Komplikationsraten anderer intramedullärer Implantate sind vergleichsweise höher.
Die ½ Jahres Letalität betrug 38,8 %. Die Ergebnisse der Nachuntersuchung zeigen, daß
65 % der Patienten ihren prätraumatischen Zustand wieder erreichen konnten. Die anderen
35 % Patienten verschlechterten sich um ein bis zwei Wertungsstufen. Besonders in der
Beurteilung der Kriterien Gang und Schmerz traten Einbußen auf. 50 % der Patienten
erreichten die präoperative Gehfähigkeit. Bei 59 % der Patienten bestanden anhaltende, erst
nach dem Unfall und der Osteosynthese aufgetretene Schmerzen.
Die statistische Auswertung zeigte keine wesentlichen Einflüsse patientenspezifischer
Ausgangsparameter wie u.a. Alter, Geschlecht, Frakturtyp, Begleiterkrankungen,
Komplikationen und Dauer des stationären Aufenthalts auf das Gesamtergebnis. Bei der
Betrachtung der Einzelkriterien des Scores konnte jedoch ein signifikant negativer Einfluß
(p < 0,05) des Patientenalters und Frakturtyps auf das Gehvermögen ermittelt werden. Das
heißt, je älter die Patienten und je instabiler die Fraktur war, desto schlechter war das
Gehvermögen zum Nachuntersuchungszeitpunkt.
Die IMHS stellte sich in der vorliegenden Untersuchung als ein universell einsetzbares,
leistungsstarkes und dabei komplikationsarmes Verfahren zur unaufgebohrten,
belastungsstabilen osteosynthetischen Versorgung pertrochanterer Frakturen dar. Dabei
wies sie den günstigsten Preis in der Gruppe der intramedullären Systeme auf. Sie stellt
eine ernsthafte Alternative in der Behandlung pertrochanterer Femurfrakturen dar.