Marcus Steiner
Dr. med.
Karl von Pfeufer (1806–1869) – Biographie und Ergographie
Geboren am 14.08.1965 in Berlin
Reifeprüfung am 23.05.1985 in Heilbronn
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1987/88 bis SS 1994
Physikum am 31.08.1989 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg / Pompables (Schweiz)
Staatsexamen am 01.12.1994 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Geschichte der Medizin
Doktorvater: Prof. Dr. med. Wolfgang U. Eckart
Mit der Arbeit versuchte der Verfasser, ein Bild des Bamberger Arztes Karl von Pfeufer zu
erstellen. Drei Gesichtspunkte fanden hierbei besondere Beachtung:
Den Anfang bildete die Biographie Pfeufers, wobei das Gewicht auf die acht Jahre gelegt
wurde, die Pfeufer in Heidelberg lehrte. Es wurde aufgezeigt, daß mit der Berufung von Jakob
Henle und Pfeufer ein neuer Geist in die überalterte Universität einzog. Die Reformbestre-
bungen der beiden jungen Professoren scheiterten jedoch an den konservativen älteren Kolle-
gen und wurden überdies durch die nach der niedergeschlagenen Revolution von 1848/49
wiedererstarkte Reaktion zunichte gemacht. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich
anderswo neue Wirkungskreise suchte.
Einen wichtigen Teil der Untersuchung nahm die Analyse der politischen Aussagen Pfeufers
ein. Dies ist in zweifacher Hinsicht interessant: Erstens war das 19. Jahrhundert durch wichti-
ge politische Ereignisse gekennzeichnet: Vormärz, Revolution, Reaktion und Neue Ära sind
die wichtigsten Stichworte. Das bedeutendste Ereignis für die Deutschen, die Reichsgründung
1871, hatte Pfeufer nicht mehr erlebt. Dabei interessierte hier vor allem, wie ein Universitäts-
professor als typischer Vertreter des Bürgertums diese Entwicklungen erlebt. Und in eben
dieser Rolle erlebte und kommentierte er natürlich auch die Entwicklung des Liberalismus zur
tragenden Säule der deutschen Politik in der zweiten Jahrhunderthälfte.
Der Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Untersuchung von Pfeufers wissenschaftlichem
Werk. Hier zeigte sich, daß der heute relativ unbekannte Arzt zu seiner Zeit durchaus eine
gewisse Bedeutung erlangte, wo es um die Genese, vor allem aber um Prophylaxe und Thera-
pie der Cholera ging. Sein vordringlichstes Anliegen war der Dienst am Patienten und so war
seine Arbeit vor allem dazu gedacht, die Kranken zu heilen und die Gesunden vor der An-
steckung zu schützen. Dennoch stellte er durchaus eigene, manchmal auch eigenwillige The-
sen auf, die aber 1852 in dem sehr realitätsnahen Konzept mündeten, daß der große Flüssig-
keitsverlust für die hohe Mortalität verantwortlich sei und daher der Volumenersatz das ober-
ste therapeutische Prinzip darstelle.
Das Wirken des Mediziners vollzog sich in einer für die Heilkunde wichtigen Epoche, näm-
lich der Loslösung von spekulativen Modellen und der Hinwendung zur wissenschaftlich
überprüfbaren Medizin, die auch heute noch die dominierende Rolle spielt. Diese Umwälzung
konnte natürlich nicht ohne Richtungskämpfe und Meinungsverschiedenheiten ablaufen.
Pfeufer bezog auch hier deutlich Stellung und stand für eine moderne, „rationelle“ Medizin,
was fast zwangsläufig zu Auseinandersetzungen mit manchen seiner Kollegen um den richti-
gen Weg zu einer naturwissenschaftlichen Medizin führen mußte.