scieee Science in your language
[de] (orig) [fr] [it] [es]
Paul Franz Schmücker
Dr. sc. hum.
Archivierung und Präsentation von heterogenen klinischen Objekten in
elektronischen Patientenakten
Geboren am 13.03.1949 in Delbrück
Reifeprüfung am 18.06.1971 in Arolsen
Studiengang der Fachrichtung Informatik vom WS 1972/73 bis WS 79/80
Vordiplom am 05.07.1975 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel
Diplom am 02.01.1980 an der Christian-Albrechts-Universität Kiel
Promotionsfach: Medizinische Biometrie und Informatik
Doktorvater: Prof. Dr. rer. biol. hum. Reinhold Haux
Zusammenfassung:
Klinisches Dokumentationsmaterial und Archivgut ist durch seine immensen Umfänge
und eine hohe Heterogenität gekennzeichnet. Diese für die klinische Archivierung
charakteristischen Merkmale stellen die Ursachen für Unzulänglichkeiten im
Archivwesen und in der Informationslogistik des Gesundheitswesens dar.
In mehreren Systemanalysen wurden die Dokumentations-, Informations- und Kom-
munikationsobjekte, die im Bürobereich, im Archivbereich und im ärztlich-
pflegerischen Bereich anfallen, analysiert. Dabei wurden die Strukturen und
Spezifikationen der klinischen Objekte ermittelt. Charakteristisch für die medizinische
Dokumentation ist die Vielfalt der Datenquellen, Dateninhalte, Datenarten, Datenträger
und Präsentationsmöglichkeiten. In kaum einem anderen Bereich wird mit einer
derartigen Vielfalt gearbeitet. Darüber hinaus wurden die Informationsbedürfnisse der
verschiedenen Organisationseinheiten und Mitarbeitergruppen ermittelt.
Aufbauend auf den Ergebnissen der Systemanalysen, werden die Anforderungen an
klinische Dokumentenmanagement- und Archivierungssysteme spezifiziert. Dabei
werden Anforderungen aus der Literatur und praktische Erfahrungen bei der
Entwicklung, der Einführung und dem Betrieb elektronischer Dokumenten-
management- und Archivierungssysteme berücksichtigt.
Im nächsten Schritt wird aufgezeigt, wie die Strukturen und Spezifikationen klinischer
Objekte formal beschrieben und in einem medienunabhängigen Archivmodell
abgebildet werden können. Anhand verschiedener Typen von Ablagesystemen werden
hierzu Anwendungsbeispiele gezeigt.
Berücksichtigung bei der Strukturierung und Spezifikation des klinischen Archivguts
finden gängige für das Dokumentations- und Archivwesen entwickelte Standards wie
TIFF, JPEG, ODA/ODIF, SGML, ACR/NEMA und DICOM sowie der
Standardisierungsvorschlag EBS. Für die Kommunikation bieten sich derzeit im
wesentlichen HL7, EDIFACT und DICOM an. Die Nutzungsmöglichkeiten und
Grenzen dieser Standards werden aus Sicht von Krankenhausinformationssystemen
aufgezeigt.
Ausgehend von den Ergebnissen der Systemanalysen und den Beschreibungsmethoden
für klinische Objekte, werden Verbesserungsmöglichkeiten zur Bewältigung des im-
mensen Archivvolumens und der Heterogenität der Objekte im Rahmen der
Archivierung beschrieben. Hierbei handelt es sich im wesentlichen um die Nutzung von
Informationsstruktur-, Ablage- und Kommunikationsstandards sowie die Grundsätze
der ordnungsgemäßen und revisionssicheren digitalen Archivierung. So kann
gewährleistet werden, daß auf die Vielfalt der Informationen und Dokumente, die in
den digitalen Archiven der Krankenhäuser aufbewahrt werden, über 30 Jahre
zugegriffen werden kann.
Darüber hinaus werden neue Wege zur Verbesserung der Qualität der Patienten-
versorgung, der Lehre und Forschung, zur Beschleunigung der Patientendurchläufe
sowie zur Verbesserung der Arbeitsabläufe für die Mitarbeiter aufgezeigt. Hierbei wird
auf kritische Aspekte der elektronischen Dokumentenmanagement- und Archivierungs-
systeme hingewiesen, die sich im Krankenhausbereich noch im Anfangsstadium der
Einführung und Verbreitung befinden. Abschließend werden Aufgabenstellungen
aufgezeigt, die künftig einer Bearbeitung und Lösung bedürfen.