Anna Ursula Neeser
Dr. med. dent.
Lokale Komplikationen nach Koronarangiographie, perkutaner transluminaler
Koronarangioplastie und Stent-Implantation.
Geboren am 03. 07. 1971 in Tübingen
Reifeprüfung am 18. 05. 1990 in Stuttgart
Studiengang Fachrichtung Zahnmedizin vom WS 1990 bis WS 1995/96
Physikum am 24. 03. 1993 an der Universität Frankfurt/Main
Klinisches Studium in Heidelberg
Staatsexamen am 16. 01. 1996 an der Universität Heidelberg
Promotionsfach: Innere Medizin
Doktorvater: Priv.-Doz. Dr. med. E. v. Hodenberg
Seit knapp 40 Jahren werden katheterunterstützte kardio-angiologische
Untersuchungsverfahren via Arteria femoralis angewandt. Vor ca. 20 Jahren wurden auch
therapeutische Verfahren zur nicht-chirurgischen Revaskularisierung des Myokards
entwickelt. Zur Zeit werden zum einem die diagnostische Koronarangiographie, zum
anderen die perkutane transluminale Koronarangioplastie (PTCA) und die PTCA in
Verbindung mit der koronaren Implantation einer Gefäßstütze (Stent) angewandt.
Die angiologischen Untersuchungstechniken können sowohl mit kardialen als auch mit
lokalen und allgemeinen Risiken verbunden sein. Bisher wurden zahlreiche
Untersuchungen über Komplikationen an der untersuchten bzw. dilatierten Koronararterie
unternommen. Auch die Abhängigkeit der lokalen Komplikationsrate von der Art der
Untersuchung ist nach Koronarangiographie und PTCA vielfach untersucht worden.
Relativ selten ist bisher die Inzidenz lokaler Gefäßkomplikationen nach komplexen
Koronarinterventionen wie Stentimplantation im Vergleich zu den konventionellen
Verfahren untersucht worden.
Insbesondere nach Stentimplantation treten zahlreiche lokale Gefäßkomplikationen auf.
Durch diese hohe Inzidenz wurde es möglich den Einfluß einzelner Risikofaktoren auf das
Auftreten lokaler Gefäßkomplikationen zu untersuchen.
In dieser Studie wurden prospektiv je 50 Patienten nach Koronarangiographie, perkutaner
transluminaler Koronarangioplastie (PTCA) und PTCA mit anschließender
Stentimplantation bezüglich des Auftretens postpunktioneller Komplikationen an der
Arteria femoralis untersucht. Als Komplikationsarten wurden therapeutische relevante
lokale Komplikationen wie Aneurysma spurium, arteriovenöse Fistel, operative Revision,
lokale Infektion, arterieller Verschluß und hämodynamisch wirksame
transfusionsbedürftige Blutung erfaßt. Fortgeschrittenes Alter, weibliches Geschlecht,
Übergewicht, arterielle Hypertonie, Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie, Diabetes
mellitus, Medikation mit Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmern und
generalisierte periphere Gefäßsklerose wurden als mögliche Risiken für das Auftreten von
lokalen Komplikationen erfaßt. Alle Patienten wurden sowohl klinisch als auch unter
Anwendung der farbkodierten Doppler-Sonographie an der Punktionsstelle nachuntersucht.
Bei den Patienten mit Koronarangiographie bzw. PTCA traten erwartungsgemäß wenig
lokale Komplikationen auf. Bei den Patienten mit PTCA und Stentimplantation konnten
signifikant häufiger lokale Komplikationen festgestellt werden. Unter allen untersuchten
Patienten konnte als Komplikation signifikant am häufigsten ein Aneurysma spurium
festgestellt werden.
Der Hauptgrund für die hohe Inzidenz lokaler Komplikationen bei Stent-Patienten liegt
vermutlich in der strikten Gerinnungshemmung mit Heparin und Marcumar und der
thrombozytenaggregationshemmenden Medikation mit Acetylsalicylsäure. Im Vergleich
haben Stent-Patienten mit Komplikationen mehr Heparin und Marcumar erhalten als
Patienten ohne Komplikationen, dieser Unterschied erreicht allerdings keine statistische
Relevanz. Die Erklärung für die deutlich höhere Inzidenz insbesondere des femoralen
Pseudoaneurysmas im Vergleich zur Literatur wird in der systematischen Anwendung der
farbkodierten Duplexsonographie (FDS) mit erhöhter Aufdeckungsrate klinisch
inapparenter Komplikationen vermutet.
In der vorliegenden Untersuchung konnte keine Abhängigkeit der Inzidenz lokaler
Gefäßkomplikationen von der verwendeten Schleusengröße, dem Vorliegen eines oder
mehrerer Risikofaktoren, einem erhöhten Mean-Blood-Pressure oder der Höhe der
Antikoagulation gezeigt werden.
Die vorliegende Studie hat gezeigt, daß ein femorales Pseudoaneurysma nach
Stentimplantation mit intensiver Antikoagulation und Thrombozytenaggregation häufiger
auftritt als bisher angenommen. Eine sonographische Kontrolle sollte demnach nach jeder
femoralen Punktion routinemäßig erfolgen. Die FDS hat sich dabei als hochsensitive,
schnell durchführbare, nicht-invasive und kostengünstige Methode bewiesen.
Ein Faktor, der die obengenannten Aussagen sicherlich zu einem gewissen Grad limitiert,
ist die geringe Fallzahl von 50 Stent-Patienten, die trotz hoher Inzidenz von Komplikation
einen sicheren Nachweis einer statistischen Relevanz erschwert.