Bettina Utz
Dr. med.
Untersuchung der Nutzung von Partogrammen und Einführung eines vereinfachten
runden Partogramms in der Provinz Seno, Burkina Faso, West-Afrika.
Geboren am 16.08.1969 in Rastatt
Reifeprüfung am 9.05.1989 in Baden-Baden
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1989/90 bis WS 1996/97
Physikum am 6.09.1991 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Bruchsal und Ouagadougou (Burkina Faso)
Staatsexamen am 6.11.1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Frauenheilkunde
Doktorvater: Prof. Dr. med. Dr. h. c. G. Bastert
Im Rahmen dieser Studie wurden methodische und personelle Aspekte der Nutzung von
Geburtsverlaufsdokumentationen (Partogrammen) näher beleuchtet. Nach einer dreitägigen
Fortbildung wurde unter kontinuiericher Supervision ein vereinfachtes rundes Partogramm,
bestehend aus einem Partogrammformular und einer Plastikschablone (DIAL: dilatation
indicator for the assessment of labour) in die Entbindungseinrichtungen ländlicher
Gesundheitsposten der im Norden Burkina Fasos gelegenen Sahelprovinz Seno eingeführt und
während einer Zeitspanne von drei Monaten angewandt. Anschließend erfolgte die
Untersuchung der Akzeptanz des runden Partogramms durch das geburtshilflich tätige
Personal.
Es zeigte sich, daß ein großer Teil des geburtshilflichen Personals Schwierigkeiten mit dem
Ausfüllen des landesüblichen rechteckigen Partogramms hatte. Durch die Nutzung des runden
Partogramms in den peripheren Einrichtungen konnte eine regelmäßige intrapartale
Überwachung der Kreisenden erreicht werden. Die im eckigen Partogramm begangenen
Fehler (falscher Transfer von Latenzphase in aktive Phase, Definition des Startpunktes)
konnten durch die modifizierte Uhrform und die Einführung der drehbaren Plastikschablone
vermieden werden. Eine Angabe der fetalen Herztöne als vorhanden oder nicht vorhanden
resultierte in einer guten Dokumentation dieser Parameter, was auch für die Nennung, ob es
sich um eine Lebend- oder Totgeburt handelt, zutraf. Die Funktion des Partogramms als
Entscheidungshilfe (Verlegung der Schwangeren in das Referenzzentrum) war zwar
theoretisch bekannt, jedoch wurden die gemäß Partogramm indizierten Verlegungen nach
Überschreiten der Achtungs- und Aktionslinie oft nicht in die Praxis umgesetzt. Da die
Mehrzahl der Schwangeren nach Überschreiten der Achtungslinie im landesüblichen
rechteckigen Partogramm vaginal entbunden wurde, fehlte seitens des Personals häufig die
Überzeugung von der Notwendigkeit einer Überweisung. Um unnötige Verlegungen zu
vermeiden, fand sich im runden Partogramm ein späterer Beginn der Achtungs- und
Aktionslinien. Während der Nutzung des runden Partogramms stieg die Zahl der Verlegungen
sub partu in das Referenzkrankenhaus von acht auf 12.
Mit der Anwendung des Partogramms konnte weder die Totgeburtenrate nachweislich
verringert werden, noch trat eine statistisch signifikante Veränderung der Sectiorate auf.
Das runde Partogramm wurde von 85,7% der Partogrammanwender dem eckigen Partogramm
vorgezogen, was vor allem in seiner einfachen Handhabung und leichten Verständlichkeit
begründet lag.
Trotz einiger aufgetretener Probleme, wie der mögliche Verlust der Plastikschablone, die
Eintragung des Blasensprunges und der APGAR-Werte, ist die Idee des runden Partogramms
als ein Weg zum besseren Verständnis und verbesserter Anwendung der Partogramme,
besonders durch weniger ausgebildetes Hilfspersonal in peripheren Gesundheitsposten,
anzusehen. Es hat sich gezeigt, daß im Falle einer regelmäßigen Supervision und Fortbildung
das runde Partogramm ein nützliches Utensil sein kann.