Elke Such
Dr. med.
Quantitative elektroenzephalographische Parameter als Prädiktoren der
Schlafentzugsresponse bei Patienten mit Major Depression
Geboren am 29.01.1968 in Warstein
Reifeprüfung am 14.05.1987 in Rüthen
Physikum am 01.04.1993 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Mannheim
Praktisches Jahr in Mannheim
Staatsexamen am 08.05.1998 an der Universität Heidelberg/Mannheim
Promotionsfach: Psychiatrie
Doktorvater: Prof. Dr. med. H.A. Kick
Die biologischen Mechanismen der raschen antidepressiven Wirksamkeit des totalen
Schlafentzuges (SE) bei Patienten mit endogener Depression sind noch nicht hinreichend
geklärt. Rein klinische Prädiktoren, die die Response auf SE vorhersagen können und
somit über die Subtypisierung und Differenzierung von Depressiven eine spezifische und
adäquate antidepressive Therapie ermöglichen, sind unzureichend. Vor diesem Hintergrund
war das Ziel der vorliegenden Studie, bestimmte EEG-Parameter auf ihre prädiktive
Eignung im Hinblick auf SE-Response bei Depressiven zu prüfen, und die Unterschiede
zwischen SE-Respondern und Non-Respondern vor und nach SE zu analysieren.
26 stationäre Patienten wurden im Rahmen dieser Studie untersucht, davon waren zwanzig
Patienten ICD 9: 296.1 und sechs Patienten ICD 9: 296.3. Eine Besserung des Hamilton-
Tagesmittelwertes von 30% wurde als Response definiert. Am Tag vor totalem SE und an
den Tagen 1 und 2 nach SE wurden bei allen Patienten EEG-Läufe aufgezeichnet.
Einbezogen wurden die spektralanalytisch ermittelten EEG-Parameter: Centroid, Power,
Frequenzstreuung und interhemisphärische Kohärenz.
Geprüft wurden vor diesem Hintergrund 1. die Unterschiede bezüglich der EEG-Parameter
bei Patienten mit und ohne positiver SE-Response (Gruppeneffekt), 2. die Modulationen
die durch SE-Therapie in der Gesamtgruppe im EEG sichtbar wurden (Zeiteffekt), sowie 3.
die verschiedenartigen Reaktionen von SE-Respondern bzw. Non-Respondern im EEG auf
SE (Interaktion).
Am Tag vor dem Schlafentzug konnten für folgende EEG-Parameter signifikante
Gruppenunterschiede gefunden werden: Centroid (Alpha, Delta), Frequenzstreuung (Delta,
Total) und Kohärenz (Alpha, Beta, Delta, Theta, Total). Insbesondere im Alpha-Spektrum
war der Grad der Response (relative Änderung des Hamilton-Tagesmittelwertes) auf SE
mit dem Centroid über frontalen Ableitpunkten vor SE signifikant negativ korreliert. Für
das Centroid im Delta Spektrum konnten im Bereich frontaler-, zentraler- und temporaler
Ableitpunkte signifikant positive Korrelationen zum Grad der Response gemessen werden.
In Bezug auf die Frequenzstreuung bestand im Delta-Spektrum eine signifikant positive
und im Gesamtfrequenzspektrum eine signifikant negative Korrelation im Bereich frontaler
Elektroden. Für alle untersuchten Frequenzbänder zeigten sich zwischen der
interhemisphärischen Kohärenz und der SE-Response signifikant positive Korrelationen.
Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Studie in Bezug auf die
Differenzierungsmöglichkeiten Depressiver durch das EEG, als nicht invasives und leicht
reproduzierbares Verfahren, stellen für die Zukunft, auf der Grundlage der hier einbezogen
EEG-Parameter, ein aussagekräftiges Prädiktionsinstrument in Aussicht.