scieee Science in your language
[de] (orig) [fr]
Eckart Wallis
Dr. med
Klassisch-Homöopathische Behandlung männlicher Fertilitätsstörungen
Geboren am 30.09.1958 in Kiel
Reifeprüfung am 07.06.1977 in Ludwigshafen/Rh.
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1992 bis WS 1997/98
Physikum am 28.03.1994 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Mannheim/Heidelberg
Praktisches Jahr in Mannheim
Staatsexamen am 14.05.1998 an der Universität Mannheim/Heidelberg
Promotionsfach: Frauenheilkunde
Doktormutter: Frau Prof. Dr. med. I. Gerhard
Die vorliegenden Arbeit stellt eine Pilotstudie zum Thema klassisch
homöopathische Therapie bei männlichen Fruchtbarkeitsstörungen dar. Von März
1993 bis Dezember 1995 wurden 45 subfertile Männer durchschnittlich 10.3
Monate (6-21.5 Monate) mit homöopathischen Einzelmitteln unter
Spermiogrammkontrolle behandelt.
Zu den Eingangsvoraussetzungen zählten zwei aktuelle pathologische
Spermiogramme, ein >2 Jahre bestehender unerfüllter Kinderwunsch, ein
mindestens dreimonatiges therapiefreies Intervall, der Ausschluß schwerer
Allgemeinerkrankungen und toxischer Einflüsse sowie die Patientenzustimmung.
Als Hauptzielvariablen wurden Spermiendichte, Propulsivmotilität und die daraus
berechnete Dichte gut propulsiv beweglicher Spermien gewählt. Zu den
Begleitkriterien zählten Verbesserungen anderer Spermiogrammvariablen, der
Hormonwerte und der Begleitbeschwerden sowie die Schwangerschaftsrate,
Drop-out Rate und Akzeptanz. Die Therapiedauer betrug mindestens sechs
Monate, wobei im 6-Monatsspermiogramm keine Unterschiede der
Spermiogrammveränderungen feststellbar waren zwischen den Patienten, die
sechs Monate und jenen, die länger behandelt wurden.
Die Eingangsuntersuchung umfaßte das homöopathische Erstgespräch, eine
andrologische und eine Umweltanamnese. Die Behandlungen erfolgten im
Abstand von vier bis acht Wochen, die Spermiogrammkontrollen im Abstand von
drei Monaten.
52 der 82 Männer, die wegen Fertilitätsstörungen vorstellig wurden, konnten in
die Studie aufgenommen werden. sieben Patienten brachen die Behandlung
vorzeitig ab.
Das Durchschnittsalter der 45 subfertilen Männer betrug 35.5 Jahre, das der
Partnerinnen 33 Jahre, wobei 40 % der Frauen selbst behandlungsbedürftige
Fertilitätsstörungen aufwiesen. Die Paare litten im Mittel seit 4.3 Jahren an
einem unerfüllten Kinderwunsch
75.6 % der Männer wurden wegen Fruchtbarkeitsstörungen im Durchschnitt
bereits 11.8 Monate andrologisch therapiert, zusätzlich bestanden bei 66.7%
Vorerkrankungen der Genitalorgane.
Die Anamnese erbrachte in 75.6 % Amalgamzahnfüllungen (durchschnittlich
neun Stück), in 73.3 % regelmäßigen Alkoholkonsum ( Durchschnitt: 50 g/d), in
24.4% der Patienten einen durchschnittlichen Tageskonsum von 11 Zigaretten
und in 88.9% regelmäßigen Kaffee-/Teekonsum (durchschnittlich 0,75 l/d).
Für die Zielvariablen Spermiendichte, Gute Progrssivbeweglichkeit und Dichte
gut beweglicher Spermien wurde die prozentuale Differenz zwischen den
Ausgangswerten und den Kontrollmessungen der einzelnen Therapiezeitpunkte
berechnet und mit dem Wilcoxontest für abhängige Stichproben geprüft. Die
Angaben beziehen sich aufgrund der Verteilung jeweils auf den Median.
Die gefundenen Unterschiede können nur Hinweise auf mögliche Effekte sein,
die angegebenen p-Werte haben deskriptiven Charakter.
Im Beobachtungszeitraum fand sich für das Gesamtkollektiv im Vergleich zu den
Spermiogrammwerte vor der Therapie ein deutlicher Anstieg der Variablen
Spermiendichte, Progressivbeweglichkeit und der daraus berechneten Dichte gut
beweglicher Spermien, mit einem Maximum nach 12 Monaten.
Die Progressivmotilität und die Spermiendichte bildeten die Schwerpunkte der
Spermiogrammpathologie dieses Kollektivs. In den diagnostischen Untergruppen
mit OA-Syndrom (n=27), schwerem OA-Syndrom (n=20) und isolierter
Asthenozoospermie (n=18) fand sich der ausgeprägteste Anstieg für die
jeweiligen pathologischen Ausgangsgrößen.
Die Variablen Morphologie und Seminalvolumen wiesen im Gesamtkollektiv
keine wesentlichen Veränderungen auf, wobei für das Seminalvolumen aufgrund
normaler Ausgangswerte kein Behandlungsbedarf bestand. Von 7 Patienten mit
erniedrigter Ausgangsmorphologie normalisierten sich bei 3 Patienten die Werte
unter der Therapie. Die Werte der Spermienvitalität des Gesamtkollektivs zeigte
erst zum Zp 12 Monate einen Anstieg, während die Gruppe der Männer mit
erniedrigter Ausgangsvitalität der Spermien einen Anstieg der Spermienvitalität
über den gesamten Zeitraum erkennen ließ.
Bei der Untergruppenanalyse fand sich eine geringere Steigerung der Dichte gut
propulsiv beweglicher Spermien nach sechs Monaten bei Rauchern, Patienten mit
>5 Amalgamzahnfüllungen, bei einer Exposition gegenüber Chemikalien,
Strahlen, Hitze und Lärm am Arbeitsplatz, bei regelmäßigem Alkoholkonsum
>30g/d, bei Patienten mit entzündlichen Vorerkrankungen der Genitalorgane und
pathologischen Prolaktinausgangswerten. Dagegen konnte für die Gruppe
oberhalb der 50. Perzentile der Kinderwunschdauer (>4 Jahre) sowie die
Patientengruppe, in der Schwangerschaften eintraten, ein ausgeprägterer Anstieg
gegenüber den entsprechenden Vergleichsgruppen beobachtet werden. Die
Überprüfung des Einflusses der genannten anamnestischen Faktoren auf die
Dichte guter Progressivbeweglichkeit mittels multivariater Regressionsanalyse
ließ keine wesentlichen Unterschiede erkennen.
Die Begleitbeschwerden waren, gemessen am Median der prozentualen
Veränderung, über die gesamte Therapiedauer rückläufig. Das Maximum der
Veränderung lag bei sechs bzw. neun Monaten und trat somit früher auf als das
der Spermiogrammwerte.
Bei der Analyse der Hormonwerte fiel eine Normalisierung erhöhter FSH- und
Estrogenwerte auf. Ein Prolaktinanstieg, der mit einem Anstieg der
Spermienbeweglichkeit positiv korrelierte, ließ sich aus der Untersuchung nicht
erklären.
Von den acht Schwangerschaften (17.8 %), die während der Behandlungsphase
bei sieben Paaren eintraten, führten fünf zur Geburt von sechs gesunden Kindern
und drei zu Fehlgeburten. Die eher niedrige Schwangerschaftsrate war aufgrund
der sehr unterschiedlichen gynäkologischen Voraussetzungen schwer zu
beurteilen.
Es kamen insgesamt 26 verschiedene homöopathische Mittel zur Anwendung, die
nach dem Gesamtbild der individuellen Symptome gewählt wurden. Die am
häufigsten verordneten Mittel sind den homöopathischen Polykresten
zuzurechnen, sodaß sich keine bewährten Mittel benennen ließen. Nach Lage des
Falls wurden die Mittel in unterschiedlichen Potenzstufen verschrieben mit einem
Schwerpunkt bei den LM-Potenzen. Bei einigen Patienten mußten die Mittel
aufgrund intercurrierender Erkrankungen und homöopathischer "Erstreaktionen"
häufiger gewechselt werden.
Die Akzeptanz dieser gesprächsintensiven Therapie wurde als gut und die
Verträglichkeit der Medikamente als sehr gut beurteilt. Es traten unter der
Behandlung keine neuen Beschwerden auf. Die kurzzeitigen Verschlechterungen
der Begleitbeschwerden wurden als homöopathische Erstreaktionen gewertet.
In der vorliegenden Studie konnte ein deutlicher Anstieg der Spermiendichte und
Motilität unter homöopathischer Behandlung beobachtet werden. Inwieweit die
nachgewiesenen Effekte Wirkungen der homöopathischen Therapie sind, kann
mit dieser Pilotstudie nicht geklärt werden. Grundsätzlich sind beispielsweise ein
positiver Einfluß der umfassenden Auseinandersetzung mit der persönlichen
Problematik alleine sowie Placebowirkungen denkbar. Zur weiteren Überprüfung
der Wirksamkeit der homöopathischen Therapie bei männlichen
Fertilitätsstörungen scheint es aufgrund der vorliegenden Ergebnisse sinnvoll
eine randomisierte therapiekontrollierte klinische Studie im Parallelgruppen-
Design mit dem Hauptzielkriterium Dichte propulsiv beweglicher Spermien
über neun Monate durchzuführen (138 Patienten pro Gruppe mit
###
=0.05 und
###
=0.1 bei einem Unterschied der Erwartungswerte von mindestens 1/4
Standardabweichung und einer Standardabweichung von 6.75 Mill/ml;
relevanter Therapieunterschied: eine durchschnittlich um 2 Mill/ml größere
Dichte gut beweglicher Spermien).