Ante Rimac
Dr. med.
Therapie - Monitoring beim kleinzelligen Bronchialkarzinom mittels Positronen-
emissionstomographie
Geboren am 02.03.1966 in Split
Reifeprüfung am 11.06.1986 in Stuttgart
Studiengang der Fachrichtung Medizin vom SS 1987 bis SS 1994
Physikum am 21.03.1990 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr in Heidelberg
Staatsexamen am 17.05.1994 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Doktorvater: Herr Priv. Doz. Dr. med. M.V. Knopp
Das kleinzellige Bronchialkarzinom gehört in der Onkologie zu den Tumoren, die sich durch
eine hohe maligne Potenz auszeichnen. Infolgedessen ist die Lebenserwartung der Patienten,
nach Diagnosestellung, kurz. Die Therapieentscheidung bei dieser Diagnose richtet sich, wie
auch sonst in der Onkologie üblich, hauptsächlich nach dem Staging wobei bei dieser
Tumorentität die Chemotherapie die Methode der Wahl darstellt. Um die insgesamt schlechte
Prognose zu verbessern, ist eine Optimierung der Chemotherapie, z. B. durch eine verbesserte
Verlaufsbeobachtung, und möglichst frühzeitige Beurteilung der Therapieantwort, notwendig.
Das Ziel unserer Untersuchungen war es zu klären, ob die Positronenemissionstomographie,
im Vergleich zu den üblichen Therapie-Beurteilungsverfahren („Klinik“ und „Tumormarker“)
in der Lage ist, die Therapieantwort so zu beurteilen, daß signifikante prognostische
Tendenzen ablesbar sind. Wir wählten als Beurteilungszeitpunkt den zweiten Therapie-zyklus.
Zu diesem angemessen frühen Zeitpunkt wäre es dem behandelnden Onkologen noch
rechtzeitig möglich, auf alternative Therapieprotokolle umzuschwenken.
Bisher war die Therapie-Velaufsbeobachtung vor allem auf Tumormarkerkonzentrationen
(z. B. NSE, CEA) und morphologisch ausgerichtete bildgebende Verfahren gestützt, die
Änderungen des Tumorvolumens registrierten (CT, konventioneller Röntgen- Thorax). Erst
die Einführung von Ganzkörper PET-Scannern ermöglichte es, die Tumoraktivität mit einer
ausreichend hohen Spezifität und Sensitivität bildhaft darzustellen und zu quantifizieren. Als
metabolisch relevantes Radiopharmakon (Tracer) verwendeten wir F-18 markierte
Deoxyglucose (FDG).
In einer prospektiven Studie untersuchten wir 39 Patienten mit der Methode. Von diesen
wurden alle initial, vor Therapiebeginn, untersucht und anschließend verlaufsbeobachtet,
wobei die erste Verlaufskontrolle nach dem zweiten Therapiezyklus stattfand.
Wir fertigten Endpunkt- Messungen, 50 Minuten nach Injektion von 440 MBq FDG an. Die
Aufnahmeintensität, bestimmt anhand der ROI- Technik, wurde als SUV-Wert angegeben.
Von allen Patienten konnten die Überlebenszeiten erhoben und die relevanten klinischen
Daten vervollständigt werden. Die Therapieantwort wurde innerhalb der Beurteilungssysteme
- „Klinik“, „Tumormarker“ und „PET“ anhand der drei WHO-Kategorien no change /
progressive disease (NC/PD), partial response (PR) und complete remission (CR) bemessen.
Dabei zeigte die mit PET durchgeführte Einschätzung der Therapieantwort in Korrelation zur
Überlebenszeit die höchste Klassifizierungsgenauigkeit. Wir ermittelten eine mittlere
Überlebenszeit für PET (NC/PD) von 7,6 Mon. (3-12), für PET (PR) von 17,6 Mon. (11-32) und
32 Monaten für PET (CR) (17-56).
Im Hinblick auf die Fähigkeit, Patienten mit einer kurzen Überlebenszeit, d. h. weniger als
12 Monate - und damit einer ungünstigen Prognose - zu „erkennen“, zeigte die
Positronenemissionstomographie die höchste Genauigkeit bei einer Sensitivität von 83 % und
einer Spezifität von 90 %.
Darüber hinaus konnte mit PET, verglichen mit den anderen Beurteilungsverfahren, in den
Klassifizierungskategorien (NC/PD, PR, CR) die größte Trennschärfe erzielt werden, was für
den behandelnden Kliniker von weitreichender Konsequenz ist. So konnte z. B. im Vergleich
zwischen den Kategorien PET (NC/PD) und PET (PR) eine Trennung mit einer statistischen
Fehlerwahrscheinlichkeit von weniger als 0,006 ermittelt werden.
Ferner konnten unsere Untersuchungen zeigen, daß die initiale FDG-Anreicherung weder mit
der Überlebenszeit der Patienten (p=0,08) noch mit dem Metastasierungsverhalten des
Tumors signifikant korreliert. Ein Zusammenhang zwischen Patientenalter und Überlebenszeit
(p=-0,17) konnte ebenfalls ausgeschlossen werden, wodurch die ermittelten Ergebnisse nicht
alterskorreliert interpretiert werden mußten.
Der Vergleich der funktionell-metabolisch ausgerichteten Positronenemissionstomographie
mit anderen Therapieverlaufsparametern konnte somit zeigen, daß die Positronen-
emissionstomographie eine wertvolle und zukünftig noch vielversprechend ausbaubare
diagnostische Option im onkologischen Therapie-Monitoring darstellt.