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Holger Paschen
Dr. med.
VERTEBRAGENE ZERVIKALE MYELOPATHIE: Begriffsbestimmung und Klinik
Geboren am 25.8.61 in Hamburg
Reifeprüfung am 1981 in Hamburg
Studium der Humanmedizin vom WS 1981/1982 bis SS 1988
Physikum am 17.8.1983 an der Universität Heidelberg
Klinisches Studium in Heidelberg
Praktisches Jahr im Rehabilitationskrankenhaus Karlsbad Langensteinbach, Lehrkrankenhaus
der Universität Heidelberg und im Plymouth General Hospital, England
Staatsexamen am 26.5.1988 an der Universität Heidelberg
Approbation 13.7.1988
Facharzt für Neurologie 8.1.1997
Facharzt für Psychiatrie 21.1.1998
Promotionsfach: Neurologie
Doktorvater: Prof. Dr. V. Schuchardt
Im Gegensatz zu zahlreichen Autoren behaupten wir, daß die zervikale spondylotische
Myelopathie ein unscharf definiertes und schlecht beschriebenes Krankheitsbild ist. Dies läßt
sich mit der Vielzahl von unterschiedlichen Begriffen belegen, die in der Literatur für ein im
Kern sehr ähnliches Krankheitsbild verwandt werden. Während die einen Autoren die
zugrundeliegenden Ätiologien als wichtigstes Definitionskriterium betrachten, sehen die
anderen in der Verlaufsdauer das entscheidende Kriterium für die Zuordnung zu diesem
Krankheitsbild. Selbst diejenigen Autoren der ersten Gruppe, welche den selben Begriff wie
cervical spondylotic myelopathyverwenden, unterscheiden sich deutlich in den Ätiologien,
die sie unter diesem Begriff zusammenfassen. Uneinigkeiten bestehen u. a. bezüglich der
Bewertung von Bandscheibenvorfällen, Instabilitäten und rheumatischen Veränderungen. In
der Autorengruppe, welche die Verlaufsdauer als entscheidendes Definitionskriterium sieht,
herrscht über die genaue Dauer Uneinigkeit.
Das klinische Bild der VZM ist einerseits schon wegen der definitorischen Unterschiede
zwischen den Studien nur ungenau beschrieben und andererseits dürften die bisherigen
Arbeiten, welche vorwiegend aus der Zeit von 1952-1976 stammen, aufgrund der damals nur
begrenzten diagnostischen Möglichkeiten zahlreiche Fehldiagnosen beinhalten. Neuere
Arbeiten behandeln nur noch Teilaspekte des klinischen Bildes oder sind wegen
definitorischer Unterschiede mit anderen Quellen nicht vergleichbar. Daher sind erneute
Untersuchungen zum klinischen Bild der VZM, bei denen mit elektrophysiologischer und
radiologischer Diagnostik Fehldiagnosen weitestgehend ausgeschlossen werden können,
notwendig.
Mit einer retrospektiven Studie anhand von 144 Patienten, die zwischen 1982 und 1992 mit
einer VZM stationär in der Abteilung Neurologie des Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
behandelt wurden, untersuchten wir, ob eine Unterteilung der Patienten nach verschiedenen
Ätiologien oder Verlaufsdauern zu Gruppen mit unterschiedlichen Krankheitsbilder führt. Für
statistische Vergleiche ausreichende Gruppengrößen erreichten dabei Patienten mit
Bandscheibenvorfall, mit degenerativen Veränderungen, degenerativ bedingter Instabilität,
Instabilität infolge rheumatischer Veränderungen sowie mit unterschiedlichen Verlaufsdauern
entsprechend den zeitlichen Kriterien von Kunz u. Arlt (1991) und Hameln et al. (1980).
Wir fanden keine wesentlichen Unterschiede in der klinischen Symptomatik zwischen den
Gruppen mit unterschiedlichen Ätiologien oder unterschiedlicher Verlaufsdauer. Daher
schlossen wir keine der Gruppen aus der VZM aus.
Auf alle Patienten bezogen zeigt sich folgendes klinisches Bild der VZM: Demnach ist die
VZM durch chronischen Beginn, chronisch progredienten Verlauf und kombinierte sensible
und motorische Störungen charakterisiert. Im Gegensatz zu anderen Arbeiten fanden wir eine
Störung des sensiblen Systems bei fast allen Patienten (bei 98%), wodurch sich eine gute
Abgrenzbarkeit zu Motorneuronerkrankungen ergibt. Hilfreich in der Abgrenzung zur
Encephalomyelitis disseminata ist, daß nur 4% der Patienten deutliche Blasenent-
leerungsstörungen und diese dann immer nur in Kombination mit schweren Paresen und
zumeist erst nach langem Krankheitsverlauf aufweisen, und daß bei der VZM nur wenig
schubartige Verläufe (5%) und diese überwiegend bei PCP-Patienten auftreten.
So kommen wir zu einer Definition der VZM, die das Gemeinsame der bisherigen
Definitionen enthält.
Die VERTEBRAGENE ZERVIKALE MYELOPATHIE ist eine mechanisch bedingte
Halsmarkstörung, die in der Regel chronisch oder subchronisch beginnt und langsam
progredient verläuft. Die mechanische Beeinträchtigung kann durch sämtliche
extraduralen Veränderungen der Halswirbelsäule bedingt sein, mit Ausnahme solcher,
die maligner oder infektiöser Genese sind. Die vertebragene zervikale Myelopathie liegt
nur dann vor, wenn an den Beinen Symptome einer Halsmarkstörung bestehen.