Carla Schoenmakers
Dr. med.
Neoadjuvante Chemotherapie beim Mammakarzinom -
Effektivität und postoperative Komplikationen
Geboren am 28.01.1952 in Leipzig
Reifeprüfung am 09.06.1970 in Frankfurt /Main
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom WS 1976/77 bis SS 1983
Physikum am 20.03.1979 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 21.04.1983 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Frauenheilkunde
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. Ingo J. Diel
Neben den Überlegungen, welche präventiven Maßnahmen die Entwicklung
eines Mammakarzinoms verhindern könnten, ist die weitere Klärung des
Stellenwerts der neoadjuvanten Chemotherapie einer der interessantesten
klinischen Forschungsbereiche der kommenden Jahre.
Durch multimodales Vorgehen - primäre Chemotherapie, Operation, lokale
Bestrahlung, adjuvante systemische Nachbehandlung - könnte bei den meisten
Patientinnen nicht nur erheblich häufiger eine brusterhaltende Operation
durchgeführt, sondern möglicherweise auch die Entwicklung einer Zytostatika-
resistenz umgangen und eine effektive Vernichtung von Mikrometastasen
erreicht werden. Die früher schlechte Prognose des inflammatorischen Mamma-
karzinoms wurde durch dieses Vorgehen - insbesondere durch den Einsatz der
primären Chemotherapie - erheblich verbessert.
Im Hinblick auf den Einsatz der präoperativen Chemotherapie bei nicht-
inflammatorischen Mammakarzinomen laufen derzeit noch randomisierte Studien
in den USA und Europa, die insbesondere die Fragestellung einer verbesserten
Mikrometastasenkontrolle untersuchen. Sollten die Ergebnisse dieser
Untersuchungen die Überlegenheit einer präoperativen Chemotherapie
gegenüber dem bisherigen Vorgehen belegen, müßte evtl. das chirurgische
Vorgehen als adjuvante Behandlungsmaßnahme bei der Primärbehandlung des
Mammakarzinoms eingestuft werden.
Auch an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg können aufgrund der noch
kurzen Erfahrungen mit der primären Chemotherapie in Hinblick auf Mortalität
bzw. Morbidität keine generellen Empfehlungen ausgesprochen werden. Für die
in diese Untersuchung eingeschlossene Gruppe von Patientinnen ist die
Möglichkeit der brusterhaltenden Operation nach Verkleinerung des Tumors
durch primäre Chemotherapie für die Therapieentscheidung von Bedeutung.
Immerhin konnte bei zwei Drittel der Patientinnen die Brust erhalten werden,
während dies nur bei der Hälfte der Kontrollpatientinnen möglich war - trotz
gleicher Ausgangslage bei Diagnosestellung (Tumorgröße bzw. -stadium).
Verläßliche Aussagen hinsichtlich der langfristigen Prognose nach Einsatz der
pCHT beim lokal fortgeschrittenen Mammakarzinom bleibt den oben erwähnten
großen Untersuchungen vorbehalten.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, noch weitere Aspekte zu beleuchten, um
Entscheidungshilfen für oder gegen eine neoadjuvante Chemotherapie zu geben.
Es hat sich gezeigt, daß perioperative Komplikationen wie Nachresektionen,
Wundinfektionen, Nachblutungen usw. letztlich nicht häufiger auftraten als bei
dem nicht chemotherapeutisch vorbehandelten Kontrollkollektiv.
Auch die Dauer des stationären Klinikaufenthaltes war in beiden Gruppen
vergleichbar, im Mittel ca. 2½ Wochen. Das bedeutet, daß trotz der höheren Zahl
der Mastektomien die Liegezeit bei den Kontrollpatientinnen nicht verlängert war.
Der Arzt kann der Patientin aufgrund der gemachten Erfahrungen bzw. der
publizierten Studien die medizinischen Gründe, die für eine neoadjuvante
Chemotherapie sprechen, aufzeigen. Es gibt für die betroffene Patientin neben
den medizinischen aber auch sehr individuelle, persönliche Gründe, sich für oder
gegen eine neoadjuvante Chemotherapie zu entscheiden.
So ist für manche Patientin schwer zu ertragen, daß bis zur Operation noch
Monate mit häufigen Arztbesuchen bzw. Aufenthalten in der Tagesklinik
vergehen. Dazu kommen die Auswirkungen bzw. Nebenwirkungen der
Chemotherapie, die einigen Patientinnen bei entsprechendem operativen
Vorgehen und postoperativer Nachbestrahlung u. U. erspart werden kann.
In Bezug auf prognostische Aussagen, d. h. krankheitsfreie Überlebenszeit bzw.
Gesamtüberlebenszeit lassen sich signifikante Daten aufgrund der kurzen
Follow-up-Zeit nicht erheben.
Außerdem läßt sich die derzeit verfügbare Literatur über die Anwendung von
pCHT beim primären Mammakarzinom wegen der Unterschiede im
Studiendesign und der Auswahlkriterien nur schwer vergleichen (Volpe 1992).
Insgesamt bestehen für nodalnegative Patientinnen durch die pCHT Vorteile
hinsichtlich einer längeren Rezidivfreiheit und der Entwicklung von Metastasen,
während sich dies für nodalpositive Patientinnen nicht nachweisen ließ (Volpe
1992).